JAHRBUCH
DER
KAISERLICH - KÖNIGLICHEN
GEOLOGISCHEN REICHSANSTALT.
XII. BAND.
1861 UND 1862.
MIT X TAFELN.
BEI WILHELM BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES.
Vorwort zum zwölften Bande
Zum neuen Jahre 1862 war es uns gelungen, nach dem Wiederbeginne
unserer Druckarbeiten ein Heft, das erste des gegenwärtigen zwölften Bandes
zum Abschlüsse zu bringen, zum neuen Jahre 1863 ist der Band selbst
geschlossen und wir dürfen nun die Lücke der Störungen des Jahres 1860 als
ausgefüllt und unsern Gang als von nun an vollständig regelmässig betrachten.
Der Band schliesst in den laufenden Aufgaben mit dem 16. December ab, doch
verlangte die Sitzung am 16., dass zur Vervollständigung auch diese noch ein-
bezogen werde.
Was ich am 10. Juli 1861, im Vorworte des eilften Bandes als Hoffnung
aussprach, das nennen wir nun mit frohem Muthe Erfüllung. Der zwölfte Band
hat nun wieder seine vier Hefte gewonnen, während der eilfte mit dem zweiten
abgeschlossen werden musste, aber es war unvermeidlich, ihn über die beiden
Jahre 1861 und 1862 auszudehnen. Indessen, einmal in die wünschenswerthe
Zeit gebracht, soll es unser lebhaftestes Bestreben sein, sie auch für spätere
Abschnitte einzuhalten.
Der Band enthält zwei Jahresansprachen, am 19. November 1861 und am
4. November 1862. Sie geben ein Bild unserer Fortschritte während dieser
zwei Jahre in grossen Umrissen, als feste Punkte in der Reihe unserer fort-
laufenden Berichte über Sitzungen und über die Arbeiten des Sommers. In den
einzelnen, im Inhalte verzeichneten, wissenschaftlichen Beiträgen begegnen wir
jenen von hochgeehrten Forschern, welche bereits aus unserem näheren Ver-
bände ausgeschieden sind, des Freiherrn v. Richthofen und des verewigten
Jokely; von auswärtigen Freunden, des Herrn Professors Krejci und des
nun ebenfalls verewigten Th. v. Zollikofer, den umfassenderen Arbeiten
unseres hochgeehrten Mitgliedes Herrn k. k. Bergrathes L ip o 1 d, zum Theil aus
jener früheren -Zeit herrührend, und kürzeren Beiträgen der Herren Stur, Sto-
liczka, Pichler, über das chemische Laboratorium von Herrn Karl Ritter
v. Hauer, endlich einem mehr Erörterungen von Ansichten gewidmeten des hoch-
geehrten Erforschers der silurischen Gebirge in Böhmen, Herrn Joachim B ar r a n d e,
dem auch ich einige Bemerkungen beizufügen mich veranlasst gesehen hatte.
A*
IV
Die Bibliotheks-Berichte besorgte fortwährend Herr Ritter A. Senoner.
Das Register fertigte wie bisher Herr Graf v. Marschall. Ihm sind wir
auch für das, gleichzeitig dem Schlüsse nahe „Generalregister für die 10 ersten
Bände des Jahrbuches“ zu wahrem Danke verpflichtet.
Der Umschlag gibt, wie bisher die Übersicht der bis jetzt von uns durch-
gefuhrten Kartenaufnahmen, und zwar 108 Sectionen Specialkarten des
k. k. General-Quartiermeisterstabes in dem Maasse von 2.000 Klafter = 1 Zoll
(1 : 144.000 der Natur); 36 Sectionen Generalkarten von 4.000 Klafter
= 1 Zoll (1 : 288.000) und 9 Sectionen Strassenkarten von 6.000 Klafter
= 1 Zoll (1 : 432.000), wie die nachstehende Übersicht ausführlicher zeigt.
Kronland Sectionen Preis
Kroniand Sectionen Preis
Oe. W.
Oe. W.
1' = 2000° Oesterreich ob
Lombardieund
und unter der
Venedig . .
4
fl.
34
Enns ....
28
fl. 143
Tirol und Vor-
Böhmen . . .
38
„ 167.50
arlberg . . .
2
30
Salzburg . .
13
„ 46.75
Banat ....
4
»
8
Steiermark u.
Steiermark . .
4
»
36
Illyrien . .
29
„ 121.50
36
fl.
263.50
108
fl. 478.75
1' ==j 6000° Siebenbürgen .
2
fl.
9
1 ' = 40000 Ungarn . . .
17
fl. 65.50
Galizien u.s.w.
3
»
9
Salzburg . .
1
„ 30
Croatien . . .
1
»
3.50
Kärnthen,Krain
Slavonien . .
i
»
2.50
und Istrien .
4
„ 60
Dalmatien . .
2
»
4
9
fl.
28
Ich glaube es erheischt es meine Pflicht gerade an dem gegenwärtigen Orte
des Berichtes zu gedenken, noch in unserer letzten Sitzung am 16. December
(S. 306) auch von meinem hochverehrten Freunde, Herrn k. k. Bergrath Franz
Ritter von Hauer vorgelegt, welchen in wohlwollendster Weise der ausgezeich-
nete Naturforscher, Herr ßuintino Sella in Turin, früher daselbst k. Finanz-
minister, über unsere k. k. geologische Reichsanstalt, am 8. October 1861
erstattet hat, in seiner Darstellung: Sul modo di fare la carta geologica del
regno d'Italia. Relazione del Commendatore Quintino Sella al Sig. Commen -
datore Cordova , ministro di agricoltura, industria e commercio. (Aus den
Atti della Societä Italiana di Scienze naturali in Milano. Vol. IV. Seduta del
29 giugtio 1862.) Er hatte eine Rundreise nach Frankreich, England, Belgien,
Deutschland unternommen, und gibt hier viele Nachrichten aufgesammelt, die
auch für uns von grösster Wichtigkeit sind. Billig spricht Herr Sella die höchste
Anerkennung den Karten der in England unter Sir Henry De la ßeche gegrün-
deten geologischen Landesaufnahme, nun unter Sir Roderick I. Murchison
unbedingt aus. Auch wir dürfen darin vollkommen mit ihm übereinstimmen. Sie
waren und sind noch stets das Ziel, dem wir uns zu nähern bestreben, so weit
dieses auf den Grundlagen, über welche wir gebieten, möglich ist. Mit grosser
Sachkenntnis beurtheilt er auch die Ursachen, welche bei uns eine vollständig
V
gleiche Nachbildung bisher verhindert haben, und es wird uns auch von ihm ein
entsprechender Grad von Anerkennung keineswegs vorenthalten. Ich darf dies
hier um so weniger übersehen, als Herr Sella es war, der bereits auf der Pariser
Ausstellung im Jahre 1 855 in der damaligen internationalen Beurtheilungscom-
mission sich warm der Verdienste der von uns eingesandten geologischen Kar-
ten annahm, während sie von anderen Beurtheilern gleichgiltiger aufgenommen
worden waren, worauf ich damals aufmerksam machen zu müssen glaubte. (Jahr-
buch 1856, S. 198, 364, 376.)
Was die Sache selbst anbelangt, den Hauptpunkt in den Bemerkungen,
welche Herr Sella als Ergebniss seiner Forschungen gibt, so wird allerdings
in vielen Gegenden eine Karte in dem Maasse von 1 : 144.000, oder 2000 Klafter
= 1 Zoll nicht genügen, um dasjenige darzustellen, was eine Karte von dem
Maasse von 1 : 63.360 gibt, oder von 880 Klaftern auf den Zoll, also 2*27 Mal
grösser linear, mehr als fünfmal grösser in der Fläche. Allein die erstgenannte
Grösse ist einmal diejenige, welche uns vorliegt, und wir bescheiden uns daher,
in dieser so viel darzulegen, als es uns überhaupt möglich ist.
Ein zweites Bedenken wird erhoben, ob denn die Karten auch überall hin-
länglich genau sein mögen, da doch die Aufnahmen mit so grosser Raschheit
vor sich gehen, dass ein so eingehendes Studium wie in England sich in so
kurzer Zeit gar nicht durchführen lässt. Ich glaube hier von einer Seite wohl
auf die Anerkennung eines langjährigen hochgeehrten Gönners und Freundes,
des gegenwärtigen Directors der geologischen Landesaufnahme in England, Sir
Roderick Murchison selbst, in meiner Ansprache vom 4. November (V. S. 270)
einen grossen Werth legen zu dürfen. Es kann sich ein solches Urtheil freilich
nur auf einzelne Gegenden beziehen, aber das doch nur auf zufällig aus der
ganzen Oberfläche gewählte. Aber was man von dieser Grösse der Karten vor-
aussetzen kann, das glaube ich versichern zu dürfen, wird man auch in ander-
weitigen Sectionen in gleicher Genauigkeit dargestellt vorfinden.
Aber über die Lage der k. k. geologischen Reichsanstalt selbst, und den
Zustand der geologischen Wissenschaft überhaupt, glaube ich ein Wort beifügen
zu müssen, so wie über die Natur unserer geologischen Grundlage, den Boden
selbst. Dass uns England in der Zeit der Entwickelung der Geologie weit voran
steht, bedarf wohl kaum einer neuerlichen Angabe, wo selbst die Londoner geo-
logische Gesellschaft bis in das Jahr 1808 zurückreicht, der vielfachen gesell-
schaftlich- wissenschaftlichen Verbindungen nicht zu gedenken, welche auch vor
jener Zeit die Naturwissenschaften förderten. Als die geologische Landesdurch-
forschung im Jahre 1835 unter Sir Henry de la Be che begann und sich alhnälig
erweiterte, war schon sehr viele wissenschaftliche Grundlage gewonnen.
Ganz anders bei uns. Erst in neuester Zeit wurde dem Rufe nach Pflege
der Wissenschaft um ihrer selbst Willen, der Erweiterung derselben, in der
Gründung unserer Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 30. Mai 1846
ein Ausdruck gegeben. Zur Zeit der Gründung der k. k. geologischen Reichs-
anstalt am 15. November 1849 fanden wir nur sehr vereinzelte Bruchstücke,
VI
wenn auch manche von grossem Werthe für die geologische Landeskenntniss
vor. Wir mussten einen raschen Plan der Forschung uns auferlegen, um doch
innerhalb eines Menschenalters ein Ganzes in dem Wege der Darstellung durch
geologische Karten vorlegen zu können. Daher die Bestimmung der dreissig
Jahre für die erste genauere Detailforschung im Ganzen festgehalten wurde. Als
wir vor einigen Jahren in dieser Weise fortgeschritten waren, zeigte sich aber
selbst ein unabweisbares Bedürfniss, durch vorhergehende Uebersichtsaufnahmen
in noch vermehrter Schnelligkeit zu einer vorläufigen Kenntniss des Zusammen-
hanges im Ganzen zu gelangen, während die Aufgabe genauerer Forschungen
zum Theil gleichzeitig durchgeführt wurde, zum Theile noch vorliegt. So
war es immer unser Bestreben der Natur der unserer Sorge zur geologischen
Durchforschung anvertrauten Gegenden entsprechend, das gerade vorliegende
Bedürfniss zu befriedigen. Die Uebersichtsaufnahmen nun wurden im Verlaufe
des letzten Sommers mit der Aufnahme des südlichen Theiles, der Karlstädter
k. k. Militärgrenze und Dalmatiens geschlossen. Eine bereits weit über die
früheren Kenntnisse vorgeschrittene Uebersichtskarte wird nun zur Veröffent-
lichung vorbereitet. Von jetzt an theilen sich unsere Obliegenheiten in drei
Richtungen. Alle unsere Kraft wurde bis zum Schlüsse dieser Aufgabe, den Ueber-
sichtsaufnahmen, möglichst zugewendet. Es gelingt uns jetzt einen Theil mehr
für Arbeiten im Mittelpunkte der k. k. geologischen Reichsanstalt zu verwenden,
während ein zweiter, in dem bisherigen Gange den Detailaufnahmen gewidmet
bleibt, ein dritter Theil unserer Kräfte aber für Aufgaben im Felde Vorbehalten
wird, welche sich auf einzelne wissenschaftliche Fragen beziehen, namentlich
in Gegenden , wo auch die bisherigen Detailaufnahmen für die harten von dem
Maassstabe von 1:144.000 zu viel zu wünschen übrig liessen, und mehr noch als
das in den Gegenden von höherer volkswirtschaftlicher Bedeutung, wie es die
Mittelpunkte montanistischer Thätigkeit sind. Wir schliessen uns in dieser Weise
auf das Genaueste dem wahren Landesbedürfnisse an, welches nicht nur die
Pflicht der wissenschaftlichen Kenntniss des Bodens umfasst, sondern auch die
Anwendung derselben auf die materielle Volkswohlfahrt vorbereitet.
Meinem hochgeehrten Gönner und Freunde, Herrn Quintino Sella, bin ich
nicht nur für die mich persönlich so hoch ehrenden Stellen in seinem Berichte
zu dem grössten Danke verpflichtet , sondern auch für die durch denselben
mir so günstig gebotene Veranlassung, ein Wort über die Grundsätze zu sagen,
welche unsere Aufnahmen beleben, in deren Ausführung meine hochverehrten
Freunde, die Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt, für unser schönes
Vaterland unverw’elkliche Verdienste erworben haben. Dank und Anerkennung
sei hier den hochverehrten gegenwärtigen Theilnehmern an unseren Arbeiten im
Felde ausgesprochen, den Herren Franz Ritter v. Hauer, Lipoid, Foetterle,
Stur, Stäche, Wolf, Freih.v. And rian, Paul, während wir aber auch gewiss
treues, dankbares Gedächtniss den Freunden bewahren, die aus unserem Verbände,
zum Theile selbst aus diesem irdischen Leben geschieden sind, den verewigten
Forschern Czjzek, Kuder natsch, Jokely, unseren noch rüstigen Freunden
VII
und erfolgreichen Forschern Pri nzinger, Ritter v. Zepharovich, Peters,
v. Lidl, v. Hochstetter, Freiherrn v. Richthofen, Stoliczka und so
vielen andern Freunden, welche in kürzeren Zeitabschnitten sich unseren Auf-
nahmsarbeiten freundlichst angeschlossen haben.
Einen Augenblick erheischt die Pflicht der Anerkennung und des innigsten
tief gefühlten Dankes auf dem reichen Verzeichnisse der wohlwollenden Gönner
und Correspondenten der k. k. geologischen Reichsanstalt zu verweilen, welches
dem gegenwärtigen Rande zur höchsten Zierde gereicht. Es stellt dies für den
zweijährigen Zeitraum von 1861 und 1862 eine Reihe thatsächlicher Verbin-
dungen aus unserer Geschichte vor. Einer Gesellschaft, einem wissenschaft-
lichen Vereine, je nach ihren Statuten, können Ehrenmitglieder, correspon-
dirende Mitglieder durch wirkliche Wahl angehören. Diese Form wäre bei einem
Institute von der Natur der k. k. geologischen Reichsanstalt nicht durchzuführen.
„Aber“ wie ich dies bereits bei der ersten Veranlassung (V. Bd. 1864) bemerkte,
„es gibt ein schönes Bild ihrer ausgedehnten und erfolgreichen Beziehungen, wenn
diese wie hier an die Namen der Personen geknüpft werden. Die Aufzählung
derselben in einem Verzeichnisse, die Anzeige, dass die Eintragung in dasselbe
stattgefunden hat, stellen einen Theil, ein Merkmal des Dankes und der Aner-
kennung vor, welche diejenigen Männer in vollem Masse verdienen, welche uns
in der bezeichneten Weise ihre Theilnahme für unsere Arbeiten und ihre Bei-
hilfe zur Förderung derselben bewiesen haben“. Und ich darf nun nach acht
Jahren der Uebung gewiss in wahrer Begründung sagen, was wir freundlich und
dankerfüllt ausgesprochen und dargebracht, das ist auch in allen Schichten
menschlicher Gesellschaft huldreich und wohlwollend aufgenommen worden.
Den höchsten Glanz, unter dem Allerhöchsten Schutze Seiner
k. k. Apostolischen Majestät desKaisers brachte uns die A 1 1er h öchste
Besichtigung der k. k. geologischen Reichsanstalt selbst, am 15. Februar, aus
Veranlassung der Vor- Ausstellung für das grosse International-Unternehmen des
Sommers 1862 in London. Man erkennt dies auf den ersten Blick in dem Ver-
zeichnisse. Es wird uns für immer die anregendste Erinnerung bewahren.
Allen hochgeehrten Theilnehmern an unseren Arbeiten bringe ich hier
meinen innigsten Dank dar für ihr freundliches Wirken in den eben so verschie-
denartigen Aufgaben, welche uns im Verlaufe dieser beiden Jahre Vorlagen. Ins-
besondere muss ich noch meinen hochverehrten Freund, Herrn k. k. Bergrath
Franz Ritter v. Hauer benennen, in der Gewinnung und Durchführung der
Druckarbeiten für das gegenwärtige Jahrbuch selbst. Vortheilhaft wie in vielen
Beziehungen die uns gewährte Benützung eines so grossen technischen Unter-
nehmens ist, wie die k. k. Hof- und Staatsdruckerei unter ihrem hochverdienten
Director Herrn k. k. Hofrath Auer Ritter v. Welsbach, so erheischen doch
gerade die eigentümlichen Obliegenheiten eines solchen, dass auch in den ein-
zelnen Abtheilungen die grösste Sorgfalt verwendet werde, und auch hier darf
ich der erfolgreichen Bestrebungen nicht vergessen, welche uns Herr Factor
A. Kn ob lieh in der Ausführung stets bereit gehalten hat.
VIII
Wohl darf man auch an Grösseres denken, wenn das weniger Umfassende
selbst für uns Grosses ist, und uns so ganz erfüllt, wie die uns obliegenden
Arbeiten, hier wieder zu einem Abschlüsse gelangt, zu dem Abschlüsse des zwölf-
ten Bandes unseres Jahrbuches, der so nahe in der Zeit zusammen trifft mit dem
Schlüsse dieses erhebendsten Abschnittes unserer Geschichte, der gemein-
samen Arbeit der ersten Reihe der Sitzungen in unserem hohen Reichsrathe
für das grosse Kaiserreich, unter der Waltung unseres Aller gnädigsten
Kaisers und Herrn, Franz Joseph I« Uns, die wir unter dem Schutze
Seiner Excellenz des Herrn k. k. Staatsministers Ritters v. Schmerling wieder
aufgelebt und neu bekräftigt uns fühlen, müssen die erreichten Bewilligungen
unseres Bestehens die höchste Anregung bringen, um auch unsererseits die
Pflicht zu erfüllen, welche Oesterreich von uns erwartet.
K. k. geologische Reichsanstalt, Wien, am 24. December 1862.
W. Haidinger.
Au s dem Jahrbuche
12. Band.
der k. k. geologischen
Jahrgang
Reichsanstalt.
1861 und 1862.
Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt.
1. Oberste Leitung.
K. K. Staatsministerium.
Minister: Seine Excellenz, Herr Anton Ritter von Schmerling, Grosskreuz
des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens, Grosskreuz desgrossherzog-
lich-baden’schen Ordens der Treue, sämmtlicher Rechte Doctor, k. k. wirk-
licher Geheimer Rath , Curators-Stellvertreter der Kaiserlichen Akademie
der Wissenschaften u. s. w.
2. Mitglieder.
Director: Wilhelm Karl Haidinger, Med. und Phil. Dr. , Ritter des kaiserlich-
österreichischen Franz Joseph-Ordens, der k. preussischen Friedensclasse
Pour le Merite, des k bayerischen Maximilians-Ordens für Wissenschaft und
Kunst, Commandeur des k. portugiesischen Christus-Ordens, Ritter des k.
sächsischen Albrechts-Ordens und des k. schwedischen Nordstern-Ordens,
k. k. wirklicher Hofrath, M. K. A.
Erster Geologe: Franz Ritter v. Hauer, k. k. wirklicher Bergrath, M. K. A.
Zweiter Geologe: Marcus Vincenz Lipoid, k. k. wirklicher Bergrath.
Archivar: August Friedrich Graf Marschall auf Burgholzhausen, Erb-
marschall in Thüringen, k. k. wirklicher Kämmerer.
Assistent: Franz Foetterle, k. k. wirklicher Bergrath.
Geologen: Dionys Stur.
Guido Stäche, Phil. Dr.
Heinrich Wolf.
Ferdinand Freiherr v. And rian -Werburg.
Karl M. Paul.
Verstand des chemischen Laboratoriums: Karl Ritter v. Hauer, k. k. Haupt mann
in Pension.
Bibliotheks-Cnstos : Adolph Senoner, Ritter des k. russischen St. Stanislaus-
Ordens III. CI. und des k. griechischen Erlöser-Ordens, Mag. Chir.
Zeichner: Eduard Jahn.
Auswärtig: Moriz Hörn es, Phil. Dr., Commandeur des k. portugiesischen Christus-
Ordens , Custos und Vorstand des k. k. Hof-Mineraliencabinets. C. M. K. A.
3. Diener.
Cabinetsdiener: Joseph Richter, Besitzer des k. k. silbernen Verdienstkreuzes
mit der Krone.
Laborant: Franz Frei dlin g.
Amtdieners-Gehilfen: Erster: Johann Suttner.
Zweiter: Johann Ostermayer.
R. k. Militär-Invalide als Portier: Unterofficier Anton Gärtner.
Heizer: Clemens Kreil.
Nachtwächter: Andreas Z eil ler.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
B
X
Gönner und Correspondenten.
Fortsetzung des Verzeichnisses im XI. Bande des Jahrbuches.
(Die aämmtlichen hochverehrten Namen sind hier, wie in den verflossenen Jahren, in eine einzige alphabetisch fort-
laufende Reihe geordnet und durch Buchstaben die Veranlassung zur Einschreibung derselben ausgedrückt. A die
Mittheilung von wissenschaftlichen Arbeiten; B die Schriftführung für Behörden, Gesellschaften und Institute; C die
Geschenke von selbstverfassten oder D fremden Druckgegenständen oder E von Mineralien; endlich E als Ausdruck
des Dankes überhaupt und für Förderung specieller Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt, wodurch diese
zu dem grössten Danke verpflichtet ist.)
Seine Majestät
Kaiser Ferdinand, f.
Ihre kaiserliche Hoheit die durchlauchtigste Prinzessin und Frau
Erzherzogin Sophie, f.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Karl Ludwig, f.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Ferdinand IV.,
Grossherzog von Toscana. F.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Karl Ferdinand, f.
Seine kaiserliche Hoheit der hoch würdigst- durchlauc h tigste
Prinz und Herr
Erzherzog Wilhelm. f.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Leopold, f.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Sigismund, f.
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Prinz und Herr
Erzherzog Rainer, f.
XI
Seine Majestät der König von Bayern
Maximilian Joseph II. D.
•J* Seine Majestät der König von Portugal
Dom Pedro V. f.
Seine Majestät der König von Schweden und Norwegen, der
Gothen und Wenden
Karl XV. F.
Seine königliche Hoheit der Kurfürst von Hessen-Kassel
Wilhelm I. F.
Seine Durchlaucht
Georg Adolph, Regierender Fürst zu Schadmburg-Lippe. f.
Die Frauen:
Gräfin v. Egger, Nothburga, Klagenfurt. F.
Ö ster lein, Anna, Lilienfeld, Oesterreich. F.
Gräfin v. W a Idstein, Antonia, Dux, Böhmen. F.
Die H erren :
Abert, H. L., Lieut. U. S. Topograph. Engineers, Washington. B.
Adler, Procop, Oberstlieutenant im Ottocaner k. k. Mil.-Grenz-Infanterie-
Regiment, Ottocac. F.
Alb recht, Johann, Werksbesitzer, Mies, Böhmen. F.
Ritter v. Amon, Karl, k. k. Eisenwerksverweser zu Diosgyör, Ungarn. F.
Andre e, Albert, Werksdirector, Witkowitz. F.
Antoine, Franz, k. k. Hofgärtner. F.
Auer, Anton, k. k. Bergmeister, St. Benigna, Mauth, Böhmen. F.
Bagge, Harald, Med. Dr., Bibliothekar der Sen kenb er g’schen Gesellschaft,
Frankfurt. B.
Baidinger, Mathias, Werksbesitzer, Griftnergut, Zell, Vöklabruck, Oester-
reich. F.
Balea, F., Deputato di Lesina, Dalmatien. F.
Balfour, Dr. John Hutton, General-Secretär der Royal Society. Edinburg. B.
Balling, Joseph, fürstl. v. Metternich’scher Director, Plass. F.
Ball us, Sigismund, Bergverwalter, Annathal, Ungarn. F.
Bamberger, Mathias, k. k. Berg- und Hammerverwalter, Kastengstatt, Tirol. F.
Barbieri, Stephan, k. k. Statthalterei-Secretär, Zara. F.
Baumayer, Eduard, k. k. Berghauptmann, Leoben. F.
Bayer, Ant., Bergverwalterder westböhmischen ßergwerksgesellschaft, Bilin. F.
Becker, Heinr., kurfürstl. Hessen’scher Bergverwalter, Komorau, Horowic. F.
Bello, Dr. Andreas, Rector der Universität von Chili, Santiago. B.
Bermann, Adolph, k. k. Oberst und Commandant des k. k. Liccaner Ersten
Karlstädter Militär-Grenz-Infanterie-Regiments, Gospich. F.
Graf v. Blacas d’Aulps, Stanislaus, Gutsbesitzer, Kirchberg am Wald,
Schrems, Oesterreich. F.
Borcich, Se. Hochwürden Pietro, Pfarrer in Comisa, Lissa, Dalmatien. F.
B*
XII
B o rc k enstein, Georg, k. k. priv. Grosshändler. F.
Graf v. Bray, Otto, Grosskreuz, kön. bayer. ausserordentlicher Gesandter und
bevollmächtigter Minister. B.
Broch, Dr. 0. J., Professorder Mathematik an der Universität zu Christiania. D.
Brorsen, Dr. Theodor, Astronom, Senftenberg, Böhmen.
Brosch, J., Med. Dr., Rokitzan. F.
Brunner, Anton, Wegmeister, Baltavar. Vasvär, Formend. F.
Bucich, Gutsbesitzer, Lesina, Dalmatien. F.
Graf v. Buquoi, Georg, k. k. wirklicher Kämmerer, Gratzen, Böhmen. F.
Busch, Karl, Bergverwalter, Wirtatobel, Vorarlberg. F.
Busse,, August, Bergmeister, Klein-Schwadowitz. F.
Busse, Hermann, Ober-Berggeschworner, Klein-Schwadowitz. F.
v. Calo, Franz, Bergverwalter, Voitsberg, Steiermark. F.
Ca ndeze, M. E., Med. Dr., Gen.-Secr.-Adjunct der kön. Gesellschaft der Wissen-
schaften, Lüttich. B.
Cannissie, Correspondirender Secretär der Soc. Imp. des Sciences, Lille. B.
Cassels, Dr. J. L., Choctaws, Ohio. E.
Castel, Emil, Central-Director der k. k. priv. Südbahn-Gesellschaft. F.
Castelli, Albin, Bevollmächtiger der Gewerkschaften Salesl , Gross-Priesen,
Böhmen. F.
Catergy, Se. Hochw. P. Jos., MechParisten-Ordens-Priester, Constantinopel. E.
Celotta, Julian, k. k. Bezirksactuar, Verlicea, Sebenico, Dalmatien. F.
Cervello, Nicolö, Med. Dr., Professor, Palermo. B.
Chalaupka, Moriz, k. k. Lieutenant in der Verwaltung des österr. k. k. 5. Mili-
tär-Grenzregiments in Vukovic. F.
Christen, Dr. Adolph, Rokitnitz, Böhmen. F.
Edler v. Comelli, Vincenz, k. k. priv. südl. Staats-Eisenbahn-Beamter. F.
Cramer, Professor, Actuar der naturforschenden Gesellchaft in Zürich. B.
Croy, Engelbert, Bergverwalter, Chotieschau, Böhmen, F.
Czegka, Eduard, Werksbevollmächtigter, Petrovagora, Topusko, 1. k. k. Banal-
Militärgrenze. F.
Czerny, Friedrich, k. k. Bergmeister, Wossek, Hollaubkau, Böhmen. F.
D4aky, Emanuel, Kästner, Csäkvär, Stuhlweissenburg. F.
Delaharpe, J., Med. Dr., Archivar der Societö Vaudoise des Sciences naturelles,
Lausanne. B.
D eile Grazie, Cäsar, Werksbevollmächtigter, Berzaszka, k. k. Militärgrenze. F.
Doimi, P. D., Podestä in Lissa, Dalmatien. F.
Dollfus, August, Geologe, Paris. C.
Domas, Se. Hochw. P. Stephan, k. k. Professor, Mährisch-Triibau. E.
Dragancic Edler v. Drachenfels, Stanislaus, k. k. Hauptmann, Podlapac,
Gospic, croatische Militärgrenze. F.
Dräsche, Heinrich, Werkshesitzer. F.
Draugentz, C. Friedrich, k. k. Lieutenant, Postencommandant in Obrovazzo,
Zara, Dalmatien. F.
Eckl, Adalbert, k. k. Berghauptmann, Pilsen. F.
Ehlig, Wenzel, Werksbesitzer, Hostomitz, Teplitz, Böhmen. F.
Ehrenberg, Emil, Berg-Director, Trautenau. F.
v. Elter lein, Gustav Alexander, Werksbesitzer, Aussig, Böhmen. F.
Ezer, Karl, Bergverwalter, Miröschau, Böhmen. F.
FearnI ey, Dr. C., Prof, der Astronomie an der Universität zu Christiania. D.
Fehr, Alexander, k. k. Schiffsfähnrich, Lissa, Dalmatien. F.
XIII
F eistmantel, F., fürstl. v. Fürs tenberg’scher Hüttenmeister, Bras, Radnitz. F.
Fichtner, Johann, k. k. priv. Fabriksbesitzer, Atzgersdorf, Wien, Wildpret-
markt Nr. 850. F.
Fiedler, Leopold, k. k. Bergrath, Berginspector, Mährisch-Ostrau. A.
Fischer, Anton, Werksbesitzer, Tradigist, Kirchberg an der Bielach, Oester-
reich. F.
Fitz, Johann, Werksverwalter, Padochau, Mähren. F.
Forcher, Vincenz, Ainbach bei Kniltelfeld, Steiermark. F.
Graf Forg ach v. Ghymes und Gäcs, Seine Exc. Anton, Ritter, k. k. wirklicher
Geh. Rath, Kämmerer, kön. Ungar. Hofkanzler. F.
Fortis, Dr., k. k. Prätor in Benkoväc, Zara, Dalmatien. F.
Frank, Rudolph, k. k. Einfahrer in Magura, Csertest, Siebenbürgen. E.
Frenz, Johann, Hausbesitzer, Baltavar, Körmend, Vasvär. F.
Frey, G. N., Werksbesitzer zu Kleinzell, Oesterreich, Wien. F.
Frey, Karl August, Eisenwerks-Director, Store, Cilli. E.
Ritter v. Fridau, Franz, Guts- und Werksbesitzer. F.
Friedrich, Joseph, Oberförster, Gratzen, Böhmen. F.
Fries, Elias, Med. Dr., Secretär der königl. Gesellschaft der Wissenschaften
zu Upsala. B.
Fritsch, Anton, Med. Dr., Custos am böhm. National-Museum, Prag. F.
Fritsch, Kronstadt. F.
Fuchs, Michael, Werksbesitzer, Berzaszka, k. k. Militärgrenze. F.
Fülepp, Alexander, Werksbesitzer, Neu-Moldowa. Banat. F.
Landgraf v. Fürstenberg, Seine fürstliche Gnaden, Friedrich, Fürsterzbischof
zu Olmütz. F.
Galvani, Vincenz, Werksbesitzer, Siverich, Dalmatien. F.
Gatscher, Seine Hochw. Albert, Director des k. k. Ober-Gymnasiums zu den
Schotten. B.
Gerzabek, Ferdinand, k k. Oberlieutenant in Comisa, Lissa, Dalmatien. F.
Giraudier, Balthasar, Manila, Lu^on, Philippinen. F.
Girl, Armin, Bergverwalter, Sagor, Krain. F.
Gistel, Dr. Johannes, Professor, Regensburg. D.
Gö dicke, Jakob, Berg-Ingenieur, Reschitza, Banat. F.
Gollitsch, Gustav, Werksbevollmächtigter, Cilli. F.
Grass, Moriz, Eigenthümer des Wanderer. D.
Gregory, Karl, Inspector der Herrschaft Besko, Galizien. A.
v. Grenze n st ei n, Gustav, Werksbesitzer, Kronstadt, Siebenbürgen. F.
Grosse, Wilhelm, fürstlich Fürstenberg’schen Berg- und Hütten-Inspector,
Althütten bei Beraun, Böhmen. F.
Güdl, Franz, Werksbesitzer, Pitten. F.
Guldberg, C. M., Candidat, Universität zu Christiania. D.
Gunning, J. W., Secretär der Provincial-Utrecht’schen Gesellschaft für Kunst
und Wissenschaft. B.
Gwinner, Ernest, k. k. Marine-Lieutenant, Sebenico, Dalmatien. F.
Haecker, Ludwig, erzherzogl. Verwalter der technischen Gewerbe, Wieselburg,
Ungarn. F.
Hager, Albert, Dr., A. M. Proctorsville, Vorment. V. S. N. A. B.
Haidinger, Rudolph, junior, k. k. pr. Fabriksbesitzer, Elbogen. A.
Halla, Joseph, Ritter, k. k. Major und Referent, Beiovar. F.
Haluska, Johann, k. k. ßerghauptmann zu Lemberg. F.
Ritter v. Hampe, Joseph, k. k. Bergrath, Eibiswald, Steiermark. F.
XIV
Han, Alexius, Oekonomie - Beamter, Puszta Bänhäza, Ersemjen, Szabolcs,
Ungarn. F.
Hanl, Anton, Werksleiter, Zbeschau, Mähren. F.
Graf v. Ha rtig, Seine Exc. Franz, Grosskreuz, k. k. w. Geh. Rath und Kämmerer,
Erblicher k. k. Reichsrath im Herrenhause u. s. w. F.
Hartisch, Karl, Werksdirector, Bustehrad, Böhmen. F.
Haupt, Theodor, toscanischer Bergrath. D.
Haurand, C. W. Th., Oekonomierath. C.
Hawelka, Joseph Ernst, Bergverwalter, Gaya, Mähren. F.
Hecker, Julian, Werksbesitzer, Myszyn, Galizien. F.
Heine, Joseph, Med. Dr., k. Regierungs- und Medicinalrath, Speyer. B.
Held, Theodor, Buchhalter der Gewerkschaft Saxonia, Karbitz, Böhmen. F.
Freiherr v. H eifert, Jos. Alexander, Ritter II. CI. des österr. kais. Ordens der
eisernen Krone, k. k. w. Geh. Rath, Unter-Staatssecretär. F.
Ritter v. Helms, Julius, k. k. Sectionsrath, Berg- und Forstdirector. F.
Graf Henckel v. Donnersmark, Werksbesitzer, Wolfsberg, Kärnthen. F.
Henzi, R., Med. Dr., Secretär der naturforschenden Gesellschaft, Bern. B.
Herda, Franz, Berg- und Hiittendirector zu Engenthal bei Eisenbrod, Böhmen. F.
Hets, Paul, Herrschafts-Inspector, Nagy-Vaszony, Veszprim. F.
Hirche, Seine Ehrw. Gottlob Traugott Leberecht, Pastor emerit., Secretär der
Oberlausitzisch. Gesellschaft der Wissenschaften.
Heyrowsky, Emil, Berg-Inspector, Wiesenau, Kärnthen. F.
Hitchcock, Eduard, J. Med. Dr., Professor, Amherst College, Massachusetts. B.
Hitchcock, Karl A., A. M.. Geologe des Staates Maide, Amherst College,
Massachusetts. B.
Ritter v. Hoch berge r, Gallus, Med. Dr. , Ritter des österr. kais. Ordens der
eisernen Krone, Hofrath, Karlsbad. F.
Hodoly, Seine Hochw. Bela, Pfarrer zu Lokut. F.
H offmann, Alexander, Bergdirector, Prödlitz, Böhmen. F.
Hoffman ns, Ch., k. k. General-Consulatskanzler, Paris. B.
Hofmann, E., Director der kais. Gesellschaft für Mineralogie. St. Petersburg. B.
Edler v. Hohendorf, Theodor Tobias, k. k. Bergcommissär, Teplitz. E.
Holler, Karl, Werksdirector, Johannesthal, Laibach, Krain. F.
Homatsch, Anton, Guts- und Eisenwerksverweser, Gradatz, Krain. F.
Ritter v. Horstig, Moriz, Werksbesitzer, Graden, Lankowitz, Steiermark. F.
Humphreys, A. A., Capt. U. S. Topograph. Eugineers, Washington. B.
Inkey v. Pallin, Ferd., k. k. w. Kämmerer, Gutsbesitzer, Raszina, Croatien. F.
Ivacskovits, Mathias, k. k. Bergbauleiter, Dios-Györ, Ungarn. F.
Ivanics, Joseph, k. k. Bergcommissär, Zara. F.
Jackson, Charles T., Med. Dr., Ritter u. s. w. F.
Jahn, A., Berggeschworner zu Rochlitz. F.
Jahnl, Franz, Werksbesitzer, Miröschau, Böhmen. F.
Graf Jankovic v. Daruvar, Julius, Ritter des österr. kais. Ordens der eisernen
Krone, Obergespan des Pozegaer Coinitates. F.
Jereb, Johann, Werksbesitzer, Schönegg, Cilli, Steiermark. F.
Jessler, Karl, Bergbeamter zu Tergove, Kostajnica, k. k. Militärgrenze des
2. Banal-Regiments. F.
Jezek, Martin, Bergverwalter, Boskowitz, Mähren. F.
Jochmann, Dr. E., Herausgeber der „Fortschritte der Physik“ im J. 1859. B.
Kaczwinsky, Karl, k. k. Controlor, Radoboj, Krapina. F.
Kaehler, Karl, Werksdirector, Karwin, Schlesien. F.
XV
Kahler, Karl, Werksleiter, Jamnik, Böhmen. F.
Kanitz, August, Mitgl. d. Ungar. Naturforscher-Gesellschaft. D.
Kawka, Egyd, Professor am k. k. Ober-Gymnasium zu Jicin. F.
Keller, Adalbert, Med. Dr., k. k. Regimentsarzt, Ottocae. F.
Keller, Dr. F., Professor, Speyer. B.
v. Kiepach, Albin, Werksbesitzer, Bregana, Croatien. F.
Killias, Dr., Präsident der naturforschenden Gesellschaft, Chur. B.
Kippist, Richard, Bibliothekar der Linnean-Society, London, ß.
Kjerulf, Theodor, Professor an der Universität zu Christiania. D.
Klaus, Aug., Bevollmächtigter der Gewerkschaft Saxonia, Karbitz, Böhmen. F.
Edler v. Klein, Albert, Werksbesitzer.
Klein, Karl, k. k. priv. Grosshändler. F.
K 1 ein di e ns t, Franz, Werksbesitzer, Eibiswald. F.
K lein d ienst, Joseph, Werksbesitzer, Eibiswald. F.
K lein peter, Franz, Werksdirector, F. E. Bergrath, Friedland, Mähren. F.
K I ema n n, Alois, Werksbevollmächtigter, Ivanec, Croatien. F.
Ritter v. Knesevic, Emanuel, Ritter E. K. , k. k. Oberst und Commandant des
Oguliner Milit.-Grenz-Regiments, Ogulin. F.
KnÖtgen, Bergverwalter, Kulm, Böhmen. F.
Knoll, Karl, Werksbesitzer, Ottowitz, Karlsbad, Böhmen. F.
Köhler, Stud. Phil., Ausschuss des akademischen Lesevereins. B.
Ko lisch, Rudolph, Bergwerksbesitzer, Göding, Mähren. F.
Kopetzky, Adolph, k. k. Bergcommissär, Pilsen. F.
Kopp, Emil, Centraldirector des Communications-Betriebes der k. k. priv. öster-
reichischen Siaatseisenbahn-Gesellschaft. F.
Korizmits, Seine bischöfl. Gnaden, Anton, Bischof von Bäcs, Hofrath und
Referent in der k. ungar. Hofkanzlei. F.
Kraetschmer, Wilhelm, Bergverwalter, Brennberg, Ungarn. F.
Krammer, Ernst, k. k. Berghauptmann, Oravitza. F.
Kronig, Lucas, k. k. Berghauptmann, Klagenfurt. F.
Kröschel, Ludwig, Werksdirector, Klein-Schwadowitz. F.
Kube, Ludwig, Besitzer des k. k. goldenen Verdienstkreuzes rnit der Krone,
Kreisvorsteher, Zaleszczyk, Galizien. A.
K ul isch, Gustav, Berggeschworner zu Rochlitz. F.
Ku s che 1, Ludwig, Werksbesitzer von Johannesthal, Krain, in Wien. F.
Kutschker, Joh. Florian, k. k. Hauptzollamts-Oflicial, Vils bei Reute, Wien.
Lacoeilhe, Emil, Secretär der Gesellschaft für Kunst, Wissenschaft u. s. w.,
St. Quentin. B.
Lancia, Duca di Castel Brolo, Dr. Federico, Generalsecretär der Akademie
der Wissenschaften und Literatur in Palermo. B.
Graf v. Lanckoronski-Brzezie, Seine Exc. Karl, Ritter des goldenen
Vliesses, k. k. wirkl. geh. Rath, Kämmerer, Oberstkämmerer. B.
Lang, Adolph, Director des k. k. Gymnasiums, Marburg. B.
Langweil, Maximilian, Schichtenmeister, Rokitzan. F.
Graf v. Larisch-Monnich, Eugen, Werksbesitzer, Karwin, Schlesien. F.
Graf v. Lariseh-Mönnich, Johann, Werksbesitzer, Karwin, Schlesien. F.
L atino-Co el h o, J. M., Secretär der königl. Akademie der Wissenschaften,
Lissabon. B.
Laukotzky, Vincenz, k. k. Landes-Schulrath, Triest. F.
Lenaz, Anton, See-Capo, Klada, Ottocaner Regiment. F.
Lepk owski, Michael, Curland. A.
XVI
Lindner, Johann, k. k. Berghauptmann, Elbogen. F.
Litke, Laurenz, Werksbesitzer, Fünfkirchen. F.
Lioy, Paul, Venedig. D.
Lösebner, Joseph, Med. Dr. und Professor, k. k. Statthallerei- und Landes-
Medicinalrath, Prag. F.
Loos, Franz, ßergverwalter, Mährisch-Ostrau. F.
Lorenz, Wenzel, Schichtmeister, Wolfsegg. Oesterreich. F.
Ludwig, Seine Hochw. Johann, Ehrendomherr, Erzdechant, k. k. Waisenhaus-
Director u. s. w. Hermannstadt. B.
Macale, Anton, Werksbesitzer, Sebenico, Dalmatien. F.
y. Machiedo, Hieronymus, Gutsbesitzer, Gjelsa, Lesina, Dalmatien,
v. Makaj, August, pens. Eisenwerks-Director und Bergbau-Unternehmer, Gross-
wardein. A. E.
Maloch, Anton Zephyrin, Professor am k. k. Obergymnasium zu Jicin. F.
Freiherr v. Mamula, Seine Exc. Lazarus, Ritter des Mil. Maria Ther.-O., Gross-
kreuz u. s. w., k. k wirkl. geh. Rath, FML., Gouverneur von Dalmatien. F.
Maravic, Ernanuel, Ritter d. 0. K. 0. der eisernen Krone, M. V. K., k. k.
Oberstlieutenant und Regimentscomrnandanf, Petrinia. F.
Marin co vich, J. R., Agente di Porto e Sanitä in Comisa, Lissa, Dalmatien. F.
Maryska, Seine Hochwürden P. Joseph, Pfarrer zu Liebstadtl. F.
Matiegka, Karl, k. k. Berghauptmann, Kuttenberg. F.
Mayer, Erasmus, Werksbesilzer, Griftnergut, Zell, Vöklabruck, Oesterreich. F.
May erb ofer, Georg, Werkshesitzer, Tregist, Steiermark. F.
Mayr Edler von Weinhof, Franz, Eisenwerks- und Bergbaubesitzer, k. k.
Reichsrath 1860. F.
Freiherr v. Medl, Theodor, Ritter des 0. K. Leopold-Ordens u. s. w., k. k.
Generalmajor und Brigadier, Ottocac. F.
Meiling, Franz, k. k. Controlor, Eibiswald, Steiermark. F.
Mendelein, Rudolph, k. k. Hauptmann in Lesina, Dalmatien. F.
Graf y. Mensdorff-Po uilly, Alphons, Werksbesitzer, Boskowitz.
Menzel, Se. Hochw. P. Georg, jub. Dechant, Schönwald, Friedland, Böhmen. E.
Graf v. Meran, Franz, k. k. erblicher Reichsrath.
Mer kl, Anton, Bergbaubesitzer, Swojanow, Policzka, Böhmen. F.
Ritter v. Mertens, Ludwig, Bürgermeister, Salzburg. F.
Michel, Johann, Generaldirector der k. k. priv. Südbahn-Gesellschaft. F.
Mi eg, Ludwig, Vorsteher des Bergrevieres Karlsbad, Pirkenhammer, Böhmen. F.
Miko v. Bölön, Samuel, k. k. Oberbergrath und Referent, Klausenburg, Sieben-
bürgen. E.
Mirko vic, Serdar und Colonneneommandant, in Benkovac, Zara, Dalmatien. F.
Mischler, Peter, J. U. u. Ph. Dr., k. k. o. o. Universitäts-Professor, Prag. D.
Mitchell, J., Lieutn. R. C. S., Museumsdirector, Madras. A.
Mitsch, Ernanuel, Jur. Dr., Kuttenberg, Böhmen. F.
Mitterer, Andreas, k. k. Schichtmeister, Häring, Kastengstatt, Tirol. F.
Mitte sei* v. Dervent, Joseph, Ritter, k. k. Oberstlieutenant, Beiovar. F.
Möbius, Dr. K., Prof. Secretär des naturwissenschaftlichen Vereines zu Ham-
burg. B.
Mohn, H. Candidat an der Universität in Christiania. D.
Monrad, M. J., Dr., Professor an der Universität zu Christiania. D.
Mraovic. Joseph, M. V. K. k. k. w. Oberst und Commandant des k. k. Ersten
Banal-Militär-Grenz-Infanterie-Regiments zu Glina. F.
Mr o ule, Franz, k. k. Berghauptmann, Cilli, Steiermark. F.
XVII
Müller, Karl, Oberverwalter, Reschitza, Banat. F.
Mül ln er, Alphons, Studirender. C.
Müllner, Fortunat, M. D. k. k. Bezirksarzt, Radmansdorf. E.
Muntzel, Hermann, Bürgermeister, Pecka, Jicin, Böhmen. F.
Ritter v. Murmann, Peter, Ritter des 0. K. 0. der eis. Kr. k. k. Rath u. priv.
Grosshändler. F.
Nakich, J., k. k. Gubernialsecretär Zara. D.
Neu mann, C. Phil. Dr. Schriftführer der naturforschenden Gesellschaft, Halle. B.
Newberry, John S. Med. Dr. Professor am Columbia College, Washington. D.
Norton, Karl B., Buchhändler New-York. D.
Ob erst ein er, F., Bergverwalter in Sivericb, Spalato, Dalmatien. F.
Odersky, Ernst, Fabriksdirector, Burgau, Ilz, Steiermark. F.
Ritter v. Oroscheny-Bohdanowicz, Gutsbesitzer u. s. w. Mojdan Lukawetz,
Wysnica, Bukowina. E.
0 z e g o v i c Freiherr v. Barlabasevec undBela Ludwig, Gutsbesitzer. F.
Edier v. Paitoni, Friedrich, k. k. Kreisrath, Zara.
Edler v. Paitoni, Seine Hochw. Joseph, k. k. Gubernialrath, Triest. F.
Palmieri, Luigi, Neapel. D.
Pa n kratz, Franz, Jur. Dr. Pilsen, Böhmen. F.
Pauler, Dr., Theodor, Rector der könig. Ungarischen Universität, Pest. B.
Pauli, Eduard, k. k. Revierförster, Hryniawa, Kuty, Galizien. F.
Paulus, Georg, Bergmeister der Stadt Pilsen. F.
Pen dl, Johann, k. k. Bezirksrichter, Graz. F.
Petric, Daniel, Besitzer des k. k. Mil. V. K. (Kr. Dec.) k. k. Oberstlieutenant
und Platz-Commandant zu Castelnuovo, Oesterreichisch-Albanien. F.
Petz, Eduard, Major im k. k. Kriegsarchiv.
Pfeiffer, Franz, Phil. Dr. k. k. Universitäts-Professor, Wien. D.
Pichler, Vincenz, Bergverweser, Turrach, Steiermark. F.
Pi nt er. Seine Hochw. Anton, Pfarrer zu Oszlop. F.
Plotzek, Franz, Berg- und Hüttenverwalter, Wrzischt bei Nemetzky (Neustadt!)
in Mähren. F.
Popovic, Demeter, Pozeg, Slavonien. F.
Posepny, Franz, k. k. Expectant, Nagybänya. A.
Graf Potocki, Adam k. k. w. Kämmerer, Werksbesitzer, Krzezowice, Krakau. F.
Prodanow, Arsenius, k. k. Oberst -Lieutenant und Regiments - Commandant,
Ottocac. F.
Quaglio, Julius, Ingenieur. F.
Quincke, Dr. G., Schriftführer der physikalischen Gesellschaft, Berlin. B.
Rahn, Anton, Werksbesilzer. F.
Rainer, Magnus, k. k. Controlor, Kastengstatt, Tirol. F.
Ran da, Franz, k. k. Bezirksamts-Vorsteher, in Neupaka, Jicin, Böhmen. F.
Ranzinger, Anton, Werksbesitzer, Gotschee, Krain. F.
Ranzinger, Franz, Werksbesitzer, Gotschee, Krain. F.
Ranzinger, Nikolaus, Werksbesitzer, Gotschee, Krain. F.
Rath, Franz, k. k. Bergverwalter, Jaworzno, Krakau.
Ratz, Thomas, k. k. Berghauptmann, Agram. F.
Reich, Johann, Oberingenieur und Bergverwalter, Brandeisei, Böhmen. F.
Reichenbach, Ludwig, Werksbevollmächtigter, Sziersza, Krakau. F.
Remschmidt, Joseph, Bergwerks- und Hotelbesitzer, Karlstadt, Croatien. F.
Resucsek, Seine Hochw. und Gnaden Anton Emerich, infulirter Abt der ver-
einigten Abteien Zirez, Pilis und Päsztö. F.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862, IV. Heft.
c
XVIII
Rhees, Wilhelm, Kanzlei-Director, Washington. B.
Richter, Raimund, k. k. Oberförster, Gospic, Militärgrenze. F.
Rick, Karl, Vorstand der Künstlergesellschaft Aurora. F.
Riegel, Anton, Werksbesitzer, Fünfkirchen. E.
Rieger, Johann, Schichtmeister, Höllenstein, Oesterreich. F.
Ri g aut, Secretär der Societe academique des Sciences, St. Quentin. B.
Roh rau er, Georg, k. k. Telegraphenamtsleiter, Ottocac. F.
Römer, Seine Hochw. Florian, Phil. Dr. Professor, Pesth. F.
Rost, Gustav, Schichtmeister, Nirschau, Böhmen. F.
Edler v. Rosthorn, Adolph, Werksbesitzer, Prävali, Kärnthen. F.
Freiherr v. Rothschild, Anselm, Werksbesitzer u. s. w. F.
Freiherr v. Rothschild, Jakob, k. k. Generalconsul, Paris. B.
Rotte r. Seine Hochw. und Gnaden, Johann Nep. Ignaz, Dr., Commandeur,
Prälat von Brewnow und Braunau, Böhmen.
Ru st ler, Rudolph, Med. Dr. Chefarzt des 22. k. k. Feldjäger-Bataillons, Karl-
stadt, Croatien. F.
Sabljar, Michael, k. k. Major in Pension, Goljak bei Sused, Agram. F.
Saemann, Ludwig, Geologe, Paris.
Freiherr v. Sallaba, Seine Exc. Johann, Grosskreuz, k. k. w. Geh. Rath,
F. M. L., Obersthofmeister Seiner kaiserlichen Hoheit des hochw. -durchl.
Herrn Erzherzogs Wilhelm. B.
Graf Sändor v. Slavnicza, Moriz, k. k. w. Kämmerer, Gutsbesitzer. F.
Sapetza, Joseph, Lehramtscandidat. A.
Sarkäny, Seine Hochw. u. Gnaden, Nikolaus, Th. Dr., Ritter, Abt zu Bakonybel. F.
Sars, Dr. Michael, Professor an der Universität zu Christiania. D.
v. Sartori, Franz, Werksbesitzer, Steinbrück bei Cilly. E.
Satter, Franz Xaver, Werksbesitzer, Schaflos, Cilly, Steiermark. F.
Sauerländer, Johann, Werksbevollmächtigter. F.
Saun d er s, Reginald F., kön. Grossbrit. Deputy-Commissioner , Dhurmsala,
Kangra, Punjab. B.
Scacchi, Arcangelo, Neapel. D.
Schaarschmidt, Georg, k. k. Hüttenverwalter in Csertest, Siebenbürgen. E.
Scheliessnigg, Jakob, Werksinspector, Klagenfurt.
Scheller,. Wilhelm, Secretär des Naturhistorischen Vereines, Augsburg. B.
Scherl, Theodor, Fabriksdirector, Wolfsberg, Kärnthen. F.
Schiff, Theodor, Vorstand des k. k. Telegraphen- Amtes in Sign, Spalato,
Dalmatien. F.
Schmid, Paul, Bergverwalter, Ivanec, Croatien. F.
Schrnidl, Ignaz, Bergverwalter, Locke, Krain. F.
Schmidt, Hermann, k. k. Ingenieur-Assistent, Liezen, Steiermark. A.
Freiherr v. Schneeburg, Oswald, k. k. w. Kämmerer und Hauptmann, Dienst-
kämmerer Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs
Karl Ludwig. B.
Schneider, Hermann, Werksleiter, Kleinzell, Oesterreich. F.
Schnitzel, Joseph, k. k. Werksverwalter, Radoboj, Krapina. F.
Schönbuche r, Alexander, Berg- und Hiittendirector in Tergove, Kostajnica,
k. k. Militärgrenze des 2. Banal- Regimentes. F.
Schott, Ferdinand, k. k. Bergmeister, Jaworzno, Krakau. F.
Schretter v. Wo hlgemuthsheim, k. k. pens. Rechnungs-Official. D.
Schroll, Joseph, Bergverwalter, Fünfkirchen. F.
Schuscha, Franz, Buchberg, Cilli. F.
XIX
Schwanberg, Wenzel, Comitats- Ingenieur, Steinamanger. F.
Schwarzer, Ignaz, Bergmeister, Domanin, Mähren. F.
Schwenger, Karl, Werksbesitzer, Wirtatobel, Vorarlberg. F.
Seifert, Alexander, Werksbesitzer, Mies, Böhmen. F.
Seifert, Alois, Bergbauunternehmer, Hohenelbe. E.
Seifert, Cornel, Werksbesitzer, Mies, Böhmen. F.
Seykotta, Mathias Alois, jub. k. k. Salz- Speditions- Verwalter, Wieliczka. A.
Sharswood, Judge, V. P. American Phil. Soc. Philadelphia. B.
Sichrovsky, Heinrich, General-Secretär der k. k. a. pr. Kaiser-Ferdinands-
Nordbahn. F.
Sieber, Wilhelm, Bergverwalter, Dux, Böhmen. F.
Sieb er er. Seine Hochw. P. Maurus, Stifts-Prior, k. k. Gymnasial^ Director,
Kremsmünster. B.
Freiherr v. Sil herstein, Adolph, Werksbesitzer, Schatzlar, Böhmen. F.
Simettinger, Michael, fürstl. Lie chtenstein’scher Bergingenieur, Mährisch-
Trübau. E.
Spiske, Karl, Bergverwalter, Fohnsdorf, Steiermark. F.
Sprung, Budolpb, Werksbesitzer, Voitsberg, Steiermark. F.
v. Sta nisavljevic, Daniel, k. k. Oberfinanz-Bath, Agram. F.
Steinbrecher, Franz Sales, Bürgermeister, Mährisch-Trübau. F.
Stein vorth, Mitglied des Vorstandes des naturwissenschaftlichen Vereines für
das Fürstenthum Lüneburg. B.
Stewardson, Thomas, Med. Dr., correspondirender Secretär der Academy
of Natural Sciences of Philadelphia. B.
Stoliczka, Ferdinand, Phil. Dr., Assistent der k. geologischen Aufnahme von
Indien, Calcutta. A.
Storch, Alois, B. Apotheker, Bokitzan. F.
Graf v. Strachwitz, Moriz, k. k. Kämmerer, Werksbesitzer. F.
Strauss, C. F., Werksbesitzer zu Kleinzell, Oesterreich, Wien. F.
Strippelmann, Leo, Berg- und Eisenwerksdirector, Komorau. Böhmen. F.
Strossmayer, Seine Exc. Joseph Georg, Th. und Phil. Dr., apost. Vicar,
k. k. w. geh. Rath, Bischof von Diakovär. F.
Stüdl, Andreas, Werksbesitzer, Prag. F.
Stüdl, Joseph, Werksbesitzer, Prag. F.
Sturm, Johann, Bürger, Pecka, Jicin, Böhmen. F.
Sturm, Vincenz, Stadt-Steuereinnehmer, Pecka, Jicin, Böhmen. F.
Graf Szesen v. Temerin, Anton, k. k. w. geh. Rath und Kämmerer, u.s. w. F.
Szentkiralyi v. Komjätszegh, k. k. Berghauptmann. Zalathna. F.
Tempsky, Friedrich, Buchhändler, Prag. F.
Thies, Heinrich, könig. preuss. Bergamts-Assessor A. D., Vassas, Fünfkirchen. F.
Thomas, Justus, k. k. w. Bergrath, Salzburg. F.
Ticknor, Georg, Directionsmitglied der städtischen Bibliothek, Boston. B»
Topp er, Andreas, Werksbesitzer, Scheibbs, Oesterreich. F.
Tom sich, Peter, k. k. Hafencapitän, Zara. F.
Ritter v. Toppo, Alexander, Generalsecretär der Dampfschifffahrts-Gesellschaft
des österreichischen Lloyd, Triest. F.
Trajer, Seine Hochw. P. Johann, Bischöfl. Consistorial-Archivar, Budweis. D.
Triger, Geologe, Paris.
Tyson, Philipp T., Staatschemiker, Annapolis, Maryland. D.
Uranitseh, Dr. Anton, Secretär der Handels- und Gewerbekammer. Lemberg. B.
v. Urbanitzky, Karl, k, k. Berghauptmann, St. Pölten. F.
C*
XX
Urfuss, Franz, Werksbesifzer, Dallwitz, Böhmen. F.
Vogel, Joseph, Phil., Med. u. Chir. Dr., k. k. Badearzt in Vöslau. u. s. w. A.
Vogt, Karl, Bergverwalter, Petrovagora, zu Topuszko F.
Waagner, Ignaz, Berg- und Hüttenverwalter, Rüde bei Samobor, Croatien. F.
Waberer, Anton, k. k. Oberlieutenant, Ingenieur, Virje, Beiovar. F.
Ritter v. Wachtier, Joseph, Hohen wang, Steiermark. F.
Graf v. Walderdorff, Rudolph, k. k. w. Kämmeier, Hauptmarin und Platz-
Commandant in Castel Lastua bei Cattaro. F.
Graf v. W ald stein- Warte nberg, Georg, Dux, Böhmen. F.
v. Walther zu Herbstenburg, Alois, k. k. Berghauptmann, Hall in Tirol. F.
Wanke, Friedrich, Bergdirector, Wilkiscben, Böhmen. F.
Weber, Seine Hochw. Dr. Dionys, Prior der Abtei Bakonybel. F.
Weissmann, Johann, Jur. Dr. k. k. w. Ministerialrath im Staatsministerium. E.
Wessely, Ignaz, Bergverwalter, Schwarzbach, Böhmen. F.
Reichsgraf v. Westphalen-Fürstenberg, Ritter des Oe. K. 0. d. eisernen
Krone, Kulm, Böhmen. F.
Graf v. Wickenburg, Seine Exc. Mathias Cons'antin, Grosskreuz, k. k. w.
geh. Rath und Kämmerer. Handelsminister. B.
Wiebel, Med. Dr. Prof, Präsident des naturwissenschaftlichen Vereines zu
Hamburg. B.
Graf v. Wimpffen, Felix, Ritler, k. k. w. Kämmerer und Legationsrath in
London. B.
Wi nda kiewic z, Eduard, Grubendirector, Vassas, Fünfkircher. F.
Wittmann, Alois, Director der DampfschitFfahrts-Gesellschaft des österreichi-
schen Lloyd, Triest. F.
Wodiczka, Franz, k. k. Bergverwalter, Cilli. F.
Wo r mustin y, Eduard, Assistent am Landesmuseum, Agram. F.
Wüllner, Adolph, Phil. Dr., Privatdocent der Physik, Univ. Marburg. D.
Young, Charles A., Professor, Western Reserve College, Hudson, Ohio. B. E.
v. Zanchi, Franz, k. k. Stadthaltereirath, Kreisvorstand, Berghauptmann, Zara. F.
Ritter v. Zastavnikovic, Gideon, Ritter des Oe. K. Orden der E. K. k. k.
Oberst und Commandant des Szluiner k. k. Mil.-Grenz-Regiments, Karl-
stadt. F.
Zech, Johann, Bergingenieur, Reschitza, Banat. F.
Zecic, Mathias, k. k. Lieutenant, Carlopago, croatische Militäj grenze. F.
Zemlinsky, Rudolph, Bergdirector, Schatzlar, Böhmen. F.
Zerzer, Karl, Verweser, Steyeregg, Cilli, Steiermark. F.
Zeynek, Gustav, Lehrer an dem k. k. Theresianischen katholischen Waisen-
hause, Hermannstadt. E.
Ritter v. Ziernfeld, Hermann, Berg-und Hüttenverwalter, Kogel, Steiermark. F.
Zittel, Karl, Phil. Dr., Heidelberg. A.
XXI
Inhalt.
■ -"V '■
Seite
Vorwort III
Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt IX
Correspondenten der k. k. geologischen Reichsanstalt aus den Jahren 1861 und 1862 . X
1. Heft. Jänner bis December 1861.
I. Ueber Herrn J. ßarrande’s Colonien in der Silurformation Böhmens. Von
M. V. Lipoid i
II. Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt. Von
Karl Ritter von Hau er ß7
III. Verzeichnis der an die k. k. geologische Reichsanstalt gelangten Einsendungen an
Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w 72
IV. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt eingelangten Bücher,
Karten u. s. w 75
2. Heft. Jänner, Februar, März, April 1862.
I. Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol. Zweite Abtheilung. Von Ferdinand
Freiherrn von Richthof en 87
II. Aus Herrn Joach. B ar ran d e’s Schrift: „Defense des Colonies, 1. Groupe pro-
batoire“ Uebersetzt von A. Fr. Grafen Marschall 207
III. Bericht über die im Jahre 1859 ausgeführlen geologischen Aufnahmen bei Prag
und Beraun. Von Johann Krej cl 223
IV. Die neogen-tertiären Ablagerungen von West-Slavonien. Von Dionys Stur . . . 285
V. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt gelangten Einsendungen
von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w. Vom 10. December 1861 bis
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VI. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt eingelangten Bücher,
Karten u. s. w. Vom 1. Jänner bis 15. April 1862 306
3. Heft. Mai, Juni, Juli, August 1862.
I. Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
Von Theobald von Z o 1 li k o f e r . 31 i
II. Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen. Von
Johann Jokely 367
III. Pflanzenreste aus dem Basalttuffe von Alt-Warnsdorf in Nord-Böhmen. Von Johann
Jokely 379
IV. Allgemeine Uebersicht über die Gliederung und die Lagerungsverhältnisse desßoth-
liegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises in Böhmen. Von Joh. Jokely 381
V. Das Riesengebirge in Böhmen. Von Johann Jokely 396
VI. Arbeiten im chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt. Von
Karl Ritter v. Hauer 421
VII. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt gelangten Einsendungen
von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w. Vom 15. April bis 15. August 1862 425
VIII. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt eingelangten Bücher,
Karten u. s. w. Vom 16. April bis 15. August 1862 426
XXII
Seite
4. Heft. September, October, November, December 1862.
I. Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
Von M. V. Lipoid 431
II. Die geologischen Verhältnisse der Bezirke des Oguliner und der südlichen Com-
pagnien des Szluiner Regimentes in der Karlstädter k. k. Militärgrenze. Von
Dr. Ferdinand S toi iczka 526
III. Zur Geognosie Tirols. Von Adolph Pichl er 531
IV. Arbeiten im chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt. Von
Karl Ritter v. Hauer 533
V. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt gelangten Einsendungen
von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w. Vom 16. August bis 15. Decem-
ber 1862 537
VI. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt eingelangten Bücher,
Karten u. s. w. Vom 16. August bis 15. December 1862 539
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzungsberichte.
1. Sitzung am 15. Jänner 1861.
W. Haidinger, F. X. M. Zippe’s siebenzigster Geburtstag 1. — Franz
v. Hauer, Fogarascher Gebirge 1. — Bausteine für den St. Stephansthurm 2. —
Gümbel, Scaphites multinodosus 3. — M. V. Lipoid, J. Biefel, Petrefacten
aus Mähren 3. — K. v. Hauer, R. Maly, Ambrit 4. — Freih. v. Andrian,
geologische Karte des Kaurzimer und Taborer Kreises 5. — G. Stäche, Eocen
im nordwestlichen Siebenbürgen 5. — Fr. Foette r I e, „Das Wasser in und um
Wien“ 7. — P. Turczmanovich, Steinsalz von Wieliczka 8
2. Sitzung am 29. Jänner 1861.
Fr. Foetterle, Geschenke vom naturwissenschaftlichen Verein in Augs-
burg 9. — K. v. Hauer, H. C. Sorby, mikroskopische Structur der Krystalle 9.
— Sammlung künstlicher Krystalle 10. — W. Haidinger, C. W. Zenger,
Mineralien und Hüttenprodacte von Neusohl 10. — Th. v. Z ol 1 i ko f e r, Gratzer
Tertiärbecken 11. — W. Haidinger, Dank an Zollikofer 12. — D. Stur,
Retjezat-Gebirg 12. — H. Wolf, Körösthal 14. — F. Stoliczka, Petrefacte
aus den Südalpen 16. — W. Hai dinge r, V. v. Zepharovich, terminologische
Sammlung der Universität Krakau 18
3. Sitzung am 26. Februar 1861.
M. V. Lipoid, Aufnahmen in der Umgegend von Olmütz 19. — Ed. Klesz-
czynski, Eruptivgestein und Cokes von Prziwos 19. — F. v. Hochstetter,
dessgleichen von Hruschau 19. — Fr. v. Hauer, Burzenländer Gebirge 20. —
H. Wolf, geologische Aufnahmen in Mähren 20. — Gebirgsarten, gesendet von
Herrn Ambros 22. — Mastodonknochen von Atzgersdorf 22. — Fr. Foetterle,
J. B. Kraus, Montanhandbuch 22. — F. v. Ho chst etter, Schreiben des Herrn
H. Ulrich aus Australien 23
4. Sitzung am 12. März 1861.
M. V. Lipoid, J. Jokely, Rothliegendes im Jiciner Kreise 29. — Roth-
liegendes bei Schwarzkosteletz und Böhmischbrod 30. — G. Stäche, Quell-
gebiet des kleinen Szamos 31. — K. v. Hauer, Analyse von Donauwasser 34. —
W. Haidinger, fliessendes Wasser nimmt nicht Kohlensäure aus der Luft auf 36.
— Herrn. Dauber todt 36. — Wollaston-Medaille 38. — Wahlen der geologi-
schen Gesellschaft in London 38. — O. Freih. v. Hingenau, allgemeine Ver-
sammlung des Werner-Vereines 38
5. Sitzung am 16. April 1861.
W. Haidinger, Berichte über unsere Sitzungen im „Berggeiste“ 39. —
Fr. v. Hauer, W. Gümbel, die bayerischen Alpen 39. — Bronn’s von der
Pariser Akademie gekrönte Preisschrift 45. — N. Woldrich, Becken von
Eperies 46. — Ammoniten von Mariathal bei Stampfen 46. — Curioni, „ sulla
Industria del ferro“ 47. — M. V. Lipoid, Kreideformation im Prager und Bunz-
lauer Kreise 48. — K. v. Hauer, krystaliogenetische Studien 49. — H. Wolf,
XXIII
Seite
Tertiär und Diluvium zwischen OJmütz und Brünn 51. — Fr. Foetterle,
J. Leinmüller, Petrefacten von Gurkfeld 53
6. Sitzung am 30. April 1861.
W. Kaidinger, Karten und Jahrbuch an Seine k. k. Apostol. Majestät 54.
— Sommerplan für 1861 54. — Localitäten der Anstalt 55. — Verein zur Ver-
breitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse 55. — K. v. Hauer, Quellen von
Mauer 56. — Dr. K. Peters, geologische Verhältnisse des Baranyer Comita-
tes 58. — M. V. Lipoid, J. Jokely, das Riesengebirge in Böhmen 59. —
D. Stur, Tertiäres in Südwest-Siebenbürgen 59. — F. Freih. v. Andrian,
Granitgebiet von Beneschau 61. — Fr. Fo etterle, geologische Uebersichts-
karte des Banates 62. — W. Haidinger, Danksagung 62
7. Sitzung am 28. Mai 1861.
Fr. Foetterle, A. Letocha schenkt Tertiär-Petrefacten 63. — W. Hai-
dinger, Miethe des Local es für die Anstalt erneuert 63. — Unabhängige Stellung
der Anstalt angeordnet 63. — Hauynfels von Ditro 64. — Forcherit 64. —
Grund- und Profilrisse über die Gangzüge des Oberharzes 66. — Fr. v. Hauer,
Petrefacten aus dem Bakonyerwald 67. — M. V. Lipoid, geologische Karte
von Böhmen 68. — H. Wolf, Correspondenzen der Herren F. Römer und
Göppert 69. — W. Haidinger, Schlusswort 70
Monatsberichte.
Bericht vom 30. Juni 1861.
Audienz des Directors bei Seiner k. k. Apostolischen Majestät 71. —
Berichterstattung Schrotte r’s in der feierlichen Sitzung der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften 71. — Fr. v. Hauer’s Festrede in dieser Sitzung 71.
— J. Richter erhält das silberne Verdienslkreuz mit der Krone 71. — Geogra-
phische Gesellschaft 72. — Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt 72. —
Berichte von M. V. Li po 1 d aus Hollaubkau 72. — von J. J o k e 1 y aus Jicin 73.
— von Fr. v. Hauer aus Raab 73. — H. Wolf, Aufsammlung von Tertiär-
Petrefacten in Mähren 73. — Einsendungen von Mineralien und Druckwerken . 74
Bericht vom 31. Juli 1861.
Seine kais. Hoheit Erzherzog Rainer besucht die Anstalt 75. — Berichte von
M. V. Lipoid aus Kolin 75. — von J. Jokely aus Schatzlar 72. — von Fr.
v. Hauer aus dem Vertesgebirge und dem Bakonyerwalde 76. — von F. Sto-
liczka aus Güns 78. — von Fr. Foetterle aus Warasdin und über den Avanza-
Graben im Venetianischen 78. — von H. Wolf aus Belovär 79. — Analyse von
Mineralwässern aus Kärnthen 79. — Einsendungen und Geschenke der Herren
Schmidt in Lietzen, M aryska in Liebstadt], Sapetza, Müller in Melbourne,
Th. Oldham in Calcutta 79. — Einladungen zu Versammlungen 80
Bericht vom 31. August 1861.
Berichte von M. V. Li p o ld aus Neu-ßidschow 81. — von Freih. v. Andrian
aus Chotebor 81. — von J. Jo k e ly aus Schwadowitz 81. — von F. Foetterl e
aus Agram 82. — von D. Stur aus Posega 83. — von H. Wolf aus Warasdin 83.
— von Fr. v. Hauer aus dem Bakonyerwalde 83. — K. v. Hauer, Untersuchung
des Suliguli-Säuerlings 85. — Untersuchung der Quelle von Mauer85. — F. Schott,
Galmei von Dlugoszyn 85. — A. Breithaupt, Paradoxit 86. — Einsendungen
von Mineralien und Druckwerken durch die Herren Freih. v. Merck, Sapetza,
Delesse 86. — M. A. Seykotta, Salzerzeugung in Wieliczka 87
Sitzungsberichte.
Sitzung am 19. November 1861.
W. Haidiger, Jahres-Anspraehe 89
M. V. Lipoid, geologische Karte der Umgebungen von Pardubitz und Elbe-
teinitz 105. — K. v. Hauer, Quellen von Gars t07. — Fr. Foetterle, Fahlerz-
vorkommen im Avanzagraben 107. — Einsendungen 108
Sitzung am 3. December 1861.
Fr. F o ette r 1 e , Collectiv-Ausstellung von fossilen Brennstoffen für Lon-
don 109. — Fr. v. Hauer, geolog. Uebersichtskarte von Südwest-Ungarn 110. —
XXIV
Seite
B. v. Cotta, Erzlagerstätten 112. — Dr. F. Stoliczka, krystallinisehe Schiefer-
gebilde in Südwest-Ungarn 114. — K. v, Hauer, Verhalten von Metallen in der
Flamme von Schwefelkohlenstoff 115. — D. Stur, geologische Karte von West-
Slavonien 115. — M. V. Lipoid, Einsendungen der Herren Dr. Müllner,
Freih. v. Merck, J. Sapetza und Frau Jos. Ka bl i k 118
Sitzung am 17. December 1861.
Dr. M. Hörnes, Lieferung 14 — 15 der „fossilen Mollusken des Tertiär-
beckens von Wien“ 119. — Dr. F. Zirkel, Gesteine des Melegyhegy 121 —
Fr. Foetterle, geologische Karte von Croatien 123. — Dr. G. Stäche,
jüngere Tertiärschichten des Bakonyer Waldes 124. — Freih. v. Andrian,
geologische Karte des Czaslauer und Chrudimer Kreises 127. — M. V. Lipoid,
Petrefacte, gesendet von K rejci 128. — Fr. v. Hauer, Binkhorst über die
Gasteropoden der oberen Kreide von Limburg 129. — A. Pichler, Fossilien der
Hierlatz-Schichten in Tirol 130. — C. W. Gümbel, die Dachsteinbivalve 130. —
W. Haidinger, Druckwerke von L. Hohenegg er (Karte der Nord-Karpa-
then) 131 — und Baronin L. v. Kotz (Was ich erlebte!) 133. — Schlusswort . 133
Sitzung am 7. Jänner 1862.
M. V. Lipoid, Galmei und Braunkohlenbergbau in Ivanec 135. — Karl
v. Hauer, Kohle der Beatensglückgrube 139. — D. Stur, fossile Pflanzen von
Miröschau, Bras und Swina 140. — Dr. Braun, fossile Pflanzen von Bayreuth 143.
— Dr. G. S ta c h e, Basaltterrain am Plattensee 145. — W. Haidinger, Jahr-
buch, Bd. XII, Heft 1 148. — Barrand e’s Defense des Colonies 148. —
C. v. E t ti n gsh aus e n , Reelnmation 151. — Geognostische Karte der Banater
Domäne 152. — Bücher 152
Sitzung am 21. Jänner 1862.
E. S u ess, Brief über die Barr and e’schen Colonien 153. — F. F o e tte rl e,
Braunkohlenvorkommen von Valdagno 154. — M. V. Lipoid, Basalte von Pardu-
bitz 155. — H. Wolf, das Vrdnik-Gebirge 158. — Dr. F. Stoliczka, Reste der
Diluvialzeit, gesendet von Herrn Boucher de Perthes 160. — Fr. v. Hauer,
Triaskalke im Bakonyer Wald 164. — Ammoniten aus dem Medolo 166
Sitzung am 4 Februar 1862.
W. H a i d i n g e r , K. C. v. Leonhard todt 167. — J. Jokely, Professor
am Josephs-Polytechnicum in Ofen 168. — J. Jokely, Geologisches aus dem
Königgrätzer Kreise 169. — M. V. Lipoid, Eisensteinlager in der Silurforma-
tion in Böhmen 175. — F. Freih. v. Andrian, Gneisse aus dem Czaslauer und
Chrudimer Kreise 177. — P. v. Tchihatchef, der Vesuv im December 1861 . 179
Sitzung am 18. März 1862.
W. Hai d i n ge r, Vor-Ausstellung für London 183. — Besuch S ei n e r k. k.
Apostolischen Majestät 184. — J. J o k e ly’s erste Vorlesung in Ofen 188. —
Besucher der Anstalt für Dinstag eingeladen 189. — Granit von Bregenz, gesendet
von Freih. v. Seyffertitz 189. — K. v. H auer, Untersuchung von Cokes 189.
— Freih. v. Hingenau, General-Versammlung des Werner-Vereines 189. —
Fr. v. Hauer, Vorkommen von Phosphorverbindungen im Mineralreich 190. —
Fr. Posepny’s geognostische Karte des Mittellaufes der Lapos 192. —
Al. v. Pävai, Petrefaeten aus Nordost-Siebenbürgen 194. — Ad. Pichler, zur
Geognosie des Haller Salzberges 194. — M. V. Li p old, Gänge am Giftherge 195.
— Fr. Foetterle, K. Gregory, Naphthaquellen in Galizien 196. — D. Stur,
Prof. Braun, Pflanzenlager von Veitlahm 199. — Uebersichtsaufnahme von
West-Slavonien 200. — K. M. Paul, Verrucano und Werfener Schiefer im
Bakonyer Walde 205
Sitzung am 1. April 1862.
W. Haidinger, J. Barrande’s Defense de Colonies 207. — Jahres-
versammlung der geologischen Gesellschaft in London 209. — Photographien von
- C. v.Renard und Al. P e r r e y 210. — Dr. G. Stäche, Eocenablagerungen im
Bakonyer Wald 210. — K. v. Hauer, Untersuchung der Kohlen von Reschitza
und Steierdorf 212. — Fr. Foetterle, Lagerungsverhältnisse dieser Kohlen 214.
— H. Wolf, geologische Aufnahme der Warasdiner Grenzregimenter 215. —
Dr. F. Stoliczka, jüngere Tertiärschichten in Süd west-Ungarn
217
XXV
Seite
Sitzung am 29. April 1862.
W. Haidinger, Karten und Druckwerke an Seine k. k. Apostolische
Majestät 219. — Sommerplan für 1862 221. — Schwefelwasser von Hryniawa
222. — Freih. v. Härdtl’s „Heilquellen des österreichischen Kaiserstaates“ 223.
— H. Wolf, Profil der Kaiserin Elisabeth-Westbahn 223. — M. V. Lipoid,
Eisensteinlager der Silurformation in Böhmen 224. — Petrefacten, gesendet von
Fr. Jos. K ablik, J. F. Kutschker und Fr. Posepny 225. — K. M. Paul,
Rhätische, Lias- und Jura-Bildungen im Bakonyer Gebirge 226. — H. Wolf, das
Kalnikgebirge 229. — W. Hai dinge r, Schlusswort . 230
Die allgemeine Farbentafel für die 10 geologisch-colorirten Karten der inter-
nationalen Ausstellung in London 231
Monatsberichte.
Bericht vom 31. Mai 1862.
Audienz des Directors bei Seiner k. k. Apostolischen Majestät 233.
— Begünstigung der Geologen der Anstalt durch Freikarten 233. — Berichte der
Herren M. V. Lipoid, H. Wolf, Freih. v. Andrian und K. Paul aus Ost-
Böhmen 234. — von D. Stur aus Karlstadt 234. — von Dr. F. Stoliczka aus
Ogulin235. — von Dr. G. Stac h e aus Zara235. — Geschenke von Büchern 236.
— Das Skelet von Cervus Euryceros in den Thiergarten übertragen 237. —
Zweites Heft des Jahrbuches vollendet 237
Ber eht vom 30. Juni 1862.
W. Haidinger zum wirklichen Hofrath ernannt 238. — Berichte von M. V.
Lipoid aus Policzka 238. — von Freih. v. Andrian aus Deutschbrod 239. — von
C. M. Paul aus Brandeis 239. — von Dr. F. Stoliczka aus Ogulin 239. — von
D. Stur aus Samobor 240. ■ — von Fr. v. Hauer und Dr. G. Stäche aus Spa-
lato 241. — von Fr. Foetterle aus Zen gg 241. — Ausstellung in London 243.
— C. W. Gümbel’s Werk über die bayerischen Alpen 243. — N. St. Maske-
lyne, Meteoriten des Britischen Museums 244. — Brief von Freih. v. Richt-
hofen aus Calcutta 244. — Geschenke an Mineralien, Büchern u. s. w 245
Wilhelm Haidinger: „Der Boden der Stadt Wien , von Ed. Suess . . . 247
Bericht vom 31. Juli 1862.
Fünf Medaillen in London uns zuerkannt 251. — Berichte von M. V. Lipoid
aus Policzka 252. — von Freih. v. Andrian aus Neu-Reichenau 253. — von
C. M. Paul aus Chotzen 253. — von H. Wolf über das Rothliegende 253. —
von Fr. Foetterle aus Ottocac 254. — von D. Stur aus Petrinia 256. — von
Fr. v. Hauer und Dr. G. Stäche aus Spalato 257. — Ed. Suess, alpine Trias-
Petrefacten vomHimalaya 258. — Frau Jos. Kablik sendet Fische aus dem Roth-
liegenden von Hohenelbe 259. — DesCloizeaux, Manuel de Mineralogie 259.
— K. Naumann, Lehrbuch der Geognosie 259. — Auszeichnungen den Herren
D. G. Kieser, Rokitansky und Hyrtl verliehen ........... 259
Sitzungsberichte.
Sitzung am 4. November 1862.
W. Haidinger, Jahres-Ansprache 261
F. v. Hochstetter, Publicationen der Novara-Expedition 280. — Dank für
eine Kohlensammlung 280. — Fr. v. Hauer, Gümbel’s Werk über die bayeri-
schen Alpen 280. — M. V. Lipoid, Karte des Silurterrains in Böhmen 284. —
Dr. F. Stoliczka, Abschiedsworte 285. — Fr. v. Hauer, Antwort 285
Sitzung am 18. November 1862.
E. Suess, Säugethier-Reste vom k. k. Hof-Mineraliencabinete acquirirt 286.
— Fr. v. Hauer, Paralleltafeln für die Farbenschemata der Karten der k. k.
geologischen Reichsanstalt 287. — M. Y. Lipoid, Aufnahmen in Böhmen 288.
— K. v. Hauer, Kohlen-Untersuchungen 288. — Fr. Foetterle, Kohlen-
vorkommen im Neograder Comitat 290. — Mammuthreste von Kasperowce . . . 290
Sitzung am 2. December 1862.
E. v. Mojsisovics, Lagerung der Hierlatz - Schichten 291. — M. V.
Lipoid, Erzvorkommen von Raibl 292. — D. Stur, Fisch- und Pflanzenreste
von Hohenelbe 293. — F. Römer silurische Schichten von Zaleszczyki 294. —
K. Paul, Aufnahmen im östlichen Böhmen 295. — H. Wolf, Tertiärpetrefacten
von Jaromieric 297. — Fr. Fo etterle, geologische Karte der Licca . .... 298
K, k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
D
Sitzung am 16. December 1862.
M. Y. Lipoid, Eisensteinvorkommen von Prasberg 299. — Mineralien aus
Klein-Asien, geschenkt von M. L i 1 1 v. L i 1 i e n b a c h 299. — Freih. v. A n d r i a n,
Eisensteinvorkommen vom Kohlberg und Kogelanger 300. — K. v. Hauer, Anti-
monerze von Pinkafeld 302. — Eisensteine vom Kohlberg und Kogelanger 302.
— H. Wolf, Geologie des Chrudimer und Czaslauer Kreises 303. — W. Haidin-
ger, Glimmer-Pseudornorphosen nach Cordierit von Greinburg 304. — Franz
v. Hauer, zur Gedgnosie Tirols, von A. Pichler 304. — Fossilien aus dem
Tegel von Olmütz, gesendet von J. N. W o 1 d ric h 304. — Naturwissenschaft-
licher Verein für Steiermark 305. — Bericht über die geologische Landesauf-
nahme von Italien, von Q. Sella
JAHRBUCH
DER
KAISERLICH - KÖNIGLICHEN
GEOLOGISCHEN REICHSANSTALT.
JAHRGANG 1861 UND 1862. XII. BAND.
NB0 1. JÄNNER BIS DECEMBER 1861.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
BEI WILHELM BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES.
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I. lieft.
12. Band. 1861 ».1861 JAHRBUCH
DER
KAIS. KÖN. GEOLOGISCHEN REICHS-ANSTALT.
I. Ueber Herrn J. Barrande’s „Colonien“ in der Silur-
Formation Böhmens.
Von M. V. Lipoid,
kaiserlich-königlichem wirklichen Bergrathe.
(Mit 2 Tafeln und 3 Holzschnitten.)
Vorgelegt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 11. December 1860.
V o r w o r t.
In dem Terrain der sibirischen Grauvvackenformation Böhmens, welches durch
die langjährigen unermüdlichen Arbeiten des gelehrten und hochverdienten Natur-
forschers Herrn Joachim Barrande für die Paläontologie ein „classischer Boden44
geworden ist, hat wohl keine Erscheinung eine so grosse Sensation unter den
Geologen hervorgerufen, als jene der „Colonien44. Es ist bekannt, dass Herr
Barrande gewisse isolirte Partien von Schichten aus seiner obersilurischen Etage
E, welche zwischen Schichten seiner untersilurischen Etage D auftreten, mit dem
Namen „Colonien44 belegt hat und annimmt, dass die ersteren in normaler
Beihenfolge zwischen den letzteren abgelagert wurden. Die Fauna der Colonien,
welche jener der Etage E entspricht, wäre in das böhmische Silurbecken zur
Zeit, als daselbst die Ablagerungen der Etage D erfolgten, aus” einem ausserhalb
dieses Beckens gelegenen Meere, wo sie bereits existirte, auf einige Zeit „ein-
gewandert“.
Als im Sommer des Jahres 1859 Herr Johann Krejci , damals Lehrer an der
k. böhmischen Oberrealschule zu Prag, derzeit Direetor der Oberrealschule zu
Pisek, an den Arbeiten der I. Section der k. k. geologischen Reichsanstalt,
welche ich als Chefgeologe zu leiten hatte, Antheil zu nehmen freundlichst sich
erbot, und die geologische Aufnahme des ihm aus früheren Forschungen viel-
fach bekannten Terrains um und westlich von Prag übernahm, hatte derselbe
in dem über seine Arbeiten im Monate August an die Direction der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt erstatteten Berichte *) die Mittheilung gemacht, „dass er mit
grösster Aufmerksamkeit den Verlauf der Schichten in ihrem Streichen verfolgte,
und in Bezug auf den so wichtigen Begriff der B arr a n d e’schen „Colonien“ in
den Localitäten von Motol und dem Beranka-Wirthshause, wo Schichten mit
Petrefacten der Etage E in Schichten der Etage D eingelagert sind, sowie in der
von Gross-Kuhel zu der Annahme gelangt ist, dass diese Anomalien
durch wirkliche Dislocationen erklärt werden können“.
Es ist erklärlich, dass diese Behauptung des Herrn Directors Krej ei, welche
der bereits von hochgeachteten Geologen angenommenen Erklärungsart des Herrn
D Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. X. Jahrg., 1859. Verhandlungen, S. 112.
K. k. geologische Reichsanstalt. 13. Band, 1861 uud 1863. I. Heit, 1
2
M. V. Lipoid.
[2]
Barrande über die „Colonien“ geradezu entgegengesetzt war, unter den Wiener
Geologen Aufsehen erregte, und dass mein hochverehrter Freund Herr Professor
Eduard Suess, sobald er hievon Kenntniss erhielt, nach Prag eilte, um über
diese für seine eigenen paläontologischen Forschungen so hochwichtige Frage
Aufklärung zu erlangen. Durch Herrn Suess, und später aus dem Berichte der
k. k. geologischen Reichsanstalt für den Monat August 1859 gelangte auch Herr
J. Barrande in die Kenntniss von der Ansicht des Herrn Krejci über die „Colo-
nien“. Beiden Herren gab die Behauptung des Herrn Krejci Veranlassung, diesen
Gegenstand betreffende Zuschriften an meinen hochgeschätzten Lehrer und
Director, Herrn Hofrath W. Haidinger, zu richten. Herr J. Barrande erklärte
in seinem diesfälligen Schreiben1) von Prag den 17. October 1859, dass „er
gegen diese angebliche Entdeckung“ des Herrn Krejci „protestire “, — „dass
die Colonien wirklich eine anomale Erscheinung sind, und nichts mit den in dein
silurischen Becken von Böhmen so gewöhnlichen Dislocationen gemein haben“,
— und dass er „ohne zu wanken, an seiner Lehre von den Colonien festhalte“.
Er theilte mit, dass er demnächst seine Lehre von den Colonien in einer Arbeit
darstellen2) und dieselbe auf Thatsachen stützen werde, welche man in den zu-
nächst bei Prag gelegenen Colonien, die er „Colonie Zippe“, „Colonie Haidinger“
und „Colonie Krejci“ benannte, beobachtet. Auch Herr Professor E. Suess
erklärte sich in seinem Schreiben von „Wien, November 1859“ 3) für die Ansicht
des Herrn Barrande, stützte sich jedoch hauptsächlich auf Thatsachen, welche
der „Colonie Zippe“, die in der „Bruska“ in Prag seihst liegt, entnommen wurden,
uud meint, „dass in der Bruska von einer Erklärung der Vorkommnisse durch
Schichtenstörung keine Rede sein könne“, und dass man es an dieser Stelle
„sicher mit einer ursprünglichen Einlagerung, einer Colonie, und nicht mit einer
Schichtenstörung zu thun habe“.
Diese Erklärungen der beiden gelehrten Herren bestimmten Herrn Hofrath
Haidinger in seinem Schreiben vom 18. Februar 1860 an Herrn Barrande die
Meinung auszusprechen, „dass die Behauptung des Herrn Krejci auf einer Täu-
schung und nicht auf Thatsachen beruhe, und dass die Colonien neuerdings an
Terrain gewonnen hätten“. Als jedoch Herr Director Krejci im Monate April
1860 den Bericht über seine im Sommer 1859 für die Reichsanstalt ausgeführten
geologischen Aufnahmen dem Herrn Hofrathe Haidinger zur Vorlage brachte,
und in diesem Berichte4) nicht nur seine Ansicht über die Colonien theilweise voll-
ständig aufrecht erhält, sondern auch Thatsachen anführt, welche, deren Rich-
tigkeit vorausgesetzt, die Lehre des Herrn Barrande über die Colonien in der
That zu erschüttern vermöchten, — so veranlasste dieser Zwiespalt der Meinungen
den Herrn Hofrath, mich mit folgendem Aufträge zu beehren:
„Seiner u. s. w. Herrn M. V. Lipol d, k. k. w. Bergrathe und Chefgeologen
der I. Section in Böhmen.
Hochgeehrter Herr k. k. Bergrath! In der Frage der Barrande’schen Colo-
nien ist im Verlaufe der Detail- Aufnahme des diesjährigen Sommers eine einge-
hende Untersuchung durch den vielerfahrnen Chefgeologen der k. k. geologischen
Reichsanstalt in dem betreffenden Bezirke höchst wichtig und unerlässlich.
Ich ersuche Euer Hochwohlgeboren daher an Einer der „Colonien“, wo Herr
Professor Krejci eine von der des Herrn Barrande verschiedene Ansicht sich
!) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. X. Jahrgang, 1859. Seite 479.
2) Ist seitdem erschienen.
3) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. X. Jahrgang, 1859. Seite 491.
4) Derselbe wird im nächsten Hefte des Jahrbuches erscheinen.
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
3
[3]
gebildet hat, alle Verhältnisse so genau zu untersuchen und hinlängliche Auf-
sammlungen von Fossilresten einzuleiten, um zu einem sicheren Schlüsse zu
gelangen, so dass kein Zweifel übrig bleibt. Es ist gleichgiltig, welche dieser
Colonien dazu ausgewählt wird; je klarer die Verhältnisse, desto wünschens-
werther für die eigene Untersuchung sowohl, als um andere Geologen darauf
hinweisen zu können.
Ich ersuche E. H. für die Erfolge der Untersuchung an diesem Orte sodann
seiner Zeit bei den Ausarbeitungen im Herbste und Winter eine monographische
Darstellung vorzubereiten.
Mit ausgezeichneter Hochachtung u. s. w.
Wien, den 28. Mai 1860. W. Hai ding er m/p.“
Dies ist die Veranlassung, aus welcher ich mich an der Frage über die
„Colonien" im böhmischen Silurbecken betheilige. Gewiss wird es Niemand
wundern, dass der Auftrag meines hochverehrten Chefs, so ehrenvoll und schmei-
chelhaft er mir einerseits erscheinen musste, mich andererseits in eine peinliche
Lage versetzte. Galt es doch eine Frage wo möglich zur Entscheidung zu
bringen, welche bereits von so hochgestellten Autoritäten der Wissenschaft, wie
Barrande, Murchison, Lyell, Bronn, Suess u. a. besprochen und als
entschieden betrachtet wurde! — mit der Aussicht, entweder diesen Autoritäten,
deren vielfache Erfahrungen die meinigen bei Weitem übertreffen, — oder meinem
verehrten Freunde, Herrn Director Krejci, der die Frage wieder in Anregung
brachte, und in dessen genaue kenntnissreiche Beobachtungen ich volles Vertrauen
zu setzen Grund hatte, entgegentreten zu müssen! Doch, hier galt kein Zögern;
— dem Aufträge meines Herrn Chefs musste Folge geleistet werden, und so
machte ich mich denn an die Lösung der mir gewordenen Aufgabe mit dem
ernsten Vorsatze, die Thatsachen, wie sie sind, gewissenhaft zu
erheben und mitzutheilen. Ohne die am nördlichen Rande der obersiluri-
schen Ablagerungen nächst Prag befindlichen Colonien „Zippe“ und „Motol“
gänzlich ausser Acht zu lassen, hatte ich doch vorzugsweise die am südlichen Rande
jener Ablagerungen nächst Gross-Kuhel befindlichen Colonien „Haidinger" und
„Krejci" in das Bereich meiner Untersuchungen gezogen. Jedoch durch Herrn
Krejci’s Erhebungen darauf aufmerksam gemacht, und um überhaupt ein klares
Bild über die betreffenden Etagen des Herrn Barrande und deren Lagerungsver-
hältnisse zu erlangen, fand ich es nothwendig, den Kreis meiner Untersuchungen
über die Colonien hinaus zu ziehen, und dieselben an dem südlichen Rande der
obersilurischen Ablagerungen von Gross-Kuhel aus in südwestlicher Richtung in
einer Längenerstreckung von ungefähr 3 Meilen, bis in die Gegend von Litten,
Mnienan und Winaric auszudehnen. Das Resultat dieser im Sommer 1860 gepflo-
genen Untersuchungen lege ich in den zwei angehefteten geologischen Karten,
Taf. I und Taf. II, und in mehreren Profilen vor, zu deren Erläuterung die
nachfolgenden Mittheilungen dienen sollen. In so weit die geologische Karte,
Taf. I, in Nordwesten das obersilurische Kalkgebiet umfasst, ist dieselbe nach den
geologischen Aufnahmen des Herrn J. Krejci vom Jahre 1859 zusammengestellt.
1*
M. V. Lipoid.
m
Einleitung.
Es wird nicht überflüssig erscheinen, der Mittheilung über meine thatsäeh-
lichen Erhebungen bei den „Colonien“ einige Angaben über die silurischen Ab-
lagerungen Böhmens im Allgemeinen, und über die Geschichte der „Colonien“
insbesondere vorangehen zu lassen.
Was nun die Ablagerungen der Silurformation Böhmens im
Allgemeinen betrifft, so brauche ich nicht erst daraufhinzuweisen, dass es
Herr J. Barrande ist, dessen höchst werthvollen und gediegenen Arbeiten die
gelehrte Welt die erste genaue Kenntniss über jene Ablagerungen verdankt.
Seine in dem berühmten Werke: „ Systeme Sibirien du centre de la Boheme —
Par Joachim Barrande, IiSre Partie, 1852“, und zwar im „Esquisse geologique"
bekannt gemachte Einteilung der böhmischen Silur-Ablagerungen ist auf viel-
jährige Erfahrungen und zahlreiche Thatsachen gestützt, und gründet sich
auf die Ueberlagerung, auf den paläontologischen, und auf den petrographischen
Charakter der einzelnen Glieder. — Herr J. Barrande unterscheidet im böhmi-
schen Silurbecken eine „untersiluris che“ und eine „o be rsiluris che“
Abtheilung, und sondert jede derselben in mehrere „Etagen“.
Die u n t er silur is che Abtheilung umfasst von unten nach oben die
Etage A — krystallinische Schiefer-Etage;
* B — Schiefer- und Conglomerat-Etage — beide „azoisch“, — petre-
„ factenleer;
„ C — protozoische Schiefer -Etage — mit der „Primordial -Fauna“;
„ endlich
„ D — Quarzit-Etage, welche die zweite Silur -Fauna Böhmens beher-
bergt, und fünf mit dx, d2 , d3 , d 4 und db bezeichnte Unterabthei-
lungen erhielt.
Die obersilu rische Abtheilung mit der dritten Fauna zerfällt von
unten nach oben in die
Etage E — untere Kalk-Etage;
„ F — mittlere „
„ G — obere „
„ H — oberste Schiefer-Etage.
Diese Eintheilung des Silursystems in Böhmen diente den geologischen Auf-
nahmen der k. k. geologischen Reichsanstalt in diesem Königreiche zur Grundlage,
und ist von den betreffenden Geologen, wie es nicht anders zu erwarten war, als
vollkommen begründet befunden worden. Indessen fanden wir es nothwendig,
zu unserem Gebrauche von der Barrande’schen Bezeichnung der einzelnen
Glieder der böhmischen Silurformation mittelst Buchstaben abzuweichen, und statt
derselben die Benennung der Glieder nach Localitäten, an denen jedes derselben
besonders charakteristisch oder verbreitet auftritt, vorzunehmen. Es geschah
dies auf Veranlassung des Herrn Directors, nicht etwa aus blosser Neuerungs-
sucht, sondern ans einem zweifachen Grunde. Einerseits erschien es nämlich
angemessen, die bei der k. k. geologischen Reichsanstalt übliche, und vielfach,
insbesondere in den Alpen, angewendete Bezeichnung einzelner Formationsglieder
nach Localitäten, als diejenige, welche von den meisten Geologen benützt
wurde und am leichtesten dem Gedächtnisse angeeignet wird, auch bei der
Gliederung der böhmischen Silurformation in Anwendung zu bringen. Anderer-
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
[S]
s
seits fanden wir es nothwendig, bei den geologischen Aufnahmen in der böhmi-
schen Silurformation und in den betreffenden geologischen Karten, welche zu-
gleich praktischen Zwecken zur Grundlage dienen sollen, nicht nur eine
Trennung der Glieder auf Grundlage der paläontologischen Merkmale, wie es
Herr Barrande gethan, sondern auch eine Ausscheidung derselbennachpe-
trographis chen Unterschieden vorzunehmen, wodurch die von den Geologen
der k. k. geol. Reichsanstalt durchgeführte Gliederung der böhmischen Silurfor-
mation rücksichtlich der Anzahl der Glieder von jener des Herrn Barrande
abweichend wurde, und desshalb auch eine abweichende Bezeichnung erheischte.
Ich habe die in den Karten der k. k. geologischen Reichsanstalt durchge-
führte Gliederung der böhmischen Silurformation und deren Bezeichnung bereits
in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt vom 21. April 1860 *) be-
kannt gegeben, will jedoch hier dieselbe mit der Bemerkung wiederholen, dass
in der bekannt gegebenen Gliederung die „Kossower Schichten“, deren Aus-
scheidung erst später erfolgte, fehlen.
Die B arr an de 'sehe Etage A wurde von uns als „Urthonschiefer“ ausge-
schieden. Die übrigen Etagen des Herrn Barrande erhielten von unten nach
oben folgende Gliederung und Benennung:
1. Pfibramer Schiefer
2. „ Grauwacke
3. Jinecer . Schichten
4. Krusnahora . .
5. Komorauer . .
6. Brda
7. Vinicer ....
8. Zahoraner . . .
9. Königshofer . .
10. Kossower . . .
11. Littener . . .
12. Kuhelbader . .
13. Konepruser . .
14. Braniker . . .
13. Hluboceper . .
(Hostomnicer)
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Von diesen verschiedenen „Schichten“ werden uns in der Folge fast aus-
schliesslich die „Königshofer“, die „Kossower“ und die „Littener“ Schichten
beschäftigen , wesshalb ich nur von diesen Schichten eine kurze Beschreibung
beizufügen für nöthig erachte.
Die Königshofer Schichten bestehen aus Schiefern von gelblich-
oder braungrauer Farbe. Diese Schiefer sind sehr dünnblätterig, kurzklüftig
und leicht brüchig, an den Schieferungsflächen glänzend, im Bruche matt und
erdig, und enthalten nur sehr wenig Glimmer, und auch diesen nur sparsam in
mit freiem Auge kaum sichtbaren zarten Blättchen beigemengt. Es sind Herrn
Barrande’s „schistes gris-jaundtres“ . Die Kossower Schichten dagegen
bestehen aus Quarz-Sandsteinen von verschwindend kleinem Korn und von
licht- und dunkel- auch braungrauer Farbe. Nur Quarz, mit feinen Glimmer-
blättchen sparsam gemengt, bildet die Bestandtheile dieses Sandsteins, an
dessen Schichtungsflächen man meist pflanzenähnliche wulstige Erhabenheiten
vorfindet. Er tritt in Schichten von i/a Zoll bis zu 1 Fuss Mächtigkeit auf.
D Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. XI. Jahrgang, 1860. Verhandlungen, S. 88.
6
M. V. Lipoid.
[•]
Herr Barrande hat die Königshofer und Kossower Schichten in seiner
Unterabtheilung db der Etage D vereinigt, zweifelsohne auf Grundlage des
gleichen paläontologischen Charakters. Wir hatten die Schiefer und Sandsteine
dieser Unterabtheilung Herrn Barr an de ’s so weit als möglich als „Königshofer“
und „Kossower“ Schichten besonders ausgeschieden, da sie einen verschiedenen
Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit und die Configuration des Landes nehmen.
Allerdings treten die Königshofer Schiefer und die Kossower Sandsteine auch in
Wechsellagerung, und so wie in den Königshofer Schichten Lagen von sandigen
Schiefern und Sandsteinen, eben so trifft man zwischen den Sandsteinen der
Kossower Schichten schiefrige Mittel untergeordnet eingelagert. Die Königs-
hofer Schichten bestehen demnach entweder ausschliesslich oder doch bei
weitem vorwiegend aus Schiefern, während die Kossower Schichten vorherr-
schend von Sandsteinen gebildet werden. Bezüglich ihrer Stellung zu einander
haben ich und Herr Kr ejci aus vielfachen Beobachtungen die bereits von Herrn
Barrande angeführte Thatsache constatirt, dass überall, wo eine normale nicht
gestörte Lagerung zu finden ist, die Königs hofer Schichten die tiefere
Lage einnehmen, nach oben mit Sandsteinen in Wechsellagerung treten,
und endlich von den Kossower Schichten überlagert werden.
Rücksichtlich der Fauna der Königshofer und Kossower Schichten muss ich
auf Herrn Barrande V oben angeführtes Werk „ Systeme silurien dti centre de
la Boheme “ hinweisen, in welchem, Seite 69, die Fauna der Etage D mitge-
theilt wird. Abgesehen nämlieh davon, dass ich in der verhältnissmässig kurzen
Zeit, welche ich meinen Erhebungen über die Colonien widmen konnte, unmög-
lich auf eine erschöpfende Ausbeutung der Petrefacten obiger Schichten denken
konnte, um so weniger, als ich auf das bei den Colonien höchst wichtige Moment
der Feststellung der Lagerungsverhältnisse mein besonderes Augen-
merk richten musste; müsste ich in der That selbst auch nur den Versuch, die
Resultate der erschöpfenden paläontologischen Forschungen des Herrn
Barrande im böhmischen Silurbecken verbessern zu wollen, als eine Anmas-
sung erklären. Ich begnüge mich desshalb aus Herrn Barrande's obigem
Werke anzuführen, dass ihm bis zum Jahre 1852 seine Etage D 23 Genera mit
61 Species von Thieren geliefert hat, unter welchen die Trilobiten vorherrschen,
und von welchen 5 — 6 Genera erst in den Königshofer und Kossower Schichten
erschienen sind. Von den bezeichneten 61 Species sind fast alle der Etage D
eigentümlich, und nur ein paar in die obersilurische Etage E übergegangen.
Die „Littener“ Schichten bestehen aus Grünsteinen, aus Schiefern
und aus Kalksph äroiden. Die Grünsteine (Trappe) sind durchaus kalk-
hältig, und gehören in die Classe der Diabase. Sie bilden die Basis der Littener
Schichten, indem sie unmittelbar den Kossower Schichten auflagern, finden sich
aber auch in höheren Horizonten innerhalb der Schiefer, in Wechsellagerung
mit diesen, vor, so dass man mehrere successive Ablagerungen der Grünsteine
annehmen darf. Man trifft sie bald, anderen Eruptivgesteinen ähnlich, in massi-
gem Zustande, bald schön geschichtet in förmlichen Bänken an. Diese Grün-
steine sind d en Littener Schichten eigenthümlich , und wir haben
sie in normaler Lagerung in den tieferen Kossower und Königs-
hofer Schichten nicht vo rgefu nden *). — Die Schiefer der Littener
J) Allerdings treten Trappgesteine auch in den tieferen Schichten der Etage D des Herrn
Barrande, nämlich in den „Komorauer Schichten“, wohl auch in den Zahoraner
Schichten auf. Die Trappgesteine der Komorauer Schichten unterscheiden sich jedoch
theils durch ihre Schalstein- und Mandelsteinbildung, theils durch die Begleitung von
Ueber Herrn ßarrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
7
F]
Schichten sind dünnblätterig, im Bruche erdig oder sandig, einzelne sehr dünn-
plattige Lagen derselben kalkhaltig, und schwarz oder dunkel-blaugrau, nur im
verwitterten Zustande auch braun- selbst licht- und weissgrau von Farbe. Glimmer
findet sich in ihnen nicht vor. Dagegen sind sie besonders charakterisirt durch
die grosse Menge von Graptolithen, welche man an den Schieferungsflächen
antrifft, und welche selten einem Handstücke gänzlich fehlen. Zwischen diesen
Schiefern liegen, indenhöherenLagender selben, zerstreute sphäroidale,
abgeplattete Concretionen von Kalk (Anthrakonit) — Kalksphäroide — in der
Grösse von 1 Zoll bis über 2 Fuss, welche in der Regel sehr reich an Petre-
facten sind, und nach oben an Zahl so zunehmen, dass sie förmliche Bänke
bilden. — Ueberhaupt treten auch die Schiefer der Littener Schichten nach oben
mit dunklen bituminösen Kalksteinen in Wechsellagerung , bis diese letzteren
allein das Hangende der Littener Schichten bilden. Die letztgenannten Kalksteine,
welche Herr Barr aride noch in seine Etage E einbezieht, konnte ihrer petro-
graphischen Verschiedenheit wegen Herr K r ej ci in seiner geologischen Karte
über die Umgebungen von Prag besonders ausscheiden, und hat dieselben mit
dem Namen „Kuhelbader Schichten^ belegt.
Auch rücksichtlich der Fauna der Littener Schichten darf ich mich auf
Herrn ßarrande’s oben angeführtes Werk berufen, in welchem er, Seite 72 f.,
eine Uebersicht der Fauna seiner die Littener und Kuhelbader Schichten um-
fassenden Etage E gibt, welche nach Herrn Barrande die petrefactenreichste
aller Abtheilungen der böhmischen Silurformation ist.
Was nun das Geschichtliche der Colonien des böhmischen Silur-
beckens anbelangt, so hat Herr Barrande das Thatsächliche und die Theorie
derselben zuerst in seinem grossen Werke „ Systeme Sibirien du centre de la
Boheme. 1852“ der gelehrten Welt umständlicher zur Kenntniss gebracht. Er
theilt — Seite 69 — mit, dass, ungeachtet die untersi lur ischen Ablage-
rungen in Böhmen durch den Mangel von Kalkstein-Formationen ausgezeichnet
sind, sich dennoch innerhalb der sehr glimmen* eichen S chiefer der
Etage D zwei sehr merkwürdige Einlagerungen von Kalksphäroiden mit Grap-
tolithenschiefern, welche jenen der Etage E ganz ähnlich sind, vorfinden, je
eine an jeder Seite der Axe des böhmischen Silurbeckens, u. z. die eine mit
Grünsteinen nächst Motol und des Beranka-Wirthshauses (an der nördlichen
Seite des Beckens) , die andere oberhalb Gross-Kuhel (an der südlichen Seite
des Beckens), und beide mit Fossilien, welche den charakteristischen Fossilien
der Etage ^vollkommen ähnlich sind, und dass auch Herr Professor Zippe
in der „Bruska“ innerhalb Prag’s mitten in der Etage D eine Kalksteinschichte
beobachtet habe, deren Fossilien jenen der Etage E ähnlich sind. Er bezeichnet
— Seite 71 — diese in der Formation der glimmerreichen Schiefer d 4 der Etage
D Vorgefundenen Einlagerungen von Graptolithenschiefern und Kalksphäroiden,
deren Fossilen vollständig verschieden von jenen der (untersilurischen)
zweiten Fauna, und identisch mit jenen der (obersilurischen) dritten Fauna sind,
mit dem Namen „Colonien“. Er gibt ferner — Seite 72 a — ein Verzeichniss
der Fauna der „Colonien“, nach welchem die bis dahin in denselben gesammelten
Thierreste 63 Species, u. z. hievon 4 Sp ecies ausschliesslich den Colo-
Roogeneisensteinen leicht von den Grünsteinen der Littener Schichten. Herr Director
Krejci bereitet übrigens eine umfassendere Arbeit über die Grünsteine der böhmischen
Silurformation vor. Herr Krejci beobachtete Grünsteine in beschränkten Verhältnissen
noch an der Basis der Hluboceper Schichten im Thale zwischen Tachlovic, Chejnie und
Chotec, ohne dass deren Durchbruch durch die Konepruser und Braniker Schichten
sichtbar wäre.
8
M. V. Lipoid.
[8]
nien, 2 (der Colonie in der „Bruska“ entnommene) Species den Colonien und
der zweiten Fauna, und 57 Species den Colonien und der dritten Fauna gemein-
schaftlich angehören, — und fügt am Schlüsse bei, dass zu Folge dieses Sach-
verhaltes dieFauna der Colonien alsidentischmitderdritten Fauna,
in Böhmen, u. z. mit jener der Etage E, betrachtet werden müsse,
und dass diese coloniale Fauna, welche nach einer kurzen Existenz erloschen
ist, erst nach der gänzlichen durch die Ausbrüche der Grünsteine plötzlich erfolg-
ten Vernichtung der zweiten Fauna wieder erschienen sei und sich weiter ent-
wickelt habe. Nachdem endlich Herr B a r r a n d e — Seite 72 e — noch bemerkt,
dass die mineralogisch e Identität der Graptolithenschiefer, der Grünsteine
und Kalksphäroide in den Colonien und in der Etage E auf einen gleichen
Ursprung und eine gleichartige Bildungsart derselben in verschiedenen
Epochen hindeute, sucht er, Seite 73 — 75, die Erscheinung der Colonien
zu erklären. Er setzt hiebei als feststehende Thatsache voraus: „t., dass eine
aus Grünsteinen, Graptolithenschiefern und Kalksphäroiden bestehende Einlagerung
sehr regelmässig und in concordanter Lagerung den Schichten der
sehr glimmerreichen Schiefer d11 (der Etage D) zwischengelagert sei; 2., dass
diese Einlagerung fast einzig und allein Fossilien der dritten Fauna, d. i. 57
unter 63 Species, einschliesse, während sowohl die darunter, als die darüber
liegenden Schichten der glimmerreichen Schiefer nur charakteristische Formen
der zweiten Fauna darbieten“; — und nimmt nun an, dass 1. die bezüglich der
Einlagerung tiefer liegenden Schichten der glimmerreichen Schiefer d *, welche
ausschliesslich Fossilien der zweiten Fauna enthalten, am Grunde eines mehr
oder weniger tiefen Meeres abgesetzt wurden; dass 2. dieser Meeresgrund sich
auf ein höheres Niveau der Meeresfluthen erhoben habe, um die Schichten der
Einlagerung, d. i. die Grünsteine, Graptolithenschiefer und Kalksphäroide, in
welchen die ersten Repräsentanten der dritten Fauna erscheinen, aufzunehmen;
dass 3. derselbe Meeresgrund sich hierauf unter das Wasser senkte, und wieder
von einer neuen mächtigen Schichtenfolge der glimmerreichen Schiefer d 4 be-
deckt wurde, welche, der Einlagerung aufliegend, dieselben Fossilien der
zweiten Fauna, welche die unter der Einlagerung befindlichen Schiefer dk
charakterisiren, enthält, und dass 4. der Meeresgrund sich ein zweites Mal auf
ein höheres Niveau der Meeresfluthen hob, um neuerdings Ablagerungen von
Grünsteinen, Graptolithenschiefern und Kalksphäroiden, ähnlich jenen der Ein-
lagerung, aufzunehmen, welche aber bereits die Basis der Kalk-Etage E bilden,
und die dritte Fauna, d. i. jene der obersilurischen Abtheilung, in ihrer ganzen
Entwickelung enthalten. Die dritte Fauna der zwischen den Schiefern d 4befind-
lichen Einlagerung wäre — nach Herrn Barrande — aus einem ausserhalb des
böhmischen Silurbeckens gelegenen Verbreitungsbezirke, wo sie, u. z. gleich-
zeitig mit der zweiten Fauna der Quarzit-Etage D des böhmischen Silur-
Meeres, bereits existirte, wegen günstiger Lebenshedingungen , als welche die
Bildung der Graptolithenschiefer und Kalksteine anzusehen sind, u. z. von Nord-
osten in das Becken Böhmens eingewandert, und sei nach Aufhören dieser
Lebensbedingungen verschwunden, um später wieder zu erscheinen, — während
die die Etage D charakterisirende zweite Fauna, welche weder unter noch
ober der colonialen Einlagerung mit Fossilien dieser letzteren gemengt erscheint,
zur Zeit und dort, als und wo die Graptolithenschiefer der Einlagerung abgesetzt
wurden, die Meeresufer verlassen haben müsse.
Herr J. Bar ran d e hat in Folge der von Herrn Director J.Krejcf neuerlich
gegen den Bestand der „Colonien“ erhobenen Bedenken eine neue umfassende
Abhandlung über die Colonien, wie er sie in seinem Schreiben an Herrn Hofrath
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
9
[9]
Haidinger ddo. 17. October 1859 ankündigte, bereits in der Sitzung vom 4. Juni
1860 der geologischen Gesellschaft von Frankreich in Paris vorgelegt, aus
welcher ein Auszug in dem „ Bulletin de la societe geologique de France ,
2. serie , t. XVII, p. 602“ unter dem Titel: „Colonies dans le bassin silurien
de la Boheme ; par M. J. Barrande“ erschienen ist. Herr Barrande hatte die
Güte, mich durch Uebersendung eines Abdruckes jenes Auszuges zu erfreuen,
was ich mit um so grösserem Danke erwähne, als ich aus demselben so manche
Belehrung rücksichtlich der Fauna der Colonien schöpfte, und durch denselben
in die Kenntniss der neuesten Ansichten Herrn Barrande’s über die Colonien
gelangt bin. In diesem Auszuge aus der Abhandlung gibt Herr Barrande bekannt:
1. die Beschreibung und Parallele der drei Colonien: Zippe, Haidinger und Krejci;
2. die Uebereinstimmungen und die Gegensätze zwischen den Colonien und den
Etagen D und E ; 3. die Beziehungen der zweiten und dritten Fauna Böhmens
und Englands hinsichtlich der Colonien: 4. die Beziehungen zwischen den sibi-
rischen Faunen der verschiedenen Begionen Nord-Amerika’s; 5. die Unterbre-
chungen in der jurassischen Fauna Englands und in der zweiten silurischen Fauna
Böhmens; endlich 6. die Erklärung der Colonien Böhmens.
Ich werde später Gelegenheit haben, mich mehrfach auf Herrn Barrande’s
neueste Mittheilungen über die „Colonien“ zu berufen, indessen muss ich hier
schon auf einige wichtige Umstände aufmerksam machen.
Vor Allem hat HerrBarrande die Ueberzeugung gewonnen, dass nicht alle
Colonien in den Zahoraner Schichten ( d 4), wie er es anfänglich bekannt gab,
auftreten, sondern dass nur die Colonie „Zippe“ in den Zahoraner Schichten,
die Colonien „Haidinger“ und „Krejci“ dagegen in den Königshofer und Kossower
Schichten ( d 5) sich vorfinden, und zwar die beiden letzteren in verschie-
denen Horizonten. ( Bulletin . Seite 616.)
Daraus folgt von selbst, dass nach Herrn Bar ran de eine dreimalige Ein-
und Auswanderung der obersilurischen Colonial-Fauna in das böhmische Silur-
becken zu verschiedenen weit aus einander liegenden Zeiten der untersilurischen
Epoche angenommen werden müsse. ( Bulletin . Seite 626.)
Weiters berichtiget Herr Barrande selbst {Bull. Seite 625 und 628) seine
im „ Systeme silurien “ gemachte Angabe, dass von der Fauna der Colonien
4 Species den Colonien eigenthümlich seien, dahin, dass er nach Ver-
lauf von mehr als 15 Jahren diese 4 Species auch in den Littener Schichten {E)
vorgefunden habe, und dass daher unter der Fauna der drei in Rede stehenden
Colonien sich bisher keine denselben ausschliesslich eigene Species
vorgefunden habe. Uebrigens geht Herr Barrande auch in seiner neuesten Arbeit
über die Colonien von der Ueberzeugung aus, dass die Colonien den Königshofer
und Kossower, respective den Zahoraner Schichten r e gel rn ässig u n d con-
cordant zwischengelagert seien {Bull. Seite 610, 616 u. m. a.) , und es
ergibt sich aus seiner Beschreibung der Colonien „Haidinger“ und „Krejci“,
dass dieselben aus Grünsteinen und Graptolithenschiefern, letztere auch aus Kalk-
sphäroiden, somit aus Gesteinen zusammengesetzt sind, welche auch die Littener
Schichten charakterisiren. (Siehe auch Bull. Seite 660.)
Die Erklärung, welche Herr Barrande in seiner letzten Notiz {Bull. Seite
658 u. f.) über die Colonien gibt, entspricht im Allgemeinen jener, die ich aus
seinem „ Systeme silurien“ anführte. Ich werde später dieselbe näher erörtern.
Haben auch einzelne bekannte Geologen und Naturforscher, wie Herr Vicomte
d'Archiac (Histoire des progres de la geologie 1863) , Herr Eduard Forbes
(Quart. Journ, of the London geolog. Society. Anniv. address 1864) und neuer-
lich, wie uns Herr Barrande {Bull. Seite 602) mittheilt, Herr Bayl e gegen den
%
k. geologische Reichsanstalt. 12, Band, 1861 und 1S62. I. Heft.
10
M. V. Lipoid.
m
Bestand der Colonien im Sinne des Herrn Barrande Zweifel erhoben und die Er-
scheinung derColonien auf eine andere Art zu erklären versucht; so haben dagegen
andere berühmte Naturforscher, welche man bezüglich der Geologie und Paläon-
tologie mit Hecht als „Autoritäten“ zu bezeichnen gewohnt ist, sich den Ansichten
des Herrn Barrande über die Colonien angeschlossen, und die B a r r a n d e’sche
Theorie und Lehre über die Colonien in ihre Schriften aufgenommen. So spricht
sich Herr Charles Lyell in seinem „ Supplement of tlie fifth edition of a
Manual of elementary geology“ . London 1857. Seite 29 u. f. für die Colonial-
Theorie des Herrn Barrande aus, nachdem er im Sommer 1856 Prag besuchte,
und Herrn Barrande’s grosse^Sammlungen zu besichtigen und in dessen Gesell-
schaft „die Ordnung und Aufeinanderfolge der durch ihn erklärten Gesteine zu
beobachten“ Gelegenheit hatte. Ebenso gibt Herr Professor Dr. H. G. Bronn
in seiner von der französischen Akademie im Jahre 1857 gekrönten Preisschrift:
„Unters uchungenüberdieEntwickelungsgesetzederorganischen
Welt während der Bildungszeit unserer Erdoberfläche“. Stuttgart
1858, Seite 294, in dem Abschnitte 44. Ana chronische Colonien“ die
Erscheinung und die Theorie der Colonien des böhmischen Silurbeckens nach
Herrn Barrande bekannt, und bekräftiget dieselbe durch Anführung anderer
„analoger Fälle“. Nicht minder bespricht Herr B. I. Murchison in seinem
Prachtwerke „ Siluria “. III. Edition. London 1859 , Seite 400 die „Colonien“
des Herrn Barrande, und zieht deren Bestand nicht in Zweifel. Endlich
widmet Herr Professor Eduard Suess in seiner Abhandlung: „Ueber die Wohn-
sitze der Brachiopoden“ *) den „Colonien“ des böhmischen Silurbeckens mehrere
Seiten, indem er den durch das obangeführte Schreiben an Herrn Hofrath
Haid*inger eingenommenen Standpunkt festhält. Ich werde später auf die oben
citirten Stellen aus den Werken der Herren Lyell, Bronn, Murchison und
Suess zurückkommen, und hiebei die von denselben gegebenen Erklärungen der
böhmischen „Colonien“ im Silursysteme, welche theilweise von der Erklärungsart
des Herrn Barrande abweichen, näher ausführen.
Nach diesen einleitenden Vorbemerkungen werde ich zuerst
A. Eine Beschreibung der „Colonien“ an der Südseite des böhmischen
Silurbeckens liefern, — sodann
B. Die Erklärung der Erscheinung dieser „Colonien“ folgen lassen, und endlich
C. Ueber die Colonien an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens einige
Bemerkungen anschliessen.
A. Beschreibung der Colonien an der Südseite des böhmischen
Silurbeckens.
An der Südseite des böhmischen Silurbeckens befinden sich die von Herrn
Barrande bezeichneten und beschriebenen Colonien „Haidinger“ und
„Krejcf“ nächst Gross-Kuhel. Wie aus der unter Tafel I beigefügten „Geolo-
gischen Karte“ ersichtlich ist, finden sich den Colonien „Haidinger“ und „Krejcf“
*) Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der Kais. Akademie der Wissenschaften.
Jahrgang 1859. 38. Band, Seite 185; 39. Band, Seite 151. — Auch im Separat-
abdrucke „Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei“ Wien 1860. In Commission bei
Karl Gerold’s Sohn.“ Seite 107 u. f.
Ueber Herrn ßarrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
11
tu]
ähnliche Erscheinungen von Littener Schichten zwischen Kossower und Königs-
hofer Schichten in südwestlicher Richtung von Gross-Kuhel bei Radotin, südlich
von Kosor, nördlich von Cernositz, bei Wonoklas, Karlik, Treban, Belec, und
zwischen Litten und Korno vor. Die Colonien „Krejci“ und „Haidinger“ sind die
nordöstlichsten von Allen, ungefähr eine Meile südlich von Prag bei Gross-
Kuhel, am linken Ufer des Moldau-Flusses, und an dem Gehirgsgehänge
gelegen, welches hier ziemlich steil in das Moldauthal abfällt. Bei Lahowitz
ergiesst sich der Beraun-Fluss in die Moldau, welche von hier an in nördlicher
Richtung gegen Prag zu die sibirischen Gebirgsschiehten, deren Streichungs-
richtung im Allgemeinen eine nordöstliche ist, durchbrochen, zum Theile weg-
geschwemmt und blossgelegt hat. Die ziemlich steilen Gehänge des linken Moldau-
Ufers zwischen Lahowitz und Prag entblössen gleichsam die Ausgehenden der
obersilurischen und eines Theiles der untersilurischen Gebirgsschiehten gegen
das Moldauthal. Der besonderen Wichtigkeit wegen, welche die beiden Colonien
„Krejci“ und „Haidinger“ besitzen, habe ich dieselben in einem zehnfach
grösseren Maassstabe, als auf der Karte Tafel I, in Tafel II ersichtlich gemacht,
und hiebei nebst der geologischen Bezeichnung der besseren Orientirung wegen
auch die Terrainzeichnung ausgeführt *). Die übrigen der obgenannten Colonien
befinden sich im Beraun-Thale, bis Treban am linken, dann am rechten Ufer des
Beraun-Flusses. Da die Karte Tafel I eine Copie der Original-Aufnahmskarten
des k. k. General-Quartiermeisterstabes ist, und somit bezüglich des Terrains auf
vollkommene Genauigkeit Anspruch hat, so wird sie mich in der Folge von einer
detaillirten Localisirung einzelner Punkte , da sie ohnedem in der Karte genau
ersichtlich ist, entbinden.
Ich lasse nun die Beschreibung der „Colonien“ folgen, indem ich hiebei von
Nordosten gegen Südwesten fortschreite.
Colonie „Krejci“.
Herr Barrande gibt in dem oben angeführten Auszuge seiner neuesten
Abhandlung über die Colonien ( Bullet . 1860. Seite 621 u. f.) eine detaillirte
Beschreibung von dieser Colonie, auf welche ich hier verweise. In Tafel II ist
deren Lage ersichtlich, und eine „vordere Ansicht“ nebst zwei „Profilen“ von
derselben gegeben. Die zwischen den zwei Profilen verzeichnete „Vordere
Ansicht“ erhält man, wenn man sich gegenüber der Colonie (ungefähr bei Punkto?)
aufstellt. Sie gibt ein Totalbild von der Colonie, welche die Mitte derselben
einnimmt, und sich in einem kleinen Graben befindet, der in etwas schiefer Rich-
tung das Gehirgsgehänge durchschneidet. Bei näherer Betrachtung der Gesteins-
arten, welche die Colonie zusammensetzen, wird Jedermann, der die einzelnen
Gebirgsglieder der böhmischen Silurformation einigermassen kennen gelernt hat,
in denselben allsogleich die „Littener Schichten“ erkennen, sowohl was die
Graptolithenschiefer, als auch die Grünsteine und insbesondere die Kalksphäroide,
welche diese Colonie führt, anbelangt. Wenigstens konnte ich meinerseits keinen
wesentlichen Unterschied zwischen den Gesteinsarten der Colonie, und jenen,
welche die Littener Schichten im Allgemeinen charakterisiren, wahrnehmen.
Das viel wichtigere Moment, welches bei der Colonie „Krejci“ zu beobachten
kommt, sind die Verhältnisse der Lagerung. Die bis in den Thalgrund herab-
reichende Colonie zeigt in der Mitte eine steil aufgerichtete Stellung der
i) Die genaue trigonometrische Aufnahme des in Tafel II verzeiehneten Terrains und der
Höhendistanzen hatte Herr Director J. Krejci die Güte zu besorgen und zu veranlassen.
2 *
12
M. V. Lipoid.
[12]
Schichten der Graptolitenschiefer in einer Breite von 10 bis 12 Klaftern. Die
Schichten stehen theils saiger, theils sind sie unter 70 bis 80 Grad nach Nord-
nordost oder nach Südsüdwest geneigt, und gerade in dem mittleren Wasser-
risse des Grabens beobachtet man eine steil convergirend^ Stellung der
Schichten. Das Streichen dieser Graptolithenschiefer geht nach Stunde 5 (0. 15*
N.). — Sehr verschieden ist nun die südliche (linkseitige) und die nördliche
(rechtseitige) Begrenzung der Colonie. — Gegen Süden wird die Colonie von
„Kossower Schichten“ begrenzt, welche an dem Gebirgsgehänge an einigen
Stellen entblösst sind, und zu unterst ein Streichen nach Stunde 4 (0. 30° N.),
höher ein solches nach Stunde 3 (N. 0.), und zu oberst, über dem hier bestan-
denen Steinbruche, ein Streichen nach Stunde 1 (N. 15° 0.), aber durchaus nur
ein widersinnisches Einfallen der Schichten in das Gebirge von nur 30 bis 40, ja
seihst nur von 15 Graden abnehmen lassen. Nur unmittelbar neben der Colonie zu
unterst derselben ist eine Partie von Kossower Schichten entblösst, deren Strei-
chen nach Stunde 4 (0. 30° N.) läuft, deren Einfallen jedoch bei 80 Grad nach
Nordwest beträgt. Zu oberst lagern auf den Kossower Schichten Grünsteine und
Schiefer der Littener Schichten, — leider nur wenig entblösst, da sie alsbald von
Gebirgsschutt und Diluvialschotter überdeckt werden. Schutt und Schotter ver-
hindern auch den unmittelbaren Zusammenhang zu sehen, in welchem diese eben-
genannte oberste Partie der Littener Schichten mit der erstbezeichneten mächti-
gen Partie derselben im Thalgrunde steht. Gegen Norden dagegen wird die Co-
lonie zunächst von „Königshofer Schichten“ begrenzt, die wie die Schiefer der
Colonie, steil aufgerichtet sind und nach Stunde 5 (0. 15° N.) streichen. Die
Schiefer der Königshofer Schichten, die in einem völlig zermalmten Zu-
stande sich vorfinden, werden weiter nördlich von Kossower Schichten
überlagert, die an einigen Entblösungen zu Tag treten, und daselbst ein verschie-
denes Streichen theils nach Stunde 4 (0. 30° N.), theils nach Stunde 7 (0. 15° S.)
und ebenfalls nur ein geringes widersinnischen Einfallen von 30 bis 35 Grad
nach Norden zeigen.
Vergleicht man die Streichungsrichtung und die Stellung der Schichten der
Littener Schichten in der Hauptmasse der Colonie mit der Streichungsrichtung
und Schichtenstellung der südlich und nördlich von ihr auftretenden Kossower
Schichten, so wird man sich kaum berechtiget finden, eine „concor d ante“
Lagerung beider, und überhaupt eine „regelmässige Zwischenlagerung“
der Littener Schichten der Colonie zwischen den Königshofer und Kossower
Schichten anzunehmen. Vielmehr deuten die zwischen die Kossower und Königs-
hofer Schichten förmlich eingekeilten Littener Schichten der Hauptmasse der
Colonie auf eine Unregelmässigkeit in der Lagerung hin, welche nur in Folge
einer Dislocation Statt haben konnte. Herr Barrande selbst supponirt eine
solche, indem er bei der Beschreibung der Colonie „Krejci“ (Seite 621) bemerkt :
„Eine merkliche aber graduelle Abweichung in der Neigung der Schichten am
ganzen Gehänge bezeuget eine Bewegung des Bodens während ihrer Ablagerung,
oder eine Unr egelmässigkeit bei ihrer Hebung“.
Die oben angedeutete Art der Lagerung versinnlichen die beiden Profile A B
und CD in Tafel II, deren letzterer nahe am Fusse der Colonie quer durch
dieselbe, ersterer hingegen nach dem südlichen Gehänge aufwärts gezogen ist,
und den oberen Theil der Colonie, so wie (ideal) die Fortsetzung des unteren
grösseren Theiles derselben durchschneidet.
Herr Barrande bezeichnet (Seite 623) die Hauptmasse der Schiefer,
welche die Colonie „Krejci“ zusammensetzen, als „unreine Schiefer
(schistes impurs)“, und hält sie für eine Mengung der Materie der eigent-
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
13
[13]
liehen Littener Schiefer und der Königshofer Schiefer. Ich meinestheils bin
geneigt, die Entstehung dieser „unreinen Schiefer“ der Hebung zuzuschreiben
welche, wie erwähnt, aus den Lagerungsverhältnissen der Colonie gefolgert
werden muss, indem man als eine natürliche Folge der durch die Hebung veran-
lassten Schiehtenstörung annehmen kann, dass dabei in der That eine Mengung
der Littener Schichten mit Königshofer Schichten und nebstdem eine mehr
minder bedeutende Veränderung ihres sonstigen petrographischen Charakters
Statt gefunden habe, wie dies auch die zermalmten Königshofer Schichten
rechts nächst der Colonie andeuten. Ich habe mich desshalb auch im Vorher-
gehenden in keine subtile Beschreibung der Colonie „Krejci'“ eingelassen * weil
sich einzelne kleine Unregelmässigkeiten einfach durch die, wie
ich glaube, constatirte Thatsache, dass bei der Colonie „Krejci“
eine Schichtenstörung in Folge einer Dislocation vor liege,
erklären lassen.
Die Fossilien, welche Herr Barrande bisher aus der Colonie „Krejci“
gesammelt hat, führt derselbe in seinem Auszuge {Bull. Seite 624) namentlich an.
Es sind 40 Species, von welchen Herr Barrande erklärt, dass sie Alle
auch in seiner unteren Kalk-Etage ^erscheinen. Die Colonie „Krejci“
besteht demnach nicht nur aus Gesteinen, die die „Littener Schichten“ charak-
terisiren, sondern sie führt auch nur solche Fossilreste, die den „Littener
Schichten“ eigenthümlich sind. Ich begnüge mich mit diesen Angaben und werde
auch in der Folge bezüglich der Petrefactenführung nur Herrn B arr a n d e‘s
gewiss vollkommen verlässliche Daten citiren, indem überhaupt, wie es sich
später zeigen wird, bei der Erklärung der Erscheinung der Colonien der Schwer-
punkt nicht blos in den Vorgefundenen Fossilresten, als vielmehr vor Allem in
den Lagerungsverhältnissen gesucht werden muss.
Ich habe schon oben erwähnt, dass die oberste Partie der Littener Schichten,
welche die Colonie Krejci zusammensetzen , von Gebirgsschutt und Diluvial-
schotter bedeckt wird. Letztere verhindern es auch, dass man die südwestliche
Fortsetzung der Colonie unmittelbar verfolgen könnte. Geht man jedoch in süd-
westlicher Dichtung von der Colonie Krejci aus nach dem Gebirgsgehänge in
ziemlicher Höhe von der Thalsohle an der Begrenzung der Diluvialablagerungen
und der Kossower Schichten vorwärts, so trifft man an ein paar Stellen Littener
Schichten, u. z. Grünsteine und Graptolithenschiefer, unter dem Schotter aus-
beissen und auf Kossower Schichten aufliegen , die im Allgemeinen ein geringes
widersinnisches Einfallen nach Nordwesten besitzen. Der Zuhammenhang dieser
Kossower Schichten mit jenen, welche die südliche Begrenzung der Colonie
Krejci bilden, und auf welchen die bezeichnete oberste Partie der Colonie ruhet,
ist ein ununterbrochener, und es kann somit keinem Zweifel unterliegen,
dass die obenerwähnten und in der Karte Tafel II angedeuteten Ausbi sse
der Littener Schichten die weitere südwestliche Fortsetzung
der Colonie „Krejci“ sind, deren Erscheinen am Tage nur durch die
Diluvial- und Schuttablagerungen mehrmals unterbrochen wird. Unter den
Kossower Schichten lagern bei diesen Ausbissen, wie es die Karte zeigt, die
Königshofer Schiefer.
Colonie ,,flaidinger“.
Auch diese Colonie beschreibt Herr Barrande in seinem angeführten Aus-
zuge {Bull. Seite 616, 618 u. f.) im Detail, und ich habe dieser Beschreibung
der Colonie „Haidinger“, welche sich an dem Gebirgsgehänge südwestlich von
M. V. Lipoid.
14
[14]
der am Wege zwischen Kuhei und Radotin befindlichen Schäferei (siehe Karte
Tafel II) befindet, nur Folgendes beizufügen.
Wenn man in dem ersten, in der Karte mit „I“ bezeichneten Graben,
welcher südwestlich von der Schäferei das ziemlich steile Gebirgsgehänge durch-
schneidet, von unten nach aufwärts steigt, so findet man zu unterst Kossower
Schichten, sodann Königshofer Schichten, endlich gegen die Höhe zu wieder
Kossower Schichten, die aber bald von Diluvialschottern bedeckt werden, welche
das Hochplateau einnehmen. Die Kossower Schichten zeigen durchgehends
ein widersinnisches nordwestliches Einfallen ihrer Schichten unter einem meist
sehr geringem Einfallwinkel. Die zwischen denselben befindlichen
Königshofer Schichten dagegen, welche den grössten Theil des
Grabens einnehmen, besitzen eine sehr verworrene Lagerung,
indem ihre Schichten nicht nur verschiedene Streichungsrichtungen abnehmen
lassen, sondern auch grösstentheils ein steiles Einfallen, und zwar bald ein wider-
sinnisches, bald ein rechtsinnisches, besitzen, und stellenweise saiger aufgerichtet
erscheinen. In diesem Graben sind keine Spuren von Littener Schichten
anzutreffen. Hingegen stehen an dem Grate des Gebirgsvorsprunges , welchen
das Gehänge links (südwestlich) von diesem Graben besitzt, Littener Schichten,
und zwar Grünsteine und Graptolithenschiefer an, welche man nach dem Gebirgs-
gehänge in südwestlicher Richtung ungefähr 200 Klafter weit durch zwei Gräben
verfolgen kann, bis deren Fortsetzung gleichfalls durch Schult und Diluvial-
schotter verdeckt wird. (Siehe Karte, Tafel II.) Diese Grünsteine und Grapto-
lithenschiefer, welche die Colonie „Haidinger“ bilden, stimmen petrographisch
vollkommen mit den Grünsteinen und Graptolithenschiefern der Littener Schichten
im Allgemeinen überein. Die Mächtigkeit der Littener Schichten ist 5 bis 6
Klafter, und sind bald die Grünsteine, bald die Schiefer vorwaltend.
Um über die Lagerungsverhältnisse der Colonie „Haidinger“ ein genaues
und getreues Bild zu erlangen, habe ich in dem zweiten südwestlich von der
Schäferei befindlichen, in der Karte mit „II“ bezeichneten Graben , in welchem
die Colonie erscheint, und in welchem die Gesteinschichten sehr schön entblösst
sind, die Reihenfolge der Schichten mit ihrem Streichen und Fallen erhoben, und
in dem Profile EF (Tafel II) ersichtlich gemacht. Der Graben selbst ist zwar,
hauptsächlich in seinem tieferen Theile unter der Colonie, sehr schroff, und
dessen Passirung beschwerlich ; allein die Ueberwindung dieser Schwierigkeit
ist um so nothwendiger und lohnender, als man nur dadurch zu einem klaren
Bilde von den Lagerungsverhältnissen der Colonie, welche für die Erklärung der
Erscheinung von besonderer Wichtigkeit sind, gelangen kann. Zu unterst nun
in diesem Graben stehen Königshofer Schichten an, auf welche nach oben bis
zu der Colonie in steilen Abfällen Kossower Schichten folgen. Beide zeigen ein
gleichmässiges Streichen nach Stunde 3 (N. 0.), und ein widersinnisches Einfallen
nach Nordwest. Das Einfallen der Kossower Schichten ist jedoch ein sehr geringes
und beträgt durchschnittlich kaum 10 Grade; ja einzelne Bänke derselben
liegen ganz horizontal. Auf diesen Kossower Schichten liegt die Colonie, und
zwar die Grünsteine denselben gleichmässig aufruhend, während die Graptolithen-
schiefer ein Streichen nach Stunde 3 (0. 15° N.) bis 6 (0.), und an ihrer
nördlichen Begrenzung ein nördliches Einfällen von 40 Graden abnehmen
lassen. Auf die Graptolithenschiefer folgen nach aufwärts, die Colonie im Nord-
westen begrenzend, abermals Königshofer Schichten, und zwar nehmen sie den
grössten Theil der oberen Hälfte des Grabens ein, und gehen erst gegen das
Plateau in die Kossower Schichten über, welche als höchstes anstehendes Ge-
birgsglied in dem Graben beobachtet werden können, worauf auch hier das Pia-
Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
[18]
18
teau von Diluvialablagerungen bedeckt wird. — Die Königshofer Schichten nun,
welche auf die Colonie folgen, zeigen in ihrer ganzen Mächtigkeit verschiedene
Streichungsrichtungen zwischen Stunde 1 (N. lö° 0.) bis h (0. 16° N.), aber
schon unmittelbar an der Colonie ist ihr widersinnisches Einfallen ein
s t eiles unter 70 u nd m e hr Gr ad , und bleibt es bis hoch hinauf im Graben,
indem einzelne Partien derselben selbst vollkommen saiger aufgerichtet
erscheinen. Erst gegen den Ausgang des Grabens nach oben erhalten die Schich-
ten einen geringeren Einfallswinkel, der jedoch immer noch so gross ist, dass
selbst die obersten sichtbaren Kossower Schichten noch mit 40 Grad nach
Nordwesten verflachen.
Fasst man nun das naturgetreue Profil EF in Tafel II in’s Auge, so sieht
man, dass zwischen den zum Theile horizontal liegenden und höchstens mit
10 Grad verflachenden unteren Kossower Schichten, welchen die Colonie auf-
ruhet, und den mit 40 bis fiO Grad einfallenden oberen Kossower Schichten
die Königshofer Schichten in steiler, selbst saigerer oder verticaler Schichten-
stellung auftreten. Man wird mir daher kaum Unrecht geben, wenn ich die bei
der Colonie Haidinger erhobene Schichtenfolge als keine concordante, und
die Lagerung der Colonie selbst als keine regelmässige Zwisch enlage-
rung bezeichne. Es lässt sich vielmehr, wie bei der Colonie Krejci, so auch bei
der Colonie Haidinger aus der Unregelmässigkeit der Schichtenstellung folgern,
dass auch hier eine Störung der Lagerung in Folge irgend welcher Dis-
location Statt gehabt habe. Die Littener Schichten der Colonie erscheinen
nach dem Profile durch die Königshofer Schichten abgeschnitten, und
erstrecken sich demnach nach dem Verflächen nicht weit in das Gebirge hinein.
Der Beweis hiefür liegt auch vor, indem die Littener Schichten der Colonie an
dem vorspringenden Grate zwischen den beiden Gräben II und I der Karte sich
verlieren, und in den Graben I nicht herabreichen, wo sie doch min-
destens in Spuren erscheinen müssten, wenn sie den Kossower und Königshofer
Schichten regelmässig und concordant zwischengelagert wären.
Die Fossilreste, welche Herr Barrande aus der Colonie Haidinger
(a. a. 0. Seite 621) anführt, beschränken sich auf 8 Species, was wohl dem
Umstande zuzuschreiben ist, dass in dieser Colonie keine Kalksphäroide, die in
der Colonie Krejci die meisten Fossilien lieferten, Vorkommen. Alle 8 Species
der Colonie Haidinger fand Herr Barrande jedoch auch „an verschie-
denen Orten in der tiefsten Zone seiner unteren Kal k- E ta ge E.“
Die wichtigsten Thatsachen nun, welche aus dem Yorgesagten folgen und
besonders beachtet werden müssen, sind, dass auch die Grünsteine und Grapto-
lithenschiefer, welche die „Colonie Haidinger44 bilden, petrographisch jenen der
Littener Schichten überhaupt identisch sind, — dass die Lagerung der Colonie
keine regelmässige sondern eine gestörte ist, — und dass die Fossilreste, welche
die Colonie lieferte, alle auch den Littener Schichten, und zwar der tiefsten
Zone derselben, eigenthümlich sind. Das Auftreten von kleinen Partien der
Kossower oder Königshofer Schichten zwischen den Littener Schichten der
Colonie, wie solches Herr Barrande in seiner Beschreibung der Colonie
Haidinger anführt, wird, sobald man eine statt geh abte Schichten-
störung in Folge einer Dislocation zugibt, eben so wenig überraschend
erscheinen, als die oben angedeutete Mengung der gleichen Schichten bei der
Colonie „Krejci44.
Aus der geologischen Karte Tafel II ist ersichtlich, dass die Colonien
„Krejci44 und „Haidinger44 nicht einem und demselben, sondern zwei ver-
schiedenen durch Königshofer Schichten getrennten Zügen der
16
M. V. Lipoid.
rie]
Kossower Schichten aufruhen, dass sie demnach nicht als Fortsetzung einer
von der andern angesehen werden können. Die Colonie „Krejcf“ käme, wenn
deren südwestliche Fortsetzung nach dem Streichen sichtbar wäre, über und
auf die obere Partie der Kossower Schichten zu liegen, welche man im
Graben II durchquert, und auf deren unteren tieferen Partie die Colonie „Hai-
dinger" erscheint. Herr Barrande hat demnach vollkommen Recht, wenn er,
unter der Voraussetzung, dass die Lagerung der Colonie n eine
regelmässige und concordante sei (a. a. 0. Seite 616 und 626),
die Angabe macht, dass die beiden Colonien „Krejcf" und „Haidinger" zwei
verschiedenen Horizonten angehören, und zwar die Colonie „Haidinger“
dem tieferen und die Colonie „Krejcf“ einem höheren Horizonte. Mir gilt diese
Thatsache als Beweis , das in dem Terrain der beiden Colonien eine
Störung der normalen Lagerung nach zwei zu einander paral-
lelen Richtungen von Nordost in Süd west stattgefunden habe,
deren eine Richtung durch die Colonie Haidinger, und die andere durch die
Colonie Krejcf und ihre südwestliche Fortsetzung angedeutet wird.
Dass Herr B arr an d e ausser den von ihm in dem ofterwähnten Auszuge
beschriebenen Colonien „Haidinger“, „Krejcf“ und „Zippe“ noch mehrere den
Colonien gleiche Erscheinungen im böhmischen Silurhecken kennt, folgt aus
seinen Bemerkungen Seite 609 und 625 des Bull. Auch mir sind bei der
geologischen Aufnahme des Terrains zwischen Gross-Kuhel und Litten mehrere
den Colonien „Haidinger“ und „Krejcf" analoge Erscheinungen vorgekommen,
die ich auch mit dem Namen Colonien belegen will, und die ich im Nachfolgenden
in kurzen Umrissen schildern werde. Ich behaupte hiebei durchaus nicht, alle
den Colonien ähnliche Erscheinungen zwischen Kuhei und Litten erschöpft zu
haben , indem hei dem theils mit Diluvien bedeckten , theils stark bewaldeten
Terrain es sehr leicht möglich ist, dass man eine oder die andere dergleichen
Erscheinung verfehlet, und sie in der Folge zufällig entdeckt wird. Nur bin ich
überzeugt, dass, je mehr „Colonien“ in dem bezeichneten Terrain ausser den
von mir zu beschreibenden bekannt würden, man dadurch nur desto mehr Anhalts-
punkte zu jener Erklärung der „Colonien“ gewänne, die sich aus deren Lage-
rungsverhältnissen ergeben wird.
Colonie „Radotin“.
Ich habe schon oben erwähnt, dass die Verfolgung der südwestlichen Fort-
setzung der Colonie „Haidinger“ wegen jüngerer Schutt- und Schotterablage-
rungen nicht thunlich ist. Allein auf den Feldern am Plateau nordöstlich von
Radotin findet man zwischen Geschieben der Kossower Schichten auch einzelne
seltene Geschiebe von Graptolithenschiefern der Littener Schichten, und am Wege,
der nach dem Gehänge von Radotin nach Lochkow führt, nächst den „Lahowska“
benannten Häusern, trifft man in anstehendem Gebirge eine Partie Littener
Schichten, bestehend aus Grünsteinen und Graptolithenschiefern, mitten unter
Kossower und Königshofer Schichten ausbeissend. Dieser Ausbiss von Littener
Schichten, den ich Colonie „Radotin“ bezeichne, liegt, wenn man ihn nebst den
Stellen, wo Findlinge von Graptolithenschiefern zu sehen sind, in der Karte ver-
zeichnet, wie ich es in der „Geologischen Karte“ Tafel I. that, genau in der süd-
westlichen Fortsetzung der Colonie „Haidinger“, und ich nehme keinen Anstand,
die Colonie „Radotin“ als südwestliche Fortsetzung der Colonie „Haidinger“
zu bezeichnen.
[17]
Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
17
Das Profil DE in Tafel I. erläutert die Lagerungsverhältnisse der Colonie
„Radotin.“ Dasselbe ist über das östlich vom Radotiner Bache befindliche Pla-
teau von Südost nach Nordwest gezogen, und vorzugsweise aus den Beobachtun-
gen zusammengestellt, welche ich an den schön entblössten Gebirgsgehängen
am linken Ufer des Radotiner Baches machen konnte. Uutersucht man nun dieses
rechtseitige (östliche) Gebirgsgehänge nach dem Graben aufwärts, so ver-
misst man vor Allem zwischen den daselbst anstehenden Königshofer und Kos-
sower Schichten das Erscheinen von Littener Schichten, welche nach dem Strei-
chen der Littener Schichten in der Colonie „Radotin“ als Fortsetzung dieser
letzteren an irgend einer Stelle dieses Gehänges zu Tag treten sollten. Man
muss hieraus den Schluss ziehen, dass die Littener Schichten der
Colonie „Radotin“ nach dem Verflächen nicht weit in das Ge-
birge hinein reichen, weil sie sonst in dem Radotiner Graben an dem
Berggehänge zu Tage kommen würden, sondern dass dieselben, gleich den Lit-
tener Schichten in der Colonie „Haidinger“, als deren Fortsetzung sich die
Colonie Radotin auch darstellt, durch die Königshofer Schichten in der Art ab-
geschnitten werden, wie ich es im Profile DE verzeichnete.
Weiter gegen Nordwesten trifft das Profil eine mächtige Partie von Litte-
ner Schichten, die auf Kossower Schichten lagern. Diese Littener Schichten
gehören jedoch bereits der normalen Ablagerung derselben an, da sie von
Kuhelbader Schichten normal bedeckt werden, und somit die Reihe der norma-
len obersilurischen Schichtengruppen eröffnen. Indessen findet man bei genauer
Untersuchung dieser Littener Schichten in dem Radotiner Graben, dass nahe an
der südöstlichen oder Liegendgrenze dieser Ablagerung von der Thalsohle an
eine Partie von Kossower Schichten in die Littener Schichten keilförmig hinauf-
ragt, und diese letzteren in ihrer Lagerung gestört hat, ohne jedoch die-
selben ganz durchzusetzen und bis an das obere Plateau zu reichen. Ich habe
diese Störung der normalen Littener Schichten durch Kossower Schichten in
dem Profile DE angedeutet, während die letzteren nach Obigem in der Karte
selbst nicht ersichtlich sind.
Ich bezeichne diese letztangeführte Störung der Lagerung der norma-
len Littener Schichten durch Kossower Schichten als besonders bemerkenswerth,
da es sich hieraus ergibt, dass auch in dem Terrain der Colonie „Radotin“ die
Königshofer und Kossower Schichten in ihrem regelmässigen Einfallen zwei Stö-
rungen erlitten haben, deren eine sich bei der Colonie „Radotin“ selbst, die an-
dere durch das erwähnte keilförmige Hineinragen der Kossower Schichten in die
normalen Littener Schichten kund gibt. Beide Störungen können nur Disloca-
tionen der Schichten ihren Ursprung verdanken, und wenn man die Schich-
tenstörung bei der Colonie „Radotin“ als südwestliche Fortsetzung derjenigen
Schichtenstörung, welche bei der Colonie „Haidinger“ nachgewiesen
wurde, meines Erachtens mit Recht annimmt, so ergibt sich völlig von selbst die
Vermuthung, dass die nördlichere, in den normalen Littener Schichten beobach-
tete Schichtenstörung die südwestliche Fortsetzung jener Schichtenstörung sei,
welche aus den Lagerungsverhältnissen bei der Colonie „Krejci“ gefolgert
werden muss.
Zu beachten ist ferner, dass auch am linkseitigen (westlichen) Gebirgs-
gehänge des Radotiner Grabens ein Anstehen von Littener Schichten zwischen
Königshofer und Kossower Schichten im Thalgrunde nicht aufgefunden werden
konnte, und die Littener Schichten auch an diesem Thalgehänge erst dort auf-
treten, wo sie bereits ihre normale Lage zwischen den Kossower Schichten und
den obersilurischen Kalksteinablagerungen einnehmen. Die höheren Theile dieses
3
K. k. geologische Reichsanstalt, 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft.
18
M. V. Lipoid.
[18]
westlichen Thalgehänges, wie auch die Höhen selbst, die sich daselbst erheben,
sind stark bewaldet, und daher geologischen Beobachlungen ungünstig, und es
bleibt immerhin möglich, dass an irgend einem Punkte dieser Höhen „Colonien“
sich vorfinden, die ich nicht beobachtete, und nicht in die Karte verzeichnen konnte.
Colonie „Kosor“.
Mit diesem Namen bezeichne ich jene „Colonie“ von Littener Schichten
zwischen Kossower Schichten, welche man an dem östlichen Gehänge des Gra-
bens südöstlich vom Dorfe Kosor beobachten kann. (Taf. I.) Die Colonie selbst
ist nur einige Klafter mächtig, und besteht aus Grünsteinen und Graptolithen-
schiefern, welche zwischen den nach Nordwest einfallenden Kossower Schichten
auftreten. Die Lagerungsverhältnisse dieser Colonie, welche ich im Profile FG ,
Taf. I darstellte, sind gleichfalls keine vollkommen regelmässigen. Die Kossower
Schichten nämlich, welche die Colonie in Südosten und Nordwesten begrenzen,
fallen zwar beiderseits nach Nordwesten ein; aber der Einfallswinkel der süd-
östlichen (oder Liegend-) Kossower Schichten ist ein kleiner und viel gerin-
gerer, als der Einfallswinkel der nordwestlichen (oder Hangend-) Kossower
Schichten, der sich nächst der Colonie bis 70 Grad erhebt. Dieser verschiedene
Verflächungswinkel der Kossower Schichten muss mich bestimmen, auch hei der
Colonie „Kosor“ eine Schichtenstörung vorauszusetzen, und auch hier anzu-
nehmen, dass die Littener Schichten der Colonie keine tiefgehende Einlagerung
in den Kossower Schichten bilden, sondern durch die im Hangenden (Nordwest)
der Colonie auftretenden Kossower Schichten abgeschnitten werden. Gewiss ist
es, dass die Littener Schichten der Colonie nach dem Streichen in Nordosten
irgendwo an den bewaldeten Höhen sich auskeilen müssen, weil sie in der Thal-
sohle des Radotiner Grabens, wie ich oben erwähnte, nicht vorgefunden wurden,
und sie doch in diesem Thale zu Tage treten müssten, wenn sie eine reguläre
Einlagerung in den Kossower Schichten bildeten. Zum besseren Verständniss
dieser Lagerungsverhältnisse muss ich noch beifügen, dass der Punkt, wo sich
die Colonie „Kosor“ befindet, ziemlich hoch im Gebirge, und mindestens 200
Fuss höher sich befindet, als die Thalsohle des Radotiner Grabens ob Radotin,
woraus es erklärlich wird, warum die, allem Anscheine nach, nach ihrem Verflä-
chen abgeschnittenen Littener Schichten der Colonie „Kosor“ in der Thalsohle
des Radotiner Grabens nicht mehr vorgefunden werden. Die südwestliche Fort-
setzung der Colonie „Kosor“ ist durch Diluvial-Ablagerungen, welche das grosse
Hochplateau südlich von Kosor bedecken, über Tag unterbrochen, obwohl man
dieselbe unter den Diluvien vermuthen darf.
Auf die Kossower Schichten, welche die Colonie im Nordwesten begrenzen,
folgen nach aufwärts die normalen Littener Schichten, denen gegen Kosor zu
die Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten regulär auflagern.
Colonien „Cernositz“.
Nordwestlich von dem am Beraunflusse gelegenen Dorfe Cernositz befindet
sich ein Graben, der das nach Südost abfallende Gebirgsgehänge ziemlich tief
durchschneidet. An der rechten (östlichen) Seite dieses Grabens stehen am
Fusse des steilen Gehänges Königshofer Schichten an, welche nach aufwärts
in Kossower Schichten übergehen, auf die gegen die Höhe grosse Steinbrüche
im Betriebe stehen. Sowohl die Königshofer als auch die sie überlagernden Kos-
sower Schichten besitzen ein durchschnittliches Streichen nach Stunde 3, und
Ueber Herrn ßarrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
19
[19]
ein widersinnisches Verflachen nach Nordwesten. In ähnlicher Art folgen auch
an dem Gebirgsgehänge links (westlich) vom Graben von unten nach oben auf
die Königshofer die Kossower Schichten. Geht man nun nach dem Hauptgraben
aufwärts, so findet man in der oberen Hälfte desselben bis zu dem Hochplateau,
das von Diluvien bedeckt ist, nichts als Kossower Schichten anstehend. Hingegen
trifft man an beiden Seiten des Hauptgrabens fast in der Höhe des Plateaus mitten
zwischen Kossower Schichten Partien von Littener Schichten ausbeissend. An
der linken Seite des Hauptgrabens stösst man auf die aus Grünsteinen und Grap-
tolithenschiefern bestehende Partie der Littener Schichten am Wege, welcher
an dieser Seite des Grabens von Cernositz nach Tfebotow führt. An der rechten
(östlichen) Seite des Hauptgrabens hingegen zweigt sich ein kleiner aber schrof-
fer Seitengraben nach Nord osten ab, auf dessen steilen von Kossower Schichten
gebildeten Felswänden sich Partien von Grünsteinen der Littener Schichten
vorfinden. Diese isolirten Partien von Littener Schichten bilden die Colonien
„Cernositz“. Sie besitzen nur eine Mächtigkeit von 4 bis 5 Klaftern.
Was die Lagerungsverhältnisse dieser Colonien betrifft, so ist deren unmit-
telbare Auflagerung auf Kossower Schichten, die mit 40 bis 50 Grad nach
Nordwest einfallen, sichtbar; weniger klar dagegen ist deren Ueb erläge r u ng,
obschon nach den vorhandenen Entblössungen es keinem Zweifel unterliegt, dass
auch im Hangenden der Colonien, d. i. an der nördlichen Begrenzung derselben,
Kossower Schichten mit steilem nordwestlichen Einfallen auftreten. Da jedoch
in dem Umstande, dass die Littener Schichten, ungeachtet sie an beiden Sei-
ten des Hauptgrabens und zwar genau in der dem Streichen der Gebirgsschichten
entsprechenden Richtung in der Höhe zu Tag treten, in dem Hauptgraben selbst,
welchen sie nach dem Streichen durchschneiden sollten, nirgends in der Tiefe
anstehend gefunden werden, der Beweis vorliegt, dass die Littener Schichten
sich nach dem Verflächen in das Gebirge auskeilen oder durch die Kossower
Schichten abgeschnitten werden; so habeich diesem entsprechend das Profil HI
in Taf. I entworfen, welches demnach auch ein begründetes Bild von den Lage-
rungsverhältnissen der Colonien „Cernositz“ gibt.
Das Hochplateau, auf dessen Höhe die Colonien „Cernositz“ nahezu auf-
treten, ist mit Diluvien bedeckt. Man ist daher nicht im Stande, weder die
westliche noch die östliche Colonie nach ihrem Streichen zu verfolgen, und den
allfälligen Zusammenhang der letzeren mit der Colonie „Kosor“ zu constatiren.
Westlich von dem Cernositzer Graben ist überdies das Gebirge bewaldet, und
diese Waldungen, die bis zu dem Solopisker Graben reichen, verhinderten auch
eine Begehung der Gehänge gegen diesen Graben. Am Wege, welcher nach dem
Solopisker Graben von Solopisk nach Cernositz führt, fand ich zwar an einer
Stelle, wo am Gehänge nur Kossower Schichten anstehen, eine kleine Partie
von Graptolithenschiefern der Littener Schichten; da ich jedoch zur Beurtheilung
der Lagerungsverhältnisse derselben keine festen Anhaltspuncte gwinnen konnte,
so begnüge ich mich, hievon einfach Erwähnung zu machen. In diesem Graben
sind jedoch bei Solopisk, d. i. südlich vom Orte, die normalen Littener Schich-
ten sehr mächtig entwickelt, und ich konnte daselbst drei mächtige Partien von
Grünsteinen zwischen Graptolithenschiefern beobachten. Leider gestatteten mir
das Wetter, die Zeit, und das theilweise dicht bewaldete Terrain nicht, diese
Ablagerung der Littener Schichten einer vollkommen detaillirten Aufnahme zu
unterziehen, die vielleicht interessante Daten über die Lagerung dieser Littener
Schichten geliefert, vielleicht selbst eine coloniale Erscheinung von Kossower
Schichten zwischen denselben nachgewiesen hätte, wesshalb ich spätere Forscher
auf diese Stelle besonders aufmerksam zu machen mir erlaube.
3 *
20
M. V. Lipoid.
[20]
Colonie „Wonoklas“.
Das Dorf Wonoklas (siehe Karte Taf. I) steht auf Littener Schichten, wel-
che, da sie nördlich vom Orte normal von Kuhelbader und weiters von Kone-
pruser, Braniker und Hluboceper Schichten überlagert werden, als die normale
Ablagerung der Littener Schichten in der Beihe der obersilurischen Schichten-
gruppen anzusehen sind. Diese Littener Schichten lagern auf Kossower Schichten,
wie man dies in dem Graben südlich vom Dorfe beobachten kann. In dem erwähn-
ten Graben findet man in der Thalsohle an beiden Gehängen abwärts bis zu der
Wendung desselben gegen Osten nur Kossower Schichten anstehend; dort treten
Königshofer Schichten unter denselben auf. An den Gehängen zunächst
der Thalsohlewerden demnach keineLittener Schichten zwischen
den Kossower Schichten bemerkbar. Allein in der halben Höhe des
östlichen Thalgehänges, und zwar an der Stelle, wo ein Steinbruch auf die Kosso-
wer Sandsteine eröffnet ist, zeigt sich ein höchst interessantes Auftreten von
Grünsteinen der Littener Schichten zwischen Kossower Schichten. Letztere
bilden nämlich daselbst eine Faltung und eine Biegung, und die Grünsteine
der Littener Schichten werden, wie man dies bei dem Steinbruche deutlich
sieht, von den Falten der Kossower Schichten eingeschlossen, so dass sie nur
nach oben frei zu Tag treten, nicht aber in das Gebirge sich erstrecken.
Dieses Auftreten von Littener Schichten zwischen Kossower Schichten,
welches ich als Colonie „Wonoklas“ bezeichne, habe ich in dem Profile KK in
Tafel I dargestellt. Der Grünstein tritt nur in geringer Masse auf, aber in einer
Art, die klar zeigt, dass derselbe den Kossower Schichten nicht zwischen-
gelagert, sondern aufgelagert sei, und nur in Folge einer Dis lo cation der
letzteren zwischen dieselben eingezwängt wurde.
Colonien „Karlik“.
Der tiefe Einschnitt, welchen der Rubriner Bach nördlich von Karlik (siehe
Taf. I) in das Gebirge macht, und durch welchen die Gebirgsschichten ihrem
Streichen in’sKreuz durchbrochen werden, gestattet auch eine genauere Ermittlung
der Reihenfolge der Gebirgsschichten in diesem Thale. Das Profil LM in Tafel I,
welches von Karlik aus nach Nordvvesten über die Gehänge am linken Bachufer
gezogen ist, versinnlichet die beobachtete Reihenfolge der Schichten.
Das steile Gehänge, welches sich bei Karlik aus der Dobfichowicer Ebene
erhebt, besteht am Fusse aus Kossower Schichten, welche nach Stunde 3 (N. 0.)
bis 4 (0. 30° N.) streichen, und nach Nordwesten einfallen. Auf den Kossower
Schichten lagern concordant Littener Schichten, und zwar Grünsteine und
Graptolithenschiefer mit Kalksphäroiden ; die Grünsteine, steile Felswände am Ein-
gänge in’s Rubriner Thal, eine Art Felsenthor, bildend, die Graptolithenschiefer
ebenfalls, wie die Kossower Schichten, nach Nordwesten verflächend. Die
Mächtigkeit der Littener Schichten ist bedeutend, und beträgt, wie man dies am
rechten Bachufer bei Karlik entnehmen kann, viele Klafter. Hinter dem ersten
Bergrücken, welcher aus den oben bezeichneten Kossower und Littener Schich-
ten zusammengesetzt ist, breitet sich eine kleine Fläche aus, von welcher nach
Nordosten und Südwesten Gräben auslaufen. In diesen Gräben findet man Königs-
hofer Schichten anstehend, welche, wie die genannten Littener Schichten, auf
welche sie folgen, im Allgemeinen gleichfalls ein nordwestliches Einfallen
zeigen, das aber steiler ist, als jenes des Littener Schichten. Die erwähnte kleine
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
21
[21]
Fläche begrenzt nördlich ein zweiter Bergrücken, an dessen Fusse noch die Königs-
hofer Schichten zu sehen sind, dessen steile Gehänge aber die Kossower Schich-
ten bilden, welche zwar ein Streichen nach Stunde 4 (0. 30°N.) bis 5 (0. 13°N.)
abnehmen lassen, aber auch ein nordwestliches Einfallen besitzen, somit die Königs-
hofer Schichten überlagern. Verfolgt man die Schlucht, welche diesen zweiten
Bergrücken quer durchschneidet, und durch welche der Rubriner Bach fliesst,
weiter aufwärts, so beobachtet man am Gehänge des linken Bachufers eine zweite
kleinere Partie yon Littener Schichten, und zwar Grünsteine, welche deutlich den
Kossower Schichten auflagern. Es folgen sodann gegen Norden neuerdings Kos-
sower und Königshofer Schichten, deren Lagerungsverhältnisse , insbesondere
gegen die letzterwähnten Littener Schichten, aber wegen des coupirten Terrains
nicht bestimmt erhoben werden konnten. Erst entfernter von diesen Littener
Schichten kann man das nordwestliche Einfallen der Kossower Schichten
wieder beobachten, und auf diese Kossower Schichten folgen endlich gegen
Norden in concordanter Lagerung die normalen Littener Schichten, die von
den Kuhelbader und höheren Kalkschichten überlagert werden.
Das eben erörterte Profil LM zeigt demnach, dass sich in dem Graben ob
Karlikzwei Colonien von Littener Schichten zwischen Königshofer und Kosso-
wer Schichten vorfiuden, und dass diese Colonien zu einander nahezu parallel
streichen. Ich habe die südlichere Colonie mit x> die nördlichere mit y ,
und die normalen Littener Schichten mit * bezeichnet. Verfolgt man die Colo-
nien „Karlik“ nach dem Streichen gegen Nordosten, so gewahrt man, dass ihre
Mächtigkeit in dieser Richtung abnimmt, und dass sie am Bergrücken zwischen
dem Karliker und Wonoklaser Graben sich verlieren. Man findet sie auch in der
That im Wonoklaser Graben am westlichen Gehänge des rechten Bachufers
nirgends zu Tag treten, — ein Beweis, dass sie sich in dieser Richtung aus-
gekeilt haben, und daher nach dem Verflächen nicht tief in das Ge-
birge eing reifen. In südwestlicher Richtung dagegen halten die Colonien
„Karlik“ nach dem Streichen an, und sie stehen in dieser Richtung in unmittel-
barem Zusammenhänge mit den zunächst zu beschreibenden Colonien.
Colonien „Treban“.
Das coloniale Auftreten von Littener Schichten zwischen Kossower und
Königshofer Schichten östlich von Treban, welches ich als Colonien „Treban“ in
dem von Rewnitz am Beraunflusse nach Nordwest zum Plesiwec-Berge gezogenen
Profile NO in Tafel I darstellte, verdient eine vorzügliche Beachtung. Einerseits
hat der Beraunfluss, welcher bei Rewnitz aus dem obersilurischen Gebirgsterrain,
das er quer durchbrochen hatte, tritt, die Gebirgsschichten an beiden Ufern in
einer Art blossgelegt, dass man deren Lagerungsverhältnisse leicht erheben kann.
Andererseits erscheinen in den Trebaner Colonien die Littener Schichten bereits
in so grosser Mächtigkeit zwischen den Königshofer und Kossower Schichten,
dass sie diesbezüglich selbst den normalen Ablagerungen derselben nicht
viel nachstehen.
Untersucht man die grösstentbeils schön entblössten Gebirgsschichten, wie
sie von Rewnitz an in nordwestlicher Richtung auf einander folgen, so stehen ob
der Mahlmühle am linken Ufer des Beraunflusses gegenüber von Rewnitz zu-
nächst Königshofer und über diesen Kossower Schichten an, die nach Stunde 3
streichen und mit 33 Grad nach Nordwesten einfallen. Sie werden unmittelbar
von Grünsteinen der Littener Schichten überlagert, deren Auflagerung auf den
Kossower Schichten besonders schön am rechten Ufer der Beraun in der süd-
22
M. V. Lipoid.
[22]
westlichen Fortsetzung des Streichens beobachtet werden kann, wo die Griin-
steine in Bänke geschichtet das gleiche Streichen und Fallen mit den Kossower
Schichten besitzen. Auf den Grünsteinen liegen Graptolithenschiefer der Litte-
ner Schichten.
Es folgt nun ein kleiner Thaleinschnitt in das Gebirge, der sich vom Beraun-
flusse in nordöstlicher Richtung gegen das Dorf Rowina hinaufzieht. An der
Nordseite dieses Thaleinschnittes erhebt sich von Nordost nach Südwest strei-
chend ein zweiter schroffer Hügelzug, welcher am Beraunflusse in steilen Fels-
wänden „cerna Skala“ genannt, endet. Am südlichen Fusse dieses Hügelzuges
kommen noch Graptolithenschiefer mit Kalksphäroiden der Litte ner Schich-
ten zu Tag, und ich konnte an einer Stelle deren Streichen nach Stunde 5
(0. 15o N.) bis 6 (0.) mit nördlichem Einfallen unter 20 bis 30 Grad ab-
nehmen. Auf den Schiefern der Littener Schichten lagern Grünsteine derselben
in einer Mächtigkeit von mehreren Klaftern, an dem südlichen Gehänge des
erwähnten Hügelzuges steile Abstürze bildend. Diese Grünsteine findet man, auf
der Höhe des Gehänges angelangt, sehr schön und deutlich von Kossower Schich-
ten überlagert, welche wieder ein Streichen nach Stunde 3 (N. 0.) bis 4
(0. 30° N.), und ein nordwestliches Einfallen von 35 Grad besitzen. In der
kleinen Einbuchtung, welche der Hügelzug nördlich von der oben erwähnten von
Kossower Schichte gebildeten Höhe besitzt, sieht man auf die Kossower Schichten
die Königshofer Schichten folgen, welche die ganze Einbuchtung einnehmen. Höchst
beachtenswerth ist an dieser Stelle der Umstand, dass man die Königshofer
Schichten, wenn man deren unmittelbare Auflagerung auf Kossower Schichten
in südwestlicher Richtung verfolgt, nach und nach diese letz teren über-
greifend bedecken sieht, so dass das zu Tagetreten der Kossower Schich-
ten in dieser Richtung sich auskeilt, und die Königshofer Schichten zunächst am
Beraunflusse unmittelbar auf die Grünsteine der Littener Schichten zu liegen
kommen. (Siehe Karte Taf. I.) Es zeigt sich hier klar eine Ueberschiebung
der Königshofer Schichten über die Kossower Schichten, und ich
muss auf diese hier deutlich sichtbare Thatsache ein um so grösseres Gewicht
legen, als dieselbe geeignet ist, auf manche nicht so klar vorliegende Erscheinun-
gen bei anderen Colonien ein Licht zu werfen.
Auf die Königshofer Schiefer folgen am nördlichen Rande der kleinen
Einbuchtung wieder Kossower Schichten mit einem Streichen nach Stunde 4
(0. 30° N.) und mit einem Verflächen von 35 Grad nach Nordwesten, somit un-
bestritten die ersteren überlagernd. Diese Kossower Schichten werden weiters
gegen Norden abermals von Littener Schichten bedeckt, welche zunächst der
Kossower Schichten ein Streichen nach Stunde 6 (0.) und auch ein nördliches
Einfallen mit 35 Grad besitzen. Diese Littener Schichten nehmen das ganze nörd-
liche Gehänge des Hügelzuges, dessen geologische Zusammensetzung eben erörtert
wurde, ein, und lassen sich bis in den Grund des Thaies verfolgen, welches, von
der Trebaner Alluvialebene ausgehend, sich gegen Nordosten in das Gebirge
erstreckt, und den erwähnten Hügelzug von dem nördlichen Hauptgebirgszuge
scheidet. Die Littener Schichten an diesem Gehänge zeigen mehrfachen Wech-
sel von Grünsteinen und Graptolithenschiefern mit Kalksphäroiden , aber wenig
Puncte, wo deren Streichen und Fallen mit Sicherheit erhoben werden könnte.
Der bezeichnete Hauptgebirgszug an der nördlichen Seite des erwähnten
Thaies besteht an seiner südlichen Abdachung aus Kossower und Königshofer
Schichten, die am Fusse des Gebirges ebenfalls ein nordwestliches Einfallen
zeigen, auf den Höhen aber grösstentheils von Gebirgsschutt und Diluvialschotter
bedeckt sind. Diese sehr mächtige Zone von Kossower und Königshofer Schichten
Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
23
[23]
besitzt übrigens sehr u nreg elmäss ige Lagerungsverhältnisse, wie man dies
theils an den Gehängen des linken Beraunufers, besonders aber in der Fortsetzung
ihrer Streichungsrichtung am rechten Ufer der Beraun, worauf ich später
zurückkommen werde, beobachten kann. Erst in ziemlicher Höhe stösst man auf
dem Wege, der von Vorder-Treban nach Karlstein führt, auf Littener Schichten,
die den Kossower Schichten normal auflagern, und auch, da auf dieselben bereits
die obersilurischen Kalksteinschichten folgen, die normale Ablagerung der
Littener Schichten sind.
Das so eben beschriebene Profil NO in Tafel I weiset nach, dass auch
nördlich von Bewnitz bei „Treban“ zwei „Colonien“ von Littener Schichten
zwischen Kossower und Königshofer Schichten auftreten. Ich habe auch hier
die südlichere Colonie mit x , die nördlichere mit y , und die normale Ablagerung
der Littener Schichten mit z bezeichnet.
Keine der Colonien, die ich bereits beschrieben, und noch beschreiben
werde, bietet bei oberflächlicher Aufnahme scheinbar eine so grosse Begel-
mässigkeit in der Lagerung dar, als dies bei der Colonie x von Treban der Fall
ist, welche eben desshalb als die interessanteste von Allen bezeichnet werden
muss. Denn sowohl die liegendsten Kossower Schichten (in der Karte mit zz
bezeichnet) , als auch die die beiden Colonien x und y trennenden Kossower
Schichten (?/?/) besitzen das gleiche Streichen nach Stunde 3 (N. 0.) bis 4 (0. 30°
N.) und dasselbe Verflachen mit 35 Grad nach Nordwesten, und die dazwischen
liegende Colonie x selbst fällt scheinbar gleichmässig ein. Gewiss Jedermann, der
die Trebaner Colonie x besichtiget, wird den Eindruck erhalten , dass daselbst
eine regelmässige Zwischenlagerung von Littener Schichten zwischen
Kossower Schichten Platz greife, da man den Unterschied und die Abweichung
im Streichen der Littener Schichten, welches nach Stunde 5 (0. 15° N.) bis
6 (0.) läuft, ohne nähere Untersuchung kaum wahrnehmen kann. Indessen werde
ich in der Folge, weniger gestützt auf die oben erwähnte verschiedene Strei-
chungsrichtung, die für sich allein kaum maassgebend wäre, als vielmehr
durch andere Beweismittel zu begründen suchen, dass auch bei dieser Colonie
eine Störung der Lagerungsverhältnisse erfolgt sei, und die scheinbar regel-
mässige Zwiscbenlagerung eine abnorme Lagerung in sich begreife.
Die Colonien „Treban“ sind, wie ich schon oben andeutete, auch desshalb
von besonderem Interesse, da sie zusammengenommen eine Breite (nicht
Mächtigkeit) von nahezu 400 Klaftern, — die Colonie x nahezu eine Breite
von 120 Klaftern — besitzen *), während die zwischen den beiden Colonien
befindlichen Königshofer und Kossower Schichten (yy) nur in einer Breite von
ungefähr 50 Klaftern zu Tag treten, so dass man es hier mehr mit einer
Colonie vonKönigshoferundKossower Schichten zwischen Litte-
ner Schichten, als mit Colonien von Littener Schichten zu thun zu haben
vermeint.
Betreff der Ausdehnung der Colonien „Treban“ nach dem Streichen habe
ich bereits bei den Colonien „Karlik“ darauf hingedeutet, dass dieselben mit
jenen von Treban in einem ununterbrochenen Zusammenhänge stehen. In der
4) Die Mächtigkeit und Breitenausdehnung der einzelnen Gebirgsglieder ist selbstver-
ständlich in der Karte und in den Profilen Tafel I nicht genau nach dem Maassstabe
angegeben, sondern meisten theils viel vergrössert, um dadurch die Karte selbst, beson-
ders aber die Profile deutlicher zu machen. Bei dem kleinen Maassstabe der Karte wäre
ohnedem die genaue Zeichnung der Mächtigkeit von einigen Klaftern gar nicht ausführbar,
daher der Maassstab nur auf das Terrain im Allgemeinen, nicht auch auf die geologischen
Daten angewendet werden kann.
24
M. V. Lipoid.
[24]
That bilden die Colonien x und y von Karlik und Tfeban, wie dies aus der
geologischen Karte Tafel I ersichtlich ist, zwei zu einander parallel laufende
Züge von Littener Schichten zwischen Königshofer und Kossower Schichten.
Gegen Südwesten werden die Colonien „Tfeban“ durch das Beraunthal abge-
schnitten, und ist durch das letztere ihre u nm ittelhare Fortsetzung unter-
brochen. Nichtsdestoweniger setzen diese beiden Colonien am rechten Ufer
der Beraun nach Südwesten fort, da die an den Gebirgsgehängen am rechten
Beraun-Ufer zwischen Kossower und Königshofer Schichten auftretenden, genau
in der südwestlichen Streichungsrichtung der Colonien von Tfeban liegenden
Littener Schichten, von welchen bei der nächstfolgenden Beschreibung der
Colonien „Belec“ die Bede sein wird, nur als die südwestliche Fortsetzung der
Colonien „Tfeban“ betrachtet werden können.
Colonien „Bflec“.
Das Profil P Q in Tafel I, welches von Lhotka in nordnordwestlicher Dichtung
über das Dorf Belec und über den Woskowberg in das Beraunthal gezogen ist,
gibt ein Bild von dem Auftreten der als Colonien „Belec“ bezeichnten Littener
Schichten zwischen Königshofer und Kossower Schichten in diesem Terrain.
Man erhält dieses Profil, wenn man von dem Bergrücken südlich von dem Belecer
Thale an der Strasse, die von Lhotka nach Belec führt, in das Dorf Belec geht,
sodann nach dem kleinen Graben, der im Dorfe Belec in den Mnienaner Bach
mündet, und von dem Woskower südlichen Gebirgsgehänge herabzieht, von dem
unteren in das obere Dorf Belec steigt, von dort in nördlicher Dichtung an den
Rücken des Woskowberges und endlich nach dem nördlichen Gehänge desselben
zum Beraunflusse sich verfügt. Man verquert auf diesem Wege zweimal
Littener Schichten, abwechselnd mit Königshofer und Kossower Schichten, die
somit zwei auf einander folgende Colonien bilden, wovon ich die südlichere
wieder mit x, die nördlichere mit y bezeichnete. Am nördlichen Gehänge des
Woskowberges stösst man endlich auf eine dritte Ablagerung von LittenerSchichten
(z), welche sich jedoch als die normale Ablagerung dieser Schichten erweiset,
da sie gegen Krupna zu, so wie auch am linken Beraunufer normal von den
Kalksteinen der Kuhelbader Schichten überlagert wird.
Was nun die hiebei beobachteten Lagerungsverhältnisse anbelangt,
so ist vor allem zu bemerken, dass die liegendsten Kossower und Königshofer
Schichten, welche, in der Karte Taf. I mit 22 bezeichnet, gleichsam als die
normale Ablagerung dieser Schichten gelten können und bei den bisher be-
schriebenen Colonien stets eine grosse Regelmässigkeit in ihrem nordwestlichen
Einfallen beobachtet hatten, nächst Belec eine grosse Unregelmässigkeit in der
Fig. A.
Lagerung besitzen, ln einem kleinen, unge-
fähr 100 Klafter unterhalb (östlich) des Dorfes
Belec am rechten Ufer des Mnienaner Baches am
südlichen Gebirgsgehänge befindlichen Graben
zeigen sich die Kossower Schichten in der Art
gebrochen und gefaltet, wie es Fig. A darstellt.
Am linken Ufer des Baches, gegenüber dem
Graben, stehen am Fusse des nördlichen Ge-
hänges ebenfalls Kossower Schichten mit nörd-
lichem Einfallen an, und sie werden daselbst
gegen die Höhe von Grünsteinen (der Colonie x) bedeckt. Auch die Königs-
hofer Schichten, die man am südlichen Gehänge zwischen dem erwähnten Graben
Schichtenstörung der Kossower Schichten,
östlich von Belee.
lieber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
25
[25]
und dem Dorfe Beiec antrifft, zeigen eine sehr gestörte Lagerung, und die
Kossower Schichten, welche in einer Mächtigkeit von kaum ein paar
Klaftern die südliche Begrenzung der im Dorfe Beiec anstehenden Colonie x
bilden, sind steil und beinahe senkrecht aufgerichtet.
An diese Kossower Schichten lagert sich die Colonie x an, und sie beginnt
am südlichen Gehänge des Mnienaner Baches am Wege vom Dorfe Beleß nach
Lhotka mit Grünsteinen, auf welche Graptolithenschiefer der Littener Schichten
folgen. Letztere nehmen dem Dorfe zu ein flacheres nordwestliches
Einfallen an, und stehen bis zur Thalsole an. Am linken Bachufer erheben sich
wieder Grünsteinfelsen, von Graptolithenschiefern beiderseits umlagert, und, wenn
man in dem kleinen aber tief eingeschnittenen Graben , der vom Oberdorfe
herabkommt, und im Unterdorfe in den Mnienaner Bach mündet, die Gebirgs-
schichten untersucht, so findet man, dass mitten z wisch en di e s en ' Schi e-
fern und Grünsteinen eine kaum einige Fuss mächtige Partie von
Kossower Schichten in dieselben hinauf ragt, und die Colonie x
gleichsam in zwei Colonien scheidet. Diese Kossower Schichten, deren steiles
Emporragen ich im Profile PQ ersichtlich machte, sind jedoch nur im Graben
sichtbar, und treten an der Oberfläche nirgends kenntlich zu Tag.
Von da an nach dem Graben aufwärts und durch das Oberdorf beobachtet
man noch einen zweimaligen Wechsel von Grünsteinen und Graptolithenschiefern
der Littener Schichten, u. z. mit widersinnischem, nordwestlichem Verflächen,
bis man oberhalb des Dorfes an die nördliche Begrenzung der Colonie x gelangt,
welche aus Kossower Schichten besteht, die auf Grünsteinen lagern, nach
St. 5 (0. 15° N.) streichen, und mit 50 Grad widersinnisch nach Norden einfallen.
Steigt man nun das südliche Gehänge des Woskow-Berges hinan, so treten
zuerst nebst Kossower auch Königshofer Schichten (yy) , an der halben Höhe
des Gehänges abermals Grünsteine und Graptolithenschiefer der Littener Schich-
ten (Colonie y)> und endlich gegen die Höhe des Woskow Berges und auf der-
selben wieder Königshofer und Kossower Schichten, in der Karte mit xx be-
zeichnet, zu Tag. Die Lagerungsverhältnisse dieser verschiedenen Schichten
lassen sich jedoch an dem südlichen Berggehänge nicht genau ermitteln , und
erst am nördlichen Gehänge des Woskow-Berges sieht man die Kossower
Schichten wieder deutlich nach Nord einfallen, und die sie überlagernden
normalen Littener Schichten unterteufen. Hingegen geben zur Beurtheilung
der Lagerungsverhältnisse der erwähnten Schichten die schönen Gebirgsent-
blössungen, welche die schroffen Abstürze am rechten Ufer der Beraun von
Paucnik abwärts darbieten, genügende Anhaltspunkte an die Hand. — Unter
den (normalen) Littener Schichten, welche von Paucnik an bis zu der südlich
davon am Beraunflusse befindlichen Mahlmühle zu Klucic anstehen, u. z. unter
den Grünsteinen dieser Schichten lagern nächst der Klucicer Mühle Kosso-
wer Schichten, welche deutlich nach Norden einfallen. Von da an abwärts nach
der Beraun aber zeigen die Königshofer und Kossower Schichten (des Zuges xx)
eine ausserordentlich gestörte Lagerung. Ich war bemüht, eine möglichst genaue
Skizze dieser Lagerung zu nehmen, die ich in der rückwärtsstehenden Fig. B.
mittheile, um mit desto grösserer Sicherheit daraufhinweisen zu können, dass
diese Lagerungsverhältnisse einen genügenden Beweis liefern von den grossartigen
Störungen und Dislocationen, welche die bunt durcheinander geworfenen Königs-
hofer und Kossower Schichten dieses Zuges erlitten haben mussten. An der
südlichen Begrenzung dieser Schichten sieht man an die vorherrschenden und
zuletzt unter 70 bis 80 Grad nach Süd verfiächenden Königshofer Schichten
Grünsteine anlagern, die, zur Colonie y gehörig, schroffe Felswände bilden.
4
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft.
2«
M. V. Lipoid.
[2ß]
Noch lassen sich die zwischen den beiden Colonien y und x
befindlichen Königshofer und Kossower Schichten yy am
rechten Ufer der Beraun mit Bestimmtheit beobachten, aber
eine genaue Erhebung ihrer Lagerungsverhältnisse ist wegen
des coupirten Terrains auch hier nicht thunlich gewesen. Die
beiden Colonien selbst erscheinen daselbst theils aus Grapto-
lithenschiefern, theils aus Grünsteinen zusammengesetzt, und
insbesondere sind es die letzteren, welche man unterhalb
Hinter-Treban den Kossower Schichten zz normal und gleich-
massig auflagern sieht.
Bei Betrachtung der geologischen Karte Taf. 1 kann es,
wie ich schon bei Beschreibung der Colonien „Treban“ am
Schlüsse bemerkte, keinem Zweifel unterliegen, dass die
auch am rechten Ufer der Beraun zu Tag tretenden Colonien
„Belec“ als die südwestliche Fortsetzung der Colonien „Treban“
angesehen werden müssen, und dass der aus ihrer Streichungs-
richtung gefolgerte unmittelbare Zusammenhang nur durch den
Durchbruch des Beraun-FMusses eine Unterbrechung erlitten
hatte. So wie aber die Colonien „Belec“ gegen Nordosten
fortsetzen, eben so finden sie auch gegen Südwesten ihre
weitere Fortsetzung, die ich näher erörtern muss.
Verfolgt man zuerst die Belecer Colonie x, die schon in
Belec eine Breite von mindestens 400 Klaftern besitzt, somit
von Nordosten her an Breite bedeutend zugenommen hat, vom
Dorfe Belec gegen Südwesten, so findet man, dass die Littener
Schichten dieser Colonie sich gegen Litten immer mehr aus-
breiten, und selbst nach allen Bichtungen eine grosse Ausdeh-
nung erlangen. Südwestlich von Litten nun erhebt sich das
Winaritzer Kalkgebirge, ein von dem Hauptgebirgszuge der
obersilurischen Kalke durch eine schmale mit Littener Schichten
ausgefüllte Einbuchtung zwischen Mnienan und Koneprus
getrennter Kalkgebirgsstock. Steigt man von Litten aus dem
östlichen Vorsprunge dieses Kalkgebirges, dem Mramor-Berge,
zu, so findet man an dem Gehänge desselben die Kalke der
K u h e 1 b a d e r Schichten anstehend, und man ge-
winnt die Ueber zeugung, dass diese Kalke den
Littener Schichten, welche man von der Belecer
Colonie x aus bis zum Fusse des Mramor - Berges
ununterbrochen verfolgte, unmittelbar und normal
auflagern.
Ganz anders gestaltet sich das Auftreten der zwischen den
Belecer Colonien x und y befindlichen Königshofer und
Kossower Schichten yy , wenn man dieselben nach Südwesten
im Streichen verfolgt. Diese Schichten nehmen in ihrer durch
Diluvien theilweise bedeckten südwestlichen Fortsetzung an
Breitenausdehnung immer mehr ab, so dass man bei dem Dorfe
Wienetz nur mehr Kossower Schichten in einer Mächtigkeit
von kaum ein paar Klaftern zwischen den Littener Schichten
zu Tage treten sieht. Dagegen setzen sowohl die Littener
Schichten der Colonie y, als auch die am breitesten ent-
wickelten Königshofer und Kossower Schichten des Woskow-
Ueber Herrn Barrande ’s “Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
27
[27]
Berges (xx), letztere einen Bergrücken bildend und an der nördlichen Abdachung
von den n o rm al en Littener Schichten überlagert, in wenig veränderter Breite
nach Südwesten fort.
Colonie „Korno“.
Es ist dies die letzte „Colonie“, welche ich noch zu beschreiben habe. Sie
ist in dem nach der gebrochenen Linie RST gezogenen letzten Profile in
Tafel I dargestellt. Das Profil läuft von dem südlich von Litten befindlichen Berg-
rücken in nordwestlicher Richtung zum Mramor-Berge, und von da in nördlicher
Richtung zum Dorfe Korno.
Das Dorf Korno liegt an der Grenze von Littener und Kuhelbader Schichten,
welche letzteren die Littener Schichten regelmässig überlagern, und dadurch die-
selben als die normale Ablagerung der obersilurischen Schichten charakteri-
siren. Südlich von Korno erhebt sich nach einer kleinen Einbuchtung, in welcher
die Littener Schichten anstehen, ein niederer Bergrücken, welcher zunächst von
Grünsteinen der Littener Schichten und dann von Kossower und Königshofer
Schichten gebildet wird, die vom Woskow-Berge hieher streichen und dem Zuge
xx angehören. Geht man von dem Rücken an der Strasse, die von Korno nach
Litten führt, abwärts, so sieht man die erwähnten Kossower und Königshofer
Schichten auch südlich von Grünsteinen begrenzt, die nach abwärts von Grapto-
lithenschiefern der Littener Schichten unterteuft werden. Letztere zeigen zunächst
dem Grünsteine ein flaches nördliches Einfallen, das aber immer steiler
wird, je tiefer man nach dem Gehänge herabsteigt. Verlässt man
die Strasse, und verfügt sich in einen rechts (westlich) von derselben befindli-
chen ziemlich tief eingeschnittenen kleinen Graben, so beobachtet man auf die
steil aufgerichteten Graptolithenschiefer nach abwärts wieder Grünsteine, u. z.
in einer Mächtigkeit von einigen Klaftern folgen. Mitten zwischen diesen
Grünsteinen nun zeigt sich eine kaum 4 bis 6 Fuss mächtige Ent-
blössung von Königs hofer und Kossower Schichten — mit yy be-
zeichnet — welche auch eine fast saigere Schichtenstellung be-
sitzen. Die auf die Grünsteine im Graben abwärts folgenden Graptolithenschiefer
zeigen dieselbe steile und eine sehr gestörte, bald nach Nord, bald nach Süd
geneigte Schichtenstellung, bis man gegen die Thalsohle zu wahrnimmt, dass die
Schiefer, welche hier zahlreiche Kalksphäroide einschliessen, ein flacheres aber
südliches Einfallen annehmen. Vom rechten Ufer des Mnienaner Baches am
südlichen Gehänge des Thalgrundes gelangt man auf den Mramor-Berg über
Littener Schichten, die gegen die Höhe des Berges von Kuhelbader Kalken
bedeckt werden, und von dem Kalksteinrücken des Mramor-Berges in südöst-
licher Richtung durch eine kleine Thaleinbuchtung, in welcher wieder Littener
Schichten anstehen, an den südlichen Bergrücken, der aus Kossower Schichten
(zz) gebildet ist, welche das Profil in Süden abschliessen. Die am rechten Ufer
des Mnienaner Baches auftretenden, den Mramor-Berg umgebenden Littener
Schichten bestehen aus Graptolithenschieferri, häufig mit Kalksphäroiden, und aus
Grünsteinen, welche nach den gemachten Beobachtungen theils unter den Schie-
fern liegen, theils mit denselben wechsellagern. Am Mramor-Berge selbst scheinen
die Grünsteine theil weise unmittelbar unter den Kuhelbader Schichten zu liegen,
und somit die Littener Schichten nach oben abzuschliessen. Die eben erwähnten
Littener Schichten besitzen keine constante regelmässige Lagerung, scheinen
vielmehr mehrere wellenförmige Biegungen zu machen, wie man dies
am Wege von Litten nach Wienetz, an jenem von Litten nach Korno, so wie am
4*
28 M. V. Lipoid. [28]
Wege yon Litten zum Mramor-Berge sehen kann, wo man überall unzweifel-
hafte Schichtenstörungen beobachtet.
Das eben erläuterte Profiil RST in Tafel I zeigt nun gleichfalls zwei Zwi-
schenlagerungen von Littener Schichten zwischen Kossower und Königshofbr
Schichten. Aber die südlichere dieser Zwischenlagerungen, jene nämlich zwi-
schen den Kossower Schichten zz und yy, deren unmittelbaren Zusammenhang
mit der Colonie x von Belec ich schon oben nachwies, und welche bereits eine
Breitenausdehnung von mehr als 1000 Klaftern besitzt, wird am Mramor-Berge
vou Kuhelbader Schichten bedeckt. Ihre Einreihung unter die „Colonien“
erscheint desshalb nicht mehr zulässig, und ich werde bald Gelegenheit haben
dieselbe näher zu charakterisiren. Die zweite Zwischenlagerung von Littener
Schichten ( y ) zwischen den Kossower und Königshofer Schichten (,r.r und yy ),
obschon sie an Breitenausdehnung den letztgenannten Schichten xx fast gleich-
kommt, und jene von yy bei weitem übertrifft, besitzt dagegen noch vollständig
den Charakter einer Colonie, daher ich dieselbe als Colonie „Korno“ bezeichne.
Die Zusammensetzung und die Lagerungsverhältnisse der Colonie „Korno“
ergeben sich zum Theil aus der vorhergehenden Beschreibung des Profils RST.
Die Stellung der Schichten ist keine durchaus gleichartige; sie ist steil an der
südlichen, und flacher an der nördlichen Begrenzung. Ihr Verhältnis zu den
südlichen Kossower Schichten (jjy) liegt klar vor, und das steile Emporragen
der letzteren deutet auf eine durch Hebung erfolgte Störung der
S chic hten hin, an welcher auch die Littener Schi« hten der Colonie Theil
nahmen. Hingegen konnte ich das Verhalten der Littener Schichten der Colonie
zu den Königshofer und Kossower Schichten xx nicht ermitteln, da letztere
nirgends mit Sicherheit ein Streichen und Verflachen abnehmen Hessen.
Untersucht man, wie ich es bisher bei allen Colonien gethan habe, auch
bei der Colonie „Korno“ ihre Fortsetzung nach dem Streichen, so stellt es sich,
ungeachtet einer durch Diluvien herbeigeführten Unterbrechung, aus dem Strei-
chen der Schichten dennoch als unzweifelhaft heraus, dass die Colonie „Korno“
in nordöstlicher Richtung mit der Colonie „Belec“ y in unmittelbarem Zusammen-
hänge steht, und daher als die südwestliche Fortsetzung der letzteren angesehen
werden muss. Andere und höchst interessante Verhältnisse treten zu Tag, wenn
man die Colonie „Korno“ und die sie begrenzenden Kossower Schichten in ihrem
westsüdwestlichen Streichen weiter verfolgt.
Vorerst verlieren sich in dieser Richtung alsbald die Kossower Schichten
„yy“ unter den Littener Schichten, denn man findet keine Spuren mehr davon
zwischen den Littener Schichten westlich von dem kleinen Graben, in welchem
ich sie beobachtete, weder an dem nördlichen noch an dem südlichen Gebirgs-
gehänge. Durch das Auskeilen dieser Kossower Schichten treten demnach die
Littener Schichten der Colonie „Korno" in unmittelbare Verbindung mit den
Littener Schichten am Fusse des Mramor-Berges, d. h. die Littener Schich-
ten der Colonie y vereinigen sich mit den Littener Schichten, welche
nächst Litten die C o I o n i e n x v e rt r e t e n, zwischen Litten und M n i e n a n
zu einer und derselben Ablagerung.
Wie die Kossower Schichten yy, eben so verlieren sich auch die Königs-
hofer und Kossower Schichten xx, welche die Colonie y von der normalen
Ablagerung der Littener Schichten z trennen, in westlicher Richtung zwischen
den LittenerSchichten. Denn, während man an dem Gehänge nördlich vom Dorfe
Mnienan noch die westliche Fortsetzung dieser Schichten in einem schmalen
Streifen beobachten kann, finden sie sich an dem westlicher befindlichen Sattel,
über welchen die Strasse von Litten nach Koneprus führt und auf welchem nur
Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
29
[29]
Littener Schichten anstehen, nicht mehr vor. Die Kossower Schichten xx haben
demnach ebenfalls zwischen Mnienan und dem erwähnten Sattel in den Littener
Schichten sich ausgekeilt, und die normale Ablagerung z der Littener Schich-
ten, welche man von Krnpna über Korno am Rande der Kuhelbader Schichten bis
an den bezeichneten Sattel verfolgen kann, tritt in unmittelbare Verbindung mit
denjenigen Littener Schichten, welche sich am nördlichen Fusse des Mramor-
Berges, ausbreiten, das heisst, die normalen Littener Schichten z ver-
einigen sich am Sattel zwischen Mnienan und Koneprus mit den
obberührten, die Colonien x und y r epr äse ntirenden Littener
Schichten zu einer und derselben Ablagerung.
Ich bin nun an dem Punkte angelangt, von welchem aus ich zu einer Erklä-
rung der Erscheinung der Colonien schreiten kann, was ich auch im nächsten
Abschnitte thun will. Ehe ich jedoch zu dieser Erklärung schreite, muss ich
bezüglich der Petrefactenführung der von mir beschriebenen Colonien
einige Bemerkungen machen, welche sicherlich bei den einzelnen Beschreibungen
bereits vermisst worden sind.
Ich habe schon bei Beschreibung der Colonie „Krejcf“ angedeutet, dass
auf die Erklärung der „Colonien44, wie sie sich aus den Lagerungsverhältnissen
ergibt, die in denselben Vorgefundenen Fossilreste keinen entscheidenden Einfluss
nehmen, sobald es festgestellt ist, dass die in den „Colonien44 vorfindigen Fossil-
reste im Allgemeinen die „Littener Schichten44 und nur diese charakterisiren ;
das „Mehr" oder „Weniger44 von Fossilresten ist, wie es sich später heraus-
steilen wird, zufällig und daher unwesentlich.
Ich habe nun bei sämmtlichen obbeschriebenen Colonien in den vorhandenen
Graptolithenschiefern bald mehr bald weniger, aber immer nur solche Spe-
ciesvon Graptolithen vorgefunden, welche Herr Bar ran de als bezeich-
nend für seine untere Kalk-Etage E, und zwar für die tiefste Zone dieser
Etage, d. i. für die Littener Schichten, anführt. Dasselbe ist der Fall mit
den Kalksphäroiden, die in den Graptolithenschiefern einiger Colonien Vorkommen;
auch diese zeigten nur Fossilreste der Etage E des Herrn B arrande. Eine
specifische Aufzählung dieser Fossilreste darf ich daher um so mehr übergehen,
als die eben erwähnte Wahrnehmung bezüglich der Fossilreste, im Vereine mit
der unverkennbaren U eb er e i n s ti m m u n g in den petro graphischen Merk-
malen, mir als ein hinreichender Bew eis erscheinen, dass diesbezüglich zwischen
den Littener Schichten der Colonien und jenen der normalen Ablagerungen
kein wesentlicher Unterschied Statt finde, dass also die Ablagerungen,
aus welchen die Colonien bestehen, bezüglich ihres petrogra-
phi sehen Charakters und ihrer Petr efactenführung, mit den „Lit-
tener Schichten44 im Allgemeinen vollkommen identisch sind. Ich
habe in der Einleitung angedeutet, wie und wo bereits Herr Barrande selbst
die Identität der eben erwähnten Schichten in seinem „ Systeme silurien 44 und in
seiner neuesten Schrift über die „Colonien44 ausspricht.
Viel seltener sind Fossilreste zu finden in den Königshofer und Kossower
Schichten, welche die Colonien umgeben. Die wenigen Fossilreste, die in
diesen Schichten bei Radotin, Cernositz und nächst Treban beobachtet wurden,
gehören unstreitig Herrn Barrande’s Etage D an. Wenn indessen die Schiefer
und Quarzitsandsteine, welche die Colonien „Krejci44 und „Haidinger44 begren-
zen — wie es Herr Barrande selbst anführt — zu dessen Abtheilung d5
30
M. V. Lipoid.
m
(schistes gris-jaunatr es) der Etage D gehören, d. i. Königshofer und Kossou er
Schichten sind, so liefern nicht nur die sich gleich bleibenden petrographischen
Merkmale, sondern auch die Lagerungsverhältnisse den Beweis, dass auch die
Schiefer und Quarzitsandsteine nächst den übrigen Colonien denselben Schichten
angehören; denn dieselben Schiefer und Sandsteine, die man bei den Colonien
„Krejcf“ und „Haidinger“ findet, setzen von dort, wie es aus der Karte Tafel I
ersichtlich ist, ununterbrochen mit demselben petrographischen Charakter
und mit einem gleichmässigen südwestlichen Streichen bis in die Umgebung von
Litten fort. Indessen will ich hiemit die Möglichkeit nicht ausschliessen, sondern
sogar die Wahrscheinlichkeit zugeben, dass in dem Terrain, welches die Karte
Tafel I umfasst, unter den Königshofer Schichten auch stellenweise Zahoraner
Schichten (^4) zu Tag kommen, weil ich mich überzeugte, dass die Königshofer
und Kossower Schichten in dem fraglichen Terrain Dislocationen erlitten haben,
welche ein zu Tagetreten der tieferen Zahoraner Schichten ganz wohl möglich
erscheinen lassen. Ich meinestheils habe jedoch die Zahoraner Schichten nirgends
beobachtet.
B. Erklärung der Erscheinung der Colonien an der Südseite
des böhmischen Silurbeckens.
a) Aus den Lagerungsverhältnissen.
Um die Erscheinung der „Colonien“ aus den Lagerungs verhäl tnis-
sen zu erklären, was ich zunächst versuchen werde, schlage ich den entgegen-
gesetzten Weg ein von dem, welchen ich bei der Beschreibung der Colonien
verfolgte. Ich werde nämlich im Südwesten von der Umgebung Litten’s ausgehen,
und von da nach Nordosten vorwärts schreiten.
Ich bringe vorerst die Reihenfolge der Schichten, wie sie im böhmischen
Silurbecken zuerst Herr Barrande feststellte und ich sie in der „Einleitung“
mittheilte, in Erinnerung, wonach von unten nach oben in der normalen
Reihenfolge auf die Königshofer und Kossower Schichten (Bar. Dd 5) die
Littener und Kuhelbader (Bar. E ), auf die letzteren die Konepruser Schichten
(Bar. F ), und endlich auf diese die Braniker und Hlubeceper Schichten (Bar. G
und H ) folgen.
Verfugt man sich nun von dem bereits oben erwähnten Sattel, über welchen
die Strasse von Mnienan nach Koneprus führt, und auf welchem die Littener
Schichten anstehen, zuerst in nördlicher Richtung gegen das Dorf Tobolka,
(Siehe Taf. I), so findet man über den Littener Schichten zuerst die Kuhel-
bader Schichten, und über denselben die Konepruser Schichten lagern. Die-
selbe Reihenfolge der Schichten trifft man an, wenn man von dem Sattel
in südlicher Richtung die Strasse gen Winaric verfolgt. Die Littener
Schichten am Sattel zwischen Mnienan und Koneprus befinden
sich demnach in vollkommen normaler Lagerung.
Verfolgt man die Littener Schichten von dem erwähnten Sattel in östlicher
und nordöstlicher Richtung am Fusse der Kalksteingebirge, so findet man sie
daselbst über Korno, Paucnfk, Morin, Wonoklas bis nördlich von Gross-Kuhel in
einem nur stellenweise durch Diluvien unterbrochenen Zuge stets die normale La-
gerung einnehmen, daher ich diesen in der Karte Tafel I mit „zu bezeichnetenZug
von Littener Schichten bereits oben mit dem Namen „normale“ Littener Schieb-
Uebei' Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
31
[31]
ten belegte. Allein verfolgt man von d em selb e n Sattel die Litten er Schich-
ten am Fusse des südlichen (Winaricer) Kalkgebirges gegen Südosten und
Süden, so sieht man sie ununterbrochen am Fusse des Plesivec-Berges und
des Mramor-Berges zu Tage treten, und südöstlich vom Mramor-Berge den
Kossower und Königshofer Schichten aufiagern. Es kann daher auch keinem
Zweifel unterliegen, dass auch die ebenerwähnten Littener Schichten am Fusse
des Mramor-Berges sich in normaler Lagerung befinden. Da nun, wie ich eben
dargethan, sowohl die Littener Schichten des (normalen) Zuges „z*9 als auch
die Littener Schichten am Fusse des Mramor-Berges eine normale Lagerung
besitzen, da sie ferner in einem ununterbrochenen Zusammenhänge stehen
und am ofterwähnten Sattel sich zu einer und derselben Ablagerung
vereinigen, so folgt daraus von selbst, dass dieselben einer und dersel-
ben Bildungsepoche ihren Ursprung verdanken, oder, um mich
geologisch auszudrücken, dass dieselben „gleichen Alters“ sind. Dasselbe
gleiche Alter muss aber auch für jene Littener Schichten in Anspruch genommen
werden, welche in grosser Verbreitung zwischen Mnienan und Litten und in der
Umgebung des letzteren Ortes auftreten, denn sie stehen mit den Littener
Schichten am Fusse des Mramor-Berges in unmittelbarer Verbindung, und bilden
mit denselben eine und dieselbe Ablagerung. Die Littener Schichten in
der Umgebung von Litten sind demnach gleichen Alters mit jenen
Littener Schichten, welche den normalen, in der Karte Tafel 1
mit * be zeichneten Zug derselben am Fusse der Kalksteinzone
bilden.
Die geologische Untersuchung des Terrains, deren Resultat eben in der
geologischen Karte Tafel I niedergelegt ist, hat nun gelehrt, dass in der Umge-
bung von Mnienan und Litten mitten aus den Littener Schichten zwei Züge von
Königshofer und Kossower Schichten auftauchen. Diese zwei von Südwest nach
Nordost streichenden Züge von Königshofer und Kossower Schichten, deren
nördlicherer in der Karte mit „xx“, der südlichere mit „ yy “ bezeichnet ist,
haben die Littener Schichten, welche nächst Litten, am Fusse des Mramor-
Berges, respective am Konepruser Sattel noch vereinigt sind, in drei Partien
geschieden, die sich gleichfalls in drei zu einander nahe parallelen Zügen
kenntlich machen. Diese drei Züge von Littener Schichten, deren nördlichster
in der Karte mit „z“, der miltlere mit „y“, und der südliche mit „x“ bezeichnet
ist, streichen gleichfalls von Südwest nach Nordost. Der nördliche Zug z9 schon
wiederholt als der normale Zug der Littener Schichten besprochen, wird auf
der nordwestlichen Seite von Kalksteinen überlagert, und zieht sich ununterbro-
chen fort bis an das Moldau-Ufer unterhalb Gross-Kuhel. Die beiden anderen
Züge von Littener Schichten sind, da auch südöstlich vom Zuge x Kossower
Schichten anstehen, beiderseits von Königshofer und Kossower Schichten umge-
ben, und nehmen Antheil an der Zusammensetzung der oben beschriebenen
Colonien x und y von Korno, ßelec, Trebaii und Karlik. Bei der Beschreibung
dieser Colonien habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die Colonien x einer-
seits, und y andererseits von Karlik, bezüglich vom Wonoklaser Graben an,
in einem ununterbrochenen Zusammenhänge stehen, und sich endlich nächst
Litten und Mnienan mit den dortigen Littener Schichten zu einer und d er-
selben Ablagerung vereinigen. Gehören aber die Littener Schichten der
beiden Züge x und y und die Littener Schichten in der Umgebung von Litten
und Mnienan, wie es nicht bezweifelt werden kann, einer und derselben
Ablagerung an, so müssen sie auch gleichen Alters sein, — und da die
Littener Schichten in der Umgebung von Litten, wie oben nachgewiesen wurde,
M. V. Lipoid.
[32]
gleichen Alters sind mit den Litlener Schichten des Zuges z, so ergibt sich
hieraus der richtige Schluss, d a ss die beiden Züge x und y vonLittener
Schichten, welche sich aus der Umgebung von Litten in nord-
östlicher Richtung zwischen Königshofer und Kossower Schich-
ten ununterbrochen bis nahe zum Wonoklaser Graben fortziehen,
somit auch die in diesen Zügen ver zeichneten „Colonien“ .rund y ,
sowohl unter sich, als auch mit de nLittener Schichten desZuges *
gleichen Alters sind. Das Gegentheil anzunehmen, dass nämlich die Littener
Schichten der Züge x und y unter sich, als auch bezüglich des Zuges * ver-
schied enen Alte rs seien, würde zu einem offenbaren Widerspruche führen,
da man dieselben Littener Schichten, die man z. B. bei den Colonien „Karlik,
Treban“ u. s. f. als „verschieden alt“ bezeichnete , in ihrer weiteren
ununterbrochenen südwestlichen Fortsetzung in der Umgebung von Litten
und am Konepruser Sattel nothgedrungen als einer und derselben Ablagerung
angehörig, und daher als „gleich alt“ anerkennen müsste. Ich möchte hier
noch auf den Umstand hin weisen, dass auch die Königshofer und Kossower
Schichten, welche die Züge x, y und * der Littener Schichten begrenzen,
und welche laut der geologischen Karte gleichfalls in drei Partien xx, yy und
zz, von welchen die letztere gleichsam als das eigentliche Liegende — als
normale Lagerung anzusehen ist, auftreten, — in allen drei Partien oder
Zügen einen vollkommen gleichen petrograp bischen Charakter
besitzen, und die gleichen Fossilreste enthalten, und dass aus
diesem Grunde auch für die Königshofer und Kossower Schichten der Züge xx,
yy und zz a priori die Vermuthung ausgesprochen werden muss, dass diesel-
ben einer und derselben Bildungsepoche angeboren, und daher unter sich
„gleichen Alters“ sind.
Nachdem ich nun auf einem allerdings weiten Um wege, wie ich hoffe, die Ueber-
zeugung herbeigeführt habe, dass die Littener Schichten, welche die Colonien x
und y von „Karlik“, „Treban“, „Beiec“ und „Korno“ bilden, mit den normal
gelagerten Littener Schichten * gleichen Alters sind, und dass es den Lagerungs-
verhältnissen geradezu widersprechend wäre, wenn man für diese drei Ablage-
rungen von Littener Schichten verschiedene Bildungszeiten und verschiedene
Bildungsarten annehmen würde; so entsteht ganz natürlich zunächst die Frage:
Aus welchem Grunde nehmen die so eben als gleich alt bezeichneten Littener
Schichten x , y und * eine verschiedene Lage ein? — welches ist die Ursache
ihrer Trennung?
Auch auf diese Frage gehen uns die beobachteten Lagerungsverhältnisse
eine natürliche Antwort, und ich bin dessen gewiss, dass Jedermann, der mit
Bedacht und ohne eine vorgefasste Meinung meine Beschreibung der „Colonien“
und die bisherigen Erörterungen über dieselben verfolgte, sich schon längst
hierüber ein Urtheil gebildet bat, und mit mir den Ausspruch machen wird, dass
diese Trennung der gleich alten Littener Schichten in drei Züge
durch petrographisch und paläontologisch identische Königs-
hofer und Kossower Schichten nur eine Folge von Dislocationen
sein könne, welche die Gebirgsschichten erlitten haben. Dass
aber die Gebirgsschichten in dem Terrain, das uns eben beschäftiget, wirklich
Dislocationen erlitten haben, darüber liefern uns die beobachteten Thatsachen
unumstössliche Beweise. Ich brauche nur auf das hinzuweisen, was ich bei
Beschreibung der Colonien über die Lagerung der Littener Schichten nächst
Litten, über das saigere Emporragen von Kossower Schichten bei den Colonien
„Korno“ und „Beiec“, über die Störung der Kossower Schichten östlich von
lieber Herrn ßarrande’s „Colonien“ in der Silur-Foimation Böhmens.
33
[33]
Belec (Fi g. A oben), und besonders über die Störung der Königshofer und
Kossovver Schichten am rechten Beraun-Ufer unterhalb Paucnfk (Fig. B) ange-
führt habe.
Die durchaus gegen den Horizont geneigte und nicht selten steile und selbst
saigere Stellung der Schichten deutet nun vorerst dahin, dass die erwähnten
Dislocationen in Folge von Hebungen entstanden sind, wodurch eben die
normalen Ablagerungen gesprengt, die höheren Littener Schichten zerrissen und
in drei Züge getrennt, und die tieferen Kossower und Königshofer Schichten
zwischen diesen Zügen an den Tag gebracht wurden. Allein die beobachteten
Lagerungsverhältnisse bei den Colonien „Korno“ bis „Karlik“ lassen nicht nur
auf einfache Hebungen schliessen, sondern auch auf Faltungen und Ueber-
schiebungen, welche die Gebirgsschichten erlitten haben mussten. Dass
Faltungen und U eher s c hieb u ngen der Gebirgsschichten überhaupt Statt
fanden, darüber belehren uns alle Lehrbücher der Geologie. Wir finden solche
in den Alpen in allen Formationen nicht selten1)* Sir R. I. Murchison führt
uns in seiner neuesten „ Siluria “ solche Faltungen und Ueberschiebungen der
ältesten Sedimentschichten Seite 57, 79, 121, 151, 191, 369, 429, 467 u.m.a.
in schönen Profilen vor. Sie lassen sich auch bei den „Colonien“ am Südrande
des böhmischen Silurbeckens nachweisen. Ich führe hier als Beispiel die Colonie
„Treban“ (Profil NO Taf. I) an. Es folgen dort von Süden gegen Norden auf
die Königshofer die Kossower Schichten, auf diese die Grünsteine der Littener
Schichten, auf die Grünsteine die Graptolithenschiefer derselben Schichten, und
sodann gerade in umgekehrter Ordnung auf die Schiefer wieder Grün-
steine, auf diese wieder Kossower und auf diese die Königshofer Schichten, denen
neuerdings Kossower, sodann Littener Schichten folgen, — sämmtlich mit
geringen Abweichungen im Streichen und im Fallwinke!, mit nordwestlichem
Ein fallen. Sind nun, wie erwiesen, die Littener Schichten x und y gleich alt
und zusammengehörig, so lässt sich das Auflagern der Kossower Schichten auf
den Littener Schichten x nur durch Annahme einer Faltung der Schichten
erklären, welche Annahme eben in der umgekehrten Reihenfolge der
Schichten ihre Rechtfertigung und Bestätigung findet. Dieselbe Colonie „Treban“
x bietet auch, wie ich es bei der Beschreibung derselben angeführt habe, ein
Beispiel von einer offenbaren Ueberschiebung der Königshofer über die Kos-
sower Schichten. Durch die oben nachgewiesenen Dislocationen erhält wohl
auch die oben a priori ausgesprochene Vermut liung, dass die Königshofer und
Kossower Schichten der drei Züge xx, yy und zz unter sich zusammengehörig
und „gleich alt“ sind, eine genügende geologische Begründung.
In der durch Thatsachen begründeten Ueberzeugung, dass die Littener
Schichten der Colonien x und y unter sich und mit jenen des normalen Zuges z
„gleichen Alters“, und auch die Königshofer und Kossower Schichtender
drei getrennt erscheinenden Ablagerungen xx, yy und zz unter sich „gleich alt“
sind, und dass die beobachteten abnormen Lagerungsverhältnisse bei den Colonien
eine Folge von Hebungen, Faltungen und Ueberschiebungen sind, habe ich es
unternommen, bei den in den Profilen BST, PQ , NO und LM in Tafel I dar-
gestellten Colonien „Korno“, „Belec“, „Treban“ und „Karlik“ die betreffenden
Faltungen und Ueberschiebungen, so wie die Verbindung der einzelnen Schichten,
durch punktirte Linien anzudeuten. Es ergibt sich hiebei das für die Erklärung
1) Siehe zum Beispiel die schönen Profile Ferdinand Freih. v. Richthofen’s aus den
Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol im Jahrbuche der k. k. geologischen Reichs-
anstalt, X. Band, 18S9, Seite 72.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft.
o
34
M. V. Lipoid.
[34]
der übrige« Colonien nicht unwichtige Resultat, dass es, wenn man die kleine im
Dorfe Belec und nächst Litten beobachtete Hebung ausser Acht lässt, hauptsäch-
lich zwei grosse Falten und Ueberschiebungen von Königshofer
und Kossower Schichten ( xx und yy) sind, welche die Erscheinung
ebenfalls zweier paralleler Colonien von Littener Schichten
begründen, und sich über Tags, wie es die Karte Tafel I zeigt, in zwei langen
Zügen von Königshofer und Kossower Schichten zwischen Littener Schichten
kenntlich machen. Obschon übrigens meine eigenen Untersuchungen sich über
Winaric hinaus weiter gegen Westen nicht erstreckten, und ich auch die geolo-
gische Karte Tafel I daselbst abschliessen musste, so muss ich doch darauf
aufmerksam machen, dass, wie es sich aus den geologischen Aufnahmen des
Herrn Directors J. Krejcf ergibt, die eben erwähnten Faltungen der Kossower
Schichten sich auch am westlichen Fusse des Winaricer Kalksteingebirges durch
Rücken von Kossower Schichten, welche bei Launin und Borek in den Littener
Schichten zu Tag treten, kenntlich machen, und dass aller Wahrscheinlichkeit
nach auch die obersilurischen Kalksteine des Winaricer Gebirges an diesen
Dislocationen Antheil genommen haben. Gewiss sind die eben erwähnten Rücken
yon Kossower Schichten bei Launin und Borek sehr geeignet, von den Disloca-
tionen der Kossower und Littener Schichten am östlichen Fusse des Winaricer
Gebirges ein noch klareres Bild zu liefern, da die zwischen den beiden Rücken
befindlichen Littener Schichten auch von Kuhelbader Schichten bedeckt werden,
und ich muss desshalb um so mehr zu ferneren Untersuchungen auf das bezeich-
nete Terrain hinweisen, dasich bei der gedrängten Zeit nur desshalb nicht in
das Bereich meiner Aufnahme zog, weil mir meine Aufnahmen an der Ostseite
des Winaricer Gebirges bereits genügende und überweisende Anhaltspunkte zu
einer naturgemässen Erklärung der Erscheinung der „Colonien“ aus den Lage-
rungsverhältnissen an die Hand gegeben haben.
Ehe ich in der Erklärung der Erscheinung der „Colonien“ weiter schreite,
muss ich einige Betrachtungen und Schlussfolgerungen vorausschicken, welche
sich aus dem bisher gewonnenen Resultate meiner Erhebungen ergeben, wonach
die Colonien der Züge x und?/ zwischen Mnienan undKarlikaus
wahren, normalen Littener Schichten bestehen, welche durch
Hebungen, Faltungen und Ueberschiebungen zwischen die tiefer
liegenden Königshofer und Kossower Schichten eingekeilt wur-
den. Es ergibt sich aus diesem Resultate:
1. Dass die Littener Schichten der Colonien keine regelmässige und
concordante Zwischenlagerung in den Königshofer und Kossower Schich-
ten bilden, und
2. nicht tief in das Gebirge eingreifen können, sondern sich nach dem
Verflachen in das Gebirge zwischen den Königshofer oder Kossower
Schichten auskeilen müssen;
3. dass, je niedriger das Gebirge wird, beziehungsweise je mehr von dessen
ursprünglich ausbeissenden Schichten bereits zerstört und weggeschafft wurde,
desto geringer auch die Mächtigkeit und Masse der colonialen Littener Schichten
werden müsse;
4. dass bei einer sehr weit vorgeschrittenen Zerstörung der Oberfläche des
Gebirges es möglich wird, dass die Littener Schichten der Colonien gänzlich
weggeschafft und in ihrem Zusammenhänge unterbrochen werden;
5. dass es zufolge 2. als eine ganz natürliche Erscheinung angesehen wer-
den müsste, wenn bei sehr tiefen Einschnitten in das Gebirge oder bei Gräben,
welche der Streichungsrichtung der colonialen Littener Schichten in’s Kreuz,
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
35
[3S]
das ist von Süd oder Südost nach Nord oder Nordwest, auslaufen, die Littener
Schichten der Colonien wohl an den Höhen der Gehänge, nicht aber auch in der
Tiefe der Einschnitte oder in den Thalsohlen der Gräben erscheinen und vor-
gefunden würden;
6. dass umgekehrt, je höher das Terrain in dem Streichen der Colonien
ansteigt, voraussichtlich auch die Mächtigkeit und Breitensausdehnung der Colo-
nien zunehmen werde;
7. dass, sobald die Littener Schichten der Colonien in die normale Lage-
rung eintreten, das ist von Kuhelbader Schichten bedeckt werden, die die Colonien
trennenden Königshofer und Kossower Schichten nicht mehr über Tags erscheinen
können; endlich
8. dass, in je grösserer Mächtigkeit die Littener Schichten während der
Entstehung der „Colonien“ bei ein oder der anderen derselben zwischen die
Königshofer und Kossower Schichten eingekeilt wurden, und je weniger von
diesen Schichten im Laufe der Zeit zerstört und entfernt wurde, ein desto grös-
serer Reichthum von Fossilresten auch bei der betreffenden Colonie vorausgesetzt
werden müsse, und dass daher das „Mehr“ oder „Weniger“ von Fossilien, die
in einer Colonie vorgefunden werden, nur von Zufälligk ei ten, welche bei
oder nach der durch Dislocationen bewirkten Bildung der „Colonie“ als solcher
eintraten, abhänge.
Einige dieser a priori gezogenen Schlussfolgerungen finden wir bereits in
dem Terrain zwischen dem Mramor- Berge bei Litten und dem Wonoklaser
Graben nordwestlich von Karlik bestätiget. Das Terrain ist in der Umgebung
von Litten am höchsten, und die absolute Höhe der Gebirge wie der Thäler
nimmt gegen Karlik zu immer mehr ab, wie letzteres der Lauf der Flüsse von
selbst andeutet. Dem entsprechend (3.) nehmen auch die zwischen Königshofer
und Kossower Schichten eingekeilten Littener Schichten der Züge x und y von
Mnienan und Litten aus in nordöstlicher Richtung gegen Karlik immer mehr an
Mächtigkeit und Breitenausdehnung ab, bis sie am Plateau nordöstlich von Karlik
gänzlich verschwinden, wobei eben zu bemerken ist, dass die Hügel am linken Ufer
des Wonoklaser Baches viel niedriger sind, als das Hochplateau nordöstlich von
Karlik. Man findet auch (entsprechend 2. und 5.) die Littener Schichten x und y
an den Thalgehängen des rechten Bachufers so wenig, wie in den Gehängen
nächst der Thalsohle am linken Ufer des Wonoklaser Baches zu Tage tretend.
Umgekehrt sehen wir mit dem Ansteigen des Terrains von Nordost nach Süd-
west auch die Littener Schichten der Züge x und y (entsprechend 6. und 7.) an
Verbreitung zunehmen, und in der Umgebung von Litten und Mnienan, wo sie
bereits eine sehr grosse Ausdehnung gewinnen, von Kuhelbader Kalken bedeckt,
zugleich aber auch die die Züge x} y und % trennenden Kossower und Königshofer
Schichten unter den Littener Schichten verschwinden.
So wie ich im Vorhergehenden den directen Beweis geliefert habe, dass die
Colonien „Korno, Belec, Treban und Karlik“ nur aus echten und normalen
Littener Schichten zusammengesetzt sein können, welche durch Dislocationen
des Gebirges aus ihrer ursprünglichen normalen Lagerung gerissen wurden,
eben so werde ich .suchen, im Nachfolgenden auf indireete Weise darzuthun,
dass auch die Colonien „Wonoklas, Cernositz, Kosor, Radotin, Haidinger und
Krejci“ nur von wahren und normalen Littener Schichten gebildet werden. Ich
werde desshalb zu erweisen haben, dass die letztgenannten Colonien mit den
Littener Schichten jener oftberührten-zwei Züge x und 'y, die sich vom Karliker
Plateau in südwestlicher Richtung bis in die Umgegend von Litten erstrecken, in
einem unverkennbaren inneren Zusammenhänge stehen, und dass daher die
36
M. V. Lipoid.
[36]
Colonien „Wonoklas“ u. s. w bis „Krejci“ nur als weitere nord-
östliche Fortsetzungen der beiden Züge x und y von Littener
Schichten angesehen werden können. Dieser Beweis wird sich aus
folgenden Thatsachen und Betrachtungen ergeben:
1. Die Colonien „Wonoklas, Cernositz, Kosor, Treban, Haidinger und
Krejcf“ sind aus Gesteinen zusammengesetzt, welche pe trographisch den
Littener Schichten der Züge x und y identisch sind. Es sind dieselben
Grünsteine und Graptolithenschiefer beiderseits anzutreffen. Das gleichzeitige
Auftreten beider Gesteinsarten ist jedoch, wie ich später zeigen werde, nicht
wesentlich nothwendig, und der Mangel einer oder der anderen Gesteinsart ist aus
localen Verhältnissen leicht erklärbar.
Dasselbe gilt von den die südöstlichen sowohl wie die nordöstlichen Colonien
begrenzenden Königshofer und Kossower Schichten, welche in ihrer ganzen
Erstreckung von der Umgehung von Litten bis zum Moldauflusse hei Kuhei durch-
aus denselben gleichen petrographischen und paläontologischen Charakter hei-
behalten.
2. Sämmtliche obige Colonien folgen genau in derselben nordöst-
lichen Streichungsrichtung auf einander, welche die beiden Züge x und
y der Littener Schichten nächst Karlik besitzen.
Ebenso liegen die die genannten nordöstlichen Colonien umgebenden
Königshofer und Kossower Schichten genau im Streichen jener Königshofer
und Kossower Schichten, welche die erwähnten Züge der Littener Schichten
nächst Karlik begleiten, und stehen beide sogar in einem unmittelbaren ununter-
brochenen Zusammenhänge.
Die gleiche Richtung des Streichens lässt auf einen causalen Zusammen-
hang schliessen. Bei der Beschreibung der Colonien habe ich übrigens bereits
darauf hingewiesen, dass und in wie weit die südwestlichen Colonien
als Fortsetzungen der nordöstlichen betrachtet werden müssen.
3. Das Terrain nimmt von Karlik abwärts gegen das Moldau-
thal an absoluter Höhe ab, und der von Unter-Mokropes an mehr gegen
Norden gerichtete Lauf des Beraun-Flusses und sein Annähern zu dem Gebirgs-
zuge, welcher die Colonien beherbergt, mussten eine grössere und tiefer
gehende Zerstörung der Oberfläche und der Gehänge dieses Gebirgszuges im
Gefolge haben. Ganz entsprechend nun dem, was ich oben sub 3. und 4. als
Folgerung des bei den Zügen x und y gewonnenen Resultates anführte, besitzen
auch die in Rede stehenden Colonien im Allgemeinen nur eine geringe
Mächtigkeit und Breitenausdehnung, und sind aus ihrem unmittelbaren
ununterbrochenen Zusammenhänge gelangt. Dieser grösseren Zerstörung
des Gebirges muss es auch zugeschrieben werden , dass ein paar Colonien , wie
jene von Wonoklas, nur aus Grünsteinen bestehen, welche fast allenthalben als
das tiefste Glied der Littener Schichten vorgefunden werden, und dass man
daselbst die in der Regel auf den Grünsteinen lagernden Graptolithenschiefer
nicht mehr vorfindet. Das Auftreten der Colonien „Wonoklas“ u. s. f. entspricht
demnach auch in dieser Beziehung einem Merkmale, das sich aus den Lage-
rungsverhältnissen der Littener Schichten in den Zügen x und y ergibt.
4. So wie die Littener Schichten der mehrerwähnten Züge x und y gemäss
ihrer Lagerung und nordöstlich von Karlik auch nachweislich nicht tief in das
Gebirge eind ringen, eben so keilen sich die obgenannten nordöst-
lichenColoniennachdem Verflächenin das Gebirgeaus, und werden
o. wohl an den Höhen und an den höheren Theilen der Gehänge, nicht
aber auch in den dieselben querdurch schneidenden Thalgründen
9
Ueber Herrn Rarrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens. t
37
[37]
undtieferenEin schnitten vorgefunden. Beide den Littener Schichten
der Züge x und y eigentümliche Eigenschaften sind oben bei der Beschrei-
bung der fraglichen Colonien auch von diesen letzteren nach ge wiesen worden.
6. So wie sich ferner die Trennung der Littener Schichten in die zwei
Züge x und y derselben als eine Folge von Dislo cationen und Störungen,
welche die Gebirgschichten erlitten, herausgestellt hat, — eben so zeigen sich bei
den Colonien „Wonoklas u. s. f. bis „Krejcf“ offenbare Dislocationen und
Störungen der Gebirgsschichten , wie ich dies gleichfalls bei der Beschreibung
dieser Colonien hervorgehoben habe.
7. Endlich scheint es kein blosser Zufall, sondern ein augenfälliger Beweis
eines causalen Zusammenhanges zu sein, dass so wie in dem südwestlichen
Terrain hauptsächlich zwei Züge von Littener Schichten durch zwei parallele
Hebungs- und Fa Itungslinien entstanden sich darstellen. eben so auch bei
den nordöstlichen Colonien namentlich hei den Colonien „Cernositz, Radotin“
und bei den Gross-Kuhler Colonien „Haidinger und Krejcfff, — wie ich bereits
bei der Beschreibung dieser Colonien darauf hinwies, — in der Richtung des Ein-
fallens der Schichten zwei parallele Ablagerungen von Colonien, und zwei
Störungen der Gebirgsschichten nach dem Einfallen — oder was dasselbe ist, eben-
falls zwei parallele Hebungslinien sich kenntlich machen.
Dass an einzelnen Punkten, wie bei Kosor und Wonoklas nur ein e Colonie
vorgefunden wurde, kann die Kraft des letztangeführten Beweises nicht schwächen.
Denn in Berücksichtigung dessen, was bezüglich des Anhaltens der Colonien nach
dem Verflachen bereits oben erörtert wurde, lässt sich die Abwesenheit einer
zweiten parallelen Colonie in Folge einer gänzlichen Zerstörung der-
selben sehr wohl begreifen, und gerade nächst Wonoklas deutet die verhält-
nissmässig geringe Höhe der Vorberge dahin, dass ein grosser Theil ihrer Ober-
fläche und Gehänge, und mit diesem auch die zweite Colonie zerstört worden
sein möge. Andererseits ist das Terrain, namentlich auf den Hochplateaus, und
speciel südlich von Kosor, theils mit Diluvien überdeckt, theils von
Waldungen* occupirt, und daher ist aus dem Grunde, dass ich local nur eine
Colonie vorfand und meinen Erhebungen gemäss in die Karte Taf. I aufnahm,
die Wahrscheinlichkeit durchaus nicht ausgeschlossen, dass an den betreffenden
Punkten auch noch eine zweite parallele Colonie existire. Ich, muss hier insbe-
sondere, wie ich es bereits bei Beschreibung der Colonien „Cernositz“ gethan
habe, auf das Terrain südlich von Solopisk, in welchem sich in der Karte Taf. I
eine grössere Unterbrechung der colonialen Ablagerungen zeigt, aufmerksam
machen, indem ich es für höchst wahrscheinlich halte, dass es späteren glück-
licheren Forschern gelingen werde, auch in diesem Terrain „Colonien“ zu
entdecken.
Durch die eben angeführten Thatsachen und Betrachtungen glaube ich die
unzweifelhafte Uebereinstimmung und den innigen Zusammenhang, in welchem
die nordöstlichen Colonien mit den südwestlichen Zügen x und y der Littener
Schichten stehen, genügend dargethan und dadurch auch den überzeugenden
Beweis hergestellt zu haben, dass die Colonien „Wo noklas, Cernositz,
Kosor, Radotin, Haidinger und Krejcf“ die nordöstliche Fort-
setzung jener Littener Schichten sind, welche von Mnienan und
Litten aus bis oberhalb Karlik zwischen Königs hofer und Kos-
sower Schichten zwei Züge (x und y ) bilden.
Ist nun dieses, wie ich hoffe erwiesen zu haben, der Fall, so kann man füg-
lich für die Littener Schichten der nordöstlichen Colonien und für die südwest-
lichen Züge ( x und y) nur eine und dieselbe Bildungsart und Bildungszeit
38
M. V. Lipoid.
[38]
armehmen, und muss daher den Litten er Schichten der nordöst-
lichen Coionien und jenen der Züge x und y ein gleiches Alter
z u s ehr eib e n.
Da nun aber die Littener Schichten der südwestlichen Züge x und y, wie
ich oben nachgewiesen habe, sowohl unter sich als auch mit den Littener Schich-
ten des noch normal gelagerten Zuges z „gl ei che n Alters“ sind, so folgt daraus,
dass auch die Littener Schichten der nordöstlichen Coionien
„Wonoklas“ u. s. f. bis „Krejcf“ sowohl unter sich als auch mit den
Littener Schichten des sobenannten „normalen“ Zuges * gleichen
Alters seien.
Es ist einleuchtend, dass man der abnormen Stellung der Littener
Schichten in den nordöstlichen Coionien — da sie nur die theilweise unter-
brochene nordwestliche Fortsetzung der zusammenhängenden Littener Schichten
in den Zügen x und y sind — dieselbe Erklärungsart, die sich bei den
letzteren als begründet ergeben hat, zu Grunde legen kann und muss. Auch
die Littener Schichten der nordöstlichen Coionien können dem-
nach nur in Folge von Dislocationen, d. i. in Folge von Hebungen,
Faltungen und U eberschieb ungen, welche die Gebirgsschichten erlitten
haben, aus ihrer ursprünglichen normalen Lagerung gebracht, und zwischen
die tieferen Kossower und Königs hofer Schichten eiu gekeilt
worden sein. Dass solche Dislocationen und Schichtenstörungen bei den nord-
östlichen Coionien wirklich Statt gefunden haben, habe ich, wie bereits
wiederholt erwähnt, hei der Beschreibung jeder einzelnen derselben nach-
gewiesen. Ebenso ergibt es sich aus der oben in sieben Punkten ausgeführten
Vergleichung der nordöstlichen colonialen Erscheinungen mit den südwestlichen
Zügen x und y der Littener Schichten, dass sämmtliche Thatsachen, welche
bei der Untersuchung dieser Coionien festgestellt wurden, der obigen Erklär-
ungsart nicht nur nicht widersprechen , sondern dieselbe in allen Punkten
bekräftigen.
Hieristes wieder am Platze, von der Petrefactenführung der „Coio-
nien“, und insbesondere der nordöstlichen Coionien, zu sprechen, obschon
ich im Allgemeinen nur das wiederholen kann, was ich über diesen Gegenstand
bereits oben gesagt habe. Ich glaube es nämlich als etwas ganz Natürliches
erklären zu müssen, dass bei der Art und Weise, wie die Ablagerungen der
Littener Schichten in den „Coionien“ in ihre gegenwärtige Stellung gelangt
sind, man an und für sich eine gleiche Mächtigkeit derselben nicht
erwarten kann, und eben so auch, dass die spätere Zerstörung und En t-
fernu n g der colonialen Schichten nicht durchgehends gl ei c lim ä s sig, sondern
je nach den localen Verhältnissen bald grösser, bald geringer sein konnte. Die
verschiedene Mächtigkeit der Littener Schichten in den Coionien ist dem-
nach in der Erklärungsart der Coionien, wie sie sich aus den Lagerungsver-
hältnissen ergibt, begründet, und bängt nicht ab von der ursprünglichen
Bildung der Littener Schichten, sondern von späteren Zufällen, welchen
diese Schichten unterlagen. Von der zufälligen grösseren oder geringeren
Mächtigkeit der Littener Schichten, welche eine Colonie beherbergt, hängt
aber auch die grössere oder geringere Menge von Fossilresten ab, welche
man in derselben vorfindet. Enthält daher eine Colonie nur das gewöhnlich
tiefste Glied der Littener Schichten, nämlich blos Grün st eine, die in der
Begel petrefactenleer sind, so kann es möglich sein, dass eine solche „Colonie“
gar keine Fossil reste enthüllt, was hei der Colonie „Wonoklas“ wirklich der
Fall zu sein scheint. Treten zu den Grünsteinen der Colonie noch die auf die
Ueber Herrn ßarrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
39
[39]
Grünsteine folgenden Graptont heu schiefer hinzu, so wird man auch die
diese Schiefer charakterisirende Fauna darin antreffen. Wir sehen dies bei der
Colonie „Haidinger“ bestätiget, die bei der ge rin g e n Mächtigkeit von 5 — 6
Klaftern nebst Grünsteinen auch die nächstfolgenden Graptolitlienschiefer besitzt,
und desshalb auch nur, wie uns Herr ßarrande belehrt, acht Species von Fos-
silien führt, die aber eben der „tiefsten Zone“ der Etage E eigentümlich
sind. Ich habe ferner in der „Einleitung“ erwähnt, dass sich den Graptolithen-
schiefern in den höheren Lagen der Littener Schichten auch Kalks phäroide
beigesellen, die gewöhnlich reich an Fossilresten sind. Erlangt daher irgend
eine Colonie eine solche Mächtigkeit, dass sie auch die höheren Lagen der
Littener Schichten mit den Kalksphäroiden in sich fasst, so wird ihr Reichthum an
Fossilresten bedeutend gesteigert, und die Colonie nebst Graptolithen auch solche
Fossilreste enthalten, die man in den Kalksphäroiden der Littener Schichten zu
finden pflegt. Wir sehen dies abermals bei der Colonie „Krejcf“ bestätiget,
die schon eine Mächtigkeit von 10 — 12 Klaftern besitzt, und bereits auch die
höheren Lagen der Littener Schichten, nämlich die Kalksphäroide
einschliessenden Graptolithenschiefer in sich fasst. Diese Colonie führt nach
Herrn ßarrande’s Angabe bereits 40 Species von Fossilresten, welche Herrn
Barrande’s Etage E eigen sind. Dass aber auch die Colonie „Krejcf“ noch nicht
alle und einen verhältnissmässig nur kleinen Theil jener Fossilreste aufzuweisen
hat, welche Herrn ßarrande aus seiner Etage E bekannt wurden, ist wohl ganz
begreiflich, da die Littener Schichten in der Colonie „Krejcf“ noch bei
weitem nicht in jener Mächtigkeit auftreten, die diese Schichten in der nor-
malen Lagerung besitzen, da eben erst in den der Colonie fehlenden höchsten
Lagen der Littener Schichten petrefactenreiche Kalksteinbänke mit Graptolithen-
schiefern in WechseJlagerung treten, und da endlich Herr ßarrande auch die
sehr fossilreichen Kalke der „Kuhelbader“ Schichten in seine Etage E einbezieht.
In dem über die Petrefactenführung der Colonien bisher Gesagten wird
man die Entschuldigung finden, warum ich den Fossilresten der Colonien
nicht jene Zeit und Mühe zuwendete, welche sie Verdientermassen sonst in An-
spruch nehmen, und warum ich mich in meiner gegenwärtigen Abhandlung
nur mit allgemeinen Angaben, und insbesonders mit den durch Herrn Barrande
constatirten Thatsachen begnüge. Was ich übrigens im Vorhergehenden über die
Petrefactenführung der Littener Schichten in den „Colonien“ bemerkte, findet
volle Anwendung auch auf die Petrefactenführung der Königshofer und Kossower
Schichten, welche die Colonien umgeben.
Wie bei den Profilen, welche die südwestlichen Colonien darstellen, habe
ich auch bei den Profilen KK, HJ, FG , DE, BC und A in Tafel I, welche die
Colonien „Wonoklas“, „Cernositz“, „Kosor“, „Radotin“, „Haidinger“ und
„Krejcf“ zur Ansicht bringen, es unternommen, auf Grundlage der Erklärungs-
art der Erscheinung dieser Colonien die Störungen, welche die Gebirgsschichten
erlitten haben mochten, durch punktirte Linien anzudeuten. Dass, wie es sich
aus den Profilen herausstellt, bei manchen Colonien nur die höheren Kossower
Schichten zu Tag treten, bei manchen die Königshofer Schichten unmittelbar
mit den Littener Schichten der Colonie in Berührung kommen, wird wohl Nie-
manden Wunder nehmen, den es mir gelungen ist zu überzeugen, dass die
colonialen Erscheinungen, Hebungen, Faltungen und (Jeberschiebungen der
Gebirgsschichten ihre Entstehung verdanken. Demgemäss lässt sich die Reihen-
folge und Stellung der Schichten bei der Colonie „Haidinger“ durch eine ein-
fache Hebung, bei der Colonie „Wonoklas“ durch eine Faltung, bei der Colonie
„Krejcf“ durch eine Ueberschiebung Her Schichten u. s, f. erklären.
40 M. V. Lipoid. [40]
Insbesondere habe ich aber in den Profilen auch durch punktirte Linien jene
Schichtengruppen der einzelnen Profile mit einander verbunden , welche theils
zufolge der geologischen Karte, theils zufolge der oben erörterten Lagerungs-
verhältnisse als zusammengehörig anzusehen sind. Diese Verbindung aller Profile
unter einander versinnlichet am besten und schnellsten die Art und Weise, wie
die Erscheinung der „Colonien“ aus den Lagerungsverhältnissen erklärt werden
könne und müsse. Sie versinnlichet, wie man von der Colonie „Haidinger“ bei
Grosskuhei endlich an den Mramor-Berg bei Litten, d. i. aus den zweifelhaften
Lagerungsverhältnissen der „Colonie“ zu den unzweifelhaften normalen Lage-
rungsverhältnissen gelangt. Sie versinnlichet endlich auch insbesondere eine der
geologisch interessantesten Thatsachen, dass sich nämlich die zwei
grossen Faltungen und Ueberschiebungen der Gebirgsschichten, welche so deut-
lich in der Umgebung von Treban beobachtet werden, an den Ufern der Mol-
dau in einer Entfernung von mehr als 2 Meilen, u. z. in den zwei Colonie n
„Haidinger“ und „Krejcf“, noch immer klar ausgeprägt finden.
Fassen wir das bis nun Gesagte zusammen, so ergibt sich für die Er-
scheinung der „Colonien“ aus den Lagerungsverhältnissen fol-
gende Erklärung:
„Die„Colonien“ an der Südseite des böhrnischenSilurbeckens,
namentlich auch die Colonien „Haidinger“ und „Krejcf“, — beste-
hen aus und sind Ueberreste von wahren normalen Littener
Schichten, welche in Folge von Hebungen, Faltungen und Ueber-
scbiebungen der Ge birg schichten zwischen die tieferen Kosso-
wer und Königshofer Schichten eingekeilt wurden.
Ehe ich diesen Abschnitt schliesse, will ich nur noch bemerken, dass die so
eben angeführte Erklärung der Colonien dieselbe ist, welche Herr Director Joh.
Krejcf aufstellte, und durch die in seiner im April 1860 an die k. k. geologische
Reichsanstalt eingesendeten Abhandlung !) angeführten Thatsachen unterstützte,
und welche eben die Veranlassung dieser Abhandlung wurde. Ist es mir nun ge-
lungen, wie ich hoffe, die Ueberzeugung von der Richtigkeit der obigen Erklärung
zu begründen, so gebührt dennoch Herrn Krej cf das Verdienst, die Lagerungs-
verhältnisse, und insbesondere den höchst wichtigen Zusammenhang, in welchem
die Littener Schichten der Colonien mit den Littener Schichten in der Umgebung
von Litten stehen, zuerst richtig erkannt zu haben, und es gereicht mir zum be-
sonderen Vergnügen, meinem hochgeschätzten Freunde durch Anerkennung
seines Verdienstes jene Genugtuung zu verschaffen, welche ihm meines Erach-
tens, in Folge der neuesten Mittheilungen des Herrn Barrande über die „Colo-
nien“, die Wissenschaft schuldet.
b) Nach Herrn Barrande’s Theorie.
Während ich im Vorhergehenden bei Erklärung der Erscheinung der „Co-
lonien“ an der Südseite des böhmischen Silurbeckens aus den Lagerungsver-
hältnissen von dem Standpunkte ausging, dass die Ablagerungen der „Colonien“
unter sich und mit den „Littener Schichten“ im Allgemeinen „gleichen Alte rs“
sind, stützt Herr Barrande seine zur Erklärung der colonialen Erscheinungen
aufgestellte Theorie auf die Annahme, dass die Ablagerungen der „Colonien“,
weder im Vergleiche zu einander, noch im Vergleiche zu den regulären „Littener
!) Die Drucklegung dieser Abhandlung wurde durch die zeitweilige Sistirung des Jahr-
buches der k. k. geolog. Reichsanstalt verzögert; sie erscheint jedoch im nächsten Hefte.
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
4 t
[41]
Schichten“, „gleichen Alters“ seien, sondern verschiedenen Bildungs-
epochen ihren Ursprung verdanken. Herr Barrande setzt demgemäss eine
sich mehrmals wiederholende, suceessive, regelmässige Ablagerung der colonialen
Schichten im Wechsel mit Schichten seiner Etage B voraus.
Es ist einleuchtend, dass diese Voraussetzung sich nur auf die Thatsache
stützen könne, dass die Gebirgsschichten, in welchen die Colonien auftreten,
eine regelmässige Aufeinanderfolge zeigen, und dass die colonialen
Schichten eine concordante Lager ung zwischen den Schichten der Etage D
besitzen. In der That nimmt Herr Barrande diese Thatsache als feststehend an.
In dem bereits in der „Einleitung“ citirten Auszuge seiner neuesten Abhandlung
„ Colonies dans le bassin silurien de la Boheme “ *) erklärt nämlich Herr Bar-
rande bei der Mittheilung der allgemeinen Beziehungen zwischen den Colonien
„Haidinger“ und „Krejcf“ (Seite 616), dass „die eine und die andere“
dieser Colonien „in concor danter Lagerung zwischen die Schichten
der mächtigen Formation der graugelblichen Schiefer db, welche
die Quarzit-EtageD abschliessen, eingeschaltet sind.“ Insbesondere
theilt Herr Barrande bei Beschreibung der „Colonie Haidinger“ (a a. 0.
Seite 620) mit, indem er die Reihenfolge der Schichten nach einem Durch-
schnitte der Colonie anführt, dass „dieser Durchschnitt, am Punkte der grössten
Mächtigkeit genommen, um so leichter zu messen sei, als die Colonie an
dieser Stelle von einem sehr tiefen Graben durchschnitten wird,
an dessen Gehänge man sehr deutlich alle Schichten regelmässig,
unter einem Winkel von ungefähr 45 Graden, gegen das Innere
des Hügels, einfallen sieht“. Herr Barrande fährt fort: „Indem wir
diesen und alle übrigen Gräben, welche diese Abdachung durchschneiden,
aufmerksam studirten, ist es uns unmöglich gewesen, daselbst die
mindeste Spur irgend welcher Störung in der Regelmässigkeit
der Lagerung zu entdecken.“
Ich übergehe die Detailbeschreibung, welche Herr Barrande von den
Colonien „Haidinger“ und „Krejcf“ gibt, die Vergleichung derselben unter
einander und mit der Colonie „Zippe“, und die die Fülle paläontologischer
Kenntnisse, welche Herrn Barrande auszeichnet, bekräftigende Vergleichung
der Fauna der „Colonien“ mit der Fauna aller bekannten Silurablagerungen, und
gehe zur Hauptsache über, zur Erklärung nämlich, welche Herr Barrande
(a. a. 0. Seite 658) von den Colonien Böhmens gibt. Er sagt daselbst:
„Wir nehmen an, dass während der Zeitperiode, welche in Böhmen durch
die zweite Fauna gemessen wird, unsere dritte Fauna in mehr oder minder ent-
fernten Gewässern zu existiren begonnen habe; jedoch nicht in der Vollständig-
keit ihrer Entwicklung, nicht einmal in dem ganzen Reichthum ihrer ersten, in
unserer Etage E vertretenen Phase, sondern mit einer gewissen Anzahl von
Formen verschiedener Classen, welche die ersten Elemente ihrer zoologischen
Entwicklung bilden. Zwischen Böhmen und diesen unbekannten Gewässern
sind während der zweiten Hälfte der Dauer der zweiten Fauna zufällige Ver-
bindungen eröffnet worden. In Folge des Zusammentreffens günstiger Umstände
sind eine gewisse Anzahl von Species der driften Fauna zu wiederholten Malen
in unser Becken eingezogen, und haben sich daselbst an beschränkten Orten,
weiche zweifellos ihrer Existenz am zuträglichsten waren, niedergelassen. Sie
haben daselbst während einer gewissen Zeit gelebt, ohne sich im Allgemeinen
0 Bulletin de la societe geologique de France , 2. Serie , t. XVII , p. 602 — seance du
4. Juin 1860.
ii. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft.
6
42
M. V. Lipoid.
[42]
mit den Formen der zweiten Fauna, welche die benachbarten Gewässer be-
wohnte, zu vermengen *). Indessen fand eine Vermengung ausnahmsweise an
einigen Punkten 2) Statt. Durch das Aufhören der günstigen Umstände , welche
wir vorausgesetzt haben, der zu ihrem Leben unerlässlichen Elemente beraubt,
sind die eingewanderten Species, das ist die Colonien, schnell ausgestorben.
Die beschränkten Niederlassungen, welche sie bewohnt hatten, wurden wieder
durch die gewöhnlichen Niederschläge der Etage D bedeckt, und die zweite
Fauna hat über ihnen, wie vor der Einwanderung, wieder ihre ausschliessliche
Herrschaft eingenommen.“
„Diese Erscheinungen würden sich mindestens dreimal wiederholt haben,
weil wir auf drei verschiedenen Horizonten Colonien finden: die tiefste gegen
die halbe Höhe dk, und die beiden andern in der Abtheilung d'\u
„Später ist die zweite Fauna gänzlich ausgestorben, wahrscheinlich in
Folge der grossen Ausbrüche von Grünsteinen, welche die ganze Oberfläche
unseres Beckens bedeckten. Als hierauf ähnliche Umstände, wie jene, welche
die Einwanderung der Colonien begünstiget hatten, in einem grösseren Maassstabe
eintraten, bemächtigte sich die dritte Fauna der verlassenen Gewässer Böhmens,
deren ganze Fläche sie nach und nach wieder bevölkerte. Es ist wichtig zu
bemerken, dass zur Zeit dieser allgemeinen Einwanderung, das ist an der Basis
der Etage E, die dritte Fauna, obschon mit vielen in den Colonien unbekannten
Species bereichert, noch weit entfernt war von dem Maximum ihrer ersten Phase,
welche sich allmählig in der Höhe dieser Etage mit einem Reichthum und mit
einer Mannigfaltigkeit von Formen entwickelte, welche bisher in der sibirischen
Welt ohne Gleichen dasteht.“
Diese Erklärung beruht, nach Herrn Barrande, hauptsächlich auf zwei
Vorstellungen, die da sind:
„1. Die theilweise Gleichzeitigkeit zweier Faunen, welche,
in ihrer Gesammtheit betrachtet, dennoch aufeinanderfolgend
sind.“
„2. Die wiederholten Wanderungen gewisser Species, um die
abwechselnden Erscheinungen derselben in einer und derselben
Gegend zu erklären.“
Die Ursa chen und die Umstände, welche diese Erscheinungen veran-
lasst haben, erörtert Herr Barrande (a. a. 0. Seite 660) folgender Art:
„Vergleicht man die Colonien mit der Basis der Etage E , so bemerkt man
auf diesen verschiedenen Horizonten das ähnliche Auftreten von Graptolithen-
schiefern, von mehr oder minder häufigen Kalksteinen, und von Grünsteinlagern.
Da die Graptolithenschiefer und die Kalksteine keinen Bestandtheil der Nieder-
schläge bilden, welche unsere Etage D zusammensetzen, ausser bei den Colo-
nien, so folgern wir daraus, dass dieselben durch neue Ströme und Zuflüsse,
welche aus anderen Gegenden kamen, als woher bis dahin die andern Nieder-
schläge geliefert wurden, in unser Becken eingeführt worden sind. Dieser
Schluss findet vor Allem auf die Kalksteine Anwendung, welche in der ganzen
Mächtigkeit der Etage D nur in unseren Colonien beobachtet werden können.
Aber welche Umstände konnten in unser Becken jene neuen Ströme und Zuflüsse
eingeführt haben, welche die zarte Masse der Graptolithenschiefer mit sich
!) Wie ich schon oben in der „Einleitung“ erwähnte, fand eine Mengung der zweiten
Fauna mit der dritten bei den Colonien „Haidinger“ und „Krejci“ nach Herrn Bar-
rande’s eigenen Angaben nicht Statt.
3) Bezieht sich auf die Colonie „Zippe“.
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien" in der Silur-Formation Böhmens.
43
[43]
führten, und kohlensauren Kalk aufgelöst enthielten?" — „Offenbar könn-
ten diese Umstände in einem seht* natürlichen Zusammenhänge sein mit den
Ausbrüchen von Grünsteinen, welche in denselben Epochen Statt hatten. In der
That lehren uns die Beobachtungen in vulcanischen Gegenden, dass, sobald der
Boden einer Gegend genöthigt ist sich zu öffnen, um den Strömen der feurigen
Materie einen Ausweg zu gewähren, die Oberfläche dieses Bodens Verschiebungen
und Schwankungen ausgesetzt ist, welche eben so im Grunde des Meeres wie
im Niveau der gehobenen Erdstriche Veränderungen hervorbringen. Aehnliche
Schwankungen, welche die gewöhnliche Neigung der Oberfläche verändern,
können leicht in ein Becken neue Zuflüsse einführen; oder sie können mit
benachbarten Meeren Verbindungswege eröffnen, erweitern oder vertiefen, in
der Art, dass Ströme hineingeleitet werden, welche bis dahin von den fraglichen
Gewässern ausgeschlossen waren. — Kurz, die beständige Gegenwart von
Graptolithenschiefern , Kalken und Grünsteinen in den Colonien, so wie an der
Basis der Etage E führt uns dahin, die Umstände, welche die Einwanderungen
begünstiget haben , in folgenden allgemeinen Ausdrücken zusammen zu fassen:
„Schwankungen des Bodens und Einführung fremd artiger Nieder-
schläge mit Hilfe neuer Zuflüsse und Ströme unter dem allge-
meinen Einflüsse plutonischer Erscheinungen".
Ich habe im Vorhergehenden Herrn Ba rr an de's Theorie über die Colonien
mit dessen eigenen Worten wiedergegeben , um dessen Ansicht hierüber getreu
auszudrücken. Es würde mich jedoch zu weit führen, wollte ich die mehreren
sinn- und geistreichen Beweise anführen , durch welche Herr Barrande seine
Theorie zu bekräftigen und die gegen dieselbe erhobenen Einwendungen zu
beheben sucht. Während ich daher bezüglich der weiteren Erörterungen Herrn
Barrande’s über die Colonien auf dessen Abhandlung hierüber verweise, bin
ich dennoch bemüssigt, seiner Theorie einige au f Th atsac hen gegründete
Bedenken entgegen zu stellen.
Vorerst sind es die bei den Colonien statthabenden L agerungs Verhält-
nisse, welche der Theorie des Herrn Barrande’s entgegentreten. Ich stimme
nämlich vollkommen der Ansicht des Herrn Vicomte d’Archiac *) hei, wenn er
in der „Histoire des pro gr es de la geologie, T. V, p. 7" als einen auf That-
sachen gestützten Grundsatz der Paläontologie hinstellt, „dass die Organismen
ohne Unterlass sich derart veränderten, dass eine und dieselbe Fauna
sich niemals wiederholt habe", und wenn er erklärt, er könne Aus-
nahmen von diesem Gesetze so lange nicht zugeben als dieselben nicht in
vollkommen regulären, horizontalen oder in ihrer ursprüng-
lichen Lagerung nicht gestörten Terrains beobachtet worden
sind. Letztere Anforderung muss man bei den „Colonien" am Südrande des böh-
mischen Silurbeckens um so mehr stellen, als einerseits die Ablagerungen der
Colonien (Grünsteine und Graptolithenschiefer) mit den Gesteinsarten der normal
gelagerten „Littener Schichten", das ist mit den an der Basis der Etage E
des Herrn Barrande vorkommenden Gesteinsarten petrographisch voll-
kommen identisch sind, und als andererseits in den Colonien keine anderen,
sondern ausschliesslich nur solche und speci fisch ganz gleiche Fossilien
vorgefunden werden, welche zugleich in den „Littener Schichten" an der er-
wähnten Basis der Etage E auftreten, und als aus diesem Grunde jeder Geologe
sich gewiss berechtiget halten wird, a priori anzunehmen, dass die Colonien und
die „normalen" Littener Schichten gleichzeitige Bildungen sind. Das Gegen-
O „B a r r a n d e" a. a. 0. Seite 602.
6*
44
M. V. Lipoid.
[44]
theil könnte nur durch klare Lagerungsverhältnisse , und durch evident
normale und ungestörte Z wisch enlagerungen der colonialen Schich-
ten zwischen den älteren untersilurischen Schichten bewiesen werden.
Meine Untersuchungen der Colonien an der Südseite des böhmischen Silur-
beckens haben nun gerade das umgekehrte Resultat gehabt. Bei allen Colonien
nämlich, bei welchen die Lagerungsverhältnisse erhoben werden konnten, zeigten
sich offenbare Störungen und Dislocationen, welche die Gebirgs-
schichten erlitten hatten. Ich verweise diesbezüglich auf meine Beschreibung
der Colonien, insbesondere der beiden Colonien „Krejci“ und „Haidinger“. Bei
der Colonie „Krejci'“ gibt > Herr Barrande (a. a. 0. Seite 62 i ) selbst „eine
Bewegung des Bodens während der Bildung des Terrains, oder eine Unregel-
mässigkeit bei seiner Heb u ng“ zu. Hingegen behauptet Herr Barrande, wie
ich oben erwähnte, bei der Colonie „Haidinger“ die deutlichste Regelmässig-
keit in der Lagerung und nicht die mindeste Spur irgend welcher Stö-
rung in dieser Regelmässigkeit der Lagerung vor gefunden zu
haben, während ich daselbst laut meiner Beschreibung derColonie „Haidinger“
und des Profiles EF in Tafel II eine gewaltige Störung der Lagerung beob-
achtete. Dies ist nun freilich eine sehr wesentliche Streitfrage, die sich zwischen
mir und Herrn Bar ran de erhebt, aber es ist eine Streitfrage, deren Lösung
durch einen einzigen Besuch der Localität möglich ist, und deren Entscheidung
ich meinestheils sehr gerne jedem unbefangenen Geologen anheimstelle. Was
mich betrifft, so kann ich in der That die Lagerung der Schichten, wie
sie sich in dem ersten östlichen Graben (II. Karte), in welchem die Colonie
„Haidinger“ erscheint, darstellt, als eine regelmässige nicht anerkennen,
indem daselbst auf den wenig geneigten fast horizontal liegenden
Kossower Schichten die „Colonie“ lagert, und unmittelbar über derselben die
Königshofer Schichten eine steil aufgerichtete, zum Theil saigere
Schichtenstellung besitzen.
Ich muss daher bei der Beurtheilung der Theorie des Herrn Barrande
über die „Colonien“ von derThatsache ausgehen, dass die Lagerung
der Colonien keine regelmässigeund concordante, sondern eine
gestörteist. Durch diese Thatsache wird aber die wichtigste Voraus-
setzung, auf welcher die Theorie des Herrn Barrande beruhet, als irrig
nachgewiesen, und die Basis, auf welcher Herr Barrande seine Theorie über
die „Colonien“ aufgebaut hat, muss als haltlos und zerstört angesehen werden.
Ist aber die Basis zerstört, so muss auch das ganze darauf ruhende Gebäude
schwanken, das heisst, sind die Voraussetzungen irrig, welche Herr Barrande
seiner Theorie unterlegte, so können auch die daraus gezogenen Folgerungen
auf eine Wahrscheinlichkeit keinen Anspruch machen.
An sich genügt diese einzige so eben erwähnte Nachweisung, dass die
„Colonien“ keine concordante Lagerung besitzen, um die Theorie
des Herrn Barrand e über die „Colonien“ als ihrer Grundlage beraubt, und
somit als wid e r 1 egt zu betrachten, und ich könnte füglich weitere Erörte-
rungen hierüber übergehen. Dennoch will ich noch einige kurze Bemerkungen
beifügen, welche, wenn auch nicht einzeln die Theorie des Herrn Barrande
zu widerlegen, dennoch höchst bedeutsame Bedenken gegen dieselbe rege zu
machen im Stande sind.
Wiekommt es, dass die Colonien nicht tief in das Gebirge
eingreifen, sondern sich sehr bald nach dem Verflachen auskeilen oder
abgeschnitteji werden, wie dies bei den Colonien „Haidinger“, „Radotin“,
„Kosorff, „Cernositz“, „Wonoklas“ und „Karlik“ als erwiesen vorliegt? Da die
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
45
[«]
Einwanderung der colonialen Fauna von Süden her nicht stattfinden konnte,
weil sich die fraglichen Colonien am Südrande der obersilurischen Ablagerungen
befinden, so konnte diese Einwanderung nur von Norden, oder wie Herr
Barrande in seinem „ Systeme silurien “ annimmt, von Nordosten her Platz
greifen, und da sollte man doch meinen, dass die durch Ströme von Nord her-
beigeführten colonialen Ablagerungen sich eben in der nördlichen Richtung
des Einfallens weiter in das Innere des Beckens verbreiten sollten! Dass dieses
Auskeilen und Abschneiden der colonialen Schichten nach dem Verflachen eine
Folge späterer Dislocatio nen sei, wird Herr Barrande wohl nicht
zugeben, weil er dadurch seiner Theorie selbst die Grundstütze wegnähme, und
weil sich sodann die colonialen Erscheinungen viel einfacher und natürlicher
ohne Zuhilfenahme einer neuen Theorie, wie ich es gethan habe, aus den Lage-
rungsverhältnissen, eben als eine Folge von späteren Dislocationen, welche das
Terrain erlitt, erklären lassen.
Herrßarrande bemerkt weiter, dass nach einer mindestens dreimal
wied erhol ten Ein-und Auswanderung der colonialen (dritten) Fauna die zweite
Fauna endlich gänzlich ausgestorben sei, wahrs cheinlich in Fol ge
der grossen Ausbrüche von Grünsteinen, welche die ganze Oberfläche
des Beckens bedeckten. Gewiss, sind auch die Grünsteinausbrüche vielleicht
nicht gerade die unmittelbare Ursache des gänzlichen Aussterbens der zweiten
Fauna gewesen, so lässt sich doch nicht bezweifeln, dass die Ausbrüche der
Grünsteine und die Bildung der Graptolithenschiefer in einer unmittelbaren Wech-
selwirkung und in einem innigen Zusammenhänge mit den Ursachen gestanden
haben mussten, welche das gänzliche Erlöschen der zweiten Fauna zur Folge
hatten. Nun fragt es sich aber, warum ist die zweite Fauna nicht
sogleich das erste Mal, als die coloniale dritte Fauna in Folge von
Grünsteinausbrüchen und Bildung von Graptolithenschiefern
einwanderte, das ist zur Zeit der Entstehung der „Colonien", welche doch
die gleichen Grünsteine, wie sie an der Basis der Etage E auftreten, führen,
gänzlich ausgestorben? Warum haben die Fossilien, welche zur Zeit, als
die Bildung der ersten Colonien am Südrande des böhmischen Silurbeckens
(Colonie „Haidinger“) begann, lebten, nämlich die Fossilien der Königshofer und
Kossower Schichten, un verkümmert fortgelebt, wie es nach Herrn Barrande
die Fossilien der zwischen den Colonien „Haidinger“ und „Krejci“ auftre-
tenden Königshofer und Kossower Schichten darthun, — warum haben sie, ohne
auch nur die mindeste speci fische Veränderung zu erleiden, zwei-
mal eine Katastrophe überlebt, welche, wie wir vorausgesetzt haben
und vorauszusetzen berechtiget sind, bei Beginn der Ablagerung der „normalen“
Littener Schichten, das ist an der Basis der Etage E des Herrn Barrande, ihr
gänzliches Auss.terben zur Folge hatte? — Ich weiss, man wird mir ant-
worten: Weil die Grünsteinausbrüehe und die Bildung von Graptolithenschiefern
zur Zeit der colonialen Wanderungen nur local an einzelnen Punkten Statt
hatten, und sich nicht über das ganze böhmische Becken, wie später, aus-
dehnten, daher auch die „Colonien“ nur local vorgefunden werden, und linsen-
förmige Ablagerungen zwischen den untersilurischen Schichten bilden.
Abgesehen davon, dass sich letztere Annahme mit der Annahme des Herrn Bar-
rande, dass die colonialen Ablagerungen durch Ströme aus anderen Gewässern
und Gegenden dem böhmischen Becken zugeführt wurden, nicht wohl verein-
baren lasse, weil diese Ströme, von Norden oder Nordosten kommend, die
ganze Breite des Beckens passiren mussten, um an den südlichen Rand des-
selben zu gelangen, und die mit sich geführte Materie der Niederschläge doch
46
M. V. Lipoid.
m
nicht blos an den Rändern des Beckens, sondern auf ihrem ganzen Wege, im
ganzen Becken absetzen mussten; gibt diese Annahme dem folgenden viel
grösseren Bedenken den weitesten Spielraum. Wenn nämlich die coloniale
Fauna blos an beschränkten Localitäten, an einzelnen isolirten nicht
zusammenhängenden Punkten des böhmischen Beckens leben konnte und lebte,
und in derselben Zeit, wie Herr Barrande annimmt, die zweite Fauna die
benachbarten G ewässer bewohnte, so mussten die colonialen Niederlas-
sungen ringsum von Gewässern umgeben sein, in denen die zweite Fauna leben
konnte und lebte, das ist, man muss sich die coloniale Fauna allseits von der
zweiten Fauna umschwärmt denken. Ist es nun möglich bei den so nahen und so
vielen Berührungspunkten, in welchen die coloniale und die zweite Fauna zu
einander stehen mussten, sich eine andere Vorstellung zu machen, als dass die
beiden Faunen sich wenigstens an den Berührungspunkten mit einander ver-
mengten, und dass die Reste der colonialen und der zweiten Fauna mindestens
an den Grenzpunkten ihres Lebensbezirkes zahlreich mit einander vermischt in den
betreffenden Niederschlägen eingebacken wurden? Und dennoch ist von dem
Südrande des böhmischen Silurbeckens bisher eine solche Mischung der
colonialen und der zweiten Fauna, welche sich nach Obigem gerade an
den meist entblössten Rändern der Colonien im grossen Umfange deutlich zeigen
müsste, nirgends be obachtet worden!! Die „Colonien“ führen n u r Fos-
silien der dritten Fauna, die dazwischen liegenden Königshofer und Kossower
Schichten nur Fossilien der zweiten Fauna, und zwar die ersteren ganz die-
selben Formen, wie sie unverändert an der Basis der Etage E , das ist in
den Littener Schichten, wiederz ufind en sind, und die letzteren genau die-
selben Species von Thieren, welche die Königshofer und Kossower Schichten
überhaupt charakterisiren.
Die eben erwähnten Thatsachen, so wie sie einerseits die oben gegebene
Erklärung der colonialen Erscheinungen „aus den Lageru ngs Ver-
hältnissen“ besonders zu unterstützen befähigt sind , sind andererseits
sehr geeignet, gegen die Richtigkeit der Theorie des Herrn Barrande Zweifel
zu erregen. Es widerspricht nämlich allen bisherigen paläontologischen Erfah-
rungen und Grundsätzen, wenn man nach Herrn Barrande’s Ansinnen annimmt,
dass eine und dieselbe Fauna in ganz unverändertem Zustande mit den
ganz gleichen Species in weit von einander abstehenden Epochen sich
wiederholt habe, ohne in den zwischenliegenden Ablagerungen, — welche
eine ganz vers chi edene, aber auch mehrmals und stets in gleichen For-
men sich wiederholende Fauna enthält, — auch nur die mindeste Spur
ihres Daseins zu hinterlassen. Die Analogien, die aus anderen Terrains angeführt
werden, kann ich, wie ich später berühren werde, nicht gelten lassen. Auch der
Umstand, dass die Etage E mehr Fossilien enthält, als die Colonien, kann obigen
Zweifel nicht mindern, denn es bleibt doch wahr, dass die Fauna der „Colonien“
sich in den tiefsten Schichten der Etage E, und zwar nur in diesen,
wiederholt, und es beirrt nicht, dass höhere Schichten der Etage E noch
andere Fossilreste aufnehmen. Man muss eben die Schichten der Etage E nicht
in ihrer Gesammtheit, sondern nur die Basis, das ist die tiefsten Schichten
der P]tage E, und zwar nur in derselben Mächtigkeit in Betracht ziehen,
in welcher ein oder die andere Colonie auftritt, — und man wird auch nur die-
selben Petrefacte in beiden finden. Wenigstens zweifle ich sehr, dass selbst
Herr Barrande zwischen den Species von Graptolithen, welche die Colonien
bewohnten, und jenen, welche in den tiefsten Schichten der Etage E auf-
treten, auch nur den mindesten Unterschied zu bezeichnen im Stande sein werde.
[47]
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
47
Ich habe übrigens oben wiederholt gezeigt, dass die grössere oder geringere
Anzahl von Petrefacten in einer Colonie auf die Erklärung der colonialen Erschei-
nungen aus den Lagerungsverhältnissen keinen Einfluss nimmt. Die kenntniss-
vollen Vergleichungen, die Herr Barrande in seiner neuesten Abhandlung
zwischen der colonialen Fauna und jener der Etage D und E und fremder Silur-
becken macht, und die scharfsinnigen Deductionen, welche derselbe aus diesen
Vergleichungen zu Gunsten seiner Theorie zieht, können daher die obberührte
Erklärungsart der Colonien nicht beirren, da sie, vermöge dieser Erklärungsart,
als blos von der wechselnden Mächtigkeit der Colonien, das ist von Zufällig-
keiten abhängig, nicht die Wesenheit der Colonien berühren. Dies der
Grund, dass ich mich über die bezeichneten Vergleichungen der Faunen und die
diesfäiligen Deductionen des Herrn Barrande, welche dessen Theorie,
vorausgesetzt, dass dieselbe anderweitig begründet und den
Lager ungsver hält nissen entsprechend befunden würde, ohne
Zweifel zu unterstützen geeignet wären, weiters in keine Erörterungen einlasse.
Sehen wir nun, in welcher Art sich andere Naturforscher über die
sibirischen „Colonien“ Böhmens aussprechen.
Herr Professor Dr. H. G. Bronn bespricht in seiner in der „Einleitung44
citirten gekrönten Preisschrift: „Untersuchungen über die Entwickelungsgesetze
der organischen Welt u. s. f.“ Seite 294 die „Anachronisehen Colonien44, als
welche er „ausnahmsweise Ansammlungen zahlreicher Arten eines
Terrains in beschränkten Oer tlichk eiten eines anderen durch
Zwischenschichten davon getrennten älteren oder jüngeren Ter-
rains“ bezeichnet, und zu welchen vorzugsweise die sibirischen ^Colonien“
Böhmens gezählt werden. Herr Dr. Bronn reproducirt die Thatsaehe und die
Erklärung der „Colonien“ Böhmens in der Art, wie sie Herr Barrande in
seinen ersten Bekanntmachungen über diese Colonien *) mitgetheilt hat. Er sagt:
„Sein (Herrn Barrande’s) silurisches Terrain E, worin die dritte Trilobiten-
Fauna vorzugsweise zur Ablagerung gekommen, besteht in Graptolithenschiefern
mit Kalksphäroiden. Dieselbe Gesteinsart nun hatte sich auch schon in
einem vertical wie horizontal sehr beschränkten Raume im unteren Theile
des sonst aus Quarziten bestehenden Terrains D, welches die zweite Silurfauna
enthält, in vorübergehender Weise zu bilden begonnen, sich in concor danter
Lagerung zwischen die übrigen abgesetzt, und einen Theil der dritten Fauna
in sich aufgenommen“ u. s. f.
Man sieht, dass Herr Dr. Bronn, so viel ich weiss, nicht aus eigener
Wahrnehmung, sondern eben nur gestützt auf Herrn Barrande’s Mittheilungen,
die wesentliche Thatsaehe, dass die Colonien sich „in eoncordanter Lage-
rung“ zwischen den Schichten des Terrains D befinden, als constatirt annimmt.
Ich brauche wohl kaum zu wiederholen, dass ich die Behauptung dieser That-
sache als auf einem Irrthum beruhend nachwies, und ich setze voraus, dass
der hochgelehrte Meister, wenn er, wie ich, die Ueberzeugung gewonnen, dass
die silurischen Colonien Böhmens nicht „concor da nt“ gelagert sind, Anstand
genommen hätte, Herrn Barrande’s Theorie über die „Colonien“ als Substrat
paläontologischer Betrachtungen zu benützen. Diese Voraussetzungen würden
mich eigentlich von weiteren Erörterungen über die „anachronisehen Colonien“
entbinden. Allein da Herr Dr. Bronn (a. a. 0. Seite 295 u. f.) mehrere den
0 Bull, geolog. 18 öl. VIII, 150 , 158.
48
M. V. Lipoid.
[48]
Colonien Böhmens „analoge Fälle“ anführt, und Herr Barrunde in seiner
neuesten Abhandlung über die Colonien auf diese „analogen Fälle“ ein ganz
besonderes Gewicht legt, so bin ich bemüssiget, diese „Analogien“ etwas
näher in’s Auge zu fassen.
Zwei der von Herrn Di*. Bronn angeführten „analogen Fälle“ betreffen
Steinkohlenpflanzen. Pflanzenreste sind wohl minder geeignet, mit Thier-
resten überhaupt in Vergleichungen gezogen zu werden, da sie im Allgemeinen
doch anderen Gesetzen folgen, als letztere, und da, wie Herr Dr. Bronn (a. a.
0. Seite 268) selbst bemerkt, „Pflanzen sich am wenigsten an bestimmte Etagen
des Gebirges binden zu wollen scheinen“. Ich hebe daher blos den wichtigsten
von Herrn Dr. Bronn angeführten und von Herrn Barrande benützten analogen
Fall, welcher dem Oolith Englands entnommen ist, hervor, und bezeichne die
Thatsachen, wie sie Herr Dr. Bronn mittheilt.
Nach Lycett, Morris und Brodie besitzen nämlich ein oberer Theil des
Gross-Ooliths von Minchinghampton in England und der Unter -Oolith von
Leckhampton, und zwar dessen „ Fimbria “ und „ Freestone “ Schichten, eine
grosse Aehn lichkeit sowohl in der Mineral-Natur, wie in den organischen
Resten. Von 265 Arten des Gross-Ooliths sind demselben 64 Arten mit den
Freestone-Schichten des Unter-Ooliths gemein. „Die fossilen Arten des Unter-
Ooliths von Leckhampton sind jedoch alle auffallend klein“, — „auch
jene, welche ihm mit dem Gross-Oolith daselbst und zu Minchinghampton
gemein sind“. — „Im Ganzen fehlen die meisten der aus dem Freestone und
der Fimbria -Schicht in den Gross-Oolith übergehenden Arten in den Zwischen-
schichten gänzlich, und die wenigen, Avelche sich auch in ihnen ei n-
finden, erleiden meistens bedeutende Veränderungen in Form und Oberflächen-
beschaffer^heit und eine Verminderung ihrer Grösse“. Nach Buckmann wieder-
holt sich diese Erscheinung mit dem Cornbrash im Ober-Oolith von Cirencester
in Gloucestershire. „Dieser Cornbrash enthält daselbst 65 fossile Arten,
wovon 21 mit Arten des Unter-Oolith und selbst mit solchen identisch sind,
welche charakteristisch für ihn gelten. — Alle diese Arten finden sich nur mit
wenigen Ausnahmen nicht in dem dazwischen liegenden Gross-Oolith.“
Vergleichen wir die oben angeführten Thatsachen aus dem englischen
Oolith mit den entsprechenden Thatsachen aus den silurisehen „Colonien“ an
der Südseite des Silurbeckens Böhmens, so finden wir sehr erhebliche
Unterschiede zwischen beiden, und zwar:
1. Die Schichten des Gross-Oolith und die Eimbria- und Freestone-Schich-
ten besitzen in soferne eine Aehnlichkeit, als beide k al kiger Natur sind.
Die Grünsteine und Graptolithenschiefer der erwähnten „Colonien“ hingegen sind
in ihren lithologischen Merkmalen mit den Grünsteinen und Graptolithenschiefern
an der Basis der Etage E nicht nur ä h n 1 i c h, sondern vollkommen identisch.
2. Die Fimbria- und Freestone-Schichten haben ausser denjenigen Arten,
die man im Gross-Oolith findet, noch ihre eigentümliche Fauna; nicht alle
Arten der ersteren kommen auch in dem letzteren wieder zum Vorschein. — Die
„Colonien“ Böhmens haben hingegen gar keine eigentümliche Fauna,
und alle Species, die in den Colonien gefunden werden, treten auch in den
Littener Schichten an der Basis der Etage E auf.
3. Die fossilen Arten, welche der Gross- und Unter-Oolith gemein haben,
sind im Unter-Oolith alle auffallend klein, im Vergleiche zu jenen des
Gross-Oolith. Dieser auffallende Unterschied in der Grösse derArten,
wenn auch nicht specifisch wesentlich, deutet dennoch auf eine Verschiedenheit
in der Lebensentwickelung hin. Zwischen den Species, welche die „Colonien“
[49] Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens. 49
Böhmens und die Littener Schichten an der Basis der Etage E gemein haben,
ist dagegen auch nicht der mindeste Unterschied wahrzunehmen.
4. Die Schichten des „Cornbrash“, „Gross-Oolith“ und „Freestone“,
welche gemeinsame Fossilarten führen, gehören nach Sir Charles Lyell min-
destens einer und derselben, nämlich der unteren Abtheil ung des Ooliths
an. — Die „Colonien Böhmens“ dagegen treten in der unteren Abtheilung des
Silursystems, welche von der ZAveiten Fauna des Herrn Barr and e bewohnt
wird, auf, während die gemeinsamen Arten in den Littener Schichten an der
Basis der Etage E schon die dritte Fauna in der oberen Abtheilung des
Systems charakterisiren.
fi. Die dem „Cornbrash“ und „Gross-Oolith“ einerseits, und dem „Unter-
sten Oolith“ andererseits gemeinsamen Arten finden sich, wenn auch nur als
Ausnahmen, in veränderter Form oder verminderter Grösse, dennoch in einer
geringen Zahl auch in den Zwischenschichten vor. Diese „wenigen“
in d e n Zwisch enschichten vorfindigen, von den vielen gemeinsamen
Arten genügen, wenigstens einen natürlichen Zusammenhang zwischen den
gemeinsamen Arten im untersten Oolith, und im Gross-Oolith und „Cornbrash“
anzudeuten. — Die zwischen den „Colonien“ Böhmens und den Littener Schich-
ten an der Basis der Etage E befindlichen Zwischenschichten (Königshofer
und Kossower Schichten) dagegen besitzen auch nicht die mindeste
Spur von Fossilien der dritten Fauna, welche die Colonien und die Lit-
tener Schichten bewohnt. Es fehlt daher hier jeder natürliche Zusammenhang
zwischen den „Colonien“ und den Littener Schichten an der Basis der Etage E .
6. Verzeichnen wir die Reihenfolge der Schichten, wie dieselben, nach
Sir Ch. Lyell, im „Unter- Oolith“ unter dem „Oxford-Thon“ von oben nach
unten folgen :
a ) Cornbrash, Thon und kalkiger Sandstein, — und Forestmarble, thoniger
Kalkstein, sehr reich an marinen Fossilien;
b) Great-Oolite, muschelreicher Kalkstein, und Stonesfield-Schiefer, muschel-
reiche Kalksphäroide in Sand eingehüllt, nur 6 Fuss mächtig, mit einer
merkwürdigen Säugethierfauna ;
c) Fullers’-earth , thonige Ablagerung bei Bath, reich an kleinen Austern, —
fehlt in Nord-England;
d) Freestone, kalkige Schichten, wenig mächtig, mit Fimbria-Schichten, — -
darunter gelber Sand. Letzterer lagert auf dem „Lias“, der bei einem sehr
gleichförmigen, lithologischen Gepräge eine evident eigenthümliche Fauna
besitzt.
Wir sehen hieraus, dass im Englischen Oolith die Gebirgsschichten, welche
unter dem „Freestone“, ferner jene, welche zwischen dem „Freestone“ und
dem „Gross-Oolith“, oder zwischen dem „Freestone“ und dem „Cornbrash“,
endlich jene, welche über dem „Gross-Oolith“’ , beziehungsweise über dem
„Cornbrash“ liegen, sowohl in petrographischer, als auch in paläontologischer
Beziehung wesentlich von einander abweichen. Die Zwischenschichten,
welche die, eine gemeinsame Fauna enthaltenden „Freestones“ und „Gross-
Oolithe“, respective „Cornbrash“, trennen, sind also bezüglich ihres litholo-
gischen Charakters und bezüglich ihrer Fossilreste ganz verschieden von
den Schichten, welche im Liegenden des Freestone und im Han-
genden des Gross-Oolith, respective „Cornbrash“, Vorkommen.
Bei den Colonien an der Südseite des böhmischen Silurbeckens dagegen sind
sowohl die im Liegenden der südlicheren Colonien (Col. „Haidinger“), als
auch die zwischen diesen und den nördlicheren Colonien (Col.
K. k. geologische Reichsaustalt. 12- Band, 1861 und 1862. I. Heit.
7
50
M. V. Lipoid.
[50]
„Krejci“), endlich auch die im Hangenden der letztgenannten Colonien zwischen
diesen und den Littener Schichten ander Basis der Elage E betind-
lichen Schichten nicht nur petrographisch, sondern auch bezüglich ihrer Fossil-
reste vo llkom men identisch. Nicht nur die Zwischenschichten, son-
dern auch die Liegend- und die Hangendschichten der Colonien bestehen
nämlich aus denselben Königshofer und Kossower Schichten mit den-
selben Fossilien der zweiten Fauna.
7. Bemerken wir endlich, dass die Zwischenschichten bei den böh-
mischen Colonien eine Mächtigkeit von mehreren Hundert Fuss, die
betreffenden „Zwischenschichten“ im englischen Oolith ab^r* nur eine ver-
hältnissmässig sehr geringe Mächtigkeit besitzen, und dass die Beproduc-
tion derselben Fauna im Oolith Englands nur einmal stattfand, im Silur-
becken Böhmens aber sich dieselbe Fauna mindestens dreimal wiederholt
haben müsse, so geben auch diese verschiedenartigen Umstände zu höchst bedenk-
lichen Betrachtungen Anlass.
Man wird es mir kaum verargen, dhss ich in Anbetracht der so vie 1-
fachen und so wesentlichen Unterschiede, welche zwischen den „ana-
chronischen Colonien“ des englischen Oolithes, und den „Colonien“ des Herrn
Barrande in der böhmischen Silurformation obwalten, die „An a 1 og i e“ zwischen
denselben als verschwindend, und in Folge dessen die Theorie des Herrn
Barrande über die „Colonien“ als beispiellos bezeichne. Da ich der genannten
Theorie wegen der natürlichen Erklärung, welche die Erscheinung der „Colo-
nien“ aus den Lagerungsverhältnissen zulässt, nicht beiptlichten kann, so ist es
natürlich, dass ich auch die Dichtigkeit der Schlüsse, welche Herr Dr. Bronn
aus den Thatsachen der „anachronischen Colonien“ zieht, in soweit sich diese
Schlüsse auf die „Colonien“ Böhmens stützen, in Zweifel ziehen muss.
Viel eingehender noch, als Herr Dr. Bronn, bespricht Sir Charles Lyell
in seinem ,, Supplement “ to the fiftli edition of a „ Manual of elementar y geo-
logy .“ Seite 29 u. f. die Theorie des Herrn Barr an de über die „Colonien“ des
böhmischen Silurbeckens. Da Sir Ch. Lyell in Allem und Jedem die Theorie
des Herrn Barrande vertheidigt, indem er die Richtigkeit der von Herrn Bar-
rande angeführten Thatsachen voraussetzt, so würde es genügen, zur Wider-
legung dieser Vertheidigung darauf hinzuweisen, dass ich im Vorhergehenden
dargethan habe, die von Herrn B a rra n d e angeführten Thatsachen, auf denen
die ganze Theorie beruht, seien nicht richtig. — Allein Sir Ch. Lyell
führt zur Unterstützung der Theorie des Herrn Barrande noch andere That-
sachen an, die gleichfalls einer Berichtigung bedürfen.
Wir lesen nämlich in dem berührten „ Supplement “ Seite 31 Folgendes *):
„Als der verstorbene Eduard Forbes diese Lehre von den Colonien com-
mentirte, bemerkte er, dass durch die Annahme derselben der Werth der Evidenz
organischer Reste als bestimmendes Moment für das Alter und die Aufeinander-
folge geologischer Formationen sehr vermindert werden dürfte, da diese Annahme
die Einführung einer Gruppe von Species in sich einschliesst, welche die Erfah-
rung uns gelehrt hat als normale Bestandtheile einer späteren verschiedenen
Formation zu betrachten, und welche nicht blos zwischen und mit der Fauna
einer früheren Stufe gemischt sind, sondern mitten darunter und doch gesondert
davon. Daher stellt Professor Forbes, während er zugleich die höchste Bewun-
Nach der Uebersetzung von Herrn Oralen Marschall, Achivar der k. k. geologischen
Reichsanstalt.
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
51
[S1]
derung über Barr and e’s Talent und Arbeiten ausdrückt, die Genauigkeit
der geologischen Thatsac he in Frage, indem er bemerkt, „„dass in einer
durch Erhebungen gestörten silurischen Gegend, wo die Schichten unter sehr
starken Winkeln geneigt sind, wo wahrscheinlich Verwerfungen und Verdre-
hungen derselben Vorkommen, sehr wohl Fälle dieser Art gefunden werden
dürften, welche Veranlassung geben, dass Schichten mit neueren Fossilien
unter und inmitten solcher liegen, die ältere Versteinerungen enthalten.““
Hätte mein verstorbener Freund aber die Nachbarschaft von Prag besucht, so
würde er erkannt haben, dass die dortigen Schichten sich nicht im Zu-
stande alpinischer Verwirrung befinden, und er würde sich bereitwillig
überzeugt haben, dass ein so fähiger Beobachter, wie Barrande, sich keines-
wegs täuschte. Wirklich ist die Ordnung der Ueberlagerung durchaus
nicht dunkel, und ausserdem gibt es in den Vorstädten Prag’s eine
Stelle, die ich untersuchte *), wo die eingeschobene Colonie-Formation E 1
auf eine Mächtigkeit von 6 Zoll reducirt ist, und wo sie nichts destoweniger
sich durch ihren organischen Inhalt deutlich unterscheidet, obgleich dort, wie
wir hätten vorausschicken können, eine leichte Vermischung der verschie-
denen Faunen stattfindet, da zwei Species von d* mit einer grossen Anzahl von
für E 1 charakteristischen Versteinerungen auftreten.“
Vorerst liegt’ irgend welcher Irrthum der Behauptung zu Grunde, dass Sir
Ch. Lyell die „Colo nie Zippe“ — denn nur diese liegt innerhalb der Stadt-
mauern Prag's in der sogenannten „Bruska“* 2), und zufolge der gegebenen
Beschreibung kann nur diese gemeint sein, — selbst „untersucht“ habe.
Die „Colonie Zippe“ ist seit ihrer Entdeckung durch Herrn Professor Zippe im
Jahre 1830 durch Skarp-Mauern verdeckt, und jeder Untersuchung unzu-
gänglich gemacht. Selbst Herr Bar ran de hat und konnte dieselbe niemals
persönlich in Augenschein nehmen.
Eben so als irrthümlich aber muss ich auch die Behauptung des hochge-
lehrten Sir Ch. Ly el l bezeichnen, dass „die dortigen Schichten sich nicht im
Zustande alpiner Verwirrung befinden“, und „dass die Ordnung der Ueberlage-
rung durchaus nicht dunkel“ sei, weil diese Behauptung zu der Meinung Anlass
geben könnte, dass die silurischen Schichten in Böhmen sich noch durchwegs in
ihrer normalen Lagerung befinden, oder wenigstens nur unerhebliche oder
unwesentliche Störungen erlitten hätten. Dieser Ansicht jedoch muss ich sehr
entschieden entgegentreten. Herr Barrande selbst scheint sie nicht zu theilen,
indem er in seinem Schreiben an Herrn Hofrath Haidinger vom 17. October *
1859 erklärt, „dass die „Colonien“ nichts gemein haben mit den so häufigen
Disl ocationen im silurischen Becken Böhmens.“
In der That genügt ein einziger Spaziergang von der „Kleinseite“ Prag's
am Fusse des Belvedere-Hügels nach dem linken Ufer des Moldauflusses abwärts
zum Dorfe Klein- Bubna, oder ein kleiner Ausflug auf den am rechten Ufer der
Moldau befindlichen „Kreuz-Berg“ bei Wolsan nächst Prag, um eine Einsicht in
die Lagerungsverhältnisse der silurischen Schichten zu erlangen. Am Fusse des
Belvedere-Hügels wird man wellenförmige Biegungen, Brüche, Verschiebungen,
und Faltungen der sehr schön entblössten Zahoraner Schichten (Bar.
beobachten können, wie man Aehnliches nicht allzu häufig in den Alpen findet.
Ebenso sieht man am Kreuzberge, durch Steinbrüche blossgelegt, Quarzite,
0 „wliich I examined.“
2 ) In den zwei Vorstädten Prag’s, Karolinenthal und Smichow, sind keine „Colonien“
bekannt geworden.
welche meines Erachtens den „Brda-Schichten“ (Bar. dz>) angehören, wenigstens
denselben petrographisch vollkommen identisch sind, kuppenförmig aus den
umgebenden Schiefern emporragen.
Es ist wohl auch natürlich, dass die wiederholten Ausbrüche von Por-
phyren und Grünsteinen an der B a si s der Bar ra n d e’schen Etagen D und E
Dislocationen der älteren Schichten im Gefolge haben und wiederholte Stö-
rungen derselben veranlassen mussten. Ich könnte aus eigener Erfahrung zahl-
reiche eclatante Beispiele solcher Störungen aus den untersiln rischen
Schichten Böhmens anführen, doch ich muss mich auf diese Angabe beschränken,
und will nur hervorheben, dass auch nach der Ablagerung der o b er si Iu-
ris chen Schichten in Böhmen noch sehr gewaltige Dislocationen der Gebirgs-
schichten Statt gehabt haben mussten. Beweis dessen sind die vielen Störungen,
welche man in den obersilu rischen Schichten, die Hluboceper Schichten
(Bar. H) mit inbegriffen, beobachten kann, und worüber uns Herr Director
J. Krejci'in seinem Berichte über die geologischen Arbeiten im Jahre 1859,
durch Profile erläutert, so lehrreiche und schöne Beispiele lieferte. Ein Blick
auf die geologische Karte Tafel I zeigt mitten zwischen Braniker Schichten
einen langen Streifen von Konepruser Schichten, der sich von Nordost über
Trebotow und Zaborinach B. nach Südost zieht. Dieser Streifen von Konepruser
Schichten deutet eine der mehreren Hebungsspalten an , welche man in den
obersilurisehen Schichten beobachtet, und es ist gewiss mehr als blosser Zufall,
dass diese Hebungsspalte genau dieselbe Richtung besitzt, wie die oben nach-
gewiesenen zwei Faltungslinien bei den Colonien an der Südseite des Silur-
beckens, und dass daher alle zu einander parallel sind. Ich will übrigens eine
Störung, welche ich selbst beobachtete , hier anführen, theils um Obiges zu
begründen, theils aber um zum Besuche der Loyalität jene Geologen anzueifern,
welche sich persönlich von den Dislocationen der Silurschichten Böhmens über-
zeugen wollen. Die Localität ist nämlich in nächster Nähe, und zwar kaum eine
halbe Meile von Prag entfernt, und befindet sich südlich von dieser Stadt am
linken Ufer der Moldau, und zwar neben dem Dorfe Hlubocep im „Prokopithale“.
Am westlichen Ende dieses Dorfes befindet sich eine tiefe Spalte in dem nörd-
lich vom Dorfe hinziehenden Kalksleinrücken, durch welche Spalte ein kleiner
Graben mündet. Nach dieser Spalte und dem kleinen Graben ist das beigefügte
Profil Fig. C von Süd nach Nord gezogen, welches keiner weiteren Erklärung
Fig. C.
Braniker Schickten.
(Barr. Etage G.' )
Hluboceper Schichten.
(Barr. Etage ff.)
bedarf, aber gewiss eine Störung darstellt, die nicht minder, wie die colonialen
Erscheinungen , zu irrigen Anschauungen Anlass geben könnte.
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
53
[«]
Ich glaube, und Sir Ch. Lvell scheint es selbst gefühlt zu haben, dass die
u n wider legbar bewiesene Thatsache, dass die Silurschichten Böhmens
dehr bedeutende und wiederholte Dislocationen erlitten haben, die Erklärung
ser colonialen Erscheinungen aus den blossen Lngerungsverhältnissen, wie die-
selbe von Herrn E. Forbes vermuthet, von Herrn Director J. Kre jci zuerst
beobachtet, und von mir im vorigen Abschnitte durchgeführt wurde, wo nicht zu
begründen, so doch zu bekräftigen und glaubwürdig zu machen vermag. Die
„Colonien“ an der Südseite des böhmischen Silurbeckens erscheinen nach dieser
Erklärung blos als „dislocirte“ Littener Schichten, aber sie treten daseibst in
den nordöstlichen Colonien „Haidinger“, „Krejcf“ u. s. f. fürwahr in einer Art
und unter Verhältnissen auf, die jeden Besucher im ersten Augenblicke frappiren
muss, und jene gewiss alpine Verwirrung der Schichten nicht ahnen lässt,
welche auch eine Verwirrung in langbewährte paläontologische Grundsätze zu
bringen drohte. Ist es doch auch mir eben so ergangen, und erst nach sorgsamer
Untersuchung eines weitläufigen Terrains gelungen, die bei den nordöstlichen
Colonien herrschende Verwirrung zu enträthseln, indem ich für die von Herrn
Krej ci versuchte Erklärung erst auf weiten Umwegen den jetzt, wie ich glaube,
evident vorliegenden Beweis ermitteln konnte, dass die nordöstlichen „Colo ni en“
nur eine Fortsetzung der Littener Schichten in der Umgebung von Litten, und
daher nichts als Ueberreste von durch Störungen der Gebirgsschichten
„dislocirten Littene r Schichten“ sind. Eben diese „alpine Verwirrung“
der Lagerungsverhältnisse bei den nordöstlichen Colonien lässt nichts Ueber-
rasehendes darin erblicken, dass Herr Barrande, dessen umfassenden und uner-
müdlichen Forschungen im böhmischen Silurbecken doch bisher vorwaltend den
Fossilresten und minder, wenigstens nicht in’s Detail, den Lagerungsverhältnissen
gewidmet gewesen sein mochten, diese Lagerungsverhältnisse zufällig irrig auf-
gefasst habe. Diese irrige Auffassung der Lagerungsverhältnisse bei den „Colo-
nien“, — vorausgesetzt, dass sie als solche erkannt wird, könnte
daher weder Herrn Barrande’s begründeten Ruf als eines der gewiegtesten
Naturforscher, noch dessen grosse Verdienste um die Kenntniss des böhmischen
Silurheckens schmälern, so wenig als die ersten und berühmtesten Meister in
der Geologie, welche unsere Alpen besuchten, ohne über die Lagerungsverhält-
nisse derselben vollkommen in's Reine zu kommen, desshalb auch nur im Minde-
sten von ihrem wohlverdienten Ruhme eingebiisst hätten.
Sir R. I. Murebison gibt in seiner berühmten neuesten,, Silur ia “ (1859)
Seite 400 in sehr kurzen Umrissen die Thatsachen und die Theorie der „Colo-
nien“ des Herrn B arrande bekannt. Bezüglich der Erklärung der „Colonien“
bemerkt derselbe:
„Einige Geologen wollen diese Thatsache durch die Abhängigkeit fossiler
| Thierarten von eigentümlichen Bedingungen erklären, indem sie, je nach den
Veränderungen des Meeresbodens erscheinen und verschwinden. Der einzige Unter-
schied zwischen dieser Ansicht und der von Herrn B arrande aufgestellten liegt
darin, dass er annimmt, seine alte „Colonie“ sei aus entfernten Meeren her ein-
! gewandert, in welchen seine dritte oder obere Silurfauna bereits in Blüthe stand,
indess, was mich betrifft, ich sie lieber als ein unterschiedenes und getrenntes
Auftreten ähnlicher Typen in demselben Gebiete betrachten möchte, so dass
beim ersten Auftreten die Festsetzung auf der bestimmten Stelle gleichsam
misslungen sei, beim zweiten aber die betreffenden Formen eine vollständige Ent-
wickelung erreicht hätten , als später diese Thiere wieder zum Vorschein
kamen.“
S4
M. V. Lipoid.
[W]
Da Sir R. I. Murchison keine neue Begründung der „Colonien“ gibt,
sondern nur die von Herrn Bar ran de initgetheilten Thatsachen und Gründe
verzeichnet, so genügt es, auf das hinzuweisen, was ich gegen Herrn Barrande's
Theorie im Vorhergehenden erörtert habe.
Es erübrigt mir noch, Einiges über dasjenige zu bemerken, was Herr Pro-
fessor Eduard Suess in seiner Abhandlung „Wohnsitze der Brachiopoden“
über die „Colonien“ des Herrn Bar ran de mittheilt. Diese Mittheilung ist älteren
Nachrichten des Herrn Barrande über die „Colonien“ entnommen, und enthält
daher einige wesentliche Irrthümer, welche Herr Barrand e selbst in seiner
neuesten Schrift über die „Colonien“ berichtigte. Dahin gehören die Thatsachen:
dass die Einlagerung der „Colonien“ nicht blos in „den sehr glimmerrei-
chen Schiefern </4“, sondern an der ganzen Südseite des böhmischen Silur-
beckens in den graugelblichen Schiefern d 5 Statt findet,
dass die „Colonien“ nicht blos aus „Schiefern mit Kalksphäroiden“, sondern
auch aus Grünsteinen bestehen, und
dass die Colonien nicht „vier eigen thümliche“ Arten von Thierresten
umschliessen, sondern gar keine eigentümlichen Species besitzen.
Auch ist es, um Missverständnissen vorzubeugen, wesentlich, zu bemerken,
dass die „vier mit der Stufe D übereinstimmenden Arten* sämmtlich
der „Colonie Zippe“ an der Nordseite des Beckens entnommen sind, und dass die
„Colonien“ an der Südseite des Beckens bisher keine Mengung der zweiten
mit der dritten Fauna zeigten.
Nach dieser kurzen Berichtigung will ich die höchst interessanten Resultate
und Schlüsse anführen, zu denen Herr Professor E. Suess durch seine scharf-
sinnigen Studien über die Wohnsitze der Brachiopoden rücksichtlich d er
„Colonien“ gelangt ist. Herr Suess setzt als feststehend voraus, dass
„Wesen der dritten (obersilurischen) Fauna bereits existirten, bevor die zweite
(die untersilurische) Bevölkerung vernichtet war“, — er sucht darzuthun, dass
in der Etage D „der litorale oder sublitorale Charakter“ vorherrsche,
während „die Brachiopoden der Colonien und jene der Stufe E die Kennzeichen
einer Bevölkerung tieferer Meeresstrecken an sichtragen“, — und er zieht
hieraus den Schluss, „dass die Colonien nicht durch Einwanderung aus früher
abgetrennten Meeresbecken, sondern lediglich durch Senkungen des Bodens
entstanden seien,“ und daher blos „Einschiebungen von Bildungen einer tieferen
Meereszone in solche einer seichteren Zoneff vorstellen.
Gewiss ist dies eine sehr natürliche Erklärung der Erscheinung der „Colo-
nien“, obschon auch der Erklärung des Herrn Professor Suess dieselben Beden-
ken, welche ich bereits der Theorie Herrn Barrande’s entgegenstellte, und zwar,
ich möchte sagen, in noch stärkerem Masse entgegentreten, die Bedenken nämlich,
die aus den Thatsachen entspringen, dass die „Colonien“ an der Südseite des
Silurbeckens nicht tief in das Gebirge eingreifen, sondern -sich nach dem Ver-
flachen aus keilen, und dass daselbst die Colonien bisher eine Beimischung
von Species der untersilurischen (zweiten) Fauna, die doch, wie schon Herr
E. Forb.es gewiss mit Recht bemerkte, vorausgesetzt werden müsse, nicht nacli-
weisen Hessen.
Uebrigens geht auch Herr Professor Suess, wie es aus seinen Mittheilungen
hervorgeht, von der Annahme aus, dass die Thatsache, die Colonien bilden
con.cor dante Zwischenlage rungen in den untersil uri sehen S chich-
4) Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. XXXIX. Band, 1860.
Ueber Herrn ßarrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
55
[öS]
ten, als erwiesen vorliege. Da ich oben den Nachweis geliefert habe, dass diese
Thatsache an der Südseite des böhmischen Silurbeckens nicht feststehe, viel-
mehr das Gegentheil davon beobachtet werde, so verlieren auch die rücksicht-
lich der böhmischen Colonien angeführten Schlüsse des Herrn S uess, so
wahr sie widrigenfalls wären, meines Erachtens ihre Berechtigung.
C, Colonien an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens.
In seinem Schreiben vom November 1859 4) an Herrn Hofrath Haidinger
erklärt Herr Professor E. Suess, nachdem er die an der Nordseite des böhmi-
schen Silurbeckens in der „Bruska“ in Prag befindliche „Colonie Zippe“ bespro-
chen hatte, Folgendes:
„Durch den Nachweis, dass man es an einer Stelle, nämlich an der
Bruska, sicher mit einer ursprünglichen Einlagerung, einer Colonie, und
nicht mit einer Schichtenstörung zu thun habe, ist wohl die Frage auch für die
anderen Punkte gelöst,“ — das ist, für die Colonien an der Südseite des Silur-
beckens.
Ich weiss nicht, ob man mir es gestatten wird, mich der gleichen Schluss-
folgerung in nachstehender Art zu bedienen :
Durch den Nachweis, dass man es an der Südseite des böhmi-
schen Silurbeckens sicher mit keinen ursp rü n gl i dien Einlage-
rungen, mit keinen Colonien, sondern mit Schichtenstörungen zu
thun habe, ist wohl die Frage auch für die an deren Punkte — an
der Nordseite des böhmischen Silurbeckens — gelöst.
Obschon dieser Schluss sehr viel Wahres an sich hat, so zweifle ich doch,
dass man mir ihn ohne Weiteres wird gelten lassen. So viel wird man jedoch
zugeben, dass, sobald man die colonialen Erscheinungen an der Südseite des
böhmischen Silurbeckens als blosse Folgen von Schichtenstörungen anerkennt,
man auch die Vermuthung nicht ausschliessen kann, dass die colonialen
Erscheinungen an der Nordseite desselben Beckens gleichfalls in Dislocationen
ihren Ursprung haben. Diese begründete Vermuthung könnte nur dadurch
geschwächt und beseitiget werden, wenn man durch offenbar und klar vorliegende
T h a t s a c h e n , aus vollkommen ungestörten und c o n c o r d a n t e n Lage-
rungsverhältnissen den unumstösslichen Nachweis liefern würde, dass die Colonien
an der Nordseite des Beckens unzweifelhaft ursprüngliche Einlagerungen
zwischen den untersilurischen Schichten bilden.
Dieser Nachweis liegt jedoch meines Erachtens nicht vor.
Von den an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens auftretenden
Colonien sind uns durch Herrn Barrande’s Schriften die Colonien „Motol“ und
„Zippe“ bekannt geworden. Nur die „Colonie Zippe“ hat Herr Bar ra n de in
seiner neuesten Abhandlung über die Colonien {Bull. a. a. 0. Seite 609)
einer eingehenden Erörterung unterzogen.
Die „Colonie Zippe“ bietet nun allerdings im Vergleiche mit den Colo-
nien an der Südseite des böhmischen Silurbeckens mehrere höchst wichtige
Eigenthümlichkeiten dar.
Unter diese Eigenthümlichkeiten gehört vor Allem der Umstand, dass sie —
nicht sichtbar, und jeder Untersuchung unzugänglich ist. Ihre Ent-
9 Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, X. Jahrgang, Seite 481.
56
M. V. Lipoid.
r««]
deckung datirt aus dem Jahre 1830, als innerhalb der Mauern Prag's, und zwar
am linken Moldau-Ufer zwischen der „Kleinseite“ und dem „Belvedere“ an der
sogenannten „Bruska“ nach einem Hohlwege eine neue Strasse angelegt, und
hiebei zwischen Grauwackenschiefern und Grauwacken eine versteinerungsreiche
Kalksteinschichte entblösst wurde. Herr Professor Zippe, damals in Prag, hie-
von in Kenntniss gesetzt, verfügte sich an Ort und Stelle, und veranlasste eine
Aufsammlung der Kalksteinstücke, die im Museum aufbewahrt wurden, und spä-
ter zum Theil in Besitz des Herrn Barrande kamen. Die Stelle, wo diese
Kalksteinschichte aufgedeckt worden ist, wurde sodann zugemacht, durch Scarp-
mauern verdeckt und auch die Gehänge mit Rasen und Gesträuchen bekleidet,
so dass seit dem Jahre 1830 die Gesteinsschichten an der bet ref-
fen den Stelle nicht mehr sichtbar sind, und daher auch die Lagerungs-
verhältnisse nur damals von Herrn Professor Zippe, und seit der Zeit von
Niemandem untersucht und beobachtet wurden.
Herr Professor Zippe erklärt nun, „dass er den Durchschnitt der
erwähnten Kalkstein schichte gesehen, und die bestimmteUeber-
zeugung von ihrer Zwischen lagerung habe“, — und weiset die Idee
zurück, dass „in diese Local ität Kalkstein blocke durch eineDisIo-
c ati on gelan gt seien“.
Die eben erwähnte Kalksteinschichte wird nun als „Colonie Zippe“ bezeich-
net, und hierin liegt nach Herrn Barrande eine zweite Eigenthümlich-
keit dieser Colonie, dass sie nämlich nur aus einer nach der Angabe nicht
einmal einen Fuss mächtigen Schichte von Kalkstein besteht, während die
Colonien der Südseite des Beckens vorwaltend aus Grünsteinen und Graptolithen-
schiefern, zum Tlieile mit Kalksphäroiden zusammengesetzt sind. Ob die erwähnte
Kalksteinschichte unmittelbar nicht auch von „Graptolith e nschi efern“ um-
gebenist, muss ich als zweifelhaft hinstellen. Im Jahre 1830, als Herr Profes-
sor Zippe die Localität besichtigte, unterschied man im böhmischen Silurbecken
nur „Grauwackenschiefer,“ „Grauwackensandsteine,“ „Grauwacken“ u. s. f. Erst
später, als die Localität nicht mehr zugänglich war, sonderte Herr Barrande
die „Grauwackenschiefer,“ „Grauwacken“ u. s. f. nach paläoutologischen Merk-
malen in Etagen und Abtheilungen, und somit konnte Herr Zippe im Jahre 1830
auch nicht darauf seine Aufmerksamkeit richten, ob die die Kalksteinschichte
umgebenden Schiefer Herrn Barrande’s „sehr glimmerreiche Schiefer ö?4,“
oder „graugelbliche Schiefer rf5,“ oder „Graptolithenschiefer der Etagel?“ seien;
ihm waren alle diese Schiefer dazumal eben nur „Grauwackenschiefer“. Man wird
mir daher mindestens die Möglichkeit zugestehen, dass die „Grauwacken-
schiefer,“ welche die Kalksteinschichte zunächst begrenzen, wohl auch
„Graptolithenschiefer“ sein können.
Herr Barrande gibt auf Grundlage der Aussagen des Herrn Professors
Zippe seine, wie es scheint etwas erweiterte, nicht auf eigener Anschauung
beruhende Beschreibung der Colonie Zippe dahin ab, „dass eine Kalksteinschichte
von ungefähr 25 Centimeter von Schiefern und Quarziten in concordanter
Lagerung eingeschlossen ist, und mit denselben mit einer vollkommenen
Regelmässigkeit wechs ellagert“. Diese Schiefer und Quarzite gehören
nach Herrn Barrande’s Angaben seinen „sehr glimmerreichen Schiefern“ aus
der Abtheilung d 4 seiner untersilurischen Etage D , das ist, den „Zahoraner
Schichten“ an. Ich habe oben die Möglichkeit nachgewiesen, dass die „Colonie“
selbst nebst Kalksteinen auch Graptolithenschiefer führe, daher die die Kalk-
steinschichten zunächst umgebenden Schiefer nicht gerade nothwendig „sehr
glimmerreiche Schiefer dk “ sein müssen. Doch stehen in der Umgebung der
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
[57]
57
„Bruska44 mit Sicherheit die Zahoraner Schichten an, so dass es mit grosser
Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, — obwohl auch der Beweis
hiefür nicht vorliegt, — dass die Gesteine, welche die wie immer geartete
„Colonie44 im Weiteren begrenzen, den „Zahoraner Schichten44 angehören. In
dem Umstande nun, dass die „Colonie Zippe44 nicht innerhalb der Königshofer
und Kossower Schichten ( d 5), wie die Colonien an der Südseite des Beckens,
sondern höchst wahrscheinlich in den nächsttieferen Zahoraner Schichten (ö?4)
auftritt, finden wir eine dritte Eigentümlichkeit dieser Colonie.
Eine vierte und wohl die wichtigste Eigenthümlichkeit der „Colonie
Zippe44 ist es endlich, dass, während die Colonien an der Südseite des Beckens
nur Fossilien der dritten Fauna des Herrn Barrande enthalten, die genannte
Colonie eine Mengung der dritten (obersilurischen) mit der zweiten (unter-
silurischen) Fauna darbietet. Herr Barrande belehrt uns nämlich, dass er aus
den wenigen Kalksteinstücken, welche ihm von der „Colonie Zippe44 zugekommen
sind, 17 Species von Thieren gewonnen und bestimmt habe, darunter 4 Spe-
cies Trilobiten, welche für die zweite Fauna charakteristisch und in den
obersilurischen Ablagerungen nie beobachtet worden sind, und 13 Species,
theils Trilobiten, theils Brachiopoden, welche für die dritte Faun a
charakteristisch sind. Ich füge nur noch bei, dass ebenfalls Herr Barrande
uns mittheilt, dass die erwähnten 4 Trilobiten der zweiten Fauna zu den ver-
breitetsten Formen in verschiedenen Abtheilungen der Etage D gehören, und
sämmtlich nicht nur in der Abtheilung d'*, sondern auch in d er 0 b er ste n
Abtheilung db vorgefunden werden; — und eben so, dass auch die ober-
wähnten 13 Species der dritten Fauna, mit Ausnahme von zweien, unter die
Zahl derjenigen gehören, welche sich am gewöhnlichsten in der Etage E
vorfinden.
Ungeachtet nun Herr Barrande (a. a. 0. Seite 631) erklärt, dass „die
Colonie Zippe, aus einer einzigen Kaiklinse von 23 Centimeter Mächtigkeit beste-
hend, und regelmässig zwischen Schiefer- und Quarzitschichten, deren
Lagerung keine Störung erfahren hat, zwischengelagert, siegreich
den Bemühungen der ganzen wissenschaftlichen Welt Trotz bietet, die es ver-
suchen würde, die Gegenwart dieser Kalksteinschichte durch eine Dislocation
* zu erklären;44 — ungeachtet ich gewohnt bin, solchen kategorischen Aussprüchen
berühmter Autoy täten, in deren Reihe sonder Zweifel auch Herr Barrande
gehört, Rechnung zu tragen; — ungeachtet dessen scheue ich es nicht, meiner
Ueberzeugung einen bescheidenen Ausdruck zu geben mit der Behauptung:
a) dass der erforderliche überzeugen de Nachweis, die „Co-
lonie Zippe44 seieeineurspriingliche und concordanteEinlagerung
in den Zahoraner Schichten, nicht vor liege, — und
b ) dass auch bei dieser Colonie nicht nurdieVermuthung,
sondern sogar die Wahrscheinlichkeit für eine blosse Schichten-
störung spricht.
Ad a. Welcher Beweis über die concordante, regelmässige und allseits
ungestörte Einlagerung der „Colonie Zippe44 in den Zahoraner Schichten liegt
uns vor? — - Es ist einzig und allein die Aussage des Herrn Professors Zippe,
welcher im Jahre 1830 die seitdem unsichtbare Colonie gesehen hatte, und nun
erklärt, dass daselbst „eine Z wischenlagerung44 Statt finde. — Ist diese
Aussage genügend, um die beruhigende Ueberzeugung von der vollkom-
men ungestörten Einlagerung der Colonie in den Zahoraner Schichten zu
begründen? — Ich meinestheils muss diese Frage mit „Nein44 beantworten.
Ich könnte diese Ueberzeugung nur dann gewinnen, und den erforderlichen
8
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft.
58
M. V. Lipoid.
[58]
Beweis nur dann als genügend betrachten, wenn genau und verlässlich
angeführt und constatirt wäre, welches Streichen die coloniale Kalkstein-
schichte einerseits, und die Lieg en dschichten sowohl als die Ha ngend-
sehichten derselben andererseits besitzen, so wie welches die Ri cht u n g und
der Winkel des Ein fal lens jeder dieser drei Schichtengruppen, einzeln
genommen, sei, — und wenn es sich hiebei zeigen würde, dass nicht
nur das Streichen, sondern auch die Richturig und besonders der
Winkel des Einfalle ns der Kalkstein schichte und der Liegend-
und Hangendschichten vollkommen identisch, und auch nichtum
einen Grad von einander abweichend ist. Diese Forderung zu stellen
halte ich für vollkommen berechtigt, wenn man auf concordante Lage-
rungsverhältnisse gestützt eine weitreichende neue Theorie begründen
will.
Mir ist es nun durch Herrn Professor Zippe selbst mündlich bekannt gewor-
den, dass derselbe eine solche genaue Erhebung des Streichens und Verflä-
chens sämmtlicher drei Schichtengruppen nicht vorgenommen habe. Ich finde
es auch natürlich, dass sich der gelehrte Herr Professor im Jahre 1830, wo er noch
keine Ahnung davon haben konnte, von welcher Wichtigkeit die genaue Erhebung
der Lagerungsverhältnisse einstens sein würde, nicht in jene sub ti I e Un ter-
suchung der Lagerungsverhältnisse einliess, die bei so wichtigen Fragen, wie
jene der Colonien, absolut nothwendig ist. Ich begreife es sehr wohl, dass
Herr Professor Zippe sich damit begnügte, von dem Vorhandensein der petre-
factenreichen Kalksteinschichte in der Bruska an Ort und Stelle sich persönlich
zu überzeugen, und hiebei mit dem allgemeinen Eindrücke, dass die Kalkstein-
schichte in den umgebenden Schiefern eine „Ein- oder Z wischen! agerung“
bilde, sich zufrieden stellte, — ohne sich erst mit einer minutiösen detail-
lirten und abgesonderten Messung des Streichens und des Einfallswinkels
der Kalksteinschichte und ihrer Hangend- und Liegendschichten zu befassen,
und ohne die die Kalksteinschichte zunächst begrenzenden „Grauwackenschie-
fer“, die ihm im Vergleiche zum petrefactenreichen Kalksteine offenbar wenig
interessiren mochten, einer eingehenden Prüfung und Untersuchung zu
unterziehen, — Beweis dessen, dass von diesen „Grauwackenschiefern“ nichts
gesammelt wurde, und auch nichts in den Museen vorfindig ist.
Nun gebeich recht gerne zu, dass die ofterwähnte Kalksteinschichte in derBruska
nach dem gewöhnlichen Sprachgebr auche des Wortes eine „Ein-
oder Z wischenlagerung“ bilde, denn viele Geologen pflegen dieses Wort
nicht so stricte wie die Bergleute anzuwenden und überhaupt Gesteinsschichten,
die zwischen anderen liegen, ohne Rücksicht darauf, wie sie darin
liegen, selbst dann, wenn sie blos als „eingekeilt“ erscheinen, als „ein- oder
z wischengelagert“ zu bezeichnen. Bei der „Colonie Zippe“ handelt es sich
aber nicht blos darum, dass daselbst eine „Ein- oder Zwischenlagerung“
im Allgemeinen Statt habe, sondern es handelt sich hauptsächlich darum, wie
diese Zwischenlagerung beschaffen sei? ob sie in der That eine durch
genaue Messungen als vollkommen concordant bestimmte sei oder nicht?
Der Begriff einer „Ein- oder Zwischenlagerung“ wird von manchen Geo-
logen etwas zu weit ausgedehnt und hierauf von Anderen falsch interpretirt.
Hat doch Herr Barrande selbst die „Colonie Haidinger“, welche sehr leicht
zugänglich und prachtvoll entblösst ist, und welche derselbe gewiss mit dem
vollen Bewusstsein der Wichtigkeit des Zweckes, den er dabei verfolgte, unter-
sucht haben wird, als eine „concordante Ein- und Zwischenlagerung“
zwischen den untersilurischen Schichten erklärt, während meine mit dem Compass
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
[39]
59
und dem Winkelmesser vorgenommenen Untersuchungen nicht nur Abweichungen
im Streichen, sondern besonders höchst bedeutende Abweichungen im Ein-
fallen der Hangend- und Liegendschichten der Colonie nachwiesen und dadurch
den Beweis lieferten, dass die „Zwischenlagerung“, wenn man sie so nennen
will, eine „Einkeilung“ der colonialen Schichten involvire. Um so weniger kann
ich in der Erklärung des Herrn Professors Zippe, dass die nach ihm benannte
„Colonie“ an der Bruska, welche derselbe vor 30 Jahren ohne Ahnung ihrer
einstigen Wichtigkeit und daher ohne Vornahme detaillirter Messungen
besichtigte, eine „Zwischenlagerung“ bilde, den Beweis finden, dass diese
„Zwischenlagerung“ desshalb auch schon eine „regelmässige, con-
cordante“ und „ursprüngliche“ sei; der gelehrte Herr Professor selbst
sprach vielmehr mündlich gegen mich die Ansicht aus, dass sich die betreffende
Kalksteinschichte „aus keilen“ dürfte, da sie an dem gegenüberliegenden Ge-
hänge des Hohlweges nicht mehr vorzufinden war. Ich glaube daher, dass die
Herren Barr an de und Suess etwas zu weit gehen, wenn sie die vom Herrn
Professor Zippe ausgesprochene „Zwischenlagerung“ , ohne weiteres als
„regelmässig“, „concordant“und „ursprünglich“ bezeichnen, diese Eigenschaften
als erwiesen annehmen und darauf Theorien hauen. Wenn ich m eines-
teils nach dem Vorangeführten den überzeugenden Beweis davon, dass
die „Colonie Zippe“ eine ursprüngliche und eine concordante
Einlagerung in den Zahoraner Schichten bilde“, nicht vorliegend
finde, so will ich dadurch keineswegs den allbekannten umfassenden und gedie-
genen Forschungen des hochverdienten Herrn Professors Zippe im Gebiete der
Geologie Böhmens nahe treten. Ich war bemüssigt, um die Behauptung von
„Th at Sachen“ auf ihr richtiges Mass zurückzuführen, die Resultate seiner
Erhebungen in der Bruska einer Analyse zu unterziehen, und ich bin überzeugt,
dass der hochgelehrte Herr Professor mir diese Analyse zu Gute halten wird,
sobald er die Wichtigkeit und Tragweite derselben in Berücksichtigung zieht.
ad b). Nicht nur, dass die Thatsache, die „Colonie Zippe“ sei
ursprünglich und concor dant den Zahoraner Schichten zwischengelagert,
nicht erwiesen ist, muss ich vielmehr gegen den Bestand derselben gegründete
Zweifel erheben, wozu mich die nachstehenden thatsächlichen Umstände bestim-
men.
Untersucht man die Lagerungsverhältnisse der Gesteinsschichten, in so weit
sie in der Umgebung der Bruska an Entblössungen beobachtet werden
können, so zeigt sich nichts weniger als eine nur einigermassen anhaltende
Regelmässigkeit in der Lagerung, vielmehr bemerkt man allenthalben mehr oder
minder aufgerichtete Schichten, verschiedene Streichungsrichtungen und Ein-
fallswinkel und Störungen der Schichten jeder Art. Ich berufe mich hier auf
das, was ich bereits im zweiten Abschnitte über die Lagerungsverhältnisse am
Fusse des Belvederehügels, an dessen Gehänge die Localität
Bruska liegt, gesagt habe, wo sich Jedermann von den gewaltigen Störun-
gen überzeugen kann, welche die untersilurischen Schichten daselbst und somit
in der nächsten Nähe der „Colonie Zippe“ erlitten haben. Sollte nun
gerade die leider nicht sichtbare Partie der untersilurischen Schichten,
welche die „Colonie Zippe“ einschliesst, sich einer vollkommen ungestör-
ten Lagerung erfreuen? Liegt nicht vielmehr die Vermuthung, ja die grösste
Wahrscheinlichkeit sehr nahe, dass auch die eben genannten Schichten bei der
„Colonie Zippe“ an den allgemeinen Dislocationen der Schichten in der näch-
sten Umgebung Antheil genommen haben und somit auch bei der „Colonie
Zippe“ selbst irgend welche Störungen in der Lagerung vorhanden sind?
8 *
60
M. V. Lipoid.
[60]
Gehen wir weiter und untersuchen wir im Allgemeinen an der Nord-
seite des böhmischen Silurbeckens die Lagerungsverhältnisse der untersilu-
rischen Schichten, so belehrt uns ein Blick auf die geologische Karte dieses
Terrains, dass sich aus der Gegend von Beraun über Nueie gegen Motol ein Zug
von Brda-Schichten (Bar. d2) mitten zwischen jüngeren untersilurischen Schich-
ten kenntlich macht. Dieser von Südwest nach Nordost streichende Zug von
Brda-Schichten, dessen verlängerte weitere nordöstliche Fort-
setzung gerade über die Stadt Prag läuft, aber wegen der zwischen
Motol und Prag befindlichen Kreideablagerungen daselbst nicht zu Tag
tritt, deutet auf eine grossartige Hebungsspalte hin, in Folge welcher die tieferen
untersilurischen Schichten zwischen den höheren an Tag kamen. Wir finden
daher an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens in den untersilurischen
Schichten ähnliche, ja sogar nach ihrem Streichen parallele Hebungsspalten,
wie wir solche an der Südseite desselben Beckens in den Königshofer und
Kossower Schichten nachgewiesen haben. Dass eine solche Hebungsspalte von
sehr bedeutenden Dislocationen der Schichten umgeben sein müsse, lässt sich
wohl voraussetzen und Herr Barrande selbst weiset darauf hin, wenn er (a. a.
0. Seite 610) sagt: „die senkrechte Entfernung, welche diese Colonie“ d. i. die
Colonie Zippe“ von der Basis unserer oberen Abtheilung trennt, kann nicht
genau gemessen werden, aus Ursache von Dislocationen, welche das
Terrain erlitten hat“. Ist es nun nicht möglich oder sogar wahrscheinlich, dass
diese ähnliche und parallele Hebung der untersilurischen Schichten an der Nord-
seite des Beckens ähnliche coloniale Erscheinungen im Gefolge habe, wie sie
die Hebungslinien an der Südseite des Beckens begleiten? Ist.es nicht möglich
und sogar wahrscheinlich, dass die „Colonie Zippe“, welche sicherlich in der
Nähe, wo nicht inmitten der obberiihrten nördlichen Hebungsspalte liegt, am
Nordrande eine ähnliche Erscheinung sei, wie es die bereits beschriebenen
„Colonien“ an der Südseite des böhmischen Silurbeckens sind?
Die eben ausgesprochene Wahrscheinlichkeit tritt noch mehr und besonders ^
stark hervor, wenn man die von Herrn Barrande in seinem „ Systeme silurien “
angeführte, jedoch in seiner neuesten Schrift über die „Colonien“ nicht berück-
sichtigte „Colonie Motol“ in Betrachtung und in Berücksichtigung zieht.
Die „Colonie Motol“ befindet sich ebenfalls an der Nordseite des böhmischen
Silurbeckens, ungefähr i/2 Meile südwestlich von Prag nächst des Dorfes Motol.
Sie besteht aus Grünsteinen und Graptolithenschiefern mit Kalksphäroiden und
Kalkzwischenlagerungen, somit aus Littener Schichten, welche einen
ungefähr 2000 Klafter langen von Süd west nach Nordost streichenden isolirten
Zug mitten zwischen den untersilurischen Schichten bilden. Ich habe
rücksichtlich der Lagerungsverhältnisse der „Colonie Motol“ Folgendes erhoben.
Die die Colonie bildenden Grünsteine sind sehr mächtig entwickelt und
stehen in Motol selbst in steilen Felswänden an. An deren Nordseite findet
man oberhalb des letzten westlichen Hauses von Motol Graptolithenschiefer
angelagert, die bis oberhalb des Beranka-Wirthshauses in westlicher Bichtung
verfolgt werden können. Die unmittelbare nördliche Begrenzung der Grap-
tolithenschiefer ist nicht sichtbar, dagegen findet man nördlich von dem mit
Graptolithenschiefern überlagerten Grünsteinfelsen nächst des erwähnten letzten
Hauses von Motol in einem kleinen Wassereinrisse ausserordentlich zerklüftete,
zum Theil steil aufgerichtete, meist verworren gelagerte Schiefer der Zahoraner
oder vielleicht Königshofer Schichten, die sich höher und nördlicher flacher
lagern und am höchsten Punkte der Entblössung von Grünsteinen bedeckt zu sein
scheinen. Jedenfalls deutet die Art der Lagerungsverhältnisse dieser Schiefer
Ueber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
61
[61]
auf eine gewaltsame Hebung und Schichtenstörung hin. Nordöstlich von diesem
Punkte, und nördlich von dem Motoler herrschaftlichen Maierhofe und
somit nördlich von der Colonie in einer Entfernung von ungefähr 200 Klaftern
von der letztem und durch bebaute Felder von derselben getrennt, erhebt sich ein
kleiner Hügel, an dem Brd a -S chichten (Bar. d2) anstehen, welche einStreichen
nach Stunde 5 (0. 15°N.) und ein Verflachen mit 30 Graden nach Süden besitzen.
Eine vollkommen deutliche Lagerung der Littener Schichten der Colonie zeigt
sich in dem Hohlwege, der ein paar hundert Klafter östlich von dem erwähnten
Maierhofe in nordöstlicher Richtung von der Poststrasse ablenkt. Man sieht
dsfselbst unmittelbar den Grünsteinen aufgelagert die Graptolithenschiefer der
Littener Schichten mit Kalksphäroiden und Kalkzwischenlagen nach Stunde 3
(N. 0.) streichen, und unter 20 Graden nach Nordwesten einfallen. Nördlich
davon sind Entblössungen von Quarziten sichtbar, die flach zu liegen scheinen.
Endlich stehen östlich von der bezeichneten Stelle und östlich vom Dorfe Motol
an der Poststrasse selbst durch grosse Steinbrüche entblösst wieder Quarzite der
Brda-Schichten an, welche nach Stunde 2 — 4 (N. 30° 0. — 0. 30° N.) streichen
und mit 30 — 60 Grad, überhaupt sehr steil, nach Südosten einfallen. Diese
Quarzite befinden sich bereits südlich von dem Zuge der Motoler Colonie.
Wir finden demnach bei Motol die colonialen Schichten nach Nord-
westen, und — wenn auch nicht in unmittelbarer Berührung — sowohl im
Norden als im Süden von der Colonie die Brda-Schichten nach Südwesten, respec-
tive nach Süden, einfallen, und überdies zwischen der Colonie und den nörd-
lichen Brda-Schichten die Zahoraner oder Königshofer Schichten in einer offenbar
gestörten Lagerung. Von einer concordanten Zwischenlagerung, über-
haupt von einer regelmässigenEinlagerung der „Colonie Motol“ zwischen
den untersilurischen Schichten kann demnach keine Rede sein, diediscordante
Lagerung der Littener Schichten der Colonie liefert vielmehr den sicheren
Beweis, dass dieselben in Folge einer Dislocation, und zwar höchst wahrschein-
lich auch in F olge einer Faltung der untersilurischen Schichten, in ihre abnorme
Lage gelangt sind und zwischen die letzteren eingekeilt wurden. Die „Colonie
Motol“, welche Jedermann zugänglich ist und von Jedermann besichtiget
werden kann, bietet daher dieselben Erscheinungen dar, wie die „Colonien“ an
der Südseite des böhmischen Silurbeckens und man ist desshalb berechtiget, auf
die „Colonie Motol“ dieselbe Erklärungsweise wie bei den südlichen Colonien
anzuwenden, das heisst, dieselbe als eine durch Dislocationen bewirkte
Einkeilung von echten Littener Schichten zwischen untersilu-
rische Schichten zu betrachten.
Zieht man nun nach dem Streichen der „Colonie Motol“ eine Linie, so ist
es, wie auch Herr Krejcf in seiner obenangeführten Abhandlung erwähnt.,
gewiss höchst bedeutungsvoll, dass die Verlängerung dieser Linie in nord-
östlicher Richtung genau in die „Bruska“ in Prag, wo die „Colonie Zippe“
verdeckt ist, fällt!! Das Terrain zwischen beiden Colonien ist grösstentheils von
Kreidebildungen überlagert und bebaut, daher, leider! der Verfolgung der Colonie
Motol in nordöstlicher Richtung ungünstig. Sollte es aber wirklich ein blosser
Zufall sein, dass die „Colonie Zippe“ genau in der nordöstlichen Fortsetzung
der „Colonie Motol“ liegt, oder darf man nicht vielmehr in diesem Umstande
einen causalen Zusammenhang beider Colonien erblicken? Ist es nicht mehr als
wahrscheinlich, dass — so wie an der Südseite des böhmischen Silurbeckens die
isolirten Colonien sich als Fortsetzungen derselben dislocirten Littener Schich-
ten erwiesen haben — in ähnlicher Art an der Nordseite desselben Beckens die
„Colonie Zippe“ die nordöstliche Fortsetzung der „Colonie Motol“ bilde?
62
M. V. Lipoid.
[62]
Fassen wir das rücksichtlich der „Colonie Zippe“ bisher Gesagte zusammen,
nämlich, dass deren „concordante und ursprüngliche Einlagerung“ in den
Zahoraner Schichten nicht erwiesen ist, dass dieselbe sich in einem durch Dis-
locationen der Schichten sehr gestörten Terrain befindet, dass sie in der
Nähe oder innerhalb einer an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens erkennt-
lichen Hebungsspalte auftritt, und dass sie endlich genau in der nordöstlichen Fort-
setzung der „Colonie Motol“ liegt, an deren durch Störungen in den Gebirgs-
schichten bewirkten abnormen Lagerung nicht gezweifelt werden kann; so werden
wir wohl nicht nur zu der Vermuthung, sondern zu dem Ausspruche der
grössten Wahrscheinlichkeit berechtiget, dass auch bei der „Colonie
Zippe“ eine gestörte Lagerung Statt finde und sich daher deren
Erscheinung, wie die Erscheinung der anderen Colonie n, als
eine blosse Dislocation der Littener Schichten erklären lassen
dürfte.
Ich bin zwar den letzteren Ausspruch, so wie Herr Bar ran de das Gegen-
theil davon, zu beweisen nicht in der Lage, da die „Colonie Zippe“, wie
bemerkt, einer Untersuchung nicht zugänglich ist, und weiss sehr wohl, dass man
meiner Anschauung die Eigentümlichkeiten, welche die „Colonie Zippe“
darbietet, entgegen stellen wird. Diese Eigentümlichkeiten muss ich desshalb
einer besonderen Kritik unterziehen.
Was nun vorerst die Eigentümlichkeit der „Colonie Zippe“ betrifft, dass sie
nur aus einer einzigen einige Zolle mächtigen Kalksteinlinse
bestehe, so glaube ich mit demselben Rechte, vermöge welchem Herr
Barrande obige Behauptung aufstellt, die Behauptung aufstellen zu dürfen, dass
diese Kalksteinlinse von Graptolithenschiefern umgeben und daher die „Colonie
Zippe“ aus Graptolithenschiefern mit einer Kalk^wischenlage, das
ist aus Bestandteilen der „Littener Schichten“ zusammengesetzt sei. Wir
haben eben beide die „Colonie Zippe“ niemals gesehen und die „Grauwacken-
schiefer“, welche nach Herrn Professor Zippe die Kalksteinschichte begrenzen,
können, wie ich schon oben bemerkte, eben so gut „Graptolithenschiefer“, als
„graugelbliche Schiefer*/5“, oder — wie Herr Barrande meint — „sehr glim-
merreiche Schiefer </4“ sein. Durch die obige Behauptung des Herrn Barrande
allein, ohne deren Beweis, kann daher meiner Anschauungsweise über die
„Colonie Zippe“ kein Abbruch geschehen, vielmehr gewinnt letztere wenigstens
einigen Anhaltspunkt in dem Umstande, dass die „Colonie Motol“ ebenfalls Kalk-
steinschichten in Zwischenlagerung mit Graptolithenschiefern führt und die
Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass die „Colonie Zippe“ nur die nord-
östliche Fortsetzung der „Colonie Motol“ sei.
DieselbeBewandtniss hat es mit der anderenEigenthümlichkeitder „Colonie
Zippe“, dass sie nämlich nicht wie die Colonien am Südrande des Beckens in den
Königshofer und Kossower Schichten, sondern in den ZahofanerSchichten
auftritt. Sie ist eben nicht mit voller Sicherheit erwiesen. Uebrigens enthielte
diese Eigenthümlichkeit, auch wenn sie erwiesen wäre, nichts Ueberraschendes
für den Fall, dass man die Lagerung der „Colonie Zippe“ als Folge einer
Schichtenstörung betrachtet, da man es sich ganz wohl vorstellen kann, dass bei
einer gewaltsamen Hebung der Schichten, wodurch die. Littener Schichten
zerissen und die tieferen untersilurischen Schichten an den Tag gebracht wurden,
ein Theil der Littener Schichten auch zwischen Zahoraner Schichten eingekeilt
worden sei. Hingegen muss ich bemerken, dass, wenn das Auftreten der
„Colonie Zippe“ in den Zahoraner Schichten als festgestellt angenommen
wird, und man zur Erklärung dieser Erscheinung die Theorie des Herrn Bar-
Heber Herrn Barrande’s „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
63
[63]
ran de in Anwendung bringt, sich dieser Erklärungsart der „Colonie Zippe“
sämmtliche Bedenken, welche ich gegen diese Theorie bei Beurtheilung der
Colonien an der Südseite des Silurbeckens namhaft machte, mit verdoppelter
Wucht entgegenstellen; um so mehr, da diese Erscheinung, nachdem auch
die an der Nordseite des Beckens befindliche „Colonie Motol“ sich , wie die
Colonien an der Südseite des Beckens, einfach als blosse Folge einer Dislocation
erklären lässt, in dem ganzen böhmischen Silurbecken als vollkom-
men vereinzelt dastehen würde. Es bedürfte in der That sehr über-
zeugender Beweismittel, um den Glauben zu rechtfertigen, dass eine Ein-
wanderung einer ob' ersilu rischen Fauna zu einer Zeit, wo die Ablagerung
der untersilurischen Schichten noch bei weitem nicht abgeschlossen war,
nur in ein so beschränktes Terrain, wie jenes an der Bruska, Statt gefun-
den habe.
Auch die wichtigste Eigentümlichkeit der „Colonie Zippe“ endlich, jene
nämlich, dass in ihr eine Mengung der obersilu rischen mit der untersilu-
rischen Fauna vorgefunden wird, besitzt eben so wenig eine Beweiskraft für
die Theorie des Herrn Barrande, als sie der gegenteiligen Ansicht entgegen-
steht.
Vor Allem muss ich wiederholen, dass, wie uns Herr Barr and e belehrt,
die vier Species der untersilurischen Fauna, welche die „Colonie
Zippe“ lieferte, zu den verbreitetsten der Etage D gehören und sämmt-
lich auch in den obersten Lagen db dieser Etage Vorkommen, somit auch am
Schlüsse der untersilurischen Ablagerungen oder unmittelbar vor
d em Beginne der obersilurischen Ablagerungen gelebt haben. Folgen wir
nun der sehr einleuchtend mit Thatsachen begründeten Ansicht des Herrn Pro-
fessors E. Suess, dass die untersilurischen Schichten in einem seichten,
und die obersilurischen in einem tiefen Meere abgelagert wurden, dass
demnach gegen den Schluss der untersilurischen und bei Beginn der obersilu-
rischen Ablagerungen eine Senkung des Meeresgrundes gegen die Mitte des
Beckens Statt fand, so erscheint es gewiss als etwas ganz Natürliches, wenn
man voraussetzt, dass einige wenige der verbreitetsten und noch lebenden
Formen der untersilurischen Fauna sich mit den gewöhnlichsten und zuerst
aufgetretenen Formen der obersilurischen Fauna vermengt haben und eben
an den Rändern der obersilurischen Ablagerungen vermischt und gemeinsam
in den Niederschlägen vergraben wurden. Braucht man also zur Erklärung der
Mengung der berührten zwei Faunen der Hypothese einer „Einwanderung aus
fremden Meeren?“ Konnte eine solche Mengung gerade nur bei einer eingewan-
derten „Colonie“ Statt haben? Keineswegs! Diese Mengung der beiden Faunen
erscheint eben so einleuchtend und erklärlich an den Rändern der untersilu-
rischen und obersilurischen Ablagerungen überhaupt. Diese ursprünglichen
„Ränder“ der obersilurischen Schichten sind nun freilich im böhmischen Silur-
becken theils nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lage, theils zerstört worden.
Die Ränder der obersilurischen Schichten wurden nämlich, wie uns die
Erfahrung lehrt, durch Hebungen des Terrains, durch Faltungen der Schichten,
von der Hauptmasse der obersilurischen Schichten losgerissen und als isolirte
Partien (Colonien) zwischen untersilurische Schichten eingekeilt. Und ein
solcher von der Hauptmasse der obersilurischen Schichten durch Dislocationen
losgerissener und zwischen untersilurische Schichten eingekeilter „Rand“ der
obersilurischen Schichten ist meines Erachtens — die „Colonie Zippe“. — Bei
dieser wenigstens sehr wahrscheinlichen und ohne einer neuen Theorie
ganz gut erklärbaren Annahme lässt sich auch die höchst auffallende Erschei-
64
M. V. Lipoid.
[64]
nung, dass man an den ohne Berücksichtigung der „Colonien“ sichtbaren gegen-
wärtigen Rändern der obersilurischen Ablagerungen, in deren Schichten bisher
nirgends eine Mengung der ober- mit der untersilurischen Fauna wahrgenommen
hat, sehr wohl begreifen, denn vermöge obiger Annahme sind die gegenwär-
tigen Ränder der obersilurischen Ablagerung nicht mehr die ursprünglichen
Ränder derselben, sondern Ausgehende von Niederschlägen, die mehr gegen das
Innere des Beckens erfolgten, wo eine Mengung der Faunen nicht mehr Platz
griff. Dass man eine Mengung der ober- und untersilurischen Fauna bisher nur
bei der „Colonie Zippe“ und nicht auch bei den anderen Colonien vorfand, mag
wohl darin seinen Grund haben, dass diese Colonie vermöge ihrer localen Lage
gegen spätere Zerstörung am meisten geschützt war und uns noch einen Theil
des ehemaligen äussersten Randes der obersilurischen Schichten unversehrt auf-
bewahrt hat, während die übrigen offenliegenden und der Verwitterung und
Zerstörung preisgegebenen „Colonien“ ihren äussersten Rand schon längst
eingebüsst haben mögen. Indessen würde es nach Obigem Niemanden Wunder
nehmen können, wenn auch bei den übrigen „Colonien“ solche Mengungen der
ober- und untersilurischen Fauna, wie bei der „Colonie Zippe“, yorgefunden
würden, und nach meiner Ansicht bietet die „Colonie Motol“ die grösste Aussicht
dar zur Auffindung ähnlicher Mengungen der Faunen in den Kalksteinen der-
selben. Dass Herr Barrande die Fossilien des böhmischen Silurbeckens gewiss
im weitesten Umfange und im grössten Maassstabe ausgebeutet hat, schliesst die
Möglichkeit einer solchen Auffindung wohl nicht aus; sind ihm doch selbst erst
nach Verlauf von 16 Jahren Fossilien, die er als „den Colonien eigenthümlich“
betrachten musste, auch aus den normal gelagerten Littener Schichten bekannt
geworden.
Recapituliren wir nun in Kürze dasjenige, was ich im Vorhergehenden über
die Colonien an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens erörtert habe, so ’
ergibt sich aus den vorliegenden mitgetheilten Thatsachen, dass von den an der
Nordseite des erwähnten Beckens bisher bekannten Colonien „Motol“ und
„Zippe“, die „Colonie Motol“ ganz bestimmt, die „Colonie Zippe“ dagegen
höchst wahrscheinlich dieselben Erscheinungen darbieten, wie die Colonien an
der Südseite des böhmischen Silurbeckens, und dass daher die „Colonie
Motol“ zweifellos, die „Colonie Zippe“ dagegen höchst wahr-
scheinlich bl os aus „Littener Schichten“ bestehe, welche durch
Dislo cationen aus ihrer ursprünglichen Lagerung gebracht
wurden und dadurch zwischen untersilur ischeSchichten gelangt
sind.
Schlusswort.
Hiemit habe ich mich des Auftrages entlediget, welcher mir, wie ich im
„Vorworte“ angezeigt habe, von meinem hochverehrten Herrn Director zu Theil
geworden ist. Ich habe hiebei meine Ansichten über die „Colonien“ des böhmi-
schen Silurbeckens als Resultate dargestellt, wie sich dieselben aus That-
sachen, bezüglich aus Lagerungsverhältnissen, ergeben haben, welche ich selbst
beobachtete. Ich habe diese Th atsachen genau so bekannt gegeben, wie ich
sie erhoben habe und wie ich sie auffasste. Ich habe endlich die Localitäten
namhaft gemacht und möglichst genau beschrieben, wo ich die erwähnten
Ueber Herrn Barrande’s , Kolonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
65
[•*]
Thatsachen beobachtet habe. Weit entfernt davon, für meine Person eine abso-
lute Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen zu wollen, darf ich dennoch hoffen, dass
die bezeichneten Thatsachen auch von anderen Geologen in derselben Weise,
wie von mir, werden aufgefasst werden. Den Schlüssen und Folgerungen, welche
ich aus den erhobenen Thatsachen zog, Anhang und Geltung zu verschaffen, liegt
weder in meiner Gewalt noch in dem Zwecke, den ich mit dieser Abhandlung
verfolgte. Es wird mich sehr erfreuen, wenn gewiegte Geologen sich den von
mir entwickelten Ansichten anschliessen , aber ich wünsche und erwarte eine
solche Beistimmung keineswegs auf meine Autorität hin, sondern auf Grundlage
der von mir namhaft gemachten Thatsachen, deren Untersuchung und Beurtei-
lung Jedermann offen steht.
Wenn ich dem noch einige Worte beifüge , so geschieht es , um die
eigentümliche Stellung zu bezeichnen , in welcher ich mich in der Frage
über die „Colonien“ Herrn Barrande gegenüber befand. Einerseits zwar kein
Paläontologe vom Fach, aber fest überzeugt von der Wichtigkeit der paläonto-
logischen Forschungen und von dem unermesslichen Nutzen, den dieselben den
geologischen Untersuchungen gewähren, andererseits jedoch die Zulässigkeit der
Bestimmung des Alters einer Gebirgsschichte aus den blossen Fossilresten, die
sie enthält, nur dann anerkennend, wenn die Altersfolge der Fossilreste selbst
vorher aus klaren Lagerungsverhältnissen der Schichten festgestellt wurde, —
war es mir gelungen , schon in dem ersten Sommer der Aufnahmen der k. k.
geologischen Beichsanstalt im Jahre 1850, stratigraphisch die Auflagerung der
gegenwärtig von uns so genannten Adnether Schichten (Lias), auf unsere gegen-
wärtigen KÖssener Schichten nachzuweisen *), während mehrere Localitäten der
letzteren, noch in Herrn Bergrath von Hauer’s Berichte „Ober die geognosti-
schen Verhältnisse des Nordabhanges der nordöstlichen Alpen zwischen Wien
und Salzburg“ als jünger, als unterer Oolith , aus paläontologischen Gründen
betrachtet wurden 2). Bei der Frage über die „Colonien“ befand ich mich
gerade in der entgegengesetzten Lage. Bekanntlich war es Herr Barrande,
welcher die Reihenfolge der Schichten des böhmischen Silurbeekens zuerst genau
eonstatirte, und uns die für jedes Terrain charakteristischen Fossilreste kennen
lehrte. In meinen Erörterungen über die „Colonien“ dieses Beckens war ich nun
bemüssigt, die von Herrn Bar rande selbst aufgestellte auf Lagerungsverhält-
nisse und auf Fossilreste basirte Reihenfolge der Schichten gegen ihn selbst
in so fern in Schutz zu nehmen, dass ich die Unzulässigkeit von Ausnahmen
von dieser Reihenfolge und zwar wieder aus den Lagerungsverhältnissen darzu-
thun suchte. Ist es mir nun gelungen, die Ueberzeugung von der Richtigkeit der
Ansichten über die Erscheinung der „Colonien“, wie solche schon von E. Forbes
vermuthet, von Herrn Bayle ausgesprochen 3), von Herrn Director J. Krejci
zuerst thatsächlich nachgewiesen, und von mir erörtert wurden, anzubahnen und
vollends zur Geltung zu bringen, so haben Herr Krejci und ich hiedurch im
Grunde zu dem glänzendsten Siege beigetragen, welchen Herr Barrande gegen
sich selbst und die Anhänger seiner Theorie über die „Colonien“ erfochten hat.
Denn ein Sieg ist es gewiss, wenn die von Herrn Bar rande angegebene Reihen-
folge der Schichten und die für jede Schichtengruppe bestimmte Fauna als uner-
schütterlich und ausnahmslos erkannt wird, und die durch die Theorie des
Herrn Barrande über die „Colonien“ jedenfalls in ihrer Geltung gefährdete
!) Jahrbuch der k. k. geologischen ReichsanstaR. I. 1850. S. 661.
2) Jahrbuch u. s. w. I. 1850. S. 39 u. 40.
3) Bull, de la Soc. Geol. de France. A. a. 0. S. 603.
K. k. geologische Reichsaiistalt. 12, Band, 1861 und 1862. 1. lieft.
9
66
M. V. Lipoid. Ueber Herrn Barrande's „Colonien“ in der Silur-Formation Böhmens.
[66]
Fauna wieder in ihre vollen Rechte eintritt. Dadurch ist, so hofFe ich, die Aner-
kennung der grossen Ergebnisse der Barrande’schen Forschungen in der
paläontologischen Charakterisirung der Schichten für immer gewonnen.
Die „Colonien“ und die tiefsten Schichten der Etage E des Herrn Barrande
stimmen lithologisch und paläontologisch vollkommen mit einander überein.
Man würde bei Annahme der Theorie des Herrn Barrande, wenn man z. B. auf
eine Partie von Schiefern mit Graptolithen träfe, deren umgebende Gesteine
nicht sichtbar sind, nie wissen, ob man bereits in der Etage JE, oder noch in der
Etage D sei. Ganz anders ist es nun wo der Beweis der Schichtenstörungen
durchgeführt ist; man weiss im obigen Falle ganz bestimmt, dass man es mit
obersilurischen Schichten zu thun hat und weiss, wenn fremdartige Schichten
mit denselben auftreten, dass an der betreffenden Stelle Störungen der Schichten
Statt gehabt haben.
Im Ganzen darf ich wohl die vorhergehende Auseinandersetzung, wenn ich
mich auch in der Theorie der Colonien ihm nicht anschliessen konnte, doch in
der weit wichtigeren Charakterisirung der Aufeinanderfolge der silurischen
Schichten als eine wahre Huldigung dem Forschungsgeiste und der Beharrlich-
keit des grossen Geologen und Paläontologen Joachim Barrande dargebracht
bezeichnen.
Die Aufeinanderfolge der Barrande’schen Schichten-Systeme, die Auf-
einanderfolge seiner Faunen hat sich glänzend bewährt, aber ohne Unterbre-
chung durch „Colonien“, deren Nichtexistenz in dem böhmischen Silurgebirge
ich in den wichtigsten Beispielen hinlänglich nachgewiesen zu haben glaube,
und wofür die zahlreichen Beweise, noch fortwährend der Beobachtung offen, am
Tage liegen.
Inhalt.
Seite
Vorwort 1
Einleitung 4
A. Beschreibung der Colonien an der Südseite des böhmischen Silurbeckens 10
Colonie „Krejci“ 11
„ „Haidinger“ 13
„ „Radotin“ 16
„ „Kosor 18
Colonien „Cernositz“ 18
Colonie „Wonoklas“ 20
Colonien „Karlik“ 20
„ „Treban“ 21
„ „Bel ec“ 24
Colonie „Korno“ 27
B. Erklärung der Erscheinung der Colonien an der Südseite des böhmischen Silur-
beckens. 30
a) Aus den Lagerungsverhältnissen 30
h) Nach Herrn Barrande’s Theorie 40
C. Colonien an der Nordseite des böhmischen Silurbeckens 33
Schlusswort 64
Tarn
t’rofih»
Co lo nie //aif/inat
Cofonte J, Yrrjr
" ' ü ^
Situationsplan und geologische Karte
über dio Barrandc ’sclicn. C olonirn
'HAdrailCEIl.unrKREJCI „
Grofs Kulirl
/Irr Silnrforniuüon Böhmens .
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/fasm/tucr Sr/i/r/ttm
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Berffra/h
(jrv/oy. /irir/tsan s/tif/ X //. Beim/ ///<•/? .
I
Karl Ritter von flauer. Arbeiten in dem chemischen Laboratorium.
87
II. Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k.
geologischen Reichsanstalt.
Von Karl Ritter v. Hauer.
1) Cokes aus der hiesigen Gasanstalt.
Aschengehalt in 100 Theilen
Reducirte Gewichtstheile Blei
Wärme-Einheiten
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner
7-3
ll-lool Mittel 29 85
7*75
2) Kohlen von Wilkischen im Pilsner-Kreis. Eingesendet von Herrn
Obermayer.
a. bessere, b. mindere Sorte.
a. b.
Wasser in 100 Theilen 4-9 6-5
Asche in 100 Theilen 13-0 21*8
Cokes in 100 Theilen 64-0 backt schlecht
Reducirte Gewichtstheile Blei
28-85
21 60
Wärme-Einheiten
6520
4881
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner..
8-0
10-7
3) Kohlenmuster. Eingesendet von
Herrn Obermay
er.
i.
ii.
hi.
IV.
Bfas.
Littiz.
Ober-Stupno.
Wasser in 100 Theilen
14-4
2-4
5-5
15-9
Asche in 100 Theilen
5-6
5-3
2-3
Reducirte Gewichtstheile Blei
22-20
27-80
25-00
21-85
Wärme-Einheiten
5017
6282
5650
4938
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. . 10 -4
8-3
9-2
10-6
4) Kalksteine aus der Umgegend von Wien. Uebergeben von Herrn Bergrath
Lipoid.
/
In Säuren
unlöslich
Kohlen-
saurer Kalk
Kohlensäure
Magnesia
/Waldmühle, südliches Gehänge, unterste Lage .
21
83-2
14-7
" n n 2. Lage
2-6
94-9
2-5
q
i n » n w
5-0
94-0
1-0
* 1
4
1 » w w »
25-2
71-9
2-9
0)
1 5
1 w » n
4-4
95-7
—
CJ
tp
p /
1 « » n 6. „
2-0
97-0
1-0
'nächst der Waldmühle
1-5
98-0
0-5
JV \
V 9, » „ 2. Lage
3-1
95-9 ’
1-0
a>
1 » n n ^ »
2-3
98-2
—
"ö:
1 » n n 4. n
8-3
911
0-6
S4 J
[im Petersdorfer Revier
5-4
91-5
3-1
' Kuppe im Petersdorfer Revier
5-3
93-4
1-3
östlich von Stummer’s Gasthaus
0-7
56-5
42-8
2-7
53-4
9 *
43-9
68
Karl Ritter von Haner.
5) Wasser von den Quellen bei Mauer. Eingesendet von der Besitzerin,
Frau Giacomozzi. (Vergl. Verh. der k. k. geologischen Reichsanstalt. Sitzung
vom 30. April 1861, S. 56.)
I. Quelle. Es ist dies jene wasserreichere Quelle, welche seitwärts des
grossen Bassins entspringt, und die Hauptmenge zur Füllung desselben liefert.
Ein Pfund Wasser = 7680 Gran ergab folgenden Inhalt:
0*100 Gran kohlens. Eisenoxydul,
2*657 „ „ Kalk,
0*445 „ „ Magnesia,
0*485 „ Schwefels. Kalk,
2*432 „ „ Magnesia,
0.400 „ „ Natron,
0*012 „ Chlornatrium,
0*029 „ Kieselerde,
6*560 Gran Summe der fixen Bestandteile,
1*439 „ 2. Aequivalent Kohlensäure der kohlensauren Salze,
0*632 „ freie Kohlensäure,
8*631 Gran Summe aller Bestandtheile.
II. Eisenquelle. Ein Pfund = 7680 Gran enthält:
0*604 Gran kohlens. Eisenoxydul,
2*328 „ „ Kalk,
0*218 „ „ Magnesia,
2-367 „ Schwefels. Kalk,
1*315 „ „ Magnesia,
0*288 „ „ Natron mit einer Spur Kali.
0*039 „ Chlornatrium,
0.053 „ Kieselerde,
7*212 Gran Summe der fixen Bestandtheile,
1*367 „ 2. Aequivalent Kohlensäure,
0*765 ,, freie Kohlensäure,
9*344 Gran Summe aller Bestandtheile.
6) Braunkohle von Viehdorf im Erzherzogthum Oesterreich u. d. Enns. Ein-
gesendet von Meissei und Comp.
Wasser in 100 Theilen 7*6
Asche in 100 Theilen . 14*5
Reducirte Gewichtstheile Blei 15*80
Wärme-Einheiten 3770
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 14*7
7) Kohlenmuster. Eingesendet vom hiesigen k. k. Verpflegsmagazin.
1. von Thallern, 2. vonPodgorze, 3. von Jaworzno, 4. von eben daher.
1.
Wasser in 100 Theilen 18*6
Asche in 100 Theilen 16*2
Reducirte Gewichtstheile Blei 15*52
Wärme-Einheiten 3508
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. . 14*9
8) Steinkohlen von Schwadowitz in Böhmen. Zur Untersuchung übergeben
von Sr. Durchlaucht dem Prinzen zu Schaum bürg -Lippe.
1.
2.
3.
4.
18*6
14*3
15*0
15*6
16*2
7*3
6*5
3 5
15*52
20*55
20*70
20*50
3508
4644
4678
4633
14*9
11*3
11*2
11*3
Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt.
69
Benigneflötz, am Ausgehenden
„ tiefere Sohle . . .
Hauptflötz, unterer Lauf
» oberer „
Liegendes Flötz
4. Aaveryflötz
4. „
7. „
8. „
9. „ .
2. „
5. „
4. „
Lettenflötz, 6. Lauf
» 2. „
Cokes aus Rohkohle ] -kt c> a
von JNr. b und
13 gemischt
Wasser in 100
Theilen
Asche in 100
Theilen
Reducirte Ge-
wichtstheile Blei
Wärme-Einheiten
Aequivalent einer
Klafter 30" wei-
chen Holzes sind
Centner
2*5
24*9
20*60
4655
11*2
2*7
10-7
24*40
5514
9*5
2*9
16*7
22*80
5152
10*2
2*0
19*8
22*00
4972
10*5
1*9
10*9
23*20
5243
10*0
3*7
4*2
28*33
6407
8*2
1*6
16*6
22*25
5028
10*4
0*8
4-8
27*35
6181
8*4
1*4
2*7
28*90
6531
8*0
1*5
3*9
27*85
6294
8*3
0*9
7*7
24*15
5458
9*6
1*6
2*7
27*30
6169
8*5
2*1
3*4
27*60
6237
8*4
1*4
7*2
26*55
6000
8*7
2*0
12*3
25*00
5650
9*2
14*8
24*40
5514
9*5
7*0
24*40
5514
9*5
24*2
21*90
4949
10*9
9) Wasser des Säuerlings von Suliguli bei Visso in der Marmarosch. Einge-
sendet yon der k. k. Berg-Direction in Marmarosch-Szigeth.
In 1 Pfund = 7680 Gran sind enthalten:
7*142
Gran
Chlornatrium,
13*814
V
kohlens. Natron,
0*491
99
„ Eisenoxydul,
7*495
99
„ Kalk,
5*660
99
„ Magnesia,
0*023
99
Thonerde,
1*382
99
Kieselerde,
25*704
99
halb und ganz freie Kohlensäure,
Spuren von schwefelsaurem und Jod-Natrium,
61 *721 Gran, Summe aller Bestandtheile.
10) Glanzkohle. Eingesendet von der Gewerkschaft Radimsky in Brunn bei
Gleinstetten in Steiermark.
Wasser in 100 Theilen •. , . , 9-0
Asche in 100 Theilen 5*1
Reducirte Gewichtstheile Blei 22*00
Wärme-Einheiten , 4972
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. .......... 10*5
11) Graphit. Eingesendet von Herrn Anton Merkel.
Ungeschlämmter 74*2 Proeent Asche.
Geschlämmter 52*9 „
Ungeschlämmter ,80*3 „ „
12) Roheisensorten. Eingesendet von der fürstlich Schwarzen berg-
schen Werks-Direction zu Murau in Steiermark.
Nr. I enthielt
„ II „
{
{
3*32 Procent Kohle,
0*72 „ Kieselerde,
3*89 „ Kohle,
1*00 „ Kieselerde,
70
Karl Ritter von Hauer.
Nr. III enthielt
(5*00 Procent
\ 0-51 „
Kohle,
Kieselerde,
„ TV w
1 3-66 „
Kohle,
} 0*41 „
Kieselerde.
v
f 3-94 „
Kohle,
99 f 99
\ 0*62
Kieselerde.
13) Triaskohle von Cludinico nächst Ovaro im Canal di Comeglians, nördlich
von Villa bei Tolmezzo. Eingesendet von Herrn k. k. Bergrath Foetterle.
I.
II.
III.
IV.
Wasser in 100 Theilen
. 0*7
0*4
1*6
0*7
Asche in 100 Theilen
. 7*7
19*6
23-7
15-6
Reducirte Gewichtstheile Blei
28*50
23-50
23-35
25-60
Wärme-Einheiten
6441
5311
5277
5785
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner .
8*1
9*8
9-9
90
Eine Durchschnittsprohe auf Cokes gab in 100 Theilen = 80 Theile gut
gebackene Cokes.
14) Braunkohlen von Ovar im Neograder Comitate bei ßalassa-Gyarmäth.
Eingesendet von der Frau Gräfin Eleonora Forgäch, geb. Gräfin Gyarkv
v. Losonz.
Wassergehalt in 100 Theilen 20-1
Asche in 100 Theilen 1*8
Reducirte Gewichtstheile Blei 20-00
Wärme-Einheiten 4520
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 11 -6
Die Kohle backt ziemlich gut, da sie bituminös ist, ein Umstand, der bei
dieser Kohle als Braunkohle Beachtung verdient.
13) Braunstein von Mährisch-Trübau. Eingesendet von Frau Anna Wenisch
in Mährisch-Trübau.
100 Theile enthielten:
85-8 Procent Mangan-Superoxyd.
16) Kalksteine von St. Ivan bei Ofen. Eingesendet vom Kohlenwerke zu
St. Ivan.
100 Theile enthielten:
Köhlens. Kalk 99*9 97-9 96-8
„ Magnesia 1*1 21 3-2
17) Erz aus Moldava. Eingesendet vom Bergwerksbesitzer Herrn Karl Klein.
Dasselbe besteht aus einem Gemenge von Bleiglanz, Kupferkies und Braun-
eisenstein und enthält :
30-8 Procent Blei,
5-2 „ Kupfer.
18) Braunkohle von Berszaszka in der Militärgrenze. Eingesendet von Herrn
Michael Fuchs, Schichtmeister in Berszaszka.
Wasser in 100 Theilen 16*6
Asche in 100 Theilen 2*8
Reducirte Gewichtstheile Blei 20*05
Wärme-Einheiten 4531
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 11*6
19) Briquette-Cylinder erzeugt aus Fiinfkirehner Kohle. Eingesendet von
Herrn Sauerländer in Wien.
Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt.
71
Wassergehalt in 100 Theilen j • 1
Asche in 100 Theilen 10*4
Schwefel in 100 Theilen . 0-4
Reducirte Gewichtstheile Blei 28’10
Wärme-Einheiten 6250
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 8*3
20) Braunkohlen von Scardona (1. 2.), Sebenico (3. 4.), und Albona
(3. 6.). Eingesendet von k. k. Marine-Ober-Commando.
1. 2. 3. 4. 5. 6.
Wasser in 100 Theilen 13*5 12*5 0*4 1*1 1-8 1-9
Asche in 100 Theilen 24*9 31*0 13-4 10-7 16*0 15*3
Cokes in 100 Theilen — — 49*7 50*0 52*5 52*0
Reducirte Gewichtstheile Blei 13*30 12*80 21*80 22*30 20*75 21*05
Wärme-Einheiten 3005 2892 4926 5039 4689 4757
Aequival. einer 30" Klft. weichen Holzes sind Ctr. 17*4 18*1 10*6 10*4 11*1 11*0
21) Erze und Kohlenproben aus der Militärgrenze. Eingesendet von Herrn
Karl Klein, Bergwerksbesitzer in Wien.
I. Brauneisensteine. 100 Theile enthielten (ungeröstet) :
66*2
61*2
62*6
44*7
Dies entspricht einem Gehalte an metallischem Eisen:
1. 46*3 Procent Eisen. I 3. 43*8 Procent Eisen.
2. 42*18 „ I 4. 31*2 „
Procent Eisenoxyd.
Banat, Neu-Moldava aus dem Griechen-Male
II. Silberhaltige Bleiglanze.
1. ( (0*10\
2. \ \0*05/
3. < Banat, Neu-Moldava, Freischurf, Erzbach. <0*16) Procent Silber.
4. i 0*15l
5. { V0*10)
III. Steinkohlen von der Banater-Militärgrenze, Berszaszka.
1. Grube Kosla, Barbarastollen
2. Mittellaufstollen, oberster Abbau,
Horizont
3. Grube Kamenitza, aus dem 2. Lauf des
Wetterschachtes
4. Grube Kosla, Barbarastollen
5. Kohlenschiefer
6.
10. 1. Lauf des Coronini -Schachtes,
nördliches Auslängen
11. Grube Kamenitza, Karl-Zubau ........
12. Hangend-Flötz
13. Grube Kosla, Coronini-Zubau
14. Grube Kamenitza, Karl-Zubau, südliches
Auslängen
15. Grube Kosla, 1. Lauf des Coronini Wetter-
schachtes
16* Coronini-Zubau, nördl. Auslängen.
17. Grube Kamenitza, Magdalena-Stollen . .
Wasser Asche Reducirte
in 100 in 100 Gewiehts-
Theilen Theilen theile Blei
0*7 11 * 1 25*75
0*6 11*0 26*15
0*3 6*3 29*35
0*4 6*9 25*65
0*6 42*0 16*45
0*8 41*1 16*40
1*3 48*9 13*70
0*9 43*8 16*10
1*1 38*2 17*25
0*6 14*7 24*95
0*2 5*2 28*30
0*1 9*5 29*75
0*2 7*7 27*75
0*2 16*5 25*60
0*4 10*5 27*00
1*6 13*8 25*40
0*3 8*9 28*20
Aequivalent einer
Wärme- 30" Klafter wei-
Einheiten chen Holzes sind
5819
Centner
9*0
5909
8*8
6633
7*9
5796
9*0
3717
14*1
3706
14*1
3116
16*8
3638
14*4
3898
13*4
5638
9*3
6723
8*2
6723
7*8
6271
8*3
5785
9*0
6102
8*6
5740
91
6373
8*2
72
Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien. Gebirgsarten, Petrefacten u. s. «r.
III. Verzeichnis der an die k. k. geologische Reichsanstalt
gelangten Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petre-
facten u. s. w.
Vom 1. Jänner bis 31. December 1861.
1) 4. Jänner. 1 Kistchen, 15 Pfund. Von der k. k. Gymnasial-Direction in
Troppau. Gebirgsgesteinsarten.
2) 1. Februar. 1 Kiste, 600 Pfund. Von Herrn Ed. Kleszczynski, Berg-
ingenieur der k. k. pr. Nordbahngesellscliaft. Cokes von Ostrau. (Siehe Verhand-
lungen. Sitzung am 26. Februar 1861. S. 19.)
3) 18. Februar. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn S. Fichtner in Atzgers-
dorf. Fossile Thierknochen. (Verhandlung. Sitzung vom 26. Februar 1861. S. 22.)
4) 8. April. 1 Kistchen, 4 Pfund, 24 Loth. Von Herrn Joseph Leinmüller,
k. k. Bauassistenten in Gurkfeld. Mineralien und fossile Fischreste. (Verhand-
lungen. Sitzung am 16. April. S. 53.)
5) 17. April. 1 Kiste, 50!/2 Pfund. Von Herrn Riesen ha mm er, Arsenik-
und Kupferwerksbesitzer zu Königinhof in Böhmen. Mineralien und Erze.
6) 24. April. 2 Schachteln, 25 Pfund. Von Herrn Letocha, k. k. Kriegs-
commissär. Pflanzenabdrücke und Versteinerungen von Breitensee und Speising.
(Verhandlungen. Sitzung am 30. April. S. 63.)
7) 30. April. 2 Kisten, 139,/2 Pfund. Von Herrn Zu lieh, k. k. Bezirks-
hauptmann in Cattaro. Versteinerungen.
8) 2. Mai. 1 Kiste, 166 Pfund. Von Herrn Ritter von Schwabenau, k. k.
Hofrath, in Oedenburg. Versteinerungen. (Verhandlungen. Sitzung am 28. Mai.
S. 67.)
9) 2. Mai. 1 Stück, 4 Loth. Von Herrn Ingenieur Quaglio, durch Herrn
Karl Ritter von Hauer. Haüynfels von Ditro in Siebenbürgen. (Verhandlungen.
Sitzung am 28. Mai. S. 64.)
10) 15. Mai. 1 Schachtel, 4 Pfund. Von Herrn Vincenz Forcher in Ain-
bach bei Knittelfeld. Foreherit. (Verhandlungen. Sitzung am 28. Mai. S. 65.)
11) 14. Juni. 1 Kistchen, 18 Pfund. Von Herrn Ingenieur August v. Makaj,
in Grosswardein. Braunkohlen zur chemischen Untersuchung. (Verhandlungen.
Bericht vom 30. Juni. S. 74.)
12) 18. Juni. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn Sapetza in Neutitschein.
Mineralien. (Verhandlungen. Bericht vom 30. Juni. S. 74.)
13) 18. Juni. 1 Packet, 5 Pfund 10 Loth. Vom k. k. General-Commando in
Lemberg. Braunkohlen aus der Gottessegen-Grube zu Glinsko. Zur chemischen
Untersuchung.
14) 19. Juni. 1 Kistchen, 19 Pfund. Von der k. k. Berghauptmannschaft in
Klagenfurt. Braunkohlen zur chemischen Untersuchung.
15) 19. Juni. 1 Kistchen, 2 Pfund 4 Loth. Von Herrn Miorini v. Seben-
tenberg, in Warasdin. Bleiglanz zur chemischen Untersuchung.
Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. vv.
73
16) 10. Juli. 1 Kiste, 73 Pfund. Von Herrn Dr. Ferd. Müller in Melbourne,
durch den k. k. Professor Herrn Dr. v. Hochstetter. Versteinerungen. (Verhand-
lungen. Bericht vom 31. Juli. S. 80.)
17) 12. Juli. 2 Kistchen, 62 Pfund. Vom k. k. Marine-Obercommando in
Triest. Fossile Kohlen zur chemischen Untersuchung.
18) 18. Juli. 1 Kistchen, 18 Pfund. Von Herrn Pfarrer Marys ka in Lieb-
stadt. Versteinerungen. (Verhandlungen. Bericht vom 31. Juli. S. 80.)
19) 27. Juli. 1 Schachtel, 6 Loth. Von Herrn M. Po llak in Agram. Zinno-
bererze.
20) 9. August. 1 Kistchen, 28 Pfund 12 Loth. Von Herrn F. Schott, k. k.
Bergmeister in Jaworzno. Mineralien. (Verhandlungen. Bericht vom 31. August.
S. 85.)
21) 10. August. 1 Kiste und 1 Schachtel, 135 Pfund. Von Herrn Sapetza
in Neutitschein. Mineralien. (Verhandlungen. Bericht vom 31. August. S. 86.)
22) 16. August. 1 Kistchen, 3 Pfund. Von Herrn Professor Dr. A. Breit-
haupt zu Freiberg in Sachsen. Mineralien. (Verhandlungen. Bericht vom
31. August. S. 86.)
23) 23. August. 1 Kistchen, 6 Pfund 2 Loth. Von Herrn Baron von Merck
in Hamburg. Mineralien. (Verhandlungen. Bericht vom 31. August. S. 86.)
24) 26. September. 2 Kisten, 189 Pfund. Von Herrn Dr. Müller zu Mel-
bourne in Australien. Mineralien.
25) 1. October. 1 Kiste, 165 Pfund. Von Herrn K. Feistmantel, Hütten-
meister zu Bras bei Rokitzan. Fossile Pflanzenreste aus dem Radnitzer Steinkohlen-
becken.
26) 8. October. 3 Packete, 30 Pfund. Von Herrn Boucher de Perthes
in Abbeville. Versteinerungen, Antiquitäten u. s. w. (Verhandlungen. Sitzung vom
19. November. S. 103.)
27) 8. October. 2 Kisten, 181 Pfund. Von den Herren Director J. Krejcf
und Custos Dr. J. Fritsch in Prag. Versteinerungen aus der böhmischen Silur-
formation. (Verhandlungen. Sitzung vom 17. December. S. 127.)
28) 10. October. 1 Kistchen, 36 Pfund. Von der k. k. Schwefelwerks-Ver-
waltung in Radoboj. Mineralien (Schwefelkugeln).
29) 25. October. 2 Kisten, 109 Pfund. Vom k. k. Bergamte in Auronzo.
Mineralien.
30) 25. October. 1 Kiste, 32 Pfund. Von der k. k. Verpflegsverwaltung zu
Theresienstadt in Böhmen. Steinkohlen zur chemischen Untersuchung.
31) 28. October. 1 Schachtel, l1/ 4 Pfund. Von Frau Josephine Kablik
zu Hohenelbe. 1 Stück Versteinerungen. (Verhandl. Sitzung vom 3. Dec. S. 118.)
32) 28. October. 1 Schachtel, 1 Pfund 9 Loth. Von der k. k. Berghaupt-
mannschaft in Komotau. Versteinerungen. (Verhandl. Sitzung vom 3. Dec. S. 1 18.)
33) 6. November. 2 Kisten, 250 Pfund. Vom k. k. Bergoberamte zu Joa-
chimsthal. Mineralien und Hüttenproducte !).
34) 6. November. 3 Kisten, 1050 Pfund. Von der k. k. Berg-, Forst- und
Güterdirection in Schemnitz. Eisensorten u. s. w. *)
35) 6. November. 3 Kisten, 550 Pfund. Von Herrn Kohlenagenten Gier-
sig in Wien. Muster sämmtlicher in Wien verkäuflicher Stein- und Braun-
kohlen !).
0 Für die Ausstellung während der berg- und hüttenmännischen Versammlung in Wien
eingesendet und dann der k. k. geologischen Reichsanstalt freundlichst als Geschenk
überlassen.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 186! und 1862. I. Heft.
10
74
Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w.
36) 6. November. 2 Kisten, 450 Pfund. Von Herrn Bergdirector Andree
in Witkowitz. Steinkohlen und Cokes *)•
37) 6. November. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn Fr. Riegel in Fünf-
kirchen. Muster von gepressten Steinkohlen *).
38) 6. November. 1 Kiste, 50 Pfund. Von Herrn k. k. Professor A. Miller
von Hauen fels in Leoben. Chromeisensteine *)•
39) 6. November. 1 Kiste und 1 Fass, 40 Pfund. Von Herrn Director K. A.
Frey in Store. Hydraulischer Kalk und feuerfeste Ziegel 1 ).
40) 12. November. 1 Kiste, 75 Pfund. Von Herrn Bergverwalter H. Becker
in Komorau. Stufen von den Giftberger Zinnobererzgängen und Versteinerungen.
41) 20. November. 1 Schachtel, 1 Pfund 10 Loth. Von Herrn Sapetza in
Neutitschein. Mineralien und Versteinerungen. (Verhandlungen. Sitzung vom
3. December. S. 118.)
42) 20. November. 1 Schachtel, 3 Pfund. Von Herrn Bauingenieur Bi e fei
in Kremsier, durch Herrn Bergrath Lipoid. Fossile Thierreste.
43) 20. November. 1 Packet, \'/2 Pfund. Von Herrn Fr. Foith in Anna-
berg, durch Herrn Bergrath Lipoid. Fossile Knochen und Gypse, letztere zur
chemischen Untersuchung.
44) 21. November. 1 Packet, 2 Pfund. Von Herrn Fortunat Müllner, Be-
zirksarzt in Radmannsdorf. Mineralien und Versteinerungen. (Verhandlungen.
Sitzung vom 3. December. S. 118.)
45) 26. November. 1 Kistchen, 34 Pfund. Vom k. k. Feldjäger-Bataillon
Nr. 1 zu Kaaden. Braunkohlen zur chemischen Untersuchung.
46) 26. November. 1 Kistchen, 22 Pfund. Von Herrn Baron von Merck in
Hamburg. Mineralien. (Verhandlungen. Sitzung vom 3. December. S. 118.)
47) 29. November. 1 Kistchen, 6 Pfund. Von k. k. Hüttenchemiker in
Joachimsthal, Herrn A. Patera. Proben.
48) 30. November. 2 Kistchen, 56 Pfund. Von Herrn Kornhuber, k. k.
Professor, aus Pressburg. Versteinerungen.
49) 30. November. 1 Schachtel, 4 Pfund. Von Herrn Bergverwalter Cajetan
Mayer in Pilsen, durch die k. k. Berghauptmannschaft daselbst. Eisensteine.
50) 4. December. 1 Kistchen, 10 Pfund 4 Loth. Von Herrn Professor
Dr. Braun in Bayreuth. Fossile Pflanzenreste.
51) Einsendungen aus den Aufnahmsstationen der Herren Geologen, und
zwar von der
I. Section: 23 Kisten, 7 Packete, zusammen 712 Pfund.
II. * 2 * 2 „ „ 423 „
III. 21 „ 14 „ „ 1122 „
IV. „ 20 „ 17 „ „ 1712 *
Noch trafen Einsendungen von Stein- und Braun-Kohlenmustern für die von
der k. k. geologischen Reichsanstalt angemeldete Ausstellung bei der Londoner
Industrie-Ausstellung im Jahre 1862 ein. Eine Gesammt-Uebersicht derselben
wird im nächsten Verzeichnisse der Einsendungen mitgetheilt werden.
*) Für die Ausstellung während der berg- und hüttenmännischen Versammlung in Wien
eingesendet und dann der k. k. geologischen Reichsanstalt freundlichst als Geschenk
überlassen.
Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 75
IV. Verzeichntes der an die k. k. geologische Reichsanstalt
eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
Vom 1. Jänner bis 31. Deeember 1861.
Abbeville. Societe imp. d’emulation. Memoires 1836 — 1852.
Agram. Realschule. Programm für 1861.
„ K. k. Ackerbaugesellschaft. Gospodarski List. 1861. Nr. 1.
Arkansas. Staatsregierung. Second Report of a geological Reconnoissance of the Sou-
thern and Middle Counties of Arkansas, made during the year 1859 and 1860.
Augsburg. Naturhistorischer Verein. 14. Bericht. 1861.
Balla, Karl, in Pötharaszt. Meteorologisches, Stürme. 1861.
Barnard, F. A. P., Präsident der Universität Oxford, Mississippi. Report on the History and
Progress of the American Coast Survey up to the year 1858.
Barrande, Joachim, in Prag. Remarks on the Fauna of the Quebec group of rocks and the
Primordial zone of Canada by Sir W. E. Logan. Montreal 1861. — On the Primordial
Fauna and the Taconic System. With additional Notes by J. Marco u. Boston 1861. —
Documents anciens et nouveaux sur la faune primordiale et le Systeme Taconique en
Amerique. Paris 1861. — Defense des colonies I. groupe probatoire comprenant: la
colonie Haidinger, la colonie Kr ejci et la coulee K rej ci. Prague 1861.
Batavia. Naturwissenschaftlicher Verein. Natuurkundig Tijdschrift XX — XXII.
(4. Ser. VI. 4—6; 5. Ser. I, II, 1, 2). 1860.
Belgrad. Serbischer literarischer Verein. rJLACHMK. XII. XIII. 1860, 1861.
Berlin. Kön. Handel sministerium. Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinen-
wesen in dem preuss. Staate. VIII. 4. 1860. IX. 1 — 3, 1861. — Die baulichen Anlagen
auf den Berg-, Hütten- und Salinenwerken in Preussen. Dargestellt von Schönfelder.
1. Jahrg. 1. Lief. Atlas mit 4 Taf. Berlin 1861.
„ Deutsche geologische Gesellschaft. Zeitschrift. XII. Band 2.-4. Heft 1860;
XIII. 1. 1860/61.
„ Gesellschaft für Erdkunde. Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. N. F. IX. Bd.
4. Hft. 1861.
Bern. Allgemeine schweizerische Gesellschaft. Neue Denkschriften. Band XVII,
XVIII. 1860/61. — Mittheilungen, 43, 44. Versammlung in den Jahren 1858, 1860.
„ Naturforschende Gesellschaft. Mittheilungen aus den Jahren 1858 — 1860.
Nr. 408-468.
Biancont, Joseph, Professor an der Universität in Bologna. Nuovi annali di scienze na-
turali. Ser. III. T. X. Fase. 11 e 12.
Binkhorst van den Binkhorst, Jonkh J. T. in Mastricht. Monographie des gastero-
podes et des Cephalopodes de la craie superieure du Limbourg etc. Bruxelles 1861.
Blum, Georg, Secretär am k. k. österreichischen General-Consulate zu Hamburg. Das Welt-
meer. No. 1-52, 1860/61 ; No. 1—2, 1861/62.
Bogota, Sociedad des Naturalistas Neo Granadinos. Boletin. F. 3 — 8, p. 23—106.
Bonn. Naturhistorischer Verein. Verhandlungen. XVII. 1, 2, 1860.
Bosten. O effentliehe Bibliothek. Eighth Annual Report of the Trutees of the public
Library of the city of Boston pres. Nov. 14. 1860.
„ Society of natural history. Proceedings. Vol. VII, Fol. 16. to end 1860; Vol. VIII,
F. 1—4., 1861.
„ American academy of arts et Sciences. Proceedings. Vol. IV. Fol. 32 to end
1857/60; Vol. V., F. 1—30, 1860/61.
Botzen. K. k. Gymnasium. XI. Programm für 1861.
Boucher de Perthes, Präsident der Societe imp. d’emul. in Abbeville. Antiquites celtiques
et antediluviennes. T. II. Paris 1857. — De la creation. Essai sur l’origine et la progression
des etres. T.I — V, Paris 1841. — Hommes et choses, alphabet des passions et des sensa-
tions. Esquisses et moeurs faisant suite au petit glossaire. I — IV, Paris 1851. — Les
10*
76 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
masques: biographies sans nom. Portraits de mes connaissances dedies ä mes amis. Pro-
spectus. Paris 1862. — Chants armoricains ou Souvenirs de Basse Bretagne. 2. edit,
Paris 1831. — Antiquites diluviennes. Reponse a MM. les antiquaires et geologues pre-
sents aux assises archeologiques de Laon. Amiens 1859. — De l’homme antediluvien et
de ses oeuvres. Paris 1860. — De la femme dans l’etat social; de son travai! et de sa
remuneration. Discours. Abbeville 1860. — Sur les silex tailles trouves dans le diluvium
du Departement de la Somme. Remarques etc. — Reponse aux observations faites par
M. E. Robert sur ie diluvium du Departement de la Somme. — Voyage en Russie, retour
par la Lithuanie, la Pologne, la Silesie etc. en 1856. Paris 1859.— Voyage en Espagne et
en Algerie en 1855. Paris 1859. — Voyage enDanernarck, en Suede, en Norwege par la
Belgique et la Hollande etc. Paris 1859. —Voyage ä Constantinople parl’Italie, laSicile et
laGrece etc. Paris 1855. — Archeologie. Hachettes diluviennes du Bassin de la Somme.
Rapport adresse a M. le Senateur Prefet de la Seine-inferieure par M. C. Abb. Cochet.
Paris 1860. — Notice sur les objects d’arts trouves dans le diluvium. 1860, par S. Fer-
guson fils. Amiens 1860. — Origine du libre echange par S. Ferguson fils. Amiens
1861. — Observations sur un instrument en silex recemment decouvert dans un banc de
gravier ä St. Acheul pres Amiens par M. John W. Fl o wer, communiquees par Jos.
Pr estwi ch. 1859. — Antiquites antediluviennes par J. Ch antrel. 1859. — Antiquites
antediluviennes recemment trouvees en France et en Angleterre. Par E. Pravond.
1859. — Antiquites antediluviennes. L’homme fossile. — L’homme fossile. — La decou-
verte des haches celtiques, par F. de Saul cy. — Contemporaneite du l’espece humainc
et les diverses especes animales aujourd’hui eteintes. 1859.
Donation de M. Boucher de Crevecoeur de Perthes ä la ville d’Abbeville. — Fon-
dation de M. Boucher de Crevecoeur de Perthes. 1861.
Bregenz. Vorarlberger Museums-Verein. 3. Rechenschafts-Bericht. 1861.
Breithaupt, Aug., Professor an der kön. Bergakademie in Freiberg. Merkwürdig ähnliche
Paragenesis mehrerer natronhaltigen Mineralien von verschiedenen Fundorten.
Breslau. Schlesischer Verein für Berg- und Hüttenwesen. Wochenschrift.
1860. Nr. 52. 1861, Nr. 1-51.
„ Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. 38. Jahresbericht für
1860. Abhandlungen. Abtheilung für Naturwissenschaften und Medicin. 1861. Hft. 1,2;
philosophisch-historische Abtheilung. 1861, 1. — Die fossile Fauna der sibirischen Dilu-
vialgebilde von Sadewitz bei Oels in Niederschlesien. Von Dr. Ferd. Roemer. Breslau
1861.
Brixen. K. k. Gymnasium. 11. Programm für das Schuljahr 1861.
Brody. Handels- und Gewerbekammer. Bericht über den Zustand des Handels, der
Gewerbe und der Verkehrsverhältnisse in den Jahren 1857 — 1860.
Bronn, Dr. H. G., Professor an der grossherz. Universität in Heidelberg. Essai d’une reponse ä
la question de prix proposee en 1850 par l’Academie des Sciences pour le concours de
1853 et puis remise pour celui de 1856 savoir: Etudier les lois de la distribution des
corps organises fossiles dans les differents terrains sedimentaires suivant l’ordre de leur
Superposition etc. etc. Paris 1861.
Brünn. K. k. Mähr, schles. Gesellschaft fü r Ackerbau-, Natur- und Landes-
kunde. Mittheilungen. 1861. No. 1 — 51. — Historiseh-statistishe Section.
Schriften. XIII. Band. 1860.
Brüssel. Kön. Akademie der Wissenschaften. Bulletins. IX, X, 1860. — Memoires.
B XXXII, 1861. — Annuaire 1861.
Brüx. K. k. Ober-Gymnasium. Jahresbericht für das Schuljahr 1861.
Büchner, Dr. Otto, Professor an der Universität in Giessen. Versuch eines Quellen-Verzeich-
nisses zur Literatur aller Meteoriten, Frankfurt a. M. 1861.
Calcutta. Geological Survey oflndia. Memoirs. Vol. II, Part. 2. — Annual Report
for the year 1859/60.
„ Asiatic Society of Bengal. Journal. No. 1, 2 de 1861.
Cambridge. American Association for the advancement of Science. Procee-
dings. Vol. XIV, 1860.
Cassel. Verein für Naturkunde. Bericht über die Thätigkeit vom Jahre 1837 bis
1860.
Chemnitz. K. Gewerbeschule. Programm für 1861.
Cherbourg. Soeiete imp. des Sciences naturelles. Memoires. T. VII, 1859.
Chili. Universität. Anales. Entr. 1 — 12 del anno de 1859. — Noticia sobre el terreno
carbonifero de Coronel J. Lota, i sobre los trabajos de l’esplitacion en el emprendidos.
Por D. Paul, del Barr io. Santiago 1857.
Christiania. Kön. Universität. Bemserkninger angaaende graptolitherne af Chr. B o e c k.
Christiania 1861. — Ueber den Erzdistrict Kongsbergs von Th. Kjerulf u. T. Dali 11.
Verzeichntes der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingclangten Bücher, Karten u. s. w. 77
Deutsch von W. Christoph er sen. Christiania 1860. — Ueber die Geologie Tellemar-
kens von T. Dahl 1. Deutsch von Christophersen. Christiania 1860. — Forscatte •
Jagttagelser over de erratiske Phaenomener. Af J. C. Hörby e. — Observations sur les
phenomenes d’erosion en Norwege, recueillies par J. C. Hörbye. Christiania 1857. —
Das Christiania-Silurbecken chemisch-geognostisch untersucht von Th. Kjerulf.
Herausg. von A. Strecker. Christiania 1855. — Jagttagelser over den Postpliocene
eller glaciale formation en del af det Sydlige norge. Af Prof. Dr. Sars og lector
Th. Kjerulf. Christiania 1860. — Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. XI. Bd.,
2. Hft., 1860.
Chur. Naturforschende Gesellschaft. Jahresbericht. N. F. VI. Jahrg., 1858/60.
Clausthal. K. Berg- und Forstamt. Grundriss und Saiger-Riss vom 1., 2. und 3.
Burgstädter Gruben-Reviere. — Grundriss und Saiger-Riss vom 4. Burgstädter Gru-
ben-Reviere und vordem Zellerfelder Haupt-Zuge. — Grundriss und Saiger-Riss vom
hintern Zellerfelder Hauptzuge. — Grundriss und Saiger-Riss vom Zellerfelder Haupt-
zuge und Burgstädter Gruben-Reviere. — Graphische Darstellung des Ganges der Wit-
terung auf dem Harz am l.December 1854 bis 1. December 1859. Nach den zu Clausthal
angestellten meteorologischen Beobachtungen entworfen von C. L. School.
Columbia. Theological Seminary. Catalogue of the Officiers and Students for the
year 1860 — 61.
v. Cotta. B., Professor an der k. Bergakademie in Freiberg. Die Goldlagerstätten von Vörös-
patak in Siebenbürgen. — Die Erzlagerstätten von Nagyäg in Siebenbürgen.
Czernowitz. K. k. Gymna sium. Programm für das Schuljahr 1861.
Czoernig. Freih. v.,Dr. Karl, Exc., in Wien. Statistisches Handbüchlein für die österreichische
Monarchie. I. Jahrg. 2. Aufl. Wien 1861.
Danzig. Naturforschende Gesellschaft. Neueste Schriften. VI. Band, 2, 3. Hft.
1861.
Darmstadt. Verein für Erdkunde. Notizblatt. II. Jahrg. No. 32 — 40, 1859/60. III. Jahrg.
1860/61.
„ Mittelrheinischer geologischer Verein. Geologische Specialkarte des Gross-
herzogthums Hessen etc. Section Dieburg, geolcg. bearb. von F. Becker u. R. Lud-
wig. 1861.
Daubree, Professor in Strassburg. Experiences sur la possibilite d’une infiltration eapillaire
au travers des matieres poreuses, malgre une forte contrepression de vapeur; applica-
tions possibles aux phenomenes geologiques. Paris 1861.
Dawson, J. W-, in Montreal. On the Silurian and Devonian Rocks of Nova Scotia.
Delesse, Professor der Geologie zu Strassburg. De l’azote et des matieres organiques dans
l’ecorce terrestre. Paris 1861. — Etudes sur le mefamorphisme des roches. Oeuvre cou-
ronne par l’Academie des Sciences. Paris 1861. — Rapport des MM. D eiesse, Beaulieu
et Yvert nommes experts par le conseil de Prefecture de la Seine au sujet de l’inondation
souterraine qui s’est produite dans les quartiersNord de Paris en 1856. Neuilly 1861. —
Carte geologique souterraine de la ville de Paris publiee d’apres les ordres de M. le Bar.
C. E. Haussmann Senateur etc. et executee par Mr. Delesse etc. 1858. — Ville de
Paris. Service municipal. Inspection generale des earrieres. — Carte hydrologique de
la ville de Paris etc.
Dijon. Academie imp. des scienees. Memoires Ser. II. T. VIII. Ann. 1860.
Dorpat. K. Universität. Index scholarum 1859. — De Balsami Copaivae cubebarumque
in urinam transitu. Diss. auct. E. Bergmann 1859. — Disquisitiones pharmacologicae
de Senna. Diss. auct. A. Fudakowski. 1859. — Die Lehre von der Erpressung. Abh.
von C. Hartmann. 1859. — Zur Lehre von dem Indicien-Beweise nach gemeinem
u. livländischem Rechte. Abh. von A. P. Grass. 1859. — De succi pancreatici ad
adipes et albuminates vi atque effectu. Diss auct. A. Skrebitzki. 1859. — Disquisi-
tiones pharmacologicae de aloe. Diss. auct. M. de Cube, 1859. — De cornu Ammonis
textura disquisitiones praecipue in cuniculis institutae. Diss. auct. G. Kupfer 1859.
— De A. Cremutio Cordo commentatio auct. C. Rathlef. 1859. — Ergebnisse der oph-
thalmoskopischen Untersuchung des menschlichen Augenhintergrundes im physiologi-
schen Zustande. Abh. von Ed. Schmidt 1859. — Meletemata de Hydrargyri
effectu. Diss. auct. J. J. Seek. 1859. — De rationibus compensantibus in cordeae
groto. Diss. auct. Dr. G. Reyher. 1859. — Disquisitiones pharmacologicae de asa
foetida et Galbano. Diss. auct. C. Semmer. 1859. — De Scaphirhyncho Rafinescii dis-
quisitiones anatomicae. Diss. auct. G. G. Brutzer. 1859. — Ein Beitrag zur Histologie
des Rückenmarkes. Diss. v. E. v. B ochmann. 1859. — Ueber die unterhäutige Tren-
nung des Kaumuskels. Abh. von Dr. H. Kühne, 1860. — Ein Beitrag zur Blasenstein-
krankheit und zum Seitenblasensehnitte mit besonderer Berücksichtigung der durch
diese Operation erzeugten Harn-Mastdarmfistel. Diss. von Fr. Hohlbeck. 1860, —
78 Verzeichniss der an die k. k. gedog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
Ueber Verknöcherung und Verrindung des Muskel- und Sehnengewebes. Diss. von E.
Bushak. 1860. — Die Elephantiasis graecorum in den Ostseeprovinzen Russlands.
Abh. von C. Rogenhagen 1860. — Untersuchungen über die Textur der Lymph-
drüsen. Diss. von P. Walter. 1860. — Die väterliche Gewalt und ihre Beziehung
zum Vermögen der Kinder nach Rigaschem Standrechte. Abh. von W. Kieseritzky.
1860. — Ueber den Begriff des Besitzes nach römischen Rechte. Abh. von 0. v.
Schmidt. 1860. — Der Druckverband bei Ophthalmoblennorrheen neonatorum. Diss.
von. Seb. Ritter. 1860. — Ueber den Einfluss der Milchsäure auf das Endocardium.
Diss. von C. Rauch 1860. — Untersuchungen über das Dünndarm-Epithelium und
dessen Verhältniss zum Schleimhautstroma. Diss. von Ad. Wiegandt. 1860. —
Ueber einige scharfe Stoffe und die Einwirkung derselben auf eiweissartige Körper.
Diss. von C. Eberbach. 1860. — Untersuchungen über die Entwickelung der quer-
gestreiften Muskelfaser. Abh. v#n E. Moritz 1860. — Ueber die mechanische Dispo-
sition zur Varicocele. Abh. von J. Schulz. 1860. — Die fibrösen Geschwülste des
Schädelgrundes. Abh. von E. B eggro w. 1860. — Ueber den vorzugsweise wirksamen
Bestandtheil des schwarzen Pfeifers. Abh. von J. C. Neumann 1860. — Experimen-
telle Untersuchungen über den Lymphstrom. Diss. von W. Weiss. 1860. — Experi-
mentelle Untersuchungen über lie Beziehung des Halsstranges des Sympathicus zur
Temperatur des Kaninchenohres. Abh. von A. Albanus. 1860. — Ueber Resectionen
des Oberkiefers, ausgeführt von J. F. Heyfelder. Diss. von P. Seil heim. 1860.
— Ein Beitrag zur Lehre von 1er Probabilität der Heilung Geisteskranker, zunächst
nach den statistischen Ergebnissen der Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Preobrashensk zu
Moscau. Diss. von E. Fick. 186(1. — Versuch einer Kritik der orthopaedischen Heilme-
thoden bei Gelenkverkrümmungen der Extremitäten mit besonderer Berücksichtigung
der Tenotomie. Abh. v. J. Plicatus. 1860. — Ueber den Uebergang von Metall-
salzen in die Galle. Diss. von E. Wiehert. 1860. — Beiträge zur Histologie der
Binde des grossen Gehirns. Diss. von E. Stephan y. 1860. — Biostatik der Stadt
Dorpat und ihrer Landgemeinde in den Jahren 1834 — 1859. Abh. von F. Huebner
1861. — Beiträge zu der Frage über die Glycosurie der Schwangeren, Wöchnerinnen
und Säugenden. Diss. von H. «wanoff. 1861. — Die Knochenauswüchse der Augen-
höhle. Diss. von E. Grünhoff. 1861. — Ueber die Wassersucht der Schleimbeutel
und Sehnenscheiden. Abh. voi Fr. Baumgardt. 1861. — Pharmacologische Unter-
suchungen über Ammoniacum, Sagapenum und Opoponax. Diss. von Fr. Przecis-
zewski. 1861. — Allgemeine Bemerkungen zu den Hernien und Laparotomie mit Darm-
implantation. Diss. von F. A. Haken 1861. — Mittheilungen aus der chirurgischen
Klinik der kais. Universität zu Dorpat im Jahre 1859. Von A. Braun. 1861. — Studien
über den Einfluss der bedeutendsten medicinischen Systeme älterer und neuerer Zeit
auf die Pharmacologie. 1. Abfh. Abh. von G. F. Poelchau. 1861.
Dorpat* Naturforscher Veiein. Archiv für die Naturkunde Liv-, Esth- und Kur-
lands. II. Ser. Biologische Naturkunde. Bd. II. III. 1860.
Dresden* K. Polytechnische Schule. Programm zu den am 18/20. März 1861 zu
haltenden Prüfungen.
Dublin* Royal Society. Journal. July — October 1860. No. XVIII. et XIX.
„ Geological Society. Journal. Vol. III. 1857/60.
„ Redaction der Natural History Review, a quarterly Journal of biological
Science 1861. N. 1.
Dunkerque* Societe pour l’encouragement des Sciences, des lettres et des !
arts. Memoires. Vol. VII. 1860/61.
Eüdinburg* Royal Society. Transaetions XVIII — XIX. 1. 2. 1848/50. (Makerston
magnetical and meteorological observations for 1844/46.), XX. 1 — 4 for. 1849 — 1853,
XXI. 1—4 for 1853—1857, XXII. 1—2 for 1858—1860, Supplement. (Appendix to the
Makerston magnet. and meteorol. observations) 1860. — Proceedings. Sess. 1859/60. !
Ellbogen* 0 berreal schule. Jahresbericht für das Schuljahr 1861.
Emden, Naturforschende Gesellschaft. 46. Jahresbericht. 1860. — Kleine Schrif-
ten. VIII. 1861.
Eürdmann, 0. L., Professor, in Leipzig. Journal für pVaktische Chemie. 81. Bd. 5 — 8. Hft.
1860; 82. Bd. und 83. Bd. Hft. 1—8; 1861. Bd. 84. Hft. 1-2.
Elrlau* K. k. Gymnasium. Programm. 1860. — Schematismus sacri et exemti ordinis
Cisterciensis. Abb. B. M. V. etc. 1861.
St* Eltievine* Societe de l’industrie minerale. Bulletin. I. VI. 1 — 3. Livr. 1860.
Favre, Alphons, Professor in Genf. Notice sur la reunion extraordinaire de la societe
geologique de France ä St. Jean de Maurienne (Savoie) le 1. Septembre 1861. — 1
Note sur le terrain houiller et sur le terrain nummulitique de la Maurienne. 1861
E'eldkirch* K. k. Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1860/61.
* - •Mri ;
M
Verzeichniss der an die k. k. geoiog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 79
Feltre. K. k. Lyce al-Gymnasium. Programma per l’anno Scolastico 1861.
Fiedler, Leopold, k. k. Bergrath, Inspector der K. F. Nordbahn in Mähr. Ostrau. lieber-
sichtskarte des Prziwoser und Hruschauer Kohlenbergbaues bei Mähr. Ostrau (Man.).
Florenz. Aceademia dei Georgofili. Rendiconti. Tr. IV. Anno II. disp. 1 — 5.
de 1861.
Frankfurt a. M. Senkenbergische naturforschende Gesellschaft. Abhand-
lungen. III. 2. 1861.
„ Phys icalischer Verein. Jahresbericht für 1859/60.
Freiberg. K. Ober-Bergamt. Jahrbuch für den Berg- und Hüttenmann auf 1861.
Freiburg. Naturforschende Gesellsch aft. Berichte über die Verhandlungen. Bd. II.
Hft. 3. 1861.
St. Gallen. Natu rwissens chaftliche Gesellschaft. Bericht über die Thätigkeit
während der Vereinsjahre 1858/61.
Genf. Societe de physique et d’histoire naturelle. Memoires T.. XV. 2.
XVI. 1. 1860—1661.
Gotha. J. Perthes’ geographische Anstalt. Mittheilungen über wichtige neue
Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann.
1860. Nr. 11. 12; 1861. Nr. 1 — 11. Ergänzungshefte Nr. 4—6. — Die geognosti-
schen Verhältnisse der Nordkarpathen in Schlesien und den angrenzenden Theilenvon
Mähren und Galizien als Erläuterung zu der geognostischen Karte der Nordkarpathen,
von Ludwig Hohenegger. Gotha 1861.
Göttingen. K. Gesellschaft der Wissenschaften. Abhandlungen IX. Bd. vom
Jahre 1860.
Graham, J. D. Lieut. Colonel, Chicago Illinois. Annual Report on the improvement of the
Harbors of Lakes Michigan, St. Clair, Erie, Ontario and Champlain, for the year 1860.
Graz. K. k. Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
„ Steierm. ständ. Joanneum. 49. Jahresbericht über das Schuljahr 1860. Personal-
stand und Vorleseordnung im Studienjahre 1862.
„ — landsch. Ober-Realschule. 10. Jahresbericht für das Studienjahr 1861.
Personalstand und Vorleseordnung an der commerziellen Abtheilung im Studien-
jahre 1861/62.
„ Geognost. montan. Verein. X. Bericht. 1860.
„ K. k. L and wirthsehafts- Ges eil s chaft. Wochenblatt: X. Jahrg. ; XI. Jahrg.
Nr. 1—4. 1860/61.
Gümbel, k. Bergmeister, München. Verzeichniss neuer Arten von organischen Ueberresten
aus verschiedenen Schichten der bayerischen Alpen. 1861. — Ueber das Alter der
Münchberger Gneissparthie im Fichtelgebirge 1861.
Haag. Kön. Niederländ. Regierung. Section Nr. 19. Betuwe; Sect. 20. Munsterland
der geol. Karte des Königreiches der Niederlande.
Hall, James, Professor, Albany. Contributions to the Palaeontology of New York, being some
of the Results of Investigations made during the years 1855/58.
Halle, Naturforschende Gesellschaft. Abhandlungen. V. Bd. 3. 4. VI. I. 1860/61.
„ Naturwissenschaftlicher Verein. Zeitschrift für die gesammten Naturwissen-
schaften. Bd. 15 und 16, Jahrg. 1860. — Abhandlungen. I. 2. II. 1860/61.
Hamburg. Natu r wissenschaftli ch er V er ein. Abhandlungen. III. IV. 1, 2. 1858 — 60.
Hanau. Wetterauer Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. Jahres-
bericht über die Gesellschaftsjahre 1858/60.
Handl, Dr. A., Professor in Lemberg. Ueber die Kry stallformen der ameisensauren Salze.
Wien 1861.
Hannover. Naturhistorische Gesellschaft. X. Jahresbericht von Michaeli 1859
bis dahin 1860.
» Polytechnische S c hu 1 e. Programm für das Jahr 1861/62.
„ Architekten- und Ingen i eur-Verei n. Zeitschrift VI. Bd. Hft. 4., Jahrg. 1860.
VII. Jahrg. 1861. Hft. 1—3.
» Gewerbe-Verein. Mittheilungen. 1860 Nr. 6; 1861 Nr. 1—8. — Monatsblatt 1861.
Nr. 2—4.
Hartem. Holl. Gesellschaft der Wissenschaften. Natuurkundige Verhandelingen.
XIV. 1 — 2. XV. 1858. 1861. — Extrait du programme pour l’annee 1861.
Haughton, Samuel Rev., in Dublin. On Cyclostigma, a new genus of fossil plants from the
old red Sandstone of Kiltorean etc. 1859. — On the fossils brought from the arctic
regions in 1859 by Capt. Sir. F. L. M’Cli ntock 1860.
Haupt, Theodor, Toscanischer Bergrath. Chronologische Uebersicht der wichtigsten Ereig-
nisse beim Bergbau seit Wiederauffindung der Pandekten Justinians bis zur Einsetzung
der Erbschachte. Braunschweig 1861.
80 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten n. s. w.
Haiirand, C. W. Th. in Wien. Karte von Deutschland mit Einschluss von ganz Oesterreich,
Belgien, den Niederlanden, der Schweiz etc. 1861 . (Ethnograph. K.) — Geologische
Gebirgskarte von Mittel-Europa.
Heidelberg. Universität. Heidelberger Jahrbücher der Literatur. 1860. 11—12. Hft. ;
^ 1861, 1—9. Hft.
Heine , Dr. Jos., Medicinalrath in Speyer. Festgabe gewidmet der XXXVI. Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte. 1861.
Heis, Dr. Prof. Münster. Bildliche Darstellung der zu Münster vom 1. December 1859 bis
30. Nov. 1860 angestellten metereologischen Beobachtungen.
v. Helmersen, Gregor, kais. russ. General-Major in St. Petersburg. Das Olonezer Berg-
revier geologisch untersucht in den Jahren 1856/59. — Die in Angriff genommenen
Steinkohlenlager des Gouvernements Tula 1860. — Vorschlag zur Anstellung paläonto-
logischer Nachgrabungen im südl. Russland. 1860. — Die geologische Beschaffenheit
des unteren Narovathals und die Versandung der Narovamündung. 1860. — Ueber die
von der kais. russ. geograph. Gesellschaft ausgerüstete sibirische Expedition und Nach-
richten über Mag. F. Schmidt’s Reise nach dem Amur-Gebiete. 1860.
Herrn annstadt. K. k. Kathol. Staats-Gymnasium. Programm für das Schuljahr
1860/61.
„ Siebenbürg. Verein für Naturkunde. Verhandlungen und Mittheilungen 1860.
Nr. 7-12.
Hon, Capitaine in Brüssel. Periodieite des grands deluges resultant du mouvement graduel
de la ligne des apsides de la terre. Theorie prouvee par les faits geologiques 2. edit.
Paris. 1861.
Hörnes, Dr. Moriz, DirectoF des kais. Hof-Mineraliencabinets , Wien. Abbildungen des
15 Pfund schweren Meteorsteines von Seres in Macedonien , gefallen im Juni 1818.
Jena. Kais. Leopold. Carol. Akademie der Naturforscher. Verhandlungen.
XXVIII. 1861.
Iglau. K. k. Gymnasium. 11. Programm für 1861.
Innsbruck. K. k. Gymnasium. XII. Programm für das Schuljahr 1861.
Jokely, Johann, Sections-Geologe. Der Curort Liebwerda und seine Heilquellen im Sunz-
lauer Kreise Böhmens von Jos. Plumert. Prag 1849. — Johannesbad im böhm. Riesen-
gebirge als Curort. Vom medicinischen Standpunkte geschildert von Prof. Dr. Loschner.
Prag 1859.
Kämtz, Ludw. Friedr., Dr., k. russ. Staatsrath und Prof, in Dorpat. Repertorium für Me-
teorologie. II. 1, 2. 1860/61.
Kästner, Leopold, Expeditor der k. k. priv. Credit-Anstalt in Wien. Führer für Reisende auf
Eisenbahnen und Dampfschiffen in Oesterreich nebst den Verbindungen mit dem Aus-
lande u. s. w. Wien. August — December 1860, Jänner — October 1861. — Telegraphen-
Tarif von Wien nach allen Stationen in Europa, Asien und Africa. Wien. 1861.
Keller, Dr. Franz, Professor in Speyer. Beilage zum Tageblatt der XXXVI. Versamm-
lung deutscher Aerzte und Naturforscher in Speyer vom 17. bis 24. September 1861.
Kiel. Universität. Schriften aus dem Jahre 1860.
„ Verein nördl. der Elbe zur Verbreitung naturwissenschaftlicher
Kenntnisse. Mittheilungen. 2. Hft. 1860.
Klagenfurt. K. k. Gymnasium. 11. Programm für das Schuljahr 1861.
„ K. k. Ober-Realschule. IX. Jahresbericht am Schlüsse des Schuljahres 1861.
„ K. k. Landwirthschafts-Gesellschaft. Mittheilungen über Gegenstände der
Industrie und Landwirthschaft. 1861. Nr. 4.
Köln. Redaction des Berggeist. Zeitung für Berg-, Hüttenwesen und Industrie.
1861. Nr. 1 — 101.
Königsberg. K. Universität. Amtliches Verzeichniss des Personals und der Studi-
renden für das Sommersemester 1860/62, und für das Wintersemester 1860/61. — Ver-
zeichniss der zu haltenden Vorlesungen 1860/61. — De ulcerationibus recti. Diss. auct.
H. Anker mann 1859. — In Fr. XL1X. Farn. Ercisc. Commentatio. Diss. auct. Osc. Th.
Binseei 1860. — De pneumonia intermittente ; diss. auct. Ed. Grün. — Henricus de
Bracten, quo tempore et qua ratione librum de jure anglicano composuerit; diss.
auct. C. Ed. Gueterbock. — De atrophia musculari progressiva; diss. auct. H. G. R.
Heimlich. — Recentiorum de epilepsia doctrinarum comparatio. Diss. auct. Jo an.
Hertz. — De ileo, diss. auct. C. A. M. Jaquet. — Dissertatio, quam pro loco in ordine
jure consultorum Regimontanorum rite obtinendo; auct. R. C. John. — De diphtheri-
tidis conjunctivae epidemia; diss. auct. Julius Lewinski. — De principiis oecono-
micis, quae Max. deBethune, dux de Sully, sub Henrico IV in publicis Franciae pecu-
niis administrandis secutus est; diss. auct. H. Sellniek. — De statu quaestionis sintne
Einhardi necne sint quos ei ascribunt annales Imperii specimen; diss. auct. Bernh. Ed.
Verzeichnis der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 81
Simson. — Nonnullae laesae eolumnae vertebratis casus; diss. auct. Jul. Stein. —
De vena portae obstructione ; diss. auct, 0. H. Ziegler. — De nonnullis locis Cicero-
nianis, in quibus verba poetarum latent; — de colonia in qua Petronius conam Trimal-
chionis finxerit; — dissertatio qua fabula Apuljeana de Psyche et Cupidine cum fabulis
cognatis comparantur, p. 1 et 2; — de propagatione munerum ac venationum per
Graeciam et Orientem ; — vindiciae Nicanoreae quibus orationes ad celebrandam ine-
moriam virorum illustrium J. F. a. Rhod. Fr. a Graeben. Joh. D i e t e r i c i T e 1 1 a u ; disser-
tationes auct. Lud. Friedländer. — De Pyaemia, diss. auct. G. A. Groeck. — De
thrombosi et embolia; diss. auct. H. H. a. Lipkau. — De mutua duorum fluidorum
frictione; diss. auct. Ott. Aem. Meyer. — De hepatis abscoessibus; diss. auct. Ad.
Meyer. Symbolae ad theoriam rheumatismi criticae ct experimentales; diss. auct. Dr. Jul.
M o eil er. — Philippi Melanthonis de legibus oratio denuo edita J. G. Th. A. A. Muther.
— De sarcomate tumoribusque recidivis; diss. auct. J. Riemer. — De casibus duobus
fibroidis et cystofibroidis mandibulae; diss. auct. 0. Tribukait. — De Ottone I Epis-
copo bambergense; pars prior; diss. auct. Guil. Volkmann.
Königsberg. Kön. Physik. Ökonom. Gesellschaft. Schriften. I. Jahrg. 1. 2.
Abth. 1860/61. — Die Melamorphose des Caryoborus (Bruchus) gonagra Fbr. von
H. C. Elditt. Königsberg 1860.
Kotz, Baronin Louise. Was ich erlebte! was mir auffiel. II. und III. Abth. Prag 1861.
Kraus,, Joh. Bapt., Rechnungsrath der k.k. Mont. Hofbuchhaltung in Wien. Montan-Handbuch
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welche im k. k. österr. Reichsgesetzblatte und im Verordnungsblatte des k. k. Finanz-
ministeriums von 1857 bis 1861 veröffentlicht wurden u. s. w. Wien 1862.
Kremsmiinster. K. k. Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
Kronstadt. Evangelisches Gymnasium. Programm zum Schlüsse des Schuljahres
1860/61.
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Leonhard, K. C., Geheimrath u. Professor in Heidelberg. Neues Jahrbuch für Mineralogie,
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Heft: über die Ursachen der in den Jahren 1850 bis 1857 stattgefundenen Erderschütte-
rungen u. s. w. von Dr. K. E. Kluge. 1861.
Leutschau. Evang. Ober-Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
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Berg- und Hüttenwerke und Ländereien Sr. Exc. des Herrn Nikita v. Wsevolojsky, RUSS-
IN. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. I. Heft. 11
82 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
land, Gouv. Perm. — Fossile Pflanzen aus dom tertiären Spatheisenstein von Monta-
baur. — Süsswasserbivalven aus der Wetterauer Tertiärformation. 1 86 1 .
Lüneburg. Na t ur w i s s e ns chaftl ich e r Verein. 10. Jahresbericht. 1861.
Lüttich. Kön. Akademie der Wissenschaften. Memoires. T. XV.
Lyon* Kais. Akademie der Wissenschaften. Memoires. Bd. VIII — X. 1859 — 1861.
„ Kais. A ck e r b a u - G e s e 1 1 s ch a f t. Annales des Sciences physiques et naturelles.
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Mailand. Kön. Institut der Wissenschaften. Atti Vol. II, Fase. 1 — 14,1860 61. —
Memorie. Vol. VIII, Ser. II, Vol. II, Fase. 4, 5, 1861. — Elenco dei giornali e delle opere
periodiehe esistenti presso publici stabilimenti a Milano , compilato da L. dell'Acqua.
Milano 1861.
„ Societä italiana di scienze naturali. Atti Vol. II, Fase. 2 — 4, 1860;
Vol. III, Fase. 1—2, 1861.
„ Ateneo. Atti. Vol. I, Anno XV, Disp. 2, 4, 1860. Vol II, Anno XVI, Disp. 1, 2, 1801.
Manger, Rudolph, Bergwerksbesitzer, Prag. Das österreichische Bergrecht nach dem all-
gemeinen Berggesetze u. s. w. Supplement-Band im Anhänge: Aphorismen über die
unmittelbare Erwerbung des Bergwerks-Eigenthumes. Prag 1861.
Mannheim. Verein für Naturkunde. 27. Jahresbericht. 1861.
lie Mans. So cieted’agriculture, Sciences et artsde la Sarthe. Bulletin. 1859
et 1860.
Mantua* K. k. Ly ce al-G y m n a si u m. Programms per l’anno lascolastico 1861.
Manz, Friedrich, Buchhändler, Wien. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hütten-
wesen. 1860, Nr. 52; 1861, Nr. 1—51. — Erfahrungen im berg- und hüttenmännischen
Maschinenbau- und Aufbereitungswesen u. s. w. von P. Rittinger. Jahrg. 1860. Mit
Atlas. Wien 1860.
Marburg* K. k. Gymnasium. Programm für das Studienjahr 1861.
Melbourne. Redaction des Colonial Mining Journal, Railway and Share Ga-
zette and Illustrated Record. Vol. 111, Nr. 3—12 de 1860/61 ; Vol. IV, Nr. 1— de 1861/62.
„ P h i I osop h i ca I Institute. Transactions. Vol. IV, Part. 1, 2. 1859/1860.
Merrit, I. King, in New-York. Report on the Huacals, or ancient Graveyards of Chiriqui.
1860.
Metz. Societe d’histoire naturelle. Bulletin. IX. Cahier. 1860.
Moskau* Kais, naturforschende Gesellschaft. Bulletin. Nr. 4 de 1860, Nr. 1 , 2
de 1861. — Memoires. XIII, 2.
Mühlhausen* Societe industrielle. Bulletin. Jänner bis November de 1861. —
Programm des prix proposes dans l’assemblee generale du 29. Mai 1861 pour etre de-
eernes dans l’assemblee generale de Mai 1862.
München. Kön. Akademie der Wissenschaften. Grenzen und Grenzgebiete der
physiologischen Forschung. Festrede von Dr. E. Harless. München 1860. — Rede auf
Sir Thomas Babington Macaul ay, den Essaysten und Geschichtschreiber Englands.
Vorgetragen von Dr. G. Th. Rudhart. München 1860. -- Einleitende Worte zur Feier
des Allerh. Geburtsfestes Sr. Maj. des Königs Ma x i m i 1 i a n II., gesprochen von J. Freih.
v. Lie big. München 1860. — Verzeichniss der Mitglieder der k. Akademie der Wissen-
schaften. 1860. — Sitzungsberichte, 1860, Hft. 4, 5; 1861, Hft. 1 — 4.
„ Kön. Sternwarte. Annalen. XII. Bd. 1860.
Murchison, Sir Rod. and Archibald Geikie. On the altered Rocks of the Western islands
of Scotland and the North Western and Central Highlands. London 1861.
Namias, Hyacinth Med. Dr., Secretär des k. k. Instituts der Wissenschaften in Venedig.
Sulla tubercolosi dell’utero e degli organi attinenti. Memoria II. Venezia 1861.
Neuchatei. Societe des Sciences naturell es. Bulletin. T. V, 2, 1860.
Neusohl. K. k. Kath. Staats-Gymnasium. IX. Programm für 1861.
Newberry, John, S., Professor am Columbian-Collegium in Washington. Reports on the
Geology, Botany and Zoology of Northern California and Oregon. Washington 1857.
New-York. Deutsche Gesellschaft. Jahresbericht 1860.
Norton, Carl B., Buchhändler, New-York. Nortons Literary Letter. Nr. 4, de 1859; Nr. 2,
de 1860.
Ofen* Kön. Ober-Realschule. VI. Jahresbericht für das Schuljahr 1861.
Offenbach a. M. Verein für Naturkunde. 2. Bericht 1860/61.
Olvnütz* K. k. Ober-Realschulje. VII. Jahresbericht für 1861.
Omboni, Johann, Professor in Mailand. II congresso dei naturalisti svizzeri in Lugano
nel Settembre 1860. — Cenni sulla carta geologica della Lombardia. — Gila geologica
nei d’intorni dei Lago d’Iseo etc.
Verzeichn* ss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 83
ördway, Albert, in Boston. On the supposed identity of the Paradoxides Harlani, Green
with the Par. spinosus Boeck. Boston 1861.
Palermo. Societä d’acelimazione e di agricoltura in Sicilia. Atti, Vol. I,
Nr. 1—4, 1861.
Paris. Ecole imp. des mines. Annales des mines. T. XVII, 3. Livr., T. XVIII, 4. — 6. Livr.
de 1860; T. XIX, 1—4, de 1861.
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F. 1—43, de 1859—1861.
Parker, W. K., London. On the nomenelature of the foraminifera. 1860. — On the Rhizo-
podal fauna of the mediterranean compared with that of the italian ad other tertiary
deposits. 1860. — On sorae fossil foraminifera from Chellaston, near Derby. 1860.
Passau» Naturhistori sch er Verein. IV. Jahresbericht. 1861.
Perrey, Alexis. Note sur les tremblements de terre en 1857 avec Supplements pour les
annees anterieures. Dijon 1861.
St. Petersburg'. Kais. Akademie der Wissenschaften. Memoires. T. III, No. 10,
11. — Bulletin. T. III, No. 6—8; T. IV, No. 1—2. 1861.
Pfeiffer, Franz, Professor an der k. k. Universität, Wien. Der Scheich. 1861.
Philadelphia. Academy of natural Sciences. Journal. N. Ser. VoL IV, P. 4, 1860.
— Proceedings Fol. 6 to end 1860; 1861, F. 1 — 4.
„ Franklin-Institute. Journal. Vol. 39, N. 4—6, 1860; Vol. 40, N. 1—6, 1860; Vol.
41, N. 1-6, 1861.
Pilsen. K. k. Gymnasium. Jahresbericht für das Schuljahr 1861.
Prag. K. k. Sternwarte. Magnetische und meteorologische Beobachtungen zu Prag.
XXI. Jahrg. Vom 1. Jan. bis 31. Dec. 1860.
„ Naturhistorischer Verein Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. X. Jahrg.
1860; XI. Jahrg. 1861, Jänner bis August.
„ Handelskammer. Die Erwerbsverhältnisse im hohen Erzgebirge. Bericht an das Cen-
tral-Comite etc. Prag 1862.
„ K. k. Patriot.-ökonom.- Gesellschaft. Centralblatt für die gesammte Landes-
cultur und Wochenblatt für Land-, Forst- und Hauswirthschaft. 1860, N. 52 — 61; 1861,
N. 1-51.
Presfwich, Joseph, in London. On the occurence of flint-implements, associated with
the remains of animals of extinct species in beds of a late geological period, in France at
Amiens and Abbeville, and in England at Hoxne. London 1861.
Quaglio, Julius, Civil-Ingenieur, in Kronstadt. Bericht über die Verhältnisse des Kohlen-
reviers im Zillthal an den Verwaltungsrath des Kronstädter Bergbau- und Hüttenactien-
Vereins. Wien 1861. — Verwaltungsbericht der k. k. Berghauptmannschaft zu Zalathna
für das Grossfürstenthum Siebenbürgen.
Regensburg. Kön. botanische Gesellschaft. Denkschriften. IV. Bd., 2. Abth., 1861.
„ Zoologi sch mineralogi scher Verein. Abhandlungen. VII. Heft, 1856. — Corre-
spondenzblatt. XIV. Jahrg. 1860.
Roemer, F. A., Professor an der k. Bergschule zu Clausthal. Geschichte der kön. Berg-
schule zu Clausthal. Goslar 1861.
Rom« Accademia pontificia de’ nuovi Lincei. Atti. Anno XIII, Sess. V — VII, Aprile
Giugno 1860; Anno XIV, Sess. I — IV, Dicembre 1860 — Marzo 1861.
Rossi, Dr. L. M., Gymnasial-Direetor in Venedig. Sul battito del cuore nel vuoto pneuma-
tico, studj sperimentali dei Dott. D. Busoni e L. M. Rossi. Venezia 1861.
Rostock. Mecklenb. patriotischer Verein. Landwirthschafliche Annalen. XV. Bd.,
2. Abth.; XVI. Bd., 1. Abth., Hft. 1, 2; dann 2. Abth. N. 1-6, 1860/61.
Rütimeyer, Dr. L., Professor in Basel. Die Fauna der Pfahlbauten in der Schweiz. Unter-
suchungen über die Geschichte der wilden und der Haussäugethiere von Mittel-Europa.
Basel 1861.
Saatfeld« Realschule. Programm. 1861. — Zu einer Weihnachtsgabe für arme Schulkinder
unserer Stadt. 1860.
Salzburg« K. k. Gymnasium. XI. Programm für 1861.
Scarpellini, Catherina, in Rom. Intorno un parelio e intorno una modificazione pro-
posta per le navi da vapore. Lettera del Dr. Socr. Cadet alla chiar. Sign. Cat Scar-
pellini. 1861. — Risultati delle osservazioni delle stelle cadenti nell’Agosto. 1861. —
La grande cometa del 30. Giugno 1861. Roma 1861. — Al Commendatore Ben. Trompeo,
in Torino, onor. correspondente de’ vecchi Lincei questa laudazione di Gioach. Taddei,
chemico distintissimo etc. 1861. — 11 passaggio di Mercurio avanti il sole osservato in
Roma li 12. Nov. 1861.
Seharff, Dr. Friedrich. Ueber die Bauweise der walzenförmigen Krystalle. Stuttgart 1861.
— Ueber Bildungsweise der Arragonite.
11*
84 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. 8. w.
Schässburg. Evang. Gymnasium. Programm zum Schlüsse des Schuljahres 1860/61.
Selwyn, Alfred, Government Geologist in Melbourne, Australien. Geological Survey of
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1857/1858. (8 Bl.). — Geological map. (2 Bl.). — Victoria. Electoral districts and sub-
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Silliman, B., Professor, New-Haven. American Journal of science and arts. Nr. 82—90 de
1860; Nr. 91 — 94 de 1861. — The great Comet of 1861.
Speyer, Dr. Oscar, Lehrer an der höheren Gewerbeschule, Cassel. Ueber Tertiär-Conchy-
lien von Sollingen bei Jerxheim im Grossherzogthum Braunschweig. 1860.
8taring, Dr. W. C. H., Geologe, in Haarlem. Toestand van het geologisch onderzoek van
Nederland. 1860. — Carte geologique de la Neerlande. Sect. 19. Betuwe, Nr. 20. Mün-
sterland.
Stockholm, K. Akademie der Wissenschaften. Handlingar. N. F. I, 1, 1858. —
Ofversigt af forhandlingar. XVI, 1859. — K. svenska Fregatten-Eugenies Resa omkring
Jorden etc. Zoologi. IV.
$toliczka, Ferdinand, Wien. Ueber die Gastropoden und Acephalen der Hierlatz-Schich-
ten. Wien 1861.
Stoppani, Anton, Bibliothek-Custos an der Ambrosianischen Bibliothek, Mailand. Essai sur
les conditions generales des couehes a Avicula contorta et sur la Constitution geologique
et paleontologique speciale de ces meines couehes en Lombardie. 1861.
Studer, B., Professor, in Bern. Les couehes en forme de C. dans les alpes.
Sturz, Dr. Jacob, in Berlin, Brasilianische Zustände und Aussichten im Jahre 1861. Mit Be-
legen nebst einem Vorschlag zur Aufhebung der Sclaverei und Entfernung der Schwar-
zen aus Nord-America. Berlin 1862.
Stuttgardt* Verein für vaterländische Naturkunde. Jahreshefte. Jahrg. XVII,
1861, Hft. 1—3.
Szigeth« Helv. Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
Teschen. K. k. Kath. Staats- Gymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
„ K. k. Evang. Gymnasium. Programm am Schlüsse des Schuljahres 1861.
Theobald, Dr. G., Professor, in Chur. Naturbilder aus den Rhätisehen Alpen. Chur 1861.
— Unter-Engadin. Geognostische Skizze.
Toulouse. Kais. Akademie der Wissenschaften. Memoires. Ser. V, T. V, 1861.
Trautschold, in Moskau. Bemerkungen über die stratigraphischen Verhältnisse des Gou-
vernements Kaluga. Moskau 1860. — Uebergänge und Zwischenvarietäten. Moskau 1861.
— Recherches geologiques aux environs de Moscou. Couehe jurassique de Galiowa.
Moscou 1861. — Recherches geologiques aux environs de Moscou. Couehe jurassique de
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Trier. Gesellschaft für nützliche Forschungen. Jahresbericht über die Jahre
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Triest. K. k. Marine-0 b er-C omma ndo. Reise der österreichischen Fregatte Novara um
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Venedig. K. k. Institut der Wissenschaften. Memorie. Vol. IX, P. 2, 3, 1861. —
Atti. Tom. VI, disp. 1 — 10, 1860/61.
Vicenza. K. k. Lyceal-Gy mnasium. Programma per l’anno 1861.
Villa, Anton, in Mailand. Osservazioni zoologiche eseguite durante l’ecclisse parziale di
sole del 18 Luglio 1860. — Straordinaria apparizione di insetti carnivori. — Süll’ origine
delle perle e sulla possibilitä di produrle artificialmente. 1860.
Vinkovce. K. k. Kath. Obergymnasium. Programm für das Schuljahr 1861.
Volpicelli, Paul, Professor in Rom. Teorica della compensazione dei pendoli. Roma 1860.
— Formul es electrometriques. — Sulla legge diMariotte sopra un congegno nuovo per
dimostrarla nelle sperimentali lezioni e su varie applicazioni d’essa. Roma 1859. — Di
uno stereoscopio diaframatico, nota. Roma 1854. — Sulla elettricitä dell’atmosfera.
Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 85
2. Nota. Roma 1861. — Descrizione (Tun nuovo anemometrografo e sua teorica. Roma
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the most practicable and econoinical Route for a Railroad from the Mississippi River
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Weiss, Adolph, Docent an der k. k. Universität in Wien. Ueber die Abhängigkeit der Linien-
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Wien 1861. — Ueber das Verhalten des Kupferoxy-Admmoniaks zur Membran der Pflanzen-
zelle, zum Zellkerne und Primordialschlauche von Dr. A. W eiss und Dr. J. Wiesner.
^ Wien 1861.
Weiss, Dr. Edmund, in Wien. Ueber Meteoriten. Ein Vortrag u. s. w. Wien 1862.
IVerschetz. Oeff. Unter-Realschule. Jahresbericht, 4. — 7.1858 — 1861.
Wien. Dir ection der k. k. ausschl. priv. Kaiser Ferdinands Nordbahn. Proto-
koll über die Verhandlungen der am 22. Mai 1861 abgehaltenen 34. General- Versamm-
lung der Actionäre 1861. — Relation über die zwischen der a. pr. K. F. Nordbahn und
der k. k. pr. öst. Staats-Eisenbahngesellschaft obwaltenden Verhältnisse. Wien 1861. —
Rechtsgutachten von 7 Professoren der Wiener Universität über Inhalt und Umfang des
Privilegiums der K. F. Nordbahn. Wien 1861. — Die Bau-Projecte der öst. Staats-Eisen-
bahngesellschaft und das Privilegialrecht der K. F. Nordbahn. Wien 1861. — Berichtigung
der Bemerkungen des Herrn I. Maniel über eine Relation des H. Francesco ni.
Wien 1861.
„ K. k. Staats-Ministerium. Reichsgesetzblatt. Jahrg. 1860, St. LXXVII. — LXXX. ;
Jahrg. 1861, St. XVII.— L. — Austria. 1860, Hft. 53; 1861, Hft. 16-50. — Berg- und
hüttenmännisches Jahrbuch der k. k. Montan-Lehranstalten u. s. w. X. Bd. Wien 1861.
„ K. k. Handels-Ministerium. Uebersicht der Verhältnisse und Ergebnisse der österr.
Bergbaues im Verw.-Jahre 1860. Wien 1861.
„ K. k. Direction der administrativen Statistik. Mittheilungen aus dem Gebiete
der Statistik. IX. Jahrg., Hft. 2, 3, 1861.
„ Magistrat. Statistik der Stadt Wien. Herausgeg. von dem Präsidium des Gemeinde-
rathes und Magistrats der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt. Probeheft zur Vor-
lage an den 3. internationalen statist. Congress. Wien. 2 Hfte. 1857, 1861.
„ Kais. Akademie derWissenschaften. Denkschriften. Mathem.-naturw. Classe.
XIX. 1861« — Denkschriften. Phil.-hist. €1. XI. Bd. 1861. — Sitzungsberichte. Philos.-
hist. Ciasse. XXXV. Bd., Hft. 3—15, 1860; XXXVI. Bd., 1.-3. Hft.; XXXVII. Bd.,
1. — 4. Hft. 1861. — Sitzungsberichte. Math.-naturw. Classe. XLII. Bd., 1860, Nr. 22 — 29;
XLIII. Bd., 1861, Jänner. 2. Abth. Febr. 1., 2. Abth.; März, 1. u. 2. Abth.; April, 1. u. 2.
Abth.; Mai, 1. u.2. Abth.; XLIV. Juni, 1. u. 2. Abth.; Juli, 1. u. 2. Abth. 1861.
„ K. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Uebersichten
der Witterung. Jänner bisDecember 1859. — Jahrbücher. VII. u. VIII. Bd., Jahrg. 1855/56.
„ K. k. Akademisches Gymnasium. Jahresbericht für das Schuljahr 1860/61.
„ K. k. Gymnasium zu den Schotten. Jahresbericht am Schlüsse des Schuljahres
1861.
„ K. k. Ober-Realschule in der Vorstadt Landstrasse. 10. Jahresbericht für das
Schuljahr 1861.
„ Doctoren-Collegium d er m edicinis chen Facultät. Oesterr. Zeitschrift für
praktische Heilkunde. 1861, Nr. 1 — 51. — XI. Jahresbericht für 1860/61.
„ K. k. geographische Gesellschaft. Mittheilungen. IV. Jahrg. 1860.
„ K. k. Gartenbau-Gesellschaft. General-Versammlung am 12. Juni 1861.
„ K. k. Lan d wirth Schafts -Gese 1 Is chaft. Allgem. land- und forstwirtschaftliche
Zeitung. 1861, Nr. 10 — 36.
„ K. k zoolog. botanische Gesellschaft. Verhandlungen. Jahrg. 1860. X. Band.
„ Oesterr. Ingenieur-Verein. Zeitschrift. XII. Jahrg., 10. — 12. Hft., October bis
December 1860; XIII. Jahrg., Nr. 1 — 9, 1861. — Verzeichniss der Mitglieder. 1861.
„ Handelskammer. Bericht über den Handel u. s. w., während der Jahre 1857 bis
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(2. Aufl.) , 2. u. 3. Bd.; II. Jahrg. 1861; I. Bd., 1.-5. Lief.; II. Bd. , 6.-I0. Lief.;
III. Bd., 1.— 6. Lief., IV. Bd.; 1.— 5. Lief.; V. Bd., 1. u. 2. Lief.
86 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
Wien* Oesterreichische botanische Zeitschrift. 1860, Nr. 7 — 12; 1861, Nr. 1 — 12.
„ Redaction des Wanderer. Blatt Nr. 272 mit Notiz von B a 1 la über Meteorologie.
„ Gewerbe-Verein. Verhandlungen und Mittheilungen. Jahrg. 1860, Hft. 9—12; 1861,
Nr. 1—10.
Wiesbaden. Verein für Naturkunde. Jahrbücher. 14. Hft., 1859; 15. Hft., 1860. —
Das Festland Australien. Geographische, naturwissenschaftliche und culturgeschichtliche
Skizzen von Fr. Odern heim er. Wiesbaden 1861.
Würzburg. Landwirthschaftl. Verein. Gemeinnützige Wochenschrift. 1860, Nr. 36
—52, 1861, Nr. 1—39.
„ Medici n. Physic. Gesellschaft. Naturwissenschaftl. Zeitschrift. I, 3, 4, 1860; II,
1—4, 1861. — Medicinische Zeitschrift. I, 5, 6, 1860; II, 1 — 4, 1861.
Zigno, Freih. v. Achilles, in Padua. Sulla costituzione geologica dei Monti Euganei. Me-
moria. Padova 1861. — Sopra un nuovo genere di felce fossile. Memoria. Venezia 1861.
Knaim. K. k. Gymnasium. Programm für das Studienjahr 1861.
Zürich. Naturforschende Gesellschaft. Vierteljahrschrift. Jahrg. III, 3,4, IV, V.
1858—1860.
Geschlossen am 15. December 1861.
JAHRBUCH
DER
KAISERLICH - KÖNIGLICHEN
GEOLOGISCHEN REICHSANSTALT.
JAHRGANG 1861 UND 1862. XII. BAND.
NR0 2. JÄNNER. F ER RU AR. MÄRZ. APRIL. 1862.
BEI WILHELM BRAU MÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES.
: v
II. lieft.
12. Band. 1861 u. 1862. JAHRBUCH
DER
KAIS. KÖN. GEOLOGISCHEN REICHS-ANSTALT.
I. Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
Zweite Abtheilung *).
Von Ferdinand Freiherrn v. Rieht hofen.
Mit 1 lithographirten Tafel.
B. Lagerung und Gebirgsbau in der Trias-Lias-Zone.
(Fortsetzung.)
II. Trias-Lias-(rebiet zwischen Bludenz und dem Arlberg.
Von dem in seinem Gebirgsbau so complicirten Rhätikon wenden wir
uns zur östlichen Fortsetzung der Trias-Lias-Zone und betreten damit ein Gebiet,
welches durch eine überraschende Harmonie und Gesetzmässigkeit seines Baues
in allen Theilen ausgezeichnet ist. In steter Gleichförmigkeit ziehen mächtige
Hebungswellen, einander parallel und gleich gebildet, in weiter Erstreckung von
West nach Ost und erleiden nur selten in ihrer Regelmässigkeit eine locale Unter-
brechung, wie an der Alpilla-Spitz/am Thannberg, bei Re litte und an einigen
anderen Orten; manche von ihnen lässt sich leicht 10 — 12 Meilen weit ungestört
verfolgen. Die Hebungswellen sind das eigentlich Typische und Formgebende im
Gebirgsbau unseres gesammten Trias-Lias-Gebietes bis hin nach Salzburg und
Berchtesgaden und man kann denselben in seinen allgemeinen Verhältnissen
nur dann verstehen, wenn man die elementaren Hebungswellen in ihrer Entwicke-
lung verfolgt. Es schieben sich secundäre Wellen ein, eine Mulde geht im wei-
teren Verlauf in eine Ueberschiebung oder eine Ueberstürzung über und so gibt
es noch unendlich viele Modificationen, welche eine Hebungswelle erleiden kann.
Um sie genauer und übersichtlicher erörtern zu können, scheint es zweckmässig
diejenigen welligen Aufbiegungen, welche sich auf sehr bedeutende Erstreckung
verfolgen lassen, mit Bezeichnungen zu belegen und sie als Haupt-Hebungswellen
gegenüber den accessorischen zu betrachten. Nur dadurch dürfte es möglich sein,
bei dem schrittweisen Vorgang in der Betrachtung den Zusammenhang des Gan-
zen nicht zu verlieren.
Der Ausdruck „Hebungswelle“ ist klar; er bezeichnet die geradlinig
fortstreichende wellige Aufbiegung eines Schichtensystems * 2). In unserem Gebiet
4) Siehe die erste Abtheilung in diesem Jahrbuche, Band X, 1859, Seite 72—137, mit
XII Profilen und 2 Tafeln.
2) Der Ausdruck „Hebungswelle“ soll in keiner Weise eine Theorie über die Entstehung in
sich schliessen. Kaum wird jetzt, nach Besiegung unserer so weit verbreitet gewesenen
Theorien über die Epochen plötzlicher Hebungen und die zahllosen Hebungssysteme
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft, 12
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
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[2]
streichen sie ohne Ausnahme ungefähr von West nach Ost (h. 4*/2 — l'/z), daher
man einen Nord- und einen Süd-Schenkel unterscheiden kann !).
Folgende können in dem zunächst zu erörternden Theile des Trias-Lias-
Gebietes als die Haupthebungswellen angesehen werden :
I. (Profile VI bis XII) 2). Von Bludenz durch das Klosterthal überden
Arlberg und im Stanzer Thal abwärts bis Mils (zwischen Landeck und
Imst) erstreckt sich in einer Länge von beinahe 10 Meilen eine ausgezeichnete
Hebungswelle, stets unmittelbar an der Grenze mit dem Urgebirge und zwischen
Bludenz und Pians nur mit dem gegen Norden fallenden Theil entwickelt. In
Westen schiebt sich zwischen dem Klosterthal und dem Bartholomäus-Berg noch
eine Fortsetzung der Rhätikon-Gebirge ein, welche wir als IS und II (für die
Profile) betrachten werden. Hiervon abgesehen fallen alle Schichten dieses
Systems gegen Norden, bilden eine im Westen schmale, im Osten (Meridian
des Mutterkopfes) 1 i/2 Meilen breite, flache Mulde und erheben sich wieder zu
II (Profile V bis XII), der ersten jener Wellen, welche nur mit dem süd-
lichen Theile entwickelt sind; ihre Nordgrenze ist durch eine Ueberschiebung
ihrer ältesten Schichten auf die jüngsten der Welle III bezeichnet; sie beginnt
bei Lude sch, zieht am Nord-Abhang des Hoch-Frassen hin, südlich von
Maroul und Garfüllen vorüber und wird in der sehr verwickelten Umgebung
der Rothwand undeutlich. Sie geht dann weiter über Zug, Am Lech, Grub-
Spitz, Kristali-Spitz nach Gramais und Pfaflar und wir werden sie
später durch die Einsattelungen nördlich von der Heiter wand und vom Wan-
neck weiter verfolgen.
Die Mulde IN — II S gehört wegen ihrer eigenthümlichen Lagerungs-
verhältnisse zu den wichtigsten und interessantesten Theilen unseres gesammten
Gebietes.
noch Jemand daran zweifeln, dass die Zusammenschiebungen der Sedimentärgebirge
an den Flanken unserer krystallinischen Centralketten zu einem Faltensysteme von
Gebirgszügen ihre Entstehung einer langen Reihe säcularer Hebungen und Senkungen
verdanken; wer aber dürfte mit den uns jetzt zur Untersuchung zu Gebote stehenden
Mitteln wagen zu bestimmen, welche Bewegung die Hauptrolle gespielt hat. In allen
Fällen aber hat eine relative wellige Erhebung über die Grundlage stattgefunden und
dies dürfte die Bezeichnung rechtfertigen.
0 Zur Vereinfachung der Darstellung wie zu der besseren Vergleichung mit den Profilen
scheint es geeignet, gewisse Bezeichnungen anzuwenden:
Die Hauptwellen tragen römische Ziffern. Mit I bezeichnen wir die der Grenze
mit den krystallinischen Schiefern benachbarte Welle, mit II, III, IV u. s. f. successiv die
weiter gegen Norden folgenden Hauptwellen. Wenn sich die krystallinischen Schiefer
so weit gegen Norden erstrecken, dass z. ß. I und II verschwinden, s'o werden sie bei
dem Zurücktreten von jenen wieder in derselben Bedeutung aufgenommen.
Die untergeordneten oder accessorischen Hebungswellen werden
mit arabischen Ziffern bezeichnet, welche dem Zeichen der zunächst nördlich angren-
zenden Hauptwelle beigesetzt werden.
Der Nord- oder Süd-Schenkel einer Welle werden durch ein angehängtes
N oder S ausgedrückt. HIN bedeutet daher den Nordabhang einer zwischen der
ersten und zweiten Hauptwelle auftretenden accessorischen Aufbiegung. In den meisten
Fällen ist nur einer der beiden Schenkel ausgebildet und zwar stets der südliche;
der Nordabhang zeigt alsdann den steilen Durchschnitt der auf die nächste Welle
übergeschobenen Schichten, der Nord-Schenkel aber fehlt. Ein Blick auf die Profile
lehrt, wie überaus häufig dieser Fall in unserem Gebiete ist und wie die abnorme
Erscheinung zum Gesetz wird. Sehr selten findet eine Muldenbildung statt, wie sie im
Rhätikon mehrfach zu beobachten war. Es ist klar, dass jede Mulde durch I N 4* II S
oder II S IHN u. s. w. gebildet wird, also stets zwei Wellen angehört, während
ein Rücken stets nur aus einer einzigen besteht.
a) Bei der ersten Abtheilung dieser Abhandlung.
[3]
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
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III (Profile VII bis XII). Eine dritte schärfer abgegrenzte Hebungswelle von
geringer Breite erstreckt sich nördlich von der vorigen; auch von ihr zeigen die
Profile nur südlich fallende Schichten. Untersucht man die Nordgrenze des Zuges
von Osten her, so lässt sie sich von L er mos über Na ml es und Bschlaps
nach dem Lechthal verfolgen, setzt im schiefen Winkel zwischen Griesau
und Ober-Giebler über dasselbe hinweg, nimmt jenseits einige Vorsprünge
mit und endigt scheinbar im Lechthal selbst bei Stög; allein mit Berücksichti-
gung der sehr gestörten Verhältnisse dieser Gegend lässt sich die Welle als
solche weiter verfolgen und erscheint in ihrem alten Charakter bald wieder; ihre
Nordgrenze zieht durch den Gypsitobl nach dem Gansboden, Tisner
Gschröf und der Alpilla im grossen Walser Thal.
IV (Profile VIII bis XII). Unweit nördlich von der Alpilla beginnt ein An-
fangs sehr schmaler Zug, dessen Nordgrenze an der südlichen Thal wand des
Walser Thaies hinzieht, am Juppenspitz und Warthhorn fortsetzt, bei
Warth in kurzer Erstreckung verschwindet und dann über Mädele-Gabel
und die Bretter-Spitz nach Vorder-Hornbaeh im Lechthal zu ver-
folgen ist.
V (Profile VIII bis XII). Eine durch ausgezeichnete Schichtenentwickelung
und durch die Höne ihrer Dolomitgebirge ausgezeichnete Hebungswelle ist:
Zitterklapfen, Widderstein, Ochsen joch, Hochvogel. Die Grenze ist
am Nordabfall dieser mächtigen Gebirge; der Dolomit überlagert hier die
Algäu-Schichten von
VI (Profile IX bis XII), einer sehr untergeordneten Hebungswelle, welche
in Vorarlberg nur die nördlichen Gehänge des Zitterklapfen-Zuges, das Zwölfer-
Horn, den Hammer-Kopf und die Kanzelwand im Mittelberg bildet, dann
das Algäu durchsetzt und mit dem Hochwaldspitz wieder Tirol betritt.
Sie zieht von hier über das Kälbeles-Eck und den Leitach-Spitz gegen
W eissenbach hin.
Wir setzen unsere unterbrochene Beschreibung der Lagerung und des Ge-
birgsbaues in der Trias-Lias-Zone bei dem zwischen Bludenz und der tirolischen
Grenze gelegenen Theil fort, welcher eine durchschnittlich 21/a Meilen breite
Zone zwischen krystallinischen Schiefern und Flyseh bildet.
Umgeg end von Bludenz, Bratz, Dalaas, Barth olomäusherg. (Verhältniss zum
Rhätikon.) Profile V bis IX.
Bludenz liegt unweit der Vereinigung des vom Arlberg herabkommenden
Klosterthaies mit dem grösseren Montavon in schöner fruchtbarer Gegend, ein
vortrefflicher Ausgangspunkt für Excursionen nach allen Theilen der weiteren
Umgegend. Ein sehr niederer, nach Süden steiler, nach Norden flacher Bergvor-
sprung zieht sich von Osten her in die Stadt hinein und trägt das Schloss der-
selben. Er besteht aus nördlich fallendem Virgloria-Kalk , der in einigen Stein-
briichen gewonnen wird. Mit stets gleichem Fallen streicht der mauerförmig ab-
gebrochene Kalk nördlich von Rungelin vorbei quer über den Grupser Tobl und
über Bratz nach Dalaas. Die Mauer bildet den unteren Theil eines hohen steilen
Abhanges, mit welchem der Geisspitz, die Gamsfreiheit, die Pitschi-Köpfe, der
Rogelskopf u. s. w. gegen das Ulthal abstürzen, und wie ihre eigenen Schichten
flach nördlich fallen , so thut dies auch die ganze Folge , welche sich zu dem
hohen Abhang aufbaut. Es sind dies in normaler Reihenfolge alle Formationsglie-
der, welche ihre Stellung über den Virgloria-Kalken bis hinauf zum Dolomit
12*
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
90
w
haben. Das ganze nördlich fallende System aber, welches die Wand durch-
schneidet, ist die nördliche Hälfte unserer Welle I.
Ehe wir in dieser Richtung weiter vorschreiten, untersuchen wir den Theil,
welcher südlich von der Linie BIudenz-Dalaas liegt; dazu dient am zweckmässig-
sten ein
Durchschnitt von Bludenz nach Sehr uns im Montavon.
In dem Profil V ist der Abhang vom Katzenkopf hinab nach Rungelin ein
Theil der eben beschriebenen Wand. Während aber fast in der ganzen Erstrek-
kung bis Dalaas die Thalsohle an diese Wand unmittelbar herantritt, legt sich
südöstlich von Bludenz ein niederer, jener Wand vollkommen paralleler Berg-
rücken vor, um dessen Fuss sich die Strasse winden muss. Er besteht aus zwei
schmalen Kalkriegeln, welche durch eine Mulde getrennt werden und sich durch
ihre dunkle Bewaldung auch landschaft-
lich scharf zeichnen. Die Schichten fallen
südlich und man erkennt deutlich die
Triaskalke und die Partnachmergel. In
der Tiefenlinie der Aufbiegung, aber
noch über dem Niveau des Illthales, liegt
Rungelin auf sanften von Mergeln gebil-
deten Hügeln. Ob diese Mergel in der
That in der im Profil angegebenen Weise
zwischen Virgloria-Kalk und Verrucano
liegen und also den im Rellsthal beob-
achteten entsprechen, oder nicht viel-
mehr durch eine in folgender Weise (Fig. 16) stattfindende Einbiegung nochmals
erscheinende Partnachmergel sind, konnte ich nicht entscheiden.
Die Arlbergkalke fallen in das Illthal und die weitere Folge ist von Alluvio-
nen bedeckt. Die Breite des Thaies beträgt an dieser Stelle ungefähr 2500 bis
3000 Fuss; es können also sehr wohl 2000 Fuss mächtige Schichten hier hinab
fallen und mit ihrem Ausgehenden die Tbalgrundlage bilden. Geht man hiervon
aus, so wird man an der jenseitigen Thalwand das Hangende de<f Dolomits zu
suchen haben. Und in der That, wenn man über Brunnenfeld dem Ausgange
des Montavon zuwandert, so erreicht man dieses unmittelbar über der Illbrücke
an einem Felsenvorsprung mit steil (über 80°) nördlich fallenden, h. 7 (0. 15° S.)
streichenden Schichten, welche sich durch eine Unzahl von Versteinerungen als
Küssen er Schichten erweisen. Sie stehen hier in einer Mächtigkeit an,
welche in gar keinem Verhältniss zu dem gewöhnlichen Vorkommen derselben
steht. Kalksteine, z. Th. im mächtigen Bänken, herrschen vor; sie sind rauchgrau,
bläulich, röthlich, zum Theil kieselig, zum Theil sehr fein krystallinisch; die
mergeligen Schichten bleiben untergeordnet. Alle Gesteine führen einen grossen
Reichthum an thierisehen Resten. Durchschnitte von Zweischalern von 8 — 9"
Länge sind nicht selten und sehr viele sonst den Kössener Schichten fehlende
Versteinerungen; besonders ist in den mergeligen Schichten der breitrippige
Pecten lugdunensis sehr häufig.
Die Kössener Schichten halten bis zur Brücke von Lorünz an, wo sie von
Dolomit unterteuft werden. Die Streichungsrichtung h. 7 bleibt ebenso wie das
steile nördliche Einfallen auch weiterhin bestehen und da das Thal der 111 in die-
sem Theil eine NNW. Richtung hat, so durchschneidet es die Schichten unter
einem schiefen Winkel und entblösst ihre Reihenfolge an beiden Thalwänden in
überaus schöner Weise. Der Dolomit hält wegen seiner bedeutenden Mächtig-
keit lange an. Vor ihm breitet sich eine unendliche kümmerlich bewachsene
Fig. 16.
Rungelin.
1. Virgloria-Kalk. 2. Partnachmergel. 3. Arlberg-Kalk.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
91
Schutthalde aus, die dem ohnehin an seinem Eingang wilden Thal einen trauri-
gen Charakter gibt. Dies ist die Praza lans, das historisch merkwürdige Denk-
mal gewaltiger Bergstürze und Ueberfluthungen, welches nach Herrn B e rg-
mann’s Entdeckung die Veranlassung zu dem Namen Montavon gab. Den Grund
dieser auffallenden Zerstörung erkennt man leicht in den hier sehr mächtigen
gypsführenden und überdies fast senkrecht stehenden Schichten der gelben
Rauchwacke der Arlberg-Schichten. Der Fallöer Tobl hat sich tief hinein ge-
wühlt und wenn man an seinen Ausgang über die Trümmerberge hinansteigt, so
sieht man eines der grossartigsten Beispiele des Einflusses der Schichtenstellung
auf die Physiognomik einer Gegend, da gerade die Rauchwacke sich wo sie söhlig
liegt, durch ihre fruchtbaren Alpen auszeichnet. Der Gyps im Fallöer Tobl ist
theils Alabaster, theils sandig schieferig. Es kommen auch die braunen Keuper-
sandsteine der Raibler Schichten hier vor.
Bezeichnet man diese Schichten als das oberste Triasglied mit 1, so folgen
nach Süden im Liegenden:
2. Poröser fester schwarzer Kalkstein, wie im Galgentobl. Eine Sandstein-
bank ist ihm eingelagert, 50 Fuss.
3. Weisslichgraue bimssteinartige Rauchwacke, zu Grus zerfallend, 30 Fuss.
4. Grauer Kalkstein und Dolomit, stellenweise mit mergelig-schieferigen
Einlagerungen.
Die Mächtigkeit von 2 — 4 beträgt 5 — 600 Fuss, man erkennt in ihnen leicht
das gewöhnliche Vorarlbergische Aequivalent des Hallstätter Kalks, die Arlberg-
Kalke. Am Nordabhang des Gravistobels findet in sehr ausgezeichneter Weise
die stets vorkommende Wechsellagerung der tiefsten porösen Kalke mit Mergeln
statt, bis diese als
5. Partnachmergel allein herrschen. Sie führen sehr sparsam Bactril-
lium Schmidti Heer. Dem sanften Gehänge dieser Mergel folgt bald ein langer,
aus dem Abhang heraus quer gegen die 111 ziehender Rücken von
6. Virgloria-Kalk. Er ist mächtig entwickelt.
7. Mergel. Dieses selten beobachtbare Glied steht hier mit seinen Schich-
tenköpfen an, ist aber fast überall mit Rasen bedeckt. Man sieht sie wie über-
haupt das gesammte Profil am deutlichsten, wenn man den Fussweg von Sanct
Antoni nach Sanct Bartholomäusberg einschlägt, da er über alle Schichtenköpfe
quer hinwegführt.
8. Verrucano. Diese Formation ist hier ungemein reichhaltig entwickelt;
die Schichten sind die unmittelbare Fortsetzung der früher aus dem Reilsthal
beschriebenen und zeigen dieselbe Mannigfaltigkeit wie dort; doch hindert die
Rasendecke die Beobachtung der Aufeinanderfolge. Die ersten unter derselben
zu Tage tretenden Gesteine sind weisse Quarzitschiefer; ihnen folgt ein rother
grobkörniger echter Verrucano mit vielen Quarzbrocken, dann ein rother Quarz-
sandstein, grauer schuppiger Glimmerschiefer, endlich ein sehr glimmeriger
rother thoniger Schiefer mit wulstigen Schichtenflächen. Weiterhin ist nur noch
Glimmerschiefer zu beobachten. Anfangs noch schuppig und zuweilen
röthiich gefärbt, später mit allen Eigenschaften des Gesteins der Centralkette.
Auf ihm liegt die Kirche von St. Bartholomäusberg, von wo aus man Schruns
bald erreicht.
Das Profil Bludenz-Schruns lässt also eine doppelte Faltung des gesammten
Schichtensystems erkennen, eine wellige Aufbiegung bei Bludenz und eine Erhe-
bung desselben gegen die krystallinischen Schiefer.
Der Verfolg des Profils nach Westen über die 111 lehrt ein eigen-
thümliches Verhältniss kennen. Im Allgemeinen entspricht sich nämlich die
92
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[«]
Schichtenstellung an beiden Gehängen; allein die einzelnen Formationsglieder
lassen sich nur im Süden (bei Vandans und St. Antoni) unmittelbar über dem
Fluss verfolgen; weiter gegen Norden trifft man am Westabhang ältere For-
mationen als am Ostabhang.
So z. B. sucht man die Kössener Schichten von Lorünz und Brunnenfeld
jenseits umsonst; es erscheinen (s. Prof. VI) nur Dolornit mit seinem Liegen-
den und erst weiter in Westen in viel grösserer Höhe lagern ihm die Kössener
Schichten auf.
Das Illthai von Vandans bis Lud esc h bezeichnet somit eine
Verwerfun gsspalte, welche schiefwinklig gegen das Streichen der Hebungs-
wellen, rechtwinklig zur Höhenlinie Gafalina-Gaffaljoch gerichtet ist. Die Ver-
schiebung fand in senkrechter Richtung statt, so zwar, dass der östliche Theil
gegen den westlichen gesenkt wurde und jüngere Schichten in gleiches Niveau
mit älteren von jenseits brachte. Bei Schruns war wahrscheinlich der Betrag der
Verwerfung Null, vielleicht auch noch bei Vandans, nach Norden nimmt er in der
Richtung der Spalte mehr und mehr zu.
Dieser Umstand ist es vorzüglich, welcher dazu berechtigt, das Rhätikon-
gebiet als ein selbstständiges aufzufassen; es ist nicht nur durch die complicirten
Verhältnisse in seinem Bau ausgezeichnet und nicht nur durch das grösste Quer-
thal von dem übrigen Trias-Lias-Gebiet getrennt, sondern durch die einzige
die ganze Zone quer durchsetzende Verwerfungsspalte. Alle kleinen Hebungen
und Aufbiegungen, welche aus dem Rhätikongebiet bis an die Verwerfungsspalte
herantreten, sind in dem zuletzt verfolgten Profil noch zu erkennen, aber in ver-
änderter Weise. Interessant ist in dieser Beziehung die kleine scharfe wellige
Aufbiegung beiBürs (1. AbtheilungFig. 1 1 — 15) welche östlich der III in den Sattel
von Rungelin fortsetzt. Da aber die Antiklinallinie bei Bürs nach Osten ansteigt,
so müsste eigentlich der Sattel von Rungelin in weit höherem Niveau erscheinen;
die Verwerfungsspalte drückt ihn herab.
Verfolg des Profils Blud enz-Schruns nach Osten. Die Grenze
der krystallinischen Schiefer zieht sich von Gantschier (zwischen Schruns
und Vandans) nördlich von Bartholomäusberg und Kristberg vorüber
nach Wald im Klosterthal; sie streicht Stunde 5 (0. 15° N.). Da nun die Schich-
ten des Profils Stunde 7 (0. 15° S.) streichen, so keilen sie sich, eine nach der
andern an den Schiefern aus und im Klosterthal ist bereits die gesammte Welle 1 1
verschwunden. Den sichersten Anhalt zum Verfolg gibt die Rauchwacke des Fal-
löer Tobels, welche auf der Höhe des Gebirges Alpen trägt und durch den Tobl
oberhalb Dalaas quer hindurchzieht, um gleich darauf zu verschwinden. Die
Höhe des Schwarzhorngebirges scheint von Algäu-Schichten gebildet zu werden,
welche den Kössener Schichten von Davenna und Lorünz auflagern und wahr-
scheinlich die Latonser Alp tragen. Zahlreiche Bruchstücke jener höheren Lias-
Glieder, welche von Bächen herabgeführt werden, nöthigen zu dieser Annahme.
• Das Klosterthal.
Das Thal der Aflenz oder das Klosterthal zieht in ostwestlicher Richtung
vom Arlberg herab und erreicht die 111 nach vier Meilen langer Erstreckung, in
der es stets unsere Hebungswelle I südlich begrenzt und von den krystallinischen
Schiefern scheidet.
Dieser Umstand bedingt seinen Charakter; denn da von der genannten
Hebungswelle, wie erwähnt, meist nur der nördliche Theil vorhanden ist und dort
wo die Antiklinallinie die höchste Erhebung bezeichnen sollte, ein steiler Absturz
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
93
m
das gesammte Schichtensystem abschneidet, so tritt das Thal unmittelbar an die-
sen Absturz heran, der sich schroff aus seiner Sohle erhebt und die Dolomitköpfe
trägt. Jeder Aufsteig an irgend einer Stelle dieser Wände entblösst das schönste
Profil der Trias-Schichten und des Dolomits und geht man noch weiter nach Nor-
den vor, so erreicht man fast überall auch die jüngeren Lias-Glieder in mulden-
förmiger Einlagerung. Dieses ausgezeichnete Verhalten findet von Bludenz bis
zum Arlberg statt und ist nur stellenweise ein wenig modificirt, indem sich auch
der Rücken der Hebungswelle geltend macht, wie die Profile VII bis XII zeigen.
In allen Theilen des Gebietes, welches wir jetzt betrachten, steigen wir aus dem
Klosterthal auf. Wir wenden uns daher zunächst zu dessen nördlicher Vorlage,
um dann allmälig bis zu der Grenze des Trias-Lias-Gebietes gegen den Flysch
vorzuschreiten und theilen das Ganze in folgende Abschnitte:
1. Bludenz-Ludesch-Alpilla-Rothwand-Bratz.
2. Dalaas-Formarin-Schafberg-Spullers-Klösterle.
3. Stuben-Arlberg-Grabaeh-Zürss.
4. Oberstes Lechgebiet (Zug, Am Lech, Stubenbach), Grubspitz, Gypsitpbl.
5. Walser Thal, südliches Gebiet.
6. Walser Thal, nördliches Gebiet (Zitterldapfen, Künzle-Spitz).
7. Thal Mittelberg und Widderstein.
8. Gegend von Schröcken, Hoch-Krumbach und Warth.
Bludenz, Ludesch, Alpilla, Rothwand, Bratz.
Auf dem Weg von Bludenz in den Galgentobl geht man bis Ob do rf
an einem Abhang hin, der das nördlich fallende Triassystem gegen West
abschneidet. Hat man daher die kleine Terrasse von Virgloria-Kalk überschritten,
welche das Schloss von Bludenz trägt, so folgen Partnach-Schichten, Arlberg-
Kalk und bei Obdorf Rauchwacke, welche den Abhang in grosser Ausdehnung
bildet. Die Rauchwacke biegt aber plötzlich muldenförmig um und mit dem Ein-
tritt in den Galgentobl erreicht man ihr Liegendes, die Arlberg-Kalke, abermals
und verfolgt beim weiteren Anstieg deren südöstlich fallende Schichtenreihe
nach abwärts. Steigt man dann über Bratz hinauf gegen den Hoch-Frassen,
so sieht man bald das System zum zweiten Mal, jetzt zum nordwestlichen Falle,
umbiegen, es folgt noch einmal Rauchwacke, welche die Häuser „Muttersberg “
trägt, und darüber nordwestlich fallender Dolomit. Diese gewölbartige Biegung
beobachtet man noch besser an dem Weg von Obdorf nach Nüziders
und um den hangenden Stein nach Ludesch. Es folgt hier der Reihe
nach : Rauchwacke der Raibler Schichten (Obdorf), Arlberg-Kalk (Galgentobl,
Vorder-Latz, Ofers, Nüziders, Schloss Sonnenberg), Partnachmergel, Virgloria-
Kalk (nur ein kleines aber gut aufgeschlossenes Gewölbe kommt zum Vorschein),
Partnachmergel, Arlberg-Kalk, Rauchwacke (trägt in der Höhe Hinter-Latz),
Dolomit, der den „hangenden Stein“ bildet. So heisst der Vorsprung eines Armes
des Hoch-Frassen gegen die 111. Am Dolomit hin erreicht man Ludesch und
damit Flysch, welcher den Dolomit unterteuft. Weiter hinauf gegen den Ludescher
Berg schieben sich zwischen Beide noch Algäu-Schichten ein.
Der hohe Frassen, ein vorzüglich schöner und geognostisch interes-
santer Aussichtspunkt, besteht in seinem obersten Theil aus Dolomit, welcher
jenes tiefere Gewölbe bedeckt und daher selbst ein mächtiges Gewölbe bildet.
Er hat schroffe Schluchten, steile Wände und sanfte steinige gerundete
Gehänge, die mit Knieholz bewachsen sind. Mit diesen Formen zieht die Berg-
masse südwestlich hinab nach dem hangenden Stein, südöstlich setzt siefort
94
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
r«]
in der Heis spitz, während sie nach Norden steil auf ein sanfteres Land abfällt,
das eine andere Gebirgsart andeutet. Man erreicht sie nach kurzem Abstieg von
der Höhe gegen Raggall; es sind Lias-Fleckenmergel mit Adnether Kalk und
allem Zugehörigen und dieser Lias ruht seinerseits wieder auf Flysch, welcher
das Dorf Raggall trägt. Dieses abnorme Lagerungsverhältniss gleicht dem,
welches wir so häufig im südwestlichen Theil des Rhätikon trafen. Eine Anla-
gerung findet durchaus nicht statt; denn die Wand des Hoch-Frassen besteht
aus steil abgeschnittenen horizontalen Schichtenköpfen. Diese Grenze zwischen
Algäu-Schichten und Flysch ist bei Raggall durch die Wälder der ersteren und
die Felder und Wiesen des Flysches bezeichnet.
Von Raggall über Maroul nach Lagutz geht man stets unweit der
Auflagerungslinie des Dolomites auf den Algäu-Schichten, an den Abhängen des
Mar oul er Thaies. Letzteres ist in seiner oberen Strecke ein Längsthal zwi-
schen Alpilla (N) und Gamsfreiheit (S) und wendet sich dann zum fast rechtwink-
ligen Durchbruch des nach Stunde 5 streichenden, £teil südlich fallenden Flysches.
Hier bildet es als Querthal eine tiefe Schlucht mit steilen buchenbewachsenen
Wanden, durch welche der Weg von Raggall nach Maroul führt. Reide Dörfer
liegen in ihrer ganzen Erstreckung im Gebiet des eocenen Flysches, der hier eine
weite Riegung nach Süden macht und bis zur Wendung des Thaies gegenüber
der Mündung des EU-Tobls anhält. Es folgen Algäu-Schichten, wie oberhalb Rag-
gall. Zwischen Maro ul und Garfüllen treten sie Anfangs als flyschähnlicher
Mergelschiefer auf mit einzelnen Fleckenmergel-Schichten; dann erscheinen sie
an den Abhängen gegen die Alpilla hinauf plötzlich in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit
mit den Wänden des hornsteinführenden Kalkes, den knolligen rothen Adnether
Kalken, dem blutrothen Hornstein u. s. w.
Um den Schichtenverband zu verstehen, in welchem diese jüngeren Lias-
glieder zu den das Marouler Thal einschliessenden Dolomiten stehen, verfolgen
wir das Profil aus dem Klosterthal über die Gamsfreiheit und quer über
das Maro hier Thal nach der Alpilla. Das letzt genannte Thal ist wie erwähnt
ein Längsthal, parallel dem Klosterthale; zwischen beiden zieht ein breites Dolo-
mitgebirge hin, welches in das Klosterthal mit den vielgenannten Triasschichten
abstürzt und unserer Hebungswelle I angehört. Dieser Dolomit überlagert die
Algäu-Schichten des Marouler Thaies ebenso wie er es weiter westlich am Hoch-
Frassen thut; in der Mitte der südlichen Thalwand verläuft die Auflagerungslinie.
Man könnte versucht sein dies durch eine überstürzte Welle zu erklären; allein
es schiebt sich zwischen beiderlei Schichten noch Rauchwacke der Raibler
Schichten und somit ist nur die Annahme einer U eher Schiebung längs der
Linie vonLudesch bis zum oberen Marouler Thal möglich, eine Ueber-
schiebung von Dolomit, zum Theil mit seinem Liegenden, auf die jüngsten
Liasglieder.
So klar dieser Schichtenverband nach Süden, so unklar ist das Verhältnis
zum Dolomit der Alpilla. Als ein kleiner ostwestlich streichender, isolirter Kamm
mit schroffen, wilden Formen erhebt er sich mitten aus den umgebenden Algäu-
Schichten. Resonders aber wird die Interpretation durch ein mächtiges Gypslager
erschwert, welches auf halbem Wege zwischen Garfüllen und Lagutz unter den
zerrissenen Schutthalden von Dolomit zu Tage kommt und wahrscheinlich als
Vertreter der Raibler Schichten den Dolomit der Alpilla unterteuft. Der Gyps
bildet dünne Zwischenschichten in dunklen dünnschiefrigen Mergeln. Raid darauf
führt der Weg über Dachsteinkalk und Adnether Kalk nach Lagutz, einer
schönen Alpe von 11 Sennhütten. Sie liegt in einem mit fruchtbarem Roden
erfüllten Kessel in Dachsteinkalk, der hier von bedeutender Mächtigkeit ist
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
95
Sckichtenkriimmungen des Daclisteinkalkes und Adnether Kalkes am
Os (abhange der Rothwand.
d Dachsteinkalk ; a Adnether Kalk ; f Fieekenmergel der Algäu-Schichten.
[9]
unmittelbar am Fuss des Rothhorns, hinter welchem sich die hohe Gebirgs-
masse der Rothwand erhebt.
Die Rothe Wand ist ein mächtiger Gebirgsstock, der aus einem vielfach
gewundenen Complexe von Algäu-Schichten , Adnether und Dachstein-Kalk
besteht. Besonders erreichen die rothen Adnether Kalke eine bedeutende Mäch-
tigkeit; sie geben der Gipfelmasse, von der sich nach Osten ein Gletscher hinab-
zieht, eine intensive Färbung und der gesammten Gebirgsrnasse den Namen. Der
Hutler Bach und der Marouler
Bach trennen mit ihren tiefen Fig* U-
Thälern die Rothwand von den
angrenzenden Dolomitgebirgen.
Die Regelmässigkeit der letzte-
ren steht in auffallendem Con-
trast zu der chaotisch in sich
zusammengewundenen Masse
der Algäu-Schichten; nur das
mächtige Flöz des Dachstein-
kalkes mit den stets begleiten-
den rothen Adnether Kalken ver-
mag einen Anhalt zur Beur-
teilung der Art dieser Störun-
gen zu geben. Die beistehende
Figur stellt den Theil einer
Wand am östlichen Abhang gegen den Ursprung des Hutler Baches dar.
Betrachten wir hier nur den südwestlichen Theil unseres Gebirges, welchen
man am Weg von Lagutz nach dem Formarin-See durchschneidet, um den
nordwestlichen im Zusammenhang mit dem Walser Thal zu erörtern, so sieht
man die grosse Masse der oberen Liasschichten auf einer Dachsteinkalkbank
aufliegen, welche von Lagutz nach dem Fo rma ri n-See und an dessen nörd-
lichem Ufer vorüberzieht. Dieser Kalk ist hier sehr reich an Korallenstöcken und
bildet mit seinen reichhaltigen zerklüfteten Massen zuweilen eine kleine Vor-
stufe zu dem höheren Gebirge der Fleckenmergel. Sie bleibt längs des Weges
zur Linken; dieser selbst aber führt am Grunde des kleinen Hochthaies in Kös-
sener Schichten, welche durch ihre nicht unbedeutende Mächtigkeit für den
Alpnutzen mitten in diesen sterilen Dolomitgebirgen von grosser Wichtigkeit
werden. Sie sind hier mergelig und ungemein versteinerungsreich und bilden die
Einsattelung, über welche der Uebergang von Lagutz nach dem Formarin-
See führt.
Ueberblicken wir das kleine Gebiet nochmals in seinem allgemeinen Bau,
so zeigt es eine von Bludenz bis Dalaas sich erstreckende Mauer von nörd-
lich fallenden Triasgesteinen, welche das Dolomitgebirge: Hoch-Frassen,
Gaisspitz, Katzenkopf, Stierkopf, Gamsfreiheit, P its chi kö p fe,
Rogelskopf, tragen. Vom westlichen Theil (Ludesch bis Lagutz) erhebt
sich der Dolomit muldenförmig und ist auf Algäu-Schichten übergeschoben, wo-
gegen im östlichen Theil der Dolomit sich senkt und jüngere Liasgesteine, mit
ihnen die ganze Masse der Rothwand, trägt.
Dalaas, Formarin, Schafberg, Spullers, Klösterle. (Profile IX, X.)
Das obere Lechthal von seiner Quelle bis Am Lech ist dem Klosterthal
ungefähr parallel. Beide Thäler sind Aufbruchsspalten; da nun beide von gleichen
K. k. geologische Reichsanstalt. 12, Band, 1861 und 1862. II. Heft. 13
96
Ferdicand Freiherr von Richthofen.
[10]
Formationen gebildet werden, so muss die Lagerung der Gebirgsmasse zwischen
beiden Thälern muldenförmig sein. In der That finden wir hier eine langgestreckte
aus I N und II S bestehende Mulde, welche in einzelnen Theilen überaus deut-
lich ist, während an anderen Stellen schwierigere Verhältnisse auftreten, welche
sich aber durch Modifieationen der muldenförmigen Biegung leicht erklären;
meist bieten ausgezeichnete Querdurchschnitte Gelegenheit, dies unmittelbar zu
beobachten. Verfolgen wir die einzelnen Quer-Profiie:
1. Von Dalaas durch den Höllentobl nach dem Saladina-
Kopf (Prof. IX). Dieses Profil ist so klar, dass es kaum einer Erläuterung
bedarf.
Das Thal weicht hier ein wenig von der Antiklinallinie am Grunde der
Aufbruchsspalte gegen Süden ab, somit wird am Fuss der Saladiner-Wand ein
grosser Theil der Welle entblösst und Verrucano kommt zum Vorschein. Ein
wenig weiter östlich hingegen (bei Wald) tritt die Thalsohle unmittelbar an die
Arlberg-Schichten heran; die Welle ist somit verschwunden und erscheint erst wie-
der bei Klösterle, während sie gegen Westen sehr allmälig, erst bei Bratz voll-
ständig, verschwindet, um bald darauf bei Rungelin wieder zu erscheinen. Nur
um wenige hundert Schritt westlich von dem eben betrachteten ist das 2. Profil
von Dalaas durch den Gantecker Tobl nach den Formarin-See,
welches zwar im Wesentlichen dem vorigen gleich ist, aber wegen seines vor-
trefflichen Aufschlusses an den Wänden des Tobls besondere Beachtung verdient.
Der Gantecker Tobl mündet in die Thalsohle bei Ganteck unweit Dalaas.
Die Strasse tritt unmittelbar an die Oeffnung der Schlucht heran, wo steil südlich
fallende Platten von Virgloria-Kalk entblösst sind. Der Weg von Dalaas nach den
höheren Theilen des Tobls trifft diese Schichten in weit bedeutenderer Höhe,
nachdem er schon Dolomit, Raibler, Arlberg- und Partnach-Schicbten durchkreuzt
hat. Dann folgt das Liegende in Gestalt jener Mergel, welche im Höllentobl die
Virgloria-Schichten vom Verrucano trennen. Letzterer wird im Gantecker Tobl
nicht sichtbar, sondern man sieht nun eine deutliche gewölbartige Umbiegung,
die Fortsetzung derjenigen am Ausgang des Höllentobls. Auch gegenüber an der
westlichen Thalwand kann man diese Umbiegung beobachten; von nun an fallen
alle Schichten nördlich und man erreicht mehr und mehr die höheren Niveau’s.
Auf die glatten Virgloriakalke folgen Partnachmergel mit 120 Fuss und Arlbergkalke
mit 600 Fuss Mächtigkeit. Letztere beginnen mit stark porösen, festen Gesteinen,
die nach oben heller (gelbgrau und rauchgrau), stark kieselig und splittrig, dünn
geschichtet, zum Theil dolomitisch werden. Es folgt schwarzer weissadriger Kalk,
endlich jene unvollkommen schiefrigen, mergeligen schwarzen Schichten, welche
auch im Galgentobl auftreten. — Die Raibler Schichten beginnen mit dünn-
geschichtetem dunkelbraunem Sandstein mit Pflanzenspuren; dann folgt gelbe
Rauchwacke, aber kein Gyps. Wie gewöhnlich ist jederseits in die Rauchwacke
ein kleiner Bach eingeschnitten; sie bildet Einsenkungen und trägt schöne Alpen,
theils im Grunde des Thaies, theils über den Gehängen (Heu-Alp). Endlich folgt
der Dolomit und man geht in seinem Gebiete zwischen Saladina- und Rogels-
Kopf fort bis zum Formarin-See. Dieser einsame Hochalpensee liegt in einem
Kessel ohne oberflächlichen Abfluss und ist durch drei Riegel von drei Thälern
getrennt, dem Marouler, Gantecker und dem oberen Lech-Thal. Der Dolomit
geht fast genau bis an den See. Kössener Schichten und Dachsteinkalk, welche
den See durchziehen, sind ihm aufgelagert, aber machen jenseits sogleich wieder
dem Dolomit des oberen Lechgebietes Platz. Die Mulde trägt daher nur diese zwei
untergeordneten Liasglieder. Erst gegen Osten entwickelt sich die Mulde mehr
und mehr. Der Dolomit steigt am Südgehänge des oberen Lechthaies mit süd-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
97
tu]
liebem Fallen hoch hinan und man sieht ihm in der Höhe einen dunklen Streifen
von Kössener Schichten, einen hellgrauen von Dachsteinkalken und einen intensiv
rothen von Adnether Kalken aufgelagert. Dann folgen die Fleckenmergel, welche
einige der höchsten Spitzen (Obere Schützberg und andere) bilden und weiter
südlich, abermals durch Dachstein- und Kössener Schichten getrennt, Dolomit,
welcher noch immer in der Massenbildung vorherrscht. So zieht das ganze
System fort und trägt den Spiegel des Spullers-Sees.
3. Profil von Klösterle über den Spullers-See und den
Schafberg nach Aelpele im Lechthal. — An der oft erwähnten Trias-
wand der Arlbergstrasse waren bei Dalaas die Schichten wenig geneigt, bei Klö-
sterle und östlich davon stehen sie fast senkrecht, daher jetzt das Thal einen weit
anderen Charakter bat. Zwei enge Spaltenthäler durehschneiden rechtwinklig
(N-S) die steilen Schichten, biegen aber in ihrem oberen Theil in der weichen
Rauchwacke plötzlich um und lösen sich in tiefe unzugängliche ostwestliche
Schluchten auf, welche sich von beiden Seiten her fast vereinigen. Es wird mit-
hin eine grosse Bergmasse aus Arlbergkalken von den Tobln umfasst und isolirt.
Durch beide Spalten, den Streu-Tobl und den Welli-Tobl kann man nach
Spullers aufsteigen; durch beide gelangt man hinter die isolirte Bergmasse auf
die kleine Wasserscheide und steigt in einer mittleren Spalte im Dolomit nach
dem Spullers-See auf. Dies kleine Thalsystem hat die Form einer Wage, deren
Wagebalken in der ostwestlich streichenden Rauchwacke liegt, während man an
der mittleren Axe nach Spullers hinansteigt. Der Weg ist durch beide Tobl gleich
interessant. In beiden beginnt man den Aufstieg in Partnachmergeln, welche Yir-
gloria-Kalk überwölben, also an der h. 5ya streichenden Antiklinallinie der Hebungs-
welle. Bei beiden folgt nach sanften Gehängen dieser Schichten die schroffe
Schlucht in den senkrecht stehenden Kalken, bei beiden endlich die Rauchwacke
der Raibler Schichten in sehr bedeutender Mächtigkeit. Hat man den Dolomit
überwunden, so folgt ein kleiner sanfter Thalkessel von Kössener Schichten und
ein quer gegen das Thal sich ziehender Riegel von Dachsteinkalk und Adnether
Kalk; starke frische Quellen, welche aus seinen Spalten hervorsprudeln, verkün-
den den nahen See, der sich jenseits des Rückens ausbreitet. Der überaus anmu-
thige und liebliche Thalkessel verdankt seinen zauberischen Reiz der Gross-
artigkeit der umgebenden Gebirgsmassen. Ehe wir diese näher betrachten, über-
schreiten wir die Niederung. Alles besteht wesentlich aus Algäu-Schichten. Ein
Riegel aus Dachsteinkalk verschliesst wie im Süden, so auch in Norden den
Kessel; hinter ihm öffnet sich das Kälberthal, in welchem nach einigem Wechsel
nochmals Dachsteinkalk und Kössener Schichten, beide mit südlichem Fallen, end-
lich Dolomit folgt, der bis in das Lechthal hinab anhält.
Diess sind die einfachen Verhältnisse dieses überaus schönen und lehrrei-
chen Profils. Allein in den Umgebungen des Spullers-Sees sind noch einige
schwierigere Probleme zu lösen. Es fällt bei dem See sogleich die verschiedene
Structur der östlich von den westlich begrenzenden Gebirgen auf, um so mehr
als das Hauptverhältniss im Grunde des Thaies so einfach und die Gesteine an
beiden Ufern gleich sind. Kommt man von Süden so sieht man rechts die ganze
jüngere Liasfolge dem Dolomit normal mit nördlichem Fallen aufgelagert, wäh-
rend am westlichen Ufer bei gleicher Streichrichtung das umgekehrte Einfallen
stattfindet und die ganze Schichtenfolge verkehrt ist. Eine einfache Ansicht
des den See westlich begrenzenden Bergzuges zeigt das beistehende schöne
Verhältniss einer Ueberwerfung um ungefähr 90° -f- 70°. Sie erklärt sich
um so leichter, wenn man die senkrechte Stellung der liegenden Schichten in
Betracht zieht. Wie hier eine Ueberstürzung von Süden her stattfand und im
13 *
98
Kloster-
Thal.
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
Fig. 18.
[12]
Streu-Bach.
Freschen-Spitz. Gold-Berg.
Klösterlc.
Ob. Spullers-Alp. Unt. Spullers-Alp.
Profil von Klösterlc nach der westlichen Thalwand des Spullerssee-Kesselg.
1. Virgloria-Kalk. 2. Partnach-Schichten. 3. Arlberg-Kalk. 4. Raibler Schichten. 3. Unterer Dachstein-Dolomit,
ß. Kössener Schichten. 7. Oberer Dachstein-Kalk. 8. Adnether Kalk. 9. Algäu-Schichten.
Norden die Schichten zwar steil aber doch ungestört dem Dolomit auflagern, so
findet am östlichen Ufer des Sees das entgegengesetzte Verhalten stott. An dem
durch seine Höhe ausgezeichneten, leicht besteigbaren Schafherg (8461 Fuss)
sieht man schon aus der Ferne eine bedeutende Störung, die besonders räthsel-
haft wird, wenn man an der Spullers-Alp am See Dachsteinkalk anstehen und
denselben sich als Riegel vor das Kälberthal legen sieht, während in diesem
abwärts nochmals Al-
gäu-Schichten folgen.
Allein das Verhältniss
löst sich auf äusserst
einfache Weise durch
eine Ansicht des Schaf-
berges von der West-
seite, also in der
Streichrichtung.
Es zeigt sich hier-
aus, dass der Schaf-
berg seine ausseror-
dentliche Höhe wesent-
lich einer grossarti-
genUeberstürzungver-
dankt. Der ungewöhn-
lich mächtige Dach-
steinkalk schützt ihn dabei vor schneller Zerstörung.
Somit behält die Mulde, welche unser Profil ergab, ihren Charakter voll-
ständig bei und alle Anomalien erklären sich leicht durch einfache Ueberstürzun-
gen von den Rändern her. Jetzt Stellen sich auch die Lagerungsverhältnisse im
Kälberthal als vollkommen normal heraus, indem die untere Dachsteinkalk-
partie des Schafberges weit unter dem oberen Riegel das Thal durchsetzen muss.
Die Kössener Schichten sind hier sehr mächtig und vorherrschend durch merg-
lige Schichten vertreten, welche zu weichem fruchtbaren Roden verwittern und
die untere Spullers-Alp im Kälberthal tragen. Westlich ziehen dann die
Kössener Schichten nach der Spitze des Goldberges und weiter fort gegen den
Formarin-See. Ihr Liegendes ist im Kälberthal Dolomit, welcher hier äusserst
Fig. 19.
Schafberg. Ob. Spullers-Alp.
Ansicht des Schafberges ans dem Kälberthale (von West).
a Unterer Dachstein-Dolomit, b Kössener Schichten, c Oberer Dachstein-Kalk.
d Algäu-Schichten.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
99
[13]
mächtig ist und rechts das riesige Gestell des Schafberges bildet. Erst an der
Thannläger Alp folgt Rauchwacke, die wir später im oberen Lechthal
betrachten.
In ihrer Fortsetzung gegen Osten zeigt die Mulde I N — II S noch mehrfach
dergleichen Verhältnisse, wie sie bei Spullers Vorkommen.
Stuben, Arlberg, Grabach, Zürss.
Wir betreten mit dieser Gegend einen der interessantesten Theile unseres
Gebietes, einen Theil, in welchem alle Formationen in vortrefflicher Entwicke-
lung, aber scheinbar unter sehr complicirten Lagerungsverhältnissen Vorkommen,
welche sich aber mit Hilfe der eben ausgefiihrten Analysen der Umgebungen der
Spullersalp leicht erklären lassen. Das gesammte kleine Gebiet ist ein weiterer
östlicherer Theil unserer Mulde IN — II S, die im Norden und Süden von zwei
Aufbruchsspalten begrenzt wird. Wie bisher so wird auch hier der Gebirgsbau
am klarsten, wenn man aus der Tiefe der Spaltenthäler nach den Rändern der
Mulde hinaufsteigt. Wir beschränken uns daher auf die Erörterung einiger Pro-
file, erst von Süden (Klosterthal), dann von Norden (Lechthal) her nach der
Höhe zwischen beiden Thälern.
Abhang zwischen Klösterle und Stuben. Bei Wald erheben sich
die steil geneigten Arlberg-Schichten unmittelbar aus der Thalsohle; am Ausgang
des Streubachs und von hier bis weit östlich von Stuben, stehen sie senk-
recht, aber zwischen ihnen und der Thalsohle ziehen sich sanftere Gehänge hinab,
welche zum Theil mit Geröll dicht bedeckt und mit Knieholzgestrüpp bewachsen
sind. Wilde, tiefe Tobl durchschneiden sie und bringen aus dem Innern des
Gebirges stets neue Zufuhr für die Geröll-Lehnen. Nur an wenigen Stellen
kommt das bedeckte Gestein zu Tage, theils an vereinzelten Punkten an der
Strasse, theils in verschiedenen Höhen am Abhang hinauf. Von Klösterle bis
oberhalb Stuben lässt sich mitten am Abhang ein Zug von Vir gl ori a-Kalk
beobachten, dessen Schichten firstartig nach zwei Seiten abfallen; darüber
wölben sich Partnachmergel, welche oben fortgewaschen sind und nur noch die
Flanken des Firstes bedecken. Als drittes Glied folgen zu beiden Seiten Arlberg-
kalke, im Norden zu einer hohen Mauer aufsteigend, im Süden einen wenig zu
Tage kommenden Zug bildend, der sich an die Mergel lehnt und an der Strasse
stellenweise sichtbar ist. Mit ihm endigt zwischen Klösterle und Stuben die
Reihe der Sedimentärschichten gegen die südlich angrenzenden krystallinischen
Schiefer. Das Gewölbe der Triasgebilde lässt sich an dem Abhang nordwestlich
von Stuben deutlich verfolgen. Weiter hinan folgt der Zug der gelben Rauch-
wacke (Raibler Schichten) und darüber der Dolomit, welcher den Arzberg und
Roggler Spitz bildet, dann aber von den Algäu-Scbichten des Gfäll-Kopfes
bedeckt wird (siehe Profil XI).
Profil von Stuben nach Zürss. — Herr Escher v. d. Linth hat
bereits das ausgezeichnete Profil zwischen Stuben und Zürss beschrieben *) und
schloss auf das Vorhandensein einer Wölbung. Dieselbe lässt sich in der That
sowohl durch die Wiederholung der gleichen Schichten als auch durch unmittel-
bare Beobachtung an den Virgloria-Kalken nachweisen und ist die Fortsetzung
der Welle zwischen Klösterle und Stuben, wie die Parallelprofile Fig. 23, 22
erweisen. Bei Stuben selbst befindet man sich in den dolomitischen Arl b er g-
*) Vorarlberg. Seite 76, Beilage S, siehe auch Taf. IX, Prof. III.
100
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[14]
Kalken (2, 3, 4 z. Th. des E sc h e r’schen Profiles), darauf wiederholen sich
zweimal die Partnac h mergel (4 z. Th., 5), welche das kleine Gewölbe der
Vir gloria-Kalke einschliessen. Durch Wechsellagerung gehen die Partnach-
mergel in den nördlich fallenden Theil der Arlberg-Kalke über. Dieselben
stehen fast senkrecht und bilden sehr eigentümlich gestaltete Berge mit Hahnen-
kamm ähnlichem Profil. Wie die Blätter eines halbgeöffneten Buches ragen die
festeren Kalkschichten schneidig in die Luft und sind durch tiefe Auswitterungen
der mergeligen Schichten von einander getrennt. Ein neuer in den Fels gehaue-
ner Saumweg windet sich zur Seite des wild herabstürzeriden Wassers in dem
Kalk hinan und erlaubt dies Gestein hier genau zu beobachten. Es ist stellen-
weise porös wie ein Schwamm, in einem so hohen Grade, wie ich es an keinem an-
dern Ort beobachtete, äusserst bituminös, reich an mergeligen Zwischenschichten
und grossentheils stark dolomitisch. Herr Es eher fand in einigen Schichten
gediegenen Schwefel. Erst wenn man die bedeutende Höhe des steilen Anstieges
überwunden hat, gelangt man an den quer durchsetzenden Zug von gelber Rauch-
wacke der Raih ler Schichten, die hier mit viel braunem Sandstein wechsel-
lagert. Der Dolomit ist an dieser Stelle nicht sehr mächtig. Um so mehr ist
dies mit dem durch die Kössener Schichten getrennten Dachs teinka 1 k
der Fall, welcher sich in der Tiefe des Passes unmittelbar mit dem von jenseits
herübergreifenden verbindet und Zürss allseitig umgibt. Die Ad net her Kalke
lagern rechts und links auf und steigen zum Trittkopf und G fäll köpf an.
Abhang zwischen Stuben und dem Arlberg. Die Lagerungsver-
hältnisse bleiben im Wesentlichen dieselben wie zwischen Klösterle und
Stuben; doch steigt das ganze Triassystem gegen Süden noch einmal an, wie
die Parallelprofile (20, 21, 22, 23) zeigen:
Diese Profile erklären sich selbst; sie zeigen auch den Grund der ungewöhn-
lichen Mächtigkeit der Arlbergkalke am Schindler-Spitz, der auch zuweilen den
Namen des Arlbergspitzes führt und die Veranlassung zur Benennung unserer Arl-
bergkalke gab. Sie erklären zugleich die Vollständigkeit der Entwickelung des
Profils längs der Höhenlinie der Wasserscheide vom Valluge r Spitz nach dem
Berg oberhalb St. Christoph, wo der Verrucano in bedeutender Entwickelung
auftritt.
Wir schliessen hiermit die Reihe der Profile des Klosterthaies, welche sich
durch ihre Einfachheit und Regelmässigkeit auszeichnen. Wir werden sie später
östlich vom Arlberg im Thal der Rosanna gegen Landeck fortsetzen. Das Arl-
bergprofil ergibt sich als vermittelndes zwischen den Verhältnissen beider
Thäler.
Omes-Horn, Umgebung von Zürss. — Jeder Aufstieg aus der Auf-
bruchsspalte des Klosterthales führte durch das gesammte Triassystem nach
dem Dolomit und den höheren Gliedern des Lias. Jenseits steigt man allenthalben
über die umgekehrte Schichtenfolge nach dem Lechthal hinab. Es genügt, dieses
Verhalten im Allgemeinen zu erwähnen, da die Specialitäten dort wenig Ab-
wechslung bieten. Das Omes-Horn und der Sch wabbrunnen, die Erhebungen
zu beiden Seiten des Zürsser Baches bestehen in ihrer grossen Masse aus dem Do-
lomit der Mulde und spielen für deren nördlichen Theil dieselbe Rolle wie in
Arzberg, Roggler Spitz und Valluger Spitz im südlichen Theil. An dem Südabhang
beider Berge ist der Dolomit von Kössener Schichten überlagert, die im weiten
südlichen Bogen sich in dem fruchtbaren Thalboden von Zürss vereinigen, der
ganz aus Kössener Schichten besteht. Die darauf lagernden sehr mächtigen
Dachsteinkalke umschliessen mit ihren senkrecht abgebrochenen Mauern den
Thalboden und vereinigen sich südlich von demselben. Westlich von Zürss
[15]
Valluger-Spitz.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
OST
Schindler-Spitz (Arlberg).
101
Glimmer-
schiefer.
Fig. 20.
Tritt-Kopf
Pass am Arlberg.
S. Christoph.
Fig. 21.
Höhe des Passes
gegen Zürss.
Arzberg.
Kloster-Thal.
Stuben.
Glimmerschiefer.
Post-
strasse. Allenz.
X
Glimmerschiefer.
Fig. 22,
Fig. 23.
Parallel-Profile der Trias-Schichten am Arlberg.
i Verrucano. 2 Virgloria-Kalk. 3 Partnach-Mergel. 4 Arlberg-Kalk. 5 Raibler Schichten. 6 Unterer Dachstein-
Dolomit. 7 Kössener Schichten. 8 Oberer Dachstein-Kalk. 9 Adnether Kalk. iO Algäu-Schichten.
102
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[16]
gelangt man dann bald über Adnether Kalk in das Gebiet der Algäu-Scbichten,
ebenso östlich; allein hier beginnen nun höchst eigenthümliche complicirte Ver-
hältnisse; am besten lassen sie sich verfolgen an dem
Grat zwischen demPazielerBach (westlich) unddemBockbach,
Grabach und Almej urbach (östlich). — Bei Zurss ist, wie aus dem Vorigen
hervorgeht, der Bereich der supradolomitischen Liasgesteine der Mulde IN — IIS
sehr klein; im Thalgrund ist Dachsteinkalk das höchste Gestein. Übersteigt man
die östliche Mauer desselben, so liegen ihm zunächst Adnether Kalke auf, dann
folgen Liasfleckenmergel. Die Bänder der Mulde treten plötzlich weit auseinander
und es entwickeln sich die Algäu-Schichten in ungewöhnlicher Mächtigkeit. Sie
bilden die Masse des Trittkopfes und sind in vielen Tobeln entblösst. Einzelne
Schichten sind gypsführend. Die Lagerungsverhältnisse scheinen sehr gestört.
Diese Schichten werden von dem kleinen Thale des bei Zürss mündenden Pazieler
Baches durchbrochen, welcher seine Quellen an einem ungefähr nordsüdlichen
Grat sammelt. Oestlich entsendet derselbe Grat den Almejurbach, Grabach, und
Bockbach. Vom Vallugerkopf bis zum Sc h wa b b r un n e n ist der Grat in
dem Gebiet der Algäu-Schichten unserer Mulde, dem auch jene drei östlichen
Thäler in ihren oberen Thalstrecken angehören. Da begegnet man mitten auf
dem Grat und fast in seiner ganzen Erstreckung, der seltsamen Erscheinung,
dass Algäu-Schichten der sonst so regelmässigen Mulde älterer Schichten aufge-
lagert sind.
Es eher und Studer fanden bereits vor langer Zeit auf dem Grat und zwar
an seiner Ostseite am Ursprung des Grabachthaies, Triasversteinerungen, welche
auf einige Analogie mit Set. Cassian deuteten. Herr v. Hauer und ich besuchten
von Stög im Lechthal ausgehend dieselbe Stelle in Begleitung des Herrn Es eher
v. d. Linth und sammelten eine grosse Menge Petrefacten der Rai bl er
Schichten; doch Hess sich unmöglich etwas über die Lagerungsverhältnisse
ergründen. Erst eine spätere Untersuchung von Zürss aus zeigte die völlige
Identität mit der kurz zuvor am Schafberg (Fig. 19) an demselben Nordrand
der Mulde beobachteten Ueberstürzung; doch ist sie hier unendlich grossartiger,
da das gesammte Lias- und das Trias-System bis hinab zu den Partnachmergeln
daran Theil nehmen. Das auf Tafel II der ersten Abtheilung mitgetheilte Profil
(XII) genügt, um die grossartige Ueberstürzung des so mächtigen Systems voll-
kommen zu erläutern. Steigt man nach dem Pass hinauf, so überschreitet man
die verkehrte Schichtenfolge und erreicht die Einsattelung in Partnachschichten.
Kommt man aber von jenseits her aus dem Grabachthai so wandert man von
den letzten Sennhütten her lange Zeit in Fleckenmergeln und erreicht bei steilerem
Anstieg rothen ammonitenreichen Adnether Kalk mit Crinoidenbreccie und
darüber eine sehr mächtige Bank von Dachsteinkalk. Kössener Schichten liegen
ihr auf und schaffen eine kleine ebene Fläche über der plötzlichen Stufe. Der
Dolomit, welcher am Rauhenspitz und Grabacherspitz sehr mächtig ist, fehlt hier
in dem Profil und es folgen den Kössener unmittelbar Raibler Schichten mit viel
gelber Rauchwacke, aber ohne Gyps, darauf eine Wand von Arlbergkalk und
endlich die Partnaehmergel des Passes. Nirgends in ganz Vorarlberg treten die
Raibler Schichten mit demselben Reichthum an Versteinerungen auf, als hier unter
diesen abnormen Verhältnissen.
Die Ueberstürzung am Grabacher Joch lässt sich noch weiter östlich verfol-
gen, bis später wieder die einfache Muldenform erscheint. Wir werden darauf in
einem späteren Abschnitte zurückkommen und schliessen, die Betrachtung des
vorarlhergischen Theils der Mulde I N — II S, um uns zu der nördlich begrenzen-
den Aufbruchsspalte zu wenden.
j
[17]
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
103
Oberes Lech-Gebiet (Zug, Am Lech, Stubenbach), Grub-Spitz, Gypsi-
Tobl.
Das Lechthal entspringt am Formarin-See; der Bach aber hat seine Quelle
nicht in diesem Wasserbecken, sondern in einem kleinen südlichen Querriss des
Gebirges, dessen Ursprung in den Algäu-Schichten der eben verlassenen Mulde
liegt. Vom Formarin-See aus bis zu dem kleinen Dorf „Am Lech“ oder
Thannberg hat das Thal eine Richtung von WSW. nach ONO., ist also dem
Klosterthal nicht genau parallel, dennoch hat es als Aufbruchsspalte die gleiche
geognostische Bedeutung. Bei Thannberg trennen sich die Richtung des Flusses
und der Hebung. Jener beschreibt über Stubenbach, Warth, Lechleiten,
Ellenbogen einen grossen, nach Nord gerichteten Bogen, um dann bei Stög
wieder in das alte Hebungssystem und in die genaue Fortsetzung der früheren
Richtung einzuspringen. Bei Stög beginnt der Theil, welchen man gewöhnlich
als das „obere Lechthal“ bezeichnet, während die Umgebungen von Warth und
Am Lech dem allgemeinen Begriff des „Thannberges“ anheim fallen, welcher
das Quellgebiet der Bregenzer Ache und des Lech umfasst.
Von der Quelle bis Stubenhach, wo der Fluss mit seiner Wendung auch
weit andere Formationen betritt, erhält der Lech vier Zuflüsse von Süden her
aus dem Gebiete der Algäu-Schichten der früher betrachteten Mulde; sie sind: der
Kälberbach, welcher vom Spullers-See herabkommt und mit dem Stier-
locherbach den Schafberg umfasst. Stierloch- und Zürsser Bach um-
fassen das Om es -Horn. Der letztere mündet bei der Wendung des Thaies. End-
lich kommt vom Schwabbrunnen der Thalichbach herab. Alle diese Bäche
bilden wilde enge Thäler mit steilen Wänden in dem mächtigen Dolomit, in dessen
wenig geneigte Schichten sie senkrecht eingesenkt sind; alle erreichen den
Thalboden in Triasgesteinen.
Wenn man von den höheren Liasgesteinen am Formarin-See herabkommt
und den Dolomit in einem langen unfruchtbaren Hochthal überschritten hat, so
stellt sich das erste Triasglied bei der Thannlägeralp ein, gelbe Bauchwacke
der Raibler Schichten, Sie durchzieht hier den Thalgrund und bildet auch den
fruchtbaren Boden von Aelpele; zur Rechten zieht sie tief am Abhange hin,
durch den Zürsser Bach hindurch nach dem Pass zwischen Lechthal und Bockbach-
thal (am Nordfuss des W estner Ber ges vorüber). Bald darauf keilt sie sich
aus. Zur Linken dagegen steigt sie hoch an und bildet eine Zone um das dolomi-
tische Krieger horn, hinter dem wir sie im Gypsitobl wiederfinden.
Der Arlbergkalk bildet seine Wände unter der Rauchwacke; an zwei Stellen,
unterhalb A el p e le und bei Am Lech vereinigen sich die Kalke in der Thal-
sohle und schliessen dazwischen den kleinen Aufbruch von Zug ein, wo Part-
nachmergel und Virgloriakalk anstehen. Bei den Häusern von Am Lech kann
man an mehreren Stellen, z. B. an der unteren Brücke, die Arlbergkalke anstehend
beobachten. Man erhält somit folgende Parallelprofile des Lechthaies, Figuren 24
bis 27.
Geht man von Am Lech abwärts, so gelangt man bald nochmals zu dem
Liegenden der Arlbergkalke, zu Partnachmergeln und Virgloriakalk, welche das
nun nach Norden gewendete Thal quer durchziehen, sich im Osten sehr bald aus-
keilen und im Westen nach dem Gypsitobl fortsetzen. Anstatt aber auf Verru-
cano zu kommen, erreicht man unmittelbar unter dem Virgloriakalk mächtig
entwickelte Algäu-Schichten, welche die Häuser von Stuben!) ach tragen und
östlich über die Höhe nach dem Bockbachthal fortsetzen. Es ist also hier ein ähn-
K. k. geologische Reichsaostalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
14
104
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
Kriegerhorn.
Lech. Am Lech.
Schwabbrnanen.
Fig. 24
Lech-Thal.
Kriegerhorn. Zug. Gfill-Kopf.
Lech-Thal.
Hirschen-Spitz. Thannläger-AIp. Gold-Berg.
Misthaufen. Auf dem Gschrepp. Oberstes Lechthal. Feier-Kopf.
Parallel-Profile aui Ursprung des Lech-Thales.
1 Virgloria-Kalk. 2 Partnach-Mergel. 3 Arlberg-Kalk. 4 Raibler Schichten. S Unterer Dachstein-Dolomit.
6 Kössener Schichten. 7 Oberer Dachstein- und Adnether Kalk. 8 Algäu-Schichten.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
108
[19]
liches abnormes Auflagerungsverhältniss, wie es im Rhätikongebiete so überaus
häufig zu beobachten ist und wie es bei Raggall und ÄJaroul vorkornmt.
Wenden wir uns von diesen speciellen Verhältnissen des Thalbodens zu dem
allgemeinen Gebirgsbau, so sehen wir, dass das Thal die An tiklinallinie einer
Welle (If) bezeichnet (Profile X, XI, XII), welche nach dem Westner Rerg
fortsetzt und dass die am Südgehänge südlich fallenden Schichten (II S) sich im
Klosterthale wieder erheben. Ebenso bildet der nördlich begleitende Dolomitzug
eine flache Mulde, deren Schichten im Misthaufen, Tisner-Gsc hrö f und
Gansboden wieder aufsteigen und auf einen parallelen Zug jüngerer Lias»
gesteine hinaufgeschoben sind. Zum Theile liegt unmittelbar der Dolomit auf den
Eieckenmergeln, zum Theile folgt dazwischen Rauchwacke und weitere Glieder
der Trias, wie am Kriegerhorn. Das Krieger hör n ist eine isolirte Kuppe von
muldenförmig gelagertem Dolomit, isolirt durch die allseitige Entblössung der lie-
genden Rauchwacke; im Norden, Osten und Süden stehen auch tiefere Lias-
glieder an. Die Rauchwacke der Raibler Schichten führt hier viel Gyps, daher
„Gypsitobl“ und „G y psilochbaeh“. In letzterem stehen die schwarzen
schiefrigen Partnachmergel an. Die weiter westlich folgenden Gebirge betrachten
wir in Verbindung mit dem nächsten Abschnitte.
Walser Thal (südliches Gebiet).
Man unterscheidet zwei Walser Thäler; das sogenannte kleine oder das Thal
Mittelberg wird von der Breitach durchströmt, ist im östlichen Theile des
südlichen Flyschzuges eingesenkt und öffnet sich in das bayerische Algäu. Das
grosse oder das eigentliche Walser Thal, dessen Gebiet hier in Betracht
kommt, wird vom Lutzbach durchströmmt, der am Kleinen Spitz entspringt,
und bei Thüringen in das Illlhal mündet. Der obere Lauf ist im Trias-Lias -
gebiet, der Unterlauf im Flysch. Der erstere durchschneidet selbst Algäu-Schichten,
über denen im Norden ein mächtiges Gebirge, der Zitterklapfen, aufsteigt,
während im Süden eine weite Dolomitwelt sich ausbreitet, welche dem Lutzbach
mehrere Zuflüsse zusendet. Sie ist es, welche hier in Betracht kommen soll.
Zwei genau ostwestlich streichende Dolomitzüge setzen dieses wilde Gebirge
zusammen. Zwischen ihnen zieht sich eine lange schmale Mulde jüngerer Lias-
gebilde hin. Der südliche Dolomitzug ist derselbe, welcher den Lech nördlich
begleitet und in seinem östlichen Theil selbst eine muldenförmige Lagerung besitzt.
Steigt man daher vom Walserthal, z. B. von Rothenbrunn aus, in einem der Quer-
thäler aufwärts, so sind zunächst in der Thalsohle Algäu-Schichten, in denen der
Lutzbach eingeschnitten ist, darüber folgt der nördlichere der beiden Dolomit-
züge (Feuerstein, Kleine Spitz, Mohnenfluh), in welchem das Bad
Rothenbrunn liegt; weiter hinauf folgt die aus Kössener, Dachstein-, Ad-
nether und Algäu-Schichten gebildete Mulde, welche alle Thäler quer durchsetzt,
endlich der zweite südlichere Dolomitzug, der reich ist an wilden Steinfeldern,
um welche die höheren gewaltigen Gipfelmassen amphitheatralisch herumziehen.
Andere Felsrneere, wie sie sonst dem Dolomit wenig eigen sind, bilden den kessel-
förmigen Hintergrund, aus dem unzugängliche Pässe in das oberste Lechgebiet
hinüberführen. Diesen Charakter hat vor Allen der gegenüber der Alpe Its c ti-
gern ey mündende Tobl, welcher aus dem Tis n er Gschröf herabkommt,
ebenso das obere Rothenbrunner Thal.
Der Hutler Bach, welcher an der Rothwand, nahe am Formarin-See ent-
springt, zeigt sehr abweichende Verhältnisse an der rechten und linken Thal wand.
Die rechte entspricht vollkommen dem benachbarten Rothenbrunner Thal. Kommt
14 *
106
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[20]
man aus dem obersten Lechthal über das Gschrepp herüber nach der Alpe
Glesenze im Thal des Hutler Baches, so steigt man Anfangs hoch hinauf auf
die Dolomitwand jenes Aufbruchthaies und gelangt auf der Höhe des Passes zu
einem furchtbaren Chaos der verschiedensten Schichten. Eine Schlucht ist hier
fast eine Viertelstunde lang in gleichbleibender Höhe zwischen Dolomitwände ein-
gesenkt; Alles von der Rauchwacke an bis zu den Fleckenmergeln ist wirr durch-
einander geworfen und man begegnet bald der einen, bald der anderen Formation.
DiehöehsteHöhedes Baches wird von den Hornsteinen der Algäu-Schichten gebildet,
mit denen hier reiche Eisen- und Manganerze verbunden sind. Tritt man endlich
aus der hohlen Gasse des Passes heraus, so steht man an dem Abgrund einer tiefen
Spalte, in welcher der Hutler Bach Giesst und jenseits der Spalte ist der Ost-
hang der Roth wand (Fig. 17) prachtvoll entblösst. Die Schichtensysteme sind
an ihr ungemein stark durcheinander gewunden, allein man kann die Störungen
wegen des kolossalen entblössten Durchschnitts an ihr genau verfolgen und sich
dadurch auch den raschen Wechsel verschiedener Formationen in dem erwähnten
Engpass auf dem Gschrepp erklären. Wie klein der Raum ist. auf welchen die
Störungen beschränkt waren, von denen die ganze Gebirgsmasse der Rothwand
zeugt, beweist ebenso dieUmgebung des Formarin-Sees, als hier der gleichförmige
Schichtenbau des dolomitischen „Misthaufen“, der sich im Osten in gross-
artiger Erhabenheit über jenen wirren Complex erhebt. — Geht man abwärts
nach Glesenze, so gelangt man abwechselnd über Dolomit und Algäu-Schichten,
endlich kurz vor der Alpe über eine mächtige Masse von Rauchwacke. Erst hei
Glesenze treten die Algäu-Schichen herrschend auf die rechte Thalwand herüber
und bilden die Abhänge bis zur Hälfte der Höhe; darüber liegt der Dolomit.
Es findet also hier dasselbe abnorme Lagerungsverhältniss statt, wie in der
östlichen Fortsetzung des Dolomitzuges am Kriegerhorn. Endlich bei der oberen
Riederer Alp macht der Dolomit den Algäu-Schichten ganz Platz und diese ziehen
über die Höhe hinüber nach dem Rothenbrunner Thal. Weiter abwärts kommt man
dann abermals zum Dolomit durch Vermittlung von Dachsteinkalk und Kössener
Schichten und endlich auf die Algäu-Schichten am Lutz-Bach. Die rechte Thal-
wand des Hutler Baches *) ist also genau so zusammengesetzt, wie beide Abhänge
des Rothenbrunner Thaies. Um so auffallender ist es, dass über den Bach
hinüber die Verhältnisse nicht in gleicher Weise fortsetzen, sondern sich
bedeutend ändern; es scheint, dass der Hutler Bach eine nordsüdliche Spalte
mit senkrechter Verwerfung andeutet. Nur dann ist es möglich, die Alpilla als
Fortsetzung der Welle III zu betrachten.
Walser-Thal (nördliches Gebiet), Z itte rkl apfe n, Künzle-Sp itz, Grenze
mit F ly sch. (Profile VIII, XI.)
In auffallendem Coritrast zu den massenhaften Formen der Dolomitwelt, aus
welcher der Lutz-Bach seinen südlichen Zufluss erhält, steht der letzte nördliche
Grenzpfeiler des Dolomites: der Grat des Zitterklapfens und der Künzle-Spitz.
Dort ruhige Erhabenheit, weite, amphitheatralische Gebirgskessel, welche durch
ihr treppenförmiges Ansteigen oft unzugänglich gemacht werden, dazu eine fast
horizontale Lagerung; hier begegnen wir einem schmalen Grat mit luftigen,
vielzackigen Formen und steilerem (südlichem) Einfallen der Schichten. Sie sind
hier auf dasFlyschgebirge hinaufgeschoben und steigen hoch an. Die verschie-
4) Zum Theil sind die eben dargestellten Verhältnisse aus Profil IX ersichtlich.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
107
[«]
denen Schichten bilden am Abhange mehrere Zonen; das untere Thalgehänge,
so weit die Wiesen und Alpen reichen, besteht aus Lias-Fleckenmergeln, der
hohe Grat aus Dolomit; dazwischen ziehen sich Adnether, Kössener und Dach-
steinkalk-Schichten hin. Alle Zonen, die Durchschnitte der Fläche des Abhanges
mit den Schichten steigen nach Ost an und ziehen sich westlich so weit herab,
dass sie endlich die Thalsohle erreichen und über das Thal hinwegsetzen.
Am besten kann man dies bei den rothen Adnether Kalken beobachten , in
welchen der hohe, nach Sehröcken hinüberführende Schadona-Pass ein-
geschnitten ist, während sie oberhalb Itschgerney vorüber sich allmälig an
der Thalwand herabsenken und westlich von Buchboden den Lutz-Bach über-
setzen. Wendet man sich daher von Rothenbrunn über Buchboden thalabwärts,
so überschreitet man den Riegel von Adnether Kalk, Kössener Schichten und
Dolomit und befindet sich plötzlich im Flyschgebiet. Dieser Riegel, welcher nichts
als der so tief durchbrochene Zug des Zitterklapfen ist, scheidet das Walser
Thal streng in ein oberes und ein unteres. — Dasselbe Profil, welches man hier
in wenigen tausend Schritten durchwandert, sieht man allenthalben aufgeschlos-
sen, wenn man die steilen Nordgehänge des Walser Thaies erklimmt und über den
höchsten Alpen nach den tief in dem Dolomit des Grates eingeschnittenen
Scharten steigt, durch welche unbequeme Jochsteige nach Schopernau führen.
Der Adnether Kalk und die Kössener Schichten sind auf diesen Höhen besonders
versteinerungsreich, der Dachsteinkalk besitzt eine bedeutende Mächtigkeit.
Ersterer breitet sich mit seiner charakteristischen rothen Färbung in der Einsatt-
lung des Schado na -Passes aus (daher die Benennung „d er rothe Platz“)
und führt hier eine Unzahl von Ammoniten. Auch die unmittelbar folgenden grau
gefärbten Schichten sind noch reich daran. Sie fallen, wie Alles, südlich und
tragen die steil über dem Pass zum Rothhorn und Hochberg sich aufthür-
menden Algäu-Schichten, die sich aus der Tiefe von Buchboden und Rothen-
brunn heraufziehen und jenseits des Passes nach Schröcken fortsetzen, im
Süden aber von dem Dolomitzug der Mohnenfl u h und KJ einen Spi tz über-
lagert werden.
Wenden wir uns zu dem Dolomitgrat selbst, der wegen der nahen Flysch-
grenze viel Interesse bietet, so gehört er ganz und gar der Hebungswelle V an
und setzt östlich im Widd erstei n fort. Der Zitterklapfen und Künzle-
Spitz sind zwei sehr ausgezeichnete Dolomitberge, deren imposante Form charak-
teristisch gegen den sich unmittelbar anlehnenden Bregenzerwald absticht und
sie von den Höhen des letzteren allenthalben als zwei Hauptpunkte der Umgebung
hervortreten lässt. Verfolgt man den Dolomitzug nach Westen, so sieht man ihn,
wie erwähnt, westlich von Buchboden den Lutz-Bach übersetzen und jenseits
als den unteren Theil der Gehänge fortziehen. Wahrscheinlich keilt ers ich nörd-
lich von Maroul aus. Von der Alpilla ist er durch eine flache fruchtbare Terrasse
getrennt, welche anzudeuten scheint, dass beide Dolomite nicht zusammen-
gehören, sondern durch die Fortsetzung der Algäu-Schichten von Buchboden
geschieden sind. Die Alpilla bleibt, so lange man sie nicht durch ein detaillirtes
Profil erläutert, ein räthselhaftes Gebilde in dem sonst ziemlich klaren Gebiet;
in keine Hebungswelle passt sie ganz hinein.
WasnunendlichdieGrenzeder Trias-Lias-Zone gegen denFlysch
an dieser Stelle betrifft, so ist sie analog beschaffen wie an anderen Stellen.
Zwischen Buchboden und Fontanella kommt man zur Grenze noch ehe man den
vom Zafer-Horn herabkommenden tief eingeschnittenen Bach erreicht. Hier
grenzt Dolomit unmittel b a r an den Flysch und dies muss östlich hinauf
wenigstens so weit stattfinden, als die Quellbäche des Lutz-Baches die Grenzgebilde
108
Ferdinand Freiherr von Kichthofen.
[22]
durchströmen; denn man findet in dem Trümmermeer dieser Bäche kein Frag-
ment von Adnether oder Algäu-Schichten. Oestlich dagegen, wo das Flusssystem
der Bregenzer Ache beginnt, ändern sich nach den übereinstimmenden Beobach-
tungen der Herren Es eher und Gümbel diese Verhältnisse, indem sich allmälig
Algäu-Schichten zwischen Dolomit und Flysch einschieben, also wieder das alte
Verhältnis, wie am Hoch-Frassen und südöstlich von Triesen. Wir werden im
weiteren Verlaufe zeigen, dass diese wiederum südlich fallenden Algäu-Schichten
gegen Osten an Mächtigkeit zunehmen und sich allmälig, indem die liegenden
Schichten bis zum Dolomit hinzutreten, zu unserer VI. Hebungswelle entwickeln,
welche im Thale Mittelberg auftritt. Zu bemerken ist dabei noch, dass auch die
V. Hebungswelle sich im Westen unscheinbar verlor, nachdem sie eben noch im
Zitterklapferi so grosse Bedeutung gehabt hatte.
Das westlichste bekannte Auftreten dieser eingeschobenen Algäu-Schichten
ist im obersten Theile des kleinen, bei Schopernau in die Bregenzer Ache mün-
denden Dürrenbach-Thales *) und am Toblermanns-Kopf. Oestlich nehmen sie
bald an Mächtigkeit zu.
Dur chbruch der Bregenzer Ache. — Der Dolomit der Künzle-Spitz
senkt sich östlich tief hinab zur Bregenzer Ache, welche als jugendlicher Berg-
strom die mächtige Gebirgskette im engen Spaltenthal durchbricht. Die gesammte
Hebungswelle wird hier querdurchschnitten und ihre Structur auf das Klarste bloss-
gelegt. Der vielbesuchte romantische Weg von Schopernau nach Schröcken
führt am Bache hin und man kann an ihm bequem den Gebirgsbau kennen lernen.
Bis Hopf r eben wandert man im Flysch, dessen Schichten steil nach Stunde 11
(S. 15° 0.) fallen. Dann folgen Algäu-Schichten, erst durch Gesteine vertreten,
welche kaum vom Flysch zu unterscheiden sind, so dass man bei Hopfreben
vollständig im Zweifel ist, mit welcher von beiden Formationen man es zu thun
hat, bald aber charakteristischer ausgebildet. Der Weg führt am rechten Ufer
des Baches aufwärts und gelangt bald in den Dolomit, während jenseits noch
lange Algäu-Schichten anstehen; sie fallen flacher südlich als der Flysch. Endlich
herrscht der Dolomit auf beiden Seiten aber mit verhältnissmässig wenig bedeu-
tender Mächtigkeit. Bald tritt man aus der engen Schlucht heraus, das Thal
wendet sich, die Abhänge werden flacher; in der Tiefe steht eine Sägemühle,
an der der Weg vorüber führt. Hier ist es, wo die jüngeren Liasglieder des
Zuges von Buchboden und Sch ad o na das Thal quer durchziehen. Doch findet
kein einfaches normales Durchsetzen statt, sondern die Schichten zeigen
beträchtliche Störungen, und nur ihre leichte Erkennbarkeit erlaubt den Faden
des Zusammenhanges ohne Schwierigkeit zu finden. Unmittelbar hinter der Säge-
mühle nämlich folgen auf den Dolomit Kössener Schichten und eine ungewöhnlich
mächtige Bank von Dachsteinkalk, die man fast bis zur Höhe der Künzle-Spitze
verfolgen kann. Das Gestein ist hier weiss und feinkörnig. Es ist unmittelbar
überlagert von den wohl charakterisirten hoehrothen Adnether Kalkschichten, die
sich von Schadona herab leicht verfolgen lassen. Sie kommen nicht bis zur Thal-
sohle, sondern ziehen sich plötzlich wieder mit allen liegenden Schichten aufwärts,
so dass zum zweiten Male eine Dolomitwand folgt. Erst in einiger Erstreckung
senken sie sich nochmals herab und fallen in die Thalsohle: man hat nun bis
Schröcken links und rechts nur noch Algäu-Schichten. An der rechten Thalwand
sind die Verhältnisse ein w^enig verwickelter, doch lassen auch sie sich auf die
kleine Störung zurückführen und man hat es nur mit den genannten Liasschichten
t) Gümbel, Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, VII, 1856, Seite 8.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
109
[23]
zu thun. Die Trias kommt in der ganzen Erstreckung nicht einen Schritt breit zu
Tage. Das wichtigste Moment im gegenseitigen Verhältnisse beider Thalwände
besteht in einer sehr mächtigen Verschiebung gegen einander, indem die Gesteine
im Osten der Ache nicht die unmittelbare Fortsetzung der westlichen, sondern
sämmtlich nicht ganz unbeträchtlich gegen Norden verrückt sind. Für den Dolo-
mit ging es aus dem eben Gesagten hervor. In der Gegend der Sägemühle kann
mau das gleiche Verhalten bei allen übrigen Schichten wahrnehmen. Das enge
Thal der Bregenzer Ache oberhalb Hopf r eben bezeichnet daher
eine Verwerfu ngsspalte unserer fünften Hebungswelle. Das Streichender
Spalte ist Stunde 11, also senkrecht gegen das der Welle und bei der Verwer-
fung ist der östliche Theil nach Norden verschoben.
Ueberblicken wir noch einmal kurz den Nordabhang des Walser Thaies mit
seiner östlichen Fortsetzung bis zur Bregenzer Ache, so besteht dieser Zug aus
dem Schichtensystem einer einzigen Hebungswelle, und zwar einer solchen, welche
gegen Norden abgebrochen ist, und nur an der Flyschgrenze schiebt sich das
Budiment einer erst im weiteren Verlauf sich vollständig entwickelnden He-
bungwelle in Gestalt von Algäu-Schichten ein. Die einseitige Ausbildung des süd-
lichen Schenkels hat die in unserem Gebiet so häufige Bergform der steilen
Nord- und sanften Südgehänge zur Folge. Besonders die aus Algäu-Schichten
bestehenden Höhen des Both-Horns und Hoch-Berges besitzen diese Gestalt in
auffallendem Grade.
Widder stein-Gebirge.
Der Zitterklapfen~Zug geht im Osten jenseits der Bregenzer Ache in das
südliche Quellgebirge des Thaies Mittelberg über. Der höchste Punkt desselben,
zugleich auch der höchste und überall sichtbare Berg des Bregenzerwaldes, ist
der Widder st ein (8001 Fuss), ein ausgezeichneter, leicht ersteigbarer Dolo-
mitberg, der sich als ein isolirtes, imposantes Massiv aus dem Gebirgszug erhebt.
Letzterer ist in seiner Erstreckung von der Kuppe „auf dem Lager“ bis zum
Gaishorn an der bayerischen Grenze zugleich die dreifache Wasserscheide der
Iller, des Lechs und der Bregenzer Ache, entsendet also seine Wasser nach dem
schwarzen Meer und der Nordsee. Den Südabhang des Zuges betrachten wir
von Kruinbach aus und wenden uns jetzt zu dem nördlichen Theil, welcher seine
Gewässer nach der Breitach entsendet; er bestellt aus dem der Hebungswelle V
angehörigen Dolomitzug des Widderstein, aus dem vollständigen System der
Hebungswelle VI undFlysch, in dessen Zone das Thal Mittelberg bereits ganz und
gar liegt. Die kurzen Querthäler, welche in letzteres münden, durchschneiden
jene Zonen rechtwinkelig; sie sind von Westen nach Osten: der Bergunter
Tobl, der Gensch el-Tob 1 und das Wilden bachth a 1. Die beiden ersteren
entspringen zu beiden Seiten des Widdersteins und begrenzen den nördlichen
Grat desselben. Kommt man von Süden her über einen der leichten Pässe in
diese Thäler, so durchwandert man daher abwärts die Liasgebilde in der
genannten Ordnung.
Der Weg von Krumbach über das Gensehel-Joch in den Gen-
sch el-Tob 1 führt über südlich fallende Algäu-, Dachsteinkalk- und Kössener
Schichten in die Zone des Widderstein-Dolomits, welcher den gesammten oberen
Theil des kleinen Thaies bildet. Eine 1500 bis 2000 Fuss hohe, fast senkrechte
Terrasse trennt diese obere Strecke von der unteren. Der Fusssteig windet sich an
ihr hinab. Unten wird man überrascht durch unzählige Bruchstücke von Flecken -
mergel, später auch von Adnether Kalk und Kössener Schichten, welche von
110
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[24]
beiden Abhängen durch die kleinen Wildbäche herabgeführt werden. Es ist die
Zone, deren unscheinbarer Anfang zwischen Flysch und Widderstein- (Zitter-
klapfen-) Dolomit wir ein wenig weiter westlich kennen lernten; sie setzt parallel
dem Hauptgebirgsgrat, aber quer über alle nördlichen Abzweigungen hinweg,
nach dem Algäu fort. Im Genschel-Tobl sieht man die sanfte, durch die Zone der
weichen Mergelgesteine bedingte Einsattelung zu beiden Seiten, besonders rechts
zwischen Gais-Horn (V) und Zwölfer Horn (VI). Der zugehörige Dolomit folgt
nun an beiden Gehängen, stets mit südlichem Fallen und seinen charakteristischen
Bergformen. — Wo der Tobl das Hauptthal erreicht, hat man schon zu beiden
Seiten Flysch. Die Art und Weise der Lagerung an der Grenze habe ich hier nicht
beobachtet.
Umgegend von Sch rocken, Hoch-Krumbach und Warth.
Südlich vom Widderstein breitet sich ein selbstständig abgeschlossenes
Gebirgsland aus, dem die Bewohner Vorarlbergs die Gesammtbenennung „der
Thannberg“ geben. Sie verstehen darunter das Quellgebiet der Bregenzer
Ache oberhalb der eben beschriebenen Verwerfungsspalte zwischen Schopernau
und Schröcken und den östlich angrenzenden Theil vom Quellgebiet des Lechs,
so weit abwärts, bis auch er, gerade an der Tiroler Grenze, in eine wilde und
enge Dolomitspalte tritt, aus der er bei Stög wieder herauskommt, aufwärts am
Lech ebenfalls so weit, als sein Thal breit ist, das heisst, bis zu jener Auf-
bruchsspalte im Dolomit, welche er bei „Am Lech“ verlässt. (S. Profile 24, 25,
26, 27.) So grenzt sich ein freies Alpenland ab, das von allen Seiten nur durch
wilde Durchbrüche des Dolomitgebirges zugänglich ist und von seinen Matten
die Gewässer nach den zwei Systemen der Bregenzer Ache und des Lechs
entsendet.
Der Thannberg in der angeführten Bedeutung ist im Norden sehr bestimmt
abgegrenzt dui’ch den mächtigen Dolomitzug: Zitterklapfen- Widder stein
und breitet sich über die sehr entwickelten Algäu-Schichten, welche zu diesem
Zug gehören, und dann noch südlich quer über die vierte und dritte Hebungs-
welle bis in die Mitte der zweiten aus. Alle diese Wellen, welche westlich und
östlich leicht zu verfolgen sind, erleiden am Thannberg eine Unterbrechung ihrer
Stetigkeit, besonders verschwindet der Dolomit und macht um so mehr den jün-
gern Liasgliedern Platz, welche sich in ungewöhnlicher Weise ausbreiten und
den eigenthümlichen Charakter des Thannberges bedingen. Er ist dadurch ein
Gebiet von Algäu-Schichten und Dachsteinkalk, aus dessen Mitte der Dolomit-
koloss des Warthhorns als Beherrscher der beiden Flussgebiete isolirt hervorragt.
Ringsherum starren die Grenzpfeiler des Thannberges: der Widderstein,
der kl eine Spitz, die Mohnenfluh, Höllspitz und die Walsej* Kerle
empor. Es ist klar, dass ein so selbstständiges isolirtes Gebiet mitten in den
stetig fortstreichenden, gleich gebauten Hebungswellen nur durch besondere
Hebungsverhältnisse und bedeutende Störungen entstehen konnte. Insbesondere
muss eine Kraft, welche rechtwinkelig zur allgemeinen Streichungsrichtung
wirkte, zur Gestaltung beigetragen haben und dies wird noch augenscheinlicher,
wenn wir sehen, dass die Verwerfungsspalte zwischen Künzlespitz und Widder-
stein an der Grenze des Gebietes liegt und dass auch die früher beschriebenen,
eigenthümlichen Ueberschiebungsverhältnisse am Kriegerhorn, bei dem Dorf Am
Lech und am Westner Berg hieher gehören und in der Fortsetzung jener Verwer-
fungsspalte liegen, dass ferner in einer weiteren südlichen Fortsetzung, wenn
auch schon ausserhalb des Thannberggebietes, jene verwickelte Ueberwerfung
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
111
[23]
am Grat zwischen Zürss und Grabach (Profil XII) auftritt, dass der Pass am
Arlberg auch ziemlich genau in derselben Richtung folgt und dass endlich die
Streichungslinie aller dieser Störungen im Gebirgsbau, dieser Ueberschiebungen
und Hebungen mit der Richtung des Thaies der Bregenzer Ache in ihrem Ober-
lauf zusammenfällt.
Die Lagerungsverhältnisse am Thannberg werden dadurch so schwierig und
verwirrt, dass man oft zweifelt, das wahre Verhalten entziffern und dem Gang
der Störungen auf die Spur kommen zu können. Ein Detailstudium des Thann-
berges wäre für die Kenntniss der Moditicationen im Gebirgsbau der nördlichen
Kalkalpen von wesentlichem Interesse. Ich beschränke mich wegen des flüchtigen
Besuches auf einige wenige Angaben und will erst kurz die einzelnen Hebungs-
wellen von Norden an in ihrem Fortstreichen über das Gebiet des Thannberges
verfolgen, um daran dann einige Specialitäten über die Gesteinsfolge anzu-
knüpfen.
1. Wir gehen nochmals von dem hervorragendsten unserer Dolomitzüge:
Zitterklapfen-Widderstein (V), als dem festesten Anhalt, aus. Erlässt
sich im Osten leicht nach dem Gais-Horn und Ochsenlochberg verfolgen
und bildet in den beiden letzteren Bergen die Wasserscheide zwischen dem
Mittelberg- und dem Rappenalpenthal des bayerischen Algäus, er durchsetzt
letzteres und betritt im Hochvogel wieder unser Gebiet.
2. Diesem Dolomitzug schliesst sich nach Einschaltung der untergeordneten
Zwischenglieder (Kössener Schichten, oberer Dachstein- und Adnether Kalk) südlich
eine parallele Zone von A lgä u-S chicht en an, die wir von Buchboden und
Rothenbrunn imWalserThal her als Südabhang des Zitterklapfen verfolgten; sie
bildete weiterhin den Schadona-Pass, das Rothhorn und den Hochberg und
zieht sich herab nach der Bregenzer Ache, trägt darauf die Häuser des Dorfes
Schröcken und setzt als Nordgehänge der Ache über den Pass nach Krum-
bach und weiter nach dem Rappenalpenthal fort, welches ähnlich dem
grossen Walser Thal in jüngeren Liasschichten zwischen zwei überragenden Dolo-
mitzügen eingesenkt ist. Selten sind die Algäu-Schichten so ausgezeichnet ent-
wickelt, wie in diesem Zug. Zugleich wächst die durch sie gebildete Zone zu
bedeutender Breite an (zwischen Juppen-Spitz und Höfer-Spitz) und die tiefen
Thäler und Tobl, welche allenthalben in dem sanft hügeligen Land schroff einge-
schnittensind, entblössen die Schichtenfolge an vielen Stellen. Dennoch ist es auch
hier nicht möglich über die letztere ein klares Bild zu erhalten. Denn wo immer
Algäu-Schichten Vorkommen, sind sie zusammengefaltet und vielfach gewunden
und wiederholen sich im steten Wechsel. Die typischen Fleckenmergel herr-
schen am Rothhorn und bei Schröcken, sowie an dem Weg von hier nach Krum-
bach. Ein wenig südlich von Schröcken am Weg nach Stubenbach sind sie sehr
reich an Versteinerungen, besonders Ammoniten, Belemniten und lnoceramus
Falgeri. Allein es kommt nun noch ein mächtiges System schwärzlicher, zerfal-
lender, von unzähligen Kalkspathadern und Gypsschnüren durchzogener, dünn-
schichtiger und in unregelmässige Stücke zerfallender Mergelgesteine hinzu, welche
von dem gewöhnlichen Typus der Fleckenmergel weit abweichen. Sie führen
weder Verteuerungen noch Zeichnungen von Fucoiden und man könnte über
ihre Stellung um so mehr in Zweifel sein , als diese Schichten zwischen Algäu-
Schichten und dem darauf geschobenen Dolomit liegen. So bilden sie die ganze
Masse des Hochberges und man lernt die unangenehmen Eigenschaften des bröck-
ligen und leicht in lettigen , schlüpfrigen Boden sich auflösenden Gesteins hin-
reichend am Wege kennen, der vom Schadona-Pass am Nordabhang des Hoch-
berges hin nach Schröcken zieht. Steile Runsen entblössen das Gestein von
15
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
112
Ferdinand Freiherr von Richlhofen.
[26]
der Höhe des Abhanges bis hinab in die Tiefe und die ungemein üppige Entwicke-
lung von Tussilago, welches grosse Strecken mit seinen riesigen Blättern bedeckt,
bezeichnet den Charakter seiner Verwitterungsproducte. Solche Stellen sind
weder im Westen noch im Osten in den Algäu-Schiehten bekannt; daher liess
Herr Es eher die Stellung des Schichtensystems problematisch, um so mehr,
als sich die Aehnlichkeit des Gesteins mit dem der Partnach-Schichten und mit
den gypsführenden des Gypsitobls nicht verkennen lässt. Allein ich wies bereits
früher darauf hin, dass an einigen andern Stellen in der Nähe des Thannberges
ein gleiches System in den Algäu-Schichten vorkommt. Es ist dies am Pass
zwischen dem Höllbocks-Tobl und Stubenbach und am Trittkopf östlich von
Zürss. Auch hier treten sie in einer überraschenden Mächtigkeit entwickelt auf,
und haben zugleich denselben landschaftlichen Charakter. Es kann an diesen
Stellen, insbesondere am Trittkopf, kein Zweifel herrschen, dass sie das
oberste Glied der Algäu-Schichten bilden und es ist nur zu verwundern, dass
ein so überaus mächtiges und charakterisches Schichtensystem vollkommen local
auftritt.
Noch ist in diesem Zuge der mächtigen Dachsteinkalke zu erwähnen, welche
oberhalb Krumbach gegen die Wasserscheide der Breitacb auftreten und die
Grundlage der Algäu-Schichten bilden.
Die beschriebene Zone bedingt ganz besonders den Reichthum und die
Fruchtbarkeit der Gegend von Sehr ö c ken. Der Ort hat eine anmuthige und
schöne Lage auf einem kleinen Bergvorsprung, der durch den Zusammenfluss
der tief eingeschnittenen Bregenzer Ache mit dem Aufeld-Tobl gebildet wird.
Fruchtbare kräftige Wiesen ziehen sich allenthalben an den Abhängen hinauf,
nur hier und da unterbrochen von den kahlen abschüssigen Wänden des leicht
zerstörbaren Gesteins. Krumbach ist ein hochgelegenes Sennhüttendorf.
3. Zwischen Krumbach, Schrecken und dem Aufeld-Tobl erhebt sich mitten
aus den Algäu-Schichten eine Insel von Dachsteinkalk, welche allseitig mit
steilen Wänden auf die sanfteren welligen Hügel von jenem abfallt. Sie verdient
in hohem Maasse Beachtung. Man könnte leicht meinen, eine Bank von Dach-
steinkalk sei hier den Algäu-Schichten aufgesetzt, ähnlich wie am Rhätikon, wo
dachsteinkalkähnliche Bänke noch in so bedeutender Mächtigkeit über ihrem
eigentlichen Niveau Vorkommen, allein zweiThatsachen beweisen, dass das kleine
Plateau aus der Tiefe durchgebrochen ist. Man sieht nämlich die söhligen Bänke
des Dachsteinkalkes am Nordwestrand plötzlich umbiegen und steil in die Tiefe
unter die Algäu-Schichten fallen, so dass diese nur angelehnt sind. Der zweite
Beweis liegt in einer kleinen Einsenkung mitten in dem Plateau. Ein grosser,
gegen Westen geöffneter Kessel wird von den steil abgebrochenen Wänden der
150 Fuss mächtigen Dachsteinkalkbank amphitheatralisch umgeben. Der Boden
ist flach und nach der Mitte etwas gesenkt. Ein grünes Seebecken, der Körbe n-
See, breitet sich dort aus; seine Ufer sind mit fruchtbaren Weiden bedeckt.
Der Grund des seltsamen Contrastes liegt in dem Zutagekommen der Kössener
Schichten, welche mitgehoben wurden und, als die Kalkdecke unterbrochen
wurde, mit ihrem selbstständigen Charakter auftreten konnten. Man findet in
ihnen am Fuss der umgebenden Felsmauern zahlreiche Versteinerungen.
Der Dachsteinkalk dieses Plateau s ist graulich-weiss und enthält viel Koral-
lenstöcke und einzelne Bivalven. Seine Schichten sind, wie in der ganzen Ge-
gend, mächtig entwickelt und bilden mauerförmig abgesetzte Wände, ähnlich wie
bei Zürss. Die Oberfläche ist vielfach durch Spalten unterbrochen, die in grosse
Tiefe hinabreichen. Im Nordost reicht ein Ausläufer des Plateau’s bis zu den
Häusern von Hoch-Krumbach.
[27]
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
113
Ein Plateau, welches als Oberfläche eines Gewölbes so schroff und inselför-
mig aus jüngeren Schichten hervortaucht, kann nur durch eine vollkommen cen-
tralisirte Kraft gehoben sein. Da aber aus früherer Zeit keine Spuren von Stö-
rungen, durch welche bereils imLiasmeer ein solches Piiff* hätte entstehen können,
vorhanden sind, so muss dasselbe in späteren Zeiten gebildet worden sein, als
die Gebirge der ganzen Gegend sich gestalteten. In andern Theilen finden sich
keine derartigen centralisirten Hebungen; daher zwingt uns auch dieser Umstand
wieder zu der Annahme, dass am Thannberg besondere Hebungsverhältnisse
stattfanden, welche durch die Combination mit einer rechtwinkelig gegen die
allgemein wirkende secundäre Kraft hervorgebracht wurden.
4. Südlich von der Zone der Algäu-Schichten folgt auf sNeue einDolomit-
zug, der bei Rothenbrunn beginnt und über die Kleine Spitz nach der
Mohnenfluh fortsetzt, dann aber sich zu einem Passe senkt, um als Aarhorn
wieder aufzutauchen. Der Dolomit dieses Zuges ruht auf den nördlichen Algäu-
Schichten und zwar confonn aufgelagert. Wenn an irgend einer Stelle, so könnte
man ganz besonders hier geneigt sein einen „oberen Dolomit“ anzunehmen, der
jünger sei als die Fleckenmergel. Am Jup pen-Spitz zum Beispiel sieht man die
Wände der südlich fallenden abgebrochenen Algäu-Schichten sich fast senkrecht zu
einer Höhe von 2000 Fuss erheben. Wenig unter der Spitze beginnt eine mäch-
tige Dolomithank, welche die Höhe bildet, genau an der Lagerungsweise theil-
nimmt und in gleicher Weise wie die Algäu-Schichten von den Wänden durch-
schnitten wird. Sie senkt sich südlich, es thürmen sich mehr Dolomitbänke
darauf, die oben einen Grat bilden und sich zur Mohnenfluh entwickeln. Es ge-
lingt schwer sich zu überzeugen, dass auch an dieser Stelle mit dem Dolomit
ein neues, auf das jüngere hinaufgeschobenes System beginnt. Allein einerseits
lässt sich die Auflagerungslinie genau über den Grat zwischen der Kleinen Spitz
und dem Hochberg und dann hinab nach Rothenbrunn verfolgen; andererseits
zeigt die bis jenseits der Mohnenfluh fortgeführte Durchschnittslinie die baldige
Auflagerung eines neuen Systems von Kössener, Dachsteinkalk- und Algäu-Schich-
ten, welchen dann in ähnlicher Weise die tiefen Triasschichten am Gypsiloch-
Bach aufgeschoben sind. Dieses Yerhältniss wird klar am Kleinen Spitz (ein wenig
westlich vom Juppen-Spitz) im Profil X und am Verhältniss des Krieger-Horn zum
Gypsiloch-Bach im Profil XI.
Verfolgt man den Dolomit des Juppen-Spitz und der Mohnenfluh nach Osten,
so sieht man ihn sich zur Tiefe unter dem Pass zwischen Schröcken und Sluben-
bach hinabsenken, es erscheint sein Hangendes, die Kössener Schichten,
deren unmittelbare Berührung mit den Algäu-Schichten des Aufeld-Tobls sich
hiedurch leicht erklärt. Sie bilden die ganze Einsattelung gegen das Aarhorn
(Profil XI). In diesem sehen wir nichts Anderes als die Fortsetzung des
beschriebenen Dolomitzuges, in seiner plötzlichen, steilwandigen Erhebung aber
eine nochmalige Aeusserung jener centralisirten Kraft, auf welche bereits das
Plateau um dem Körbensee schliessen liess. Wie im Süd west das Aarhorn sich
aus Kössener Schichten heraushebt, so sinkt es nordöstlich wieder unter solche
hinab. Der Dolomit des Berges fällt sehr steil nach Stunde 11, seine Schichten
zeigen aber eine gewölbartige Biegung in der Richtung des Streichens, welche
das Einfallen unter viel tiefer gelegene jüngere Schichten erklärt.
Was nun die weitere östliche Fortsetzung betrifft, so haben wir bereits
früher bei der allgemeinen Beschreibung der vierten Hehungswelle angegeben,
dass sie als ein breiter zusammenhängender Zug durch den nördlichen Theil des
oberen Lechgebiets hindurchzieht und bei Eimen über das Lechthal setzt. Wir
werden später diesen Zug als eine der ausgezeichnetsten und deutlichsten He-
15*
114
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[28]
bungswellen kennen lernen. Allein wenn er sich auch ebensowohl durch das
Genaue Einhalten der Richtung als durch seine Lage zwischen den benachbarten
Hebungswellen (III und V) deutlich als Fortsetzung des Zuges der Mohnenfluh
erweist, so ist doch die Verbindung über den Thannberg ungemein schwierig,
da hier eine Spaltung des Systernes in zwei Theile stattfindet und die Ableitung
derselben bei dem Zusammenfluss verschiedener Thalsysteme mit Schwierigkeiten
verbunden ist.
Gehen wir vom Aarh o r n aus, so treffen wir zunächst nordöstlich davon
nach einer kurzen Unterbrechung durch jüngere Liasschichten den Anfang eines
Dolomitzuges, den man zwischen Krumbach und Warth durchwandert. Er ist
gegen das Aarhorn nördlich verschoben , in ähnlicher Weise, wie die beiden
Wände des Thaies der Bregenzer Ache oberhalb Hopfreben. — Von hier zieht
der Dolomit, indem er zu den nördlichen Algäu-Schichten in das gewöhnliche
Verhältniss der Ueberlagerung tritt, nach dem Schroffen an der bayerischen
Grenze. Ich habe ihn nicht weiter verfolgt, doch scheinen die sonst bekannten
Verhältnisse zu ergeben, dass der Dolomit bald unter den massenhaften Algäu-
Schichten verschwindet, welche theils seinem eigenen Systeme, theils dem nördlich
vorliegenden angehören, und nachdem sie sich über dem Dolomit vereinigt haben,
als breiter Zug zwischen Hochvogel und Bretterspitz fortsetzen.
Ist diese Interpretation richtig, so erklären sich auf eine leichte Weise die iso-
lirten Dolomitinseln in diesem Algäu-Schichtenzug, wie sie am Jochspitz
und weiter gegen Hinter - H o rnbac h auftreten. Sie sind dann nur eine Fort-
setzung der secundären Hebungswelle des Schroffen. — Uebrigens ist auch
dieser Zug begleitet von den zugehörigen Kössener, Dachsteinkalk- und Algäu-
Schichten. Die Kössener Schichten tragen das Dorf Warth und ziehen hinüber
nach Lechleiten und von dort über den Pass am Schroffen nach dem R a p-
penalpenthal. Die Dachsteinkalke des zunächst sich anschliessenden Zuges
sind überaus mächtig; sie ziehen von Warth nach dem Lech hinab und
bilden dessen enges felsiges Bett aufwärts beinahe bis Stubenba ch; auch der
Weg führt in einiger Höhe sehr lange Zeit über die Bänke des Dachsteinkalkes.
Darauf folgt ein schmaler Zug von Algäu-Schichten.
Während der Anfang des beschriebenen Zuges gegen das Aarhorn ein
wenig nach Norden verschoben ist, entwickelt sich der zweite ein wenig weiter
südlich allmälig aus den Algäu-Schichten, springt aber bald in die Richtung:
Mohnenfluh-Aarhorn ein und setzt in dieser als einer der Hauptzüge fort. Sein
Dolomit taucht am Fusse der Höllspitz gegen den Lech hervor, setzt über
diesen und erreicht seine erste bedeutsame Entwickelung in den Walser
Kerlen an der Grenze des Algäus. Die Scharte zwischen diesem Berg und dem
Schroffen gewährt ein deutliches Bild von dem Verhältniss des in Betrachtung
stehenden Zuges mit dem vorigen. Herr Escher fand (nach mündlicher Mit-
theilung), dass der Dolomit der Höhe der Walser Kerle von dem, welcher den
Südabhang bis hinab in das Lechthal bildet, durch eine schmale, von jüngeren
Liasschichten gebildete Zone getrennt ist; eine Beobachtung, welche ich durch
den Nachweis des östlichen Fortstreichens der schmalen Zone in geringer Ent-
fernung in dem kleinen Schochathale vervollständigen konnte. Den weiteren
Verlauf der Hebungswelle (IV) von den Walser Kerlen an werden wir vom
Lechthale aus verfolgen.
5. Der der Hebungswelle IV angehörige Zug jüngerer Lias schichten,
welcher sich südlich von dem Hutler Bach und oberen Rothenbrunner Thal an
verfolgen Hess, wurde bereits in seinem allgemeinen Verlauf abgehandelt. Es
ergab sich, dass jene Schichten bei Rothenbrunn muldenförmig eingelagert sind,
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
[29]
US
(Profil IX), gegen Osten aber die regelmässige Mulde in eine Ueberschiebung
übergeht (Profil X, XI), so dass südlich der Mohnenfluh auf den Algäu-Schichten
unmittelbar das Triassystem des Krieger-Horns auflagert. Die Auflagerungs-
linie setzt quer über den Gypsitobl. Zwischen diesem Bach und dem Aarhorn
bilden die Algäu-Schichten ein sanftes Weideland, auf welchem die Häuser von
Bürslegg zerstreut liegen.
Südöstlich setzen die Schichten über den Bach fort und hängen hier mit
denen der nächstfolgenden Hebungswelle zusammen.
6. Die Hebungswelle III ist diejenige, welche in dem an Störungen so
reichen Gebiete die bedeutendste Unterbrechung der Stetigkeit erlitten hat. Im
Westen ist sie nur schwach entwickelt und zwar im Tisner Gschröf, Gans-
boden und im nördlichen Theil des Krieger-Horns. Hier setzt sie plötzlich
ab. Verfolgt man ebenso den östlichen Theil entsprechend gegen Westen, so
erreicht derselbe ein ebenso plötzliches Ende im Hö 11 spitz. Der Kaum zwischen
diesen beiden Bergen ist mit Algäu-Schichten ausgefüllt, die vom Lech durch-
strömt werden und dem Dolomit der Höllspitz nebst den dazugehörigen
Zwischengliedern aufliegen, die Trias des Krieger-Horns aber unterteufen oder
gegen dieselbe abgesetzt sind. Kaum könnte der Beweis klarer vorliegen, dass
hier eine Verwerfung von zwei Theilen derselben Hebungswelle gegen einander
stattgefunden hat, so zwar, dass der westliche gegen den östlichen gehoben,
vielleicht sogar überschoben wurde, und es ist gewiss nicht zufällig, dass diese
Verwerfung in der genauen Fortsetzung der oben beschriebenen Spalte der
Bregenzen Ache oberhalb Hopfreben, der westlichen Grenze der Dachsteinkalk-
insel bei Schröcken und des Passes westlich vom Aarhorn liegt.
Die Linie Hopfreben -Stubenbach (Stunde 22) scheint daher
die Hauptrichtung der Störungen zu bezeichnen, welche in dem
sonst so regelmässigen Fortstreichen der Hebungswellen am Thannberg statt-
finden. Westlich von dieser Linie, und zwar genau bis zu ihr, ist die grösste
Regelmässigkeit im Gebirgsbau; östlich breitet sich ein schmales, auf das Mannig-
fachste zerstörte Gebiet aus, und erst jenseits desselben beginnt wieder dieselbe
* Regelmässigkeit, die Hebungswellen setzen in der früheren Richtung fort und
erleiden erst in weiter Entfernung wieder einige kleinere Unterbrechungen.
Nachdem wir so zu zeigen versucht haben, wie die einzelnen Elementar-
bestandtheile im Gebirgsbau des Trias-Liasgebietes von Vorarlberg über die
Grenze von Tirol fortsetzen, überschreiten wir diese und wenden uns zum Ge-
birgsbau von Nord-Tirol.
III. Der westliche Theil von Nord-Tirol von der vorarlbergischen Grenze bis
Seefeld.
Wir betreten das Flussgebiet der Donau und bewegen uns von nun an bis
zu den Grenzen unseres Gebietes gegen Bayern ausschliesslich in der Trias-
Lias-Zone, welcher nur parasitisch und sporadisch Gebilde jüngerer Formationen
auf- und eingelagert sind. Nirgends Q greift das selbstständige Gebiet derselben
über die Grenzen von Nord-Tirol. Das Thalsystem des Lechs von Stög bis Füssen,
eines der interessantesten und charakteristischesten in den gesammten Kalk-
alpen, das Quellgebiet der Loisaeh und der westlichen Zuflüsse der oberen Isar,
!) Mit Ausnahme der vom bayerischen Gebiete rings umschlossenen österreichischen Be-
sitzung Jungholz, nördlich von Thannheim.
116
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[30]
endlich die Grenzeinsenkung zwischen Kalk- und Urgebirgsalpen vom Arlberg
bis Zirl, welche von der Rosanna und dem Inn durchströmt wird, sind die allge-
meinsten formgebenden Elemente für die Gestaltung der Oberfläche. Die Rich-
tung dieser Thäler wie der trennenden Gebirgszüge bietet wenig Regelmässig-
keit; in um so hervorragenderem Maasse finden wir sie gerade in diesem Theil
der Alpen bei jenen Hebungswellen, welche wir bereits durch Vorarlberg ver-
folgten. Unabhängig von Thälern und Höhenzügen streichen sie in stets gleicher
Richtung und mit wenig wechselndem Schichtenbaue weithin fort, setzen in ver-
schiedenen Winkeln über die Thäler und veranlassen diese nur selten zu einer
wesentlichen Aenderung ihres Laufes. Am ausgezeichnetsten ist diese Regel-
mässigkeit und Gleichförmigkeit im Lechgebiete, nördlich bis zum Thannheimer
Thal und dem Flysch des Algäus, südlich bis zum Innthal. Weiter im Osten stellen
sich nach und nach bedeutendere Abweichungen ein. Die erste derselben ist in
der Umgegend von Reutte. Herr Bergrath Ritter v. Hauer erkannte in dem weiten
Thal dieses Ortes einen Aufbruch, in welchem die tiefsten Triasschichten zu Tage
kommen.
Solche Aufbruchscentren finden sich zwar weiter südöstlich nicht mehr, im
Gegentheil sieht man noch ununterbrochen die Hebungswellen fortstreichen. Allein
es stellt sich allmälig ein wesentlich unterscheidendes Merkmal ein, dass östlich
vom Meridian von Reutte zur vollen Geltung kommt und von nun an durch die
gesammte Alpenkelte bis zur ungarischen Ebene fortsetzt; es ist das Auftreten
der mächtigen weissen Hallstätter Kalke und ihre wichtige Rolle im Gebirgsbau.
Gebirge zwischen dem Lech-Thale von Stög bis Elbingen-Alp und dem
Stanzer Thale.
Das Stanzer Thal, von der Rosanna durchströmt, kommt vom Arlberg und ist
östlich gerichtet, das Lechthal hat bis Eimen eine ostnordöstliche, von da bis
Reutte eine nordöstliche Richtung. Die Gebirgsmasse zwischen beiden Thälern
nimmt daher nach Osten bedeutend an Breite zu. Die Hebungswellen sind dem
Stanzer Thal ungefähr parallel (mit einem kleinen Ausschlag nach Nordost) und
durchschneiden daher das Lechthal unter schiefem Winkel. Aus Triasschichten
und Liasdolomit baut sich das Schichtensystem unmittelbar aus dem Grunde des
Stanzer Thaies zu einem Gebirgszug mit äusserst kurzem und steilem Südabfall auf.
Schon auf dieser Höhenlinie ist die Wasserscheide zwischen Rosanna und Lech;
nach Süden stürzen nur einige kurze Wildbäche herab, nach Norden sind lange
Querthäler gerichtet. Wir betrachten erst die Profile des südlichen Abhanges,
ehe wir uns über die Pässe in das Lechthal wenden.
Triasformation zwischen dem Arlberg und Landeck. —
Der Nordabhang des Stanzer Thaies besteht aus der unmittelbaren Fort-
setzung der Schichtensysteme des Klosterthaies. Wir knüpfen daher an unsere
Profile bei Stuben und Arlberg an, mit denen wir Vorarlberg verliessen (Fig. 20,
21, 22, 23), das letzte derselben (Nr, 23) zeigte mächtig entblössten Verrucano
und zugleich das Verhältniss der schwach geneigten Schichten desselben zu der
senkrechten Stellung des Dolomites. Alles dies bleibt östlich vom Arlberg ebenso.
Der Verrucano nimmt an Mächtigkeit bedeutend zu; seine Schichten liegen
meist schwach geneigt, darüber folgt die gesammte Trias. Nach einer oder meh-
reren Windungen, welche im Fortstreichen stets wie bei den Parallelprofilen von
Stuben bedeutenden Modificationen unterworfen sind, folgt der Dolomit mit fast
senkrechter Schichtenstellung. Im weiteren östlichen Verlauf keilen sich alle
Triasschichten unter dem Dolomit aus, der sie mächtig überwölbt. Im Allgemeinen
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord -Tirol.
117
[31]
sind die Verhältnisse auf dieser Seite des Arlberges ungleich schwieriger aufzu-
fassen, als die jenseitigen; es trägt dazu die veränderte Schichtenentwicklung bei,
indem die Partnachmergel und Raibler Schichten ungemein an Mächtigkeit zu-
nehmen und die letzteren jetzt besonders durch Schiefer und Sandsteine ver-
treten sind. Die Arlbergkalke ändern gleichfalls ihre Beschaffenheit ein wenig;
es ist als ob sie den Hallstätter Kalken näher träten; auch ihre Mächtigkeit
nimmt zu.
Von St. Jakob nachdemAlmeju r- J och. Oberhalb St. A nton und St. Jakob
steht Verrucano in bedeutender Mächtigkeit an; einige sanfte Vorsprünge in dem
Thal scheinen ebenfalls daraus zu bestehen. Die ersten anstehenden Gesteine
sind ein sehr typischer dunkelrother Verrucano mit grossen weissen ahgeroll-
ten Quarzkörnern; das Bindemittel ist meist verkieselt. Es folgen dünnschiefrige
glimmerreiche Schichten, darauf ein feinkörniger rother Sandstein und jene an
grossen Quarzausscheidungen reichen regenerirten Glimmerschiefer, welche durch
ihren schuppigen Glimmer sich von dem Gestein der Centralkette unterscheiden,
endlich noch einmal rothe Sandsteine. Dieses gesammte Schichtensystem ist in
steilen Wänden hei den Hebungen des vom Almejur-Jöeh herabkommenden
Baches entblösst. Die Lagerung zeigt im Allgemeinen ein nördliches Fallen, das
aber durch mehrfache wellige Biegungen verdeckt wird. Eine gelbe Rauchwacke,
welche das Thal durchzieht, scheint unmittelbar über dem Verrucano zu liegen
und den Guttenste i n e r Kalk zu vertreten. Die nun folgenden Schichten sind
wenig entblösst, doch treten Partnachmergel und Arlbergkalke sehr
charakteristisch auf. Eine breite sanfte Stufe von gelber Rauchwacke, braunen
glimmerigen Sandsteinen u. s. w. trennt sie vom Dolomit; unser Profd zeigt den
Grund der bedeutenden Ausbreitung dieser Gesteine der Ra ib 1 er Schichten.
Der Dolomit fällt steil nördlich und hält bis zum Joch an, jenseits dessen sogleich
Kössener Schichten folgen; sie setzen den Abhang gegen das Almejur-Thal bis
tief hinab zusammen und ziehen östlich über den Nordgrat des Stanskopfes nach
dem Kaiser-Joch fort, westlich am Valluger Kopf vorüber.
VonPetneu nach dem Kaiser- Joch. Dieser Aufstieg entblösst das
Triasprofil noch weit unvollkommener als der vorige; nur der Verrucano ist in
gleicher Weise wie dort an den Wänden des vom Joch herabkommenden Thaies
ausgezeichnet aufgeschlossen. Im Allgemeinen lässt sich eine gewölbartige Auf-
biegung erkennen. Die Schichtenfolge scheint bis zur Höhe eine sehr regelmäs-
sige zu sein; nur die Raibler Schichten haben auch hier eine ungewöhnliche Aus-
breitung. Es folgt darauf Dolomit in bedeutender Mächtigkeit. Die Höhe des sehr
ausgebreiteten sanften Joches wird von den dunklen mergeligen Kössener
Schichten gebildet, welche westlich vom Almejur herüber kommen und östlich
nach der vorderen See-Spitz fortziehen. Die gesammte Abtheilung des Lias über
dem Dolomit ist nördlich vom Almejur, wie vom Kaiser- Joch in einer stark gebo-
genen, sehr gestörten Mulde gelagert, die im Almejur breit, im Kaiserthal sehr
schmal ist und sich gegen den vorderen See-Spitz mit einer nördlicheren, durch
einen Dolomitzug getrennten Liasmulde vereinigt. Sie setzen vereint, aber den-
noch in geringer Breite über das Alpe r schon nach dem Parseyer Thal
fort.
DasProfil von Schnan über dasKühjoch nach dem Alpe rschon-
Thal ist durch Escher von derLinth bekannt geworden, welcher es genau
beschrieb. Kein anderes im Stanzer Thal gewährt einen so deutlichen Aufschluss
über die Schichtenfolge, kein anderes aber stellt auch die gleichen Räthsel.
Es scheint, dass die auf Profil XIII dargestellte Lagerung die richtige ist, wie
sich aus der Erörterung der Aufeinanderfolge der Gesteine leicht ergibt. Wir
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
118
[32]
bedienen uns dabei der von Es eher angewendeten treffenden Bezeichnungen
und fügen nur wenige Beobachtungen hinzu :
1. Unmittelbar bei dem Dorfe Schnan vor dem Eingänge in das Thal steht
mit steilem südlichen Fallen ein schwärzlichgrauer, ebenflächiger, mergeliger
Thonschiefer an. Ueber seinen flachen Hügeln erhebt sich mit steilen Wänden
2. ( 'z ) *) sehr kie selig er, spröder, schwarzer bis dunkelgrauer Kalk-
stein, feinkrystallinisch bis dicht und 300 Fuss mächtig. In ihm ist eine enge
und tiefe Klamm eingeschnitten.
3. (V) ebenflächiger, ausgezeichnet spaltender, mergeliger Tho ns chie-
fer wie 1. Mehrere einzelne Schichten von knollig zerklüftendem Kalk sind ein-
gelagert. Gesammtmächtigkeit 250 Fuss.
Diese drei Schichtensysteme deuten entschieden eine wellige Faltung an
und bringen sich dadurch leicht in Zusammenhang mit der Aufbiegung bei Petneu.
Ein kieseliger schwarzer Kalkstein, wie er die Klamm bildet, ist auser den Vi r-
gloria-Kalken nicht bekannt und die den Schiefern eingelagerten knollig zerklüf-
tenden mergeligen Kalke deuten mit Entschiedenheit auf Partnachschiefer.
Die ebenflächige tafelförmige Structur der sonst in kleine Täfelchen zerfallenden
Gesteine ist zwar auffallend und es lässt sich kaum ein Grund für diese Aende-
rung aufstellen; allein dieser geringe Unterschied muss dem Zeugniss der anderen
Merkmale weichen. Es folgen
4. (w,v, u, r, s) ein Wechsel von schwarzen porösen mit
grauen und weissen krystallini sehen Kalken; einzelne Schichten sind
vollkommen schwammig und gehen in Bauchwacke über. Von unten her entwickelt
sich das System durch Wechsellagerung aus den Schiefern. Alle Merkmale dieses
Compiexes stimmen genau mit denen der Arlbergkalke überein, wie sie z. B.
auf dem Wege von Stuben nach Zürss auftreten. Insbesondere ist auch die
Wechsellagerung der untersten Schichten mit Schiefer ein stets gleichbleibender
Umstand.
5. (q) Gelbliche R auch wacke, dunkelgraue, auf den Schichtflächen gelb-
liche, etwas glimmerige, schiefrige Mergel, dunkelgraue und braune
glimmerige feste Sandsteine u. s. w. mit Spuren von Versteinerungen der
Rai hier Schi chten.
6. (r). Hellgrauer, feinkörniger Dolomit, wie einzelne Schichten von 4.
7. (o Gras) Schichten wie die Raibler von 5. Nur die Rauchwacke ist nicht
sichtbar, da sie am Wege von Graswuchs bedeckt ist Ihr Vorhandensein wird
auch durch die Tobl angedeutet, welche in ihrer Streichrichtung von links und
rechts herabkommen.
Auffallend ist die ungemein grosse Mächtigkeit der Raibler Schichten, welche,
selbst wenn man die durch das Hervortreten von 6 angedeutete, im Profil ver-
zeichnete Aufbiegung in Betracht zieht, immerhin beträchtlich bleibt.
8. ( m , n) Lias-Dolomit mit steilem nördlichen Fallen; er hält bis jenseits
des Baches an und bildet den Vorderen See- Spitz, die Knappenböden
und den Stierkopf. Es folgt ihm jene Mulde jüngerer Liasschichten, deren
wir am Kaiser-Joch erwähnten und die wir von der Nordseite her genauer ver-
folgen werden.
Das schwierige Profil des Kühjoclithales findet so durch die beiden Schich-
tenaufbiegungen eine einigermassen befriedigende Erklärung. Der Verlauf des
Schichtenbaues der Trias zwischen Schnan und Landeck scheint
sich nun von selbst zu ergeben. Die Trias hält sich von nun an nur an dem tief-
!) Die beigesetzten Buchstaben bezeichnen die Schichte in Herrn Escher’s Profil.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
119
[33]
sten Südgehänge der Berge und zieht so am Fusse der Eisenspitz und
des Tawin hin, deren Hauptmasse von Dolomit und deren Gipfel von Kössener
Schichten gebildet werden. Die Trias scheint südlich vom Eisenspitz noch einmal
eine bedeutendere Ausdehnung zu gewinnen, indem sie sich mit einem breiten
und mächtigen Verrucano- Slreif auf den Glimmerschiefer-Vorsprung lehnt.
Allein sie verschwindet bald ganz, indem sich der Dolomit von Norden her mehr
und mehr herüberwölbt und endlich die Trias vollkommen verhüllt.
So ist das Verhältnis bei Landeck. Der Dolomit tritt hier in imposanten
Gebirgsmassen bis in das Innthal herein und wenn man von Za ms den beschwer-
lichen, steilen Pfad nach dem oberen Theil der grauenhaften Kluft des Letz-
B ach es einschlägt, so sieht man deutlich die gewölbartige Biegung der gesamm-
ten Dolomitmasse. Bei der Alpe im mittleren Theil des Thaies stehen dann jün-
gere Liasschichten an, welche über die Silberspitze ziehen und eine allseitig
isolirte, muldenförmige Einlagerung bilden. Weiter thalaufwärts gegen den ver-
lassenen mühsamen Uebergang über das Pa sseyer- J och erhebt sich wiederder
Dolomit; im Matriol -Thal klafft er auf und lässt einen Streifen Rauchwacke der
Raibler Schichten hindurchschauen. Dann setzt er mit umgekehrtem, nördlichem
Fallen weiter fort und bildet die Unterlage einer neuen grösseren Mulde von
jüngeren Liasschichten, welche am Schweinsrüssel beginnt. Es ist dieselbe
Mulde, welche wir bereits im Kaiser- und im Alp erschon-Thal kennen
lernten.
Wo südlich von dieser Mulde noch andere Schichten neben dem Dolomit
auftreten, hat man es mit vollkommen localen Erscheinungen zu thun, welche
mit ihrem kurzen Verlauf oft die klare Auffassung des Gesammtbaues erschweren,
aber doch die hauptsächlichsten Thatsachen niemals ganz zu verhüllen vermögen.
So verlassen wir bei Landeck den schmalen, steilen Südabhang des Al-
mejur-Jochs und Kaiser-Jochs als ein breites, gestaltreiches Gebirgsland. Die
Constanten sind die nördliche Liasmulde und die südlichen krystallinischen
Schiefer. Bei Sanct Jakob fanden wir zwischen diesen beiden Elementen ein
einfach und normal aufgebautes Schichtensystem, es nahm an Breite gegen Osten
zu, gleichzeitig auch an Mannigfaltigkeit im Gebirgsbau, und bei Landeck sehen
wir es als ein Dolomitgebirgsland, dessen gleichförmiges Schichtensystem
gewölbartig eine breite Zone bedeckt und durch locale Störungen bald einen
isolirten Streif älterer Schichten hervortreten lässt, bald eine kleine Auflagerung
jüngerer Liasglieder trägt. Wir werden später den weiteren Verlauf gegen
Imst kennen lernen und wenden uns jetzt zunächst zur Betrachtung der vom
Lechthal bis in die vielgenannte Liasmulde hinaufreichenden Thäler.
Umgegend von Stög im Lechthal, Bock hach-, Grabacb-, A I-
mejur-Thal. — Bei Stög verlässt der Lech die Engen, die er bei Lechlei-
then am Thannberg betrat und fliesst von hier an in einem weiten, reichbevöl-
kerten Thal. Ein von Osten herkommender breiter Doiomitzug erreicht hier sein
westliches Ende und bildet die Gehänge rings um den Ort; zwischen ihm und
dem Almejur-Joch ziehen noch zwei Dolornitzüge von West nach Ost, deren nörd-
licher unserer Hebungswelle II aus Vorarlberg angehört, während der südliche
eine kurze Erhebung aus der Tiefe mitten in der Mulde I N — II S bezeichnet und
diese in zwei Mulden theilt; ihren dolomitischen Südrand lernten wir vom Stanzer
Thal her kennen. Almejur- und Kaiser-Thal entspringen an diesem Südrand und
münden gemeinsam bei Stög; sie durchschneiden daher mehrere Hebungswellen,
während das Grabach- und Bockbach-Thal mehr westlich aus der nördlichen
Hälfte der zweigetheilten Mulde I N- — II S entspringen, daher ein weniger com-
plicirtes System an ihren Abhängen entblössen.
K. k. geologische Reichsanstalt, 12. Rand, 1861 und 1862. II. Heft.
16
120
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[34]
Das Bockbachthal bildet in seinem Ursprung eine Einsenkuug zwischen
den älteren und jüngeren Liasschichten. Aus jenen besteht der Scheiderücken
gegen das oberste Lechgebiet, der Zug vom Schwabbrunnen nach dem VVestner
Berg. Kössener Schichten, Dachsteinkalk und Adnether Kalk sind dem Dolomit
aufgelagert und bilden den Nordwestabhang. Selten ist der Dachsteinkalk in so
bedeutender Mächtigkeit entblösst; er setzt eine isolirte Bergmasse zusammen
und trägt im Thalgrund die rothen Adnether Kalke. Die gesammte südöstliche
Thalwand besteht wie der ganze Scheiderücken gegen das Grabachthai aus Al-
gäu-Schichten. So bildet das obere Bockbachthal einen fruchtbaren, alpenreichen
weiten Kessel, dessen Schichten über den Schwabbrunnen und die Alpe Monzabon
nach Zürss hinübersetzen. Er wird im Hintergrund überragt von dem Dolomit
des Rauhen Spitz und des Gra bacher Spitz, dessen eigenthümliches über-
stürztes Lagerungsverhältniss wir von Zürss her kennen lernten (s. Prof. XII). —
Dieser obere Thalkessel wird schroff abgeschnitten, indem der Dolomit des
Westner Spitz quer über das Thal hinwegsetzt, den Grubspitz zwischen
ßockbach und Grabach bildet und dann nach Kaisers hinüberzieht. Man gelangt
daher thalabwärts von den fruchtbaren Gehängen der Fleckenmergel succes-
sive in rothen Adnether Kalk, Dachsteinkalk, mächtige Kössener
Schichten, und dort wo der Bach vom westlichen Uehergang gegen Stubenbach
in einer Spalte herabkommt, in Dolomit. Mit ihm verlässt man die Hebungs-
welle II und kommt aufs Neue in Flecken me rgel, welche scharf gegen den
Dolomit abgegrenzt sind, und nach dessen Engen eine zweite alpenreiche Thal-
strecke schaffen, es beginnt damit die Hebungswelle III, deren Dolomit nörd-
lich das Thal abschliesst, im Höllspitz seinen Höhepunkt erreicht und über
die Einmündungsstelle des Bockbachs in den Lech nach dem Muttekopf zieht.
Die Schichten zwischen ihm und den Fleckenmergeln sind gut entwickelt, die
Dachsteinkalke erheben sich westlich zur Mittagspitz. — Wendet man sich
aus dem Boekhach nach Stög, so kann man nicht in die furchtbare Dolomit-
schlucht hinab, sondern hält sich auf den Algäu-Schichten, welche den Abhang
unterhalb des Grubspitz bis fast in das Lecbthal hinab bilden. Die überaus reichen
Alpen, welche für den Botaniker ein ungemein dankbares Gebiet hinsichtlich des
Formenreichthums der Flora der Gegend sind, tragen den Namen Birchesgunt.
Ihre Algäu-Scliiehten ziehen hinüber nach dem Grabachthai und sind durch ihr
Liegendes (Adnether, Dachslein-, Kössener Schichten) von dem Dolomit von
Stög getrennt.
Das Grabachthai bietet ungleich schwierigere Verhältnisse, die wir in-
dessen schon früher bei Betrachtung des Grates zwischen Zürss und Grabach
theilweise zu erklären suchten. Es zeigte sich, dass das muldenförmig gelagerte
Schichtensystem zwischen Valluger Spitz und Schwabbrunnen im Norden eine
grossartige Umbiegung erfahren habe, wodurch alle Schichten von den Partnach-
mergeln bis zu den jüngsten Liasgliedern an jenem Grat in umgekehrter Reihen-
folge über einander liegen. Man gelangt daher aus den Algäu-Schichten des
Thalgrundes von Grabach ansteigend zu einer isolirten Partie rothen Adnether
Kalkes mit vielen Ammoniten und Crinoiden-Breccie. Darüber liegt mauerförmig
abgebrochen ein mächtiges Dachsteinkalkflöz und dieses trägt ein kleines
Plateau von Kössener Schichten in fast söhliger Lagerung. Amphitheatra-
lisch steigen Kalkgebirge darüber auf. Von rechts her kommt der Dolomit des
Grabacher Spitz und keilt sich schnell aus; darauf folgen Rauclnvacke, Sand-
steine, kalkige Schiefer u. s. w. der Raibler Schichten und mächtige Arl-
bergkalke, bis endlich Partnachmergel als das höchste den Uebergang
nach Zürss vermitteln. Die Arlbergkalke scheinen auch den Schmalzgrat zu bil-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
121
[35]
den, welcher Grabach und Almejur scheidet; denn man sieht unter diesem Kalk-
grat die Rauchwacke der Raibler Schichten herumziehen und es ist wahrschein-
lich, dass dieser kleine Bergzug auch dem überstürzten Schichtensystem ange-
hört. — Dass jenseits des Passes gegen den Pazieler Bach dieselbe verkehrte
Lagerung sich abwärts verfolgen lässt, habe ich zu zeigen versucht. Herr Berg-
rath Franz Ritter v. Hauer und Herr Escher v. d. Linth fanden, dass auch
gegen das oberste Almejur-Thal als Liegendes der Trias wider die Kössener
Schichten Vorkommen, so dass von allen Seiten her die Ueberstürzung vollkom-
men klar erwiesen ist. Auch von der letztgenannten Seite scheint es übrigens
sicher festzustehen, dass der Schmalzgrat auch noch dem überstürzten Schichten-
systeme angehört.
Wendet man sich von diesem merkwürdigen Knotenpunkt im Grabachthai
abwärts, so bietet es dieselben einfachen Verhältnisse wie das Bockbachthal.
Man gelangt aus den Fleckenmergeln durch die Zwischenschichten in den Dolo-
mit, der westlich von der Grubspitz herabzieht, und in die Algäu-Schichten der
Hebungswelle III, welche westlich Birchesgunt tragen und östlich nach dem Kai-
serthal ziehen. Nirgends ist der Schichtenbau dieser Formation mit solcher Klar-
heit zu verfolgen wie hier. In einer tiefen, senkrecht eingeschnittenen Schlucht
bricht der Grabach quer hindurch und zwingt den Weg sich hoch am östlichen
Gehänge zu halten. Bald durchschneidet er die Adnether Kalke, an Korallen und
ßivalven reiche Dachsteinkalke und Kössener Schichten mit vielen Versteinerun-
gen. Diese drei Schichtensysteme setzen oberhalb Ellebogen über den Lech und
bilden den Südabhang des jenseitigen Ellebogen-Spitz. Durch eine kleine
Kluft, in welcher dünnplattige bituminöse Kalke in Lias- Dolomit anstehen, er-
reicht man Stög.
Das Almejur-Thal entspringt am Rogla-Spitz, nimmt einen kleinen
Zufluss vom Almejur- Joch auf und mündet bei Kaisers in das Kaiser-Thal. Der
obere und untere Theil des Thaies liegen in jüngeren Liasgebilden, der mittlere
durchbricht jenen Dolomitzug, der eine kurze Aufbiegung zwischen den Hebungs-
wellen I und II bildet. Die Liasschichten des oberen Laufes kommen in mulden-
förmiger Lagerung von Zürss über den Rogla- und Valluge r Spitz herüber
und streichen in gleicher Lagerung nach dem K a i s e r-J och. Der Dolomit durch-
zieht das Thal an der Vereinigungsstelle der beiden Quellbäche und verschwindet
westlich unter dem Schmalzgrat.
Das Kais et* -Thal, welches in einem überaus grossartigen Gebirgskessel
zwischen Kaiser-Joch, der vorderen See-Spitz, dem Kreuz-Joch und der Tagwaid-
Spitz aus einem abgeschiedenen See entspringt, durchschneidet bis zur Vereini-
gung mit dem Almejur-Thal dieselben Zonen wie dieses. Der Uehergang am Kaiser-
Joch nach Petneu im Stanzer Thal liegt in Kössener Schichten. An einem steilen
Gehänge windet sich der Weg in das Thal hinab; er durchschneidet einen mannig-
fachen Wechsel der verschiedenen Liasglieder, welcher von den bedeutenden
Unregelmässigkeiten in der Ausbildung dieser Mulde zeugt. Noch ehe man die
Jocher Alp erreicht, gelangt man durch den kleinen Dolomitzug, der auch im Al-
mejur-Thal einen Theil der Gehänge bildet. Er ist hier nur noch schwach ent-
wickelt und erreicht schnell sein östliches Ende. Der Hintergrund des Kessels,
worin der Kaiserbach entspringt, gegen Alperschon, zeigt nur noch eine einfache
Mulde der jüngern Liasglieder zwischen der vordem See-Spitz und dem Kreuz-
Joch; eine kleine Aufbiegung in der Mitte des Sattels deutet die Fortsetzung des
Dolomitzuges an. — Bei der Jocher Alp stehen noch ausser dem Dolomit Kössener
Schichten und Dschsteinkalk an, welche einer breiten, bis Kaisers reichenden
Zone von Algäu-Schichten Platz machen, in der sich der Almejur-Bach mit dem
16 *
122
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[36]
Kaiserbach vereinigt, um diesem den Namen des weiteren Thaies zu lassen. Diese
Algäu-Schichton zwischen der Jocher Alp und Kaisers sind die östliche Fort-
setzung von denen, welche Grabach und Bockbaeh trennen; sie bilden weiter im
Osten die Tagwaid-Spitze und ziehen als Mulde fort bis zur Lorinser Spitze. Der
weitere Verlauf des Thaies bis Stög ist sehr einfach. Bei Kaisers erreicht man
den Dolomit der Grubspitz (H), welcher östlich die Krvstallispitzen und die
Wetlerspitze am Ursprung des Sulzel - Thaies bildet. Wie überall liegt er un-
mittelbar und in gleichförmiger Lagerung auf Algäu-Schichten. welchen wiederum
Adnether, Daehstei ikalk-, Kössener Schichten und der Dolomit von Stög folgen.
Ein Ueberhlick des eben betrachteten Gebietes mit Rücksicht auf die west-
lich angrenzenden Theile zeigt, dass der Dolomit des Schafberges bei Spullers
in ununterbrochenem Zug über die Grubspitz, Kaisers nach dem Wetterspitz den
Nordrand einer Mulde bildet, deren Südrand aus dem Dolomitzug im Norden des
Kloster- und Stanzer Thaies besteht (Arzberg, Valluger Kopf, Stans-Kopf, Vor-
dere See-Spitz), dass diese Mulde am Schafberg wie zwischen Wetterspitz und
vorderem See-Spitz einfach und von geringerBreite ist, dazwischen aber sich ver-
breitert und durch einen mittleren kleineren Dolomitzug auf kurze Erstreckung in
zwei Mulden getheilt wil d, dass endlich in der gesummten angegebenen Ausdeh-
nung die Lagerung eine muldenförmige bleibt und wo Störungen stattfinden, die-
selben in einer Umbiegung des gesammten Schichtensystems vom Rande der
Mulde her bestehen. Es ergibt sich ferner, dass der Dolomit des Nordrandes der
Mulde vom Lechthal an gegen Osten in seiner ganzen Erstreckung den jüngsten
Gebilden eines gleichfalls südlich fallenden zweiten Liassystems aufgeschoben ist
und somit erst mit diesem Nordrand oder der Hebungswelle II die Reihe der
regelmässigen von Sud nach Nord gerichteten Aufschiebungen beginnt, denen
wir weiter nördlich constant begegnen.
Lechthal von Stög bis Elb i genalp; Madau-Thal (AI perschon,
Passeyer, Reth). — Das Lechthal liegt von Stög fast bis Elbigenalp in der Rich-
tung des Dolomitzugs (der Hebungswelle III), den es bei dem ersteren Ort betrat.
Die Schichten des Dolomits fallen südlich und sind an ihrer Nordgrenze einer
Zone von eben so einfallenden Algäu-Schichten (der Hebungswelle IV) aufgela-
gert. Der Fluss hält sich stets nahe dieser Grenze und überschreitet sie mehr-
fach, so dass der Dolomit am Not drand des Thaies nur die schrofferen Vorsprünge
bildet, zwischen denen die sanften Gehänge der Algäu-Schichten die Thalsohle
erreichen, wie bei Holzgau und abwärts von Ober-Gieblen. Bei diesem Ort setzt
die Auflagerungslinie über das Thal, erreicht bei Griesau den Südahhang und in-
dem sie über das Gebirge nach Bschlaps fortzieht, bleibt der Dolomitzug südlich
vom Thal und entfernt sich mehr und mehr von demselben.
Am Südahhang zwischen Stög und Elbigenalp steigt der Dolomit höher an,
erreicht aber nur theilweise die ersten Höhen, sondern überlässt diese bereits
den aufgelagerten südlich fallenden Kössener, Dachsteinkalk-, Adnether und Al-
gäu-Schichten, welche als eine schmale Zone vom Ausfluss des Grabachthaies an
den Dolomit von Stög begleiten und, wie alle Zonen von Algäu-Schichten in die-
ser Gebirgswelt, auf’s Neue von Dolomit überlagert werden (Hebungswelle II).
Letzterer gabelt sich von Osten her, indem er im Madau-Thal mit einem breiten
aber sich schnell auskeilenden Zweig in die Zone der Algäu-Schichten hinein-
greift. Diese gabeln sich dadurch ebenfalls und senden einen kurzen Zweig gegen
Osten in den Dolomit, so dass beide zackig in einander eingreifen. Erst südlich
von diesem Ineinandergreifen zieht der Grubspitz-Kaisers-Wetterspitz-Dolomit-
zug ununterbrochen fort. Die Folge dieses Verhaltens ist, dass die Zone der Al-
gäu-Schichten, welche von Westen her bis zum Madau-Thal eine bedeutende
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
123
[37]
Breite hat, bei der Gabelungsstelle ihre grösste Breite erreicht, und indem der
südliche Ast sich auskeilt, nur noch in den nördlichen mit sehr geringer Breite
fortsetzt, der Dolomit aber südlich von der III. Hebungswelle in der Oberflächen-
gestaltung eine immer wichtigere Rolle erhält und sich zu bedeutenden Gebirgs-
massen ausdehnt.
Dazu kommt, dass so fortlaufend auch der Zug des Dolomits II ist, dies kei-
neswegs für die südlich anschliessende Mulde jüngerer Liasglieder gilt, jene viel-
genannte Mulde I N — II S, die wir von jenseits der Spullers-Alpe in Vorarl-
berg bereits bis zum Alperschon verfolgten. Auch sie erreicht im Quellgebiet
des Madau-Thals ihr östliches Ende, nachdem sie im Passeyer noch einmal zu be-
deutender Breite angewachsen war.
Rechnet man hierzu das oben auseinandergesetzte Verschwinden aller For-
mationen zu Gunsten des Dolomits zwischen den Quellen des Madau-Thales und
dem Inn-Thal, so ergibt sich ein allgemeines, plötzliches, sehr bedeutendes An-
wachsen des Dolomits. Zwischen Elbigenalp und dem Inn-Thal ist von der östlichen
hohen Wasserscheide des Madau-Thales an, mit Ausnahme einiger kleinerer Auf-
lagerungen, nur noch ein einziger, der III. Hebungswelle angehöriger, schmaler
Zug von Algäu-Schichten entwickelt. Alles Gebirge im Süden desselben ist Do-
lomit.
Das Thalsystem des Lendbaches oder Madau-Thales. — Wie
alle Nebenthäler des Lechs, so besteht auch das vielverzweigte Madau-Thal aus
einem Wechsel fruchtbarer und sanfter Thalstrecken mit wilden unzugänglichen
Engen, was durch das Durchschneiden der vielgenannten Zonen von Algäu-
Schichten und Dolomit bewirkt wird. Der Eingang der meisten von diesen Neben-
thälern ist durch Dolomit versperrt und man muss zwei Stunden weit an der
Höhe der Gehänge hingehen um in einem fruchtbaren Thalkessel des oberen
Flusslaufes ein kleines armes Dorf zu finden. Meist liegt dieses an der Vereini-
gungsstelle mehrerer grösserer Quellbäche, an denen man aufwärts steigend noch
zu Hochalpen und dann zu Bachübergängen nach den benachbarten Thälern
gelangt.
Das vom Lendbach durchströmte Madau-Thal mündet bei L e n d in das
Lechthal. Der Dolomit (III) an der Mündung ist hier sehr schmal und man er-
reicht schnell über Kössener Schichten und Dachsteinkalke aufwärts steigend die
Zone der Algäu-Schichten. Es tritt nun ein eigenthümlicbes Verhältniss ein, indem
in Westen bis jenseits Madau Algäu-Schichten die Gehänge bilden, Anfangs bis
zur Höhe der Wasserscheide, später nur im unteren Th eil, während sie östlich
als sehr schmale Zone nördlich von Buttelspitz nach Gramais hinüberziehen
und dann sogleich Dolomit alle Gebirge bildet, welcher zwischen dem Grieselbach
und Madau auch an den Fuss des linken Gehänges herüber zieht. Es ist dies die
Stelle der zweifachen Gabelung. Madau, ein kleines Sennhüttendorf, liegt in
der südlichen , sich bald auskeilenden Abzweigung des Zugs der Algäu-Schich-
ten (III). Sie ziehen hier in einem weiten, nur gegen Nordwest geöffneten Kessel
von Dolomitbergen. Zwölferkopf, Landschaftle-Kopf, Hengst-Spitz,
Laims er Spitz, Saxer Spitz, Frei-Spitz und das Kreuz -Joch sind von
Norden über Ost nach Süd die Höhepunkte in der weiten Dolomit-Umwallung.
Alle Schichten fallen nach dem Innern des Kessels und allseitig schmiegt sich
ihnen ein Band von Kössener Schichten, sehr mächtigen Dachsteinkalken und
rothen Adnether Kalk an, denen endlich die Algäu-Schichten als Ausfüllung des
Kessels mit muldenförmiger Einlagerung folgen.
Bei Madau münden strahlenförmig aus den südlichen Gebirgen: das Al-
perschon-, Passeyer- und Reth-Thal. Das Alperschon mündet in Dach-
124
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[38]
steinkalk, der sich der nördlichen Dolomitumwallung (III) anlehnt; der Eingang
ist eine überaus grossartige wilde Felsspalte, aus welcher der Wildbach schäu-
mend über ein Haufwerk grosser, mit einzelnen Tannen bewachsener Felsblöcke
stürzt. Es ist dies eine der vielen malerischen Gebirgsscenen, deren diese Quer-
thäler eine überraschende Fülle bieten. Die breite, dem Dachsteinkalk auflagernde
Zone der Algäu-Schichten (III) wird von dem Bach in einem tiefen Thal quer
durchschnitten und vermag sich erst auf den Höhen in Osten und Westen zu einer
fruchtbaren Landschaft zu entwickeln, insbesondere gilt die Saxer Alp auf der
östlichen Höhe als eine der reichsten der Gegend. Sie wird in Süden von dem
aufgeschobenen Dolomit (II) überragt. Auch die mittlere Thalstrecke des Alper-
schon liegt in diesen und ist tief eingesenkt zwischen Frei-Spitz und Kreuz-Joch,
zweien der höchsten Berge der Gegend. Der Durchbruch der Dolomitzonen ist
bei allen Querthälern des Lechthaies sehr einförmig; sie erhalten in denselben
meist von keiner Seite einen Zufluss; die Gehänge sind in der Tiefe bewaldet,
in der Höhe steiler und werden von Tobln und tief sich herabziehendem Stein-
geröll unterbrochen. Wo man den Dolomit verlässt, eröffnet sich eine freiere
Hochgebirgslandschaft. Von allen Seiten kommen radienförmig die Quellhäche
herab und vereinigen sich an der Grenze des Dolomits. Wir befinden uns hier in
der Mulde I N — IIS
am Ursprung des
Alperschon,denwir
bereits von Süden
und von Westen her
erreichten. Hier,
zwischen Kreuz-
Joch und Vorde-
rem See - Spitz
im Westen, zwi-
schen F r ei-Spitz
und Griesel-
Spitz und an den
Knapp enböden
im Osten ist die
Mulde ungemein
schön entwickelt;
doch besitzt sie
nicht eine einförmige Muldenlagerung, sondern ist vielfach gefaltet und getheilt,
wie beistehende Ansicht eines Theiles der östlichen Thalwand zeigt.
Die Adnether Kalke mit ihrer grellen hervorstechenden Färbung sind stets
das leitende Element zur leichten Uebersicht der Lagerung. Oestlich sieht man
die Mulde nach dem Passeyer fortzetzen, von Westen her haben wir sie bereits
aus dem Kaiser-Thal verfolgt. Gegen Süden erreicht man sogleich wieder den
Dolomit, über welchen der Jochsteig nach Schnan im Stanzer Thal führt.
Das Passeyer-Thal reicht mit seinen Wurzeln am weitesten unter allen
Zuflüssen des Lechs gegen Süden; es hat seine Quellen am Eisenspitz und
Ta win. Der einfache Dolomitzug des Vorderen See-Spitz und der Knappenböden
(Prof. XIII) verbreitert sich gegen Osten und nimmt eine locale kleine Mulde von
jüngeren Liasschichten auf, wie Profil XIV zeigt. Aus dieser Mulde entspringt
der Passeyer-Bach. Bei Madau betritt man das Thal in Algäu-Schichten (III), mit
sehr gestörter Lagerung; durch sehr mächtigen überstürzten Dachsteinkalk und
Kössener Schichten kommt man in den Dolomitzug des Fr ei -Spitz (II), welcher
Frei-Spitz.
Fig. 28.
N. S.
Schichtenstörungen an der Wand westlich von Knappenböden.
1 Unterer Dachstein-Dolomit. 2 Kössener Schichten. 3 Oberer Dachsteinkalk.
4 Adnether Kalk. 5 Algäu-Schichten.
Die Kalkaipen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
125
[39]
hier sehr schmal ist, und dann in die Mulde I N — II S, welche im Passeyer noch
einmal zu sehr bedeutender Breite anwächst um in Osten bald ganz zu verschwin-
den. Eine armselige Schafalp in diesem einsamen und verlassenen Hochthal liegt
auf den dunklen Kössener Schichten; man erreicht sie über eine ungemein mäch-
tige Stufe von parallelepipedisch zerklüfteten Dachsteinkalk. Es folgt ein zweiter
Dolomitzug, der westlich den Stierkopf bildet und gleich dem ersten von geringer
Breite ist. Er schliesst einen überaus wilden, ausgezackten Gebirgskessel, der mit
tief ausgefressenen Scharten allseitig in die Kämme hineingreift und an seinem
Grunde mit kahlem Steingeröll bedeckt ist. Ueberall sieht man scharfe Gräte,
schroffe Tobl und steile Wände und man überzeugt sich nur schwer, dass eine
so wilde und öde Gebirgslandschaft ganz und gar aus denselben jüngern Liasge-
bilden besteht, welche sonst ein so fruchtbares Gebäude zu schaffen pflegen. Die
hochrothen Adnether Kalke, welche in Windungen an den Abhängen hervortreten,
vermehren den wilden Anblick der Thalwände. Im Süden erheben sich der Eisen-
spitz und der Tawin, deren Liasgipfel auf den Dolomitwänden ihrer südlichen
Abhänge ruhen. Gegen Osten führt aus dieser Wildniss ein sehr hoher, verlasse-
ner Jochsteig zwischen Passeyer-Spitz und Schweinsrüssel nach dem Matriol-
Thal. Er liegt selbst noch in dem nördlichen Dolomit der kleinen Mulde, welche
im obern Matriol-Thal ihr Ende erreicht. Weiter abwärts in diesem Thal gelangt
man zu einem kleinen Aufbruch vom Liegenden des Dolomits, später zu einer
kleinen muldenförmigen Einlagerung jüngerer Liasglieder an der Silberspitz
und steigt im Dolomit hinab nach Zams im Inn-Thal.
Das Reth-Thal endlich liegtselbst in den Algäu-Schichten vonMadau, sam-
melt aber alle Bäche, welche aus dem äussersten Ende der Dolomitumwallung
herabkommen. Wenn man sich daher nach Nord, Ost oder Süd wendet, so durch-
schneidet man, überall wegen des allseitigen gleichmässigenEinfallens der Schich-
ten nach dem Innern des Kessels, das gewöhnliche Liasprofil und gelangt auf die
Dolomitschichten als das Liegendste des Schichtensystems. Uebersteigt man die
südliche Dolomitumwallung, so gelangt man in einen zweiten, höher gelegenen,
ganz analog gebauten Kessel, welcher das östlichste Ende der Mulde IN — IIS ist,
die bisher im Gebirgsbau eine so wichtige Rolle spielte. Laimser Spitz,
Hengst-Spitz, Blanken-Spitz und Schweinsrüssel bilden seine letzte
östliche Dolomitumwallung. Auch hier fallen von Nord, Ost und Süd alle
Schichten dem Innern des mit Algäu-Schichten erfüllten Kessels zu.
Gebirge zwischen dem Lech-Thale von Stög bis Weissenbach und dem
bayerischen Algäu. (Profile XIII, XIV.)
Noch einfacher als im Süden des Lechthaies ist der Gebirgsbau im Norden
desselben bis in die Gegend von Forchach und Weissenbach, da hier die Höhen-
züge und selbst die Thäler der Bichtung der Hebungswellen folgen. Nur der Lech
selbst durchschneidet diese wie die Höhenzüge unter schiefen Winkeln. Selbst
die Senkungen, welche durch die Zonen der Algäu-Schichten verursacht werden
und meist die Thäler aufnehmen, lassen sich über sein breites Thal hinweg ver-
folgen. Bedeutende Schwierigkeit der Interpretation bietet nur der westliche in
die Gebirge des Thannberges übergehende Theil. Doch haben wir diesen bereits
früher erörtert und gezeigt, dass die Hebungswellen Vorarlbergs am Thannberg
nur eine Unterbrechung erleiden, aber keineswegs ein verändertes System an
ihre Stelle tritt.
Die Hebungswellen, wie sie sich dort beim Eintritt nach Tirol darstellten
und wie sie das Profil XII zeigt, sind durch folgende Dolomitzüge bezeichnet:
1 26 Ferdinand Freiherr von Richthofen. [40]
1. Nordfuss des Kriegerhornes — Höllspitz — Stög — Lend
— Boden (Hebungswelle III);
2. Holl spitz — * Ellebogen-Spitz — Muttekopf, eine kleine nörd-
liche Abzweigung von III;
3. Mohne n fl uh — Wart lihorn — Walser Kerle — B rette r-
Spitz — Eimen im Lechthal (IV);
4. Auf dem Schroffen — Dolomitinseln in den Algäu-Schichten von Hin-
ter-Hornbach; diesen sehr untergeordneten und nur stellenweise entwickelten
Zug suchte ich als zu IV gehörig nachzuweisen ;
3. Widder stein — 0 chsenloch — Spielmannsau — Hochvogel
— Schwarze Han sl -Kar jenseits des Lechthaies (V).
Wegen der Einheit des Schichtenbaues mit der Anordnung der Höhen knüpfen
wir die Analyse dieses Gebirgslandes am geeignetsten an die Hebungswellen an
und zwar zunächst an den 3. und 5. der erwähnten Züge, da wir den 1. bereits
im Vorigen betrachteten, der 2. und 4. aber sehr untergeordnet sind.
Dolomitzug der Walser Kerle und des Bretter-Spitz —
Mädel e -Thal — Bernhardsthal. — Wenige Dolomitzüge unseres Gebietes
setzen als hohe Gebirgsketten so weit ohne Unterbrechung fort als dieser un-
serer IV. Hebungswelle angehörige. Seine tiefste Einsenkung am Mädele-Joch
besitzt noch über 6000 Fuss Meereshöhe und der Bretter-Spitz überragt den Hochvo-
gel, welcher lange als die höchste Spitze der Gegend galt: seine Schichten streichen
wie der Zug selbst nach Stunde o und sind an der Nordgrenze in ihrer ganzen
Erstreckung auf Algäu-Schichten vollkommen söhlig und mit hohem, mauerför-
migem Absturz gelagert. Mit sehr flacher Krümmung senken sie sich allmälig
gegen Süd und fallen im Westen (Walser Kerle) mit bedeutender, im Osten mit
geringer Neigung nach Stunde 1 1 ; es folgt ihnen mit gleicher Lagerung eine
Zone von jüngeren Liasschichten. Kaum gibt es in dem gesammten westlichen
Theile unseres Gebietes eine Gegend, wo diese jüngeren Liasglieder ohne Aus-
nahme in so ausgezeichneter Entwickelung und so ausserordentlich reich an Ver-
steinerungen auftreten, als hier, wo zugleich allenthalben die vortrefflichsten
Aufschlüsse gegeben sind, wo ferner die werthvollsten Untersuchungen bereits
durch einen Esche r von der Linth ausgeführt vorliegen. Dazu kommt,
dass ein eifriger Sammler der Gegend, Herr Falger in Elbigenalp, dem ich
seiner freundlichen Mittheilungen wegen zu besonderem Dank verpflichtet bin,
die paläontologischen Schätze der Gegend leicht zugänglich macht.
Die Zone besitzt eine bedeutende Breite und wird im Süden von dem Dolomit
der III. Hebungswelle überlagert, dem schon die kleinen Vorsprünge am Nord-
gehänge des Lechthals angehören. Ihre Schichtensysteme, insbesondere die der
Algäu-Schichten, sind auf das Mannigfaltigste gewunden und gekrümmt und dies
nimmt nach oben mehr und mehr zu; hingegen sind die dem Dolomit zunächst
folgenden Schichten in regelmässiger ungestörter Lagerung und lassen sich vor-
trefflich analysiren. Herr Es eher hat dies bereits in so vollständiger und ausge-
zeichneter Weise gethan, dass ich auf seine Darstellung der Schichtfolge im
Bernhardsthal verweise *) und ohne auf diesen Gegenstand weiter einzugehen, nur
noch einige Worte über das Fortstreichen der einzelnen Formationsglieder
folgen lasse.
D Es eher, Vorarlberg, Beilage I. — Nach der hier gebrauchten Bezeichnung ist 1 Do-
lomit, 2 — 4 Kössener Schichten, 5 Dachsteinkalk, 6 A<jnether Kalk, 7 — 24 Algäu-
Schichten.
[41]
Din Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
127
Die Kössener Schichten ziehen von den Walser Kerlen nach der Ein-
sattelung zwischen der grossen Steinschart-Spitz und der Ellebogen-Spitz und
bilden von hier ostwärts den Thalgrund des Sehocha-Baehes und weiterhin die
Einsattelung, über welche der Jochsteig vom Mädele-Thal nach dem Bernhards-
Thal führt. Allenthalben bezeichnen sie die Grenze der steilen Abstürze der Do-
lomitkette gegen die sanfteren Gehänge der jüngeren Liasglieder; sie erreichen
endlich das Lechtbal an der Mündung des kleinen Wasserfall-Baches, der vom
Urbs-Kor-Spitz herabkommt, und gehen südlich von Eimen auf die östliche Thal-
wand über. Die Mächtigkeit des Sehichtensystemes nimmt nach Osten bedeutend
zu; überall führt dasselbe Gervillia inflata Schafft., Cardium austriacum Hau.,
Avicula contorta Porti., Spirifer uncinatus und andere charakteristische Verstei-
nerungen; auch das Bactryllium striolatum Heer kommt hin und wieder in den
mergeligen schwarzen Schichten vor. Der Dachstein kalk tritt kaum irgendwo
in unserem Gebiet so reich an Megalodon triqueter Wulf, auf als hier, wo er
neben den Kössener Schichten ein schmales Band am Südabhang der hohen Do-
lomitkette bildet. Seine ausgezeichnete Entwickelung wurde zuerst aus dem Bern-
hards-Thal bekannt, von wo die besten der bisher aufgefundenen Exemplare der
Dachstein-Bivalve stammen. Allein noch ungleich vorzüglicher lässt sich das Ge-
bilde auf dem Weg vonHolzgau nach dem Mädele-Joch beobachten, der überhaupt
wegen der ungemeinen Klarheit seiner geognostischen Aufschlüsse sehr lehrreich
ist. Das Thal des Hech-Bachs (Mädele-Thal) durchschneidet die gesammte He-
bungswelle IV, an deren nördlichstem Bande er entspringt, unter einem rechten
Winkel und entblösst die Lagerung in der klarsten Weise an den senkrecht
durchschnittenen Wänden. Abgesehen von der grossen Mächtigkeit, welche der
Dachsteinkalk an dieser Stelle besitzt, sind ihm auch die Lagerungsverhältnisse
so günstig, dass man eine halbe Stunde zwischen seinen Mauern und über seine
mit Bivalven und Korallen dicht erfüllten Blöcke wandert. Es setzt nämlich hier
jene kleine Aufbiegung fort, welche ein wenig weiter westlich als ein kurzer von
der III. Hebungswelle abgezweigter Dolomitzug erschien, hier aber nur noch in
einer welligen Biegung des gesammten Schichtensystems angedeutet ist. An
einigen Stellen, so insbesondere am Uebergang zwischen Mädele-Thal und Bern-
hards-Thal bildet der Dachsteinkalk besondere Kuppen und diese sind dann alle-
mal von rothemAdnetherKalk überlagert, daher hier die so häufig angewen-
deten Benennungen: Rothhorn , Rothwand u. s. w., sich oft wiederholen. Die
Adnether Kalke werden stellenweise, wie an dem genannten Uebergang, bis IfiOFuss
mächtig, erreichen somit einen ihnen sonst nicht eigenen Grad der Entwickelung,
und sind stets reich an Ammoniten aus der Familie der Arieten.
Für die Algäu-S chichten endlich ist das Bernhards-Thal, insbesondere in
seinem oberen Theile, am reichsten an Aufschlüssen. Doch ist die Schichtenfolge
wegen der vielfachen Windungen eben so schwer durch den gesammten Complex
festzuselzen als anderswo. Für den unteren Theil hat dies Herr Escher mit
bewunderungswürdiger Schärfe erreicht. Grosse Trümmermassen erfüllen jene
obere Thalstrecke und enthalten eine überaus grosse Menge von Ammoniten,
(Arieten und Falciferen), Belemniten und Inoceramus Falgeri. Ein Bild der
Schichtenkrümmungen, welche diesem System eigen sind, gibt besonders die
enge, spaltenartige Schlucht, aus welcher der Bach des Bernhards-Thaies bei
Elbigenalp hervorbricht. — In dieser Zone haben wir noch die Verschiedenheit
der Schichten in der Nähe des Lechthaies, alsotder stratigraphisch den höch-
sten Theilen angehörigen, von den nördlicheren, tieferliegenden zu erwähnen.
Jeder der das Lechthal durchwanderte, kennt die mächtigen Complexe von roth< n
und grünen dünnen Hornsteinschichten, wie sie z. B. an der Brücke von Holzgau
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Rand, 18G1 und 1862. II. Heft, 17
128
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[42]
nach einer isolirten Partie des aufgeschobenen Dolomites anstehen. Ich wies
bereits früher daraufhin, dass, wie Giimbel zuerst gezeigt hat, wahrscheinlieh
ein Theil dieser höchsten Schichten schon jurassisch ist. Ist dies auch durch
Versteinerungen bis jetzt nicht nachweisbar, so weist doch der Charakter der
Schichten darauf hin. Besondere Beachtung verdient dabei der Umstand, dass
erst in dieser vierten Hebungswelle die juraartigen Schichten mit Entschieden-
heit auftreten; südlich derselben sind sie weder in Vorarlberg noch im westlichen
Nordtirol zu beobachten. Wir werden sie im weiteren Verlauf in derselben He-
bungswelle weiter östlich verfolgen, insbesondere bei Bschlaps.
Hornthal und Kette des Hochvogels. — Der Dolomit der eben
betrachteten Hebungs welle liegt, wie sich aus dem Vorhergehenden ergab, längs
seinem Nordrand söhlig und mit mauerförmigem Abfall auf Algäu-Schichten, welche
wieder eine breite Zone bilden, in der das Hornthal parallel dem Streichen der
Schichten, nach Stunde 5, eingeschnitten ist. Jenseits erhebt sich darüber mit
gleichem mauerförmigen Abfall und gleichfalls mit söhlig gelagerten Schichten
der Dolomit der Hochvogel-Kette, gleich dem südlichen den Algäu-Schichten auf-
gelagert, oder vielmehr aufgeschoben. Endlich erheben sich mitten aus der Zone
der Algäu-Schichten einzelne isolirte Inseln eines nach Stunde 5 streichenden
Dolomitzuges, welche durch Kössener und Dachsteinkalk-Schichten von jenen
getrennt sind und deren Einfallen nach Süd und Nord unter die beiden hohen
Dolomitketten bestimmen. Dadurch entsteht das sonderbare Lagerungsverhält-
niss, wie es auf Prof. XIV dargestellt ist.
Bei V or d er-Hornbach mündet das Hornthal in einer der genannten
Dolomitinseln, die im Bett des Baches sehr ausgedehnt ist, sonst aber wenig zu
Tage tritt. Wendet man sich von ihr aus im Walde an den Gehängen aufwärts, so
überschreitet man nach Süden wie nach Norden nacheinander: Kössener Schich-
ten, Dachsteinkalk und eine schmale Zone von Algäu-Schichten, denen unmittel-
bar die hohen Dolomitgebirge folgen. Hier ist die Zone schwer zu beobachten,
aber weiter thalaufwärts zieht die Auflagerungslinie des Dolomits an beiden
Thalwänden in bedeutendere Höhe, während die Dolomitinsel am Bach verschwin-
det; der ganze Thalgrund wird weithin nur von Algäu-Schichten gebildet, welche
dachförmig gelagert sind und ihre Antiklinallinie in der Streichrichtung des Tha-
ies in der Gegend des Baches haben. Die Lagerung ist eine für Algäu-Schichten
ungewöhnlich einfache und ungestörte. Der Stitz-Bach bringt Bruchstücke von
diesen letzteren aus grosser Höhe herab und es scheint, dass hier an den Ge-
hängen des Hochvogels auch die vorerwähnten juraähnlichen Schichten anstehen.
Das Dorf Hinter -Ho mb ach liegt ganz auf Algäu-Schichten. Doch schon
ein wenig weiter westlich folgt eine durch einen Ring von Dachsteinkalk und
Kössener Schichten getrennte Dolomitinsel und unterhalb der Petersberger
Alp steht nach Herrn Gümbel’s Mittheilung eine bedeutende Partie von rothem
Adnether Kalk an, also wiederum das unmittelbar Liegende der Algäu-Schichten.
Auch die Joch-Spitz im Hintergrund des Thaies ist eine isolirte Dolomitkuppe.
Noch weiter westlich nehmen diese Dolimitinseln ein Ende und wenn man über
den Schafberg nach dem Thal des Trett-Bachs steigt, so hat man in diesem nur
noch Algäu-Schichten, welche auf dem Dolomit von Spielmannsau vollkommen
normal gelagert und von ihm durch Dachsteinkalk und Kössener Schichten
getrennt sind. Noch weiter westlich in unserer Zone von Algäu-Schichten gelangt
man endlich zu jenem schon^ früher bei der Darstellung der Umgegend von
!) Die von dem Profile XIV durchschnittene.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
129
[43]
Schröcken besprochenen isolirten Dolomitzug des Schroffen, welcher allseitig
von jüngeren Liasschichten begrenzt ist. — Wenden wir uns endlich, um die
Zone der Algäu-Schichten vollständig zu kennen, noch von Vorder-Hornbach
ostwärts, so begegnen wir östlich vom Lech keiner Spur mehr von dieser For-
mation. Schon am Ausgang des Hornthals verschwinden sie zwischen den beschrie-
benen, von unten und oben näher zusammenrückenden Dolomiten und jenseits
ist nur noch Alles eine einzige Dolomitwelt.
Was nun die beiden im Süden und Norden begrenzenden Dolomitzüge
betrifft, so bildet der südliche von den Walser Kerlen bis Mortenau eine stetig
fortlaufende Mauer, der nördliche ist nicht so regelmässig. Wir rechneten den
Hoch vogel zu unserer Hebungswelle V, d. h. als unmittelbare Fortsetzung des
Zitterklapfen-Widderstein-Spielmannsau-Zuges. Streng genommen ist dies nicht
der Fall; denn nach den einstimmigen Darstellungen der Herren Es eher und
Gümbel hängt der Dolomit von Spielmannsau mit dem des Hochvogels nicht
unmittelbar zusammen, sondern es ziehen die Algäu-Schichten um den westlichen
Fuss des Hinteren Wilden herum nach dem Kessel-Spitz. Doch vermag diese Zer-
reissung des Zusammenhanges ihn noch nicht aufzuheben und es scheint im
Gegentheil, dass die Unterbrechung in der Stetigkeit der im Uebrigen so einheit-
lichen und in ihrer ganzen Erstreckung gleichgerichteten Kette einen Anhalt zur
Erklärung des im östlichen Theil so verschiedenen Gebirgsbaues gibt.
Einer genügenden Erklärung der angedeuteten Lagerungsverhältnisse der
Algäu-Schichten -Zone des Hornthaies, stellen sich bedeutende Schwierigkeiten ent-
gegen. So viel ist klar, dass der durch die Dolomitinseln angedeutete centrale
Zug mit der dachförmigen Lagerung der jüngeren Liasgebilde, wie wir sie weiter
im Süden nirgends beobachteten, so wie die sonst in unserem Gebiete nirgends in
solchem Maasse vorkommende Armuth an welligen Faltungen der Algäu-Schichten
auf eine ruhige Hebung von unten nach oben ohne irgend welche seitliche Ver-
schiebung deuten, während der südliche Dolomitzug eine gegen Norden wirkende
Kraft andeutet, eine Verschiebung, wie wir sie in den Gebirgen Vorarlbergs und
des Lechthaies fast allgemein beobachteten, die nördliche Kette aber das genau
entgegengesetzte Verhältniss anzeigt, eine von Nord nach Süd wirkende Kraft,
deren Spuren im nörd-
lichen Theil des Trias-
Lias-Gebietes noch häu-
tiger wiederkehren. Da-
durch wird die gross-
artige Zusammenschie-
bung von beiden Seiten
einigermassen klar. Be-
sondere Wichtigkeit er-
halten die Verhältnisse im
Hornthal noch dadurch,
dass sie gewissermassen
der Vorläufer des Gebirgs-
baues der Gegend von
Reutte sind , wo wir
gleichfalls mächtigen Sy-
stemen älterer Schichten
begegnen, welche sich
über jüngere gegeneinander wölben; doch treten dort noch die ältesten Lias-
glieder mit zu Tage, welche im Hornthal fehlen. Kaum dürfte nach den heschrie-
17*
Fig. 29.
Hora-Thal.
1 Raibler Schichten. 2 Unterer Dachstein-Dolomit. 3 Kössener Schichten.
Dachstein- und Adnether Kalk. 4 Algäu-Schichten.
Ferdinand Freiherr von Richlhofen.
130
r«]
benen Thatsachen ein anderes Verhältniss der Lagerung möglich sein als das
in Figur 29 dargestellte.
Hat auch somit die Analyse der Lagerung für den östlichen und westlichen
Theil unserer V. Hebungswelle keine Schwierigkeiten, so bleibt doch noch die
Ungleichförmigkeit der Verhältnisse im Fortstreichen ein schwer zu erklärendes
Problem.
Schwarzwasserthal. — Mit der Hochvogelkette haben wir einen breiten
Dolomitzug erreicht, welcher erst an der südlichen W asserscheide des Thann-
heimer Thals seine Nordgrenze erreicht. Das Lechthal durchschneidet ihn zwi-
schen Vorder-Hornbach und Weissenbach und beide Thalwände zeigen in dieser
Erstreckung nur Dolomit. Der Thalboden ist ein ödes Schuttland, in welchem der
Lech sein vielverzweigtes Bett gegraben hat; nur selten, wie bei Starzach und
Forchach, erbebt sich darüber eine kleine ebene und fruchtbare Terrasse. Die
Schichten des Dolomits zeigen bis Forchach im Allgemeinen ein nördliches Fallen
und steigen von dort bis Wreissenbach wieder aus der Thalebene allmftlig mit
südlichem Fallen auf, so dass bei letzterem Orte sich nach und nach auch die lie-
genden Schichten bis zum Virgloria-Kalk heraufdrängen. Die Besprechung der
Gegend von Beutte wird uns auf dieses Verhältnis zurückführen. — Bei For-
chach ist mithin die tiefste Senkung des Schichtensystems und in der Streich-
richtung dieser Senkung kommt von Westen das Schwarzwasserthal herab, das
im Süden durch die Hochvogelkette vom Hornthal, im Norden durch die Leilach-
Kette vom Thannheimer Thal geschieden ist. Der gesammte untere Theil des
Schwarzwasserthaies ist in Dolomit eingesenkt, der hier mit dichtem Nadelwald,
von dem das Thal den Namen trägt, bedeckt ist. Im oberen Theil folgt jedoch eine
muldenförmige Einlagerung von jüngeren Liasschichten, welche Alpen tragen. Der
Hochwaldspitz und Kesselspitz an der Grenze gegen das Algäu bezeichnen die
Mächtigkeit, zu welcher jene Schichten hier gelangen. Unmittelbar an der Was-
serscheide gegen das Thannheimer Thal folgt dann eine weitere muldenförmige
Einlagerung, welche aber erst jenseits zu bedeutender Entwickelung gelangt.
Umgebung von Reutte, Vils und Thann heim.
Das weite, in vielen Armen vom Lech durchströmte Thal von Reutte durch-
schneidet tief einen ostwestlich streichenden mächtigen Schichtenaufbruch und
entblösst daher an seinen Wänden in klarer Wreise die Lagerungsverhältnisse.
Aus den Geröllmassen, mit welchen der Lech in der Wreitung eine mehr als
eine halbe Meile breite Ebene schuf, ragen einzelne Inseln von älteren Schichten
hervor, welche die Entblössungen der Thalwände vervollständigen. Der Gebirgs-
bau ist im Allgemeinen ganz analog dem eben beschriebenen des Hornbachthaies,
dort schliessen zwei ungefähr ostwestlich streichende Züge von älteren Gesteinen
eine breite Einsenkung von jüngeren Schichten ein, welche beiderseits unter
jene einfallen. Es zeigte sich dies Verhältniss im WTesten des Hornthaies sehr
entwickelt, da mitten aus den Algäu-Schichten noch ein Dolomitzug auftaucht,
während im Osten der Lech Alles abschneidet und jenseits des Flusses nur in
der Schichtenstellung des allein herrschenden Dolomits die Spuren zu ver-
folgen sind.
Dasselbe Verhältniss findet bei Reutte statt; nur ist es hier ungleich ver-
wickelter. Auch hier lässt sich ein nach Westen an Breite wachsen-
der Zug jüngerer Lias- und Jurabildungen, aus dessen Mitte
Dolomite hervortreten, von Reutte gegen Wresten verfolgen und
von beiden Seiten wölben sich ältere Schichten überdieseiben
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol
131
[«]
hinweg; aber während im Horn h
Lias ruht, sind hier die tiefsten
gelagert. Wie dort, so schneidet auch
hier der Lech im Osten das ganze Lage-
rungsverhältniss ab, und jenseits des
Thaies wird es nur noch durch die Lage-
rung der Triasschichten und des Dolo-
mites angedeutet. — Der mittlere Zug
der jüngeren Lias- und Juragebilde be-
ginnt an den Gehängen über Am -Lech
und Höfen mit geringer Breite und
nimmt im Westen, indem seine Ausdeh-
nung bedeutend wächst, das Birkthal,
das Thannheimer- und das Vils-
alpen-Thal auf Das gesammte von
ihnen eingenommene Gebiet ist im Allge-
meinen ein sanfteres Gebirgsland , in
welchem nur der aus der Mitte heraus-
gehobene Dolomit des Gaishorns sich zu
bedeutenderer Höhe erhebt (6990 Fuss),
während die beiden begrenzenden Ge-
birgszüge sich durch eine fortlaufende
Kammhöhe mit einzelnen Hochgipfeln aus-
zeichnen. • — Das nebenstehende Profil
(Fig. 30) dürfte ein richtiges Bild der
Lagerungsverhältnisse der Gebirge von
Reutte geben.
Gegend südlich von Reutte
bis Heiterwang und Weissen-
bach. — Reutte liegt ein wenig nörd-
lich von der Antiklinallinie der von Nord
und Süd aufsteigenden Triassysteme, am
Östlichen Ende des von ihnen einge-
schlossenen Gebietes der jüngeren
Schichten. In diesem schuf der Lech die
Thalweitung, während er durch jene
hochaufragendenGebirgszüge sich schwe-
rer Bahn brach. Wendet man sich von
Reutte südlich über den Pass Ehrenberg
nach Heiterwang oder dem Lech entlang
nach Weissenbach, so gelangt man auf
beiden Wegen durch die gesammte Folge
der Trias aufwärts bis in den Lias.
Halten wir uns zunächst östlich vom
Lech, so ist Verrucano von hier noch
nicht bekannt geworden, das tiefste Glied
sind Virgloria-Kalke, welche den
Ehrenbühel und einige andere aus der
Thalebene inselförmig hervorragende Hü-
gel zusammensetzen. Herr v.Hauer fand
darin die bei der stratigraphischen Ueber-
i c h t h a 1 unterer Lias auf oberem
friasglieder auf Juraschichten
Fig. 30.
Fire-Berg, Weissenbach. Gacht-Spitz. Hannekamra. Metzenarsch. Sefer-Spitz, Brenten-Joch. Vils. Vils-Thal. Zirme- Berg.
132
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[46]
sicht (Bd. X dieses Jahrbuches, S. 94) angeführten Versteinerungen, welche dem
Kalk sein bestimmtes Niveau anweisen. Auch das Gestein der Handstücke lässt
unzweifelhaft unsere Virgloria-Kalke erkennen. Das aus der Thalebene weiter
südlich aufsteigende Gebirge, welches die Strasse am Pass Ehrenberg übersteigt,
beginnt mit südlich fallenden Partnach mergeln. Sie treten hier ganz wie in
Vorarlberg auf, als schwärzliche in rhomboidische Täfelchen und gritfei förmige
Stücke zerfallende schiefrige, etwas kalkige Mergel mit sparsam eingelagerten
klotzigen, knollig zerklüftenden Kalken. Versteinerungen fanden sich nicht darin.
Ihnen folgt Hai Ist ätt er Kalk, welcher den gesammten Schlossberg zusammen-
setzt und an der Strasse fast bis Heiterwang anhält. Kein Gestein erinnert noch
an die Arlbergkalke; es herrschen nur jene weissen feinkörnigen Kalke, welche
mit constantem Charakter durch ganz Nordtirol fortsetzen. Mit Ausuahme eines
von Herrn Gümbel neu entdeckten, wahrscheinlich demselben Zuge angehörigen
Vorkommens im Algäu ist die Gegend von Reutte der westlichste Punkt, von wo
diese Gebilde bekannt sind. Allein schon mit diesem ersten Erscheinen treten sie
sogleich massenhaft und gebirgsbildend auf und bilden westlich von Reutte die
höchste Spitze der Gegend, den Metzenarsch oder Gimpelberg (7062 Fuss). Die
Hallstätter Kalke des Schlossberges werden von den südlich folgenden Dolomit-
gebirgen durch die Einsenkung des Archbaches geschieden , in welcher Herr
v. Hauer die Raibler Schichten von Rieden am Lech bis zum Heiterwanger See
nachwies.
Weniger klaren Aufschluss gewähren die Gehänge im Osten von
Reutte. Das gesammte Gebirge besteht aus Dolomit und nur die flachen, mit
Graswuchs bedeckten Hügel zwischen dem steileren Gebirgsabhang und der
eigentlichen Thalebene sind aus dem Liegenden des Dolomits zusammengesetzt.
Die Raibler Schichten sind hier durch mächtige Massen von Rauchwacke
und Gyps vertreten, welche besonders das hügelige Gelände um das kleine
Bad Krekelmoos bilden und an der Mündung des Zwiefelbachs , südöstlich vom
Unrein-See anstehen. Ihnen schliessen sich Hallstätter Kalke an, welche öst-
lich von Mühl beide Gehänge des vom Plun-See herabkommenden Archbaches
bilden und in Reutte selbst die Kirche tragen.
Der Weg am linken Lechufer von Reutte über Wengle und Höfen
nach Weissenbach scheint für das früher angedeutete Lagerungsverhältniss
das lehrreichste Profil zu entblössen. Bis Höfen herrschen nur Lias-Flecke n-
mergel und Juraschichten, deren allgemeines Fallen nach der Darstellung
auf der vom montanistischen Verein herausgegebenen Karte im Allgemeinen
dachförmig nach Nord und Süd gerichtet ist. Doch sind nach Herrn v. Hauer
die Schichten so vielfach gebogen und gekrümmt, dass sich dies mit Sicherheit
nicht feststellen lässt. Die Juraschichten sind durch ihren Reichthum an Horn-
stein und ihre rothe Färbung ausgezeichnet. Herr v. Hauer fand einzelne mäch-
tige Complexe, welche nur aus rothen geschichteten Hornsteinen bestehen, also
genau so ausgebildet sind, wie bei Holzgau. Bei Wengle führen diese Schichten
jurassische Aptychen. Am Abhange über Höfen beginnt die Entwickelung der Trias,
deren tiefste Glieder dem Jura aufgelagert sind. Es scheint, dass hier schon
Verrucano vorkommt. Die Herren v. Hauer und Freih. v. Andrian fanden im
Bette des Hirschbaches sehr zahlreiche Trümmer eines rothen Quarzconglomerats
und eines grauen den „doleritischen Sandsteinen“ der Südalpen ähnlichen Ge-
steines. Thalaufwärts nehmen diese Blöcke ungemein an Menge zu, bis die enger
zusammentretenden Thalwände ein weiteres Aufsteigen verhindern. Es scheint
indess mit Sicherheit das Vorkommen von Verrucano auf der Höhe der Hanne-
kamm- Alp hieraus hervorzugehen. Am tieferen Abhange bei Höfen und Hornberg
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
J 33
[47]
folgt den Juraschicliten unmittelbar Vir gl ori a-Ka 1 k, der schon einen kleinen
isolirten Hügel unmittelbar hinter Höfen bildet und sich nach dem Gacht-Spitz
hinaufzuziehen scheint. Es folgen, stets mit südlichem Falle, Partn a ch in erg el,
die Fortsetzung derjenigen vom Pass Ehrenberg, endlich Hallstätter Kalk,
in welchem der Pass Gacht eingesenkt ist. Bei Weissenbach treten Raibler
Schichten zwischen jene und den südlich sich anschliessenden Dolomit. Sie
übersetzen den vom Pass Gacht herabkommenden Bach und sind westlich von
demselben als Rauchwacke und Gyps, in welchem Brüche angelegt sind, östlich
als Mergel und Sandsteine entwickelt. Der ihnen auflagernde Dolomit setzt bis
Vorder-Hornbach fort, von wo wir ihn oben beschrieben.
Gegend zwischen Thannheim und dem Dolomitzuge des
Leilach-Spitz es. — Wo die Auflagerungslinie der älteren Formationen auf
die Juraschichten sich aus dem Lechthal westlich gegen die Höhe des Gebirges
hinanzieht, verschwinden die tieferen Triasglieder. Am Pass Gacht liegt nur noch
ein kleiner Theil des Hallstätter Kalkes auf Jura und am Südgehänge des
Birkthaies wie an der Leilach-Spitz bleibt auch dieser in der Tiefe; nur Dolomit
lagert hier noch auf Fleckenmergeln und fällt mit steilem Absturze auf deren
sanftere Gehänge ah. Es ist wahrscheinlich genau dasselbe Verhältniss, wie es
das Profil XIV am Südabhange des Hornthaies darstellt. Noch weiter westlich
endlich, am Luche-Spitz, Kälbeles-Eck und La h ne r Spitz, geht die
Ueberstürzung allmälig in eine regelmässige Mulde über: Kös-
sener Schichten folgen dem Dolomit und tragen ihrerseits Algäu-Schichten und
Jurabildungen, welche von hier bis jenseits des Thannheimer Thaies die Haupt-
rolle in der Oberflächengestaltung spielen. Die rothen jurassischen Hornsteine,
welche im Osten an die Auflagerungslinie herantreten, entfernen sich mit dieser
allmäligen Aenderung des Lagerungsverhältnisses mehr und mehr von den
älteren Schichten und bilden nach Herrn v. Hauer, Gümbel und v. Andrian
einen Zug vom Rothen-Spitz über den Traualpen-See nach dem Wanna-Spitz
und von hier östlich über den Sitnischroffen und den Pass Gacht nach der
Hannekamm-Alp, um dann erst jenseits des Thannheimer Thaies wieder aufzu-
treten.
Die Dolomite, welche aus diesem von Algäu- und Jura-Schichten gebildeten
Gebiet auftauchen, scheinen nach den Beobachtungen genannter Herren zwei
Züge zusammenzusetzen, welche ihre Höhepunkte im Gaishorn und Bescheis-
ser erreichen und durch muldenförmige Einlagerungen jüngerer Liasschichten
von einander getrennt sind.
Gegend nördlich vonReutte und Thannheim über Vils bis zur
Flyschgren ze. — So wie wir südlich von Reutte das überstürzte Lagerungs-
verhältniss des Aufbruches in seinem westlichen Fortstreichen allmälig in ein
muldenförmiges übergehen sahen, so findet dies auch im Norden Statt. Während
aber dort der Dolomit des Leilach-Zuges der Anfang einer breiten Zone war,
aus welcher sich erst viel weiter südlich allmälig die Lagerungsverhältnisse des
Hornthaies entwickeln, wird im Norden der Dolomit bald von jüngeren Schich-
ten überlagert und es stellen sich in schneller Folge einige kurze Hebungswellen
bis zur Grenze der Flyschzone ein. Der vom Thannheimer Thal durchschnittene
Dolomitzug vom Wanna -Joch über den Einstein und Sefer-Spitz nach
dem Musauer Berg übernimmt hier die Rolle des südlichen Leilachzuges. Auch
diese Hebungswelle ist im Osten einseitig mit ihrem nördlich fallenden Theil ent-
wickelt und liegt mit Zwischenlagerung der hochansteigenden Triasschichten auf
den Juragebilden von Wengie. Bei Kren bleiben die Triasschichten in der Tiefe,
der Dolomit wölbt sich unmittelbar über den Jura hinweg und trägt; selbst wieder
134
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
m
jüngere Schichten; auch hier tritt dann bald die Hebungswelle reiner und i.ormaler
auf und bei Schattwald verlässt sie Tirol am Wanna-Joch in gleicher Ausbildung
wie der Leilachzug am Lahner Spitz zeigte. Verfolgen wir den Zug in seinen ein-
zelnen Theilen, so nimmt wiederum zunächst der Trias aufbrach von Reutte
besonderes Interesse in Anspruch. Diese Formation gelangt hier zu weit bedeuten-
derer Entwickelung als im Süden gegen Weissenbach und Heiter wang. Auf den
Juragehilden von Wengle lagern mit nördlichem Fallen unmittelbar Vir-
gloria-Kalke mit denselben Versteinerungen wie am Ehrenbüchel; sie bilden
einen stetigen Zug mit constanter Lagerung bis jenseits Nesselwang und werden
begleitet von den Partnachm ergel n, welche eine Einsattelung am Fusse der
mächtigen Gebirge von Hallstätter Kalk bilden. Schafschroffen,
Metze na r sch und Gern-Spitz bezeichnen die Höhenpunkte, zu welchen diese
Formation über alle anderen Gebirge der Gegend ansteigt. Bei Ober-Lotze erreicht
sie das Thal des Lechs, welcher durch dieselbe zu einein weiten östlichen Bogen
genöthigt wird, und setzt jenseits, wie es scheint, mit veränderten Lagerungs-
verhältnissen, im Säuling (6611 Fuss) und dem bayerischen Hochplatt
(6371 Fuss) fort. Im Kalke bei Ober-Lotze fand Herr v. Hauer Chemnitzia scalata
und der Nalliporu annul ata Schaf ft. ähnliche Gebilde. Dem Hallstätter Kalk dieses
Zuges ist sehr häufig ocherige Erde in Nestern eingelagert. Noch jetzt wird am
Säuling Bergbau darauf getrieben und am Seebach nordwestlich von Reutte sieht man
unzählige kleine ehemalige Eisengruben und allenthalben Schlacken , welche
beweisen, dass die Erze an Ort und Stelle verschmolzen wurden. Aehnliche Gruben
und Schlackenhalden kennt Herr Gümbel auf bayerischem Boden an der Nord-
seite des Säuling. DieRaibler Schichten begrenzen auch hier den Nord-
abhang des Gebirges gegen den Dolomit. Sie sind als Schiefer und Sandsteine
entwickelt und führen am Pilgersteig nördlich vom Säuling viel Rauchwacke.
Der Dolomit des vorerwähnten nördlichen Zuges vom Wanna- Joch nach
Pinzwang und Pflach am Lech tritt nicht in seiner ganzen Erstreckung so gl« ich-
mässig auf als der südliche Leilachzug. Besonders beachtenswert für die Auf-
fassung der Lagerungsverhältnisse ist der bereits von Herrn Escher von der
Linth !) beobachtete und von Herrn Fr. Ritter v. Hauer in gleicher Weise
aufgefundene Streif von Rauchwacke und Sandsteinen der Raibler Schichten,
welcher nördlich von der Seferspitze in westöstlicher Richtung vom Scebachthal
nach den westlichen Zweig des Kue-Thales streicht. Ausserdem finden sich häufige
Auflagerungen von jüngeren Schichten, welche theils die beiden Ränder begleiten,
theils sich über den Rücken selbst hinwegwölben. Es gehören hieher die Gesteine
von Kren, von Vils und der Sefer-Spitz, deren gegenseitiges Verhältnis das
schöne von Herrn Gümbel entworfene Profil 3) darstellt. Über Vils hinaus
scheinen die in dem genannten Profil mit nördlichem Fallen eingelagerten Schich-
ten als eine muldenförmige Einlagerung fortzusetzeri, welche sich jenseits an den
Dolomit des Zirneberges anlehnt, der westlich nach dem Axele-Kopf, östlich nach
Füssen fortsetzt.
Die Schichtenentwicklung des oberen Lias weicht von den südlicher beobach-
teten Verhältnissen bedeutend ab. Wie dort, so beginnt er auch hier mit Kössener
Schichten, welche dem Dolomit eonform auflagern und nördlich von Schattwald
zu bedeutender Mächtigkeit gelangen; sie treten bei der Pfronten-Alp und am
Wislerberg in bedeutender Erstreckung als Decke des Dolomitzuges auf und
lassen diesen nur stellenweise, wie nördlich von Steig, zu Tage treten.
*) Vorarlberg. S. 43 und 48.
2) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. Bd. VII, S, 31.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
133
L49]
An der Stelle von Megalodus reichen Dachstein- und Adnether Kalk erscheint
Hierlatzkalk, mächtige weisse Kalke, welche, wie am Dachstein, zu selbst-
ständigen Berggipfeln ansteigen; sie bilden die Höhe des Sefer-Spitz und sind
im Norden dem Dolomit als ein stetiger Zug von Ackerstein über Vils und Nieder-
Pinzwang angelagert. Erst weiter westlich, an der Grenze der Trias-Lias- gegen
die Flyschzone hei Jungholz fand Herr Baron Andrian die typischen Adnether
Kalke. Die Algäu- S chichten sind an den Gehängen des Thannheimer Thaies
allenthalben sehr mächtig, während sie bei Vils in nur unvollkommener Ent-
wickelung die Hierlatzkalke vom Jura trennen. Die stratigraphischen und geogno-
stischen Verhältnisse der letzteren Formation sollen im dritten Theile dieser Ab-
handlung ausführlicher beschrieben werden.
Gegend zwischen dem Lech-Thal von Elbigenalp bis Weissenbach, dem
Inn-Thale von Landeck bis Telfs und der Landesgrenze gegen Bayern.
Die Gebirgswelt zwischen dem oberen Lechthal und der Grenze des Urge-
birges verliessen wir an der östlichen Wasserscheide des Madau-Thales als ein
weites Dolomitland, in welchem sich die vielen bisherigen langgedehnten und
breiten Zonen von jüngeren Liasschichten auf eine einzige schmale, der III. He-
bungswelle angehörige reducirt haben und jene Gebilde nur stellenweise in
kleinen isolirten muldenförmigen Faltungen auftreten, wo ferner die Triasschich-
ten der Arlbergstrasse unter dem Alles überwölbenden und bis an die krystal-
linischen Schiefer herantretenden Dolomit verschwunden sind, um nur hier und
da unter demselben in einem zufälligen Durchbruch zum Vorschein zu kommen.
Eben so verliessen wir die nördlich sich anschliessende, vom Lechthal durch-
brochene Gebirgswelt bei diesem Thal als ein einiges Dolomitgebiet, das nur
durch eine einzige breite Zone von Algäu- (und Jura?-) Schichten, die Fort-
setzung derjenigen von Elbigenalp und dem Bernhardsthal, unterbrochen wird.
Eine Linie, von Reutte über Elbigenalp nach Landeck, welche unser jetzt zu
betrachtendes Gebiet westlich begrenzt, ist daher zugleich eine bedeutsame
Scheidelinie für den Gebirgsbau. Die Hebungswellen von Vorarlberg und dem
obersten Lechthal mit ihrem einfachen und doch gliederreichen Schichtenbau
streichen bis hieher stetig fort und entwickeln sich zuletzt noch einmal mit
besonders complicirter Gestalt. Plötzlich ist statt der reichgegliederten Schichten-
entwickelung nur ein einziges Glied in ungemeiner Mächtigkeit vorhanden, um
allein die Hebungswellen fortzusetzen. Nur in der III. und IV. der letzteren
treten noch die jüngeren Liasglieder als wesentliche Factoren auf, aber um eben-
falls bald dem Dolomit zu weichen. Ich wies bereits früher darauf hin, wie das
Zurücktreten dieser Formation durch das Erscheinen einer anderen gleichsam
ersetzt wird, indem die Hallstätter Kalke, welche sich bereits bei Reutte allmälig
einschieben, schnell eine ungemein wichtige Rolle erlangen und in ähnlicher
Weise mit Dolomit wechselnde Zonen bilden, wie früher die Algäu-Schichten ; nur
gelangen sie zu ungleich bedeutenderer Ausdehnung und wo wir bei Seefeld in
ein östlicheres Gebiet übergehen, bestehen die Kalkalpen bis zur bayerischen
Grenze aus einer Zone von Dachsteindolomit und einer zweiten von Hallstätter
Kalk. Es ist daher die Hauptaufgabe bei der Betrachtung des gesammten vorlie-
genden Gebirgslandes, die allmälige Aenderung der Formationen und Hebungs-
wellen in ihrem Fortstreichen zu verfolgen. Wir beginnen im Süden und Westen
und wenden uns gegen Norden und Osten.
Südgrenze des Kalkgebirges zwischen Landeck und Imst. —
Den ausgezeichneten Triasaufbruch an der Arlberger Strasse hatten wir früher bis
K. k. geologische Reichsanstalt, 12. Band, 1861 und 18§2. II. Reit, 18
136
Ferdinand Freiherr von Kichthofen.
|50]
auf die Berge zwischen Flirsch und Pi ans verfolgt und gezeigt, wie hier der
Dolomit allmälig die Trias überwölbt. Dieser nach Osten (Stunde 6) fortstreichen-
den Wölbung entlang führt die Strasse zwischen Landeck und Imst, indem sie sich
bald mehr, bald weniger der Antiklinallinie nähert. In der ersten (Landeck-
Starkenbach) und letzten (Mi ls-Gurggelsgrün) Strecke des Weges bleibt
sie südlich von derselben, daher hier die überaus steilen und glatten Wände, mit
denen das Gebirge in das Thal abfällt; sie werden durch die fast senkrecht nach
Süden fallenden Dolomitschichten des Gewölbes gebildet; daher jene stellenweise
neben der Steilwand aufragenden schneidigen Felskeile, welche im Profil als hohe
Obelisken erscheinen und von denen einer die Burg Schruffenslein trägt. Jenseits
Mils fällt die Wand unmittelbar in den See und die Strasse muss sich hoch an ihr
hinaufziehen, um auf den Schichtenköpfen hinführen zu können. Nur zwischen
Starkenbach und Mils öffnen sich die Wände und bringen die mächtigen Gebirge
des Senftespitz zum Vorschein. Wilde, fast unzugängliche Thüler, welche ein Meer
von Dolomittrümmern herabführen, eröffnen dem Blick die grossartigen Gebirge des
Scheiderückens gegen das Lechgebiet und indem sie das genannte Gewölbe als
die hemmende Vormauer durchbrechen, haben sie dasselbe bis in sein Innerstes
blossgelegt. Die Strasse tritt bis an dieses heran. Mächtige Massen von gelber
Bauch wacke, in Form von Obelisken und Ruinen ausgewittert, bilden hier die
tiefsten Theile der Gehänge und geben sich, indem sie den Dolomit unmittelbar
unterteufen, deutlich als Vertreter der Raihler Schichten zu erkennen,
welche daher hier noch in derselben Weise ausgebildet sind, wie in Vorarlberg.
Gegenüber dem Dorfe Schönwies sieht man die Rauchwacke deutlich einen Kalk-
rücken überwölben, welcher in kurzer Erstreckung und in unvollkommener Ent-
blössung daraus hervortritt. Er besitzt vollkommen die Eigenschaften der Arl-
bergkalke und es scheint, dass hier der östlichste Punkt ihres Auftretens ist.
Im Starkenbach ist der Rauchwackezug noch auf kurze Erstreckung entblösst, es
folgt ihm das Dolomitgewölbe, und auf der Höhe des Silberspitz sieht man
jüngere Liasschichten anstehen, welche wir als ein isolirtes Vorkommen bereits
im Metriolbach erwähnten. Ob, wie wegen der allgemeinen Streichrichtung
(Stunde 5) zu erwarten wäre, oberhalb Imst noch einmal die Rauchwacke unter
dem Dolomit erscheint, vermochte ich nicht zu entscheiden.
Südlich vom Inn steigen zwischen Landeck und Imst nicht unmittelbar die
krystallinischen Schiefer aus dem Thal auf, sondern es tritt ein schmaler Kalkzug
dazwischen, welcher nördlich vom Thal, südlich von einer von Zams nach der
Mündung des Pizbaches gezogenen Linie be-
grenzt wird. Der Bau desselben ist sehr einfach,
indem hier nur eine nochmalige Aufbiegung des
Triasdolomit-Systems stattfindet, welches nörd-
lich vom Inn gewölbartig gebogen ist. Das Inn-
Thal stellt daher eine Mulde dar, und wie jen-
seits das Einfallen steil südlich (Stunde 11) war,
so ist es hier eben so steil nördlich (Stunde 23).
Einige Modificationen finden nur hinsichtlich der
mehr oder weniger vollständigen Entwickelung
der Trias statt. Die Mulde des Innthales wird
von Dolomit gebildet und dieser steigt längs
des Thalrandes aus demselben auf. Er wird
unterteuft von Rauchwacke der Raibler
Schichten, welche eine flache Einsenkung bildet; sie beginnt bei Zams, wo
sie unmittelbar dem Thonglimmerschiefer aufzulagern scheint, setzt südlich von
Fig. 31.
S.
1 Glimmerschiefer. 2 Arlberg-Kalk. 3 Rauch-
wacke der Raibler Schichten. 4 Unterer
Dachstein-Dolomit.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
137
[81]
dem Schloss Krön bürg fort, wo diese Einbuchtung besonders charakteristisch ist,
und scheint noch weit fortzuziehen; zugleich schieben sich gegen Osten wahr-
scheinlich mehr und mehr die älteren Triasglieder ein, da die vom montanistischen
Verein herausgegebene Karte bei Schönwies und Arzl rothen Sandstein angibt.
Der T s chürgant, ein durch drei tiefe Thaleinsenkungen vollkommen isolir-
tes Gebirge, dessen höchster Gipfel zu 7275 Fuss (Sander und W a 1 1 h e r) ansteigt,
scheint durchaus aus Dolomit zu bestehen und eine Fortsetzung der erwähnten
gewölbartigen Lagerung zu bilden. Auf der Höhe bemerkte Herr Franz Ritter v.
Hauer hellere Schichten, die vielleicht einer jüngeren Formation angehören.
Dolomitgebirge zwischen demMadauthalundNassereith. —
Die Dolomite des Innthales setzen mit mehrfachen, den westlichen Hebungswellen
entsprechenden gewölbartigen Biegungen gegen Norden fort, bis sie in einer
westöstlichen (Stundet), vom Buttel spitz über Gramais und Boden nach der
Tegesalp gerichteten Linie in überstürzter Lagerung den Algäu-Schichten der
Hebungswelle III aufliegen. Im westlichen Theil ist die Auflagerung unmittelbar,
im östlichen schieben sich mächtige Triasschichten ein. Jenseits Nassereith setzt
dieses Verhältniss fort und die Trias gewinnt dort in den Hallstätter Kalken die
Oberhand über den Dolomit.
Die östliche Dolomitumwallung des Thalkessels von Madau bildet im Hengst-
spitz, Landschaftlekopf, Zwölferkopf und Buttelspitz die Wasserscheide gegen
das Gramaisthal, welchem weiterhin, durch Parzinkopf, Gufelspitz und Partsaispitz
getrennt, das complicirtere T hal System von Boden folgt. Gramais und Boden,
zwei armselige Hochgebirgsdörfer, liegen auf einer schmalen Zone von Algäu-
Schichten, welche quer über beide Thäler zieht. Bei den letzten Häusern von
Gramais beginnt die südliche Dolomitwelt, in deren Oeden ein vielverzweigtes
System schroffer Thäler hinaufreicht. Eine kleine Unterbrechung der Steinwüste
soll an dem See stattfinden, welcher in dem Kessel nördlich von der Gufelspitze
liegt. Hier bricht rother Marmor, welcher auf eine muldenförmige Einlagerung
von Kössener Schichten, Dachsteinkalk und Adnether Kalk schliessen lässt. In der
That bringt auch der Bach des östlich angrenzenden Parzinerthales, welches bei
Boden mündet, Bruchstücke aller jüngeren Liasgebilde mit herab.
Bei Boden werden die Verhältnisse ungleich mannigfaltiger. Den klarsten
Aufschluss über dieselben gibt der
Joch Übergang von Tarenz über das Steinjöchl Pfaflar nach
Boden. — Man kommt hier der Reihe nach auf folgende Formationen : 1. Dilu-
vium, welches das Gurglthal weithin und bis zu beträchtlicher Höhe ausfüllt; eben
so mächtig und in gleicher Beschaffenheit steht es bei Darmenz, Obsteig, Miemin-
gen und im Luetasch an. Es besteht fast ganz und gar aus Urgebirgsblöcken,
welche zum Theil eine bedeutende Grösse erreichen. 2. Dolomit mit stets südli-
chem Fallen (Streichen: Stunde 5 — 5y2). Er erscheint zuerst in der Tiefe des Sal-
vesen-ßaches und bildet bald die Gebirge links und rechts, den Rauchberg, Kehr-
berg, Platteinkopf und die Sparkenkopfe. Er hält beinahe bis auf das Joch an. Kurz
vor demselben erscheinen: 3. R ai bl er Schichten, theils als gelbe Rauchwacke
ausgebildet, theils in Gestalt mergeliger Kalke und Sandsteine. Sie bilden östlich
die Einsattlung zwischen Kehreberg und Heiterwand, während sie gegen Westen
nach Pfaflar hinabzuziehen scheinen, so dass der Weg und Bach in ihnen führen;
zwar sind sie bis zu diesem Dorf hinab verdeckt, aber kurz vor demselben beob-
achtete sie Herr v. Hauer als griffelartig zerfallende Schiefer, welche von den
charakteristischen Sandsteinbänken begleitet sind. 4. Hallstätter Kalk keilt
als letzter Ausläufer der Heiterwand bei Boden aus. Herr Gümbel beobachtete
ihn noch südwestlich von diesem Ort; mit ihm keilen sich auch die Raibler Schich-
te
138
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[52]
ten aus; denn unmittelbar westlich vom Parziner-Bach ist von der ganzen Folge
nur noch Dolomit vorhanden. 5. Partnachmergel wurden von Herrn Berg-
rath v. Hauer noch unmittelbar vor Boden beobachtet. Alle Schichten fallen süd-
lich; ihnen folgen 6. Algäu-Schichten, unter die Trias einfallend und im Norden
auf Dachsteinkalk u. s. w. ruhend.
Ehe wir die mächtige Entwickelung dieser bei Boden auf kleinem Raum
zusammengedrängten Formationen gegen Osten verfolgen, haben wir noch ein
sehr merkwürdiges Gebilde zu betrachten, welches wir als 7. Gosau-Con-
glomerat des Muttekopfes bezeichnen. Man findet nämlich bei dem Joch-
iibergang schon oberhalb Pfaflar, am meisten aber abwärts gegen Boden, eine
ungeheure Menge grosser Blöcke eines sehr festen Conglomerates von eckigen
Bruchstücken der Gesteine aus allen Formationen der Gegend; es geht über in
feine Sandsteine und gelbe Mergel. Herr Gümbel entdeckte den merkwürdigen
Ursprung dieser Blöcke auf der Höhe des Muttekopfes, welcher 8756 Fuss hoch
ansteigt. Das Gestein bildet nicht nur die gesammte Gipfelmasse dieses verzweig-
ten Gebirges, Herr Gümbel sah dasselbe auch nach dem Platteinkopf und
gegen den Grossen Hanlis fortsetzen. Derselbe vermuthet auch, dass es noch
am Gufelspitz auftrete und es könnte dann vielleicht mit dem erwähnten rothen
Marmor von dort im Zusammenhänge stehen. Welcher Formation dies Conglomerat
angehört, lässt sich mit Sicherheit noch nicht entscheiden; doch fand Herr Güm-
bel an anderen Orten (Urschelau) in demselben Gestein Orbituliten und nimmt
daher auch das des Muttekopfes als der Gosauformation zugehörig an.
Verfolgt man das interessante Schichtenprofil, welches der Jochübergang
von Tarenz nach Boden entblösst, weiter gegen Osten, so sieht man die Hall-
stätter Kalke schnell an Mächtigkeit ungemein zunehmen. Schon eine Meile östlich
von Boden bilden sie das Gebirge der Heit er wand, dessen weisse Kalkgipfel
die Nachbarschaft weit überragen; im nordwestlichen Theil derselben war früher
Bergbau auf Zink. Zwischen dem Hallstätter Kalk dieses Gebirgszuges und dem
Dolomit des Kehrberges und des Rauchberges ziehen die Raibler Schichten nach
dem Galzeinthal *), das in ihnen eingeschnitten ist, während im Norden noch
einmal die Partnachmergel auftauchen. Die Herren v. Hauer und Gümbel
fanden sie auf einer Anhöhe westlich von der Tegesalp, wo das ganze System,
wie bei Boden, auf Liasfleckenmergeln ruht. Oestlich dagegen fanden die genann-
ten Herren am Tessenbach noch eine Dolomitpartie, die sich zwischen Hallstätter
Kalk und jüngeren Lias einschiebt, aber ohne Zwischenlagerung von Raibler
Schichten.
Das Galzei nthal bei Nassereith verdient noch einer besonderen Erwäh-
nung. In demselben ziehen südlich fallende Raibler Schichten herab, welche die
Systeme von Hallstätter Kalk und Dachstein-Dolomit trennen. Auf dem Wege von
Nassereith trifft man anfangs unter dem Dolomit Rauchwacke an, welche einen
kleinen Kopf vor dem Eingänge in das Thal zusammensetzt. Ihr folgen die ande-
ren mergeligen und sandigen Gesteine der Raibler Schichten, welche hier vortreff-
lich entwickelt sind, ohne indess eine Mächtigkeit von 40 — 50 Fuss zu über-
schreiten. Rein schiefrige Varietäten, kalkige Schichten und Sandsteine, ins-
besondere auch die weiter im Westen fehlenden Riesen-Oolithe, wechseln
ohne Ordnung mit einander. Petrefacten sind häufig und charakteristisch vor-
handen. Allein anstatt dass unmittelbar darunter die Hallstätter Kalke folgen
sollten, fand Herr v. Hauer einen Kalkstein, welcher die Dachsteinbivalve
!) Auf den Generalstabskarten Gastein-Thal genannt.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
139
[83]
in zahlreichen, gut charakterisirfen Exemplaren enthält1). Derselbe ist dünn
geschichtet, verwitterte Flächen erscheinen gern gelb gefärbt, der Bruch ist
muschelig, das Gestein springt sehr leicht, beinahe wie Glas. Man hat in dem-
selben an vielen Stellen kleine Versuchsbaue angelegt, deren einer Spuren von
Galmei zeigt.
Oestlich von Nassereith setzen die beschriebenen Lagerungsverhältnisse in
gleicher Weise fort.
Gegend von Gramais, Eimen, Bschlaps, Na mies bis Pass
Fern, Lermoos und Plan-See. — Wir wenden uns zu den letzten öst-
lichen Ausläufern der regelmässigen Hebungswellen, zu dem Fortstreichen der III.
und IV. des Profils XIV. Die III. Hebungswelle durchzieht das Gramais-Thal fast
in seiner ganzen Erstreckung vom Ausflusse bei Unterhöfen bis aufwärts nach
Gramais. Die Schichten des Dolomits fallen mit grosser Regelmässigkeit nach
Süden und tragen Kössener Schichten, Dachsteinkalk und Fleckenmergel in
nicht bemerkenswerther Entwickelung, denen, wie erwähnt, hei Gramais
wiederum Dolomit aufgelagert ist. DerUebergang von Gramais nach Boden führt
zwischen diesem und dem nördlichen Dolomitzuge, stets in der schmalen Zone
der Algäu-Schichten. Bei Boden ist die Breite der letzteren überaus gering, wäh-
rend der Dolomit derselben Hebungsweile (III) bis nach Bschlaps reicht und eine
wildromantische Thalstrecke mit engen und tiefen Schluchten bildet. Weiter
gegen Osten zieht er nach dem Wetter-Spitz und senkt sich tief hinab in das
Namleser Thal und zum Namleser Joch, von welchem, wenn man den Weg von
Boden aus einschlägt, noch einmal unter schwierigen Lagerungsverhältnissen
Rauehwacke der Raibler Schichten erscheint. Jenseits des Joches steigt der
Dolomit zum Rudeger Spitz an, thalabwärts zieht er sich weit an den Gehängen
hinab, fast bis Namles. Im Süden liegen zwischen dem Dolomit des Wetter-Spitz
und Rudeger Spitz und dem Hallstätter Kalk der Heiterwand Fleckenmergel des
Lias, wie es scheint ohne Vermittelung von Kössener Schichten und Dachstein-
kalk. Erst östlicher vom Kemple-Spitz gibt die Karte des montanistischen Vereines
rothen Adnether Kalk an. Die sanfte Mulde, welche durch diese jüngeren
Schichten geschaffen wird, nimmt nach Osten an Breite ab, während der Dolomit
der Hebungswelle sich mehr und mehr ausdehnt. In ihm liegt der Pass Auf der
Fern und das überaus romantische Thal von Fernstein mit dem malerischen
Schlosse Sigmundsberg, welches in der Tiefe auf einer dunkelbewaldeten Insel
im See liegt. Bei Biberwier endigt der Dolomitzug, es treten östlich ganz andere
Verhältnisse ein.
Die Hebungswelle IV ist bei weitem gleichförmiger entwickelt und ver-
läugnet nirgends den ausgezeichneten Schichtenbau, der ihr im Bernhardsthal
eigen ist. Von ihrem Dolomit ist nichts zu sagen, als dass er sich mit nörd-
licheren Dolomiten verbindet und bis zum Triasaufbruch von Reutte fortsetzt. In
ihm liegt das Namleser Thal von Namles abwärts und das Rothlechthal
unterhalb Berwang. Er bildet das Schwarze Hanse-Kar, den Neualp-Spitz, Tha-
neller Berg, Axl-Joch u. s. w. und zieht über Heiter wang nach dem Plan-
See fort, in dessen Umgebung er seine grösste Ausdehnung erreicht. Das
gesammte waldreiche Jagdgebiet ist fast ausschliesslich auf Dolomit gelegen.
Blattberg, Brent-Joch, Tauernberg, Altenberg, Ammerwald, Geyer-Kopf u. s. w.
bezeichnen die hauptsächlichsten Höhenpunkte desselben.
4)
Nach Herrn Gümbel’s neuesten Untersuchungen ist es eine von Meg. triqueter verschie-
dene Art, die derselbe Meg. columbella G. nennt.
140
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[84]
Die jü ngeren Lias glied er setzen zwischen Griesau und Eimen auf
das östliche Lechufer; im Norden sind sie dem Dolomit aufgelagert, im Süden
fallen sie unter den der folgenden Hebungswelle ein. Ihre Gliederung lässt sieh
am besten von Eimen gegen den Kessel-Spitz verfolgen. Auch hier hat Herr
Es eher sie mit bewundernswürdiger Genauigkeit beschrieben1); doch liess
sich dies nur für die unterste Abtheilung ausführen; die Algäu-Schichten sind,
wie überall, vielfach gefaltet. Auf der Höhe des Kessel-Spitz werden sie von jün-
geren jurassischen Schichten überlagert, welche auch hier durch rothe Horn-
steine charakterisirt sind. Weiterhin bilden diese Formationen die Gipfelmassen
und südlichen Gehänge vom Pleure-Kopf und Tauber-Spitz, ferner den Kreuz-
Spitz, die Nordgehänge des Kessel-Spitz und ziehen mit stets südlichem Fallen
über das Namleser Thal hinweg. Na mies selbst liegt auf Kössener Schichten.
Gegen Osten scheint das Lagerungsverhältniss allmälig in ein muldenförmiges
überzugehen. Der Zug nimmt hier zwischen dem Kalten Joch und Schlire-Kopf,
so wie zwischen Berwang und dem Rothen Stein eine bedeutende Breite ein und
es erscheinen hier an der nördlichen wie an der südlichen Dolomitgrenze zuerst
Kössener Schichten in aussergewöhnlich mächtiger Entwickelung, Dachsteinkalk
und Liasfleckenmergel, wogegen die Adnether Kalke zurückzutreten scheinen.
Die nördlichen Kössener Schichten kommen bei Büchelbach in das Thal hinab,
die südlichen bei Lermoos. Statt aber jenseits in gleicher Weise fortzusetzen,
theilt sich hier die gesammte Zone mehrfach. Ein Zug von Kössener Schichten,
welcher durch die grosse Zahl seiner Versteinerungen ausgezeichnet ist, zieht
beiderseits von Dolomit begrenzt über das Heberthal-Joch nach dem Vereini-
gungspunkte des Naderbaehes mit der Loisach. Ein zweiter Zug erfüllt das breite
Thal von Lahn bis Lermoos bis zu den steilen Dolomitgebängen; er wird von
der vollständigen Folge der jüngeren Liasschichten gebildet; bei Lähn steht eine
sehr bedeutende Masse von Adnether Kalk an. Bei Lermoos zweigt sich von der
nach Osten hinübersetzenden Zone abermals ein schmaler Zug Kössener
Schichten ab, der zwischen Dolomiten nach dem Eibsee fortzieht.
Gegend zwischen Nassereith, Lermoos, Eibsee und dem
Thale Luetasch. — Der gesammte nördliche Theil unseres Trias-Lias-
Gebietes wendet sich in seinem östlichen Fortstreichen auf bayerisches Terrain,
daher wir nur die südlichen Zonen zwischen Nassereith und Lermoos weiter zu
verfolgen haben. Wir verliessen dieselben in dem Durchschnitte, welchen die
beiden vom Pass Fern herabkommenden Thäler bilden, mit ziemlich einfachen
Verhältnissen: Ein Dolomitgewölbe (zwischen Lermoos und Sigmundsberg) trägt
im Norden und Süden jüngere Schichten; die nördlichen sind muldenförmig
gelagert, die südlichen fallen nach Süden unter ein mächtiges Triassystem, das
wesentlich aus Hallstätter Kalk besteht und von Dachsteindolomit überlagert wird.
Die ganze letztere Folge fällt südlich.
Dieses einfache Verhältniss ändert sich nach Osten bedeutend. Das südliche
Triassystem wölbt sich in schneller Zunahme weiter über den Dolomit, die nörd-
lichen jüngeren Liasschichten von Lermoos hingegen kommen weiter nach Süden
und so kommt es, dass das breite Dolomitgewölbe zwischen beiden bald ver-
schwindet und der Hallstätter Kalk unmittelbar an die jüngeren Schichten heran-
tritt. Jener gewinnt daher ungeheuer an Ausdehnung und trägt erst im Osten
einen schmalen aufgeiagerten Zug von Dolomit. Dazu kommt, dass im Norden
ein zweiter westöstlicher Zug von Hallstätter Kalk auftritt, welcher halb dem
bayerischen, halb dem tirolischen Gebiete angehört; es ist der Zug der Zug-
0 Vorarlberg. Beilage 3. Seite 70.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
141
[SS]
Spitze, der später ungemein wichtig im Gebirgsbau wird, während der südliche
Zug im Osten bald unter Dolomit verschwindet.
Der südliche Zug der Hallstätter Kalke erreicht seine Höhenpunkte im Wan-
neck (7868 Fuss San der und Walther), Grünstein (8677Fuss S. und W.),
MiemingerBerg und HohenMundi und bildet mit seinen schroffen weiss leuch-
tenden Abstürzen eine überaus imposante Kette. Steigt man von Süden nach einer
der Einsattelungen hinan, so gelangt man über steil südlich fallenden Dolomit und
eine Zone von Raibler Schichten , welche von Nassereith bis zum Kochenthal
am Südabhange bleibt, in den Hallstätter Kalk, welcher die südliche Fallrichtung
beibehält. Herr Fr. R. v. Hauer stieg am Strangbache, in der Strassberger
Klamm, der Erzberger Klamm und dem Kochenthal nach den Abhängen hinauf
und fand allenthalben dasselbe Verhältniss. DieRaibler Schichten sind reich an Ver-
steinerungen und mit Rauchwacke verbunden. Der Nordabhang ist am Wan neck
noch genau eben so wie an der Heiterwand und im Tessenbaehe. Auch hier fällt
unter den Hallstätter Kalk zunächst Dolomit ein ohne Zwischenlagerung von
Raibler Schichten; darunter folgen Lias-Fleckenmergel und der Dolomit von
Fernstein. Erst mit dem tiefen steilwandigen Thale, das vom Grünstein nach
Nordwest hinabzieht, wird das Verhältniss ein anderes, indem der Hallstätter
Kalk gegen Norden, die jüngeren Schichten von Lermoos gegen Süden vor-
geschoben sind und an einander treten. Ehe wir uns zu diesen jüngeren Schich-
ten wenden, betrachten wir den nördlichen Zug von Hallstätter Kalk.
Südlich von Garmisch, Partenkirchen und Mittenwald in Bayern erhebt sich
eine der grossartigsten Bergketten der nördlichen Kalkalpen. Sie wird vom Isar-
thal in das westliche Wetterstein- und das östliche Karbendel-Gebirge
getheilt und besteht fast ausschliesslich aus Hallstätter Kalk. Die Zug-
Spitze (9326 Fuss), der Wet terschro ffe n (9064 Fuss), Kothbaeh-
Spitz (8126 Fuss), Scharnitz-Spitz (8463 Fuss), Drei Thörl-Spitz
(8199 Fuss), Karl-Spitz (7763 Fuss), Wetterstein (7832 Fuss) bezeich-
nen die Höhenpunkte westlich der Isar, das Karbendel-Gebirge erreicht seine
bedeutendste Erhebung im Karbendel-Spitz (7974 Fuss). Ueber den Kamm
des Gebirges und alle genannten Höhen verläuft die bayerische Grenze, so dass der
Südabfall ganz und gar nach Tirol gehört. Oestlich vom Karbendel-Spitz liegt
das Gebirge nur noch auf tirolischem Gebiet und lässt sich bis gegen Jenbach
im Innthal verfolgen. Besondere Wichtigkeit erhält der Zug von Hallstätter Kalk
dadurch, dass es sich am Karl-Spitz gabelt und dem Karbendel-Gebirge parallel
ein zweites, ungleich mächtigeres und selbstständigeres Gebirge entsendet. Es
bildet die Wasserscheide zwischen den Thälern Hinterriss und Hinterau und er-
reicht das Innthal bei Stans. — Das Streichen der Schichten wie der Gebirgs-
züge ist meist Stunde 7, das Fallen ist im Allgemeinen nach Süden gerichtet.
Die Zug-Spitze mit dem Plattacher Ferner bildet den westlichsten
Grenzpfeiler des mächtigen Gebirgszuges und erregt durch ihre imposante Mas-
senhaftigkeit ein um so höheres Interesse, als sie so plötzlich aus dem umgeben-
den Gebirge aufsteigt. Nähert man sich der Zug-Spitze von Norden oder Westen,
so sieht man unter den überaus steilen, mehrere tausend Fuss hohen Wänden des
Hallstätter Kalkes eine Zone von älteren Gesteinen den Fuss des Massivs bilden.
Es sind dies echte Guttensteiner Kalke der unteren Trias und über ihnen
Pa rtn ach m ergeh Unzweifelhaft sind auch die Virgloria-Kalke zwischen beiden
vorhanden. Die ersten Guttensteiner Kalke beobachtete Herr v. Hauer an den
Wänden über der Ehrwalder Alpe, sie ziehen im westlichen Bogen als breite
Zone um das Gebirge herum bis an die Abhänge bei Partenkirchen. Die Part-
nachmergel hat Gümbel hier entdeckt und lehrte die Partnach-Klamm als ihren
142
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[56]
wichtigsten Fundort kennen, wo sie zu sehr bedeutender Mächtigkeit an wachsen.
Der Hallstätter Kalk erreicht ebenfalls eine Mächtigkeit, welche wohl 3 — 4000 Fuss
betragen mag. Herr Conservator Schafhäutl wies ihn noch auf dem höchsten
Gipfel der Zug-Spitze nach, von dem jene äusserst charakteristischen organischen
Gebilde stammen, welche er als Nullipora annulata bezeichnete; sie blieben
überall einer der sichersten Anhaltspunkte für die Erkennung des Hallstätter
Kalkes, wiewohl der stets deutlich ausgeprägte petrographische Charakter ein
solches Merkmal überflüssig macht.
Dieses vortrefflich entwickelte Triassystem der Zug-Spitze ruht im Norden
und Westen auf Dolomit, während es im Süden in eine aus Hallstätter Kalk gebil-
dete Mulde übergeht, in welcher sich Jura- und Kreide-Gebilde abgelagert
haben. Diese letztere Mulde scheint von überaus grosser Wichtigkeit für die
Geschichte der Hebungen des Landes. Sie beginnt bei Biberwier und Ehrwald,
wo Jura überaus entwickelt auftritt, zieht im Gaisachthale aufwärts, bei der Pest-
capelle und unter den Rothmooswänden nach dem Paitenthale; wo dieses in das
Luetasch mündet, scheint die Einlagerung zu Ende zu sein. Herr Bergrath
v. Hauer hat die muldenförmige Einklemmung der Schichten zwischen die Hall-
stätter Kalke deutlich beobachtet, insbesondere zwischen Scharnitz-Spitz und
Gehren-Berg. Die jurassischen Glieder treten mit denselben petrog raphischen
Eigenschaften wie bei Elbigenalp und Reutte auf} über ihnen liegen lichtgraue
fleckige Mergel, welche sich durch Aptychus Didayi als vom Alter der Ross-
felder Schichten erweisen.
Die grosse, muldenförmig gelagerte Masse von Hallstätter Kalk zwischen
Zug-Spitz und Luetasch steht mit dem mächtigen südlicheren Zug des Hoch-Mundi
nur in der Gegend der Pestcapelle am Uebergange von Loisach nach dem Isar-
gebiete in Zusammenhang. Zwischen beiden und ihrem Streichen parallel ist die
tiefe Einsenkung des Gaisthales, welche vom Achen-Bach durchflossen wird. Die
Wände dieser Einsenkung bestehen aus Dolomit, der in schwer zu erklärendem
Verhältnisse zu den Hallstätter Kalken der höheren Gehänge steht. Doch scheint
es, dass die Schichten des Hoch-Mundi nach Nord, Ost und Süd steil unter den
Dolomit und mit Vermittelung der Raibler Schichten einfallen.
Die von Telfs gegen Nordost gerichtete Einsenkung des Luetasch-
Thales schliesst den südlichen Zug von Hallstätter Kalk gegen Ost ab, Dolomit
überwölbt ihn und behauptet weiterhin allein den Platz. Das Thal ist sehr breit
und voll Gerolle. Die Dolomite und Kalke der benachbarten Gebirge liefern dazu
fortwährend unendliche Massen von Material. Ausserdem sind Urgebirgsblöcke
in grosser Menge zerstreut und aus dem Gaisthale werden sehr zahlreiche Bruch-
stücke der Jura- und Neocomien-Schichten herabgeführt. Dem sehr breiten
Dolomit folgt im Norden Hallstätter Kalk, dessen Zone um so breiter ist, als hier
schon die Theilung des Wettersteinzuges begonnen hat, beide Gebirgszuge aber
noch nicht durch eine tiefere Einsenkung oder durch jüngere Schichten getrennt
sind. So kommt es, dass wir östlich vom Lue tasch- Thal e nur
noch Eine Dachstein-Dolomit- und Eine Hallstätter - Kalk-Zone
habe n.
Se efeld.
Seefeld liegt in einem ausgetrockneten Seebecken mitten in der eben
erwähnten Dachstein-Dolomit-Zone, welche zwischen Leibelfingen und Schar-
nitz eine Breite von mehr als anderthalb Meilen hat. Die plattigen Kalke mit
Fischresten, so wie die bedeutende Asphaltgewinnung machten den Ort schon
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
143
[S7]
früh bekannt und haben eine ansehnliche Literatur über ihn hervorgerufen *)•
Man hat den fischführenden Schichten eine sehr verschiedene Stellung ange-
wiesen, je nachdem man von rein petrographischem Gesichtspunkte das Gestein
verschiedenen Formationen einreihte oder die Schlüsse auf paläontologische
Untersuchungen baute. Dass das fischführende Gestein den dunklen Dolomiten
eingelagert sei, wurde mehrfach erkannt und insbesondere auch von Pich ler 2)
hervorgehoben. Ich wies bereits mehrfach darauf hin, wie die dünnplattigen und
schiefrigen, asphaltreichen dolomitischen Kalke nicht auf Seefeld beschränkt
seien, sondern im Westen noch häufig Vorkommen. Herr Bergrath v. Hauer fand
sie bei Leibelfingen am Inn, ferner oberhalb Aschbach am Südabhange des
Wa n n e c k und am B i r g s e e in der Nähe des Passes Auf der Fer n , wo zugleich
grosse Drusen von Bitterspathkrystallen das Gestein durchsetzen. Ich fand sie
sehr ausgezeichnet und mächtig am Wege von Reutte nach dem Plan- See,
wo bei warmem Wetter Asphalt aus den Schichten ausfliesst, und an der früher
beschriebenen Stelle zwischen Stög und Ellebogen im Lechthale, wo man
auch einen fossilen Fisch gefunden haben soll. An allen diesen Orten bildet das
Gestein in gleicher Weise Zwischenschichten im Dolomit und seitdem es gelun-
gen ist, das Alter des letzteren durch den Fund des Megcilodon triqueter als
unterliassisch nachzuweisen, darf die stratigrajlhische Stellung der Fischschiefer
von Seefeld als sicher gelten. Es ist bekannt, dass Heckei den allgemeinen
Charakter der Fische als dem Lias entsprechend betrachtete, während Agassiz
sie der Trias näher glaubte. Kann man auch jetzt die Ansicht von He ekel als
die der geognostischen Stellung entsprechendere bezeichnen, so gibt doch die
Geschichte von der verschiedenen Ansicht zweier so vorzüglichen Ichthyologen
ein deutliches Zeugniss mehr zu den vielen schon vorhandenen von dem überaus
langsamen und alimäligen Uebergang der Trias- in die Lias-Formation in den
Alpen.
O Ueber die Special-Literatur theilte mir Herr Bergrath Franz Ritter v. Hauer gütigst
folgende Notizen mit:
Müller: Beschreibung der in Tirol üblichen Art das Steinöl zu bereiten. Abhandlun-
gen einer Privatgesellschaft in Böhmen. V, Seite 333. 1782.
Flurl: Notizen über das Vorkommen des Brandschiefers und die Benützung desselben
zur Gewinnung von Steinöl zu Seefeld. — Moll’s Jahrbuch. III, Seite 196 — 203.
1813. — Zeitschrift des Ferdinandeums. V, Seite 282.
Murchison: Ueber die bituminösen Schiefer und fossilen Fische von Seefeld. Phil.
Mag. and Ann. of Philos. New Ser. Vol. V, Nr. 31 , Juli 1829, Seite 19. —
v. Leonh. und Bronn’s Jahrbuch. ^830, Seite 123.
Boue: Ueber Coprolithen von Seefeld. Journ.de Geologie. 1 p. 107.
Münster: Fische und Caulerpit von Seefeld. v. Leonh. und Bronn’s Jahrbuch. 1836.
Seite 381.
Russegger: Ueber den Asphalt und sein Vorkommen zu Seefeld in Tirol. — Bericht
über die VII. Generalversammlung des geogn.-mont. Vereins für Tirol und Vor-
arlberg. Seite 23 — 46.
Hecke!: Fische von Seefeld. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1830,
I, Seite 696.
Foetterle: Asphaltproduction von Seefeld. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichs-
anstalt. VII, 196.
Kraynag: Analyse von Asphaltgesteinen aus Seefeld. Jahrbuch der k. k. geologischen
Reichsanstalt. VII, Seite 372.
Ausserdem wird in fast allen geognostischen Beschreibungen der nordtirolischen und
südbayerischen Alpen der Fischschiefer von Seefeld Erwähnung gethan.
2) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. VII, Seite 372.
K. k. geologische Reichsanstalt, 1?. Band, 1S61 und 1S62. II. Heft, 19
144
Ferdinand Freiherr von Kichthofen.
[58]
IV. ftebirge zwischen Seefeld und den Berchtesgadner und Salzburger Alpen.
Der östliche Theil unseres Trias-Lias-Gebietes ist ausgezeichnet durch das
Vorwalten des Hallstätter Kalkes im Gebirgsbau, das mächtige Auftreten des
Guttensteiner Kalkes, durch den Versteinerungsreichthum der Raibler und Kös-
sener Schichten, die bedeutende Abnahme der Liastleckenmergel und das Zuneh-
men local aufgelagerter Jura- und Neocomien-Gebilde, endlich durch die viel-
fachen Ablagerungen jüngerer Schichten in tiefen Buchten, ln der Anordnung
walten zwar immer noch die früheren Hebungswellen mit bewundernswürdiger
Regelmässigkeit vor; doch finden häufiger Unterbrechungen und Störungen statt.
Herr Professor Pichler hat vor kurzer Zeit die Resultate seiner überaus
genauen und sorgfältigen Untersuchungen des in Rede stehenden Gebietes mit-
getheilt, und als die neuesten Beobachtungen eine Aenderung seiner Deutungen
nothwendig machten, das ganze Gebiet während unserer Anwesenheit einer
genauen Revision unterworfen. Die Art und Weise der Vereinbarung der früher
aufgestellten mit der später als richtig erkannten Schichtenfolge theilte derselbe
später in einem besonderen Nachtrage mit, so dass die Arbeit an ihrem grossen
Werthe und ihrer Brauchbarkeit dadurch nichts verloren hat. Ich verweise daher
auf diese Abhandlung und beschränke mich hier darauf, neben der allgemeinen
Darstellung der Verhältnisse manche neue Beobachtungen nachzutragen; sie
betreffen besonders das Gebiet der Riss und die Gegenden von Brixlegg und Kuf-
stein.— Herrn Pic h 1 er’s Abhandlung erstreckt sich überdas gesammte Gebiet von
Seefeld bis Kufstein. Ueber das Kaisergebirge gedenkt derselbe demnächst seine
Beobachtungen zu veröffentlichen und über die weiteren Theile gegen Bayern und
das Salzkammergut liegen die werthvollsten Arbeiten von Emm rieh vor, so dass
wir auch hier uns darauf beschränken werden, das Neue anzuführen und das
schon Bekannte möglichst übersichtlich in den Rahmen der neuen Anschauungen
und Resultate zu bringen.
Gebirge zwischen Innsbruck und der Riss.
Der südlichere Zweig des Wette rsteingehirges verläuft vom Schar-
nitz-Spitz mit einem Streichen nach Stunde 7 J/2 als Wasserscheide zwischen
Hinterau- und Riss-Thal, später zwischen Vomper- und Stallen-Thal nach Vomp
im Innthale, eine mächtige Gebirgskette, welche nur aus Hallstätter Kalk
gebildet und im Westen vom Isar- und Karbendel-Thale in ihrem stetigen Verlauf
unterbrochen wird. Sie bildet eine natürliche Grenzscheide für den Gebirgsbau
der Gegend von Innsbruck und Scharnitz, indem an ihrem steilen Nordabfalle die
Hallstätter und Guttensteiner Kalke mit senkrechtem Abbruche auf jüngere Schich-
ten aufgeschoben sind, während im Süden ein System sehr eigenthümlich ange-
ordneter gewölbartiger Aufbiegungen folgt. Die letzteren sind sämmtlich von
Hallstätter Kalk gebildet und erheben sich zu mächtigen Gebirgsketten, welche
gegen Osten unter sehr spitzen Winkeln convergiren und sich zu einer einzigen
Gebirgswelt von Hallstätter Kalk vereinigen. Gegen Westen nehmen die Berg-
ketten allmälig Mulden von Dolomit zwischen sich auf und verschwinden nach
und nach unter diesem; endlich herrscht dieser allein und bildet das Dolomit-
gebirge von Seefeld, so dass bei der kartographischen Darstellung dieses und die
östlichen Hallstätter Kalkgebirge fingerförmig in einander eingreifen und die
versteinerungsreichen Raibler Schichten, welche an der Grenze nirgends zu fehlen
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
148
[89]
scheinen, in zickzackförmigem Verlaufe die westlichen Ausläufer der Hallstätter
Kalkgebirge umziehen. Nördlich vom Scharnitz spitz- Vomper joch- Z uge
ist von dieser Anordnung keine Spur mehr vorhanden.
Verfolgt man die einzelnen Aufbiegungen näher, so findet die erste Gabelung
des östlichen Gewölbes gegen Westen in der Gegend des Vomper Joches
statt, wo (1.) der Hauptzug nordwestlich (Stunde lö1/^) gegen den Schar-
nitz-Spitz, ein secundärer Zug (2.) westlich (Stunde 18y2) überden
Speck kor-Spitz, Lavatscher Spitz, das Gleir sch- Joch nach dem
Hoc h-G 1 e i r s c h verläuft. In der langgezogenen schmalen Dolomitmulde zwischen
beiden, welche bis östlich vom Haller Anger reicht, ist das Hinterau- und
Lavatsch-Thal und das Lavatsch-Joch eingesenkt. Vom zweiten Zuge
zweigt sich am Lavatscher Spitz ein dritter ab, welcher, durch das Stemper
Joch getrennt, mit westlichem Streichen (Stunde 17) über die Frau Hütt nach
dem Grossen Solstein fortsetzt und mit jenem das erst unterhalb des Jäger-
hauses dolomitische Gleirschthal einschliesst. Auch dieses Gewölbe spaltet sich
noch einmal in zwei. Der Hallstätter Kalk des südlicheren bildet die Martins-
wan d.
Alle diese Bergketten sind in ihrem westlichen Theile als einfache regel-
mässige Gewölbe ausgebildet, während sie im Osten, wo sie in einander übergehen
und gegen das Innthal abfallen, einen etwas verwickelteren Bau zeigen, der oft
noch durch ungeheure Diluvialanhäufungen unkenntlich gemacht wird. Ich gehe
daher zunächst zur Darstellung des Abfalles der Gebirge gegen das Innthal von
der Martinswand bis Schwaz über. Ueberall erreicht man bald den Hallstätter
Kalk, und da mit ihm stets geregeltere Verhältnisse eintreten, so brauchen wir
allenthalben nur bis zu ihm aufzusteigen.
Abhang zwischen der Martinswand und dem Thau rer Joch am
Haller Salzberge. — Bei Innsbruck sind alle Gehänge bis hoch hinauf mitDilu-
vialconglomerat bedeckt, daher die Aufschlüsse in den unteren Theilen selten und
fast nur in tiefen Rissen, wie in dem durch Herrn Pichler bekannt gewordenen
Höttinger Graben, oder an steileren Abstürzen, wie in den Umgebungen der
Martins wand. Besonders klar sollen die Verhältnisse am Thaurer Joch sein.
Diese drei Punkte genügen, um den sehr ausgezeichneten Gebirgsbau am Gehänge
aufzuklären. Das Thaurer Joch ist eine nach Stundet streichende Einsatte-
lung zwischen zwei Gebirgen von Hallstätter Kalk. In ihrer Tiefe stehen Werfe ner
Schichten und zu den beiden Seiten derselben Virgloria-Kalk an, so dass sie sich
mit grosser Klarheit als ein gewölbartiger Aufbruch erweist. Die Schichtenfolge
ist nach beiden Seiten normal und fällt steil ein; wahrscheinlich werden auch
die Partnachmergel unter dem Hallstätter Kalk nicht fehlen. Nördlich gelangt
man in den Hallstätter Kalk des dritten unserer vorgenannten Züge; südlich ist
die Formation wenig entwickelt; es folgen ihr mächtige Baibier Schichten und
oberhalb Thaur taucht noch nach Herrn Pichl er’s Beobachtung Dolomit in
geringer Entblössung unter dem Diluvium auf. Es kann daher hier nur eine ein-
zige gewölbartige Aufbiegung der älteren Schichten vorhanden sein. Ein west-
licheres locales Zutagetreten von rothem Sandstein, knolligem Virgloria-Kalk und
Rauchwacke bei der Vintl-Alp ist von geringer Bedeutung, da abwärts der ganze
Abhang verhüllt ist.
Eine Meile weiter westlich, im Höttinger Graben, dessen Schichten-
profil Herr Pichler mit äusserster Genauigkeit mitgetheilt hat1)» ändern sich
die Verhältnisse, indem hier zwei gewölbartige Aufbrüche von rothem Sandstein
19*
O A. a. 0. Seite 721.
146
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[60]
deutlich zu Tage kommen, die durch eine Mulde von knolligem Virgloria-Kalk,
Rauchwacke und Partnachmergeln von einander getrennt sind; dieselben Trias-
glieder folgen am Abhange unterhalb der unteren Aufbiegung, so wie über der
oberen zwischen rothem Sandstein und Hallstätter Kalk, welcher mit söhliger
Lagerung bis zum höchsten Kamm des Gebirges ansteigt, um jenseits mit schnel-
lem Wechsel steil gegen Norden unter den Dolomit zu fallen. Versteinerungen
fanden wir in keiner Schichte des Höttinger Grabens. Von besonderer Wichtig-
keit wären solche für die dunklen Mergel, welche zwar dem Partnachmergel voll-
kommen gleichen, aber zum Theil unter Verhältnissen auftreten, welche ver-
muthen lassen, dass sie dem rothen Sandstein näher stehen und vielleicht ein
Aequivalent der in Vorarlberg zuweilen über den rothen Sandsteinen lagernden
Mergel sein könnten. Eine überaus grosse Mächtigkeit erreicht an den Gehängen
oberhalb Innsbruck die gelbe Rauchwacke, welche ein Vertreter des Guttensteiner
Kalkes sein dürfte.
Die Martinswand an der Strasse von Innsbruck nach Zirl entblösst die-
selben Verhältnisse noch einmal in ausgezeichneter Weise. Unmittelbar hinter
dem Dorfe Kranabiten durchschneidet der Weg ein sehr spitzes Dach von Vir-
gloria-Kalk; der südlich fallende Theil desselben steht am schönsten in den Stein-
brüchen bei dem Kerschbuchhof ungefähr 200 Fuss über der Strasse mit
80° Neigung an. Der vielen von Herrn Pichler aufgefundenen Versteinerungen,
welche hier in dem knolligen Kalk Vorkommen, wurde bereits Erwähnung gethan.
Wendet man sich von den Steinbrüchen westlich nach der Schlucht über den Häu-
sern von Kranabiten, so gelangt man zu den inneren Schichten des steilen Gewölbes ;
zuerst erscheint gelbe Rauchwacke in bedeutender Mächtigkeit und unmittelbar
unter ihr ein Ausbiss von rothem Sandstein. An der Strasse endlich erkennt man
beide Theile des Gewölbes. Das erste Anstehende sind wieder Ränke von schwar-
zem Virgloria-Kalk, mit 50° Neigung nach Norden fallend; er enthält Crinoiden-
Stiele. Weiterhin stehen noch einige Male bald die südlich, bald die nördlich
geneigten Schichten des Daches an; den letzteren liegen die Hallstätter Kalke
der Martinswand auf. — Dieses Gewölbe scheint die Fortsetzung des unteren im
Höttinger Graben zu sein, die des nördlichen dürfte im Zuge des Solstein zu
suchen sein.
Der ganze Abhang zwischen der Martinswand und dem Thaurer Joch durch-
schneidet somit, wenn wir von den tertiären und diluvialen Ablagerungen ab-
sehen, unter schiefem Winkel zwei gewölbartige Aufbiegungen , welche sich
gegen Osten in Eine vereinigen. Sie schliessen eine mit ihrer eigenen Divergenz
nach Westen an Breite wachsende Mulde ein, welche im Höttinger Graben
nur aus den ältesten Triasgliedern gebildet wird, westlich aber die ganze Masse
des Hallstätter Kalkes der Martinswand und des Höheberges in sich aufnimmt,
die sich über die nördliche Aufbiegung hinwegwölbt und den grossen Solstein
bildet.
Hall *). — Die geognostischen Verhältnisse des Haller Salzberges sind
bereits so vielfach beschrieben worden, dass ein weiteres Eingehen auf dieselben
0 Special-Literatur :
Ausweis der Salz-Erzeugung in den Salinen zu Hall in den Jahren 1793 — 1802.
Sammler für Geschichte und Statistik in Tirol. III, 221.
Karg: Nachricht über das Salzbergwerk in Hall. Moll’s Ephemeriden. 1808, IV,
S. 199—244, 357—374.
Boue: Ueber Lavatsch. Journ. de Geologie. /, p. 190.
Kopf: Beschreibung des Salzbergbaues zu Hall. Karsten’s Archiv. XV, S. 425. Auszug
in v. Leonhard und Bronn’s Jahrbuch. 1844, S. 238.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
147
[61]
hier überflüssig erscheint. Insbesondere ist auf die Arbeit von Herrn Prinzin-
ger zu verweisen. Der Verticaldurchschnitt durch das Haller Salzbergwerk, so wie
das Idealprofil (Fig. /*) sind überaus instructiv; sie ergeben mit Entschiedenheit,
dass der Salzstock in dem rothen Sandstein der Werfener Schichten auftritt, und
zwar unmittelbar östlich vom Thaurer Joch, in der Fortsetzung der gewölb-
artigen Aufbiegung, welche auch dort die Werfener Schichten zu Tage brachte.
Allein während dort die Lagerung vollkommen normal war, treten am Salzberg
sehr bedeutende Störungen ein , denn fasst man den ganzen, die Salzlagerstätte
bildenden Complex von rothem Sandstein, Gyps, Anhydrit, Haselgebirge, von
Rauchwacke, schwarzen Mergeln, Virgloria-Kalk und den, wie es scheint, hier
schon auftretenden Guttensteiner Kalk zusammen, so ist dieser Complex im west-
lichsten Theile zwischen Hallstätter Kalken eingeklemmt, wie es Fig. f von
Herrn Prinzinger darstellt; ein wenig weiter östlich aber kommen die Hall-
stätter Kalke nicht mehr zu Tage, die Raibler Schichten und selbst der Dolomit
von Sanct Magdalena und dem Zunderberg treten unmittelbar an die älteste Trias
heran. Endlich verschwindet die Trias und es herrscht von nun an östlich nur
noch Dolomit im Süden des Hallstätter-Kalk-Gebirges.
Zieht man die überaus grosse Regelmässigkeit in Betracht, welche sonst
den Gebirgsbau in diesen Gegenden auszeichnet, die Anordnung in grossen Zügen
welche rasch wechselnde Verhältnisse ausschliesst und den gänzlichen Mangel
localer Störungen und Verwerfungen, so ergibt sich daraus der Schluss, dass
nur dem Vorhandensein des Salzstockes selbst und des Haselgebirges eine so
mächtig in den Gebirgsbau eingreifende Wirkung zugeschrieben werden kann.
Diese Gebilde haben sich durch mächtige Complexe der festesten Alpenkalke
emporgedrängt, letztere wurden mit gehoben und gekrümmt, zum Zeichen
des überaus langsamen Empordringens, und das Salzgebirge kommt nach Art
eines Eruptivgesteines in einem Aufbruch zu Tage, den es sich selbst gebildet
hat. Kaum könnte man ein deutlicheres Beispiel des langsamen und den ungeheu-
ersten Widerstand überwindenden Aufquellens einer mächtigen Gesteinsmasse
finden. Es würde sich hier schon aus rein geognostischem Gesichtspunkt mit Noth-
wendigkeit die Annahme aufdrängen , dass so überaus mächtigen , örtlich
beschränkten Wirkungen nur chemische Ursachen zu Grunde liegen konnten,
dass durch das Entstehen neuer Verbindungen in der Tiefe ein grösserer Raum
erfordert und der heftige Widerstand überwunden wurde. Berücksichtigt man
nun die grossen Massen von Anhydrit, welche gerade das Haller Salzlager aus-
zeichnen, und von Gyps, welcher sich in oberen Teufen in grossen Massen findet,
so dürfte der Haller Salzberg einen der glänzendsten Belege für die häufig auf-
gestellte und für viele Orte erwiesene Theorie der Entstehung des Gypses aus
Anhydrit geben. Auch die Fältelungen und Windungen, welche dem Haselgebirge
stets in so hohem Grade eigen sind, lassen sich dadurch auf die leichteste und
ungezwungenste Weise erklären.
Abhang zwischen dem Haller Salzberg und dem unteren
Vomper Thal. — Unmittelbar östlich vom Haller Salzberge verschwindet das
System der unteren Triasglieder, um nicht wieder aufzutauchen; es tritt nun ein
sehr einfaches Lagerungsverhältniss ein, indem sich an den südlich fallenden
Haidinger: Ueber Salz mit Kupferkies von Hall. Haidinger’s Berichte. IV (1848),
Seite 415.
Suess: Ueber den Salzberg zu Hall. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt.
1854, V, Seite 881.
Prinzinger: Geologische Bemerkungen über Hall. Jahrbuch der k. k. geologischen
Reichsanstalt. VI, Seite 328 — 350.
148
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[62]
Hallstätter Kalk Raiblcr Schichten und Dachstein-Dolomit mit gleicher Lagerung
anlehnen. Sie ziehen fort bis an den Vomper Bach, wo er aus einer westöstlichen
Richtung in die nordsüdliche übergeht. Weiterhin herrscht nur Hallstätter Kalk
und Diluvium. Die Raibler Schichten sind sehr reich an Versteinerungen,
insbesondere am Iss-Jöchl zwischen dem Salzberge und dem Iss-Thale, ferner an
der Wälder Alp und vielen anderen Orten. In einem Streif von der Höhe des
Ostabhanges des Fallbachthaies über die Sponer Alp nach dem Wälder Joch sind
dem Dolomit Kössener Schichten, Dachstein kalk, Adnether Kalk,
Flecken mergel (Lias?) und Juraschi eilte n mit Aptychen in einem lang-
gedehnten schmalen Streif aufgelagert. Das genaue Profil, welches Herr Pichler
vom westlichen Theil entworfen hat1)» zeigt deutlich die vollkommen synkline
Lagerung vom Dolomit bis zu den Liasfleckenmergeln, während die Jurabildungen
zum Theil auf den Schichtenköpfen von jenen ruhen.
Zirl-Solstein-Gleirsc hthal. — Wir wenden uns nun noch zu einer
flüchtigen Darstellung der Grenze zwischen dem Dolomitgebirge von Seefeld und
den von Osten hineingreifenden Zügen von Hallstätter Kalken, deren Abfall gegen
das Innthal wir eben betrachteten. Die Grenze ist durch den Verlauf der Raibler
Schichten bezeichnet. Letztere bestehen hier aus einem Wechsel von gelbbraunen
Mergeln mit mergeligen Kalken und Rauchwacke. Die mergeligen Kalke nehmen
ausgezeichnet oolithische Structur an. Alle Gesteine sind weich und leicht ver-
witterbar und da sie zwischen zwei Systemen schwer zerstörbarer Kalkgesteine
liegen, so bilden sie stets sanfte Einbuchtungen an den Gehängen, Einsattelungen,
welche zu Jochübergängen dienen auf den Kämmen, und oft sind sie von Bächen
zu tiefen Tobln ausgenagt. Allenthalben führen sie viele Versteinerungen; doch
sind deren wichtigste Fundörter die Jochübergänge, wo sich die Gesteine am
meisten ausbreiten.
Bei Zirl beginnen die Raibler Schichten in bedeutender Mächtigkeit mit
östlichem Streichen (Stunde 5) und senkrechter Stellung; sie tragen die Ruine
Fragenstein und ziehen sich um die oberen Gehänge des Ehebachthaies nach
Fig. 32.
Solstein. Innsbruck.
1 Werfener Schichten. 2 Rauchwacke (Guttensteiner Kalk?). 3 Virgloria-Kalk. 4 Partnach-Mergel. 5 Hallstatter
Kalk. 6 Raibler Schichten. 7 Unterer Dachstein-Dolomit. 8 Tertiärconglomerate. 9 Diluvialterrasse.
der Zirler Galtalp und dem Joch am Zirler Kristen, wo sie viele Verstei-
nerungen führen. Ihr Streichen wechselt vielfach, da sie stets die Abhänge des
Hallstätter Kalkes begleiten. Das Profil ist daher mit etwas verändertem Fall winkel
O A. a. 0. Seite 726; der untere Theil des Dachstein-Dolomites („unterer Alpenkalk und
Dolomit“) ist durch einen Irrthum mit 6 statt mit 7 bezeichnet.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
149
[63]
senkrecht auf die Formationsgrenze stets dasselbe. Besonders deutlich aufge-
schlossen sieht man es zwischen Solstein und Erlspitz.
Der Weg vom Pass in das Gleirschthai führt nur durch Dolomit, da die
Raibler Schichten in weitem östlichem Bogen die muldenförmige Einlagerung des-
selben umziehen. Erst mit der Annäherung an die jenseits mächtig aufsteigenden
Hallstätter Kalke trifft man wieder die mergeligen Zwischenschichten. Herr Pich-
ler beobachtete sie westlich von der Amtssäge, doch bleiben sie fast in ihrem
ganzen Verlaufe durch Kalkschutt verhüllt. Das Gleirschthai entfaltet oberhalb
der Amtssäge den wilden Charakter der Hallstätter Kalke in grossartigem Maasse.
Die Schichten des Solstein, welche im Höttinger Graben bei Innsbruck söhlig die
älteren Triasglieder überlagern, wölben sich am Nordabhange gegen das Gleirsch-
thal und fallen steil mit kahlen, glatten Wänden theils auf die gerundeteren Berge
der dolomitischen Einlagerung, theils in das öde Gleirschthai selbst, aus dem
sie jenseits mit entgegengesetzter Fallrichtung eben so hoch wieder aufsteigen.
Scharfkantige Trümmer erfüllen in unendlicher Masse den Thalboden ; sie ent-
halten häufig in Hohlräumen die Formen ausgewitterter Chemnitzien und Korallen.
Im Hintergründe erweitert sich das Thal zu einem überaus wilden und öden
Kessel, aus welchem östlich ein Jochsteig über das Stern per Joch nach dem
Haller Salzberge, südlich ein anderer durch die Arzler Scharte nach Inns-
bruck führt. Wir besuchten beim Abstieg an der Südseite mit Herrn Professor
Pichler den Fundort der Halobia Lommeli im Hallstätter Kalk. Derselbe fand
dort auch Chemnitzia Rosthor ni , globose Ammoniten und ein Orthoceras ;
andere Chemnitzien finden sich in Menge, sind aber nicht bestimmbar.
Hinterau- Lavatsch-Thal. — Das Gleirsch-Gebirge trennt das gleich-
namige Thal von dem nördlich angrenzenden der Isar. Sie entspringt am Haller
Anger und ihr Thal führt abwärts bis zur Alp Tiefenkasten den Namen Lavatsch,
von dort bis Scharnitz den Namen Hinterau-Thal. Ein muldenförmig eingelager-
ter Dolomitzug lässt sich von Scharnitz längs dem ganzen Thale aufwärts zwi-
schen den hohen Gebirgen von Hallstätter Kalk, welche es zu beiden Seiten
umstarren, bis jenseits des Haller Angers verfolgen. Ihm entsprechend verlaufen
die beiden Züge von Raibler Schichten, welche Herr Pichler an vielen Orten an
der Grenze nachgewiesen hat. Bei Schar nitz durchziehen sie das Thal unmit-
telbar vor den beiden Felsvorsprüngen, welche den weiten Kessel im Norden
verengen. Im Lavatsch-Thal sind sie als Muschelmarm or bekannt und
führen eben so wie östlicher am Haller Anger viele Versteinerungen. Man pflegte
früher den Muschelmarmor von Lavatsch als ein Aequivalent des gleichen Gesteins
von Bleiberg, somit auch der St. Cassian-Schichten, anzusehen. Mehrere Verstei-
nerungen scheinen zwar die Annahme zu rechtfertigen; allein sowohl das Lage-
rungsverhältniss als das Vorkommen einiger echter Raibler Formen weisen ihm
mit Sicherheit jenes Niveau zu, welches wir für die Raibler Schichten von Nord-
tirol im Allgemeinen beanspruchten.
Gebiet der Riss und Dürr ach bis zur Einsenkung des Achner Thaies.
Die Riss ist ein Nebenfluss der Isar. Ihr Gebiet zerfällt in die Hinter-Riss
auf tirolischem und die Vorder-Riss auf bayerischem Gebiete. Der mächtige Zug
von Hallstätter Kalk vom Scharnitzspitz nach Vomp begrenzt den oberen Theil
des Flussgebietes gegen Süden und sendet ihm bedeutende Zuflüsse im Blaubach-
Thal, Laliderer Thal und Johannes-Thal1) zu. Dann rückt die Wasserscheide
O Auf der Generalstabskarte Karbendel-Thal genannt; das Volk kennt diesen Namen nicht.
150
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
r 64]
plötzlich auf den oben erwähnten nördlicheren Hallstätter Kalk-Zug, der sich
vom Scharnitz-Spitz nachJenbach undPertisau erstreckt und von den drei genann-
ten Querthälern durchbrochen wird. Das Thor-Thal, Ronn-Thal und Farmes-Thal,
welches die bayerische Grenze bildet, ziehen von ihm herab. Die nördliche
Wasserscheide ist ein Gebirgszug, der sich unmittelbar aus der Riss erhebt und
durch Karbendel-Spitz, Fleisch-Rank, Hexenthal-Rerg bezeichnet ist. Das umfang-
reiche Flussgebiet ist mit Ausnahme zweier Häuser bei dem Jagdschlösse in
Widum unbewohnt und besitzt einen echten Alpencharakter; es zeichnet sich durch
seinen grossen Reichthum an schwarzem Nadelwald aus, aus welchem die weisseu
Schroffen des Hallstätter Kalkes kahl und wild hervorstarren. Der reiche Wechsel
an Wald und Fels, die weite Verzweigung des wasserreichen Thalsystems und
seine allseitige Abgeschlossenheit haben die Riss zu dem reichsten Jagdgebiete
in den Alpen gemacht, was nicht wenig zur Erhöhung ihrer ungemein grossen
landschaftlichen Reize beiträgt. Reitwege und Pirschsteige machen auch die
höchsten Spitzen leicht zugänglich und eröffnen allenthalben die lehrreichsten
Durchschnitte.
Der Gebirgsbau der Riss ist in seinen Grundzügen sehr einfach und klar.
Ich schliesse seine Darstellung an die folgenden Parallelprofile an, welche nach
beiden Seiten in der Streichrichtung über das Rissgebiet hinaus fortgeführt sind.
Es ist klar, dass hier ein ähnliches Verhältniss stattfindet, wie es im Rhäti-
kon in den Profilen I, II, 111 dargestellt und S. 132 der ersten Ahtheilung
(1. Rd., X) beschrieben ist. Dort war eine zusammenhängende Dolomitdecke, in
der sich gegen Westen eine Verwerfungsspalte einstellte. Dadurch kamen erst
tiefere Schichten des Dolomits auf die höheren und am Abhange des Rheinthaies
die tiefsten Triasschichten auf die höchsten Schichten des Dolomits zu liegen.
In der Riss finden wir westlich vom Karbendelthale noch ein zusammenhängendes
ausgedehntes Gewölbe von Hallstätter Kalk, in dessen Massen aber bereits die
Anordnung in zwei getrennte Züge angedeutet ist. Der südliche erhebt sich gegen
den angrenzenden Theil des nördlichen Zuges allmälig so weit, dass Virgloria-
Kalke, vielleicht auch Guttensteiner Kalke des ersteren in ein höheres Niveau
kommen, als die Hallstätter Kalke des letzteren, und indem zugleich eine Ueber-
schiebung stattfindet, ruhen jene tieferen Schichten zwischen Hallstätter Kalken.
Der südliche Zug bleibt unverändert, der nördliche entfernt und entfaltet sich
zugleich mehr und mehr, aber mit stetem Einfallen unter die Trias von jenem.
So kommt es, dass weiter gegen Osten die Ueberschiebung immer ungleichallri-
gere Schichten in unmittelbare Ueberlagerung bringt.
Der nördliche der beiden Züge von Hallstätter Kalk stellt, wie die Profile
zeigen, ein überstürztes Gewölbe dar, unter dem man in allen Thaleinsenkungen
die tieferen Triasglieder als Rauchwacke und schwarze Kalke zu Tage kommen
sieht. Weiterhin folgt eine Dolomitmulde, welche nach Osten sehr bedeutend an
Rreite zunimmt; aus ihr steigt östlich vom Achen-See der Hallstätter Kalk des
Unnütz auf.
Dies sind die allgemeinsten Verhältnisse. Werfen wir einen Rlick auf die
Gestaltung derselben im Einzelnen.
VonSchwaz durch das Stalle r Thal, über das Lai mser Joch
nach Rins, Eng, Laliders und den Uebergang in das Karben-
delthal. — Von Schwaz führt ein bequemer Jochsteig über das Laimser Joch
nach der Riss, stets in der Streichrichtung der Ueberschiebung. Wo man das
Rissgebiet betritt, kann man dann wegen der sanften Einsenkungen der Liasberge
längs jener Ueberschiebungslinie durch die Quellgebiete des Rlaubaches, Lali-
derer Baches und Johannesbaches bis zur Vereinigung der beiden Hallstätter
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
151
[65]
Kalkzüge im Karbendelthal wandern. Im Innthale steigt die Diluvialterrasse über
dem Kloster Viecht wohl bis 3000 Fuss hoch an. Das erste Gestein, welches
man nach ihrer Ueberschreitung erreicht, ist schwärzlicher, etwas dolomitischer,
weissadriger bröckliger Kalkstein, der zum Tlieil ganz in Dolomit und in Rauch-
wacke übergeht, zum Theil reiner Kalkstein ist. Die Waldbedeckung lässt das
nähere Verhältnis schwer erkennen. Er streicht nach Stunde 7 und fällt nach
Süden. Längere Zeit geht man über eine ausgezeichnete Crinoidenbreccie und
links über dem Wald stehen die ersten Wände von Hallstätter Kalk an. Es kann
daher kein Zweifel sein, dass die Breccie den Virgloria-Kalken angehört, in denen
wir ihr so häufig begegneten, während die ersten Kalke und Rauchwacken voll-
kommen Guttensteiner Kalke sind. Rechts erheben sich jenseits der tiefen Thal-
schlucht das Staner Joch und der Sau köpf, gleichfalls Hallstätter Kalk, mit
südlichem Fallen. Auf einem Vorsprung desselben steht in der Tiefe die Wall-
fahrtskirche von St. Georg in überaus romantischer Umgebung. Die Einsatte-
lung, in welcher sie liegt, scheint anzudeu-
ten, dass Raibler Schichten als Hangendes
der Hallstätter Kalke dort hindurchziehen.
Bei der Staller Alpe sieht man dies be-
stätigt. In mächtigen glatten Platten ziehen
sich die Schichten des weissen Kalkes vom
Brenten-Kopf herab und tragen in der
Tiefe des Thaies mergelige Raibler Schich-
ten und gelbe Rauchwacke, welche den Bo-
den der Staller Alpe bilden und über das
Stakener Joch nach dem Falzthurn- Thal
fortziehen. Darauf liegt Dolomit, welcher
den Rauhen Knel zusammensetzt, bei der
Alpe aber wenig sichtbar ist. Die Hallstätter
Kalke zur Linken werden von Virgloria- und Guttensteiner Kalk getragen, so dass
man das beistehende Profil entblösst sieht, welches zugleich die Norm für die
Profile XV, XVI, XVII ist.
Die Grenze zwischen Guttensteiner Kalk und Dachsteindolomit lässt sich
schwer mit Genauigkeit ziehen. Man erkennt charakteristische Gesteine aus beiden
Formationen; allein ein grosser Theil derselben lässt kaum eine petrographische
Trennung zu.
Dieses Lagerungsverhältniss hält mit grosser Klarheit längs der ganzen
Nisselwand von der Staller Alp bis zum Laimser Joche an. Rechts (N) bleibt
Dolomit, links Wände von Hallstätter Kalk und darunter schwarze Kalke. Das
Trümmermeer, worüber der Weg führt, zeigt Bruchstücke von hornsteinreichen
Virgloria-Kalken und von Kössener Schichten. Das Laimser Joch ist in Kössener
Schichten eingesenkt, welche hier eine steile Wand bilden; gerade in der Ein-
sattelung ist eine Austernbank blossgelegt. Darüber folgt die Trias.
Vom Laimser Joch abwärts gegen die Alpe Eng im Blaubach-Thale folgen
Liasfleckenmergel, echte Algäu-Schiehten, während die Kössener Schichten sich
nördlicher an den Gehängen des dolomitischen Garmeyer Kor’s herum und jen-
seits des Blaubach-Thales gegen das Hoch -Joch hinanziehen. Ob auch Jura-
formation vertreten ist, konnte ich nicht sicher entscheiden, doch scheint sie an
den Abhängen gegen den Hoch- Glück hinan vorzukommen. Die Alpe Eng
(3766 Fuss, Lipoid) liegt auf einem weiten, ebenen, grasreichen Thalboden, der
mit einem weitläufigen Ahornwalde bedeckt ist. Der obere Theil breitet sich in
den jüngeren Schichten aus. Ein Jochsteig führt in ihnen nach Laliders, stets in
20
Fig. 33.
Hoch-Nissel. Staller Alp. Brenten-Kopf.
1 Guttensteiner Kalk. 2 Virgloria-Kalk. 3 Part-
nach-Mergel. 4 Hallstätter Kalk. 5 Raibler Schich-
ten. 6 Unterer Dachstein-Dolomit.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
152
Ferdinand Freiherr von Kichthofen.
[66]
der Nähe der Ueberschiebungslinie am Fusse der steilen Wände des Hallstätter
Kalk-Gebirges; in gleicher Weise geht es wieder über eine niedere Einsattelung
fort nach der Alpe Ladiz (4612 Fuss, geognost. Karte) im Johaimes-Thal. Hier
siebt man unweit des Ueberganges Adnether Kalk anstehen. Einige Gesteine über
den Fleckenmergeln erinnern an gewisse Neocomiengesteine. Westlich von Ladiz
treten unendliche Schuttmassen auf, welche Alles verdecken und den Filzwald
tragen. Indess sieht man die beiden Züge von Hallstätter Kalk näher zusammen-
treten, die Mulde von jüngeren Schichten zwischen ihnen keilt sich aus und am
Joch gegen das Karbendelthal scheint nur noch Dolomit zwischen dem Hallstätter
Kalk des nördlichen und dem Guttensteiner Kalk des südlichen Zuges zu liegen.
Der Guttensteiner Kalk zieht, wie Herr Fr. R. v. Hauer beobachtete, im Kar-
bendelthal noch bis unterhalb Larchet hinab, dann vereinigen sich über ihm die
Hallstätter Kalke.
Zug von Hallstätter Kalk und Dachstein dolomit von Jenbach
und Pertisau nach dem Karbe nd elgebirge. — Dieser nördliche Zweig
des Hallstätter Kalk-Gebirges bildet in seiner ganzen Erstreckung ein aus der
Tiefe erhobenes, zum Theil nach Norden überstürztes Gewölbe, wie die Pro-
file XV, XVI, XVII zeigen. Die jüngeren Schichten, welche es trägt, fallen südlich
unter den eben betrachteten Zug von Hallstätter Kalk ein und deuten darauf hin,
dass auch dieser nur eine stark überstürzte Welle sei. Nördlich hingegen steigen
die liegenden Rassischen Gebilde jenseits wieder muldenförmig auf, ohne aber
den Hallstätter Kalk noch einmal hervortreten zu lassen. Dies ist das Lagerungs-
verhältniss im Allgemeinen. Verfolgen wir es im Einzelnen.
Das östlichste Zutagetreten von dem Hallstätter Kalk unseres Zuges ist bei
Jenbach in einer Felsmasse, welche der Inn in südlichem Bogen umspült. Auf
derselben Formation steht das Schloss Trazberg,%wo Herr Pichler Chem-
nitzia eximia und andere wichtige Versteinerungen fand. Der Kalk erhebt sich
hier mit südlichem Fallen und bildet das S tan er Joch, senkt sich dann zu der
kleinen beschränkten Mulde des Weissenbaches, in welcher er von Raibler
Schichten und Dolomit überlagert ist, erhebt sich noch einmal zum Bärenkopf
und fällt gegen Pertisau, wo ihm abermals Dolomit folgt.
Unmittelbar westlich am Kaiser-Joch, dessen Gipfel von einer isolirten Do-
lomitauflagerung gebildet zu werden scheint, ändert sich das Verhältniss; der
Hallstätter Kalk bildet nur noch ein einziges Gewölbe ohne die mittlere Einsen-
kung. Das auf der merkwürdigen Wasserscheide am Laimser Joch entspringende
Falzt hurnthal durchschneidet das Gewölbe quer und trennt den Zug des Kaiser-
Jochs von dem des Sonn-Jochs (7758 Fuss) und des Lochwaldspitz (7297 Fuss).
An beiden Thalwänden ist ein überaus deutliches Schichtenprofil entblösst ; das
der linken ist auf Prof. XVII dargestellt. Im Centrum des Aufbruches kommen
die Guttensteiner Kalke in Gestalt mächtiger Rauchwacken zu Tage , und veran-
lassen, wo sie bis zur Kammhöhe gelangen, tiefe Einsattelungen, während zwi-
schen Hallstätter Kalk und Dolomit die Raibler Schichten stellenweise entwickelt
sind. An einigen Orten, wie am Uebergang vom Falzthurn über die Alpe Gra-
may nach der Bins -Alp konnte ich dieselben nicht beobachten. Das Falzthuru-
thal ist breit, mit Trümmermassen ausgefüllt und mündet im Dolomit in den Achen-
See. Die westlich folgenden Querthäler unseres Hallstätter Kalkzuges sind dem
Falzthurnthale analog. Das Blaubachthal, Lalider erthal und Johannes-
thal entblössen an beiden Wänden des Durchbruchs die gleichen Verhältnisse
der gewölbartigeu Lagerung. Die mächtigen Massen von Rauchwacke, welche die
Erzklamm im Johannesthal vom grossen Falken herabbringt, scheinen den Raibler
Schichten anzugehören. Die drei Thäler münden im Dolomit, der von dem Riss-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
153
[6?]
Bach von der Hagelhütte bis Widum in schiefem Winkel gegen die Streichrich-
tung in seiner ganzen Breite durchströmt wird. Bei dem Jagdschlösse verläuft
die Grenze zwischen Dolomit und jüngeren Bildungen; östlich zieht sie am Nord-
abhang des Holzthalkopfes , der Fleischbank und des Knelberges vorüber nach
den Gebirgen am Achen-See, westlich über den Bonnkopf durch das Farmesthal
nach dem Hochreisen - Spitz. Parallel dieser westöstlichen Grenze streichen die
im Norden sich anschliessenden jüngeren Schichten und die dolomitische Nord-
grenze der Mulde. Ehe wir darauf eingehen, ist noch der Grenze zwischen Do-
lomit und Hallstätter Kalk in den Profilen XV, XVI, XVII und der Verhältnisse
am Plumser Joch Erwähnung zu thun.
Das Bonnthal und Farmesthal entspringen im Hallstätter Kalk und
durchbrechen die ganze Dolomit-Zone nebst einem Theil der jüngeren Glieder, der
Farmesbach sogar deren ganze Zone und ausserdem noch den nördlich vorlie-
genden Dolomit. Steigt man daher von Widum den Reitsteig im Ronnthale auf-
wärts, so stehen im Anfänge röthliche und weissliche Kieselkalke an, denen Do-
lomit folgt. Am Wechsel, einem Pass über den man nach dem Farmesthale
steigt, ist die Grenze gegen den Hallstätter Kalk. Hier treten die Raibler Schichten
ungemein versteinerungsreich auf; sie führen Pecten filosus , Perna Bouei, Car-
dita crenatn u. s. w. in ausgezeichneter Erhaltung.
Dem Hallstätter Kalk ist an der Rothen Wand und weiter nach Ost und
West ein System von leberbraunen stark bituminösen Kalkschichten eingelagert.
Das obere verzweigte Gebiet des Farmesthales ist ein einsames , an Wald und
Schuttanhäufungen reiches Dolomitland, nur belebt durch Schaaren von Gemsen
und Hirschen. Anstehendes Gestein sieht man wenig; nur an einer Einsattelung
ein wenig westlich vom Wechsel erscheinen sehr versteinerungsreiche und aus-
gezeichet entwickelte Kössener Schichten. Diese ungemein rasche Aenderung
in den zwischengelagerten Schichten ist bei dem Mangel an Aufschlüssen schwer
zu erklären. Der Hallstätter Kalk erhebt sich über das waldige Dolomitgelände
in einer kahlen , fast senkrechten und viel zerborstenen Mauer zu bedeutender
Höhe. An den buchenhewachsenen Gehängen des gänzlich unwegsamen Farmes-
thales abwärts gelangt man bald in das Gebiet der jüngeren Schichten, die hier
wenig aufgeschlossen sind, und dann nochmals in eine Dolomit-Zone mit schroffen
Wasserrissen, welche allenthalben das Fortkommen hemmen.
Das Plumser Joch, welches von Pertisau nach der Hagelhütte im Riss-
thal führt, ist im Allgemeinen in den Dolomit eingesenkt, der sich dem Hallstätter
Kalk des Kaiserjochs und Sonnjochs nördlich anschliesst , scheint aber nach der
Darstellung von Herrn Prinzinger, welcher dasselbebesuchte1) und nach Herrn
Pichler eigenthümliche Verhältnisse darzubieten. Es erscheinen nämlich mitten
im Dolomit am Joch selbst söhlig gelagerte „graue Kalke in Schichten von 1 Fass
Mächtigkeit , an der Schichtfläche mit kugelförmigen Erhabenheiten und einem
grünen Ueberzuge, wie sie auch im Hangenden des Haller Salzberges auftreten“.
Dies sind offenbar Virgloria-Kalke. Unter ihnen tritt gegen die Hagelhütte hin das
Salzgebirge hervor, wie es scheint in ähnlicher Weise wie am Haller Salzberge.
Es verdient einige Beachtung, dass die Verbindungslinie dieser beiden Stellen,
an denen das Salzgebirge aus der Tiefe empor gequollen ist, senkrecht zur Streich-
richtung der beiden Züge von Hallstätter Kalk gerichtet ist, und dass fast genau
in derselben Linie die östliche Wasserscheide des Isargebietes am Haller Anger,
Laimser Joch und Plumser Joch liegt. — Herr Pichler gibt auf seiner karto-
graphischen Darstellung noch ein räthselhaftes Vorkommen von Kössener Schichten
20*
o A. a. 0. Seite 334.
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
1S4
fC8]
an der Ostseite des Plumser Joches im oberen Gernthal an, so wie Lias-Flecken-
mergel und Juraschichten auf der Höhe vom Letzten Schneekopf.
Jüngere Formationen unterhalb Widum in der Hinterriss. —
Bei dem Jagdschlösse der Hinterriss verlässt man thalabwärts, wie erwähnt,
den Dolomit und betritt jüngere Schichten. Der Rissbach wendet sich gegen
Norden und durchschneidet sie rechtwinklig zur Streichrichtung; schon an
einem Kreuz , 10 Minuten hinter der Mündung des Leckthaies , betritt man
wieder Dolomit, der die Mulde nördlich begrenzt und weit nach Bayern hinein
anhält. In der Tiefe des Thaies sind die Schichten nur stellenweise deutlich zu
beobachten. Es sind zuerst röthliche und weisse jurassische Kieselkalke; ihnen
folgen Liasfleckenmergel, rothe Adnether Kalke und Kössener Schichten, beide
in bedeutender Mächtigkeit. Alle diese Schichten streichen rechts und links nach
den Gehängen hinauf. Ihre deutlichste Folge ist im Osten zwischen Scharf-
reiterspitz und Holzthalkopf (Prof. XVI), wo zugleich die muldenför-
mige Lagerung sehr klar ist. Von der Mündung des Letzbaches, der aus furcht-
baren Tobln mit senkrechten Wänden herabkommt, windet sich ein Reitsteig fast
bis auf die Höhe des Scharfreiterspitz. Da man hier schon die jüngeren Gebilde
des Rissthals durchschritten hat , so kommt man in ihre liegenden Schichten ;
die Fleckenmergel stehen noch vor dem Letzbach an; ihnen folgen an der Mün-
dung des Baches rothe Adnether Kalke, über die der Reitsteig zuerst hinweg-
führt, dann kommt man mehr und mehr über deren liegende Glieder, bis man
am Scharfreiterspitz den Dolomit mit steilem Südfallen erreicht. Sein mauerför-
miger schroffer Absturz gegen Norden umzieht halbkreisförmig einen Felsenkessel,
einen Zufluchtsort der hier sehr häufigen Gemsen. Ein zweiter östlicher Kessel,
aus dem sich das ebenfalls dolomitische Telpser Joch erhebt , ist der Ursprung
des Krötenbachs. Die Neigung der Schichten wird hier flacher und an der lang-
gezogenen Mauer, mit der das Baumgarten-Joch westlich abfällt, sieht man
den Dolomit mit kaum 30° Neigung nach Süden hinabziehen , und über ihm in
regelmässiger Folge die jüngeren Liasglieder sich aufbauen. Zuerst kommen die
Kössener Schichten in bedeutender Mächtigkeit. Der Megaloduskalk geht un-
mittelbar in rothen Adnether Kalk über , den man von dem grossartigen Ueber-
sichtspunkt des Scharfreiterspitz jenseits an dem mauerförmigen Nordabhange
des Vorderkopfes fortziehen sieht. Die Liasfleckenmergel sind charakteristisch,
aber in geringer Mächtigkeit ausgebildet; sie ziehen wie die vorigen mit ihren
Schichtenköpfen über den Rücken des Baumgartenjoches fort. Selten dürfte sich
die Grenze zwischen Lias und Jura so scharf bestimmen lassen, wie hier. Denn
es treten mit einem Male jene weisslichen und röthlichen Kieselkalke auf, welche
den Jura von Kren und Vils und die Ammergauer Wetzsteinschichten charakterisiren,
so wie die rothen Hornsteinbänke, welche vom Holzgau im Lechthal über Reutte die
stetigen Begleiter jurassischer Schichten sind. Die weisslichen splittrigen Kiesel-
kalke führen unbestimmbare Aptychen und Belemniten. In diesen jurassischen
Gebilden liegt die Einsattelung zwischen Baumgarten- Jo ch und Schön-
Albelkopf. Es folgen ihnen Fleckenmergel , welche sich durch Analogie mit
östlicheren, durch Versteinerungen charakterisirten Vorkommnissen mitBestimmt-
heit als Rossfelder Schichten erweisen. Auf ihnen liegt das Schön-Albel. Wendet
man sich von hier nach der Einsattelung nördlich vom Holzthalkopf, durch welche
ein Pirsch-Steig wieder nach dem Rissthal hinabführt, so gelangt man successiv
wieder in die umgekehrte Schichtenfolge; doch fällt sie hier steil nördlich ein
und man durchschneidet sie in sehr kurzer Zeit. Die Adnether Kalke sind auch
hier ungemein mächtig, das Joch liegt in Kössener Schichten. Dieselbe ausge-
zeichnete Schichtenfolge scheint vom Vorderkopf gegen den Rohnkopf und west-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
[69]
ISS
lieh zum Farmesthal zu herrschen, nur geht dort das regelmässige muldenförmige
in ein überstürztes Lagerungsverhältniss über.
Dürrachthai *). — Die Lias-Mulde der Hinterriss setzt östlich über
das Schön-Albel in das Dürrachthai fort und breitet sich nach Herrn Pichler’s
Untersuchungen ungemein aus. Dieses vielverzweigte Thal hat seine südlichen
Quellen in dem Dolomitzug , worin der Oberlauf der Riss und das Plumser Joch
eingesenkt sind ; seine östliche Wasserscheide ist ein Dolomitzug, welcher, recht-
winklig gegen den vorigen, dem Achensee westlich entlang zieht. Die grosse
Bucht zwischen beiden Gebirgszügen ist von jüngeren Formationen ausgefüllt,
die zwischen Rothwandkopf und Moosen -Berg das Thalsystem der Diirrach in
breitem Zuge verlassen und sich über das Achenthal nach dem Mamos-Hals und
ununterbrochen bis in die Gegend von Kufstein erstrecken. Längs dieser gan-
zen Erstreckung vom Scharfreiterspitz bis zum fernsten Osten lehnen sich die
jüngeren Formationen im Norden an eine mehrfach durch Querthäler unterbro-
chene Dolomitkette, welcher entlang die Grenze zwischen Bayern und Tirol ver-
läuft. So kommt es, dass die Quellen der Dürrach strahlenförmig in den Dolomit
hineingreifen, das Thalsystem selbst in jüngeren Schichten liegt und als einiges
Dürrachthai die nördliche Dolomitkette (Scharfreiter-Rothwand) durchbricht. —
Alle Formationen, welche an der Ausfüllung dieses weiten nach West und Ost
geöffneten dolomitischen Kessels theilnehmen , gewinnen darin eine bedeutende
Ausdehnung. Insbesondere sind nach Herrn Pichler die Kössenerund die juras-
sischen Aptychen-Schichten ungemein entwickelt. Letztere bilden das Pfans-
joch, den Schafspitz, den Sonntagkopf, das Retten joch, den Juifen-
berg und Falkenmoserkopf, während die Kössener Schichten ihre grösste
Ausdehnung am Nisslhals erreichen und viele Versteinerungen führen. Die
rothen Adnether Kalke schieben sich allenthalben in langen, leicht erkennbaren
Zügen über den Kössener Schichten ein; die geognostische Karte des montani
stischen Vereins hat ihre Verbreitung sehr richtig angegeben. Die Rossfelder
Schichten endlich zeichnen sich durch ihre ungleichförmige Auflagerung aus.
Indem sie bald eine Jurakuppe, wie am Juifen, krönen, bald sich über alle älteren
Gebilde mit übergreifender Lagerung ausbreiten. Am meisten sind sie östlich
von Schön-Albel entwickelt, von wo sie über den Kupel-Berg nach dem Dürrach-
thal hinabziehen.
Achenthal. — Alle Formationen des Dürrachthaies setzen östlich über
das Achenthal hinweg fort. Eine senkrecht zur Streichrichtung verlaufende
Gebirgskette vom Hienerberg über den Rothwandkopf, Juifenberg, das Retten-
joch, den Sonntagkopf nach dem Schafspitz, Seekor-Spitz und Rabenspitz trennt
die beiden Thalsysteme. Sie besteht im Norden aus flach südlich fallendem, im
Süden aus steiler nördlich fallendem Dolomit, im mittleren Theile aus mulden-
förmg gelagerten jüngeren Schichten, welche nach den Angaben der Tiroler
Karte mit jener Fallrichtung eine zweite, vom Scheiderücken abwärts, verbinden.
Das vollständigste Profil von Dolomit durch Kössener Schichten aufwärts bis zum
Neocomien scheint der Juifenberg darzubieten. Der Achenbach durchbricht
successive die verschiedenen Zonen. Der Achen-See erfüllt eine Einsenkung im
Dolomit, welche durch Seekor-Spitz und Rabenspitz im Westen , Spieljoch und
Kögljoch im Osten bezeichnet wird. Die schwarz bewaldeten Gehänge ziehen, von
schuttreichen Schluchten unterbrochen, zur Tiefe hinab und fallen zum Theile
so steil in den See, dass die Strasse den Wänden abgerungen werden musste.
,) Wurde von uns nicht besucht; die Beschreibung folgt nach Herrn Pichler’s karto-
graphischer Aufnahme.
156
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[70]
Von Achenkirch bis zur Capelle in der Kohlstatt sind die Gehänge sehr sanft, der
Thalboden weit, fruchtbar und reich bevölkert. Es ist dies die Strecke in welcher
der Bach die Zone jüngerer Schichten durchbricht. Dann b tritt er die zweite
nördliche Dolomit-Zone; wieder sind die Berge mit dunklem Forste bedeckt, das
Thal wird enger und steiler und betritt am Bretterspitz als Walchenthal das
bayerische Gebiet. Die Anordnung der jüngeren Schichten scheint stets mulden-
förmig zu bleiben, jedoch so, dass das Südfallen im nördlichen Theile flacher ist,
als das Nordfallen im südlichen, daher dort die einzelnen Formationsglieder
eine grössere Ausdehnung gewinnen.
Herr Prof. Pichler fand an den Gehängen des Achenthaies sehr viele Ver-
steinerungen aus allen Schichten, welche in der Mulde auftreten. Die Kössener
Schichten sind besonders an der Nordgrenze sehr entwickelt; in ihnen fand
Herr Pichler im Klammbach: Avicula Portlocki , Natica alpina , am Juifen :
Rhynchonella subrimosa. Weit reicher an Versteinerungen sind sie an der Süd-
grenze der Mulde aufgeschlossen. Am S c h 1 e i m s j o c h e, welches bereits jenseits
der Wasserscheide des Achenthaies liegt und den Uebergang von der Pertisau
nach dem Dürrachthaie vermittelt, fanden sich : Knochenfragmente von Ichthyo-
saurus tenuirostris , Modiolu Schafhäuteli, Avicula intermedia , Arie. Escheri ,
Lima gigantea , Rhynchonella subrimosa. Unweit östlich davon, an der Basili-
Alm (5047 Fuss), welche bereits im Gebiet des Achenthaies liegt: Avic. Escheri ,
Modiola Schaf häuteli, Terebrat. pyriformis , Rhynchonella fissicostata, Rhynch.
subrimosa , Spirifer Münsteri. Noch reicher sind die Fundstellen im Osten des
Thaies, insbesondere der Ampelspach. Hier fand Herr Pichler: Cardium
austriacum, Lima gigantea, Aviv. Escheri , Modiola Schafhäuteli, Rhynch.
subrimosa, Spirifer Münsteri, Spiriferina oxycolpos, Rhynch. fissicostata , Tro-
chus sp.9 Natica alpina u. a. m. Reich an Brachiopoden sind auch die Kössener
Schichten am Mamoshals, wo ausser den genannten Arten noch Tefebratula
cornuta vorkommt.
Oberer Dachsteinkalk und Adnether Kalk sind fast gar nicht entwickelt,
während sie westlich im Dürrachthaie selten fehlen, und auch im Osten noch
häufig auftreten. Nur an der Basili-Alm und im Ampelsbach fand Herr Pichler
Versteinerungen dieser Schichten.
Jura und Neocomien nehmen zwar den grössten Raum ein, sind aber wie
gewöhnlich arm an Versteinerungen.
Wir verlassen das behandelte Gebiet der grossen Quereinsenkung desAchen-
thales mit sehr einfachem Gebirgsbaue. Sie durchbricht in ihrer südlichen Hälfte
eine breite Dolomit-Zone, darauf eine schmälere Zone von muldenförmig einge-
lagerten jüngeren Schichten und verlässt Tirol im Anfänge der nördlich folgen-
den Dolomit-Zone. Das südliche Dolomitgebiet besteht aus ostwestlich streichenden
welligen Aufbiegungen, von denen eine südlich von Pertisau den Hallstätter
Kalk zu Tage bringt.
Gebiet zwischen dem Achenthal und Kufstein.
Der Schichtenbau des westlichen Ufers der Einsenkung des Achenthals
setzt auf das östliche fort und bleibt von hier bis nach Kufstein überaus einfach.
Es scheint dass wenige Theile des Trias-Lias-Gebietes eine so gleichmässige
Anordnung und so wenig verwickelte Verhältnisse bieten als dieser. Die nördliche
Zone von' jüngeren Lias-, Jura- und Neocomien-Gesteinen hat eine weit gerin-
gere Breite als im Dürrach- und Acbenthal, zieht aber stetig und ohne eine ein-
zige Unterbrechung fort. Der südliche Dolomitzug zwischen Aqhenkireh und dem
IST
[71] Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
Innthale wächst an Breite, nimmt aber ein aus der Tiefe heraufgewölbtes
Gebirge von Hallstätter Kalk auf, welches durch Grossartigkeit der Massen,
Steilheit der Gehänge und Höhe der Berggipfel alle anderen Gebirge überragt
und das wichtigste Glied für den physiognomischen Charakter der Gegend ist.
Dieser Zug beginnt unmittelbar östlich von Achenkirch am Unütz, setzt mit
östlichem Streichen bis zum Hundsal m- Joch und von da in etwas nördlicher
Richtung über den Pendling und quer überdas Innthal nach dem Hinte r-
Kaiser fort. In der ganzen, fast sieben Meilen betragenden Erstreckung behält
es seine wellig aufgebogene Gestalt, mit sanfterem Süd- und steilerem Nordabfall,
bei und ist durch Raibler Schichten nach beiden Seiten vom Dolomit getrennt.
Jener ge wölbartig erhobene Hallstätter Kalk, den wir früher südlich von Pertisau
erwähnten, verschwindet bald im Osten, taucht dann am Südabhange vom Bran-
denberger Joche noch einmal in kurzer Erstreckung auf und scheint seine
weitere östliche Fortsetzung im Vorder Kaiser-Gebirge zu haben. Aeltere
Triasglieder sind aus diesem ganzen Theile nicht bekannt ; sie erscheinen erst
südlich vom Inn in überaus mächtiger räthselhafter Entwickelung. Um so mehr
beginnen nun die localen parasitischen Einlagerungen jüngerer Formationen,
welche nach Osten mehr und mehr zunehmen und den sonst so einfachen Glieder-
bau etwas verwickelter machen. Zuerst treten Gosaugebilde auf, weiter östlich
Oligoeenformation und noch weiter gegen Nordost miocene Ablagerungen, alle
mit dem deutlichen Charakter des Niederschlages in Meeresbuchten.
Zwei verzweigte Thalsysteme durchziehen das weite Gebirgsland, das Bran-
denburger und das Thier see-Thal.
Sonnwend-Jo ch — Koth-Alp. — Zwischen dem Ausgange desBranden-
berger Thaies und dem Südende des Achen-See’s erhebt sich das Dolomitgebirge
zu bedeutender Höhe und ist von einer ausgedehnten, aber isolirten Auflagerung
jüngerer Lias- und Jura-Schichten bedeckt. Kössener Schichten bilden allent-
halben die erste Decke des Dolomits und führen an manchen Orten, wie an der
Koth-Alp und am Irdeiner Joch, viele Versteinerungen. Sie ziehen von derKoth-Alp
über das Ir deiner Joch und den Rosskopf nach dem Lauer Berg, dann
um den Südabhang des Sonn wen d-Joches und des Kirc henspitz herum
über den RothlahnerBerg zurück nach der Koth-Alp. Innerhalb dieses Ringes
lagern die jüngeren Formationsglieder. Auch Dachsteinkalk und Adnether Kalk
fand Herr Pichler über den Kössener Schichten der Koth-Alp. Ihnen folgt
Hierlatz-K alk, welcher in mächtigen Felsmassen die Höhe des Gebirges zu-
sammensetzt; er bildet die Gipfelmassen des Sonnwend-Joches, Heiler, Stellkopfes
und Kirchenspitz. Darauf sind in muldenförmigen Vertiefungen rothe hornstein-
reiche Juraschichten gelagert. Herr Pichler hat diese Verhältnisse ausführlicher
beschrieben *),
Unütz. — Gafels-Joch. — Schn aite- Joch. — Sehönleiten-
Joch. — Verfolgt man die Wasserscheide zwischen Achenthal und Branden-
bergerthal weiter nördlich , so erhält man bis zu dem Schönleiten-Joch einen
Durchschnitt, der die früher dargestellten Verhältnisse auf das Klarste zeigt. Der
Dolomit am Kögl- Joch fällt flach südlich und ist durch eine Einsattelung, welche
die Raibler Schichten andeutet, von dem liegenden und gleich einfallenden Hall-
stätter Kalk getrennt. Die Raibler Schichten setzen nach Herrn Pichler östlich
in der Steinberger Ache fort, aus der die Abhänge des Hallstätter Kalkes almä-
lig bis zum Gufels-Joch, Luchseck und Rossberg ansteigen, um nördlich
steil abzustürzen. Am Fusse der schroffen Gehänge folgt zum zweiten Male die
0 A. a. 0. Seite 732, 733.
1S8
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[72]
Raibler Schicht und Dolomit in überstürzter Lagerung. Die Tiroler Karte gibt
sein Fallen zu 65° S. an; dies ist in 90°-j-25° N. zu verwandeln. Dieses schöne
Lagerungsverhältniss hat Herr Pichler in einem sehr instructiven Profile dar-
gestellt 1 ).
Brandenberger Thal. — Dem Gesagten ist kaum noch etwas über den
Gebirgsbau im Brandenberger Thal hinzuzufügen. Dolomit aufwärts bis zur Mün-
dung der Steinberger Ache , darauf der Zug von Hallstätter Kalk , dann wieder
Dolomit, die Zone der jüngeren Schichten im oberen Thal, endlich der Grenzzug
des Dolomites am hinteren Sonnwendjoch und alles dies in regelmässig ostwrestlich
streichende Zonen angeordnet, — dies sind die allgemeinsten Verhältnisse. Das
Thal ist reich an grossen Schuttanhäufungen und Diluvialgeschieben. Dichter
Waldwuchs bedeckt fast das gesammte vielverzweigte Gebiet und macht seine
genaue Erforschung schwierig. Das Thal hat einigen Ruf erlangt durch seine
versteinerungsreichen Gosauge bilde. Ihre Hauptablagerung ist um das Dorf
Brandenberg selbst, wo sie die Weiler Wibner, Ascha, Unterberg, Oberberg und
Lehen tragen , indem sie allseitig in die Dolomitbuchten hineingreifen. Eine
zweite Partie lagert in einer Bucht von Hallstätter Kalk am Krumbacher Joch
und der Ascha -Alp. Auch an der Nordseite des Hallstätter Kalkzuges sind noch
kleine Ablagerungen an der Vereinigungsstelle vom Achen-Bach , Wehm-Bach
und Weissen Bach aufgeschlossen.
Nördliches Gehänge des Innthales zwischen Battenberg und
Kufstein. — Die Sohle des Innthales ist breit und eben, soweit sie von Allu-
vionen erfüllt ist. Darüber erhebt sich die mächtige Tertiärterrasse des
Angerberges, welche der Inn in steilem Abbruch umspült. Sie beginnt bei
V ol dö pund macht jenseits Maria -Stein einer niederen diluvialen Terrasse
Platz. Die ganze Ablagerung setzt östlich über den Inn fort und wurde wegen
der bekannten Verteinerungen von Häring für eocen gehalten; Heer’s Forschun-
gen haben ein unteroligocenes Alter w ahrscheinlicher gemacht. Ueber dieser
Terrasse erheben sich sogleich die steilen Abhänge der Kalkgebirge unmittelbar
bis zur Wasserscheide gegen das Brandenberger und Thiersee-Thal. Zwischen
Voldöp und Breittenbach wird sie durch das dolomitische Brandenberger
Joch gebildet; sein Südabhang besteht aus Hallstätter Kalk , über welchen die
Raibler Schichten hinziehen. Ihnen gehört wahrscheinlich der auf der Karte des
montanistischen Vereins verzeichnete Gyps von Voldöp an. Der überwölbende
Dolomit herrscht weiterhin allein, bis er dort, wo der Abhang des Innthales die
Hallstätter Kalkzone von Unütz-Hundsalm-Joch durchschneidet, dieser
Formation Platz macht, welche in mächtigen Gebirgsmassen über den Pendling
hinaus bis zum T hi erb erg bei Kiefersfelden fortsetzt.
Nur in kurzer Erstreckung am Kogl-Hörnle bei Unter-Langkampfen lehnt
sich daran ein schmaler Dolomitstreif. Die Raibler Schichten fanden wir in
schwachen Spuren zwischen beiden entwickelt. Dieser Dolomit setzt über Kuf-
stein selbst fort, wo er die vereinzelten Felsinseln im Thale bildet und die Fe-
stung trägt. Weiterhin trennt er die beiden Kaisergebirge.
Thiersee-Thal. — Der Thiersee, welche an das Brandenberger und das
Innthal grenzt, ist in jenem ostwestlich streichenden Zug von oberen Lias-, Jura-
und Neocomien-Schichten eingesenkt, den wir bereits von der Riss her stets dem
Dolomit der bayerischen Landesgrenze entlang verfolgten, erhält jedoch seine be-
deutendsten Zuflüsse aus dem südlich anschliessenden Dolomitgebirge. Letzteres
und der Hallstätter Kalk-Zug hatten bisher ein östliches Streichen , welches mit
i) A. a. 0. Seite 730.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord -Tirol.
159
[73]
der Wasserscheide des Thiersee in ein nordöstliches übergeht. Indem nun das
Neocomien seine frühere Richtung beibehält , tritt es unter spitzem Winkel an
den Hallstätter Kalk heran und lässt den Dolomit in der Tiefe verschwinden. Da
jener jedoch hohe Gebirge bildet, so zieht das Neocomien sich an seinen
Abhängen herum und beweist damit, dass im Wesentlichen die jetzigen Gebirgs-
formen bei seiner Ablagerung schon vorhanden waren.
Der H alls tätte r K a 1k ändert in den Umgebungen von Thierse e und
Kufstein schon bedeutend seinen Charakter. Es stellen sich mehr und mehr
dichte graue und braune Kalke ein , wie ich sie schon am Wechsel in der Riss
beobachtete, ferner erscheinen jene röthlichen Ammonitenkalke, welche im Osten
so häufig die Monotis salinaria und Cephalopoden führen. So beobachtet man sie
nordwestlich von Kiefersfelden, wo wir undeutliche Terebrateln darin fanden. Am
Thierberg enthält der Kalk Hornsteinknollen und zeigt theilweise grünliche Färbung.
Es sind Steinbrüche darin angelegt. Die Raibler Schichten verringern ihre
Mächtigkeit mehr und mehr; sie erscheinen noch als braune sandige und kalkige
Mergel, welche tiefe Einsenkungen zwischen den Kalkgebirgen veranlassen. Die
Dachstein dolomite werden mehr und mehr kalkig, besonders in den höheren
Schichten. Andererseits nehmen sie Complexe von eigentümlich dolomitischen,
breccienartigen versteinerungsleeren leberbraunen bis schwärzlichgrauen Ge-
steinen auf, welche oft die Erkennung erschweren. Die petrographischen Merk-
male der beiden mächtigen Kalkformationen nähern sich im Allgemeinen einander.
Die Thallandschaft von Landl, Hinter- und Vorder-Thiersee besteht aus den
jüngeren Schichten, hauptsächlich aus Neocomien. Die Kössener Schichten lehnen
sich an den nördlichen Dolomitzug vom Schönfelder Joch und Ascher Joch, und
werden überlagert von Adnether Kalk , Liasfleckenmergeln und Juraschichten.
Am Schmalecker Joch erscheint dieselbeFolge am Südrand der Zone, dochbreiten
sich die Aptychenschiefer des Neocomien mit übergreifender Lagerung
allmälig darüber aus und bilden die hügelige Landschaft der genannten Dörfer
fast allein. Der Klausbach entblösst sie allenthalben; sie fallen südlich. Im All-
gemeinen herrschen die gewöhnlichen grauen fleckigen Mergel , doch sind auch
einzelne sandige dunklere Schichten zwischengelagert. Wo das Thal das bayerische
Gebiet betritt , befindet sich ein bedeutender Bruch, wo Cement gebrannt wird,
der jedoch weniger gut sein soll als der Kufsteiner. Das Gestein enthält hier
Aptychen, Ammon . Astierianus und Herr Gü mbel fand auch früher Terehratula
diphyoides. Am Klausbach abwärts gelangt man zu einem eigenthümlichen Con-
glomerat, welches am rechten Ufer ansteht und in dichten Dolomit übergeht.
Die gerundeten Gerolle desselben stammen nur von Kalk; viele von ihnen zeigen
Verwerfungen. Wir besuchten diese Stelle gemeinschaftlich mit Herrn Cotta,
Gümbel und Baron Andria n , konnnten jedoch zu keinem Resultat über die
Formation kommen, welcher das Conglomerat angehört.
Noch ist einer kleinen wahrscheinlich tertiären Ablagerung Erwähnung zu
thun, welche am Schreckensee im Thierseethal ansteht. Sie besteht aus Tegel,
welcher zum Ziegelbrennen dient. Aus dem oberen Thale wurden bei unserer
Anwesenheit grosseMassen von Kalktuff zum Baue des Forts bei Zell herabgeführt.
Kalkgebirge zwischen dem Inn bei Kufstein und der bayerischen und
salzburgischenGrenze.
Der Inn durchbricht das Kalkgebirge von Wörgl bis Kiefersfelden unter
einem schiefen, von hier an unter einem rechten Winkel. Die Landesgrenze tritt
bei Kiefersfelden von Westen an den Fluss und folgt ihm zwei Meilen weit, um
K. k. geologische Reichsanstalt. i2. Band, J 861 und 1862. II. Heft. 21
160
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[74]
dann einen bedeutenderen Theil der östlichen Gebirge noch nach Tirol zu ziehen.
Unsere bisher bis zum Inn verfolgten Zonen der verschiedenen Formationen setzen
zwischen Wörgl und Kiefersfelden über den Fluss; jener nördliche Theil bringt
daher in tirolisches Gebiet ganz neue Züge , welche wesentlich aus jüngeren
Formationen bestehen, während das eigentliche Kaisergebirge hauptsächlich aus
Werfener Schichten, Guttensteiner Kalk, Hallstätter Kalk und Dachsteinkalk zu-
sammengesetzt ist.
Die Einsenkung von Wörgl über Söll, Scheffau, Elmau, St. Johann
bis Fieberbrunn bezeichnet die Südgrenze der nachweisbaren Trias -Forma-
tionen gegen jene rothen Sandsteine und schwarzen Kalke, deren stratigraphische
Stellung noch nicht mit Sicherheit festgesetzt werden konnte. Es erhebt sich
aus dieser Einsenkung nach einem Vorlande von rothem Sandstein und Gutten-
steiner Kalk ein mehrfach und tief durchbrochener Gebirgszug von Hallstätter
Kalk, dessen westlicher Theil als das Vordere Kaiser gebirge bekannt ist
und den mächtigsten selbstständigen Gebirgsstock der Gegend bildet , während
oberhalb St. Johann und Fieberbrunn der Hallstätter Kalk nur an den tieferen
Theilen der hohen Gebirge von Dachsteinkalk auftritt, welche die Grenze gegen
das Gebiet der salzburgischen Saale bezeichnen. Der Zug der genannten For-
mation bildet, gleich der Thaleinsenkung, einen weiten nach Süden geöffneten
Bogen. Alle Schichten fallen senkrecht zur Streichrichtung im Allgemeinen nach
Norden und tragen Dachstein-Dolomit, der sich als eine weitere Zone anschliesst.
Am Kaisergebirge ist er muldenförmig gelagert und es erhebt sich aus ihm der
Hallstätter Kalk des Hinteren Kai sergebirges, der am Nordabhang wieder
unter Dachstein-Dolomit verschwindet. Das Hintere Kaisergebirge hat eine kurze
Erstreckung, indem es sich schon am Ebersberg unter den überwölbenden Dach-
stein-Dolomit senkt, welcher nun, von jüngeren Formationen mannigfach bedeckt,
im Gebirgsbaue herrscht.
Ich übergehe die ausführlichere Beschreibung des Gebirgsbaues in diesem
östlichsten Theile des Trias-Lias-Gebietes , da Herr Pichler eine solche vor-
bereitet hat und sie auf eine ungleich grössere Anzahl von Detailbeobachtungen
stützen kann, als uns bei der flüchtigen Uebersichtsaufnahme auszuführen ge-
stattet war.
II. Jnra und Kreide.
Diese beiden Formationen verhalten sich sowohl in ihrer allgemeinen Ver-
breitung wie in der Anordnung ihrer einzelnen Glieder überaus verschieden
von den Trias-Lias-Gebilden. Während diese eine breite, der Streichrichtung
der Centralalpen parallele Zone längs dem Nordabfall der krystallinischen
Schiefergebirge bilden und sich in Hinsicht auf die Entstehungsgeschichte der
Alpen als ein selbstständiges Ganzes abgliedern, haben die Schichten der Jura-
und Kreideformation mehr den Charakter örtlicher parasitischer Auflagerungen
auf älteren Gebirgen oder aus der Tiefe allfragender Inseln in dem Bereich
jüngerer Schichtgebilde. Bei den bisher betrachteten Formationen zeigte sich
von den tiefsten Schichten der Trias bis zu den höchsten des Lias nirgends eine
Unterbrechung in der Schichtfolge; jetzt aber ist sie in vielen Theilen dieser
Zone abgebrochen; in Vorarlberg bilden die Algäu-Schichten des Lias allent-
halben das oberste Glied und östlich davon lagerten sich die Juragebilde nur
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
161
[75]
noch in einzelnen Zügen ab, welche meist zwischen hohen Kämmen von Hall-
stätter Kalken oder Dachstein-Dolomiten hinlaufen. Wo sie den Lias zur Unterlage
haben, liegen sie gleichmässig darauf und der Uebergang der beiden Formationen
ist dann so allmälig, dass es uns nicht gelang, einen bestimmten Anhalt zur
Trennung zu finden; auf allen älteren Schichtgebilden aber ist der Jura abnorm
aufgelagert, so dass man deutlich erkennen kann, dass das Lias-Trias-System zur
Zeit der ersten Jura-Ablagerungen schon bedeutende Hebungen erfahren hatte,
aber langsame Hebungen, welche den Parallelismus benachbarter Gebirgsglieder
niemals hindern konnten. Nur so konnte es kommen, dass die Jura- und Kreide-
Gebilde trotz der conformen Auflagerung der ersten auf den Lias-Fleckenmergeln
einen beschränkteren Verbreitungsbezirk haben.
Ein anderes wesentliches Moment im Charakter unserer beiden Formationen
ist die gänzlich verschiedene Entwickelung im Osten und Westen. Bereits im
ersten Theile dieser Abhandlung (dieses Jahrbuch, Band X, Seite 79, 80)
suchte ich den stetigen Verlauf von Ost nach West in der Entwickelung der
einzelnen Formationen von den ältesten bis zur Kreide im Gebiet der nördlichen
Kalkalpen nachzuweisen. Es zeigte sich, dass die Trias von Osten nach Westen
an Mächtigkeit ab-, der Lias aber zunimmt, dass jene ihre bedeutendste Massen-
entwickelung in den oberösterreichischen und salzburgischen Alpen, dieser im
nordwestlichen Tirol (Lechgebiet) und im bayerischen Algäu erreicht, während
die Juraformation, wiewohl von den östlichen Theilen der Alpen her reich geglie-
dert, doch an Masse untergeordnet bleibt und erst in der Schweiz ihr Maximum
erreicht, und endlich die Kreideformation ihre bedeutendste Entwickelung im
südlichen Frankreich und von dort durch die Schweiz bis nach Vorarlberg hin
hat, dann im nördlichen Tirol, in Oberbayern und weiter östlich , nur durch die
tiefsten und die höchsten Glieder vertreten ist und erst in den östlichen Alpen
und Karpathen sich ein zweites Gebiet der vollständig entwickelten Formation
vorschiebt, bis mit dem Beginne der Nummulitenformation das Eocenmeer sich
wieder um das gesammte Alpengebirge herum erstreckt.
Durch diese Eigenthümlichkeit ist in der Juraperiode noch einige Einheit
in der Ausbildung der Formationsglieder durch ganz Vorarlberg und Nordtirol zu
erkennen, aber die Kreidegebilde sind auf das Schärfste in zwei Gebiete geson-
dert, deren Trennung ungefähr mit der Wasserscheide zwischen Iller und Lech,
der auch sonst so bekannt gewordenen Scheidelinie des bayerischen Volks-
stammes gegen den schwäbischen und alemannischen, zusammenfällt. Da die
Juraformation in Vorarlberg an das Kreidegebiet gebunden ist, in diesem aber
nur untergeordnet auftritt, so trennen wir die Betrachtung des Gesammt-
complexes unserer beiden Formationen nach den angeführten geographischen
Gebieten.
1. Entwickelung der Jura- und Kreidegebilde in Vorarlberg.
Das schweizerisch- vorarlbergische Kreidegebiet erstreckt sich aus der
Gegend von Marseille dem Rand des Zuges der Centralalpen parallel durch das
Gebiet von Savoyen, über Genf und fast in gerader Richtung durch die Schweiz
hindurch über den Rhein nach Vorarlberg und dem bayerischen Algäu, wo seine
eigenthümliche Entwickelung sich am Grünten noch einmal sehr charakteristisch
wiederholt; in der östlichen Fortsetzung dieses Berges keilt es sich bald aus
und verschwindet ganz. In dieser ganzen Erstreckung bildet das Kreidegebiet
eine an Breite oftmals wechselnde, in ihrem landschaftlichen Charakter wie in
ihren Gesteinen sieh ungemein gleichbleibende Zone, die in der Schweiz häufig
21 *
162
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[76]
durch aufgelagerte Molasseschichten, selten durch ältere Gebilde in ihrer Stetig-
keit unterbrochen wird. In Vorarlberg erreicht die Zone die ungewöhnliche
Breite von zwei Meilen (in dem Durchschnitt südlich von Dornbirn) und ist
durch keine jüngeren Gebilde, wohl aber durch ein aus der Tiefe aufragendes
Juramassiv, das Gewölbe der Canisfluh, unterbrochen.
Der landschaftliche Charakter des Kreidegebietes ist überaus reizvoll und
bedingt die Schönheit des Bregenzerwaldes. Die fruchtbaren Verwitterungspro-
ducte der herrschenden Glieder schufen die üppigen Alpen und damit den Reich-
thum der intelligenten Bewohner.
Be^enzung. — Das vorarlber gische Kreidegebiet ist zwi-
schen zwei nach St. 5 streichenden Flysch- Zügen eingeschlossen
und gegen beide fast g e radlinig und scharf abgegrenzt. Die süd-
liche Grenzlinie beginnt mit den ersten östlichen Uferhöhen des Rheinthaies bei
Feldkirch, setzt zwischen Fr astanz und Satteins über das Illthal , zieht
sich nördlich vom Mut tekopf vorüber , durch das Latternser Thal (bei Bon-
acker), verlässt dieses ein wenig oberhalb des Hinte rbades und erreicht bei
der Alpe Göfas das schöne Amphitheater , in welchem der Mellenbach aus dem
Sümser See entspringt, und damit das Thalsystem der Bregenzer Ache; den Fluss
selbst erreicht die Formationsgrenze südlich von Au, um dann , stets der Rich-
tung St. 5 folgend, nach der Sub e rs- Alp und südlich vom H oc h-Ifer vorbei
nach Rietz len im Thale Mittelberg zu ziehen und dann im Algäu in nordöst-
licher Richtung fortsetzend zwischen Tiefenbach und Fischen an der Iller
sich mit der nördlichen Grenze der beiden Formationen zu vereinigen. Diese,
wrelche als Östliche Fortsetzung der Nordgrenze des Säntis-und H o he kä-
ste n - Gebirges am Rö thel s t ei n südlich von Dornbirn aus dem Alluvium des
Rheinthaies zum Vorschein kommt, zieht in fast geradliniger Richtung über das
Hochälpele, Bersbuch an der Bregenzer Ache und Sibratsgföll nach
dem F euer stätter Berg, auf dessen Höhe die Juraformation aus der Tiefe
aufragt. Südlich vom Böigen vorbei erreicht auch diese Grenze bald den er-
wähnten Vereinigungspunkt an der Iller, wo sich das Kreidegebiet Vorarlbergs
auskeilt. Erst zwei Stunden weiter nördlich erhebt sich die isolirte, 5364 F. hohe
Bergmasse des Grünten, um noch einmal alle Eigenthümlichkeiten jenes Ge-
bietes auf kleinem Raume zu vereinigen.
So gleicht das Kreidegebiet Vorarlbergs einem langgestreckten dreieckigen
Zipfel, dessen scharfwinklichste Spitze im Algäu südlich von Fischen an der Iller
liegt, dessen längste, nach Stunde 41/a streichende Seite von der Spitze bis zu
dem inselartig aus der Rheinebene sich erhebenden Schellenberg 12 y2 Meilen
beträgt, während die kürzere ostwestliche Seite kaum 10 Meilen Länge erreicht.
Gegen die Schweiz hin ist das Dreieck mit der angeführten Breite von 2 Meilen
geöffnet.
Die Gebirge dieses Gebietes , welche sich bis 6600 Fuss (in der Mittag-
spitze) erheben, bilden in dem regelmässigsten Theile, der Gegend von Bezau,
Mellau, Schnepfau und Sibratsgföll, ein sehr einfaches System westöstlich strei-
chender Rücken , welche nach Süden sanft und allmälig , nach Norden schroff
und prallig abfallen; eben so gleichförmig sind die vielen parallelen Thäler, von
denen nur das der Bregenzer Ache und des Subersbaches mit der Längs- die
Querrichtung verbinden. Besonders das erstere ist durch den dadurch bewirkten
Zickzacklauf und den häufig wechselnden Charakter interessant. Dort , wo die
Hebungen nicht so einfach waren, sind auch die Gebirgs- und Thalsysteme ein
wenig complicirter; aber auch wenn die westöstliche Richtung für das Streichen
der Schichtenfaltungen und Gebirgsstörungen constant bleibt, bedingen doch die
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
163
[77]
häufigen Erosionsthäler, wie das Mellenthal, einen oft complicirten Bau. Ehe wir
diesen weiter verfolgen , wenden wir uns zur Betrachtung der Gliederung der
beiden im Kreidegebiet auftretenden Formationen. Es ist durch die Arbeiten der
Herren S tu der und Esc her sowie in der neuesten Zeit durch Herrn Desor
für die Aufklärung derselben jenseits und diesseits des Rhein bereits so viel ge-
schehen , dass wir nur den Spuren dieser bewährten Forscher zu folgen und
dann eigene Beobachtungen hinzuzufügen haben.
A. Gliederung.
a) Juraformation.
Die Verbreitung der Juraformation in Vorarlberg ist äusserst beschränkt;
man kennt sie bisher an drei Stellen, die unter einander keinen Zusammenhang
haben, und es ist keine Aussicht, dass man je eine weitere Verbreitung nachweisen
können wird. Die westlichste Stelle ist der Fläscherberg im Fürstenthurne
Liechtenstein, dessen Bau wir bereits früher (dieses Jahrbuch Bd. X, S. 129 und
Fig. 6, 7, 8, 9) erörtert haben. Es ergab sich als das wahrscheinlichste Resultat,
dass dort die Lias-Algäuschichten durch einen nicht zu Tage kommenden braunen
Jura von dickbankigen dunklen Kalken getrennt werden , welche sich durch
Ammonit es bi f lex als Oxford-Kalk erweisen, dass diese ferner von einem Schich-
tensystem überlagert werden, welches dem obersten weissen Jura angehört, und
hierauf unmittelbar Flysch folgt. Die ganze Formationsentwickelung reiht den
Fläscherberg dem schweizerischen Juragebirge zu, in Nordtirol findet sich nichts
Analoges. Auch der geographischen Lage nach erweist er sich als dorthin ge-
hörig und als letzter Ausläufer der in der Schweiz so verbreiteten Juragebilde.
Die zweite Stelle, wo Juraformation auftritt, ist eine Insel im Kreidegebirge,
an der Grenze des letzteren mit Flysch , das Juragewölbe der Canisfluh im
Bregenzer Walde. Das Schichtgebilde erhielt von Herrn Esch er die Benennung
„Jurakalk von Au“ nach dem Dorfe Au, in dessen Nähe versteinerungsreiche
Schichten anstehen. Das grosse Massiv streicht von Ost nach West und wird
senkrecht gegen diese Richtung von einer tiefen Spalte durchsetzt , in welcher
die Bregenzer Ache ihren Lauf nimmt. Dadurch wird der innere Bau auf das
Trefflichste entblösst; es zeigt sich eine hochaufgetriebene Wölbung dickbankiger,
dunkler, zum Theil weissadriger Kalke. Nach Süden fallen die Schichten sanft,
nach Norden fast senkrecht. Dies bestimmt die ganze Gestalt des Berges , der
von seinem höchsten Rücken steil nach Norden abstürzt , während er auf dem
sanftgewölbten südlichen Abhange fruchtbare Alpen trägt. Der First des Ge-
wölbes senkt sich ebenfalls in der Streichrichtung , östlich unter die Kreide-
gebilde der Mittagfluh , westlich unter die des Hohen Koyen. Dieses allmälige
Hinabsenken der Schichten nach drei Richtungen (West, Süd, Ost) unter jüngere
erlaubt bei der regelmässigen Auflagerung der letzteren die ganze Schichtfolge
genauer kennen zu lernen. Sorgfältigere Untersuchung wird vielleicht eine grös-
sere Reihe von Formationsgliedern des Jura zu Tage fördern; mir gelang es
unter den Spatangenkalken nur zwei durch Versteinerungen charakterisirte,
sicher getrennte Formationsglieder nachzuweisen, deren eines der schon von
Herrn Es eher beschriebene Jurakalk ist, während das andere dem Neocom an-
gehört und im folgenden Abschnitt beschrieben werden soll.
Dicht bei dem Dorfe Au bildet eine entblösste Schichtenfläche des dickban-
kigen Jurakalkes eine steile Wand , welche unmittelbar in die Bregenzer Ache
abstürzt. Hier sind ausserordentlich zahlreiche Ammoniten im Kalksteine einge-
164
Ferdinand Freiherr von Bichlhofen.
[78]
schlossen, meist, wie schon Herr Es eher fand, von der Form des Amm. biplex
später fanden die Herren Es eher, Merian und Suess ausser dieser Art noch:
Amm. Zignodianusd’ Orb., Amm. Lamberti Sow., Amm. convolutus Schl., Belemn.
semihastatus, Terebratula globata und andere Formen, welche das Gebilde an
die Grenze von braunem und weissem Jura stellen.
E scher stellte es in das Niveau des Oxfordien, und diese Annahme wird
fast zur Gewissheit , wenn man den Kalk von Au mit dem dickbankigen des
Fläscher Berges vergleicht. Beide sind einander sehr ähnlich, während der Kalk
von Au weiter im Osten nirgends mehr ein Analogon findet. Es scheint daher,
dass auch die Canisfluh noch ein verlorener Posten der schweizerischen Jurafor-
mation ist, wohl der letzte gegen Osten.
Ein drittes Mal treten jurassische Gebilde am Feuer stätter Berg bei
Sibratsgföll an der Grenze Vorarlbergs gegen das Algäu auf. Herr Giimbel und
ich besuchten diese noch unbekannt gewesene Stelle auf Anzeichen hin, welche
derselbe im ßachgerölle gefunden hatte. Die steilwandige Gipfelmasse besteht
aus einem vielfach gewundenen Complex von Kieselkalken, sie sind hart, spröde,
gelb , roth , weiss und grau gefärbt und führen häufig Feuersteinknolleu. Von
Versteinerungen gelang es nur Bruchstücke von Belemniten und Aptychen zu
finden, doch erkannte Herr Gümbel mit grosser Sicherheit in den Gesteinen die
Ammergaue r Wetzsteinschiefer, ein Formationsglied, welches von hier
an östlich sehr verbreitet ist. Als oberstes Glied fanden wir sandige, etwas
flyschähnliche Kalkmergel, welche gleichfalls noch Belemniten führen. Das ganze
System taucht aus der Kreide hervor, dort wo diese an Flysch grenzt, so dass
schon der Nordabhang der Gipfelmasse in den Flysch hinabfällt.
Die Verschiedenheit dieser drei Jura-Inseln im Sedimentgebirge Vorarlbergs
zeigt, dass hier das Gebiet ist, wo sich die östliche und die westliche (schweize-
rische) Entwickelungsform dieser Formation begegnen. Es scheint nur der oberste
Theil der letzteren vertreten zu sein und die beiden verschiedenen Gebilde dürften
verschiedene Niveau's in dieser kleinen Abtheilung bezeichnen; welches aber das
höhere ist, ob der dunkle Kalk von Au und dem Fläscher Berg oder die Kiesel-
kalke des Feuerstätter Berges, dies lässt sich vorläufig noch nicht mit Sicherheit
entscheiden.
b) Kreideformation.
Die charakteristische Gliederung der Kreideformatiou im proven^alisch-
schweizerisch-vorarlbergischen Becken wird seit langer Zeit durch die Reihen-
folge: Spatangenkalk, Schratten- oder Caprotinen-Kalk, Gault, Seewerkalk und
Seewermergel dargestellt. Dazu kommt seit einiger Zeit das von Herrn Desor
aufgestellte Valanginien und in Vorarlberg haben wir noch ein weiter ver-
breitetes Glied der Kreideformation, die Rossfelder Schichten, hinzuzufügen. Es
scheint sich folgende Reihenfolge dem Alter nach als die richtigste zu ergeben :
1. Rossfelder Schichten.
2. Valanginien (?),
3. Spatangenkalk,
4. Caprotinenkalk,
5. Gault,
6. Seewerkalk und Seewermergel.
1. Rossfelder Schichten.
Mit diesem Namen wurde bekanntlich in den Arbeiten der geologischen
Reichsanstalt ein dem Neoeomien angehöriges Schichtensystem eingeführt, wel-
ches auf dem petrefactenreichen Rossfeld bei Hallein auftritt und dort in bestimmt
["79] Pie Kalkalpen ?on Vorarlberg und Nord-Tirol. 165
geschiedene Abtheilungen weisser Aptychenkalke , mergeliger und sandiger
Schichten zerfällt. Es führt sehr häufig Aptychus Didayi Coqd. und zahlreiche
Cephalopoden. Man fand das Schichtensystem bald darauf sehr verbreitet am
Nordrand der Alpen und wir werden vielfach Gelegenheit haben , es in Tirol
zu nennen.
Fast überall lagern die Didayi-Schiehten den obersten Gliedern des Jura
parallel und sind wegen der Aehnlichkeit der Gesteine oft schwer zu trennen; fast
immer auch sind beide gleichmässig gehoben. Jn Vorarlberg treten die Rossfelder
Schichten nur sehr isolirt an der Canisfluh auf, wo sie neben dem Jurakalk
von Au das zweite der oben angedeuteten Glieder unter dem Spatangenkalk
sind. Grosse entblösste Schichtenflächen bilden den sanften Südabhang dieses
Berges von seiner ostwestlichen Höhenlinie bis hinab zur Canisalp. Von hier
abwärts gegen Au kommt man sehr allmälig zu den terrassenförmig hervortreten-
den, sich gleichfalls nach der Bergfläche ausdehnenden älteren Schichten, bis
man in Au selbst die oben erwähnten versteinerungsreichen Jurakalke erreicht.
Diese obersten Schichten der Canisfluh führen Apt. Didayi und andere
wenig bestimmbare Versteinerungen, besonders in grosser Zahl Belemniten und
Ammoniten, welche letztere auf den entblössten Schichtflächen sichtbar werden.
Der Wechsel des Gesteines ist nicht so bedeutend wie in den Ostalpen; es treten
fast ausschliesslich graue mergelige Kalke auf, mit einer Schichtungsmächtigkeifc
von Ys bis 2 Fuss. Die Fläche neigt sich von der Höhe des Berges allmälig in
die hochgelegene Mulde der Canisalp hinab, bei der die bedeckenden schwarzen
Spatangenkalk-Schichten sichtbar werden, welche sich in steilen Wänden zu dem
der Canisfluh parallelen, die Hochmulde südlich begrenzenden Zug des Hoch-
glockners und der Mittagspitz aufbauen (s. Profil XXII, XXIII). Diese klare
Zwischenlagerung ist im weiteren Verlauf zwischen Jura und Spatangenkalk nicht
zu beobachten, da die Grenze meist verdeckt ist; nur bei der Hochstetter Alp
an dem gegen Mellau gekehrten Abhang treten dieselben Schichten noch ein-
mal versteinerungsreich auf. Ihre Mächtigkeit lässt sich nicht angeben.
So wie in Vorarlberg dieses Vorkommen der Rossfelder Schichten vollkom-
men isolirt ist und sie sich hier aufs Engste den Juraschicbten ansehliessen, so ist
es auch wenn wir uns nach dem weiteren Verbreitungsbezirk dieses Formations-
gliedes in unserem Kreidegebiet umsehen. Studer führ! *) aus der Stockhorn-
kette „Neocomien mit ganz verändertem petrographisehen und paläontologi-
schem Charakter“ an, aus dem (wie bei der Canisfluh) der höchste Kamm mit
seinen Felsstöcken besteht. „Die Petrefacten zeigen die merkwürdige Fauna
ungewöhnlicher Cephalopoden, Ammoniten, Crioceras , Ancyloceras , breiter Belem-
niten, welche den Neocomien der Provence bei Bareme, Castellane, Eseragnolles
auszeichnen und im gewöhnlichen Neocomien der Alpen und des Jura beinahe
ganz fehlen“. Es fanden sich u. a. Belemn. bipartitus d'Orb., dilatatus BL, latus
Bl. , Amm. sabfimbriatus d’Orb ., A. infundibulum d’Orb., elypeiformis d'Orb.,
Crioceras Duvalii Leym., Cr. Villiersianum d’Orb., Ancyloceras dilatatum
d' Orb., Anc. pul eher rimum d’Orb., Aptychus Didayi. Westlich setzen die
Gesteine der Stockhornkette fort bis zum Genfer-See; darüber hinaus in den
Voirons * 3) fand sich dieselbe eigenthümliche Facies des Neocomien, dieselbe
enge Verbindung mit Oxfordkalk. Auch eine Loealität in der unmittelbaren öst-
lichen Fortsetzung der Stockhornkette, bei Merligen und am Sulzi jenseits
9 Geologie der Alpen. II, Seite 71 ff.
3) A. a. 0. Seite 73.
166
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[80]
des Thuner Sees, welche Stu d er zum Spatangenkalk stellt *)» dürfte mit Sicher-
heit hieher zu rechnen sein. Es fanden sich dort: Ptychoceras , Toxoceras ,
Baculites, Hamites (?), ferner Bel. bipartitus, B. ditatatus , Ammon, crypto-
ceras, A. asperrimus , Aptychus Didayi.
So füllen die Canisfluh und ihre Analoga in der Schweiz die grosse Lücke
aus, welche zwischen den paläontologisch so nahe stehenden Neocombildungen
der Provence, des Rossfeldes und den fernen Beskiden zu herrschen
schien. Die Canisfluh zeigt ausserdem mit Bestimmtheit, dass das Neocom jener
Länder keine blosse Facies des schweizerischen, sondern als ein tieferes dem
Oxfordien nahe stehendes Glied davon zu trennen ist.
2. Etage Valanginien (Desor).
Diese zuerst von Ca m piche als unterstes Glied des Neocom beobachtete
und von Desor * 2) auf Grund der von Jenem gesammelten Versteinerungen als
mit keinem bekannten Neocomgebilde vereinbar erwiesene Abtheilung erregte
in den letzten Jahren so sehr das Interesse, dass es nahe lag, sie auch in Vor-
arlberg aufzusuchen. Sie wurde in den oberen Thälern des Neufchateler und
französischen Jura (La Chaux-de-Fonds , Metabief u. s. w.) und bei Douane am
Bieler See entdeckt, gleichzeitig von Esc her am Säntis. Im Jahre 1867 theilte
Herr Desor bei Gelegenheit der Versammlung der schweizerischen Natur-
forscher in Trogen mit, dass sich das Valanginien um alle aus Jura gebildeten
Höhen bei Neufehatel herumziehe und folgende dreifache Gliederung erkennen
lasse:
a) (zu unterst) blaue Mergel,
b ) quarzreicher Kalkstein, mehrere hundert Fuss mächtig,
c) eisenstein- (limonit-) reiche Schichten von Metabief, hierüber folgen die
„Mergel von Rodry“ und dann erst das eigentliche Neocomien.
Als charakterische Versteinerungen wurden angesehen : Pygurus rostratus
Ag ., Nucleolites Neocomiensis Ag ., Toxaster Campichei Des. u. A.
Gleichzeitig legteHerrEsc h er v. d.Linth der Versammlung eine in grossem
Maassstabe ausgeführte Karte des Säntis-Gebirges mit mehreren ungemein lehr-
reichen Durchschnitten vor. Es ergab sich dort folgende Gliederung der tiefsten
Kreideschichten :
a ) Oolithischer Kalkstein,
h) Kalkstein, reich an Quarzkörnern, ohne Eisen, führt Pygurus rostratus Ag.
und ist daher das typische Glied des Valanginien,
c) kieseliger Kalk, Toxaster Säntisianus ,
d) knolliger Kalk mit Mergel, Toxaster Brunneri.
In Vorarlberg gelang es mir nicht, eine einzige der das Valanginien charak-
terisirenden Versteinerungen aufzufinden, eben so wenig werden solche in früheren
Arbeiten erwähnt. Es fehlt daher an paläontologischen Beweisen für das Vorkom-
men des interessanten Formationsgliedes und es bleiben nur Schichtenbau und
Gesteinscharakter als einzige Anhaltspunkte, um wenigstens mit einiger Wahr-
scheinlichkeit das Fortstreichen des Valanginien vom hohen Säntis bis nach Vor-
arlberg darzuthun. An drei Stellen scheinen die Verhältnisse die Deutung gewisser
Schichten als mit den in Rede stehenden von Neufchachtel identisch zu gestatten.
1) A. a. 0. Seite 68.
2) Desor: Quelques mots sur V etage inferieur du groupe neocomien (etage Valanginien ).
Bull, de la Soc. des Sciences nat. de Neufehatel. T. ///, 1854.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
167
[81]
Die erste ist wiederum an der Canisfluh. Die Jurakalke fallen flach südlich.
Hoch darüber lagern ganz conform Spatangenkalke, welche den Hohen Glöck-
ner zusammensetzen und in steilem Abhang gegen die Canisalp abgebrochen
sind. Die Schichten zwischen beiden Systemen sind ebenfalls vollkommen gleich-
massig mit dem Hangenden und Liegenden gelagert; ihre Analyse ergibt natür-
lich die Gliederung zwischen oberem Jura und Spatangenkalk. Unmittelbar dem
Jura aufgelagert sind die eben beschriebenen Rossfelder Schichten, welche am
Rücken der Canisfluh unter dem Hohen Glöckner hinabziehen. Wenn man den
Weg von der oberen Oberalp (in der mehrfach erwähnten Einsattelung, welche
auch die Canisalp trägt) am Ostabhange des Korbspitz und Hohen Glöckners
vorüber nach der Korbalp einschlägt, so kreuzt man das regelmässige Schich-
tenprofil von den Rossfelder Schichten aufwärts bis zum Gault. Das unmittelbar
Hangende von jenen bildet die mit Alpenwiesen bedeckte Einsattelung. Es folgen
ausserordentlich quarzreiche dunkle Kalke, welche dem Spatangenkalk fremd
sind, dann erst entwickelt sich der letztere mit seinem gewöhnlichen Charakter.
Es ist kaum zu bezweifeln, dass die Kalksteine mit Quarzkörnern, welche eine
bedeutende Mächtigkeit besitzen, das Aequivalent von Escher’s zweitem Gliede
(6) des Valanginien sind.
Die zweite Stelle ist am Hoch-Ifer; hier baut sich aus dem Grunde des
tiefen Ifer-Tobls aus schwach südlich (Stunde 11) geneigten, sonst aber in ihrer
Lagerung ungestörten Schichten die 1500 Fuss hohe Iferwand auf. Juraschichten
treten an ihrem Fuss, wie es scheint, nicht auf. Unmittelbar über mächtigen
Massen von Steingeröll folgt:
a) schwärzlichgrauer, kieseliger Kalkstein, von weissen Kalkspathadern
durchzogen. Das Gestein unterscheidet sich von vielen in höherem Niveau
auftretenden nur durch seinen bedeutenden Kieselgehalt,
b ) dunkler Kalkstein mit vielen Quarzkörnern ; auch dieser ist kieselig und nach
Gümbel partienweise krystallinisch,
c) Gümbel fand diese Schichte nach oben übergehend in „einen sehr diinn-
bankigen, ebengeschichteten Sandstein von weisslichgrauer Farbe, welcher
ausgewittert fast wie die obere Lage des Gaultsandsteines aussieht“.
Hierüber folgen typische schwarze mergelige Spatangen-Kalkschichten. Die
Schichte c) beobachtete ich nicht; es ist zu bemerken, dass in dem höheren
Neocomien derartige Schichten nicht selten Vorkommen, daher ihre Stellung
zweifelhaft bleiben muss. Besonders ist es das gegen 40 Fuss mächtige System
von b), welches auf Valanginien zu deuten scheint, da quarzreiche Schichten
höher hinauf noch nicht beobachtet wurden.
Endlich dürfte des Valanginien noch in der Umgebung des Hohen Frese hen
vorhanden sein. Es ist hier der verworrenste Theil des Kreidegebietes; die ent-
blössten Steilwände zeigen so vielfache Biegungen und Zusammenfaltungen, dass
die Schichtenreihe schwer zu entziffern ist; dennoch lässt sich in einem Durch-
schnitt vom Nord nach Süd die allmälige Aufeinanderfolge der Hauptglieder klar
erkennen. Hat man von der hohen Kugel südwärts über die Kugelalp nach Latora
wandernd den Seewerkalk überschritten, so gelangt man plötzlich (am Hörndl)
zu einer weithin zu verfolgenden, nach Stunde 6 streichenden scharfen Grenz-
linie, wo den jüngsten Kreideschichten abermals die ältesten aufliegen, von denen
man über den Hohen Freschen fort im Hangenden allmälig wieder die jüngeren
Glieder bis zu regelmässig aufgelagerten Nummuliten- und Flyschschichten
erreicht. Auf dem bezeichneten Wege stösst man an der Ueberstürzungslinie un-
mittelbar auf versteinerungsreiche typische Spatangenkalk-Schichten, während
22
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heit.
168
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
rs2]
weiter westlich dieselben quarzreichen Kalke auftreten, wie am Hohen Glöckner und
Hohen Ifer. In der Umgebung des Hohen Freschen treten sie durch die gross-
artigen Störungen noch hier und da zu Tage und scheinen bis gegen St. Victors-
berg fortzusetzen.
Das Vorhandensein des Valanginien im Kreidegebiete von Vorarlberg kann
natürlich nicht als erwiesen gelten, so lange nicht durch Versteinerungen die
Aequivalenz der Schichten entschieden ist. Allein so unsicher auch oft die Schlüsse
aus dem petrographischen Charakter bei Sedimentgesteinen sind, kann man doch
in engbegrenzten Gebieten und bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Lage-
rungsverhältnisse diesen Weg oft mit grosser Sicherheit einschlagen. In unserem
Falle überdies wäre es in der That auffallend, wenn ein Formationsglied, das bei
Neufchatel und am Säntis durch gleiche Gesteine vertreten ist und an dem
letzteren Berge, dem Urbilde des Gebirgsbaues in unserem ganzen Kreidegebiet,
noch so mächtig auftritt, jenseits des Rheinthaies, das auf die Schichtenentwicke-
lung der Kreide gar keinen Einfluss hat, plötzlich verschwinden sollte; in solchem
Falle, da man das Fortstreichen nach Vorarlberg a priori erwarten müsste, kann
man wohl, wenn man dasselbe Gestein in demselben Niveau vorlindet, den Schluss
auf Aequivalenz mit hinreichender Sicherheit ziehen.
Es bleibt nun noch übrig, das Verhältnis der Rossfelder Schichten zum
Valanginien festzustellen. Früher hatte man den Spatangenkalk als unterstes Glied
des Neocomien, somit als den Eröffner der Kreideformation angesehen. Desor
trennte das Valanginien nicht als Glied des Neocomien, sondern als besondere
gleichberechtigte Etage unter demselben; es schliesst sich demnach dem Jura innig
an und seine unteren Schichten wurden früher für jurassisch gehalten; erst ein
genaueres Studium erwies die engere Verwandtschaft mit der Kreide. Anderer-
seits hatten wir gesehen, dass die Aptychus Didayi führenden Schichten der
Canisfluh ihres geognostischen und paläontologischen Verhaltens wegen von dem
Spatangus retusus führenden schweizerischen Neocomien gleichfalls scharf zu
trennen seien und dass sie sich geognostisch auf das Engste den Oxford-Schichten
anschliessen; letzteres ist allenthalben, wo immer sie Vorkommen, in solchem
Maasse der Fall, dass nur eine genaue Speciesbestimmung sie davon zu trennen
vermochte. Das östliche Gebiet wird dafür weitere Belege liefern. Welches Ge-
bilde ist nun älter, Valanginien oder Didayi-Kalk?
Berücksichtiget man die innige geognostische Vereinigung von Valan-
ginien und Neocomien, die erst durch die Echinodermen-Studien eines Desor
getrennt werden konnten und andererseits die Trennung der beiden Gebilde der
Canisfluh, wo man gänzlich verschiedene Formationen zu sehen glaubt, so dürfte
schon hierin ein Grund liegen, die Didayi-Schichten für älter, dem Spatangen-
kalk ferner stehend, zu betrachten. Die Lagerungsverhältnisse an der Canisfluh
würden dies mit grosser Bestimmtheit erweisen, wenn in jenen quarzführenden
Schichten nur eine einzige Versteinerung des Valanginien vorhanden wäre. Was
die Fauna betrifft, so ist den Arten nach die der Didayi-Schichten eben so weit
von der des Valanginien entfernt, als beide von der Fauna des Spatangenkalkes;
dem allgemeinen Charakter nach aber steht die der Didayi-Schichten ungleich
ferner, da sie zugleich eine andere Facies darstellt. An allen Orten, wo ihre
Fauna getrennt untersucht wurde, hat man kaum eine Art als gemeinschaftlich
mit dem Spatangenkalke auffinden können. Das Studer’sche Verzeichniss gibt,
wie gezeigt wurde, die Arten aus beiden Etagen zusammen.
Sind auch diese Gründe für einen Beweis noch zu schwach, so glauben wir
doch in unserem Kreide-Becken die Rossfelder Schichten mit Ammon . Didayi
als unterstes Glied setzen zu müssen; ihnen folgt das Etage Valanginien und dann
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
169
[83]
erst das Neocomien mit seiner unteren und oberen Abtheilung, welche als Spatan-
genkalk und Caprotinenkalk bekannt sind.
3. Spatangenkalk.
Dieses Glied ist durch seine Mächtigkeit bei weitem das herrschende in der
Kreideformation Vorarlbergs und nimmt wohl drei Viertheile der Oberfläche des
ganzen Gebietes ein, dessen Charakter dadurch wesentlich bestimmt wird. Der
Name stammt von dem leitenden Spatangus retusus Lam.\ in Vorarlberg kommt
er selten vor, während manche andere Versteinerungen durch das ganze System
verbreitet sind. Die untere Grenze ist meist verhüllt und dort, wo sie aufge-
schlossen ist, durch den Uebergang in das Valanginien unklar, während die obere
durch die Auflagerung des stets charakteristisch auftretenden Caprotinenkalkes
scharf und bestimmt ausgesprochen ist.
Die Gesteine dieses Formationsgliedes zeichnen sieb im Allgemeinen durch
das Vorherrschen und stete Wiederkehren schwarzer verhärteter Mergel aus, die
zum Theil an der Luft aschblau verwittern. Ausserdem kommen dieselben Gesteine
vor, welche Studer aus der Schweiz anführt: „innige Gemenge von Kalk,
Kieselsand und Thon, die zwischen Kalkstein und Sandstein schwanken“. Ferner
finden sich schwarzgraue, mit weissen Kalkspath- und gelben Bitterspath-Adern
durchzogene Kalke, andere, welche dünnbankig und von wulstig herausgewitter-
ten, kieseligen Ausscheidungen durchzogen werden, so dass sie gewissen Flysch-
gesteinen täuschend ähnlich sind. Schwarze mergelig kalkige Schiefer sind
allenthalben zwischengelagert. Drei Merkmale zeichnen diese Gesteine aus, so
dass man sie stets leicht wiedererkennt, das ist zunächst die stets dunkle, schwärz-
liche Färbung, ferner die grünen Eisenoxydulsilicat- (Glaukonit-) Körner, welche
besonders die festeren Schichten in grosser Menge erfüllen und im frischen Ge-
steindurchscheinend sind, aber durch Verwitterung leicht braun und undurchsichtig
werden. In den parallelen Gesteinen der Schweiz sollen diese Körnchen nach
Esch er noch ungleich häufiger Vorkommen *). In den weichen mergeligen
Schichten beobachtete ich die Glaukonitkörnchen nicht, dagegen tritt hier ein
feiner Quarzsand auf, der dem Gestein in ungleichem Verhältnisse beigemengt ist
und oft so vorherrscht, dass es vom Grünsand des Gault nicht zu unterscheiden
ist. Das dritte für die vorarlbergischen Kreidegesteine überaus charakteristische,
für diejenigen der Schweiz nicht angeführte Merkmal ist die oolithische Structur
fast aller festeren Schichten. Die oolithischen Körnchen erreichen selten
über i/2 Linie im Durchmesser und sind von unregelmässiger Gestalt. Meist
sind sie dunkler als der bindende Kalk, dem die Glaukonitkörnchen beigemengt
sind.
Was die Aufeinanderfolge dieser petrographiseh verschiedenen Schichten
betrifft, so besteht stets der untere Theil aus vorwiegend mergeligen Gesteinen,
während nach oben die kalkigen Schichten häufiger und mächtiger werden.
Wiederum dient die Wand des Hohen Ifers als bestes Beispiel. Doch auch in
allen anderen Theilen des Gebietes findet sich dieselbe Folge. So treten in der
ganzen Umgebung von Bezau und Bizau nur die jüngeren Schichten zu Tage und
zeichnen sich durch ihre feste Gesteinsbeschaffenheit mit sparsamen thonigen
Zwischenlagen aus. Ganz anders im Mellenthal, wo die tieferen Schichten vor-
herrschen. Steigt man aus dem Kessel des Siinser See’s herab, so durchschreitet
*) Vorarlberg. Seite 10.
22
170
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[84]
man, nachdem man Flysch, Nummulitenkalk und einige Seewer- Schichten verlassen
hat, das ganze umgekehrte Kreidesystem; zuerst erscheinen schwarze Neocom-
Mergel mit Spatangus retusus, über deren schlüpfrige Abhänge der Weg
steil nach der obersten Alpe herabführt. Erst kurz vor derselben folgt eine stei-
lere Wand von festeren Schichten. Ueber hohe Terrassen mit prachtvollen
Wasserfällen steigt man von Alpe zu Alpe hinab. Die letzte Terrasse wird von
Caprotinenkalk gebildet und darunter treten Gaultsandsteine und weisse splittrige
Seewerkalke charakteristisch auf. Weiter thalabwärts hat man noch vielfach
Gelegenheit den Wechsel der Neocomschichten kennen zu lernen. Bei Hohenems
bildet ein weisser, grobkörniger, schwarzadriger Marmor, der sich zu grösseren
Sculpturarbeiten eignen würde, in nicht unbedeutender Mächtigkeit die höchsten
Schichten des Spatangenkalkes. Der Weg über die Alpe Gsohl nach der Hohen
Kugel führt zweimal über dieses Grenzgestein hinweg. Unmittelbar darunter
folgt zwar eine mergelige Schicht welche eine Unzahl von Exogyra Couloni Df.
umschliesst, allein nur um im Liegenden noch sehr mächtigen Kalken Platz zu
machen. Weiterhin gegen Klien umschliesst dieselbe mergelige Schicht eine Bank
der Ostrea macroptera , in der sich eine grosse Menge anderer Thiere festgesetzt
haben. In dem ganzen Gebiete finden sich die Versteinerungen in grösster Zahl
in den weicheren zwischengelagerten Mergeln der oberen kalkigen Abtheilung.
Einzelne derselben lassen sich in grosser Erstreckung verfolgen, so besonders
ein Schichtensystem von geringer Mächtigkeit, welches am Bezeck zwischen
Bezau und Andelsbuch ungemein versteinerungsreich auftritt und östlich bei
Schönebach, so wie im westlichen Tlieile des Gebietes unter der Burg Hohenems
mit den gleichen Eigenschaften wiederkehrt. Die beiden Austernbänke sind nur
locale Facies derselben Schicht.
Die Mächtigkeit des Spatangenkalkes lässt sich nur am Nordabsturz des
hohen Ifer schätzen, wo sie über den als Valanginien gedeuteten Schichten noch
900 — 1000 Fuss betragen mag; sie dürfte der in der Schweiz beobachteten
wenig nachstehen, da Studer sie am Faulhorn zu 500 Meter angibt und das
Valanginien nicht ausgeschieden hat.
Die Fauna des Spatangenkalkes in Vorarlberg ist überaus reich, aber fast
ausschliesslich auf die eben angeführten, der oberen Abtheilung eingelagerten
Schichten beschränkt, in denen Petrefacten oft massenhaft zusammengehäuft sind.
Den in der Schweiz so häufigen Spatangus retusus Lam. fand ich nur am Ur-
sprünge desMellenthales in den tiefsten Schichten des Formationsgliedes. Toxaster
complanatus Ag. kömmt höher hinauf vor. Ostrea macroptera d'Orb. ist überaus
häufig und Exogyra Couloni erfüllt südlich von Hohenems ganze Bänke mit ihren
dicken gekielten Schalen. Andere Austern kommen in Unzahl und in grosser
Mannigfaltigkeit der Arten vor, so besonders am Bezeck und an der Austernbank
bei Klien. An beiden Stellen sind Terebrateln in Menge zwischen den Schalen
zerstreut, insbesondere die verbreiteten Arten Terebratula praelonga Sow.,
Ter. depressa d' Orb., Ter. tamarindus , Ter. lata d' Orb.; ferner finden sich
Belemniten {Bel. bipartitus (?) d’Orb., Bel. subfusiformis Basp., letzterer von
Gümbel angeführt), auch unbestimmbare Spuren von Ammoniten, endlich sehr
häufig Korallen und besonders Bryozoen, die aber weniger an den Gesteins-
charakter gebunden sind.
4. Schrattenkalk (oder Caprotinenkalk).
Das oberste Glied des im schweizerisch-provensalischen Kreidebecken auf-
tretenden Neocomien hat man als Schrattenkalk (nach dem in Entlibuch
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
171
[88]
„Schratten“ genannten Karrenfeldern des Berges Schratten1)» Rudistenkalk
(Stu der), Hierogi} phenkalk, Caprotinenkalk u. s. w. bezeichnet und als Reprä-
sentanten des Neoeomien B von d'Orbigny oder Etage ZJrgonien d’Orb. fest-
gestellt. Es zeichnet sich in Vorarlberg und am Grünten durch dieselben Eigen-
schaftenaus, die in seinem ganzen Verbreitungsgebiete angeführt werden. Ein hell-
grauer bis weisser, fester und spröder Kalkstein bildet mit wenig wechselnden»
Charakter das ausschliesslich vorkommende Gestein. Seine senkrecht abgebro-
chenen, der Verwitterung Trotz bietenden mauerartigen Schichten contrastiren
durch ihre Schroffheit auffallend gegen das dunkle, nur an den Nordabhängen
steil abztürzende Neoeomien, so wie gegen die fruchtbareren Schichten des Gault,
von denen er in der Regel bedeckt ist. Meist krönt er in tafelartiger Ausbreitung
die bewaldeten und mit Alpen bedeckten Abhänge der Mergelgesteine als ein
weithin sichtbares, landschaftlich schöne Abwechslung bedingendes Band, oben
aber breitet er sich zu den scharfkantig ausgewitterten, wild zerrissenen Karren-
feldern aus, „die als hellgraue fast weisse Felsflächen, wie Gletscher das Grün
der Alpenweiden und Wälder unterbrechen^. Für den Geologen ist dieser Gesteins-
charakter ungemein wohlthätig, da er einen leicht erkennbaren sicheren Horizont
in dem sonst so vielgestaltigen Kreidegebiete gewährt; indem das Flötz jeder
Schichtenbiegung folgt, gibt es schon aus der Ferne ein klares Bild des geo-
gnostischen Baues und ist allein geeignet in den vielen Ueberstürzungen das nor-
male Verhalten herauserkennen zu lassen.
Die bereits bei einigen Neocomiengesteinen erwähnte o o 1 i t h i s c h e S t r u c-
tur wird bei dem Caprotinenkalk fast zur Norm; die Körner sind heller als die
Grundmasse und unregelmässig gestaltet. Auch hier kommen Glaukonitkörnchen
vor, jedoch sparsamer als im Neoeomien. Die dichten splittrigen Gesteine enthalten
meist mit Ausnahme einiger Caprotinen keine deutlichen Versteinerungen, sondern
nur in Kalkspath verwandelte unbestimmbare Schalen; je vollkommener aber die
oolithische Structur, desto grösser wird der Reichthum an Versteinerungen. Oft
sind dieselben, insbesondere die kleinen Korallen, Bryozoen und Foraminiferen,
so zahlreich neben den oolithischen Körnchen zusammengehäuft, dass Gümbel
das Gestein dem sogenannten Granitmarmor aus der Nummulitenformation von
Neubeuern vergleicht2). Meist sind diese Schichten sehr hell; gegen die Grenze
des Neoeomien werden sie gewöhnlich dunkler, zuweilen auch, wie bei Hohenems,
gleichzeitig durch mergelige Beimengungen weich, daher die zahlreichen Capro-
tinen sich hier mit grosser Leichtigkeit aus dem Gesteine herauslösen lassen.
Die Mächtigkeit schwankt zwischen 50 und 150 Fuss, in der Schweiz gibt
sie Stu der bis 100 Meter an.
Von der durch die Schweizer Geologen bekannt gewordenen Fauna des
Schrattenkalkes brauche ich hier kaum etwas zu erwähnen, da sie dort schon mit
grosser Genauigkeit studirt wurde. Die beiden charakteristischen Formen Capro-
tina ammonia d' Orb. und Caprotina gryphaeoides d’Orb. kommen allenthalben
in grosser Menge vor, und auch die sonstige Fauna ist, besonders in den niederen
Thierclassen, reich vertreten.
5. flaalt.
Petrographisch scharf getrennt lagert dem Caprotinenkalke eine Reihe von
Schichten auf, die sich durch das Vorherrschen von Sandsteinen und durch grüne
D Studer, a. a. 0. Seite 76.
2) Der Grünten, eine geognostische Skizze. München 1856. Seite 10.
172
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[86]
Färbung auszeichnen. Sie wurden in der Schweiz längst als ein fast vollkommenes
Aequivalent des Terrain Albien von d’Orbigny erwiesen und von Studer nach
ihrem geognostischen , von Pictet nach ihrem paläontologischen Charakter be-
schrieben. Zuweilen sieht man die Schichten in braunroth verwitterten Mauern
entblösst, weit häufiger aber bilden sie sanfte heraste Gehänge, die dort, wo
Sandstein vorherrscht, die Vegetation verlieren und die Schichten zu Tage treten
lassen. Die Mannigfaltigkeit des petrographischen Charakters ist bedeutend grosser
als in dem gleichförmigen Caprotinen-Flötze. Folgende von Esc her1) gegebene
Uebersicht der Gesteinsabänderungen dürfte erschöpfend sein.
a) Dunkelgrüne kalkige Schiefer, oft sehr verwitterbar , oft von bedeutender
Festigkeit, nicht selten übergehend in
ß) knolligen Kalkstein, in welchem der grüne Schiefer die Zwischenräume
zwischen den oft sehr langgezogenen, unregelmässigen Ausscheidungen des
meist dunkelblaugrauen, hier und da grünlich gesprenkelten Kalksteins ein-
nimmt und der Auflösung gewöhnlich stärker widersteht, daher in 1 — 3 Linien
hohen welligen Grätchen an der ausgewitterten Oberfläche hervorragt. Mit
diesem Knollenkalk nahe verwandt ist
•y) kieseliger, meist äusserst feinkörniger Kalkstein mit auf der verw itterten
Oberfläche ausragenden unrein kieseligen Knauern und oft reich an grünen
Körnchen, daher in vielen Fällen petrographisch nicht zu unterscheiden
vom Kieselkalk des Neocomien.
0) Quarziger feinkörniger Sandstein, gewöhnlich in Folge der grossen Zahl
beigemengter grüner Körnchen gelblich und grünlich gesprenkelt, im Allge-
meinen massig.
s) Pentacriniten-Breecie, gewöhnlich dunkelblaugrau, mehr oder minder grob,
oder feinspäthig-körnig, mit nicht selten deutlichen ausgewitterten Pentacri-
nitengliedern.
Der Gault ist in seiner ganzen Erstreckung durch die Verschiedenartigkeit
der Schichtenfolge und der Mächtigkeit charakterisirt. Doch dürfte die erstere
in der letzteren ihre Begründung finden, indem bald nur die obere, bald die ganze
Folge entwickelt ist. In der Schweiz erreicht er mehr als 100 Fuss Mächtigkeit,
am Grünten nach Gümbel nur an 30 — 40 Fuss; in Vorarlberg wechselt sie,
nimmt aber im Allgemeinen nach dom Ostufer des Kreidebeckens hin ab. Dem
entsprechend ist die petrographische Beschaffenheit. Denn wie am Grünten
nur Sandsteine entwickelt sind, so ist es auch in dem zunächst gelegenen Thale
Mittelberg und an der Subersalp (westlich vom Hoch-Ifer); hier aber nimmt die
Mächtigkeit bedeutend zu und schon ein wenig weiter westlich, im Thale von
Bizau , treten unter den sandigen Schichten die unter a, ß und y beschriebenen
auf. Eisenkiesreiche, zähe, grüne Schiefer mit Hornstein- und Kalkknollen sind
besonders am Wege von Bezau nach Schönebach als das unmittelbar Hangende des
Caprotinenkalkes aufgeschlossen, also entsprechend der Lagerung in der Schweiz.
Bei dem Badeorte Beutte nehmen diese Schiefer Eisenerz auf und scheinen, nach
losen umherliegenden Blöcken zu urtheilen , versteinerungsreich zu sein. Es
ergibt sich also im Allgemeinen eine untere schieferige und eine obere sandige
Abtheilung. Die Encrinitenschicht (s) gehört der letzteren an und ist daher auch
am Grünten entwickelt. Das in anderen Gegenden, auch noch am Säntis unge-
mein versteinerungsreiche Schichtensystem zeigt in Vorarlberg nur eine sehr
sparsame Fauna in wenigen undeutlichen Formen. Es eher erwähnt Ammonites
J) Vorarlberg. Seite 13.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
173
[87]
Milletianus und Discoidea rotula Ag. \ om Margarethen -Kapf1) bei Feldkirch,
dem Hauptfundorte für Vorarlberg. Es gelang mir nicht, mehr bestimmbare For-
men zu entdecken. Vom Grünten erwähnt Gümbel acht Arten.
6. Seewerschichten.
Dieses Schichtensystem, das von dem Vorkommen zu Seewer bei Schwyz,
wo es durch grosse Steinbrüche entblösst ist, den Namen führt, erfüllt in Vorarl-
berg wie in der Schweiz die Lücke zwischen Gault und Nummulitenbildung. Seine
genauere Parallelisirurig bleibt aber nach den bisherigen geringen Anhaltspunkten
unsicher. Es eher sucht zu zeigen (Vorarlberg p. 14), dass es vielleicht den
ganzen Complex von Cenoman, Turon und Senon repräsentirt, auf Grund mehrerer
Versteinerungen aus diesen drei Etagen, welche im Seewer der Schweiz gefunden
wurden. Es sind dies : Salenia petalifera Ag. und Holaster suborbicularis Ag.
aus dem Cenoman, Holaster subglobosus Ag. aus dem Turon, endlich Anan-
chytes ovatas Lam ., Micraster cor anguinum Ag. (?), Inoceramus Cuvieri
d'Orb., Ammonites Gollevillensis d Orb. (?) aus dem Senon. Die erste und dritte
Species des letzteren Etage wurden auch in Vorarlberg gefunden. Wenn wir
darum schon aus paläontologischen Gründen nicht mit Herrn Gümbel ein beson-
deres Etage Seew er ien unterscheiden können, das seine Stellung zwischen Albien
und Cenomanien haben soll und nach dem Vorkommen eines als Exogyra Columba
bestimmten Petrefactes ausgeschieden wurde, so scheinen auch die Lagerungs-
verhältnisse in Vorarlberg mehr für Herrn Escher’s Annahme zu sprechen, da
zwischen Gault und Nummulitenschichten eine ununterbrochene parallele Abla-
gerung stattfindet. Nirgends ist dies klarer als in dem später näher zu beschrei-
benden Profil von Hohenems nach der Hohen Kugel. Ueberhaupt ist für das Stu-
dium der Seewer-Schichten keinTheil von Vorarlberg geeigneter als die Umgegend
von Hohenems, wo man allenthalben die ganze Schichtenreihe vom Neoeom bis
zum Nummulitenkalk in den klarsten Profilen durchwandern kann. Die auch in
der Schweiz nur 200 Fuss betragende Mächtigkeit steigt an der Hohen Kugel,
deren ganzer oberer Theil mit Ausnahme der höchsten Spitze aus Seewerbildun-
gen besteht, zu wenigstens 3 — 600 Fuss; es steht aber nicht fest, ob die Mäch-
tigkeit durch eine Faltung zu diesem Betrage gesteigert wird.
Der untere Theil der Formation, der den Gault unmittelbar überlagert, ist
ein heller, sehr spröder und splittriger kieseliger Kalk mit vielen schlecht erhal-
tenen Belemniten. Er ist mit keinen anderen Gesteinen der Kreideformation zu
verwechseln. Die einzelnen Schichten sind sehr mächtig und bilden häufig zackig
ausgewitterte Riffe und Karrenfelder, ähnlich dem Caprotinenkalk. Höher hinauf
verliert sich der Kieselgehalt und ein klein wenig Thonerde tritt an seine Stelle.
Der Gesteinscharakter wird nun ein wesentlich verschiedener. Die mächtige
Schichtung löst sich in ein unvollkommen schiefriges Gefüge auf. Der Kalk zer-
fällt in dünne unebene Tafeln und ist in seiner ganzen Masse von dunkleren,
vielfach verästelten Flecken durchzogen, welche die Gestalt von Algen haben und
wohl von solchen herrühren ; niemals jedoch kommen die für die Fleckenmergel
des Lias charakteristischen Formen vor, es sind mehr langgezogene , gerade
Stengel von geringer Breite. Ausserdem kommen in den unbestimmt dünnschichtig
abgesonderten Kalken viele Inoceramen vor, die als Inoceramus Cripsii bestimmt
wurden. Sie sind charakteristisch für die Schicht; ihre Durchschnitte lassen sich
0 Der Ardetzerberg wird in einer tiefen senkrechten Kluft von der 111 durchbrochen und in
die beiden „Käpfe“ gespalten, dies ist der südliche.
174
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[88]
überall leicht erkennen, wenn es gleich fast unmöglich ist, eine Schale bloss-
zulegen. Gümbel fand unweit Dornbirn Ananchytes ovatus. Auch unbestimmte
Belemniten kommen hin und wieder vor.
Ohne scharfe Abgrenzung folgen auf diese Schicht dünnschieferige weiche
Mergel, welche mit steilem Einfallen längs des ganzen Weges von Hohenems
nach Reuttele entblösst sind. Meist dienen sie wegen ihrer weichen Beschaffenheit
zu Thalauswaschungen (bei Hohenems und im Imsgrund östlich von Bezau), und
da sie überdies häufig bewachsen sind, so lassen sie sich, was Vorarlberg
betrifft, sehr selten beobachten. So treten sie am Südabhange des Hohen
Freschen mit Bestimmtheit nicht auf ; hier liegt eine Nummulitenschicht
unmittelbar auf den erwähnten Inoceramen führenden Gesteinen. Auch Es eher
und Gümbel erwähnen ihrer nicht, daher sie trotz ihrer nicht unbedeutenden
Mächtigkeit vielleicht nur als eine der Gegend von Hohenems angehörende Modi-
fication anzusehen sind, vielleicht auch schon der hier eng damit verbundenen
Nummulitenformation angehören.
Die am Säntis und am Grünten vorkommende, mit rothen Hornsteinlagern
verbundene rothe und rothbraune Färbung einzelner Schichtencomplexe beobach-
tete ich in Vorarlberg nicht.
Die Fauna beschränkt sich auf das Wenige, das wir bereits erwähnten.
B. Verbreitung und L a g e r u n g.
Studer sagt *) von der schweizerischen Kreideformation : „Es scheint die
Zeit, während welcher diese Bildungen sich ablagerten, in unseren Alpen eine
sehr bewegte gew esen zu sein. Die Formationsfolgehat sich nur selten vollständig
ausgebildet; bald fehlt dieses Glied, bald jenes, und die Lücke deutet auf ein
Trockenliegen der Unterlage während dieser Epoche der Ablagerung, auf eine
Hebung vor derselben; bald ist eine Formation zu ungewöhnlicher Mächtigkeit
angewachsen, als ob in einem anhaltend sich tiefer senkenden Meeresgründe
die Ablagerungen vorzugsweise sich angehäuft hätten“.
Diese Worte gelten für die Verhältnisse diesseits des Rheins nicht mehr;
durch ganz Vorarlberg bis zum Grünten ist die Ablagerung im Allgemeinen eine
sehr gleichmässige und ruhige gewesen. Ueberall finden wir eine sich gleich-
bleibende Ausbildung und wo immer ein sicheres Profil aufgeschlossen ist, da
zeigt es den ebenmässigen Bau durch das ganze Gebiet. Der Uebergang von
jenen gestörten Kreidebildungen der West-Schweiz in die ruhig abgelagerten des
östlichen Rheingebietes ist allmälig und wurde ebenfalls schon von Studer
angedeutet, indem er im Gegensätze zu jenen Worten hinzufügt: „in der mittle-
ren und östlichen Schweiz sind, wie in einem Theile von Savoyen, alle Stufen der
Bildung entwickelt“. Ein Blick auf die von demselben Geologen entworfene
Karte der Schweiz zeigt dies mit grosser Klarheit.
Allein so ruhig während der langen Periode die Ablagerung erfolgte, so
bedeutend waren die späteren Störungen des Gebirgsbaues. Das mächtige
Kreidesystem wurde in seinem ganzen Schichtencomplex wellig gebogen, über-
stürzt und zu einem in grossen zusammenhängenden Massen aus dem eocenen
Meere herausragenden Gebirgsland umgewandelt, um gegen Ende der eocenen
Periode noch einmal an den gewaltigen Revolutionen Theil zu nehmen, welche,
die mächtigsten in der Geschichte der Nordalpen, den Flysch, zu 6000 Fuss
U Geologie der Schweiz. II, Seite 65.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
175
[89]
hohen Bergzügen emporgehoben und es vermochte, in weiter Erstreckung (von
Mittelberg bis Vaduz) den Complex der Triasschichten auf den Flysch hinaufzu-
schieben. So kommt es, dass das Kreidegebirge ein völlig selbstständiges
Gebiet einnimmt, das von mehreren Seiten vom Flysch umschlossen wird. Inner-
halb des Gebietes aber findet im Gebirgsbau eine Regelmässigkeit statt, wie sie
selten in den Alpen anzutreffen ist. Langgestreckte Rücken ziehen von West
nach Ost (Stunde 5) und wo sie im Westen von Thälern durchbrochen werden,
da erkennt man in der Biegung der Schichten an den Wänden der Durchbruchs-
spalten die deutliche Fortsetzung bis in’s Rheinthal, während sich im Osten die
Züge unter dem bedeckenden Flysch verlieren. Jeder Rücken entspricht einer
Wölbung der Schichten. Diese steigen von Süden her allmälig an, biegen an
einer langgezogenen, dem Streichen folgenden Höhenlinie plötzlich um und fallen
steil, oft senkrecht, selbst überstürzt, gegen Norden ab. Oft wird die Höhenlinie
durch eine scharfe Kante gebildet, an der die Abhänge unter einem rechten
Winkel zusammenstossen. So entsteht ein System von parallelen Sturzwellen,
zwischen denen eben so viele Thäler von ähnlicher, aber umgekehrter Form das
vielverzweigte, eigenthümliche Thalsystem der Bregenzer Ache bilden.
Der Knotenpunkt des Kreidegebiets ist die Canisfluh; ihr grossartiges
Juragewölbe gibt den Schlüssel zum Verständnisse aller Hebungsverhältnisse.
Aus den umgebenden Kreidebildungen heraus zu mehr als 6000 Fuss Höhe em-
porgehoben und nur von einem einzigen Neocomgipfel der nächsten Umgebung
(Mittagspitz) überragt, scheint sie zugleich den wahren Hebungsmittelpunkt zu
bilden. Wir müssen daher ihren Bau betrachten , ehe wir uns zu dem der
Kreideberge wenden.
Kommt man von Norden, so erscheint die Canisfluh als eine wahre Fluh,
man sieht eine kolossale, fast senkrechte Felswand von 4000 Fuss Höhe aus dem
Thalgrunde aufsteigen; ihr oberer Theil ist eine aus horizontal scheinenden
Schichten aufgebaute Mauer, die sich in einzelne Gipfel auflöst. Ganz anders
von Süden. Wer von Hopfreben nach Schoppernau abwärts wandert und aus der
engen Schlucht tritt , in welcher die Bregenzer Ache den südlichen Flyschzug
durchbricht, der wird überrascht von der grossartigen Massenentfaltung in der
der König der Berge des Bregenzer Waldes mit seiner östlichen Fortsetzung, der
Hirschbergfluh erscheint. Beide erweisen sich von hier aus als eine Gebirgs-
masse, die durch eine tiefe und schroffe Querspalte in die zwei Fluhe getrennt
ist. Mit sanfter Wölbung ziehen die Schichten herab , welche die besten Alp-
weiden des Bregenzer Waldes tragen , und contrastiren malerisch gegen die
schroffen Wände der Spalte. Steht man endlich in dieser, so hat man das Profil,
welches jene verschiedenen Ansichten veranlasst, in prachtvoller Entblössung vor
Augen. Man sieht klar wie von der Höhe die Schichten gegen Norden steil ab-
stiirzen , im obersten Theil aber abgebrochen sind, daher jener mauerartige
Aufbau !). Ungleich deutlicher noch sieht man das steile nördliche Umbiegen der
Schichtenein wenig weiter westlich bei der Hochstetter Alp über Mellau,
wo man unmittelbar vor einer Felswand mit ausgezeichneter Entblössung der
Schichten steht (Fig. 34).
Weniger klar sind die Verhältnisse nach Ost und West aufgeschlossen.
Nach beiden Seiten setzt der Rücken des Gewölbes fort, nimmt allmälig an Höhe
ab und verschwind et westlich am Hohen Koyen, östlich an der Hirschberg-
fluh unter den mächtig sich aufthürmenden Schichten des Spatangenkalkes. Der
Kern des Gewölbes besteht aus dem schon beschriebenen Jurakalk, der bei Au
0 Siehe Profil XXIII.
Ii. k. geologische Reichsanstalt. 12. Baud, 1861 und 1862. 11. Heft.
17(5
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[90]
allein herrscht , da hier
die Neocomienschichten im
Thalgrunde verborgen sind.
Erst wenn man beim Auf-
stieg allmälig die höheren
Schalen erreicht , kommt
man zu den Kalken mit
Aptychus Didayi, die sich
zur Gipfelmasse aufschich-
ten. Der Gipfel ist der lehr-
reichste, interessanteste und
landschaftlich schönste Aus-
sichtspunkt des Bregenzer
Waldes. Die trigonometri-
sche Pyramide steht unmit-
telbar an dem 4000 Fuss senkrecht abstürzenden Abhang. In der Tiefe fliesst
die Bregenzer Ache dem Rücken parallel, um bei Mellau den nördlich vor-
liegenden Rücken rechtwinklig zu durchbrechen. Jenseits des tiefen Thaies
breitet sich das Kreidegebiet aus, das sich von allen Seiten um den Aussichts-
punkt herumzieht.
Steigt man von der Höhe herab, so kommt man fast allseitig auf die schwar-
zen Schichten des Spatangenkalkes , welche sich mantelförmig um das Jurage-
wölbe lagern, oder vielmehr der Hebung der Centralmasse folgen mussten und
daher stets den Abhängen parallel liegen. Die Aufschlüsse sind dadurch hier so
klar, dass wir zur weiteren Uebersicht des Kreidegebietes am zweckmässigsten
von dem Knotenpunkt der Canisfluh ausgehen. Ein nordsüdlicher Durchschnitt
über die Höhe hinweg zeigt am klarsten in seinen allgemeinen Grundzügen den
Gebirgsbau der vorarlbergischen Kreide. Dann erst werden wir die von dem
Profil durchschnittenen Rücken in ihrer ostwestlichen (Stunde 5) Streichungs-
richtung nach dem Algäu und in das Rheinthal verfolgen.
I. Nordsüdliches Profil von Andelsbuch über Bezau und die Canisfluh
nach Tamüls. (Profil XXIII.)
Der Sattel zwischen Canisfluh und Hoch- Glöckner und sein Schichten-
bau wurden bereits oben bei der Frage nach dem Vorkommen des Etage
Valanginien beschrieben. Wendet man sich vom Sattel südlich , so kommt
man zunächst an die Steilwände des Hohen Glöckners, in deren
unterem Theile wir das Valanginien nachzuweisen suchten, während sich
darüber die Spatangenkalke aufbauen. Bald hört die Regelmässigkeit des
Schichtenbaues auf und wenn man den Weg nach der Korbalp einschlägt,
so entblösst jede Felswand einige wellige Biegungen und Zusammenfaltungen.
Ueber dem Neocomien folgen Gault und Seewer , welche an diesen auffallenden
Störungen theilnehmen, so dass der Weg längs dem Südabhange des Hoch-Glock-
ners über die Korbalp, Sachalp, Hinteralp nach der Ugner Alp am
Fusse der Mittag-Spitz über einen ununterbrochenen Wechsel der drei
Kreideglieder führt. Endlich erscheint bei den Häusern von Ugen noch einmal
Gault, darauf Seewer und hierauf unmittelbar der eocene Intricaten-Flysch , auf
welchem Tamüls liegt. Seine Schichten nehmen nicht an den Störungen der
Kreide Theil , niemals ist eine einzige von ihnen in einer Falte des Seewer an-
zutreffen; eine scharfe, wiewohl schwer zu verfolgende Grenzlinie trennt beide
Fig. 34.
Wand am Westabhang der Canisfluh von der Hochstetter-Alp gesehen.
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
177
[91]
Formationen und dennoch ist derFlysch in seinem ganzen Complex noch ungleich
mehr zusammengewunden und gefaltet als die Kreide.
Die Erklärung für den inneren Bau des Hochglockner-Gebirges, welcher in
gleicherweise in westlicher Richtung gegen den Hohen Blanken und Hohen
Fre sehen fortsetzt, ist in der Erhebung der Canisfluh zu suchen. Mehr als eine
Quadratmeile nehmen hier die Jura- und Rossfelder Schichten ein. Von diesem
ganzen Raume hat das aus der Tiefe sich hebende Gewölbe die Kreideschichten
zur Seite geschoben, so dass diese nun einen in sich selbst zusammengewundenen
Complex bilden mussten. Dies fand besonders an der Südseite statt, da hier der
in der Höhe flache Rücken des Berges tiefer hinab gewölbter und steiler ist, da-
her die hangenden Schichten sehr steil aufgerichtet wurden und ihrer zähen Be-
schaffenheit wegen in sich selbst zusammensinken mussten. Dass dergleichen
Processe, wo immer sie Vorkommen, unendliche Perioden in Anspruch genommen
haben und niemals plötzlich von Statten gingen, ist wohl entschieden anzunehmen.
Man hat die Stetigkeit , mit welcher grosse Schichtensysteme allen Biegungen
folgen ohne einen einzigen Aufriss zu erleiden, dadurch zu erklären gesucht, dass
man meinte , die Schichten seien bei der Hebungskatastrophe noch in weichem
Zustande gewesen. Allein abgesehen davon, dass nach der Ablagerung desSeewer
die Spatangenkalk-Schichten kaum mehr insehr weichem Zustande gewesen sein
dürften, hätte auch durch die bedeutende Kraft, durch welche jene Erscheinungen
hervorgerufen wurden , die ganze Masse der Schichten zu einem einzigen Brei
zusammengedrückt werden müssen , um so mehr , wenn sie in fast senkrechte
Lage kamen. Waren aber die Schichten bereits erhärtet, so hätte ein plötzliches
Zusammenfalten sie zerreissen und zerbrechen müssen , es würden nur aufge-
häufte Trümmer zu sehen sein.
Noch eine Eigenthümlichkeit zeigt das Kreidegebirge südlich der Canisfluh.
Es fehlt nämlich hier der Caprotinenkalk in grosser Erstreckung. Irn Fortstrei-
chen tritt er erst westlich am Hoch-Freschen und östlich am Hoch-Ifer wieder
charakteristisch auf. Dies ist eine der wenigen Anomalien im Schichtenbaue des
Kreidegebirges.
Wenden wir uns von der Canisfluh nach Norden , so überschreiten wir zu-
nächst das mit Geröll ausgefüllte Thal der Bregenzer Ache bei Hirschau. Nach-
dem sie von Süden kommend das Juragewölbe zwischen Au undSchnepfau
durchbrochen hat, wendet sie sich nach West und fliesst am Fusse des Steilab-
falles der Canisfluh hin, bis sich ihr das Kreidegebirge der Mörzeispitz entgegen-
stellt und sie zu abermaligem nördlichem Laufe zwingt. Das Thal ist breit und
verbirgt unter seinen Geröllmassen, wie aus dem Profile hervorgeht, wahrschein”
lieh die Schichtenköpfe des Valanginien und der unteren mergeligen Spatangen-
Schichten. Die ersten Gesteine der jenseitigen Thalwand gehören den oberen
kalkigen Neocomschichten an, denen das Caprotinenkalkflötz mit seiner Gaultbe-
deckung aufgelagert ist; das ganze System biegt sattelförmig nach Norden um
und bedingt hierdurch die schönen Lagerungsverhältnisse des Gopfberges. Diese
sattelförmige Lagerung ist die einzige Modification , welche das Kreidegebirge
nördlich der Canisfluh durch deren Emporhebung erlitten hat. Von nun an durch-
schneidet unser Profil nur noch eine Reihe paralleler Kreiderücken, welche den
normalen Bau des ganzen Gebiets haben, den Bau der Canisfluh mit sanften Süd-
und steilen Nordabhängen. Es wiederholen sich in diesem Gebirge dieselben
Verhältnisse, welche sich im Trias-Lias-Gebiet ergeben, dieselben nach Norden
überstürzten Hebungswellen , dieselben steilen Schichtenabbrüche an den nach
dieser Himmelsrichtung gekehrten Abhängen, dasselbe Verschwinden des über-
kippten Theils der Wellen und damit dieselbe regelmässig wiederkehrende
23*
178
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[92]
Auflagerung älterer Schichtensysteme auf jüngere. Alle diese Eigenheiten des
Gebirgsbaues der nördlichen Kalkalpen sind im Kreidegebiete regelmässiger ent-
wickelt als in dem der Trias-Lias-Gebilde, wenngleich die Anomalien nicht in so
hohem Grade ausgebildet sind wie dort. Eigentlich wellige oder muldenförmige
Biegungen gehören zwar auch hier zu den Ausnahmen , aber man sieht noch oft
den nördlichen Theil der Hebungswellen schroff abgebrochen und steil aufge-
richtet in das nördlich anschliessende Thal hinabfallen. Je weiter gegen Norden,
desto stumpfer wird der Neigungswinkel und endlich folgen die deutlich-
sten Ueberstürzungen, welche wir im Verlaufe noch mehrfach nachweisen
werden.
Ehe wir in eine detaiilirtere Beschreibung der Gegenden eingehen , welche
die nördliche Fortsetzung des Canisfluh-Profils durchschneidet, wenden wrir uns
zur Betrachtung des Gebirgsbaues in einem westlicheren Theile des Kreide-
gebietes.
2. Umgegend von Hohenems.
Nirgends sind die Lagerungsverhältnisse des Kreidegebietes mit grösserer
Klarheit aufgeschlossen, als in diesem nordwestlichen Theile, der sich durch die
Vollständigkeit der Entwickelung der Schichten eben so auszeichnet wie durch
die ungemeine Einfachheit , in der die grossartigsten Störungen mit deutlichen
Zügen gezeichnet und in zahlreichen Profilen auf kleinem Raume entblösst sind.
Wir beginnen mit dem
Profil von Hohenems nach der Hohen Kugel, welches durch die
überaus klare Weise , in welcher es eine vollkommen überstürzte Hebungswelle
entblösst, den Schlüssel zum Gebirgsbaue der ganzen Gegend gibt. Es sind in
der Zeichnung (Prof. XX und Fig. 36) leicht die Durchschnitte zweier Haupt-
wellen ersichtlich, welche nach Osten ein wenig divergiren, indem die eine nach
Stunde 4, die andere nach Stunde 6 streicht; die erstere zieht von Hohenems
über Klien nach dem Röthelspitz und von hier in östlicher Richtung (Stunde 6)
weiter nach dem Bezeck und Winterstauden. In ihrem ganzen Verlaufe ist sie
nach Norden überstürzt und lagert unmittelbar dem Flysch auf; sie ist daher be-
sonders wichtig für das Verhalten von Kreide und Flysch. Auf den Profilen habe
ich sie als IV bezeichnet. Die zweite Welle unseres Profils (mit III bezeichnet)
beginnt, gleichfalls überstürzt , an dem isolirten Kumer Berg im Rheinthale und
streicht nach Stunde 5 über den Götzner Berg, die Alpe Gsohl und den Schönen
Mann bei Ebnit nach der WeissenFluh und den Bergen westlich von Bezau, von
wo sie weiter gegen Osten der vorigen parallel verläuft. Zwischen beide schieben
sich einige kleinere, aber nicht so stark überkippte Aufbrüche als Kuhberg, Stau-
fenspitz u. s. w. ein, durch die sich die grosse Mulde, welche eng bei Hohenems
als Tugsteinthal beginnt und weiterhin auf hügeliger Oberfläche die Häuser von
Emser Reutte und Tugstein trägt, allmälig in ein System von Mulden und Höhen
verwandelt , das aber immer den beiden Hauptwellen , zwischen die es einge-
schlossen ist, untergeordnet bleibt.
Der Weg von Hohenems nach der Hohen Kugel führt nach Ueberschreitung
der später zu beschreibenden
i. Numulitenschicht, im Anfänge über ein vollständig überstürztes System der
Kreideschichten; es erscheinen zunächst
h. graue zerfallende Mergel, und
g. dünnschieferige, fleckige Kalke und Mergelkalke der Seewerbildung; auf
ihnen liegt die Häusergruppe von St. Anton. Sie fallen, wie alle Schichten,
[93]
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
179
nach Stunde 11 mit 75°, oder vielmehr wegen der Ueberstürzung mit
90° -f- 15°. Es folgen
f. die weisslichen und gelblichen, sehr splitterigen Kieselkalke des Seewer,
e. der Gault scheint überwachsen zu sein.
Diese oberen Kreideschichten verschwinden im Westen schon bei dem Bad
Schwefel, dessen Schwefelwasserstoff führende Heilquellen in den dem Gault
zunächst liegenden Seewerkalkschichten entspringen , nachdem sie ihren
Schwefelwasserstoffgehalt wahrscheinlich aus jenem aufgenommen haben.
Um so mehr dehnen sie sich nach Osten aus , wo sie längs dem Nordfuss
des Tugsteines und des Schönen Mann zu grösserer Meereshöhe ansteigen,
und sich , die beiden Dornbirner Achen übersetzend , in mannigfaltigem
Schichtenverband bis zur Weissenfluh hinziehen.
d. Der Caprotinenkalk bildet weithin eine ununterbrochene steile Mauer am
Gehänge, die sich ebenfalls westlich von Schwefel in die Rheinebene hinab-
senkt, nachdem sie noch einmal, reich an charakteristischen Caprotinen auf-
getreten ist. Nur an wenigen Stellen gestattet die Steilheit der Mauer einen
Anstieg zu den höheren Schichten;
c. das Neocom beginnt mit dem schon erwähnten weissen schwarzgeaderten
Marmor; es folgt eine
b. Bank von Exogyra Couloni, in schwarzen mergeligen Schichten;
a. Wechsel verschiedener , meist kalkiger Neocomschichten. Auf ihnen liegt
die Alpe Gsohl genau an der Stelle, wo die Schichten umbiegen und da-
durch eine kleine Unterbrechung in dem steilen Gehänge veranlassen. Bald
aber folgt wieder
b. die Exogyrenbank und im tiefen Tobl weiter
c. der weisse Marmor, endlich
d. die steile Stufe des Caprotinenkalks, über die der Bach neben dem Weg in
Cascaden herabstürzt. Hiermit erreicht man eine neue Terrasse.
So klar dies Profil bis hierher schon an und für sich ist, so gewinnt es
daran noch durch eine Queransicht des Tugsteins , die y2 Stunde östlich
von Gsohl in prachtvoller Entblössung erscheint.
Fig. 35.
Tug-stein.
1 Spatangenkalk. 2 Schrattenkalk. 3 Gault. 4 Seewerkalk. 5 Seewermergel. 6 Nummulitenmergel. 7 Nunimu-
litenkalk.
Die steileren Formen , welche den Neocomschichten im Gegensätze zu
der Sanftheit der darunter und darüber folgenden oberen Kreide eigen sind.
180
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
insbesondere der scharfe obere Abschnitt der Terrasse lässt auch dieses
wichtigste Glied , welches den Rücken der langgezogenen überstürzten
Welle bildet, leicht verfolgen. Westlich sinkt es ebenfalls am Götzner
Berg bei Götzis mit schroffem Abbruche in die Rheinebene, erhebt sich aber
daraus noch einmal in der isolirten Insel des Kumer Rerges. Gegen
Osten wird die Welle vielfach von Thälern durchbrochen und lässt sich
schwer verfolgen. Nachdem sie hier den Schönen Mann und den Rocksberg
gebildet hat, scheint sie noch eine Strecke fortzusetzen, um, so viel ich bei
Nebelwetter beurtheilen konnte, in der Gegend der Alpe Sehren sich unter
dem Gault und Seewer zu verlieren , welche bei dem Ausgangsprofile dar-
unter und darüber auftraten , dort im Osten aber Alles zu überwölben und
zu bedecken scheinen. Doch die Welle setzt unter dieser Wölbung fort
und wir werden jenseits der Bregenzer Ache ihreFortsetzung in dem Kreide-
rücken (II) zwischen Bizauer Bach und Gruben-Tobl betrachten.
Uebrigens ist zu bemerken, dass das Verhältniss der Ueberstürzung, wie
es auf Profil XX und Fig. 36 so deutlich ist, weiter östlich sich in eine ein-
fache Welle mit steilem Nordabhange verwandelt, und zwar von da an, wo
sich parallele Secundärwellen zwischen IV und III einschieben (s. Prof. XXI).
e. Gault bildet die sanfte Fläche der lang sich hinziehenden Stufe, die zahl-
reiche Alpen trägt. Das Gestein, meist Sandstein, kommt wenig zu Tage.
f,g>h. Seewerbildung. Die ungeheure Mächtigkeit, in welcher hier dieses
Glied auftritt , wurde bereits erwähnt. Zwei steile Abstürze über einander,
durch eine waldige Terrasse getrennt, bringen das wohl 5 — 600Fuss mäch-
tige System der flach südlich fallenden , keinen Anschein von Störung tra-
genden Schichten deutlich zu Tage. Zum grössten Theile sind es die dünn-
schieferigen fleckigen Kalke mit einigen Belemniten und Inoceramen, w elche
die ganze obere Masse des Berges in einer Breite von mehr als einer Vier-
telmeile und bedeutender Längenerstreckung bilden. Allein dieses abnorme
Auftreten der sonst meist untergeordneten Seewerbildung dürfte seine Er-
klärung finden durch
e. einen grünlichen, braun verwitternden , etwas glimmerhaltigen Sandstein,
der zwar mancher Flyschschicht täuschend ähnlich ist , aber sicher zum
Gault zu rechnen ist, wie sich auch aus den weiteren Verhältnissen ergibt.
Er bildet die Spitze der Hohen Kugel und den Rücken nach Süden fast bis
zur KuglerAlp. Noch w ichtiger aber, und wohl die gänzliche Ueberstürzung
der Kreideschichten beweisend, ist die Wiederkehr desselben Sandsteins auf
dem Hörndl zwischen Seewer und Neocomien, und er ergibt sich um so
sicherer als Gault, als durchweg die benachbarten Seewerschichten jene
hellen splittrigen Kalke sind, welche stets den untersten Theil bilden. Sie
führen bei der Kugler Alp viele Belemniten. Somit erreichen wir hier eine
dritte Welle(II), die später betrachtet werden soll.
Das Gault-Seewer-Gebiet der Hohen Kugel zieht sich mit abnehmender
Breite gegen Westen hinab in das Rheinthal und erreicht dasselbe bei
Klaus, nachdem es vielen Alpen und den Häusern von Meschach und Fra-
xern Raum gegeben hat. Die Grenze gegen das südliche Neocomien streicht
hinab nach den Hügeln zwischen Klaus und Weiler. — Oestlich von der
Kugel zieht unsere Gault-Seewer-Zone in ansehnlicher Breite noch weit hin.
Sie trägt das einsame Dörfchen Ebrit und bildet eine breite, mit üppigen
Alpen (Hasengera, Gunzm oos u. s. w.) bedeckte, von tiefen Tobln
durchrissene Fläche längs dem Nordabhange der Mörzelsp itz und des
Guntenhangberges, um sich endlich mit dem nördlichen Zuge zu ver-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
181
[95]
binden und sich zu der weiten sumpfigen und torfigen Fläche der Alpen :
Untersehren, Rohr und Sch
Kreideschichten verschwin-
den unter derselben , treten
aber östlich wieder hervor.
Die weitere Entwickelung die-
se s Zuges (II und III) werden
wir später betrachten.
Nördlichster Kreidezug
(Nr. IV der Profile); Lage rungs- ~
verhältniss gegen den 1
Fl y sch. — Der beschriebene |
charakteristisch ausgebildete, in |
allen Theilen klare Kreidezug, ist r
im Norden durch das Tugsteinthal ~
von einem anderen Kreidegewölbe |
getrennt, welches von der Burg ~
Hohenems nach dem Klaus- »
her g und dem Winterstau den
zieht, und in seinem ganzen Ver- “
lauf analog dem westlichen Theile |
des vorhergehenden Zuges gebaut
ist; es ist insofern von besonderer »
Wichtigkeit, als es das Verhältniss %
der Kreide zu dem nördlichen E;
Flyschzuge darstellt. Es war schon Z
Murchison bekannt und wird
genauer von Esch er und Güm- |
bei erörtert, dass der Abhang zwi- g
sehen Dornbirn und Hohenems die I
<T>
umgekehrte Kreidefolge zu Tage “
bringt. Auf Flysch liegt Nummuli- *
tenkalk, darauf Seewer, Gault, in I
dessen sandigen feinkörnigen e.
Schichten Schleifsteinbrüche (bei |
Klien) angelegt sind , ferner Ca- |
protinenkalk mit vielen Caprotinen ^
und Neocomien, welches mit dick- °
bankigen Kalken beginnt, denen g
die oben erwähnte mergelige Bank I
von Ostrea macroptera mit unzäh- |
ligen Versteinerungen eingelagert j?
ist. Indem in der bezeichneten „
Richtung eine Schicht nach der 2
anderen sich allmälig in die Thal- |
sohle hinabsenkt, wird hier eines
der schönsten Kreideprofile ent-
blösst. Bei Unter-Klien kommt das
Caprotinenflötz herab; von da an
steht bis Hohenems nur noch Neo-
comien an, das die weitläufigen
ellenvorsüss auszubreiten. Die älteren
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
182
[96]
Ruinen der Burg, der einstigen Ritter von Hohenems trägt. Der Abhang gestaltet
sich dadurch wie Fig. 36 zeigt.
Der Grund dieser Lagerung und ihr Zusammenhang mit dem schon be-
schriebenen Kreiderücken dürfte aus den Parallelprofilen XX, XXI klar werden,
eben so wie die Lagerung der eingeschobenen kleinen Erhebungen.
Verfolgen wir die Grenze zwischen Kreide und Flysch weiter nach Osten,
so erhalten wir den nächsten deutlichen Aufschluss in der Enge zwischen Bezeck
und Vorder -Kl ausberg, durch welche die Strasse von Schwarzenberg nach
Bezau führt. Hier sind die folgenden zwei Parallelprofile entblösst:
In den beiden Profi-
len sind die oberen Kreide-
schichten verhüllt; doch
lässt sich auf dem Wege
von der Alp Vorder-Klaus-
herg durch einen tiefen
Tobl nach der Sägmühle
hinab Einiges vervollstän-
digen. Der Caprotinen-
kalk tritt hier als ein
wahres Conglomerat klei-
ner Korallen und Forami-
niferen auf. Zwischen ihm
und dem Flysch sind stel-
lenweise die fleckigen See-
wermergel sichtbar. —
Uebrigens ist es auffal-
lend, dass auch bei die-
sen» Gewölbe die Ueber-
stürzung des Schichten-
systems im Osten aufhört, wenngleich dieses selbst nicht so sehr verschwindet,
wie das vorige (III). In ähnlicher Weise scheint die weitere Fortsetzung gegen
Osten stattzufinden, die wir später im Zusammenhänge mit jener der südlichen
Züge betrachten werden.
Fig. 37.
Bregenzer Ache. Bezeck.
Bregenzer Ache.
fireyenzer Ach
Fig. 38.
Hoch-Aelpele.
Vorder-Klausberg. Brünneles-Eck.
J i 4 3
Profile an der Flyschgrense südlich von Schwargenberg.
Spatangenkalk. 2 Schrattenkalk. 3 Gault, Seewerkalk und Seewermergel.
4 Flysch. 5 Schotterbänke.
3. Umgegend von Feldkirch, Rank weil und Hoch -Fr eschen. (Hebungswelle
I und II.)
Nirgends macht sich der Einfluss der Centralhebung der Canistluh auf den Ge-
birgsbau des angrenzenden Gebiets auffallender geltend als in diesem südwestlichen
Theile des Kreidelandes. In wenig ausgedehnten Plateau’s, deren Schichten nach
Westen, Norden und Osten senkrecht abgebrochen sind und nur nach Süden sich
allmälig senken, erheben sich die Kreideschichten erst inselförmig (im Schellen-
berg undArdetz enb erg), dann in ausgedehnteren Flächen aus der Rheinebene.
Kluftartige Thäler mit senkrechten Wänden , ausgefüllt mit fruchtbarem Boden,
zerreissen die Hochfläche in einzelne Schollen. Feldkirch liegt an der Vereini-
gungsstelle von zwei solchen Klüften, die sich rechtwinkelig (NW. — SO. und
SW — NO) durchsetzen und ein weites, allmälig nach Süd sich senkendes Pla-
teau in vier Schollen zertheilen, daher von allen Seiten Engpässe den Zugang zu
der malerisch gelegenen Stadt vermitteln. Die vielen senkrechten Abstürze,
welche dadurch entstehen , entblössen die obersten Schichten des Spatangeu-
kalkes und das Caprotinenflötz, welches stets den obersten Rand des Steilabfalles
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
183
[97]
bildet. Die bedeckenden Gaultgesteine schaffen das Wein- und Getreideland auf
dem Rücken der kleinen Plateau’s. Am Margarethenkopf tritt diese Schicht
versteinerungsreich auf. Sie wird selten von Seewerbildungen überlagert.
Nach einer bedeckten sattelförmigen Biegung, welche die zerstreuten Gehöfte von
Gailmist trägt, folgt im Süden der mächtig entwickelte Flysch, und durch die
im Allgemeinen südöstliche Senkung entsteht östlich von Feldkirch eine Niederung,
in welcher sich der langgezogene Spiegel des Walduna - See's ausbreitet, wäh-
rend sie weiter hin gegen Süd die Ortschaften Tu fers, Runggels, Pfitz,
Dums, Göfis trägt. Mit steilem Abbruch erhebt sich noch weiter östlich eine
höhere Terrasse, auf deren von Caprotinenkalk gebildetem Rande die Kirche von
Uebersachsen steht. Auch hier trägt das Flötz eine allmälig nach Südost sich
senkende fruchtbare Fläche, die bereits mehr wellig ist und von dem tiefen Lat-
ternser-Thal durchschnitten wird.
So sind hier nur die überaus flachen Südabhänge ähnlicher Wellen ausge-
bildet, wie sie bei Hohenems mit hoher Wölbung so schön entwickelt auftreten,
während gegen Nordwest stets nur ein schroffer Schichtenabbruch ohne Spur
einer wahren welligen Biegung das System abschneidet. Wendet man sich von
Feldkirch gegen Norden dem Gehänge des Rheinthaies entlang, so begegnet man
bei dem grossen Dorfe Rankweil, wo aus enger Neocom-Kluft der Latternser-
bach in die Ebene hinaustritt , den ersten Spuren wahrer welliger Biegungen.
Sie veranlassen den isolirten Felsen , den die Kirche von Rankweil malerisch
krönt und das plötzliche Auftreten von muldenförmig eingelagerten Seewer-
schichten, welche östlich fortzustreichen scheinen. Eine kleine Aufbiegung bringt
Caprotinenkalk und Spatangenkalk zu Tage und dann treffen wir , am Abhange
des Rheinthaies weiter hinwandernd, eine ausgebreitete Gault- und Seewer-Ab-
lagerung , die den ganzen Raum zwischen der Häusergruppe Ratschunsund
dem kleinen Bad Röthis einnimmt. Sie fallen nach SSO. und liegen auf jenem
Neocomien, den wir als Südgrenze des Zuges III kennen lernten und der als brei-
ter Streifen vom Hörndl über St. Victorsberg nach dem Rheinthale hinab-
zieht; er bildet allein dessen Gehänge von Weiler bis Röthis.
Das Resultat der Betrachtung dieses einigermassen schwierigen Terrains
ergibt also drei Wellenbiegungen , die sich an die bei Hohenems beschriebenen
und mit IV und III bezeichneten anschliessen:
II. Fraxern — St. Victorsberg — Röthis (Neocom) ; Ratschuns (Gault und
Seewer).
La. Die kleine Aufbiegung von Neocomien zwischen den beiden Seewer-
mulden.
I. Rankweil — Frastanz; die Haupterhebung und Schichtenbiegung ist dicht
bei Rankweil.
Wenn man das an den Ufern des Rheinthaies so deutlich aus vier Gebirgs-
wellen bestehende Kreidegebiet in seinem Fortstreichen gegen Osten verfolgt,
so werden die Verhältnisse unklarer , je näher man der Canisfluh kommt. Die
flachen Ausbreitungen des südlichen Schenkels der Welle I, wie sie bei Feld-
kirch herrschen , lösen sich in eine Reihe höher ansteigender, unregelmässiger
und vielfach durchfurchter Bergzüge auf, in denen nur zuweilen noch das süd-
liche Einfallen zu beobachten ist. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist der Hoch-
Fr eschen, von dessen Gipfel die Seewerbildungen sich allmälig dem flachen
Südabhange entlang hinabziehen, den sie fast allein bilden. In bedeutender Mäch-
tigkeit durchsetzen sie , von dem liegenden Caprotinenkalk begleitet und von
Flysch überlagert, das Latternser Thal oberhalb des Hinterbades, und erweisen
sich so als Fortsetzung der flachen Schichtenausbreitungen, in denen die Welle I
K. k. geologische Reichsanstult. 12. Baud, 1861 und 1862. II. Heft. 24
Ferdinand Freiherr von Richtholen.
184
1*8]
bei Feldkirch und Rankweil erscheint. Vom Hohen Freschen setzt dieselbe Ge-
birgswelle östlich nach dem Hohen Koyen und der Canisfluh fort.
Der nördliche Zug II zieht von St. Victorsberg aus durch Thäler und
über Höhenzüge hinweg über die Alpen L atora, Jägerswald, Alten ho f nach
der Mörzel-Spitz und dem Guntenhang-Berg. Sein Verhalten zu den
beiden einschliessenden Zügen wird durch die Profile klar.
Dies sind die allgemeinen Verhältnisse im südöstlichen Theile des Kreide-
gebietes; allein so einfach auch in grossen Zügen der geognostische Bau sich
darstellt , so verwickelt erscheint er in der Natur, und man irrt oft in einem La-
byrinth herum. Das massenhafte, durch Schichtenbiegungen unverhältnissmässig
vermehrte Auftreten der unteren weichen Neocomschichten, hat den Gewässern
überaus grossen Spielraum zu einer ausgedehnten Erosionsthätigkeit gegeben;
daher die Bildung weiter amphitheatralischer Thalkessel , in welche die kleinen
Bäche von allen Seiten aus tiefen Runsen undTobln, wie in einen Trichter hinab-
stürzen und bei Regenwetter bedeutende Thonmassen herabführen , die dann
durch den Thalbach in den Rhein hinabgeschwemmt werden; daher die nackten
schwarzen Abhänge, deren aufgelöste Neocommergel fort und fort hinweggespült
werden und dem fortgeführten nachstürzen. Das Aufkommen der Vegetation
wird daher trotz des fruchtbaren Bodens oft auf weite Strecken verhindert, und
wo sie Platz gegriffen hat , sind es meist ausgedehnte dunkle Nadelwälder , die
sich in die Thalgründe hinabziehen; nur selten umschliessen sie einsame Alpen
auf stellenweise hervortretenden Schichten von Gault oder Seewer, auch wohl auf
den festeren des Neocomien. So ist der Charakter des Thaies von St. Victors-
berg, der obersten Strecke des Thaies der unteren Dornbirner Ache, zum Theil
auch des Mellenthaies, also der ganzen Umgebung des Hohen Freschen.
Allein so sehr auch diese Auswaschungen und Durchbrüche die Anordnung
des Gebirgsbaues verbergen, tragen dazu doch noch vielmehr die Faltungen und
Ueberstürzungen in dem Umkreise bei, welchen Mörzel-Spitz, Hoch -Fre-
schen, der Hohe Blanken, die Mittagspitz und der Hohe Glöckner
um die Canisfluh bilden.
Von allen Seiten erweist sich das Juragewölbe als das Centrum der Hebungen
im Kreidegebiete und es stört daher die Hebungswellen in ihrem Verlauf. Ver-
suchen wir eine Analyse dieser Störungen rings um den Berg, so sind sie
zunächst an der Mittagspitz und am Hohen Glöckner nach unserer obigen Dar-
stellung völlig klar. Ungleich grössere Schwierigkeiten bietet die überstürzte
Schichtenfolge am Abhang vom Sünser See gegen das Mellenthal. Eben
hat man noch regelmässig nach Süden fallende Schichten von Flysch , Num-
mulitenkalk und Seewer überschritten, so erscheinen plötzlich die tiefsten Spa-
tangenschichten und darauf in der oben beschriebenen Weise das ganze umge-
kehrte System der Kreide, bis man bei der Alpe Linden die splitterigen Seewer-
kalke und dann die Seewermergel erreicht, die sich am rechten Abhang in gleich-
bleibender Höhe unter einem Caprotinenkalkflötz als eine fruchtbare Weidefläche
weit fortziehen. Die Alpe „zu den bleichen Wänden“ hat vom Caprotinenflötz den
Namen. Steigt man von hier abwärts in die tiefe Thalschlucht, so überschreitet
man die normale Reihenfolge, deren tiefste mergelige Neocomschichten die
schwarzen schlüpferigen Abhänge zunächst der Thalsohle bilden. Eine Faltung in
sehr grossartigem Maassstabe ist also hier auf das Klarste vorhanden. Fast noch
deutlicher ist dieselbe am linken Gehänge des Thaies, welches in vielfacher
Beziehung zu den interessantesten Thälern Vorarlbergs gehört. Jenes Gehänge
wird von dem Bergzuge des Mörzel-Spitz und Guntenhang gebildet. Der
unterste Abhang besteht aus Neocom, ebenso der ganze, in viele leicht besteig-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
185
[99]
bare Gipfel aufgelöste Kamm. Dazwischen treten zwei Caprotinenflötze auf, welche
einander parallel in horizontaler Richtung weit hinziehen und eine alpenreiche
kleine Terrasse von Gault-
Fig. 39.
Hohe Koyen.
Mellen-Thal.
Guntenhang-Berg\
und Seewer - Schichten
einschliessen, und zwar
in derselben Höhe, in wel-
cher am jenseitigen(NW.)
Abhang der beiden Berge
die breite Gault- Seewer-
Terrasse der Alpen: Ha-
sengära, Gunzmoos, Un-
terseiten u.s.w. erscheint.
Die Ueberstürzung, auf
welche das Lagerungsver-
hältniss schliessen lässt,
wird zur Gewissheit, wenn
man an den Ausgang des
Mellenthales gelangt und auf das gegenüberliegende Gehänge jenseits der Bregen-
zer Ache steigt; man erhält alsdann die beistehende Profilansicht, welche zugleich
den Grund der Ueberstürzung in der Emporhebung des Juragewölbes der Canis-
fluh und seiner östlichen Fortsetzung, des Hohen Koyen, anzeigt. Es ist hiermit
der Schlüssel zur Erklärung der Lagerungsverhältnisse des ganzen Thaies gegeben.
Ansicht am Ausgang des Mellenthales.
Rossfelder Schichten. 2 Spatangenkalk. 3 Schrattenkalk.
Seewer.
4 Gault und
4 Umgebungen von Bezau, Schnepfau, Hoch-Ifer und Sibratsgföll (öst-
liches Kreidige bi et).
Die Bregenzer Ache scheidet den betrachteten westlichen Theil des Kreide-
gebietes von dem östlichen. Die Lagerungsverhältnisse bleiben im Wesentlichen
dieselben; aber während dort unabhängig von ihnen nach allen Richtungen ver-
zweigte Thalsysteme verlaufen und durch ihre tiefen Einschnitte und schroffen
Durchbrüche die Profile klar zu Tage treten lassen, bedingt hier die schon im
Canisfluhprofil hervortretende Uebereinstimmung der Oberflächengestaltung mit
dem Schichtenbau einen sehr verschiedenen Charakter. Dort mussten die Hebungs-
parallelen mühsam durch Verfolgung der einzelnen Schichten quer über die
abnorm verlaufenden Gebirgszüge hinweg verfolgt werden und traten wohl als
ein geognostisch Ganzes hervor, das aber nur zum Theile die Oberflächengestal-
tung zu bestimmen vermochte. Oestlich von der Bregenzer Ache tritt jede
Hebungsparallele, in sich einfach und ungestört, als wirklicher Parallelzug im
Gebirgsbau auf, parallel der Antiklinal- und Höhenlinie der Canisfluh und der
tiefen Einsenkung an ihrem Nordahhang. Die Zahl der Hebungsparallelen wird
zuweilen durch kleine Zwischenglieder vermehrt, welche sich allenthalben ein-
schieben und besonders an dem Canisfluhprofile (XXIII) sich geltend machen.
Noch weiter im Osten ändert sich der Verlauf der parallelen Hebungen in ihrem
Einfluss auf die Oberflächengestaltung. Drei Umstände tragen dazu bei: das
grosse Querthal des Subers-Baches mit seinen vier Quellbächen, das Hervortreten
von Juragesteinen auf der Spitze des Feuerstätterberges und das allmälige Ver-
flachen der Höhenzüge, wodurch oft mehrere derselben sich zu plateauförmigen
Ausbreitungen vereinigen; also hier im Osten dasselbe Verhältnis wie im Westen
gegen das Rheinthal. Verfolgen wir nun die einzelnen Züge:
Bezeck- Winterstau den (IV). (Fortsetzung von Hohenems-Bezeck).
Aus der dichtbevölkerten, aus fruchtbaren Molasse- und Flysehgesteinen gebil-
24 *
186
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[100]
deten hügeligen Fläche, auf der sich die üppige Cultur der weitzerstreuten
Dörfer des vorderen Bregenzer Waldes ausbreitet, erhebt sich in gerader Linie
von Bersbuch über Andelsbuch nach Sibratsgföll ein langgezogener,
aus den ersten Kreideschichten gebildeter Wall, als die Grenzscheide des land-
schaftlich weit verschiedenen, in Bevölkerung und Sitten ursprünglicheren hin-
teren Bregenzer Waldes. Mit geringerer Höhe als Be zeck beginnend, steigt nach
Osten der Zug allmälig zur Lingenauer Höhe an und erreicht in dem 5918
Fuss hohen Winterstauden seine grösste Erhebung. Weiterhin senkt er sich
wieder hinab und verliert jenseits des Subersbaches vollständig seinen Charakter.
Der Schichtenbau des Zuges ist im Allgemeinen der oben (Fig. 37) darge-
stellte des Bezecks; doch tritt er nicht überall mit gleicher Klarheit hervor.
Der Winkel, welchen an der Antiklinallinie, die grösstentheils zugleich Höhenlinie
ist, die beiden Schenkel bilden, ist am Bezeck noch spitz, so dass der nördliche
Theil überstürzt ist; er öffnet sich aber gegen Osten mehr und mehr und bewirkt
dadurch eine zunehmende Verflachung der Schichten. Dazu kommt, dass die
Höhenlinie sich allmälig spaltet und eine flache Mulde einschliesst, welche mit
Gault und Seewer ausgefüllt ist. Am Subersbach tritt dies ganze System in die
Thalsohle hinab, in der man es auf dem Weg von Schönebach nach Sibratsgföll
überschreitet. Bei der Alp „auf der Aue“ am Ausfluss des Höllbocks-Tobls führt
eine Brücke über eine tiefe, vom Subersbach wild durchbrauste Spalte des
Caprotinenkalks, der sich vom Südabhang des Winterstauden bis hier herab zieht.
Er wird von wasserreichen Gault- und Seewer-Schichten bedeckt, welche nie-
drige Hügel bilden, und tritt bei der Brücke von Schönebach noch einmal hervor.
Dieses ganze System steigt östlich zum Gadberg an, und streicht von da hinüber
in das Algäu, wo es sich mit der Hochfläche des Gottesackers vereint.
Eine sehr bedeutende Abweichung im Gebirgsbau bedingt der Fe u er-
st» tter Berg; der nordöstliche Grenzpfeiler des Vorarlbergisehen Kreide -
gebietes gegen das Algäu. Indem seine mächtige Masse sich nördlich von dem
Zuge des Winterstauden plötzlich einschiebt, rückt sie die bisher geradlinige
Flysch-Kreidegrenze bogenförmig nach Norden hinaus. Der Schichtenbau des
Berges ist unklar, da die langen sanften Südgehänge keine Gesteine zu Tage
kommen lassen. Nur unmittelbar bei Sibratsgföll ist ein wenig Seewer entblösst
und im Fugenbach die Schichtenköpfe von Gault- und Caprotinenkalk. Auf der
Höhe folgen die steilen Biffe des vielfach gewundenen Systems der Juraschichten,
denen ein Sandstein folgt, welcher nach seiner petrographischen Beschaffenheit
eben so als Gault wie als Flysch gedeutet werden kann, aber wohl letzterem
angehört. — Obwohl der Feuerstätter Berg einen gegen Norden gerichteten
Vorsprung aus dem Kreidegebiet bildet, so zieht doch in derBichtung derFlysch-
grenze am Winterstauden weiter östlich eine tiefe Depression fort und trennt das
Kreidegebiet des Algäu’s in zwei Theile. Sie ist ausgezeichnet durch ihren
Reichthum an vortrefflichen Alpen (Wies-Alp, Hirschgunt, Mooser Haag, Rohr-
moos u. s. w.) und entsendet von ihrer ungemein niedrigen Wasserscheide
nach Westen den Schönebach, nach Osten die Starzl-Ache.
Weissenfluh-Hirscheck (III). (Fortsetzung von Götzis-Weissenfluh).
Eine langgezogene Depression trennt den vorigen Zug von diesem. Unmittelbar
südlich von der Höhe des Winterstauden erhebt sie sich zu einer Wasserscheide,
von der nach Westen der Grebentobl hinabzieht und den schönen Thalkessel von
Bezau bildet, während östlich im Höllbockstobl, der kürzlich durch einen
Bergsturz fast unzugänglich geworden ist, jene Depression bis zum Subersbach
fortsetzt. Steil erhebt sich aus ihr der langgedehnte Zug, der eine einzige
ununterbrochene Welle von Ellebogen an der Bregenzer Ache bis zur Alp „auf
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
187
[101]
der Aue“ am Subersbach, dem Haupttheil des Zuges Weissenfluh- Hirscheck
bildet. Die Steilheit der Wände veranlasste den verheerenden Bergsturz im Höll-
bocks-Tobl, wo das steil geneigte Caprotinenflötz von der aufgeweichten merge-
ligen Neocom-Unterlage hinabgerutscht ist. An der scharfen Antiklinal- und
Höhenlinie beginnt der schwächer geneigte Südabfall, der hier weniger fruchtbar
ist als am Winterstauden, da der Caprotinenkalk nur stellenweise von dem frucht-
baren Gault überlagert wird. Zwischen Bezau und Bizau löst sich der Zug in
drei secundäre auf, die sich jenseits der Bregenzer Ache allmälig zu dem Gault-
Seewer-Plateau der Alpen: Sehren, Weissenfluh u. s. w. vereinigen, auf dem
wir früher die von Westen her verfolgte Welle verliessen.
Auch dieser Höhenzug wird im Süden von einer langgezogenen Depression
begleitet, die gleich der vorigen, in der Mitte zu einer niederen Wasserscheide
ansteigt und nach Westen in den Thalboden von Bizau, nach Osten in den des
Sennhüttendorfes Schönebach abfällt, beides überaus fruchtbare und reiche
Gelände, welche malerisch zwischen den parallelen buchenbewachsenen Höhen -
Zügen eingeschlossen sind. — Oestlich von Schönebach vereinigt sich Alles zu
dem weiten öden Karrenfeld, das den Namen des Gottesackers führt und mit
steilen Wänden nach dem Thal des Achenbaches und der Starzlach abfällt. Der
hervorragendste Theil des Bandes ist das Hirscheck.
Gopfberg- Hirschb ergfluh- Gottesacke r (II) und Mittagfluh-
Didamskopf-Hoch-Ifer (I). — Der Gopfberg scheidet das Thal von
Beutte und Bizau von dem südlichen von Mellau, Hirchau und Schnepfau.
Sein Bau wurde oben beschrieben und ist aus dem Canisfluhprofil klar. Ihm
analog ist sein östlicher Anschluss, die Hirschbergfluh, gebaut, ein gross-
artiges Gewölbe, das durch eine flache Einsattelung in das Juramassiv der Mittag-
fluh übergeht. Westlich von der Einsattelung zieht sich eine tiefere, mit jüngerer
Kreide erfüllte Depression nach Schnepfau hinab. Oestlich indess beginnt ein
eigenthümliches System von vier Thälern , welche radienförmig in den Zug (I)
eingreifen und sich bei Schönehach vereinigen. Dadurch werden hier mächtige
Schichtensysteme blossgelegt. Der nördlichere Zug lässt sich über drei isolirte,
aus Caprotinenkalk und Gault-Seewer gebaute Spitzen zwischen den vier Thälern
hinweg nach dem Söfenschroffen verfolgen, mit dem er in das Plateau des
Gottesackers übergeht. Ungleich klarer ist der südliche Zug, der in der Strei-
chungsrichtung der Canisfluh bis zum Hohen Ifer fortsetzt und in mehreren
amphitheatralischen Thalkesseln den grossartigen Schichtenaufbau in senkrechten
Mauern von Tausend Fuss Höhe entblösst. Dies findet besonders ausgezeichnet
am Didamskopf statt, der ganz aus Neocom besteht und am Hohen Ifer,
dessen kleines, südlich geneigtes Plateau von einer nach drei Seiten steil abge-
brochenen, daher schwer zugänglichen, unbedeckten Scholle von Caprotinenkalk
besteht. Nur nach Nordost geht sie in den Gottesacker über. Steile Pfade , oft
auf roh ausgehauenen Stufen, führen aus dem tiefen Grunde der romantischen
wilden Thäler an dem Gehänge hinauf auf alle diese sanft geneigten Hochflächen,
welche eine grossartige Fortsetzung der Alpenfläche der Canisfluh bilden, sowie
jene Steilwände durch das Fortstreichen ihrer Höhenlinie veranlasst sind , und
auf das Klarste die grossartige Gesetzmässigkeit im Gebirgsbau darthun.
Es bleiben zur Betrachtung nur noch die Gehänge übrig, welche von den
Höhen des Didamskopfes und des Hohen Ifer nach der Flyschgrenze ziehen. Der
Didamskopf besteht seiner Masse nach aus Neocomgebilden und da diese con-
stant nach Stunde 11 fallen, so bestehen zwei Gräte, die er nördlich gegen
Schönebach gabelförmig entsendet, auch daraus. Gegen Süden gabelt sich der
Berg gleichfalls. Ein Arm zieht südwestlich zwischen Stockach-Bach und
188
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[102]
Schranbach nach Remen bei Au hinab, der andere ist nach Südosten gerichtet
und theilt sich abermals, indem ein Theil, welcher die steile Wand bildet, in
grossem Bogen nach dem Hohen Ifer hinzieht, während der andere seiner Rich-
tung treu in den Ochsenhofer Kopf übergeht. Zwischen beiden Armen, die nach
Aussen steil abstürzen, zieht sich eine flache Mulde hinab, welche die Didams-
Alp trägt und aus Gault und Seewer besteht. Aus dieser Mulde erhebt sich der
Flysch als neuer südlicher Höhenzug. Von Schopernau steigt die Grenze über
die Breitalp hinauf nach dem Pass „auf dem Kreuz“ und in den Kessel der
Subersalpe, wo Gümhel *) die Auflagerung des Flysches auf Seewer genau beob-
achtete. Diese Grenze und diese Auflagerung lässt sich noch weithin verfolgen.
Ueberall ist die ganze Kreidefolge in bedeutender Vollständigkeit ausgebildet,
überall bildet Neocom die nördlichen Wände, Caprotinenkalk die zu wüsten Kar-
renfeldern ausgewitterten, südlich geneigten Hochflächen, denen weiter am Abhang
hinab allmälig Gault- und Seewer-Schichten mit reichen Alpen (Subers. Grabath,
Mölkböden, Auer u. s. w.) folgen, bis endlich der Flysch zu einem neuen
Gebirgszuge ansteigt. Der Thalbach, welcher beide Höhenzüge trennt und bei
Rietzlen im Thal Mittelberg in die Breitach mündet, ist noch in die obersten
Kreideschichten eingeschnitten, welche man hier mit ungewöhlicher Klarheit
beobachten kann.
Interessant sind einige Bergstürze, welche dieses Thal verheert haben.
Von der geneigten mächtigen Scholle von Caprotinenkalk, welche den Hohen
Ifer bildet, brechen zu Zeiten mächtige Massen los und stürzen hinab in die
Tiefe. Man sieht, dass in früherer Zeit das Kalkflötz bis zu den in der Thalsohle
gelegenen Mölkböden hinabreichte; eine sehr bedeutende Masse hat sich los-
getrennt, beim Hinabrutschen in weiter Erstreckung das liegende Neocomien
entblösst und mit ihren Trümmern unterhalb jener Alpe eine kleine Ebene
geschaffen, welche in ihrem oberen Theil Sumpfland ist, im unteren ein von
einzelnen Bäumen bewachsenes kolossales Trümmermeer, unter dem der Thal-
bach in der Tiefe hindurchströmt.
5. Ergebnisse.
So ergibt sich das Kreidegebiet Vorarlbergs als ein in seiner Schichten-
entwickelung, wie in seinem ursprünglichen Gebirgshau überaus gleichförmig
und nach klaren Gesetzen entwickeltes Ganzes. Vier ostwestlich streichende,
nach Norden steil einfallende, zum Theil überstürzte Wellen sind es, auf welche
sich Alles zurückführen lässt. Allein es schieben sich zwischen Hauptwellen andere
secundäre ein. (Staufen-Spitz, Kuhberg, Tugstein bei Hohenems u. s. w.) Eine
Welle spaltet sich in zwei, welche eine Mulde einschliessen (Winterstauden,
Bizauer Berg) und durch das Auseinandertreten der beiden Schenkel verflacht
sich zuweilen eine Welle und breitet sich plateauförmig aus (Berge bei Feld-
kirch, zwischen Götzis und Klaus, Weissenfluh, Gottesacker); endlich senken
sich Wellen unter andere Formationen hinab und verlieren damit ihren Cha-
rakter oder sie erheben sich auch wieder im weiteren Verlaufe. Alle diese Fälle
finden im Vorarlbergischen Kreidegebiet in grosser Mannigfaltigkeit statt und
bedingen zum Theil seinen vielgestaltigen Charakter.
Querverwerfungen sind nirgends in solchem Maassstabe zu beobachten,
dass sie auf den Gliederbau des Landes Einfluss hätten. Eine kleine derartige
Verwerfung ist am Tugstein bei Hohenems, wo die Kreideschichten um wenige
1) A. a. 0. Seite 6.
Die Kalkalpen \on Vorarlberg und Nord-Tirol.
189
[103]
Hundert Fuss gegen einander verschoben sind. Auch bei Klaus, zwischen Reutte
und Mellau scheinen beide Thalwände ein wenig gegen einander verworfen zu
sein. Doch bleibt dies allemal höchst unbedeutend. Noch weniger sind seitliche
Verwerfungen in der Richtung des Streichens von Ost nach West oder umgekehrt
zu beobachten. Um so häufiger sind die Fälle, wo das Kreidesystem in der
Streichrichtung seiner Wellen geborsten ist und die beiden Theile nach auf-
wärts oder abwärts gegen einander verworfen sind. Nicht selten findet dann,
ähnlich wie im Lias-Trias-Gebiet, eine Ueberschiebung Statt. (Gopfberg gegen
Reutte.)
Am mächtigsten sind die Störungen, welche die Centralhebung der Canis-
fluh verursachte. Zwar ist keineswegs anzunehmen, dass die hebende Kraft sich
an diesem Punkte centralisirte, sonst müssten sich die Wellen concentrisch um
die Canisfluh ziehen; allein dass die Hebung hier am stärksten war, beweist die
bedeutende Höhe, bis zu der die Juraschichten aus einer grösseren Tiefe heraus-
gehoben wurden, als die ältesten Kreideschichten einnahmen; man könnte ein-
wenden, der Rerg sei schon vor der Kreideperiode vorhanden gewesen und nun
in gleichem Maasse mit der Umgebung gehoben worden. Allein dem widerspricht
die regelmässige und vollständige Ausbildung der Kreide gerade an diesem Berge
eine Ausbildung, welche auf ein gleich tiefes Meer schliessen lässt, als im ganzen
übrigen Gebiet verbreitet war. Wenn somit die Canisfluh zwar weder auf eine
centralisirte Hebungskraft noch auf ein vollständig gleichmässiges Erheben im
ganzen Gebiet hindeutet, so ist es doch augenscheinlich, dass die Kraft, welche
die ganze Welle: Ardetzenberg — Hoch-Fresehen — Canisfluh — Mittagsfluh —
Didamskopf — Hoch-Ifer, die mächtigste von allen, hervorbrachte, sich am
stärksten an dem einen Punkt äusserte, während sie bei Feldkirch sehr gering
gewesen sein muss. Dem entsprechend finden in den Umgebungen der Canisfluh
jene bedeutenden Störungen im Gebirgsbau statt, welche wir eben erörterten
und welche das regelmässige Fortstreichen der Wellen so unklar machen, ohne
es aber zu vernichten. Ein Umstand ist es, welcher beweiset, dass das Maximum
der Kraft auch ein klein wenig centralisirend wirkte, das ist die Aenderung in
der Richtung der Wellen von West nach Ost, so zwar, dass sie einen Bogen mit
allerdings sehr grossem Radius um die Canisfluh beschreiben. Bei Hohenems
streichen dieWellen Stunde 41/a, selbst Stunde 4, weiter östlich nur Stundet und 6.
Geringeren Einfluss auf das Kreidegebiet scheint die Juramasse gehabt zu
haben, welche im Feuerstätter Berg zu 5194 Fuss Höhe gehoben wurde. Wie
das Aufsteigen des zusammengefalteten und gepressten Schichtensystemes eine
ganz locale Erscheinung von geringer Ausdehnung ist, so ist es auch mit der
Einwirkung auf den Gebirgsbau der Umgebung.
Den grössten Einfluss auf die Oberflächengestaltung des Kreidegebietes hat
das von dem Verlauf der Hebungswellen so abweichende System der Thäler.
Nur nördlich und nordöstlich von der Canisfluh, zwischen den Orten Bezau,
Bizau, Mellau, Schnepfau und Schönebach sind sämmtliche Haupt- und secundäre
Wellen durch parallele Thäler getrennt; ihre Bäche fliessen durch eine nach
Stunde 11 verlaufende Wasserscheide getrennt nach verschiedenen Seiten ab.
Aehnlich ist es mit den kurzen Thälern, welche zwischen Götzis und Röthis in die
Rheinebene hinabkommen. Allein schon die Bregenzer Ache und der Subersbach
folgen diesem Gesetze nicht mehr. Beide durchbrechen die Wellen rechtwinkelig
und weiter im Westen wird die grösste Unregelmässigkeit zur Regel. Wir werden
hier darauf hingeführt, quere Berstungen der Kreidewellen anzunehmen, ent-
sprechend der grossen Zerspaltung der Canisfluh zwischen Au und Schnepfau.
Solche Berstungen sind zwischen Mellau und Reutte, ferner südlich von Bersbuch,
190
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[104]
zwischen Ebnit und Beckenmann, zwischen Götzis und Klaus, am Walduna-See,
am Ardetzenberg hei Feldkirch u. s. w. Die Wasser haben diese Spalten aus-
gewaschen und verbreitert , über ihnen sanftere Abhänge geschaffen und so
hauptsächlich dazu beigetragen, dass häufig Höhenlinien und Senkungen quer
gegen die Hebungswellen gerichtet sind.
Der gesarnmte Gliederbau weist scheinbar darauf hin, dass in früherer Zeit
die Kreideschichten ein weit grösseres Areal einnahmen, denn das ganze Gebiet
besteht ausschliesslich aus der einen Formation, deren vielfach gewundene
Schichten früher eine ebene Ausbreitung gehabt haben müssen. Es müssen daher
entweder die auf eine grössere Fläche verbreiteten Schichten auf einen kleineren
Raum zusammengeschoben worden sein oder die Masse der Schichten muss sich
so ausgedehnt haben, dass sie sich krümmen musste, wo sie vorher horizontal war.
Das Erstere scheint in geringem, das Letztere in sehr bedeutendem Maasse statt-
gefunden zu haben und die Strecku ng eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen.
Das gewöhnliche Merkmal für dieselbe, die Zerreissung der Versteinerungen in
mehrere durch Klüfte getrennte Stücke, lässt sich zwar wenig beobachten, dies
rührt aber daher, dass diejenigen organischen Reste, an denen jene Erscheinung
am öftesten stattfindet, hier nicht Vorkommen; nur die Belemniten in den Seewer-
Schichten gehören dazu, und in der That sind sie sehr häufig in einzelne Stücke
mit Zwischenräumen getrennt; ebenso ist es mit einzelnen Inoceramen der Fall.
Hier ist also die Streckung nachweisbar. Der weitere Verlauf der Geschichte
Vorarlbergs beweist auch, dass ein solcher Process stattfinden konnte, wohl auch
stattfinden musste. Die Art der Verbreitung desFlysches deutet daraufhin, dass das
Land zu Ende der Kreideperiode in einer säcularen Hebung begriffen war, welche
das jetzige Kreidegebiet als schmale Zone trocken legte, die sich unmittelbar südlich
und nördlich in das eocene Flyschmeer hinabsenkte. Ein solcher Abfall aber nach
beiden Seiten musste bei einer auch nur äusserst geringen Verschiebbarkeit der
Theile die Schichten bedeutend ausdehnen. Das Quantum der Streckung lässt sich nur
annähernd schätzen; nur in wenigen Fällen vollkommener Ueberstürzung kann man
annehmen, dass die Horizontulentfernung («) zweier Wellenberge sich zur
Schichtenentwickelung (6) des Wellenthales wie 1 : 2 verhalte. Dagegen ist das
Verhältnis 1 : 1 4/4 häufig; nirgends dürfte 1 : 1 Vorkommen, da eine vollkom-
men horizontale Lagerung nicht stattfindet. In allen Fällen hat die Streckung
nur senkrecht gegen die Streichungsrichtung stattgefunden , nirgends parallel zu
ihr. Sehr verschieden scheint aber der Grad zu sein, in welchem die einzelnen
Schichten gedehnt wurden. So scheint das Caprotinenkalkflöz fast gar nicht davon
betroffen worden zu sein, es nimmt nicht an den Biegungen Theil und verschwin-
det hier und da unter der Masse der anderen Schichten, während die Spatangen-
kalke im äussersten Maasse davon betroffen worden zu sein scheinen.
Es scheint, dass die Schichtenstreckung in den Alpen überhaupt eine sehr
bedeutende Rolle gespielt habe. Welch unendliche Fläche müssten die Gesteine
der Alpen einnehmen, wenn man alle Wellen und Faltungen auf die Horizontal-
ebene zurückführen wollte; wie hätte eine Reduction auf einen so kleinen Raum
stattfinden können? Ueberall aber, mit Ausnahme einiger centralisirter Gegenden
der Südalpen, scheint die Streckung senkrecht zur Streichungsrichtung des
gesammten Gebirges geschehen zu sein.
Werfen wir zum Schlüsse noch einen Blick auf die östliche und westliche
Fortsetzung des vorarlbergischen Kreidegebietes, so wie auf die Grenzen gegen
Nord und Süd, so ergeben sich auch hier einige sehr beachtenswerthe Thatsachen.
Das Thal des Rheins ist für die älteren Formationen eine der grossartigsten
Verwerfungsspalten in den Nordalpen, nur noch vergleichbar mit derjenigen bei
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
191
[105]
Wien; für die Kreideformation gilt dies aber in weit geringerem Grade. Die
Trennung des Säntisgebirges vom vorarlbergischen Kreidegebiet ist eine allmälig
erweiterte Berstung, die nur in geringem Grade mit Verwerfungen verbunden zu
sein scheint. Ja das Säntisgebirge dürfte sich im Schichtenbau wie in den Lage-
rungsformen dem vorarlbergischen Kreidegebiete inniger anschliessen als dem
schweizerischen westlich von der Linth. Ist auch das ganze Kreidegebirge bis
hinab nach Savoyen und der Provence seiner Ablagerung nach ein einziges, so
scheint doch die Art und Weise der Hebungen eine Trennung in mehrere einzelne
Gebiete veranlasst zu haben. Eines derselben ist durch den Knotenpunkt der
Canisfluh bezeichnet; es gehören ihm die Kreidegebilde im Algäu, in Vorarlberg
und am Säntis an. Die Zusammengehörigkeit dieser Gebiete zeigt sich in der Art
und Weise wie sie sich um jenen Knotenpunkt schaaren. Wie in einem grossen
Bogen ziehen die Hebungswellen herum und es ist gewiss keine zufällige Erschei-
nung, dass die Richtung derselben nördlich der Canisfluh Stunde 5, bei Hohenems
Stunde 4 und im Säntisgebirge Stunde ^ i//2> selbst 3 ist.
Der Uebergang in die Kreide des Algäus wurde bereits mehrfach im Vorigen
berührt Die Züge setzen mit einigen Aenderungen fort und senken sich im Iller-
Thal unter den Flysch. Ueberaus merkwürdig ist das plötzliche Wiederauftauchen
am Grünten, da das Thal der Iller nicht wie das des Rheins eine Verwerfungs-
spalte bezeichnet. Das plötzliche und schroffe Emporsteigen zu 3000 Fuss Höhe,
die Gleichartigkeit des Einfallens gegen Norden und Süden, so wie alle die inte-
ressanten Verhältnisse, welche in der trefflichen Schilderung von Gümbel *)
beschrieben sind, weisen auf ein schnelles Emporsteigen hin, welchem andere
Ursachen zu Grunde lagen, als der Erhebung des Winterstauden oder der Canis-
fluh. Vielleicht könnte das Eruptivgestein, welches an mehreren Stellen des
Algäus hervorbricht und noch die Eocenschichten durchsetzt hat und welches
nach Gümbel ein melaphyrartiges Ansehen haben soll, zur Erklärung der eigen-
thümlichen Bildung des Grünten beitragen.
Was endlich das Verhalten der Kreide gegen den Flysch an ihrer Nord-
urid Südgrenze betrifft, so ist zunächst das Einfallen des Flysches längs dem
Nordrand unter die ältesten Kreideschichten illusorisch ; es findet vielmehr, wie
aus zahlreichen Profilen hervorgeht, eine Ueberstürzung des gesammten Kreide-
systemes mit Vermittelung aller jüngeren Glieder desselben und des Flysches mit
regelmässiger Schichtungsfolge auf die Seewerbildungen am ganzen Nordrand
statt; am Winterstauden verwandelt sie sich sogar in eine einfache senkrechte
Schichtenstellung. Dieses Verhältniss dürfte wohl auch in der Schweiz in gleicher
Weise fortsetzen. — An der Südgrenze sind die Eocenschichten der Kreide
regelmässig aufgelagert.
2. Entwickelung der Jura- und Kreidegebilde in Nord-Tirol.
Die Art und Weise der Entwickelung der Jura- und Kreideformation in dem
gesammten östlich von Vorarlberg gelegenen Theil der Nordalpen ist durch die
Arbeiten der geologischen Reichsanstalt in den östlichen Gebieten, insbesondere
durch Herrn v. Hauer’s „Gliederung“, so wie durch die Abhandlungen von
Emm rieh, Schafhäutl, Gümbel in den bayerischen Alpen, so bekannt
geworden, dass ich mich in diesem Abschnitte kurz fassen kann. Die beiden For-
mationen sind zwar in ihrem Auftreten im nördlichen Tirol niemals genauer
*) Gümbel, der Grünten , eine geognostische Skizze. München 1856.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
25
192
Ferdinand Freiherr von Hichthofen.
[•06]
beschrieben worden, allein ihre Gliederung und petrographische Entwickelung
weicht nur unbedeutend von den östlichen Gegenden ab und gleicht fast genau
der in den vorliegenden bayerischen Alpen. Zudem sind diejenigen Schichten,
deren stratigraphische Stellung noch nicht mit voller Sicherheit festgestellt ist,
auch hier so arm an Versteinerungen, dass sie zu einer genaueren Bestimmung
nichts beitragen können. Wir beschränken uns daher auf eine allgemeine Ueber-
sicht der Gliederung und werden dann kurz die Züge beschreiben, welche die
beiden Formationen im Bereiche des Trias-Lias-Gebietes von Nordtirol bilden.
A. Gliederung.
In dem ersten Theile dieser Abhandlung (Bd. X dieses Jahrbuches, S. 111)
erwähnte ich bereits, wie unbestimmt die Grenze der Algäu-Schichten nach
oben sei. Besonders im Lechthal, wo der Gesteinswechsel des mächtigen Lias-
complexes so überaus reich ist, wo die in den untersten Theilen an Masse vor-
herrschenden Fleckenmergel sich doch nach oben fort und fort wiederholen, aber
nicht mehr mit den zahlreichen charakteristischen Versteinerungen wie unten,
wo endlich hoch oben mit ganz gleicher Lagerung Schichten auftreten, welche
den jurassischen Ammergauer Wetzstein-Schichten entsprechen, da hat man wohl
einen bestimmten Anhalt für die höchsten und die tiefsten Schichten, aber der
dazwischenliegende ungeheure Complex bleibt ungelöst. So weit Fleckenmergel
reichen, dürfte er wohl entschieden dem Lias angehören, aber der Uebergang ist
dann weiter hinauf so unkenntlich , dass hier in der That eine fortdauernde
ungestörte Ablagerung durch die Lias- und Jura-Periode hindurch angenommen
werden muss. Weiteren Untersuchungen muss es Vorbehalten bleiben, die Tren-
nungsstelle der Faunen aufzufinden.
Im Gebiete des Lechthaies, so wie in der Gegend von Beutte scheint die
Reihe der regelmässig über einander abgelagerten Sedimente mit dem Jura zu
schliessen, wenigstens lässt sich hier, mit Ausnahme der unsicheren Gosaugebilde
auf dem Muttekopf, kein Glied der Kreide nachweisen. Aber schon südlich von
den mächtigen Hallstätter Kalkmassen des Zugspitz-Wetterstein-Zuges zeigen
sich über dem Jura noch weitere Schichten und gegen Osten nimmt dieses höhere
System an Entwickelung zu. Wir werden es im weiteren Verlaufe als Neocomien
vom Alter der Rossfelder Schichten nachweisen. Dieses Formationsglied ist in
seiner typischen Entwickelung leicht von charakteristischen Juraschichten zu
unterscheiden; allein es gibt Stellen, wo die Trennung ungemein schwierig ist;
denn zuweilen findet ein ebenso allmäliger Uebergang durch den Gesteinswechsel
der Schichten statt, wie im Gebiete des Lechthaies vom Lias in den Jura. Zudem
sind, wie dort, beide Formationen gleichförmig gelagert wo sie unmittelbar
über einander liegen und auch hier muss man nothwendig einen fortdauernden
Niederschlag annehmen. Er schliesst mit mergeligen Schichten voll charakteristi-
scher Neocomien-Versteinerungen. Von nun an ist eine grosse Lücke in der For-
mationsfolge ; der nächste Niederschlag gehört der Gosauformation an, mit der
überhaupt die Kreide in unserem Gebiete schliesst.
Es scheint aus diesen wenigen Thatsachen hervorzugehen, dass der regel-
mässige und ununterbrochene Niederschlag in unserem Gebiete, der schon mit
der Triasperiode begonnen hatte, durch die ganze Lias- und Jura-Periode hin-
durchreichte und erst mitten in der Periode der Neocomienbildungen gänzlich
abgeschlossen wurde. Nur secundäre Hebungen können in dieser Zeit stattge-
funden haben, sonst müsste wenigstens Einmal eine antikline Schichtenstellung
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
193
[107]
zweier auf einander folgender Glieder oder ein plötzlicher, der Niveauverände-
rung entsprechender Wechsel des Niederschlages und der Facies seiner Fauna
zu beobachten sein. Nur der Wechsel der Intensität der langsamen Hebungen
kann es veranlasst haben, dass mit den Liasablagerungen eine für den Gebirgs-
bau der nördlichen Kalkalpen wichtige Periode abgeschlossen wird und die
nächsten Formationen trotz des Parallelismus in der Ablagerung einer jeden mit
der unmittelbar darunter folgenden in ihrer Verbreitung von den schon vorhan-
denen Ablagerungen beschränkt und bestimmt werden. — Hat aber ein fortdauernder
Niederschlag stattgefunden, so muss die ganze Reihenfolge der Formationsglieder
vom Lias bis zum Neocomien, wie sie in anderen Ländern Vorkommen, in unserem
Gebiete durch Niederschläge vertreten sein; jedoch auch nur durch solche, denn
die Thierwelt der Jura- und Neocomien-Bildungen von Tirol ist äusserst
beschränkt und ganze Schichtenreihen enthalten kaum Spuren von organischen
Resten; es kann daher hier nur die Aufgabe sein, die wenigen vorhandenen
Faunen in ihrer Aufeinanderfolge, oder auch die gleichartigen Gesteinscomplexe,
so weit dies thunlich ist, gegen einander abzugrenzen oder einzelne Schichten-
complexe, welche durch ihre Versteinerungen besonders charakterisirt sind, aus
der ganzen Reihe als selbstständige Glieder hervorzuheben. Letzteres ist bei
der Beschränktheit der Versteinerungen auf einzelne Schichtengruppen das
Sicherere. Wir unterscheiden danach fo
1. Vilser Kalk,
2. Ammergauer Schichten
gende Glieder:
3. Rossfelder Schichten,
4. Gosaugebilde.
1. Vilser Kalk.
Der terebratelreiche Kalkstein von Vils ist wohl eines der merkwürdigsten
Gebilde in den Nordalpen; denn wo die Niederschläge in weiter Erstreckung
ohne Unterbrechung durch lange Perioden fortdauern , da sollte man auch
erwarten, weithin die Schichten gleichförmig in ihrer Versteinerungsführung und
in ihrer petrographischen Entwickelung zu finden. In der That gibt auch gerade
der alpine Jura sonst ein ausgezeichnetes Beispiel für diese Gleichförmigkeit und
wenn im Osten seine unteren Schichten als Klausschichten entwickelt sind und
eine massenhafte Anhäufung von Versteinerungen an einzelnen Orten zeigen, so
hat doch einerseits der petrographische Charakter immer noch Aehnlichkeit mit
dem der anderen jurassischen Gesteine, andererseits ist die Erscheinung nicht
local und wiederholt sich, wie Herr v. Hauer nach wies, in den Ablagerungen
von Swinitza im Banate und in der Krim. Der Vilser Kalk hingegen ist eine ganz
und gar isolirte Bildung mitten im Bereiche der fortdauernden Jura-Ablagerun-
gen, beschränkt auf die nächste Umgebung des Ortes Vils *), petrographiseh
weit verschieden von allen gleichaltrigen Schichten, eben so in der Facies der
Fauna, und die letztere hat nur Analoga bei Windischgarsten und, wie Herr von
Hauer zeigte, wahrscheinlich auch in den Südalpen. Das Alter des Vilser Kalkes
0 Gümbel führt (Band VII dieses Jahrbuches, Seite 30) an, dass der Vilser Kalk von
Hindelang in flachem Bogen nach Vils zieht, und von hier über den Säuling, Hochplatt,
Hennerspitz, Brunnenkopf, Kogel, Laberberg, Ettoler-Mandl, Benedictenwand, u. s. w.
immer weiter östlich fortstreicht. Allein wie sich aus dieser Zusammenstellung und
aus dem Profil Figur 17 (Seite 32) ergibt, wurde in jener Abhandlung der gesammte
Hallstätter Kalk und nach Fig. 16 (Seite 32) auch der Hierlatz-Kalk zum Vilser Kalk
gerechnet, da die drei in der That petrographiseh nahe verwandt sind. Das östliche
Fortstreichen bezieht sich auf den Hallstätter Kalk. In allen späteren Arbeiten bat
Herr Gümbel die Trennung durchgeführt.
194
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[108]
als parallel dem Etage Bathonien und Aequivalent der östlichen Klaus-Schichten
unterliegt wohl kaum mehr einem Zweifel, eben so wenig aber seine Vertretung
in nächster Nachbarschaft durch die gewöhnlichen Juragesteine der Nordalpen.
Das Gestein, ein weisser, dichter, nicht sehr harter Kalkstein, ist bekannt, eben so
die Versteinerungen, unter denen Terebratula pala, antiplecta und concinna
die häufigsten sind. Das Lagerungsverhältniss ist aus dem in der zweiten Abthei-
lung dieser Abhandlung gegebenen Profil zwischen Weissenbach und Vils voll-
kommen klar und es bleibt somit nur noch die Frage zu erörtern, welche Um-
stände eine solche örtliche Abweichung des Niederschlages hervorrufen konnten.
Es steht unzweifelhaft fest, dass die nördlichen Kalkalpen trotz der ununter-
brochen fortdauernden parallelen Niederschläge doch bereits ain Anfänge der
Jura-Periode durch langsame Hebungen allmälig eine ihrer heutigen ähnliche
Gestalt erlangt hatten. Die Lagerstätte der Vilser Kalke aber ist jetzt umstarrt
von mächtigen Kolossen von Hallstätter Kalk und wenn man sie vom Gernspitz
über den in einer späteren Zeit entstandenen Durchbruch des Lechs nach dem
Säuling fortsetzend denkt, so hat man hier einen Kessel von älteren Kalken, wie
er in Nordtirol kaum bei einer anderen Jura-Ablagerung Vorkommen dürfte. Solche
Verhältnisse konnten wohl hier eine besondere, individualisirte Art des Nieder-
schlages und eine entsprechend individualisirte Fauna schaffen. Ganz besonders
dürfte dafür der den Vilser Schichten sehr ähnliche Charakter der Hierlatz-Kalke
sprechen, welche auch ausschliesslich diesem Kessel angehören und erst in weiter
Entfernung, östlich von Innsbruck ihre nächste Lagerstätte haben.
2. Ammergauer Schichten.
(Oberer rother Annnonitenkalk, Oxford Emmrieh.)
Mit dem Namen der „Ammergauer Wetzsteinschichten“ bezeichnete man
wohl zuerst ein charakteristisches Gestein der Juragebilde der Nordalpen. Da
dasselbe überall in gleicherweise wiederkehrt und zugleich im Ammergau neben
den Wetzsteinen die vollständige Schichtenfblge aufzutreten scheint, wie sie an
anderen Orten bekannt ist, so dürfte es wohl am geeignetsten sein, die alte Be-
nennung für den ganzen Complex der Juragebilde beizubehalten. „Oberer Jura“
passt darum nicht, weil nach den obigen Auseinandersetzungen wahrscheinlich
die ganze Folge des braunen und weissen Jura in dem in Rede stehenden
Schichtensysteme vertreten ist. Man kann, wie gesagt, weder eine untere Grenze
gegen den Lias noch eine obere gegen das Neocomien festsetzen; es ist eine
ununterbrocheneAblagerung, deren Gliederung überdies durch die geringe petrogra-
phische Verschiedenheit grosser Complexe erschwert wird. Nach unten stellen
sich allmälig die Fleckenmergel ein, welche mit ihren bestimmten Fucoiden-
formen für den Lias ganz charakteristisch sind. Nach oben erscheinen ebenfalls
Fleckenmergel, welche aber durch die Form ihrer Pflanzen wie durch die petro-
graphisehe Beschaffenheit von denen des Lias verschieden sind, und sich durch
den begleitenden Aptychus Didayi und viele andere Versteinerungen als zum
Neocomien gehörig erweisen. Die ganze zwischenlagernde Schichtenreihe besteht
wesentlich aus grauen, gelben, weissen, röthlichen und dunkelbraunrothen Kiesel-
kalken, mit denen hier und da ein rothes oder grünes Hornsteinlager verbunden
ist, ähnlich demjenigen, welches im Lechgebiete schon den Liasfleckenmergeln
eigenthümlidh ist. Hoher aber nimmt, besonders in den östlicheren Gebieten, der
Kieselgehalt ab und es treten jene rothen, immer noch etwas verkieselten Kalke
auf, welche Emm rieh „oberen rothen Ammonitenkalk“ nannte und die als Marmor
technische Verwendung finden, während die unteren Kieselkalke zur Verfertigung
195
[109] Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
von Wetzsteinen dienen. Die reineren Kalke sind gewöhnlich von Hornstein-Aus-
scheidungen erfüllt.
In Tirol gelang es uns in diesen Schichten, deren Stellung anderwärts
bereits mit einiger Sicherheit festgestellt werden konnte, nicht, bestimmtere
Anhaltspunkte zu gewinnen. Aptychus latus und unbestimmbare Belemniten
blieben die einzigen organischen Reste, welche wir fanden.
3. Rossfelder Schichten.
Das vorherrschende Gestein der Rossfelder Schichten besteht in Nordtirol
aus grauen fleckigen Kalkmergeln, welche stellenweise eine ausserordentliche
Mächtigkeit erreichen und viele charakteristische Versteinerungen des untersten
Neocomien der Provence führen, so besonders häufig Aptychus Didayi, Am -
monites Astierianus, Ammonit es Gr asianus, Crioceras- Arten u. s. w. Nach unten
werden die Schichten kalkiger und nehmen einzelne Kieselknollen auf, durch
welche ein allmäliger Uebergang in die jurassischen Bildungen herbeigeführt
wird. So dickbankige Kalke, wie an der Canisfluh, sind in Nordtirol nicht bekannt,
dort aber fehlen wiederum die Fleckenmergel. Am Rossfeld ist die Entwickelung
ebenfalls abweichend, da dort drei Niveaux , die weissen Aptychenkalke , eine
darüber folgende mergelige und eine höhere sandige Abtheilung bestimmt unter-
schieden sind, während in Nordtirol die Mergel fast allein herrschen und nach
oben nur ein wenig sandiger werden.
4. Crosau-Formation.
Während die bisher betrachteten Formationsglieder eine stetige Reihe
bilden, sind nun die Ablagerungen in unserem Gebiet plötzlich für lange Zeit
abgeschnitten. Nirgends ist ein Gestein, welches auf eine Zwischenstellung hin-
deutete und erst aus dem späteren Theil der Kreideperiode treten wieder eigen-
tümliche Gebilde auf, welche sich durch ihre Versteinerungsführimg der
Gosauformation äquivalent erweisen. Auch in den räumlichen Verhältnissen der
Verbreitung und Lagerung stellt sich die lange Periode der Ruhe gewisser-
maassen plastisch dar. Bisher war jedes Glied dem vorhergehenden parallel auf-
gelagert und zeigte in seiner Verbreitung nur geringe Abweichungen , deren
Gesammtbetrag erst so erheblich ist, dass zum Beispiel die Neocomienmergel
und die Hallstätter Kalke kaum mehr eine Beziehung zu einander erkennen lassen.
Die Gosaugebilde aber weichen von dem Neocomien sehr weit ab; ihre Verbrei-
tung und Lagerung sind anderen, neuen Gesetzen unterworfen, ihre Gesteine
sind ganz und gar verschieden und ihre Fauna hat keine Analogie mehr mit der
früheren.
Ueber das Hauptvorkommen der Gosaugebilde im BrandenbergerThal
liegt bereits ein vortrefflicher Bericht von Herrn Professor Pichler *) vor, auf
den ich hier verweisen kann.
Ein zweites, wohl noch nicht ganz sicheres Vorkommen ist auf dem Mutte-
köpf, einem der bedeutendsten Hochgipfel zwischen Lechthal und Innthal.
Wenn man von Tarenz bei Imst den Jochsteig nach Eimen im Lechthal ein-
schlägt, so geht man am Steinjöchl unter den Wänden dieses Berges hin. Bei
*) »Zur Geognosie der nordöstlichen Kalkalpen Tirols“. Jahrbuch der k. k. geologischen
Reichsanstalt, Band VII, 1856, Seite 735 ff. Daselbst auch ausführlichere Mittheilungen
über die Jura- und Neocomgebilde.
196
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[110]
dem jenseitigen Abstieg findet man schon oberhalb Pfaflar, am meisten aber
abwärts von diesem Ort gegen Boden, in ungeheuerer Menge und Grosse Blöcke
eines sehr festen Conglomerates mit grossen Einschlüssen, das in feineren Sand-
stein übergeht, ferner gelbe sandige Mergel und ähnliche Gesteine, welche, wie
Herr Giimbel sich bei einer Besteigung des Muttekopfes überzeugte, von der
Höhe dieses Berges stammen und seine ganze Gipfelmasse bilden. Aus der Aehn-
lichkeit mit Gesteinen der Urschelau im südöstlichen Bayern, welche durch Orbi-
tuliten als untere Gosaugebilde charakterisirt sind, schliesst Herr Gümbel, dass
auch die Gesteine des Muttekopfes dieser Formation angehören. Versteinerungen
konnten wir nicht finden.
Ein drittes Vorkommen der Gosauformation, das gleichfalls noch nicht sicher
erwiesen ist, ist in dem Becken von Häring und wie das vorige von Herrn
Gümbel entdeckt.
B. Verbreitung und Lagerung der Jura- und Neocomgebilde.
Fasst man Jura- und Neocomgebilde als einen Complex zusammen , so
beginnt er im Westen mit den tiefsten Schichten in geringer Mächtigheit; nach
Osten treten immer höhere Schichten hinzu und die Mächtigkeit wächst mehr
und mehr an. Wo das Trias-Lias-Gebiet Vorarlberg verlässt, scheinen diese
beiden Formationen in ihrer Zone noch allein zu herrschen; es gibt hier nichts,
was mit Bestimmtheit auf das Vorkommen jurassischer Schichten über den
Fleckenmergeln schliessen Hesse, wenn auch der unbestimmte Gesteinscharakter
es nicht unmöglich macht, dass schon in Vorarlberg die höchsten unserer Algäu -
Schichten dem Jura angehören. Die ersten Spuren, welche aber doch noch nicht
mit Sicherheit als Jura nachgewiesen sind, finden sich in dem System derAlgäu-
Schichten unserer vierten Hebungswelle, wie wir bereits bei der Beschreibung des
Lechgebietes andeuteten. Vom Holzgau bis zum Kessel-Spitz bei El men
erstreckt sich als oberste Decke der Algäu-Schichten ein System von rothen Horn-
steinen und röthlichen und weissen Kieselkalken, wie sie weiterhin die Jurafor-
mation charakterisiren.
Sehr entschieden und mit Versteinerungen tritt der Jura in der Umgebung
von Reutte auf, wo Herr v. Hauer zwei Züge nachwies. Der eine steigt bei
Wengle und Holz aus dem Lechthal auf und erstreckt sich, stets unter die Trias-
Schichten fallend, mit kurzer Unterbrechung bis Kren; der andere zieht von
Gacht über den Sitnisschrolfen und den Traualpen-See nach dem Rothen Spitz.
Bei Vils treten nur die Vilser Schichten auf.
Bis hieher ist mit dem Jura noch kein Neocomien verbunden; es folgt nun
eine grössere Unterbrechung, nach welcher beide Formationen vereinigt wieder
erscheinen. Dies ist bei Bieber wier und Ehrwald im Loisachthal. In stetem
westöstlichem Zug sind sie zwischen zwei kolossale Massengebirge von Hall-
stätter Kalk in der Tiefe eingelagert. Der südliche wird durch Sonn-Spitz, Grün-
stein, Mieminger Berg und den Hohen Mundi gebildet, der nördliche von der
Zug-Spitz, Kothbach-Spitz und Scharnitz-Spitz. Nur längs dem nördlichen Theil
des tiefen Canals sind die Jura- und Neoeomien-Ablagerungen sichtbar; im süd-
lichen fehlen sie, vielleicht wurden sie hier, wo sich das Gaisthal eingegraben
hat , zerstört und fortgeführt. Zwischen Gehren-Berg und Ofele-Berg erreicht
der Zug am Luetasch-Thal sein Ende.
Abermals verschwinden unsere beiden Formationen auf einige Erstreckung.
Im Fortstreichen des vorigen Zuges treten sie gar nicht mehr auf, nur etwas
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
197
[ui]
weiter südlich und etwas weiter nördlich. Das südliche Vorkommen ist an deti
Wänden des Innthales, auf der Bogner-Alm und Wälder Alm oberhalb
St. Michael und St. Martin, wiederum unter den Wänden hoher Hallstätter Kalk-
gebirge. Herr Pichler, der das Vorkommen entdeckte, glaubt, dass die Schichten
nur der Juraformation angehören.
Problematisch ist das Vorkommen von Jura und Neocomien in dem alpen-
reichen Quellgebiet des Blaubachs, Laliderer Bachs und Ka r bend el-
Bachs unter den Steilwänden des imposanten Hallstätter Kalkgebirges, welches
das Thalgebiet der Riss südlich begleitet.
Weiter abwärts in der Biss aber beginnt ein Zug von unzweifelhaften Jura-
und Neocomien-Schichten, der Hauptzug derselben im ganzen nördlichen Tirol.
Erbeginnt bei Mi tten w ald in Bayern, betritt am Hoehreisen-Spitz und
Simes-Berg die österreichische Grenze und das Thalgebiet der Riss, über-
setzt das Farmes-Thal und bildet die Wände des Riss-Thales in der Breite
einer halben Stunde, von Widum bis beinahe zur Einmündung des Leckthaies.
Oestlich setzen dieselben Formationen den Schön-Albel-Kopf zusammen
und ziehen hinüber in das Gebiet der Dürr ach, wo sie sich ausserordentlich
ausbreiten. An der Wasserscheide der Dürrach gegen das Achenthal erreicht
nach Herrn Pichler's Untersuchungen die Zone ihre bedeutendste Breite von
beinahe anderthalb Meilen, indem nach demselben das Pfans - Joch, der Schaf-
Spitz, Sonntag-Kopf, Retten-Joch und Juifen aus Juraformation
bestehen, der am letzteren Berge Neocomien aufgesetzt ist, während im Uebrigen
diese Formation zu beiden Seiten in der Tiefe bleibt. Auch im Achenthal ist
die Breite der Zone noch bedeutend; der untere Theil der Thalwände besteht
von dem Dorf Achenthal bis zur Kohlstatt fast ausschliesslich aus den in Rede
stehenden Formationen. Von hier aus nimmt die Breite ab, aber mit um so
grösserer Regelmässigkeit und ohne Unterbrechung streicht der Zug gegen das
Thiersee-Thal fort, welches noch ganz in ihn eingesenkt ist, und lässt sich
noch weiter über das Innthal gegen Niederndorf und Walchsee verfolgen.
— In dieser ganzen Erstreckung von beinahe zehn Meilen folgt der Zug einer
Einsenkung zwischen hohen Kalk- und Dolomitgebirgen, besonders deutlich in
seinem östlichen Theil vom Achenthal bis zum Innthal. Die einzelnen Theile des
Zuges und ihr Verhalten gegen die benachbarten Gebirge haben wir bereits bei
der Beschreibung des Lias-Trias-Gebiets erörtert !)•
Vergleicht man diese fünf Zonen (von Holzgau, von Reutte, Bieberwier, die
der Walder-Alm und die von der Riss nach Thiersee), so haben sie das Gemein-
same, dass sie sämmtlich gleichsam tiefere Canäle zwischen den mächtigen
Zügen von Hallstätter Kalk und Dachsteindolomit erfüllen. Ferner nimmt ihre
Mächtigkeit und Schichten-Entwickelung , so wie das Hinzutreten jüngerer
Schichten, zu mit der Entfernung von der Grenze des Urgebirges gegen Norden
und mit dem Fortstreichen von West nach Ost. So ist bei Holzgau und Eimen
im Lechthal nur die Juraformation vertreten, in der Thiersee tritt sie gegen die
mächtigen Massen des Neocomien fast ganz zurück; dasselbe Verhältniss findet
zwischen der Ablagerung der Walder-Alm und der der Thiersee statt. Endlich
haben die Schichten beider Formationen nur geringe und beide beinahe vollkom-
men gleiche Störungen erlitten. — Alle diese Erscheinungen geben die werth-
vollsten Fingerzeige zur Erklärung des Gebirgsbaues in den nördlichen Kalk-
alpen.
O Siehe 2. Abtheilung, Gebiet der Riss und Dürrach, Achenthal, Tbiersee.
198
Ferdinand Freiherr von Richtholen.
[112]
III. Eocenformation.
Auch die Eocenformation erreicht bei weitem ihre grösste Entwickelung in
Vorarlberg, wo sie die beiden breiten Flysch-Zonen bildet, welche das Kreide-
gebiet umfassen. Von hier zieht sie, stets unmittelbar die Trias-Lias-Zone nörd-
lich begrenzend, durch das Algäu fort und lehnt sich als ein sanfteres Mittel-
gebirge an die schroffen Abfälle der bayerischen Hochalpen. Auf der von Herrn
Gümbel in neuester Zeit veröffentlichten geognostischen Karte von Bayern ist
die Zone mit mehrfachen Unterbrechungen bis zur salzburgischen Grenze ange-
geben. Das nördliche Tirol hat daher gar keinen Antheil an derselben, wenn
man die kleine, rings von bayerischem Gebiet umschlossene aber zu Tirol ge-
hörige Enclave Jungholz ausnimmt, welches gerade am Anfang der Flysch-Zone
liegt. Auch andere Eocengebilde hat Nordtirol bis zum fernen Osten nicht nach-
zuweisen. Hier erst treten nördlich von Kufstein einige Eocengesteine der Abla-
gerung von Reut im Winkel auf tirolisches Gebiet herüber. Das Becken von
Häring aber, welches bisher für eocen galt, ist durch Heer's neuere Forschungen
ziemlich sicher als oligocen festgestellt.
A. Nummulitenführende Gebilde in Vorarlberg.
In Vorarlberg folgen auf die Seewerrnergel Numulitengesteine in unerheb-
licher Mächtigkeit. Ausser ihrem schon durch Murchison bekannt gewordenen
Vorkommen bei Dornbirn gelang es mir sie noch an einigen anderen Orten, überall
unter den deutlichsten Verhältnissen, aufzufinden. Folgendes sind ihre Fundstätten :
1. Becken des Sünser See’s (Profile V, VI) am Ursprünge des Mellen -
Thaies (Nordabhang des Gerer Falben). Wenn man im Latternser-Thal aufwärts
wandert, so erreicht man am Hinterbad vorüber die Alpe Göfas. Hier zieht die
Grenze der Kreide gegen das Eocen durch. Der Hohe Freschen im Norden be-
steht aus allen Gliedern der vorarlbergischen Kreide und an seinem langgedehnten
flachen Südabhang zieht sich das oberste Glied, die Seewerrnergel, mit flachem
südlichem Fallen heran. Ueber diesen dünnschichtigen, fleckigen, an die Pläner-
mergel erinnernden Gesteinen folgt im Becken des Sünser See’s mit gleicher
Fallrichtung und parallel aufgelagert:
a) Eine wenig mächtige Schicht von ausserordentlich nummulitenreichem Kalk,
der sich an der genannten Formationsgrenze weithin zu ziehen scheint.
b) Ein den Seewerkalkmergeln sehr ähnliches Gestein, aber voll von Fucoiden.
c) Dünnplattige Kalke am Sünser See, wie an der Alpe Göfas mauerförmig
anstehend. Auch sie enthalten zahlreiche Fucoiden.
d) Braune Sandsteine; schon an und für sich sehr mächtig, werden sie es noch
viel mehr durch die bedeutenden Schichtenbiegungen, welche mit diesem
Glied beginnen; sie halten fast eine halbe Stunde breit von der Alpe Göfas
über den Gerer Falben bis zum Pass in der Furchen an.
e) Die gewöhnlichen Flyschgesteine.
Wo in dieser, regelmässigen Schichtenfolge die Grenze der Nummulitenfor-
mation ist, lässt sich kaum sicher bestimmen; aber die parallele Aufeinanderlage-
rung lässt vermuthen, dass der gesammte Flysch dieser Formation angehört und
nur durch den Charakter der Niederschläge, gleich dem istrischen Tassello, dem
Leben der Numrnuliten ungünstig war. Trennt man aber die Nummulitengesteine
f 99
[113] Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
von denjenigen mit denFlysch-Fucoiden, so muss man den Flyseh schon mit b) an-
fangen lassen.
2. Gegend von Feldkirch (Prodi I). Herr Stöcker in Feldkirch fand
Nummulitenkalk südlich von dieser Stadt, wie es scheint ebenfalls an der Grenze
von Kreide und Flyseh. Combinirt man dieses Vorkommen mit dem am Sünser
See, so lässt sich wohl erwarten, dass man die Formation auch weiterhin an der
Grenze von Seewermergeln und Flyseh auffinden wird.
3. Gegend von Hohenems. Das ausgezeichnete Vorkommen von Num-
mulitenformationen östlich von diesem Ort ist auf Profil XX. dargestellt. Wendet
man sich von den südlichsten Häusern des Ortes an dem von Emser Reutte herab-
kommenden Bach aufwärts, so stehen bei den ersten Mühlen die Caprotinen-
reichen Schrattenkalke, weiche wir bereits oben erwähnten, mit steilem südöst-
lichen Fallen an (Stunde 10). Weiter aufwärts erscheinen mit gleichem Fallen
thonige, schieferige Mergel, und unterhalb eines neugebauten Fabriksgebäudes
Nummulitenkalk, beide im Hangenden der Schrattenkalkbank und, bei Be-
rücksichtigung der auf dem Profil dargestellten überstürzten Lagerung, auch im
Hangenden der südlich am Abhang in umgekehrter Folge sich aufhauenden
hreideformation. Das an grossen Nummuliten sehr reiche Gestein besteht aus
einer eigenthümlich chloritischen Grundmasse mit zahlreichen Fragmenten eines
hellröthlichen Kalkes; die Nummuliten liegen in der Grundmasse. Bei der Fabrik
ist eine Austernbank eingelagert, wie auch sonst neben den Nummuliten noch
viele, grösstentheils undeutliche Versteinerungen Vorkommen. Etwas weiterhin
fallen unter den Nummulitenkalk, also bei der verkehrten Lagerung eigentlich
im Hangenden liegend, gelbliche und dunkelgraue flachsehalige Mergel mit
glimmerigem Schimmer ein. Während die zuerst angeführten Mergel doch viel-
leicht noch dem Seewer angehören, sind diese wohl sicher der Nummulitenfor-
mation zuzurechnen; der Glimmergehalt unterscheidet sie auf den ersten Blick
von allen Seewermergeln; vielleicht entsprechen sie der Schicht b) am Sünser
See, wiewohl ich keine Fucoiden darin fand und die Mächtigkeit eine ausser-
ordentlich bedeutende ist.
Verfolgt man die Nummulitengebilde weiter, so sieht man klar dass sie mulden-
förmig aber ein wenig discordant, der Kreide eingelagert sind, und die ganze
zusammengeklappte Mulde sich mit südöstlichem Fallen in das Kreidegebirge
hineinzieht. In südlicher Richtung übersteigt man daher von den glimmerigen
Mergeln aus über den Nummulitenkalk und die Seewerbildungen die ganze
Schichtenfolge in umgekehrter Reihenfolge, während nach Norden zunächst
bei Hohenems die Glieder zwischen Nummulitenformation und Schrattenkalk
verschwinden und erst allmälig gegen Osten sich einstellen. Am Deutlich-
liebsten ist die südliche umgekehrte Schichtenfolge auf dem Wege von den
Häusern Tugstein nach dem Berg Tugstein. Der Bach stürzt in einer engen
Klamm hoch herab über die Felsen des hier mächtiger gewordenen Nummuliten-
gesteins; es tritt hier nur der röthliche schwach krystallinisehe Kalk mit sehr
sparsamen Nummuliten auf. Dann folgen graue glimmerige Mergel, und erst über
diesen die charakteristischen fleckigen Seewermergel.
4. Dornbirn. Das mehrfach (von Murchis on, Studer, Eseher, Güm-
bel) beschriebene Vorkommen von Nummulitenformation am Röthelstein, beim
Mühlbach südlich von Dornbirn ist dem von Hohenems ähnlich. Auch hier gehören
sie einem überstürzten Schichtensystem vom Neocomien bis zum Nummuliten-
kalk an, aber statt sich jenseits wieder muldenförmig herauszuheben, fällt Flyseh
darunter ein und herrscht weiterhin allein. Das Nummulitengebilde erstreckt sich
zwischen Seewermergeln und Flyseh mit stetem südlichen Fallen vom Röthel-
26
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
200
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[H4]
stein bis an den südlichen Abhang des Berges von Kehlegg, ist aber an dieser
nördlichen Grenze des Kreidegebietes gegen die Flysch-Zone nicht weiter nach-
gewiesen. Die Gesteine gleichen denen von Hohenems, sind aber ungleich mäch-
tiger, und neben der chloritischen Bindemasse des Conglomerats treten Holh-
eisensteine in bedeutender Entwickelung auf. Die grauen, schwach glimmerigen
Mergel sind wie dort entwickelt. Eine Wanderung im Mühlbachthal aufwärts
gehört zu den lehrreichsten für das geognostische Verhalten verschiedener
Formationen gegeneinander in den Alpen.
B. F 1 y s c h in Vorarlberg.
Wie in der Schweiz so ist auch in Vorarlberg der eocene F ly sch durch
seine Verbreitung und Mächtigkeit eines der wichtigsten Glieder im Gebirgsbau.
aber wie dort, so auch hier ein einziger Complex von nicht weiter gegliederten
und nur durch AJgenreste eharakterisirten Schichten. Was die petrographische
Beschaffenheit anbelangt, so fehlen reine Kalke, reine Sandsteine, charakteristi-
sche Mergel und dergleichen, alle diese verschiedenen Elemente vereinigen sich
in den Niederschlägen und häufen Tausende auf Tausende von beinahe gleich
mächtigen Schichten aufeinander, welche hauptsächlich durch die Unbestimmt-
heit ihrer petrographischen Beschaffenheit charakterisirt sind. Eben so wenig ist
irgend eine Gliederung des Complexes zu bemerken, ein Vorherrschen gewisser
Gesteine oder Pflanzenformen in verschiedenen Niveau s, und wenn sie vorhanden
sein sollte, so entzieht sie sich der Beobachtung durch die ausserordentliche
Zusammenfaltung und Krümmung der Schichten, welche nur noch bei den Algäu-
Schichten im gleichen Maasse wiederkehrt. Den Anfang einer Gesteinsfolge
führten wir so eben bei dem Nummulitenkalk vom Sünser See an, sie lässt sich
dort nicht weiter verfolgen. Anderwärts aber ist kaum dieser Anfang deutlich
und wir beschränken uns daher auf eine allgemeine Angabe der Gesteine, welche
sich zu dem mächtigen Complex aufbauen. Eine sehr vollständige Entblössung
findet sich an den Wänden des Durchbruches der Bregenzer Ache durch den
südlichen Flyschzug zwischen Schröcken und Schopernau. Ich notirte dort in
meinem Tagebuche folgende Gesteinsabänderungen:
1. Hellrauchgrauer mergeliger Kalk in 1 Zoll bis 1 Fuss dicken Schichten,
zuweilen ins Bläuliche und Leberbraune übergehend; hart, spröde, aber
nicht splittrig.
2. Derselbe splittrig und reich an Helminthoidea.
3. Schieferiger etwas mergeliger schwärzlichgrauer Kalk.
4. Sandiger Kalk mit Glimmerblättchen.
5. Graue, kalkig-sandige Mergelschiefer, zum Theji mit überwiegendem
Kalkgehalt; sie führen häufig Fucus intricatus und haben meist glänzende,
von Pflanzenresten schwarz gefärbte Schichtungsfläehen.
6. Dasselbe Gestein mit festeren, unrein kieselig-kalkigen Einschlüssen, die
durch Verwitterung als unregelmässige Knollen hervorragen.
1. Sehr fester grauer, an der Luft brauner Quarzsandstein mit vielem Glimmer.
8. Kieseliger Kalkschiefer mit schwarzen Hornsteinknauern, die den Schichten-
flächen parallel liegen.
Während alle diese Schichten stetig und eben fortziehen, treten
9. Sandigkalkige braungraue Schichten auf, mit einer Mächtigkeit vom Schiefe-
rigen bis zu einem Fuss und darüber, mit w elliger wulstiger Oberfläche und
von Kaikspathadern durchzogen , welche die rhomboedrische Zerklüftung
deutlich hervortreten lassen. Sie sind stets überaus uneben gebogen, keilen
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
201
[115]
sich gegen einander aus und bedingen die grosse Aehnlichkeit des Flysches
mit den Algäu-Schichten, besonders wenn sie überdies hornsteinrührend sind.
10. Weiche, schwarze Flyschthonschiefer, sehr häufig den vorigen Schichten
zwischengelagert.
Oie petrographische Verschiedenheit dieser Schichten ist unbedeutend, ihr
Charakter schwankt im Allgemeinen um den von graubraunen kalkigmergeligen
Sandsteinen. Ein bestimmtes Gesetz in der Aufeinanderfolge aber lässt sich, wie
gesagt, noch nicht feststellen.
Es wurden zuweilen Bedenken gegen das eocene Alter unserer Flysch-
gesteine erhoben, allein zu den vielen Beweisen, welche die Geologen der
Schweiz für dasselbe aufgestellt haben, kommt die unverkennbar deutliche Lage-
rung in Vorarlberg. Mit der grössten Regelmässigkeit sieht man den Flysch hin
und wieder durch Vermittelung nummulitenführender Gesteine, oft aber auch
unmittelbar den jüngsten Gliedern der Kreide aufgelagert, so am Südrande des
Kreidegebietes allenthalben wo ein deutlicher Aufschluss beobachtbar ist; hier
sind die Schichten normal auf einander gelagert und aus ihrer ursprünglichen Lage
nur unbedeutend gehoben. Der Nordrand verlangt, um dasselbe Verhältnis
nachzuweisen, subtilere Beobachtung, allein auch hier fehlt es bei den über-
stürzten Kreidegebilden nicht an untrüglichen Aufschlüssen, so in unseren Profilen
insbesondere bei Dornbirn, wo der Nummulitenkalk dazwischenlagert. Weit
schwieriger dürfte eine obere Grenze für den Flysch nachzuweisen sein, da er
durch keine Gesteine irgendwo unmittelbar überlagert wird; nur wo das Flysch-
System auf die Molasse überstürzt ist, also in einer Linie von Dornbirn über Egg
nach Balderschwang, ist wohl zu erwarten, dass, wie bei der Ueberstürzung der
Kreide auf den Flysch, die höchsten Schichten zunächst auf der Molasse« lagern
werden. In der Schlucht der Bregenzer Ache hei Egg wird sich dies Verhältnis
gewiss erörtern lassen.
Was die sonstigen Lagerungsverhältnisse des eocenen Flysches betrifft, so
ist er, wie gesagt, im höchsten Grade zusammengefaltet und gewunden. Die
Mächtigkeit muss ausserordentlich bedeutend sein, aber sie wird noch weit ver-
mehrt durch diese Faltungen und es thürmen sich dadurch hohe Gebirge auf,
so der Zug des Hoch-Gerrach, Löffel-Spitz und Tiirtsch-Horn, das Vintscher Joch
und zahlreiche andere Kuppen. Die Streichrichtung der einzelnen welligen Auf-
biegungen ist ungefähr den Rändern des Kreidegebietes parallel; aber an den
Durchschnitten der Abhänge mit ausgebildeteren Systemen von derartigen Auf-
biegungen lässt sie sich meist nicht mehr erkennen; es entstehen Zeichnungen
der ausgehenden Schichtenköpfe, die man nur mit dem Damasciren von Gewehren
durch scheinbar paralleles Nebeneinanderlegen von dünnen Schichten und Durch-
schneiden mittelst einer gekrümmten Fläche vergleichen kann. Jede der zahl-
reichen Schluchten entblösst derartige Damastzeichnungen.
Die Formen der Flyschberge sind sowohl in der südlichen Zone zwischen
Trias-Lias- und Kreide-, wie in der nördlichen zwischen Kreide- und Molasse-
gebiet durch den Contrast leicht erkennbar. Es fehlt ihnen die Wildheit und
Zerrissenheit der Trias-Lias-Zone wie die von steilen Einrissen unterbrochene
sanfte Oberfläche der Molasse und der landschaftliche Formen Wechsel des Kreide-
gebietes. Die Thäler sind eng und tief, aber keine schroffen Risse. Steil und
selten von sanfteren Wölbungen unterbrochen, steigen die Gehänge zu den hohen
Rücken auf und endigen in Reihen hoher und kühner Gipfel, denen aber, um wild
zu sein, das Zackige fehlt. Daher sind nur wenige Dörfer im Bereiche des
Flysches und die meisten haben eine höchst unbequeme Lage, wie Fontanefla,
Sontag, Blons im grossen Walserthaie, Tamüls und andere, Seiten sind grössere
26 *
202
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
["61
Weitungen wie diejenigen, in welchen die Dörfer Schwarzenberg, Andelsbuch,
Sibratsgföll, Mittelberg liegen. Hingegen trägt der Flysch treffliche Alpen,
besonders an den Südabhängen, welche auch hier, wie im Kreidegebhte, sanfter
sind, während die Nordgehänge oft steile, unzugängliche Wände bilden.
Wenden wir uns endlich zur Verbreitung des Flysches, so begegnen wir
einer Reihe sehr eigenthiimlicher und wohl noch nicht hinreichend erklärbarer
Erscheinungen. Schon mehrfach erwähnten wir der Theilung des Flysches,
welcher zwischen Sonthofen und Obersdorf von Osten her an das Thal der Iller
tritt und sich hier bei Fischen durch das aus der Tiefe heraufgewölbte Kreide-
gebiet in zwei Arme theilt, welche das letztere zu beiden Seiten durch Vorarl-
berg begleiten. Sie bilden die Hauptmasse des Flysches in Vorarlberg; ein dritter
Zug ist am Rhätikon.
1. Nördlicher Flyschzug.
Dieser Zug trennt das Kreide- vom Molassegebiet, unter jenes fällt er ein,
diesem ist er aufgelagert, beiderseits durch überstürzte Lagerung, wie es aus den
Profilen hervorgeht. Die Grenze gegen die Kreide wird ungefähr durch eine
Linie von Mühlbach über Bühel bei Andelsbuch nach Sibratsgföll, diejenige gegen
die Molasse durch eine Linie von Dornbirn über Egg nach Balderschwang
bezeichnet. Es gehören der Zone somit das Hochälpele mit dem Dorfe Schwar-
zenberg, die Berge östlich von Andelsbuch und die nördlichen Vorberge des
Winterstauden an. Die Breite dieser nördlichen Zone beträgt nirgends mehr als
eine halbe Meile, die Formen in derselben sind sehr sanft, die Höhe bis zu der
die Berge aufsteigen, ist nur gering, die Aufschlüsse und Entblössungen überaus
sparsam, so dass sich die Grenze gegen die Molasse schwer mit Genauigkeit fest-
setzen lässt.
2. Südlicher Flyschzug.
Der andere Arm der Flysch-Zone betritt von Osten her bei Rietzlen das vor-
arlbergische Gebiet und zieht als Grenzscheide der Trias-Lias-Zone und des
Kreidegebietes bis zum Rheinthal fort. Der Flysch ist der Kreide meist mit flachem
südlichen Fallen aufgelagert, die Schichten sind auch weiterhin trotz der zahl-
reichen Faltungen und Windungen vorherrschend nach Südsüdost geneigt und
fallen endlich unter die Gesteine der Trias-Lias-Zone ein, wie die Profile I bis
XII zeigen. Die Grenze gegen das Kreidegebiet ist eben so scharf wie im Norden,
indem weder im Kreidegebiet eine Spur von Flysch noch in den Flysch-Zonen
eine Spur Von Kreide zu finden ist. Von den Fällegatter Häusern bei Feldkirch
zieht die Auflagerungslinie über Frastanz, Satteins und den nördlichen Rücken
des Muttekopfes nach dem Hintertobl im Latternser-Thal, von hier weiter über
das Hinterbad und die Alpe Göfas nach dem Kessel des Sünser Sees und über
das hochgelegene Dorf Ugen nach Argenau an der Bregenzer Ache. Am rechten
Ufer tritt die Auflagerung bei Remen wieder hervor und zieht am Schnan-Baeh
hinauf nach dem Kessel der Subersalp. wo die Lagerung besonders klar ist; von
hier an hält sie sich in der Mitte des Nordabhanges vom Zuge des Ochsenhofer
Kopfes, Geisberges und Heuberg-Kopfes, bis sie bei Rietzlen das Thal Mittelberg
erreicht, an dessen flachem Nordgehänge sie das Algäu betritt. Noch weit deut-
licher ist die südliche Grenze der Flysch-Zone gegen das Trias-Lias-Gebiet, dessen
schroffe und nackte Dolomitgebirge steil auf das beraste Mittelgebirgsland
abfallen. Die Linie, welcher entlang die Flyschgebilde unter das ältere Gebirge
einfallen, ergibt sich mit einiger Klarheit aus den Profilen von Vorarlberg
(I bis XII), Sie beginnt zwischen Vaduz und Schaan im Fürstenthume Liechten-
Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
203
[117]
stein, wo sie sich aus der Ebene des Rheinthaies hebt und allrnälig* am Gehänge
aufsteigt, bis sie zwischen Gerrella-Kopf und Rovia-Berg den ersten Rücken
erreicht; so umsäumt sie den Nordabhang des Gebirges der Drei Schwestern,
des Alpilla-Berges, Guntis-Spitz und Gamp-Berges, zieht dann weit hinein nach
der tiefen Thalsohle des Gamp-Baches und erreicht, nachdem sie noch einen
Rücken übersetzt hat, am Nordabhange des Klamper Schroffen allrnälig hinab-
ziehend das Illthal östlich von Nenzing. Bei Ludesch taucht sie aus der Thalsohle
wieder auf, umzieht in weitem Bogen das Gebirge des Hoch-Frassen und greift
tief hinein an den untersten Gehängen des Marouler-Thales. Von Maroul aus
setzt die Ueberstürzungslinie an der Südseite des Walser Thaies fort, übersetzt
dasselbe unterhalb Fontanella und zieht dann hoch hinauf nach dem Nordabhange
des Zitterklapfen-Künzlespitz-Gebirges, ist im Durchbruch der Bregenzer Ache
als Liegendes des Lias-Trias-Gebirges in Form einer tief eingreifenden Zunge
entblösst, übersetzt den Rücken des Vintscher Joches und erreicht das Thal
Mittelberg bei Baad, aber nur um bald wieder nach den Höhen zu steigen, welche
vom Widderstein-Gebirge sich in dieses Thal erstrecken. Am Nordabhange der
Kanzlwarid tritt sie ins Algäu.
In dieser Begrenzung stellt sich das südliche Flyschgebiet als eine im
Westen breitere, im Osten mehr und mehr an Breite abnehmende Zone eines
einheitlichen, stets nach Südsüdost fallenden Gesteines mit im Allgemeinen
gleichbleibenden Oberflächenformen dar. Die grösste Breite von anderthalb
Meilen ist zwischen Nenzing und Satteins und zwischen Maroul und dem Gerer
Falben, die geringste von kaum einer halben Meile bei Baad und Mittelberg an
der Breitach. Dem Trias-Lias-Gebiete bleibt die Flysch-Zone in der Höhe wie in
der Entwickelung der Formen stets untergeordnet, dem Kreidegebiete kommt sie in
der Höhe der Gipfel beinahe gleich, aber in den äusseren Formen ist weit mehr
Einförmigkeit. Die Höhen sind alle mit trefflichen Alpen bedeckt, Wälder ziehen
sich nur an den steileren Gehängen hinab. Sehr klar ist der Zusammenhang der
Oberflächengestaltung mit dem Streichen der Schichten. Die grösseren Thäler
sind dem letzteren parallel, so die Thäler der Breitach und des Lutzbaches oder
das kleine und grosse Walser Thal, das Thal des Latternser Baches, des Argen-
baches und andere. Von den hohen Gebirgskämmen, welche sich zwischen diesen
Einsenkungen erheben, ziehen Querthäler in grosser Zahl herab, die meisten von
ihnen eng und unbewohnbar. Auch die beiden grossen Durchbrüche des Illthales
und der Bregenzer Ache gehören der Querrichtung an. Ihre Vereinigung mit den
Längsthälern schafft grosse Weitungen, die bewohntesten Gegenden des Flyseh-
Gebietes.
3. Flysch am Rhätikon.
Schon bei der Beschreibung der Lagerung und des Gebirgsbaues im Trias-
Lias-Gebiete des Rhätikon *) bot sich mehrfach Gelegenheit, das auffallende Ver-
hältniss anzudeuten, in welchem der eocene Flysch als einziges jüngeres Gebilde
dort in den Gebirgsbau eingreift (Profile I, V, VI). Im vorarlbergischen Theil
des Rhätikon tritt der Flysch in zwei getrennten Partien auf. Die eine derselben
gehört ganz und gar dem Fiirstenthume Liechtenstein an, bildet dort das Würzner
Horn bei Balzers, den Boden der Elavena-Alpe und fällt von Balzers bis jenseits
Triesen unmittelbar in das Rheinthal ab. Wahrscheinlich gehört dieser Flysch
der im Vorigen beschriebenen südlichen Zone an. Ist schon das Vorkommen der
Formation an diesem westlichen Abbruch der Trias-Lias-Kalkalpen von beson-
D 1. Abtheilung (Band X dieses Jahrbuches), Seite 114 — 13? und Fig, 1 und 10
204
Ferdinand Freiherr von Richthofen.
[118]
derem Interesse, so wird es noch durch die höchst merkwürdigen und bis jetzt
wohl nicht hinreichend erklärbaren Lagerungsverhältnisse erhöht. Nicht allein
dass (nach Fig. 1) der Flysch steil unter Algäu-Schichten einfällt, werden diese
wieder von einem wenig geneigten Trias-Systeme überlagert, also eine zwei-
fache Ueberstürzung. Die Trennung von den Algäu-Schichten ist ungemein
schwierig und nur durch den Unterschied der Fleckenmergel-Fucoiden von dem
Fucus intricatus möglich. Wenn man im Wildhaus-Tobl aufwärts steigt, so
erscheinen viele Schichten, welche gewissen Algäu-Schichten ähnlich sind, aber
immer führen sie wieder Fucus intricatus und Targionii. Hoch oben werden
jene braunen Sandsteine herrschend, welche sich am Siinser See als das tiefste
Glied des Flysches erwiesen, und da sie unmittelbar von Fleckenmergeln über-
lagert sind,- die ihrerseits in grosser Höhe Adnether Kalk tragen, so scheint sich
die ganze Erscheinung als eine überstürzte Lagerung eines Systemes herauszu-
stellen, welches aus einer Grundlage von Lias und einer anomalen Auflagerung
von eocenem Flysch bestand.
Die zweite Partie bildet einen schmalen Zug vom Gaffal-Joch längs dem
Nordabfall der Kalke des Schweizer Thors, Fornele- Jochs, Sporer Gletschers und
der Weissplatten (Profil V und VI, Fig. 10). Ich suchte bereits in der ersten
Ahtheilung dieser Arbeit zu beweisen, dass sie dem Gebirgsbau des Prättigau
angehören.
C. Eocengestein von Niederndorf.
Das einzige sichere Vorkommen von Eoeenformation im ganzen Gebiet von
Nordtirol wurde von Herrn Gümbel bei Niederndorf am Inn, nördlich von Kuf-
stein, entdeckt. Wir fanden einen graulich-weissen sandigen Kalk mit zahl-
reichen Exemplaren der Gryphaea Archiacina , ausserdem zahlreiche Austern
und andere eocene Versteinerungen. Das Gebilde scheint in der näheren Umge-
bung keine weitere Verbreitung zu haben: es steigt aus der Thalsohle auf und
lehnt sich an Neocomien-Mergel.
IV. Oligoceii- und Mioceuformation.
Auch die mittleren Tertiärgebilde spielen nur in Vorarlberg eine einiger-
maassen wichtige Rolle im Gebirgsbau, indem sie hier ein Gebiet selbstständig
zusammensetzen, während sie im nördlichen Tiro! nur untergeordnet auftreten.
Alle diese Gebilde sind theils an Ort und Stelle in unserem Gebiet, theils in
nächster Nachbarschaft so häufig und so genau beschrieben worden, dass es
überflüssig scheint, hier näher auf dieselben einzugehen.
Die Mola ss e von Vorarlberg, welche den ganzen Theil dieses Landes
nördlich von der Flyschgrenze einnimmt, entspricht so genau derjenigen in den
angrenzenden Theilen der Schweiz und des südlichen Bayern, dass ich auf die
zahlreichen ausgezeichneten Arbeiten über diesen Gegenstand verweisen kann.
Dieselben Conglomerate mit Eindrücken der aufeinanderliegenden Gerolle, die-
selben zu Schleifsteinen verarbeiteten feinkörnigen Sandsteine, dieselben kohlen-
führenden Schichten, wie sie allenthalben bekannt sind, finden sich auch hier:
eben so gleicht auch der Gebirgsbau mit sanften, nach Norden steiler gebogenen
Gewölben und Faltungen auf das Genaueste dem der benachbarten Gebiete, Die
Versteinerungsführung aber ist dort ungleich bedeutender und erlaubte besonders
Die Kalkdlpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
205
[119]
bei Sauet Gallen und weiter gegen Westen so tief eingehende Studien, dass sie
in Vorarlberg kaum vervollständigt, wohl aber in hohem Grade bestätigt werden
können. Besonderes Interesse bietet nur die Grenze gegen den eocenen Flysch.
Wie die Trias-Lias-Gebilde auf den südlichen Flysehzug und die Kreidegebilde
auf den nördlichen überstürzt sind, so ist es auch der Flysch auf die Molasse,
aber bei weitem nicht in demselben Maasse. Nach Westen fällt das Molasse-
gebirge in das Rheinthal, den Bodensee und das Leiblachthal ab, nach Osten
setzt es durch das Gebiet von Staufen und Immenstadt nach Bayern fort.
Ausserhalb des Molassegebirges sind mittlere Tertiärablagerungen in Vorarl-
berg nur im Montavon bekannt. Heer hat sie als unterohgoeen nachgewiesen.
Im westlichen Nordtirol bis Innsbruck dürften tertiäre Ablagerungen
überhaupt nicht bekannt sein. Von hier an aber beginnen auf ebenen Terrassen
an den Thalwänden, in kesselförmigen Erweiterungen und an anderen günstigen
Orten sporadische Auflagerungen, deren Zahl, wie es scheint, noch bedeutend
vermehrt werden wird *). Hier und da vereinigen sich die Ablagerungen zu Zusam-
menhängen Zügen, welche die höheren Abhänge des Gebirges begleiten.
Da Herr Gümbel (nach brieflicher Mittheilung) die Tertiärgebilde im süd-
lichen Bayern ausführlicher zu bearbeiten gedenkt und wohl zu erwarten ist, dass
dieser gründliche Kenner dieses Theiles der nördlichen Kalkalpen auch die von
ihm so genau studirten Tertiärablagerungen des benachbarten Theiles von Tirol
mit in den Bereich der Bearbeitung ziehen wird, so übergehe ich hier diesen
Gegenstand ganz und gar.
V. Dihmnm nud Alluvium,
Wie überall, wo seit der Tertiärperiode keine Meeresbedeckung mehr stattfand,
sondern nur noch das Süsswasser gestaltend einwirkte, die diluvialen und allu-
vialen Ablagerungen allmälig in einander übergehen und nur einzelne Schichten
durch sporadische Versteinerungen das Merkmal ihres Alters an sich tragen, so
auch in unserem Gebiete. Die sogenannten diluvialen Schotterterrassen treten
in einer ausserordentlichen Mächtigkeit auf, so besonders bei Innsbruck, wo sie
ein hohes Plateau bilden, in welches das Innthal eingeschnitten ist und sich mit
seinen Alluvionen ausbreitet. Auch diese Gebilde sind bereits aus vielen Theilen
der Alpen auf das Genaueste beschrieben und treten in Tirol eben so auf, wie in
allen anderen Thälern. Ein besonders hohes Interesse bietet das Rheinthal mit
seinen ausgedehnten Terrassen-Bildungen, seiner breiten Alluvialebene, in die
der Strom stets neue Arme gräbt, mit seinen Torfablagerungen und den unend-
lichen Geröllmassen, welche der Rhein fortwährend aus dem Gebirge herab dem
Bodensee zuführt. Ueber alle diese Erscheinungen liegen die vortrefflichsten
Untersuchungen von den unermüdlichen Geologen der Schweiz vor, daher ich
auch in dieser Beziehung auf die schon vorhandene Literatur verweisen kann.
D So traf ich im Jahre 18S7 südlich von Haslau am Ausgang des Windau-Thaies ein eben
erschürftes Braunkohlenflötz und es wurde mir versichert, dass in der Gegend noch
viele solche Schichten Vorkommen wie diejenigen, welche das Flötz einschliessen. ln
dieser dem llrgebirge angehörigen Gegend kannte man bisher noch keine Tertiär-
ablagerung; die Thatsache lässt schliessen, dass man sie noch in weiterer Verbreitung
im Bereiche des Urgebirges finden wird.
206 Ferdinand Freiherr von Richthofen. L'ie Kalkalpen von Vorarlberg und Nord-Tirol.
Inhalt.
B. Lagerung und Gebirgsbau in der Trias-LiasrZone (Fortsetzung)
II. Trias-Lias-Gebiet zwischen Bludenz und dem Arlberg
Umgegend von Bludenz, Bratz, Dalaas, Bartholomäusberg
Das Klosterthal [6] 92. — Bludenz, Ludesch, Alpilla, Bothwand. Bratz
Dalaas, Formarin, Schafberg, Spullers, Klösterle
Stuben, Arlberg, Grabach, Zürss [13] 99. — Oberes Lech-Gebiet
(Zug, Am Lech, Stubenbach), Grub-Spitz, Gypsi-Tobl
Walserthal (südl. Gebiet) [19] 103. — Walserthal (nördl. Gebiet),
Zitterklapfen, Künzle-Spitz, Grenze mit Flysch
Widderstein-Gebirge
Umgegend von Schröcken, Hoch-Krumbach und Warth
III. Der westl. Theil von Nord-Tirol von der Vorarlberg. Grenze bis Seefeld
Gebirge zwischen dem Lech-Thale von Stög bis Elbigen-AIp und
dem Stanzer Thale [30] 116. — Gebirge zwischen dem Lech-Thale
von Stög bis Weissenbaeh und dem bayerischen Algiiu
Umgebung von Reutte, Vils, und Thannheim
Gegend zwischen dem Lech-Thal von Elbigenalp bis Weissenbaeh, dem
Inn-Thale von Landeck bis Telfs und der Landesgrenze gegen Bayern.
Seefeld
IV. Gebirge zwischen Secf'eld und den Berchtesgadner und Salzburger
Alpen -
Gegend zwischen Innsbruck und der Riss
Gebiet der Riss und Dürrach bis zur Einsenkung des Achen-Thales .
Gebiet zwischen dem Achenthal und Kufstein [70] 156. — Kalkgebirge
zwischen dem Inn bei Kufstein und der bayer. und Salzburg. Grenze .
II. Jura und Kreide
1. Entwickelung der Jura- und Kreidegebilde in Vorarlberg
A. Gliederung
a) Juraformation
b) Kreideformation
1. Rossfelder Schichten [78] 164. — 2. Etage Valanginien (Desor)
3. Spatangenkalk [83] 169. — 4. Schrattenkalk (oder Caprotinen-
kalk) [84] 170. — 5. Gault [85] 171. — 6. Seewerschichten
B. Verbreitung und Lagerung
1. Nordsüdliches Profil von Andelsbuch über Bezau und die Canisfluh
nach Tamüls [90] 176. — 2. Umgegend von Hohenems
3. Umgegend von Feldkirch, Rankweil und Hoch-Freschen
4. Umgebungen von Bezau, Schnepfau, Hoch-Ifer und Sibratsgföll ....
5. Ergebnisse
2, Entwickelung der Jura- und Kreidegebilde in Nord-Tirol
A. Gliederung.
1. Vilser Kalk [107] 193. — 2. Ammergauer Schichten
3. Rossfelder Schichten [109] 195. — 4. Gosau-Schichten
B. Verbreitung und Lagerung
III. Eocenformation
A. Nummulitenführende Gebilde in Vorarlberg
B. Flysch in Vorarlberg
1. Nördlicher Flysehzug [116] 202. — 2. Südlicher Flyschzug
3. Flysch am Rhätikon
C. Eocengesteine von Niederndorf
IV. Oligocen* und Mio cen f o rmati o n
V. Diluvium und Alluvium
[<20]
Sritr
M]~
MJ 87
[3] 89
1 7 1 93
[9| 95
| 17J 103
[20] 106
[23] 109
[24( 110
[29] 115
[39] 125
| 44] 130
[49J 135
[56] 142
[58] 144
[58 144
[63] 149
[73] 159
74] 160
75] 161
77] 163
77] 163
78] 164
80] 166
[87] 173
[88] 174
| 92] 178
[96] 182
[99] 185
102] 188
105] 191
106] 192
l108] 194
109] 195
HO] 196
112] 198
112] 198
114] 200
116] 202
117] 203
118] 204
Ti 8] 204
119] 205
Aus Herrn J. Barrande’s Schrift: „Defense des Colonies. I. firoupe probatoire“ u. s. w. 207
II. Aus Herrn Joachim Barrande’s Schrift: „Defense des
Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w. 25. November 1861,
Seite 17 bis Ende Seite 34.
Uebersetzt von A. Fr. Grafen Marsehall.
Vorbemerkungen von Wilhelm Haidinger.
In unserer Sitzung am 7. Jänner (dieses Jahrbuch, Verhandlungen S. 1)
habe ich das Verlangen des Herrn Joachim Barrande mitgetheilt, den Ab-
schnitt seiner oben genannten Schrift von Seite 17 bis zum Schlüsse (S. 34)
in unser Jahrbuch aufzunehmen.
„Ich erwarte von Ihrer Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, dass Sie gerne
in Ihrem Jahrbuche die wichtigsten Stellen der gegenwärtigen Schrift aufnehmen
werden und vorzüglich den Abschnitt von Seite 17 bis zum Ende. Sie werden
mir nicht dieselbe Oeffentlichkeit für meine Vertheidigung verweigern, welche
es Ihnen dem Angriffe zu geben zweckmässig geschienen hat“ *).
Herr Barrande besitzt seit langen Jahren ein so hohes Anrecht auf die
Verehrung aller Freunde geologischer Forschung, dass ich nicht Anstand nehmen
durfte, seinem an mich gestellten Verlangen zu entsprechen, wenn ich auch
allerdings hätte wünschen können, dass bei dem Umstande, wo abweichende
Ansichten wissenschaftlicher Gegenstände entstanden, doch die Erörterungen in
mehr objectiver Weise, die Gegenstände selbst betreffend, mehr das Wissen-
schaftliche in das Auge fassend, geführt worden wären, als dass nun gewisse per-
sönliche Beziehungen in den Vorgrund gestellt sind.
Wer ein unabhängiges Werk im Drucke herausgibt, wie Herr Barrande
seine „ Defense des Colonies“, gleicht einem Hausbesitzer, der das theilnehmende
Publicum in sein eigenes Haus einladet und dem er hier seine Ansichten eröffnet,
In den verschiedenen Schriften neutraler periodischer Presse nimmt sich je nach
der Art derselben eine Mittheilung aus wie in einem wissenschaftlichen Sprech-
saale, auf dem Markte, auf der Strasse. Durch sein Verlangen, dass seine Erörte-
rungen in unserem Jahrbuche erscheinen sollen, stellt sich aber Herr Barrande
dem Manne gleich, der Einlass in ein fremdes Haus begehrt, um dort den Bewoh-
nern „seine Meinung zu sagen“. So wenig es nun meiner Neigung ent-
spricht, so kann ich es doch nicht vermeiden, auch wenigstens über einige
*) „J’attends de votre justice et de votre impartialite , que vous voudrez bien reproduire
dans votre Jahrbuch les parties les plus importantes de cet ecrit et notamment ä partir
de la page 17 jusqu ä la fin.“ „ Vous ne me refuserez pas p mir ma defense , lameme
publicite , que vous avez juge convenable de donner ä V attaque“
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1S61 und 1862. II. Heft.
27
208
Ahr Herrn J. Barramle’s Schrift:
[2]
Aeusserungen meine eigene Ansicht nicht zurückzuhalten. Ich fühle mich ungefähr
in der Stellung eines Hausinspectors, dem vorübergehend, — vielleicht — in
meinen Lebensbeziehungen — nicht mehr auf lange Zeit, — die Sorge für
dieses Hauswesen anverlraut ist, und der in tiefster Ehrfurcht für die Quelle
seiner Stellung, und als Vorgang für seine Amtsnachfolger Manches nicht mit
Stillschweigen hinnehmen darf, was in dem Hause nicht hätte gesprochen werden
sollen, so peinlich als solche Erörterungen immer ausfallen mögen. Eine Anzahl
Noten wird daher den übersetzten Text begleiten, nicht jede Stelle kann dabei
in dasjenige Licht gesetzt werden, welches uns das richtige erscheint, aber doch
wünsche ich weuigslens die leitenden Stellen abweichender Ansicht zu be-
zeichnen.
Es war mir sehr angenehm, dass Herr Barrande nicht die Aufnahme der
ganzen Schrift verlangt hatte, so dass ich über Mehreres leichter hinweggehen
kann, wenn auch das Wichtigste nicht fehlt. Er gibt einen Bericht über die
Geschichte der allmäligen Entwickelung der einander entgegenstehenden
Ansichten, wie sie aus Herrn Professor KrejcTs erstem Berichte an die k. k.
geologische Reichsanstalt (Jahrbuch 1859, S. 112), seiner eigenen Protestation
(Jahrbuch 1859, S. 479) und Herrn Suess Bemerkungen (S. 481), endlich
meiner Ansprache am 30. October 1860 (Jahrbuch 1862, S. 115), den hoch-
verehrten Lesern zu freundlicher Erinnerung gebracht werden sollen. Dazu kommt
seitdem noch als Erläuterung Herrn Lipold's Abhandlung selbst (Jahrbuch
1861, S. 1), und meine Anzeige von Herrn Barrande’s „ Defense des Colo -
nies“ in den Verhandlungen (Jahrbuch 1861 und 1862, Verhandlungen S. 14).
Durch diese Schriftstücke ist die Uebersicht vollständig gewonnen und Jeder-
mann ist im Stande, sich selbst die Discussionen zu bilden, je nachdem ihm die
Gründe mehr für diese oder jene Seite zu sprechen scheinen. In dem Abschnitte
von Herrn Bar ran de’s Schrift Seite 17 analysirt derselbe zuvörderst den in
französischer Uebersetzung gegebenen Abschnitt meiner Ansprache am 30. Octo-
ber 1861, wie folgt.
Das Studium des vorhergegangenen Actenstückes lässt leicht erkennen,
dass die Definition der Colonien , wie sie Herr Haidinger gibt, an Klarheit
Vieles zu wünschen übrig lässt-
Ferner sind die Nachweisungen über die Colonie Zippe so unvollständig,
dass es nicht scheint, als wären sie eine logische Rechtfertigung der sie beglei-
tenden Schlussfolgerung, die wir im Texte unterstrichen haben1).
Dennoch müssen wir diese Schlussfolgerung als eine Anerkennung der
Wichtigkeit unserer Lehre von den Colonien überhaupt und von der Existenz der
Colonie Zippe insbesondere, betrachten. In der That ist die oben unterstrichene
Stelle durch folgende Stellen eines Schreibens deutlich bestätigt, mit welchem
uns Herr Director Haidinger am 31. October — mithin am Tage nach der
Sitzung, in der er vorhergehenden Bericht vorgetragen hatte — beehrt hat:
„Ich hatte es für meine Pflicht gehalten, Herrn Lipoid recht dringende
Fragen in Betreff des gründlichen Studiums einer oder der andern Ihrer Colonien
Krejci und Haidinger zu stellen. In seinem Berichte gibt er die Gründe an.
0 Die Thatsache der Natur der nach dem Ausdrucke von Agassiz (Barrande S. 640)
„prophetischen“ Fossilien-Faunen selbst, ist also wohl vollkommen sichergestellt. (Jahrb.
1860, S. 117, Z. 14.) W. H.
Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
209
[3]
die er hat, um diese beiden Colonien als dem Begriffe der Colonien nicht ent-
sprechend zu betrachten, wie dieser Begriff von den Thatsachen bei der ersten
echten Colonie Zippe hergenommen ist. ...... Ich habe erachtet, Herrn
Lipold’s Schlussfolgerungen aiinehmen zu sollen, nach welchen die Colonien
Krejci und Haidinger ihre Erklärung in Faltungen — wie man solchen so
zahlreich in Schichten jeden Alters begegnet — finden würden. Wiewohl in
dieser Weise die obbenannten Oertlichkeiten nicht mehr in den Begriff von Colo-
nien hineinpassen würden, bleibt doch dieser Begriff selbst unberührt, wie Sie ihn
nach den Daten der Colonie Zippe abgeleitet haben und wie er auch in vielen
anderen Ländern erwiesen worden ist. Herr Suess sagt mir, dass er, bei seinen
neueren Studien über das Tertiäre um Horn, Colonien von littoralen und sub-
littoralen Faunen bis in sehr neue Ablagerungen hinein gefunden habe. Wenn
auch der Hauptpunkt: die Natur der echten Colonien, zu fest aufgestellt bleibt,
um ferner angegriffen zu werden, so ist es dennoch sehr wichtig, Alles zu stu-
diren, was sich unter der scheinbaren Form der Colonien zeigt.44
Diese Stellen rechtfertigen demnach vollkommen die von uns unterstrichene
Schlussfolgerung in Herrn Haidinger’s Bericht.
Indem wir deren Klarheit anerkennen, müssen wir vcnimthen, die Nachläs-
sigkeit irgend eines Abschreibers oder Setzers habe den. Theil dieses Berichtes,
der sich auf die Definition der Colonien und auf die Colonie Zippe bezieht,
verundeutlicht oder verstümmelt1). Diese Auslegung erscheint uns um so natür-
licher, als der zweite Theil desselben Berichtes — der nämlich, welcher die
Ergebnisse aus Herrn Lipoid ’s Studien über die Colonien Haidinger und
Krejci darstellt — in dem gewohnten klaren Styl des Herrn Directors Hai-
dinger geschrieben ist.
Dieser zweite Theil beansprucht unsere vollste Aufmerksamkeit. In der
That sind die zu so vielen Malen und in so bestimmter und umfassender Gestalt
der Genauigkeit der von Herrn Lipoid ausgeführten Forschungen ertheilten
Lobsprüche ein neuer Beweis, wie leicht es ist, Herrn Haidinger’s Vertrauen
zu überraschen und seinen Eifer für die Wissenschaft irre zu leiten, zumal wenn
es sich darum handelt, nach den vielen Verdiensten, die sich die unter seiner
väterlichen Leitung stehenden Geologen bereits erworben, ein neues Verdienst
zu verkünden. Wir sind indess überzeugt, der ehrwürdige Director der Reichs-
anstalt werde, durch unsere Stimme gemahnt, nicht säumen, von seinen Täu-
!) Herr Barrande lässt mir geneigtest noch ein Hinterpförtchen offen, um mich selbst
jetzt noch seiner Ansicht anzuschliessen, aber um den Preis, dass ich eingestehe, ich
habe entweder meine Ansprache am 30. October 1860 nicht selbst verfasst, oder ich
habe nicht bemerkt, wie ein Abschreiber oder Setzer mir übel mitgespielt! Aber seine
Divinationsgabe hat ihn doch getäuscht. Ja ich habe selbst meine Ansprache geschrieben, —
und unter welchen Gefühlen, dürften wahre theilnehmende Freunde wohl ermessen, wo
es sich um Sein oder Nichtsein unserer lc. k. geologischen Reichsanstalt handelte, und
nur Pflichterfüllung uns aufrecht erhielt — , ich habe sie persönlich in der Sitzung- vorge-
tragen, ich habe die Presse selbst corrigirt, und darf mir in dieser Beziehung keine Vor-
würfe von Nachlässigkeit machen. Aber Herr Barrande nimmt nicht Rücksicht auf
unsere Zustände, auch nicht auf meine Stellung. Meine Aufgabe war nur, einen kurzen,
möglichst klaren Bericht über Herrn Lipold’s Darstellungen zu geben, nicht aber eine
Abhandlung über die Colonien zu schreiben. Doch wünschte ich auch den Standpunkt der
Frage nicht ganz unberücksichtigt zu lassen, als Einleitung zu diesem Bericht. Wo der
Kürze der Darstellung der Verhältnisse der Colonie „Zippe“ wegen Herr Barrande
einen Schatten auf meine Logik wirft, hatte ich gerade gewünscht, seiner Ansicht mög-
lichst mich anzuschliessen. Als Gegensatz zu einer so empfindlichen Verdächtigung darf
ich wohl das Lob der Klarheit für die nachfolgende Stelle, eben nur als Gegensatz auf-
nehmen. W. H.
27
210
Aus Herrn J. Barrande’s Schrift:
W
schungen zurückzukommen und einen jener edlen und beherzten Entschlüsse fassen,
von denen er uns bereits mehrfache Beispiele gegeben, wie sie allein seinem
angeborenen Rechtssinn und der Würde seiner hohen Stellung angemessen sind.
Wir seihst, die wir die unerbittliche Pflicht zu erfüllen haben , die uns
unsere aufrichtige Ueberzeugung und die Verfechtung der Wahrheit auferlegt,
bedauern lebhaft, in die harte Nothwendigkeit versetzt zu sein, der wissenschaft-
lichen Welt erklären zu müssen, dass Herrn Lipold’s Arbeit, weit entfernt Herrn
Haidinger’s Lob und Bewunderung zu verdienen, mit unglaublichen Nachläs-
sigkeiten, schweren Irrthümern und unerhörten Willkürlichkeiten behaftet sei,
welche alle ihren wesentlichen Antheil zu den vermeintlichen Faltungen dieses
Geologen geliefert haben.
Demgemäss können die Ergebnisse einer solchen Durchforschung — mögen
sie auch unter der doppelten Gewähr eines, die Markscheidekunst anwen-
denden Bergrathes und eines stratigraphisch verfahrenden Chef- Geologen 1 )
angekündet werden — von keinerlei Gewicht in der Frage über die Colonien
sein, bei der eine wirkliche Genauigkeit zu fordern ist.
Die von uns angedeuteten Nachlässigkeiten, Irrthümer und Willkürlichkeiten
haben unsere Aufmerksamkeit erregt, sobald nur Herrn Lipold's Karten und
Durchschnitte vor unsere Augen gekommen sind. Wir werden jeden unserer
Leser mit Fingern daraufhinweisen, wenn sie nur einmal jene selben Grundlagen
der Erörterung in Händen haben werden. Ohne diese Belegstücke wäre es uns
durchaus unmöglich, weder die Einzelheiten noch die Gesammtheit der von uns
zu erörternden materiellen Thatsachen zum Verständnis zu bringen.
Wir ersuchen daher dringend Herrn Director Hai ding er, im Namen des
hohen Interesses, das diese Frage erregt (wie er sich selbst ausdrückt)
und im Namen der uns schuldigen Gerechtigkeit, Herrn Lipold's vollständigen
Text, seine Specialkarten und seine Durchschnitte — kurz: die Gesammtergeb-
nisse seiner Untersuchungen über die Colonien Haidinger und Krejci, baldmög-
lichst veröffentlichen zu wollen2).
4) Ein hoher Ton und Drohungen, Hohn und Spott verbessern auch eine vollkommen und
unbezweifelt siegreiche Sache nicht, ja sie sind deren ganz unwürdig. In dem gegenwär-
tigen Falle, wo eigentlich doch nur einfache wissenschaftliche Erörterungen vorliegen,
sind sie wohl noch weniger an ihrem Platze, und stören auf jedem Schritte, selbstgefällig
wie sie durch die ganze Schrift hindurchgeführt und wiederholt erscheinen. W. H.
2) Diese Beschwörung erscheint mir sehr überflüssig. Herr Barrande, von dem ich noch
nicht die Rückkehr nach Prag, nach achtzehnmonatlicher Abwesenheit ( Defense S. 14)
erfahren hatte, sandte die Exemplare der „ Defense “ zu meiner grossen Ueberraschung,
und ich erhielt das Anzeigeschreiben am 19. December 1861, die Brochüren selbst am
22. December. An demselben Tage konnte ich ihm schon die Aushängebögen von Herrn
Lipold’s Abhandlung von Seite 1 bis Seite 56 überschicken — die Seiten 57 bis 66, so
wie ein Exemplar der Karte wurden vor unserer Sitzung am 7. Jänner 1862 abgesandt.
Man sieht wohl, dass nicht sein Drängen das Fertigwerden beschleunigte, so dass sie in
dieser Weise, mit umgehender Post gesandt werden konnten. Sie waren bereits gedruckt.
Aber es war uns erst spät möglich gewesen den Druck wieder zu beginnen, und er wurde
wahrlich sorgsamst beschleunigt. Die Karten selbst waren das Letzte. Sucht doch ein
wahrer Mann der Wissenschaft bis zuletzt noch zu bessern und deutlicher die Gegen-
stände darzustellen. Die Karte, von welcher Herr Lipoid in zuvorkommendster WTeise
eine Durchzeichnung durch Strohpapier an Herrn Barrande gesandt, war das erste
Manuscript. Man weiss wohl, wie in einem solchen Manches übrig bleiben kann, das in
der Ausführung verbessert wird. Wenn nun anstatt der Ausführung, wie sie am 7. Jänner
vorgelegt wird, Herr Barrande den Zustand der Strohpapierskizze vor dem 30. October
1860 als Basis von Discussionen verlangt, so erscheint uns das mehr in dem Verfahren
eines Mannes zu liegen, der den Wunsch Recht zu behalten höher schätzt, als wahre,
redliche Naturforschung. Was uns betrifft, so werden wir nicht aufhören Verbesserungen
anzubringen, so lange es uns nur immer möglich sein wird. W. H.
[S]
, Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
211
Die hohe Ehrenhaftigkeit des Vorstandes der geologischen Reichsanstalt
lässt uns hoffen, dass unsere Wünsche erfüllt und die Karte und Durchschnitte
völlig unverändert, nach den Original-Zeichnungen , von denen lins (wie Herrn
Haiding er’s Bericht bestätigt) eine Durchzeichnung ärntlich mitgetheilt wurde,
werden veröffentlicht werden. Wir bestehen lebhaft auf diesem Punkt, weil jene
Zeichnungen die Original-Acten darstellen, auf deren Grund unsere Colonien
Haidinger und Krejcf so summarisch gerichtet und verurtheilt wurden. Es ist
daher vollkommen gerecht, diese Beweisstücke in ihrer ursprünglichen Gesamint-
fassung dem wissenschaftlichen Publicum, als der einzigen competenten Behörde,
der wir uns in dieser Streitsache unterwerfen, vorzulegen.
Zum bessern Beweis, dass wir uns, in Erwartung der eben verlangten Ver-
öffentlichungen, nicht auf eine blosse Protestation zu beschränken die Absicht
haben, beginnen wir hier eine Reihe von Mittheilungen mit dem Zwecke, einzelne,
auch ohne Karte oder Durchschnitte leicht verständliche Thatsachen festzustellen.
Diese Thatsachen, welche Jedermann unmittelbar an der angegebenen Stelle
prüfen kann, werden den rechten Maassstab für die so gepriesene Genauigkeit
von Herrn Lipoid’s Forschungen abgeben. Es werden eben so viele in Voraus
aufgestellte Fixpunkte sein, die uns dienen sollen, den Gang der Erörterung vor-
zuzeichnen und sie auf die einfachsten Ausdrücke zurückzuführen. Das ist für
jetzt das einzige uns zu Gebot stehende Mittel, den Schluss dieses peinlichen
Streites, bei dem wir eine rein passive *) Stellung einnehmen, zu beschleunigen.
Wir wollen nun denn sogleich Hand an’s Werk legen.
Viertes Capitel.
Beweisgruppe (groupe probatoire) , die Colonien „Haidinger“ und „Krejcf“ und den Erguss
( coulee ) „Krejcf“ umfassend.
Der Probirstein dient dazu, die Reinheit des Goldes zu versuchen und
seinen Handelswerth festzustellen.
Auf gleiche Weise soll die coloniale Gruppe, die wir „Be weis -Gr upp e“
nennen, noch einmal dazu dienen, den wissenschaftlichen Werth, d. h. die wahre
Tragweite und die Genauigkeit der Forschungen unserer Gegner und die Wirk-
samkeit ihrer Beweisgründe gegen unsere Colonien Haidinger und Krejcf
abzuschätzen.
Diese Gruppe liegt bei Gross-Kuchel, 7 — 8 Kilometer südlich von Prag;
also nicht entfernter als das gewöhnliche Maass eines geologischen Spazierganges.
Die Oberfläche ist an dieser Stelle unbebaut, grossentheils offen und jederzeit
zugänglich; die Beweis-Gruppe kann mithin an jedem Tage besucht und studirt
werden.
Diesen- — selten so vereinten — Umständen verdankt diese Gruppe das ganz
besondere Vorrecht, nach einander und nach Verlauf mehrerer Jahre zwei Mal ein
Gegenstand der Berufung zu werden, an dem die Studien der vermeintlichen Berich-
tiger unserer stratigraphischen Bestimmungen interessante Proben ablegen sollen.
Die erste dieser Proben reicht bis an das Jahr 1859 hinauf, und fällt in die
Zeit, da Herr Krejcf zum erstenmal verkündete, dass sich unsere Colonien
einfach durch Dislocationen erklären Hessen.
1) So sind die Ansichten verschieden. Mir selbst und auch vielen andern hochverehrten
Freunden erscheint Herrn Barrand e’s Rolle in der That sehr activ zu sein. W. H.
212
Aus Herrn J. Barrande’s Schrift:
[«]
Erinnern wir uns, dass Herr Hofrath Haidinger in seinem amtlichen
Bericht vom 31. August 1859, bei Veröffentlichung der vermeintlichen Ent-
deckung des Herrn Krejcf, nicht ermangelt hatte festzustellen: dass dieser
Forscher, der sich den Arbeiten der geologischen Reichsanslalt freiwillig bei-
gesellt hatte , den Verlauf der Schichten dem Streichen nach mit der
höchsten Aufmerksamkeit verfolgt habe. Man musste nun meinen,
Herrn Krejcf’s Entdeckung sei das natürliche Ergebniss jenes so gründlichen
und bis dahin im Silurbecken Böhmens gewiss beispiellosen stratigraphischen
Studiums.
Durch unsere am 17. October 1859 an Herrn Haidinger gerichtete Ver-
wahrung wurde sogleich der Beweis hergestellt, dass Herr Krejcf, ungeachtet
seiner höchsten Aufmerksamkeit, nicht so glücklich gewesen war, auf
eine sehr mächtige Colonie zu stossen, nämlich auf die Colonie Haidinger bei
Gross-Kuchel, ganz nahe der Colonie, die wir im Jahre 1850 Herrn Krejcf
gezeigt und nach der Entstehung dieser Debatten „Colonie Krejcf“ genannt
hatten ( Colonies . Bullet. Soc. gäol. de France , XVII, p. 604, 1860). Unsere
Bekanntgebung der Colonie Haidinger im Jahre 1859 gibt demnach den ge-
nauen Maassstab der höchsten Aufmerksamkeit, die Herr Director H a i-
dinger Herrn Krejci’s Forschungen zuschreibt *)•
Dieser bereits bekannten Thatsache müssen wir einige Einzelheiten beifügen,
die bei den gegenwärtigen Umständen zum Verständnis des Nachfolgenden
wesentlich sind.
Als Herr Krejcf am 4. November 1859 unsere vertrauliche Mittheilung
über die Colonie Haidinger empfing, schien er davon sichtlich sehr unangenehm
berührt; dennoch suchte er nicht sich wegen des Uebersehens einer so augen-
fälligen Ericlave zu entschuldigen. Sein Schweigen erschien uns sehr tactvoll,
berührte uns angenehm und verleitete uns, ihm einen ferneren Beweis unseres
Wohlwollens zu geben. Wir sagten ihm also : „Nehmen sie sich in Acht, Herr
Krejcf, die Colonie Haidinger ist wahrscheinlich nicht die einzige Enclave,
die Sie übersehen haben. Es gibt deren noch andere, die Ihnen möglicher Weise
entgangen sind, und darunter kennen wir einige sehr kleine, nur auf einige
Meter der Länge nach sichtbare.“
4) Allerdings konnte ich damals nicht so tief in die Sache eindringen. Ich musste mich auf
den Eindruck verlassen, welchen auf mich die erhaltenen Berichte hervorbrachten. Aber
selbst wenn ich alle B arr and e’schen Hinterhalte gekannt hätte, so wäre es meine
Pflicht gewesen durch ein aufmunterndes Wort die Forschung zu fördern. Diese meine
Pflicht habe ich auch erfüllt. Wie es aber Herrn Ba rrande möglich gewesen wäre, im
Jahre 1850 ( Defense S. 22) aus dieser jetzt „Haidinger“ genannten Colonie, wenn er sie
damals schon gekannt hätte, gegenübervonHerrn Krejcf ein Geheimniss zu machen, als er
ihm die, seitdem so genannte, Colonie „Krejci“ mittheilte, das — ich muss es gestehen —
ist mir, nach meinen Ansichten des Ernstes der Naturforschung, rein unbegreiflich, eben
so wie dass er ihm noch 1859 und uns und dem gesammten geologischen Publicum noch
am 25. November 1861, ja bis zu dieser Stunde selbst die Zahl der „Colonien“ verheim-
licht, welche er als solche betrachtet. Freilich bemerkt mir aus dieser Veranlassung mein
hochverehrter Freund Lipoid, dass in dem Systeme Silurien 1852 (Seite 69, Zeile25)
ausser den Colonien in der Bruska, nur zweier Colonien Erwähnung geschieht, einer bei
Motol und einer bei Gross-Kuchel. Herrn Barrande war also wohl damals keine
andere Colonie bekannt, und seine Kenntniss war fortschreitend, so wie er auch an ande-
ren Orten frühere Angaben zurückgenommen und frühere Irrthümer als solche benannt
und verbessert hat (vergl. M. V. Lipoid. Ueber die B ar r a n d e’schen Colonien u. s. w.
S. 65). Wenn aber Herr Barrande schon mit so grossem Nachdrucke kämpft, so sollte
doch von seiner Seite die bekannt gemachte wissenschaftliche Grundlage nicht fehlen.
W. H.
m
Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
213
Herr Krejcf beharrte in seinem Stillschweigen, während wir für ihn eine
Skizze der Colonie Haidinger zeichneten; indess dachten wir, unser freund-
schaftlicher Rath werde bei der Fortsetzung seiner Forschungen nicht ohne
Früchte bleiben. Wie die Darstellung der Thatsachen in ihrer Reihenfolge be-
weisen wird, waren wir indess damit im Irrthum. Für diesmal beginnen wir
damit , eine solche , auf die Reweis - Gruppe bezügliche Thatsache aufzu-
führen.
Diese Thatsache ist sehr einfach und besteht darin, dass die Beweis-Gruppe
nicht nur die Colonie Krejcf (die wir im Jahre 1850 Herrn Krejcf gezeigt
haben) und die Colonie Haidinger (die wir ihm im Jahre 1859 bekannt gemacht
haben) umfasst, sondern auch noch eine dritte Enclave, die, gleich jenen beiden
Colonien, zwischen die Gebilde der Schichten db regelmässig eingelagert ist.
Diese Enclave, welche bisher nur aus einem Erguss von Trapp1) zu bestehen
scheint, ist von den beiden benachbarten Colonien vollständig unterschieden;
schon aus dem einfachen Grunde, weil sie in einem dritten Horizont, merklich
höher als jede der beiden Colonien, gelegen ist.
Dieser Erguss von Trapp nun, dessen wir heute zum erstenmal erwähnen,
ist weder von Herrn Krejcf — ungeachtet des freundschaftlichen Rathes, den
wir ihm am 4. November 1859 ertheilt — noch von Herrn Lipoid — unge-
achtet seiner zu den kleinsten Einzelheiten her absteigenden Studien,
gesehen worden. Die zwei amtlichen Karten , in welche die auf einander
folgenden Beobachtungen dieser beider Geologen eingetragen sind, liegen uns
vor und bestätigen, dass der von uns angedeutete Erguss dem einen wie dem
andern unserer Widersprecher entgangen ist.
Dies ist nun die zweite Probe, die die Benennung unserer „Beweis-Gruppe44
rechtfertigt.
Wäre Herr Lipoid, jede vorgefasste Meinung bei Seite setzend, wirklich
Willens gewesen die Frage über die beiden Colonien Haidinger und Krejcf
zu studiren, so hätte er begriffen, dass ihm zunächst oblag, einen vollkommenen
Durchschnitt jeder derselben ( au droit de cliacune d'elles), nach der ganzen
zur Darlegung ihrer stratigraphischen Verhältnisse zu den Etagen D und E un-
entbehrlichen wagrechten und senkrechten Erstreckung, aufzunehmen. Anstatt
weit angelegter und deutlich gezeichneter Durchschnitte finden wir aber aut
seiner ämtlichen Durchzeichnung nur zwei kleine unverständliche und verstüm-
melte Skizzen, welche die Colonien undeutlich darsteilen, ohne dass die Reihe
der oberen und unteren Gebilde, zwischen denen sie eingeschaltet sind, und
deren Vergleichung zum Studium des wahren Ursprunges dieser Enclaven unent-
behrlich ist, daraus ersichtlich würde. Sind das jene merkwürdig schönen
und instructiven Durchschnitte, die den hochachtbaren Director Hai-
dinger bestochen haben?
Wir wollen noch bemerken, dass wenn Herr Lipoid auf dem Terrain jene
zwei Durchschnitte, die wir eben als unentbehrlich bezeichnet haben, hätte machen
wollen, er nicht fehlen konnte, den Erguss zu durchschneiden und zu sehen,
dessen Existenz wir ihm heute bekannt geben.
4) Ist denn der unorganische „Trapp“ auch in dem Begriff einer Colonie enthalten? Bezie-
hen sich die Colonien nicht auf Organisches, auf Faunen — angeblich früher ein-
gevvandert, und dann wieder von Schichten mit Formen älterer Faunen überdeckt, bis
endlich die neue, erst als Colonie erschienene Fauna die herrschende wurde? Wie soll
man sich denn eine Wanderung von „Trapp“ vorstellen. Man hat in Wien diese Stelle
in Herrn Barrand e’s „ Defense “ mit Erstaunen und Befremden wahrgenommen. W. H.
214
Aus Herrn J. Barrande's Schrift:
[8]
Ist die Lage dieses Ergusses so, dass topographische Umstände die An-
näherung den Forschern beschwerlich oder gefahrvoll machen würden? Keines-
weges. Dieser Erguss liegt ganz einfach auf der Fahrstrasse von Gross-Kuehel
nach Lochkow. Sein östliches Ende liegt kaum über 400 — 500 Meter von
Gross-Kuchel, und von da an kann man die Trappe in den kleinen Rissen längs
der Strasse in einer Länge von etwa 150 Meter und in einer Breite von 6 — 8 Me-
ter stetig verfolgen. Die jenseits dieser Grenze bedeckte Oberfläche hat uns
nicht erkennen lassen, ob diese Trappe — gleich jenen der benachbarten
Colonien — von Graptolithen-Schiefern — begleitet sind.
Der Erguss — so weit er sichtbar ist — hält eine mit der Colonie Krejci
parallele Richtung ein und ist von dieser durch einen horizontalen Abstand ge-
trennt, den wir auf 150 Meter schätzen, was ungefähr 100 Metern senkrechten
Abstandes in der Reihe der Gebilde der Schichten d 5 gleichkömmt. In Anbe-
tracht dieser guten Nachbarschaft und des thätigen Aritheils, den Herr Krejci
an der Beleuchtung („Illustration“) unserer Colonien nimmt, werden wir diese
neue Enclave als „Erguss Krejci“ bezeichnen.
Nach der Nähe, die wir früher (Bullet. XVII , p. 606 , i860) zwischen
den Colonien Haidinger und Krejci festgestellt haben , ist es nicht mehr
nöthig, darauf aufmerksam zu machen, dass der Erguss Krejci gleichfalls in
geringer Entfernung von der Colonie Haidinger liegt. Der Abstand zwischen
beiden mag auf 300 — 400 Meter geschätzt werden. So bilden denn jene drei,
in wagrechter wie in senkrechter Richtung einander verhältnissmässig so nahe
liegenden Enclaven eine naturgemässe Gruppe, die eben unsere Beweis-
Gruppe ist.
Fünftes Capitel.
Folgerungen aus der Erscheinung des Ergusses „Krejci“.
Aus der unverwarteten Erscheinung des Ergusses Krejci fliessen wichtige
Folgerungen, deren Betrachtung uns noch obliegt, und zwar zuerst in strati-
graphischer, dann in moralischer Hinsicht.
1. In stratigraphischer Hinsicht.
Wir bringen in Erinnerung, dass beim Beginn dieser Debatte im Jahre 1859
Herr Krejci, der von der Beweis-Gruppe nur die nunmehr nach ihm benannte
Colonie kannte, diese Enclave als die Wirkung einer Dislocation zu erklären
vermeinte. Diese Auffassungsweise findet noch ihren Ausdruck auf dem Theil
der General-Karte unseres Beckens, die nach Herrn Krejci’ s Arbeiten colorirt
und unterm 10. September 1860 von Herrn Director Haidinger von Amts-
wegen als authentisch unterzeichnet worden. Wir sehen auf dieser Karte, parallel
der SO.-Begrenzung unseres grossen Kalkstockes, einen Streif Quarzite colorirt
als Schichten des Berges Brda oder Brdiwald, d. h. als gehörten sie zu
unserer Quarzitstufe d1 * 3. Diese Stufe wäre also durch eine Kluft („ faille u)
gehoben und zu Tag gebracht, und zwar in einer stetigen Längenerstreckung
von 23.000 Meter von der Umgebung von Mnienan bis nahe an Gross-Kuchel,
d. h, bis zu den beiden Colonien Haidinger und Krejci.
Mit grossem Erstaunen finden wir auf der ämtlichen Karte jene An-
gabe, die mit Herrn Lipoid s Special-Karte im offensten Widerspruche steht.
In der That hat dieser Chef-Geologe ganz richtig erkannt, dass die fraglichen
Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
215
[9]
Quarzite ein Gebilde unserer Stufe dh darstellen, und hat er ihnen die Benennung
„Kosso wer S ch i chte n“ gegeben, während er die schiefrige Ablagerung
dieser Stufe „Königshofer Schichten“ nennt.
Nachdem Herr Lipoid das Gebiet durchgangen hatte, fand er sich ge-
nöthigt die erste Idee von Dislocationen, die nach Herrn Krejci die Scheinbilder
(simulacres ) unserer Colonien hervorgebracht haben sollten, wieder aufzugeben.
Gedrängt wurde er zu dieser Aufgeburig durch die Nothwendigkeit zugleich
zwei Colonien, jede auf einen andern gesonderten Horizont gelegen, zu erklären,
ansatt der einzigen, welche Herr Krejci vor sich hatte.
Herr Lipoid erwähnt also weiter nichts mehr von Herrn Krejci’ s Dis-
locationen und substituirt ihnen einfach die beiden oben erwähnten synklinischen
Falten.
Herrn Lipold’s Arbeiten haben mithin zugleich ein doppeltes und beson-
deres Verdienst. Einerseits stellen sie fest, dass Herrn Krejcfs stratigraphische
Auffassungen auf keinen wirklichen Grund beruhen und sich vollständig
illusorisch gezeigt haben, wie es Herr Haidinger mit Strenge aus-
spricht. Andererseits bestätigen sie vollständig Herrn Krejcfs schliessliche
Ansichten, nämlich: dass unsere beiden Colonien nichts sind, als von uns ver-
kannte abgerissene Theile unterer Etage E.
Für wie viel Tage hat Herrn Lipold’s Auffassung der beiden synklini-
schen Falten Herrn Krejcfs schliessliche Ansichten bestätigt?
Ohne für jetzt — aus den bereits angegebenen Gründen — auf die eigent-
liche Basis dieser Frage einzugehen, wollen wir nur bemerken, dass Herr
Lipoid, der in unserer Beweis-Gruppe nur die beiden fraglichen Colonien
kannte, nur daran gedacht hat, zwei synklinische Faltungen anzunehmen, deren
jede Einer dieser Enelaven entspricht. Die Colonie Krejci, in einem dritten
Horizont oberhalb jenes jeder dieser beiden Colonien liegend, bleibt eben so
ausser dem Bereich der beiden Falten des Herrn Lipoid, wie ausser dem der
Verwerfung („faille“) des Herrn Krejci.
Wenn indess unsere Gegner das System der Faltungen ernsthaft aufrecht
erhalten wollen, so ist offenbar zur Erklärung des Ergusses Krejci die Annahme
einer dritten Falte unentbehrlich.
In der That muss man beachten, dass Herr Lipoid, behufs der Feststellung
einer vermeintlichen Verbindung zwischen seinen Falten und den Colonien
Haidinger und Krejci, den Trapp-Ergüssen eine sehr wichtige Rolle zu-
weist. Wir wollen hier die auf seiner Karte, rechts von Wonoklas und Czerno-
schitz angegebenen anführen. Der Erguss zunächst Wonoklas zeigt uns übrigens
ein Beispiel der Willkürlichkeiten 4) dieses Geologen, der, ein sehr winziges
Vorkommen von Trapp nach Belieben vergrössernd , ihm eine Länge von 1.200
Meter und eine Breite von 150 Meter gibt, von welchen beiden an Ort und Stelle
nichts zu sehen ist. Wenn aber in derümgebung von Czernoschitz und Wonoklas
die Trapp-Ergüsse den Faltungen entsprechen representent“), warum sollte
der Erguss Krejci in der Nähe von Gross- Küchel nicht auch dies Vorrecht
theilen? Die dritte synklinische Faltung ist mithin unentbehrlich. Wenn Herr
Lipoid im Jahre 1860, zur Zeit da er seine Durchforschung vornahm, den
0 Während Herr Barrande die Coulee Krejci mit Ostentation einführt, läugnet er bis
auf ein Minimum, ein element exigu de trap die Colonie Wonoklas, welche allerdings nach
Herrn Lipoid’ s Mittheilung sichtbar genug ist, wenn auch auf der Karte etwas grösser
dargestellt. Aber aueb dafür wird man billig den Inhalt der Anmerkung auf Seite 23
beherzigen, die freilichHerr Barrande für sein vorschnelles Urtheil zu späterhielt. W. H.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft. 28
216
Aus Herrn .1. Barrande’s Schrill:
[10]
Erguss Krejcf gekannt hätte, kann man wohl annehmen, dass er, um ihn zu
erreichen („ pour V atteindre“) eine dritte synklinische Faltung entdeckt hätte,
oder auch irgend eine andere, auf die drei über einander liegenden Horizonte
unserer Beweis-Gruppe gleich anwendbare Combination.
Heute noch die so unvorhergesehene Ungenügendheit des Systems der
zwei Falten gut machen zu wollen, wäre ein sehr heikliches Unternehmen.
Man begreift in der That, dass, wenn Herrn Lipold's Forschungen, mit An-
wendung der geometrischen Behelfe der Markscheidekunst in ihrer gröss-
ten Genauigkeit und mit der gründlichen Erfahrung eines Bergrathes, ihm auf
dem durchforschten Gebiet nur zwei synklinische Faltungen — und nicht mehr —
haben finden lassen, er in seinen Erinnerungen wohl kaum eine dritte wieder-
finden würde. Wären auch die Aufzeichnungen über seine Beobachtungen
elastisch genug, um sich dieser nachträglichen und verspäteten Entdeckung
anzupassen, würde er sich nicht bedenken, im Angesicht der wissenschaftlichen
Welt das zu Gunsten seiner ersten Aussprüche durch die vielfachen Zeugnisse
des hochachtbaren Directors Haidinger so laut geforderte Vertrauen selbst
zu schwächen?
So bringt eine scheinbar unbedeutende Thatsache, das unvorhergesehene
Auftreten des Ergusses Krejcf, Störung in das neue Angriffs-System unserer
Gegner. Bevor noch die regelmässige Darstellung dieser Auffassung uns vor-
liegt, erheben sich schon Zweifel über die Frage: ob diese Auffassung durch
eine dritte Falte vervollständigt werden könne, oder ob sie — gleich dem
System der Dislocationen — wieder aufgegeben werden soll, um einem dritten
System das Feld zu räumen ?
Ist dies wohl die Weise, in der sich das Kriterium der Wahrheit kund
gibt? ')
2. ln moralischer Hinsicht.
Der Erguss Krejcf zeigt das erste Glied („ terme “) der Reihe von unbe-
greiflichen Nachlässigkeiten, schweren Irrthiimern und unerhörten Willkürlich-
keiten, die wir oben an Herrn Lipo I d’s Arbeiten hervorgehoben haben. Die
folgenden Glieder dieser Reihe sollen sich nun allmälig vor den Augen unserer
Leser entwickeln.
Dass die Herren Krejcf und Lipoid, einer nach dem andern, bei dem
Erguss Krejcf wiederhohlt vorbeigegangen sind, ohne ihn wahrzunehmen, ist
eine Thatsache, die — wenn sie verein«elt dastände — für zufällig gelten
könnte, — und wir würden der Erste sein, unsere Gegner zu entschuldigen und
sie über ihr Missgeschick zu trösten.
Nun aber verhält sich die Sache ganz anders.
Der Erguss Krejcf ist in der That nicht die einzige Enclave, die Herrn
Lipold’s Entdeckungen entgangen wäre.
ln Bezug auf diese Erörterungen sei es gestattet zu bemerken , worauf mich Herr
Lipoid besonders aufmerksam macht, dass Herr Barrande sich des Ausdruckes
bedient uniquement deux plis, während Lipoid selbst in seiner Abhandlung, welche
freilich Herrn Bar ran de, als er seinen Angriff schrieb, noch nicht vorlag, sich Seite 34,
Zeile 2 des Ausdruckes bedient: „hauptsächlich zwei grosse Faltungen und
U eb er sc hi ebungen“, und Seite 37, Zeile 12 „h au p t sächlich zwei Züge“ u. s. w.
Die Möglichkeit mehrerer Falten und mehrerer Züge bleibt da noch immer offen, ln dem
Profile P Q, Tafel I sind auch in der That drei, in dem Profile RST Tafel I sogar vier
Falten angedeutet. Und Alles dies ganz unabhängig und lange bevor uns Herrn B a l—
rande’s Ausstellungen zukamen.
[11]
, Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
217
Wir verkünden von heute an, dass deren noch sieben andere existiren,
welche innerhalb des Gebietes, das dieser Geologe bis in die kleinsten
Einzelheiten studirt haben soll, seiner Aufmerksamkeit entgangen sind;
mithin im Ganzen acht Enclaven, die Herr Lipoid nicht wahrgenommen hat.
Dies bestätigt uns seine vor uns liegende detaillirte Karte.
Diese acht Enclaven sollen, eine nach der andern, in unseren nächsten
Publicationen beschrieben werden. Bei dieser Gelegenheit bitten wir die Gelehr-
ten, nicht ausser Acht zu lassen, dass wir keineswegs behaupten, mit dieser
Ziffer 8 unser letztes Wort ausgesprochen zu haben. Wir wollen ihnen vielmehr
anvertrauen, dass uns noch ein kleiner Rückhalt bleibt, welcher im Nothfall der
Genauigkeit künftiger Forschungen zur Probe dienen soll — Reserven haben
Schlachten gewonnen *).
Wir wollen nun bemerken, dass Herr Lipoid, um die Verbindungen zwischen
dem Ende seiner synklinischen Falten und unseren beiden Colonien Hai-
dinger und Krejcf herzustellen, auf seiner Karte sieben Enclaven angegeben
hat. Nimmt man aber von dieser Zahl vorerst jene dieser Enclaven weg, die in
Wirklichkeit gar nicht bestehen, dann jene, die Herrn Lipoid durch Herrn
Krejcf bezeichnet worden sind, so könnte man wohl fragen : worin denn eigent-
lich die Entdeckungen bestehen, die aus einer amtlichen Durchforschung,
welche als so bewunderungswürdig angekündiget wurde, hervorgegangen sind* 2 3).
Endlich haben wir noch zu bemerken, dass unter den acht Enclaven,
welche dieser Muster-Durchforschung entgangen sind, sich einige befinden, die
in der verticalen Reihenfolge der Formationen eine — wir möchten gerne
sagen: providentielle — Stellung einnehmen, so viel Licht verbreitet sie über
die wirkliche Beschaffenheit der Colonien Haidinger und Krejcf. Wir könnten
demnach sagen, Herr Lipoid habe, indem er die Entdeckung dieser Enclaven
verfehlte, in der That zugleich die Heerstrasse des Lichtes und der Wahrheit
verfehlt 3).
Kurz zusammengefasst : Die Zahl der acht Enclaven, deren Existenz wir
gegenwärtig ankünden und von denen Herr Lipoid nichts wusste, und die hohe
*) Wohl darf ich gestehen, dass meinen Ansichten und Neigungen Herrn Barrand e’s
System der Naturf or schun g mit Reserven durchaus widerstrebt, nach Grund-
satz und Ausführung. Unsere Arbeit, durch die Mitglieder der k. k. geologischen Reichs-
anstalt, geschieht offen am Tage und ehrlich, was wir gefunden wird mitgetheilt, und
jeden Tag sind wir bereit Besseres an die Stelle des Guten zu setzen — Le mieux est
Vennemi du bien — so bald es uns bekannt wird. Wo bleibt aber bei der Methode der
Hinterhalte oder Rückhalte — des re'serves — in dem gegenwärtigen , von Herrn B ar-
rande dem Gesichtspunkte der Moral gewidmeten Abschnitte — die Moral? W. H.
2) Ich muss hier wohl in das Gedächtniss rufen, dass Herrn Lipoid, nebst der allgemeinen
Aufgabe der geologischen Aufnahme nur die Aufgabe vorlag, „an Einer der „Colonien“
wo Herr Professor Krejcf eine von der des Herrn Barrande verschiedene Ansicht sich
gebildet hat, alle Verhältnisse so genau zu untersuchen und hinlängliche Aufsammlungen
von Fossilresten einzuleiten, um zu einem sicheren Schlüsse zu gelangen, so dass kein
Zweifel übrig bleibt.“ (Jahrb. 1861 und 1862 I. S. 2. Siehe auch Defense pag. 18, oben
Seite.) Mit einem einzigen Punkt, aber der über jeden Zweifel gewonnen sein sollte,
konnten wir uns begnügen, um auf Anderes zu schliessen. Ich hätte nicht verlangen
können, Herr Lip o 1 d solle Alles genau studiren, am wenigsten aber alle Barrande-
schen Hinterhalte auffinden. Uebrigens enthält ja auch Herrn Lipold’s Abhandlung
bereits eine Stelle(Seitelö) worin er ausdrücklich der Möglichkeit gedenkt, er habe nicht
alle zwischen Küchel und Litten den Colonien ähnliche Erscheinungen in seiner Aufzählung
erschöpft. Herrn Barr and e’s Beschuldigung war also doch etwas zu schnell abgefasst.
3) Ich sehe auch hier wieder die Moral nicht ein, mit welcher Herr Barrande uns und
dem gesammten geologischen Publicum „Licht und Wahrheit“ vorenthält. W. H.
28 *
218
Aus Herrn J. Barrande’s Schrift:
[12]
Wichtigkeit einiger derselben, genügen wohl zur Charakterisirung dessen, was
wir oben die unbegreiflichen Nachlässigkeiten1) dieses Reichs-Geo-
logen bezeichnet haben.
Nachdem wir so durch Thatsachen die Anwendnng dieser Ausdrücke
gerechtfertigt haben, sind wir der Mühe enthoben, das Maass des Vertrauens zu
würdigen, welche die, durch Herrn Director Haidinger den Forschungen des
Herrn Lipoid so bestimmt zugeschriebene Genauigkeit einzuflössen vermag.
Im Laufe der demnächst folgenden, zur Verteidigung unserer Colonien
dienenden Publicationen werden wir eben so durch unbestreitbare Thatsachen
erweisen, dass wenn wir in der Arbeit dieses Grosswürdeträgers der Geologie
schwere Irrthümer und unerhörte Wil 1k ür I ich ke i te n bezeichneten
wir damit weder die Grenzen der Gerechtigkeit, noch jene der Mässigung über-
schritten haben.
Sechstes Capitel.
Zusammenfassung. — Stand der Frage.
Es ist von Wichtigkeit, gegenwärtig den Gegenstand dieser Debatte in
klaren und bestimmten, keiner Zweideutigkeit Raum gebenden Worten festzu-
stellen :
Wir unterscheiden zwei Fragen:
I. Hauptfrage: Gibt es Colonien?
In unserer Denkschrift vom 1860, betitelt: Colonies etc. haben wir unsere
Lehre über diese Erscheinungen vor allem auf die Thatsachen gegründet, die
uns die Colonie Zippe geliefert hat, und diese Thatsachen betrachten wir als
unbestreitbar. (Bull. Soc. ge'ol. de France. XVII , p. 615.)
Nun sind, bis an den heutigen Tag, diese Thatsachen von Niemanden be-
stritten worden. Wir haben selbst oben die deutlichen Worte angeführt, mit
denen sie Herr Hofrath Haidinger als vollkommen festgestellt anerkennt.
Mithin ist unsere Lehre von den Colonien — sollte sie sich auch nur allein
auf die Betrachtung der Colonie Zippe stützen — fest begründet.
Die Hauptfrage: Gibt es Colonien? ist mithin bejahend gelöst und
steht ausserhalb jeder Erörterung 2).
II. Nebenfrage: Verdienen die Colonien „Haidinger“ und „Krejcf“ diese Benennung.
In derselben Denkschrift haben wir auch die beiden Colonien Haidinger
und Krejci, als könnten sie gleichfalls unsere Lehre begründen,
beschrieben.
*) Da die ursprüngliche Aufgabe nicht mehr als Eine der bisher bezeichneten Colonien um-
fasste, so entfällt wohl für meinen hochverehrten Freund Lipoid der Vorwurf dieser
Ausdrücke, welche ich in der Note nicht wiederhole, so wenig als ich überhaupt Herrn
ßarrande’ s doch gar zu salbungsvollen Auseinandersetzungen nachzuahmen wünsche.
W. H.
2) Sätze, noch so fest begründet, sind in den Naturwissenschaften doch noch nicht der
ferneren Beurtheilung gänzlich entrückt. Es besteht doch noch ein Unterschied zwischen
dem Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung und einem „Glaubensartikel“. W. H.
[13]
.Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w-
219
lieber diese Nebenfrage haben sich die gegenwärtigen Debatten erhoben, wie
es der Wortlaut des oben angeführten Berichtes Herrn Haidinger’s bezeugt.
Nach Durchforschung der Zone, in der unsere Colonien Haidinger und
Krejcf liegen, erklärt nun Herr Chef-Geologe Lipoid, dass die zwei Enclaven
nur abgerissene Stücke unserer untern Kalk-Etage E darstellen, die zufällig in
die Falten der Gebilde der Stufe db (welche unsere Quarzit-Etage D nach
oben abschliesst) eingeschlossen sind. Nach dem Bericht dieses Forschers vorn
11. December 1860 können die Gründe, die er gegen unsere Colonien vorbringt,
in Folgendes zusammengefasst werden:
1. In der Gegend von Litten und Mnienian, nicht weit von Karlstein, sieht
man den Ursprung zweier synklinischer Falten, von den ihnen entsprechenden
antiklinischen Falten begleitet.
Jede dieser synklinischen Faltungen besteht aus zwei parallelen Zügen
von Trapp, die zwischen einander einen Mittelzug von Graptolithen-Schiefern
einschliessen.
Wir setzen noch hinzu, dass in der vor uns liegenden Karte HerrnLipol d’s
diese drei in der Etage E entspringenden Züge für jede dieser Falten auf einer
Längenstrecke von etwa 11.000 Meter gegen NO. — d. i. von der Umgebung
von Litten an bis nahe an das Dorf Wonoklas, wo sie sich in eine Spitze aus-
zuschneiden scheinen — in grosser Regelmässigkeit und ununterbrochenem Ver-
lauf angegeben sind.
2. Wenn man aber von Wonoklas aus weiter nach NO. fortschreitet,
bleiben diese beiden synklinischen Falten noch erkennbar an ihren Spuren,,
nämlich an einer Reihe vereinzelter Enclaven, die in Allem den Colonien analog
und auf eine Längsstrecke von etwa 11.000 Meter — d. h. bis nahe an Gross-
Kuchel — vertheilt sind.
3. Die Reihe dieser Enclaven, bald einfach, bald doppelt, führt genau
zu den beiden Colonien Haidinger und Krejcf. Diese Colonien sind also nur
abgerissene Stücke der Etage E.
Diesen Behauptungen stellen wir folgende, diametral widersprechende Be-
hauptungen entgegen:
1. Die vermeintlichen synklinischen und antiklinischen Falten, wie sie
Herr Lipoid auffasst, existiren nicht.
2. Will man auch ohne Grund die Existenz dieser Falten, unter irgend
einer Gestalt oder Entwicklung, annehmen, so stehen sie weder in Hinsicht auf
ihren Ursprung noch in ihrer Beschaffenheit in irgend welcher Verbindung, sei
es nun mit den Enclaven, die Herr Lipoid als deren NO. Verlängerung ansieht,
sei es mit unseren Colonien Haidinger und Krejcf.
3. Mit einem Worte: Diese Colonien sind weder aus Faltungen, noch aus
Dislocationen, noch aus irgend einem andern natürlichen Vorfall accident “)
erklärlich. Sie repräsentiren in Wirklichkeit die theilweise und anticipirte
Coexistenz unserer dritten Fauna mit unserer zweiten, eben so wie wir es in der
Colonie Zippe finden.
Die Erörterung dieser einander so schroff entgegenstehenden Behauptungen
werden wir erst dann beginnen können, wenn Herr Lipoid seine Karte, seine
Profile und seine Denkschrift in extenso veröffentlicht haben wird; denn die
speciellen Einzelheiten, in die wir dabei eingehen müssen, werden nur ver-
ständlich, wenn diese Behelfe den Lesern sichtbar vorliegen.
Wir beschwören demnach Herrn Director Ha i dinge r und Herrn Chef-
Geologen Lipoid, sobald als möglich diese ämtlichen Documente in ihrer
ursprünglichen Inte grit ät zu veröffentlichen.
220
Aus Herrn J. Barrande’s Schrift:
[14j
Sollten diese Documente nicht in kurzer Frist und in der ganzen von uns
erheischten Integrität veröffentlicht werden, so wäre diese Thatsache an und für
sich jedem Einsichtigen ein Beweis, dass Herrn Lipoid’ s Behauptungen
illusorisch und nicht aufThatsachen begründet sind ‘)-
Inzwischen werden wir, um die Elemente der Erörterung vorzubereiten,
einige vereinzelte Thatsachen darstellen, wie jene, welche wir eben bezüglich
der Beweis-Gruppe namhaft gemacht haben und die für sich allein genügen
würde, das System der zwei synklinischen Falten umzustossen.
Unserer Gepflogenheit gemäss und um die Erinnerung unserer Dankbarkeit
gegen Herrn Lipoid für seine — wo nicht freiwillige, doch sehr wirksame —
Mitarbeit an dem mühsamen Werke der Erläuterung („Illustration“) unserer
Colonien im Gedächtniss zu erhalten, wollen wir diesen Umstand benützen, um
seinen Namen unauslöschlich auf zwei Enclaven der von ihm durchforschten Zone
einzuschreiben. Wir werden also diese Enclaven zu gelegener Zeit unter den
Benennungen: Colonie Lipoid und Erguss Lipoid beschreiben.
Nemo indonatus abibit. Virg.
Prag am 25. November 1861. J. Barrande.
Schliissbemerkungen von W. Haidinger.
Wenn wir den Kern des hier in der Uebersetzung gegebenen Abschnittes
von Herrn Barrand e's Brochüre „ Defense des Colonies“ herauszuziehen
suchen, so besteht er eigentlich aus zwei Theilen.
Der erste Theil enthält die Bekanntmachung eines „Trapp-Ergusses, couUe
Krejci“ in der Nähe der „Colonie Krejci“ — mit allen Ansprüchen umgeben,
welche von organischen Formen herrühren könnten. Da er ganz unorganischer
Natur ist, so bezieht er sich eigentlich gar nicht auf die in Bede stehende
Frage. Der zweite Theil läugnet geradezu Herrn Lipold’s synklinische und
antiklinische Faltungen; da dies aber gerade nur eine einfache Verneinung ist, so
erscheint dadurch die Frage auch nicht weiter gefördert. Dazu kommt aber eine
grosse Reihe von Darstellungen der Sachlage, welche wenig der Ruhe des
wahren Naturforschers, dem nicht seine eigene Meinung, sondern der Zweck
der Erkenntniss der Natur das Höchste ist, entspricht. Von Achtung der Männer,
welche eine von Herrn Barrande abweichende Meinung gefasst, findet sich
nicht einmal eine Andeutung, wohl aber augenscheinlich vom Gegentheil.
Dennoch schliesst Herr Barrande seine Schrift mit dem Versprechen —
aber man sollte es besser eine Drohung nennen — er werde, wie er bereits eine
„Colonie“ und eine „ Coidee Krejci“ hat, gewisse Enclaven demnächst unter den
Namen „ Colonie Lipoid “ und „Coidee Lipoid “ bekannt machen.
*) Ich bemerke nichts weiter zu dieser wiederholten Beschwörung, als dass Alles, was
Herr Barrande verlangt, so gut es uns möglich war dem wissenschaftlichen Publicum
vorgelegt worden ist. Wir erwarten auch seine eigenen ferneren Vorlagen, und er wird
es uns wohl nicht übel deuten, wenn auch wir uns selbst zu dem wissenschaftlichen
Publicum zählen, welchem sie zur Beurtheilung vor liegen werden. W. H.
[IS]
.Defense des Colonies. I. Groupe probatoire“ u. s. w.
221
Auch hier sehe ich mich veranlasst, noch ein Wort meiner eigenen Ansicht
hinzuzufügen. Diese Ansicht geht dahin, dass Herr Lipoid eine viel sprechen-
dere und wissenschaftliche Art der Bezeichnung nach Localitäten gewählt hat,
indem er von Colonien „Radotin“, „Kosor“, „Cernositz“, „Wonoklas“ u. s. w.
spricht. Diese erinnern uns an einfache, redliche, wissenschaftliche Forschung.
Die von Herrn Barrande gewählten Namen nach Personen sind nicht nach den
Grundsätzen gewählt, welche uns als Beispiele in der Geschichte der Entwicke-
lung der Wissenschaften nach allen Richtungen vorliegen. Ich habe selbst seit
früher Zeit Veranlassung gefunden und sie ich darf wohl sagen, mit frohem, dank-
baren Herzen geübt, für verschiedene Mineralspecies Namen in Beziehung auf hoch-
verehrte Gönner, Lehrer und Freunde vorzuschlagen, so Ankerit, Berthierit , Bornit ,
Braunit , Breithauit, Breunnerit , Dopplerit , Edingtonit , Fergusonit , Hauerit ,
Hausmannit , Herderit , Hörnesit und andere. So sehen wir die Gepflogenheit
auch in anderen naturwissenschaftlichen Zweigen. Hätte sich Herr Barrande
diesem Verfahren bequemt, wir hätten jetzt eine „Colonie Verneuil“, „Colonie
Murchison“, „Colonie Lyell“, „Colonie Bronn“, „Colonie Agassiz“ u. s. w., und
jede weitere Namengebung würde als Zeichen der Hochachtung gelten. Allein
er verfolgt einen ihm ganz eigenthümlichen Weg, analog einem Verfahren etwa,
wie das, wovon der Bericht uns übrig blieb, von dem Carcer in Altorf, und wie
dieser genannt werden sollte, für dessen ersten Bewohner im Studentenkragen
Wallenstein seiner Zeit bestimmt war. Herr Barr and e sucht die Zweifel
an seiner Unfehlbarkeit durch Spott- oder Straf-Colonienin Erinnerung
zu erhalten. So kommt Herr Professor Krejcf, der erste Zweifler, zuerst
daran, und das doppelt, ich selbst erhalte eine „Colonie“, weil ich es gewagt,
dessen ersten Mittheilungen einige Aufmerksamkeit zuzuwenden, Herr Lipoid
hat wieder die doppelte Aussicht. In unserer Gesellschaft hat der Ausdruck
„Colonie Zippe“ wohl auch nur eine sehr zweifelhafte Bedeutung, als Ausdruck
der Gefühle des Namengebers bei ihrer Wahl.
Wie immer Herr Barran de solche Namen als Geschenke (dona) be-
zeichnen mag, noch dazu aus Da nkbark eit (gratitude) gegeben, die wir wohl
gar laeta mente Virg. I. c . aufnehmen sollen, ich kann sie nicht aus diesem Ge-
sichtspunkte betrachten, und wünschte recht sehr einen Uebergang oder bezie-
hungsweise die Rückkehr zu geographischen Bezeichnungen, welche den Erör-
terungen einen bei weitem milderen Charakter beilegen würde. Die in der Auf-
regung des Augenblickes gegebenen Namen nach Personen geben dem Forscher
künftiger Jahre, der die Gegenden besuchen will, gar keinen Anhaltspunkt,
während die Namen Bruska, Gross-Kuchel Süd, Gross-Kuchel-Schäferei Südwest
seinen Schritt bis auf den wirklichen Punkt, der bezeichnet werden soll, leiten
würden.
In Zeiten freundlicherer Gefühle war es, dass Herr Bar ran de auch mir
eine Terebratula Haidingeri (Naturwissenschaftliche Abhandlungen u. s. w.
Band I, Seite 41 5, Tafel VIII, Fig. 8 und 9) widmete, dass er in hohem
Wohlwollen, noch über mein Verdienst hinaus, in dem Vorworte des ersten
Bandes seines grossen Systeme Sibirien de la Boheme mich erhob, in dem
wieder durch sein Wohlwollen ein Dindymene Haidingeri (Seite 819, Taf. 43,
Fig. 25), und ein Bronteus Haidingeri (Seite 875, Tafel 46, Fig. 32) mein
Andenken bewahrt.
Mein inniges Dankgefühl wird auch durch die gegenwärtige stürmische
Phase der Verhandlungen nicht gestört werden, wenn ich auch jetzt in einigen
Punkten abweichende Meinungen von jenen des Herrn Barrande mir zu bilden
gezwungen war.
liurchsrhnitl 2.
Durchschnitt 8.
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Durchschnitt iZ.
tV.lP. Vys oky Ujcad Uubovic KurJsteiiier Berge
JahrWcli der kk.gpologisi'lteu Rcicll«a ns fcaU, XIT.Bd . Gegenüber Seite 223.
Iit-'i ’f pLi dkk.Hofst Staat; Irucksrei
[1] J. Krejöi. Bericht über die i. J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag u. Beraun. 223
III. Bericht über die im Jahre 1859 ausgeführten geologi-
schen Aufnahmen bei Prag und Beraun.
Von Johann K r e j c i ,
Lehrer an der k. k. böhmischen Ober-Realschule in Prag.
Mit 1 Tafel.
Die geologischen Aufnahmen in Böhmen erstreckten sich im Sommer 1839
in die Umgehungen von Prfbram, Jinec, Skrej, Beraun und Prag und umfassten
demnach das durch die Arbeiten Barrande’s classisch gewordene Terrain des
böhmischen Silursystemes.
Seit dem Jahre 1832 beschäftigt sich dieser grosse Forscher mit den
Untersuchungen dieses Systemes und Jedermann, dem es vergönnt war, die gross-
artigen Sammlungen silurischer Petrefacten und die bewunderungswerthen Vor-
arbeiten desselben zu sehen, wird mir beistimmen, dass keine Gegend eines ande-
ren Landes bisher einer genaueren geologischen Erforschung unterzogen wurde.
Die Resultate dieser das gesammte paläontologische Detail erschöpfenden
Studien sind bekanntlich in dem Prachtwerke „ Systeme silurien du centre de
la Boheme “ niedergelegt, von dem der 1. Theil bereits 1852 erschienen ist.
Die nachfolgenden drei Theile mit hunderten meisterhaft ausgeführten Tafeln
werden eben zur Herausgabe vorbereitet.
Die Aufgabe der geologischen Untersuchung des böhmischen Silurbeckens
ist demnach von Herrn Barrande glänzend gelöst, und wenn nun in diesem
Becken dennoch geologische Anfnahmen vorgenommen werden, so geschieht es
nur, um die systematische Reihenfolge der von der k. k. geol. Reichsanstalt in
Böhmen vorgenommenen Arbeiten nicht zu unterbrechen, sondern die Aufnahme
in dem grossen Maassstabe der Generalstabskarten baldigst zu vollenden.
Eines der Hauptresultate von Barrande’s geologischen Untersuchungen
im böhmischen Silurbecken ist die Aufstellung von acht Etagen, nach denen sich
das ganze Schichtensystem gliedert. Diese Etagen werden in dem schönen
idealen Durchschnitte dargestellt, welchen Barrande seiner kleinen geologi-
schen Uebersichtskarte beigefügt hat. Obwohl nun die Schichtenfolge des böh-
mischen Silursystemes diesem idealen Durchschnitte vollkommen entspricht, so
konnten in demselben die vielfachen Unregelmässigkeiten der Lagerung doch
nicht berücksichtigt werden, welche dem Gebirgsbau des böhmischen Silurter-
rains eigenthümlich sind, auch konnten die Umgrenzungen der einzelnen Etagen
auf der kleineren Karte Barrande’s nicht in dem Detail ausgeführt werden,
als es die grossen Karten der Reichsanstalt erlauben. Es ergab sich daher als
Aufgabe der Aufnahmen, sowohl die Umgrenzungen der Etagen im Detail auf die
Karten aufzutragen, als auch die speciellen Fälle der Lagerungsverhältnisse zu
berücksichtigen; und diese Aufgabe war es demnach allein, die ich mir stellte,
als mein hochverehrter Freund Herr Bergrath Lipoid meine ihm angebotene
Betheiligung an den Aufnahmen bei Prag und Beraun freundlichst annahm. Das
von nur untersuchte Terrain umfasst die aus obersilurischen Kalkbänken zusam-
I£. k. geologische Reichsaustalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
29
224
Johann Krejii.
[2]
mengesetze Hügellandschaft zwischen Zdic und Prag, dann vom untersilurischen
Terrain die Thäler bei Hostomnic, Vosov, Revm'c, die Quarzitrücken des Brda-
waldes von Kylin bis Königsaal, das Moldauthal von Slap bis Kraiup und endlich
das Plateau südlich vom Steinkohlengebiete bei Kladno und Minie bis Prag. Das
nordöstliche Viertel der Karte XIX, dann die Östliche Hälfte der Karte Nr. XIII
des Generalstabes enthält das genannte Terrain.
Alle Etagen der böhmischen Silurformation mit Ausnahme der C Etage sind
in diesem Gebiete vertreten. Das Studium dieser von B arr a n d e constatirten
Glieder desSilursystemes wird durch die tiefen Thaleinschnitte des Moldau- und
Beraunflusses sehr erleichtert, aber auch schon die äusseren Terrainformen
deuten auffallend auf den Unterschied der verschiedenen Schichtenstufen hin.
Am auffallendsten zeigt sich der Unterschied in den Terrainformen des
obersilurischen und untersilurischen Schichtensystemes.
Das obersilurische, grösstentheils aus Kalksteinbänken zusammengesetzte
Terrain bildet eine plateauartige Hügellandschaft von 5 Meilen Länge und
y2 — 1 Meile Breite. Die Längenaxe dieser Landschaft fällt mit der Längen-
axe des ganzen Silursystemes zusammen, die, wie aus der Barra n d e’schen
Uebersichtskarte zu ersehen ist, von Süd west gegen Nordost streicht. Der
äusserste Punkt der genannten Hügellandschaft gegen Nordost ist das Dorf
Michle, 1 Stunde südsüdöstlich von Prag; gegen Südwest das Dorf Libomysl an
der Litava, 1 Stunde südlich von Zdic.
Die Unterlage der Kalksteinbänke bildet nebst Grünstein ein mächtig ent-
wickelter, leicht verwitterbarer Grauwackenschiefer, dessen Verbreitung rings
um das Plateau durch tiefe Thalfurchen angezeigt wird. Die Litava, von Libomysl
und Zdic bis Beraun, der Chumavabach von Libomysl bis Hlazovic, der Bach
Velice von Vseradic bis Treban, der Beraunfluss von Revnic bis Königsaal, der
Bach bei Krc und der Boticbach bei Michle und Nusle bewässern diese Thäler
auf der Südwest-, Südost- und Nordostseite, während die Terrainfurche an der
nördlichen und nordwestlichen Seite des Hügelplateaus nur durch eine sanfte
Bodendepression dargestellt wird, welche aus dem Thälcheu hei Radh'c über
Reporyje, Miresic gegen Nucic und Lodenic verläuft, von wo sie über Kraz bei
Beraun gegenüber demLitavathale mit der vorerwähnten Thalfurche sich als eine
ringförmige Umsäumung abschliesst.
Dadurch erhält das kalkige Hügel plateau eine scharf individualisirte Ge-
staltung und stellt sich gleichsam als der Kern der ganzen silurischen Gegend
dar, zu dem alle dasselbe umgebenden Höhenzüge in einem bestimmten Verhält-
nisse stehen.
Die Grauwackenschiefer, in denen das erwähnte Thalsystem eingefurcht ist,
gehören zur untersilurischen Abtheilung und liegen überall auf gleichfalls mäch-
tigen Quarzitlagern, deren Schichtenköpfe auf der jenseitigen Thallehne rings
um das Kalkplateau wallartig hoch emporragen.
Besonders auf der Südostseite des Kalkplateaus erheht sich swisehen Hosto-
mmc und Königsaal ein scharfer langgedehnter über 1600 Fuss hoher Rücken,
der Brdawald genannt ; ihm gegenüber jenseits der Nordwestseite des Kalk-
plateaus zwischen Zdic und Beraun streicht ein paralleler Quarzitrücken, im
Durchschnitte 1400 Fuss hoch mit den Bergen Ded, Lisek und Brdatka. Dieser
Rücken setzt auch jenseits des Beraunflusses forf und enthält die Berge Plesivee,
Kamenina, Blejskovä und verliert sich im Plateau bei Horelic.
Jenseits dieser Quarzrücken, und zwar sowohl jenseits des Berauner Wald-
rückens, als jenseits des Brdawaldes dehnt sich ein mehr einförmiges, nur
von kleinen Felsenrücken unterbrochenes Plateau aus (1200 Fuss), nördlich bis
[3] Bericht über die im J. 1859 allsgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 225
zur Grenze der Steinkohlenformation bei Kiadno, Bustehrad, Minie; südlich bis
zur Granitgrenze bei Km'n, Slap undTeletin. Die hier herrschenden Thonschiefer,
Kieselschiefer und Felsitgesteine gehören sämmtlich zur Basis des Silursystemes,
nämlich zur azoischen Zone desselben. Erwähnen wir endlich noch das Moldau-
thal, welches das gesammte Berg- und Hügelland von Nord nach Süd durch-
spaltet, und das Beraunthal, welches dasselbe von Beraun bis Karlstein beinahe
senkrecht zu seiner Längenaxe durchbricht, so wie die zahlreichen Bachthäler
und Schluchten, welche entweder parallel zur Streichung gegen Nordost, oder
parallel zu der mächtigen Moldauspalte, oder parallel zum Beraunflusse die
Gegend durchsetzen, so haben wir alle Elemente ihrer Terrainbildung angeführt
und die allgemeinste Uebersicht ihrer Gestaltung gewonnen. Man ersieht aus
diesem, dass das untersuchte Gebiet schon den Terrainformen nach naturgemäss
in drei Gruppen zerfällt, welche mit den Etagen Barr and e’s vollkommen
übereinstimmen.
Die erste Gruppe enthält die aus azoischen (petrefactenleeren)
Schichten zusammengesetzten Plateaux, nämlich die Etagen A, B Barr and e’s.
Die zweite Gruppe enthält die Quarzitrücken des Brdawaldes und des
Dedbergs bei Beraun; es sind die tieferen Schichten der petrefactenführenden
Etage D Barr an de’s; dann die weicheren Grauwackenschiefer des Litava- und
Beraunthales, nämlich die höheren Schichten derselben Etage D. Beide diese
Gruppen gehören zur untersilurischen Abtheilung.
Die dritte Gruppe endlich enthält das kalkige Centralplateau und besteht
aus den obersilu rischen Etagen E , F, G und H B a r r a n d e’s.
Ich will nun im Folgenden über jede dieser Gruppen einige Bemerkungen
hinsichtlich ihrer Verbreitung und Lagerung im Aufnahmsgebiete anführen, um
damit das Verständniss der von mir aufgenommenen geologischen Karte zu
erleichtern. Es schliessen sich diese Bemerkungen unmittelbar an die Skizze der
geologischen Verhältnisse im böhmischen Silurbecken an, welche Barrande in
seinem grossen Werke veröffentlichte und geben für einzelne Fälle nur specielle
Belege für die allgemeine, von ihm trefflich entwickelte Auffassung des böhmischen
Silursystemes. Eine das ganze Detail erschöpfende Arbeit wird der 4. Band von
Barrande’s Werken enthalten.
Vor Allem weise ich demnach den Leser auf das genannte grosse Werk
Barrand e’s hin, indem die in demselben niedergelegten Resultate die Basis
aller Untersuchungen bilden, die jetzt oder künftighin im böhmischen Silurterrain
unternommen werden. Demgemäss wäre es überflüssig, die von Barrande con-
statirten paläontologischen Charaktere der einzelnen Etagen hier anzuführen; aber
indem ich mich auf die Beschreibung der Lagerungsverhältnisse beschränke,
behalte ich mir eine ausführlichere Discussion über die verschiedenen Schiefer,
Grünsteine und Felsitporphyre für eine spätere Abhandlung vor, da ein ein-
gehendes Studium dieser Gesteine eine längere Zeit in Anspruch nimmt. Werth-
volle Bemerkungen sind schon Vorjahren darüber von Professor F. X.M. Zippe,
meinem hochverehrten Lehrer, in Sommer’s Topographie Böhmen’s (der Kaufi-
mer, Rakonicer und Berauner Kreis) veröffentlicht worden, und dankbar gestehe
ich, dass dieselben ehedem für mich und viele Andere der einzige Leitfaden
waren, nach dem wir uns in dieser Gegend orientirten.
1. Das untersilurische azoische Schieferplateau.
Das azoische Plateau wird im Aufnahmsgebiete, entsprechend den beiden
Flügeln einer in der Mitte von neueren Gebilden bedeckten Mulde, von der
29 *
226
Johann Krejöi.
w
Moldau zweimal durchschnitten; das eine Mal südlich von Prag zwischen Slap und
Königsaal, das zweite Mal nördlich von Prag zwischen Podbaha und Kralup,
indem es von dem obersilurischen Kalkplateau und den dasselbe umlagernden
Grauwacken und Quarzitschichten in zwei Partien getrennt wird.
Die südliche Partie, ein sanftgewelltes, 1100 — 1200 Fuss hohes Plateau,
bildet die Umgebungen von Mnisek, Davle und Stechovic. Nur zwei grössten-
theils bewaldete, von Südwest nach Nordost streichende Rücken erheben sich
als grössere Terrainwellen noch um 200 — 300 Fuss höher. Der eine dieser
Rücken beginnt südlich von Mnisek mit dem Berge Pies (1540*74 Fuss A) bei
Nova ves (Neudorf) und streicht von da mit unbedeutenden Einsattelungen über
Bojanovic und St. Kilian gegen Zahoran (Bezirk Eule), wo der Berg Vlipäch
(1440 Fuss A) in unserem Aufnahmsgebiete denselben absehliesst.
Er zieht sich dann weiter noch nördlich gegen Rican und Tehov und ist
auch da von den Höhen bei Prag am Saume des östlichen Horizontes sichtbar.
Ein zweiter, eben so hoher Waldrücken erhebt sich am Südostsaume des
azoischen Terrains, unmittelbar an der Granitgrenze; er streicht ebenfalls nord-
östlich von Slap überTrebsfn, Studene (Kaltengrund) bis Eule (Jilove); der
südwestliche Theil zwischen Slap und der Moldau heisst Cervenä hora (rother
Berg 1531*5 Fuss A) , die Waldkuppe bei Trebsin zwischen der Moldau und
Sazava heisst Clilum (1404 96 Fuss A). Längs der Granitgrenze selbst zieht
sich von Slap gegen Teletin, Krnan und Hosteradic eine deutliche Bodendepres-
sion, jenseits welcher erst das kuppige Granitterrain sich über das Schiefer-
plateau erhebt. In einer tiefen, von Süd nach Nord gerichteten Felsenschlucht,
welche zwischen Tfebenic und Stechovic einige scharfe Windungen macht,
fliesst die Moldau von Slap nach Königsaal. Rechts und links ziehen sich zu
derselben vom Plateau herab ebenfalls felsige enge Schluchten , von denen die
zwei grössten an der linken Flussseite vom Kocaba- und dem Mmseker Bache,
die grösste an der rechten Flussseite von der Säzawa bewässert werden.
Im Felsenthal der Moldau, so wie in diesen Schluchten hat die Gegend einen
wahren Gebirgscharakter ; man sieht sich umgeben von steilen, ja senkrechten,
einige Hundert Fuss hohen Felsenwänden, wie sie sonst nur höheren Gebirgen
eigenthümlich sind; aber einförmig, als niedrige Hügellandschaft erscheint das
Gebiet, sobald man die Höhe des Plateaus gewinnt; die Thäler und Schluchten
verschwinden und man erblickt jenseits der sanften Bodenansctwellungen nur
den einförmigen Kamm des Brdawaldes am nordwestlichen Horizonte.
Im südlichsten Theile des Aufnahmsgebietes stossen, wie schon erwähnt
wurde, die schiefrigen Gesteine an Granit an. Es gehört dieser Granit zu dem
merkwürdigen 15 Meilen langen granitischen Landrücken, welcher zwischen dem
Gneissterrain des südöstlichen Böhmens und dem silurischen Gebiete sich von
Bohmischbrod bis Klatau ausdehnt.
Seine Begrenzung mit den schiefrigen Gesteinen geht in meinem Aufnahms-
gebiete von Slap, welches schon auf Granit steht, östlich zu der Einschichte
Lahoz am linken Moldau-Ufer.
Am rechten Ufer bildet der Granit nur die steilen Felsen gegenüber von
Lahoz bis zur Einschichte Obora, also nur einen nordöstlichen Ausläufer der
zusammenhängenden Granitmasse von Prestavlk, Buse, Korkyne u. s. w. Auf drei
Seiten ist dieser von der Moldau durchbrochene Granitausläufer von schiefrigen
Gesteinen umgeben, aber wenn man die Höhe des Plateau am rechten Ufer der
Moldau ersteigt, so gelangt man bei dem Dörfchen Stromec abermals auf Granit,
der von da bei Vysoky Ujezd vorbei über Teletin, Krnan, Hosteradic und Zampaeh
westlich von schiefrigen Gesteinen begrenzt wird. Diese Gesteine verbreiten
[5] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 227
sich zu beiden Seiten der Moldau gegen Moran und Zivhost, und hängen mit der
grossen Schiefermasse zusammen, welche von da bis Hnmezdie , gewöhnlich
Vermeric genannt, mitten im Granitterrain sich ausdehnt und schon von Professor
Zippe beschrieben wurde.
Nach meiner Beobachtung an dieser Grenze bildet aber diese Schiefermasse
keine isolirte Insel im Granit, sondern eine langgedehnte Bucht, welche eben
durch die Schieferberge bei Stromec und Babin mit den übrigen schiefrigen
Gebilden der azoischen Zone zusammenhängt.
Wie überall in dem mittelböhmischen Granitzuge trifft man hier allsogleich
eine Unzahl von rundlichen Granitblöcken an, sobald man dieses Terrain betritt;
die ganze niedrige Fläche südlich von Slap, die Moldaugehänge bei Lahoz, sowie
der über das Schieferterrain sich hoch erhebende Waldrücken bei Vysoky Üjezd
und Teletfn sind mit diesen Blöcken wie besäet.
Man gewinnt eine vollkommene Uebersicht nicht blos dieses angrenzenden
Granitgebietes, sondern auch des azoischen Schieferplateaus, wenn man den
1627 Fuss hohen Granitberg Holy Vrch bei Vysoky Üjezd besteigt.
Der Granit ist eine grobkörnige Varietät, wie im grössten Theile des an
das Schiefergebiet angrenzenden Zuges. Der in grossen Krystallen ausgeschiedene
weissgraue oder röthliche Orthoklas gibt demselben eine porphyrartige Structur.
Überall ist aber demselben in grösserer oder kleinerer Menge schwarzer Amphi-
bol eingemengt, und es ist zu beobachten , dass das Gestein desto kleinkörniger
wird, je mehr der Amphibol vorherrscht.
Die Felsen bestehen aus polyedrischen Massen, eine oder mehrere Kubik-
klafter gross, und nehmen durch Verwitterung rundliche Formen an. Häufig
bemerkt man im grobkörnigen Granit einige Zoll bis einige Fuss mächtige Gänge
eines röthlichen, fast nur aus dichtem Feldspath und Quarz bestehenden Gesteins.
Am rechten Moldauufer, gegenüber von Lahoz an der unmittelbaren Begrenzung
mit den Schiefergesteinen geht der Granit in wahren Diorit über, der aus deutlich
unterscheidbarem, schwärzlich-grünem Amphibol und aus weissem Albit besteht.
Dieser Diorit hat wie der Granit eine massige Structur, aber gegen die Schiefer
zu wird die Structur flaserig, das Gestein dichter und geht endlich in grünliche
Schiefer über, welche die unmittelbarste Begrenzung des krystallinisch-körnigen
Massengesteins bilden.
Das vorherrschende Gestein der azoischen Zone in diesem Theile des
Aufnahmsgebietes sind Thonschiefer. Sie wurden von Herrn Bergrath
Lipoid nach der wichtigsten Localität, in welcher sie auftreten, mit dem
Namen „Prfbramer Schiefer“ belegt. Die südliche und südöstliche Begren-
zung der Prfbramer Schiefer durch den Granit haben wir eben kennen gelernt;
ihre nordöstliche Begrenzung bilden die „Krusnahora“ und die „Komorauer“
Schichten am Fusse des Brdywaldes zwischen Mnfsek und Cernotic , vwelche
selbst wieder von den „Brda-Sehichten“ bedeckt werden; dann von Cernotic
an in nordöstlicher Dichtung der Quarzitrücken der Brda-Schichten selbst,
welcher bei Jiloviste vorbei gegen das Dorf Bane und Zäbehlic an der Moldau
streicht 1).
O Nach den geologischen Aufnahmen des Herrn Bergrathes Lipoid in dem süd- und nord-
westlichen Gebiete der böhmischen Silurformation folgen auf die Pn'bramer Schiefer in
abweichender Lagerung von unten nach oben: 1. Sandsteine und Conglomerate ;
2. Schiefer mit Barrande’s Primordialfauna; 3. Sandsteine und Conglomerate mit
Lingula Feistmanteli Barr.; 4. Grauwackenschiefer mit Schalstein-, Diabas- und
Mandelstein-Bildungen und Eisenerzlagerstätten; 5. Quarzite; 6. Grauwacken-
228
Johann Krejöi.
[6]
Bei Zabehlic setzt die Begrenzungslinie auf das rechte Moldauufer über.
Die Quarzite der Brda-Schichten sind hier durch Grauwacken-Schiefer mit klei-
neren Quarzitlagern ersetzt, v und bilden die niedrigeren Uferterrasen am nord-
westlichen Fusse des Hradist und Cibadlobergs bei Kümorau und Modran; die
Grenzlinie beider Zonen geht dann zwischen Komorau und Cbolupic quer durch
die Schlucht zwischen Modran und Libus, dann zwischen Jalove dvory (Galden-
hof) und Libus gegen Kunratic, welches Dorf schon ausserhalb meines Auf-
nahmsgebietes liegt.
In dem so umgrenzten Gebiete sind vor allem zwei merkwürdige geologische
Erscheinungen zu erwähnen, nämlich erst ens, der all mSlige Uebergang
derPribramer Schiefer in felsitarti ge Gesteine in der Richtung
gegen die Granitgrenze, dann zweitens die im Vergleiche mit den hö-
heren Etagen herrschende abweichende Lagerung der Pribramer Schiefer,
welche hier allgemein unter die Granite einfallen.
Die eigentlichen Pribramer Schiefer herrschen zu beiden Seiten der Moldau
von Königsaal bis Stechovic, namentlich aber in den Umgebungen von Pisnic,
Cbolupic, Unter-Brezan und Zahofan.
Das Gestein ist vorherrschend ein in dünne Blätter spaltbarer schwärzlich-
grauer, auch dunkel grünlichgrauer Thonschiefer, der an einigen Orten, z. B. bei
Unter-Brezan und Zahoran so zähe und unverwitterbar ist, dass er als Dach-
schiefer verwendet werden könnte. Am nordwestlichen Saume der azoischen
Zone in den kleinen Steinbrüchen zwischen Libus, Pisnic und Cholupic, so wie
in der öden Felsenschlucht, welche von Pisnic bis Modran zur Moldau sich zieht,
sind die Schiefer weniger dicht, sondern werden feinkörnig und ähneln auffallend
den schwärzlichgrünen Schiefern von Jinec, in denen die älteste Fauna des
böhmischen Silursystemes begraben ist, obwohl hier bisher keine Spur von
irgend einem Petrefacte vorgekommen ist. Andere grünlichgraue Thonschiefer
bilden das sanft gewellte Plateau am linken Moldauufer zwischen Jiloviste,
Mnfsek, Lecic und Hvozdnic; sie sind grösstentheils von Acker- und Walderde
bedeckt und treten nur vereinzelt in kleinen Schluchten oder Hügelabhängen
auf; häufig sind dieselben gewissen Chloritschiefern ähnlich, gewöhnlich bilden
sie aber eine feinkörnige grünlichgraue Schiefermasse, in welcher streifenweise
der chloritartige Bestandteil vorherrscht.
Uebergänge in den angrenzenden Grauwackenschiefer der Etage D Bar-
rande s sind nirgends zu bemerken, sondern die Pribramer Schiefer stellen
sich sowohl hinsichtlich der Lagerung, wie ich zeigen werde, als hinsichtlich des
Gesteinhabitus als eine eigenthümliche von den höheren Etagen gänzlich ver-
schiedene Bildung dar. Die ebenen und glatten Spaltungsflächen, welche durch
die Schieferung bedingt sind, gehen durchgehends parallel zu den Schichtungs-
flächen, welche in Abständen von einigen Fuss bis zu zwei Klaftern das Gestein
durchsetzen. Eigentliche transversale Schieferung bemerkte ich nirgends, wohl
aber überall Systeme von Klüften, welche theilweise senkrecht zum Streichen,
schiefer, siimmtlich in eoncordanter Lagerung. Herr Lipoid benannte diese verschie-
denen Bildungen nach den wichtigsten Localitäten ihres Vorkommens und zwar: 1. Pri-
bramer Grauwacke, 2. Jinecer (Ginetzer) Schiefer, 3. Krusnahora-Schiehten, 4. Komo-
rauer Schichten, 5. Brda-Schichten, 6. Hostomnicer Schichten. Die Pribramer „Grau-
wacke“ gehört noch zur azoischen Etage B Barrand e’s, die „Jinecer Schiefer“
bilden Barrande’s Etage C und die „Krusnahora-, Komorauer, Brda- und Hostomnicer“
Schichten fallen in Barrande’s Etage D, und zwar; die Krusnahora- und Komorauer
Schichten in Barrande’s dl , die Brda-Schichten in d 2 und die Hostomnicer Schichten
in ds, di und d5.
m Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 229
theilweise unter einem scharfen Winkel die Schieferflächen durchsehneiden.
Häufig setzen durch die Schiefer parallel zur Streichung senkrechte Kluftflächen
oder dringen durch die Schieferlagen in schiefer Richtung, wodurch hei der
Verwitterung des Gesteines stänglige oder prismatische Bruchstücke mit rhom-
bischen Durchschnitten entstehen. Nicht selten ist eine oder die andere dieser
Kluftrichtungen so ausgebildet und die eigentliche Schieferung wird so undeut-
lich, dass die Kluftflächen den Schichtungsflächen ganz ähnlich werden. An den
steilen Gehängen des Moldauthales bei Vran, Skochovic und Davle wiederholen
sich ähnliche Fälle in mannigfacher Weise. Die stänglige Zerbröckelung des
Schiefers ist besonders bei Pfsnic und Cholupic, so wie an vielen Orten zwischen
Jiloviste und Mnfsek zu sehen.
Die Einförmigkeit des Schiefergesteines, welche sich auch in den flachen
Terrainformen ausdrückt, wird zuerst durch die waldigen Kuppen Cihadlo und
Hradiste, gegenüber von Königsaal unterbrochen. Wenig über das gegen Süden
allmälig ansteigende Schieferplateau, aber steil und mit mächtigen Felsen-
wänden an der Moldau (über deren Niveau sie 600 Fuss aufsteigen), erheben
sich diese Bergkuppen am südlichen Horizonte des Prager Weichbildes und sind
wegen ihren schattigen Waldwegen und den reizenden Fernsichten ein den
Pragern wohlbekannter Zielpunkt bei sommerlichen Ausflügen. Die ganze Partie
wird nach dem Jägerhause am Fusse des Hradiste gewöhnlich Zävist genannt.
Die Gipfel der Kuppen sind kleine ebene Flächen mit niedrigen Felsenkämmen
am Rande, die in alten Zeiten als wallartige Befestigungen benützt wurden,
worauf sowohl der Name Hradiste (Burgstätte), als die Spuren von künstlichen
Gräben hinweisen.
Beide Berge, der Cihadlo (1201*74Fuss A)> so wie seine waldige Fortsetzung
Vsancich (1198*18 Fuss, Koristka) zwischen Tocna und Zaluzanka, dann der
Berg Hradiste (1199*4 Fuss, Koristka) enthalten auf den Kuppen Felsitporphyr,
dessen Festigkeit eben die Ursache der Emporragungen an diesen Kuppen ist.
Dieser Felsitporphyr bildet einen gegen 400 Klafter langen, aber
höchstens 100 — 150 Klafter mächtigen Streifen in den Pribramer Schiefern, der
im Streichen derselben (Stunde 3) liegt und genau wie dieselben nach Südost
einfällt. An seinen beiden Enden wird dieser Streifen dünner und geht allmälig
in die Schiefer über, eben so hat er in seinen Mittelpartien Stellen, wo das
Gestein dem Thonschiefer ähnlich wird.
Ein eigentliches Lager bildet dieser Felsitporphyr daher nicht, viel weniger
einen Gang, sondern das Vorkommen desselben wird am besten charakterisirt,
indem man denselben als eine Zone von Thonschiefer bezeichnet, welche stellen-
weise mehr, stellenweise weniger in Felsitporphyr übergeht. Man verfolgt diesen
Felsitporphyr vom Cihadlo bei Tocna quer durch die Schlucht, welche von Unter-
Bfezan gegen Zävist eingefurcht ist und den Cihadloberg vom Hradiste trennt,
dann über die höchste Kuppe des Hradiste bis zur Mündung der Felsenschlucht,
welche von Lhota zur Moldau herab zieht. Von da setzt derselbe in süd-
westlicher Richtung quer über die Moldau und bildet die Felsen in den Stein-
brüchen unterhalb der Ziegel- und Thonwaarenfabrik zu Strnad, dann die Wald-
lehne oberhalb diesem Etablissement (der Felsenvorsprung bei der Ueberfuhr
von Vran ist dünnblätteriger Thonschiefer), so wie endlich die steilen Felsen am
linken Moldauufer gegenüber von Vran am östlichen Abhange des Schieferberges
Kopanina (1287*96 Fuss A)- In der Richtung gegen Jiloviste keilt sich der
Porphyr im Schiefer aus.
Hinsichtlich ihrer Beschaffenheit sind die hiesigen Porphyrvarietäten den
von meinem Freunde Herrn Karl Feistmantel (in den Abhandlungen der
230
Johann Krejfii.
[8]
k. böhm. gelehrten Gesellschaft V. Folge, 10. Band 1859) beschriebenen Felsit-
porphyren im nordwestlichen Theile des böhmischen Silurbeckens vollkommen
ähnlich. Sie enthalten in einer dichten Feldspathmasse Körner von Quarz und
kleine Feldspathkrystalle, in diesem Zuge speciell aber häufig kleine Partien
von dunklem Thonschiefer, welcher mit der dichten Grundmasse zusammen-
fliesst. Auf der Kuppe Vsancfch ist das Gestein gelblich, in dem weiteren Ver-
laufe gegen Südwesten grünlichgrau und namentlich durch die Einschlüsse von
Thonschieferstückchen ausgezeichnet.
Ein zweiter ähnlicher Streifen von Felsitporphyr in den Pribramer Schich-
ten wird südlich von Skochovic hei der Mühle Holnbov von der Moldau durch-
schnitten; er ist nur etwa 1500 Klafter lang und 50 — 80 Klafter breit und ist
ebenfalls reich an Thonschiefereinschlüssen.
Ein dritter Streifen zieht sich aus der Gegend von Sloup nördlich bei
Hradcan vorüber zur Moldau südlich von Mechenic, wo er von diesem Flusse
durchbrochen wird; er ist bei 50 Klafter Breite etwa 2000 Klafter lang. Der
Felsitporphyr bei Sloup ist weiss mit deutlich eingewachsenen Quarzkörnern,
sonst herrscht die grünlichgraue Varietät vor.
Ein vierter Streifen kommt in dem anfangs erwähnten Waldrücken ober-
halb St. Kilian vor; er bildet die steilen Felsen gegenüber der Säzavamündung
und zieht sich von dem Berge Oplotiska am rechten Moldauufer über Davle und
die Felsenzunge Sekanka zwischen der Säzava und Moldau nach St. Kilian und
aufwärts auf das Plateau bis gegen Masecin. Felsitporphyre mit grünlicher
Grundmasse und eingewachsenen lichten Feldspathkrystallen stehen namentlich
an den Felsen oberhalb St. Kilian an. Die Länge dieses Streifens beträgt auch
2000 Klafter, die Breite 50 Klafter.
Ein fünfter Streifen, nur 1000 Klafter lang und 20 — 30 Klafter breit, be-
ginnt in den steilen Felsabhängen zwischen St. Kilian und Stechovic und zieht
sich südwestlich bis in das Felsenthal der Kocaba oberhalb der Pulvermühlen.
Alle diese Streifen dehnen sich genau nach dem Streichen der Pribramer
Schiefer in nordöstlicher Richtung aus, und die mehr oder weniger deutliche
Schieferstructur ihrer Felsitgesteine hat dasselbe Einfallen gegen Süd west, wie
der Schiefer selbst. Nebstdem kommen aber noch an sehr vielen Orten in den
Pribramer Schiefern kleinere Partien vor, in denen eine dichte Feldspathmasse
entwickelt ist und die daher den Uebergang zu wahren Felsitporphyren bilden.
Diese Uebergangsgesteine, die so zu sagen halb Felsitporphyr, halb Thon-
schiefer sind, werden an der felsigen Verengung des Moldauthales südwestlich
von Stechovic an beiden Ufern des Flusses herrschend und erstrecken sich von
da bis zu der Granitgrenze bei Slap. Das Gestein ist stellenweise wahrer Felsit-
porphyr, mit den in dichter Grundmasse charakteristischen Quarzkörnern und
Feldspathkrystallen; namentlich sind die steilsten und schroffsten Felsen aus
diesem Gesteine gebildet; aber stellenweise streichen durch den grauen Felsit-
porphyr schwärzlichgraue thonschieferähnliche Gesteine, welche durch allmä-
ligen Uebergang mit den Felsitporphyren verbunden sind.
Der ganze breite Waldberg Cervenä hora zwischen der Moldau und den
Orten Slap und Stechovic, so wie die Thallehnen der Moldau und die Waldberge
südlich von Trebsfn und westlich von Krnan und Teletin, in einer Breite von
2400 Klafter und einer Länge von 4000 Klafter bestehen aus diesen Gesteinen.
Mit scharfen Krümmungen windet sich die Moldau durch ein enges von hohen
Felsen eingesäumtes Thal und brausend bricht sich ihr Wasser an den natür-
lichen Felsenwehren, welche namentlich unter- und oberhalb Trebenic den Fluss
in nordöstlicher Richtung durchsetzen. Diese Stellen sind bei den Moldauschiffern
[9] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 231
und Flössern als die gefährlichsten im Flusse verrufen, obwohl durch Spren-
gungen die Haupthindernisse entfernt wurden.
Aehnliche Verhältnisse herrschen im Säzavathale, welches, so weit es
in mein Aufnahmsgebiet gehört, ebenfalls durch hohe und steile Felsen
verengt wird. Die niedrige schon erwähnte Felsenzunge Sekanka zwischen
der Moldau und Säzava, an der Mündung des letzteren Flusses, besteht aus
Pribramer Schiefer mit eingelagertem Felsitporphyr und Diorit. Uralte Wälle
und Gräben trennen diesen isolirten Felsenausläufer von dem Plateau bei
Hradistko und erheben sich unmittelbar über der in der Landesgeschichte
bekannten Moldauinsel bei St. Kilian, auf der man die sparsamen Ueberreste des
im Jahre 1000 gegründeten Benedictinerklosters sieht. Von da bis oberhalb
Pikovic ist das Säzavathal von Thonschieferfelsen umsäumt, hat aber doch noch
Raum für einige Feld- und Wiesengründe; weiter hinauf bis unter die Dörfer
Luk, Podlonci und Rakonsy wird aber das Thal schluchtförmig und die wild-
zerklüfteten Felsen, welche in klippigen Kämmen dem Nordoststreichen nach sich
an beiden Ufern unmittelbar vom Flusse aus erheben, versperren das Thal für
den Fussgänger vollkommen. Die Holzflösser bezeichnen diese Stellen mit den
charakteristischen Namen „ve vlnavci“ (im Wellenwirbel) und „u trestiboku44
(bei der tobenden Lehne).
Der Thonschiefer, der bis oberhalb Pikovic die Thalgehänge bildet, geht
weiter hinauf in chlorit- und talkartigen Schiefer über, enthält aber auch hier
neben den deutlichen Chlorit- und Talkblättchen eine dichte Feldspathmasse;
stellenweise entwickeln sich Lager von wahrem Felsitporphyr und diese eben
bilden die kammartigen Felsenmauern an den Gehängen. Unter dem Dorfe Pod-
louci herrscht dann schöner grünlicher Felsitporphyr, welcher einerseits gegen
Studene (Kaltengrund) in das Gebiet der alten Goldbergbaue herüberstreicht,
andererseits mit der grossen Masse des Felsitporpbyrs an der Moldau bei Tre-
benic zusammenhängt. Ruinen von Pochwerken sieht man übrigens auch unter-
halb Luk und Podloucf in der Schlucht, welche sich gegen Boholik hinaufzieht;
diese weisen nebst einigen Halden und verfallenen Stollenmündungen darauf hin,
dass der Goldbergbau von Eule bis in diese Gegend sich erstreckte. Doch da
diese Localitäten des alten Bergbaues schon ausserhalb des Aufnahmsgebietes
sich befinden, so werden sie erst bei den späteren Aufnahmen der Umgebungen
von Eule im Zusammenhänge beschrieben werden können.
Nebst den genannten Schiefergesteinen und Felsitporphyren kommt in
diesem Theile des Aufnahmsgebietes auch Diorit vor und zwar ebenfalls in
eigentlichen, den Pribramer Schiefern sich anschliessenden Lagerungsverhält-
nissen.
Eben so wie sich der Felsitporphyr aus dem Thonschiefer durch das
Hervortreten der dichten Feldspathmasse entwickelt, eben so geht aus diesem
Gesteine durch allmäliges Erscheinen von Amphibol und Albit der Diorit
hervor.,
Die Verbindungsglieder beider Gesteine bilden gewöhnlich schwärzlich-
grüne aphanitartige Gesteine von fast dichter Masse. Man sieht die Diorite an
vielen Orten des Moldauthales anstehen. Sie bilden den Fuss des Hradisteberges
gegenüber von Königsaal, vorzüglich aber treten sie als Lagen im Thonschiefer
der steilen Felsen zwischen Zäbehlie und Strad auf. Man erblickt da im Wechsel
mit den Thonschiefern einige kleinere Lager eines kleinkörnigen Diorites, in
welchem man den schwärzlichen Amphibol, den weissen Albit und graue Quarz-
körner deutlich unterscheidet. Der Diorit geht allmälig in die schieferigen
Gesteine über und das aphanitische Zwischenglied hat selbst eine so ausgeprägte
K. k. geologische Reichsaostalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
232
Johann Krejdi.
[IO]
Schieferstructur, dass man dasselbe nur schwer von dem eigentlichen Schiefer
unterscheiden kann. Aehnliche Diorite begleiten alle Felsitporphyrziige bei Yran,
Skochovic, St. Kilian, an der Sekanka, und steigen auf beiden Ufern der Moldau
auf die Höhe des Plateaus, wo sie namentlich bei Sloup, Hvoznic, Bojanovic,
Hradistko und Trebsin in Bruchstücken häutig auf den Feldern gefunden werden.
Eine einzige Localität ist mir bekannt, wo der Diorit gangartig auftritt, und
zwar bei der Einschichte Jarov an der Mündung der Schlucht, welche von
Ohrobec zur Moldau sich zieht. Der steile Felsen am linken Moldauufer, der an
seinem Gipfel einen alten kreisförmigen Wall trägt und Homole genannt wird,
besteht aus dünnblättrigem Thonschiefer, der nordöstlich (Stunde 4) streicht und
südöstlich (40 Grad) einfallt. Senkrecht zum Streichen durchsetzt den Schiefer
ein beinahe saigerer Gang von 3 Klafter Mächtigkeit, der aus schönen körnigem
Diorit besteht. Man kann ihn eine Strecke weit gegen Zvole in südöstlicher
Richtung verfolgen; er verliert sich aber bald unter dem die Lehnen bedecken-
den Gestrippe.
Der Schichtenbau ist im beschriebenen Terrain anscheinend ungemein
einfach. In dem von mir untersuchten Gebiete fällt längs der ganzen Granit-
grenze bei Slap, Vysoky Ujezd, Teletin, Trebsfn, Rakousy und PodloucT das
schieferige Gestein, mag es nun den Habitus vonFelsitporphyr oder Chloritschiefer
tragen, unter den Granit ein.
Das Streichen dieser Gesteine richtet sich nahe am Granit beinahe nach
der Grenzlinie beider Gesteine und ist demzufolge nordnordöstlich (Stunde 2 bis
Stundei), dabei ist das Einfallen sehr steil (70 — 80 Grad) gegen Ostsüdost,
d. h. gegen den Granit gerichtet. Man sieht diese steile Aufstellung der Felsen-
schichten auch überall an den Felsen des Moldauthales; stellenweise, z. B.
zwischen der Moldau und Teletin, dann im Säzavathal oberhalb Pikovic, stehen
die Schichten beinahe senkrecht (85 Grad). Dasselbe steile Einfallen sieht
man an den Pribramer Schiefern bei Okrouhlo und Zahofan (Bezirk Eule), Lieben;
erst gegen den nordwestlichen Saum des azoischen Terrains wird das Einfällen
weniger steil (Jarov 40 Grad, Ohrobec 50 Grad, Cholupic 30 Grad Zäbehlic
bei Königsaal 45 — 50 Grad).
Die Pribramer Schiefer am Plateau zwischen Mnisek und Slap fallen aber
gleichfalls steil gegen Südost ein v(KräIovka bei Slap 70 Grad, Male Lecice
70 Grad, zwischen Bratrinov und Cisovic 60 Grad). Das Streichen der Pribramer
Schiefer ist mehr nordöstlich (Stunde 3 — Stunde 4), so dass zwischen dem
Granit und denselben die felsitartigen Gesteine sich auskeilen. Man sieht auch
wirklich in der weiteren Verbreitung des Thonschiefers bei Rican und Skvorec
(nordöstlich vom diesjährigen Aufnahmsgebiete) denselben unmittelbar an den
Granit anstossen und gegen denselben einfallen. Das entgegengesetzte Einfallen
gegen Nordwest bemerkte ich blos an den Pribramer Schiefern zwischen Liber
und Zahofan (50 Grad) und es mag sich von da in der Terrainwelle gegen
Bojanovic und den Plesberg fortsetzen und einer sattelartigen Erhebung der
Schichten angehören. DieLagerungsverhältnisse an der unmittelbaren Begrenzung
des Granits mit dem Schiefer sind im Aufnahmsgebiet weniger deutlich aufge-
schlossen, wohl aber ausserhalb desselben in ausgezeichneter Weise beiZampach
an der Säzava südlich von Eule. Man sieht da an der senkrechten Felsenwand
bei dem gemauerten Pochwerksgraben nicht blos den Schiefer unter den Granit
einfallen, sondern auch beide Gesteine lagerartig abwechseln. Dieses Vorkommen,
welches von Barrande, Zippe und Gumpreeht schon erwähnt worden
ist, gehört zu den interessantesten geologischen Erscheinungen in dieser
Gegend.
[11] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 233
An der nordwestlichen Begrenzungslinie der Pnbramer Schiefer fallen die-
selben gegen Südostvund sowohl die Krusnahora- und Komorauer Schichten
zwischen Mnfsek und Cernolic als auch die Quarzite der Brdaschichten zwischen
Cernolic und Bane sind auf den Schichtenköpfen derselben abweichend gegen
Nordwest aufgelagert. Die Eisensteinlager bei Mnfsek, die Herr Bergrath
Lipoid beschreibt, fallen nordwestlich (35 Grad) unter den Quarzit der
Skalka ein; bei Cernolic streichen die unmittelbar aus dem Pnbramer Schiefern
klippig aufragendenQuarzitfelsen der Brda-Schichten nachNordost(Stunde4) und
sind steil gegen Nordnord west (80 Grad) aufgerichtet. Dieses Streichen und
Einfallen behalten sie bis Bane oberhalb Königsaal; in den Schottergruben da-
selbst wendet sich aber das Einfallen der Schichten gegen Südost (50 Grad),
so dass an der Begrenzungslinie die Pnbramer Schiefer hier auf den Brda-Schich-
ten aufgelagert zu sein scheinen. Doch wenden sich die dem Quarzit aufgela-
gerten Schichten der Grauwackenschiefer bei Lipenec wieder gegen Nordwest
und bilden demnach im Königsaaler Berg einen Sattel (siehe Tafel, Durch-
schnitt 1). Complicirter sind diese Verhältnisse an der Begrenzungslinie zwi-
schen Zävist gegenüber von Königsaal, und zwischen Komorau. Die Brda-
Schichten keilen sich bei Bane aus, und auf das rechte Moldauufer setzen hier
nur die Hostomnicer Schiefer mit Quarziteinlagerungen herüber und bilden, wie
schonverwähnt wurde, die Uferterrassen am nordwestlichen Fusse des Hradiste
und Cihadloberges. An den niedrigen Felsenwänden zwischen Zävist und
Komorau sieht man die Hostomnicer Schichten in scharfen Biegungen bald nach
Nordwest, bald nach Südost einfallen, bis sie endlich am Fusse des Hradiste bei
Zävist, ähnlich wie der Quarzit bei Bäne, unter die Pnbramer Schiefer und
Grünsteine dieses Berges einfallen. Das Streichen der Hostomnicer Schichten ist
hier beinahe nach Osten (Stunde 5*5), das Einfallen südsüdöstlich (20 Grad)
1" = 400°. 1 Hostomnicer Schichten. 2 Pnbramer Schiefer. 3 Felsitporphyr. 4 Diorit,
In dem weiteren Verlaufe gegen Kunratic ist die Grenzlinie zwischen den
Pnbramer Schiefern und den Gebilden der Barrande’ sehen Eta ge D durch
Ackerboden verdeckt.
Aus den dargelegten Verhältnissen ergibt sich von selbst, dass die Hebun-
gen, denen zu Folge die Pnbramer Schiefer und die Brda-Schichten, so wie die
Hostomnicer Schiefer ihre jetzige Lage einnehmen, in zwei verschiedenen
Epochen stattfinden mussten; denn erst am Saume der schon gehobenen Pn-
bramer Schiefer konnten die jüngeren Quarzite und Grauwackenschiefer empor-
geschoben oder angedrückt werden. Die Knickungen und steilen Aufstellungen
dieser Schichten an der Begrenzung mit der azoischen Zone machen den Ein-
druck, als ob sie mit unwiderstehlicher Kraft an diese Zone angedrückt, und
je nach ihrer Festigkeit entweder steil aufgestaut oder faltenartig zusammerr-
30 *
234
Johann Krejßi.
[12]
gepresst worden wären. Aehnliche Knickungen und Faltungen, die in den höheren
silurischen Schichten ziemlich häufig sind, habe ich in der azoischen Zone mei-
nes Aufnahmsgebietes nirgends gesehen ; aber die unzähligen Klüfte und Spalten,
von welchen die Schichten derselben scheinbar regellos nach allen Richtungen
durchsetzt werden, mögen doch mit Störungen des Schichtenbaues im Zusammen-
hänge stehen. Drei Systeme von Klüften und Spalten findet man in diesem Ge-
biete überall, und da sie zugleich mit den Richtungen der engen Felsenthäler
übereinstimmen, so können sie mit denselben allerdings eine Entstehungsbedin-
gung haben.
Das eine dieser Kluftsysteme, gewöhnlich das am deutlichsten entwickelte,
streicht gegen Nordnord west (Stunde 1 1), sein Einfallen ist gewöhnlich sehr steil
gegen Westsüdwest. Genau dasselbe Streichen hat das Moldauthal vom Vir ober-
halb Vran bis Davle, dann von St. Kilian bis Stechovic, und an den Felswän-
den dieses Thaies sieht man diese Klüfte deutlich entwickelt, ja sie verdecken
häufig die eigentliche Schichtenrichtung; auch der erwähnte Dioritgang bei
Jarov hat dieses Streichen.
Ein zweites ebenfalls sehr entwickeltes Kluftsystem streicht senkrecht zur
Schichtenrichtung der Schiefer, nämlich nach Nord west (Stunde 9), und fällt an den
meisten Stellen nach Südwest steil ein. An den anstehenden Felsen des Moldau-
thaies, so wie in den Steinbrüchen bei Cholupic, in den Schiefern bei Okrouhlo,
an der Sazava, bei Lecic u. s. w. sind die glatten Kluftwände dieses Systems zu
sehen. Der untere Theil des Säzavathales, die Schluchten bei Vran, Jarov, Zävist,
Partien des Moldauthales in den Krümmungen bei Trebenic haben dasselbe
Streichen.
Das dritte Kluftsystem stimmt in seinem Streichen mit den Schieferschich-
ten überein; es geht nämlich nach Nordost (Stunde 3), das Einfallen ist sehr häufig
nordwestlich, nicht selten schneidet es aber die Fallrichtung der Schiefer-
schichten unter einem spitzen Winkel, indem es von demselben nur um einige
Grade abweicht. Manchmal sind an demselben Felsen beide Kluftflächen vorhan-
den und dieses gibt dann Veranlassung zur stängligen Zerbröcklung des Gestei-
nes. An dem Pribramer Schiefer von Lecic und Cfsovic, im Moldauthal, dann bei
Unter-Brzan und Cholupic sieht man diese Klüfte sehr auffallend entwickelt. Mit
diesem Kluftsysteme hängen vielleicht auch die beiden schon am Eingänge er-
wähnten Thäler zusammen, von denen das eine von Cfsovic gegen Mechenic,
das andere (das Kocabathal) von Lecic nach Stechovic in nördlicher Richtung
verläuft. Auch gerade nach Nord gehen einige Kluftrichtungen (das Moldauthal
zwischen Vran und Kuhelbad hat auch diese Richtung) , so wie gerade nach
Osten (hieher gehört auch die Thalrichtung gleich oberhalb Stechovic, dann der
untere Theil des Kocabathales), aber beide sind den früher erwähnten blos unter-
geordnet.
Die genannten verschiedenen Kluftsysteme sind von verschiedenem Alter.
Der Beweis dafür liegt darin, dass sich die einen bis in die angrenzenden neue-
ren Formationen fortsetzen, während die anderen blos auf die silurisehe For-
mation und das Urgebirge beschränkt bleiben. Das älteste Kluftsystem scheint
das nordöstliche, mit dem Streichen der silurischen Schichten übereinstimmende
zu sein. Es ist nicht blos in der azoischen Zone, sondern noch viel deutlicher
in der obersilurischen Abtheilung entwickelt und setzt sich bis in das Urgebirge
des Böhmerwaldes fort. Jünger erscheint das zum Streichen der silurischen
Schichten senkrechte Kluftsystem; die zu demselben gehörenden Schluchten und
Felsenthäler durchsetzen das erstere mit prallen Wänden, streichen aber eben-
falls bis ins angrenzende Urgebirge. Am jüngsten sind die nordnordwestlichen
[13] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 235
und nördlichen Klüfte, denn sie durchbrechen nicht blos das ganze silurisehe
Becken und die Urgebirge, sondern gehen bis ins Terrain der Steinkohlen- und
Kreideformation nördlich von Prag hinüber. Die grosse Moldauspalte, welche
Böhmen von Süd nach Nord in zwei beinahe gleiche Hälften theilt, gehört
grösstentheils hieher.
Die Mächtigkeit der Prfbramer Schiefer in dem Gebiete lässt sich sehr
schwer bestimmen, ist aber jedenfalls sehr bedeutend.
Die horizontale Distanz von der Granitgrenze bis zu den Krusnohora- und
Brda-Schiehten beträgt senkrecht zur Schichtenrichtung gemessen zwischen
Teletin und Bidkä etwa 8000 Klafter; zwischen dem Granitterrain bei Eule und
Zävist etwa 6000 Klafter, im Durchschnitte also 7000 Klafter.
Der Einfallswinkel beträgt im Durchschnitte etwa 60 Grad. Würde man
demnach den ganzen Schichtencomplex von der Granitgrenze bis zu den Quarzi-
ten des Brdawaldes als eine continuirliche Masse annehmen, so würde (da
7000 sin 60° = 6062) die Mächtigkeit der Zone die enorme Grösse von
36000 Fuss erreichen.
Indessen ist nach der Analogie ähnlicher Fälle im obersilurischen Terrain
die Annahme erlaubt, dass das Schichtensystem dem Streichen nach mehrfach
gebrochen und demnach dieselbe Schichtenfolge mehrfach wiederholt ist.
Namentlich scheinen die felsigen Längenthäler zwischen Cisovic und Mechenic,
dann zwischen Lecie und Stechovic solchen Bruchstellen ihren Ursprung zu
verdanken.
Die Entfernung dieser Thäler unter einander, so wie des Mechenicer Thaies
von den Quarziten des Brdawaldes beträgt etwa 2000 Klafter. Würden wir
diese Entfernung für die an der Oberfläche anstehende Mächtigkeit des Schichten-
systemes annehmen, so würde sich als durchschnittliche Mächtigkeit der
Schichtenmassen bei 60 Grad Einfallen (2000 sin 60 Grad = 1632), die
Grösse von 9600 Fuss ergeben.
Allerdings sind dies keine begründeten Angaben, sondern nur beiläufige
Annahmen, da bei der Gleichartigkeit des Gebirgsbaues zu wenig Anhaltspunkte
geboten werden, um diese Bestimmungen mit einiger Sicherheit durchzuführen;
doch haben aber diese Annahmen mehr Gründe der Wahrscheinlichkeit für sich,
als die Annahme einer die höchsten Berge des Ilimalaya in der Mächtigkeit über-
treffenden Schichtenmasse.
Der Durchschnitt der azoischen Zone von Ridkä bis Vysoky-Ujezd stellt
sich nach den angeführten Daten in folgender Weise dar (siehe Tafel, Durch-
schnitt 2). Die nördliche Partie der azoischen Zone des Silursystemes, der
Pzfbramer Schiefer (I? Barr.), beginnt bei Podbaba unterhalb Prag und verbreitet
sich zu beiden Seiten des Flusses bis an die Grenze des Steinkohlen-Terrains
bei Bustehrad und Kralup und das Alluvium bei Chvaterub und Klomfn. Sobald
der Fluss die breitere Thalfurche im untersilurischen Gebiete verlassen hat, tritt
er im Gebiete der Prfbramer Schiefer abermals in ein enges Felsenthal, welches
er erst bei Chvaterub und Kralup verlässt, da wo die beginnende Steinkohlen-
und Kreideformation auch ganz andere Terrainformen bedingt. Das azoische
Gebiet, welches der Fluss hier seiner ganzen Breite nach durchbricht, und zwar
anfangs bis Klecan mit nördlichem und dann nach einem westlichen Umbug mit
nordnordwestlichem Laufe, ist ein von Osten gegen Westen allmälig ansteigen-
des Plateau, aus dem nur einzelne isolirte Felsenklippen emporragen.
Die wellenförmigen Höhen sind mit den fruchtbarsten Feldern bedeckt, aber
enge felsige Schluchten, die zur Moldau sich herabziehen, unterbrechen die Ein-
förmigkeit des Plateaus auf eine mannigfache Weise.
236
Johann Krejöf.
[14]
Der Plateaurand am rechten Moldauufer hat die absolute Höhe von 900 Fuss,
am linken Ufer erhebt sich das Plateau allmälig zur Höhe von 1000 Fuss, bis
es in die 1200 Fuss hohe Plänerfläche übergeht, welche zwischen Bustehrad und
Unhost sich ausdehnt. Da ich bei den vorjährigen Excursionen nicht hinlängliche
Zeit fand, um dieses Terrain im Detail zu untersuchen, so kann ich hier vorläufig
dasselbe nur in allgemeinen Umrissen schildern.
Das mir zugewiesene Terrain erstreckt sich vom Moldaufluss östlich bis
Unhost. Die südliche Begrenzung der dasselbe zusammensetzenden Pribramer
Schiefer bilden die Hostomnicer Schichten (/>). Die Jinecer Schichten (C)
und die Krusriahora und Komorauer Schichten (Barrande dl) fehlen hier
gänzlich. Doch ist die unmittelbare Begrenzung der azoischen mit den Petre-
facten führenden Schichten zwischen Svärov und Yokovic durch Quadersand-
steine und Plänermergel verdeckt. Nach den anstehenden Quarziten und
Kieselschiefern, welche an einigen Punkten der seichten Thäler unter den
Quadersandsteinen zu Tage gehen, zieht sich die Grenzscheide vom Karabinsky
vrch (1380 Fuss) bei Svärov gegen Cerveny-Ujezd und «Jenecek (an beiden
Orten ist der Quarzit durch Steinbrüche aufgeschlossen), dann über den
Malinsky vrch (1188 Fuss) zum nördlichen Eingänge des Särkathales hei
Vokovic, durch das Särkathal selbst bei der Jeneralka, dann über die südlichen
Gehänge desselben bis nach Podbaba. Hier übersetzt die Grenzlinie die Moldau
und geht bei Troja vorüber nach Kobilis, wo sie sich abermals unter Quader-
sandstein verbirgt. An der südlichen Seite dieser Linie herrschen die Brda- und
Hostomnicer Schichten, unter denen bei der «Jeneralka und bei Troja die Ko-
morauer Schichten auftreten ; an der nördlichen Seite derselben beginnen die für
diesen Theil des Gebietes der Pribramer Schiefer (/?) so charakteristischen
Klippen der Kieselschiefer.
Es ist bemerkenswert!!, dass die Kieselschiefer in der nördlichen Zone der
Pribramer Schiefer vorwalten, während sie in der südlichen Zone derselben
zwischen Königsaal und Stechovic fast gänzlich fehlen, und nur bei Mnisek und
weiter südwestlich bei Picin, Pribram, Padri u. s. w. auftreten. Auf dem von
Quadersandstein und Plänermergel nicht bedeckten Plateau zwischen Nebusic,
Stredokluk, Bustehrad, Tursko undOunetic bilden sie fast das einzige anstehende
feste Gestein, indem die weicheren Schiefer mit aufgelöstem Erdreich und
einer mächtigen Humusdecke ganz bedeckt sind und nur in den tiefen Felsen-
schluchten auftreten.
Unter den Pribramer Schiefern ist am meisten ein grünlich-grauer, in zoll-
dicken Tafeln brechender Thonschiefer verbreitet, der in einer felsitartigen
Grundmasse fein eingemengten Quarz und braune oder grünlich-graue Glimmer-
blättchen enthält. In der Gegend von Zäjezd, Stelcoves und Kretovic ist dieser
Schiefer sehr glimmerreich und ähnelt stellenweise dem Chloritschiefer ; imSärka-
thale wird er grauwackenartig und eine Partie desselben hat das Ansehen eines
aus scharfkantigen kleinen Schieferbrocken bestehenden Conglomerates. Kleine
Jjager von Brauneisensteinen sah ich in demselben bei Kovar.
Aus diesem Schiefer nun entwickeln sich wie aus einer Matrix die Kiesel-
schiefer, Felsitporphyre, Grünsteine und Aphanite, welche man in chaotischem
Wechsel antrifft, sobald man eine der Felsenschluchten, namentlich aber das
Moldauthal besucht.
Am mächtigsten sind die Kieselschiefer ausgebildet. Ihr Gestein, eine schwarz-
graue häufig roth gefleckte, von weissen Quarzadern durchschwärmte Kiesel-
masse, hat eine sehr grobe undeutliche Schieferung und zerfällt an den Felsen-
wänden in mächtige unregelmässige Blöcke.
[IS] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 237
Der Kieselsehiefer bildet in den weicheren Pnbramer Schichten läng-
liche Lagermassen, welche sich aus dem verwitterten Gestein in reihenförmig
geordneten Klippen oder in scharfen Rücken erheben und durch ihre steilen,
wild zerrissenen Felsen schon von fern kenntlich sind.
Die südlichste Reihe unmittelbar an der Grenzscheide der Pnbramer
Schiefer und der Brda-Schichten beginnt mit den malerischen Felsen der soge-
nannten „wilden Särka“, dem oberen Theile eines engen Thaies, welches die
azoische Zone zwischen Vokovic und Podbaba durchfurcht. Die Kieselschiefer-
felsen erheben sich in der Felsenschlucht bis zu 300 Fuss Höhe und bilden
______ v
ungemein barocke Gruppen. Der höchste Punkt derselben, Zban genannt, erreicht
1140 Fuss Höhe. In der nordöstlichen Streichungslinie der Pnbramer Schiefer
treten die Kieselschiefer wieder am rechten Moldauufer auf; sie bilden hier den
Kamm des Cimieer Plateaurandesv die Velkä und Mala Skala zwischen Bohnic
und Troja, den Berg Tenetiste bei Cimic und als seine Fortsetzung den 1128 Fuss
hohen Ladviberg bei Dablic. Gegen Süd westen und Norden ist der Kieselschiefer
der Särka von den Quadersandsteinen und Plänermergeln des Malinsky vrch
bedeckt und erst bei Jenec treten aus demselben wieder kleine Klippen desselben
zum Vorschein, und zwar abermals in der unmittelbaren Nähe der Brda-Schichten.
Einen isolirten Kamm bildet der Kozi hrbety (Ziegenrücken 1020 Fuss),
der bis gegen Levy Hradec fortsetzt und von dem Thälchen bei Ounetic
quer durchbrochen wird. Jenseits der Moldau am rechten Ufer derselben bildet
er den Rücken Holosmetka bei Brnky.
Eine dritte Reihe von mächtigen Kieselschieferklippen beginnt bei Knezeves
und Tuchomeric, wo sie theilweise von Quadersandstein und Plänerinergel
bedeckt sind, enthält die weithin sichtbaren Felsenrücken bei Kamyk (den Haj-
niceber 1053 Fuss), vdie Felsengehänge der Schlucht bei Ühoh'cky, den Berg
Rivnäc und setzt bei Rezf quer über die Moldau.
Eine vierte Reihe beginnt bei Hostome, bildet die isolirten Klippen bei
Stredokluk, Pazderna und Svrkyne.
Die letzte Reihe endlich zieht sich längs der Grenze des Steinkohlen -
Terrains, von Bustehrad bis Kralup, greift zwischen Zakolan, Votvovic und Minie
einigemale ins Steinkohlengebiet und enthält die Felsenkuppen bei Hole, Kozinec
(1050 Fuss) und Debrno, ohne sich aber auf das rechte Moldauufer zu ver-
breiten.
Der Felsitporphyr hat in diesem Gebiete zwar nicht die weite Verbrei-
tung wie im südwestlichen Theile desselben bei Pürglitz, doch bildet er einige
ansehnliche Felsenpartien im Moldauthale. Man sieht ihn hier in zwei Varietäten
auftreten, einer röthlichen oder grünlich-grauen mit dichter Feldsteinmasse und
eingemengten Quarzkörnern und einer ebenfalls röthlichen oder grünlichen Varietät
mit ausgeschiedenen Feldspath-Krystallen. Beide entwickeln sich durch allmä-
lige Uebergänge aus den Pnbramer Schichten, ja eine grosse Partie derselben,
namentlich zwischen Letky und Chvaterub ist so zu sagen geschieferte Felsit-
masse.
Die ersteren Varietäten sieht man im Särkathale bei der Jeneralka und
unterhalb der Mathiaskirche, am Podbabafelsen, zwischen Podbaba und Selce,
auf den Felsengehängen des rechten Moldauufers bei Klecan, am linken und
rechten Moldauufer bei Libcic, wo der Felsitporphyr, namentlich die mächtige,
von der Eisenbahn durchschnittene Felsenwand bildet. Die Varietät mit ausge-
schiedenen Feldspath-Krystallen sieht man am linken Moldauufer gegenüber von
Chvaterub ; am meisten ist sie aber entwickelt in den klippigen Felsen bei Pos-
trizm, Vodolka und Velkä Ves.
238
Johann Krejöf.
[16]
An den meisten der genannten Orte kann man sich leicht überzeugen, dass
die Lagerungsverhältnisse des Felsitporphyrs im Grunde dieselben sind, wie die
des Kieselschiefers, indem wie hier die kieseligen Bestandtheile der Schiefer, so
dort die feldspathartigen sich in mehr oder weniger regelmässigen Lagern con-
centrirten. Am Felsen bei Podbaba, so wie in den steilen Felsenwänden zwischen
Selce und Roztok, dann zwischen Morän und Letkv durchsetzt der Felsitporphyr
die aphanitischen Schiefer scheinbar in der Form von Gängen, weil hier die eigent-
liche Schichtung des Schiefergesteines durch die vorherrschende transversale
Durchklüftung fast gänzlich verdeckt ist. Untersucht man aber die Gesteine
genauer, so findet man, dass die Schichtung derselben den gangartigen Lagern
des Felsitporphyrs vollkommen parallel ist und die scheinbaren Schichtentlächen,
welche der Porphyr senkrecht durchbricht, eigentlich nur Kluftflächen sind,
welche auf eine Strecke das Gestein in parallelen Richtungen durchsetzen.
Man ersieht daraus, dass von einem eruptiven Ursprung des Felsitporphyres
hier eben so wenig die Rede sein kann, als bei seinem Vorkommen in der süd-
lichen Zone der Prfbramer Schiefer im Moldauthale zwischen Königsaal und
Stechovic.
Der Grünstein ist hier weniger mächtig entwickelt, als der Felsitporphyr.
Man findet ihn namentlich am rechten Moldauufer oberhalb Klecan, bei Chabry
und Vodolka, dann an einigen Punkten des linken Moldauufers zwischen Morän
und Dolan in sehr untergeordneter Stellung. Er ist hier ein krystallinisch-kör-
niges, deutlich aus Amphibol und Feldspath zusammengesetztes Gestein, welches
durch allmäliges Verdichten des Kornes in massige oder geschieferte Aphanite
übergeht. Auch in den Aphaniten kommen Streifen vor, welche in einer felsit-
artigen Grundmasse sehr deutlich kenntliche Amphibolkrystalle enthalten und dem
Grünstein ähnlich werden, so namentlich an den Felsen bei Podbaba und Selce.
Der Aphanit ist neben den Thonschiefern am meisten verbreitet. Er bildet
einen grossen Theil der mächtigen Felsenwände im Moldauthale zwischen Pod-
baba und Kralup, in der Särka, bei Üholfcky, Vodochad und Chabry. Er wechselt
mit eigentlichen Thonschiefern ab, unterscheidet sich aber von denselben schon
durch seine schwärzlich-grüne Farbe und die auffallend grössere Schwere. Das
Gestein ist gewöhnlich dicht oder feinkörnig, enthält in einer Feldsteinmasse
Kryställchen von Amphibol, dann Quarzkörner und Chloritschuppen und geht einer-
seits durch vorwaltende Entwickelung der feldsteinartigen Grundmasse in Felsit-
porphyr, andererseits durch Vorwalten der Amphibolkrystalle in Grünstein, und
durch häufigeres Auftreten von Glimmerblättchen in Thonschiefer über.
Obwohl die Schieferung durch eine sehr regelmässige Kluftbildung gewöhn-
lich maskirt ist, so tritt sie stellenweise sehr deutlich zum Vorschein, so dass die
Aphanitgesteine im Ganzen schon beim ersten Anblick den Eindruck von meta-
morphosirten Thonschiefern machen.
Das Streichen der Schichten in diesem Gebiete ist auffallend verschieden
von dem Streichen der höheren Petrefacten führenden Etagen; im Allgemeinen
ist es nämlich mehr nordnordöstlich (Stunde 3 — 2), obwohl stellenweise Abweichun-
gen gegen Osten und Norden und sogar Nordost Vorkommen. Namentlich sind die
Schiefer um die Kieselschiefer-Gruppen unregelmässig gewunden und wechseln
in ihren Richtungen sehr mannigfach, obwohl sie im Allgemeinen ihr nordöst-
liches Streichen behalten. Das Einfallen der Schichten ist eben so wechselnd;
längs dem Steinkohlenterrain geht es gegen Nord west (mit 45 — 60 Grad),
wendet sich in der Richtung gegen Prag einigemale gegen Südost, so dass sattel-
förmige Falten entstehen, gerade wie in der später zu beschreibenden Abthei-
lung der höheren Etagen.
[17] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 239
Die Klüfte, welche das Gestein scheinbar nach allen Richtungen durch-
setzen, lassen sich eben so wie in der südlichen Zone der Pnbramer Schiefer nach
drei Systemen ordnen, einem nördlichen, einem nordöstlichen und einem nord-
westlichen. Am mächtigsten sind namentlich im Moldauthale die nördlich strei-
chenden Klüfte entwickelt; sie bilden, da wo sich das Gestein abgelöst hat, senk-
rechte Wände, welche mit der Thalrichtung parallel laufen.
Die nordwestlichen Klüfte haben häufig das Ansehen von glatten Schiefer-
flächen, lassen sich aber dennoch leicht erkennen, indem sie die wechselnden
Gesteinsvarietäten gleichförmig durchsetzen. Die nordöstlichen Klüfte endlich
gehen parallel zur eigentlichen Schichtung, ihr Einfallen bildet aber mit den
Schichtungsflächen immer einen mehr oder weniger spitzen Winkel.
Es lässt sich beobachten, dass die Fallrichtung dieser Klüfte mit den sattel-
förmigen Falten in einer gewissen Beziehung steht, indem sie von dem Krüm-
mungsmittelpunkt der Schichten radial aus einander laufen und dadurch also alle
Neigungen vom Senkrechten bis zum Horizontalen erhalten.
Die Richtung der kleinen Thälchen, die das Plateau durchfurchen und zum
Moldauthal einmünden, so wie die Richtung dieses Thaies selbst, stimmt mit den
Kluftsystemen überein. Die nördliche Richtung haben das Moldauthal zwischen
Podhaba und Klecan, das Thälchen zwischen Cicovic und Zakolan, unterhalb
Vorder-Kopanina und Suchdol, zwischen Tursko und Minie; die nordwestliche
Richtung hat ein Theil des Moldauthales zwischen Letky und Kralup; die nord-
östliche das Thal von Zakolan und Kralup, von Tuchonferie nach Roztok, und
das Särkathal.
2. Das untersilurische Petrefacten führende Terrain zwischen Hostomnic
und Prag.
Wie schon früher erwähnt wurde, liegen in dem diesjährigen Aufnahms-
gebiete überall auf den azoischen Pnbramer Schiefern unmittelbar Gestein-
schichten auf, welche der Etage D Barr and e’s angehören. Die hervorragend-
sten unter diesen Schichten bilden die Brda-Schichten, indem der Quarzit der-
selben als ein festes, schwer verwitterbares Gestein mit seinen zu Tage ausge-
henden Schichtenköpfen langgestreckte nach Südwest streichende Rücken und
Hügelreihen bildet, zwischen denen das niedrigere hügelige Kalksteinplateau als
ein kleines in die Länge gestrecktes Becken sich ausbreitet.
Durch diese Rücken wird der landschaftliche Charakter der Umgebungen
Prags am meisten bestimmt. Der höchste dieser Rücken bildet das nordöstliche
Ende des waldigen Brd a- Gebirges, welches weithin in das waldige Bergland
zwischen Rokycan und Nepomuk greift und die höchsten Erhebungen des böh-
mischen silurischen Systemes enthält. Der südwestliche Theil dieses waldigen
Rückens besteht aus der Prfbramer Grauwacke ( B ), die sich gegen Skalka
bei Mnisek allmälig ausbreitet und von den eigentlichen Brda-Schichten durch
die Komorauer und Krusnahora-Schichten getrennt wird. Zwischen Chlumec
bei Hostomnic und dem Jägerhause Rochoty lehnen sich die Brda-Schichten an
die Nordwestseite des Brda-Rückens an, und erst von Rochoty und Skalka an
bilden sie, nachdem die Pnbramer Grauwacken sich ausgekeilt haben, die Fort-
setzung des Hauptkammes bis gegen Königsaal.
Den nordwestlichen Fuss dieses Rückens umsäumt zwischen Vosco und
Königsaal ein schönes und breites, in die weichen Grauwackenschiefer der
Hostomnicer Schichten eingefurchtes Thal, in welches hei Revnic der Beraunfluss
aus einer das Kalkplateau quer durchbrechenden Gebirgsspalte eintritt.
31
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
240
Johann Krejöi.
[18]
Der südöstliche Fuss ruht auf dem azoischen Schieferpiateau bei Mnisek
und Jiloviste. Ueppiger Waldwuchs bedeckt beide Flanken, so wie den Kamm
des Rückens, so dass wenig anstehendes Gestein zu sehen ist; nur die tiefe
zwischen Cernolic und Vsenor, senkrecht zum Streichen eingerissene Schlucht
deckt den einfachen Bau dieses Rückens auf. Die Höhe des Kammes nimmt von
Südwest gegen Nordost allmälig ab. Zwischen Hostomnic und Dobffs erreicht er
am Brda- und Jistehny-Berg die Höhe von 1800 Fuss; die Skalka bei Mnisek
hat die Höhe von 1687*8 Fuss, der Kamm zwischen Ridka und Revnic am Bez-
hlavyberge 1605 Fuss, an der Cervenäklina 1472*4 Fuss, die Kopanina bei Jilo-
viste 1288 Fuss, und endlich die St. Galluskirche bei Königsaal 4139*24 Fuss
über dem Meere und 300 Fuss über der Moldau.
Bei dem Dorfe Bane oberhalb Königsaal in dem kleinen Dreiecke zwischen
dem Zusammenflüsse des Moldau- und Beraunflusses keilen sich die Brda-Schich-
ten, wie schon früher erwähnt wurde, aus, und zu beiden Seiten der Moldau, die
hier das silurische Schichtensystem von Süd nach Nord durchbricht, stehen die
Hostomnicer Schichten mit kleinen Quarzitlagern an. Erst bei Modran (am Wein-
garten bis Kupska vinice) beginnt wieder ein Quarzitzug, der Hügel bildend über
Lhotka in den Kunraticer Wald hinüberstreicht, und dann gegen Mecholup und
Dubec fortsetzt. Die Höhen dieses Zuges erreichen 800 — 900 Fuss.
Die Fortsetzung und Abgrenzung dieser Schichten im östlichen Gebiete bei
Prag wird im künftigen Jahre aufgenommen werden.
Ein ähnlicher Zug von Brda-Schichten, der in Gestalt von zwei länglichen
Rücken aus den Hostomnicer Schichten aufragt, wird in Prag selbst von der
Moldau durchbrochen, und -gibt den nächsten Umgebungen der Hauptstadt ihre
reizende hügelige Gestaltung.
Der eine dieser Rücken enthält den Kreuzberg, (Krlzeu 864*72 Fuss) bei
Volsan und endet mit der Skalka in Prag; der nördlichere enthält den berühmten
Ziskaberg (846*42 Fuss) beim Prager Invalidenhause, den Kampfplatz der bluti-
gen Hussitenschlacht im Jahre 1420. Seine Fortsetzung am jenseitigen Ufer der
Moldau bilden klippenförmig emporragende Felsengruppen im Thale von Kosir,
welche im Plateau oberhalb Motol sich verlieren.
Ein niedriger Quarzitrücken, der zwischen Trebonic und Dusnik auf
dem Plateau kaum bemerkbar sich hinzieht, liegt in der Fortsetzung dieser
Klippen.
Unmittelbar an das azoische Plateau des nördlichen Flügels grenzt der
andere Zug der Brda-Schichten, der stellenweise in bedeutenden Felsenmassen
auftritt und vonKomorauer Schichten begleitet wird. Eine mächtige Felsenpartie
bildet derselbe am nördlichen Saume des Prager Thaies unter dem Rande des
Prosiker Plänerplateaus; die Villen „u ztracene varty“ (bei der verlorenen
Schildwache) und Krälovka stehen auf den steil aufgerichteten Quarzitschichten
derselben, welche mit einer grossen und glatten, von der Ferne sichtbaren Wand
zum Moldauflusse bei Klein-Holesovfc abfallen. Weiche Grauwackenschiefer um-
säumen dieses Quarzitlager von beiden Seiten.
In der südwestlichen Fortsetzung dieses Zuges der Brda-Schichten treten
nur kleinere, durch Schottersteinbrüche aufgeschlossene Quarzitfelsen auf; so
am östlichen Ende des Bubenecer Baumgartens, bei dem Artillerielaboratorium
Orechovka, bei Dehnic (Dejvic) und an den südlichen Kämmen der sogenannten
wilden Särka (einer Felsenschlucht im Kieselschiefer). Von hier aus majcht das
Terrain der Brda-Schichten eine nördliche Ablenkung gegen Jenec und Cerveny
Ujezd, doch lässt sich die genauere Abgrenzung desselben gegen das azoische
Kieselschieferterrain wegen der Bedeckung mit Quadersandstein und Quader-
[19]
Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 241
mergel nicht bestimmen. Lager von Quarziten treten noch bei Hostivic, Jenec,
Häjek, Cerveny LJjezd und Svärov auf.
Das ganze Terrain der Hostomnicer und Brda-Schichten zwischen der Särka
und dem Thale des Lodenicer Baches (Kacäk) ist im Gegensätze zu dem anderen
von Längenthälchen durchfurchten Hügeilande ein einförmiges Plateau. Erst im
Thal des Lodenicer Baches tritt der Charakter des Terrains der Brda-Schichten
wieder in seiner eigentlichen Gestaltung auf.
Dieses Thal, dessen interessantesten Theile bei St. Ivan wir später kennen
lernen werden, durchbricht das Schichtensystem von Nord nach Süd und enthüllt
den Bau desselben auf eine sehr belehrende Weise. Zwischen Podkozi und
Chrustenic treten nun hier die Quarzitlager, die im vorerwähnten Plateau unter
der Ackerkrume und dem Quadersandstein verschwanden, wieder in mächtigen
Massen auf, und bilden bedeutende Waldberge, welche in zwei parallelen Beihen
zum Beraunflusse, zwischen Althütten und Beraun, streichen. Die kleine Stein-
kohlenmulde von Klein-Pfilep ist zwischen diese Bergrücken eingekeilt. Der
Berauner Plesivec(wohl zu unterscheiden vom Karlsteiner und Hostomnicer Berge
gleichen Namens) erreicht hier die Höhe von 1384*62 Fuss. So wie der Lode-
nicer Bach, so durchbricht auch derBeraunfluss zwischen Althütten und Beraun
diese Quarzitnicken der Brda-Schichten von Nord nach Süd mit einer kleinen
Ablenkung gegen Osten und bildet hier ein von mächtigen Felsenwänden und
steilen Waldlehnen umsäumtes Thal.
Am rechten Flussufer setzen die Brda-Schichten ebenfalls in zwei parallelen
Zügen gegen Südwest fort; die nördliche Partie enthält den klippigen WTald-
kamm Brdatka, dann den Berg Lfsek (1602 Fuss), an dessen Gipfel und nord-
westlichen Gehängen die Steinkohlenmulde von Kdycina ruht; die südliche
Partie enthält denOstryvrch bei Beraun, den Bücken Pruhony und den Dedberg
(1543*98 Fuss) mit dem Hofe Drabov, nach welchem Barrande diesen Berg
benennt. Der kleine Zahoraner Bach durchbricht zwischen der Mühle Dybri und
zwischen Kralüv dvur (Königshof) diese Partien, welche jenseits des Baches
über Trubsko gegen Svatä, Hredl und Zebräk fortsetzen.
Die genannten Höhenzüge sind, wie schon bemerkt wurde, die zu Tage aus-
gehenden Schichtenköpfe der silurischen Quarzitlager und bilden mit ihrer weite-
ren Fortsetzung gegen Hocovie und Hostomnic einen elliptischen Bergkranz, in
dessen Mitte die weicheren Grauwackenschiefer und die obersilurischen Kalk-
bänke muldenförmig aufgelagert sind.
Die Grauwackenschiefer der Hostomnicer Schichten sind ihrer Weich-
heit und leichten Verwitterbarkeit wegen zum grossen Theile abgeschwemmt
und in ihnen ist namentlich die gleich Anfangs besprochene Thallinie eingefurcht,
die von Zdic über Beraun und Lodenic bis Zlfchov und Michle, und von da über
Branfk, Königsaal, Bevnic, Vosov und Libomysl ringsum das centrale Kalkstein-
plateau umsäumt.
Nur kleinere Hügel erheben sich aus dieser Thalfurche und erst unmittelbar
am Bande des Kalksteinplateaus entwickeln sich die Bergformen zu höheren und
längeren Bücken, indem hier abermals Lager von Quarzitsandsteinen auftreten,
welche gewöhnlich unmittelbar von den Grünsteinen der obersilurischen Abthei-
lung bedeckt sind. Zu diesen Quarzitsandsteinrücken gehören die Housing
(1439*58 Fuss), ein scharfer mit Wald bedeckter Kamm zwischen Libomysl und
Vseradic, der Berg Voskov (1151*82 Fuss) bei Klucic gegenüber von Karl-
stein, so wie als seine Fortsetzung die Waldrücken zwischen Karlik, Cernosic und
Badotfn, der Plateaurand Lahovka bei Lochkov und der Bohdalec (858*78 Fuss)
bei Michle; dann der Berg Kolo zwischen Mezoun und Lodenic, der Berg Herynek
31 *
242
Johann Krcjci.
[20]
zwischen Vraz und Beraun, der Kosov und der nordwestliche Theil der Kouko
lovä hora hei Karlshütten und Popovic, so wie der Berg Vysebohy bei Libomysl.
Wie bekannt, theilt Barrande die Etage D in fünf Zonen ab, die so-
wohl ihrem Gesteine als ihren Petrefacten nach von einander unterschieden
werden.
Die tiefste, mit d 1 bezeichnete Zone, welche durch die merkwürdigen bei
Uval und Rokycan vorkommenden Petrefacten charakterisirt wird, konnte ich in
meinem Aufnahmsgehiete nicht constatiren. Indessen ist nach den von Herrn
Bergrath Lipoid erhobenen Lagerungsverhältnissen nicht zu zweifeln, dass die
Sandsteine und Conglomerate mit Lingula Feistmanteli Bar., d.i. die Krusnahora-
Schichten, und die darauf folgenden K o m o r au e r S c h i ch te n dem Rokycaner
Vorkommen äquivalent sind, und Barrande’ s Zone dl der Etage D ange-
hören.
Unmittelbar auf den Kieselschiefern des azoischen Plateaus liegen schwarz-
graue und grünlichgraue Thonschiefer von homogener dichter Masse, welche
leicht verwittern und daher mit einer mächtigen Schichte einer lehmigen Erde
bedeckt sind.
An den steilen Felsenhängen des rechten Moldauufers zwischen Klein-
Holesovic und Troja stehen diese Schiefer an, dessgleichen bei der Kaisermühle
in Bubenec. Der Schiefer spaltet sich in Tafeln von y4 — i/2 Zoll Dicke und ist
von Querklüften vielfach durchsetzt, die stellenweise eine stänglige Zertheilung
des Gesteines zur Folge haben.
An den Berglehnen zwischen dem Hofe Jeneralka im Särkathale und zwi-
schen Dehnic kommen in den Schiefern kugelige Concretionen, welche an .ganz
ähnliche an Versteinerungen reiche Knollen in den Schiefern zwischen Rokycan
und Volduch und zwischen Uval und dem Fiederholzwald erinnern; doch habe
ich hier bei Dehnic weder in den Knollen noch in den Schiefern irgend welche
Petrefacten gefunden, dieselben scheinen vielmehr der ganzen Schieferzone,
welche unmittelbar unter den Brda-Schichten liegt, zu fehlen.
Bei Troja, dann an den Kämmen der südlichen Gehänge des Särkathales
bei der Andelka und Jeneralka kommen Lager von Schalstein vor, welche
wahrscheinlich weiter gegen Südwest fortsetzen, aber von Quadersandstein
und Plänermergel bedeckt sind; denn in derselben Linie treten dann ähnliche
Gebilde bei Svarov und Libecov auf. Sie sind vollkommen analog den Ge-
steinen der Komo rauer Schichten. Der Schalstein besteht aus einer
grünlichgrauen, feinkörnigen mandelsteinartigen Masse mit zahlreichen runden
Kalkspathkörnern, hie und da auch mit Kalkspathadern. In Folge der Verwitte-
rung verschwinden an den zu Tage ausgehenden Felsen die Kalkspathkörner und
das Gestein erscheint blasig oder porös.
Ein steter Begleiter der Schalsteine ist ein linsenförmiger Thon-
eisenstein, der immer mit einem ebenfalls linsenförmigen dunkelgrünen
chamoisitähnlichen Gesteine durch Uebergänge verbunden ist und jedenfalls durch
Oxydation desselben entsteht.
Im Sarkathale bei dem Hofe Jeneralka ist zur Gewinnung dieses Eisen-
erzes vor einiger Zeit ein Versuchsbau begonnen aber bald wieder aufgegeben
worden. Die Eisenerzlager sind in dem Schalsteine eingeschlossen, unter diesem
erscheint dann ein anderes, ebenfalls merkwürdiges Gestein, nämlich ein wahrer
Schalsteinporphyr. In einer grünlichgrauen, feinkörnigen erdigen Masse
sind schöne scharfkantige, gelblichweisse Orthoklaskrystalle von y4 bis 1 Zoll
Grösse ausgeschieden, während die Kalkspathkörner ganz fehlen. Das Gestein
ist stark verwittert und dieFeldspathkrystalle zum grössten Theile in Kaolin umge-
[21] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 243
wandelt, doch mit Beibehaltung der Krystallform. Eben so wie die anderen Ge-
steine ist auch dieses schichtenförmig abgelagert und es lässt sich quer durch
das Särkathal zu beiden Seiten der Gehänge eine Strecke weit verfolgen.
Aehnliche Schalsteingebilde mit Eisenerzlagern kommen im Liegenden der
Schiefer bei Uval vor, deren kugelige Concretionen ausgezeichnete Petrefacten
der dx Zone enthalten; desswegen betrachte ich auch für dieses Terrain die
eisensteinführende Zone des Särkathales, welche, wie bemerkt, den Komorauer
Schichten entspricht, als die Basis der Barr a n de’ sehen Etage D.
Dieses wird noch evidenter durch die Lagerung der Komorauer Schichten
beiMm'sek, welche nebst den Krusnahora-Schichten zwischen den Brda-Schichten
des Brda-Rückens und den Jinecer- Schiefer (C) eingeschaltet sind. Diese Zone,
welche Herr Bergrath Lipoid untersucht hat, erstreckt sich als ein schmaler
Streifen am Kamme und den nordwestlichen Gehängen des Brda-Rückens von
Jinec an gegen Nordost, übersetzt zwischen Drahlovic und Kytfn den Bergkamm
und tritt dann am südöstlichen Fusse desselben zwischen Lhota, Skalka und
Cernolic zu Tage.
Da die Zone der Komorauer Schichten und der sie fast stets begleitenden
tiefer liegenden Krusnahora-Schichten fast überall eisensteinführend ist, so ist
sie an vielen Orten durch Bergbau aufgeschlossen und überall ist ihre Einlage-
rung zwischen die Jinecer Schiefer (C) und die Brda-Schichte (D-Quarzite) er-
sichtlich. Ich sah am Berge Roudny bei Vizina alte verfallene Schachte und
Stollen, die genau in der Streichungslinie der Zone liegen und verfolgte die-
selben in meinem Aufnahmsgebiete trotz des mächtigen Gebirgsschuttes und
üppigen Waldwuchses nach den Ausbissen der schalsteinartigen Schiefer quer
über den Brda-Rücken (Jistebny-Berg, Bozi Vräzka) bis zum Fuss der mit der
weithin sichtbarer St. Magdalenakirche gezierten Skalka, wo ein mächtiges
Eisensteinlager durch Tagebau aufgeschlossen ist. Bei Cernolic keilt sich diese
Zone aus und tritt nach den bisherigen Erfahrungen erst wieder bei Uval auf.
Da Herr Bergrath Lipoid das Vorkommen des Eisensteines im böhmischen
Silursysteme im Zusammenhänge beschreibt, so beschränke ich mich hier blos
auf diese Bemerkungen, welche die Verbreitung der Komorauer Schichten in
meinem Aufnahmsgebiete andeuten. Auf der geologischen Karte stellt sich diese
Zone als ein etwas unterbrochener, elliptischer Ring dar, welcher die Basis der
Barr a nd e’ sehen Etage D bezeichnet. —
Auf den Komorauer Schichten liegt fast ununterbrochen die Quarzitzone
der „Brda- S chichten“, welche Barrande als „Bande des quartzit es des
Mts. Draboiv“ mit d2 bezeichnet.
Der hier vorherrschende Quarzit ist eigentlich ein fester, schwer verwitter-
barer Sandstein, aus kleinen Quarzkörnchen und sehr wenig thoniger Masse mit
eingestreuten weissen Glimmerblättchen bestehend. Stellenweise ist das Gestein
von einem kieseligen Cement durchdrungen und äusserst fest und zähe; stellen-
weise ist es fast krystallinisch und dem eigentlichen Quarzit der krystallinischen
Gebirge ähnlich, auch kommen in Höhlungen und Klüften häufig Quarzdrusen vor.
Die Farbe ist gewöhnlich gelblichweiss oder grau, doch sind manche Partien
von Eisenoxyd roth gefärbt, namentlich kommen auch concentrische Zeichnungen
und rothe Eisenerzknollen im lichteren Gesteine vor.
Dieses Gestein bildet regelmässig geschichtete Bänke von 1 — 3 Fuss
Mächtigkeit, welche mit Lagen eines feinkörnigen glimmerreichen Grauwacken-
schiefers abwechseln, die gegen das Hangende zu immer mächtiger werden, bis
sie endlich ganz vorherrschen. Auch in den Grauwackenschiefern treten sehr
häufig Lager von Quarziten auf; dieselben sind y2 — 1 Fuss mächtig und
244
Johann Krejöi.
[22j
immer an beigemengtem Thon und Glimmer reicher als die tieferen Quarzite.
Die Schichten sind durch Querkliifte durchsetzt und bedingen eine würfelförmige
oder rhombische Absonderung, welche die Gewinnung des Steines zur Strassen-
schotterung oder Stadtpflasterung sehr erleichtert. Prag, Beraun und andere
Städte im Bereiche des sibirischen Terrains sind mit solchen Quarzitquadern
gepflastert und der grösste Theil der Aerarialstrassen mit zerkleinerten Bruch-
stücken geschottert. Pflastersteine werden besonders in den Steinbrüchen bei
Vsenor, dann bei Vakovic gebrochen; Steinbrüche für Strassenschotter sind an
sehr vielen Orten in der ganzen Zone eröffnet.
Petrefacten sind in dieser Zone, so weit sie in mein Aufnahmsgebiet gehört,
sehr selten. Mit Ausnahme von röhrenförmigen Höhlungen und stängeligen Ge-
bilden, welche senkrecht die Schichten durchbohren (vielleicht von Anneliden
herrührend) und wulstförmigen Erhabenheiten auf den Schichtenflächen, welche
vielleicht als Fucoiden zu deuten und häufig am nordwestlichen Abfall des Brda-
rückens zwischen Königsaal, Vsenor und Revnic anzutreflen sind (auch im
Quarzite unterhalb Kobytis fand ich dieselben), ist es mir nicht gelungen auch
nur eine Spur von thierischen Resten in den Quarziten der Umgebung Prags
aufzufinden. Die zahlreichen Petrefacten der Quarzitzone welche Bar rande
in seinem grossen Werke aufführt, stammen alle aus der Umgebung von Beraun
(ausserhalb meines Aufnahmsgebietes), nämlich von dem Hofe Veselä am linken
Beraunufer, vom Dedberge (Drabov), vom Dorfe Trubsko und Cernin her.
Nebstdem ist mir nur noch der Quarzit bei Zebräk als Fundort von Petre-
facten (Ort his reclux) in dieser Zone bekannt. Veselä, Drabov und Trubsko sind die
Hauptfundorte; sie liegen im nördlichen Flügel der sibirischen Mulde nahe bei-
sammen auf dem Quarzitrücken, der von Beraun südwestlich gegen Zebräk streicht
und in seiner nordöstlichen Fortsetzung die Felsenhügel bei Prag bildet, so dass
bei vollkommener Uebereinstimmung der Gesteine kein Zweifel entstehen kann,
dass die Quarzite bei Prag derselben Zone angeboren, obwohl in denselben keine
Petrefacten Vorkommen. Merkwürdig ist es, dass in dem südlichen Flügel der
silurischen Mulde, nämlich in den Quarziten des Brda-Waldes die Drabover
Petrefacten gänzlich zu fehlen scheinen. Wir behalten für diese Zone ungeachtet
dessen den Namen „B rda -Schichten“ bei, weil in dem Brda-Gebirge die
normale Lagerung derselben am deutlichsten ersichtlich ist. Die auf die Brda-
Schichten folgenden „Hostomnicer Schichten“ umfassen die oberen drei Zonen,
nämlich die Zone ds, dk und d 5 der Barran de’ sehen Etage D. Für die dritte
Zone ( d 3 der Etage/)) haben Herrn Bar rande die Schiefer von Ptäk,
Vinice, Trub in, Cernin und Hredl, sämmtlich bei Beraun, dann die
Schiefer zwischen Chrustenie und Lodenic die von ihm beschriebenen
charakteristischen Petrefacten geliefert. Das Gestein dieser Zone (schistes
noires feuilletes), die wir als Vinicer-S chichten bezeichnen wollen, ist ein
fast schwarzer dünnblätteriger Schiefer mit feinen weissen Glimmerblättchen,
der sehr leicht verwittert und daher gewöhnlich mit lockerem Erdreich bedeckt
ist. Diese Schiefer bilden einen schmalen Streifen längs des Fusses des Quar-
zitrückens von Hredl über Trubfn und die ehemaligen Berauner Weinberge
(Vinice) bis zum Hofe Ptäk am Beraunflusse, man sieht sie dann jenseits des
Flusses ebenfalls längs des höheren Quarzitrückens zwischen Veselä und
Chrustenie, wo sie endlich unter dem waldbedeckten Boden der Thallehnen ver-
schwinden.
Ganz ähnliche dünnblätterige dunkle Schiefer erscheinen dann wieder in
der Fortsetzung derselben Linie am nördlichen Fusse des weissen Berges unter
dem Quadersandstein zwischen Ruzyne, Liboc und Vokovic, und endlich bei
[23] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 245
dem Hofe Bulovka unweit Liben, wo sie an den steilen Uferfelsen erscheinen.
In der südlichen Hälfte des Beckens traf ich ähnliche Schiefer am Fusse des
Brda-Rückens von Mokropes über Vsenor bis Holoun an, von wo an der weitver-
breitete Gebirgsschutt alles anstehende Gestein bedeckt.
Den grössten Theil der breiten Thalfurchen rings um das centrale Kalk-
steinplateau nimmt der Grauwackenschiefer ( schistes tres micacees) der
Zahofaner Schichten ein, den Barrande mit d 4 bezeichnet. Derselbe
ist ein dunkler, schwarzgrauer oder schwarzbrauner thoniger Schiefer, im
Querbruche erdig oder feinkörnig, gewöhnlich mit vorherrschender thoniger
Grundmasse, in der zahlreiche Glimmerblättchen in parallelen Lagen vertheilt
sind. Er ist in regelmässigen Schichten abgelagert, welche sehr häufig mit
dünnen Quarzitlagern abwechseln. Einzelne Partien enthalten fein eingespreng-
ten Eisenkies und sind dann eine Art von Alaunschiefer; häufig bemerkt man
auch an den anstehenden Felsen auswitternde Salze: Bittersalz, Kalksalpeter,
so wie Anflüge von krystallisirtem Gyps. Das in der Bruska aus den Grau-
wackenschiefer ausblühende Bittersalz wurde ehemals unter dem Namen Brüsker
Windsalz zum medieinisehen Gebrauche gesammelt.
Der Grauwackenschiefer der Zahofaner Schichten ist ungemein reich an
Petrefacten und man findet Spuren derselben (namentlich Dalmanites socialis
und Trinuncleus ornatus) fast überall im ganzen Verbreitungsbezirke derselben.
Die Aufzählung der Fundorte gibt uns zugleich Anhaltspunkte für die Ausdehnung
dieser Zone; die hervorgehobenen Namen sind in Barrande’s grossem Werke
angeführt. Im östlichen Theile meines Aufnahmsgebietes sind diese Fundorte:
Die Felsen des Libner Schlossberges und der Libusin vrch in Liben, die Villa
Balabenka, die Einschichte Brouckovä am Durchschnittspunkte der Eisenbahn
mit der Strasse (weiter östlich ausserhalb meines Aufnahmsgebietes die Lehnen
in den Felseneinschnitten der Eisenbahn in der Richtung gegen Vysocan, dann
die Gehänge bei Vysocan, die Schiefer bei SterbohoJ, Prace und
Zäbehlic); am rechten Moldauufer nebsldem die Gehänge des Zizkaberges, die
Lehnen in und bei Vrsovic und dem Hofe Strom ky, das Gehänge des
Rohda lecberges zwischen Michle und Zäbehlic, die Lehnen bei Roztyly,
dann zwischen Nu ste und Vysehrad, in Prag selbst der Windberg, Emaus
und andere Localitäten der oberen Neustadt; dann südlich von Prag der Plateau-
rand oberhalb Branik, die Felsen bei Hodkovicky und zwischen Komofan und
Zävist gegenüber von Königsaal. Am linken Moldauufer sind Petrefacten häufig
an den Felsengehängen des Belvederes, namentlich zwischen Bubny und
der letzten Wehre; andere Fundorte sind in der Bruska und im Hirschgraben
in Prag, der Hof Kesnerka bei Radlic, in Radlic selbst, dann am rechten Ufer des
Beraunflusses an dem Wege von Revnic nach Svinas, bei Lee, Hazovic,
Neumetely, Radous, Otmiky, Praskoles, Levfn, Zahofan (nach
welchem Orte die Schichten benannt sind), am Berauner Stadtberge und in
dem Einschnitte zwischen Beraun, Vraz und Lode nie. Die meisten Versteine-
rungen sowohl der Individuen- als Artenzahl nach findet man in den letzt-
genannten Localitäten der Umgebung von Beraun, Ja eine 3 Fuss mächtige
Schichte von Grauwackenschiefer bei Vraz besteht beinahe ausschliesslich aus
plattgedrückten Cystideen.
Nebst den Grauwackenschiefern und Quarziten kommen in dieser Zone
noch Grünsteine vor. Dieselben bilden zwischen den Thälern von Lochovic
und Praskoles die höchsten bewaldeten Erhebungen des Schieferplateaus,
namentlich treten sie in mächtigen Lagern im Grauwackenschiefer des Berges
Koncipüdy bei Lochovic auf, und sind daselbst durch Steinbrüche aufgeschlossen;
246
.Johann Krejöf.
[24]
ein anderes Lager wird am Östlichen Kusse des genannten Berges in Lochovic
selbst vom Litavaflusse durchbrochen; ein anderes endlich bildet die waldige
Höhe westlich vom genannten Berge bei Otmiky.
Der Grünstein hat eine kleinkörnige bräunlichgrüne oder braune Grund-
masse, ohne unterscheidbare Gemengtheile, nur stellenweise sind kleine Körner
von Feldspath, Kalkspath und Glimmerblättchen eingestreut.
Das Gestein hat eine massige Structur, bildet aber ein wahres Lager in den
Grauwackenschiefern.
Ein kleines Grünsteinlager kömmt auch in den Grauwackenschiefern bei
Branik vor.
Ein anderer Grünstein in Begleitung von Graptolithenschiefern, vollkommen
ähnlich dem an der Basis der obersilurischen Kalketagen vorkommenden, tritt
mitten im Grauwackenschiefer bei Motol auf und bildet eine der Colonien Bar-
rand e's, von denen weiter unten gesprochen wird.
Die fünfte und höchste Zone der jD-Etage Barra nde’s bilden die „K ön igs-
hofer Schichten“ (scliistes gris jaundtres ) , welche B a r r a n d e mit d 5
bezeichnet *).
Sie bestehen im Liegenden aus gelblichen, auch gelblichgrünen, thonigen,
leicht verwitterbaren Schiefern mit wenigen Glimmerblättchen, im Hangenden
aus mächtigen Lagern von Quarzit oder eigentlich Sandstein, der von den Land-
leuten nach dem Berge Kosov gewöhnlich Kosoväk genannt und als Baustein
verwendet wird* 2 *). Dieser Sandstein besteht aus kleinen Quarzkörnern mit einem
thonigen Cement und weissen Glimmerblättchen. Von dem Quarzite der Brda
(ö?2) und den Quarzitsandsteinen der Zahoraner (//*) Schichten unterscheidet
sich dieser Sandstein durch eine viel geringere Festigkeit, welche eine Folge
des grösseren Thongehaltes ist.
Auch in dieser Zone sind die Petrefacten in der nördlichen Muldenhälfte
am häufigsten und zwar namentlich am Fusse des Kosover Berges und der Kon-
kolova hora bei Karlshütten (Karlova hut) und Popovic, dann am Fusse des
Berges Lejskov bei Libomysl; sonst kommen in dieser Zone Petrefacten noch
bei Vseradic, Ober-Cernosic, an der Lehne zwischen Radotin und Gross-Kuhel
und bei Nusle vor.
Grünsteine treten in der Zone der Königshofer Schichten (rf5) eben so lager-
förmig auf, wie in den Zahoraner (rf4) Grauwackenschiefern. Ein solches Grün-
steinlager, vollkommen übereinstimmend mit den obersilurischen Grünsteinen,
bildet den westlichen Fuss des Kosovberges bei Königshof und der Koukolovä
hora bei Popovic, so wie den östlichen Theil des Lutzberges bei Levfn. Der
Litavafluss durchbricht dieses Lager zwischen Levfn und Popovic, wo es gerade
zwischen den beiden Zonen der Zahoraner (</4) und Königshofer Schichten (</5)
eingeschaltet erscheint. Hierher ist auch zu rechnen das eigenthüml iche Grün-
stein-Conglomerat, welches die steilen Lehnen südwestlich von Zdic längs der
Aerarialstrasse bildet und aus eckigen Bruchstücken eines festen körnigen Grün-
steines besteht, die mit Grünsteintuff verkittet sind. Ein ähnliches Conglomerat
bildet ein kleineres Lager bei Baboryne, nur sind die Stücke mehr verwittert
und kalkhaltig und den Grünsteinen von Lochovic ähnlich. Kleine Grünsteinlager
sieht man auch an der Bahka südlich bei Liten im Kosover Sandsteine anstehen.
Die Vinicer, Zahoraner und Königshofer Schichten , welche in der geologischen Karte
vorläufig nicht ausgeschieden wurden, erhielten für dieselbe, wie eben bemerkt, den
Collectivnamen „Hostomnicer Schichten“.
2) Die Sandsteine wurden später als „Kosover Schichten“ in der geologischen Karte
besonders bezeichnet. M. V. L.
[23]
Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun.
247
Da, wo diese Grünsteine unmittelbar von Quarzitsandsteinen bedeckt werden,
entwickelt sich ein merkwürdiges Zwischenglied zwischen diesen beiden Gestei-
nen. Die Grundmasse der Grünsteine wird nämlich sandiger oder tritt nur in ein-
zelnen Concretionen im Sandsteine auf, bis sich aus dem Grünstein der deutlich
geschichtete Quarzitsandstein entwickelt hat. Diese Uebergänge sind namentlich
bei Baboryne, am Kosov bei Karlshütten und an der Babka bei Litten zu sehen.
Ganz eigenthümlich den Königshofer Schichten ist ein massiges, glimmer-
reiches Gestein, welches an zwei Orten vorkömmt, nämlich am rechten Ufer des
Chumava-Baches zwischen Libomysl und Hlazovic, dann am Bohdalec und dem den-
selben fortsetzenden Hügelzug zwischen Michle und Strasnic bei Prag.
Am erstgenannten Orte bildet das Gestein eine Reihe von kahlen Hügeln,
gerade am Fusse des Housina-Rückens , welche durch ihre kuppige Gestalt von
den nachbarlichen Quarzitrücken auffallend sich unterscheiden. Am Bohdalec bei
Michle bildet dieses Gestein anfangs blos ein kleines Lager im Quarzitsandsteine,
entwickelt sich aber in seinem nordöstlichen Verlaufe gegen Strasnic viel mäch-
tiger und bildet ebenfalls eine Reihe von kleinen kuppigen Hügeln, welche schon
ausserhalb meines Aufnahmsgebietes liegen. Die Grundmasse des Gesteines ist
sehr wenig entwickelt und besteht aus feinkörnigem Feldspath; graue und tom-
bakbraune Glimmerblätter ohne alle Parallelstructur bilden die Hauptmasse des
Gesteins. Darnach entspricht es also vollkommen gewissen Schieferporphyren
der Vogesen, welche Voltz mit dem Namen Minette belegt hat. Das unverwit-
terte Gestein, namentlich am Fusse des Housinaberges, wo das feldspathartige
Cement mehr entwickelt ist, hat ungemeine Festigkeit und Zähigkeit, am
Bohdalec ist es aber grösstentheils verwittert und daher viel weicher. Es wird
an beiden Orten als Baustein gebrochen.
Die merkwürdigsten Einlagerungen in den Königshofer Schichten sind
Grünsteine in Begleitung von Graptolithenschiefern, welche in der gegen das
Moldauthal abfallenden Lehne zwischen Radotfn und Gross-Kuhel Vorkommen
und jene zwei „Colonien“ bilden, welche Barrande mit dem Namen
„Co loni e H ai dinger“ und „Colo nie Kr ejcf“ bezeichnet hat.
Ich werde weiter unten ausführlicher über dieses Vorkommen berichten. —
Dies sind in Kürze die in der B a rra nde ’schen Etage D auftretenden Gesteine,
deren nähere Bestimmung und Beschreibung mich später beschäftigen wird.
Ich wende mich nun zur Lagerung dieser Gesteine, welche trotz der im
Allgemeinen herrschenden Einförmigkeit doch einige interessante Eigenthümlich-
keiten darbietet.
Indem wir dabei im östlichen Theile des Aufnahmsgebietes in der unmittel-
baren Nähe Prags beginnen und gegen Beraun fortschreiten , wird uns die
Besprechung der beigefügten Profile zugleich Gelegenheit geben, das früher nur
in den allgemeinsten Umrissen skizzirte Terrain der verschiedenen Quarzitgesteine
und Grauwackenschiefer näher kennen zu lernen.
Prag liegt zu beiden Seiten des Moldauflusses, da wo er nach einem nord-
wärts gerichteten Lauf plötzlich einen Ausbug gegen Osten macht und dann
wieder gegen Norden sich wendet. Die Thallehnen bestehen durchgehends aus
Grauwackenschiefern und Quarziten (Zahoraner und Brda-Schiehten) , deren
Schichten bis zum Belvedere vom Flusse quer durchbrochen werden; von da bis
Liben folgt aber der Fluss der Streichungsrichtung der Schichten. Besteigt man
vom Neuthore Prag’s ausgehend, den Kreuzberg bei Volsan östlich von Prag, so
steht man auf einem der von Nordost nach Südwest (Stunde 4 — 5) streichenden
Quarzitrücken, welche parallel zu einander die unbedeutenden wellenförmigen
Erhebungen (im Durchschnitte 850 Fuss hoch) eines Plateau’s bilden. Der
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft. 32
248
Johann Krejcf. [26]
nächste nördlich gelegene Rücken, der Zizkaberg, fällt steil gegen das Moldau-
thal ab, jenseits der Moldau bei Kobylis erhebt sich eine eben so steile Quarzit-
felsenwand , und südlich von unserem Standpunkte der kable Quarzitrücken des
Bohdalec und die waldigen Erhebungen der Kunraticer Höhen. Die flachen
Furchen zwischen diesen beinahe gleich hohen Höhenzügen der Brda-Schichten
sind durchwegs mit weicheren Grauwackenschiefern der Zahoraner Schichten
ausgefüllt.
Obwohl das obersilurische Schichtensystem nicht bis hierher reicht, da es
seinen östlichsten Punkt bei dem Dorfe Michle erreicht, so stellt der nach-
folgende Durchschnitt Fig. 2 durch das beschriebene Terrain doch den concen-
Fig. 2.
NW.
Moldauthal bei Liben.
Zizkaberg.
Bohdalec.
SW.
1" = 2000°. Höhe 4=1. Al Alluvium. Q Quadersandstein. P Glimmerporphyr. B Pribramer Schiefer.
cP Brda-Schichten. d 4 Zahoraner Schichten. db Königshofer Schichten.
trisch-schalenförmigen Bau, wie ihn Barrande in seinem idealen Querprofile
des böhmischen Silursystems entworfen hat, vollkommen dar. Das voranstehende
Profil stellt die Schichtenlage zwischen Kobylis und den Kunraticer Höhen dar.
Man ersieht daraus, dass die Brda-Schichten am Kreuzberge bei Volsan sattel-
förmig aufgerichtet sind und die ganze Partie in zwei Mulden theilen; die eine
enthält das Moldauthal zwischen Prag und Liben, die andere das flache Hügel-
land zwischen Volsan und Litochleb.
In der ersteren Mulde, von steilen Abstürzen der Brda-Schichten umsäumt
und vom Moldauflusse bogenförmig durchströmt, finden sich nebst den Brda-
Schichten auch Zahoraner Schichten, sonst aber nur Sand und Gerolle im Thal-
grunde vor.
Die Brda-Schichten bei der Bulovka, gegenüber von Holesovic, welche eine
mächtige im ganzen Thale sichtbare Felsenwand bilden, streichen gegen Ost-
nordost (Stunde 5), und fallen unter 50 Grad gegen Südost. Dasselbe Streichen
und Fallen haben auch die Zahoraner Schichten längs der Moldau, welche auf
den Quarziten der Brda-Schichten lagern. Auch am Zizkaberge, gerade gegen-
über den Quarzitwänden der Brda-Schichten bei der Bulovka , fallen die
Zahoraner Schiefer südöstlich ein (30 — 40 Grad).
Am Kamme des Kreuzberges bei Volsan, wo die Brda-Schichten aus der
Tiefe wieder emporsteigen, sieht man deutlich, wie sie daselbst eine Wellenfalte
bilden, welche durch die Schottersteinbrüche vollkommen aufgeschlossen ist. Der
eine Flügel dieser Falle fällt nordwestlich unter 40 Grad, der andere südlich
unter 60 Grad ein und man kann dieselbe gegen Nordost über den Galgenberg
und Hrdlorez weiter verfolgen, indem sie überall einen hervorragenden Kamm
bildet. Die Mulde zwischen dem Kreuzberge und den Kunraticer Höhen enthält
eine mächtige Zone von Grauwackenschiefern der Zahoraner Schich-
ten in mannigfachen Windungen und Biegungen. Die auffallendsten Disiocationen
derselben sieht man im Dorfe Vrsovic, wo an den Lehnen rechts vom Boticbach
wellenförmige Faltungen und kleine Verwerfungen in mannigfachem Wechsel
[27] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und ßeraun. 249
auftreten. Eine grössere Faltung der Zahoraner Schiefer, aber durch Abwaschung
grösstentheils zerstört, zieht sich von da in südwestlicher Richtung gegen den
Vysehrad (Fig. 3). Der Moldaufluss durchbricht in schiefer Richtung die Felsen-
Fi«. 3.
1" = 400°. Zahoraner Schichten. Gr Littener Schichten. E Kuhelbader Schichten. F Koneprnser Schichten.
G Braniker Schichten.
schichten der Faltung; dieselben fallen am Flusse und am nördlichen Gehänge
nordwestlich ein unter 60 Grad, an den südlichen Gehängen aber gegen Südost,
näher gegen die Faltenaxe mit kleinerer (20 Grad), weiter von derselben mit
grösserer Neigung (60 Grad). Auch jenseits des Flusses zwischen Smichov und
Radlic setzt sich die Faltung weiter gegen Südwest fort, bis sie von den Quader-
sandsteinen des Vidovle-Berges bedeckt wird.
Die Mitte der Mulde nehmen so zu sagen stellvertretend für die obersiluri-
schen Kalkbänke die Schichten des Bohdalec-Berges bei Michle ein (siehe vorne
Fig. 2). Dieser Berg, ein kahler Rücken, besteht am Kamme aus Quarzitsand-
steinen, die ein Lager von Glimmerporphyr einschliessen und auf Zahoraner
Schiefern liegen. In Analogie mit den Quarzitsandsteinen und Glimmerporphyren
bei Hlazovic am südlichen Ende der obersilurischen Mulde zähle ich dieselben
zu den Königshofer Schichten (d5 Barra nde). Der Quarzitsandstein streicht
gegen Nordost (Stunde 6); im niedrigeren westlichen Theile des Berges fällt er
gegen Nordwest (30 Grad), weiter östlich am Kamme bei mehr nördlichem
Streichen (Stunde 3) gegen Südost (20 Grad). Ein kleines Lager von Glimmer-
porphyr trifft man auch am südlichen Fusse des Bohdalec unmittelbar am Bache
anstehend an; es fällt hier begleitet von Grauwackenschiefer widersinnig gegen
Südwest (30 Grad) ein, so dass, wenn man sich die Glimmerporphyre des
Bohdalec ursprünglich in Verbindung denkt, dieselben nun in zwei Theile
gebrochen erscheinen, wie das Profil (Fig. 2) zeigt.
Eine sattelförmige Faltung der Zahoraner Schiefer zeigt sich auch an den
Lehnen von Michle hinauf gegen die waldigen Höhen bei Kunratic, die theilweise
wieder aus den Brda-Schichten bestehen und auch an der Begrenzung mit den
Pribramer Schiefern eine grosse aufgestaute Faltenwelle der Schichten zeigen.
Die Aufnahmen im östlichen Gebiete bei Prag werden den Verlauf dieser Schich-
tenwellen zeigen.
Wir wenden uns nun zurück zum Moldaufhale , wo das sogenannte Belve-
dere in Prag, eine mit Weinreben bepflanzte Lehne, die unmittelbare Fort-
setzung des Hradsiner Schlossberges bildet und einer Terrasse angehört, die
allmälig zum Moldauflusse zwischen Bubny und Bubenec abfällt. Die steile
Lehne liegt in der Fortsetzung des Libner Zuges der Zahoraner Schichten
(Barrande t?4), und besteht ebenfalls aus diesen Schiefern, welche hier durch
zahlreiche Petrefacten ausgezeichnet sind. Die Lagerung ist chaotisch, die
Schichten fallen nicht blos in einigen scharfen Biegungen bald nach Nord-
west, bald nach Südost, sondern sie sind auch von Süd nach Nord durch
32*
250
Johann Krejii.
[28]
zahlreiche Klüfte durchsetzt, nach welchen die Schichtenreihen verworfen wer-
den. Es scheint als habe die Kraft, welche das grosse Spaltenthal der Moldau
bildete, hier ihre Macht vergebens versucht, so dass der Fluss zu dem Umwege
über Lieben genöthigt wurde. Auch durch Unterwaschungen am Fusse des
Belvederes sind viele Abrutschungen entstanden und mächtige Felsenpartien
erscheinen dem zu Folge in regelloser Verwirrung. Das beigefügte Profil
(Fig. 4) gibt nur eine Andeutung der Unregelmässigkeiten in der Lagerung
dieser Felsenschichten.
Fig. 4.
Belvedere in Prag.
Diluvium. Alluvium.
1" = 4000. Zahoraner Schichten (Barr. rf*).
Der interessanteste Punkt ist in derBruska, schon innerhalb der Stadtmauern
Prags. Es ist Barrande’ s „Colonie Zippe“. Durch den felsigen Rand des
Belvederes ist ein uralter Hohlweg eingesprengt, über den eine leichte hölzerne
Brücke sich spannt, während am Abhange eine schöne Kunststrasse sich zum
Hradsiner Plateau hinaufwindet. An dieser Strasse , namentlich aber im Hohl-
wege der Bruska sieht man anstehenden Grauwackenschiefer mit kleinen Lagern
eines unreinen Quarzites.
So weit man die Lagerung an den anstehenden Felsen übersieht, ist sie
sehr einfach; alle Schichten sind unter einander parallel und streichen gegen
. Nordost (Stunde 5) mit südöstlichem Einfallen (40 Grad). Unmittelbar an der
Strasse gegenüber der Bruska-Brücke ist der merkwürdige Fundort der
Petr efacten der zweiten und dritten Fauna ( Dalmanites socialis ,
Trinucleus Goldfussi , Arethusina Koningckii , Cheimrus insignis , Terebratula
reticularis , Leptaena euglypha), welche hier in einer einzigen Schicht beisam-
men Vorkommen. Diese Petrefacten wurden hier im Jahre 1831 — 1832 bei dem
Baue der Strasse von Herrn Professor Zippe entdeckt; leider ist aber dieser
Punkt seit dieser Zeit mit Rasen und Gestripp bedeckt, so dass nun auch keine
Spur von den genannten Petrefacten hier entdeckt, viel weniger die Lagerungs-
verhältnisse dieser Localität untersucht werden konnten.
Mein hochverehrter Lehrer Herr Professor Zippe, den ich um Aufschluss
über diesen merkwürdigen Fund bat, theilte mir Folgendes mit: „Als die neue
Fahrstrasse statt des alten Hohlweges der Bruska eröffnet wurde, musste ein
gutes Stück anstehender Felsmasse, in der Gegend, wo sich diese Strasse gegen
ihren oberen Ausgang wendet und wo jetzt die Brücke über den Hohlweg geht,
abgebrochen werden, nämlich so viel, als die Breite der Strasse selbst beträgt,
da sich die Schichten der Felsmassen bis an das Gehänge des Hohlweges selbst
erstreckten und mit denen hier anstehenden in ununterbrochenem Zusammenhänge
standen. Unter diesen abgebrochenen Schichten nun fand sich eine Kalkstein-
schichte zwischen denen des Grauwackenschiefers gleichförmig eingelagert mit
zahlreichen kleinen Trilobiten. Ich fand nicht nur die durch das Abbrechen ent-
standenen Bruchstücke des Kalksteines unter dem Haufwerke der Bruchsteine
und sammelte (lavon eine beträchtliche Partie für das Museum, ich sah auch
[29] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 251
das Ausgehende dieser Schicht und habe hiemit die gewisse Ueberzeugung von
ihrer Einlagerung.“
Herr ßarrande bewahrt einen Theil der hier gefundenen Petrefacten in
seiner Sammlung; auch im böhmischen Museum in Prag befinden sich zwei Stücke
Kalkstein von dieser Localität, die nicht blos den für die Zahoraner Schichten
so charakteristischen Trinucleus Goldfussi, sondern auch obersilurische Cepha-
lopoden enthalten; es ist demnach gar kein Zweifel über die Richtigkeit der
Angaben, die Barrand e’s Colonientheorie zu Grunde liegen, möglich.
Die Wichtigkeit dieser Localität erscheint um so grösser, wenn man bedenkt,
dass an keinem anderen Orte, weder in den Colonien bei Gross-Kuhel noch bei
Moto! Repräsentanten der zweiten und dritten Fauna gemischt erscheinen, son-
dern an diesen Orten die Schichten der Colonien nur durch Petrefacten der
dritten Fauna charakterisirt werden.
Da ich weder in der Bruska selbst, noch in den Umgebungen derselben
am Belvedere und im Fischgraben, wegen dem die Felsen bedeckenden Erdreich
einen Anhaltspunkt zu irgend einer anderen Erklärungsweise über die Ent-
stehung dieser Colonie auffand, so steht es mir nicht zu, eine eigene Meinung
darüber aufzustellen, nur darauf will ich aufmerksam machen, dass in einer Ent-
fernung von beiläufig 2000 Klaftern am südlichen Fusse des weissen Berges
genau in der Streichungslinie der Brüsker Grauwackenschiefer
eine zweite, viel mächtigere Colonie auftritt, deren Lagerungsweise vollkommen
aufgeschlossen ist *).
Der grösste Theil des Raumes zwischen beiden Colonien ist von Quader-
sandstein und Plänermergel bedeckt und daher der Beobachtung entrückt; die
bei denselben anstehenden Grauwackenschiefer gehören aber den Zahoraner
Schichten (Barrande c?4) an. Die kürzeste Entfernung der die beiden Colonien
verbindenden Linie vom obersilurischen Terrain beträgt etwa 1400 Klafter, und
auch dieser Zwischenraum enthält durchgehends Schiefer der Zahoraner Schich-
ten, aus denen auf den Höhen des hügeligen Terrains Quarzitlager emporragen,
namentlich längs der Strasse in Kosir am Fusse des weissen Berges. Die Lage-
rung dieser Zahoraner Schichten ist sehr einfach, das Streichen ist nordöstlich
(Stunde 5), das Einfallen südöstlich, nur an den Hügeln zwischen Smichov und
Radlic ist eine sattelförmige Faltung derselben zu bemerken; sie ist eine Fort-
setzung der Schichtenfalte des Vysehrad. Doch ist der Neigungswinkel der
Schichten zu beiden Seiten des Kosirer Thaies nicht gleich, auf der nördlichen
Seite, wo die Quarzitschichten anstehen, beträgt derselbe 50 — 60 Grad, an
der entgegengesetzten Lehne, wo die Zahoraner Grauwackenschiefer herrschen,
nur 30 — 40 Grad. Das Thal folgt dem Streichen der Schichten, doch scheint
es der Schichtenstellung zu Folge keineswegs durch blosse Erosion, sondern
vielmehr durch Zerreissung und Dislocirung der Schichten entstanden zu sein.
Nahe am oberen Ende dieses Thaies bei Motol befindet sich die zweite, oben
erwähnte Colonie, nämlich „die Colonie Motol“. Dieselbe ist schon von
weitem kenntlich durch einen konischen bekreuzten Hügel, der bei dem Dorfe
Motol zwischen den aus Quadersandsteinen und Plänermergel gebildeten Höhen
des weissen Berges und des Vidovle sich erhebt.
Dieser Hügel besteht ans körnigem Grünstein von massiger Structur, der
vollkommen mit dem Grünstein an der Basis der obersilurischen Kalkbänke über-
*) In dem Hohlwege, der von dem pomologischen Garten herab zu dem Dorfe Vrsovic führt,
sieht man in den Zahoraner Grauwackenschiefern ebenfalls kleine linsenförmige Kalkstein-
lager, man findet aber daselbst keine Spur von Petrefacten.
252
Johann KrejM.
[30]
einstimmt und mit Grünsteinlagern zusammenhängt, die in der nordöstlichen
Streichungslinie der Zahoraner Schiefer einerseits bis unter die Quadersand-
steine des weissen Berges zwischen Motol und Kosir anderseits bis zur Strasse
bei dem Lammwirthshause (u bildlio beranka) sich ausdehnen. Diese Lager
bilden kleine hügelige Erhöhungen vor und hinter dem Dorfe Motol, welche
wegen dem anstehenden Grünsteine schon von weitem leicht zu erkennen sind.
Die ganze nördliche Seite des Grünsteinlagers vom Lammwirthshause bis in die
Nähe des Wirthshauses Postovä, in einer Länge von etwa 1000 Klafter, wird
von dünnblättrigen schwarzen Graptolithenschiefern umsäumt, in denen kugel-
runde oder plattgedrückte Kalkconcretionen Vorkommen, gerade wie in den
Graptolithenschiefern an der Basis der obersilurischen Etagen. In diesen Con-
cretionen kommen hauptsächlich die diese Colonie charakterisirenden Petrefacten
vor ( Cyphaspis Burmeisteri , Lichas scabra , Sphaerexochus mirus, Orthoceras
originale , 0. subannulare , Terebratula reticularis , Leptaena cuglypha, Car-
dita fibrosa , C. gibbosa , während Graptolithus boliemicus , colonus , priodon ,
Roemeri in den schwarzen Schiefern häufig), welche sämmtlich der dritten, d. h.
der obersilurischen Fauna Barr anders angehören.
Zu beiden Seiten des Lagers stehen untersilurische Grauwackenschiefer
u. z. Zahoraner Schichten (*/4Barr.) mit Quarziten (der Brda-Schichten) an, so
dass wir hier mitten im untersilurischen Gebiete eine Schichtenpartie vor uns
haben, welche sowohl dem Gesteine als den Petrefacten nach vollkommen mit der
Groptolithenzone der obersilurischen Abtheilung (die wir als Li tte n er Schich-
ten bezeichnen werden) übereinstimmt (siehe Tafel, Durchschnitt 3).
Die Lagerung der Colonie zwischen den Zahoraner Schiefern ist in ihrer
ganzen oben angeführten Ausdehnung sehr gut aufgeschlossen und man über-
zeugt sich in dieser Hinsicht bald, dass dieselbe von der Lagerung der be-
nannten Schiefer ganz abweicht. Während nämlich dieselben bei nordöstlichem
Streichern sämmtlich gegen das obersilurische Terrain, also gegen Südost
einfallen, ist die Neigung der Graptolitbenschiefer bei demselben Streichen
widersinnig gegen Nord west gerichtet. So haben die hei dem Wirthshause
Postovä am südlichen Bande der Colonie anstehenden Quarzitlager Streichen
Stunde 5, Einfallen 40 Grad gegen Südost ; die Graptolitbenschiefer im Hohlwege
hinter dem Grünsteinhügel nordwestlich davon: Streichen Stunde 5, Einfallen
30 Grad gegen Nordwest; die Zahoraner Schiefer nördlich an der Colonie
Streichen Stunde 5, Einfallen 25 Grad gegen Südost. Eben denselben Wechsel
des Einfallens trifft man an, wenn man die Colonie unmittelbar vor Motol am
Wege nach dem weissen Berge durchkreuzt. Eine Acacienalloe führt uns bald
auf den Kamm eines Quarzithügels, der von Norden her gegen die Colonie
(gegen Siidost) einfäilt, während die Zahoraner Schiefer an der anderen Seite
der Colonie bei der Strasse gleichfalls gegen Südost abfallen.
Den vollkommsten Durchschnitt der Colonie sieht man westlich von dem
bekreuzten Grünsteinhügel oberhalb Motol. Südlich von der Strasse erhebt sich
hier ein kleiner Quarzitrücken mit südöstlich einfallenden Schichten, nördlich
von der Strasse zieht sich aber zum weissen Berg herauf ein kleiner Einriss, der
die ganze Colonie quer durchschneidet. Zuerst an der Strasse steht Grünstein
an, dann folgt Graptolitbenschiefer mit Kalkconcretionen, der nordwestlich
einfällt (45 Grad), endlich gelangt man am oberen Ende des Einrisses aber-
mals auf Zahoraner Schichten und Quarzit, die wieder sü döstli ch (20 Grad)
einfallen. Die Graptolithenschiefer lehnen sich hier an diese Schichte in regel-
loser Weise an, als ob sie zermalmt worden wären. Einen kleinen Durchschnitt
sehen wir endlich an der Strasse zwischen dem Lammwirthshause und dem
[31] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und ßeraun. 253
weissen Berg. Die Strasse durchsetzt hier einen kleinen Hügel, der aus Grünstein
besteht, auf welchem Graptolithenschiefer mit Kalkconcretionen liegen und
gegen Nordwest einfallen. Weiter an der Strasse ist kein anstehendes Gestein,
ausser dem Quadersandstein des weissen Berges zu sehen.
Gegen Zlejcfn scheint sich dieColonie auszukeilen, doch ist wegen dem tiefen
Ackerboden kein anstehendes Gestein mehr in dieser Richtung zu sehen.
Der dargelegte Thatbestand und der genau nach den Beobachtungen in der
Natur entworfene Durchschnitt 3 in der beigefügten Tafel scheinen mir die An-
nahme auszuschliessen, dass die Colonie Motol eine Einlagerung der Grapto-
lithenschiefer in den Zahofaner Schichten (d4) sei; vielmehr gewinnt es den
Anschein, dass bei der Colonie Motol die Graptolithenschiefer eine An- und
Auflagerung bilden, welche ein kleines längliches Becken ausfüllend, dis-
cordant die Zahofaner Schichten überdeckt. Spätere Zerreissungen, welche
mit der Entstehung des Kosirer Thaies in Verbindung stehen, dürften wohl
die jetzigen Lagerungsverhältnisse veranlasst haben.
Das isolirte Vorkommen von einzelnen jüngeren Schichtenpartien mitten
zwischen älteren Gebilden ist im böhmischen silurischen Gebiete keineswegs auf
diesen Punkt beschränkt, wir treffen ähnliche Verhältnisse auf der Krusnahora
und den mit derselben zusammenhängenden Bergrücken von Velis und dem
Busohrader Revier, wo die Krusnahora-, Komorauer- und Brda- Schichten
(Barr, d 1 und d 2) ein isolirtes Becken auf den Pribramer Schiefern (Bar. B)
bilden, dann bei Karlstein und Hlubocep, wo der Hluboceper Schiefer (Bar. H)
zwischen den Kalkbänken der Braniker Schichten (Bar. G ) eingeklemmt ist, so
wie zwischen Klucic und Revnic, wo die Littener Graptolithenschiefer (Bar. E )
zwischen den Königshofer Schiefern auftreten.
Auf diese mir schon früher bekannten Vorkommnisse bezog sich meine kurze
Notiz über die Colonien, die ich von Tetfn aus dem Herrn Bergrath Lipoid mit-
theilte und die in den Sitzungsberichten veröffentlicht ist. Ich will hier aufrichtig
gestehen, dass mir damals die Verhältnisse von zwei wichtigen Localitäten un-
bekannt waren, nämlich die von der Colonie Zippe in der Bruska und die von
der Colonie Haidinger bei Gross-Kuhel. Ich verdanke die nähere Aufklärung
über dieselben der unvergleichlichen Freundlichkeit Herrn Barrande’s und
meines theuren Lehrers Herrn Prof. Zippe, und da ich nun erfahren habe,
dass ersterer eine ausführliche Abhandlung über die Colonien veröffentlichen
werde, so kann ich für meine Erklärungsweise derselben durch Dislocationen um
so weniger das Recht einer entscheidenden Beweisführung beanspruchen, da mir
möglicher Weise noch manche wichtige Thatsachen unbekannt geblieben sind.
Was ich früher mittheilte und nun mittheile, sind die unmittelbaren Ein-
drücke, die ich bei der Untersuchung des Terrains erhalten habe.
In dieser Hinsicht sei es erlaubt, auf einen mir wichtig scheinenden Um-
stand schon hier aufmerksam zu machen.
Die Colonie Zippe ist nach dem Zeugnisse von Herrn Prof. Zippe zwischen
die Zahofaner Schichten der Bruska (d 4) eingelagert ; eben so gehören die Grau-
wackenschiefer von Motol diesen Schichten an, während die Colonien bei Gross-
Kuhel (von denen weiter unten die Rede sein wird) in der Zone der Königs-
hofer Schichten ( [d5 ) auftreten. Sind nun die Colonien in diesen untersilurischen
Schichtenzonen wirklich concor dant eingelagert, so haben wir es nicht mit
einem zweimaligen, sondern mit einem dreimaligen Auftreten der obersilurischen
Fauna zu thun, so dass die Colonientheorie um so verwickelter wird. Ich
getraue mir nicht in der Lösung dieser hochinteressanten Fragen vorzugreifen
und will mich im Folgenden gern blos auf das Thatsächliche beschränken. —
254
Johann Krejci.
[32]
Der weitere Gürtel der Grauwackenschiefer und Quarzite zwischen Motol
und Beraun hat nichts eigentümliches in seiner Lagerung, indem derselbe mit
der bei -Prajg beschriebenen und mit der bei Beraun zu beschreibenden Zone
vollkommen übereinstimmt.
Die Quarzitbänke der Brda-Schichten fallen bei nordöstlichem Streichen
durchgehends gegen die Axe der obersilurischen Plateau’s ein und nur stellen-
weise, z. B. im Thale bei Chrustenic, so wie bei Lodenic sind in den Grau-
wackenschiefern sattelförmige Faltungen, oder auch dem Streichen folgende Zer-
reissungen zu sehen, welche darauf hindeuten, dass die grössten Dislocationen im
böhmischen silurischen System in der nordöstlichen Streichungslinie stattfanden.
Der Durchschnitt 4 in der beigefügten Tafel, welcher von der Krusna-
hora bei Hudlic bis zum Kalkplateau bei Königshof gezogen ist, stellt die Lage-
rung der Schichten in den Umgebungen Berauns vor.
Dieser Gegend namentlich hat Barrande die Eintheilung seiner Etage D
in fünf Unterabtheilungen entnommen und man findet dieselben in der That
nirgends so deutlich entwickelt, wie auf den Gehängen des schönen Litavathales
zwischen Beraun und Zdic. Die Rokycan -Uvaler Schichten (Barrande's dx)
sind durch die Krusnahora- und Komorauer Schichten, die unmittelbar auf Pri-
bramer Schiefern oder Grauwacken (Bar. B) aufruhen und von den Brda-
Schichten (Bar. ß?2) bedeckt werden, repräsentirt *).
Die tiefsten, Versteinerungen führenden Schichten sind hier die Krusnahora-
Schichten, bestehend aus Sandsteinen und Conglomeraten mit Lingulasehalen,
die Herr Barrande als Lingula Feistmanteli bestimmte, auf welche sodann
die Komorauer Schichten und die Quarzite der Brda-Schichten folgen. Letztere
bilden hier zwei Becken, welche durch Pribramer Schiefer, namentlich durch die
mächtigen Kieselschieferfelsen bei Hudlic und Svatä von einander getrennt sind.
Das eine dieser Becken und zwar das kleinere bildet den Gipfel der Krusna-
hora und den mit demselben zusammenhängenden Höhenzug von Velis und dem
Busohrader Wald. Die Basis desselben bilden nebst den Krusnahora-Schichten,
die Komorauer Schichten, nämlich jene Zone von Grauwackenschiefern mit
Grünstein-, Schalstein- und Mandelsteinbildungen, welche . die mächtigsten
Eisenerzlager von Mittelböhmen enthält.
Der östliche und südliche Fuss der Krusnahora bei Hudlic, so wie das ganze
Plateau rings um diesen Berg besteht aus Pribramer Schiefern, aus denen bei
Hudlic und Svatä mächtige weithin sichtbare Kieselschiefer-Klippen emporragen.
Oestlich bei Hudlic beginnt das zweite weit grössere Becken der Brda-
Schichten, welches zum zusammenhängenden petrefactenführenden untersiluri-
schen Terrain gehört. Es bildet hier, wie schon in der orographischen Uebersicht
angeführt wurde, zwei deutlich getrennte Rücken, zwischen denen die kleine
Kodyciner Steinkohlenmulde eingelagert ist, welche der Berg Lisek bedeckt.
Die liegendsten Schichten bilden auch hier, wie auf der Krusnahora, die
Krusnahora- und Komorauer Schichten. Der westliche Rücken bildet einen Theil
des Hradistberges bei Neuhütten und den Höhenzug, der bei Hudlic, Svatä und
Hredl vorbei gegen Südost streicht und bei Zebräk mit der Ruine Tocnfk gekrönt
ist. Der zweite mehr östliche Rücken enthält den Dedberg, so wie den scharfen
Kamm, der über Cernin, Kmzkovic ebenfalls gegen Zebräk zieht; er entsteht
durch eine mächtige sattelförmige Faltung der Krusnahora-Schichten, von welcher
*) Herr Bergrath Lipoid hat die petrefactenreichen „Rokycaner Schichten“ in Folge
späterer Revisionsarbeiter als über den Komorauer Schichten gelagert erkannt, und in
der geologischen Karten ausgeschieden. Anm. der Redaction
[33] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und ßeraun. 235
die wieder zu Tage ausgehenden Komorauer Schichten in zwei parallele Züge
zerrissen werden.
Die Partie zwischen diesen beiden Rücken besteht aus Brda-Schichten
und quarzreichen Grauwackenschiefern, und ist der Hauptfundort der Petrefacten
der Barr an de’schen Quarzitzone d 3. Oestlich lehnen sich an den letztgenannten
Rücken die dünnblätterigen Schiefer von Vinice und Pläk, die Vinicer Schich-
ten (ö?3), dann folgen die Grauwackenschiefer von Zohoran (a?4) mit einer
Unzahl von Petrefacten. Die kleinere Hügelreihe , welche mit dem Berauner
Stadtberge beginnt und über Zahoran und Zdic sich fortsetzt, gehört sämmtlich
den Zahoraner Schiefern an und zeigt ebenfalls eine sattelförmige Wölbung der-
selben. Der Fuss dieser letzten Hügel ist vom Alluvium des Litavathales bedeckt,
jenseits dessen das obersilurische Kalksteinplateau mit steilen Abfällen beginnt.
Wie schon früher erwähnt wurde, besteht der äussere Rand dieses Plateaus aus
Quarzitsandsteinen und gelblichen Schiefern der Königshofer Schichten
(Barr. a?5). Der Sandstein dieser Schichten bildet aber nicht blos die Rücken
am Rande des Plateaus, sondern dringt zungenförmig auch in das obersilurische
aus Graptolithen-Schiefern, Grünsteinen und Kalkbänken bestehende Plateau ein;
so zwischen Chodoun und Lounin, zwischen Libomysl und Bykos und zwischen
Mnenan und Klucic. Ich werde auf diese Verhältnisse noch zurückkommen.
Die ganze Thalweitung am südwestlichen Ende des obersilurischen Terrains
zwischen den Brda-Schichten in der Fortsetzung des Ded und dem Plesivec bei
Hostomnic, so wie dem Brda-Rücken, besteht aus Zahoraner Schichten (a?4J Diese
Weitung ist keine ebene Fläche, sondern ein flachhügeliges Land, welches von
dem rothen Bache in einer nordöstlichen Furche, vom Litavaflüsse aber von Süd
nach Nord in einem Spaltenthälchen bewässert wird. Beide Gew ässer vereinigen
sich bei Zdic. Mitten im Thale zwischen Vseradic und Vizina ist eine kleine
Anschwellung, welche den zur Litava abfliessenden Chumavabacb von der zur
Beraun eilenden Velice trennt.
Der grösste Theil des weiten Thalgrundes (mit den Städtchen Lochovic
und Hostomnic, und den ansehnlichen Dörfern Rezdedic, Neumetely, Vosov, Vsera-
dir) ist mit wohlbebauten Feldern bedeckt und nur selten ist anstehendes Gestein
zu bemerken; nur in dem mehr coupirten Terrain zwischen Lochovic und Pras-
koles ist durch tiefere Schluchten der Schichtenbau aufgeschlossen.
Auch hier sind die Zahoraner Schichten (*/4) muldenförmig abgelagert. Die
waldige Höhe bei Praskoles, so wie den Koncipudy bei Lochovic bilden die zu
Tage ausgehenden Schichtenköpfe dieser Mulde (s. Durchschnitt 5 in der Tafel).
Die Lager von Grünstein, welche an diesen Bergen zu Tage treten, fallen
ganz analog den Schiefern ebenfalls antiklinal gegen einander und sind daher
keineswegs erruptive Gänge.
i' = 400°. d4 Zahoraner, d5 Königshofer, Gr Littencr, E Kuheihader Schichten. P Gliinmerporphyr.
Ebenfalls als Lager tritt der Glimmerporphyr bei Hlazovic am südlichen
Fusse des Housinaherges auf (Fig. 5). Dieser Rücken, welcher den südlichsten
Theil des obersilurischen Plateaus umsäumt, hat abweichend von den andern
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
33
256
Johann Krcjci.
34
Höhenzügen des silurischen Terrains ein östliches Streichen und besteht am
Kamme aus Quarzitsandsteinen der Königshofer Schichten, wie der Kosov, unter
denselben sind die Königshofer gelblichen weichen Schiefer (</5) mit Quarzit-
bänken abwechselnd, und in diesen endlich ist das erwähnte Lager von Glimmer-
porphyr eingeschlossen, welches so wie alle anderen Schichten östlich (Stunde
£•5 — 6) streicht und gegen Norden einfällt. Das Ausgehende des Lagers bildet
eine Reihe von kahlen klippigen Hügeln.
Ein ganz ähnliches Streichen hat ein niedriger, aus Königshofer Schichten
bestehender Rücken, welcher mitten im obersilurischen Terrain des rechten
Beraunufers bei Mnenan auftritt, und dasselbe in zwei Theile trennt. Eine tiefe
Thalfurche begleitet diesen Rücken und durchsetzt auch die Littener Graptolithen-
schiefer bis ins Litavathal. Sie beginnt bei Karlshütten und zieht sich über ßitov
und Koneprus gegen den Sattel, welcher das Mnehancr Thal von Koneprus
scheidet, und setzt dann über Mnenan, Vlenec, Belec gegen Hinter-Trebah fort.
Rechts und links erheben sich 1200 — 1400 Fuss hohe Kalkberge, während
der Rücken der Königshofer Schichten nur die Höhe von 800 Fuss hält und erst
am Voskov bei Klucic die Höhe von 1152 Fuss erreicht. Jenseits des Beraun-
flusses, der diesen Rücken bei Klucic quer durchbricht, setzt er in nordöstlicher
Richtung fort; er bildet den waldigen Kamm hei Morinky, Karlik, Ober-Cemosic
und Radotin und begleitet dann den Saum des obersilurischen Plateaus bis nach
Gross-Fjöhel.
Auf eine weite Strecke, nämlich von Mnenan bis Cernosic ist der genannte
Zug von Quarzitsandsteinen der Königshofer Schichten beiderseits von Littener
Schichten (Graptolithenschiefern) umgeben, indem er dieselben, die an der Basis
der obersilurischen Etagen auftreten, in zwei getrennte Zonen scheidet, von
denen die nördliche von Mnenan über Vlenec, Morinky, Solopisk und Radotin
mit dem Kalkplateau unmittelbar zusammen hängt; die südliche aber, die am
Fusse des Kalkberges Mramor bei Liteh beginnt, bis zu ihrer Auskeilung zwischen
Karlik und Cernosic mitten zwischen untersilurischen Grauwackenschiefern er-
scheint. ln dem Thaldurchschnitte zwischen Klucic und Treban erinnert diese
abgetrennte Zone der Littener Schichten aulfallend an die Colonie von Motol ;
doch können wir hier ihren Zusammenhang mit dem obersilurischen Kalkplateau
naehweisen, indem sie nichts als ein zungenförmiger Ausläufer der Graptolithen-
schiefer des Mramorberges bei Liteh ist.
Der Durchschnitt 6 in der beigefügten Tafel, von Korno über Vlenec,
Liten, Lee; Rochoty, bis zum Kamme des Brdawaldes, zeigt die Lagerungsver-
hältnisse der besprochenen Schichten. Das ßeraunthal zwischen Karlstein und
Srbsko, von welchem der Durchschnitt beginnt, besteht zu beiden Seiten aus
Kuhelbader Kalkschichten (Barrande’s Etage E). Aus denselben bestehen
auch die Kuppen „na stfevici^ genannt bei Korno; dann folgen die noch zu
Barrande’s Etage E gehörigen Littener Schichten, aus denen sich die sattel-
förmig gefalteten, aus Quarzitsandsteinen und Grauwackenschiefer bestehenden
Königshofer Schichten am Voskov erheben. Vom Voskovberge bis zu den Hügeln
„na babce“ genannt, unweit Liteh herrschen abermals Graptolithenschiefer mit
mächtigen Grünsteinlagern der Littener Schichten in muldenförmiger Lagerung.
Am Fusse der Babkahügel, welche zwischen Schichten des Quarzitsandsteines
ebenfalls Grünsteinlager enthalten, besteht das ganze Thal bei Lee bis über
Svinar aus Zahoraner Schiefern (Barrande d 4), welche einförmig gegen
Nordwest, d. h. gegen die Axe des obersilurischen Plateaus einfallen, und erst
am Fusse des Brdarückens beginnen die eigentlichen Quarzite der Brda-Schichten
(Barrande d 2). Mächtige Ablagerungen von Schutt und Gesteinstrümmern
[35] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 257
verdecken an den Gehängen der waldigen Brda das feste Gestein fast überall,
nur an den anstehenden Felsen bei dem Jägerhause Skalka, dann auf dem
Waldhiigel südlich von Hate sieht man Quarzit, und zwar in sattelförmig gewun-
denen Schichten.
Die Grenzscheide der Barrande’ sehen Eta ge D, d. i. der petrefacten-
führenden gegen die petrefactenleeren (azoischen) untersilurischen Schichten
befindet sich am südlichen Gehänge der Brda; sie ist charakterisirt durch die
Komorauer Schichten, welche den Kamm zwischen dem Jägerhause Rochoty
und dem Dorfe Lhotka quer übersetzen und bei Skalka durch Eisensteinbaue
aufgeschlossen sind. Die Sandsteine und Conglomerate unter den Komorauer
Schichten gehören theils den Krusnähora-Sehichten , die sich aber noch vor
Lhotka auskeilen, theils zu den mächtigen Prfbrarner Grauwacken, welche einem
grossen Theil des Brda-Gebirges zwischen Mnisek und Hlubos zusammensetzen.
Einen ähnlichen Durchschnitt gibt das Terrain zwischen Karlik und Ritdka.
In dem Thälchen, welches von Roblfn gegen Karlik verläuft, sieht man ebenfalls
die Graptolithenschiefer der Littener Schichten durch Quarzitsandsteine der
Königshofer Schichten in zwei Zonen getrennt, und am linken Beraunufer gelangt
man über Grauwackenschiefer der Zahoraner Schichten ebenfalls auf Quarzite der
Brda-Schichten, welche hier den Kamm des Brda-Waldesvausschliesslich zusammen-
setzen und als steil aufgerichtete Schichtenköpfe bei Cernolic unmittelbar an das
azoische Plateau der Pnbramer Schiefer anstossen.
Eine der merkwürdigsten Localitäten ist die steile Lehne des obersiluri-
schen Plateaus zwischen Radotin und Gross-Kuhel. Diese Lehne gehört zu der
Fortsetzung des Zuges der Schiefer und Quarzitsandsteine, der mitten im Kalk-
steingebiet bei Mnenan beginnt und wie oben angeführt wurde bis Gross-Kuhel
streicht. Den oberen Rand der Lehne bildet ein kleiner Kamm von Quarzitsand-
steinen, der nordöstlich (Stunde 4*5) verläuft und dessen Schichten nordwestlich
unter die Graptolithenschiefer und Kalkbänke von Lochkov einfallen, aber
grösstentheils von Diluvialschotter bedeckt sind. Als seine Fortsetzung kann ein
Hügelzug betrachtet werden, der am rechten Moldauufer bei Hodkovicky beginnt
und gegen Kre sich fortsetzt.
Die Quarzitsandsteine der Lehne wechseln mit weichen gelblichen Schiefern
ab und gehören, so wie der ganze Zug von Mnenan bis Gross-Kuhel, den Königs-
hofer Schichten (<£5) an.
Mitten zwischen diesen Schichten tritt am Wege von Radotin nach Lahovka
ein Grünsteinlager auf. Geht man längs des Abhanges weiter gegen Gross-Kuhel,
so trifft man den Grünstein abermals bei der Schäferei an, die etwa eine viertel
Stunde von Gross-Kuhel am Fusse der Lehne liegt.
Dieser Grünstein bildet hier etwa in der Mitte der Lehne ein kleines, etwa
300 Klafter langes und 2 — 3 Klafter mächtiges Lager, welches von Grapto-
lithenschiefern begleitet wird.
Ich kannte die Grünsteine wohl schon von früheren Jahren, auf die Grapto-
lithenschiefer machte mich aber Herr Barrande aufmerksam, nachdem ich schon
von meiner vorjährigen Exeursion zurückgekehrt war.
Es ist dies „die Colo nie Haidinger44, gewiss nebst der Colonie Zippe
in der Bruska die interessanteste unter den paradoxen Ablagerungen des böhmi-
schen Silursystemes.
Im Querprofile Fig. 6 zeigt die Lehne von oben nach unten Folgendes :
Oben auf der Lehne liegt Quarzitsandstein und darunter der gelbliche Schiefer
der Königshofer Schichten, beide gegen Nordwest, also gegen die Axe des
Silursystemes mit etwa 30 Grad einfallend. In der Mitte der Lehne tritt dann
33*
258
Johann Krejci.
1 36]
Graptolithenschiefer auf, der auf Grün-
stein liegt (Littener Schichten. Bar. E),
ebenfalls mit nordwestlichem Ginfallen,
aber in einer steilen Stellung von 60 —
70 Grad. Eben so steil sind dann die
tieferen, die Littener Schichten unter-
teufenden Quarzitsandsteine und Schie-
ferschichten,welche in ihrer Beschaffen-
heit mit den oberen Königshofer Schich-
ten übereinstimmen. Eine Kluft, welche
dem Streichen der Schichten folgt, begleitet nahe am Kusse der Lehne eine
starke Verwerfung der Schichten.
An derselben Lehne, aber näher gegen Gross-Kuhel, tritt eine zweite
Colo nie zum Vorschein, die Barrande mit meinem Namen bezeichnet, für
welche Bezeichnung ich hier meinen Dank ausspreche. Diese Colonie, zu
der mich Herr Barrande schon vor elf Jahren bei einem Ausfluge führte und
die ich seitdem viele Mal besuchthabe, ist durch einen kleinen Wasserriss kennt-
lich, in welchem Littener Schiefer mit sehr grossen Kalkconcretionen, die bis
2 Fuss im Durchmesser haben, anstehen. Auch hier sieht man Quarzitsandsteine
und Grauwackenschiefer der Königshofer Schichten abwechseln und mitten
zwischen ihnen den Graptolithenschiefer und Grünstein der Littener Schichten
eingelagert, und diese zeigen mit der darunter liegenden Partie der Grau-
wackenschiefer, wie in der Colonie Haidinger, eine abweichende Lagerung im
Vergleiche mit den Quarzitsandsteinen des oberen Randes, indem sie viel steiler
einfallen, als diese. An der Begrenzung der Littener mit den Königshofer Schichten
nahe am Fusse der Lehne zeigt sich eine deutliche Abstossung der steileren
Littener von den weniger steilen Königshofer Schichten, während nahe am oberen
Rande an einer Stelle die dunklen Littener mit den gelblichen Königshofer
Schiefern abzuwechseln scheinen.
Bar ran de nimmt bekanntlich die gleichzeitige Bildung der Colonien mit
den sie umgehenden untersilurisehen Schichten an, und die von der Colonie
Zippe in der Bruska bekannten Thatsachen sprechen für diese Annahme.
Meine Bedenken gegen diese Annahme beziehen sich natürlich nur auf
die zugänglichen und mir bekannten Localitäten der Colonien von Motol und
Gross-Kuhel.
Dass dieselben in zwei Schichtenzonen der Barra nd e' sehen Etage D auf-
treten, nämlich in der Zone d* und db (Zahoraner und Königshofer Schichten),
habe ich schon früher erwähnt, so wie auch den Umstand hervorgehoben, dass
die Graptolithenschiefer bei Motol auf den untersilurisehen Schichten inab-
weichender L a g e r u n g liegen.
Für die zwei Colonien bei Gross-Kuhel scheint mir der Umstand sehr be-
achtenswerth zu sein, dass dieselben genau in der Fortsetzung jener ebenfalls
zwischen den Königshofer Schichten eingeschlossenen Littener Schichten zwischen
Cernosic und Liten liegen, deren Zusammenhang mit der obersilurischen Etage E
des Mramorberges zu Tage tritt; eben so scheint mir die gestörte Lagerung
derselben von grosser Wichtigkeit zu sein. Könnten nicht diese Umstände zur
Erklärung der Colonien benützt werden ? In diesem Falle würde die erwähnte
Littener Graptolithenz one sich noch viel weiter erstreckt haben, aber
durch eine im Streichen derselben erfolgte Verwerfung und Ueberschiebung
mitten zwischen die Quarzitsandsteine und gelblichen Schiefer der Königshofer
Schichten gelangt sein.
Fig. 6.
Diluvium. Col. Haid.
da Gr da
Gr Littener, d 5 König-shofer Schichten,
|“37] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun, 259
AehnlicheLagerungsverhältnisse der Hluboceper Schichten (Barr. Etage H ),
die bei Hlubocep und Karlstein zwischen den Kalkbänken der Braniker Schichten
(Barr. Etage G) eingelagert ist, zeigen einen vollkommen analogen Fall und
weisen mit grösster Deutlichkeit auf die grossartigen Verwerfungen hin, welche
das silurische Schichtengebäude in der nordöstlichen Streichungslinie zerrüt-
teten. —
Am rechten Moldauufer bei dem Dorfe Hodkovicky treten gerade gegen-
über von Kuhelbad auch die Littener Schichten auf. Diese letzteren liegen zwi-
schen Quarzitsandsteinen der Königshofer Schichten und Grünsteinen und fallen
eben so wie an anderen Orten gegen Nordwest und zwar hier unter die Grün-
steine ein. Da gerade gegenüber am jenseitigen Ufer am Felsen bei Kuhelbad
ebenfalls Grünstein mit Littener Schiefern unter den Kalketagen ansteht, so kann
die Hodkovicker Partie mit der Kuhelbader in Verbindung stehen. Indessen ist
sie an diesem Ufer von den Braniker Kalkfelsen und den dieselben unterteufen-
den Littener Schiefern durch Grauwackenschiefer der Königshofer Schichten
getrennt und in diesem trifft man noch ein zweites Lager von Grünstein an, das
mitten im Braniker Thälchen einen isolirten Felsenhügel bildet und dann noch
höher an dem südlichsten Bergabhange bei Branik mitten zwischen Königshofer
Schiefern zu Tage tritt.
Bei der Bedeckung der Felsenschichten dieser Gegend mit lockerem Erd-
reich ist es vor der Hand nicht möglich zu entscheiden, ob diese Grünsteinmassen
zwischen die Grauwackenschiefer wirklich eingelagert sind, oder ob hier eben-
falls Dislocationen statt fanden. —
Fassen wir in Kürze die Besultate zusammen, welche sich aus der Lage-
rung der Quarzite und verschiedener Grauwadkenschiefer der untersilurischen
Schichten ergeben, so erkennen wir, dass die Schichten in ihrem ganzen Ver-
laufe dem nordöstlichen Streichen (nach Stunde 4 — 5) folgen und in ihrem Ein-
fallen eine langgedehnte Mulde darstellen, deren Bänder durch die festen Krusna-
hora- und Brda-Schichten gebildet werden.
Sowohl die tieferen Quarzite der Brda-Schiehten, als die höheren Grau-
wackenschiefer der Vinicer, Zahoraner und Königshofer Schichten sind nach
dem Streichen sattelförmig gefaltet, namentlich gilt dies von den letzteren, und
nach demselben Streichen fanden auch Zerreissungen und Dislocationen der
Schichten statt.
Diese nun unter den mannigfachsten Einfallswinkeln aufgerichteten Schichten
konnten den unabänderlichen mechanischen Gesetzen zu Folge nur in horizontaler
Lage abgesetzt werden. Könnte man die Schichten neuerdings auf einer hori-
zontalen Ebene ausbreiten, so hätten sie offenbar innerhalb ihrer jetzigen Grenzen
nicht Raum genug. Trotz dem weist nichts darauf hin, dass diese Schichten
ursprünglich in der horizontalen Richtung einen grösseren Raum einnahmen, als
jetzt; auch ist nirgends in der Nähe ein eruptives Gestein in dem Maasse ent-
wickelt, dass es eine derartige Faltung hätte bewirken können.
Wir werden daher unabweisbar zu dem Schlüsse geleitet, dass die Schichten
durch irgend eine andere Ursache sich strecken und da sie den Widerstand an
ihren äusseren Rändern nicht überwältigen konnten, faltenartig sich Zusammen-
legen mussten. Die Auflagerung der Krusnahora- und Brda-Schichten aufPnbramer
Schiefern zwischen Skalka bei Mnfsek und Königsaal zeigt überall deutlich eine
Emporschiebung der ersteren, und eben so lassen sich einzelne locale Faltungen,
welche nur auf eine Schichtenmasse sich beschränken, während die höheren und
tieferen Schichten ebene Flächen behalten, nur durch die Volumvergrösserung
gewisser Schichten erklären.
260 Johann Kn*jn. [38J
Ganz ähnliche Verhältnisse sind noch deutlicher in den obersilurischen
Kalkbänken zu sehen.
Die Mächtigkeit der drei oberen Zonen der Barr and e’schen Etage D, näm-
lich der Königshofer, Zahofaner und Vinicer Schichten, beträgt nach Barrande
gegen 1000 Meter; nicht viel geringer mag die Mächtigkeit der tieferen Zonen,
nämlich der Brda-, Komorauer und Krusnahora-Schichten sein; ich konnte
bei den vielfachen Faltungen und Verwerfungen ein genaues Besultat nicht
erzielen.
Die Breite des Beckens beträgt zwischen dem Rucken des Ded bei Beraun
und der Brda bei Mnfsek etwa 8500 Klafter; beinahe die Hälfte davon nimmt
in der Mitte das obersilurische Gebiet ein.
3. Das obersilurische Terrain.
Sowohl in Hinsicht der Terrainformen, als in Hinsicht der Gesteine und
ihrer Lagerung ist das obersilurische Terrain der interessanteste Tlieil des
böhmischen silurischen Systems.
Einen vorzüglichen Ueberblick desselben gewinnt man von den Höhen der
Quarzitkämme oder Kieselschiefer-Felsen am linken Ufer der Litava bei Beraun.
Einen solchen Standpunkt gewährt der Hadlicer Kieselschieferfels, von
welchem aus man das südwestliche Ende der obersilurischen Abtheilung mit den
im Hinter- und Vordergründe dasselbe umgebenden Quarzitrücken und in den
Grauwackenschiefer eingefurchten Thälern übersieht. Der daselbst gewonnene
Ueberblik zeigt ein isolirtes, mit runden Bergkuppen und Rücken bedecktes
Plateau, dessen scharf individualisirte Gestaltung sich auffallend von den lang-
gezogenen untersilurischen Bergrücken unterscheidet.
In ähnlicher Form dehnt sich das obersilurische Plateau gegen Nordost von
Libomysl bei Zdic bis nach Michle bei Prag aus. Durch die tiefen Thalpartien
der Beraun zwischen Tetfn und Karlstein, dann der Waldau bei Kuhelbad und
Branfk wird dasselbe in drei Theile gesondert, und nebstdem durch felsige
schluchtenartige Querthälchen durchfurcht, so dass die Gegend, obwohl sie keine
geringe absolute Höhe hat, einen wahren Gebirgscharakter annimmt.
Die nördlichste Partie, das äusserste Ende des obersilurischen Plateaus
zwischen Michle, Dvorec und Branfk bildet eine 200 — 300 Fuss über den
Flussspiegel erhabene Terrasse, welche sich mit rasch abfallenden Lehnen gegen
den Batichach bei Nusle und Michle und den Kiinraticer Bach bei Branik und Kre
absenkt, gegen die Moldau aber mit den malerischen Felsen bei Dvorec und
Branfk abstürzt.
Der Moldaufluss, der hier von Süden gegen Norden fliesst, trennt diese
Partie von der westlichen viel grösseren Partie zwischen demselben und dem
Beraunflusse. Dieselbe steigt von den steilen Felsen bei Zlfchov und Kuhelbad
plötzlich zur Höhe hinauf und bildet ein im Durchschnitte 1000 — 1100 Fuss
hohes einförmiges Plateau, welches durch die erwähnten Querthälchen in mehrere
isolirte Hochflächen getrennt wird.
Die an Prag nächste dieser Flächen zwischen dem Radlicer und St. Prokop-
thale heisst: „na dfvcfch hradech“ (auf der Mädchenburg), welcher Name mit
der romantischen Sage des Mädchenkrieges zusammenhängt. Auf dem steilen
Rande des Plateaus zwischen Hlubocep und Zlfchov stehen noch Spuren der Burg
Devin (956-76 Fuss). Die zweite Fläche liegt zwischen dem St. Prokop- und dem
Radotfner Thale und bildet den fruchtbaren Ackerboden der Dörfer Slivenec, Orech
(1140 Fuss) und Lochkov.
Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geoiog. Aufnahmen bei Prag und Beraun.
261
Die dritte Partie, zwischen dem Radotiner und St. Ivanthale gelegen, ist
keine ebene Fläche mehr, sondern ein in der Streichungsrichtung gefurchtes
Plateau, dessen tiefere Stellen die Hluboeeper Schiefer, die höchste sibirische
Etage (H) Barrand e’s, einnehmen, während die Höhenzüge aus Kalkbänken be-
stehen. Der nördlichere dieser Höhenzüge trägt auf seinem Rücken das weithin
sichtbare Dorf Vysoky Üjezd (1320 Fuss) und nahe an St. Ivan die Waldkuppe
„Sty die Vady“ (geronnene Wässer, 1375 14 Fuss); der mittlere bildet die
theilweise bewaldeten breiten Rücken südlich von Bubovic, wo der Boubinecberg
die Höhe von 1352*52 Fuss erreicht; den südlichsten Höhenzug bildet ein
waldiger Rücken, der die Koliva hora (1223*7 Fuss) bei Trebotov, die Zaboriny
(1278 Fuss) bei Koblin, dann die Knezf hora (132Ö Fuss), den Javorkaberg und
die Cihovä bei Karlstein enthält.
Die schluchtähnlichen waldigen Thälchen bei Radotin, Koblin, Karlstein,
Rubovic und St. Ivan, welche dieses Terrain quer durchbrechen, enthalten schöne
Landschaftspartien und zugleich den besten Aufschluss über den Gebirgsbau.
Die letze Partie des obersilurischen Plateaus am rechten Moldauufer bilden
die Waldkuppen zwischen dem St. Ivanthale und dem Sattel bei Vraz. Sie ent-
hält die Fortsetzung des Höhenzuges vou Vysoky Üjezd und Stydle Vody und
führt nach den zerstreuten Häuschen am südwestlichen Abfall den Namen
Listice. Die Höhe beträgt an 1220 Fuss. Am linken Beraunufer enthält das
obersilurische Plateau ebenfalls keine ebenen Flächen, sondern besteht aus
einigen theils kahlen, theils bewaldeten Bergen, die sich über das breite
Litavka- und Vosover Thal in ansehnlichen Formen erheben. Die dem Beraun-
flusse nächste Partie enthält das Plateau von Kolednik , welches durch das von
Tetm nach Kolednik führende Thälchen, so wie von der Schlucht bei Koda durch-
furcht wird.
Die erste Stufe des Plateaus, unmittelbar am Beraunflusse ist eine 900 Fuss
hohe Felsenterrasse, welche, dem südwestlichen Laufe des Flusses folgend,
eine auffallende Bodendepression quer durch das obersilurische Terrain bildet.
Auf dieser Terrasse erhebt sich oberhalb Tetin und Jarov der kahle Berg Damil
(1250 Fuss), der als ein langer, gegen das Litavathal steil abfallender Rücken
mit der Dlouhä hora (über 1300 Fuss) zwischen Kolednik und Bitov zusammen-
hängt; auf derselben Terrasse erhebt sich östlich vom Damil der breite Rücken
des Koder Waldes mit dem Berge Tobolka (1462 08 Fuss) bei dem Dorfe
gleichen Namens; östlich von diesem Berge läuft noch ein niedriger Rücken mit
dem Berge Straziste, na Strevici, in der Richtung gegen Karlstein.
Das Thal von Mnenan trennt diese Partie von der zweiten, die sich zwischen
Koneprus, Suchomast, Mnenan und Liten ausdehnt. Sie enthält zwischen den
ersten zwei Orten den kahlen Felsenrücken Zlaty Kün, der dann in südöstlicher
Richtung mit den bewaldeten Bergen Kobyla und Plesivec, dann mit dem Telin
und Bacin (1563*72 Fuss), dem höchsten Berge des obersilurischen Terrains,
so wie mit dem Samor und Mramor bei Liten zusammenhängt und mit diesen
gemeinschaftlich einen Höhenzug bildet.
Die südwestlichste Einsäumung des obersilurischen Plateaus enthält, wie
schon früher erwähnt wurde, den Quarzitrücken der Housiny. Zwischen diesem
Rücken und dem Zlaty Kün erheben sich noch auf dem obersilurischen Plateau
drei isolirte, gegenNordost verlängerte waldige Rücken, derLejskov(1520*7Fuss)
bei Tmän, der Waldberg zwischen Lounfn und Sloviky, und endlich die vom
Litavathale aus weithin sichtbare Koukolovä hora (1499*89 Fuss). Wir werden
sehen, wie die Terraingestaltung mit dem Gebirgsbaue innig zusammen-
hängt.
2G2
•Johann Krejöi.
Den äusseren Hand fast des ganzen obersilurischeu Plateaus nehmen die
Quarzitsandsteine und gelblicher Schiefer der Königshofer Schichten (rf5) ein,
welche, wie schon erwähnt wurde, hei Bozek, Lounin und Mnehan ins Plateau
selbst eingreifen und überall die Basis desselben bilden. Erst jenseits der Quarzit-
sandsteine der Königshofer Schichten dehnen sich die das Plateau umgebenden,
in die weichen Grauwackenschiefer der Zahoraner und Vinicer Schichten ein-
gefurchten Thäler aus. Aber auch das Plateau selbst wird von Thälern und
Schluchten durchsetzt.
Die dem nordöstlichen Streichen folgenden Furchen sind nur seichte Bodeu-
depressionen, die in ihrer Höhe sich wenig von den Bücken unterscheiden.
Bei weitem auffallender sind die Querthäler, welche in zwei Hauptrichtungen,
nämlich in einer nördlichen und einer südwestlichen, die Felseuschichten des
Plateaus tief aufreissen und den Felsenbau am deutlichsten aufdecken. Das eine
dieser von Süd nach Nord streichenden Thälchen beginnt am Nordabhange der
Housiny bei Bykos und geht als eine enge Schlucht westlich bei dem Berge
Zlaty Kuh vorbei gegen Königshof; ein zweites derselben Bichtung ist das tiefe
Felsenthal von St. Ivan, welches von Lodenic über St. Ivan, Hostin bis zum
Beraunflusse alle obersilurischen Etagen durchbricht und an malerischen Felsen-
gruppen und an lohnenden Punkten für den Geognosten und Botaniker alle
anderen Thäler übertrifft. Das Beraunthul von der Ausmündung des Lodenicer
Baches bis Srbsko ist nur eine Fortsetzung desselben.
Andere Thälchen dieser Bichtung sind die von Bubovic und Srbsko; das
bei Karlstein, an dessen Mündung auf einem isolirteu Felsen gerade bei der
Vereinigung zweier Felsenschluchten die altberühmte Königsburg steht; dieselbe
Bichtung hat endlich auch das Moldauthal zwischen Kuhelbad und Dvoree, dessen
steile Felsen zu beiden Seiten des Flusses nicht blos zur schönsten Landschafts-
zierde der Umgebung Prags gehören, sondern auch einen der interessantesten
Schichtendurchschnitte bilden, wie ein solcher kaum in der Nähe einer anderen
Hauptstadt sich findet.
Unter den Thälern, welche von Nordwest nach Südost, also senkrecht zum
nordöstlichen Hauptstreichen des sibirischen Schichtensystemes verlaufen, ist das
wichtigste das Beraun-Thal zwischen Tetfn und Budnan, indem es das obersilu-
rische Terrain durchbricht; dann das Thal zwischen Luzec und Karlik; das
Thal des Badotfner Baches zwischen Tachlovic und Kadotin, in welchem die
mannigfachsten Störungen des Schichtenbaues besonders deutlich hervortreten.
Das Prokopithal (im mittleren Theile v dalejfch genannt), als einer der belieb-
testen Zielpunkte von den Prager Naturfreunden häufig besucht, streicht analog
dem nordöstlichen Streichen nach Nordost und wäre demnach das einzige eigent-
liche Längenthal im obersilurischen Gebiete.
Herr Barrande theilt das obersilurische Schichtensystern in die vier Etagen
E , F , G und H ein.
Die tiefste, unmittelbar auf den oben erw ähnten Königshofer Schichten (</5)
aufgelagerte Etage E besteht aus Graptolithenschiefern, Grünsteinen und bitu-
minösen Kalksteinen; die Etage F enthält grösstentheils röthliche, auch weisse
und lichtgraue Marmorkalke; die Etage G enthält gewöhnlich graue Knollen-
kalke; die Etage H endlich besteht aus Grauwackenschiefern und Quarzitlagern,
welche den Gesteinen der Zahoraner Schichten (</4) ähnlich sind. Nach den
Localitäten, wo diese verschiedenen Abtheilungen des obersilurischen Systems
am meisten charakterisirt sind, können dieselben mit den Namen „Littener
Schichten“ (Barrande’s Graptolithenschiefer und Grünsteine der Etage E),
„ Kuhelbader Schichten44 (Barr. Kalke der Etage E), — „Konepruser Sehich-
[41] Bericht über die im J, 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 263
ten“ (Barr. F ), „Braniker Schichten“ (Barr. G ), und „Hluboceper Schichten“
(Barr. H j bezeichnet werden.
Alle diese Abtheilungen unterscheiden sich, wie Herr Barrande erwiesen
hat, durch ihre Petrefacten von einander; aber auch das Gestein gibt häufig
schon hinreichende Mittel zur Unterscheidung derselben.
Die Grap tollt heuschiefer der Littener Schichten, durch eine
zahllose Menge von Graptolithen ausgezeichnet, sind dünnblätterige, etwas kal-
kige, von Bitumen schwarz gefärbte Schiefer, welche neben der kalkig-thonigen
Grundinasse auch feine Glimmerblättchen führen. Die Graptolithen selbst sind
fast immer mit einem feinen Sehwefelkies-Ueberzug bedeckt und ähneln auffallend
Bleistiftzeichnungen, manchmal sind auch feine Körner oder Plättchen von
Schwefelkies eingemengt.
In den höheren, den Kalksteinen näheren Schichten treten überall in den
Graptolithenschiefern Kalkconcretionen von einigen Zoll bis zwei Fuss Durch-
messer auf, welche sehr häufig irgend ein Petrefact oder einen Eisenkiesknollen
als Kern enthalten, und überdies nicht selten in ihrer Masse ausgezeichnete
Petrefacten führen. Diese Knollen sind gewöhnlich länglichriund und nach ihrer
längeren Axe parallel den Schieferflächen geordnet; je näher an die eigentlichen
Kalkbänke, desto häufiger werden sie und vereinigen sich endlich zu consistenten
Kalksteinlagern, die allenfalls noch mit Graptolithenschiefern abwechseln. Auch
grössere oder kleinere linsenförmige Kalksteinlager sieht man stellenweise den
Graptolithenschiefern eingefügt. Die Graptolithenschiefer der Colonien bei
Kuhelbad und Motol stimmen vollkommen mit den Graptolithenschiefern an der
Basis der Kalkbänke überein.
ln ihrem ganzen Verbreitungsbezirke werden diese Schiefer von Grün-
steinen begleitet, welche vor der Hand nur ihrer Aehnlichkeit wegen mit den
Grünsteinen der Uebergangsgebirge Deutschlands als Diabasgrünsteine bezeichnet
werden können. Eine chemisch-mineralogische Untersuchung derselben fehlt
noch gänzlich.
Der Grünstein kömmt hier in zwei Hauptvarietäten vor, einer krystallinisch-
körnigen, massigen, und einer mehr thonigen, geschichteten Varietät. Die kry-
stallinisch-körnige Varietät ist dunkelgrün, häufig fast schwarz und besteht aus
einem fest verwachsenen Gemenge von Pyroxen, dessen Spaltungsflächen beim
Zerschlagen manchmal ersichtlich werden, und aus einer dichten Feldspathspecies.
An den Gehängen des St. Ivan-Thales, zwischen Lodenic und Sedlec sieht man
eine Varietät mit deutlichen, bis */a Zoll grossen Feldspathkrystallen in einer
dichten dunkelgrünen Masse, stellenweise hat das Gestein an anderen Orten
Aehnlichkeit mit Serpentin, und sehr häufig lässt sich Chlorit in schuppigen oder
dichten Anhäufungen unterscheiden. UeberaSI ist der Grünstein von kohlensaurem
Kalk imprägnirt; dieser bildet entweder spaltbare Körner, welche dem Gestein
nicht selten ein porphyrartiges Ansehen ertheilen und durch ihre weisse Farbe
auffallend von der dunklen Grundmasse abstechen, oder er durchsetzt das Gestein
in Kalkspathadern nach allen Bichtungen.
Die äusseren Flächen der Grünsteinblöcke, so wie die das Gestein durch-
setzenden Klüfte sind mit einer Rinde von Eisenoxydhydrat bedeckt.
Von accessorisehen Bestandtheilen ist am häufigsten Eisenkies in Körnern,
Knollen und Adern; manche Klüfte sind mit Analcim und Laumonitdrusen
bedeckt (bei Kuhelbad, Karlstein, Königshof); als Seltenheit kam einmal bei
Kuhelbad Prehnit und Datolith vor. Auch Quarzitdrusen trifft man in Höhlungen
und Klüften an, obwohl selten. In einer Grünsteinvarietät an der Listice bei
Beraun ist festes anthrazitartiges Bitumen sehr häufig eingesprengt.
34
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1S61 und 1862. II. Heft.
264 Johann Krejöi. [4?]
Die Struetur der Grünsteiufelsen ist massig, vielfache Klüfte durchselzen
dieselben nach allen Richtungen. Die Felsmassen sind unregelmässige polyedrische
Blöcke, welche ähnlich wie der Granit gegen die Mitte zu einen Kern von
festerer Struetur zeigen. Nicht selten ist die Struetur aber kugelig und die
Kugeln bestehen dann aus concentrischen Schalen, welche zu rosettenförmigen
Partien verwittern. Man sieht solche Kugelgrünsteine bei Hodkovickv, Kuhelbad,
Repozyje, Sedlec, Tetin, Bftov, Vlenec, Radotfu und an anderen Orten.
Die andere Hauptvarietät ist so zu sagen der geschichtete Detritus der kör-
nigen Grünsteine und bedeckt denselben gewöhnlich zugleich mit den Grapto-
lithenschiefern. Er hat ebenfalls eine grünliche oder grünlich-graue Farbe,
besteht aus einer thonigen, von Chlorit durchdrungenen Grundmasse, die einzeln
mit derselben verschwimmende Partien von körnigem Grünstein enthält. Sehr
häutig ist diese Varietät gänzlich mit kohlensaurem Kalk imprägnirt und geht
dann allmälig in kalkige Schiefer über. Im St. ivan-Thale bei Sedlec steht ein
geschichteter Grünstein an, der in einer bräunlich-grünen thonigen Grundmasse
deutliche, bis 1 Zoll grosse Feldspathkrystalle enthält und an den Feldspath
führenden Mandelstein der Särka erinnert.
Die erdigen Grünsteine sind immer in mehr oder weniger deutliche Schich-
ten gesondert und führen nicht selten auch Petrefacten, während in den krystal-
linisch-körnigen Varietäten keine Spur von denselben vorhanden ist.
Trotzdem der Grünstein in der Beschaffenheit seiner Masse und seiner
Struetur mit eruptiven Gesteinen vollkommen übereinstimmt , so tritt er doch
überall in einem merkwürdigen Zusammenhänge mit Graptolithenschiefern auf,
dessen genauere Untersuchung ich bisher nicht unternehmen konnte, aber der
eine der vorzüglichsten Aufgaben meiner weiteren Studien in den Umgebungen
Prags bilden wird.
Nirgends nämlich trifft man einen eigentlichen Gang von Grünstein an,
sondern überall nur unregelmässige Lagermassen oder Stöcke, welche den Grap-
tolithenschiefern eingefügt sind. An den Berührungsgrenzen ist zwar der Grapto-
lithenschiefer fast immer verändert, mehr fest und kieselig, auch sind die
Schichten desselben, so wie des ihn bedeckenden bituminösen Kalksteines in der
Nähe des Grünsteines sehr häufig steil aufgerichtet und zerbrochen, aber ein
Durchsetzen dieser Schichten von Grünstein, wie das der Sandsteine und Braun-
kohlenflötze im Mittelgebirge von Basalt, sah ich nirgends. Auch ist der Umstand
hervorzuheben, dass der Grünstein, der trotz seiner mächtigen Entwicklung an
der Basis die obersilurische Abtheilung der Kalkbänke nirgends durchbricht, doch
in den Hluboceper Schichten (//) zwischen Tachlovic und Chotec wieder auftritt.
Wir haben demnach im obersilurischen Gebiete zwei von einander durch
die Kalketagen der Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten getrennte
Gniiisteinzonen; eine an der Basis derselben, die andere in der obersten Ablage-
rung.
Die Grünsteinlager wechseln übrigens einige Male mit den Graptolithenschie-
fern ab, uud keilen sich häufig in linsenförmigen Massen aus; manchmal ent-
halten sie auch Schollen von Graptolithenschiefern, die auf dieselbe Art ver-
ändert sind, wie die Schieferpartien in der Nähe des Grünsteines. Diese eigent-
lichen Lagerungsverhältnisse lassen sich kaum durch eine eruptive und eben so
wenig durch eine sedimentäre Bildung erklären. Meiner Meinung nach, die ich
aber für jetzt blos durch die Lagerungsverhältnisse unterstütze, ist der Grünstein
ein rnetamorphisches Gestein.
Wegen der vielfachen Wechselbeziehungen des Grünsteines und der Grap-
tolithenschiefer konnte ich alle Grünsteinlager auf der geologischen Karte im
[43] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 263
Detail nicht bezeichnen; ich schied desshalb die ganze Graptolithenzone sammt
den Grünsteinen unter der Bezeichnung „Littener Schichten44 aus; denn obwohl
sie ihren Petrefactenn ach mit der Kalkstufe der B a r r a n d e' sehen Etage E
d. i. mit den Kuhelbader Schichten übereinstimmt, so zeichnet sich diese
Zone doch durch den Habitus ihrer Gesteine und schon durch ihre Terrain-
formen vor allen andern Etagen aus. Der Grünstein der Littener Schichten bildet,
wo er in mächtigen Massen zu Tage tritt, gewöhnlich steile und sterile Felsen,
während der leicht verwitterbare Graptolithensehiefer derselben gewöhnlich mit
Pflanzenwuchs bedeckt oder nur in einzelnen Schluchten aufgeschlossen ist.
DieUebersicht der Littener Schichten gibt uns zugleich die äusseren Grenzen
der obersilurischen Abtheilung an. Bevor ich jedoch die Verbreitung der Littener
Schichten andeute, will ich vorher noch die zwei merkwürdigen Basaltvor-
kommnisse anführen, welche mitten in dieser Zone erscheinen.
Das eine Mal tritt der Basalt auf derKuppe des Berges auf, der westlich vom
Wege von Lodenic nach Bubovic mit steilen Abhängen gegen das Lodenicer Thal
einfällt. Auf demselben Berge ist in den kalkigen Schiefern der Fundort der
schönen Lodenicer Trilobiten ( Arethusina - und Acidaspis- Arten). Der grösste
Theil des Berges ist mit Rasen, Gestrüpp und Ackerfeldern bedeckt, und es
können demnach die Verhältnisse des Basaltes zu den ihn umgebenden Littener
Schichten nicht beobachtet werden. Der Basalt, durch zahlreiche Olivinkörner
ausgezeichnet, ist auf der Kuppe nur in einzelnen aus dem Rasen aufragenden
Blöcken und in losen Stücken sichtbar; an der nördlichen Seite scheint er die
zwischen den Grünsteinen eingelagerten kalkigen Schiefer zu durchbrechen, an
der südlichen Seite ist er von Grünstein unmittelbar begrenzt.
Das andere Vorkommniss des Basaltes ist auf der waldigen Höhe des Listice-
berges bei der mit einem Heiligenbild geschmückten Eiche am Wege von
St. Ivan nach Beraun. An beiden Orten ist die Ausdehnung des Basaltes nur sehr
beschränkt und grösstentheils durch Vegetation verborgen, woher es kam, dass
derselbe in den Notizen früherer Forscher nicht erwähnt wurde.
Die Verbreitung der Littener Schichten ist folgende:
Indem wir am nordöstlichen Ende der obersilurischen Abtheilung bei dem
Dorfe Michle beginnen, treffen wir den Grünstein der Littener Schichten
zuerst an den Thallehnen des Boticbaches zwischen dem Hofe Reitknechtka und
Michle an; der Graptolithensehiefer ist selbst sehr untergeordnet und die Fort-
setzung der Zone von Diluvialschotter auf der Pankrozer Höhe und von Rasen
und Feldern an den Lehnen zwischen Podol und Dvorec bedeckt, so dass die
Kalkbänke des Dvorecer Felsens an ihrer nördlichen Seite unmittelbar aus den
Zähoraner Grauwackenschiefern emporzusteigen scheinen. An der südlichen
Seite dieses Felsens, so wie an den Gehängen gegen das Dorf Dvorec stehen
aber die Littener Schichten wieder an, indem sie daselbst durch die grosse Dis-
locationsspalte, welche von da in südwestlicher Richtung durch das obersiluri-
sche Plateau sich zieht, blossgelegt werden.
In dem schönen Kalkfelsen von Bramk tritt der Graptolithensehiefer der Littener
Schichten ebenfalls blos an der südlichen Seite auf, und zwar nicht nur am öst-
lichen Ende des Dorfes , sondern auch an der Südseite des Grünsteinfelsens bei
Hodkovicky, dessen ich schon früher erwähnte.
Am rechten Moldauufer beginnen die Littener Schichten unterhalb Zlichov
an der nördlichen Seite des Kalkplateaus der Divci Hrady; sie sind grösstentheils
von Ackerfeldern bedeckt und nur in einigen Einrissen zu sehen; an den Lehnen
des kleinen Thälchens zwishen Butovic und Nova ves, da wo der Butovicer Bach
zum Prokopithale einlenkt, treten aber die Littener Schichten u. z. der Grünstein
34*
266
Johann Krejöf.
f44]
derselben in mächtigen Felsenklippen auf, beiderseits von Graptolithenschiefern
begleitet, verlieren sich dann abermals im Plateau von Ohrada und treten neuer-
dings zwischen diesem Dorfe und Reporyje an den Gehängen des Thälchens auf,
welches von da angefangen gegen St. Prokop und Hlubocep in die oberen Kalk-
schichten sich tief einwühlt.
In der seichten Depression, welche sich zwischen dem obersilurischen
Plateau von Orech und den Grauwackenschiefern und Quarziten von Trebonic
und Chrästan gegen Tachlovic hinzieht, sind die Littener Schichten abermals von
Ackererde bedeckt und sie treten erst wieder bei Tachlovic zu Tage; sie steigen
von da auf den Nordrand des Plateaus von Vysoky-Ujezd und streichen als ein nicht
breiter Streifen über Mezoun und den Kamm des Berges Kolo ins Thal von
Sedlec, welches sie zwischen St. Ivan und diesem Dorfe quer übersetzen und
dann einen Theil der Waldkuppen zwischen St. Ivan und Vraz zusammensetzen.
Mitten in den Littener Schichten zieht sich vom Koloberge bis auf die Höhe der
Vrazer Waldkuppen ein Streifen von Kalkschiefer, der an ausgezeichneten Pelre-
facten der Kuhelbader Schichten besonders reich ist; eben daselbst treten auch
die früher erwähnten Basalte auf. Weiter treffen wir die Littener Schichten an
der südlichen Seite des Berges Listice gegenüber von Tetiu bis zum Ufer des
Beraunflusses an, dann am Bande des Tetfner Plateaus, Ratinka genannt, von
Tetfn angefangen bis Jarov.
Auch hier sieht man mitten in den Littener Schichten einen an Petrefacten
(vorzüglich Crinoidenstielen) ungemein reichen Kalkstreifen der Kuhelbader
Schichten; der grösste Theil der Zone ist aber mit Diluvialschotter bedeckt.
Am westlichen Fusse des Berges Damil, von den Tetfner Feldern angefan-
gen über dieEinschnitte Hvizdalke und dasDorfJarov treten die Littener Scbich-
ten zwischen den Kalkbänken und dem Quarzitsandstein der Königshofer Schich-
ten an einigen Orten auf, und umgeben auch den südlichen Fuss der Dlouhä hora
bei Bitov, senden von da einen Ast bis in die Tetfner Schlucht am Westfusse
des Berges Tobolka und füllen die ganze thalartige Lücke zwischen den Kall:-
bergen von Tobolka und Koneprus, von Karlshütten über Bftov und Koneprus bis
Mnenan aus.
Die grösste Verbreitung haben die Littener Schichten auf dem Plateau zwi-
schen der Koukolovä hora und dem Housinaberge bei Tmän, Suchomast und
Bykos, indem sie alle tiefen Stellen zwischen den höheren Kalkbergen und den
ins obersilurische Plateau hineinragenden Quarzitrücken ausfüllen. Der Fuss
dieser Berge, die ehedem vielleicht eine zusammenhängende Kalkdecke bildeten,
nämlich der Koukolovä hora, des Berges bei Slovfky, des Lejskov bei Tmän, des
Zlaty Kün, des Bacfn undMramor, ist rings um hervon Littener Schichten gebildet.
Von Mnenan und Liten angefangen ist die Zone der Littener Schichten,
wie schon früher erwähnt wurde, durch die Königshofer Schichten des
Voskovberges in zwei Partien getrennt. Die eine setzt sich von Bftov aus am
Südrande des Tobolker Höhenzuges und längs des grossen zusammenhängenden
Kalkplateaus über Korno und Poucnfk gegen Morinky, Vonoklas und Radotfn
über Lochkov bis Kuhelbad fort und enthält überall mächtige Grünsteinmassen;
die andere geht südlich vom Fusse der Kalkberge Mramor und Samor bei Liten,
die sie umsäumt, überVlenec, Be.lec, Vorder- und Hinter-Tfebän, Karlfk bis fast
nach Ober-Cernosic ; von beiden Seiten ist selbe von Königshofer Schichten
umsäumt.
In der Fortsetzung des Mnenaner Quarzitsandsteines folgt der aus demsel-
ben Gesteine bestehende Bergrücken zwischen Suchomast und Libomysl, so dass,
wenn beide Rücken ununterbrochen Zusammenhängen würden, das obersilurische
[45] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 267
Terrain am rechten Beraunufer in zwei Partien getrennt sein würde. Zwischen
beiden Rücken der Königshofer Schichten erheben sich die Kalkberge Kobylo
und Telfn.
Die Mächtigkeit der Littener Schichten ist wechselnd. Barrande gibt sie
im Mittel auf 100 Meter an.
Auf den Littener Schichten liegen die Kalkbänke der Kuhelbader, Kone-
pruser und Braniker Schichten ( E , F, G Barr.). Dieselben bilden die Haupt-
masse des obersilurischen Plateaus; aus denselben bestehen die steilen mit
Gestrüpp oder Steingerölle bedeckten Lehnen, die senkrechten malerisch aufge-
thürmten Felsen in den Querthälern, so wie die höchsten Kuppen des Terrains.
Die tiefsten im Durchschnitte auch gegen 100 Meter mächtigen Kalkbänke
der Kuhelbader Schichten enthalten bituminöse Kalksteine, welche mit den
Littener Schichten zusammen die Etage E Barrande’ s bilden.
An der unmittelbaren Grenze mit den Littener Schichten wechseln kleinere
Schichten eines fast schwarzen Marmors mit den Schiefern ab; dann folgen
dunkelgraue allmälig lichter werdende Kalkschichten. Der Kalkstein gibt beim
Zerschlagen oder Reiben einen bituminösen Geruch, er ist durchgehends wahrer
Stinkkalk. Stellenweise findet man zwischen den Kalkschichten eine noch knet-
bare bituminöse schwarze Masse oder asphaltartige Streifen, auch die Kammern
der Cephalopoden, namentlich der Orthoceren, sind manchmal mit festem Bitumen
ausgefüllt.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass der ganze bituminöse Gehalt von den
weichen Theilen der zahllosen versteinerten Thiere herrührt, deren Schalen nun
stellenweise ganze Schichten bilden. Der Kalkstein der Kuhelbader Schichten
ist feinkörnig, von Kalkspathadern durchschwärmt, stellenweise mit sparsamen
thonigem Cement und gibt einen guten Mörtelkalk. Der schwarze Marmorkalk
(von dem ein Theil aber zu den Konepruser Schichten gehört) wird zu Inschrifts-
tafeln verarbeitet und vorzüglich bei Karlik gebrochen.
Obwohl man überall in den bituminösen Kalksteinen Petrefacten findet, so
sind doch einige Localitäten durch die Menge der Species und die unzähligen
Individuen derselben ausgezeichnet, so namentlich die Dlouhä hora zwischen Bftov
und Kolednfk, die Felsen bei Tetfn, der Felsen Kozel, der Berg Listice, die
Felsen bei Sedlec, Karlstein, Lochkov, Slivenec, Kuhelbad, (Vyskocilka) , bei
Tachlovie, Butovic, Ohrädka, Dvorec, Branfk und Michle.
Auf den bituminösen Kalksteinen der Kuhelbader Schichten liegt eine Zone
von grösstentheils röthlichen Marmorkalken, welche am Süd west-Ende des Pla-
teaus entwickelt sind (etwa 50 Meter), gegen das Nordost-Ende aber bis auf
einige Klafter zusammenschrumpfen. Dieser Kalkstein bildet die „Konepruser
Schichten44 (Barr. F). Vor allem ist derselbe ausgezeichnet durch das Fehlen
von Bitumen, die Farbe ist aber eben so wenig constant rölhlich, als auch die
Structur mannigfach abwechselt. Bei Dvorec ist die Farbe des Kalksteines der
Konepruser Schichten lichtgrau oder röthlichgrau, bei Lochkov in den Slivenecer
Steinbrüchen, auf dem Plateau zwischen Tfebotov, Bubovic und Hostfn, bei Srbsko,
Tetfn und im Suchomaster Walde röthlichgrau mit weissen Kalkspathadern und
stellenweise mit grünlichen und grauen Flecken; ein Theil dieses Kalksteines bei
Dvorec, Slivenec, Lochkov, Tfebotov und Vonoklas ist dunkel oder selbst schwarz;
bei Koneprus und Mnenan ist die Farbe desselben weiss.
Die röthlichen Kalksteine der Konepruser Schichten haben gewöhnlich eine
dichte Structur und nehmen eine schöne Politur an; sie werden zu Thürpfosten,
Wasserbehältern, Säulen u. s. w. verarbeitet, auch ein grosser Theil der Trottoir-
steine Prags ist denselben entnommen.
268 Johann Krejci. [4G]
Stellenweise hat das Gestein eine krystallinisch - körnige Structur, was
namentlich von den meisten Kalksteinen bei Koneprus und Mrtenan gilt, oder es
besteht aus unregelmässigen bis faustgrossen Knollen von röthlicher und grün-
licher, häufig gefleckter Farbe, welche das Ansehen haben, als oh sie im weichen
Zustande zu einer consistenten Masse geknetet worden wären.
Das Cement zwischen den einzelnen Knollen bildet eine dünne Lage von
thonig-kalkiger Masse. In diesen knolligen Kalksteinen findet man überall einge-
streute Knollen von grauem Hornstein, die an den verwitterten Schichtenflächen
mit ihrer rauhen Oberfläche zum Vorschein kommen.
Petrefacten sind durch die ganze Ablagerung der Konepruser Schichten
vertheilt, am häufigsten kommen sie aber in der isolirten Bergmasse des Zlaty
Kuh, Kobyla und Plesivec bei Koneprus und Mnehan vor; einige Kalkbänke
bestehen hier fast ganz aus Korallenstöcken; nebstdem sind ausgezeichnete
Fundorte die Kalksteinhügel nördlich von Bubovic, das Thal unterhalb Lochkov
und die Felsen bei Dvorec. Nach dem Orte Koneprus, in dessen Nähe beide Typen
der Kalksteine dieser Etagen Vorkommen, der röthliche Marmorkalk und der
petrefactenreiche weisse Kalkstein, haben die Schichten dieser Etagen den Namen
„Konepruser Schichten“ erhalten.
Die oberste Kalketage, von welcher die vorhergehende bedeckt ist, nämlich
die B r an iker Schichten (Barrande'sEtage G ), hat eine grössere Mächtigkeit
(200 — 300 Fuss). Sie bildet namentlich die steilen Felsen des obersilurischen
Terrains, z. B. den Felsen bei Branfk, welcher von den Prager Brücken aus
gesehen, eine der schönsten Zierden des Moldauthales bildet, und nach welchem
diese Kalksteinablagerung „Braniker Schichten“ benannt wurde; aus denselben
bestehen auch die malerischen Felsengruppen im St. Prokopi- und St. Ivantliale.
die kahlen Kuppen des Damilberges bei Tetfn so wie der bewaldete Tobolkaberg
und nimmt überhaupt die höchsten Punkte des obersilurischen Plateaus ein. Der
Kalkstein der Braniker Schichten ist durchgehends ein charakteristischer licht-
grauer Knollenkalk mit einzelnen Hornsteinconcretionen. Er ist den Knollenkalken
der Konepruser Schichten sehr ähnlich, doch unterscheidet er sich von denselben
durch die mehr constante lichtgraue oder bläulichgraue Farbe, nur einzelne
Partien sind auch röthlich gefärbt.
Die einzelnen Knollen dieses Kalksteines sind etwas längliche, unregelmässige
Stücke von 2 — 6 Zoll Durchmesser, die Stücke greifen häufig gliederförmig
in einander und scheinen nichts anderes, als Concretionen zu sein, welche bei der
Bildung der Kalkschichten aus der Schichtenmasse sich ausschieden. Das Cement
der Knollen ist einethonig-kalkige Masse, welche dieselben mit einer Kruste be-
deckt. Einzelne Schichtenbänke bestehen aus dichtem Kalkstein, doch bilden sie
blos untergeordnete Partien in den Knollenkalken. Die Klüfte, welche das
Schichtensystem durchsetzen, sind mit starken Kalkspathadern angefüllt, in denen
häufig ausgezeichnete Krystallformen Vorkommen.
Von beigemengten Mineralien ist licht weingelber Baryt zu erwähnen,
welcher — obwohl sehr sparsam — hie und da in den Klüften nebst Braunspath
vorkömmt, so z. B. bei Branfk.
In den obersten Bänken der Braniker Schichten wechseln die Kalkschichten
mit dünnblättrigen schwarzgrauen Schiefern ab und endlich lösen sich die zu-
sammenhängenden Kalkmassen in einzelne, den aufgelagerten Grauwacken-
schiefern eingestreute Kalkknollen auf, so dass das erste Auftreten des Kalkes
an der Basis der Kuhelbader Schichten und das letzte in den obersten Lagen
der Braniker Schichten einander vollkommen analog ist. Mau sieht diese Ver-
hältnisse sehr deutlich im St. Prokopithale bei Hlubocep, namentlich in der
[47 j Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 269
Schlucht, welche von den Divcihrady gegen das Dorf sich herahzieht und die
steil aufgerichteten Schiefer durchfurcht; eben so im Thale unterhalb Trebotov,
bei Karlstein und Srbsko. Was die Fundorte der Petrefaeten in den Braniker
Schichten anbelangt, so gilt das schon bei den Kuhelbader und Konepruser
Schichten Erwähnte; sie kommen nämlich sporadisch in dem ganzen Gebiete vor,
an einzelnen Orten sind sie aber häufiger. Als solche ausgezeichnetere Fundorte
sind zu bezeichnen, der Damilberg bei Tetin, das Thal bei Hostin und die Ab-
hänge des Berges Listice, die Hügel zwischen Lodenic, Bubovic, Luzec und
Kuchar, die Felsen bei Srbsko, Karlstein, Chotec, Boblfn, Kosor, Hinter-Kopania,
Lochkov und Slivenec, die Abhänge des Berges Divcfhrady bei lllubocep, die
Felsen bei der Vyskocilka bei Branik und Dvorec.
Die Kalkbänke der Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten haben
einzeln für sich eine zu geringe Mächtigkeit und sind überdies grösstentheils so
innig verbunden, dass man bei der Beschreibung ihres Verbreitungsbezirkes sie
füglich nicht von einander trennen kann.
Alle zusammen bilden aber ein ausgezeichnetes Glied des böhmischen
Silursystems und geben dem Terrain, das sie zusammensetzen, einen bestimmten
Charakter.
Betrachtet man die Kalkbänke für sich allein, so bilden sie keineswegs eine
zusammenhängende Decke der untersilurischen Schichten, sondern dies gilt blos
von den Littener Schichten.
Die Kalkschichten seihst sind in zwei sehr ungleiche grössere Partien ge-
trennt, nämlich in die etwa 5 Meilen lange und 3/3 Meilen breite Partie zwischen
Michle bei Prag, Bitov und Mnenan bei Beraun, dann in die blos */4 Meile breite
und 1 Meile lange Partie zwischen Koneprus, Suchomast, Mnenan und Liteh.
Nehstdem sind noch die Kuppen der schon früher erwähnten Berge zwischen
Suchomast, Libomysl und Popovic aus Kalksteinen gebildet. Auf der geologischen
Karte stellt sich demnach das eigentliche Kalkterrain an seinem südwestlichen
Ende am rechten Bet aunufer vielfach zerrissen dar, während es am linken Beraun-
ufer ein zusammenhängendes, nur theilweise von den Grauwackenschiefern der
Hluboceper Schichten oder von Diluvialschotter und Lehm bedecktes Plateau bildet.
Die vier südwestlichsten Kalkberge, der Lejskov, der Berg bei Lounin,
bei Chodoun und die Koukolovä hora bestehen blos aus Littener Schichten und
den bituminösen Kalkbänken der Kuhelbader Schichten.
Der erstere, der Lejskov, bildet einen etwa y3 Stunde langen, theils
bewaldeten, theils kahlen Rücken zwischen Tmän und Malkov, der südwestlich
streicht und gegen Nordwest ziemlich steil abfällt; an den Felsenkämmen ober-
halb Tmän erreicht er die Höhe von 1520*70 Fuss. Beiderseits ist er von Thäl-
chen umsäumt, welche die Littener Schichten durchfurchen, während diese selbst
auf Königshofer Schichten ruhen. Diese letzteren greifen von Chodoun bis über
Lounin, dann von Libomysl bis über Suchomast als kleine Rücken ins obersilu-
risehe Terrain ein.
Der zweite Berg dehnt sich ebenfalls rückenförmig, aber niedriger zwischen
Lounin und dem Hofe Slaviky gegen Südwest aus, und besteht ebenfalls aus
bituminösen Kuhelbader Kalksteinen, am Fusse aus Littener Schichten.
Ein kleiner Sattel, über den der Weg von der Zdicer Sägemühle nach
Lounin führt, trennt diesen Kalkrücken von der kahlen Kalkkuppe (ebenfalls den
Kuhelbader Schichten angehörend) oberhalb Chodoun, welche so wie die
bewaldete Koukolovä hora weithin im Litavathale zu sehen ist.
Die Koukolovä hora wird von den vorigen Bergen durch ein kleines
Thal getrennt; sie erhebt sich aus den Littener Schichten desselben als ein
270
Johann Krejöi.
[48]
isolirter kegelförmiger, mit einer Kapelle gezierter Berg, der gegen das Litava-
thal bei Popovic steil abfällt. Sein Fuss besteht auf dieser Seite aus Königshofer
Schichten, auf denen die Littener Schichten liegen, während die höchste Kuppe
(1499 88 Fuss), wo grosse Steinbrüche angelegt sind, aus Kalksteinen der
Kuhelbader Schichten besteht.
Der D urch schnitt 7 in der beigefügten Tafel durch diese Bergpartie
zeigt die Lagerung der obersilurischen Schichten auf den ins Plateau eindringen-
den Quarzitrücken.
Einen viel grösseren Raum, als in den genannten Kuppen nehmen die Kalk-
steinbänke auf dem Bergrücken zwischen Suchomast, Koneprus und Liteii ein.
Sie gehören hier nicht blos zu der Zone der bituminösen Kuhelbader Schichten
(E), sondern auch zu der Zone der Konepruser Schichten (F), die hier vorzüg-
lich entwickelt ist; doch fehlen die Schichten der höheren Etagen, nämlich die
Braniker Kalksteine (£) und die Hluboceper Schichten (//) hier gänzlich.
Der Bergrücken selbst liegt nicht im nordöstlichen Streichen, wie die vor-
genannten Berge, sondern er erstreckt sich senkrecht zu demselben von Nord-
west nach Südost. Er bildet einen eminenten, am südöstlichen breiteren Ende
grösstentheils bewaldeten Kamm, dessen Fuss rings umher von Littener Schichten
umsäumt wird.
Die ganze breitere Partie zwischen dem Thale von Mnenan und dem
Dorfe Nesvacil bei Vserdic besteht aus bituminösen Kuhelbader Schichten. Sie
enthält den schön bewaldeten Berg Mramor, auf dessen Gipfel (etwa 1560 Fuss)
sich eine kleine Höhle befindet, dann den Berg Samor südlich vom vorigen, die
Berge Telin und ßaci'n (15G3 72 Fuss) westlich von den vorigen; zwischen
beiden liegt das Dorf Vinaric noch auf Kuhelbader Kalksteinen; nördlich von
diesem Dorfe erhebt sich der kahle Felsenkamm Oujezdec mit Steinbrüchen, als
westliche Fortsetzung des Bacfn, ebenfalls aus bituminösen Kuhelbader Schich-
ten bestehend. Dieser Kalkstein zieht sich dann weiter gegen Suchomast und
bildet daselbst den äusseren Rand des hohen Bergrückens, so wie die Felsen zu
beiden Seiten des Suchomaster Baches bis zur äussersten Westspitze des Berges
Zlaty Kun bei Koneprus, dann geht er auf der nördlichen Seite dieses Berges
als ein schmaler Streifen zum Nordfusse des Mramorberges zurück. Der nord-
westliche Kamm dieser Bergpartie besteht aus weissen und röthlichen Konepru-
ser Kalksteinen (F), in denen ausgezeichneter Weisskalk und schöne Marmor-
platten gebrochen werden. Er enthält den nur auf der Nordlehne bewaldeten
Berg Zlaty Kun, auch Svaty Kun (das goldene oder heilige Pferd) mit einer Höhle
nahe am Gipfel (1450 Fuss), dann die bewaldeten Berge Kobyla (die Stutte)
und den Plesivec. Auf diesen Bergen sind die ausgezeichnetsten Fundorte für
die Petrefacten der Konepruser Schichten (F).
Ueber das Mnenaner Thal, so wie den Sattel zwischen Mnenan undKoneprus,
dessen Boden und nördlichen Abhänge von Littener Schichten und den früher be-
schriebenen Quarzitsandsteinen der KönigshoferSchichten gebildet werden, erhebt
sich das Plateau von Tobolka, welches mit dem Walde von Koda und dem Berge
Damil bei Teiin schon zu dem grossen bis Prag ausgedehnten Kalkterrain
gehört.
Durch das Beraunthal zwischen Tetfn und Karlstein wird dasselbe von der
St. Ivaner und Karlsteiner Bergkuppe geschieden, und durch die Schlucht
zwischen dem Damil und dem Koder Walde in zwei Theile getrennt. Der nord-
westliche kahle Theil mit dem Berge Damil bei Tetin enthält alle drei Kalk-
etagen; die Dlouhä hora so wie der Bergrücken zwischen Kolednik und Jarov
bestehen aus den bituminösen Kuhelbader Schichten (F), der Gipfel des Damil
[49] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraum 271
aber aus Konepruser ( F ) und Braniker ( G ) Kalksteinen, während daselbst die
Kuhelbader Kalke nur seinen Fuss umsäumen und die senkrechten Felsen an
der Beraun bei Tetin bilden. Die südwestliche Partie mit dem Plateau von To-
bolka und Koda besteht ebenfalls aus Kalkbänken aller drei Etagen; der südliche
etwas aufgestülpte Rand mit den Bergen Straziste und „na Strevfci“ bei Korno
enthält die Kuhelbader Schichten, auf denselben ruhen bei Tobolka röthliche
Konepruser Kalksteine, während die Kuppe des Tobolkaberges (1462*08 Fuss),
dann der Rücken zwischen Tobolka und Koda, so wie das Plateau des Koda-
waldes aus knolligen Braniker Kalken bestehen. In der tiefen Schlucht, welche
sich von Tobolka über Koda gegen den Beraunfluss zieht, liegen auf den Knollen-
kalken kleine Partien der Hluboceper Schichten (ZZ); e^n Theil des Plateaus
und die hohe Uferterrasse bei Tetin ist mit Diluvialschotter bedeckt.
Höhlen befinden sich bei Tetin in den Kuhelbader Schichten, dann am
Fusse des Koder Waldes unmittelbar amBeraunflusse und bei Koda im sogenann-
ten Capouch in den Braniker Knollenkalken. —
Das Kalksteinterrain am linken Beraunufer in der früher angedeuteten Um-
grenzung vom Listiceberge und Karlstein bis Michle und Branik bei Prag ent-
hält durchgehends alle drei Etagen. Sowohl in dem Querthale der Beraun von
Tetin bis Karlstein, Karlik und Roblin, Solopisk, Radotin und Tachlovic, Slivenec
und St. Prokop, dann namentlich im Moldauthale zu beiden Seiten des Flusses
zwischen Zlichov und Kuhelbad sieht man die regelmässige Folge der Kalk-
bänke überall aufgeschlossen.
Die Kuhelbader bituminösen Kalksteine bilden auch hier überall den
äussersten Saum des Kalkplateaus, während auf der Höhe desselben, so weit sie
nicht von jüngeren Schichten oder von Diluvialschichten und Lehm bedeckt sind,
die röthlichen Konepruser Marmore mit den charakteristischen grauen Braniker
Knollenkalken abwechseln. Die letzteren Schichten, längs dem nordöstlichen
Streichen mannigfach gebrochen, bilden hier überall die höchsten Rücken; am
Fusse derselben treten gewöhnlich die Konepruser Kalksteine auf.
Auf diese Art bilden die Konepruser und Braniker Schichten auf der geolo-
gischen Karte längliche, von Südwest nach Nordost laufende Streifen, welche den
höheren Rücken des Kalkplateaus entsprechen, während zwischen denselben die
Schiefer der Hluboceper Schichten liegen.
Ich habe schon in der Skizzirung der orographischen Verhältnisse drei
Rücken unterschieden; auf allen diesen sind die erwähnten Schichten sehr deutlich
zu sehen. Auf einer Kuppe des nördlichsten Rückens, „u stydle vody“ genannt
(bei St. Ivan) , öffnet sich der Eingang zu einer geräumigen Höhle in den Kone-
pruser Kalken.
Das St. Prokopithal bei Prag geht grösstentheils durch die Braniker Schichten
parallel zu ihrem Streichen , und nur am Beginne dieses Thaies bei Reporyje
durchbricht es auch die Littener, so wie die Kuhelbader und Konepruser Schichten,
und endlich an seinem untern Ende bei Hlubocep die Hluboceper Schiefer. Die
Höhen zu beiden Seiten des Thaies, die Lada bei Kuhelbad und die Dfvcfhrad}%
so wie die Zlichover Felsen bestehen aus Braniker Knollenkalken. Unter der
Kirche von St. Prokop, die auf einem steilen Felsenvorsprung der Braniker
Schichten steht, befindet sich die bekannte St. Prokopihöhle zwischen den Falten
der gewundenen Schichten. Am rechten Moldauufer bei Dvorec und Branik ist
das Kalkterrain in zwei Partien getrennt. Die kleinere südliche Partie enthält
die Kalkfelsen bei Branik, die sich auf einen kleinen Raum beschränken und nur
die steilen Abfälle zweier durch eine Schlucht getrennten Berge enthalten; der
südliche davon besteht aus bituminösen Kuhelbader Schichten, der nördliche,
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
35
272
Johann KiejCf.
[SO]
wo der berühmte Prager Mörtelkalk gebrochen wird, aus den Knollenkalken (G),
welche wir nach dieser Localität mit dem Namen „Braniker Schichten“ bezeich-
neten. Die Konepruser Schichten sind hier sehr untergeordnet und durch Schutt
bedeckt, so dass sie nicht zum Vorschein kommen.
Die grössere nördliche Partie enthält den Dvorecer Felsen, dessen Fuss
und die anstossenden Lehnen bei dem Dorfe Dvorec aus schwarzen Kuhelbader
Kalksteinen und Littener Schiefern bestehen, während der steileFelsen am Plateau-
rande, der durch Steinbrüche schon zur Hälfte abgetragen ist, Konepruser und
Braniker Kalksteine enthält. In der weiteren Ausdehnung des Kalkterrains gegen
Michle trifft man nur bituminöse Kuhelbader Kalke an; sie sind durch einige
Steinbrüche zwischen St. Pankrac und Michle aufgeschlossen; einige alte Stein-
brüche in der Richtung gegen Nusle sind aber schon längst verschüttet und
geebnet, auch ist das ganze Plateau von Diluvialschotter und Ackerland bedeckt,
so dass sich die Ausdehnung der Kalkschichten genau nicht bestimmen lässt. In
der Thalschlucht zwischen den Braniker und Dvorecer Felsen treten die unter-
silurischen Zahoraner (oder Königshofer) Schichten zu Tage; sie trennen beide
Kalkfelsen von einander.
Die letzte und höchste Schichtenstufe des böhmischen Silursystems, die
Hluboceper Schichten (Barr. Etage//), lässt sich von den kalkigen Schichten-
zonen sehr leicht unterscheiden, indem sie aus Grauwackenschiefern und sand-
steinartigen Quarziten besteht. Die Grauwackenschiefer der Hluboceper Schichten
sind einigermassen den Schiefern der Zahoraner Schichte (^/4) ähnlich, indem sie
aus einer thonigen Grundmasse mit sichtbar eingemengten Quarzkörnchen und
Glimmerblättchen bestehen; die Farbe ist gelblichbraun bis schwarzbraun; die
tieferen Lagen nahe am Kalksteine der Braniker Schichten enthalten überhaupt
dünnblätterigere Schiefer als die oberen Lagen, in denen gerade so wie in den
Zahoraner Schiefern auch kleine Lagen des erwähnten sandsteinartigen Quarzites
eingeschlossen sind. Da, wo die Hluboceper Schiefer unmittelbar auf den Knollen-
kalken der Braniker Schichten liegen, sind in jenen häufige Kalkkmdlen einge-
streut, welche gegen das Hangende zu allmälig sparsamer werden, bis sie sich
verlieren.
Vorzüglich charakteristisch, sowohl den Gesteinen als den Petrefacten
nach, kommen diese Schieferbei Hlubocep vor, wonach wir sie als „Hluboceper
Schichten“ bezeichnet hatten.
Diese Schichten bildeten in früheren Zeiten ohne Zweifel eine zusammen-
hängende Decke auf den Kalkbänken der Braniker Schichten, nun sind sie aber
in einzelne längliche, von einander getrennte Partien geschieden, welche ent-
weder zwischen die Kalkschichten der Braniker Knollenkalke eingekeilt sind oder
die thalartigen Terrainfurchen zwischen den niedrigen Kalksteinrücken des ober-
silurischen Plateaus erfüllen.
Petrefacten sind im Allgemeinen seltener, als in den anderen Schichtonstufen,
namentlich gilt dies von den höheren Schiefern, wo man ausser kleinen Resten
von Fucoiden gar keine Spur von organischen Wesen findet. Barrande sah in der
Schlucht, welche von Hostin nach Bubovic führt, ein kleines Kohlenflötz, welches
aber jetzt nicht mehr sichtbar ist.
In den tieferen dünnblättrigen Schichten der Hluboceper Schichten dagegen
sind die Petrefacten an einzelnen Punkten sehr zahlreich. Eine Zone dieser
Schichten ist von kleinen Tentaculiten ganz angefüllt; nebstdem findet man in
denselben ziemlich häufig kleine Orthoceren, Gasteropoden, Brachiopoden und
Avieula-Schalen; bei Hlubocep auch Trilobiten. Ich fand diese Tentaculitenschiefer
in dem engen Streifen der Hluboceper Schichten am Fusse der Divci-
[Sl] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 273
hrady bei Hlubocep, dann in der Fortsetzung dieses Streifens bei Klukovic und
Opatfilka; dessgleichen in der Partie, welche vom Slivenecer Plateau sich gegen
Hlubocep herabzieht; dann im Rudotiner Tha! unterhalb Hinter-Kopania, an drei
Orten zwischen Chotec und Chejnic, im Thale unterhalb Trebotov und in der
Fortsetzung der hier beginnenden Schieferpartie bei Gross-Morin; dann in einem
kleinen isolirten Streifen im Tliale nordöstlich bei Karlstein; in der Schiefer-
partie, die bei Gross-Kucha? beginnt, bei diesem Orte selbst, dann nahe an der
Mündung des Lodenicer Baches unterhalb Hostin, an der Mündung des Bubovicer
Baches bei Srbsko und endlich an der Mündung der Ko 1 er Schlucht am rechten
Beraunufer.
Sehr merkwürdig ist das Auftreten von Grünsteinen in Begleitung
der Tentaculitenschiefer der Hluboceper Schichten. Es ist meines Wissens nur
auf einige Localitäten zwischen Chejnic und Chotec und im Thale unterhalb
Hinter-Kopanina beschränkt, und zwar liegt er lagerförmig gerade zwischen den
Braniker Knollenkalken und den Tentaculitenschiefern.
Das eine Vorkommen ist bei der Mühle Dubecky mlyn, das andere bei
Chotec an der Strasse von diesem Orte nach Orech, das dritte unterhalb Kopa-
nina nahe der Orecher Mühle.
Die Grünsteine sind den an der Basis der obersilurischen Abtheilung in den
Littener Schichten abgelagerten vollkommen ähnlich und da man sie nirgends die
Kalkbänke durchbrechen sieht, so sind sie offenbar eines ganz anderen als
eruptiven Ursprungs. Man findet Schieferpartien, den Hluboceper Schichten an-
gehörend, in einzelnen isolirten Streifen auf dem ganzen Verbreitungsbezirke der
Braniker Knollenkalke zu beiden Seiten der Moldau und Beraun. Abschwem-
mungen, theilweise auch mannigfache Dislocationen sind die Ursache ihres jetzi-
gen beschränkten Vorkommens, was aus den später beigefügten Profilen deut-
lich ersichtlich wird.
Angefangen von dem Nordostende des obersilurischen Plateaus findet man
die Hluboceper Schiefer zuerst am Nordabhange des Braniker Felsens, wo sie
namentlich beim Baue der kleinen Reihe neuer Häuschen zum Vorschein kommen,
nun aber von Schutt und aufgelöstem Erdreich grösstentheils bedeckt sind.
Eine viel grössere Ausdehnung nehmen sie längs dem Verlaufe des St.
Prokopithales von Hlubocep bis zu den Gehängen des Kalksteinplateaus zwischen
Orech und Reporyje. Sie treten da in zwei länglichen von Nordost nach Südwest
gestreckten Streifen auf, von denen der nördliche und engere zwischen die
Klippen desBranilter Knollenkalkes eingekeilt ist und vom St. Prokopithale ober-
halb Hlubocep durchbrochen wird; der zweite breitere Streifen aber die nörd-
lichen Gehänge des Slivenecer Plateaus vom Dorfe Hlubocep über Holm bis nahe
an Orech einnimmt.
Das Slivenecer Plateau selbst ist mit Diluvialschotter bedeckt und das feste
Gestein also nicht sichtbar; es lässt sich demnach nicht bestimmen, wie weit
die Schiefer dasselbe bedecken. Eine zweite Partie der Hluboceper Schiefer
findet man in dem Thälchen zwischen den Dörfern Chejnice und Chotec. Der eine
enge Streifen geht von Kopanina bis nach Chotec, drei andere viel kürzere
Streifen treten zwischen den Braniker Schichten des nördlichen Thalgehänges
zwischen Chotec und Chejnic auf. Sie scheinen die Ueberreste einer grösseren
Schieferdecke zu sein, welche die Bodendepression zwischen dem Slivenecer
und Kucharer Plateau ausfüllte.
Eine dritte Partie beginnt bei Trebotov und dehnt sich südwestlich durch
die Bodenfurchen unterhalb Trebotov gegen Robli'n und von da längs den höhe-
ren Kalksteinrücken, welche sich bei Karlstein erheben, über Gross-Morin bis
35 *
274
Johann Krejßi'.
[32]
in den Sattel zwischen dem Berge Javorka und den Bubovicer Waldhöhen aus.
Eine kleine isolirte Partie ist nahe am südlichen Ende dieses Streifens am Fusse
des Javorkaberges bei Karlstein zwischen den Braniker Schichten eingekeilt und
vom Karlsteiner Bache durehrissen. In der Fortsetzung dieses Streifens liegen
auch die kleinen isolirten Schieferpartien der Hluboceper Schichten bei Srbsko,
von denen sich die eine von dem genannten Dorfe bis in die Nähe der Quelle
„Krälovskä studänka“ erstreckt, eine zweite nahe am Flusse hei dem Wege von
Srbsko nach Karlstein, und eine dritte nahe an der Mündung des Lodenicer Baches
an den Gehängen der aus Braniker Schichten bestehenden Berge auftritt.
Eine vierte Partie von Hluboceper Schichten beginnt am Plateau zwischen
Gross-LJjezd und Gross-Kuchaf und gebt ebenfalls durch eine Bodenfurche über
Luzec, Kozolup und ßubovic herab gegen Hostin in’s St. Ivansthal, welches die
Auflagerung derselben auf den Kalkbänken der Braniker Schichten auf eine sehr
belehrende Art aufschliesst; von da steigt sie auf die Terrasse hinauf, die gegen-
über von Tetin den Beraunfluss umsäumt.
Am rechten Beraunufer sind die Hluboceper Schiefer nur in kleinen Partien
anzutreffen, und zwar am Ausgange der Koder Schlucht gegenüber von Srbsko
am Wege nach Tetin, dann im Wege von der Ueberfuhr nach Koda und endlich
in der Schlucht zwischen Koda und Toholka. —
Das Studium des Schichtenbaues im obersilurischen Terrain wird durch die
tief eingefurchten Thäler, so wie durch den auffallend verschiedenen Habitus
der einzelnen Etagen sehr erleichtert.
Man könnte auf hinreichend grossen Karten, z. B. den Katastralkarten, das
interessanteste Detail eintragen und ein bis in die kleinsten Abweichungen ein-
gehendes Bild des obersilurischen Schichtensystemes darstellen , so deutlich und
an so vielen Orten ist dasselbe aufgeschlossen. Da ich aber nur eine allgemeine
übersichtliche Darstellung der Aufnahmsarbeiten vorlege, so kann ich mich hier
nur auf die Beschreibung der allgemeinen Lagerungsverhältnisse beschränken.
Bei der Beschreibung des Schichtenbaues lassen sich die einzelnen ober-
silurischen Schichtenstufen von einander nicht trennen, da sie einen einheitlichen
Schichtencomplex bilden, wohl aber unterscheiden sie sich schon durch ihre
Lagerung auffallend von den Schichten der untersilurischen Ablagerungen, indem
sie trotz dem im Allgemeinen gleichen nordöstlichen Streichen doch eine viel
grössere Unregelmässigkeit im Einfallen zeigen und offenbar für sich allein
grossen Veränderungen in der ursprünglichen Lagerung unterworfen waren.
Im kleineren Maasse wiederholt sich diese von den anliegenden Schichten
unabhängige Unregelmässigkeit in den höheren Lagen der bituminösen Kuhel-
bader Kalksteine. Eine Zone dieser Kalksteine, obwohl sie zwischen ebenen
Flächen der Konepruser Marmore und den tieferen thonigen Kuhelbader
Kalkschichten liegt, ist doch in so vielfach in einander verschlungene Falten
und Knickungen gelegt, dass sie ein vollkommenes Bild einer von allen Seiten
zusammengepressten plastischen Schichte gibt.
Man sieht diese merkwürdige Lagerung fast überall, wo die Kalksteine der
Kuhelbader Schichten zu Tage treten, doch am deutlichsten auf dem Durch-
schnitte der von den Franzosen im Jahre 1740 in die Felsen bei Kuhelbad ein-
gesprengten Strasse zwischen Königsaal und Prag. Die nachfolgende Skizze
Fig. 7 stellt eine Partie dieses Felsens dar.
Aehnliche Windungen der Kuhelbader Schichten sieht man bei Radotin,
am Beraunflusse bei Karlstein, bei Korno und an vielen anderen Orten.
Die Faltenbildung dieser Kalkzone lässt sich weder durch Eruption des
Grünsteines erklären, da dieser älter ist, als der bituminöse Kalkstein, noch durch
Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 275
Bituminöse Kalkschichtcn bei Kulielhad.
Compression derselben im noch weichen Zustande, da eben nur diese Zone die
Faltenbildung zeigt, die nächst tieferen und höheren Kalkschichten aber ebene
Flächen haben , sondern nur durch Massenzunahme einer ursprünglich thonigen
Schichtenzone, die allmälig durch Infiltration mit kohlensaurem, Kalk impräg-
nirt wurde und unter dem gewaltigen Drucke der höheren Kalkbänke sich
strecken und falten musste. In einem grösseren Maassstabe als in den Kuhel-
bader Kalkschichten sieht man faltenartige Windungen an vielen Orten des
Braniker Knollenkalkes, z. B. an den Felsen der Zlichover Kirche und der St.
Prokopikirche, bei Karlstein, Srbsko, Teti'n u. s. w.
Auch hier ist, die Faltung nur auf eine bestimmte Zone beschränkt, da
sowohl die tieferen, als die höheren Bänke ebene Flächen behalten.
Das Streichen der Kalkschichten geht im Allgemeinen nach Stunde 5 — 5*5
mit kleinen localen Abweichungen gegen Norden und sogar Nordwest. Ein
solches abweichendes Streichen bemerkt man z. B. am Nordostende des ober-
silurischen Plateaus bei Michle , wo die Kuhelbader Schichten sich muldenartig
gegen Nordwest drehen. Eben so ist das Streichen der Kuhelbader und Kone-
pruser Schichten am Zlaty Kün westlich, ja theilweise nordwestlich. Die kleinen
isolirten Kalkmulden am äussersten Südwestsaume des obersilurischen Plateaus
haben aber keine kesselförmige Concavität, sondern bleiben an allen Rändern
im herrschenden Nordoststreichen.
Dasselbe bemerkt man übrigens auch an den petrefactenführenden Schichten
des südwestlichen und nordöstlichen Endes der uutersilurischen Abtheilung, so
dass die obersilurischen Schichtenzonen mit Einschluss der erwähnten unter-
silurischen Ablagerungen (die B arr a n d e'schen Etagen D , E , F, G und ff)
keineswegs eine von allen Seiten gegen den Mittelpunkt einfallende Mulde, son-
dern vielmehr einen langgestreckten Trog vorstellen, dessen Süd westende aller-
dings höher gelegen ist, als das Nord ostende.
Wenn man das böhmische mittlere und obere Silurbecken mit einem Troge
vergleicht, so gilt das nur für die allgemeinsten Formverhältnisse. Dieselbe Ur-
sache, welche die ursprünglich vielleicht reine Muldenform des Beckens in eine
mit parallelen Rändern versehene Trogform veränderte, gab auch Veranlassung
zur Bildung mehrerer unter einander paralleler Faltungen, die das Silurbecken
ganz genau im Nordoststreichen der Formation durchsetzen. Diese Faltungen
276
Johann Krejöf.
[54]
haben den entschiedensten Einfluss auf die äussere Gestaltung des obersilurischen
Terrains und bedingen offenbar die zu parallelen Rücken aufsleigenden Wellen
desselben. Die Faltungen der Gesteinschichten mussten offenbar erst nach der
Bildung der ganzen obersilurischen Abtheilung sich entwickelt haben , da sie
das ganze obersilurische Schichtensystem betreffen, und man muss in dieser
Hinsicht denselben im Grossen einen gewissen Grad von Biegsamkeit oder so zu
sagen von teigartiger Consistenz zuschreiben.
Parallel zu den Faltungen, d. h. ebenfalls von Nordost nach Südwest setzen
durch das obersilurische System auch langgedehnte Klüfte, längs denen die
Schichtenfolge gewöhnlich verworfen ist und welche die grössten Dislocationen
zur Folge haben.
Wenn man diese Lagerungsverhältnisse in ihrem mannigfachen Wechsel
verfolgt, so erkennt man in ihnen augenscheinlich das Resultat von unwider-
stehlich wirkenden Kräften, welche die obersilurischen Schichtenreihen von beiden
Seiten ihrer Muldenaxe theils zusammenfalteten, theis neben und über einander
schoben. Doch vergeblich sieht man sich nach einem ausser der obersilurischen
Schichtengruppe befindlichen Sitze dieser Kräfte um. Die Grünsteine können es
nicht sein, da sie, wie schon erwähnt wurde, in ihrer Hauptmasse unter den Kalk-
bänken liegen und älter als diese sind, in den Hluboceper Schichten aber einen
zu kleinen und untergeordneten Raum einnehmen.
Auch die Granite, welche das Silursystem östlich und südöstlich begrenzen,
können aus den schon früher angeführten Gründen die Ursache der Dislocationen
nicht sein; überhaupt gelingt es nicht in irgend einer eruptiven Felsenbildung
des mittleren Böhmens die wirkende Kraft der angedeuteten Dislocationen zu
entdecken, und es bleibt also nichts anderes übrig, als in dem Gesteine selbst
die Ursache seiner jetzigen Lagerung zu suchen.
Am einfachsten scheinen sich diese Verhältnisse durch allmälige Verän-
derungen erklären zu lassen, welche die Schichten sowohl in ihrer Qualität als
Quantität modificirten und zum Theil das ganze Schichtensystem, zum Theil
blos einzelne Schichtenzonen betrafen.
Die Lagerungsverhältnisse der obersilurischen Abtheilung lassen sich am
besten durch eine Reihe von Querprofilen darstellen, von denen hier einige der
interessanteren mitgetheilt werden. Dabei muss ich aber bemerken, dass sie die
Faltungen und Verwerfungen nur im Allgemeinen darstellen, indem der Maassstab
der geologischen Aufnahmskarten doch viel zu klein ist, um das Detail, so inter-
essant es auch ist, berücksichtigen zu können.
Eine der auffallendsten und lehrreichsten Dislocationen findet man am rechten
Moldauufer oberhalb Prag bei den Dörfern Podol, Dvorec und Branfk. Herr
Barrande, der sie schon längst erkannt und untersucht hat, erklärte mir
dieselbe vor etwa zehn Jahren, und sie bildete hauptsächlich den Ausgangspunkt,
von dem aus ich die weiteren Dis-
locationen des obersilurischen Ter-
rains aufzusuchen mich bestrebte.
Der Dvorecer, so wie der Braniker
Felsen, in der nebenstehenden
Fig. 8 dargestellt, bilden, wie
schon früher beschrieben wurde,
zwei durch ein kleines Thälchen
gesonderte Felsenpartien. In dem
Thälchen stehen untersilurische Grauwackenschiefer der Zahofaner Schichten an,
an den steilen Felsenwänden von Dvorec und Branfk findet man aber die Kalk-
N.
Fig. 8.
Dvorec.
Branik.
d* Zahoraner, Gr Littener, E Kuhelbailer, F Konepruser,
G Braniker Schichten.
[55] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Bcraun. 277
bänke der Kuhelbader, Konepruser und Bram'ker Schichten vertreten; am Bra-
nfker Felsen nebstdem die Schiefer der Hluboceper Schichten.
Geht man am Fusse dieser Felsen am rechten Moldauufer von Dvorec nach
Branik, so passirt man die obersilurischen Etagen zweimal, aber keineswegs in
einer Synklinalen Muldenstellung, sondern die Schichten sind sowohl bei Dvorec
als bei Branik gegen Nordwest geneigt und in dem genannten Thälehen durch
untersilurische Zahoraner Schichten unterbrochen.
Die, Folge der Schichten ist demnach von Nord nach Süd folgende: Bei
Dvorec: Kalke der Braniker, Konepruser, Kuhelbader Schichten und Littener
Schichten, dann folgen Zahoraner Schiefer und auf diese bei Branik unmittelbar die
Schiefer der Hluboceper Schichten; dann wieder die Kalkbänke der Braniker,
Konepruser und Kuhelbader Schichten und endlich abermals die Littener und die
darunter liegenden Zahoraner Schichten. Offenbar haben wir eine grosse Ver-
werfungvor uns, deren Verlauf durch das kleine Dvorecer Thälehen angedeutet ist.
Die Fortsetzung der Verwerfungskluft folgt am linken Moldauufer auf eine
längere Strecke dem St. Prokopithale; längs des linken Moldauufers sieht man
aber die Synklinale Schichtenstellung auf eine sehr deutliche Weise (siehe Durch-
schnitt 8 in der Tafel). Wenn man an diesem Ufer von Smichov gegen Kuhei -
bad schreitet (von Nord nach Süd), so sieht man an den steilen Gehängen rechts
zuerst eine Partie sattelförmig gebogener Zahoraner Schiefer gegenüber dem
Vysehrad, dann folgen bei Zlichov die Littener Schichten, auf diese die Kalkbänke
der Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten, von denen die letzten
am Felsen der Zlfchover Kirche, so wie am Fusse der Divci hrady am Eingänge
in’s St. Prokopithal ebenfalls sattelförmig gebogen, im Ganzen aber, so wie die
anderen Schichten gegen Südost geneigt sind. Auf der Südseite des St. Pro-
kopithales folgen dann in verkehrter Ordnung und mit nordwestlichem Einfallen
derselben Braniker und Konepruser Schichten, darauf die vielfach gewundenen
bituminösen Kuhelbader Kalksteine und endlich die Littener Schichten.
Die Gehänge der beiden Moldauufer geben uns also ein deutliches Bild der
obersilurischen Formation.
Zieht man ein Profil senkrecht zu dem Streichen der Schichten mitten durch
das Dorf Hlubocep, so zeigt sich hier die Fortsetzung der Braniker Verwerfung
auf eine sehr interessante Weise, indem hier eine von Nordost nach Südwest
streichende Kluft in den Braniker Schichten mit Hluboceper Tentaculitenschiefer
ausgefüllt ist. Zu beiden Seiten des Hluboceper Thaies bestehen die Gehänge näm-
lich aus Bänken des Braniker Knollenkalkes, welche auf beiden Seiten des Thaies,
sowohl gegen Slivenec, als gegen Divcihrady mit den Schiefern der Hluboceper
Schichten bedeckt sind und gegen die Thalsohle von beiden Seiten synklinal ein-
fallen. Im Thalgrunde selbst stehen aber mitten in diesen Schichten klippige
Felsenpartien der Braniker Kalke an, welche von Hlubocep an quer durch das
Thal bis gegen Orech verfolgt werden können. Man erkennt an den eingeschnit-
tenen Terrainfurchen schon von Weitem die Zone der weichenTentaculitenschiefer
der Hluboceper Schichten, so wie an den scharfen Umrissen der Kalkklippen die
isolirte Zone der Braniker Knollenkalke.
Der Durchschnitt 9 in der beigefügten Tafel zeigt uns, dass hier nicht blos
eine grossartige Verwerfung, sondern auch eine Umbiegung eines Theiles der
Braniker Schichten stattfand, welche eine scheinbare Einlagerung der jüngeren
Hluboceper Schichten zwischen den älteren Braniker Schichten zur Folge hatte.
Die Verwerfnngskluft befindet sich an der nördlichen Seite der Kalkklippen und
die Lagerungsverhältnisse erinnern daselbst an die Colonien von Gross-Kuhel.
Die Braniker Knollenkalke am Bande der Divcihrady, welche oben mit sanftem
278
Johann Krejöi.
[86]
allmälig sich vergrösserndem Neigungswinkel gegen die Thalzone einfallen,
werden gegen die Tentaculitenschiefer der Hluboceper Schichten immer steiler,
und diese selbst stehen endlich senkrecht an.
Eine mächtige Partie von Bruchstücken der Kalksteine, ein wahres Kalk-
steinconglomerat, füllt eine Lücke im Gehänge der Dfvci'hrady aus.
Dann folgen die ebenfalls steil aufgerichteten Schichten der Kalkklippen, und
jenseits derselben am gegenseitigen Abhange abermals die Hluboceper Schichten
auf den Braniker Knollenkalken liegend.
Das Slivenecer und Orecher Plateau ist grösstentheils von Diluvialschotter
und Lehm bedeckt und man kann also nur am Bande dieses Plateaus gegen Gross-
Kuhel, Chejnic und Radotin anstehendes Gestein der obersilurischen Formation
antreffen.
An diesen Orten sieht man wieder sehr interessante Dislocationen. Geht
man vom Dorfe Slivenec, das auf der Höhe des Plateaus steht, durch die Schlucht
(Predoll) herab, welche gegen das Dorf Gross-Kuhel führt, so findet man
(siehe Fig. 9) in dem Wechsel der obersilurischen Schichtenstufen denselben
Fig. 9.
Slivenec. Grofs-Kuhel.
d4 Zahorancr, Gr Littener, E Kuhelbader, F Konepruser, G Braniker Schichten.
Fall, wie in den Felsen bei Dvorec und Branik, nämlich einen zweifachen Wech-
sel der Kalkbänke, welche hier durch Littener Schichten geschieden sind.
Diese Verwerfung erstreckt sich am Südrande des obersilurischen Plateaus
noch weiter gegen Südwesten, denn in ganz derselben Weise sind die Kalk-
schichten im Thale von Radotin unterhalb Lochkov geordnet, und die Lagerung
ist hier dem Vorkommen von Branik noch viel ähnlicher, als bei Slivenec, indem
hier die zwischen den Kalkbänken auftretenden Littener Schichten gerade so wie
bei Branik die Kalkfelsen unterbrechen.
Das Thal von Radotin, welches sich quer durch das ganze obersilurische
Plateau von Radotin bis Tachlovic zieht, gibt überhaupt den umfassendsten
Aufschluss über den Bau des obersilurischen Terrains. Verfolgt man den Verlauf
des Thälchens von Radotin aufwärts, so findet man an den steilen, in malerischen
Gruppen aufgethürmten Felsenwänden den mannigfach durch Faltenbildung und
Verwerfung unterbrochenen regelmässigen Schichtenwechsel auf die belehrend-
ste Weise blossgelegt. (Siehe Durchschnitte 10 und 11 in der Tafel.)
Die grössten Unregelmässigkeiten herrschen in der Folge der Konepruser,
Braniker und Hluboceper Schichten. Die letzteren, sehr leicht erkennbar durch
ihre zahllosen Tentaculiten, passirt man auf diesem Wege nicht weniger als
fünfmal, und zwar immer, wie die Profile zeigen, zwischen die Braniker Knollen-
kalke eingelagert, scheinbar so, als ob sie ein Glied der Braniker Schichten wären.
Am interessantesten ist hier zwischen Chotec und Chejnice das schon früher er-
wähnte Auftreten der Grünsteine zwischen den Braniker Schichten und Tenta-
culitenschiefern der Hluboceper Schichten. Bei Tachlovic treten endlich wieder
die bituminösen Kuhelbader Kalke und die Littener Schichten vor, welche sich
endlich an die untersilurischen Grauwackenschiefer anlehnen.
Eine gute Uebersicht von der Verbreitung und Lagerung der Hluboceper
Schichten gibt der Durchschnitt durch das Plateau von Bubovic, vom Berge Kolo
[57] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 279
bei Lodenic angefangen über Bubovic bis in die Gegend von Reynic (siehe Durch-
schnitt 12 in derTafel). Man trifft am Koloberge zuerst die Grauwackenschichten
und sandsteinartige Quarzite der Königshofer Schichten an, dann folgen die
Littener Schichten mit einer Partie von Kuhelbader Kalkschiefern, die ungemein
reich an Petrefacten der Bar ran de’schen Etage E ist, dann folgen abermals
Littener Schichten mit dem merkwürdigen Basalte, dessen ich schon früher er-
wähnte. Am Rande des Plateaus ober Bubovic beginnen endlich die Kalkbänke
der Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten, welche sämmtlich so wie
die Littener Schichten gegen Südost einfallen und erst jenseits der Bodendepres-
sion von Bubovic mit entgegengesetztem Einfallen sich wieder aufrichten. Die
Lücke dazwischen ist muldenförmig von Hluboceper Schiefern ausgefüllt. Der
Rücken zwischen Luzec und Roblin besteht aus Konepruser und Braniker Kalk-
steinen, die zwei sattelförmige Falten bilden und endlich bei Roblin abermals
gegen Südost einfallen, um auf den höheren Karlsteiner Bergen mit entgegen-
gesetztem Fallen wieder zu Tage zu treten. Die so gebildete zweite Mulde ist
abermals mit Hluboceper Schiefern ausgefüllt.
Die Karlsteiner Berge bestehen aus Kalkbänken der Braniker, Konepruser
und Kuhelbader Schichten und ruhen auf Littener Schichten, welche durch den
sattelförmigen Rücken bei Klein -Morin in die schon früher besprochenen zwei
Zonen getrennt sind. Das Thälchen , welches von Luzec über Roblin bis Karlik
sich quer durch das Plateau zieht, gab die meisten Anhaltspunkte für die Con-
struirung des vorgelegten Profiles.
Die Schichtenfolge in den Karlsteiner Bergen ist nebstdem sehr deutlich in
der Felsenschlucht aufgeschlossen, welche von Morin gegen die Karlsteiner
Burg sich windet (siehe Durchschnitt 13 in der Tafel). Man sieht daselbst, dass
auch die Schichten dieser Berge vielfach zerrissen sind und namentlich tritt
hier mitten zwischen den Braniker Knollenkalken abermals eine kleine Partie
der Hluboceper Tentaculitenschiefer zu Tage , während an den Felsen,
welche die Burg Karlstein tragen, eine antiklinale Schichtenstellung bemerkt
wird.
Der Durchschnitt, den das romantische Felsenthal von St. Ivan blosslegt,
ist dem Durchschnitte am linken Moldauufer zwischen Zlichov und Kuhelbad
sehr ähnlich, indem er die regelmässige Folge aller obersilurischen Schiehten-
stufen von den Kulielbader bituminösen Kalken bis zu den Hluboceper Schiefern
so wie ihre Synklinale Zusammenneigung sehr deutlich aufschliesst.
Der in der beigefügten Tafel befindliche Durchschnitt 14 zeigt die Lage-
rung der obersilurischen Abtheilung auf der westlichen Seite des St. Ivans-
thaies in senkrechter Richtung zum Streichen der Schichten.
Er beginnt auf dem Quarzitkamme bei Veselä, durchschneidet die Berge
Herynek und Listice und endet nahe am südlichen Ausgange des St. Ivansthaies.
Auf den Quarziten und Grauwackenschiefern von Veselä, Vraz und des Berges
Herynek, welche den Brda- (*/3), Zahoraner (öf4) und Königshofer (cf5) Schichten
angehören, folgen Littener Schichten, die hier wie zwischen Lodenic und Bubovic
durch einen an Petrefacten reichen Kalkschiefer in zwei Zonen getheilt und auf
der Höhe des Listiceberges von Basalt durchbrochen werden, dann folgen im
regelmässigen Wechsel die Kalke der Kuheihader, Konepruser und Braniker
Schichten; diese sind dann weiter durch eine Spalte verworfen und endlich zu
einer Mulde ausgebildet, in der das südlichste Ende der Hluboceper Schiefer
von Hostin aus hineinreicht. Das Thal von St. Ivan verdankt seinen Ursprung
ebenfalls einer grossen Verwerfung, und es sind dadurch die Kalke der Braniker
Schichten, welche sein südliches Ende bilden, zu beiden Seiten des Thaies ab-
K. k. geologische Reichsanstait. 12. Band, 1861 und 1862. II. Heft.
36
Johann Krejci.
280
[58]
Gr Littener, E Kulielbader Schichten.
weichend gelagert. Am östlichen Gehänge desselben liegt hier auf den Braniker
Kalken noch eine isolirte Partie der Hluboceper Schiefer.
Das Berauntbal zwischen Tetin und Srbsko ist zu einer engen Felsen-
kluft verengt, welche die ganze obersilurische Formation senkrecht zu ihrem
Streichen durchbricht. Man kann in denselben demnach, so wie in den anderen
Querthälern die ganze Schichtenfolge mit allen ihren Unregelmässigkeiten ver-
folgen. Doch ist es viel weniger zugänglich als die anderen, da die Felsen steil
zum Flusse abstürzen, so dass man dasselbe nur auf einem Kahn besuchen kann.
Folgt man dem Laufe des Beraunflusses von Beraun bis Karlstein, so trifft
man zuerst an den Gehängen der Flussterrasse bei Tetin (Ratinka) die Littener
Schichten, in welchen hier bei der Quelle „Srkavka“ dieselbe petrefaetenreiche
Kalkzone auftritt, die wir schon bei Lodenic und auf dem Listiceberge kennen
lernten. Dann folgen bei Tetin zu beiden Seiten des Flusses die verschiedenen
obersilurischen Kalkablagerungen in mannigfachen Verwerfungen und steilen
Schichtenstellungen. Eines der
Fig. 10. schönsten Querprofile zeigen uns
die Felsen der Kuhelbader Schich-
ten^) gegenüber von Tetin in der
Thalstrecke „o Recine“ genannt
(Fig. 10). Die Littener Schichten
treten unter diesen Kalksteinen,
die durch Längenklüfte im Strei-
chen der Schichten zerrissen sind,
zu Tage und drängen sich sogar zwischen dem Felsen Kozel und der nördlich
anstossenden Felsenpartie zwischen die Schichten hinein, was aber otTenbar nur
die Folge einer Verwerfung ist. Tiefer im Thale folgen dann vom Kozel ange-
fangen die Kalkbänke der Konepruser und Braniker Schichten, durch Ver-
werfungen ebenfalls einige Male mit einander abwechselnd; endlich bei Srbsko,
wo die Braniker Knollenkalke einen Sattel bilden, erscheinen auch kleine
isolirte Partien vom Hluboceper Tentaculitenschiefer, bis endlich nach einer
abermaligen Faltung der Braniker Schichten die Bänke der Konepruser und
Kuhelbader Schichten (letztere mit ähnlichen Knickungen wie bei Kuhelbad)
und darunter die Littener Schichten folgen.
Die linke Uferseite der Beraun entspricht der rechten Seite nicht vollkom-
men; die letztere ist nämlich überall mehr gehoben, indem daselbst theil weise
Kuhelbader Schichten anstehen, während an der entgegengesetzten Seite
Konepruser rothe Marmore und Braniker Knollenkalke herrschen. Ein Durch-
schnitt durch die Gegend am rechten Beraunufer gibt ein Bild der Lagerungs-
verhältnisse der obersilurischen Schichten in diesem Terrain (siehe Durch-
schnitt 15 in der Tafel). Er enthält den Damilberg bei Tetin, das Plateau des
Koder Waldes, die Höhen bei Korno und endet mit dem Mramorberge bei
Liteh.
Man sieht daran deutlich die wiederholten Zerreissungen der Schichten,
welche namentlich durch die Schluchten bei Tetin und Koda unterbrochen wer-
den. Der Damil, dessen westlicher Fuss von Quarzitsandsteinen der Königshofer
Schichten (d5) umsäumt ist, bildet mit seinen dreierlei Schichtengruppen: den
Kuhelbader, Konepruser und Braniker Schichten, eine kleine Mulde; auf ähn-
liche Weise ist das Plateau von Koda zusammengesetzt.
In der Koder Schlucht kömmt nebstdem eine kleine Partie von Hluboceper
Schiefern vor, unter denen die Braniker Knollenkalke und die Konepruser röth-
lichen Marmore in einigen Faltungen sich winden, bis endlich die stark geknick-
[59] Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun. 281
ten Kuhelbader Schichten zu Tage treten. Der merkwürdige, aus sattelförmig
gebogenen Königshofer Schichten gebildete Rücken zwischen Korno und Vien ec
trennt diese grössere Kalkpartie von der kleineren des Mramorberges bei
Liten, welche blos aus bituminösen Kuhelbader Kalksteinen besteht, und dessen
Fuss von Littener Schichten umsäumt ist.
In der Fortsetzung des Mramorberges liegt, wie schon erwähnt wurde, der
Berg Zlaty Kuh bei Koneprus. Den Schichtenbau dieses Berges so wie der an-
grenzenden Höhen von Tobolka stellt das nachfolgende Profil vor (Fig. 11).
Fig. 11.
Zlaty Kün. Koneprus. Tobolka.
Gr Littener, E Kuhelbader, F Konepruser, G Braniker Schichten.
Man sieht, dass der Zlaty Kuh von den Tobolker Höhen ebenfalls durch
eine Zone von Littener Schichten getrennt und nebstdem durch eine Verwerfung
in seinem Schichtenbau so gestört ist, dass es den Anschein hat, als ob die zwei
Schichtenstufen, nämlich der Kuhelbader (E) und Konepruser Kalke (F) unter
die Littener Schiefer einfallen würden. —
Mit dem Schichtenbau hängt auch die Thalbildung innig zusammen, die
Klüfte, welche das Schichtensystem durchsetzen, geben nämlich nicht blos zu
den mannigfachen Verwerfungen den Anlass, sondern sie erweiterten sich theil-
weise auch zu tief klaffenden Schluchten und Felsenthälchen. Gerade so wie in
der untersilurischen Abtheilung und in den azoischen Schichten durchsetzen
sich die Kluftsysteme nach drei Richtungen. Das eine System streicht nämlich
nach Norden, mit einer kleinen Ablenkung gegen Westen, das andere gegen
Nordost, das dritte gegen Nordwest. Schematisch lassen sich demnach diese
Richtungen durch drei Linien bezeichnen, welche sich unter dem Winkel von
60 Grad schneiden.
Das nordöstliche Kluftsystem hat genau das Streichen dersilurischen Schich-
ten, aber trotzdem es die mächtigsten Disloeationen im Schichtenbau verursachte,
so sind die durch dasselbe bewirkten Thalfurchen im obersilurischen Gebiet
doch am wenigsten entwickelt.
Von den tieferen Thälern gehört hieher nämlich blos ein Theil des St.
Prokopithales zwischen Hlubocep und Ohrada, sonst aber nur die seichten
Terrainfurchen bei Luzec und Morin, dann die Felsenschlucht bei Koda und die
kleinen Thälchen zwischen den isolirten Kalkkuppen bei Lounfn, Tmän und Borek.
Im untersilurischen Gebiete gehören zu dieser Richtung aber die grossen
Thalrinnen, welche zu beiden Seiten das obersilurische Plateau umgeben, näm-
lich das breite Thal zwischen Hostomic, Revnic und Königsaal, dann zwischen
Zdic, Beraun, Lodenic und Nucic, so wie das Thal von Kosfr.
Das nordwestliche Kluftsystem, das senkrecht zum vorigen streicht, ent-
hält vor Allem das enge Felsenthal der Beraun zwischen Tetfn und Revnic, so
wie einige schluchtartige Thälchen, welche das Kalkplateau quer durehschneiden,
als das Thälchen zwischen Lucec und Karlfk, zwischen Tachlovic und Chotec,
Kopania und Radotin, zwischen Slivenec und Gross-Kuhel. Auch die in den
Littener Schichten eingefurchte Linie zwischen der Kalksteinpartie des Zlaty
Kün und dem Plateau von Tobolka, dann die am Fusse der Housina sich ziehende
Rinne des Chumavabaches zwischen Hlazovic und Libomysl gehört hieher.
36 *
282
Johann Krejßf.
m
Das dritte Kluftsystem streicht gegen Norden. Zu demselben gehören die
zwei mächtigen Thalspalten, welche das obersilurische Schichtensystem auf eine
so interessante Weise aufschliessen, nämlich die der Moldau zwischen Königsaal
und Prag, und die des Lodenicer Baches zwischen Lodenic und Srbsko. Nebst-
dem ist aber gerade dieses System an allen Kalkfelsen am auffallendsten zu sehen.
Es wurde schon früher erwähnt, dass die Klüfte dieser Richtung auch im
untersilurischen Gebiete weit verbreitet sind und sogar in die Steinkohlen- und
Kreideformation hinübergreifen, während die zwei anderen sich blos auf das
silurische System beschränken.
Anhang. Nebst der sibirischen Formation kommen in dem Aufnahms-
gebiete auch Schichten der Kreideformation, dann Diluvial- und Alluvialgebilde
und an den zwei schon beschriebenen Localitäten auch Basalte vor. Alle anderen
Formationen fehlen gänzlich und auch die erwähnten nehmen im Vergleiche
mit dem Silurischen nur eine verhältnissmässig untergeordnete Stellung ein.
Da Professor Reuss, der gründlichste Kenner der böhmischen Kreidefor-
mationen, über ihr Auftreten in den Umgebungen Prags seiner Zeit Ausführ-
licheres mittheilen wird und die Diluvial- und Alluvial gebilde erst dann mit
grösserem Interesse werden besprochen werden können, bis ihre Verbreitung in
ganz Böhmen bekannt sein wird, so will ich mich hier zum Schlüsse meines Be-
richtes nur auf einige allgemeine Notizen über die Verbreitung dieser Formationen
beschränken, um die Darstellung der geologischen Verhältnisse der Umgehun-
gen von Prag und Beraun wenigstens einigermassen abzuschliessen.
Die Kreideformation in den Umgebungen Prags gehört zu dem süd-
lichsten Saume des im nördlichen und nordöstlichen Böhmen weit verbreiteten
Quadersandsteines und Quadermergels (Plänersandsteins nach Reuss).
Sie bilden hier namentlich die höchsten Flächen auf dem Plateau zwischen
Prag und dem Steinkohlenterrain bei Kladno, wo sie die azoischen Schiefer, zum
Theil auch die Grauwackenschiefer und Quarzitsandsteine der Zahoraner Schich-
ten bedecken, aber keineswegs eine zusammenhängende Decke, sondern einzelne
inselartige Partien bilden.
Die grösste Partie verbreitet sich von Krocihlav und Pntocno von dem
Kladnoer Plateau invder flachen, nur von seichten Thälchen durchfurchten Gegend
zwischen Unhost, Cerveny, Ujezd, Jenec und Letovic, und setzt von da über den
Malinsky vrch (1188 Fuss) auf dem Plateau zwischen Stredokluk und Rusin bis
gegen Tuchomeric, Horomeric und Lysolaje fort, während sie in zungenartigen
Ausläufern die hohen Flächen bei Bustehrad und Lidic bedeckt. Die Thälchen,
welche von Westen in dieses Quadersandsteinplateau eindringen, durchfurchen
dasselbe bis zu den tiefer liegenden Schiefern, indem die Kreideformation hier
nur die geringe Mächtigkeit von 20 Klaftern hat.
Die zweite Partie des Quadersandsteines und Quadermergels bildet die Höhen
des weissen Berges (1194 Fuss) und dehnt sich zwischen Repy bis innerhalb
der Stadtmauer Prags am Laurenziberge, dann zwischen dem Thal von Kosir
und von Rusin und Veleslavln aus.
Eine dritte noch südlichere Partiebildetdenflachen Vidovleberg (1158Fuss)
zwischen Kosir und Jinonic und die damit zusammenhängenden Höhen bei
Stodülky (na Piskäch 1228 38 Fuss).
Eine sehr kleine Partie von Quadersandstein steht auch auf den Höhen
ober dem Särkathale nördlich von Dehnic an.
Am rechten Moldauufer, das aber nur zum kleinen Theile zum diesjährigen
Aufnahmsgebiete gehört, beginnt die Kreideformation auf dem Plateau bei Kobylis
[61]
Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen bei Prag und Beraun.
283
zwischen Bohnic, Ober-Chaber, dann bei Neu-Liben und Kobylis und verbreitet
sich von da weit gegen Osten in die Elbegegenden. Ein kleiner isolirter Berg bei
Zlosejn,der sich aus dem Alluvium erhebt, besteht ebenfalls aus Quadersandstein.
Zu den interessantesten Vorkommen der Kreideformation gehört jedenfalls
eine Zone von kalkigen Schichten, welche bei Lobkovic an der Elbe beginnen,
über Velkä Ves, Korycan, Kopec, Netreby, Zloncic, Debrno, Holubic, Hole, Okor,
Cicovic bis gegen Tuchomeric längs demRandeder zusammenhängenden Quader-
sandsteine und Quadermergel sich ausdehnen und dieProfessor Re u ss schon früher
in seinen Kreidegebilden des westlichen Böhmens (Prag 1844) als Exogyren-
schichten beschrieben hat. Aehnliche Gebilde trifft man auch bei Zdiby, Veltez.
Klecan und Premysleru, dann neben dem Kieselschieferkamm Holosmetky bei
Branky an. Die Schichten dieser isolirten Kreidegebilde bestehen aus dichten oder
krystallinisch körnigen Kalksteinen, welche kleinere und grössere Brocken und
Geschiebe von Kieselschiefer enthalten. Sie haben nur einige Ellen Mächtigkeit,
sind mit Diluvialschichten (Schotter und Lehm) bedeckt und nur stellenweise
durch Steinbrüche aufgeschlossen. Bei Veltez, an der Holosmetka und bei Tucho-
meric liegen unter den Kalkschichten auch Sandsteinschichten, bei Klecan sieht
man nur Sandsteine mit sphärischen Kalkconcretionen; sonst liegen die Kalksteine
unmittelbar in der Form von kleinen isolirten Mulden auf den Gesteinen der
Pri'bramer Schiefer. Eine zahllose Menge von Kreidepetrefacten zeichnet diese
Schichten der Kreideformation aus; der Kalkstein derselben wird in einigen
Steinbrüchen als Mörtelkalk gewonnen.
Das Diluvium enthält Schotter und Lehmablagerungen, welche in ein-
zelnen isolirten Strecken die Plateaus des silurischen Terrains bedecken.
Der Schotter enthält nebst feinem Sand und Grus, abgerundete Geschiebe
von Quarzit, Kieselschiefer und kieseligen harten Schiefergesteinen, welche
sämmtlich auf die Felsen hinweisen, die in dem südwestlichen Theile der Silur-
formation anstehen. Namentlich erkennt man in den Schotterschichten bei
Beraun und Tetin sehr häufig die quarzigen Conglomerate des Brda-Ri'ickens.
Häufig gehen die Sand- und Schotterschichten in Lehm über und in diesem
kommen Knochenreste von Elephas und Rhinoceros vor, welche diese Ablage-
rungen als wahre Diluvialgebilde charakterisiren. Nebstdem verbreiten sich die
Lehmablagerungen auch häufig auf den Böschungen der Thallehnen, wo sie all-
mälig mit dem Alluvium sich vereinigen. Knochenreste von Elephas primi -
genius fand man in den Lehmgruben der Ziegeleien am Stadtberge bei Beraun
(einen Backenzahn), am Fusse des Lorenziberges bei Prag (einen Stosszahn),
hei Vysocan (ebenfalls Fragmente von Stosszähnen); Rhinocerosknochen kamen
vor auf der Villa Panenskä bei Tresovic, bei dem Hofe Jeneralka im Särkathale,
bei Hloupetfn und wahrscheinlich noch an mehreren anderen Orten. Es ist Vor-
sorge getroffen worden, dass die vorkommenden Knochenreste gesammelt und an
das Museum in Prag abgeliefert werden.
Der Lehm dieser Ablagerungen wird in zahlreichen Ziegeleien benützt, an
einigen Orten, z. B. bei Kuhelbad, St. Kilian und Mechenic enthält er Lager
von gutem plastischen Thon, der von Töpfern verarbeitet wird.
Die Verbreitung der Diluvialschichten ist besonders in so fern interessant,
als sie an zwei constante Höhenstufen gebunden ist.
Die höhere Stufe (1100 — 1150 Fuss) enthält die Schotterablagerungen auf
der Höhe des Damil und des Koder Waldes bei Tetin, auf dem Plateau bei Vysoky
Ujezd und Kuchar, bei Orech und Slivenec, dann die Lehmablagerungen bei Brev-
nov am weissen Berge und am Plänerplateau bei Häjek unweit Unhost, zwischen
Pavlov und Hostoun, am Malinsky vreh bei Hostivic, bei Horomeric und Lysolaje.
284 Johann Krejci. Bericht über die im J. 1859 ausgeführten geolog. Aufnahmen etc. [62]
Zu dem merkwürdigsten Vorkommen in dieser Höhe gehören die grossen
Kalksteinblöcke (aus den Konepruser und Branfker Schichten), welche in einem
röthlichen Lehm auf dem westlichen Abfall des Plesivec bei Zeleznä in einer
Höhe von 1120 Fuss eingebettet sind. Die Blöcke haben zum Theil mehrere
Kubikklafter Masse und es wird aus denselben wie in einem Steinbruche Kalk-
stein gewonnen. Diese interessante secundäre Lagerstätte befindet sich auf den
Quarziten der Brda-Schichten (rf2) und ist von den fest anstehenden Kalksteinen
gegen 2000 Käfter entfernt. Aehnliche Kalksteinblöcke sollen auch an einigen
Punkten im Walde bei Chynava zerstreut liegen.
Erwähnung verdienen noch die zahlreichen Blöcke eines eisenschüssigen
sehr festen Sandsteines und kieseligen Conglomerates, welche auf dem ganzen
obersilurischen Plateau vonBeraun bis nach Prag verbreitet sind, und stellenweise
auch bis in die Thäler herabgerollt sind.
Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen diese Blöcke von der Basis des zer-
störten und abgeschwemmten Quadersandsteines, der früher eine viel grössere
Verbreitung hatte, als jetzt. Eine kleine Partie von anstehendem Sandstein
zwischen Tachlovic und Kopanina hat dieselbe Beschaffenheit.
Die niedrigere Stufe (850 — 900 Fuss) enthält die Gerolle-, Sand- und
Lehmschichten zu beiden Seiten der Litava, Beraun und Moldau. Sie verbreitet
sich auf den Terrassen zwischen Kocvar und Stasov bei Lochovic, bei Tetln und
Srbsko, Klein-Morin , Rovina, Revnic, Vraz und Jioviste, bei Lipenec unweit
Königsaal und Komoran, am Plateaurande bei Lahovsko, bei Lhotka oberhalb
Hodkovicky, bei St. Pankraz und Nusle, auf den Wimmer’schen Anlagen und
am Belvedere bei Prag, bei Volsan, Lysolaje, Sukdol, Bohnic, Zdiby, Vetrusic
und Klican bis gegen Vodolka.
Die Gerolle dieser beiden Höhenstufen stimmen fast ganz überein mit den
jetzigen Flussgeröllen, und da in denselben keine Spur von marinen Wesen auf-
zufinden ist, so rühren sie offenbar von vorhistorischen Ueberschwemmungen
her, deren Gewaltigkeit allerdings alle Vorstellungen übertrifft.
Das Alluvium beschränkt sich auf die engen Felsenthäler der Moldau
und Beraun und die zahlreichen Bachthäler. Nur am nördlichen Saume der
Silurformation, da wo die Moldau unterhalb Kraiup in die flache Gegend bei
Melnik eintritt, nimmt es das ganze Delta zwischen der Moldau und der Elbe ein.
Nebst Sand- und Lehmschichten, welche sich in den breiteren Thalstrecken
anhäufen, findet man in den Flussgeschieben bei Prag, z. B. der Hetzinsel, und
unterhalb Bubna eine Sammlung von allen Gesteinsvarietäten der Felsen, die
der Fluss auf seinem Laufe von Vorlfk bis Prag berührt.
Zu den neuesten Bildungen gehören endlich die Kal k tuffa bla gerun-
gen, welche man an vielen Punkten des obersilurischen Plateaus antrifft. Sie
enthalten einen leichten porösen kalkigen weissenTuff häufig mit schönen Blatter-
Abdrücken der in der Nähe wachsenden Bäume. An einigen Orten erreichen sie
die Mächtigkeit von einigen Klaftern und werden daselbst als Bausteine nament-
lich zu leichten Gewölben in tafelförmige Stücke geschnitten. Das Landvolk be-
zeichnet diesen Kalktuff mit dem Namen väpennä pena (Kalkschaum).
Grössere Anhäufungen desselben sieht man bei Koda, namentlich unter der
oberen Mühle, in der Schlucht „cfsarskä rokle“ ebenfalls bei Koda, bei Sucho-
mast. St. Ivan, im Radotiner Thale und bei Kuhelbad.
[1]
Dionys Stur. Die neogen-tertiären Ablagerungen von Wcst-Slavonien.
285
IV. Die neogen-tertiären Ablagerungen von West-Slavonien.
Von Dionys Stur.
(Die gegenwärtige Mittheilung reiht sich an zwei frühere in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt
1861 und 1862 in den Sitzungen vom 3. December 1861 und vom 18. März 1862.)
Mitgetheilt in der Sitzung am i. April 1862.
Bevor ich an die ausführlichere Auseinandersetzung über die neogen-tertiären
Ablagerungen West-SIavoniens übergehe, muss ich noch einen Augenblick bei
der Betrachtung des Kernes des Pozeganer Gebirges verweilen. Ausser
den im vorangehenden Berichte angeführten krystallinischen Gesteinarten, den
Thonschiefern die am wahrscheinlichsten der Steinkohlenformation einzureihen
sein dürften, und den darauf lagernden Felsitporphyren und deren Tuffen mit
ihren Melaphyr-Gängen und Lagermassen, findet sich noch in diesem Kerne des
Pozeganer Gebirges ein zumeist aus groben Co ng lomeraten bestehendes
Gebilde, das die grösste Masse des erwähnten Gebirges zusammensetzt.
Zuerst hatte ich diese Ablagerung kennen zu lernen Gelegenheit, bei der
Untersuchung der südlichen Gehänge des Pozeganer Gebirges im Tisovacer und
Verbover Gebirge in der Umgebung des Maksimov hrast. Sobald man in dieser
Gegend den nördlichen Rand der weiter unten ausführlicher besprochenen weissen
Mergel nördlich von Petrovoselo erreicht, sieht man im Walde Gerolle der ver-
schiedensten Gesteinsarten herumliegen. Erst von Maksimov hrast nach West in
den Zuflüssen des Tissovacer Thaies, in welchem die Pokotina ihren Ursprung
nimmt, wurden grössere Entbl össungen an den Gehängen des Gebirges sichtbar,
an denen man erkennen kann, dass man es in dieser ganzen Gegend mit einem
Conglomerate, das nur sehr schwach durch ein thoniges Bindemittel cementirt,
aus Gerollen der verschiedenartigsten Gesteine besteht, zu thun hat. Unter den
Gerollen will ich ausser jenen aus dem krystallinischen Gebirge erwähnen, die
eines weissen sehr feinkörnigen, feinsplittrigmuschligen Kalkes, eines rothen
Kalkes, dem Triaskalk von Markovac, östlich von Daruvar ähnlich, ferner die Ge-
rolle eines dunkelgrauen Thonschiefers, und vor allem Gerolle der aus einem
feinkörnigen Sandstein, manchem Wiener Sandstein oder Lias-Sandstein aus den
Alpen oder dem Fünfkirchner Gebirge ähnlich, bestehen. Die Erscheinung dieser
so eigentümlich zusammengesetzten Ablagerung war eine ganz neue, und das
Fehlen von Versteinerungen in denselben hat die Altersbestimmung derselben
nicht erleichtert.
Zunächst fand ich Gelegenheit auf dem Wege von Neu-Gradiska nach Pozeg
in der Gegend nördlich und östlich bei Bacindol, dieses Conglomerat zu unter-
suchen. Hier lagern: östlich von Bacindol der Leithakalk, nördlich von Bacindol
der weisse Mergel, also die neogenen Ablagerungen auf diesem Conglomerate.
Die weiteren Untersuchungen wurden von Pozeg aus fortgeführt. In der
Umgegend von Pozeg südlich lagert das Pozeganer Conglomerat auf dem Felsit-
porphyr und dessen Tuffen und auch auf den darunter liegenden Schiefern In der
286
Dionys Stur.
[2]
Gegend zwischen Maticevic und Pavlovce nördlich von Neu-Kapela lagert auf
dem Pozeganer Conglomerate zunächst ein Leilhakalk aus Nulliporen-Kugeln be-
stehend, dann Kalkschichten mit Massen von Cerithium rubiginosum Eich, und
Cerithium pictum Bast ., auf welchen die weissen Mergel folgen.
Das Alter dieses Conglomerates ist somit zwischen sehr weiten Grenzen
hier gefasst, zwischen der Ablagerung des Leithakalkes und der der Felsittuffe.
Nach diesen Untersuchungen blieb nur noch die Hoffnung, dass inv der Nähe
der Kohlenflötze, die das Conglomerat von Pozeg, südöstlich von Sevci ein-
sehliesst, wenigstens Pflanzenieste zu finden sein dürften, die die Altersbe.stim-
niung dieser Ablagerung ermöglichen würden. Der Weg zu dem Kohlenvorkommen
führt von Pozeg südlich durch das Thal von Vuciak, dann steil aufwärts bis Sevci,
von wo man östlich, und später in südlicher Richtung den Wald verquert, und
nordwestlich von dem dreifachen Grenzpunkt, zw ischen der k. k. Militär-Grenze,
der Pleternicaer und Pozegauer Herrschaft, auf den südlichen, dem Wasser-
gebiete der Save gehörigen Gehängen, den Punkt erreicht, au welchem man
mittelst eines Schachtes ein Kohlenflötz erreicht hat. Der Flötz streicht nach
Bericht des Eigentümers Herrn Jos. Dem. Popovic zu Pozeg h. 18 und fällt
nach SO. Die Mächtigkeit des Flötzes w urde vormals auf zwei Klafter bestimmt.
Während meiner Anwesenheit waren die älteren Baue, Schacht und Stollen un-
zugänglich und eben ein neuer Hauptschacht im Abteufen begriffen. Mit diesem
hat man, nach brieflichen Mittheilungen, „in den 17 Klafter das Flötz erreicht,
in welchem leider eine Verdrückung vorkam, wo das Flötz nur 7 Fuss Mäch-
tigkeit zeigt, was sich aber beim Auslenken besser gestallten dürfte“. Die An-
nahme einer Verdrückung des Flötzes in der Teufe des Stollens ist in der That
wahrscheinlich, da der Hauptschacht nahe an der Sohle einer tiefen Einthalung
angelegt wurde.
Die Kohle ist eine sehr gute Braunkohle (s. Jahrb. d. k- k. geol. Reichs-
anstalt 1861-62, Verh. p. 117).
Auf den Halden fand sich hier überall Sand und ein feinkörniges Conglomerat.
Am Mundloch des Stollens, der einzigen Entblössung der ganzen dichtbewaldeten
Gegend sieht man sowohl den groben Sand als auch das Conglomerat anstehend.
Die Schichten liegen hier flach-horizontal und fallen sehr flach nach NW. Weder
in der Kohle, noch in den Kohlenschiefern, die freilich schon ganz verwittert da
lagen, noch im Sande und Conglomerate fand sich irgend welche Spur von Ver-
steinerungen ein. Der einzige erwähnungswerthe Anhaltspunkt zur Altersbe-
stimmung der hier gewonnen werde konnte, ist der, dass das Conglomerat auf-
fallend ähnliche petrographische Beschaffenheit zeigt mit den gleichen Gesteinen
bei Orlowe im Waagthale, wo Exogyra columba darin häufig vorkommt. Bei der
weiteren Begehung der Gegend wurden auch in der That in den obersten Schich-
ten des Conglomerates bei Lazi südlich, in der Vertiefung eines Waldweges,
braungelbe Mergelschichten beobachtet, in welchen ein Zweischaler in einigen
Exemplaren vorgefunden wurde, aber so zerdrückt, und nur in Steinkernen vor-
handen ist, dass, wenn man einige Exemplare einer Exogyra vergleichen könnte,
andere ebenso gut für Dreissena gehalten werden dürften. Alle Anstrengungen
diese Ablagerung in Bezug auf ihr Alter näher zu bestimmen, blieben somit
fruchtlos. Es soll somit gar nichts Bestimmtes damit ausgesprochen werden,
wenn ich diese Ablagerung vorläufig als der Kreide angehörig betrachte.
Die bisher abgehandelten älteren Formationen: die krystallinischen Ge-
steine, die Gebilde der Triasformation, ferner die Schiefer des Vuciak-Thales
bei Pozeg mit den darauf folgenden Felsitporphyren und Tuffen, und das Pozeganer
Conglomerat treten aus dem Hügellande West-Slavoniens empor, die Orljava«
Die neogen-tertiären Ablagerungen von West-Slavonien.
287
[3]
und Pozeganer Gebirge zu bilden. Rund um diese Kerne lagern nun die neogen-
tertiären Ablagerungen, bis an die Diluvial- Ebenen der Drave und Save
ausgebreitet.
Mit nicht geringer ßesorgniss, ob der Art und Weise des Auftretens der
neogenen Schichten in Croatien und Slavonien, ging ich an meine Aufgabe. Ich
hoffte die Fortsetzungen jener merkwürdigen Schichten von Sotzka, Prasberg,
Schönstein und Oberburg, oder auch ganz neue Schichten finden zu müssen, die
mit den genannten nicht vollständig identisch, zwischen die ersteren eingeschaltet
zu werden verlangten, die schon Dr. Rolle1 *) so viel Schwierigkeiten vorbe-
reitet. Doch schon bei Agram sah ich normal entwickelten Relvedere-Schotter,
und unter demselben den Congerientegel mit einer Menge von Congerien und
Cardien, ferner als tiefste Schichte am älteren Gebirge erscheinenden normal
(ganz Nussdorf) entwickelten Leithakalk. Die zwischen diesen beiden, genau
den gleichen Ablagerungen des Wienerbeckens identischen Schichtenfolgen ein-
geschlossene Ablagerung von weissen und grauen Mergeln, Sandsteinen und
Schiefern, hatte ich nach den Sammlungen von Podsused des Agramer National-
Museums vorzüglich mit dem Cystoscirites Partschii Sternb ., als den Schichten
von Radoboj vollkommen gleich erkannt. Dass die Schichten von Radoboj und Pod-
sused in der That ihre Stellung zwischen den oberwähnten, Congerien-Tegel und
Leithakalk einnehmen, somit den Cerithienschichten des Wienerbeckens entspre-
chen, darin hat mich noch eine Entblössung bei Podsused, in einem der Eisen-
bahnbauten wegen angelegten Steinbruche, bestärkt. Man sieht da einen haus-
grossen Rlock von Leithakalk zwischen den Mergelschichten von Podsused einge-
schlossen, der jedoch hier umgestürzt und so gestellt erscheint, dass seine gut
sichtbaren Schichten senkrecht stehen, während die der Mergel nahezu hori-
zontal liegen.
Auch weiter nach Ost in West-Slavonien, obwohl ich jedes dem Leithakalke
gleiches oder ähnliches Gestein mit Misstrauen anklopfte, konnte ich keine
Schichten entdecken, die, wie die Folge zeigen wird, einem oder dem anderen
der drei Horizonte im Wienerbecken nicht vollkommen entsprochen hätten.
Befremdend ist für den ersten Anblick die Form, in welcher hier die Ceri-
thien- Schichten auftreten. Während im Wienerbecken eine als brakisch be-
trachtete Fauna lebte und im ungarischen Becken die Meeres -Fauna lebend an-
genommen wird 3), sind die Ablagerungen dieser Epoche in Slavonien und Croa-
tien Absätze aus süssen Gewässern, wenigstens zum allergrössten Theile. Wenn
auch in Slavonien zu Anfang dieser Ablagerung noch Cerithium pictiim Bast.
und C. rubiginosum Eichw. vorhanden gewesen, so findet man doch in den dar-
auf folgenden Mergel- und Kalkmergelschichten keine Spur von diesen beiden
Arten mehr, und man sieht nur noch äusserst selten Reste von Thieren, am häu-
figsten noch eine unbestimmte Planorbis.
Noch eine Eigentümlichkeit der Ablagerungen West-Slavoniens vom Hori-
zonte der Cerithien-Schichten ist die, dass diese letzteren alle Störungen der
Schichten, die in marinen Ablagerungen beobachtet werden, mitmachen, und dort
wo die ersteren ungestört erscheinen, conform auf denselhen lagern, so dass
man keine auffallende Trennung zwischen den marinen und Cerithien-Schichten
wahrnehmen kann. Die weissen Mergel oder Kalkmergel begleiten überall
*) Über die geologische Stellung der Sotzka-Schichten. Sitzungsberichte der kais. Akademie
der Wissenschaften, XXX. Bd., Seite 3. 1858.
3) Karl F. Peters : Hidas. Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, XLIV,
1862, Seite 584.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1S61 und 1862. II. Heft.
37
288 Dionys Stur. M
regelmässig die mm ine Ablagerung des Leithakalkes. Ich werde daher auch im
Folgenden diese beiden Schichtenfolgen gleichzeitig behandeln.
In der Gegend nördlich von Okucane, westlich bei Neu - Gradisca, wurden
zuerst marine und darauf lagernde weisse Mergel beobachtet. Geht
man von Okucane, der DiluviaU Ebene der Save, nördlich in das Slobostina-Thal
hinein, so erreicht man hei Cage die weissen Kalkmergel und grauen Mergel.
Unter diesen kommt hei Benkovac auf westlichen Gehängen zuerst Leithakalk zum
Vorschein, der in der Mitte des Ortes Benkovac beiläufig gegraben und zu Bau-
steinen in der ganzen Umgegend verwendet wird. Unter dem Leithakalk tritt am
nördlichen Ende des Ortes Benkovac, Tegel zum Vorschein. In den härteren
Knollen derselben findet sich Vaginella depressa Daud. häufig. Ausserdem finden
sich folgende Foraminiferen in diesem Tegel:
Glandulina laevigata 0. — s. B. N.
Denlalina inornata 0. — s. B.
„ elegans 0. — n. s. B. N.
„ pauperata 0. — ss. B.
Vaginidina badenensis 0. — h B.
Marginulina sp. ?
Cristellaria cassis 0. — s. B.
» sp.?
Robidina austriaca 0. — h. B. N.
„ cultrata 0. — h. B. N.
„ sp.?
Nonionina bulloides 0. — s. s. N.
Hot (di na Boucana 0. — ? schlecht erhalten.
Giobigcrina triloba Rss. — h. B. N.
„ bulloides 0. — hh. B. N.
Truncatulina lobatula 0. — ss. N.
Bulimia pupoides 0. — s. N.
„ pyrula 0. — ss. N. B.
Textularia Mayer iana 0. — ss. AT. B.
„ arficulata 0. — ss. B.
Sphaeroidina austriaca 0. — ss. N. B.
Biloculina lunula 0. — Steinkerne — s. B.
Dieses Verzeichniss der Foraminiferen verdanke ich Herrn F. Karrer.
Derselbe stellt diesen Tegel dem Tegel von Baden im Wienerbecken gleich.
(Die dem Autor beigesetzten Buchstaben bedeuten: JV=Nussdorf, l?=Baden).
Von Gasteropoden und Bivalven fand sich keine Spur. Ebenso fehlen die
Bryozoen. Cypridinen sind selten.
Näher am krystallinischen Gebirge des Rogoljer Psunj, in der Umgegend von
Rogolje, ist derselbe Durchschnitt aufgeschlossen, wenn auch die Gesteinbeschaf-
fenheit der Schichten zum Theil etwas verändert auftrilt. Das tiefste Glied der
neogenen Ablagerung ist hier ein tegeliger Sand, grau und von Kalktlieilen weiss-
gefleckt, in dem ebenfalls keine Spur von Mollusken vorkommt, der aber eine
reichhaltige Fauna von Bryozoen und Foraminiferen beherbergt.
Herrn Stoliczka verdanke ich folgendes Verzeichniss der Bryozoen aus der
Localität Rogolje :
Crisia Edwardsi Rss.
Filisparsa biloba Rss.
Idmonea foraminosa Rss.
„ tenuisulca Rss.
Herr F. Karrer war so gütig die Foraminiferen dieser Localität zu be-
stimmen, und folgen das Verzeichniss als auch seine Bemerkungen dazu.
Diese Localität Rogolje enthält nebst vielen Bryozoen, wenig Cypridinen,
von Foraminiferen mehrere Arten aber sämmtlich selten. Von den 17 Species
kommen 15 in Nussdorf (grünes Kreuz) vor und charakterisiren diese Schicht
als jedenfalls höher, wie die vorangehende von B en ko v ac, liegend. Da aber
11 Species davon auch in Baden Vorkommen, so glaube ich dass die Schicht
doch etwas tiefer liegend als Nussdorf, etwa wie Ehrenhausen, Porz-
teich und Grinzing im Wienerbecken gedacht werden muss. Foraminiferen
fand ich folgende:
Scrupocellana clliptica Rss.
Salieornia marginata Goldf. ( crassa Bush.).
Eschara polystomella Rss.
Die neogen-tertiären Ablagerungen von West-Slavonien.
289
[S]
Vaginulina badensis 0. — ss. B.
Polystomella Fiehtelliana 0. — ss. N.
„ crispa 0. — s. N. B.
Nonionina granosa 0. — ss. N.
Rotalina Boneana 0. — s. N. B.
„ Partschiana 0. — ss. N. B.
„ Akneriana 0. — ss. N.
„ Soldanii 0. — ss. N.
Globigerina bvlloides 0. — s. N. B.
Globigerina triloba 0. — s. N. B.
Uvigerina pygmaea 0. — ss. N. B.
Globulina gibba 0. — ss. N. B.
„ tubercidata 0. ? — ss. B.
Textularia Mayeriana 0. — s. N. B.
„ abbreviata 0. — s. B.
„ deperdita 0. — ss. N.
„ laevigata 0. — ss. N.
Wenn man von Rogolje den Weg nach Gorni Caglic in nordwestlicher
Richtung verfolgt, so sieht man beim Uebersehreiten des Raches, und am rechten
Gehänge des Thaies unter oberflächlichem Gerolle aus krystallinischen Gesteins-
arten, überall das tegelig-sandige Gebilde, das nördlich bei Rogolje, an bis
20 Klafter hohen senkrechten Wänden entblösst erscheint, zu Tage treten. Nahe
auf der Höhe des Rückens tritt ein Gesteinswechsel ein. Weisse, sandig -tegelige
und kalkig-tegelige Lagen mit Amphistegma Haueri Orb. und A. mctmillata Orb.
wechseln mit einem Leithakalke der voll ist von kleinen Nulliporen, in einer
Mächtigkeit von mehreren Klaftern. Kaum hat man jedoch den Sattel erreicht,
so befindet man sich schon im Gebiete der weissen Kalkmergel, die von da bis in
die Gegend von Vocarica nördlich, herrschen und hier alles höhere Hügelland
bilden. Die tieferen Lagen der marinen Ablagerung unter dem Leithakalk gele-
gen, finden somit nur im Gebiete des Slobostina-Baches ihre Verbreitung; sind
nach aussen erst von Leithakalk, der wohl nicht an allen Punkten nachgewiesen
ist, dann aber von den weissen Kalkmergeln umgeben.
In den vom Slobostina-Thale nach West bis zum Vocarica-Thale herrschen-
den Ausbreitung, muss ich einer localen eigenthümlichen Entwickelung der
Schichten vom Horizonte der Cerithien-Schichten Erwähnung thun.
Wenn man von Raic nördlich das dortige Thal verfolgt, sieht man oben auf
den Gehängen des Thaies überall die weissen Kalkmergel, in der Thalsohle da-
gegen graue Mergel wechsellagernd mit Sandstein und Schieferschichten. Auf
den Schichtflächen der letzteren fanden sich Flügel von Insecten , genau so wie
sie auf den Schiefern von Radoboj bekannt sind, ein. Auch Reste von Pflanzen
sind da nicht selten.
Von Rogolje aus lassen sich die in Rede stehenden beiden neogenen Abla-
gerungen an den westlichen Gehängen des Orljavaer Gebirges bis Pakrac ver-
folgen. Der Leithakalk ist unmittelbar am Gebirge angelehnt, die Mergel über-
lagern und begleiten ihn, eine bis an die Pakra reichende Zone bildend. In Pakrac
selbst, hinter der Kirche und von da nördlich noch eine kurze Strecke fort,
kommt unter den Mergeln auch Leithakalk zum Vorschein und wird hier in vielen
Steinbrüchen zu Raumateriale gewonnen. Er ist hier durch die ausgewitterten
Hohlräume von Versteinerungen porös und sehr leicht, stellenweise ein Conglo-
merat aus Nulliporen und Rruehstücken von Pecten latissimus Brocc, und andern
Zweischalern. Die Hohlräume gehören an:
Cerithium rubiginosum Eichw.
„ plicatum Brug.
Von Pakrac nach Ost lassen sich dieselben Ablagerungen über den Pass, der
von Pakrac nach Pozeg führt, bis in das Gebiet der Orljava ununterbrochen ver-
folgen. Hier ist besonders der Thalkessel von Rrussovac zu erwähnen. Die tiefste
Schichte hier über dem krystallinischen Gebirge ist ein weissgrauer, sehr leicht
zerfallender Mergel, ein Aequivalent des tegeligen Sandsteines von Rogolje,
überlagert von Leithakalk, der dem von Pakrac ähnlich ist. Der letztere enthält
37 *
290
Dionys Stur.
f6]
grosse Bruchstücke von Pecten latissimus Brocc., Gryphaea Coclilenr Po/i und
andern Bivalven, ferner: Clypeaster grandiflorus Bronn.
Die Gegend zwischen Brussovac und Pakrac zeigt überall gelbliche Kalk-
mergel (Cerithien-Horizont), die den Leithakalk bedecken und an vielen Punkten
Knochenreste von Fischen, ferner hier und da sehr selten Cardium plicatum
Eichw., ferner eine Planorbis sp. und Callitrites Brongniarti Endl. führen.
Vom erwähnten Pass kann man weiter am rechten Gehänge der Bucht der
Pakra, über Ozegovac und Branezac, bei Sirac vorüber bis Daruvar, dieselben
Ablagerungen auf den Gehängen des Orljavaer Gebirges überall anstehend finden,
und sie auch die Bucht der Biela über Zaile bis in die Gegend von Zvecovo aus-
füllend beobachten. Merkwürdig ist die Thatsache, dass während am Eingänge
in letztere Bucht, namentlich um Markovac der Leithakalk normal entwickelt er-
scheint, man bei Zvecovo am östlichen Ende der Bucht, nur mehr schwach ein-
glutinirte, aus Gerollen der krystallinischen Gesteine bestehende grobe Conglo-
merate, überall das krystallinische Gebirge überdecken, findet. In der Umgegend
von Daruvar östlich, verquert man aus dem Gebiete der Congerienschichten
gegen das Triasgebirge fortschreitend zuerst die Mergel und Kalkmergel, dann
den Leithakalk. Einen Punkt des Auftretens des Leithakalks Östlich von Daruvar,
nördlich von Vrbovac muss ich des Vorkommens der „hohlen Geschiebe“ in den-
selben näher anführen. So wie an vielen anderen Punkten wird auch hier der
Leithakalk mittelst kleiner Steinbrüche und vertiefter Gruben als Baumateriale
gebrochen. Hier gewinnt man aber einen Leithakalk, in dem stellenweise sehr
häufige Gerolle des nahen Triaskalkes eingeschlossen und dieselben jene von
Herrn Hofrath und Director W. Haidinger (Sitzungsb. der kais. Akademie der
Wissenschaft. XXI. Bd., 1856) angeführten Eigenthümlichkeiten zeigen. Es sind
hier vollkommen abgerundete Gerölle, weniger runde und eckige Stücke des
Triaskalkes und Dolomits von der Nuliiporenmasse des Leithakalkes rundumge-
ben, einige noch ganz frisch, die meisten im innersten Kern mehr oder minder
weit nach aussen angegriffen , halb oder ganz hohl zu finden, so dass auch die
letzte Spur des Gerölles verschwunden (was namentlich bei kleinen i/2 Zoll im
Durchmesser oder weniger messenden Gerollen häufig, aber nicht ausschliesslich)
und nur mehr der Hohldruck des Gerölles vorhanden ist. Ein Gerölle eines
dichten oder sehr feinkörnigen Dolomites zeigt einen Kern der grobkörnig ist,
und bei Anwendung eines mässigen Druckes in Körner zerfällt. Kalkspath als
Ausfüllung der Hohlräume kommt ebenfalls vor.
Auf allen bisher berührten Punkten wie auch in der Folge, wo es nicht näher
angegeben ist, finden sich die tieferen Schichten unter dem Leithakalk nicht auf-
geschlossen und der Leithakalk ist da immer das tiefste sichtbare neogene Glied.
Nordöstlich von Daruvar und nördlich vom Vorkommen der bohlen Geschiebe
im Leithakalke bei Vrbovac, folgt die tief in das Triasgebirge eingreifende Bucht
von Dobrakuca. Wenn auch bessere Aufschlüsse mangeln, so findet man doch hie
und da eine eigenthümliche und abweichende Entwicklung der Mergel und Kalk-
mergel vom Horizonte der Cerithien- Schichten in der bezeichneten Gegend auf-
gedeckt. Es sind hier, ebenso wie ich es bei Raic erwähnt habe, zwischen den
Kalkmergelschichten eingelagerte schiefrige Gesteine und Sandsteine nebst Koh-
lenletten herrschend vorhanden. In den letzteren sind Pflanzenreste, Knochen
von Fischen und Süsswasser-Mollusken nicht selten. In den Gräben nördlich von
Banjani kommen schmale Einlagerungen von Braunkohle vor. Kurz eine Entwick-
lung der Mergel und Kalkmergelschichten , die sich einerseits an die Insecten
führenden Schiefer von Raic, andererseits an die weiter unten folgende Ablage-
rung bei Kntjevo und Gredistje zunächst anschliesst.
Die neogen-terliärcn Ablagerungen von West-Slavonien.
291
[7]
Am nördlichen Gehänge des Orljava-Gebirges findet man bessere Aufschlüsse
erst in der Umgebung von Vucin. Vom Norden her nach Vucin kommend, muss
man zwei bedeutende Rücken, über welche die Strasse steil aufwärts und abwärts
führt, übersteigen. Bis unter den ersten Rücken dauern von der Diluvial - Ebene
angefangen die Congerien- Schichten. Der Rücken selbst ist weisser Kalkmergel
(Cerithien-Horizont), der in Ermangelung eines besseren Materials hier zu Kalk
gebrannt wird. Der südliche Abhang des ersten, und der zweite Rücken unter
welchem unmittelbar Vucin liegt, bestehen aus denselben Kalkmergeln. Am obe-
ren westlichen Ende des Ortes Vucin, gegenüber dem Zusammenflüsse der vom
Süden aus dem Gebirge herkommenden beiden Bäche der östlicheren Rupnica
und der westlicheren Jovanovica, erhebt sich der Schlossberg Vucin mit einer
verfallenen Ruine gekrönt. Die südlichen Gehänge nahe an der Thalsohle beste-
hen aus Trachyt, an welchen steil aufgerichtete Schichten von Leithakalk ange-
lehnt sind, über welchen die Kalkmergel, die Spitze und nördlichen Gehänge des
Schlossberges bildend, folgen. Der unmittelbare Contact des Leithakalkes mit
dem Trachyt ist leider nicht aufgeschlossen , da reicher Schutt die Gehänge
bedeckt. Die tiefsten sichtbaren Schichten des Leithakalkes erscheinen kreide-
weiss, porös, die Poren mit feinem Kalkpulver erfüllt, der beim Schlagen auf
das Gestein herausfällt, und das Gestein überhaupt sehr leicht in Stücke zerfällt.
Erst mehrere Klafter vom Trachyt entfernt, zeigt der Leithakalk seine gewöhn-
liche gelbliche Färbung und eigentümliche Beschaffenheit.
Verfolgt man von Vucin südlich das Rupnica-Thal, so tritt nahe hinter den
letzten Häusern am südlichen Ende des Ortes unter weissem Mergel, der also
auch südlich vom Schlossberge wieder erscheint, Leithakalk (in der Nussdorfer
Form), meist aus lose zusammenhängenden kleinen Nulliporen, Amphistegina
Haueri, Bryozoen: Hornera hippolyta Defr., Myriozoum geminiporum Rss .,
Cellepora globulciris Bronn , und einer Menge von zerbrochenen Schalen von
Ostrea digitalina Eich, und anderen Arten, die mit Sicherheit nicht bestimmbar
sind, bestehend. Die deutlichen Schichten sind steil, 45 — 60 Grad aufgerichtet
und fallen nach Nord. Unter dem Leithakalk, wie am Schlossberge, tritt der
Trachyt zum Vorscheine und bildet hier ein bedeutendes Gebirge, das sich an
das weiter südlich ausgebreitete Granitgebirge anlehnt. Man steigt nahezu eine
Stunde hindurch das Thal Rupnica aufwärts im Trachyt, bis man endlich von der
dortigen Sägemühle die südliche Grenze des Trachyts erreicht. Das zunächst
am Trachyt folgende Granitgebirge ist vielfach von mehr oder minder mächtigen
Gängen vom Trachyt durchzogen.
Wenn man in das westlichere Jovanovica-Thal von Vucin aus fortschreitet,
so geht man erst vielfach an der Grenze des Kalkmergels, Leithakalkes und
Trachyts, bis endlich der Trachyt herrschend wird und auch in diesem Thale
bis vor die dortige zweite Sägemühle anhält, worauf das Granitgebirge folgt.
Merkwürdig ist im Jovanovica-Thale, das sich im unteren Theile vielfach windet,
eine Stelle, und zwar dort, wo das Thal endlich die südwestliche Richtung
einschlägt, zu sehen, wie hier der Trachyt über horizontal liegenden Leitha-
kalkschichten aufliegend erscheint, und hoch über dem letzteren sich zu einem
bedeutenden Berge aufthürmt.
Der Trachyt vonVucin gehört zum grauen Trachyt v. Ri chthofen’s. Er ist
meist sehr tief verwittert, bräunlichgrau mit gelblichen, dem verwitterten
zweiten Feldspath angehörigen Flecken , nur wenigem Sanidin, der auch meist
angegriffen erscheint. Näher zum Gianitgebirge wird die Grundmasse grünlich-
grau und dunkelgrün, dies gilt namentlich von dem in Gängen im Granit auf-
tretenden Trachyt. An einer Stelle nur im Ruprica-Thale wurde in diesem
292
Dionys btur.
[8]
Trachyt säulenförmige Absonderung beobachtet. Die Säulen sind 4 — 3eckig,
mit etwas spiral gedrehten Kanten, 2 — 3 Fuss lang, 1 Fuss im Durchmesser.
Da der Trachyt von Vucin, dem weiter unten besprochenen Rhyolith von Gradac
dem Ansehen nach sehr ähnlich ist und in diesem auch nicht überall Quarz aus-
geschieden erscheint, so war es von Interesse den Gehalt an Kieselsäure im
Vuciner Trachyt zu bestimmen. Herr Dr. F. Zirkel hat sich dieser Mühe unter-
zogen und fand, dass der Kieselsäuregehalt dieses Trachyts 50 — 39 Procent
beträgt und das Gestein also vollkommen basisch sei. Ferner bestimmte er das
specifische Gewicht des in Gängen im Granitgebirge vorkommenden Trachyts
= 2 89, und schloss daraus auf eine ebenfalls basische Mischung desselben.
In der ganzen Umgegend von Vucin findet sich nirgends auch nur die Spur
von Trachyttuff.
Aus der Gegend von Vucin zieht der Leithakalk bis in die Gegend von
Drenovacz, wo er sowohl in der Thalsohle als auch an den Gehängen, nament-
lich am Wege von Drenovar nach Velika, hoch hinauf reicht. Die jüngeren Kalk-
mergel wurden hier nicht beobachtet, indem die Congeriensande unmittelbar
den Leithakalk bedecken, und unter diesen die Mergel tiefer und entfernt vom
Gebirge, nicht mehr sichtbar werden. Dagegen herrschen hei Orahovica östlich
vom letzten Vorkommen die weissen Mergel, und nur an einer Stelle beobachtete
ich unter den genannten zum Vorschein tretende Leithakalk - Conglomerate,
namentlich am Wege von Duzluk nach Sumedje.
Nun folgt die Betrachtung des östlichen Endes des Orljava-Gebirges in der
Umgegend von Gradac nördlich von Gredistje auf der Strasse zwischen Bektes
und Nasic.
Das krystallinische Gebirge dieser Gegend ist rundherum von Congerien-
Scbichten eingefasst. An der Grenze gegen das tertiäre Land kommen sowohl
auf der nördlichen, Nasicer Seite als auch auf der Südseite östlich von Gredistje
Leithakalke vor. Die der Nordseite bestehen aus festen Leithakalken, die nur
auf den Gehängen der hier tief eingeschnittenen Thäler unter den sehr mächtigen
Congerien-Sehichten stellenweise sichtbar und in Zoljan fleissig zu Bausteinen
aufgesucht und verwendet werden. Auf der Bekteser Seite bei Gredistje zieht
die dortige Strasse eine Strecke hindurch über dem genau so wie in Vucin ent-
wickelten lose zusammenhängenden Nulliporenkalk mit
Ostrea digitalina Eiehw. Amphisteginn mammillata Orb.
Pecten latissimus Brocc., ferner Heterostegina costata Orb.
Amphistegina Haueri Orb.
und nach der freundlichen Bestimmung des Herrn Dr. Stoliczka die Bryozoen:
Horner a hippolita Defr.
Idmonea foraminosa Rss.
„ tenuisulca Rss.
„ Giebeli Stol-
Myriozoum truncatum Lk.
Salicornia marginata Goldf. ( crassa Busk.J.
Retepora eelhdosa Lk.
Cellepora globularis Bronn.
Esehara bipunctata Rss.
„ monilifera Edw.
Dieses Gebilde ist nur im Gebiete der Strassengräben aufgeschlossen und
verliert sich in südlicher Richtung, also gleich unter die hochheraufgreifenden
Congerien-Sehichten.
Innerhalb des krystallinischen Gebirges, und mit den dasselbe Gebirge
umgebenden eben abgehandelten neogenen Ablagerung beinahe ohne allem Zu-
sammenhänge stehend, befindet sich theils auf den Höhen um Gradac und westlich
davon, theils aber in einer kleinen, nördlich von Gredistje liegenden Mulde
abgelagert, eine Schichtenreibe von besonderem Interesse. Am südwestlichen
Rande der kleinen Mulde beginnend, sieht man hier Schiefersandsteine und vor-
Die neogen=teitiären Ablagerungen von West-Slavonien.
293
[»]
herrschend Letten abgelagert. Der Letten enthält viele Reste von Fischen, die
jedoch alle wegen der Verwitterbarkeit des Lettens sehr zertrümmert und
gebrechlich, schwer einzusammeln sind. Im Liegenden finden sich im Letten drei
Flötze einer recht guten Braunkohle abgelagert (); sie streichen beiläufig
Stunde 6 und fallen steil nach Süd. Alle drei Flötze zusammen nur von geringen
Zwischenmitteln, die Planorbis- Arten enthalten und sich auf der Halde von
selbst entzünden, gesondert, besitzen ly3 — 2 Klafter Mächtigkeit. Die Aus-
dehnung im Streichen nach Ost kann nicht bedeutend sein, da sehr bald schon
das krystallinisehe Gebirge sichtbar wird, nach West ist die Ausdehnung nicht
weiter bekannt, da bald diese die Kohlenflötze führende Ablagerung unter den
Congerienschichten verschwindet. Im Liegenden der Kohle erscheinen Tuffe und
Conglomerate die theils Trachyt, theils aber seltener, Basalt in Gerollen enthal-
ten. Diese Tuffe und Conglomerate füllen den übrigen Theil der Mulde aus und
ziehen sich dann auf dem Rücken des krystallinischen Gebirges bis auf die Höhe
des Ueberganges bei Gradac, und erscheinen nach einer kleinen Unterbrechung,
wo krystallinisehe Gesteine zu Tage treten, auch noch im Orte Gradac und der
nächsten Umgebung desselben.
Hinter den Kohlenflötzen nach Norden über die steil aufgerichteten Tuff-
und Conglomerat- Schichten fortschreitend, erreicht man einen scharfen Rücken,
der die Grenze zwischen den Tuffen und dem krystallinischen Gebirge ein-
nimmt, und Stunde 5y3, 6 und 9 streicht.
Dieser Rücken besteht aus Rhyolith, dessen Grundmasse dunkelgrau oder
schwärzlichgrau ist, und in welcher sehr sparsam Quarzkörner, noch sparsamer
Sanidinkrystalle vertheilt erscheinen. Der Quarz ist so selten, dass man auf
manchem Handstücke gar keinen Quarz bemerken kann. Noch ein zweiter Feld-
spath wahrscheinlich Oligoklas ist zum grössten Theil ganz verwittert und ver-
schwunden, zum Theil so dass blos die Hohlräume der kleinen Krystalle zurück-
geblieben sind. Das dunkelgraue Gestein erscheint von diesem verwitterten
Feldspath gelbgetleckt. Ausser diesen Einschlüssen sind keine weiteren vorhanden.
Die kohlenführenden Letten, Schiefer und Sandsteine, die genau den
Radobojer Schichten entsprechen, erheben sich weiter im Westen noch einmal
zu einer bedeutenden Anhöhe, aus den sie umgebenden Congerienschichten, in
der nächsten Umgegend von Kutjevo. Am besten findet man diese Ablagerung
östlich oberhalb den Häusern in Kutjevo entblösst. Dieselbe besteht aus lehmigen,
zerfallenden Mergelschiefern und Sandsteinen, die mit einander wechseln und
von welchen die letzteren Fisch- und Pflanzenreste häufig führen. In derselben
Schichte wurde leider nur ein Exemplar der MelaniaEscheri Brong. beobachtet,
die im Wienerbecken in den Cerithienschichten (Gaunersdorf) häufig ist. Die
schiefrigen Mergel enthalten nicht selten grosse Gerolle von Quarzit und krystal-
linischen Gesteinen. Die Schichten stehen auf dem Kopfe und streichen von Ost
nach West. Im Gebiete dieser Schiefer wurde mir ein Kohlenausbiss nordwest-
lich bei Kutjevo angegeben.
Von Kuljevo in West findet man längs dem südlichen Gehänge des Orljava-
Gebirges erst wieder bei Velika die älteren neogenen Ablagerungen unter den
Congerienschichten an den Tag treten. Hier sind aber nur die Leithakalke und
die darunter lagernden Schichten entwickelt und zwar längs dem Gebirge von
Velika an, westlich bis Orljavac. Die jüngeren Mergel vom Horizonte der Ceri-
thienschichten wurden auf dieser Strecke nicht beobachtet, noch auch die
Schichten von Kutjevo irgendwo aufgefunden.
9 Jahrbuch der k. k. geologischen Reiehsanstalt 1861 und 1862. Verhandlungen, Seite 17.
294
Dionys Stur.
rio]
Der Leithakalk von Velika, ebenso als der von Orljnvac und der dazwischen
liegenden Punkte, ist genau von der Form, wie der bei Gredistje oder Vucin.
Bei Velika wurde auch das tiefere, dem Tegel von Baden oder den Schichten
von Rogolje und Benkovac (siehe oben) entsprechende Glied der marinen neo-
genen Ablagerung beobachtet. Die tiefste Lage besteht aus groben Sauden, die
stellenweise ziegelroth gefärbt erscheinen, auf welchen ein weisser leicht zer-
fallender Mergel, genau jenem im Kessel von Brussovac gleich lagert und vom
Leithakalke bedeckt wird. Der Meeresgrund der älteren Neogenzeit musste bei
Velika von sehr verschiedener Tiefe und von Ort zu Ort sehr seicht gewesen
sein, da stellenweise aus dem weissen Mergel (Baden) die triasischen Schiefer
inselförmig emporragen und unmittelbar von den oberen Lagen des Leithakalkes
bedeckt sind. Im Leithakalke von Orljavac ist Pecten latissimus Brocc. besonders
häufig.
Von Orljavac bis in die Gegend von Podversko und von da bis an das
Pozeganer Gebirge ist die Ablagerung der weissen Mergel und Kalkmergel
(Cerithienhorizont) ausgedehnt. Von Podversko endlich bis in die Gegend von
Rogolje, von wo wir ausgegangen sind, die das Orljava-Gebirge umlagernden
älteren neogenen Ablagerungen zu betrachten , findet man längs dem Bande des
Orljava-Gebirges nur das jüngste Glied der neogen-tertiären Formation aufge-
schlossen.
Im Folgenden sollen die das Pozeganer Gebirge umgebenden älteren neo-
genen Ablagerungen, Berücksichtigung finden. Wenn wir von Pozeg ausgehend
über Brestovac, Ivandol, Opatovacz, bis Bacindol, nach West fortschreiten, so
haben wir nur die jüngeren Kalkmergel vor uns, die hier überall das ältere Ge-
birge überlagern. Bei Bacindol selbst im Thale östlich tritt auch Leithakalk zum
Vorschein, in dessen Liegendem ein gelber Sand mit Sandstein-Concretionen am
südlichen Fuss der dortigen Ruine erscheint, ohne Versteinerungen. Der Leitha-
kalk wird von weissen Mergeln (Cerithienhorizont) überlagert, die über Dres-
nik, Lipovac, Bresnica bis Pleternica das ganze südliche Gehänge des Pozeganer
Gebirges umgeben. Erst in der Gegend von Ober-Lipovac, nördlich von Kapela-
nova und zwar zwischen Maticevic und Pavlovce kommt auch der Leithakalk am
Gebirge zum Vorschein, hier aber unter sehr interessanten Verhältnissen. Auf
dem Pozeganer Conglomerat liegt eine Schichte von weissem Kalkstaub, in
welchem sich Kugeln von Nulliporen, in der Grösse einer Faust und grösser, ein-
gebettet finden. Auf diesem Nulliporenkalk lagert eine 3 — 4 Fuss mächtige po-
röse Kalkschichte, die aus lauter Schalen von:
Cerithium pictum Bast. j Ervilia podolica Eichw . und
rubiginosum Eichw. Cardium vindobonense Partsch.
Mactra podolica Eichtu. *
die lose mit einander conglutinirt erscheinen, besteht. Diese poröse Schichte wird
von compactem Cerithienkalk überlagert, der dann bald in Kalkmergel und weisse
Mergel übergeht, die dann eine bedeutende Mächtigkeit erlangen, und bis nach
Resetare, Petrovoselo und Unter-Lipovae reichen. Diese Ablagerung der weissen
Mergel in dieser Gegend ist dadurch von Interesse, dass im Gebiete derselben
auf zwei verschiedenen Stellen Quellen von Naphtha bekannt sind. Das erste
hieher gehörige Vorkommen findet sich im Thale östlich bei Bacindol, wo am
Ausgange des Thaies ein Diluvial-Schotter mit Naphtha imprägnirt ist, die wahr-
scheinlich im daselbst anstossenden weissen Mergel ihre Quelle fand.
vNordost von Petrovoselo und im Ost von Ostriverh befindet sich im Gebiete
des Curak-ßaches jene Stelle, an welcher die Naphtha von Petrovoselo hervor-
quillt. Man geht dahin von Ostriverh erst über Diluvium , dann über Congerien-
Die neogen-lertiären Ablagerungen von West-Slavonien.
295
[H]
Tegel und nach dem man immer aufwärts gestiegen, gelangt man in das Gebiet
der weissen Kalkmergel. Im Gebiet der letzteren geht man Anfangs neben einem
unbedeutendem Bächlein nach Nord, verlässt dasselbe indem man das westliche
steile Gehänge ersteigen muss, um an die Naphlha- Quellen zu gelangen. Hier
findet man im Gehänge auf einem Raume von beiläufig 15 Quadrat- Klaftern
etliche 15 — 20 kleine Vertiefungen von zwei bis drei Fuss tiefe Löcher, bald
nahe, bald entfernter von einander stehend, in denen die flüssige Naphtha hervor-
quillt und gesammelt wird. Die grösste schachtartige Vertiefung zu oberst am
Gehänge daselbst, zeigt deutlich entblösstes Grundgestein, den gelblichweissen
Kalkmergel aus dessen Schichtungsflächen und Spalten die Naphtha herausfliesst.
In den kleineren Löchern ist das Gestein nicht deutlich zu entnehmen, es scheint
aber ein bituminöser Mergelschiefer, der stark imprägnirt ist, das Grundgestein
in dem tieferen Theile des Gehänges zu bilden.
Von Pleternica westlich bis nach Pozeg auf den nordöstlichen Gehängen
des Pozeganer Gebirges, sind nur noch einzelne, hie und da stehen gebliebene
Reste der ehemals ausgebreiteteren älteren neogenen Ablagerungen. Die wich-
tigste hierher gehörige Stelle findet sich östlich bei Pozeg, bei einer kleinen
Capelle , im Einschnitte der Poststrasse. Man findet daselbst einen eigenthümlich
entwickelten Leithakalk in dem Nulliporen selten , dagegen Bryozoen sehr häufig
sind. Folgendes Verzeichniss der letzteren verdanke ich Herrn Dr. Stoliczka
aus dieser Localität (Pozeg) :
Crista Edwardsi Rss.
Pastulopora anomala Rss.
„ pulchella Bss.
Filisparsa biloba Rss.
Hornera hippolyta Defr.
Idmonea foraminosa Bss.
„ pertusa Bss.
„ tenuisulca Rss.
Pavotubigera dimidiata Rss.
Defrancia deformis Bss.
Domopora prolifera Rss.
„ stellata Goldf.
Ceriopora anomalopora Goldf.
Myriozoum geminiporum Rss.
Scrupocellaria elliptica Rss.
Salicornaria marginata Goldf . (crassa Bush.).
Retepora cellulosa Lam .
„ Rubeschi Rss.
Membranipora angulata Rss.
Lepraria monoceras Rss.
„ stenostoma Rss.
Cellepora globularis Bronn.
Biflustra bipunctata Rss.
Eschara polystomella Rss.
„ macrocheila Rss.
„ Reussi Stol.
„ cervicornis Lam.
„ undulata Rss.
„ monilifera Milne Edw.
Die nachfolgend angeführten Foraminiferen bestimmte Herr F. Karrer aus
dieser Localität (Pozeg):
Rotulina cidtrata 0. — s. B. N.
Polystomella crispa 0. — hh. N. B.
Rotalina Boueana 0. — h. N. B.
„ Dutemplei 0. — h. N.
Amphistegina Hatten 0. — h. N.
Heterostegina cristata 0. — N.
Textularia sp. n. der laevigata 0. ähnlich,
aber viel grösser.
Ausser diesen findet man noch Krebsscheren, Balanen, Terebrateln, Argiope
decollata Gm. und A. pusilla Eichw. , Fibularia und Echinusstacheln in diesem
Gebilde.
Zwischen Dervisaga und Vidovci finden sich Kalkmergel (Cerithien- Hori-
zont) am Gebirge angelehnt. Endlich auch noch südlich von Pozeg auf den An-
höhen des Gebirges bei Sevci, liegen wenig mächtige Lagen älterer neogenen
Schichten, oberflächlich auf den älteren Gesteinen dieser Gegend.
Die älteren neogenen Ablagerungen bilden endlich für sich allein das Brooder
Gebirge. Und zwar erscheint Leithakalk nur am südlichen Gehänge bei Grabarje
und Umgegend , während die weissen Kalkrnergel den ganzen übrigen höheren
Theil dieses Gebirges zusammensetzen. So in der Gegend von Paka, Russevo
38
K. k. geologische Reichsaastalt. 12. Band. 1861 und 1862. II. Heft.
296
Dionys Stur.
[12]
und von da östlich bis Varos und Majar, westlich bis an die Pleternica und süd-
lich bis an die Linie Odvorze -Zdence, findet man nur die Kalkmergel vom Hori-
zonte der Cerithienschichten anstehend.
In der Fortsetzung des Orljava-Gebirges hat man tief unter den Congerien-
Schichten in einer Thalvertiefung bei Pridvorje nordwestlich von Diakovar einen
Leithakalk entdeckt, der in einem Steinbruche theils zu Werksteinen theils zu
Kalk gebrannt, Verwendung findet.
Den übrigen grösseren Theil des tertiären Hügellandes bilden die Conge-
rien-Schichten.
Wenn auch diese Ablagerung in der Umgegend von Agram eine genau
solche Entwicklung zeigte, wie wir sie im Wienerhecken kennen, so bietet sie
weiter östlich auf den südlichen Gehängen der älteren Inselberge Croatiens und
Slavoniens doch eine Eigenthümlichkeit. Diese beruht in der oigenthiimlichen
Entwicklung der Fauna dieser Schichten, die zuerst von Hrn. Ludwig v. Farkas-
Vukotinovic im Moslavina- Gebirge ‘) beobachtet werden und die ich noch
östlicher in West- Slavonien an den südlichen Gehängen des Orljava-Gebirges,
des Pozeganer und Brooder Gebirges, überall in ganz gleicher Zusammensetzung
fand. Um über die eigenthiimlicho Facies der Fauna des bezeichneten Striches
kurz eine Andeutung zu geben, erwähne ich bloss, dass die im Wienerbecken
bei Moosbrunn, dann in den Congerien- Schichten Ungarns vorkommende Palu -
dina Sadleriana auch an allen den weiter unten angerührten Localitäten genau
in der bekannten Form auftritt, aber die Erscheinung derselben in diesen» Kleide
hier nur eine Seltenheit ist. Die Umgänge zeigen auf den bei weitem häufigeren
Exemplaren ausser der hart an der Nath gewöhnlich vorkommenden wulstartigen
Auftreibung, auf welche eine deutliche Einschnürung folgt, unter der letzteren
einen mehr oder minder scharf ausgesprochenen Kiel. Bei den allerhäufigsten
Exemplaren jedoch ist gewöhnlich auf dem Kiele, seltener auf der Nathwulst,
noch eine Beihe grosser mehr oder minder erhabener, näher oder entfernter
aneinander gerückter, bald auf den Embryonal-Windungen beginnender und auf
den letzten Umgängen verschwindender, bald nur auf dem letzten Umgänge
hervortretender Höcker vorhanden. So dass einem hier eine scheinbar grenzen-
lose Vielgestaltigkeit und beinahe unfassbare Veränderlichkeit dieser Art ent-
gegen tritt. Ganz dieselbe Erscheinung wiederhohlt sich im Genus Melanopsis
und insbesondere Unio, deren Arten leider vorläufig unbestimmt bleiben müssen.
Diese eigentlnimliche formenreiche Entwicklung der Fauna ausgenommen,
zeigen sich in der Beihe der Ablagerung der Congerien -Schichten in West-Sla-
vonien imWesentlichen genau dieselben Abschnitte, wie sie mir im Wienerbecken
bekannt sind. Die Belvedere-Schichten, Schotter und Sand wurden genau in der
Entwicklung gefunden, in welcher sie im Wienerbecken entfernter von den Alpen
und näher gegen das ungarische Becken sich darbieten. Der Belvedere-Schotter
findet sich in West-Slavonien nur ganz local abgelagert, am deutlichsten und
mächtigsten am südlichen Gehänge des Brooder Gebirges nördlich von Gromac-
nik, und bei Kinderovo unweit Graborje. Dagegen ist der Belvedere-Sand in jener
Form wie er bei Moosbrunn und Reissenberg im Wienerbecken unter dem Bel-
vedere-Schotter als ein sandiger lössartiger Lehm entwickelt, in West-
Slavonien das herrschendste neogen-tertiäre Gebilde. Denn er überdeckt das
ganze Gebiet der Congerien - Schichten mit einer 4 — 10 Klafter mächtigen Lage,
unter welcher nur an vertieften Stellen die älteren hieher gehörigen Schichten
D Das Moslaviner Gebirge, Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1852. Heft 2,
Seite 95.
Die neogen-tertiären Ablagerungen von West-SJavonien.
297
[13]
zum Vorschein treten. Dieser Lehm unterscheidet sich dadurch vom Löss, dass
er in Folge von Verwitterung äusserlich bräunlich - gelb , in frischen Rissen und
im inneren bläulich-grau gefärbt erscheint.
Die nächst ältere Schichte der Süss w asser kalke des Wienerbeckens
findet sich genau in derselben Form wie zu Moosbrunn, in West-Slavonien bei
der St. Leonhard-Kirche, im Nordwesten von Cernik bei Neu-Gradiska entwickelt.
Unter der allgemeinen Decke von lössartigem Belvedere-Sand, tritt zuerst ein
sandiger grünlicher Tegel in dem Valvata piscinalis Lam. häufig hervor. Dar-
unter folgt eine Lage von Süsswasserkalk. Dieser ist gelblieh-weiss, gelbge-
fleckt, in dünnen 3 — 4 Zoll mächtigen Schichten und enthält ausser Congerien
(kleine Exemplare) Helix, Planorbis und Melanopsis-Arten, die nur in Steinkernen
und Hohlräumen vorhanden sind. Noch tiefer folgen mächtige Lagen mürben,
beinahe alm -artigen Süsswasserkalkes, wechselnd mit gelbem lehmigen Sand
und dunkelblauem schiefrigen Tegel, sehr häufig Versteinerungen führend.
Diese sind nach den Bestimmungen von Herrn Ritter v. Frauenfeld:
Valvata piscinalis Lam.
Melanopsis Esperi Fer.
Paludina tentaculata L.
Paludina concinna Sow.
„ Sadleriana Part sch.
Neritina trasversalisMhlf., gerippt eAnodonta.
Nach unten wird der Tegel herrschend und enthält ein Lignitflötz, dessen
Abbau eben wieder in Angriff genommen wurde. (Siehe Jahrbuch der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt, 1861 und 1862. Verhandlungen. Seite 117.) Die Lage-
rung dieser tiefsten Schichten ist vielfach gestört, längs dem Bache daselbst viel-
fach aufgeschlossen. Die Mächtigkeit des unter dem Lignitflötze folgenden
Tegels ist unbekannt und gewiss sehr bedeutend.
Die bisher angegebene Lagerung der Congerien-Schichlen dürfte für ganz
West-Slavonien die normale sein, wenn aucli an den meisten Stellen ausser dem
Aequivalente des Belvederesandes, nur eine und zwar die tiefste Schichte ent-
blösst erscheint, und namentlich der Süsswasserkalk nur local und selten, so wie
im Wienerbecken, entwickelt sein dürfte.
Im Folgenden sollen nur noch die Fundorte von Versteinerungen mit einigen
Worten erwähnt werden.
Die Localität, von welcher Herr L. v. Farkas-Vukotin ovic (Jahrbuch
der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1862, Heft 2, Seite 96) im Moslavina-
Gebirge spricht, „es komme hier auch ein zweiter Grobkalk vor, der einer Süss-
wasserbilduug angehört, Melanopsiden und andere Süsswassermollusken in
grosser Zahl enthalte", ist mir ebenfalls bekannt geworden.
Im Drinoostathaie nordwestlich von Kutina, am Ursprünge im Walde, wurden
darin :
Paludina Sadleriana Partsch.
„ concinna Sow.
Im benachbarten Repusnicathal fanden sich ein :
Paludina Vukotinovici Frnfld. (ein einziges
Exemplar).
Paludina Sadleriana Partsch.
„ concinna Sow.
„ naticoides Ziegl.
Melanopsis Dufourei Fer.
„ Esperi Fer.
„ acicularis Fer.
„ huccinoidea Fer.
„ costata Fer.
Die erste ausgezeichnete Paludina Vukotinovici hat Herr Ritter v. Frauen-
feld, Herr L. v. Farkas-Vukotinovic zu Ehren, so benannt. Sie kommt
besonders schön erhalten im Bukovica-Thale bei Novska vor. Sie ist einer gegen-
wärtig in China lebenden Art Paludina ecarinata Frnfld. in litt, am nächsten
verwandt. Die zweite Art Paludina Sadleriana Partsch ist, wie weiter oben
38*
298
Dionvs Stur.
fl4]
angedeutet worden, ganz glatt, gekielt, und mit Höckern verschon und steht
der noch jetzt in Nord-Amerika lebenden Pal. magnifica Conr. am nächsten
Beide croatisch-slavonischen Arten wird Herr Ritter v. Frauen fei d in seiner
Monographie über Paludinen demnächst abbilden und beschreiben.
In West-Slavonien finden sich zunächst der westlichen Grenze in der näch-
sten Umgegend von Novska einige interessante Aufschlüsse im Congerientegel.
Die interessanteste Fundstätte ist südlich von dem Lignitbaue im Bukovicathale
östlich bei Novska. Im hintersten Theile des Thaies steht im lehmigen, gelblich-
okerigen Sande, dessen Schichten nach Süden flach fallen, das Lignitlager an
(siehe Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt 1861 — 1862. Verhand-
lungen, Seite 117) mit einer über 1 Klafter sichtbarer Mächtigkeit. Südlich da-
von, also im Hangenden, trifft man in einiger Entfernung versteinerungsreiche
Lager im Tegel. Es finden sich ausser einigen sehr schönen bisher nicht be-
schriebenen Arten von Unio, grosse Massen der vielgestaltigen
Paludina Sadleriana Part sch.
in allen möglichen Varietäten. Dieses Lager muss gegen den Ausgang des Thaies
lange in der Thalsohle vorhanden sein. Am Ausgange dieses Thaies am linken
* Gehänge findet sich mit denselben Unicoarten wie in obiger Lage, die neue
Paludina Vukotinovici Frnfld.
in sehr gut erhaltenen grossen und kleinen Exemplaren.
Im Thale von Novska unweit vom Eingänge wurden in derselben Schichte
wie oben nebst
Paludina Sadleriana Parlsch. und
Melanopsis buceinoidea Per.
eine Paludina ? hoch und schlank vom Habitus der Paludina Sadleriana nur
mit dem Unterschiede, dass statt den Höckern der letzteren, diese Art scharfe
Querfalten zeigt, gefunden. Sie muss vorläufig, da das Genus, in welches sie
einzureihen sei, nicht ganz evident zu sein scheint, unbestimmt verbleiben.
Verquert man von Novska auf dem Wege nach Jagma das Brestaca- und
Subotska-Thal , so trifft man noch drei andere Fundstätten von Versteinerungen
der Congerien-Schichten.
Zunächst kann man in der Thalsohle am oberen Ende des Brestaja-Thales :
Paludina Sadleriana Partsch. I Melanopsis acicularis Fer.
„ tentaculala L. und
sammeln.
Dieselbe Fauna findet man auch im Orte Subotski Gradac.
Oberhalb Jagma südlich findet man folgenden Durchschnitt entblösst. Jagma
selbst liegt auf Congerientegel, der auf den Gehängen hoch hinauf reicht. Auf
dem Tegel lagert ein gelber Sand, auf welchem ein kleines einige Zoll mäch-
tiges Lignitflötzchen folgt. Das Hangende des Lignits bildet eine an zerdrückten
Mollusken reiche Süsswasser-Kalkschichte mit :
Paludina Sadleriana Partsch.
Melanopsis Esperi Fer.
und Cardien nebst kleinen Congerien.
Noch soll die östlichste bekannt gewordene Localität, an welcher die Fauna
der obigen Fundorte auftritt und beobachtet wurde, Erwähnung finden. Diese
Fundstätte liegt am linken Ufer der Orljava nordost von Oriovac bfei Cigelnik.
Wenn man von Pleternica nach Süd am linken Ufer der Orljava fortschreitet,
sieht man bei Becic die weissen Mergel (Horizont der Cerithienschichten) von
einem lose zusammgekitteten Sandstein überlagert. Auf diesen folgen Sande, in
welchen man unfern der Mühle bei Cigelnik, eine von Eisenoxydhydrat gefärbte
Die neogen-tertiärei) Ablagerungen von West-Slavonien.
299
[IS]
feste Kalkschichte mit vielen Mollusken bemerkt. Die Schichten fallen steil nach
Süd. Im Liegenden dieser gelbrothen Schichte findet man eine Sandschichte
voll von :
Paludina Sadleriana Part sch,
von allen bisherigen am besten, noch perlmutterglänzend, erhalten. Die ob-
erwähnten Unio- Arten sind auch hier vorhanden. Alle diese erwähnten Schichten
müssen sich am Fusse des Brooder Gebirges weit nach Ost fortziehen, denn man
sieht die Versteinerungen derselben in allen die Strasse daselbst verquerenden
Bächen herabgeschwemmt.
Im Norden der westslavonischen Gebirge im Wassergebiete der Drau, wo
überhaupt Aufschlüsse im Gebiete der Congerien-Schichten, des sich ganz lang-
sam verflachenden Terrains wegen äusserst selten sind, ist mir nur eine Stelle
bekannt geworden, an welcher Versteinerungen gefunden wurden. Es ist dies
in der Gegend südlich von Torczovac, bei Borova südlich im Walde. Von Borova,
das am Rande der Diluvialebene der Drau liegt, nach Süd erhebt sich das
Hügelland zu ansehnlicher Höhe. Die in Hohlwegen aufgedeckten Sandschichten
fallen schwach nach Süd. Auf der Höhe des Hügellandes findet man in den Sand-
schichten verhärtete Sandstein-Concretionen, die wohl dem Kalkgehalte der in
diesem Horizonte häufig vorkommenden Cardien ihren Ursprung zu danken
haben. Man findet gewöhnlich mehrere Cardien in eine jede solche Concretion
eingeschlossen, die selten den Durchmesser von 1 Fuss erreichen. Diesen die
Concretion enthaltenen Schichten zu lieb, die kauin die Mächtigkeit von 2 bis
3 Fuss einnehmen , wird in dieser Gegend von Zeit zu Zeit eine Unzahl von
Steinbrüchen betrieben, indem diese Concretionen das einzige Strassen-
Beschotterungsmateriale abgeben für die in bedeutender Entfernung, in der
Diluvialebene vorbeiziehenden Verovitic-Essegger Poststrasse. Die am häufigsten
hier vorkommende Art ist: Cardium Haueri Hörnes. Nebst dieser erscheint
Cardium hungaricum Hörnes und noch ein Cardium nur in Steinkernen, die
keine Bestimmung zulassen; ferner wurden Congerien meist nur kleine
Exemplare und :
Paludina tentaculata L.
gesammelt.
Der Löss des älteren Diluviums wurde eine nur an einigen Punkten längs
der Save, an der Grenze der Ebene gegen das tertiäre Hügelland bekannt.
Die Ebenen der Save und Drave gehören dem Terrassen-Diluvium an.
300 Verzeichnis der Einsendungen von Mineralien. Gebirgsarten, Eetrefacten u. 8. w.
V. Verzeichniss der an die k. k. geologische Heichsanslalt
gelangten Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petre-
faeten u. s. w.
Vom 10. December 1861 bis 15. April 1862.
1) 11. December. 2 Kisten, 320 Pfund. Vom k. k. Militär-Verpflegsamt in
Pesth, Steinkohlen zur chemischen Untersuchung.
2) 11. December. 1 Kiste, 42 Pfund. Vom k. k. Badhauscommando in Karls-
bad. Braunkohlen zur chemischen Untersuchung.
3) 14. December. 2 Kisten, 184 Pfund. Von Herrn k. k. Hauptmann Job.
Hei ch ard t in Weisskirchen. Versteinerungen aus dem Steinkohlengebirge von
Ostrau. Drei grosse Stücke von Sigillarien.
4) 21. December. 1 Kiste, 72 Pfund. Vom Herrn Job. Flor. Kutschker,
k. k. Zollamts-Official zu Vils in Tirol. Liasversteinerungen aus dem Engethal.
(Verhandlungen. Sitzung am 29. April 1862. Seite 225.)
5) 21. December. 2 Kisten, 180 Pfund. Von Herrn v. Leuzendorf in
Daruvar. Mineralwasser zur Untersuchung.
6) 31. December. 3 Kisten, 46 Pfund. Vom k. k. Militär-Verpflegsamt in
Pesth. Stein- und Braunkohlen zur chemischen Untersuchung.
7) 31. December. 1 Kiste, 60 Pfund. Von Herrn Heinrich B ec k er, kur-
fürstlich Hessen’schen Bergvervvalter zu Komorau in Böhmen. GangstufFen vom
Giftberge. (Verhandlungen. Sitzung am 18. März. Seite 225.)
8) 8. Jänner. 1 Kiste. Von Herrn Prof. Fr. Unger, von Gratz übersandt.
Pflanzenfossilien, deren wissenschaftliche Bearbeitung wir dem Herrn Professor
während seines Aufenthaltes daselbst verdanken. Er hat auch bereits mehrere
der Ergebnisse in der Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am
27. Februar vorgelegt, namentlich in Bezug auf die Frangulaceen und Legumi-
nosen, welche in den Denkschriften derselben erscheinen werden.
9) 8. Jänner. 1 Packet, 10 Pfund. Von der k. k. Verpflegsverwaltung in
Wien. Steinkohlen zur chemischen Untersuchung.
10) 20. Jänner. 1 Kiste, 13 Pfund. Von Herrn k. k. Professor Kornhuber.
Petrefacten aus dem Museum der Oberrealschule von Pressburg. Grösstentheils
aus den Localitäten von Penzesküt und Bakonybel im Veszprimer Comitat und
von Herrn Korn hu b er freundlichst zur Vergleichung bei der Bearbeitung der
von der Section der k. k. geologischen Reichsanstalt gesammelten Exemplare
dargeliehen.
11) 28 Jänner. 1 Kiste, 4 yg Pfund. Von Herrn Alois Seifert, Berghau-
unternehmer zu Hohenelbe in Böhmen. 1 Stück Saurierfährten.
12) 3. März. 1 Packet, iys Pfund. Von der fürstlich Schwarzenberg'schen
Eisenwerks-Direction in Murau. Roheisen zur chemischen Untersuchung.
13) 4. März. 2 Kisten, 160 Pfund. Von Herrn Professor Römer in Breslau.
Der k.k. geologischen Reichsanstalt angehörige Versteinerungen mit Bestimmungen
Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. vv.
301
Die silurischen Fossilien, zahlreich von Herrn D. Stur im östlichen Galizien
aufgesammelt, entbehren noch der Bearbeitung. Herr Barrande, der durch
seine Studien einen so grossen Vorsprung hat, lehnte die Bearbeitung ab, Herr
Professor Römer erklärt viele derselben für neu, tlieilt aber gleichzeitig mit,
dass Herr Dr. A. v. Alth in Krakau eine reiche Sammlung derselben besitzt,
deren Bearbeitung demnächst erwartet werden kann.
14) 8. März. 1 Packet, 2 Pfund. Von der III. Section der k. k. geologischen
Reichsanstalt. Versteinerungen aus Croatien.
13) 18. März. 1 Kiste, 2 Pfund. Von Herrn Baron Karl v. Seyffertitz in
Bregenz. Mineralien. (Verhandlungen. Sitzung am 29. April. Seite 222.)
16) 28. März. 1 Packet, 3s/4 Pfund. Vom k. k. Verpflegsmagazin in Pod-
gorze. Steinkohlen zur chemischen Untersuchung.
1 7) 28. März. 1 Schachtel, 3y3 Pfund. Von Frau Josephine Kablik in
Hohenelbe. 1 Stück Saurierfährten und Iserin. (Verhandlungen. Sitzung am
29. April. Seite 223.)
18) 1. April. 1 Kiste,24 Pfund. VonHerrn K. Feistmantel, Hüttenmeister
in Bras bei Rokiczan. Fossile Pflanzenreste aus dem Bfaser Steinkohlenbecken.
19) 8. April. 1 Kiste, 17 Pfund. Von Herrn Franz Posepny, k. k. Kohlen-
schurfleiter zu Koväcs in Siebenbürgen. Tertiäre Versteinerungen. (Verhand-
lungen, Sitzung am 29. April. Seite 226.)
20) 12. April. 1 Kiste, 13 Pfund. Von Herrn Eduard Pauli, k. k. Revier-
förster zu Hryniawa, nächst Kutty, Galizien. Mineralwasser zur chemischen Un-
tersuchung. (Verhandlungen. Sitzung am 29. April 1862.)
Nachtrag za den Verzeichnissen der Einsendungen vom 31. December 1861 und
vom 15. April 1862 fossiler Brennstoffe für die Londoner Ausstellung,
1) 20. November. 1 Kiste, 33 Pfund. Von Herrn Rudolph Kolisch. Gö-
ding, Mähren. Braunkohle.
2) 23. November. 1 Kiste, 43 Pfund. Von der Reichsgräfl.-Westphalen-
Fürstenberg’schen Bergverwaltung Kulm. Wiklitz, Karbitz, Böhmen. Braunkohle.
3) 23. November. 1 Kiste, 100 Pfund. Von Herrn A. Rahn. Zbeschau,
Mähren. Steinkohle.
4) 26. November. 1 Kiste, 17 Pfund. Von Herrn Karl Kahler, Leiter des
Mitsch und Stüdl’schen Bergbaues zu Jemnik, Böhmen. Steinkohle.
3) 27. November. 1 Kiste, 46 Pfund, Petrovagorahütte. Topuszko, Militär-
grenze. Braunkohle.
6) 27. November. 1 Kiste, 39 Pfund. Von Herrn Albin v. Kiepach, Bre-
gana, Croatien. Braunkohle.
7) 27. November. 1 Kiste, 63 Pfund. Von der Gewerkschaft für Steinkohlen-
bergbau und Zinkfabrication zu Ivanec in Croatien, durch den Bevollmächtigten
Herrn Klemann. Braunkohle.
8) 28. November. 1 Kiste, 86 Pfund. Von der Gewerkschaft Saxonia,
Herren August Klaus und Theodor Held. Karbitz, Böhmen. Braunkohle.
9) 28. November. 1 Kiste, 35 Pfund. Gewerkschaft am Savestrom, Sagor,
Krain. Braunkohle.
10) 28. November. 1 Kiste, 51 Pfund. Von Herrn Paul Freiherrn v. Herbert,
Wolfsberg, Kärnthen. Braunkohle.
302 Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w.
11) 28. November. 1 Kiste, 80 Pfund. Von Herrn F. S. Steinbrecher,
Trübau, Mähren. Braunkohle.
12) 29. November. 1 Kiste, 60 Pfund. Von der H. D r as c h e’schen Berg-
verwaltung, Brennberg, Oedenburg, Ungarn. Braunkohle.
13) 20. November. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn Johann Bi ege r, H.
Dra sch e’sehen Schichtmeister in Höllenstein, Waidhofen, Oesterreich.
Steinkohle.
14) 29. November. 1 Kiste, 152 Pfund. Von der E. und A. v. Lin ri-
ll ei m’schen Bergbau-Verwaltung in Mantau, Passau, Pilsen, Böhmen. Steinkohle.
15) 30. November. 4 Kisten, 520 Pfund. Von dem fürstl. Schaumburg-
L ipp e’schen Bergamte in Schwadowitz, Böhmen. Steinkohle.
16) 30. November. 1 Kiste, 37 Pfund. Von Herrn Wenzel Ehlig. Hostu-
rnitz bei Teplitz, Böhmen. Braunkohle.
17) 30. November. 1 Kiste, 107 Pfund. Von der gräfl. Larisch-Mön-
nich’schen Bergdirection, Dir. Karl Kach le r, Karwin. Steinkohle.
18) 30. November. 1 Kiste, 55 Pfund. Von Herrn Franz Kleindienst,
Eibiswald, Steiermark. Braunkohle.
19) 2. December. 1 Kiste, 71 Pfund. Von der k. k. Eisenverschleiss-
Factorei in Prag. Steinkohlen.
20) 2. December. 1 Kiste, 53 Pfund. Von dem k. k. Bergamt in Cilli.
Steiermark. Braunkohle.
21) 2. December. 1 Kiste, 40 Pfund. Von der Graz - Köflacher Eisenbahn-
und Bergbau-Gesellschaft. Voitsberg, Steiermark. Braunkohle.
22) 3. December. 2 Kisten, 365 Pfund. Von dem Berg-Inspectorate der
ausschl. pr. Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Mährisch-Ostrau, Mähren. Steinkohle.
23) 3. December. 1 Kiste, 165 Pfund. Von der Freiherr v. Silbersteiirschen
Bergdirection in Schatzlar, Böhmen. Steinkohle.
24) 3. December. 1 Kiste, 151 Pfund. Von der gräflich Albert v. Nostiz-
schen Bergdirection. Aussig, Böhmen. Braunkohle.
25) 3. December. 2 Kisten, 103 Pfund. Von Herrn Gustav Alexander
v. Elterlein. Aussig, Böhmen. Braunkohle.
26) 3. December. 2 Kisten, 103 Pfund. Von der gräflich v. Mensdorff-
Po uil 1 y’schen Bergwerkverwaltung in Boskowitz, Brünn, Mähren. Braunkohle.
27) 3 December. 1 Kiste, 48 Pfund. Von dem fürstl. Hugo zu Salm'schen
Werke zu Gaya, Mähren. Braunkohle.
28) 3. December. 1 Kiste, 165 Pfund. Von der gräflich Sä n d o r'schen
Bergverwaltung, Annathal, Sarisap, Ungarn. Braunkohle.
29) 5. December. 1 Kiste, 149 Pfund. Von der St. Pankraz - Zeche, Nür-
schau, Staab, Böhmen. Steinkohle.
30) 6. December. 1 Kiste, 51 Pfund. Von Herrn Gustav Gollitsch, Cilli,
Steiermark. Steinkohle.
31) 6. December. 1 Kiste, 64 Pfund. Von Herrn Mathias Ivac sk ovics,
k. k. Bergbau-Leiter, Diosgyör, Miskolcz, Ungarn. Braunkohle.
32) 6. December. 1 Kiste, 249 Pfund. Von der Freiherr v. Ro th sch il ri-
schen Central-Direction in Witkowitz, Mähren. Steinkohle.
33) 6. December. 1 Kiste, 160 Pfund. Von der Francisca-Steinkohlen-
gewerkschaft in Padochau, Mähren. (Leiter Johann Fitz.) Steinkohle.
34) 6. December. 1 Kiste, 50 Pfund. Von der kurfürstl. von Hessen’schen
Horowitzer Eisenwerks-Direction in Komorau, Böhmen. Steinkohle.
35) 6. December. 1 Kiste, 108 Pfund. Von der gräflich Meran’schen
Eisenwerks-Direction zu Krems bei Gratz, Steiermark. Braunkohlen.
Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gcbirgsarten, Petrefacten u. s. w.
303
36) 6. December. 1 Kiste, 78 Pfund. Von Herrn Andreas Topper in
Scheibbs, Oesterreich. Steinkohlen.
37) 7. December. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn Paul Freih. v. Herbert
in Klagenfurt, Kärnten. Braunkohlen.
38) 9. December. 1 Kiste, 128 Pfund. Herren v. Rosthorn und Freiherr
v. Diekmann’sche Eisenwerk-Direction in Prävali, Kärnthen. Braunkohle.
39) 9. December. 4 Kisten, 460 Pfund. Von Herrn Johann Pen dl, Braun-
kohlen von Laukowitz, Steiermark.
40) 11. December. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn F. Urfuss in Dallwitz,
Böhmen. Braunkohle.
41) 11. December. 1 Kiste, 70 Pfund. Von Lippitzbach (Gräfin Nothburga
v. Egger) in Kärntben. Braunkohle.
42) 11. December. 1 Kiste, 42 Pfund. Von Zierawitz. Freih. v. Sina’schem
Braunkohlenwerk bei Gaya.
43) 11. December. 1 Kiste, 113 Pfund. Von der Graf v. Waldstein-
schen Bergverwaltung in Dux, Böhmen. Braunkohle.
44) 11. December. 1 Kiste, 60 Pfund. Von Herrn Michael Fuchs in
Bersaszka, Militärgrenze. Braunkohle.
46) 11. December. 1 Kiste, 33 Pfund. Von der k. k. Berghauptmannschaft
zu Leoben, Steiermark. Braunkohle.
46) 12. December. 1 Kiste, 126 Pfund. Von Herrn Johann Jereb, für
die Gewerkschaft Schönegg in Steiermark. Braunkohle.
47) 12. December. 1 Kiste, 176 Pfund. Vom k. k. Ober-Verwesamt zu
Eibiswald, Steiermark. Braunkohle.
48) 12. December. 1 Kiste, 46 Pfund. Von Herrn Rudolph Sprung zu
Voitsberg, Steiermark. Braunkohle.
49) 12. December. 1 Kiste, 66 Pfund. Von Herrn Moriz Ritter v. Horstig,
Voitsberg, Steiermark. Braunkohle.
60) 13. December. 4 Kisten, 280 Pfund. Von Herrn L. Littke in Fünf-
kirchen, Ungarn. Steinkohle.
61) 14. December. 1 Kiste, 36 Pfund. Von Herrn H. Thies in Vassas bei
Fünfkirchen, Ungarn. Steinkohle.
62) 14. December. 1 Kiste, 86 Pfund. Von der Prager Eisen-Industrie-
Gesellschaft für Kladno und Rappitz, Böhmen. Steinkohle.
63) 14. December. 2 Kisten, 287 Pfund. Von der fürstl. J. A. Schwar-
ze nberg’schen Bergverwaltung in Posteiberg, Böhmen. Braunkohle und Stein-
kohle.
64) 16. December. 1 Kiste, 34 Pfund. Von Herrn Julian Hecker,
Myszyn, Kolomea, Galizien. Braunkohle.
66) 16. December. 1 Kiste, 110 Pfund. Von Herrn Georg Grafen v. Thum
Valsassina, Streiteben, Kärnthen. Braunkohle.
66) 17. December. 1 Kiste, 66 Pfund. Von Herrn Anton Riegel, Fünf-
kirchen, Ungarn. Presskohle.
67) 19. December. 1 Kiste, 60 Pfund. Vom Herrn Franz Schuscha
Buchberg hei Cilli, Steiermark. Braunkohle.
68) 19. December. 1 Kiste, 88 Pfund. Vom k. k. Bergamte in Bruck,
Steiermark.
69) 19. December. 1 Kiste, ös/4 Pfund. Von Herrn Georg Grafen
v. Buquoi, Gratzen, Böhmen. Torf.
60) 20. December. 1 Kiste, 2 Pfund. Von Herrn Al brecht und Seifert
in Wilkischen, Böhmen. Steinkohle.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band. 1861 und 1862. II. Heft.
39
304 Verzeichntes der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w
61) 20. December. 1 Kiste, 96 Pfund. Von der Gewerkschaft zu Sales!,
Böhmen. Braunkohle.
62) 20. December. 1 Kiste, 162 Pfund. Von der Adam Graf P otocki’schen
Berginspection zu Krzeszowice, Krakau. Steinkohle.
63) 20. December. 1 Kiste, 39 Pfund. Von dem Bitter v. W a ehtler'schen
Eisenwerke in Fröschnitz, Steiermark. Braunkohle.
64) 20. December. 1 Kiste, 15 Pfund. Von der erzherzoglich technischen
Gewerks-Verwaltung in Ungarisch-Altenburg, Ungarn. Torf.
65) 20. December. 1 Kiste, 30 Pfund. Von der Graf Blae as d'Aulps-
schen Gutsverwaltung zu Kirchberg am Wald, Österreich. Torf.
66) 20. December. 1 Kiste, 54 Pfund. Von Herrn Fr. X. Satter, Voits-
berg, Steiermark. Braunkohle.
67) 21. December. 1 Kiste, 76 Pfund. Von Herrn Heinrich Dräsche,
Reichenburg, Steiermark. Braunkohle.
68) 21. December. 1 Kiste, 57 Pfund. Von der k. k. Berg- und Hütten-
verwaltung, Kastengstatt, Tirol. Braunkohle (Häring).
69) 21. December. 1 Kiste, 48 Pfund. Von Herrn Karl Schwengel- in
Bregenz, Lindau, Vorarlberg. Braunkohle.
70) 23. December. 2 Kisten, 347 Pfund. Von dem F. Jahn Eschen Berg-
werke in Miröschau, Böhmen. Steinkohle.
71) 23. December. 1 Kiste, 470 Pfund. Von den Werken Seiner
Majestät des Kaisers Ferdinand durch Herrn K. Har tisch in Bustiehrad,
Rappitz. Böhmen. Steinkohle.
72) 24. December. 2 Kisten, 221 Pfund. Von der Graf Henkel v. Don-
ners m a rk’schen Bergverwaltung in Sillweg, Steiermark. Braunkohle.
73) 24. December. 1 Kiste, 96 Pfund. Von Herrn Anton Fischer in
St. Aegyd, Österreich. Steinkohle (Loich, Tradigist u. s. w.).
74) 24. December. 1 Kiste, 77 Pfund. Von Herrn Fr. Güdl in Schauer-
leiten, Wiener -Neustadt, Österreich. Braunkohle.
75) 28. December. 1 Kiste, 90 Pfund. Von der Wolffsegg-Traunthaler
Actiengesellsehaft, Österreich. Braunkohle.
76) 31. December. 1 Kiste, 28 Pfund. Von Herrn Alexius Han, Ökonomie-
Beamten, Pusta-Banhäza, Szabolcs, Ungarn. Torf.
77) 31. December. 1 Kiste, 66 Pfund. Von Polnisch-Ostrau (Jos. Zwier-
zina’s Erben), Mähren. Steinkohle.
1862. 1) 3. Jänner. 1 Kiste, 290 Pfund. Von Herren Reyer und
Schlick. Steinkohle (Grünbach u. s. w. Wiener-Neustadt, Oesterreich).
2) 3. Jänner. 1 Kiste, 80 Pfund. Von dem k. k. Bergamte in Fohnsdorf,
Steiermark. Braunkohle.
3) 4. Jänner. 1 Kiste, 50 Pfund. Von Frau Anna Oesterlein, Lilienfeld,
Oesterreich. Steinkohle.
4) 6. Jänner. 1 Packet, 5 Pfund. Von Herrn Ritter v. Mertens, Salzburg.
Torf.
5) 7. Jänner. 4 Kisten, 305 Pfund. Von der k. k. Berghauptmannschaft,
Laibach. Braunkohle.
6) 7. Jänner. 1 Kiste, 41/a Pfund. Von der k. k. Berghauptmannschaft,
Laibach. Torf.
7) 8. Jänner. 2 Kisten, 245 Pfund. Von dem k. k. Bergamt Jaworzno,
Krakau. Steinkohle.
8) 9. Jänner. 1 Kiste, 350 Pfund. Von Herrn J. D. Popovic in Pozega.
Braunkohle.
Verzeichnis der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w. 305
9) 9. Jänner. 1 Kiste, 285 Pfund. Von Herrn Adalbert Schupansky,
Rakonitz, Böhmen. Steinkohle.
10) 10. Jänner. 4 Kisten, 250 Pfund. Von der k. k. pr. österreichischen
Staatsbahn-Gesellschaft, Steierdorf, Banat. Steinkohle.
11) 13. Jänner. 1 Kiste, 48 Pfund. Von Herrn Ludwig Mieg in Pirken-
hammer bei Karlsbad, Böhmen. Braunkohle von Ottowitz des Herrn K. Kn oll.
12) 13. Jänner. 1 Kiste, 80 Pfund. Von der fürstl. Schwarzenberg-
schen Werksdirection. Murau, Steiermark. Anthraeit.
13) 15. Jänner. 1 Kiste, 58 Pfund. Von der k. k. Berghauptmannschaft,
Lemberg. Galizien.
14) 17. Jänner. 1 Kiste, 68 Pfund. Von dem Werke bei Siverich am
Monte Promina, Dalmatien. Braunkohle.
15) 23. Jänner. 1 Kiste, 260 Pfund. Von der Bergdirection zu Kladno,
Böhmen, Steinkohle.
16) 31. Jänner. 1 Kiste, 207 Pfund. Von der Bergverwaltung der k. k.
pr. Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft in Fünfkirchen. Ungarn. Steinkohle.
17) 5. März. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn G. Mayerhofer in Gratz,
Steiermark. Braunkohlen (von Tregist bei Voitsberg).
18) 11. März. 1 Kiste, 123 Pfund. Von der k. k. priv. österreichischen
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Oravitza, Banat. Steinkohle.
19) 12. März. Ohne Verpackung abgeliefert, etwa 120 Pfund. Von Herrn
Heinrich Dräsche. Braunkohle von Gloggnitz, Leoben, Steinkohle von Szasz
u. s. w.
20) 1. April. 1 Kiste, 84 Pfund. Von Herrn Anaklet Ritter v. Oroscheny-
Bohdanowicz, Czernowitz, Bukowina. Braunkohle.
Mehrere der in dem Verzeichnisse für die Londoner Ausstellung selbst auf-
geführten Bergwerksunternehmungen erscheinen hier nicht namentlich, da sie
zum Theil mit anderen unter einer gemeinschaftlichen Sendung ankamen.
39
306 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstait eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
VI. Verzeichnis der an die k. k. geologische Reichsanstalt
eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
Vom 1. Jänner bis 15. April 1862.
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Amsterdam. K. Akademie der Wissenschaften. Verhandelingen IX, 1861. —
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Bamberg. Naturforschende Gesellschaft. Fünfter Bericht für das Jahr 1860 61.
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Basel. Naturforschende Gesellschaft. Verhandlungen III, 1, 2, 1861.
Batavia. Naturforschende Gesellschaft. Natuurkundige Tijdschrift voor Neder-
landesch Indie. XXII. und XXIII. Theil (V. Ser. T. II, 3-6; III, 1 3), 1860, 1861.
Berlin. K. Handelsministerium. Zeitschrift für das Berg- und Salinenwesen in dem
preussischen Staate. IX. Bd., 4. Lief. 1861. — Die hauliehen Anlagen auf den Berg-,
Hütten- und Salinenwerken in Preussen. I. Jahrg., 2. Lief. Berlin 1861.
„ K. Akademie der Wissenschaften. Monatsberichte 1860, 1861. — Register für
die Monatsberichte vom Jahre 1836 — 1838. Berlin 1860.
„ Deutsche geologische Gesellschaft. Zeitschrift. XIII. Bd., 2. — 3. Heft, 1861.
„ Gesellschaft für Erdkunde. Zeitschrift für allgemeine Erdkunde IX, 5 — 6 de
1860; X de 1861; XI, 1—6 de 1861.
„ Physikalische Gesellschaft. Die Fortschritte der Physik im Jahre 1859. Berlin
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Bologna. Akademie der Wissenschaften. Memorie VIII ; IX; X, 1, 1858/60. —
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Bronn, Dr. H. G., Hofrath, Professor in Heidelberg. Neues Jahrbuch für Mineralogie u. s. w.
m Jahrg. 1861, Heft VI; 1862, Nr. 1.
Brünn. K. k. m ä hr. -schles. Gesellschaft für Ackerbau u. s. w. Mittheilungen
1861, Nr. 52; 1862, Nr. 1—14.
v. Cotta, B., Professor an der k. Bergakademie in Freiberg. Gangstudien oder Beiträge zur
Kenntniss der Erzgänge. IV, 1. Freiberg 1862. — Die Erzlagerstätten Ungarns und
Siebenbürgens. Beschrieben von B. v. Cotta und Ed. v. Feilenberg. Freiberg 1862.
Danzig. Naturforschende Gesellschaft. Neueste Schriften. VI. Bd., 4. Heft, 1862.
— Clavis dilleniana ad hortum Elthamensem von E. F. Kl insmann. Danzig 1856.
Dresden. K. polytechnische Schule. Programm zu den am 7. — 9. April 1862 zu
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Sam. Haughton. Dublin 1860. — Short account of experiments made at Dublin to
determine the azimuthal motion of the Plane of Vibration of a freely suspended pen-
dulum. By Rev. Sam. Haughton. Dublin 1851. — On the Reflexion of the polarized light,
from the surface of transparent bodies. By Rev. Sam. Haughton. Dublin 1853. — On
some new Laws of reflexion of polarized light. By R. Sam. Haughton. Dublin 1854. —
On the solar and lunal diurnal tides of the coast of Ireland. By Rev. Sam. Haughton.
Dublin 1854. — The tides of Dublin Bay and the buttle of Clontarf. 23. Apr. 1014. By
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Erdmann, O. L., Professor in Leipzig. Journal für praktische Chemie. 84. Bd., 3. — 6. Heft,
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Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 307
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Ettingshausen, Dr. Const. Ritter v. Ueber die Entdeckung des neuholländischen Charak-
ters der Eocenflora Europa’ s und über die Anwendung des Naturselbstdruckes u. s. w.
Wien 1862.
Frankfurt a. M. Senkenbergische naturforschende Gesellschaft. Abhand-
lung. IV. Bd., 1. Lief., 1862.
„ Physikalischer Verein. Jahresbericht für das Rechnungsjahr 1860/61.
Freiberg. K. Bergoberamt. Jahrbuch für den Berg- und Hüttenmann auf 1862.
„ Bergmännischer Verein. Verhandlungen. Nr. 1, 8, 11, von 1862.
Gotha* J. Perthes’ geographische Anstalt. Mittheilungen über wichtige neue Er-
forschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann. 1861,
Heft 12; 1862, Nr. 1 — 2; Ergänzungsheft Nr. 7.
Göttingen. K. Gesellschaft der Wissenschaften. Nachrichten von der Georg
August Universität und der k. Gesellschaft der Wissenschaften. Vom Jahre 1861.
Gratz* K. k. steierm. Lan d w irt h s c haft s-Ge s eil sch aft. Wochenblatt. XI. Jahrg.,
1861/62, Nr. 5—12.
„ G eo gn os tisch -mont anis ti s ch e r Verein. 11. Bericht für 1861.
Haag* K. niederländische Regierung. Geologische Karte des Königreiches der
Niederlande. Section 15. Veluwe.
Hannover* Architekten- und Ingenieur-Verein. Zeitschrift. Bd. VII, Heft 4, 1861.
„ Gewerbe verei n. Mittheilungen 1861, Hefte 5, 6. — Monatsblatt 1861, Nr. 9 — 12;
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Heidelberg. Grossherz. Universität. Heidelberger Jahrbücher der Literatur.
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Karrer, Felix, in Wien. Ueber das Auftreten der Foraminiferen in dem marinen Tegel des
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Kästner, Leopold, Expeditor der Creditanstalt in Wien. Führer für Reisende auf Eisen-
bahnen und Dampfschiffen in Oesterreich u. s. w. Juli, November und December 1861;
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Kerl, Bruno, k. hannoverischer Bergamts-Assessor, Lehrer u. s. w. Clausthal. Leitfaden bei
qualitativen und quantitativen Löthrohr-Untersuchungen u. s. w. 2. umgearbeitete Auf-
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Köln. Red action der Zeitung für Berg-, Hüttenwesen und Industrie. Der
„Berggeist«. 18hl, Nr. 102— 1Ö4; 1862, Nr. 1—29.
Königsberg. K. Universität. Amtliches Verzeichniss des Personals und der Studiren-
den für den Sommersemester 1861 und den Wintersemester 1861/62. — Verzeichniss
der in den Jahren 1861/62 zu haltenden Vorlesungen. — De non periodica mutatione
caloris terrae. Diss. auct. Lud. Saalschuetz. — Quaestionum epigraphicarum de Pro-
curatoribus Imperatorum romanorum specimen. Diss. auct. 0. Eichhorst. — De
Arthroxerosi coxae. Diss. auct. 0. J. Schwanbeck. — Qui sint ingenuitate sibi com-
pares jure speculi saxonici? Diss. auct. F. de Martitz. — Quaestiones Sallustianae.
Diss. auct. Fr. Gruendel. — De disciplinae speculativae initio. Diss. auct. C. Rothe.
— De abietinarum Carr. floris feminei structura morphologica. Diss. auct. Dr. Rob.
Caspary. — Experimenta et disquisitiones anatomicae de artificiosa formatione tex-
turae osseae, transplantatione periostei effecta. Diss. auct. Rud. Schneider. —
Disquisitiones histologicae de evolutione cartilaginis. Diss. auct. Jos. Krieger. —
De stoicismo Marci Antonini. Diss. auct. M. Koenigsbeck. — De hypertrophia
cerebri. Diss. auct. J. Ant. Ski er lo. — De echinococco hominum in hepate. Diss. auct.
,1. Hirsch. — De morbo malleari hominum. Diss. auct. J. Laudon. — De periostei
transplantationibus. Diss. auct. Rein. Buchholz. — De resectionis cubiti casibus sex.
Diss. auct. J. Bludau. — De bellis Francorum cum Arabibus gestis usque ad obitum
Karoli M. Diss. auct. R. Dorr. — De carcinomate pulmonis. Diss. auct. Gust.
Crueger. — De generatione ossium novorum ex periosteo in operationibus ehirurgorum
adhibita. Diss. auct. C. Johann. Seydel. — De polypis narium fauciumque et antri
Higmori eorumque exstirpatione, resecto processu nasali maxillae superioris. Diss. auct.
J. Ah Huethe. — De hydrocephalo acuto sanando. Diss. auct. S. Blumenthal. —
De charactere "indelebili , qui ex Romano-catholica ecclesiae doctrina in ordinis sacra-
mento in anima imprimitur. Diss. auct. L. Thiele. — De anecdoctis Procopii caesari-
ensis. Diss. auct. H. Eckardt. — De carcinomate bulbi. Diss. auct. Ad E. 0. Weise.
— De Arminii Reimari philosophumenis specimen Diss. auct. Gaedecke. — De
Wolframiatibus. Diss. auct. C. R. G. Scheibler. — De Enterobreosi. Diss. auct.
E. Katerbau.
Königsberg. K. phys. -Ökonom. Gesellschaft. Schriften. II. Jahrg., 1861, 1. Abth.
Kopenhagen. K. Akademie der Wissenschaften. Oversigt. 1860.
308 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Luten u. s. w.
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„ Geological Society. The Quarterlv Journal. Vol. XVII, P. 4, Nr. 68, Nov. 1861.
„ Zoological Society. The Proceedings of the scientific Meetings 1861. P. 2,
March — June.
Loosey, Karl, k. k. Generalconsul in New-York. Bulletin of the Americ. Ethnological
Society. Vol. I, New-York 1861. — The amer. Journal of Science and arts. Nr. 95 — 97,
New-Haven 1861. — Journal of the Franklin Institute. July — December 1861.
Ludwig, Rudolph, Director in Darmstadt. Geogenische und geognostische Studien auf
einer Reise durch Russland und den Ural. Darmstadt 1862. — Calamitenfrüchte aus dem
Spatheisensteine bei Hattingen an der Ruhr (1862). — Zur Paläontologie des Urals (1862).
Lüttich« Kön. Gesellschaft der Wissenschaften. Memoires. T. XVI, 1861.
Mailand« Kön. Institut der Wissenschaften. Memorie. VIII (II. Ser. II), f. 6, 1861.
„ Societä italiana di scienze naturali. Atti. Vol. III, f. 3 — 4, Nr. 10 — 11, 1861.
Manz, Friedrich, Buchhändler in Wien. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hütten-
wesen. 1861, Nr. 52; 1862, Nr. 1-15.
Melbourne« Redaction des Colonial Mining Journal. 1861, Vol. IV, Nr. 2, 3.
Moskau« Kais, naturforschende Gesellschaft. Bulletin. Nr. 3, 1861.
Mühlhausen« Societe industrielle. Bulletin. 1861, December; 1862, Jänner bis
März.
München. Kön. Akademie der Wissenschaften. Sitzungsberichte. 1861, I, 5:
II, 1. — Moleculäre Vorgänge in der Nervensubstanz. IV. Abh. Von Prof. Dr. Emil
Harless. München 1860. — Maassbestimmung der Polarisation durch das physiolo-
gische Rheoskop von Prof. Dr. E. Harless. München 1861. — Untersuchungen über
die Arterien der Verdauungswerkzeuge der Saurier. Von Dr. Heinr. Rathke. München
1861. — Neue Beiträge zur Kenntniss der urweltlichen Fauna des lithographischen
Schiefers. Von Dr. A. Wagner. II. Abth., München 1861. — Denkrede auf G. H.
v. Schubert. — Rede zur Vorfeier des 102. Stiftungstages u. s. w. — Verzeichniss
der Mitglieder. 1860.
Mancy« Academie de Stanislas. Memoires. 1860, T. I, II.
Nürnberg. Naturhistorische Gesellschaft. Abhandlungen. II. Bd., 1861.
Omboni, Dr. Johann, Professor in Mailand. I ghiacciaj antichi e il terreno erratico di Lom-
bardia. 1861. — Bibliografia. Gastaldi: epoca glaciale miocenica. 1861.
Palermo« Societä d’acclimazione. Atti. 1861/62. Vol. I, No. 6 — 8; Vol. II, No. 1.
Paris« Ecole imp. des mines. Annales des mines. Ser. V, T. XX, Livr. 5 de 1861.
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1861.)
Pest« Kön. ung. Akademie derWiss ensch aft en. A Magy. Tudöni. Tärsagag Erköny-
vei. I — X, 1833/61. — Utasitäs meteorologiai eszleletekre. Kidolgozta Sztoczek Jos.
Pest 1861. — Mathematica Pälyamunkäk. I Köt. Budan 1844. — Törtenettudomänyi
Pälyamunkäk. II Köt. 1842. — Magyar Leveies Tär. A regibb magyar közelet, erköl-
csök, törtenet es nyelv ismeretenek elömozdiläsäva kiadja a mag. tudom. akad. törtenelmi
bizottmänya. I Köt. Pest 1861. — Magyar Törtenelmi Tav. I — VIII, 1856/61. — Monu-
menta Hungariae historica. Mag. törtenelmi emlekek. Elsö osztäly: okmanytarak I — VII,
1857/61; — Mäsodik osztäly: irok I — VI, 1857/60; IX, 1861. — Ä Moldvai magyar
Telepekvöl P. Gegö Elek. Budan 1838. — Magy. Akademiai ertesetö. A nyelv — es
szeptudomänyi — osztäly közlönye I, 1860; — a philosophical törveny — es törtenet-
tudomänyi osztälyok közlönye I — IV, 1860; — uj folyam a mathematikai es termeszettu-
domanyi osztäyok közlönye I, 1859. — Mathematikai s termeszettudomänyi közlemenyek
vonatkozolag a hazac viszonyokra. I, 1861. — Az orszägos tanäcs es orszäggyülesek
törtenete 1445 — 1452. A.M. Akad. szekfoglalölag elvadt a Knauz Nändor. Pest 1859. —
De tabulis ceratis in Transsilvania repertis. Erdelyben talalt viaszos lapok. A magy.
Aead. Ebbe terjesztette Dr. Erdy Jänos. 1856. — Magyar Läszlö Delafrikai levelei es
naplökivonatai. Kiadta H unfal vy J. 1857. — Ma gy ar Läszlö Delafrikai utazäsai 1849
— 1857 evekben. Ellätta Hunfalvy J. I. Köt. 1859. — A magyar nyel vendszerre.
Budan 1847. — Hunyadi Jänos Utolsö hadjärata bolgär — es szerborszägban 1454 —
ben, es nandorfejervar fölmentese a török taboritästöl 1456 etc. Pest 1857. — Archaeo-
logiai közlemenyek. 1, 1859. — Statistikai köszlemenyek. I, 1, 2; II, 1861.
Prag. K. k. Sternwarte. Magnetische und meteorologische Beobachtungen zu Prag.
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Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Karten u. s. w. 309
Prag’. Central-Comite für die land- und forstwirthschaftliehe Statistik
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JAHRBUCH
DER
KAISERLICH - KÖNIGLICHEN
GEOLOGISCHEN REICHSANSTALT.
JAHRGANG 1861 UND 1862. XII. BAND.
NR0 3. MAI. JUNI. JULI. AUGUST. 1862.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREU
BEI WILHELM BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES.
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III. Heft.
12. Band. 1861 u.1862. JAHRBUCH
DER
KAIS. KÖN. GEOLOGISCHEN REICHS-ANSTALT.
I. Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von
Unter-Steiermark.
Von Theobald v. Zollikofer.
Mit 1 lithographirten Tafel.
Zur Veröffentlichung mitgetheilt von der Direction des geognostisch-montanistischen Vereines für Steiermark.
Einleitung.
Die im Sommer 1859 ausgeführten geologischen Untersuchungen der
Steiermark schliessen sich den früher gemachten im Süden und Osten an und
umfassen die südliche Hälfte der Section XXIII der General-Quartierrneister-
stabs-Karte, so wie den auf Steiermark entfallenden Theil der Sectionen XXVI
und XXVII. Dadurch ist nicht nur die Aufnahme des Savegebietes, so weit es
hieher gehört, zum Abschluss gekommen, sondern auch diejenige der südlichen
Nebenzone der Ostalpen überhaupt, indem nur noch die Südostspitze Steiermarks
zum Ganzen fehlte.
Das näher zu betrachtende Begehungsgebiet ist folgendermaassen abge-
grenzt: im Norden durch den Drau-Save-Zug von der Gonobitzer Gora bis zum
Matzeigebirge an der croatischen Grenze, im Osten durch den 8 Meilen langen
Sottlafluss , der zugleich die Landesgrenze gegen Croatien hin bildet, im
Süden durch die Save von Steinbrück bis Rann, endlich im Westen, wenn man
einen kleinen Theil der Section XXII mit hineinzieht, durch die von NNO. nach
SSW. verlaufende Querspalte, in welcher der Engbach in die Kötting, diese in
die Sann, und diese endlich in die Save fliesst. Es ist ein Viereck, dessen Ecken
durch die Ortschaften Sternstein, Rohitsch, Rann und Steinbrück annähernd
bezeichnet werden, rnit einem Flächeninhalt von 22 ya Quadratmeilen. Davon
kommen:
auf das Flussgebiet der Sann (östlich der Linie Sternberg-
Steinbrück) S1/^ Quadratmeilen.
„ „ „ „ Sottla (steierischer Antheil) . . . 81/* „
„ „ unmittelbare Flussgebiet der Save zwischen Stein-
brück und Rann 6 „
Diese Landesparcelle war bisher in geologischer Beziehung noch so gut
wie unbekannt. Ausser den kurzen Angaben, die v. Morlot über seine Streif-
züge in dieser Gegend in dem zweiten Jahresberichte des steiermärkischen
geognostisch-montanistischen Vereines und im Jahrbuche der k. k. geologischen
Reichsanstalt (1850, Heft II, Seite 347) niedergelegt hat, und einigen Mit-
theilungen Prof. Unger’s aus den Umgebungen von Rohitsch standen uns keine
Quellen zu Gebote. Ferner ist die Gegend nur spärlich durch Bergbau auf-
geschlossen, welche die Einsicht in ihre geognostischen Verhältnisse erleichtern
könnten, da von vielen Versuchsbauen nur wenige mehr bestehen. Der Auf-
K. k. geolog-iaehe Reieksanstafl. i2. Band, 1861 und 1862. III. Heft. 40
312
Theobald v. Zoliikofer.
PJ
Zahlung werth sind eigentlich nur die Ziukbaue von Petzei, der Eisensteinbau von
Olimie und die Kohlenbaue oberhalb Reiclienburg und bei Trobenthal. Um so
schätzenswerther waren desshalb die Aufschlüsse, die wir von den Herren Berg-
beamten dieser Werke erhalten konnten; namentlich haben die Herren Berg-
verwalter Holler, Hartmann und Mulej den Verfasser dieser Zeilen durch
die zuvorkommende Unterstützung mit Rath und That zu grossem Dank ver-
pflichtet.
Die Detailaufnahme des Landes bot sehr viel Interessantes, aber gerade
auch desshalb viele Schwierigkeiten und erforderte eine sehr sorgfältige Be-
gehung, wobei manche Localitäten zu wiederholten Malen besucht werden
mussten. Im gebirgigen Theile waren es die grosse Mannigfaltigkeit der Forma-
tionsglieder, die grossartigen Schichtenstörungen, welche häufige Wechsel
und Wiederholungen der Formationsreihen hervorriefen, die Undeutlichkeit der
Lagerungsverhältnisse der dolomitisirten Gesteine, die Abwesenheit der Petre-
facten und das vielfache Auftreten von plutonischen und semiplutonischen Ge-
steinen, welche die Aufgabe sehr erschwerten. In dieser Hinsicht zeichnen sich
die Region südlich von der Eisenbahnstrecke Cilli-St. -Georgen und das massen-
hafte Wachergebirge besonders aus. Im Hügelland, welches mehr als zwei
Drittel des ganzen Gebietes einnimmt und fast ausschliesslich aus Tertiärschich-
ten besteht, trat die reichliche Vegetationsdecke und die überall sich geltend
machende Bodencultur der Untersuchung hemmend in den Weg, indem sich nur
selten deutliche Entblössungen darboten und nur eine genaue, wenn auch selten
lohnende Begehung die Zahl der Anhaltspunkte vermehren konnte, um ein hin-
reichend genaues Bild der Verhältnisse zu erzielen. Auf die gewöhnlichen
Landstrassen des Geologen, die Gräben, musste fast ganz Verzicht geleistet
werden, denn sie waren gewöhnlich zu sehr erweitert, ausgerundet und von
Alluvialablagerungen eingenommen. Weit eher Hessen sich auf den Kämmen der
Hügelzüge Aufschlüsse gewinnen, wo zuweilen Wind und Regen die Verwitte-
rungsproducte der zu Tage ausgehenden Schichten wegfegten und diese selbst
blosslegten. An solchen Stellen kamen dann oft Petrefacten zur leichtern Orien-
tirung zu Hülfe und wir hatten das Glück, mehrere kleine aber charakteristische
Reihen davon zu sammeln, deren genaue Bestimmung durch die Herren Director
Hörnes und Dr. Ro 1 1 e schöne, zum Theil überraschende, Resultate lieferten.
Im Uebrigen ist begreiflich, dass bei der Mannigfaltigkeit der geologischen
Erscheinungen und bei der Neuheit so vieler derselben die Altersbestimmung ja
oft sogar die Rangordnung gewisser Formationen, so wie das Ziehen genauer
Grenzen oft eine missliche Sache war, und dass manchmal der Combination ein
ziemlich weites Feld offen blieb , auf dem sie sich mit mehr oder weniger Glück
und Geschick bewegen musste. Jedenfalls aber wagen wir zu behaupten, dass
diese Gegend zu den interessantesten Steiermarks und den Ostalpen überhaupt
gehöre.
Allgemeine topographisch-geologische Verhältnisse.
Die grosse Mannigfaltigkeit der hier auftretenden Formationen muss in
einem besondern Umstande gesucht werden, der das geologische Interesse der
Gegend nicht wenig erhöht, nämlich in dem Ineinandergreifen zweier verschie-
dener Systeme, demjenigen der Alpen und demjenigen der croatischen
Tertiärniederung. Dazu gesellt sich noch die wellenförmige Hebung,
[3] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 313
welche nicht nur der Structur der südlichen Nebenzone der Alpen als Grundlage
dient, sondern auch die Tertiärschichten aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht
hat. Beide Umstände zusammen haben die starke Gliederung des Gebietes
bedingt.
Als grosse Wellenberge durchziehen mehrere Gebirgszüge, die letzten
Ausläufer der Alpen, vorherrschend aus secundären Kalken und Dolomiten
bestehend, das Land von West nach Ost, um sich endlich «unter der immer
allgemeiner werdenden Tertiärdecke zu verlieren. Zwischen diese hat das irn
Osten gelegene offene Tertiärmeer seine Arme tief hinein gesandt, mächtige
Bänke von Sand, Mergel und Kalk abgelagert und so den Grund zu einer Reihe
von Tertiärbecken* gelegt, die alle mit der grossen Niederung im Zusammen-
hänge stehen. — Ein Blick auf die Uebersichtskarte, welche diesen Aufsatz
begleitet, genügt, um die Sache klar zu machen. Dort sind die alpinen Bildun-
gen in braunem Tone angelegt, während das Tertiärgebiet einfach schraffirt
ist. — Daher kommt es denn auch, dass die gleichnamigen Bildungen meist
weit aus einander liegen und Behufs ihrer Zusammenstellung aus zahlreichen
Orten herbeigeholt werden müssen. Es wird somit zur leichten Orientirung nöthig,
eine etwas einlässlichere topographisch-geologische Skizze vorauszuschicken.
Im Norden unseres Gebietes treffen wir vorerst den Drau-Save-Zug, der in
geographischer und geologischer Beziehung zu einer Hauptgrenze wird : in
geographischer Beziehung als Wasserscheide zwischen Drau und Save, in geo-
logischer Beziehung als Demarcationslinie zwischen der südlichen Nebenzone
der Alpen und dem Gratzer Becken. Seine ganze Länge von einer Landesgrenze
zur andern beträgt fast 10 Meilen; davon kommt aber nur die östliche Hälfte
auf unser Gebiet. Die Streichungsrichtung des Zuges geht von WNW. nach
OSO. oder genauer nach Stunde 1 bis iy8. Im Westen sowohl wie im Osten
bildet er streng die Wasserscheide zwischen der Drau und der Save, im mittlern
Theile hingegen ist er mehrfach von Bächen durchbrochen. Von diesen Bächen
fliessen die drei westlichen: die Paak, die Hudina und der Engbach, von Nord
nach Süd durch die Sann in die Save, die drei östlichen aber: der Seizbach,
der Plankensteinerbach und der Völlabach, umgekehrt von Süd nach Nord durch
die Drann in die Drau. In der Westhälfte dieses mittlern Theiles des Drau-Save-
Zuges wird somit die eigentliche Wasserscheide plötzlich nach Nord an den
Südabhang des Bachers gerückt, um gleich darauf in der Osthälfte eben so plötz-
lich nach Süd auf die südliche Vorlage des Zuges überzuspringen. Hier tritt
dann der eigenthümliche Fall ein, dass statt des hohen und breiten, aus festem
Kalk und Dolomit bestehenden Gebirges ein niedriger und schmaler, mit jenem
parallel gehender Hügelzug, welcher vorherrschend aus leicht zerstörbaren
Tertiärgebilden besteht, die Wasser scheidet: ein Beweis, dass die tiefen und
engen Durchbrüche der Drau-Save-Kette nicht durch Erosion, sondern durch
Berstung derselben bei ihrer Hebung entstanden sein müssen. Dieser die Wasser-
scheide vermittelnde Hügelzug beginnt bei Steinberg auf der Südseite der
Gonobitzer Gora, geht über Neubruck, Tischova zum Tunnel von Lippoglav und
von dort über St. Michael zum Gabernigberg am Südabhang des Wotsch.
In demjenigen Theil des Drau-Save-Zuges, der in unserem Gebiete liegt,
gehören die Landthurmspitze mit der Gora (3200 Fuss) und dem Golo-
revaberg, dann, östlich vom Durchbruch des Seizbaches, die Höhen von
Suchodoll, die Ruine Plankenstein und der kleine Zug von Maria
Lubitschna. Hierauf folgt die letzte Gebirgsspalte, durch welche die Völla
nach Pöltschach fliesst und dann kommen ohne weitere Unterbrechung der
Wotsch (3100 Fuss), der Plessiwetz, der Donatiberg (2800 Fuss), die
40 *
314
Theobald v. Zollikofer.
[4]
Nivizza und das Matzeigebirge, welch' letzteres die Grenze zwischen
Steiermark und Croatien vermittelt. Zu beiden Seiten des steilen Donatiberges
haben zwei starke Depressionen des Zuges die Anlegung der Strassen Pettau-
Rohitsch und Sauritsch-Rohitsch ermöglicht.
Dieser Zug besteht der Hauptsache nach, wie wir übrigens schon in
unserer Abhandlung über das Drannthal gezeigt (Jahrbuch 1839, Seite 201,
Separatabdruck Seite 45) aus einem Kern von Kalk und Dolomit der obern Trias,
an welchen sich zu beiden Seiten kohlenführende eocene Schiefer mantelförmig
anlehnen. Oestlich vom Wotsch senkt sich das Gebirge und zu gleicher Zeit
scheint sich der Kalkkern in der Tiefe zu verlieren, denn er tritt nirgends mehr
zu Tage. Wohl drängt sich dem Fremdling die Vermuthung fast gewaltsam auf,
dass derselbe in dem kühn sich erhebenden, scharfen Kamm des Donatiberges,
dessen prachtvolle Rundschau wohl bekannt ist, nochmals zur Geltung gelange,
allein bei dessen Ersteigung zeigt sich, dass er aus einem Aufsatz von festem
Leithasandstein besteht, der in steil aufgerichteten Ränken auf einem Sockel
von eocenen Schiefern ruht. In der Höhe stehen die Schichten sogar ganz seiger
und der scharfe Kamm besteht nur aus wenigen treppenartig abgebrochenen
Schichtenköpfchen mit senkrechtem Absturz nach Norden zu von 100 bis 200 Fuss
Tiefe, wie derjenige recht gut weiss, der den etwas schwierigen Versuch
macht, den Kamm in seiner ganzen Länge zu verfolgen. Figur 1 soll die Form
des Kammes veranschaulichen.
Fig. 1.
Donatiberg (3800 Fuss). Oberdorf. St. Georgen. Nivitta.
Profil durch die mittlere Kuppe des Donatiberges.
a eocene Schiefer, b eocener Sandstein, c Leitha-Conglomerat.
Dies ist jedenfalls die bedeutendste absolute Erhebung, zu welcher ober-
tertiäre Rildungen hier zu Lande gelangt sind und wahrscheinlich ist es auch
die grösste relative Höhe, zu welcher solche Schichten in den Ostalpen über-
haupt aus ihrer primitiven Lage emporgehoben wurden, da sie mindestens
2000 Fuss beträgt.
Der zweite Hauptzug, der unser Gebiet durchsetzt, liegt in der südlichen
Hälfte desselben; wir wollen ihn nach seiner wichtigsten Masse und höchsten
Spitze, dem 3050 Fuss hohen Wachb erg, den Wacherzug nennen. Er kann
gewissermaassen als der südöstliche, nach Osten umbiegende Ausläufer der
Kotschna (Sammelname der Vellacher, Steiner und Sulzbacher Alpen) betrachtet
werden. Wir lassen ihn bei Steinbrück mit dem zerrissenen Felsen des Kosid
(3117 Fuss) beginnen; von dort erstreckt er sich in Westostrichtung (genauer
Stunde 62/3) bis in die Gegend nördlich von Hörberg, wo er sich mit dem
niedrigen Guliverh unter Tertiärgebilden verliert. Neben den schon angeführ-
ten Höhen dieses Zuges müssen noch erwähnt werden: der seiner Aussicht
£5] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theilcs von Unter-Steiermark. 31 5
halber oft besuchte Leissberg (3000 Fuss) nördlich von Lichtenwald, die
„na Sterza“ in der Hauptmasse des Wacher Waldes, und der Vetternig
(2250 Fuss) oberhalb Drachenburg, dann ausserhalb des Hauptkammes: der
Dreifaltigkeitsberg (nordöstlich von Leissberg), der Vollusch mit der
2440 Fuss hohen Olusnagora bei Gairach, der Kammberg bei Edelsbaeh
und der Breditschberg südlich von Peilenstein.
Der Wacherzug bildet eine secundäre Scheide zwischen dem unmittel-
baren Flussgebiet der Save und denjenigen seiner bedeutendsten Nebenflüssen,
der Sann und der Sottla , doch auch nicht vollkommen, denn die Sotschna
(auf der Karte Seuntschna) und die Feistritz durchbrechen ihn, obwohl ihr
Quellbezirk nicht ausserhalb des Zuges liegt. Beide zeigen in ihrem Laufe Eigen-
thümlichkeiten. Die Sotschna entspringt am Nordabhange des Wachberges,
während sie doch dem Südabhang desselben angehört. Sie liefert in so fern
ein Miniaturbild der Elbe. Wie diese, kehrt sie in raschem Bogen wieder dem
Gebirge zu und durchbricht es, um den entgegengesetzten Abhang zu gewinnen.
Die Feistritz entspringt ebenfalls am Nordabhang des Wachberges und fliesst
dann von Edelsbaeh bis Drachenburg längs dem Rande desselben weiter.
Zwischen Drachenburg und Hörberg aber zwängt sie sich gewaltsam durch eine
Spalte im Dolomit des Wacherzuges , um auf die Südseite desselben zu gelan-
gen. Hier tritt sie nun in ein neues Tertiärbecken hinein; allein, statt in dem-
selben den durch eine Vertiefung angedeuteten natürlichen Weg über Trebscha
(nicht Trebsach, wie auf der Stabskarte steht) und Sagai einzuschlagen, dringt sie
neuerdings in eine enge und tiefe Spalte im Dolomit des Orliza-Zuges, von dem
weiter unten die Rede sein wird, um erst bei St. Peter wieder in’s Tertiärgebiet
zurückzukehren.
Neben diesen beiden Bächen können wir noch einen dritten anführen, dessen
Lauf auch aussergewöhnlich ist, nämlich Gratschnitzabach.
Sein sehr ausgedehnter Quellbezirk liegt in der Gegend zwischen St. Ru-
perti und Maria Dobic, mitten im grossen Tertiärgolf von Tüffer. Von da fliessen
die zwei oder drei Bäche, die ihn bilden, gegen Süden, dem Wacherzuge
entgegen, um dann vereint durch eine plötzliche Wendung nach West bei Gairach
in dessen Gebiet einzutreten, und es bis zur Mündung in die Sann nicht mehr
zu verlassen. Auch hier wurde dem Bach ein enger und tiefer, zum Theil selbst
unwegsamer Längenriss im Triasdolomit angewiesen. Dass diese Rinnsale nicht
durch Erosion entstanden sein können, liegt, auf der Hand; sie liefern im Gegen-
theil neue Belege zu der Behauptung, dass die letzte Bewegung dieses Theiles
der Alpen erst nach der Ablagerung der obertertiären Schichten stattgefunden
habe, und dass sie ziemlich energisch gewesen sein müsse, um die Gebirge der
Art zu zerklüften.
Eine Erscheinung südwestlich von Montpreis, trennt den Wacherzug in
zwei Massen, in diejenige des Leissbergs und in die des eigentlichen
Wachergebirges. Beide Massen haben ungefähr zwei Meilen Länge auf eine
Meile in die Breite, zeichnen sich somit durch eine grössere Entfaltung vor den
übrigen Gebirgen des Gebietes aus. In beiden bilden Kalke und Dolomite der
obern Trias das vorherrschende Gestein, doch mit dem Unterschiede, dass in
der Leissberg-Masse auch die Schichten der untern Trias und selbst diejenigen
des Steinkohlensystems (Gailthaler Schichten) in grosser Ausdehnung zum Vor-
schein kommen, während sie in der Wacher-Masse nur ganz ausnahmsweise
gefunden werden, und dass umgekehrt letztere noch über den gewöhnlichen
Triasdolomiten mächtige Bildungen von hornsteinreichen Kalken, Fucoiden
führenden Schiefern (Gurkfelder und Grossdorner Schichten, Lipoid) und
Theobald v. Zollikofer.
316
[6]
Dachsteindolomiten aufzuweisen hat, während sie in jener nur spärlich und
vereinzelt Vorkommen.
Die starke Entblössung der tiefem Schichten in der Leissbergmasse rührt
von einer grossartigen Aufbruchsspalte her, welche die beiden Flügel des
ursprünglichen Gewölbes weit auseinander gerissen hat, so dass diese nun
selbstständig dastehen. Der nördliche Flügel bildet die Leissbergmasse selbst,
der südliche das Savegebirge bei Lichtenwald mit seiner westlichen Fort-
setzung nach Krain. Figur 2 stellt einen Querschnitt durch die Leissbergmasse
dar, welcher als Beleg zum Gesagten dienen kann.
Fig. 2.
Savegebirg. Lahon-
St. Marein. Leissberg (3000 Fuss). graben. H. Dreifaltigkeit. Gratachnitza.
a Gailthaler Schichten, b Werfner Schichten, c dunkle Kalke (Guttensteiner Kalk), d Hallstätter Dolomit,
e Grossdorner Schiefer, f Tertiärformation.
Diese Aufbruchsspalte beginnt schon in Krain, tritt, von West nach Ost
gehend, bei Laak in unser Gebiet und endigt in der Nähe von St. Leonhard ob
Lichtenwald. In ihr fliessen theilweise der Sopotkabach (Krain), die Save von
Ratschach bis Unter-Erkenstein, und die Sotschna von Srohotno bis Petzei. Ihre
Wirkung macht sich aber auch noch weiter östlich in der Wacher-Masse fühlbar,
woselbst die Decke des Gebirges, aus Gurkfelder Kalken und Grossdorner
Schiefern bestehend, geborsten ist und der Hallstätter Dolomit blossgelegt
wurde, doch ist der Riss nicht tief gegangen und im Relief des Gebirges nicht
einmal bemerkbar. Siehe Figur 3.
Fig. 3.
Wachberg (3050 Fuss). Edelsbach.
Obere Trias : a Hallstätter Dolomit, b Gurkfelder Plattenkalke, c Grossdorner Fucoidenscbiefer. d Grüustein
mit eisenschüssigem Jaspis, e Tertiärformation.
Ehe wir diesen Zug verlassen, sei noch die Bemerkung beigefügt, dass auf
beiden Flanken der Wacher-Masse plutonische Gesteine, die am meisten dem
Diorit entsprechen, zum Durchbruch gelangt sind. Sie haben aber keinen merk-
£7] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 317
liehen Einfluss auf die Structur des Gebirges gehabt, indem sie mehr oder
weniger zwischen die Sedimentschichten eingedrungen zu sein scheinen
(Figur 3), ohne wesentliche Störungen hervorzubringen. Uebrigens ist das
Gestein weit älter als das Gebirge, dessen letzte Hebung und definitive Jetzt-
gestaltung in die Zeit nach Ablagerung der neogenen Schichten fallen muss, wie
auch die der übrigen Züge.
Der dritte Hauptzug unseres Gebietes soll nach einer seiner wichtigeren
Spitzen Orlizazug genannt werden. Er bildet die östliche Fortsetzung des Save-
gebirges, welches die Save zwischen Lichtenwald und Gurkfeld zu beiden
Seiten begleitet und somit seinen Namen mit Recht verdient. Während aber die
Richtung dieser letzteren eine vorherrschend westöstliche ist, streicht derOrliza-
zug von SW. nach NO. (genauer Stunde 43/3); überdies stimmt die Richtung
der Hauptkette des Zuges nicht ganz mit derjenigen seiner Axe zusammen: jene
ist Stunde 43/3, diese Stunde 4; sie bilden also einen kleinen Winkel mit ein-
ander. Desshalb kommt es auch etwa vor, dass die Grenzlinie zweier Forma-
tionen schief über die Kante einer Kette setzt.
Die wichtigsten Höhen des Zuges sind der Sremitschberg (nicht
Schremitsch, wie auf der Karte steht) bei Reichenburg, die Orliza, der
Sillowetz (2790? Fuss) und die Preskagora (2200 Fuss) (also alle drei süd-
lich von Hörberg), die Roschza mit dem heiligen Rerg von St. Peter, endlich
die mit Ruinen geschmückten Königsberg und Kaisersberg, zwischen
welchen hindurch die Sottla einen engen Weg gefunden hat. Mit dem letztem,
der schon auf croatischer Seite steht, endet der Zug. Ausser der Schlucht der
Sottla und dem früher erwähnten Längenriss, in welchem die untere Feistritz
fliesst, ist noch der Querriss des Motschniggrab ens bei Sdolle zu bemerken.
Das Gebirge besteht ebenfalls der Hauptsache nach aus Dolomit der oberen
Trias, an welchen sich Gurkfelder und Grossdorn- Schichten mantelförmig
anlehnen. Letztere erlangen im Westen eine bedeutende Ausdehnung und werden
dann im Savegebirg das vorwaltende Gestein.
Um das Gerippe, welches der Oberflächengestaltung dieses Landes zu
Grunde liegt, zu vervollständigen, müssen wir noch zwei Züge von mehr unter-
geordneter Bedeutung hereinziehen, die beide zwischen dem ersten und zweiten
Hauptzug liegen. Sie greifen nur theilweise in unser Gebiet ein, bringen dess-
halb auch keine vollständige Trennung desselben in gesonderte Zonen hervor,
sondern tragen nur dazu bei, das grosse Becken zwischen dem ersten und
zweiten Hauptzug zu gliedern und dessen Lagerungsverhältnisse complicirter zu
machen.
Der erste dieser Züge ist ebenfalls ein Ausläufer der Alpen, tritt somit von
Westen her in unser Gebiet, und zwar als Fortsetzung der drei Parallelketten,
die zwischen Cilli und Tüfler von West nach Ost streichen und sich nun hier
der Art nahe rücken , dass sie nicht mehr leicht geschieden werden können.
Diese drei Ketten sind durch Berstung und Verwerfung der den Gailthater
Schichten aufgesetzten Kalkdecke entstanden (siehe Jahrbuch 1839, Seite 163,
Separatabdruck Seite 7, Figur 2). Auf unserm Gebiet lässt sich zwar diese
Dislocation der Schichten noch erkennen, wie Figur 4 zeigt, allein sie hat keinen
Einfluss mehr auf das Relief des Gebirges, indem der Kalk, dessen Schichten-
köpfe in Section XXII noch die Kämme der Ketten bilden, hier immer mehr
zurücktritt, und sich nur im Reicheneggberg, südlich von St. Georgen,
noch einmal zu einer selbstständigen Kuppe von 1730 Fuss Höhe erhebt. Statt
seiner nehmen ältere, zum Theil durch plutonische Einflüsse umgewandelte
Thonschiefer den Rücken des Zuges ein.
318
Theobald v. Zollikofer.
Fig. 4.
St. Ruperti.
Vodruschgraben.
Kosena.
St. Johann.
S. N.
Querschnitt durch den Rosenazug.
a Gailthaler Schiefer, b Felsitporphyr, c Contactgesteine (uragewandelte Gailthaler und Werfener Schiefer,
d Eisensteinlager, e Hallstätter Kalk? f eocene Porphyrtuffe, g Braunkohlensystem, h Leithaschichten.
Ausser dem Reicheneggberg sind nur noch der Babinverh südlich von
Store und die Rosena südwestlich von St. Georgen zu bemerken. Nach dieser
werden wir den Zug der Kürze halber den Rosenazug heissen. In der engen
Längenspalte des auseinander gerissenen Gewölbes fliesst der Vodruschbach,
der sich später nach Norden wendet, und durch einen Querriss der Vogleina zueilt.
Der zweite Zug tritt von Osten her in unser Gebiet herein und steht somit
in keinem sichtbaren Zusammenhang mit den Alpen, sondern erhebt sich selbst-
ständig als langgestreckte Insel mitten aus der Tertiärregion, Zusammensetzung
und Alter aber stempeln ihn zu einem alpinen Gebirgszug. Er dürfte etwa
südlich von Warasdin beginnen, von wo er bei Krapina und Pregrada vorbei-
zieht, um bei Windisch-Landsberg, wo ihn die Sottla durchbricht, auf steieri-
schen Boden überzusetzen und sich bei Süssenheim unter Tertiärgebilden zu
verlieren. Er findet auf steierischer Seite seine grösste Erhebung in der
Rudenza (2167 Fuss), desshalb möge er auch Rudenzazug genannt werden.
In seinem Bereich findet sich der Tinskobach, der ebenfalls Zeugniss ablegt,
dass das Gebiet der südöstlichen Alpen noch in jüngster Zeit bedeutenden
Störungen ausgesetzt gewesen, denn sonst hätte er, der auf der Südseite des
Gebirges in obertertiärem Land entspringt, nicht auf dessen Nordseite gelangen
können. Auch hier sind, wie am Wachergebirge, dioritähnliche Eruptivgesteine
zwischen dem Hallstätter Dolomit und den Grossdorner Schichten zu Tage
getreten (siehe Hauptprofil II).
Nachdem wir nun den Antheil der Alpen an der geologischen Zusammen-
setzung und der Oberflächengestaltung des südöstlichen Theiles von Unter-
Steiermark auseinander gesetzt, bleibt uns noch zu betrachten übrig, in welcher
Weise die croatische Tertiärniederung dabei betheiligt ist. Diese greift
weit in die Alpen hinein und hat sich zwischen die eben genannten Gebirgszüge,
zu welchen noch ein anderer, ausserhalb Steiermark liegender, das Uskoken-
gebirge (Krain) mit seiner östlichen Verlängerung, dem Agramer Gebirge,
hinzugezogen werden muss, hineingedrängt und so zur Bildung von drei Becken
Veranlassung gegeben, die unter sich getrennt sind und nur im Osten mit dem
offenen Tertiärmeer Zusammenhängen. Es sind dies die Tertiärbecken von Cilli,
Reichenburg und Rann.
Das Cillier Becken liegt zwischen dem Drau -Save- und dem Wacher-Zuge
und ist das grösste und wichtigste von allen. Es bildet gleichsam eine Wieder-
holung der croatischen Niederung im Kleinen, indem es selbst wieder mehrere
Golfe nach Westen sendet, wie das Schallthal, das Sannthal und den Golf von
Tüffer, die alle in der Section XXII liegen und schon früher beschrieben wur-
den (Jahrbuch 1857, Seite 403, und 1859, Seite 157). Sie sind zum grossem
[9]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Iheiles von Unter-Steiermark. 319
Theil mit in die beiliegende Karte aufgenommen worden, um die Einsicht in den
Zusammenhang des jetzt zu untersuchenden Gebietes mit den anstossenden zu
erleichtern. In den vorliegenden Untersuchungskreis gehört also nun der Rumpf
des Cillier Beckens, und diesen wollen wir nun näher betrachten.
Er umfasst eine zusammenhängende Oberfläche von beiläufig 10 Quadrat-
meilen, ist aber selbst wieder durch das Eingreifen des Rosena- und Rudenza-
zuges gegliedert. Mit diesen Gebirgen sind aber auch die Tertiärschichten
gehoben worden und zwTar nicht nur zu beiden Seiten derselben, sondern auch
in ihrer Verlängerung selbst, welche sofort durch eine antiklinale Axe ange-
deutet wird. So geht in der östlichen Fortsetzung des Rosenazuges eine solche
Axe zwischen St. Marein und Süssenheim durch, und in der westlichen Ver-
längerung des Zuges eine ähnliche durch das Kohlenrevier von Trobenthal.
Figur fi.
Fig. 5.
Gliederung des Cillier Beckens, Scction XXIII.
M St. Marein, 5 Süssenheim, T Trobenthal, ab antiklinale Axe.
Wir haben somit, von Nord nach Süd gehend, in der Westhälfte (Figur 6):
1 Separatmulde, 1 Trennungszug und 2 zusammenhängende Mulden; in der
Osthälfte (Figur 7): 2 zusammenhängende Mulden, 1 Trennungszug und 1 Se-
paratmulde.
Fig. 6.
Wacherzug. Rosenazug. Drau-Savc-Zug.
K. k. geologische Reichsanstalt. 1?. Band, 1SG1 und 1S62. 111. lieft. 41
320
Thj&'/jald v. Zollikofcr.
[ioj
Fig. 7.
Wacheraug. Riuleuzazug. Uria-Sire-Zig.
Das Cillier Becken enthält die ganze Reihe der Tertiärformation mit einer
Mannigfaltigkeit von Bildungen, wie sie nicht oft getroffen wird. Die eocenen
Glieder zeigen sich jedoch nur einseitig am Nordflügel des Beckens, und nur
wenige vereinzelte Erscheinungen am Rande des Rosena- und Rudenzazuges
beweisen, dass sie in der Tiefe das Becken theil weise durchsetzen (Figur 15).
Wir können somit im Allgemeinen eine nördliche oder eine eocene und eine
südliche oder neogene Zone unterscheiden. Die Grenze zwischen beiden ist
durch eine Reihe merkwürdiger plutonischer und semiplutonischer Gebilde
bezeichnet, die mit Unterbrechungen von Hohenegg bis St. Rochus östlich von
Rohitsch und noch weiter nach Croatien hinein verfolgt werden können. Einige
derselben gehören entschieden zu den neuern vulcanischen Gesteinen und können
zum Theile als Dolerite bezeichnet werden. Um so mehr muss es daher aufTallen,
dass sie keine bestimmt hervortretende Kegel bilden, überhaupt sogar nicht
störend auf das Relief der Umgegend gewirkt haben, so dass man ihr Dasein
durchaus nicht vermuthen würde und man sie oft nur mit Mühe ausfindig machen
kann, wenn die Natur der Feldsteine und des Strassenscholters ihre Nähe verräth.
Was sonst die Oberflächenform des Beckens betrifft, so geht sie aus der
Natur der Tertiärschichten leicht hervor: sie ist eine wellenförmig hügelige,
nur sind die Hügel dichter an einander gedrängt und ist ihre Erhebung über die
Thalflächen oft eine grössere, als dies gewöhnlich im Tertiärland der Fall ist,
was beides den bedeutenden Hebungswellen zuzuschreiben ist. Höhen zwischen
1500 und 2000 Fuss sind nicht selten (Kalobic 1962 Fuss, Puchberg 1957 Fuss,
St. Helena 1650 Fuss, Ursulaberg 1570 Fuss), während die Thalflächen meist
zwischen 700 und 800 Fuss liegen.
Eine deutlich markirte Terrainzeichnung wird nur durch die Leithakalkzüge
bewirkt, da ihr festes Gestein der Zerstörung länger widersteht, als das der
übrigen Schichten, und so, wenn es ausserdem noch die Stellung der Schichten
mit sich bringt, in scharf gezeichneten Rücken mit steilen Abstürzen hervor-
tritt. Den Donatiberg, seiner Ausnahmsstellung halber nicht hieher rechnend,
finden wir das schönste Beispiel dieser Art in dem Leithakalkzug, der von
Gairaeh über Montpreis, H. Kreuz, den Artitschberg zum Silberberg streicht.
Ein anderer Zug, weniger hervorragend, aber immer noch deutlich genug
gezeichnet, geht von St. Hema bei Windisch - Landsberg über St. Urban,
St. Johann, St. Helena und Kalobic bis jenseits St. Ruperti. Er kann von der
Rudenza aus besonders gut verfolgt werden, wobei die 12 Kirchen, die sich
auf ihn erheben , als Leiter dienen. Auch der breite Leithakalkrücken zwischen
Ponigel und Sauerbrunn Rohitsch tritt noch ziemlich deutlich hervor.
In Beziehung auf die Hydrographie des Cillier Beckens mag Folgendes
genügen r^Es theilen sich die Sann (in Section XXIII durch den bedeutenden
Zufluss der Vo’gleina vertreten) und die Sottla in dasselbe. Die Scheide der
beiden Flussgebiete ist keine durch geologische Verhältnisse sichtbar bedingte,
sondern mehr eine zufällige, da sie von Nord nach Süd durch eine Reihe von
niedrigen Querriegeln vermittelt wird, während das ganze System der Tertiär-
321
[11] Hie geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter -Steiermark.
schichten ungestört von West nach Ost von einem Gebiet ins andere übergeht.
Die Wasserscheide beginnt bei St. Michael ob Süssenberg, berührt das West-
ende des Rudenzazuges und endigt bei Montpreis im Wacherzug.
Das Reichenburger Becken bildet ein wahres Binnenmeer, denn es steht mit
der croatischen Tertiärregion nur durch den schmalen Canal von Hörberg
(i/4 Meile breit und 1 Meile lang) in Verbindung. Es wird im Norden durch den
Wacherzug, im Osten und Südosten durch den Orlizazug, auf den übrigen
Seiten durch das Savegebirg abgeschlossen, und nimmt mit sammt dem Canal
eine Oberfläche von 2 Quadratmeilen ein.
Nur die neogenen Glieder sind hier vorhanden; diese aber entwickeln bei
der kleinen Ausdehnung des Beckens eine ansehnliche Mächtigkeit. Besonders
ist der Leithakalk reichlich vertreten, um so mehr, da er theils durch die geringe
Neigung seiner Bänke, theils durch Verwerfungen an oberflächlicher Ausdehnung
gewinnt. Vermöge seiner Widerstandsfähigkeit gegen die zerstörenden Einflüsse der
Atmosphärilien spielt er auch die wichtigste Rolle in der Anlage des Reliefs. Vor
Allem tritt im Norden ein langer Leithakalkzug sehr entschieden hervor. Er geht
aus der Gegend oberhalb Lichtenwald in genau westöstlicher Richtung und in ganz
geringer Entfernung vom Beckenrand bis zum Heiligenberg von Hörberg, wo er
sich mit dem aus Südwesten kommenden Zug vereinigt. Ein kleinerer Leitha-
kalkzug, mit dem ersten parallel laufend und durch Verwerfung entstanden
(siehe Hauptprofil I und Fig. 19), trägt die Kirchen von Leskoutz (Allerheiligen),
St. Paul und Dousko. Ein dritter, durch Breite und Höhe ausgezeichnet, erhebt
sich mitten im Becken und bildet den Kosenverh, den Hügel von Senovo und den
Tscherenzberg bei Armesko. Endlich besteht der ganze Ostrand aus Leithakalk,
und der Brestanzabach muss sich beständig zwischen steilen Felsenwänden
dieser Formation hindurchwinden.
Zahlreiche Bäche, am Wachergebirge entspringend , durchfurchen das
Reichenburger Becken. Sie alle durchqueren dessen Schichtensystem und
durchbrechen vielfach das Savegebirg, um zur Save zu gelangen. Keiner fliesst
in einem Längenthal, keiner geht durch den Canal von Hörberg der Sottla zu,
obwohl dieser einst der natürliche Abflussweg des Beckens gewesen sein muss.
Das dritte Becken, mit welchem unsere geologisch-topographische Skizze
geschlossen wird, ist dasjenige von Rann. Dahin gehören ausser dem steieri-
schen Antheil noch die Gurk-Ebene in Krain und ein ziemlich grosses Stück der
croatischen Niederung. Es ist im Norden durch den Orlizazug und das Save-
gebirg, im Süden durch das Uskokengebirge und im Osten durch das Agramer
Gebirge begrenzt, somit ebenfalls gut abgeschlossen, wenn auch weniger voll-
kommen, als das vorige Becken.
Ausser der Tertäärformation vom Leithakalk aufwärts haben wir hier auch
Diluvial- und Alluvialbildungen, die einzigen von einiger Ausdehnung im ganzen
Gebiet. Sie bilden eine grosse Ebene mit .Terrassenbildung, die gegen den
Rand hin nicht selten von niedrigen Hügeln aus Diluviallehm begrenzt wird (der
flache, langgestreckte Hügel von Kapellen dürfte auch hieher gehören) und
wovon iy8 Quadratmeile auf Steiermark entfallen.
Der steierische Antheil an der Tertiärzone besteht fast nur aus Sand, der
den obersten Neogenschichten angehört. Nur längs dem Orlizazug findet sich
Leithakalk als schmale Umsäumung; ebenso besteht der 600 Fuss über die Save
sich erhebende Loibenberg bei Altendorf (absolute Höhe 1130 Fuss) zum
grösseren Theile aus Leithakalk. Das Tertiärland ist von vielen Bächen ausge-
waschen, die alle von Nord nach Süd der Save und Sottla zufliessen. Es stellt
sich somit als eine Reihe gleichlaufender sanfter Hügelrücken dar.
4t *
322 Theobald v. Zollikofer. [12]
Ein Einschnitt des Gebirges hat endlich die kleine Tertiärbucht von
Wisell hervorgerufen.
Bevor wir dieses Capitel schliessen, erlauben wir uns noch eine Bemerkung
theoretischer Natur. Es muss auffallen, dass die verschiedenen Gebirgszüge,
die wir betrachtet haben, mehr oder weniger unter sich convergiren, obwohl
sie gleichen Alters sind, wie dies unzweifelhaft aus ihrer gleichmässigen Ein-
wirkung auf die Tertiärschichten hervorgeht. Diese sind überall mitgehohen
worden und selbst die obersten Schichten, die, wie wir später sehen werden,
schon zur Pliocenformation gerechnet werden können, sind nicht auszunehmen.
Am deutlichsten geht dies aus der Richtung der Leithakalkzüge hervor, die stets
mit dem respectiven Gebirge parallel streichen, gleichviel, ob sie unmittelbar
denselben aufgesetzt sind, oder ob sie in grösserer Entfernung davon auftreten.
Die Leithakalkzüge von Ponigl und vom Ranner Becken machen z. B. unter sich
einen Winkel von nahe 40 Klafter, gerade so wie der Drau-Save-Zug mit dem
Orlizazug. Daraus gehen zwei Dinge hervor: 1. dass die Theorie des Parallelis-
mus gleichalter Gebirge selbst bei benachbarten Zügen nicht immer Geltung
hat; 2. dass die Südostalpen ihre jetzige Gestaltung nicht schon nach
Abschluss der Eocenperiode erlangt haben, sondern erst nach Ablagerung der
obersten Tertiärschichten, dass sie somit zum mindestens ebenso jung sind,
wie die W estalpen.
Beschreibung der einzelnen Formationen.
In dem bunten Gemisch der verschiedenartigsten Formationen, welchen
wir in diesem Landestheile begegnen, kommen viele Bildungen vor, deren
Charakter entweder auf einen rein plutonischen Ursprung oder wenigstens auf
irgend eine Beziehung zu plutonischen Einflüssen hindeutet. Da nun bei diesen
die Altersbestimmung häufig mehr oder weniger misslich bleibt, so wollen wir
sie nicht in die Reihe der regelmässigen Bildungen einschalten, sondern ziehen
vor, sie auszusondern und getrennt zu behandeln. Wir erhalten somit zwei
Gruppen von Bildungen, normale und anormale (in welch1 letztere wir
auch die Quellen aufnehmen werden) mit folgenden Capiteln :
A. Gruppe der normalen Bildungen.
I. Gailthaler Schichten, Aequivalent unteres Steinkohlensystem.
II. Werfener Schichten u. Guttensteiner Kalke untere Trias.
III. Hallstätter Kalke und Dolomite
IV. Gurkfelder und Grossdorner Schichten. .
V. Dachsteindolomite unterer Lias.
VI. Eocenformation Eocen bis Oligocen.
VII. Neogenformation Miocen bis Pliocen.
VIII. Neuere Bildungen (Diluvium, Alluvium, Kalktuff).
B. Gruppe der anormalen Bildungen.
IX. Felsitporphyr, Breccien u.Contactgesteine untere Trias.
X. Grünsteine (Diorit) obere Trias.
XI. Jüngere plutonische Bildungen Eocen.
XII. Erzlagerstätten Steinkohlensystem bis Eocen.
XIII. Quellen.
obere Trias.
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
323
A. Gruppe der normalen Bildungen.
1. Gailthaler Schichten.
Hier, wie im Savegebiet überhaupt, sind diese Schichten die untersten, die
zu Tage ausgehen, was aber nicht hindert, dass sie in Folge gewaltsamer Be-
wegungen der Gebirge häufig sichtbar werden und oft ziemlich hoch ansteigen.
Indessen sind sie in unserem Gebiete weniger gut vertreten , als im westlich
anliegenden. Von den drei Zügen, welche die untere Sann übersetzen (Jahrbuch
1839, Seite 163, Separatabdruck Seite 6), reicht keiner weit in die Section
XXIII herein: der erste verliert sich schon bei Tüchern, wo ein Eisenbahn-
durchschnitt die Bildung zum letzten Male deutlich aufgedeckt hat, und die
andern beiden, die im Bosenazuge sich auf wenige Klafter nähern, müssen bald
den Contactgesteinen des Porphyrs weichen. Von diesen besteht zwar wahr-
scheinlich selbst wieder ein grosser Theil aus veränderten Gailthaler Schiefern,
während ein anderer Theil vielleicht durch Umwandlung von Werfener Schich-
ten entstanden ist, allein es ist schwer, eine sichere Grenze zu ziehen. Hin-
gegen liegt in der Aufbruchsspalte der Leissbergmasse (Figur 2) eine beträcht-
liche Zone (die einzige von Belang) von Gailthaler Schichten aufgedeckt, welche
von St. Leonhard bis Siebenegg (Krain) eine Länge von 21/3 und eine Breite
von i/2 Meile einnimmt und am Gelände des Leissberges bis zu einer absoluten
Höhe von 200 Fuss ansteigt. Sonst zeigt sich die Formation nur noch vereinzelt
am Südfluss der Bedenza und im Orlizazug, südlich von St. Peter.
Die Gailthaler Schichten bestehen bekanntlich aus schwarzen bis grauen
grauwackeähnlichen Thonschiefern, grauen glimmerigen, festen Quarzsand-
steinen und sporadisch auftretenden dunkeln Kalken. In ihrem Gefolge finden
sich zuweilen Lager und Gänge von Eisensteinen, Bleiganz und Zinkblende.
Die Thonschiefer sind gewöhnlich am meisten verbreitet, so auch hier.
Sie sind dünnschieferig bis schuppig und zerfallen sehr leicht. Dieser Umstand
hat auch der Anlegung der Agramer Bahn zwischen Steinbrück und Lichtenwald,
woselbst sie sich 2 Stunden in diesen Schiefern bewegt und die besten Auf-
schlüsse gewährt, grosse Schwierigkeiten in den Weg gelegt und Verstärkung
der Scarpen durch Faschinenwerk erfordert. Ferner sind die Schiefer ausser-
ordentlich stark gewunden, im Kleinen sowohl, wie im Grossen, so dass ihre
Fallrichtung jeden Augenblick wechselt und nur das Streichen von Ost nach West
mehr oder weniger constant bleibt. Figur 8 stellt eine Entblossung der Schie-
fer an der Strasse nach Laak,
nur wenige Schritte nörd-
lich vom Dorfe dar und kann
als Beispiel ihrer Windungen
im kleinen dienen, während
Fig. 2 sie im Grossen zeigt.
Die Sandsteine neh-
men den oberen Horizont
ein und umsäumen die so
eben genannte Thonschiefer- Schichten« indung der Gailthaler Schiefer hei Laak,
zone. Sie finden sich ferner
bei Windisch-Landsberg als Liegendes der dort vorkommenden Eisensteine,
sowohl bei Olimie (II. Hauptprofil) , als an der Sottla auf eroatischer Seite.
Fig. 8.
324
Theobald v. Zollikofrr.
[<*]
Hieher gehören auch die Q uarzc on glomera te, die mit der Spatheisenstein-
formation des Drau-Save-Zuges auftreten, da sie jedoch ihre Erledigung schon
in einer früheren Abhandlung (Jahrbuch 1859, Seite 206, Separatabdruck
Seite 50) gefunden haben, so können sie hier füglich übergangen werden. Nur
möge noch nachgetragen werden, dass sie, wie wir seither erfahren, am Wotsch
nicht nur in der Schlucht, die von Gabernigg nach St. Niklaus führt, gefunden
werden, sondern auch, und zwar in grossen Massen, unweit der Fürst Windisch-
grätz'schen Dampfsäge. Sie haben früher die alte Glashütte unterhalb der Säge
mit Kies versorgt und dienen noch jetzt derjenigen von Loog (östlich von Ro-
hitseh, an der Sottla) zur Erzeugung von Sauerbrunn-Flaschen.
Die Gailthaler Kalke sind in Steiermark eine seltene Erscheinung.
Ausser dem Schniirlkalke, dem Träger der Spatheisensteine des Drau-Save-
Zuges, wagten wir bisher blos drei ganz kleine Massen bei Cilli und Franz dazu
zu rechnen (Jahrbuch 1859, Seite 162, Separatabdruck Seite 6) und auch dort
geschah es nicht ohne Fragezeichen. Um so mehr musste es uns auffallen, gleich-
sam mitten im Hallstätter Dolomit des Orlizazuges, südlich von St. Peter an der
Strasse (genau beim g des Wortes H. Berg der Stabskarte) einen schwarzen
Kalk mit splitterigem Bruch und feinen Kalkspathadern zu treffen, der ganz an
Gailthaler Kalk erinnerte. Das gleichzeitige Auftreten von Schiefern und Sand-
steinen derselben Formation liess auch sonst kaum mehr einem Zweifel Raum,
um so weniger, als in dessen östlicher Fortsetzung, am Weg vom Königs-
berg nach Wisell, wieder eine winzige Partie von Gailthaler Sandsteinen unter
dem Dolomit zu Tage tritt und in dessen westlicher Fortsetzung, auf der Strasse
von Hörherg nach Pischätz, in einer Höhe von fast 2000 Fuss, in der Axe des
Gebirges, Werfener Schiefer anstehen, die noch weiter westlich im oberen
Motsehniggraben wieder gefunden werden. Offenbar ist hier die Dolomitdecke
des Gewölbes schon so weit abgetragen, dass es nur geringer Einschnitte, wie
die genannten, bedurfte, um die unteren Schichten in der Axe desselben zu ent-
blössen, wie es auch aus Figur 9 hervorgeht.
Fig. 9.
H. Berg- Schloss Meier- Orliza Motschnig-
v. Hörherg’. Feistritz. Hörherg. hof. (2000 Fuss). graben. St. Gertraud.
a Gailthaler Schiefer, b Werfener Schiefer und Sandsteine, c Hallstätter Dolomit, d Grossdorner Schiefer,
e Leithakalk.
II. Werfener und fiuttensteiner Schichten.
Diese beiden Bildungen der unteren Trias kommen meist zusammen vor
oder ergänzen sich gegenseitig. In der Regel bilden die Werfener Schichten das
untere und die Guttensteiner Schichten das obere Glied , doch ist diese Folge
nicht immer streng zu nehmen, da sie zuweilen Wechsel lagern.
Die Werfener Schichten mit ihren überall sich gleich bleibenden, leicht
erkennbaren, glimmerreichen, rothen und grünen Schiefern und Sandsteinen
bilden einen trefflichen Horizont und kommen da oft gut zu Statten, wo die Kalke
323
[13]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark»
und Dolomite einen unsichern Charakter zeigen, oder wo Alles wie durchein-
ander geworfen erscheint, oder endlich, wo ältere Gesteine in sehr kleinen
Partien mitten aus dem Tertiärgebiet hervorragen. Der letze Fall ergibt sich
unter andern bei Hohenegg, wo zu beiden Seiten der Kötting rauchgrauer ge-
schichteter Kalk ansteht, welcher auf grünlichen, gelblichen bis röthlichen, matt
aussehenden Thonschiefern ruht oder mit denselben wechselt. Schon Dr.
Rolle hat diesen Kalk untersucht und sagt davon (Jahrbuch 1837, Seite 433,
Separatabdruck Seite 33): „Ich hätte ihn dem äussern Ansehen nach für Gutten-
„steiner Kalk gehalten, indessen die zwischengelagerten Schieferschichten sind
„so schimmernd, dass ich nach wiederholter Untersuchung mich nur für Gail-
„thaler Kalk erklären kann, zumal, da die directe Auflagerung auf semikrystal-
„linischen Schiefern ausser Zweifel steht.“ Hätte jedoch der Zufall unsern Vor-
gänger, so wie uns, in den oberen Dischenzagraben (östlich von Hohenegg)
geführt, so würde er dort auf der rechten Seite des Baches, da wo er plötzlich
nach Süden umbiegt , eine wenige Klafter weit entblösste Partie von rothen und
grünen Werfener Schiefern gefunden haben, die erst nach NO. fallen und dann
nach SW. umbiegen, und auf welche jener rauchgraue Kalk sammt den Zwischen-
lagen von schimmernden Thonschiefern regelmässig aufgelagert ist (Figur 10).
Fig. 10.
P Porphyr, a Werfener Schiefer, b rauchgrauer Kalk (Guttensteiner Kalk), c inattschimuienule Thonsehiefer
(Contactgesteine), d Hallstätter (?) Dolomit und Kalk, e eocene Porphyrluffe.
Dr. Rolle wäre dann wahrscheinlich nicht nur zu dem einen Schluss ge-
kommen, dass jene rauchgrauen Kalke wirklich Guttensteiner Kalke sind, sondern
noch zu dem andern weit wichtigem, dass nämlich seine semikrystallinisehen
Uebergangsthonschiefer ein Aequivalent der Werfener Schichten, vielleicht gar
nur, durch die Nähe des Porphyrs veränderte Werfener Schiefer sein dürften.
Dadurch wäre auch das Erscheinen des Porphyrs mit einiger Wahrscheinlichkeit
als in die Triasperiode fallend bestimmt worden. Da wir übrigens diese Ansicht,
auf andere Thatsachen gestützt, schon früher ausgesprochen, so lieferte uns
diese Localität nur eine neue Bestätigung dafür. Wir werden übrigens im Capi-
tol IX darauf zurückkommen und einstweilen wieder zu unserem Gegenstand
übergehen.
Die Werfener Schichten sind nirgends sehr mächtig, bedecken auch keine
grösseren zusammenhängenden Flächen. Nur um die grosse Ellipse der Gailthaler
Schichten am Fusse des Leissberges können sie lange Strecken weit als schmales
Band verfolgt werden; sonst treten sie sehr vereinzelt in Partien auf, die kaum
auf der Karte verzeichnet werden können, so bei Windisch-Landsberg (oberhalb
Olimie und an der Sottla), im oberen Motschniggraben (Figur 9), im oberen
Douskograben (Figur 19) u. s. w.
Die Guttensteiner Schichten beslehen aus rauchgrauem bis schwarzem
Kalke, zuweilen auch aus Dolomit von ähnlicher Färbung. Indessen haben sie
selten einen hinreichend ausgesprochenen petrographischen Charakter, der bei
Abwesenheit von Petrefacten und von deutlichen Lagerungsverhältnissen zu ihrer
326
Theobald v. Zollikoi'er.
rie]
Bestimmung genügen könnte, denn es gibt auch Kalke und Dolomite der oberen
Trias, die damit leicht verwechselt werden können. Somit muss meist ihre Be-
ziehung zu den Werfener Schichten entscheiden. Aber auch dann erheben sich
zuweilen noch Zweifel. So z. B. haben wir den schwarzen dünngeschichteten
Kalk des steilen Weinberges Velki Verh, nordöstlich von Lichtenwald als Gutten-
steiner Kalk eingetragen, weil er, wenn auch in undeutlicher und gestörter
Lagerung (Figur 11), auf die Werfener Schichten von Perkuni-Verh folgt und
weil er in der Fortsetzung der Guttensteiner Schichten von Lichtenwald liegt;
allein auf der anderen Seite nähert er sich durch seine ausgezeichnete Schichtung
und seine häufigen regelmässigen Zwischenlagen von Hornstein gar sehr gewissen
Schichten der Grossdorner Schiefer, welche überdies auch in der Nähe Vor-
kommen und somit zur Vermehrung der Zweifel beitragen.
Fig. 11.
Podverh. Velki Verh. Sauersche. St. Leouliard. Solsclina.
Profil des Velki Verb, nördlich von Lichtenwald.
n Oailthaler Schiefer, b 'Werfener Schiefer, c schwarzer, diinngesrhichteter Kalk mit Hornsleiulagen (Guttensteiner
Kalk ?), d Leithakalk und Leithasandstein, e Leithamergel, f obertertiärer Sand.
Ebenso lassen die Dolomite zwischen Lichtenwald und Ober-Frisach einige
Zweifel bezüglich ihres Alters. Herr Bergrath Lipoid führt am gegenüber-
liegenden krainerischen Save-Ufer Guttensteiner Dolomite an, unter denen bei
Auen Werfener Schiefer hervorschauen. Man sollte nun daraus entnehmen können,
dass die fraglichen Dolomite ebenfalls dazu gehören , besonders da auch die
Werfener Schiefer an einer Stelle (bei U von Uranjebach der Stabskarte), wenn
auch kaum bemerkbar, herübersetzen. Wir glauben aber doch nicht geirrt zu
haben, wenn wir sie zu den Hallstätter Schichten zählen, denn erstens liegen
gerade bei dem besagten U, unmittelbar über den Werfener Schiefern deutliche
St. Cassianer Schichten, zweitens lagern auf den Dolomiten Grossdorner Schie-
fer (Figur 12), die wir nirgends ohne Hallstätter Schichten auftreten gesehen,
und drittens ist nicht leicht anzunehmen, dass ein so allgemein verbreitetes
Fig. 12.
Lichtenwald. Savefluss.
a grauer Dolomit (Hallstätter Schichten), b gelbe und rothe hornsteinreiche Plattenkalke (Gurkfelder Schichten),
c röthliche und grün und weiss melirte Sandsteine, zum Theile zerfallen; dunkle kurzklüftige Schiefer (Grossdorner
Schichten) , d Mergelkalk mit unregelmässig knolligem Aussehen (Leithakalk) , e sandiger Mergelkalk in Platten
brechend (Leithakalk), f tertiäre Mergel.
[17] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 327
Gestein, wie der Hallstätter Dolomit, der rechts und links in ansehnlicher Mäch-
tigkeit ansteht, gerade auf dieser kurzen Strecke fehlen sollte.
Mit einiger Sicherheit kann somit in unserm Gebiet ausser den oben er-
wähnten Hügeln von Hohenegg nur ein schmaler Streifen von schwarzem zum
Theile schieferigem Kalke oberhalb Olimie am Südabhang der Rudenza zu den
Guttensteiner Schichten gezählt werden. Er bildet daselbst das Hangende der
Eisenerzstöcke.
111. Hallstätter Schichten.
Die Hallstätter Schichten prädominiren in allen Gebirgszügen Unter-Steier-
marks, sowohl durch ihre Mächtigkeit, als durch ihre geographische Verbrei-
tung. In der Wachermasse allein werden sie von den sie begleitenden Gurkfelder
und Grossdorner Schichten in Beziehung auf den zweiten Punkt erreicht oder
gar überholt. Sie bilden auch gewöhnlich den Kamm der Gebirge, da die älteren
Schichten nur in tiefen Einschnitten zum Vorschein zu kommen pflegen, die
jüngeren aber sich an den Seiten anlehnen.
Das weitaus vorwaltende Gestein sind Dolomite von hellgrauer Farbe,
körniger Structur und eckigem, kurzklüftigem Bruch. Die Kurzklüftigkeit ist
ein ziemlich constantes Merkmal, weniger die Farbe, denn es gibt auch rauch-
graue Dolomite die hierher zählen. Ein anderes, doch seltener auftretendes Merk-
mal sind die Rutschflächen, die, wenn sie nicht zu lange der Unbill der
Witterung ausgesetzt gewesen, fein geschliffenem Marmor gleichkommen. Dabei
hat das Gestein das Eigentümliche, dass es auf den Rutschflächen und selbst
noch mehrere Zoll tiefer hinein eine deutlich ausgeprägte Breccienstructur
annimmt, indem es aus hellen und dunkeln, kleinen, eckigen Brocken besteht,
die unter dem Hammer leicht zerfahren , so dass es kaum gelingt, ein grösseres
Belegstück davon zu erhalten. Solche Erscheinungen zeigen sich wohl erhalten
in der Sannschlucht zwischen Römerbad und Steinbrück, im Gratsehnitzagraben
an der Strasse von Gairach nach Tüffer, nördlich von Krapina (Croatien), end-
lich weniger ausgezeichnet an manchen anderen Stellen. Bei Steinbrück enthält
der Dolomit dünne Lagen von lichtem Hornstein und oberhalb Opischotz, auf dem
Kamm des Leissbergzuges (genau in der Nordostecke der Section XXVI) ist
demselben ein Quarzlager von 9 Fuss Mächtigkeit regelmässig eingelagert. Der
Quarz ist dicht, hellgrau bis ganz weiss, von splitterigem Bruch, und dürfte
wohl auch etwas feldspathhältig sein. Er wird für die Glashütte in Hrastnig, ehe-
mals in Gairach, ausgebeutet.
Der Dolomit eignet sich trefflich zur Beschotterung. Nirgends sind die
Strassen so leicht zu unterhalten und dabei so gut im Stande, als gerade in
seinem Bereiche. Dabei lässt er sich. Dank seiner Kurzklüftigkeit, sehr leicht
gewinnen, aber aus eb^n dem Grunde taugt er selten als Baustein. Ein anderer
Vorzug desselben liegt in seinem Quellenreichthum, auf den wir an geeignetem
Platze zurückkommen werden.
Die grösste Verbreitung besitzt der Dolomit in der Leissbergmasse, wo er
vom Kamm des Gebirges bis über die Gratschnitza hinaus eine Breite von
3/t Meilen einnimmt und pittoresk zerrissene Partien bildet. In der Wachermasse
beschränkt er sich auf den Südabhang, dessen obere Hälfte er einnimmt; er
reicht aber gegen Osten nur bis Mörtschnasella (südwestlich von Drachenburg)
und verschwindet weiterhin ganz unter der Decke der jüngeren Triasgesteine.
Sehr ausgedehnt tritt er wieder im Qrlizazug auf, dessen ganze Breite er bis
an die Ränder einnimmt, eine Ellipse von 2 Meilen Länge und i/2 Meile Breite
K. h. geologische Reichsaiistalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft. 42
328
Theobald v. Zollikofcr.
[ISJ
bildend. Auch im Rudenzazuge ist seine Bedeutung keine geringe, da er in
seinem westlichen Theil, dem Süssenheimerberg, alle anderen Gesteine ver-
drängt, und im östlichen neben den anderen Bildungen immer noch die Oberhand
behält. Im Drau-Save-Zuge endlich spielt er ebenfalls die Hauptrolle, obwohl
der Kalk, in den er häufig übergeht, ihm dieselbe streitig zu machen sucht.
Somit ist also der Rosenazug der einzige, in welchem der Dolomit nicht zur
Geltung gelangt.
Die Kalke der Hallstätter Schichten haben hier zu Lande eine untergeord-
nete Bedeutung, da sie seltener Vorkommen. Sie sind gewöhnlich hellgrau bis
ganz weiss, compact und undeutlich geschichtet, oder aber schwarz und von
deutlicher Schichtung. Sie nähern sich somit dem petrographischen Charakter
nach wie der Dolomit bald den Dachstein- und Guttcnsteiner Schichten. Leider
war es uns nie möglich, Petrefacten darin aufzufinden, welche das Alter so
mancher isolirt vorkommender Kalke, wie im Rosenazug, unzweifelhaft fest-
setzen könnten. Im Rosenazug, um dabei stehen zu bleiben, tritt der weisse
Kalk mehrmals auf, so dass man fast an einen Wechsel desselben mit den meta-
morphen Thonschiefern, dem herrschenden Gestein dieses Gebirges, glauben
möchte, wenn ein solcher überhaupt möglich Märe. Wir wissen übrigens aus
den Lagerungsverhältnissen, wie sie sich zwischen Cilli und TütTer gestalten,
dass dieser Wechsel von Verwerfungen und w ellenförmiger Hebung herrührt
(Figur 4). Wenn man von Store aus quer über den Rosenazug nach St. Ruperti
gelangen will, so trifft man den Kalk zuerst bei der Kirche St. Johann (Rifin-
scheg), die sich mit ihrem getrennt stehenden Thurme auf einem steilen Felsen
erhebt. Es ist dies die Fortsetzung des Petschounig bei Cilli, allein die Breite
des Zuges hat sich hier schon auf wenige Klafler reducirt, so dass sein Dasein beim
weiteren Verfolgen oft nur mühsam nachgewiesen werden kann. Erst östlich
vom Defile von St. Jakob (Vodrusehgraben) wird er im Reicheneggberg noch
einmal deutlich sichtbar. St. Johann verlassend, findet man alsbald grauwacken-
ähnliche Thonschiefer, die bald nach Nord, bald nach Süd, aber immer steil
einfallen, dann wieder Kalk, nur einige Klafter breit, so dass man sich
noch fragen könnte, oh er wirklich anstehend sei, wenn er nicht im nächst-
liegenden Graben ebenfalls zu finden wäre. Folgen wieder eine breite Schiefer-
zone und ein schmaler Kalkstreifen, und so fort, bis man in den tiefen oberen
Vodrusehgraben gelangt, wo der Kalk zu beiden Seiten in grösseren Massen
auftritt und deutlich auf Gailthaler Schiefer und metamorphe Schiefer mit Eisen-
erzstöcken aufgelagert ist. Dies ist einerseits (linke Grabenseite) die Fortsetzung
der Dostkette, andererseits diejenige des Humberges bei Tüffer über den Sclii-
kouzberg hieher. Unterhalb der Platzmühle kommen beide zusammen und der
Graben wird zur unwegsamen Schlucht, bis gegen Raune, w?o der eben erst
vereinigte Kalkzug ganz aufhört.
Wahrscheinlich gehört der helle spathreiche Kalk des Guekenbergos , der
mit lichtem Dolomit den Guttensteiner Schichten aufliegt, auch hieher. In diesem
Falle muss eine muldenförmige Einlagerung vorausgesetzt werden , wie wir sie
in Figur 10 angedeutet haben. Bei der unsicheren Sehichtenstellung der Con-
tactgesteine lässt sich aber die Vermuthung nicht zur Gewissheit erheben. Am
häufigsten finden sich die lichten Kalke im Drau-Save-Zuge, gewöhnlich im Kern
des Gebirges, da sie nach aussen hin gern in Dolomit übergehen, jedoch so,
dass eine Trennung beider nicht leicht möglich wird. Endlich bemerken wir
noch im Süden des Gebietes die hellen Kalke von St. Maria bei Tscheine, nörd-
lich von Blanza (Hauptprofil I), vom Bache gleichen Namens tief durch-
rissen.
329
[19]
Die Geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
Die schwarzen Hallstätter Kalke sind weit seltener. Unseres Wissens gibt
es solche nur an der Strasse von Hörberg nach Pischätz und an der Mündung des
Lahonbaches in die Gratschnitza. Letztere könnten auch wohl schon den tiefem
Guttensteiner Schichten angeboren, da ihr Südfallen auf eine Mulde schliessen
lässt, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, sie mit den schwarzen Kalken des
Südabhanges des Leissberges in Verbindung zu bringen (siehe Figur 3).
IV. ffurkfelder und Grossdorner Schichten.
Wir kommen nun zu zwei alpinen Bildungen, die durch ihre grosse Ver-
breitung im unteren Savegebiet, mehr aber noch durch die Neuheit ihrer Er-
scheinung unsere besondere Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen berechtigt
sind. In der That haben wir sie in den anderen Landesparcellen nirgends ge-
troffen und ihr Vorfinden würde uns sicher sehr überrascht haben , wenn wir
nicht durch die Untersuchungen des Herrn Bergrathes Lipoid in Unter-Krain
zum Voraus darauf aufmerksam geworden wären. Da sie aber am rechten Ufer
der Save vom Neuringbach bis Gurkfeld und weiter südlich von Landstrass bis
Bann so mächtig entwickelt anstehen, so war jedenfalls zu vermuthen, dass sie
auch auf dem linken Ufer nicht fehlen würden.
Die Beobachtungen auf steierischer Seite haben fast durchwegs zu den-
selben Resultaten geführt, die Herr Lipoid für die Krainer Seite in seiner Be-
schreibung von Unter-Krain (Jahrbuch 1838, Seite 270) ausführlich nieder-
gelegt hat. Ausserdem sind aber noch verschiedene Anhaltspunkte gefunden
worden, die geeignet erscheinen, das bisher sehr zweifelhafte Alter dieser For-
mationen festzustellen. Zwar haben sich auch hier keine anderen organischen
Reste als Fucoiden vorgefunden, aber die innige Beziehung beider Bildungen zu
den Hallstätter Schichten und besonders ihre Ueberlagerung durch Dachstein-
dolomite bezeichnen sie als neue Glieder der oberen Trias. Immerhin finden wir
aber für zweckmässig, die von Herrn Lipoid eingeführten Localbenennungen
Gurkfelder und Grossdorn er Schichten beizubehalten, da sie sich wenig-
stens in petrographischer Beziehung von parallelen Bildungen deutlich unter-
scheiden. Wir wollen nun näher in ihre Natur und Verbreitung eingehen und
dann die Altersfrage discutiren.
a) Gurk fei der Schichten. Gutgeschichtete, sehr compacte Kalke von
muscheligem Bruche, welche viel Hornstein in Knollen und dünnen Lagen führen.
Schichtung und Korn machen sie zu Bau- und Ziersteinen sehr geeignet, denn
sie brechen leicht in Platten und nehmen eine feine Politur an. In Dulle (Krain),
St. Canzian gegenüber, ist ein grosser Steinbruch darin eröffnet, der die Um-
gegend mit Tischplatten, Treppenstufen, Grabsteinen u. s. w. versorgt 9- Ein
anderer Steinbruch findet sich hei Drenowetz an der Strasse von Rann nach St.
Peter. Hier steht ein mehr massiger rauchgrauer Kalk an, der zwar nur als
Baustein gewonnen wird, der aber auch für künstlerische Zwecke zu empfehlen
wäre, da seine vielen Kalkspathadern, die bald concentrisehe, bald verschlungene
Figuren bilden, durch Politur vorteilhaft hervortreten.
Gewöhnlich sind diese Kalke dünngeschichtet und liefern Platten von y2 l)ls
f» Zoll, so namentlich zwischen Fichtenwald und Reichenburg bei Unter-Frisach,
wo sie selbst schieferig werden , bei St. Canzian und im Blanzagraben , dann
oberhalb Videm gegen Sremitseh zu, endlich im oberen Douskograhen. Seltener
*) Vor dem Gasthaus zu Blanza sieht man eine solche polirte Tischplatte von ungefähr
10 Fuss Länge auf 4 Fuss Breite.
42 *
330
Theobald v. Zollikofer.
[20]
haben die Platten mehr als 1 Fuss Mächtigkeit, wie bei Drenowetz (wo übrigens
zugleich auch nur zolldicke Vorkommen) und am Nordabhang des Wachberges.
Die dünngeschichteten Kalke sind meist von bunter aber lichter Färbung.
Grau und roth herrschen vor, zuweilen in ein und demselben Gestein, welches
dann ein geflecktes oder geflammtes Aussehen erhält; daneben sind auch weiss,
gelb und violett oft vertreten. Ausnahmsweise haben wir im Blanzagraben , un-
mittelbar auf dem Hallstätter Kalk, schwarze Kalke gefunden, die hierher zu
rechnen sind. Der darin vorkommende Hornstein war pechschwarz, während er
sonst grau oder röthlich ist. Die dickgeschichteten Kalke von Drenowetz und
dem Wachberge sind durchgängig rauchgrau.
An Petrefacten war nichts zu finden als Fucoiden, die übrigens in der fol-
genden Formation viel häufiger sind.
b) Grossdorner Schichten. Gewöhnlich kommen feste aber sehr kurz-
klüftige Mergel- oder Kalkschiefer vor. Ihre Farbe ist schmutzig grau mit einem
Stiche in’s grünliche oder braune, seltener schwarz. Am Vetternig, unter den
Häusern von Perkrisch sind sie ausnahmsweise grün und violett gebändert. Diese
Färbung dürfte aber nachträglich entstanden sein, denn während die Schichten
(auf deren Ablösungsflächen sich Fucoiden finden, so dass keine Verwechslung
zwischen Schichtung und Schieferung möglich ist) schwach nach NO. fallen,
sind die regelmässigen Farbenbänder steil nach West geneigt.
Die Schiefer werden zuweilen sandig und nehmen feine Glimmerblättchen
auf, so längs der Save. Diese Varietät führt am häufigsten Fucoiden, die über-
dies deutlicher gezeichnet sind, als diejenigen der anderen Schiefer.
Ausser den Schiefern gehören zu den Grossdorner Schichten noch dünn-
geschichtete dunkle Kalke mit regelmässigen Lagen von grauem Hornsteine, die
mit jenen wechsellagern. Dies zeigt sich am deutlichsten, wenn man von
Kopreinitz aus den Vetternig besteigt, da auf dieser Seite die Formalion eine
Mächtigkeit von mindestens 600 Fuss entfaltet und von unten nach oben aus
Schiefern, hornsteinreichen dichten Kalken und wieder aus Schiefern besteht,
die alle fast söhlig gelagert sind. Manchmal ist der Kalk auch dolomitisch, wie
z. B. bei Toplize (südwestlich von Drachenburg), wo Dolomit und Hornstein in
halbzölligen Streifen abwechseln und der Felsentblössung ein eigenthümliches
Aussehen verleihen. Oberhalb Edelsbach, an der Strasse nach Montpreis, scheint
er hingegen kieselerdehältig zu sein; auch da wechselt er in dünnen Lagen mit
Hornstein und erscheint dadurch schön gebändert.
Ausser den schon erwähnten Fucoiden, die mit Chondrites Targionii und
Ch. aeqaalis Sternberg einige Aehnlichkeit haben, fanden wir nur bei St. Marein
in einem röthlichen Sandstein eine unbestimmbare Bivalve.
ln Beziehung auf Verbreitung und Mächtigkeit wetteifern die Gurkfelder
und Grossdorner Schiefer im südlichsten Theil der Steiermark mit den Hallstät-
ter Schichten. Am stärksten sind sie in der Wachermasse vertreten , wo sie an
horizontaler Verbreitung die andern Gesteine übertreffen. Am Nordabhang treten
sie sehr regelmässig auf, am Südabhang aber sind sie mehrfach gewunden und
zerrissen, was die Bestimmung der Grenzen etwas unsicher macht. In der Leiss-
bergmasse sind sie nur an den beiden Gehängen des Lahongrabens zu sehen und
würden kaum die Aufmerksamkeit des Beobachters erregen, wenn diese nicht
schon anderswo darauf hingelenkt worden wäre. Von grosser Bedeutung
ist diese Formation wieder im Orlizazuge. Sie bildet im Osten zu beiden
Seiten desselben einen schmalen Saum von steil aufgerichteten Schichten,
der gegen Westen immer breiter wird, indem die Bildung an Mächtigkeit zu-
nimmt und sich zugleich weniger steil an den Dolomitkern anlehnt. Im steieri-
[21] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
33t
sehen Antheil des Savegebirges nehmen sie ebenfalls eine wichtige Stelle ein,
da sie dessen ganze südliche Hälfte occupiren und sehr regelmässig gelagert
sind.
An all’ diesen Orten spielen die Grossdorner Schichten die Hauptrolle, denn
die Gurkfelder Plattenkalke kommen mehr vereinzelt vor und sind selten mächtig.
Uebergänge der einen Bildung in die andere lassen übrigens nicht immer eine
entschiedene Trennung zu.
Noch müssen wir der dunkeln geschichteten bis schieferigen Kalke erwäh-
nen, die am Nordabhange der Rudenza auftreten, sich von Schöpfendorf bis
Ober-Tinsko erstrecken und bis auf die Kammhöhe des Gebirges hinaufreichen
(die höchste Kuppe der Rudenza besteht ganz daraus). Wir haben sie in unserem
vorläufigen Berichte (neunter Bericht des geogn.-mont. Vereines für Steiermark,
Seite 8) zu den Guttensteiner Schichten gezählt, wozu uns die petrographische
Aehnlichkeit der dichten Kalke mit solchen, die Nähe von unzweifelhaften Gutten-
steiner Schichten an der Sottla und die Annahme einer Mulde nach dem Miniatur-
bilde der Schichten an der Sottla, die wirklich Muldenbildung zeigen, Veran-
lassung geben. Allein seither sind wir nach reiferer Ueberlegung davon abge-
kommen und glauben sie nun vielmehr mit Bestimmtheit für Grossdorner Schich-
ten erklären zu müssen. Einmal ist es unwahrscheinlich , dass in einem isolirten
Gebirge die Muldenbildung bis zu förmlicher Faltung vorgeschritten sei, so dass
die jüngeren Schichten (hier Hallstätter Dolomit) zwischen die älteren gleich-
sam eingekeilt würden, wie in diesem Falle vorausgesetzt werden müsste,
während sich durch die Annahme von Grossdorner Schichten ganz ungekünstelte
Lagerungsverhältnisse ergeben, wie im zweiten Hauptprofil zu sehen ist. Dazu
kommt noch das Vorwiegen der schieferigen Kalke und das Auftreten von Horn-
stein , wodurch diese Schichten der Grossdorner Formation auch petrographisch
näher rücken. Vor Allem aber bestimmt uns ihre innige Beziehung zu den Grün-
steinen zur jetzigen Annahme. Wir werden nämlich später sehen, dass diese
Eruptivgesteine sich immer zwischen dem Hallstätter Dolomit und die Grossdor-
ner Schichten oder zwischen diese und die Gurkfelder Kalke eingedrängt haben,
überhaupt nur mit den obersten Bildungen der Triasformation Vorkommen, wobei
diese häufig bedeutende Veränderungen erlitten, und das ist gerade an der
Rudenza ganz vorzüglich der Fall. Wir berichtigen somit unsere erste Angabe,
und bezeichnen diese
Schichten als das nörd- Fig. 13.
liebste Vorkommen der
Grossdorner Schichten.
Aus der Schichtung
dieser Gesteine war kein
sicherer Schluss zu zie-
hen, da sie sehr gestört
erscheint. Einen kleinen
Beleg dazu liefert die
Entblössung, welche bei
Schöpfendorf, da wo die
neue Strasse von Laak in
die Hauptstrasse mündet,
zu beobachten ist(Fig. 1 3).
Es bleibt uns nun noch übrig, die oben aufgestellte Behauptung zu ver-
theidigen, dass diese Bildungen noch als Glieder der Triasformation angesehen
werden müssen. Festgestellt ist vor Allem, dass die Gurkfelder Kalke stets den
Grossdorner Schickten bei Schöpfendorf, nördl. von W. Landsberg.
a dunkelgrauer Kalkschiefer mit halbzolldiinnen Schichten, b dunkler, dich-
ter Kalk in Schichten von 1 Fuss bis 1 Zoll Mächtigkeit mit Nieren von
schwarzem Hornstein, c Trümmergestein.
332
Theobald v. Zoll i ko lei.
[2
>9
Hallstätter Schichten aufliegen und ihrerseits wieder von Grossdorner Schichten
überlagert werden; davon kann man sich leicht in dem Querriss des unteren
Blanzagraben überzeugen (siehe erstes Hauptprofil). Oft folgen zwar die Gross-
dorner Schichten unmittelbar auf den Hallstätter Dolomit und vertreten dann
zugleich auch die Gurkfelder Kalke, eine umgekehrte Vertretung findet aber
nicht Statt, denn die letzteren zeigen sich nie ohne jene. Festgestellt ist ferner
durch die Untersuchungen des Herrn Bergrathes Lipoid, dass sie in Unter-
Krain von den oberen Kreideschichten bedeckt werden, somit jedenfalls älter
als diese sein müssen. So wäre wohl eine obere und untere Grenze gegeben,
zwischen welche sie zu liegen kommen, allein innerhalb derselben ist noch ein
weiter Spielraum. Herr Lipoid war geneigt, die Gurkfelder Kalke als Jura,
die Grossdorner Schiefer aber als untere Krei de anzusehen. Dies ist auch
sehr leicht begreiflich, denn bei der ohnehin schon so grossartigen Entwickelung
der oberen Trias lag die Vermuthung näher, dass diese neuen Glieder die weite
Lücke zwischen Dachsteinkalk und oberer Kreide theilweise ausfüllen werden,
als die andere, nach welcher sie die Zahl der Triasglieder noch um zwei ver-
mehren soll J). Indess bemerkt obiger Geologe schon sehr richtig, dass der petro-
graphische Charakter der fraglichen Gesteine eine Parallelisirung mit den Schich-
ten der oberen Trias gar wohl zulasse, ferner, dass auch anderwärts in den
Südalpen die Gruppe der oberen Trias zwei Schiefer- und Sandsteinablagerungen,
die durch Kalke und Dolomite getrennt sind, aufweise, deren untere den
eigentlichen St. C as si a n er Schichten , die obere den Hai bl er Schichten
entspreche (Jahrbuch 1858, Seite 272). Daraus würde sich also folgende
Schichtenreihe ergeben :
1. Untere Ablagerung von Schiefern und Sandsteinen
(auf steierischer Seite nur isolirt auftretend) ....
2. Dolomite und Kalke )
3. Gurkfelder Plattenkalke mit Hornstein (
4. Obere Ablagerung von Schiefern und Sandsteinen
(Grossdorner Schichten)
5. Dolomit
St. Cassianer Schichten.
Hallstätter Schichten.
Raibler Schichten.
Dachstein-Schichten.
Damit aber diese Reihe Gültigkeit habe, muss vor Allem nachgewiesen
werden, dass die Grossdorner Schichten wirklich von Dachsteindolomit über-
lagert werden. Dies war auf der Krainer Seite nicht möglich, da sie bald gegen
diese einzufallen, bald von ihnen abzufallen schienen. Dafür aber kann dieser
Nachweis auf steierischer Seite an mehreren Punkten mit ziemlicher Sicherheit
geliefert werden. Es lässt sich nämlich zeigen, dass den Grossdorner Schiefern
wirklich Dolomite aufruhen, die sicher nicht zur Kreideformation gehören, und
kaum anders denn als Dachsteindolomite gedeutet werden könnten, wenn auch
die wenigen und nicht immer sehr deutlichen herzförmigen Durchschnitte der
Dachsteinbivalve übersehen worden wären. Umgekehrt werden nun auch die
Grossdorner Schichten dazu dienen, die Dachstein-Schichten von den Hallstätter
Schichten zu unterscheiden, da ihre petrographische Verschiedenheit oft zu
geringe ist, um als Anhaltspunkt dienen zu können.
Am Augenscheinlichsten zeigt sich die Ueberlagerung der in Frage stehen-
den Bildungen durch Dolomit im Bistrizagraben bei Drachenburg, wie aus
D Wir selbst waren Anfangs ähnlicher Meinung, um so mehr als die Gurkfelder Kalke
uns oft lebhaft an den Biancone, die Grossdorner Schiefer aber an die Scaglia der
Lombardie erinnerten.
[23] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
333
Perkriscli. Bistrizagraben.
Dracheiiburg.
Ruine. Feistritz.
S. N.
Profil durch den Bistrizagrabcn bei Drachenburg,
a Grossdorner Schichten, b Dachsteindolomit.
Figur 14 hervorgeht. Zwar fällt Fig. 14.
der Dolomit am Eingang in die
Schlucht steil südlich ein, so-
mit gegen die schwach nach
Nord fallenden Schiefer abstos-
send; allein weiter hinein lässt
die Lagerung keine Zweifel
mehr, man wollte denn eine be-
deutende Verwerfung oder eine
grossartige Ueberkippung der
Schichten annehmen, wozu aber
kein vernünftiger Grund vor-
handen ist.
Ein zweites Beispiel der Art findet man an der Strasse von St. Peter nach
Rann: Nachdem man den höchsten Punkt der Strasse überschritten, gelangt man
in wenigen Minuten an eine Stelle, wo schöne, dichte, rauchgrau geflammte,
spathreiche Kalke der Gurkfelder Formation gleichsam mitten im Dolomite darin
liegen, so dass man sich von ihrer Erscheinung nicht genau Rechenschaft geben
kann. Später, gegen das Ende des Defile, folgen concordant auf dem Dolomite
aufruhend, grünliche und rothe dünngeschichtete Plattenkalke, die zum Theile in
Grossdorner Schiefer überzugehen scheinen , hierauf (bei den ersten Häusern
vonOber-Suschitz) wieder rauchgraue Kalke mit Grossdorner Schiefern und end-
lich auf diesen aufsitzend, eine ganz unbedeutende Masse von Dolomit, welcher
sich von demjenigen im Kern des Gebirges petrographisch nicht wohl unter-
scheiden lässt, der sich aber durch das Dazwischentreten der Gurkfelder und
Grossdorner Schichten als Dachsteinbildung erweist.
Ein drittes Beispiel der Ueberlagerung der fraglichen Schichten durch
Dachsteindolomit kann gegenüber von Gurkfeld beobachtet werden. Man verlässt
beim letzten Hause von Videm die grosse Strasse, um gegen Sremitsch hinauf-
zusteigen. Da gewahrt man bald schöne helle Plattenkalke, weiter hinauf auch
Grossdorner Schiefer, die sehr regelmässig mit einer Neigung von 60 Grad
gegen SW. (hora magn. 1 52/3) einfallen, somit den Dolomit von Gurkfeld, den
auch Herr Bergrath Lipoid als Dachsteinbildung erkannt hat, unterteufen.
Weniger deutlich ist das Verhalten dieser Formationen zum Dachsteindolomit
zwischen Reichenburg und St. Canzian, immerhin lässt es sich aber ohne beson-
dere Schwierigkeit im obigem Sinne erklären.
Obwohl diese Beispiele zur Herstellung des Nachweises genügen dürften,
so wollen wir doch noch einiger anderer Umstände gedenken, die auch darauf
hindeuten, dass die Gurkfelder und Grossdorner Schichten noch als Glieder der
Trias anzusehen sind. Dahin gehört einmal der Fall, dass der Hallstätter Dolomit
zuweilen in Grossdorner Schichten übergeht. So findet man z. B. im Reichen-
burger Becken einen schmalen Zug seeundärer Gesteine, die mitten aus den
stark gestörten Tertiärschichten hervorschauen. Er beginnt unterhalb Dousko,
woselbst er aus sehr klüftigem Hallstätter Dolomit besteht, dessen Schichten
sich beinahe seiger erheben und von Ost nach West streichen. Aber schon bei
Kalischoutz tritt an dessen Stelle schwarzer Kalk mit vielen Adern von Kalkspath,
und zwischen Loschze und Leskoutz echte Grossdorner Formation (siehe Haupt-
profil I). Alle diese Gesteine stehen somit in innigem Zusammenhänge zu ein-
ander. Etwas ähnliches ist bei St. Marein bei Lichtenwald zu bemerken, wo
ebenfalls Hallstätter und Grossdorner Schichten in einander überzugehen
scheinen.
334
Theobald v. Zollikofer.
T24]
Endlich weisen auch die Grünsteine mehr oder weniger darauf hin, dass
wir Triasglieder vor uns haben, denn sie stehen häufig in ebenso enger Bezie-
hung zum Dolomite der Hallstätter Schichten, als zu den in Frage stehenden
Bildungen. Dies geschieht namentlich im croatischen Theil des Budenzazuges,
wo letztere ganz fehlen. Umgekehrt sind dadurch die Grünsteine als ober-
triassische Bildung charakterisirt.
V. Dachsteindolomit.
Wir haben oben bemerkt, dass, wenn der Dachsteindolomit uns in den
Stand gesetzt hat, den Gurkfelder und Grossdorner Schichten ihren richtigen
Platz in der Formationsreihe anzuweisen, umgekehrt auch diese zuweilen dazu
dienen müssen, ihn von dem älteren Hallstätter Dolomit zu trennen, da die ent-
scheidende Dachsteinbivalve sich nur sehr selten zeigt (wir kennen sie nur aus
dem Dolomitzuge von Drachenburg) und die petrographischen Unterscheidungs-
merkmale mehr negativer Natur sind, als: Abwesenheit der Rutschflächen, gänz-
licher Mangel an Hornstein und weniger ausgesprochene Kurzklüftigkeit. Sonst
sind Farbe, Gefüge und Structur so ziemlich dieselben, höchstens dürfte der
Dachsteindolomit etwas körniger sein und mehr kleine Zellenräume enthalten,
als der Hallstätter Dolomit.
Jn diese Formation gehören übrigens nur der Zug von Peilenstein bis Hör-
berg und die Masse von Reichenburg mit genügender Sicherheit. Jm ersten Zuge
zeigt das Gestein wenige Schritte vorder Vereinigung der Strassen von Hörberg
und Drachenburg nach Fautsch Eigenthümlichkeiten, die übrigens rein localer
Natur zu sein scheinen. Es ist von grossen Klüften durchzogen, die gangförmig
mit einer erdigen bis sandigen Masse erfüllt sind. Zugleich zeigen sich die
Wände der Klüfte so angegriffen, dass der Dolomit sich zwischen den Fingern
zerreiben lässt. Ausserdem enthält er an den angegriffenen Stellen zahllose kleine
metallische Punkte, auch kleine Anflüge von Eisenoxyd. Ohne Zweifel haben
Quellen diese Zersetzung hervorgerufen. Nebenbei geht hier der Dolomit aus-
nahmsweise in röthlich-weissen Kalk über. Auch weiter südlich, gegen Sotzka
hin, findet sich darin eine kleine Zwischenschichte von weiss und schwarz ge-
bändertem oder geflammten Kalk.
VI. Eocenformation.
Mit dem vorigen Capitel schliesst die Reihe der normalen alpinen Bildun-
gen, die in ganz Unter-Steiermark nicht weiter hinaufzureichen scheinen, als
bis zur obersten Trias, denn der Dachsteinkalk tritt nur vereinzelt auf und auch
er wird von manchen Geologen ebenfalls noch der Trias zugeschlagen *)• Wir
kommen nun zu denjenigen Formationen, welche dem System der ungarisch-
croatischen Tertiärniederung angehören und die sich in den Vertiefungen der
alpinen Gebilde abgelagert haben. Dazu können wir auch die eocenen Schichten
rechnen, wenn sie gleich keine allgemeine Verbreitung besitzen, denn da wo
sie auftreten, sehliessen sie sich enge an die obertertiären Glieder an, während
eine bedeutende Lücke in der Formationsreihe sie von den eigenlichen Alpen-
gebilden trennt. Anders ist es freilich am Nord- und Südrand der Alpen, wo
die eocenen Schichten das oberste Glied einer ununterbrochenen Reihe von
*) Neuerdings auch von Winkler; siehe dessen „Schichten der Avicula contorta *,
München 1859.
335
£25] bie geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
Formationen bilden, die nicht nur durch gleichmässige Lagerung zusamrnen-
gehören, sondern auch durch die indessen erfolgte Hebung des Systems ent-
schieden von den später abgesetzten obertertiären Bildungen geschieden werden.
Die eocenen Bildungen beschränken sich, wie wir schon im topographi-
schen Theile dieser Arbeit bemerkt haben, auf den Nordrand des Cillier Beckens,
wo sie eine J/3 bis höchstens 1 Meile breite Zone bilden. Trotz der nicht unbe-
deutenden Mächtigkeit derselben, die sich auch nach Abzug der vielfachen Faltun-
gen der Schichten noch ergibt, setzen sie in der Tiefe doch nicht weit fort, denn
am Südrande des Beckens kommen sie nicht mehr zum Vorschein, obwohl die
Art der Hebung der darüberliegenden Schichten sie hätte hervortreten lassen
müssen, wenn sie wirklich so weit reichten. Schon am Saume des Bosenazuges
bilden sie nur mehr einen schmalen Streifen und weiter südlich zeigen sich die
letzten schwachen Spuren am Westrande des Süssenheimerberges (Rudenza-
zug). Die Sachlage mag etwa durch folgendes ideales Profil versinnlicht wer-
den (Figur 15).
Fig. 15.
Wacherzug Rudeuzazug. Rosenazug. Drau-Save-Zug.
a Grundgebiig (secundär), b eoceue Schichten, c »eogene Schichte».
In den anderen beiden Tertiärbecken sind die eocenen Schichten ganz
abwesend, können auch nicht in der Tiefe vermuthet werden, denn die anderen
Tertiärglieder haben solche Störungen erlitten, dass sogar Triasbildungen
mitten darin auftauchen, so dass allfällig vorhandene Eocengesteine unmöglich
verborgen bleiben konnten.
Die eocenen Schichten können petrographisch in drei Gruppen gebracht
werden, in: Schiefer, Sandsteine und Tuffgesteine. Eine andere Einteilung,
namentlich eine paläontologische , ist dermalen nicht möglich.
a ) Eocene Schiefer. Schieferthone von dunkler bis ganz schwarzer
Farbe und graue sandige Mergelschiefer mit feinen Glimmerschüppchen bilden
diese Gruppe, welche zugleich die unterste ist und dem Dolomite unmittelbar
aufliegt. Noch ist sie charakterisirt durch das Vorkommen von cokesbarer Kohle
(sogenannte Glanzkohle), auf welche vor Zeiten vielfach geschürft wurde,
allein ohne Erfolg, da die Flötze nirgends mächtig sind, und die Kohle meist
durch innig verwachsene Schiefer verunreinigt ist. Die verschiedenen Schürfe
am Südabhange des Drau-Save-Zuges wurden in einem früheren Aufsatze schon
angeführt (Jahrbuch 1859, Seite 214, Separatabdruck Seite 58); wir erwähnen
desshalb nur den aufrecht erhaltenen Kohlenbau von Trattna (Gewerkschaft
Schmied), südöstlich von St. Georgen, am östlichen Ende des Bosenazuges,
also am südlichen Gegenflügel der eocenen Mulde. Die Kohle ist daselbst 4 bis
5 Fuss mächtig, was bei der günstigen Lage des Baues lohnend wäre, wenn
nicht häufige Verdrücke und Vermengungen mit bituminösen Schiefern nach-
theilig auf Quantität und Qualität einwirkten. Sie streicht erst nach magn.
Stunde 6, dann 8, dann 12, so dass es den Anschein hat, als legte sich das
K. k. geologische Reichs aus lalt. 12. Band, 1801 und 18ü2. 111. Heft. 43
Theobald v. Zollikofer.
33fi
[20]
Flötz ringsum das Grundgebirge (Porphyrbreccie) an. Allerdings finden sich
auch am Südrande des Rosenazuges, namentlich bei Voglaj, mehrfach Spuren
von Kohle und Kohlenschiefern.
Noch mag die Bemerkung am Platze sein, dass der Gegenflügel der eoce-
nen Schiefer, ebenfalls mit Kohle, nach langer Unterbrechung nördlich von
Krapina in Croatien (im Matzel, Gemeinde Cjurmanic) wieder zum Vorscheine
kommt. Die Kohle ist dort 3 Fuss mächtig, streicht nach magn. Stunde 8, fällt
steil nördlich und lehnt sich, um die Analogie vollständig zu machen, ebenfalls
an porphyrartige Gesteine an, welche mit denjenigen des Rosenazuges übereiu-
stimmen.
Die Begrenzung der eocenen Schiefer ist nur nach unten ganz sicher, wo
stets Kalk und Dolomit, ausnahmsweise auch Porphyr, die Grundlage bilden;
nach oben aber gehen sie durch Aufnahme von sandigen Theilen oft unvermerkt
in Sandstein über. Desshalb ist ihre geographische Verbreitung nicht überall
mit der wünschenswerthen Bestimmtheit anzugeben, um so weniger, als die
Sandsteine selbst wieder Schiefer einschliessen. Dies scheint namentlich in der
Umgebung von Sauerbrunn Rohitsch der Fall zu sei, denn nach den Beobach-
tungen, die im Osten und Westen dieser Region gemacht werden können, sollte
man sich hier ganz in der Zone der Sandsteine glauben und zwar von Sauer-
brunn weg bis auf die Höhe des Plessiwetz, und doch sieht man an den wenigen
Punkten, wo überhaupt das Gestein auf kurze Strecken entblösst daliegt, ge-
wöhnlich mehr oder weniger feste sandige Mergelschiefer, die sich durch
Scheideblätter von Kalkspath von ähnlichen Gesteinen der nahe liegenden neo-
genen Schichten unterscheiden. Beim Jakelwirth fallen sie steil nach SSW.
(magn. Stunde l^/g), nordöstlich von Sauerbrunn schwach nach WSW. (magn.
Stunde 17), bei St. Florian endlich gegen Nord. Diese wellenförmige, noch
dazu unregelmässige Bewegung der Schichten in einer Gegend, wo ohnedies
keine genügenden Aufschlüsse vorhanden sind, erschwert die Aufgabe der
Trennung der einzelnen Bildungen ganz besonders.
Die Unsicherheit der Detailaufnahmen ausser Auge lassend, kann immerhin
behauptet werden, dass die eocenen Schiefer im Westen prädoininiren, während
sie im Osten durch die Sandsteine fast ganz verdrängt werden. Im Westen
nehmen sie beinahe die ganze Breite zwischen Kirchstätten und Hohenegg ein,
im Osten ziehen sie sich auf die Vorhöhen der Wotschkette zurück, und gegen
den Donatiberg zu sind sie nicht mehr mit Bestimmtheit nachzuweisen. Es ist
übrigens anzunehmen, dass sich Schiefer und Sandsteine gegenseitig vertreten,
so dass die obersten Schichten des westlichen der Schieferzone gleichen Alters
sein werden mit den unteren Schichten des östlichen Theiles der Sandsteinzone,
wesshalb denn auch die von uns vorgenommene Trennung in Schiefer und Sand-
steine eine rein petrographische ist.
Von grosser Wichtigkeit ist nun die nähere Bestimmung des Alters der
eocenen Schiefer, da sie zugleich maassgebend für die anderen Bildungen wird,
die keine Anhaltspunkte liefern. Von den Sandsteinen kann nur gesagt werden,
dass sie den Schiefern aufliegen, somit jünger sind, ferner, dass sie von dem
Braunkohlensystem, das den untersten Wiener Schichten entspricht, überlagert
werden, also etwas älter sein müssen. Die Tuffsandsteine geben noch weniger
Aufschluss, da sie keinem bestimmten Horizont anzugehören scheinen.
Die interessanten Untersuchungen des Herrn Dr. Stäche in Unter-Krain
und Istrien haben zur genauen Unterscheidung einer Menge von Schichten und
Schichtengruppen der Eocenformation geführt und es wäre wünschenswert!), eine
wenn auch nur theilweise Parallelisirung unserer Schichten mit jenen vornehmen
337
[27] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
zu können. Leider aber sind die gegebenen Aufschlüsse nicht genügend zu
diesem Zwecke, da wir ausser einigen nicht bestimmbaren Resten von Zwei-
scbalern nur hie und da Repräsentanten der Flora von Sotzka aufweisen können
und diese, trotz all' ihrem Reichthume an Arten noch immer Veranlassung zu
Controversen gibt. Zwar hat Herr Dr. Rolle durch seine stratigraphischen und
paläontologischen Beobachtungen in der westlichen Fortsetzung unseres Gebietes
den Sotzka-Schichten schon sehr enge Grenzen gezogen, indem er nachweist,
dass entweder, wie die Schichten von Oberburg, dem Pariser Grobkalk (etwa
Parisien inferiew:)< oder dem Mittelglied angehören, welches Herr Professor
Beyrich unter dem Namen Oligocenfor mation zwischen die eigentlichen
Eocen- und Neogengebilde eingeschaltet hat *); allein zwischen beiden kann
noch gewählt werden. Wenn wir uns nun für die eine oder die andere dieser
Formationen entscheiden müssten, so wäre es für letztere und zwar vorzüglich
desshalb, um die Schichten von Sotzka denjenigen von Sagor und Trifail näher
zu bringen, denn da ihre beiderseitigen Floren mit einander sehr nahe verwandt
sind, so ist es auch natürlich, sie in Beziehung auf ihr Alter ebenfalls so nahe
zusammenzustellen, als anderwärtige Thatsachen es nur immer gestatten. Nun
entsprechen aber die Schichten von Sagor und Trifail den untersten Ablagerun-
gen des Wiener Beckens (Horner Schichter); es liegt also im gegebenen Falle,
so lange keine anderen Gründe entgegentreten, in der Natur der Sache, sich bei
der in Untersuchung stehenden Bildung eher für oligocen, denn für rein eocen
auszusprechen, um so mehr als dadurch auch die Ansicht des Herrn Heer,
der die Sotzka-Schichten mit der unteren Süsswassermolasse der Schweiz paral-
lelisirt, mehr in Einklang mit der unserigen gebracht würde. Indessen, so
lange keine positiven Thatsachen vorliegen, welche die Frage in entscheidender
Weise lösen, haben wir keinen hinlänglichen Grund, um mit der Tradition zu
brechen. Wir behalten desshalb die althergebrachte Bezeichnung der Bildungen
dieses Capitels als eocen e einstweilen bei, um nicht vorzeitige Neuerungen und
unnütze Verwirrung zu schaffen.
b) Eocene Sandsteine. Da die Tuffgesteine, wie oben bemerkt, keinem
bestimmten Horizont anzugehören scheinen, so können die Sandsteine als das
obere Glied der Eocenformation gelten, wie dies aus den beiden Hauptprofilen
hervorgeht. Sie sind stets feinkörnig, mehr oder weniger glimmerreich, mit
thonigem Cement, daher nicht sehr fest und an der Luft zerfallend ; kurz, ihr
äusserer Habitus ist der von Molassensandsteinen. Die graue Farbe geht
durch Oxydirung an der Oberfläche in schmutziggelb über; meistens haben sie
aber auch einen Stich in’s grünliche, der von glauconitischer Erde herzurühren
scheint. Ganz im Osten unserer eocenen Zone, längs der Sottla, ist der Sand-
stein häufig intensiv grün mit violetten stark glimmerigen Ablösungsflächen, auf
welchen zuweilen kleine Wülste und Knollen sichtbar werden. Am auffallendsten
zeigt sich diese Varietät bei der Glasfabrik in Loog (östlich von Rohitsch). Ob
die in der Nähe auftretenden Dolerite mit dieser besonderen Färbung in Zusam-
menhang zu bringen sind, ist wohl nicht mit Bestimmtheit zu ermitteln.
Nördlich von Loog zeichnen sich die Sandsteine durch Absonderung in
Bänke und durch feines gleichmässiges Korn aus, wesshalb sie eine vortheilhafte
Verwendung zu Schleifsteinen finden. Das Brechen und Behauen derselben
ist mit der Zeit zu einem förmlichen Industriezweig gediehen, der bei hundert
') Rolle: Ueber die geologische Stellung der Sotzka-Schichten in Unter-Steiermark,
Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften.
Bd. XXX, 1858, Seite 3.
338
Theobald v. Zollikofer.
[28J
Menschen das ganze Jahr hindurch beschäftigt. Vom Siidahhange der Niviza bis
zum Dopolimaberg oberhalb St. Rochus sind wohl ein Dutzend Steinbrüche
geöffnet, noch mehr aber wieder aufgelassen, weil immer nur die tauglichsten
Schichten in Angriff genommen werden und auch nur so weit, als es ohne gros-
sen Aufwand von Arbeit geschehen kann. Der beste Bruch befindet sich gegen-
wärtig in der Nähe des Pototschnigbaues, woselbst Schleifsteine von 1 Klafter
Durchmesser und 10 Zoll Dicke im Gewichte von 40 Centner gebrochen werden.
Sie sind sehr gesucht und werden bis Agram, Triest und Wien versendet.
c) E o c e n e Tu f fges te i n e. Die eocene Region destillier Beckens kann
wohl zu den geologischen Merkwürdigkeiten gezählt werden, wenn man all1 die
mannigfaltigen, aussergewöhnlichen und zum Theile höchst räthselhaften und
wunderlichen Bildungen und Erscheinungen in Betracht zieht, die in ihr auf-
treten. Von diesen gehört ihr ein Tlieil nur geographisch an, z. B. die Spath-
eisensteinformation am Südabhange der Gonobitza Gora , die Felsitporphyre
und Contactgesteine aus der Triasperiode ^ endlich der Hallstätter Dolomit, der
von Tischova gegen Sternstein hin als schmales oft unterbrochenes Band, bald
in Gesellschaft mit porphyrartigem Gestein, bald allein, mitten in den eocenen
Schichten erscheint. Ein anderer Tlieil lässt ungewiss, was man daraus machen
soll, da nicht nur ihr Alter, sondern selbst ihre Entstehungsweise sehr ver-
schieden gedeutet werden kann, als eruptive, metamorphe oder Tuffbildungen.
(Wir werden unten zeigen, dass sie am wahrscheinlichsten als Porphyrbreceien
untermischt mit Contactgesteinen betrachtet werden dürfen.) Ein dritter Tlieil
derselben kann mit hinreichender Entschiedenheit als anormale eocene Bildungen
hingestellt werden. Es sind jüngere Eruptivgesteine wie Dolerite, grüne Por-
phyre und Melaphyre mit Tuffen. Ein vierter Theil endlich frappirt zwar eben-
falls durch das Ungewöhnliche und Abnorme seiner petrographischen Natur und
lässt wenigstens indirecte plutonische Einflüsse vermuthen, allein er tritt mit
den normalen Bildungen in unverkennbare Wechsellagerung und wird somit
selbst ein Glied derselben. Dieser Theil allein soll hier in Betracht kommen,
während wir alles, was mit den eocenen Schiefern und Sandsteinen nicht in be-
stimmter Normalbeziehung steht, ausscheiden, um es später unter den anorma-
len Bildungen zu behandeln.
Wir bezeichnen die Bildungen, deren hier gedacht werden soll, in Erman-
gelung eines bessern Namens als Tuffgesteine, beeilen uns aber zu bemer-
ken, dass diese Bezeichnung nur in sofern gerechtfertigt ist, als die hier häufig
auftauchenden Felsitporphyre das Material zu den genannten Gesteinen geliefert
zu haben scheinen, dass aber sonst keine directe Beziehung zwischen ihnen und
den Porphyren besteht, wie sie bei eigentlichen Tuffen vorausgesetzt wird,
denn zwischen dem Erscheinen jener und der Ablagerung dieser liegt ein sehr
beträchtlicher Zeitraum.
Die eocenen Tuffgesteine (Porphyrtuffe Rolle) haben einen sehr wandel-
baren Charakter. In der Hügelkette südlich von der Gonobitzer Gora, wo sie
eine ansehnliche Verbreitung besitzen, sind sie bald massig und felsitähnlich,
bald geschichtet und schieferig und thonsteinähnlich. Eben so verschieden ist ihre
Färbung, doch herrschen weiss, roth und grün vor. Zwischen Hohenegg und
Trennenberg, wo wieder ein grösserer Streifen dieser Gesteine sich befindet,
sind sie licht, thonsteinartig und schieferig bis schuppig. Am Rosenazuge, den
sie als schmales Band umsäumen, erinnern sie häufig an die Erscheinungen bei
Tüffer, indem sie mehr weniger hornsteinähnlich auftreten, ausgezeichnete
Schichtung zeigen und durch die verschiedene Färbung der kaum zolldicken
Lagen ein eigenthiimlich gebändertes Aussehen erlangen, gerade wie die Gesteine
339
[29] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
im Reasgraben bei Tüffer (siehe Jahrbuch 1859, Seite 196, Separatabdruck
Seite 40); man könnte sie füglich Felsitschiefer nennen, und der Gedanke,
dass sie durch Umwandlung von Schieferthon entstanden, liegt sehr nahe,
obwohl das metamorphosirende Agens noch ein Räthsel bleibt. Solche Felsit-
schiefer sind bei Tsehernelitza südöstlich von St. Georgen (im ersten e vorn
Worte Tsehernelitza auf der Stabskarte), dann hei Koinitze, am Fusspfad von
St. Ruperti nach Store, zum Theile auch bei St. Johann im Vodruschgraben, da
wo die tieferen Schichten sichtbar werden. Die höheren sind nämlich schon
verändert, sehen mehr tnffartig aus, sind licht von Grundfarbe und dunkelgrün
gesprenkelt, gerade wie manche Tuffe am St. Michaelsberg bei Tüffer. Diese
Varietät ist am besten an der Strasse von St. Georgen nach Montpreis, etwa
eine Viertelstunde südlich von Tsehernelitza, entblösst, woselbst sie in den
oberen Schichten sogar Kohlenschnüre mit 1 Fuss mächtigem Kohlenschiefer
einschliesst.
Die letzten Spuren von eocenen Tuffgesteinen finden sich am Westende des
Rudenzazuges bei Baudnitza (südwestlich von Süssenheim) und im Schöger-
graben. Dort sind sie mehr sandsteinartig, schmutzigwreiss mit grünen Flecken,
ähnlich wie manche Arten der Diorittuffe des Herrn Rolle, zum Theile auch
mit schaliger Absonderung, wie die Schallsteine bei Tüffer (Jahrbuch 1859,
Seite 196, Separatabdruck Seite 40).
Dass die Tuffgesteine keinem bestimmten Horizont angehören, sondern bald
an die Stelle der Schiefer, bald an diejenige der Sandsteine treten, geht schon
aus Figur 16 hervor, wo sie sowohl in den untersten, wie in den obersten
Schichten der ganzen Reihe der Eocenbildungen auftreten.
Fig. 16.
Trennenberg'. Gora. Seitzkloster.
Querschnitt durch die eocene Zone zwischen Trennenberg und Seitzkloster.
P Felsitporphyr, C Contactgesteine, H Hallstätter Kalk, D Dolerit, ft eocene Schiefer, b eocene TulTgostoino,
c Neogenforraation.
Am Rosenazuge repräsentiren sie fast allein die ganze Eocenformation , da
ausser bei Trattna weder Schiefer noch Sandsteine dieser Schichtengruppe
Vorkommen.
VH. Neogene Bildungen.
Die ncogenen Bildungen haben den grössten Anspruch auf unsere Aufmerk-
samkeit und werden uns auch länger beschäftigen. Sie bedecken etw a die Hälfte
des ganzen zu beschreibenden Gebietes; dabei ist ihre Mächtigkeit bedeutend,
und kann, wenn auch nur annähernd, da die wellenförmige Bewegung der
Schichten eine genaue Bestimmung erschwert, wohl auf 350 bis 400 Klafter
geschätzt werden. Freilich ist sie nicht mehr überall vorhanden, da die obersten
Schichten nicht selten zum grossen Theile weggeschwemmt worden sind. End-
lich bieten diese Schichten nicht wenig Interesse in wissenschaftlicher und tech-
nischer Hinsicht: in wissenschaftlicher, weil sie durch bestimmte petrographische
340
Theobald v. Zollikofer.
[3«]
Charaktere meist eine sichere Trennung und durch die darin enthaltenen Fossil-
reste eine Paralleiisirung derselben mit analogen aus dem Wiener Becken ge-
statten; in technischer, weil sie Braunkohlenflötze führen, die an mehreren
Stellen abbauwürdig sind, und weil' die darin auftretenden Leithabildungen ein
geschätztes Baumaterial liefern, was um so mehr Beachtung verdient, als es bei-
nahe das einzige taugliche der ganzen Gegend ist.
Die Untersuchungen der Neogenformation haben zu dem Besultate geführt,
dass die drei Becken von Cilli, Reichenburg und Bann auf gleiche Weise aufge-
baut sind, indem mit Weglassung der eocenen Bildungen, die den zwei letzteren
fehlen, überall dieselbe Schichtenreibe mit denselben petrographischen und
paläontologischen Charakteren auftritt. Nur selten kommen parallele Bildungen
von verschiedener Entstehungsart vor und auch dann nur unter Verhältnissen,
die ihre gleichzeitige Ablagerung ausser allen Zweifel setzen. Wir können somit,
um zu häufige Wiederholungen zu vermeiden, der Einzelnbeschreibung der
Tertiärbecken eine allgemeine Schilderung der Formationsreihe vorausschicken.
Es lassen sich ohne Schwierigkeit vier grössere Schichtencoinplexe unter-
scheiden, die drei verschiedenen geologischen Horizonten angehören. Diese
sind von unten nach oben :
1. Braunkohlensystem. . Horner Schichten
2. Leithakalkbildungen . / T c i • u*
0 T .Al , ® > Leitha-Schichten
3. Leithamergel J
4. Sandsteingruppe *) . . Congerien- und Melanopsenschichten
1. Braunkohlensystem. Vorherrschend sandig-mergelige Schichten,
die vom eigentlichen Letten, der zuweilen das Liegende bildet, durch Aufnahme
von Sand gegen oben nach und nach in Molassensandsteine übergehen. Petro-
graphisch unterschieden sie sich nicht immer von der dritten Gruppe , allein
trotzdem können sie nicht leicht verkannt werden, auch da nicht, wo keine Petre-
facten vorgefunden worden, denn erstens bilden sie stets das unterste Glied der
neogenen Reihe, liegen also, wo keine eocenen Schichten als Grundlage vor-
handen sind, unmittelbar den Alpenkalken auf, zweitens werden sie stets von
Leithasehichten überlagert,' die durch ihre unverkennbare Natur einen sicheren
Horizont bilden und endlich sind sie durch Braunkohlenflötze charakterisirt , die
so zu sagen nie fehlen, wenn sie auch zuweilen zu unbedeutenden Kohlen-
schnüren zusammenschrumpfen. Gewöhnlich ist nur ein Flötz da, welches
zuweilen durch dünne Zwischenmittel in mehrere getheilt ist. Wohl treten hie
und da auch zwei und selbst vier Flötze auf, die durch mehrere Klafter mächtige
*) Das Studium der Neogenformation dieser Landesparcelle musste nothwendiger Weise
erläuternd und berichtigend auf die im Sommer 1858 gemachten Untersuchungen in der
westlichen Fortsetzung, namentlich im Golf von Tüffer (mittlerer Braunkohlenzug: Jahr-
buch 1859, Seite 174, Separatabdruck Seite 12 ff.), zurückwirken. Die hier angeführte
Formationsreihe muss sich auch dort nachweisen lassen, was denn auch in der That der
Fall ist und aus den verschiedenen beigefügten Profilen (besonders aus Figur 13) hervor-
geht. Es ist aber eine Berichtigung bezüglich der dort angegebenen Leithabänke nöthig.
Es ist möglich, dass wirklich mehrere durch Mergel getrennte Bänke existiren, da diese
Mergel doch nur eine andere Facies der Leitha-Schichten sind; es ist aber auch möglich,
wenn gleich schwer bestimmt nachzuweisen, dass sie nur eine Folge von Verwerfungen
einer einzigen Bank darstellen, ohne dass die tiefer liegenden Kohlenschichten sichtlich
davon berührt worden wären. Was die Leithakalkbank im Liegenden der Kohle betrifft,
so ist sie sicher nicht an ihrem Platz. Wie sie aber in diese anomale Lage kommen
konnte, ist uns noch nicht klar geworden, seihst nicht nach Befahrung des D u 1 1 n i g’schcn
Unterhaustollen hei Gouze (August 1859), welcher die Flötze vom Uetschitzgraben aus
anfahren soll.
des Wiener
Beckens.
[ 31 J Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 341
Mittel von einander getrennt sind; es ist aber bei den meist dürftigen Auf-
schlüssen nicht vorauszusehen, wie viel auf Rechnung von Verwerfungen gesetzt
werden muss, die in den Kohlenrevieren nur allzu häufig sind. Die Mächtigkeit
der Flötze ist sehr verschieden und fällt von einigen Klaftern auf wenige Fuss
hinunter. Im Allgemeinen kann jedoch behauptet werden, dass sie von West
nach Ost, das heisst: nach der offenen Seite hin, abnimmt, was auch in der
Natur der Sache liegt, denn ein enger Golf, wie derjenige von Tüffer, oder ein
Binnensee, wie das Reichenburger Becken, musste die Anhäufung von Material
zur Kohlenbildung mehr begünstigen, als ein offenes Meer.
Die Kohle ist schwarz, compact, seltener schieferig (gewöhnlich nur da,
wo die Flötze verdrückt sind), ohne die leiseste Andeutung von Holzstructur,
von mattem Glanz (daher auch Glanzkohle genannt) und scharfkantigem, leicht
muscheligem Bruche. Eine geringe Menge von Schwefel und fein vertheiltem
Schwefelkies verunreinigt sie etwas; im übrigen aber liefert sie ein treffliches
Brennmaterial, backt aber nicht.
Das ganze Schichtensystem ist meist stark gehoben und steht zuweilen
beinahe ganz aufgerichtet; die Streichungsrichtung ist derjenigen des Grund-
gebirges conform, somit ziemlich genau eine westöstliche. Das Liegende enthält
gewöhnlich keine Versteinerungen, um so häufiger dafür die Hangendschichten.
Wir können folgende Arten mit Bestimmtheit anführen ):
1. Cerithium margaritaceum Brg. : Hörberg, Drachenburg, St. Hema bei
Windisch-Landsberg, Trobenthal. Ueberall häufig.
2. Cerithium plicatum Lmk.: Hörberg, Drachenburg (scheffelweise),
Trobenthal.
3. Py r ula Lainei Bast.: Hörberg.
4. Mytilus Faujasi Brg. (M. Haiding eri Hörnes) : Hörberg.
5. Cardium echinatum Lin. (C. Deshayesi Payr.): Drachenburg.
6. Venus incrassata , varietas stiriaca Bolle (?) : Trobenthal.
Ebenfalls diesen Schichten scheinen die grossen und kleinen Haifischzähne
anzugehören, die zuweilen in der Gegend von Gairach gefunden werden , und
von den Landleuten die Benennung „Teufelskramperln“ erhalten haben. Herr
v. Morlot hat daselbst ein grösseres Fragment von einem Haifischgebiss ent-
deckt, dessen zahlreiche Zähne oft noch in Kieferresten stecken. Der grösste
Zahn misst 3 Zoll und lässt auf ein Thier von wenigstens 30 Fuss Länge
schliessen. Herr Heckei hat sie bestimmt und gefunden, dass sie je nach dem
Platze verschieden sind und zugleich Carcliarodon rectidens, C. polygyrus und
C. subauriculatus entsprechen; ein kleiner Eckzahn stimmt sogar mit der
Gattung Corax zusammen. Alle diese Arten müssen somit vereiniget werden
(Jahrbuch 1831, Heft I, Seite 149). Die kleinen Zähne, die in Felder zerstreut
herumliegen , werden der Gattung Lamna angehören.
Diese Fauna trägt somit ganz den Charakter derjenigen der Horner
Schichten oder der untersten Bildungen des Wiener Beckens an sich 2). Be-
sonders sprechen die beiden Cerithien-Arten dafür , welche in unserer Gegend
an verschiedenen Orten massenhaft auftreten , während sie in den höheren Hori-
zonten der Wiener Schichten nicht gefunden werden. Die Pyrula Lainei Bast.
0 Die Bestimmung dieser und nachfolgender Petrefaeten verdanken wir der zuvorkom-
menden Güte der Herren Director Hörnes und Dr. Rolle.
3) Rolle: Geologische Stellung der Horner Schichten in Nieder-Oesterreich. Sitzungs-
berichte der mathem.-natwnv. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften, ßd. XXXIV,
Seite 37.
342
Theobald v. Zollikofer.
m
ist aus der Umgehung von Bordeaux (Merignac, Dax, Saucats) bekannt, wo sie
sieh ebenfalls zu den beiden Cerithien gesellt. Diese Schichten stehen somit hart
an der unteren Grenze der Neogenformation, wenn sie nicht etwa schon in die
Oligo c en form ation hineinreichen. Auf das letztere deuten zwei Erscheinun-
gen im Westefi des Cillier Beckens: Erstens zeigt sich bei Buchherg, westlich
von Cilli, mit dem Cerithium margaritaceam eine Varietät der oligocenen Venus
incrassata Soiv., welche Herr Rolle näher beschrieben hat <). Zweitens führen
die Braunkohlenschichten hei Tüffer und noch häutiger hei Trifail und Sagor
(wo sie als Uferbildungen erscheinen, sonst aber vollkommen mit den östlich
liegenden zusammenstimmen). Blätterabdrücke, die sämmtlich der Flora von
Sotzka angehören (Jahrbuch 1859, Seite 177, Separatabdruck Seite 2t). Damit
soll zwar nicht gesagt sein, dass sie mit den Sotzka-Schichten gleichen Alters
seien; nein, sie sind jedenfalls jünger , weil jenen aufgelagert, aber immerhin
dürften sie jenen ziemlich nahe stehen, wie sowohl die Lagerungsverhältnisse als
die Uehereinstimmung der Floren beweisen.
2. Leithakalke und Sandsteine. Dazu gehören die unter den Namen
Korallenkalk, Grobkalk und Nulliporenkalk häufig angeführten Gesteine mit ihren
mergeligen und sandigen Facies, ferner eine Reihe von feinen und groben Sand-
steinen mit kalkigem Bindemittel, welche sich von anderen leicht unterscheiden
lassen und unten näher besprochen werden sollen. Sie alle treten wegen ihrer
Widerstandsfähigkeit gegen Zerstörung stets deutlich hervor, wie schon im topo-
graphischen Tlieil des Aufsatzes bemerkt worden, und bilden Bänke und Riffe
von 20 bis 30 Klafter Mächtigkeit. Man hat bisher oft gezaudert, sie trotz der
petrographischen Aehnüchkeit mit dem eigentlichen Leithakalk des Wiener
Beckens zu identifieiren, allein nach den daraus gesammelten Petrefacten er-
weisen sie sich bestimmt als solche.
Echte Nulli porenri ffe kommen seltener vor und erstrecken sich gewöhn-
lich nicht sehr weit. Solche finden sich bei Tüffer und Steinbrück, dann im Zuge
von Montpreis und im nördlichen Theile des Reichenburger Beckens. Zuweilen
erscheint der Kalk echt oolithisch (St. Maria, oberhalb Blanza) bis travertin-
artig mit an der Oberfläche ausgewaschenen Hohlräumen zwischen den Körnern
(Doboize, nördlich von Reichenburg). In der südlichen Hälfte des Cillier Beckens,
so wie in den beiden anderen finden sich am häufigsten gelbliche, theils reine,
theils sandige Kalke mit zerstreuten Nulliporenknollen und zahlreichen Ostraco-
den und Pectiniten, bald in ganzen oft riesigen Exemplaren, bald in Fragmenten.
Diese Zweischaler bilden zuweilen ganze Bänke für sich allein, wie z. B. am
Heiligenberg von Hörberg, wo wir unter anderen die untere Schale einer Auster
fanden, die V/z Fuss lang und mehrere Zoll dick war. Diese Facies der Leitha-
kalke lässt sich schon aus einiger Entfernung leicht erkennen, da die Oberfläche
des Gesteines eigenthümlich zerklüftet ist, indem zwei Systeme von parallelen,
wenig auseinander stehenden Spalten sich kreuzen. Diese Zerklüftung erschwert
zuweilen die Erkennung der Fallrichtung der Schichten.
Die festen Kalke gehen nicht selten in mergelige über und zwar nicht blos
von unten nach oben, sondern auch in seitlicher Richtung. Sie haben dann einen
unebenen, erdigen Bruch und nehmen das Aussehen von grober, unreiner Kreide
oder von feinem, compactem Kalktuffe an. In jedem Falle sind sie aber, selbst
ausser allem Verbände mit anderen Leithakalken, leicht als solche zu erkennen.
*) Rolle: Neue Acephalen-Arten aus den unteren Tertiärschichten Oesterreichs und Steier-
marks. Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissen-
schaften, Bd. XXXV, Seite 198.
[33] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 343
Beispiele davon finden sieb bei Markt Leinberg, im Hafnerthal bei Licbtenwald,
bei Lovke (nördlich von Reichenburg) u. s. w.
Eine dritte Facies der Leithakalke sind die Kalksandsteine, die beson-
ders in der nördlichen Hälfte des Cillier Beckens prädominiren. Sie sind bald
feinkörnig, bald grobkörnig und gehen selbst in eigentliche Conglomerate über,
die als Mühlsteine verwendet werden können, wie am Donatiberg und südlich
von St. Georgen. Die Bestandtheile sind abgerundete Fragmente von Quarz,
grünen Porpbyrtuffen , Dolomit und Kalk. Mitunter finden sich auch hohle Ge-
schiebe darin. Das Cement ist Kalk und meist in reichlicher Menge vorhanden.
Nulliporen sind in den feineren Sorten sehr häufig, in den gröbern seltener, oder
fehlen auch ganz; dagegen enthalten sie alle viele Bryozoen, so dass man sie
auch die „Bryozoenfacies“ nennen könnte. Wenn auch manchmal Bryozoen
und Nulliporen ganz fehlen, so unterscheiden sich die Leithasandsteine immer
noch leicht von den Sandsteinen und Conglomeraten der höheren Schichten,
indem sie wenigstens kleine, weisse Kalkpunkte erhalten, die ihnen ein mehr
weniger oolithisches Aussehen verleihen. Ausserdem charakterisirt sie das Cement,
das nie thonig ist, wie bei den anderen, und die Abwesenheit von Glimmer-
schüppchen.
Zwischen Leithakalk und Leithasandstein können alle möglichen Uebergänge
beobachtet werden, oft in sehr kurzer Distanz in ein und derselben Schichte, so
dass die nahe Verwandtschaft und die Gleichzeitigkeit ihrer Bildung nicht dem
leisesten Zweifel unterliegt.
Alle Gesteine dieser Gruppe sind als Baumaterial ausgezeichnet und sehr
gesucht, selbst die Mergelkalke nicht ausgenommen. Es sind desshalb auch
überall Steinbrüche darein eröffnet. Wir nennen beispielsweise nur diejenigen
bei St. Georgen, St. Marein , Sauerbrunn Rohitsch, Lovke und Lichtenwald.
Auch zum Kalkbrennen werden die reineren Sorten vielfältig verwendet. Endlich
dienen sie auch als Unterbau für Strassen und als Strassenschotter, da wo keine
Dolomite oder porphyrartige Gesteine in der Nähe sind.
Folgende ist die Liste der von uns darin gesammelten Petrefacten :
1. Pecten latissimus Defr.: Hörberg, Lovke, Tütfer, Hrastnig.
2. Pecten spec., vielleicht nur eine Varietät von P. latissimus , aber mit
10 (statt 7) gleichmässigen Rippen auf dem Rücken der gewölbten Unterschale:
Hörberg.
3. Pecten Malvinae Bub. (P. opercularis Goldf.J : Hörberg.
4. Peden sarmenticius Goldf : Drachenburg.
5. Peden pusio Penn.: Store.
6. Venus spec ., der Venus Haueri sehr ähnlich: Drachenburg.
7. Ostrea cochlear Poli: Drachenburg, Tüffer.
8. Cardium vindobonense Partsch:
9. Modiola volhynica Eichw.:
10. Modiola marginata Eichw . :
11. Trochus spec., an Tr. pidus erinnernd:
Endlich Austern, Pecten, Cidariten, Clypeaster, Bryozoen u. s. w., die nicht
näher hestimmbar waren.
Wie man sieht, haben die Schichten im Hafnerthal, die aus einem sehr
mergeligen muschelreichen Kalk bestehen, ihre eigene Fauna und zwar eine
brackische. Auch der feste gelbliche Kalk von Lichtenwald und St. Marein
weicht vom gewöhnlichen Leithakalke ab, da er ausser Schalen von Austern und
Pectiniten viele Sternkerne von Gasteropoden enthält ( Natica , Trochus , Conus
mit C. Brochii verwandt), während sie im übrigen Leithakalke Uuter-Steier-
44
Hafnerthal bei Lichtenwald.
K. k. geologische Reichsanslalt. 12. Baml. 1861 und 1862. III. Heft.
344
Theobald v. Zollikofer.
[341
rnarks zu fehlen scheinen. Herr v. Morlot führt ausserdem noch ein Ceii-
thium rubiginosum aus diesen Schichten an. Paläontologisch scheint diese
Facies nach der Ansicht des Herrn Dr. Rolle einem höheren Horizonte anzuge-
hören; petrographiseh und stratigraphisch aber entsprechen sie dem Leithakalk.
3. Leithamergel. So nennen wir einen grossen Complex von Kalk- und
Sandmergelschichten, die unmittelbar auf dem Leithakalke liegen und ihm
paläontologisch zu nahe stehen, um nicht trotz der grossen äusserlichen Ver-
schiedenheit mit ihm in eine Altersgruppe gesetzt zu werden.
Die Kalkmergel sind fest, von lichter Farbe, dünngeschichtet bis schieferig.
Man trifft sie am häufigsten in der westlichen Hälfte des Cillier Beckens. Die
Sandmergel sind dunkel, weich, selten schieferig, oft nicht einmal deutlich
geschichtet; Letten und Sand wechseln damit ab. Sie finden sich im östlichen
Theile des Cillier Beckens; in den beiden anderen Becken treten sie nur selten
unter den Schichten der vierten Gruppe zu Tage.
Petrefacten kommen hie und da seltener vor, doch hat nur eine Localität
eine kleine Reihe bestimmbarer Arten geliefert. Es ist dies ein Hohlweg in der
kleinen Anhöhe nördlich von Bresie, fast in der Mitte zwischen St. Marein und
Süssenheim (genauer 3 Millimeter über dem 5 von Stermiitze auf der Stabs-
karte). Daselbst finden sich:
1. Tliracia ventricosa Phil. (Lntraria convexa Soic.)
2. Corbula carbmta Duj,
3. Cytherea spec.
4. Pholadomya alpma Math.
3. Rostellaria spec., ähnlich R. pes pelecani.
6. Ceritliium spec.
Ausserdem fanden wir noch hei Ponigel eine Lucina , dieselbe, welche hei
St. Nikolai ob Römerbad so häufig vorkömmt *) (Jahrbuch 1839, Seite 178,
Separatabdruck Seite 22), dann nördlich von Peilenstein eine Menge schöner
Exemplare von Ostrea cochlear Poli, endlich bei St. Lorenz, unweit Store und
am Nordabhange des Schibeneggberges (südlich von St. Georgen) Fisch-
schuppen.
4. Sandsteingrupe (Congerien- und Mel an opsen sch ich len).
Wir haben diesen Schichtencomplex im vorläufigen Berichte des steiermär-
kischen geognost.-montanistischen Vereines „Lignitsystem“ genannt, da
aber nur im Reichenburger Becken „Lignit“ darin vorkommt (damit bezeichnen
die Bergleute jüngere Braunkohle mit deutlicher Holzstructur) und noch dazu
nur mit 1 bis 2 Fuss Mächtigkeit, so schien uns die Bezeichnung nicht allge-
mein genug und wir ziehen vor, obige Namen zu wählen, von welchen der erste
den vorwaltenden petrographischen, der zweite den paläontologischen Charakter
ausdrückt.
Molassensandsteine und lockerer Sand kommen in dieser Gruppe
fast ausschliesslich zur Geltung; Conglomerate, Lehm mit Gerollen und Mergel
sind mehr vereinzelte Erscheinungen. Der Sandstein gehört dem Cillier Becken
an, der lockere Sand den beiden anderen. Sie unterscheiden sich eigentlich
nur durch den Grad der Cohäsion von einander. Beide sind grau bis röthlich-
gelb, glimmerführend, thonig und von feinem gleichmässigem Korn, und der
Sand ist am Ende nichts anderes als ein aufgelöster Sandstein, der in den tief-
*) Von den daselbst vorkommenden Petrefacten hat Dr. Rolle seither eine neue Species
als Nucula Zollikoferi Rolle beschrieben. Sitzungsberichte der kais. Akademie der
Wissenschaften, mathem.-naturw. Classe, Bd. XXXV, Seite 104.
[35] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 345
ausgewaschenen Gräben des Reichenburger Beckens auch wirklich zum Vor-
schein kommt. Der Sandstein eignet sich wegen seines thonigen Cementes nicht
zu äusseren Bauten, wohl aber zu inneren, besonders zu Kaminen, Herden,
Feueressen und dergleichen, da er bis zu einem gewissen Grade feuerbeständig
ist. Die Conglomerate, theilweise mit hohlen Geschieben, liegen unter dem
Sandsteine. Wir kennen sie blos bei Bresie und bei Maria Dobie (nördlich von
Montpreis). Zuweilen trifft man auch einen thonigen oder sandigen Lehm, von
zahlreichen Gerollen durchsetzt, als ganz oberflächliches Gebilde, welches
wahrscheinlich, wie sein Analogon im Drannthal, durch die Auflockerung und
theilweise Zersetzung von Conglomeraten entstanden ist, die möglicher Weise
in der Tiefe noch unversehrt zu finden sein möchten. Zwischen dem Fautschberg
und Vierstein (Cillier Becken) besteht das Gerolle aus weissem Quarze in hasel-
nuss- bis kirschgrossen runden Stücken, nordwestlich von Reichenburg aber
und zwischen dem Loibersberg und Sdolle (Ranner Becken) aus Quarz, bunt-
farbenem Jaspis, Gailthaler Sandstein, vorzüglich aber aus rothem Werfener
Sandstein in faustgrossen Stücken.
Die wenigen organischen Ueberreste, die wir in der Sandsteingruppe zu
beobachten Gelegenheit hatten, differiren zwar von einem Becken zum anderen,
sind aber nirgends mit der aus den geologischen Verhältnissen hervorgehenden
Ansicht der gleichzeitigen Ablagerung im Widerspruche, sondern bestätigen sie
vielmehr. Im Cillier Becken trifft man Blätterabdrücke von Cinnamomum bei
Sucho (zwischen St. Georgen und Montpreis) und eine Cypris-Art, wahrschein-
lich Cypris faba Desm. im Mergel von Satteldorf. Im Ranner Becken kommen
oberhalb Birkdorf (südlich von St. Lorenzen) zwei Cardien-Arten und eine Con-
geria-Art vor, die sämmtlich neu sind, von denen aber vorläufig gesagt werden
kann, dass sie sich ebenfalls in den obersten Schichten der ungarischen Tertiär-
niederung finden. Das Reichenburger Becken endlich bietet eine kleine Reihe
charakteristischer Fossilien , welche die Sandsteingruppe Unter-Steiermarks mit
den Congerien- und Melanopsenschic hten oder mit den obersten
Brack- und Süsswasserablagerungen des Wiener Beckens in eine
Linie bringt. Wenige Minuten unterhalb Kumreuz, genauer 2 Millimeter unter
dem K von Kumreuz der Stabskarte, findet man nämlich in dem Sand, der den
hohen Uferabsturz des Baches bildet:
1. Congeria Partschii Czjzek ,
2. Congeria spec.,
dann, einige hundert Schritte weiter oben am Bache ein seiger aufgerichtetes
Flötz von Lignit 1 Fuss mächtig mit vollkommen erhaltener Holzstructur und
über diesem eine Sandschichte mit
3. Melanopsis pygmaea Part sch,
4. Melanopsis Aquensis Gratei .,
5. Paludina stagnalis Bast.,
6. Nerita ( Neritina ) spec., sehr ähnlich mit N. Grateloupana Fer., aber
mit auffallend stark verdickter Spindelschwiele.
Noch sei bemerkt, dass wir oberhalb St. Canzian ein grösseres Fragment
von einem verkieselten Baumstamm getroffen haben , der einer Peuce-Art anzu-
gehören scheint.
Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über die Neogenformation, welche
selbst schon manche Detailangaben einschliessen, haben wir nur noch einige
specielle Daten über Lagerungsverhältnisse und technisch wichtige Punkte der
einzelnen Becken nachzutragen.
44 *
346
Theobald v. Zollikofer.
[30]
a) Cillier Becken. Das Eingreifen zweier Gebirgszüge zweiten Ranges
in dieses Becken hat, wie schon oben gezeigt wurde, eine wellenförmige
Hebung des ganzen Tertiärsystems zur Folge gehabt. Statt einer grossen Mulde
sind deren mehrere entstanden, die jedoch im Westen eine andere Anordnung
haben als im Osten (Fig. 6 und 7), so dass sie gegen die Mitte zu, etwa im
Meridian von Ponigel, auseinander Giessen. Es geht daraus hervor, dasss die
verschiedenen Schichtengruppen nicht blos zwei Mal, wie dies zu beiden Seiten
einer einzigen Mulde geschehen müsste, sondern weit öfter zu Tage treten
werden.
Das Braunk o hlen sy stem zeigt sich überall an den Rändern der Ge-
birge: zu beiden Seiten des Rosenazuges, zu beiden Seiten des Rudenzazuges
und am Nordrande des Wacherzuges , also fünfmal. Es sollte aber der Voraus-
setzung nach ein sechstes Mal auftreten und zwar an der Grenze zwischen der
neogenen und eocenen Zone, also längs der Linie Hohenegg-Rohitsch. Dem ist
aber nicht so. Zwischen Hohenegg und Ponigel ist überhaupt nichts zu sehen und
von Ponigel bis Sauerbrunn Rohitsch liegt der Leithakalk, wie es scheint, unmittel-
bar auf den Eocengebilden. Unweit Sauerbrunn, nahe bei der Kirche von Heiligen-
kreuz, kommt nun allerdings ein Flötz vor, allein die Lagerungsverhältnisse , so
undeutlich sie auch im Ganzen sind, machen es wahrscheinlich, dass es zur
Sandsteingruppe gehöre t)- Figur 17.
Fig. 17.
H. Dreifaltigkeit.
Sottla. Heiligenkreuz. Sauerbrann.
Lagerungsverliältnlsse des Flötzes von Hciligenkreuz.
a Eocenformation, b Leithakalk, c tertiärer Sand mit einem Braunkuhlenftötz, d Alluvium.
Ein Schürfstollen hat es gegen 80 Klafter weit aufgeschlossen; es ist
3 Fuss mächtig, steil aufgerichtet und streicht ziemlich genau von Ost nach West.
Eine westliche Fortsetzung davon ist uns nicht bekannt.
Abgesehen von diesem Flötze treffen wir den ersten Braunkohlenzug am
Nordabhange des Rosenazuges in der Fortsetzung der Beckenreihe Ostrowitz-
Petschounig (Jahrbuch 1859, Seite 182, Separatabdruck Seite 2G). Er beginnt
für uns mit dem v. Putzer’schen Kohlenbau von Petschoje oberhalb Store, der
noch auf oben citirter Seite beschrieben wird, kann aber blos bis gegen Kraint-
schitza verfolgt werden. Bei Laskowetz und beim Bauer Komposcheg sind Schürfe
darauf, die aber wenig versprechen. Die Lagerungsverhältnisse bieten nichts
besonderes.
Der zweite Kohlenzug begleitet das Rosenagebirg im Süden; es ist die
östliche Fortsetzung desjenigen von Hrastnig-Tüffer. Zwischen Tiiffer (Reyer-
scher Bau) und St. Ruperti ist das Flötz, so viel wir wissen, bis jetzt noch nicht
Ob dieses Flötz mit den östlich davon auf croatischer Seite gelegenen von Tabor, Prizlin,
Klenoves und Lupinjak in Verbindung gebracht werden müsse, bleibt erst noch durch
genaue topographische und geologische Aufnahmen nachzuweisen. Leider fehlt dort der
sicherste Horizont, der Leithakalk.
[37] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 347
nachgewiesen worden und bei St. Ruperti wird erst darnach gesucht. Wir haben
aber Grund zu vermuthen, dass es da sei, weil nur 800 Klafter weiter gegen
Süden ein Gegenflügel des Braunkohlensystems sichtbar wird, in dem zwei Flölze
aufgeschlossen wurden (Figur 18). Ob es mächtig sein werde, ist eine andere
Frage.
Fig. 18.
Koinize. St. Ruperti. Horiac. Trobenthal. Hügelzug von St. Leonhard.
G Gailthaler Schichten mit Eisensteinlager, H Hallstätter Kalk, F eocener Felsitschiefer, a Braunkohlensystem
mit Flötzen, b Leithakalk und Leithasandstein, c Leithamergel, hell, schieferig.
Weiter östlich ist es aus einigen Schürfen am Nordabhange des Kalobie-
berges bekannt (Hauptprofil I). Bei Schleinitz und St. Stephan ist ebenfalls Kohle
aufgefunden worden, da wir aber nicht an Ort und Stelle waren, so können wir
nicht entscheiden, ob sie noch diesem oder dem naheliegenden folgenden Zug
angehört. Fallen die Schichten gegen Süden ein, so gehört sie noch hieher, im
entgegengesetzten Falle nicht mehr.
Die beiden folgenden Züge müssen in umgekehrter Richtung von Ost nach
West verfolgt werden, da sie dem Rudenzagebirge aufliegen und somit gegen
Westen auskeilen. Beide sind schon in der Gegend von Krapina in Croatien
durch mehrere belehnte Baue des Montan-Aerares und des Grafen Festetits
de Toi na bekannt; der Flötzzug des Nordabhanges des Gebirges bei Cjurmanic
und Zutnica, derjenige des Südabhanges bei Radoboj, Krapina, Ocericek und
Brezoves. Auf steierischer Seite müssen wir das eine längs dem Tinskobach
(Nordseite der Rudenza) wieder aufsuchen. Hier finden wir denn auch am Süd-
abhange des Hügelzuges, auf welchem die Kirchen St. Urban, St. Anna, St. Maria
und St. Johann stehen, öfter kleine Flötze von einigen Zoll bis zu 2 Zoll Mäch-
tigkeit, die aber gewöhnlich keine Ausdauer zeigen, wie mehrere Schurfversuche
dargethan haben. Es besteht aber daselbst noch ein belehnter Bau (Gewerkschaft
Rem schmidt), der einige Zeit Kohle an die Südbahn geliefert hat, was aber
bei der geringen Mächtigkeit des Flötzes und der grossen Entfernung der Eisen-
bahnstation Pöltschach nicht lohnend sein konnte. Die Vorkommen von St. Ste-
phan und Schleinitz als schon genannt übergehend, gelangen wir an den Süd-
abhang des Kalobieberges, wo der Gegenflügel des vorigen Flötzes auftroten
soll und endlich zum Horiakbau (Figur 18), wo zwei Flötze von 3 bis 4 Fuss
Mächtigkeit ausbeissen und nun durch einer Unterbau -Stollen angefahren
werden sollen. Sie fallen mit 50 Grad gegen Nord und haben zum Liegen-
den und Hangenden Molassenstandsteine mit Zwischenschichten von Mergel.
Zweifelsohne correspondiren sie mit den nur einige hundert Klafter weiter süd-
lich gelegenen Flötzen von Trobenthal, die derselben Gewerkschaft (Burowitsch)
angehören und alsobald zur Sprache kommen sollen. Eine weitere westliche Fort-
setzung des Zuges ist uns nicht bekannt; ebenso wenig kann der südliche Zug
weit über Trobenthal hinausgehen, weil sich die hebende Wirkung des Rudenza-
gebirges, welche Wirkung sich in der antiklinalen Axe zwischen den beiden
Flötzzügen kundgibt, nicht weiter westlich erstreckt hat.
348
Theobald v. Zollikofer.
[38]
Am Südabhange der Rudenza fehlen zwar die Schichten des Braunkohlen-
systemes keineswegs, aber von einem Flötze ist bisher nichts entdeckt worden *)
und nur der Endpunkt dieses Zuges weist die bereits angeführten von Trobenthal
auf. Der daselbst bestehende Bau ist schon mehrere Jahre alt, wurde aber erst
im vorigen Sommer (1859) neuerdigs wieder aufgemacht. ZurZeit des Besuches
von Seiten des Verfassers konnte die Grube noch nicht befahren werden; es
sollen aber zwei Flötze mit einer Mächtigkeit von je 3 bis 4 Fuss da sein. Sie
liefern eine vortreffliche Stückkohle, deren Analyse, von Karl Ritter v. Hauer
ausgeführt, folgende Resultate ergab :
Wassergehalt in 100 Theilen 5*5
Asche in 100 Theilen 5*3
Reducirte Gewichtstheüe Blei 21*93
Daraus berechnete Wärme-Einheiten 49GO
so dass nur 10 Centner Kohle nöthig sind, um den Wärmeeffect von einer Klafter
30zölligen weichen Holzes zu erreichen. Sie übertrifft somit noch die übrigen
Braunkohlen des Cillier Beckens an Güte.
Der letzte Kohlenzug dieses Beckens zieht sich am Nordrande des Wacher-
zuges hin. Das Dasein eines Flötzes ist an vielen Stellen nachgewiesen worden,
wie bei Gorelza, Pojerje, St. Yeith, Sagorje, Peilenstein und Drachenburg, aber
nirgends ist die Mächtigkeit gross genug, um etwas unternehmen zu können.
Bei Pojerje soll sie 3 Fuss betragen, was bei der grossen Entfernung von jedem
Absatzort immer noch zu wenig ist.
Die Ausdehnung des Leit ha kalk es wird aus der Karte leicht ersichtlich.
Das Vorherrschen der Sandstein- (Bryozoen-) Facies nördlich vom Rudenzazuge
und der Grobkalkfacies südlich davon, so wie die zahlreichen Uebergänge der
einen in die andere, sind schon im allgemeinen Theile des Capitels erwähnt
worden. Es bleibt somit wenig nachzutragen.
Der nördliche Leithakalkzug erstreckt sich von Ponigel bis Sauerbrunn
Rohitsch; dort bricht er plötzlich ab, denn der Hügel von Tersische, von dem
rnan a priori vermuthen sollte, dass er noch dazu gehöre, besteht aus sandigen
Eocenschiefern. Erst weit im Osten und zugleich stark nach Norden gerückt,
finden wir wieder den Donatiberg aus grobkörnigem Leithasandstein zusammen-
gesetzt (Figur 1). Da seine Schichten scheinbar dem eocenen Sandstein der
Niviza unterteufen, so muss zwischen beiden eine grosse Verwerfungslinie ange-
nommen werden. Das Eintreten andauernd schlechter Witterung in vorgerückter
Jahreszeit hat uns leider verhindert, diese Erscheinung weiter zu verfolgen; wir
werden aber dieses Jahr Gelegenheit dazu finden.
Betrachten wir nun die westliche Fortsetzung dieses Zuges. Zwischen
Ponigel und Hohenegg war nichts zu sehen, das an Leithakalk erinnert hätte: im
Gegentheile die Verlängerung der Axe des Zuges nach dieser Seite hin tritt bald
in die eocene Zone über. Noch weiter westlich aber, zwischen Hohenegg und
Schönstein findet man wieder einen Leithakalkzug, der schon von Herrn v. Mor-
lot angeführt wird. Herr Rolle glaubte ihn nicht als solchen anerkennen zu
dürfen, sondern hielt das Gestein für einen älteren Nulliporenkalk (Jahrbuch
1857, Seite 446, Separatabdruck Seite 44); allein die Analogie der Verhältnisse
0 Andeutungen eines solchen finden sich nur bei der Trottermühle an der Sottla südlich
von Windisch-Landsberg, wo eine stark mergelige Molasse mit Kohlenschnüren durch-
zogen ist und von echten bituminösen Hangendschiefern mit Zweischalern überlagert wird,
worauf endlich eine Leithakalkbank mit Ostracodcn und Pectiniten folgt.
349
[39]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
bezeichnet ihn hinreichend sicher als neogen. Die Richtung beider Züge ist zwar
nicht vollkommen übereinstimmend, ihre Axen kreuzen sich unter einem Winkel
von 5 Grad; wenn man aber die Entfernung beider betrachtet, so kann diese
kleine Unregelmässigkeit nicht in Anschlag gebracht werden. Sie ist oft grösser
in zusammenhängenden Zügen. Wir werden also immerhin den Leithakalkzug
zwischen Schönstein und Hohenegg als die Fortsetzung desjenigen zwischen
Ponigel und Sauerbrunn ansehen.
Bei Ponigel zeigt der Leithakalk im Kleinen Erscheinungen aus dem Karst-
gebirge. Beim Graben eines Brunnens durch den Herrn Bürgermeister Korze
stiess man nämlich in 6 Klafter Tiefe auf eine Tropfsteinhöhle, die wie die
Schichten selbst, schwach gegen Süden geneigt ist und eine Länge von 3 bis
6 Klafter bei einer Breite von 1 J/2 und einer Höhe von 2 Klafter besitzt. An
ihrem unterem Ende verengt sie sich und dort war zur Zeit unserer Anwesenheit
deutlich das Rieseln eines kleinen unterirdischen Baches zu vernehmen. Verfolgt
man über Tag die Richtung, die das Bächlein zu haben scheint, so gelangt
man bald zu einem Trichter (Dolline), der sich neben dem Hause des Bürger-
meisters befindet und erst vor Kurzem wieder an Tiefe zugenommen hat. Man
sieht also, wie die Auswaschung des Gesteines durch unterirdische Wasser-
adern im Fortschreiten begriffen ist.
Zwischen der Strasse von Cilli nach Ponigel und der Eisenbahn dehnt sich
eine Hügelregion aus, die, nach Abzug einer Zone von Porphyrbreccien , fast
ganz aus Sandsteinen zusammengesetzt ist. Diese gehören jedenfalls zu den Leitha-
schichten, wie ihre häufigen Muschelreste, unter anderen Pectcn pusio, bewei-
sen. Sie treten aber nicht bestimmt genug hervor, um in die eigentlichen Leitha-
kalkzüge eingereiht zu werden und können eher als Uebergangsglied zwischen
Leithasandstein und Leithamergel gelten. Wir hätten diese Schichten vielleicht
hier ganz übergangen, wenn sie nicht durch zwei Vorkommen von Walker-
erde einige Aufmerksamkeit verdienten. Das eine Vorkommen findet sich circa
1 00 Klafter südlich vom Schlosse Reifenstein am Rande eines Waldes, das andere
bei Podgorje, südlich von St. Georgen. Die Mächtigkeit der Walkererde beträgt
an beiden Orten ungefähr eine Klafter. Am letzteren Orte ist sie etwas reiner
als bei Reifenstein; zwar noch nicht rein genug, um direct zur Verwendung
kommen zu können, doch hinreichend, um als Seife recht brauchbar zu sein.
Herr Anton Bergmann von Puschenschlag (Gemeinde Tüchern) hat an beiden
Punkten gegen 1000 Centner herausgenommen und verseift, doch fehlten ihm
die Mittel, um die Sache energisch zu betreiben und jetzt ist der Betrieb ganz
eingestellt.
Die übrigen Leithakalkzüge geben uns zu keiner besonderen Bemerkung
Anlass ; eben so wenig die oberen Schichtengruppen. Höchstens Hesse sich von
diesen sagen, dass ihre gegenseitige Begrenzung oft eine undeutliche ist und
nicht immer mit wünschenswerther Genauigkeit eingezeichnet werden konnte.
b) Reichenburger Becken. Auch hier verdient das Braunkohlensystem
unsere besondere Aufmerksamkeit, da es abbauwürdige Flötze enthält, die nun
durch die Erstellung der Agramer Bahn sehr an Bedeutung gewinnen werden.
Diese Formation tritt nur am Nordrand des Beckens auf; am Südrand legt sich
entweder der Leithakalk unmittelbar an die secundären Bildungen an oder Sand
und Gerolle der Sandsteingruppe verbirgt alles Tieferliegende.
Der erste Kohlenzug beginnt beim Kinkbauer, zwei Wegstunden nördlich
von Reichenburg, und erstreckt sich genau in östlicher Richtung über Reichen-
stein, Velki-Kamen, Kutschianski nach Trebscha am Nordfusse des Heiligen-
berges bei Hörberg. Er wird auf der ganzen Strecke von einem gut markirten
350
Theobald v. Zollikofer.
[40]
Leithakalkzug begleitet. Die Mächtigkeit des nach Süd verflachenden Flötzes
nimmt nach Osten rasch ab: bis zur Ruine Reichenstein beträgt sie im Mittel
3 bis 4 Klafter, hinter Veli-Kamm nur noch 1 Klafter und gegen Hörberg zu
noch weniger, so dass die dortigen Versuchsbaue bald eingestellt werden mussten.
Zwischen dem Kinkbauer und Reichenstein wurden früher sehr ausgedehnte und
ergiebige Tagbaue geführt (Gewerkschaft Dräsche, vormals Mi es b ach);
später aber wurde der weitere Abbau sistirt, weil der zweite, ergiebige Kohlen-
zug den Bedarf der Sissegger Dampfschifffahrts-Gesellschaft, der einzigen bis-
herigen Absatzquelle, mit jährlichen 30.000 Centnern vollkommen deckte. Die
Eröffnung der Agramer Bahn wird nun aber bald der hiesigen Kohlenproduction
einen erhöhten Aufschwung geben und den ersten Kohlenzug wieder zu Ehren
bringen. Es soll dann regelmässiger Stollenbau betrieben werden.
Bei Schedun, 380 Klafter südlich vom ersten, liegt der zweite Kohlenzug,
dessen Schichten gleichfalls nach Süden einfallen. Wir halten ihn aber keines-
wegs für selbstständig, sondern als ein durch Verwerfung losgetrenntes Stück
des ersten. Figur 19.
Fig. 19.
Barbarastollen.
Douskograben. Kink. Soliedun. Dousko. Douskograben. Preissenthal.
a Gailtliaier Schiefer, am Eingang des Barbarastollens ausgehend, b bis tO Klafter mächtig, b rothe Werfener
Schiefer und Sandsteine im Barbarastollen, 3 Klafter mächtig, h‘ grüne, stark glimmerige Werfener Schiefer, auf
kurze Erstreckung im Douskograben sichtbar, c Hallstätter Dolomit, <1 Gurk fehler Plattenkalke, e Grossdorner
Schiefer, f Braunkohleuformation, </ Leithakalk, h Leithamergel, scheinen nur schwach vertreten zu sein, i Saud
der Sandsteingruppe, im Westen kleine Lignitflötze enthaltend.
Wie weit sich dieser Kohlenzug nach Osten erstreckt, ist nicht genau
bekannt; doch kann er nicht weiter gehen, als bis Verh, das heisst so weit als
der darüber liegende kleine Leithakalkzug von Dousko reicht, denn nachher
treten ganz andere Verhältnisse ein.
Der Zug enthält, so weit er aufgeschlossen ist, vier Flötze. Eine Ver-
querung von der Sohle zum Dach ergibt nach den gütigen Mittheilungen des
Herrn Bergverwalters Hart mann:
Hallstätter Kalk und Dolomit.
Liegendletten mit zertrümmert. Muschelresten, Flötz I, Mächtigkeit 3 — 4 Klftr.
20 Klftr. weiter südl., horizontal gemessen: „ II, „ 21/a „
B »» n » » n ?» Hh Y> 1 j»
10 „ „ „ „ n ,, IV, „ 2—20 „
Bituminöse Hangendmergel, helle Mergel, Leithakalk.
Das Flötz IV ist in der Tiefe geringmächtig und stark zerrieben, während
es im oberen Horizonte eine horizontale Breite von 34 Klafter zeigt, was bei
einem Verflachen von 75 bis 30 Grad die ausserordentliche Mächtigkeit von
15 bis 20 Klafter ergibt. Indess dürfte sie nur das Resultat einer localen Auf-
stauung der Kohle sein, indem nachträgliche Schichtenstörungen ein Abrutschen
[41] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 351
und Zusammenstürzen des Flötzes in sich selbst zur Folge gehabt haben können.
Darauf scheint auch die sonderbare Thatsache hinzuweisen, dass die Kohlen-
blätter mit dem Hangenden und Liegenden nicht parallel laufen, sondern gegen
dieselben in allen möglichen Richtungen abstossen, etwa wie Figur 20 es zeigt.
Es fragt sich auch, ob wirklich
vier selbstständige Flötze, wie sie
aus der Yerquerung der Formation
hervorzugehen scheinen, da sind, oder
ob nicht vielmehr auch in dieser Hin-
sicht Schichtenstörungen mit im Spiele
gewesen, denn im ersten Kohlenzuge
ist bis jetzt nur eines bekannt ge-
worden. Ueberhaupt kommen in die-
ser Region wunderliche Dinge vor,
die auf grosse Umwälzungen schlies-
sen lassen und nur durch die Annahme
von mehreren Verwerfungsspalten er-
klärt werden können, wie dies aus
Figur 19 hervorgeht; aber selbst damit ist noch nicht Alles in's Reine gebracht.
Wenn man vom hinteren Douskograben gegen den Kinkbauer hinansteigt, so
folgen erst regelmässig auf einander Werfener Schiefer, Hallstätter Schichten,
Gurkfelder Plattenkalke und Grossdorner Schiefer. An der Grenze der letzteren
gegen das Tertiärgebiet trifft man nun den Rarbarastollen und ist nicht wenig
erstaunt, auf der Halde desselben schwarze Gailthaler Schiefer und rothe Wer-
fener Schiefer und Sandsteine zu finden, um so mehr, da über Tag nichts davon
zu sehen ist. Da indess diese Gesteine im Stollen nur 12 Klafter weit anhielten,
so lässt sich am Ende noch annehmen, dass sie ausserhalb desselben nur zufällig
nirgend blossgelegt seien und eine Verwerfungsspalte, durch das Mundloch des
Stollens gelegt, würde somit diese Erscheinung erklären. Aber wo sind dann
die Schichten der oberen Trias geblieben, die doch auf die Werfener Schichten
folgen sollten? — Eine weitere Unregelmässigkeit ist folgende: das Flötz,
welches im Rarbarastollen angefahren wurde, war nur 1 A/z Fuss mächtig,
während etwas weiter oben ein Schacht von 6 Klafter Tiefe eine Mächtigkeit
von 4 Klafter aufschloss, was der mittleren Mächtigkeit des ganzen Zuges ent-
spricht. Sollte jenes am Ende ein unteres zweites Flötz gewesen sein? — Eine
dritte anomale Erscheinung endlich ist der äusserst klüftige Hallstätter Dolomit,
der unterhalb der Kirche von Dousko an der Strasse mitten im Leithakalke
ansteht und das Ostende des schmalen Zuges von Triasgesteinen bildet, der
gelegentlich der Altersfrage der Gurkfelder und Grossdorner Schichten angeführt
wurde. Während alle übrigen Schichten nach Süd verflächen, fällt er allein mit
80 Grad gegen Nord (magn. Stunde 1 */,). Wir haben ihn nicht in obiges Profil
(Figur 19) hineingebracht, weil uns sein Zusammenhang mit den übrigen Ver-
hältnissen nicht klar war.
In Retreff der Leithakalke haben wir dem früher Gesagten nur noch
beizufügen, dass einzelne Fetzen davon weit am Wachergebirge hinaufreichen.
Der letzte befindet sich oberhalb Plessioutz in einer Höhe von nahe 2500 Fuss.
Die Leithamergel werden nur wenig sichtbar und haben demnach auch
weiter keine Bedeutung. Um so grösser ist aber die Entfaltung der Sa nd stein-
gruppe, die mehr als die Hälfte des Beckens einnimmt und eine grosse Mäch-
tigkeit besitzt, indem enge Auswaschungsthäler von beiläufig 400 Fuss Tiefe
sich ganz in dieser Bildung befinden. Darin vorkommende Lignitflötze sind bei
45
Fig. 20.
Anordnung der Kohlenblätter im HaupttlÖtze des
Reichenburger Rohlearevieres.
a Liegendes, b Flötz, c Hangendes.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Gand. 1861 und 1862, III. lieft.
Theobald v. Zollikofer.
352
[42]
Seuze, Poklek, Kumreuz und im Hafnerthal aufgedeckt, aber nirgends bauwürdig
befunden worden.
c) Rann er Becken. Ob hier das Braunkohlensystem ganz fehlt oder nur
in der Tiefe zurückgeblieben ist, bleibt ungewiss. Das letztere ist in so fern
möglich, als die Leithakalke mit den darauf liegenden Schichten nur sehr
schwach geneigt sind und mit dem Grundgebirge in discordanter Lagerung
stehen (Figur 21).
Fig. 21.
Sromle.
C
Profil des Ranner Beckens.
Artisch.
G Grossdorner Schiefer, a Leithakalk, b Leithamergel, c Sand (Congeriensehichten), d Diluvialschotter,
e Diluviallehm, f Alluvium.
Die Sandsteingruppe spielt hier die wichtigste Rolle, da sie wenigstens
5/6 des Tertiärgebietes bedeckt, während die Leithamergel nur im östlichen
Theile zu Tage ausgehen. Die überall herrschende Weincultur erschwert übri-
gens jede weitere Untersuchung sehr und macht auch die Trennung zwischen
Tertiärsand und dem darauf ruhenden Diluviallehm unsicher.
Da das Becken von Rann mit demjenigen der Gurk unmittelbar zusammen-
hängt, so ist eine Vergleichung der beiderseitigen Verhältnisse wohl am Platze.
Um dies aber leichter thun zu können, so ziehen wir die Neogenformation des
Reichenburger und Cillier Beckens mit hinein, weil sie reichhaltiger an Petre-
facten sind. Das weite Thal der Gurk ist von Herrn Dr. Stäche untersucht und
beschrieben worden (Jahrbuch 1858, Seite 366), wodurch dann die Vergleichung
möglich wird. Zwischen beiden Theilen herrscht manche Analogie, wie voraus-
zusehen war, aber auch manche Verschiedenheiten, die auffallen müssen. Auch
jenseits der Save finden wir Leithakalke , Leithasandsteine und Leithamergel
(Acephalenschicht Stäche), die ebenfalls fast ganz auf die Ränder des Beckens
beschränkt sind und sich mehr weniger als Uferbildungen erweisen. Allein ihre
Anordnung ist keine so regelmässige wie auf steierischer Seite, wenigstens geht aus
der Aufnahmskarte jener Parcelle vonUnter-Krain kein Parallelismus der einzelnen
Gesteinszüge unter sich und mit dem Grundgebirge hervor, wie dies auf unserer
Seite der Fall ist. Von den 34 Petrefacten-Arten, die Herr Dr. Stäche dort
gesammelt hat, stimmen nur 3 ganz sicher mit den steierischen Arten überein,
nämlich Pecten latissimus Defr ., Pecten sarmenticius Goldf. und Lutraria con-
veooa Sow. Die Turritellenschichten mit 15 Arten scheinen merkwürdiger Weise
in Unter- Steiermark gar nicht vorzukommen; auch stimmt keine ihrer Arten mit
irgend einer aus unseren vier Hauptgruppen zusammen. Auf der anderen Seite
hat es den Anschein, als ob die im Ranner Becken so mächtig entwickelten
Congerienschichten im Thale der Gnrk gar nicht oder wenigstens nur sehr spär-
lich vertreten seien.
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
353
VIII. Neuere Bildungen (Diluvium. Alluvium, Balktuff).
Sie sind sammt und sonders von geringer Bedeutung. Das Land ist zu
hügelig, um grössere Thalausfüllungen zu gestatten und die kleineren Bach-
ebenen der Tertiärregion haben zu wenig Ausdehnung, um namentlich ange-
führt zu werden. Eine Ausnahme davon macht nur die Südspitze der Steiermark,
wo die Save von einer Seite die Gurk, von der anderen die Sottla aufnimrnt.
Dort war Baum genug zur Entfaltung quarternärer Ablagerungen, zu welchen
die Flüsse das Material in reichlichem Maasse herbeischafften, wobei die leichte
Zerstörbarkeit der obertertiären Schichten wesentlich beigetragen haben wird.
Von den l*/a Quadratmeilen, welche die neuere Bildung zwischen der Save, der
Sottla und der Strasse von Videm nach Schupeleuz occupiren, kommen mehr als
zwei Drittel auf Diluvialablagerungen, während das Alluvialgebiet auf die Ufer
der beiden Flüsse beschränkt bleibt. Die Scheidelinie zwischen beiden ist durch
steile Terrassenabstürze angedeutet (Figur 21), die im Maximum eine Höhe von
40 Fuss erreichen. Nur selten sind zwei deutliche Terrassen erkennbar.
Die Begelmässigkeit der Diluvialebene, die wie gewöhnlich aus Schotter
und Sand zusammengesetzt ist, wird hie und da, besonders gegen den Rand zu,
durch Auflagerungen von Diluviallehm gestört. Hieher gehören allem An-
scheine nach die kleine Anhöhe von Artitsch (Meereshöhe 717 Fuss, Erhebung
über die Ebene etwa 150 Fuss) und der langgedehnte Hügel von Kapellen. An
der Strasse von Dobova nach Kapellen sieht man zuweilen lehmigen Sand ent-
hlösst, in dem rostbraune Lehmknollen fast wie feiner Schotter vertheilt sind ;
etwas Aehnliches findet sich auch auf dem Sremitschberg bei Reichenburg. Es
scheinen dies die letzten Spuren der eisenschüssigen Diluviallehme Unter-Krains
zu sein, die Herr Bergrath Lipoid zum Gegenstand einer Special-Abhandlung
gemacht hat (Jahrbuch 1858, Seite 246).
Eine zweite aber bedeutend kleinere Diluvialebene mit zwei deutlichen
Terrassen zeigt sich weiter oben an der Save zwischen Laak und Wregg.
Eben so treten auch unterhalb Wisell an der Sottla auf eine kurze Strecke zwei
Terrassen auf.
Kalktuffe werden in der Region der Alpenkalke ziemlich häufig ange-
troffen, so im Gratschnitzagraben zwischen Gairach und Meierhof, bei Pollane
(westlich von Gairach), wo er 3 Klafter mächtig aufsitzt, bei Unter-Tinsko
zwischen Süssenheim und Windisch-Landsberg u. s. w. Bis jetzt wurden sie nur
gelegentlich von den benachbarten Bauern zu ihren Bauten benützt; das Vor-
kommen bei Unter-Tinsko verdient aber auch in weiteren Kreisen bekannt zu
werden, da dieser Tuffsteinbruch nicht nur ein vorzügliches Baumaterial liefert,
sondern noch ausserdem seine günstige Lage in der Nähe einer bequemen und
gut unterhaltenen Bezirksstrasse mit Vortheil ausgebeutet werden könnte.
B. Gruppe der anormalen Bildungen.
IX. Felsitporphyre, Breccien und Contactgesteine.
In der Beschreibung der Umgegend von Cilli haben wir unter dem Titel:
„Porphyre und Porphyrtuffe“ (Jahrbuch 1859, Seite 192, Separatabdruck
Seite 36) eine Reihe der verschiedenartigsten Gesteine umfasst, die stets
zusammen Vorkommen und zu einander in inniger Beziehung stehen. Wir fänden
45*
354
Theobald v. Zollikofer.
[44]
damals viel Rätselhaftes und Dunkles in den hieher gehörigen Erscheinungen
und gaben uns der Hoffnung hin, dass fernere Aufschlüsse in der östlichen
Partie mehr Licht bringen würden. Der Osten hat auch neue Aufschlüsse ge-
bracht, indem die auf die Frage bezüglichen Phänomene bis nach Croatien
hinein verfolgt* werden konnten, aber doch nicht mehr Licht Im Verlaufe der
Untersuchungen wurde die Reihe der unter sich verwandten Gesteine, und die
Beziehungen derselben zu einander wohl mannigfaltiger aber nicht deutlicher.
Zwar lässt sich die früher aufgestellte Einteilung in Felsitporphyre, ältere TufTe
(Werfener Bildungen) und jüngere Tuffe (eocene Bildungen) immer noch fest-
halten, aber es wird oft schwer, dieses oder jenes Geslein mit Sicherheit in
diese oder jene Classe zu setzen und, was wichtiger ist, das Räthsel des
Causalverbandes der einzelnen Erscheinungen ist noch immer nicht genügend
gelöst.
Wir haben diesmal diejenigen semiplutonischen Bildungen, die sich durch
deutliche Auflagerung auf die Alpenkalke oder durch Wechsellagerung mit unter-
tertiären Schichten als eocene Gesteine erweisen lassen, in die Reihe der nor-
malen Bildungen aufgenommen; es bleiben uns somit nur die unter sich zusammen-
hängenden anormalen Bildungen aus der Zeit der unteren Trias zu untersuchen.
Dies sind erstens die eigentlichen Felsitporphyre, zweitens neu auftretende,
den Porphyren sehr verwandte Gesteine, die wir als Fe Isitb r ecci e n zu-
sammenfassen wollen, und drittens Co n t actgeste ine. Hinsichtlich der
letzteren fanden wir für gut, die frühere Bezeichnung „ältere Tuffe“ aufzu-
geben, um nicht etwa zu irrigen Anschauungen Veranlassung zu geben, und
dafür die richtigere Benennung „Contactgesteine“ einzuführen, da es sich ledig-
lich um sedimentäre Schichten handelt, die durch Berührung mit Porphyren eine
Umwandlung erlitten haben.
a) Felsitporphyr. Ganz im Norden unseres Gebietes zeigen sich schon
Andeutungen davon bei Tischova (südwestlich von Heiligengeist) und oberhalb
Seizkloster an der Strasse nach St. Georgen (Figur 16). Es sind dieselben
festen, hornsteinähnlichen, klüftigen Felsitgesteine von heller, in’s Gelbliche
oder Grünliche gehender Farbe, wie sie in der Umgegend von Cilli getroffen
werden. Sie fallen unter dem schmalen Dolomitstreifen ein, der sich gleichsam
mitten aus den eocenen Schichten erhebt, und können nur durch eine nachträg-
liche Verwerfung in ihre jetzige Lage gebracht worden sein. Man könnte freilich
hier auch geneigt sein zu glauben , sie wären erst nach Ablagerung der Eocen-
formation hervorgedrungen , allein eine solche Annahme würde mit anderen
Thatsachen in offenem Widerspruch gerathen.
Ein fernerer Porphyrdurchbruch ist östlich von Hohenegg bei der Mündung
des Bovebaches erfolgt. Er erklärt die Nähe einer grösseren Zone von Contact-
gesteinen (Figur 10) und tritt mit den Porphyrmassen westlich von Hohenegg in
einen natürlichen Verband.
In der Fortsetzung des Porphyrzuges von Cilli kennen wir wohl auch Ge-
steine, die mit den Porphyren in Zusammenhang gebracht werden müssen, aber
sie sind keine echten Eruptivmassen und finden eher unter den Breccien ihren
Platz; hingegen zeigen sich wieder solche in der östlichen Fortsetzung des
Tremersfelder Zuges. An derRosena ist zwar wenig davon zu sehen, da die ganze
Kuppe dicht bewachsen ist, aber das Wenige lässt doch vermuthen, dass sie
wenigstens zum Theile aus Porphyr besteht. Um so deutlicher sind die Auf-
schlüsse am Ostfusse des Reicheneggberges : Dort besteht gleich hinter dem
Dorfe Tscherneliza an der Strasse von St. Georgen nach Montpreis eine grosse
Entblössung des Gesteines, das als Strassenschotter gebrochen wird. Die lichte
[45] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 3S&
in’s Grünliche oder Röthliche gehende Grundmasse ist nicht hornsteinartig, wie
hei Cilli; sie hat im Gegentheil einen körnigen, fast erdigen Bruch und lässt
sich leicht mit dem Messer ritzen. Die zahlreichen kleinen eckigen Einschlüsse
von weisser Farbe bestehen aus weicher Masse , aber ihre regelmässige Form
berechtigt sie für zersetzte Feldspathkrystalle zu halten. Ausserdem sind noch
hie und da Quarzkörner eingesprengt. Im grossen Ganzen aufgefasst, trägt das
Gestein jedenfalls unzweifelhaft den Stempel plutonischen Ursprunges an sich.
Es findet sich wieder in gleicher Weise in Croatien an der Strasse von Krapina
nach Pettau, etwas nördlich von dem Punkte, wo sie die Heerstrasse nach
Rohitsch verlässt.
Der Porphyrzug von Tüffer setzt ebenfalls noch in die Section XXIII her-
über, indem am Scheidepunkte der Wege von St. Ruperti nach Suetina und
St. Peter noch eine kleine Masse von grünem und rothem hornstein-ähnlichem
Porphyr auftaucht.
b ) Porphyrb reccien. Dieser Name bezeichnet die hier folgenden Ge-
steine keineswegs vollständig, denn sie sind zu wandelbarer Art, als dass eine
umfassende Benennung derselben möglich wäre. Da aber die Breccienstructur
ein häufig auftretendes Merkmal derselben ist, so mag obige Bezeichnung im
Allgemeinen dienen.
Der nördlichste Punkt, wo solche Gesteine auftreten, liegt bei Rasgor,
nordwestlich von St. Georgen (auf der Stabskarte im D von Maria Dobie). Es
ist eine weisse Felsitbreccie mit lichtgrünen erdigen Einschlüssen, die unweit
einer kleinen Doleritmasse ansteht und nur an einem einzigen Punkte sichtbar
wird.
Von mehr Bedeutung ist ein ganzer Zug hieher gehöriger Gesteine zwischen
Store und St. Rosalia bei St. Georgen. Eine schöne Entblössung längs der
Strasse zeigt sie in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit. Sie erscheinen bald massig,
bald schieferig, bald klüftig, bald breccienartig mit Einschlüssen von Felsit und
mit Kalkspathadern. Festigkeit und Farbe wechseln eben so sehr. Die schieferi-
gen Partien sind melirt, wie die Contactgesteine, und schliessen zuweilen
kleinere Massen von schwarzen Schiefern ein, die ganz an Gailthaler Schiefer
erinnern (solche finden sich auch wirklich etwas weiter westlich im Eisenbahn-
durchschnitt von Tüchern). Gegen St. Rosalia hin befindet sich auch unter ganz
verwitterten schieferigen Contactgesteinen eine äusserst harte Felsitbreccie,
auf die wir noch zurückkommen werden, da sie einen Schwefelkiesgang ein-
schliesst, der edle Metalle enthalten soll. Dieser Zug schliesst sich im Westen
an die Contactgesteine von Cilli an, wodurch es leichter begreiflich wird, dass,
er selbst kleinere Partien derselben einschliesst. Stellenweise legt sich eine
schmale Zone von eocenen Tuffgesteinen daran herum.
Im Süden und mehr noch im Osten der Porphyrmasse von Tscherneliza
sind ebenfalls Breccien anstehend, die sich eng an das Eruptivgestein anschlies-
sen. Es sind hier yor Allem zwei Entblössungen bemerkbar. Die eine findet sich
unweit St. Jakob, da wo der Vodruschbach in das Defile zwischen dem Reichen-
egg- und Schibeneggberg eintritt. Daselbst setzt eine nur wenige Klafter
mächtige Bank von hellem Kalk quer über den Graben. Da sie steil aufgerichtet
ist, hält es schwer, ihr Yerflächen zu bestimmen; indess muss Nordfallen ange-
nommen werden, weniger noch, weil die darauf ruhenden Tertiärschichten
sämmtlich ein nördliches Yerflächen haben, als weil die Bank dem Kalkzug
angehört, der vom Petschounig zum Reicheneggberg streicht. Die Gesteine also,
die sich unmittelbar im Süden daran anlehnen, fallen unter den Kalk ein,
obwohl dies bei der stattgehabten Abrutschung der Schichten nicht direct nach-
356
Theobald v. Zollikofer.
[46]
gewiesen werden kann. Das nächste daran ist thonsteinartig mit erdigem Bruch,
von lichtgrüner Farbe mit vielen blaugrünen Einschlüssen, Nach und nach geht
es in eine feste okergelbe Breccie mit Mosaikstructur über; dann folgen Con-
tactgesteine , die weiter unten zur Sprache kommen werden und die aufgelagert
erscheinen, und endlich, fünf Minuten weiter südlich gegen die Kirche zu
(Figur 22) eocene Tuffe.
Fig. 22.
Podgorje. Reichenegg. Reicheneggberg (1750 Fuss). St. Jakob
a Porphyrbreccien , b Contactgesteine , c Hallstätter Kalk, d eocene Schiefer, e eocene Taffgesteine, f eocene
Felsitschiefer, g grober Sandstein aus Tuffgeröllen, h Braunkohlensystem, « Leitha-Conglomerat (Mühlsteinbruch),
k Bryozoensandstein mit Walkererde (Uebergangsglied zum Leithaniergel), / Alluvium.
Bemerkenswerth bleibt, dass die Klüfte des Kalkes selbst ebenfalls mit der
anliegenden lichten dunkelgrün gesprenkelten Masse erfüllt sind. Daraus könnte
man schliessen, dass diese letztere sammt den darauf folgenden Breccien am
Ende auch aus Porphyr besteht, dessen Charakter aber durch Verwitterung ver-
wischt worden, eine Ansicht, die sich uns auch anderwärts so oft aufgedrängt
hat, dass wir sie endlich als die wahrscheinlichste angenommen haben. Dabei
stossen wir aber für diese Localität auf einen Widerspruch, denn die Durch-
dringung des Kalkes durch Porphyrmasse setzt voraus, dass diese jünger sei als
jener, was mit der Annahme, dass der Porphyr der unteren Trias angehöre,
nicht in Einklang gebracht werden könnte. Dieser interessante Durchschnitt hat
uns oft beschäftigt; es war uns aber unmöglich, ganz damit in’s Klare zu
kommen, obwohl wir alle möglichen Voraussetzungen zu Hilfe genommen
haben.
Die zweite Entblössung von Breccien zeigt sich im Lassnitzgraben zwischen
Trattna und Lipowetz (südöstlich von St. Georgen). Daselbst steht ein Gestein
von ausgezeichneter Mosaikstructur an, das in grösseren Stücken einen über-
raschenden Eindruck macht. Die eckigen, oft ziemlich grossen Brocken sind
entweder lichtrostgelb oder violett und gewöhnlich von einem mehrere Linien
breiten braunen Bande umgeben, wodurch das Mosaikartige erst recht hervor-
gehoben wird. Daneben ist die Masse von Adern eines weissen emailartigen
Minerals und von kleinen Partien von Blauspath durchzogen. Gewisse Partien
des Gesteines sind stark eisenhältig.
Ein grösserer und sehr interessanter Zug solcher Breccien erhebt sich end-
lich im Osten unseres Gebietes. Wir haben ihn von Ogriseg, westlich von
Rohitsch, wo er beginnt, bis St. Rochus verfolgt; er setzt aber ohne Zweifel
weiter fort, denn seine Verlängerung trifft die oben erwähnten Porphyre an der
Strasse Krapina-Pettau. — Bei St. Rochus grenzt das Gestein an eine kleine
Doleritmasse. Ausser den eigentlichen Breccien , die mit den bisher beschrie-
benen so ziemlich übereinstimmen, kommen dort auch schieferige Varietäten
vor, die den Contaetgesteinen von Cilli und Hohenegg gleichen und wahr-
357
[47]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
scheinlich auch als solche zu betrachten sind und mit den Breccien aus der
Tiefe heraufgerissen wurden.
Eine schöne Entblössung dieses Zuges zeigt sich am Fusse von Tabor
(Croatien) an der Strasse von Rohitsch nach Krapina-Töplitz, nur fünf Minuten
von der Sottlabrücke entfernt, wo das Gestein als Bau- und noch mehr als
Beschotterungsmaterial gebrochen wird. Auch hier sind wieder die Varietäten
von Store, St. Jakob und aus dem Lassnitzgraben zu finden; daneben auch
weisse Felsit- und Thonsteinbreccien, so wie grüne und schwarze Schiefer:
Alles bunt durcheinander. Die Felswand, aus geringer Entfernung betrachtet,
macht aber geradezu den Eindruck einer Eruptivmasse.
In Ogriseg endlich verleihen die mehrere Linien dicken braunen Adern,
die sich in allen Richtungen kreuzen, dem weissen bis ziegelgelben Gestein
ebenfalls Breccienstructur. Die mehr weiche bis sandige und zum Theile poröse
Grundmasse erinnert aber mehr an gebrannten Thon oder in der Hitze zusammen-
gebackenen Sand, als an eine plutonische Masse. In dieser Meinung wird man
noch befestigt durch die Nähe von gewöhnlichem tertiären Sande, der in der
direeten Fortsetzung des Zuges ansteht.
Wenn wir nun gedrängt würden, uns über die Natur und den Ursprung
all’ dieser Gesteine auszusprechen, so müssten wir sie nach dem Gesagten in
enge Beziehung zu den Porphyren bringen. Wir würden sie als die durch rasche
Abkühlung entstandene Kruste der eigentlichen Porphyrmassen betrachten und
sie als Porphy rbreccien und Porphyrschlacken bezeichnen. Dass sie,
in Berührung mit Sedimentschichten kommend, manche Trümmer von solchen
eingeschlossen und mit in die Höhe gerissen, könnte alsdann nur ganz natürlich
erscheinen. Es bleibt aber immerhin noch viel Räthselhaftes dabei, das seiner
Lösung entgegenharrt. Ist es z. B. Zufall oder liegt eine Bedeutung darin, dass
der letztgenannte Zug die geographische Scheide zwischen ober- und unter-
tertiären Schichten bildet? Ist es auch nur zufällig, dass die Breccien zuweilen
mit Doleriten in Berührung kommen? — Wir sehen sie oft den Gailthaler
Schiefern aufgelagert, oder doch wenigstens Trümmer von solchen einschliessen;
wir finden sie einmal von Alpenkalk überlagert; sie, scheinen also, wie die
Porphyre der unteren Trias anzugehören , und doch sehen wir sie wieder bei
Ogriseg in irgend eine Causalverhindung mit dem obertertiären Sand treten,
ungefähr wie die Porphyre mit den Felsitschiefern. Kurz, es ist nicht Alles, wie
es sein sollte.
cj Contactgesteine. Die nördlichste Partie zeigt sich zwischen
Hohenegg und St. Egidi als östliche Fortsetzung einer grösseren Zone, die im
Westen von Hohenegg liegt. Herr Rolle hat sie ebenfalls in enge Beziehung
zu den Porphyren gebracht, hielt sie jedoch für Uebergangsgebilde (semi-
krystallinische Thonschiefer), weil er den Porphyr in jene Zeit versetzen zu
müssen glaubte. Wir haben übrigens diesen Gegenstand bereits im Capitel II
dieses Aufsatzes erörtert. Es sind durchgehends Schiefer von röthlieher, grün-
licher oder weisslicher, aber stets matter Farbe. Zwischen Wousche und Schischeg
oberhalb Maria Dobie, finden sich Gänge von weiss- und lauchgrüngeflecktem Talk,
so wie von Quarz darin. Da die Kalke, welche bei Hohenegg die Schiefer be-
gleiten, gegen Osten nicht mehr zu Tage treten, so sieht es aus, als ob diese
Schieferpartie ein Glied der sie umgebenden eocenen Schichten bildete
(Figur 16).
Die grösste Zone von Contactgesteinen zeigt sich im Rosenazuge.
Sie erscheinen hier gewöhnlich als graue oder grüne, mit Weiss melirte
Schiefer, die mehr weniger noch das Gepräge von Werfener oder häufiger von
388
Theobald v. Zollikofer.
m
Gailthaler Schiefern an sich tragen, in die sie auch nicht selten allmählich über-
gehen, allein ihre vielen weissen Punkte, die von Feldspath herzurühren
scheinen, deuten auf die Einwirkung des nahe liegenden Porphyres (Figur 4)
hin. Bei St. Jakob im Vodruschgraben lagern auf den Breccien dunkle Schiefer,
die ganz talkig anzufühlen sind, ferner schwarze atlasglänzende feingefältete,
endlich grüne und rothe melirte Schiefer, die alle hieher gehören (Figur 22).
Diejenigen Contactgesteine , die in den Breccien selbst Vorkommen, sind oben
angeführt worden.
I. (iransteine.
Zwischen den obersten Schichten der Trias, namentlich zwischen dem
Hallstätter Dolomite und den Grossdorner Schiefern erscheinen nicht selten
grüne Gesteine von echt plutonischem Aussehen. Am ehesten dürften sie dem
Diorit entsprechen; allein ihre Bestandtheile sind zu innig gemengt, um
bestimmt erkannt zu werden, desshalb bleiben wir vorläufig bei der allgemeine-
ren von den Bergleuten eingeführten Bezeichnung „Gr ii n st e ine“. Sie sind
gewöhnlich feinkörnig bis compact (Aphanit) und sehr zäh, wie alle Grünsteine,
so dass die Formatisirung grösserer Belegstücke selten glückt. Zuweilen finden
sich auch mandelsteinartige Varietäten dabei, jedoch nicht häufig. Als steter
Begleiter der Grünsteine tritt rother Jaspis auf, der streckenweise eisenhältig
genug ist, um als kieselreicher Botheisenstein zu gelten. (Bei Edelsbach wurde
selbst darauf gebaut, siehe unten.) Dass es sich hier um eine echt plutonische
Erscheinung handelt, beweist schon ihre m etam o r pho si r end e Einwir-
kung auf die anliegenden Gesteine. Die Dolomite gehen in ihrer Nähe ins
Grünlichgraue über, zeigen kleine grüne Einschlüsse und werden selbst ganz
unkenntlich. Kalke werden zu Breccien, die roth, grün und weiss geflammt
sind, und die Grossdorner Schichten nehmen das Ansehen von grün und violett
gefleckten Uebergangsschiefern an. Die letzteren sind oft auf weite Strecken
umgewandelt und der Uebergang von rein plutonischen zu rein sedimentären
Gesteinen zeigt alle möglichen
Nüancen. Alle diese Erschei-
nungen lassen sich am besten
an der Budenza oberhalb Win-
disch -Landsberg beobachten.
Man findet übrigens schon auf
halbem Wege zur Höhe eine
recht belehrende Entblössung
an der Krümmung der Strasse,
die vom Marktflecken zum
Schlosse hinauf führt; wir
geben sie in nebenstehender
Figur 23.
Die Grünsteinmasse von
Windisch - Landsberg beginnt
bei Schopfendorf, wo dicht an
der Landstrasse ein kleiner
Ausbiss zu sehen ist, den schon
Herr v. Morlot bemerkt und
als Diorit gedeutet, aber nicht weiter verfolgt hat. Sie erstreckt sich in süd-
westlicher Dichtung bis in die Nähe der Olimskagorza. Ihre Länge beträgt gegen
Fig. 23.
Krümmung der Schlossstrasse.
Profil an der Schlossstrasse von Windisch-Landsberg.
a Grünsteine, zum Theil grau , wie umgewandelter Dolomit , b ver-
änderte Grossdorner Schiefer, grün und violett gefleckt, c unver-
änderte schwarze Grossdorner Schiefer, d heller Hallstätter Do-
lomit, e ein sehr schwacher Grünsteingang im Dolomit.
359
[49] Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
eine halbe Meile, die Breite dürfte 500 Klafter nicht übersteigen. Im croatischen
Theil des Rudenzazuges zeigen sich ebenfalls ähnliche Massen bei Kostei und
bei Krapina mit Breccienstructur, fast wie verde und rosso antico.
Ungefähr von gleicher Ausdehnung ist der Zug, der sich am Nordabhange
des Wachergebirges von Edelsbach gegen den Okrusberg erstreckt. Das Gestein
ist sowohl an der Strasse als im Teufelsgraben gut entblosst. Am Südabhange
des Gebirges zeigt es sich wieder an mehreren Stellen , kann aber nicht leicht
verfolgt werden.
Auch der Orlizazug hat an der Grenze zwischen Dolomit und Grossdorner
Schiefern Grünsteine aufzuweisen. Im Motschniggraben können wir sie zwar nur
vermuthen, weil Gerolle von rothem Jaspis mit Uebergängen in Carniol daselbst
Vorkommen, bei Leskowetz aber (nicht „ Jeskowetz“, wie auf der Stabskarte
geschrieben steht) sind sie anstehend zu finden und können am Wege gegen
Dobrowa eine kurze Strecke weit verfolgt werden. Herr v. Morlot, der diese
Localität ebenfalls erwähnt (zweiter Bericht des geognost.-montan. Vereines für
Steiermark, Seite 6), hielt das Gestein für Basalt, gesteht aber das Unsichere
der Beobachtung zu, da sie nur an lose herumliegenden Stücken und noch dazu
bei heftigem Regen gemacht wurde. Das frische Gestein ist entschieden Grünstein,
sein Auftreten zwischen Dolomit und Grossdorner Schichten erheben es über
allen Zweifel und zum Ueberflusse liegen am Rande des Baches mehrere Blöcke
von rothem eisenschüssigen Jaspis, deren einer bei 80 Kubikfuss misst.
II. Jüngere vulcanische Bildungen.
Herr v. Morlot gedenkt im obigen Berichte noch zweier kleineren Vor-
kommen von plutonischen Gesteinen, oberhalb Trennenberg und Maria Dobie
(nordöstlich von Cilli), die er als Trachyt bezeichnet. Dadurch aufmerksam
gemacht, suchten wir sie auf, was nicht ohne einige Mühe gelang, da sie nur
wenige Klafter Ausdehnung haben und nicht nach Art jüngerer vulcaniseher
Durchbrüche kegelförmig hervortreten. Bei dieser Gelegenheit fanden wir noch
zwei andere Vorkommen, eines westlich von Maria Dobie, am Nordende der
Häusergruppe von Rasgor, das andere unweit von Trennenberg, etwa
200 Schritte nördlich von der Kirche von St. Egidi, wo ein kleiner Steinbruch
darin eröffnet ist. Im Laufe der weiteren Begebungen zeigten sich aber auch
Spuren von diesem Gesteine bei Ponigel, dann einige hundert Klafter nord-
östlich vom Kurort Sauerbrunn, so wie zwischen diesem Punkt und St. Flo-
rian. Ferner fanden wir es nochmals anstehend an der Strasse von Rohitseh
nach Krapina, 3/8 Meilen von ersterem Orte entfernt, und unterhalb der Kirche
von St. Rochus. Endlich sind noch weiter im Osten, in Croatien, auf der Süd-
seite des Matzel, bei Podgorje und Raunagora basaltähnliche Gesteine gefunden
worden, die der Beschreibung nach vollkommen hieher passen. Alle diese Vor-
kommen liegen nahezu in einer Linie, die von West nach Ost mit geringer
Abweichung nach Süd streicht und sehr annähernd die Grenze der eocenen Zone
gegen das neogene Gebiet bezeichnet. Man hat desshalb auch Grund anzunehmen,
dass sie in der Tertiärzeit entstanden sind , wahrscheinlich kurz vor der Ab-
lagerung der jüngeren Tertiärgebilde , da sie in denselben nirgends sichtbar
werden. Zwar haben wir in den obertertiären Conglomeraten keine Fragmente
dieser Gesteine finden können, das berechtigt uns aber doch nicht, sie für
jünger als diese zu halten, denn sie scheinen erst durch nachträgliche Zer-
störung der sie bedeckenden Schichten auf wenigen Punkten blossgelegt worden
zu sein und konnten somit zur Bildung der Conglomerate nicht beitragen.
Das fragliche Gestein hat überall denselben petrographischen Charakter,
nur zeigt es sich oft im Zustande stark vorgeschrittener Verwitterung und bildet
46
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 18G1 und 1862. III. Heft.
360
Theobald v, Zollikoler.
[80]
dann eine dunkle, schmutziggiüne, erdige Masse mit weissen Punkten, die von
noch nicht ganz zersetzten Feldspathkrystallen herrühren. Im frischen Zustande
aber besteht es aus sehr fester schwarzer Grundmasse von körnig-krystallinischer
Textur und splitterigem Bruche, so dass man es für Basalt halten könnte, wenn
es nicht zahlreiehe gut ausgeprägte Feldspathkrystalle einsehlösse. Herr v. Mor-
lot nennt es Trachyt, allein der Feldspath ist nicht glasig und scheint eher
Labrador als Sanidin zu sein; auch hat das Gestein keineswegs das charakteri-
stische trachytische Aussehen. Wir glauben daher, es eher als Dolerit be-
zeichnen zu müssen. Der Augit tritt zwar auf frischer Bruchfläche nicht deutlich
hervor, wohl aber an der Aussenseite des Gesteines, wenn diese durch den
Einfluss der Atmosphärilien fast weiss gebleicht ist. Leicht angewitterte Flächen
zeigen viele kleine Krystalle von grünlicher Farbe, die man bei oberflächlicher
Betrachtung für Olivin halten könnte, da sie aber nie auf frischem Bruch Vor-
kommen, so muss ihre Färbung auf Rechnung des Oxydationsprocesses gesetzt
werden. Nicht selten schliesst die Doleritmasse H a 1 b o p a I oder Chalcedon ein.
Oberhalb Trennenberg finden sich selbst gut ausgebildete Geoden von Amethyst
darin. In gleicher Linie mit den Doleriten trifft man am Südfusse des Hügels, auf
welchem die Kirche St. Ursula steht (nördlich von St. Georgen), an mehreren
Punkten noch Spuren von anderen plutonischen Gesteinen. Die einen erinnern
an Trachyt, während andere trotz vorgeschrittener Verwitterung noch entschie-
dene Phorphyrstructur erkennen lassen. Endlich findet sich noch (ausserhalb
besagter Linie , aber in enger Beziehung zu den eocenen Schichten stehend) ein
zweiter Zug von ähnlichen Gesteinen am Südabhange der Wotschkette, wo sie
in allen Gräben zwischen St. Leonhard und St. Florian mehr oder weniger zum
Vorscheine kommen. Sie sind gut erhalten, so dass ihre nähere Beschreibung
(weniger leicht ihre nähere Bezeichnung) möglich ist. Die grüne bis schwarze
Grundrnasse ist sehr fest, von eckigem Bruch und körnigem Gefüge. Sie enthält
deutlich ausgeprägte Krystalle von Feldspath und Augit, zuweilen auch noch
von sechsseitigem Glimmer. In einigen Gräben ist das Gestein ausserdem sehr
quarzreich. Es kann bald als Grünsteinporphyr, bald als Melaphyr
gedeutet werden. Seine Einwirkung auf die zunächst liegenden e^eenen Schiefer
durch Hebung und Metamorphose lässt sich an der Strasse, die zur Fürst W in-
disch grätz’schen Dampfsäge hinaufführt, leicht beobachten und soll durch die
Figuren 24 und 25 versinnlicht werden. Wir sind somit berechtigt, sie als
jüngere vulcanische Gebilde mit den Doleriten in eine Linie zu setzen *).
Fig. 24.
Sagai. . Alte Glashütte. Dampfsäge. Wotsch.
a Dolomit und Kalk der oberen Trias, b dunkle eoeene Schiefer, c Flötz von unreiner nicht bauwürdiger Kohle,
d eoeene Sandsteine, e grüner, massiger Porphyr, f Contactschichten desselben.
!) v. Morlot scheint diesen Punkt nicht gekannt zu haben, sonst hätte er wahrscheinlich
den plutonischen Ursprung dieser Gesteine nicht in Abrede gestellt. (Aus den Berichten
über Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften. Bd. V, Seite 180.)
[51]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 361
Fig. 25.
S- i h cf f e d c 1} cu 1 ?
Detailprofil der Contactschichten aus obiger Figur.
P Grünsteinporphyr.
Mächtigkeit :
a grünes bis violettes Feldspathgestein mit sma-
ragdgrünen Flecken 6 Fuss.
b feinkörniges, halbverwittertes Conglomerat . 4 „
c wie « 5 „
d sehmutziggrüner klüftiger Schiefer mit weissen
Punkten 7 „
e wie a 3 „
Mächtigkeit:
zerriebenes verkittetes Gestein , fast wie Rei-
bungsbreeeie 10 Fuss.
g zum Theil wie d, undeutlich 5 „
h dunkles Gestein mit Breecienstruetur , Spalt-
flächen rostfarbig 8 „
i feinkörniges Conglomerat 5 „
Gesammtmächtigkeit der Contactschichten . 53 Fuss.
E schmutziggrüne klüftige Eocenschiefer.
Fallwinkel des ganzen Schichtencomplexes : 70° gegen SSW.
Die Verwandtschaft dieser Gesteine mit den Doleriten geht noch überdies aus
der Gleichartigkeit ihrer Tuffe hervor. Diese bestehen aus einer ziemlich festen
Breccie, aus dunkelgrünen, dunkelrothen und schwarzen Brocken zusammengesetzt,
die oft so eng verbunden sind, dass das Gestein massig und wie Basalt oder Grün-
stein aussieht, wofür man es halten könnte (auch schon gehalten hat), wenn
nicht deutliche Muschelreste darin vorkämen. Ein schönes derartiges Tuff-
vorkommen findet sich in einem Steinbruche an der Strasse von Pöltschach nach
Sauerbrunn, da wo sie die Kalkzone verlässt.
Aus der Nähe der eigentlichen Dolerite kennen wir den Tuff nur durch lose
Stücke aus der Gegend von Trennenberg; sie stimmen indess nicht nur äusser-
lich ganz mit den eben beschriebenen überein , sondern enthalten auch die
nämlichen Muschelreste (Cardien).
XII. Erzlagerstätten.
Das Gebiet, welches wir zum Gegenstände dieser Arbeit gemacht, ist im
Ganzen genommen arm an Metallschätzen. Es kommen wohl manche Erzlager-
stätten darin vor und es sind zahlreiche Versuche gemacht worden, dieselben zu
Nutze zu bringen, aber selten mit Glück. Im gegenwärtigen Augenblicke gibt
es nur zwei Metallbaue, die einen mässigen Ertrag sichern, somit auch mit
Erfolg fortbetrieben werden können, nämlich der Eisensteinbau von Olimie und
der Zinkbau bei Petzei oberhalb Lichtenwald. Alle anderen Erzvorkommen haben
nur ein wissenschaftliches Interesse. Fast alle liegen in den Gailthaler
Schichten, vorzüglich an deren Grenze gegen die Schichten der unteren Trias.
Die übrigen Formationen enthalten nur ausnahmsweise Spuren von Eisenerzen.
1. Zinkblende wurde bis jetzt nur in Petzei gefunden und zwar in den
tieferen Schichten der Gailthaler Formation. Sie tritt in drei Quarzlagern von
1 Fuss bis 1 Klafter Mächtigkeit auf und ist darin in Nestern, Schnüren und Ein-
sprengungen vertheilt. Das zweite Lager verspricht am meisten, indem Nester
von 1 bis 2 Fuss Mächtigkeit nicht selten sind und viel Stuferz liefern. Als
Begleiter der Blende zeigen sich Spatheisenstein und im Ausgehenden auch Blei-
glanz. Die beiden bisher betriebenen Baue, Alexanderbau (Etzeit) und Francisci-
hau (Kuschel) sollen nun vereinigt werden, was nur von Vortheil sein kann. Ein
46*
362
Theobald v. Zollikofer.
[52]
wohl eingerichtetes Poch- und Schlemrnwerk ist schon seit einiger Zeit aufge-
stellt und dürfte nun wohl wieder in Thätigkeit gesetzt werden.
Die von Herrn Karl Ritter v. Hauer an der k. k. geologischen Reichsanstalt
ausgeführten Analysen dieser Erze haben folgende Resultate geliefert:
1. Stuferz vom Alexanderbau ....
2. „ „ Franciscibau
3. Kernschlich vom Haarsiebe ....
4. Schmundschlich vom Stossherde
In Procenten
Blende
Metall. Zink
Metall. Eisen
76-5
510
—
71 1
47-7
—
—
630
t *4
—
58*1
1-7
—
470
4-9
Im Jahre 1837 wurden von der Gewerkschaft Kuschel 3590 Centner Blende
gewonnen, und in der Zinkhütte von Sagor vererzt.
2. Bleiglanz findet sich ebenfalls in den Gailthaler Schichten, aber in
einem hohem Horizont, als die Zinkblende, nämlich nahe an der Grenze gegen
die Werfener Schichten, wo gewöhnlich feinkörnige Sandsteine auftreten, die
für die Bleivorkommen der Gegend charakteristisch sind. Bei Ledein, nördlich
von Lichtenwald wurde ein Erzgang gegen 100 Klafter weit verfolgt; du sich
aber die Stuferze nur i/a Zoll und die Pochgänge höchstens 3 Zoll mächtig
erwiesen, so musste der Bau wieder aufgelassen werden. Ausserdem sind in der
Nähe noch sieben Freischürfe auf Bleiglanz, so unterhalb Podgorize (auf der
Karte stebt „Podoriza“), in der Nähe von Ruth (Rud = Erz), bei Podgorje
und unweit von Petzei; sie versprechen aber alle eben so wenig, wie das Vor-
kommen von Ledein. Was die Lagerungsverhältnisse dieser Erzgänge anbelangt,
so gehören sie mit zu dem grossen Linsensystem, dessen in unserer früheren
Abhandlung (Jahrbuch 1859, Separatabdruck Seite 8) gedacht wurde.
3. Mangan reicher Brauneisenstein zeigt sich bei Ruth in denselben
Schichten, wie der Bleiglanz. Die Analyse ergab 59 Procent Mangan. Das
Vorkommen ist jedoch zu unbedeutend, um eine weitere Beachtung zu verdienen.
4. Eisensteine. Sie kommen sowohl im Hangenden der Gailthaler Schich-
ten, als in den oberen Triasformationen vor. Die ersteren sind Brauneisen-
steine, die durch anogene Umwandlung aus Spatheisenstein entstanden sein
mögen, denn dieser findet sich zuweilen noch in der Tiefe unverändert; die
anderen sind Rot heisensteine nebst einigen Braunerzen von weniger Belang.
Die Eisensteine der Gailthaler Formation treten längs des Ru-
denzazuges bis in die Nähe von Krapina häufig auf. Auf der steierischen Seite
zeigen sie sich am Südfusse des Gebirges, auf der croatischen hingegen am
Nordfusse. Sie sind regelmässig zwischen Gailthaler Sandsteine oder Schiefer
und schieferigen Kalk, den wir den Guttensteiner Schichten beizählen zu
müssen glauben, eingelagert (Hauptprofil II), so zwar, dass es fast zweifelhaft
bleibt, welcher von beiden Formationen sie angehören, um so mehr, da sie oft
nach beiden Seiten hin allmählich in Roh wand und endlich in taubes Gestein
übergehen. Man kann somit diese Erzvorkommen auch als eine Reihe von regel-
mässig eingelagerten Roh wandstöcken betrachten, die sich streckenweise ver-
edeln und reiche Erze liefern. Fremde Mineralien treten mit den Eisensteinen
nicht auf, wenn man einige seltene Bekleidungen von Hohlräumen durch Arra-
gonit ausnimmt.
Es ist an vielen Stellen auf diese Erze geschürft worden, da sie aber selten
lange anhalten und noch seltener sich auf längere Strecken genügend veredeln,
so waren die meisten Bemühungen fruchtlos und nur der Stock von Olimie
[53]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark. 363
machte hievon eine beachtenswerthe Ausnahme. Er scheint sehr früh bekannt
gewesen zu sein, denn Spuren von Pingen und Schlacken machen wahrschein-
lich , dass schon die Paulinermönehe von Olimie die Eisensteine gewonnen und
an Ort und Stelle verschmolzen haben. Der gegenwärtige Bau (Josephimassen)
wurden indess erst im Jahre 1826 durch den Gewerken Steinau er eröffnet und
befindet sich nebst einem zweiten etwas mehr östlich gelegenen (Ferdinands-
massen) noch in dessen Besitz. Durch 30 Jahre bestand hier ein Tagbau auf einen
20 bis 30 Klafter mächtigen Stock; seit etwa drei Jahren aber wird das Erz
regelmässig durch Stollenbau aufgeschlossen und durch Pfeilerbau gewonnen
(Figur 26). Die Mächtigkeit der edlern Partien mit 40 bis 50 Procent Roheisen-
gehalt sammt den weniger reichen, aber als Zusatz noch recht brauchbaren
Zwischenmitteln beträgt ungefähr 17 Klafter. Weiter gegen das Hangende hin
wird die Rohwand immer ärmer, aber erst in der vierzigsten Klafter gelangt die
Verquerung in ganz taubes
Gestein. Verfolgt man den
Stock von der Verquerung
aus nach seinem Streichen
westwärts, so hat man etwa
15 Klafter weit edle Erze,
andere 15 Klafter weit arme
Erze und von der dreissig-
sten Klafter an taubes Ge-
stein, obwohl nur wenig
weiter westlich (am anderen
Gehänge des Rückens, an
welchem der Bau angelegt
ist) wieder schöne Erze aus-
beissen. Figur 26 liefert eine
Skizze dieses Baues, die
zwar nicht auf volle Genauig-
keit Anspruch machen kann,
aber doch zur Veranschau-
lichung desselben genügend
ausreicht. Die Reichhaltig-
keit der Erze ist durch den
Grad der Schraffirung an-
gedeutet.
In den Ferdinandsmas-
sen wurde das Eisenstein-
Fig. 26.
Hangendes.
taub.
Grundriss des Eiseusteinbaues von Olimie bei Windiscb-
Landsberg.
lager durch einen senkrecht darauf geführten Stollen in der vierundzwanzigsten
Klafter angefahren. Es zeigte sich auf eine Erstreckung von 14 Klafter bis 5 Fuss
mächtig und lieferte die schönsten Erze mit circa 50 Procent Roheisengehalt.
Jetzt ist es verhaut; doch dürfte es in der Tiefe noch anhalten.
Die Eisensteine Yon Olimie werden mit Rohwand versetzt, um eine Be-
schickung von 30 Procent zu erzielen und nach dem der Gewerkschaft gehörigen
drei Meilen entfernten Hochofen von Edelsbach geführt. Nach dem amtlichen
Ausweis über die steierischen Bergwerkspröducte vom Jahre 1858 wurden
daraus 5094 Centner Roheisen gewonnen.
Ein anderes Vorkommen von Eisensteinen der Gailthaler Formation findet
sich im Rosenazuge nördlich von St. Ruperti im oberen Vodrusehgraben. Die
Lagerungsverhältnisse sind so ziemlich dieselben, wie bei Olimie (siehe Figur 4)
und die daselbst auftretenden Erze scheinen ebenfalls aus Spatheisenstein ent-
364
Theobald v. Zol Itkofer.
[54j
standen zu sein. Am rechten Thalgehänge findet sich ein alter Bau, ebenfalls der
Gewerkschaft Steinauer gehörig, auf ein unregelmässiges Stockwerk, ohne
sicheres Streichen und Verflächen. Es scheint jedoch mächtig gewesen zu sein,
denn es beschickte den Hochofen von Edelsbach früher als Olimie und wurde
noch bis in die letzte Zeit ausgebeutet. Jetzt aber ist es nahezu abgebaut. Die
reichen Erze mit 40 Procent Roheisengehalt sollen vorzüglich in den oberen
Partien des Stockes vorgekommen sein. Unten am Bache , nur wenige Schritte
unterhalb der Platzmühle, zeigen sich die Erze wieder, und es besteht
daselbst ein Freischurf des Gewerken Büro witsch darauf. Zur Zeit unseres
Besuches waren aber die Arbeiten noch wenig vorgeschritten, so dass wir
über deren Erfolg nicht urtheilen können. Die zu Tage ausgehende Rohwand
(von edlen Erzpartien ist nicht viel zu sehen) tritt in einem zerklüfteten Gestein
von tiefgrüner Farbe auf, welches sehr an die Nähe der Porphyre erinnert.
Die Eisensteine der oberen Trias gehören dem Nordabhange des
YVachergebirges an. Hier zeigt sich vor allem der oben erwähnte kieselerde-
reiche Rotheisenstein, in welchen der die Grünsteine begleitende eisen-
schüssige Jaspis zuweilen übergeht. Er findet sich besonders im Teufelsgraben
hinter Edelsbach und dieses Vorkommen nebst einem anderen naheliegenden
von Braunerzen hat Veranlassung zur Erbauung des Hochofens gegeben ‘). Allein
die Unbeständigkeit des ohnehin nicht allzu grossen Gehaltes an reinem Erze
und vor Allem die Strengflüssigkeit des Gesteines, führten bald das Auflassen des
Baues herbei. Ebenso wurde auch der andere Bau eingestellt, da die Erze zu
unrein waren und der Hochofen war nunmehr ganz auf die entfernt liegender)
Eisensteinlager von St. Ruperti und Olimie angewiesen.
Es kommen übrigens am Nordabhange des Wachergebirges noch an einigen
Stellen Spuren von Eisenerzen vor. So ist neuerdings oberhalb Peilenstein ein
Ausbiss von Eisensteinen gefunden worden, die zwischen Grossdorner Schiefer
und Dachsteindolomit eingelagert sind und wie diese steil nach Nord fallen.
Ueber Tag sind sie unrein und stark verwittert; ob sie sich in der Tiefe besser
anlassen, muss erst ermittelt werden.
Oestlich von Hörberg im Feistrizgraben (beim a vom Wort Navideschie der
Stabskarte) findet sich endlich ein Lager von Bolus mit spärlichen Spuren von
Bohnerz im Dolomite. Mächtigkeit 6 bis 9 Fuss.
5. Schwefelkies. Bei Kraintschitza, südwestlich von St. Georgen, zeigt
sich ein Schwefelkieslager von 2 Fuss Mächtigkeit in einem grauen Tuflgestein,
welches dem Kalke aufliegt und somit zu den eocenen Bildungen zu gehören
scheint. Das Lager fällt wie das Nebengestein steil nach Nord ein. Es enthält
mehr oder weniger grosse Stücke reinen Erzes in einer lockeren schwarzen
Masse, die selbst wieder reichlich von Schwefelkies durchzogen ist und als
Zersetzungsproduct gelten kann. Da es nur auf wenige Klafter aufgedeckt wurde,
so lässt sich eintweilen nicht mehr darüber mittheilen.
3/s Meilen nördlich von diesem Punkte liegt ein alter verlassener Bau,
angeblich auf Silber, in der Ortschaft Slattetsche (zu deutsch: „Gold rinnt“).
Am Mundloche des gegenwärtig unbefahrbaren Stollens zeigt sich unter Contact-
gesteinen eine äusserst harte Felsitbreccie, die ebenfalls Schwefelkies einge-
sprengt enthält. Wahrscheinlich wurde diesem Erze nachgegangen, wobei
allerdings die Möglichkeit vorhanden ist, dass es edle Metalle enthielt. Vor
*) Nähere Details darüber, so wie über die Baue von Olimie und St. Ruperti finden sieh in
dem von der Landwirthschafts-Gesellschaft Steiermarks herausgegebenen Werke: „Ein
treues Bild des Herzogthumes Steiermark“, im Abschnitt, welcher den Bergbau des
Landes behandelt und von Professor A. v. Miller bearbeitet wurde. §. 266.
365
P*]
Die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark.
ungefähr 30 Jahren sollen von Herrn v. Gadolla, dem damaligen Besitzer dieses
Baues, Stufen zur Untersuchung nach Vordernberg gesandt worden sein, die
8 Loth Silber per Centner ergaben. Für die Bichtigkeit dieser Angabe, die wir
auf Priyatweg erhalten, können wir natürlich nicht einstehen.
Dieses Vorkommen hat übrigens viel Aehnliehkeit mit demjenigen von
Kraintschitza , und wir sind nicht ungeneigt zu glauben, dass es sich hier um
dessen Gegenflügel handle, wofür zum Theil auch die Lagerungsverhältnisse
der höher liegenden Schichten sprechen, die auf eine Mulde schliessen lassen.
In diesem Falle müssten aber entweder die Gesteine von Slattetsche zu den
eocenen Tuffen oder diejenigen von Krainschifza zu den Breccien gezählt werden,
Voraussetzungen, die in beiden Fällen auf Schwierigkeiten stossen.
XIII. Quellen.
Der grössere Theil unseres Gebietes ist reich an Quellen, die meistens viel
und gutes Trinkwasser liefern. Wie gewöhnlich, stellt der Dolomit das grösste
Contingent; drei Viertel der von uns untersuchten Quellen liegen in dessen
Bereich. Am Fusse der Leithakalkbänke sind sie auch nicht selten, da dieses
Gestein häufig entweder klüftig oder zerrissen ist und so das Durchsickern
der Tagwasser erleichtert. Einige Quellen des Leithakalkes liefern sogar ansehn-
liche Wassermengen, wie z. B. diejenige von Pischätz im Ranner Becken, die aus
einer kleinen Grotte hervorquillt und sogleich eine Mühle treibt. Man will übrigens
ein allmähliches Abnehmen derselben bemerkt haben, was die Anwohner sehr
besorgt macht. Der Grund davon kann jedenfalls nur in der immer mehr über-
hand nehmenden Abstockung der Gebirgswaldungen liegen, wodurch leider so
manche Quelle zum Versiegen gebracht wird.
Fast alle Quellen zeigen eine Temperatur, die zwischen 9 und 10 Grad R.
liegt, was so ziemlich der mittleren Temperatur Unter-Steiermarks entspricht.
Einige wenige ergeben jedoch einen geringeren Wärmegrad, sei es, dass sie in
bedeutender absoluter Höhe entspringen, oder dass ihre Wasseradern im zerklüf-
teten Gesteine stark vertheilt sind und durch Verdunstung von ihrer ursprüng-
lichen Wärme viel verlieren. So zeigt die Quelle unweit dem Schlosse Hörberg
nur 7'5 Grad R. , eine andere an der Strasse von Gairach nach Meierhof
nur 7’4 Grad R. und eine dritte, die etwa eine Stunde südwestlich von Montpreis
aus dem Leithakalke hervorkommt, gar nur 6*7 Grad R.
Eigentliche Warmquellen kommen in unserem Gebiete nicht vor. Die Namen
der Ortschaften Toplize (Südwestfuss des Vetternig) und Tepelza (Südfuss des
Süssenheimerberges) deuten zwar auf solche hin, doch konnten wir nur in
letzterer eine Quelle finden, die bei einer Temperatur von 13 Grad R. den Orts-
namen einigermaassen rechtfertigt.
Von Mineralwässern sind ausser einer Sch wefel quelle in der Ort-
schaft Hainsko, Gemeinde Pristova, an der Strasse von Windisch-Landsberg
nach Pöltschach *), nur die Säuerlinge am Südfusse der Wotschkette zu
nennen. Diese sind aber um so beachtensvverther, als sie nicht blos in namhafter
Zahl auftreten, sondern sich auch durch grossen Gehalt an freier Kohlensäure
und fixen Bestandtheilen auszeichnen, und dem auch in der Ferne wohlbekann-
ten Curort Sauerbrunn seinen alten Ruf erworben haben. Von den 20 oder 21
bisher entdeckten Brunnen liegt der östlichste bei Bresowetz unweit Rohitsch,
0 Die von Dr. Macher in seiner Schrift: „Die Heilwässer des Herzogthums Steiermark”,
Gratz 1838, unter Lit. C, Nr. 6 angeführte Schwefelquelle von Hainsko ist keine andere
als die gleich darauf unter Nr. 7 beschriebene von Pristova.
366 Th. v. Zollikofer. Die geolog. Verhältnisse des südöstl. Theiles von Unter-Steiermark. [56]
der westlichste bei Dolle, südlich von der Wallfahrtskirche Maria Luhitschna
bei Pöltschach, also nahezu 2 Meilen von ersterem entfernt ‘). Sie können nach
ihrer chemischen Beschaffenheit in zwei Gruppen gebracht werden, in alka-
lisch-erdige Säuerlinge und in Natron-Säuerlinge, je nachdem unter den
fixen Bestandtheilen Kalk und Magnesia oder aber Natron vorherrscht. Als Rc-
präsentant der ersten Gruppe kann der Tempelbrunnen des Curortes Sauerbrunn,
als Repräsentant der zweiten der Ignazbrunn in Unter-Kostreinitz gelten.
Der Tempelbrunnen hat eine Temperatur von 8*2 Grad R. und enthält
in 10.000 Gewichtstheilen 22-4 freie Kohlensäure, 16*5 gebundene und 57*5 fixe
Bestandtheile, worunter 15-4 kohlensauren Kalk, 12*9 kohlensaure Magnesie,
20 schwefelsaures Natron und 7 kohlensaures Natron. Der Ignazbrunnen hat
eine Temperatur von 10*4 Grad R. und enthält in 10.000 Gewichtstheilen
8*2 freie Kohlensäure, 27*5 gebundene Kohlensäure und 69 fixe Bestandtheile,
worunter 61 kohlensaures Natron und Spuren von Jod.
Im Uebrigen verweisen wir auf die Monographie von Dr. Fröhlich:
„Die Sauerbrunnen von Rohitsch, IV. Auflage, Wien 1867“, so wie auf die
beiden Werke von Dr. Macher: „Die Heilwässer des Herzogthums Steiermark“
und „Die medicinisch-statistische Topographie von Steiermark“ (gekrönte Preis-
schrift) und wollen nur noch kurz der Beziehungen dieser Quellen zu geologi-
schen Verhältnissen der Gegend gedenken. Die Brunnen entspringen entweder
in einem hellen, festen, zuweilen dolomitischen Kalke, der namentlich in der
Nähe des Curortes in geringer Tiefe auftreten soll und zweifelsohne dem Trias-
kalke der Wotschkette angehört, oder in dem unmittelbar darauf liegenden,
glimmerigen, mit Kalkspathadern durchzogenen Sandmergelschiefer, der hier
als unteres eocenes Glied auftritt. Die Temperatur der Quellen der ersten
Gruppe bewegt sich durchgängig zwischen 8 und 9 Grad R.; sie erhebt sich
aber für die Quellen der zweiten Gruppe um 2 bis 3 Grade. Die letzteren mögen
somit aus etwas grösserer Tiefe kommen, wodurch denn auch zum Theile ihr
grösserer Gehalt an fixen Bestandtheilen erklärt wird. Bedeutend ist aber die
Tiefe weder für die einen, noch für die anderen. Wenn aber alle diese Quellen
gleichwohl eine grosse Menge mineralischer Bestandtheile aufgelöst enthalten,
so muss dies ihrer Uebersättigung mit Kohlensäure zugeschrieben werden,
welche dem Wasser die Eigenschaft verleiht, auch auf verhältnissmässig kurzem
Wege und bei geringem Wärmegrade die zu durchlaufenden Gesteine in
erhöhtem Maasse aufzulösen. Der ansehnliche Gehalt an freier Kohlensäure, der
dieses Wasser auch als erfrischendes Getränk so beliebt macht, lässt auf einen
nicht ganz erloschenen vulcanischen Herd schliessen, der sich in der Tiefe vor-
finden muss. Dieser ist denn auch durch das Auftreten von jüngeren plutonischen
Gesteinen, wie Dolerite, Melaphyre und Grünsteinporphyre, die sich in der
Nähe zeigen, hinlänglich wahrscheinlich gemacht. Ein kleiner Durchbruch von
solchen jüngeren Eruptivmassen muss sich unter anderen ganz nahe beim Tempel-
brunnen ereignet haben; wenigstens weisen die losen eckigen Stücke von
Dolerit, die man etwa 6 Minuten nordöstlich davon trifft, daraufhin.
Näher wagen wir uns nicht in diese Frage einzulassen, um uns nicht in
Hypothesen zu verlieren, wozu namentlich die Erklärung des grossen Natron-
gehaltes eines Theiles dieser Säuerlinge führen müsste.
0 Nach den Aussagen des Herrn Bürgermeisters Korze in Ponigel bestand noch ein Sauer-
brunn in der Ortschaft Slattina, nördlich von Ponigel, dem Bauer Gallo v gehörig.
Später kam Süsswasser dazu und jetzt liegt er verschüttet. Dies wäre demnach der
westlichste Brunnen der Rohitscher Gruppe.
:>
[1] J. Jokely. Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen. 367
II. Die Quader- und Pläner - Ablagerungen des Bunzlauer
Kreises in Böhmen.
Von Johann Jokely.
Mit zwei Profilen.
Mitgetheilt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 25. Juli 1860.
¥ o r w o r t.
Böhmen, ein Land, wie kaum ein zweites der Monarchie, welches so
zahlreiche Spuren vorübergegangener Katastrophen von den ältesten bis zu den
neuesten geologischen Epochen aufzuweisen hat, bietet nun auch in dieser Rich-
tung so manche räthselhafte Erscheinungen, die nur durch wiederholtes Studium
und Beobachten entwirrt worden, und fortwährend noch zu entwirren sind.
Eine nicht unwesentliche Rolle spielen dabei auch die bisher unter den
Colleetivnamen „Kreidebildungen44 zusammengefassten Quader- und Pläner-
Ablagerungen. Reuss, Geinitz, Naumann, Cotta waren es vor Allen,
die deren Kenntniss, mit Einschluss der sächsischen Bildungen, interpretirten,
sie gliederten und ihnen die Parallele stellten der bereits gegliederten deutschen
und ausserdeutschen , namentlich belgischen Formationen.
Wie weit die einzelnen Ansichten der genannten Forscher bezüglich der
Glieder dieser Bildungen sich begegneten oder von einander abwichen, ist in
ihren Schriften niedergelegt. Es sind das hochwichtige Beiträge zur Geschichte
der diesbezüglichen Literatur und wohl geeignet zur Beurtheilung dessen, wie
selbst das geübteste Auge nur höchst mühsam einen leitenden Faden dort aufzu-
finden vermag, wo durch jüngere heterogene Elemente die ursprüngliche Ge-
staltung und Lagerung älterer Schichten so arg beeinträchtigt worden ist, wie
eben hier.
Die Aufnahmen der letzten drei Jahre innerhalb des Quader- und Pläner-
gebietes in Böhmen verfehlten nicht, das treffliche bereits vorliegende Material
auf das Beste zu vervverthen. Diesem ist es denn auch zu verdanken, dass eine
Detailaufnahme hier überhaupt möglich wurde, und dass sie ferner einen viel
rascheren Fortgang nahm, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Bevor noch aber nicht das ganze Gebiet der hiesigen Quader- und Pläner-
Ablagerungen speciell durchforscht und somit von Seiten der k. k. geologischen
Reichsanstalt die Aufsammlungen von Petrefacten beendet worden ist, kann
füglich das Endresultat hinsichtlich der Formationsstellung der genannten Ge-
bilde gegenüber jener anderer Länder nicht ausgesprochen worden. Eine gründ-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1S61 und 1862. III. Heft. 47
368
Johann Jokely.
L2]
liehe, durchgreifende paläontologische Arbeit muss hier den Schlussstein dazu
legen, was bis nun aus der Erforschung der Lagerungsverhällnisse als sicheres
Ergebniss hervorgegangen ist.
Hier handelt es sich also hauptsächlich um die Constatirung der während der
Aufnahme der letzten Jahre gewonnenen Thatsachen, kurz, um das Resume der
bereits in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt verzeichneten
Reiseberichte , vorzugsweise aus den Jahren 1858 und 1859.
Zunächst sind es zwei Glieder aus der bisher aufgestellten Schichtenreihe
der hiesigen Kreidezeit, über welche jüngst noch einige Zweifel in Rezug der
Richtigkeit ihrer Stellung obwalteten, des sogenannten „Plänersandsteines“
nämlich und des „oberen Quaders“.
Herrn Prof. Reuss *) gebührt die Initiative, gestützt auf die paläontolo-
gischen Charaktere dieser beiden Schichten, in letzterer Zeit ihre Selbstständig-
keit als Formationsglieder in Frage gestellt zu haben. Durch unsere Aufnahmen
der letzten zwei Jahre hat sich nun dieser fragliche Punkt, nach der Controle
einer scharfen Fixirung aller dieser Schichten und ihrer Lagerungsverhältnisse
mit vollster Evidenz geklärt, ein Umstand, welchen nur derjenige gehörig
würdigen kann, wer selbst an der Durchforschung der hiesigen oder benach-
barten sächsischen Kreidebildungen betheiligt war.
Die richtige Stellung, besonders des sogenannten „Plänersandsteines“ war
hier gleichsam eine „brennende Frage“, denn mit der Lösung derselben mussten
sogleich alle Zweifel und Wirrsale völlig schwinden, die sich in stratigraphischer,
noch mehr aber in paläontologischer Beziehung daraus ergeben hatten, dass man
jenen Mergelsandstein, während er entschieden dem Quadersandsteine unter-
geordnet ist, zum Pläner gerechnet, und so den über ihm lagernden Sandstein
als „oberen Quader“ vom sogenannten „unteren“ gewaltsam losgetrennt hat.
Bei der Einverleibung des „Quadermergel“, — welche Benennung hier
statt „Plänersandstein“, selbstverständlich aber in einem etwas abweichenden
Sinne, wie sie Herr Professor Gei n itz gebraucht hat, genommen wird, zer-
fallen nunmehr die Ablagerungen der hiesigen Kreidezeit in die Bildungen des
„cenomanen Quaders“ und die des „turonen Pläner“. —
Bezüglich der mehr minder schieferigen Thone, Aequivalente der „Bacu-
liten- Schichten“ Rominger’s (Leo nhard und Br onn’s Jahrbuch 1847),
welche auch in diesem Gebiete vertreten sind, ist es wegen der unzureichenden
Kenntniss ihrer Versteinerungen noch unentschieden, ob diese Schichten dem
Turonien oder Senonien angehören. Entschieden sind es aber die obersten
Schichten der hiesigen Kreideformation, mit welchen sie hier ihren Abschluss
erlangt.
Die nachfolgende Skizzirung dieser Bildungen bezieht sich hauptsächlich
auf den Bunzlauer Kreis (Generalstabs-Specialkarte Nr. III und VIII), wobei
jedoch auch das Wesentliche aus dem östlichen Theile des Leitmeritzer Kreises
(Generalstabs-Specialkarte Nr. II und VII) mit einbegriffen worden ist.
D Vortrag, gehalten während der Jubelfeier der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in
Böhmen.
Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des ßunzlauer Kreises in Böhmen.
369
Formation des Quaders.
Ohne näher in die topographisch-landschaftliche Beschaffenheit
des hiesigen Quadergebietes einzugehen, — Andeutungen darüber geben bereits
frühere Berichte, — seien hier blos einige der am meisten charakteristischen
Merkmale desselben, insbesondere in dem Gebiete zwischen der Elbe und Iser
näher bezeichnet.
In den Bandregionen nächst dem krystallinischen Gebilde der nordwest-
lichen Ausläufer des Biesen- und Oberlausitzer-Gebirges, dann theilweise in der
Nachbarschaft des Leitmeritzer vulcanischen Mittelgebirges ist das Quadergebiet
höchst eoupirt. Tief eingefurchte Thäler, wie die oft viele Hunderte von Fussen
senkrecht aufsteigenden Sandsteinmassen mit ihren Hochplateaux und die insel-
förmig zerstreuten, meist von Basalt- oder Phonolithstielen gehaltenen bisweilen
äusserst grottesken Felsgruppen gehören zu den Eigentümlichkeiten dieser mit
Recht so viel gerühmten Gegenden Nord-Böhmens. Die Wände und Terrassen,
Grate und Zacken von Herrenskretschen, Ditlersbach, Kreibitz, Zwickau bis
hinauf an die Iser bei Klein-Skal und noch über den Kozakow hinaus, dann jene
von Dauba, Gräber, Auscha sind eben so allbekannt wie vielbesucht, gleichwie
die von Quadersandstein und theilweise von Pläner umsäumten Phonolith- und
Basaltkegel des Inneren vom Bunzlauer Kreise, in den Gegenden von Böhmisch-
Leipa, Gabel, Niemes, Hirschberg, Schloss Bösig.
Weiter weg von da nach Süden undOsten, um Turnau , Münchengrätz,
Jungbunzlau, Melnik (im Norden des Prager Kreises) schwindet jedoch dieser
pittoreske Charakter der Gegend gänzlich. Das Quadergebiet erscheint als eine
zumeist höchst einförmige hochflächige Ebene, die sich nun bis in das Innere
Böhmens hinein erstreckt. Diluviale Absätze bedecken die Quaderschichten
stellenweise fast vollständig, und nur an den fast durchwegs sehr jähe, oft fast
senkrecht abfallenden Gehänge der Elbe, Iser und ihrer ziemlich zahlreichen
Nebenthäler wird man ihrer als anstehenden Gesteines ansichtig.
Der nächste Grund jener ersteren Erscheinung liegt unbedingt in der Gegen-
wart der beiden einander correspondirenden Bruchspalten, deren eine im Norden
des Leitmeritzer Mittelgebirges durch die Quadersandsteinwände der böhmischen
Schweiz, die anderen im Süden jenes Gebirges durch ähnliche, wenn auch
minder prägnante Abstürze von Habstein, Hohlen, Gräber und Auscha bezeich-
net wird. Die Fortsetzung beider nach Südwesten oder Westen ist eben so
deutlich ausgeprägt längs des Erzgebirgrandes und im Verlaufe des Egerthales
bis über das Liesener Basaltgebirg hinaus.
Die Mulden, Canäle zwischen jenen inselförmigen Sandsteingruppen im
Norden des Bunzlauer Kreises und die weiten von mehr minder tiefen Thälern
durchschnittenen Ebenen im Süden dieses sowohl wie des Leitmeritzer Kreises,
sind dagegen die Ergebnisse vor sich gegangener höchst bedeutender Erosionen,
deren regste Wirksamkeit noch in die Tertiär-Epoche fiel. Alle diese, theils
beschränkten, theils weit ausgedehnten Niederungen waren dann während der
Diluvialperiode gänzlich inundirt und bieten jetzt, wie bereits angedeutet, noch
fast allenthalben deren sandig-schotterige und lössartige Niederschläge. Eine Aus-
nahme machen blos Gegenden, wie unter anderen von Weisswasser und Hühner-
wasser, wo der, namentlich an der rechten Iserseite so allgemein verbreitete
Löss, später wieder vollständig fortgeführt worden ist. Der zu losem Sande auf-
gelöste Quader breitet sich hier weit aus, und auf diesem höchst sterilen Boden
47*
370
Johann -Jokely.
Dl
pflanzt sich hlos Nadelholz fort, während die anderen Lössgegenden um Mscheno,
Kowan, Bezno bis Melnik hin verhältnissmässig fruchtbares Ackerland abgehen.
Und wo der Quadermergel auch unmittelbar blossliegt und dabei sonst die Lage
günstig, gedeiht sogar die Weinrebe, wie bekanntlich von der Melniker bis in
die Leitmeritzer Gegend.
In ziemlich enger Beziehung zu dieser orographischen Beschaffenheit des
Terrains stehen auch die stratigraphischen Verhältnisse der Quadergebilde.
Eine fast ungestörte Lagerung ihrer Schichten einerseits, und andererseits
namhafte, ja höchst bedeutende Schichtenstörungen.
Im Süden des Bunzlauer und Südosten des Leitmeritzer Kreises zeigt sich
allerwärts ein nur sehr geringer Neigungswinkel, in mehr minder südlicher
Bichtung, der selten 15 Grad überschreitet, häufig auch auf Null herabsinkt.
Weiter nordwärts, namentlich gegen das Leitmeritzer vulcanische Mittelgebirge
zu wird er aber bereits bedeutender und um einzelne Phonolith- oder Basaltkegel
zeigen sich mitunter schon nicht unerhebliche Störungen, hervorgerufen durch
ungleichförmige Erhebungen oder Senkungen einzelner Sandsteinschollen. Die
grössten Abweichungen bietet aber in dieser Beziehung jene höchst merkwürdige
Aufrichtungszone der Quadersandsteinbänke und zum Theile des Rothliegenden,
welche, bereits durch Herrn Prof. Cotta bekannt geworden, unmittelbar am
Südrande des Oberlausitzer, Jeschken- und Biesengebirges von Sachsen herein
auf eine höchst bedeutende Erstreckung sehr steil aufgerichtete bis umgekippte
Schichten wahrnehmen lässt.
Der Deutung dieser letzteren Erscheinung und einer ihr ganz analogen am
Nordrande des Biesengebirges, neuerlich durch Herrn Prof. Bey rieh wieder
erläutert, ist bereits ein vielfacher Ausdruck geliehen worden. Endgiltig lässt
sie sich aber doch nur mit den Gebirgsstörungen während der vulcanischen
Epoche in Zusammenhang bringen, wie das schon an einem anderen Orte berührt
worden ist 1).
Die vereinzelte Partie von rothem Gneiss bei Maschwitz (N. Dauba)
inmitten des Quadersandsteines, scheint, wenn jener auch mit dein letzteren
und dem darin in unmittelbarer Nähe nördlich blossliegenden Quadermergel
durch den Phonolith des Maschowitzberges in etwas disloeirt worden, doch in
der Hauptsache eine schon während der Ablagerung des Quadersandsteines höher
emporragende Felsinsel gewesen zu sein.
In stratigraphischer Beziehung hat demnach das Quadergebiet nur wenig
Auffallendes, und dasjenige, was sich in jenen Störungen kundgibt, ist auf den
eigentlichen Grund leicht zurückzuführen. Das Hauptinteresse beruht daher hier
vorzugsweise auf seiner Gliederung, denn sie löst zugleich eine der schwe-
benden Hauptfragen.
Für die Feststellung der Glieder der Quaderfoi mation , mit Inbegriff des
Pläners war es ein misslicher Umstand, dass die Eingangs genannten specielleren
Forschungen sich böhmischer Seits gerade auf jenes Gebiet des Leitmeritzer und
Saazer Kreises beschränkten, wo wegen der vielfachen Störungen durch die
vulcanischen Eruptivmassen die Lagerungsverhältnisse jener Schichten , wenn
auch im Allgemeinen hier am interessantesten, so doch am verworrensien und
daher auch am schwierigsten richtig zu deuten sind. Bei weitem anders verhält
sich dies bereits im Bunzlauer Kreise, wo neben den grösstentheils viel gerin-
0
„Die nordwestlichen Ausläufer des Riesengebirges u. s. w.“ Jahrbuch der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt 1859, III. Heft, und Verhandlungen; Sitzungsbericht vom 25. Jänner
1859.
Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen.
371
[8]
geren Störungen in der Lagerung, auch die Zerstörung durch Erosion weniger
durchgreifend die ursprüngliche Gestaltung dieser Schichten getroffen hat.
Wo nur halbwegs der Aufschluss günstig, gewahrt man hier auf das deut-
lichste das gegenseitige Verhältnis der zwei Glieder der hiesigen Quader-
formation, des Qua dersandsteines und des Quadermergels. Im Norden
des Kreises, wo noch theiiweise eine mächtige Quadersandsteindecke, das ist
die höheren Theile der Quaderformation , vorhanden, findet sich der Quader-
mergel blos in seiner obersten Bank, vereinzelt im Quadersandstein; so bei
Kreibitz, Gross-Mergenthal, Tetersdorf, Lindenau, Kriesdorf, Merzdorf. In den
tieferen Thaleinschnitten der Mitte des Kreises, unter andern bei Böhmisch-
Aicha, Schwabitz, Liebenau, Gablonz hat man bereits zwei bis drei solcher
Bänke, von denen die unterste und mächtigste an den Gehängen z. B. in Böhmisch-
Aicha über 10 Klafter beträgt.
Von da noch südlicher, im Verlaufe des ganzen Iserthaies von Turnau, über
Münchengrätz, Jungbunzlau, Brodetz, und aller seiner zahlreichen Nebenthäler,
namentlich an der rechten Seite, bietet nun jede höhere Lehne durchschnittlich
wenigstens zwei solcher mächtigerer Quadermergelbänke im Quadersandsteine,
und dazwischen noch einige geringere, von der Stärke kaum einiger Fuss.
Eben so deutlich zeigt sich dieses Verhältnis an den Gehängen der östlichen
Zuflüsse der Elbe, insbesondere im Liboch-Tupadler Thale, welches überdies,
gleichwie die Gegend von Dauba, in den mannigfach abwechselnden Scenerien
lebhaft an die Formen der sächsich-böhmischen Schweiz erinnert.
An den rechten Elbegehängen von Melnik über Wegstädl, Wettl, Gastorf
bis Ruschowan bildet Quadermergel ununterbrochen die mehr minder sterilen
Lehnen und tritt unter dem Pläner noch weiter abwärts bei Trzebautitz und Gross-
Cernosek zum Vorschein und ähnlicherweise an der linken Seite von Klein-
Cernosek bis Suttom. In der Gegend von Lobositz beginnt dann das ausgedehnte
Plänergebiet vom Leitmeritzer Kreise. Südlich schneidet der Pläner ziemlich
scharf an der Egerspalte ab, nimmt aber rechts der Eger die durch sie und die
Elbe gebildete nördliche Landspitze um Doxan ein, um dann aber bei Duschnik
und Zidowec wieder dem Quadermergel zu weichen, welcher nun in der Gegend
von Raudnitz, überhaupt im äussersten Süden des Kreises rechts der Eger
herrscht. Eine Ausnahme sind hier nur die diesseitigen Gehänge der Eger und
einiger tieferen Nebenthäler, wie bei Wrbka, Stradonitz u. a., wo der Quader
und darunter selbst auch Rothliegendes blossliegt , dann eine geringe unmittelbar
auf Quadermergel gelagerte Partie von Pläner zwischen Ober-Berschkowitz und
Czernauschek.
In den Gegenden von Auscha, Bleiswedel bis Dauba beobachtet man im
Quadersandstein auch mächtige Einlagerungen von Quadermergel. Bei der Zer-
rissenheit des Terrains und den häufigen Schichtenstörungen lassen sich aber
die einzelnen Bänke des letzteren hier nicht mehr so ununterbrochen verfolgen,
wie in den oben angeführten Gegenden, ein Umstand, wie er denn nebst manchen
Niveaudifferenzen auch bezüglich des Pläners in der Nachbarschaft des vulcani-
schen Gebirges fast zur Regel gehört.
P etrogr ap bisch ist der Quadermergel gleich wie der Quadersandstein
so ziemlich allgemein bekannt und eben so bekannt ist seine ausgezeichnete
Eigenschaft als Baustein, in welcher Beziehung ihm der Quadersandstein bei
weitem nachsteht. Zu ähnlichen Zwecken lässt sich dieser überhaupt auch dann
nur gebrauchen, wenn er, wie in der Nähe oder Berührung vulcanischer Gebilde,
mehr minder gefrittet ist oder sonst durch ein vorherrschend kieseliges Cement
compacter wird.
372
Johann Jokely.
[6]
Mehrorts, wie besonders in der Raudnitzer und Wegsfädteler Gegend, wird
der Quadermergel seines bedeutenden Kalkgehaltes wegen auch zu Löschkalk
gebrochen; anderwärts wieder ermöglicht seine sehr regelmässige Spaltbarkeit
seinen Gebrauch zu Pflaster-, Sockel-, Fussboden-Pl atten und ähn-
licher architektonischer Verkleidungen. Solche Platten von den verschiedensten
Dimensionen werden von den Umgegenden von Garstorf zu Tausenden jährlich
nach allen Richtungen im In- und Auslande versendet.
Von der ziemlich homogenen Reschaffenheit dieser oft über 12 Klafter
mächtigen Bänke des Quadermergels weichen gewöhnlich die geringeren Lagen,
die bisweilen kaum einen Fuss betragen, petrographisch einigermaassen ah.
Das Korn ist hei ihnen viel gröber, ähnlich dem des Quadersandsteines, und das
Cement, anstatt mergelig, oft ein höchst ausgezeichnet krystallinischer Kalkspath.
An Glaukonit sind die Quadermergel im Bunzlauer und östlichen Theile
des Leitmeritzer Kreises höchst arm, und besitzen nirgends jenen bedeutenden
Antheil davon, wie die dem Quadermergel vollkommen äquivalenten Grün-
sandsteine der Gegend von Laue, Mallnitz und Drahomischel im Saazer
Kreise *).
Zur näheren Beleuchtung des bisher Gesagten über die Wechsellagerung
des Quadersandsteines und Quadermergels diene der beistehende Durchschnitt,
von Jungbunzlau angefangen über Klein-Doubrawitz, Zahay bis Melnik, wo jedoch
des kleinen Maasstabes wegen die an den Plateaux fast überall abgelagerten
diluvialen Lehme, unter denen sich hin und wieder auch noch Quadersandsteine
in geringeren Lagen vorfinden dürften, weggelassen werden mussten.
Was die gegenseitige Verbindung dieser zwei Schichtenglieder der hiesigen
Quaderformation belangt, so zeigen sich hiebei einige örtliche Verschiedenheiten.
In manchen Gegenden scheidet nämlich den Quadermergel vom Quadersandsteine
eine mehrere Zoll bis einige Fuss starke Letten- und Lettenschiefer I age,
bisweilen von lymnischem Charakter, wie sich das unter anderen in der Gegend
von Wegstädtel beobachten lässt. Dabei finden sich aber ähnliche Einlagerun-
gen, oft vollkommen plastische Thone, selbst auch ganz inmitten des
Quadersandsteines an ungemein zahlreichen Orten seines hiesigen Verbreitungs-
gebietes, neben anderen eisenschüssigen Lagen, die manchmal, wie in der
Kreibitzer und Zwickauer Gegend, derartig eisenhältig werden, dass man sie
hin und wieder auch bergmännisch gewonnen hat.
In den meisten Fällen finden jedoch die Uebergänge dieser beiden Schich-
ten, bezugsweise durch häufigere Aufnahme von Kalkgehalt oder Verminderung
desselben, so ganz allmälig statt, dass von einer Grenze zwischen ihnen gar
keine Rede sein kann. In den zahllosen Steinbrüchen an den Isergehängen um
Jungbunzlau, Münchengrätz und an der Eisenbahutrace bei Turnau lassen sich
über dieses Verhältniss unzählige Beobachtungen anstellen, und es zeigt zugleich,
dass, wenn an manchen Orten eine geringe Pause zwischen der Ablagerung des
Sandsteines und Mergels auch stattgefunden hat, in den meisten Fällen dagegen
der Absatz derselben ohne aller Unterbrechung auf einander erfolgt ist.
Nicht minder wie dieses Verhältniss spricht dann und vor Allem auch die
Fauna dieser beiden Schichten für ihren strengen geologischen Zusammenhang.
O Die von Dr. R. Kn er und Dr. A. Alt beschriebenen „Kreidemergel“ der Gegend von
Lemberg, vorzugsweise aber von Nagorzany (Naturwissenschaftliche Abhandlungen,
gesammelt und herausgegeben von W. Haidinger, III. Band, 2. Abtheilung) ent-
sprechen petrographisch sowohl wie paläontologisch vollkommen dem hiesigen „Quader-
mergel“.
Die Quader- und Pläner- Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen.
373
[7]
Alle Formen, die dem Quadersandstein eigen, sind
eben so bezeichnend für den Quadermergel, dabei
völlig abgesehen von jenen so allgemein verbreiteten
Formen , wie Micraster cor anguinum Lam ., Ammo-
nites peramplus Sow., Nautilus elegans Soiv., Ino -
ceramus mytiloides Mant . , Pecten quinquecostatus
Soiv., Exogyra columba Goldf.} Rhynchonella octo-
plicata d’Orb. 11. a., welche in jedem Horizonte und
aller Orten der hiesigen Quaderformation vorzufiu-
den sind.
Nach diesen Bemerkungen wäre nun noch eines
Umstandes näher zu erwähnen, der, je nach dem
örtlichen Verbände der einzelnen Schichten der Qua-
derformatiun und desPläners bezüglich derbesproehe-
nen Gliederung, manchen Irrthum herbeiführen kann.
Ungeachtet nämlich die Bänke des Quadermergels
blos als Zwischenschichten des Quadersandsteines zu
deuten sind, erscheint jener dennoch, namentlich in
den südlichen Theilen des Leitmeritzer und Bunz-
lauer Kreises als die oberste Schichte zu Tage und
wird so häufig auch unmittelbar von Pläner überlagert.
Ist nun der Verband des Pläners mit dem Qua-
dermergel hier bisweilen anscheinend ein etwas inni-
ger, — was nach der Auslaugung des letzteren
während dem Absätze des Pläners sich leicht vor-
aussetzen lässt, — und dabei der paläontologische
Charakter der beiden Bildungen, wegen Seltenheit
oder örtlichem Mangel an Versteinerungen, nicht
besonders augenfällig, so musste die Vermuthung
sehr nahe liegen, dass die beiden petrographisch
einigermaassen einander auch verwandten Schichten
in der That zusammen gehören. War dies einmal
angenommen, so war die Ausscheidung eines Theiles
des Quadersandsfeines, desjenigen nämlich, der sich
über dem Quadermergel findet, als „oberer, d. i.
nach- turoner, Quader“ nur die natürliche Folge
dessen.
Vielfach beobachtete Thatsachen müssen es aber
ausser allen Zweifel setzen, dass vor Ablagerung des
Pläners, sei es nun in Folge der Veränderung im
Niveau des damaligen Kreidemeeres oder der zeit-
weiligen Trockenlegung seines Grundes, höchst be-
deutende Veränderungen in der Oberflächengestal-
tung der Quadermassen vor sich gegangen sein
mussten. Die höheren Schichten dieser Formation,
wie sie sich unter anderen jetzt noch in den Sand-
steinfelsen der sächsisch-böhmischen Schweiz dar-
stellen, wurden anderwärts entweder theilweise fort-
geführt oder auch gänzlich zerstört bis auf die in
tieferen Horizonten gelegenen Bänke des Quader-
mergels. Und so kommt es, dass man den Pläner,
b
■Jf
m
Elbethal.
Melnik.
Blat.
Chotkaberg 130°.
Hledseb.
Klein-Ziwonin.
Zahay.
q=j'
Zaiuach.
Skriwan M. H.
Klein-D o ubrawitz .
Niineritz.
Klein-Horka.
Winice.
Klein-Cejtitz.
Iserthai.
Jungbunzlau 125°.
374
Johann Jokely.
[8]
iheils auf Quadersandstein, theils auf Quadermergel gelagert findet, und dabei
die im ersteren Falle zwischen Quadermergel und Pläner vorhandene Quader-
sandsteinschichte eine so ungemein wechselnde Stärke besitzt.
Die grosse Verschiedenheit in den Niveaux, die sich mitunter zwischen den
Schichten des Quaders und Pläners oder der Baculiten- Schichten, besonders
in der Nachbarschaft des Leitmeritzer Mittelgebirges und der sächsisch-böhmi-
schen Schweiz kund gibt, beruht aber offenbar auf jenen Verwerfungen , die
während der vulcanischen Periode stattgefunden haben. Andere Höhendifferenzen
dagegen und namentlich die nach Süden hin gegenseitig wechselnde Mächtigkeit
der beiden Glieder der Quaderformation, ist wohl in der Art und Weise ihres
erfolgten Absatzes zu suchen.
Es ist nämlich mehr als wahrscheinlich, dass bei der im Ganzen bucht-
förmigen Einlagerung der hiesigen Quaderformation der kalkige Niederschlag
des Quadermergels gegen die Mitte der Mulde nicht allein ein häufigerer war,
sondern auch im Allgemeinen ein mächtigerer, während gegen die nördlichen
Bänder des Beckens, namentlich das Biesen- und Oberlausitzer, zum Theile auch
das Erzgebirg, neben der Verringerung und dem örtlichen Auskeilen jener
Schichten, die Absätze des Quadersandsteines selbst vorwiegend waren.
Formation des Pläners.
Das Plänergebiet des Saaz-Leitmeritzer Kreises ist das ausgedehnteste
Böhmens unter allen, welche bisher näher bekannt geworden sind. Es nimmt
vorzugsweise die westlichen Gegenden von der Elbe zwischen der Eger und
Biela ein. Südlich vom Leitmeritzer Mittelgebirge verfolgt man dessen Ablage-
rungen ohne Unterbrechung weithin auf den dortigen hochflächigen Ebenen,
wogegen sie im Bereiche der Kegelherge, von mehr minder ausgedehnten Basalt-
tuffen und Conglomeraten bedeckt, nur in den tieferen Thaleinrissen blossliegen,
ln ähnlicher Weise trifft man sie nördlich der Biela bis Bodeubach, dann östlich
der Elbe. An mehreren Stellen inmitten des Basaltgebirges, wie zwischen Wern-
stadt und Neustadtei, dann in der Gegend von Triebsch, Levin und Gräber. Nur
in der Gegend von Leitmeritz und Zahorzan liegt ein breiter Streifen des Pläners
am Südrande des Basaltgebirges entblösst.
Von da nördlich und östlich bis zur Iser weicht der Pläner dagegen, bis
auf ganz unbedeutende Partien, vollständig der Quaderformation. Diese letzteren
Partien beschränken sich auf höhere Kegelberge, wo Basalt oder Phonolith ihre
Decke bildet. Seltener sind sie in den ebeneren Gegenden, erscheinen dann
aber als ziemlich markirte Hügelrücken, wie zwischen Melnik und Kowan.
Dieses Terrain des Leitmeritzer und Bunzlauer Kreises zwischen der Elbe und
Iser ist in der Hauptsache ein Erhebungsgebiet zwischen zwei Spalten , die mit
den genannten Thälern, beziehungsweise von der Leitmeritzer und Turnauer
Gegend nach Süden hin fast genau zusammenfallen.
Dieser zumeist einförmigen Gegend von hochflächigem Charakter stellt sich
an der Ostseite der Iser, namentlich im Osten von Kosmanos, Jungbunzlau und
Brodetz, ein vielfach gegliedertes Wellenland entgegen. Es ist das Gebiet einer
zweiten ausgebreiteten Pläner-Ablagerung, die sich über die Grenzen des
Bunzlauer Kreises nach Osten und Süden noch weiterhin ausdehnt. Bisher war
dieses „Bunzlauer Plänergebiet“ als solches noch unbekannt, wie denn über-
haupt die einheitliche Beschaffenheit des ganzen Kreises.
Bemerkenswerth wäre die linke Seite der Iser ausserdem noch hinsichtlich
der Diluvien. Während nämlich an der rechten Iserseite fast durchgängig
Die Quader- und Pläner- Ablagerungen des ßunzlauer Kreises in Böhmen.
375
[9]
Lehm verbreitet ist, herrscht hier Schotter und Sand und bedeckt, neben aus-
gedehnten Alluvien, besonders die Niederungen rings um die höheren Berge und
Hügelzüge des Pläners von Kosmanos, Dobrawitz und Sobotkä. Doch zieht er
sich dabei, wie namentlich in den Gegenden von Sobotka, Markwartitz, Unter-
Bautzen, auch hinauf an die Plänerplateaux und ebenso an die Quadersandstein-
joche von Musky, Wisker und Gross-Skal. welch’ letztere nebst ihren Depen-
denzen ein inselförmiges Sandsteinmassiv bilden, welches das hiesige Pläner-
gebiet im grossen Ganzen nach Norden zu begrenzt. Die Lehmablagerungen
selbst sind in diesem Gebiete meist nur die vereinzelten Beste jener nicht weit
ausgedehnten Lössdecke, welche sich über alle Niederungen des Inneren Böh-
mens erstreckt hat. Der Lehm lagert hier überall, wie im Norden des Kreises,
über Schotter und Sand, welche mit einander unregelmässig wechseln. Das
erwähnte Quadersandsteinmassiv, mit seinen pittoresken West- und Nordabfällen
und den anmuthigen Thalern, verräth auch überall Spuren von Lehm an seinen
Plattformen, wo er eine Seehöhe von mehr als 220 Klaftern erreicht, wie an
den basaltischen Kegelbergen Musky, Wisker und Trosky.
Inseinen petrographischen und paläonto logischen Charakteren
ist der Pläner hinlänglich bekannt. In ersterer Beziehung erleidet er aber örtlich
einige Abänderungen, die man zum Theile in dem Vorhandensein verschiedener
Horizonte oder Etagen beruhend wähnte. Die Dichte und bisweilen äusserst
feste Beschaffenheit, wie sie sich namentlich beim sogenannten „Plänerkalk“
(mittlerer Quadermergel von Geinitz) zeigt, ist wohl ohne Zweifel blos die
Folge jener äusseren Einflüsse, die der gewöhnliche Plänermergel entweder
durch Druck vorhanden gewesener höherer Schichten oder durch pyrogene Ein-
wirkungen der vuleanischen Massen, in deren Nähe er sich , wie im Leitmeritzer
Kreise, hauptsächlich auch findet, erfahren hat. Vor Allem scheint aber diese
Erscheinung auf seiner mineralisch von dem gewöhnlichen mehr minder thonigen
Mergel abweichenden Beschaffenheit zu beruhen, das ist auf seinem bedeutenden
Kalkgehalt, wornach er überall auch zu Lösch- oder Düngerkalk gebrochen wird.
Die höheren Schichten des hiesigen Pläners sind nun dagegen durchgängig
von milderer, bisweilen lettenschieferartiger Beschaffenheit, wie in dem ganzen
Bunzlauer Plänergebiet. Petrographisch stimmen sie aber mehrorts mit jenen
vereinzelten mehr minder mergeligen Schieferthonen von Reichstadt, Böhmisch-
Leipa, Böhrnisch-Kamnitz , eben so mit den in der unmittelbaren Nachbarschaft
des vuleanischen Mittelgebirges entblössten von Zierde, Ober- und Nieder-Nösel,
Trzebuschka, Wesseln, Eulau, Schönborn und mancher anderer in dem Sitzungs-
berichte vom 29. März 1859 (Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt
1859, I. Heft, Verhandlungen, Seite 61 ff.) namhaft gemachter Orte der frühe-
ren Aufnahmsjahre im Leitmeritzer Kreise, welche in den obersten Lagen sich
bereits den Baculiten- Schichten nähern oder ihnen stellenweise auch ganz
entsprechen.
Die mergeligen Schieferthone der Gegend von Alt-Lenzel und Ober-Tenzel
(südlich von Triebsch) in demselben Kreise gehören allem Anscheine nach auch
dem Pläner an, so wie fast alle ähnlichen Schichten, die im Bereiche des Leit-
meritzer Mittelgebirges unter den vuleanischen Sedimenten an tieferen Punkten
mehrorts zu Tage treten. Die darunter lagernden Sandsteine wären demnach,
wie selbstverständlich, als Quadersandstein zu deuten. (Vergleiche Jahrbuch
der k. k. geologischen Reichsanstalt 1858, III. Heft, Seite 402: Das Leitmeritzer
vulcanische Mittelgebirg.)
Derselbe thonige Mergel bildet ferner in isolirten Partien die dem Quader-
mergel oder Quadersandstein aufgesetzten hügelförmigen Kuppen oder Rücken
K. k. geologische Reichsanstait. 12. Band, 18G1 und 1862. ITT. lieft. AS
376 Johann Jokely. [10]
rechts der Iser bei Bukowno, Bezno, Hochlieben, Hostin, Hepin , Senichow,
Nebuzel, Wysoka; von Basalt durchsetzt: am Chlomekberg (ST. Melnik), bei
Straschnitz, Mscheno, Radischowberg (W. Nieder-Gruppey) , Horkaberg (0.
Oher-Gruppey), hei Mankowitz (S. Kloster) und bei Badimowitz und Cerwenitz
(W. Sichrow); von Phonolith bedeckt: am Wratnerberg hei Liebowies, am
Bösigberg bei Schloss Bösig und am Tachaberg bei Tacha.
An der linken Seite der Iser, nördlich des ausgedehnten Plänergebietes,
erscheint er bis über Turnnu hinaus auch nocli in solch1 vereinzelten Lappen; so
in der Gegend von Miinchengrätz am Horkaberg, dann bei Podoll (nächst
Mohelnitz), an beiden Orten vielfach von Basalt durchsetzt und nach oben gleich-
falls von der mehr milden Beschaffenheit der Baculiten- Schichten. In schmalen
Streifen verfolgt man ihn ferner längs dem Nordabfalle des Musky-Gross-Skaler
Quadersandsteinmassivs, von der Münchengrätzer Gegend fast ununterbrochen
bis über Bad Wartenberg hinaus, und überdies in mehr minder starken Lagen
hier auch oben an den Plateaux, wie namentlich rings um die basaltischen Stöcke
des Musky-, Wisker- und Troskyberges, von denen er gleichsam gehalten, so
hier wie anderwärts, vor gänzlicher Zerstörung bewahrt wurde.
Die als Kalkstein verwendbaren Schichten des Pläners fehlen nun in diesem
Gebiete vollständig, dass abei* dabei hier die Abwesenheit eines dieser Schichte
entsprechenden Gliedes vorauszusetzen wäre, lässt sich, wie oben angedeutet,
nicht annehmen. Vielmehr ist die ganze Ablagerung des hiesigen Pläners als
eine geologisch völlig ungegliederte oder nicht gliederbare anzusehen, eben so
wie sieh ein ähnliches Verhältniss bezüglich der Schichten der Quaderformation
ergeben hat.
Interessant ist hier aber, weil viel deutlicher zu beobachten als in den
früheren Aufnahmsgebieten , das Auftreten von Sandstein inmitten des Pläner-
mergels. Es ist dies ein ziemlich homogener, meist gelblich-weisser, seltener
grauer und dann bisweilen kalkhaltiger Quarzsandslein, gewöhnlich von feinerem
Korne. Er bildet im Mergel an Stärke sehr wechselnde Bänke und Lagen, in
ziemlich ungleichförmigen Abständen. An dem Borgzuge von Dobrawitz oder
Chlomek (SO. Jungbunzlau) sind diese Sandsteinschichten des Pläners, nament-
lich am westlichen Ende von Winaritz durch einen Steinbruch am besten bloss-
gelegt. Man sieht hier von oben nach unten folgende Schichtenreihe:
Plänersandstein 2 — 3 Fuss.
Plänermergel 2 „
Plänersandstein 1 „
Plänermergel, mit mehreren Zoll starken Sandsteinlagen, 21/2 „
Plänersandstein y4 — 1/2 „
Plänermergel 3 — 4 „
Plänersandstein 6 „
Plänermergel 7 „
Plänersandstein . . . 4 „
Plänermergel, in bedeutenderer Mächtigkeit.
Dieses Lagerungsverhältniss zeigt bereits, in welch' innigem Verbände
diese beiden Gebilde mit einander stehen. Dazu charakterisiren den Sandstein
ganz dieselben Petrefacten, die dem Mergel eigenthiimlich , unter anderen vor-
zugsweise: Venus ovalis Sow., Nucula semilunaris v. Buch., Ostrea vcsicu-
laris Lam., 0. Naumanni Beuss, Beeten undulatus Nils. Die Zusammengehörig-
keit beider ist demnach über allen Zweifel erhaben, und so auch die für den
Sandstein angenommene Benennung vollkommen gerechtfertigt. Dieser „Pläner-
sandstein" ist also, wie das schon an einem anderen Orte (Reisebericht vom
377
[11]
Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen.
Juli 1839) hervorgehoben wurde, wohl zu unter-
scheiden vom „Quadermergel“, für welches, petro-
graphisch schon von jenem Sandsteine ganz ver-
schiedene Gestein jene Bezeichnung ursprünglich
angewendet wurde. Beide haben nur die Eigenschaft
untergeordneter Einlagerungen mit einander gemein,
während sie sonst ganz getrennten Formationen
angehören.
Ausser den obigen Gegenden findet sich der
Plänersandstein bei der Berggruppe von Weselitz,
Ritonitz (Unter-Beutzen) und Sparerietz (Markwar-
titz) auch an sehr zahlreichen Stellen, theils anste-
hend an deren meist steilen Gehängen, theils auch
nur in Blöcken an den Plateaux, wo die obersten
Bänke durch Verwitterung in solche zerfallen, nach-
dem die höheren, darüber gelagert gewesenen Mer-
gellagen zerstört worden sind.
Im Leitmeritzer Kreise sind dieselben Sand-
steine im Bereiche des Mittelgebirges auch häufig,
wie unter anderen in dem von Basalten und Phonö-
lithen durchsetzten und mehr minder veränderten
Pläner bei Pömmerle, Bongstock, Topkowitz, Lesch-
tine und an vielen anderen Punkten der oben ange-
führten Mergelvorkommen.
Bezüglich der Lagerungsverhältnisse
lassen sich beim hiesigen Piäner, wo man ihn in
unmittelbarer Ueberlagerung des Quadersand-
steines oder Quadermergels findet, nirgend wesent-
liche Abweichungen von der Lagerung dieser letzte-
ren wahrnehmen. Er liegt entweder wagrecht, oder
neigt sich mit diesen unter gleichem Winkel mehr
minder nach Süden. Im Allgemeinen beträgt dieser
nur wenige Grade und blos im Bereiche oder Um-
kreise des Leitmeritzer Mittelgebirges wird er mit-
unter beträchtlicher oder sonst auch abweichend
von der normalen südlichen "Fällrichtung, in Ueber-
einstimmung übrigens mit jener analogen der Qua-
derschichten.
Ueber dieser in der Regel concordanten Lage-
rung der beiden Formationsbildungen gewahrt man
jedoch an manchen Orten auch solche Erscheinun-
gen, wornach eine seitliche Anlagerung des
Pläners an Quaderstein unzweifelhaft wird. Maass-
gebend ist in dieser Beziehung die halbinselförmige
Sandsteinmasse von Musky-Wisker und die benach-
barten Plänerbildungen von Münchengrätz. Diese
letzteren, im Horkaberg (163*81° A) zum höchsten
Rücken anschwellend, lehnen sich von Dneboch bis
Bossin unmittelbar östlich an Quadersandstein. Ihr
Liegendes ist hier, wie sich das nach den Ausbissen
an den Isergehängen und den Racheln von Hoskowitz
378 J. Jokely. Die Quader- und Pläner-Ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen.
[12]
ergibt, Quadermergel. Nach einem anderen Ausbisse südöstlich bei Dneboch zu
urtheilen, muss sich nun dieser unter den Quadersandstein hineinziehen, so dass
dieser eigentlich als sein ursprünglich Hangendes zu betrachten ist, ähnlicher
Weise wie die dem hiesigen ganz analogen Sandsteine der sächsisch-böhmischen
Schweiz. Ueber diesem Quadersandsteine liegt ferner, wie bereits erwähnt, am
Muskyberg (244*78° A)* eben so an dem entfernteren Wisker (245-39° A)»
gleichfalls Plänermergel, bei einer Höhendifferenz von etwa 80 Klafter gegen den
am Fusse dieser Sandsteinberge gelagerten Mergel.
Dass nun diese in ihrem Niveau so sehr abweichenden Plänerpartien mit
einander niemals in solch’ einem Zusammenhänge gestanden sein konnten, dass
sie als verworfene Theile einer einst in gleichem Niveau gelagerten Plänerdecke
zu deuten wären, lässt sich schon aus dem hier beigefügten Profile auf den
ersten Blick ersehen. Vor Allem bezeugt dies der Umstand, dass, während der
Pläner dort Quadermergel, er hier Quadersandstein zur Unterlage hat. Es musste
demnach um Münchengrätz bereits aller Quadersandstein bis zum Quadermergel
hinab fortgeführt worden sein, bevor der Pläner sich über diesen unmittelbar
abgelagert haben konnte. Und daraus ergibt sich nun auch, dass jene Anlage-
rung des Pläners an den Quadersandstein hier keine scheinbare, blos durch Ver-
werfung bedingt sein kann, sondern eine wirkliche, neben einer übergreifenden
Auflagerung, welche durch die Plänerreste an den genannten Basaltbergen
bekundet wird.
Aehnliche Verhältnisse, mehr minder deutlich, lassen sich am Nordrande
dieses Quadersandsteinmassivs, besonders gut aber bei Wolleschnitz, beobachten,
wozu der Reisebericht vom August 1859 auch beispielsweise einen Durchschnitt
liefert.
Nach alledem wäre es, wie im Vorhergehenden angedeutet, als entschieden
anzunehmen: dass nach beendetem Absätze der Quaderschichten und vor dem
Beginne der Ablagerung des Pläners ein gewisser Zeitraum verstrichen sein
musste, wo nicht allein jede Sedimentbildung unterbrochen war, sondern auch
manche und örtlich nicht unbedeutende Zerstörungen in den Reliefformen der
bereits, sei es nun unter- oder überseeisch vorhanden gewesenen Quaderschichten
erfolgt waren, Avodann sich erst der Pläner auf dem so neu veränderten Meeres-
grund unter den oben dargestellten Verhältnissen niederzuschlagen anfing. Es
ergibt sich daher schon nach diesen, blos auf die geotektonischen Verhältnisse
Bezug nehmenden Betrachtungen die Folgerung eines scharfen geologischen
Abschnittes zwischen den Perioden der hiesigen Quader- und Plänerbildungen.
Was die petrographisch stets sehr undeutlich ausgeprägten Baculiten-
Schichten betrifft, deren Mächtigkeit stellenweise auch nur äusserst gering
zu sein scheint, so lagern sie grösstentheils und dann gleichmässig auf Pläner.
Nur an manchen Orten, wie im Leitmeritzer Kreise bei Böhmisch-Leipa und
Bölimisch-Kamnitz, liegen sie als isolirte Lappen auf Quadersandstein unmittel-
bar oder dazwischen eingekeilt, in Folge von Verwertungen. Scharfe Grenzen
lassen sich leider zwischen diesen Schichten und dem Pläner nur selten bestimmen
und zwar hauptsächlich aus dem Grunde , weil sie beide zumeist von diluvialem
Schotter oder Lehm bedeckt werden, wie das eben auch im Bunzlauer Kreise
grösstentheils der Fali ist. Desshalb konnten auch die eigentlichen Baculiten-
Schichten vom Pläner nicht allerwärts getrennt werden, sowohl in den früheren
Aufnahmsgebieten als auch in den nachherigers, namentlich im Jiciner und König-
grätzer Kreise. Im Leitmeritzer Kreise ist die Auflagerung der Baculiten-
Schichten auf Pläner besonders deutlich zu beobachten hei Trzebuschka, in der
Gegend östlich von Leitmeritz.
J. Jokely. Pflanzenreste aus dem Basalttuffe von Alt-Warnsdorf in Nord-Böhmen. 379
III. Pflanzenreste aus dem Basalttuffe von Alt-Warnsdorf in
Nord-Böhmen.
Von Johann Jokely.
Mitgetheilt in der Sitzung der k. k. geologischen Pieichsanstalt am 25. Juli 1860.
Die Gegend von Alt-Warnsdorf, ein integrirender Theii des Oberlausitzer
Gebirges, gehörte dem Aufnahmsgebiete des Jahres 1 858. In der betreffenden
Erläuterung1 2 3) wurde dieser Gegend, namentlich bei der Beschreibung der
„vulcanischen Bildungen" bereits auch näher gedacht. Die nachfolgenden Be-
merkungen bilden demnach dazu gleichsam einen Nachtrag, welcher durch die
freundliche Vermittelung des Herrn Dionys Stur zum Theii möglich wurde,
theilweise aber noch eines weiteren Anhanges bedarf, bezüglich der zahlreichen
von dieser Localität aufgesammelten Fischreste, die auch noch näher zu bestim-
men sind.
Nach der am genannten Orte verzeiehneten Schichtenfolge der Alt-Warns-
dorfer Braunkohlenzeche führen, gleichwie bei Seifhennersdorf in Sachsen, die
mit Tuff- und Lettenschichten wechselnden Brandschiefer- und Sandsteinflötze,
nebst den erwähnten Fischresten, noch zahlreiche Pflanzenformen. Die bestimm-
bar gewesenen Species des gesammelten Materials sind nach Herrn Dionys
S t u r's Angabe :
Taxodium dubium Heer.
Glyptostrobus europaeus Heer.
Dryandroides hakeaefolia Ung.
Cinnamomum polymorphum Heer.
Planera Ungeri Ett.
Carpinus grandis Ung.
,, oblonga Ung.
Acer trilobatum Heer.
Sapindus falcifolius Heer.
Carya bilinica Ett. ( ?)
An Ihierischen Ueberresten ist ferner aus diesen Schichten bekannt gewor-
den Triton basalticus v. Meyer , eine dem aus den Luschitzer Halbopalen stam-
menden Tritoti opalinus v. Meyer nahe stehende Form, verschieden dagegen
von Salimandra laticeps v. Meyer*), aus der theilweise brandschieferartigen
Braunkohle von Markersdorf (Freudenhain) 3), Diese letztere mit der hiesigen
vollkommen äquivalenten Bildung bot neben dem so zahlreich vorkommenden
Palaeobatrachus Goldfussi Tschudi , nach einer Mittheilung des Herrn Professor
Dr. H. B. Geinitz an Herrn k. k. Hofrath und Director Wilhelm Haidinger4),
0 Der nordwestliche Theii des Riesengebirges und das Gebirge von Ruinburg und Hain-
spuch. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1859, III.
2) Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt: E. Suess, Sitzungsbericht vom
29. März 1859. Jahrbuch X, 1.
3) Das Leitmeritzer vulcanische Mittelgebirge. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichs-
anstalt. 1858, III, Seite 425 ff.
4) Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt. Sitzungsbericht vom 22. November
1859, Jahrbuch X, 4.
380
J. Jokely. Pflanzenreste aus dem BasaHtuffe von Alt-Warnsdorf in Nord-Böhmen. [2]
jüngst aus dem Tuffe noch einige gut erhaltene Zähne von Rhinoceros Schleier -
macheri Kanp.
Nach diesen und anderen thierischen Ueberresten haben unter Anderen die
Herren Professor Dr. A. E. Reuss und Hermann v. Meyer die hiesigen vulca-
nischen Sedimentgebilde hinsichtlich ihres relativen Alters längst schon mit den
gleichen Bildungen der vulcanischen Gebiete der Rheingegenden , überhaupt
Mittel-Deutschlands, als äquivalent anerkannt. Dasselbe geschah auch bezüglich
der Pflanzenreste in jüngster Zeit, vorzugsweise durch Herrn Professor Dr. Os-
wald Heer in seinem epochemachenden Werke: „Die tertiäre Flora der
Schweiz".
Angesichts solcher bedeutenden unmittelbaren Erfolge, wie sie das letztere
Werk zur Verherrlichung der Wissenschaft an das Licht gefördert, kann eine
synthetische Beweisführung, die sich hauptsächlich auf geotektonische Erschei-
nungen stützt, in gewissem Sinne wohl nur schwankend erscheinen. So weit
indessen die so vielfach getheilten Kräfle es ermöglichten, war der Versuch
auch in diesem Jahrhuche *) bereits geschehen, aus den obigen Erscheinungen
und den bisher bekannten Organismen ein wo möglich der Wahrheit genähertes
Bild der hiesigen Verhältnisse zu entwerfen.
Nach den obigen, wenn auch nur an Zahl geringen Pflanzenformen ergibt
sich nun neuerdings die grosse Uebereinstimmung der Flora der hiesigen Periode
mit jener der älteren Bildungen anderer Länder, die man theils Eocen, theils
Oligocen bezeichnet. In Hinblick auf die Lagerungsverhältnisse der anderen
braunkohlenführenden Schichten der hiesigen „Eger Becken“, die sich jenen
mehr oder minder in ihrer paläontologischen Charakteren nähern, ergab sich
die Nothwendigkeit einer Trennung der hiesigen Tertiärbildungen in zwei Haupt-
gruppen: eine oligocene und iniocene, welche sich jedoch nach dem Vor-
gänge des Herrn Director Dr. Moriz Hörn es dem allgemeineren Begriff des
Neogenen unterordnen lassen* * 8), in der Weise, dass die „untere Abtheilung
der Eger Becken“ mit den „sedimentären und massiven Bildungen der hiesigen
vulcanischen Periode“ als „unter- neogene“, die „obere Abtheilung“ im
Wesentlichen entsprechend den Gebilden Oeningens, als „m i ttel-neo ge ne“
Bildungen zu deuten wären. Die übrigen noch jüngeren , namentlich die oberen
Tegel- und Sandsteinbildungen des Wiener, ungarischen und anderen Becken
würden sich aller Wahrscheinlichkeit nach jenen als „ober-neogene“
anreihen.
Der Begriff des „Neogen“ ist hier freilich in einem viel weiteren geolo-
gischen Sinne aufgefasst; denn Herr Dr. Hörn es scheidet in neuerer Zeit das
„Oligocen“, welches auch im Wiener Becken vertreten, vom „Neogen“ (Ober-
Miocen und Pliocen) scharf ab und rechnet es derzeit zur oberen Eocenformation.
Zieht man die Lagerungsverhältnisse in Betracht, so schliessen sich jeden-
falls die hiesigen Basalttuffe und Conglomerate viel inniger an die „untere Ab-
theilung“ der Eger Becken an, deren Hauptrepräsentanten die Sandsteine von
Davidsthal, Altsattel und Tschernowitz (Klein-Purberg), als an die lignitführen-
den Schieferthone der „oberen Abtheilung“, wozu auch jene der Gegend von
Grasseth gehören, aus dem Aufnahmsgebiete des Herrn Professor Dr. Ferdinand
v. Hochstetter im Jahre 1856. Die grösste Regsamkeit der vulcanischen
0 Die Tertiär-Ablagerungen des Saazer Beckens und der Teplitzer Bucht. Jahrbuch der
k. k. geologischen Beichsanstalt. 1858, IV.
8) Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt : Sitzungsbericht vom i3. April 1858.
Jahrbuch IX, 1, Seite 62.
[1] J. Jokely. Allg. Uebersicht des Rothliegenden im westl. Theile des Jiciner Kreises. 381
Periode wäre mithin in Böhmen noch in die Unter-Neogenzeit gefallen. Zum
völligen Abschluss dürfte sie jedoch damals noch nicht gelangt sein, denn es
sind wahrscheinlich die. jüngeren, nachtrachytischen Basalt-Eruptionen, hier irn
Allgemeinen wohl nur untergeordnet, theilweise auch mittel-neogen , wie die
Bildungen mancher vulcanischen Gebiete Mittel-Deutschlands es ganz sein wer-
den. Ueberdies bezeugen die erloschenen Vulcane des Kammerbühls und Eisen-
bühls in der Gegend von Eger das Hereinreichen der vulcanischen Thätigkeit bis
in eine sehr nahe Zeit, so dass sie, wenn nicht jünger, so doch gewiss nicht
älter als „ober-neogen sein können.
IV. Allgemeine Uebersicht über die Gliederung und die Lagp-
rungsverhältnisse des Rothliegenden im westlichen Theile
des Jiciner Kreises in Böhmen.
Von Johann Jokely.
Mit 5 Figuren.
Milgetheilt in der Sitzung der k„ k, geologischen Reichsanstalt am 12. März 1861.
Seiner Ausdehnung nach ist das Rothliegende am Südrande des Riesen-
gebirges bereits seit einer geraumen Zeit, namentlich durch Dr. F. Am. Reuss,
F. X. M. Z i ppe, Dr. A. E. Reus s und Dr. Beyrich bekannt. An einer speeiel-
len Gliederung seiner Schichten fehlte es jedoch bis auf die jüngste Zeit, und
Emil Porth war es, der in diesen Gegenden des Jiciner Kreises zuerst eine
solche hauptsächlich zu bergmännischen Zwecken durchzuführen versucht hat.
In der Hauptsache gelang es ihm auch die einzelnen Schichtenglieder desselben
ziemlich richtig zu bestimmen, ohne dass er dabei ihre scharfe Trennung und
chartographische Darstellung eigentlich als Hauptziel verfolgt hätte. Bedeutend
bleibt aber »ein Verdienst in der lichtvollen Auffassung der hiesigen Melaphyr-
ströme, deren Wechsellagerung mit den Schichten des Rothliegenden und ihr
gegenseitiges Ueberfliessen er zuerst erkannt und klar auseinander gesetzt hat *)•
Während der Aufnahme des letzten Sommers wurden folgende drei Etagen
nachgewiesen und festgestellt, und zwar:
Untere Etage.
a) Conglomerate, grau oder graubraun, mit Geschieben und Gerollen von
Quarz und krystallinischen Schiefern, gebunden durch ein Sandsteinmittel, das
Örtlich mehr minder über die Conglomerate auch vorwiegt. Schieferthon-Ein-
lagerungen nur selten.
h) Graulich bis grünlichbraune oder graue, mitunter kalkhaltige Sandsteine,
mit verschiedenen mächtigen Bänken eines gleichgefärbten Schieferthones,
welcher nach oben allmälig herrschend wird. Darin ein von einigen bis über
30 Klafter mächtiges, von grauen Schieferthonen begleitetes Mergel-Brand-
sehieferflötz, mit Lagen und Mügeln von Mergelkalkstein, Hornstein und Schwarz-
*) Bericht über seine Aufnahmen im nordöstlichen Böhmen. Jahrhuch der k. k, geologischen
Reichsanstalt. 1857, IV, — und Sitzungsbericht vom 9. März 18t>8.
382
Johann Jokely.
[2]
kohle, stellenweise auch von Thoneisenstein oder Sphärosiderit , nehstdem ein-
gesprengt, seltener in Schnüren und Butzen Kupfererze. Reich an Fisch- und
Pflanzenresten; namentlich Palaeoniscus Vratislavensis Ag. und Xenncnnthus
Decheni Beyr.; — Annularia longifolia Brotig. (N. von Pohor), Neuropteris
tenuifolia Sternb. (Nedwes und N. Pohor), Cyatlieitcs Oreopteridis Giipp.
(eben daher), Lycopodites Bronii Sternb. (Kozinec bei Sfarkenbach), Part scliin
Brongniarti Sternb. (N. von Pohor).
Mittlere Etage.
a) Arkosen, mehr minder feldspathhaltige , grob bis feinkörnige Sand-
steine von verschiedenen , zumeist aber röthlichbraunen Farben. Kalkmergel
und Hornsteinlagen selten. Bankweise, vorzüglich auch in den Liegendschichten
conglomeratisch, durch Aufnahme von Gerollen aus Quarz und schieferigen und
massigen kryst all inischen Gesteinen. Von Pflanzenresten besonders häufig Arau-
carites SchroUianus Göpp. und mehrere Psaronius- Arten 1).
b) Aehnlich gefärbte, und mitunter gebänderte und geflammte feldspath-
haltige Sandsteine und mehr minder glimmerreiche Schieferthone, häufig mit
einander wechselnd. Eigenthiimlich mit hellgrünen Flecken oder Lagen eines
kalk- oder chloritartigen Glimmers. Beide Glieder stellenweise mit Bänken von
Mergelkalkstein, auch Hornstein. Dendritische Ausscheidungen, überhaupt Mangan-
superoxyd als Gemengtheil häufig, eben so auch Glimmer von lichten Farben.
An organischen Resten anscheinend arm. Hin und wieder Fische, auch im
Hornsteine.
Obere Etage.
Lebhaft braunrothe bis ziegelrothe, mehr oder weniger sandige Schiefer-
thone, mit nur untergeordneten Lagen eines gleichfarbigen feinkörnigen Sand-
steines. Ausgezeichnet durch mehrere Mergelschiefer- und Brandschieferflötze,
die auch hier von, einige Zoll bis mehrere Fuss starken Lagen von Hornstein,
Jaspis, Carneol, dann Thoneisenstein und Sphärosiderit begleitet werden.
Letztere, eben so wie bei der unteren Etage, auch hier abbauwürdig. Der
Bitumengehalt bei den Brandschiefern 25 bis 45 Procent, annäherungsweise wie
bei den der unteren Etage. Schnüre und Linsen einer bisweilen anthracitischen
Schwarzkohle enthält auch dieser Brandschiefer, aber ebenfalls nicht bauwürdig.
Erzführung auch hier vorhanden und in der Hauptsache der obigen analog. —
Fischreste häufig und den oben angeführten verwandt, auch hier Coprolilhen
zahlreich. Pflanzenreste scheinen seltener. Der Brandschiefer von Kostalow ent-
hält: Volkmannia poly st acliya Sternb. und Araucarites Cordai Ung.
Auf der „geologischen Karte von Preussisch-Schlesien“, welche auf den
bisher erschienenen Theilen das Rothlingende auch böhmischer Seits bis in die
Gegenden von Freiheit und Trautenau dargestellt enthält, sind blos zwei Ab-
theilungen unterschieden. Wahrscheinlich fehlt in der letzteren Gegend das hier
aufgeführte dritte Glied des westlichen Theiles vom Jiciner Kreise gänzlich,
und so wäre dann jene obere Abtheilung der schlesischen Karte identisch mit
der hier aufgestellten mittleren Etage, was in der Gegend von Leopold und
Arnsdorf in der That auch der Fall ist. Uebrigens stimmt diese Dreitheilung des
hiesigen Rothliegenden auch vollkommen überein mit jener des sächsischen Roth-
liegenden, namentlich im Oschatz-Frohburger und Döhler Becken, dann mit
jener in der Umgebung des Harzes, wenn auch gleich zwischen ihnen kein voll-
kommener Parallelismus stattfinden sollte.
*) Dr. Fr. Unger: Genera et species Plantar um fossilinm.
[3] Allgemeine Uebersioht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises. 383
Die untere Abtheil urig lehnt sich zunächst mit den Cönglomeraten bei
20 bis 45 Klafter südlichem Fallen unmittelbar an die krystalli nischen Schiefer
des Riesengebirges und lässt sich in einer i/8 bis i/2 Meile breiten Zone von der
Semiler Gegend über Starkenbach, Hohenelbe bis Freiheit ununterbrochen ver-
folgen, eben so das im Liegenden des ersten Meiaphyrstromes befindliche
Brandschieferflötz von Semil bis Mohren. Sonst gleich den Sandsteinen ziemlich
steil einfallend, nimmt es nur zwischen dem letzteren Orte und Forst, wo bereits
auch die Melaphyre gänzlich verschwunden sind, eine flachere Neigung an, und
ist durch Verwerfungen in vier Lappen zerrissen. Durch die an dieses Flötz
gebundenen, zumeist oxydischen Kupfererze erhält es auch einigermaassen eine
bergmännische Bedeutung. Durch Schürfe wurde es bereits an zahlreichen
Punkten aufgeschlossen und wird gegenwärtig bei Johannesgunst auch noch
abgebaut, und die Erze in der bei Leopold seit einigen Jahren bestehenden
Hütte verschmolzen. Betreffs der Kupfererzführung unterscheidet man hier zwei
sogenannte kupfererzführende Flötze. Das untere ist 3 bis 7 Fass, das obere
1 bis 1 ya Fuss mächtig, beide durch ein einige Zoll bis zu 4 bis 5 Klafter
starkes Brandschiefer-Zwischenmittel von einander geschieden. Im Liegenden
des unteren Erzflötzes kommt eine 4- bis 8zöllige Lettenlage vor, die auch erz-
führend ist, eben so der darunter befindliche graue oder braune Sandstein,
dessen Imprägnation sich bis auf 1 Fuss davon entfernt zeigt. Durch die
erwähnte Verwerfung haben hier die Brandschiefer- und Mergelschieferlappen
theiis ein nordöstliches, theils südwestliches Fallen. Sie schneiden alle am
Mohrenbuchthal ab, so dass sich südlich desselben nichts mehr von ihnen vor-
findet. Hier herrschen bereits die Schichten der mittleren Etage, die entlang
jenes Verwerfungsthaies scharf an der unleren Etage absetzen. Die hier vor-
kommenden Erze sind Malachit, Lasur, Buntkupfererz und Bothkupfererz, dar-
unter die geschwefelten nur untergeordnet. Der Kupfergehalt derselben beträgt
iyf bis 4 Percent, der Silbergehalt ist sehr gering.
Auf die im Liegenden des Brandschieferflötzes innerhalb der Sandsteine
vorkommenden Schwarzkohlenflötzcben wurde den letzten Sommer noch ein
schwacher Bau bei Stepanitz geführt. Es sind da zwei derselben aufgeschlossen,
von 8 Zoll durchschnittlicher Mächtigkeit. Sonst kennt man sie noch bei Bitan-
chow, Prikry, Ribnitz und Hohenelbe. Zur unteren Etage gehören ferner auch
die Brandschiefer mit Schwarzkohlenflötzchen und die Mergelkalksteine bei Slana,
Horensko, Nedwes und nördlich von Pohor, und zwar einem über dem dritten
Melaphyrstrom befindlichen Horizonte an. Hier baut man gegenwärtig blos den
mehr minder bituminösen Mergelkalkstein ab, der gebrannt als Düngungsmittel
Absatz findet.
Im Schacht östlich von Nedwes ist die Schichtenfolge von oben nach unten :
Graubrauner Sandstein und Schieferthon ...... 60 Fuss.
Grauer, glimmeriger und sandiger Schieferthon .... 12 „
Bituminöser Mergelkalkstein 3 — 6 „
Brandschiefer . 2 3 „
Grauer Sandstein und Schieferthon mit Pflanzenresten . 12 „
Melaphyr 6 Fuss, weiter ostwärts gegen die Eisenbahn, auf dem Pohorer
Gebiete bis 60 Fuss mächtig. — Neigung der Schichten 12 bis 15 Klafter
in Süd.
In der westlichen Fortsetzung, im mittleren Theile von Horensko, hat
dieser Flötzzug folgende Zusammensetzung:
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft.
49
384
,-lohiiiin lukcl;.
Brauner Schieferthon 30 Kuss.
Eben su gefärbter Sandstein 00 „
Lichtgrauer Sandslein, zum Tlieile Coiiglomerat . . 3 „
Grauer Schieferthun mit Pflaiizenresteu 3 „
Grauer Mergelkalkstein <» *
Brandschiefer 3 „
Schwarzkohle 1 »
Grauer Mergelkalkstein I ‘/2 I 4 »
Brandsehiefer 3 „
Darunter his zu unbekannter Tiefe grauer Schieferthon. Fallen 20 bis
25 Klafter in Süd.
Der bei Slana, am entgegengesetzten Thalgehänge erschürfte Flötzzug hat
ein ganz entgegengesetztes Einfallen nach Norden und ist nichts anderes, als der
verworfene Theil des Nedweser Flötzes. Dasselbe gilt von den jenseits des
Wolesnathales erschürften Flötzen, südlich von Cikwaska.
Eine weit grössere horizontale Verbreitung als die untere, hat die mitt-
lere Etage. Mit Ausnahme einzelner mehr minder ausgedehnter Lappen der
oberen Etage, setzt sie fast ausschliesslich den übrigen Theil des Rothliegend-
gebietes zusammen. Vermöge ihrer eigenthümlichen übergreifenden Lagerung
zeigen sich aber ganz anomale Verhältnisse bezüglich des Verhaltens ihrer beiden
Glieder zu der unteren Etage. Die Arkosen, das liegende Glied derselben, sind
bei meist sanftem nördlichen Verflachen, nämlich nur im südlichen Theile des
Gebietes, zwischen Lomnitz und Pecka, his wohin eben die Aufnahme reichte,
bei einer Breitenerstreckung von einer Meile längs der Quadersaiidsteinformation
blossgelegt. In den Gegenden von Lomnitz, Liebstadtei bis Starkeubach und
von da bis Borowitz herrscht dagegen das hangende, sandig-thonige Glied.
Dieses lagert demnach mit Ausnahme nur einiger Thaleinrisse wie bei ßräna, wo
auch die Arkosen zu Tage treten, an seiner nördlichen Grenze auf den sandig-
thonigen Schichten der unteren Etage. Die ziemlich gleichförmige und synkline
Auflagerung dieser Schichten, einerseits auf den Arkosen, andererseits auf den
Schichten der unteren Etage, hei allmälig flacherer bis horizontaler Lage
gegen die Mitte ihres Verbreitungsgebietes, beweist ihre in dieser Art ursprüng-
lich erfolgte Ablagerung und ist dieser Umstand keineswegs etwa durch Ver-
werfungen erst nach ihrem Absätze herbeigeführt worden, wonach ihre Schich-
tenköpfe an jenen der unteren Etage quer absetzen würden. I11 Wirklichkeit ist
das im grösseren Maassstabe der Fall blos zwischen Arnsdorf und Hartrnaunsdorf,
sonst aber ist obiges Lageruugsverhältniss die Folge einer ^tatsächlichen über-
greifenden Lagerung.
Ganz dasselbe Verhältnis wiederholt sich bei den Schichten der oberen
Etage gegenüber den beiden Gliedern der Arkosengruppe. Sie lagern nämlich
zunächst theils coneordant auf deu Hangendschichten der letzteren, theils auch
unmittelbar auf den Arkosensandsteinen, ein Umstand, welcher gleichfalls auf
eine vor ihrem Absätze erfolgte ungleichförmige Terraindislocation der relativ
älteren Gebilde hindeutet. Gegenwärtig sind diese obersten Schichten, wie
bereits angedeutet, grösstentheils nur in fragmentären , ostwestlich verlaufenden
Schollen, vorhanden. Eine derartige Scholle findet sich zwischen Swojek und
Martinitz, nördlich davon eine zweite zwischen dem letzteren Orte und Kundra-
titz und südlich eine kleinere bei Karlow. Westlich davon zieht eine viel bedeu-
tendere zwischen Struzinetz (Tuhan) und Nedwes (Hofensko) von Kostalow über
Pohof, den Stranskoberg zum Theil bis zu dem Melaphyrstrom des Kozäkow und
erscheint wieder an seiner westlichen Seite in ziemlich bedeutender Ausdehnung
[o] Allgemein# Oebersicht des Rothliegenden im westlichen Thcile des -keiner Kreises. 385
westlich von Quader überlagert, zwischen Holenitz und Harnstein (S. Eisenbrod).
Eine mehr zusammenhängende Masse bilden diese Schichten ferner zwischen
Martinitz (Rownacow) und Arnau (Arnsdorf), wo sie von Hennersdorf und
Nieder-Lagenau an von der grossen und kleinen Elbe durchrissen sind. Neben
einigen noch unbedeutenden Lappen 0. bei Falgendorf und S. hei Gross-Boro-
witz lagern die Schichten der aufgeführten Partien auf oder eingeklemmt
zwischen den sandig-thonigen Schichten der mitMeren Etage. Ein ziemlich weit
ausgedehnter, von Kyje (S. Lomnitz) über Zdar, Sireno w, Krsmol bis zum
Kloster von Neu-Puka verlaufender Lappen, und einige geringere Schollen in
östlicher Richtung von hier, zwischen Stikow und Rokitnej, und westlich von
Stupnai finden sich hingegen im Bereiche des Arkosensandsteines. Dann lagert
noch eine kleine Partie bei Cikwaska ( Kozince) unmittelbar auf dem dritten Mela-
phyrstrom welcher die Schieferthone der unteren Etage bedeckt. Allem Anscheine
nach sind hier vor Ablagerung der oberen Schieferthone die Hangendschichten
der mittleren Etage zerstört worden, von welchen man Reste bei Bistra, nament-
lich am Dechnikberg, über diesem Strome und von einem jüngeren bedeckt, noch
vorfindet. Von Cikwaska lassen sie sich jedoch in einem schmalen Streifen einge-
zwängt theilweise zwischen einem verworfenen Theil jenes Stromes und den
Schichten theils der unteren, theils dem Hangenden der mittleren Etage, über
Walditz bis Kundratitz verfolgen.
Die dieser Abtheilung eingelagerten mergeligen und bituminösen Schichten
haben mit jenen der unteren Abtheilung die grösste Analogie, sind aber, wenn
auch stellenweise von nahezu gleicher Mächtigkeit, wegen den zahlreichen Ver-
werfungen minder aushältig. Früher mehrorts, werden die Brandschiefer gegen-
wärtig nur bei Kostalow für die Reicbenberger Photogenfabrik abraumsmässig
gewonnen. An manchen Orten, namentlich auch bei der Kyje-Neu-Pakaer Scholle,
fehlen Brandschiefer auch gänzlich und es erscheinen hier blos die sie begleiten-
den grauen mehr minder mergeligen Schieferthone mit Schnüren von Hornstein,
Jaspis u. s. w. Anderwärts sind wieder die Kalksteine derart vorherrschend, dass
sie bis über zwei Klafter mächtige Bänke bilden, wie bei Tatobit, wo man sie
zu Düngmittel schachtmässig gewinnt. In Folge der Kupfererzführung wurden
local mehrere dieser combinirten Kalkmergel-Brandschieferflötzzüge durch zahl-
reiche, wenn auch erfolglose Schürfe im Laufe der letzten Jahre an sehr vielen
Punkten aufgeschlossen, so am Kozäkow, bei Cikwaska, Pohor, Huttendorf,
Ober- und Nieder- Kälna, Hennersdorf, Nieder-Langenau, und sonst ausbeissend
trifft man sie noch mehrorts, namentlich im Liegenden der bezeichneten Lappen
wie bei Rostock, Kruh, Struzinetz, beim Förster Bad haus, 0. und W. von
Mönchsdorf, 0. und W. von Pelzdorf u. a.
Gleichwie schon die horizontale Verbreitung dieser obersten Schichten eine
höchst unregelmässige, so ist auch ihr stratigraphisches Verhalten zu den hier
unterteufenden Schichten ein höchst anomales. Manche dieser Schollen liegen
noch fast söhlig und sind so offenbar nur die rückständigen Reste der durch
Erosion zerstörten obersten Decke dieser Formation. Andere dagegen stossen
mehr minder schräg gegen die älteren Schichten ab oder sie sind vollkommen
geknickt, so dass sie unter äusserst steilem gegenseitigen Zufallen ihrer Han-
gendtheile keilförmig zwischen die älteren Schichten eingeklemmt sin3. Dieser
letztere Fall zeigt sich besonders auffällig am Klimentberg, SW. von Starkeu-
bach, der andere meistentheils bei den übrigen kleineren Schollen.
Sicher sind diese bedeutenden Schichtenstörungen nur in Folge der Mela-
phyr-Eruptionen entstanden, wie sich das weiter unten noch näher heraussteilen
wii d. Im Ganzen lassen sich hier fünf Melaphyrdurchbrüche, beziehungsweise
49 *
38(5
Juhann Jukelv.
[«I
M el a p hy rs tr ö m e nach weisen. Drei davon lagern zwischen den Schichten der
unteren Etage und sind längs der Isergehänge zwischen Semil und Dolanky
(NW. von Starkenhach) äusserst deutlich zu heobachten. Der unterste oder erste
Strom keilt sich bereits hei Ober-Sitowa aus, der zweite setzt von Dolanky,
wo er von der linken auf die rechte Iserseite hin Übertritt, östlich bis über
Susanek fort und der dritte, welcher zwischen dem Straznik- und Kuzinecberg,
bei Perimow, eine Strecke unterbrochen ist, erstreckt sich östlich bis über
Bräna, wo er sich nördlich von der Kuppe des Principalek ebenfalls gänzlich
auskeilt. Auf diese Weise reicht keiner von diesen Strömen über das Elbethal
östlich hinüber; sie verlieren sich allmälig an seiner westlichen Seite unter
den je jüngeren Schichten dieser Abtheilung.
Der vierte Melaphyrstrom lagert theils auf den oberen Schichten der mitt-
leren Etage oder stellenweise übergreifend auf den Arkosen wie hei Roskopoiv,
noch auf den oberen Schieferthonen , und wird an mehreren Orten von einem
noch jüngeren Melaphyr durchbrochen und bedeckt. Wo diese beiden Ströme
nicht zugleich vorhanden sind, da lässt es sich oft schwer entscheiden, welchen
von ihnen man vor sich hat. Petrographisch sind die hiesigen Melaphyre nämlich
.einander ziemlich gleich, gewöhnlich ist aber der untere der letztgenannten
jüngeren Ströme ein Melaphyrmandelstein, während der obere und auch grössten-
theils die drei älteren mehr massig sind und theilweise ausgezeichnet krystal-
linisch *). Der Mandelstein führt in den Mandeln und Geoden vorzugsweise
Delessit, Kalkspath, Arragonit, Zeolithe und alle möglichen Abänderungen der
Quarzreihe, welche vor Zeiten, namentlich vom Kozäkow eine ausgiebige Aus-
beute darboten für die Turnauer Halbedelstein-Schleiferei, deren Erzeugnisse
nach allen Welttheilen einen Absatz fanden.
Das interessanteste unter diesen Quarzvorkommen ist entschieden der be-
kannte „Sternquarz“, welcher als gangförmige Masse im dritten Melaphyrstrom
am Strazyikberg bei Perimow aufsetzt. Gegenwärtig findet man von seinem Aus-
gehenden b los unansehnliche Fragmente, indem die grösseren Stücke bereits
alle durch eifrige Sammler weggeführt worden.
Zu diesen beiden jüngeren Melaphyrströrnen gehören alle übrigen Vor-
kommen des hiesigen Gebietes, die vielfach zerrissene Melaphyrmasse zwischen
Neu-Paka und Huttendorf, der mächtige Strom zwischen Lomnitz und Tatobit,
jener des Hrupkaberges , 0. von Lomnilz, jener des Kozäkow, der Melaphyr-
riicken zwischen Tuhan undHofensko sainmt dem Stranskoberg heiPohof, zwischen
Mficna und Bistra, jener nördlich von Swojek und vom Cistaberg zwischen Cista
und Gross-Borowitz. An den meisten dieser Localitäten lassen sich die beiden
Ströme deutlich über einander beobachten, und zwar entweder unmittelbar oder
durch eine mehrere Fuss mächtige Zwischenlage eines mehr minder tuffartigen
Lettens von einander geschieden. Am Ausgezeichnetsten zeigt sich diese .Ueber-
lagerung bei den Strömen des Lewin- und Kaiserherges in der Gegend von
Falgendorf. Am Kaiserberg ist das Profil Folgendes:
a ) Oberer Melaphyrstrom, einige Fuss bis mehrere Klafter mächtig, den
Bergrücken einnehmend.
b) Zäher, sandiger, rother Thon, unregelmässig geschichtet, dabei aber
horizontaf gelagert , bis zu 2 Klafter mächtig.
c) Melaphyrmandelstein, zumTheil blasig und sehlackenartig, 10 bis 12Klftr.
i) Hinsichtlich der näheren Beschaffenheit des Melaphyrs ist auf die treffliche Darstellung
Dr. Ferdinand Baron v. Richthofen’s in der Zeitschrift der deutschen geologischen
Gesellschaft, 1856, zu verweisen.
£7] Allgemeine Uebersicht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises. 387
d) Obere Schichten der mittleren Etage, arkosenartige Sandsteine, wech-
selnd mit bis 5 Fuss mächtigen Bänken von Schieferthon. Unter der zweiten
Bank ein im dortigen Steinbruche an der südlichen Bergleime aufgeschlossenes
1 Fuss starkes Flötz von kieselreichem Kalkmergel. Unter diesem Schichten-
complexe endlich die Arkose, welche von Widach und Podlewin an in den süd-
lichen Gegenden durchwegs herrscht.
Am Eisenbahndurchschnitt bei Lewin-Öls zeigt sich zu oberst ein fester,
massiger Melaphyr. Er ist 5 bis 6 Klafter mächtig, horizontal gelagert und in
senkrechte Pfeiler abgesondert. Darunter eine 1 bis 4 Fuss starke Lage roth-
braunen sandigen Thones. Zunächst im Liegenden derselben eine Lage schlacki-
gen Mandelsteines und zu unterst bis zur Eisenbahnsohle der gewöhnliche
Melaphyrmandelstein.
Wo der obere Strom bis zu der thonigen Schichte zerstört ist, da bildet
dieselbe einen aschenartig losen Bodengrund, mit zahlreichen Brocken von
schlackenartigem Melaphyr, wie sich dies namentlich zwischen^ Karlow und
Studenetz, zwischen Swojek und Kruh, dann bei Bostock, am Cistaberg und
noch anderwärts beobachten lässt. Porth hat diese Gegenden als Aschen- und
Schlackenfelder in einem Sinne gedeutet, als wären sie durch förmliche Aschen-
und Schlacken-Ejectionen entstanden. Dem ist aber nicht so, sondern es liegt
ihnen der weniger gewaltsame Vorgang der Erosion zu Grunde, durch den über-
haupt auch in Folge der iValauswaschung die Isolirung der gegenwärtigen ver-
einzelten Melaphyrrücken und Lappen erfolgt.
Dass aber bei dem echt vulcanischen Charakter der Melaphyre es hier an
Merkmalen gewaltsamer Durchbrüche nicht fehlen kann, versteht sich wohl von
seihst. Zahlreiche Bisse und Spalten gibt es da, durch die sich die einzelnen
Melaphyrströme ihren Weg zur Oberfläche gebahnt hatten. Solche gangförmige
Durchbrüche und Anastomosen mit den jetzt isolirten Stromlappen sind besonders
ausgezeichnet am Eisenbahndurchschnitt zwischen Lewin-Öls und Roskopow zu
beobachten. An der Drehung der Eisenbahn bei Zderetz zeigt sich (Figur 1)
Fig. 1.
auch überaus deutlich, wie der Melaphyr die oberen Schichten der mittleren
Abtheihmg durchbricht und sich darüber ergiesst. Durchbrüche des jüngeren
Melaphyrs durch den älteren sind wieder recht instructiv unter anderen am
Wachberg bei Rownacaw. In Kruh durchbricht er stockförmig die Schichten der
mittleren Etage dicht an der Grenze des dortigen Lappens der oberen Schiefer-
thone. Aehnlichen stock- oder gangförmigen Vorkommen gehören ferner die
meisten vereinzelten kleineren Kuppen an, wie man sie namentlich am Princi-
388
Johann Jokelv.
[8]
palek bei Bräna, südlich bei Hennersdorf, östlicli von Hostok, bei Starkenbacli,
in Unter-Lomnitz und bei Holenitz vorfindet. Einen ausgezeichneten Gangdurch-
bruch bietet endlich noch die gewaltige Melaphyrmasse des Kozakow, die
zwischen Peklowes und Podhaj (bei Eisenstadtl) in einen über eine halbe Meile
langen und verhältnissmässig ziemlich schmalen Gang sfidostwärts ansläuft.
Die beigefügten Profile (Figur 2, 3 und 4) werden das bisher Dargestellte
näher veranschaulichen.
Im Vergleiche zu den Melaphyren hat der Porphyr im hiesigen Gebiete
eine weit geringere Verbreitung. Er ist blos an wenigen Punkten vorhanden,
oder vielmehr blossgelegt. In drei isolirten Bücken ragt er über die Schichtet»
der oberen Etage empor zwischen Holenitz und Kozakow, in zwei ähnlichen
zwischen Luzan und Aujezd, wo er bei letzterem Orte oder Staw, nebst einer
inselförmigen Phyllitpartie, an die er sich theil weise anlehnt, von der Arkose
am Luzanberg hingegen ganz von Quadersandstein umgeben wird, und endlich
mehr eine Porphyrbreccie in Pecka, worauf ein Theil der Stadt selbst gelegen
ist. Petrographisch sind die drei ersteren Vorkommen entschiedene Felsit-
porphyre, jene von Aujezd und Luzanberg nähern sich gewissermassen dem
Porp hy rite Naumann’s, stehen aber den ersteren unbedingt näher wie den
eigentlichen Melaphyren.
Ihr Verhalten zu den sie umgebenden Rothliegendschichten, die sie in ihrer
Lagerung nicht im Geringsten stören und dann, wie* es Porth auch in scharf-
sinniger Weise richtig erkannt hat, namentlich die Porphyrbreccie von Pecka
Bruchstücke nur von jenen Schichten erhält, die der unteren Etage angeboren,
diese Verhältnisse deuten mit voller Entschiedenheit auf ein höheres Alter des
Porphyrs gegenüber den beiden oberen Etagen. Und seine deutliche Ueber-
lagerung der der unteren Etage angehörenden Schieferthone in der Gegend von
Liebenau, wie das vor einigen Jahren hei der Beschreibung des „Jeschken-
gebirges“ angedeutet wurde, setzt dies in der That ausser allem Zweifel und
bezeichnet zugleich die wirkliche Eruptionszeit der hiesigen Porphyre. Eine
weitere Folge dieses Thatbestandes scheint dann selbst auch die petrographische
Verschiedenheit der Sandsteingebilde der beiden unteren Etagen, namentlich
der vorwiegende Feldspathgehalt bei den Schichten der Arkosengruppe, der
hauptsächlich von den zerstörten Porphyren herrühren dürfte. Die Erklärung
Porth’s reicht für diese Erscheinung jedenfalls nicht aus, der jenen Feldspath-
gehalt von den Granititen des Riesengebirges herleitet, indem er annimmt, dass
die Thalauswaschungen durch die krystallinischen Schiefer hindurch bis zu den-
selben hinauf erst nach der Bildung der unteren Etage vorgeschritten sein
dürften. An blossgelegten Feldspathgesteinen fehlte es aber auch zur Zeit der
Ablagerungen der untersten Rothliegendschichten nicht, so war namentlich der
Protogynstock des Schwarzenberges bei Schwarzenthal, dicht an der Rothliegend-
grenze, ganz sicher schon damals blossgelegt und von, wenn auch nur seichten
Thälern durchrissen, wie auch andere Stöcke desselben Gesteines im östlichen
Gebirgstheil , deren sehr feldspathreiehe , granitische Abänderungen man auch
in den Conglomeraten der Steinkohlenformation der Schatzlarer Gegend in 2 bis
3 Fuss im Durchmesser haltenden Gerollen so häufig antrifft.
Diese Verhältnisse erklären nun denn auch die Abnormitäten, die sich nach
dem Obigen bezüglich der Lagerungsverhällnisse der mittleren und unteren
Etage gegenseitig ergeben. Besonders aber erhält dadurch die „übergreifende
Lagerung“ der ersteren theil weise eine befriedigende Erklärung, wornach sie
als das Resultat einer nach der Porphyr-Eruption stattgefundenen und wahr-
scheinlich durch dieselbe selbst veranlassten Senkung des damaligen Rothliegend-
[»]
Allgemeine üebersicht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises.
389
F.g. 2.
Wolesna- Stransko- Xawero-
Riesengebirg. Prikry. Benesow. fserfluss. Kozinee. berg. Pohor. berg. -U Cyhelny. witz. Lomnitz, Chlum. Kyje. Eisenstadtl.
390
Johann Jokely.
[10]
beckens zu betrachten wäre. Ebenso kann die übergreifende Lagerung der
oberen Abtheilung, wie oben erwähnt, nur mit Terrainsdislocationen in Verbin-
dung gebracht werden. Indessen fehlen hier alle Anhaltspunkte, die eine
plausible Erklärung dafür abgeben würden, falls man sie als seculare nicht auf
entferntere Ursachen zurückführt. Zu der Annahme, dass der vierte Strom
zwischen die Ablagerungszeit der mittleren und oberen Etage falle, bieten sich
gar keine verlässlichen Anhaltspunkte. Die Gegenden von Karlow und Hüttendorf
sind die einzigen, wo sich dies näher constatiren Hesse, und auch da ist das
Verhalten dieses Stromes zu den oberen Schichten ein derartiges, dass es eine
solche Annahme mehr ausschliesst als bestätigt. Die beiden jüngeren oder „nach-
porphyrischen“ Melaphyrdurchbrüche können daher mit jenen Dislocationen in
keinen näheren Zusammenhang gestanden haben. Sie sind eben jünger wie die
oberen Schieferthone und nachweislich hatten sie namentlich blos auf jene
Störungen Einfluss, welche die so auffallenden Verwerfungen eben bei diesen
jüngsten Schichten hervorriefen.
Dass aber diese letzteren Strömungen auch nicht später, etwa erst während
der Basaltperiode, stattgefunden haben, beweist das bereits äusserst spärliche
Vorkommen des Basaltes im Bereiche des Bothliegenden. Neben den höchst
unbedeutenden Durchbrüchen von Stupnai, Ratkin, Aujezd, Kumburg, Bradletz
ist eben nur der über Melaphyr ausgegossene Basaltstrom des Kozäkow von
namhafterem Belang und auch dieser scheint nur einige Spalten, namentlich das
Wolesnathal zwischen Liebstadtei und Semil in den bereits längst früher ver-
worfenen Theilen des Rothliegenden aufgerissen zu haben. Ausser anderen
jüngeren Thaldurchrissen und Terrain-Einsenkungen von geringerer Ausdehnung,
die neben den weiten Diluvialflächen des benachbarten Quadergebietes gegen-
wärtig gleichfalls vorzugsweise lössartige Lehme ausfüllen, fallen überdies noch
jene Gebirgsstörungen in die Epoche der Basaltdurchbrüche, die sich an den
steil gehobenen Quadersandsteinbänken längs des Rothliegenden und seihst an
den Schichten dieses letzteren in den Gegenden von Rowensko, Tatobit, Hinter-
Loucek, Klein-Skal und von da bis über Liebenau hinaus wahrnehmen lassen;
ferner die Verwerfungen und sogar Ueberkippungen des Rothliegenden an
manchen Grenzstellen der riesengebirgischen krystallinischen Schiefergebilde,
wie namentlich bei Rybnitz oder Skodejow, wo auf einer nordwärts überstürzten
Scholle von Rothliegendconglomeraten und Brandschiefern Phyllite sammt einer
kupfererzführenden Lagerstätte unter gleicher Neigung aufruhen.
lieber der den obwaltenden Verhältnissen entsprechend durchgeführten
Gliederung des hiesigen Rothliegenden, wird dermalen bei den noch in äusserst
spärlicher Anzahl vorliegenden fossilen Ueberresten, namentlich von Pflanzen,
eine gleichscharfe p a läon toi ogisc he Charakteristik der einzelnen Etagen
noch unausführbar. Bemerkenswerth bleibt es aber, dass die eben nach Herrn
Prof. Dr. Unger’s Bestimmung ausgeführten Pflanzenreste derart von den
bisher bekannt gewordenen Formen des Rothliegenden im Allgemeinen ab weichen,
dass sie grösstentheils mit jenen der zur „Steinkohlenformation“ gerechneten
Gebilden von Waldenburg, Radnitz u. s. w. übereinstimmen. Ein Hinübergreifen
einzelner Pflanzenformen der letzten Formation in das Rothliegende oder auch
aus dessen einzelnen Horizonten in höhere wiederholt sich übrigens auch ander-
wärts, namentlich in Schlesien, wo nach Herrn Prof. Dr. Göppert der erstere
Fall auch bei sehr nahe verwandten Araucarien stattfindet. Dass aber das hiesige
Rothliegende von den echten Steinkohlengebilden, unter anderen der Schatzlarer
Gegend auch schon nach den bisher bekannten Verhältnissen ihres geologischen
Bestandes vollkommen verschieden ist, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.
[11] Allgemeine Uebersicht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises. 391
Endlich wäre noch der Erzführung zu gedenken, besonders in wie weit
sie im Bereiche des Rothliegenden praktische Erfolge darbietet. Die Erze beste-
hen hier bekanntlich aus Malachit, Kupferlasur, Kupierkies, seltener aus Kupfer-
fahlerz, Kupferglanz, Kieselkupfer, Kupfergrün, Allophan und Schwärzen mit
einem local äusserst wechselnden Kupfergehalt von i 2/2 bis 30 Procent und mit-
unter auch etwas darüber, und einem bis 3- oder 41öthigen Silbergehalt. Neben
den Porth’schen Angaben über die Erzführung des hiesigen Rothliegenden sind
darüber noch Nachrichten bekannt von den Herren Prof. Dr. A. E. Reuss *)>
Regierungsrath M. F. X. Zippe 3), Director Johann Grimm 3), Markscheider
Karl Bayer4) und aus einer Zusammenstellung von Schurf-Ergebnissen von
0. Pollak 5), welche namentlich seit und während der Tracirung der Pardubitz-
Reichenberger Eisenbahn an zahlreichen Orten erzielt wurden. Seither war man
bis gegenwärtig unermüdet thätig in der Aufsuchung neuer Erzlagerstätten oder
nebenbei von Schwarzkohlen. Allein all’ diese Unternehmungen krönte nicht der
günstigste Erfolg. Die Baue am Kozinec bei Starkenbach , viele andere theils
Versuchs-, theils Schurfbaue, wie am Kozäkow, bei Kostalow, Pohor, Hohen-
elbe, Mohren u. s. w., mussten wegen Unausgiebigkeit der Erze oder Kohlen
früher oder später aufgelassen werden. Eine Ausnahme hiervon ist gegenwärtig
nur noch der berg- und hüttenmännische Betrieb von Leopold (Hermannseifen),
doch auch hier ist, abgesehen von der Eigenschaft und der Art des Auf-
tretens der Er^e, bei dem oben bezeichneten Lagerungsverhältniss des erzführen-
den Brandschieferflötzes , wornach es auf eine für den Abbau höchst ungünstige
Weise in mehrere Lappen zerrissen ist, dem Unternehmen für die Dauer nicht
der günstigste Erfolg zu prognosticiren. Ohne Frage wäre er voraussichtlich
grösser, wenn auch hier wie in Rochlitz eine extractive Ausbringung des Kupfers
gleich im Vorhinein eingeführt worden wäre, zumal sich auf trockenem Wege
bei den vorherrschend oxydischen Erzen grössere Verluste nicht verhüten lassen.
Dem ungeachtet bleibt aber auch in diesem präsumtiven günstigeren Falle bei
der Beschaffenheit der hiesigen Erze ein derartiges Unternehmen ein höchst
preeäres, in so lange es blos auf Erze des Rothliegenden beschränkt ist. Bei der
Rochlitzer Gewerkschaft, deren Erzeugungsverhältnisse weit günstiger sind,
indem sie neben den Erzen des Rothliegenden auch die silberhaltigen Kupfererze
von der Kalk-Malakolithlagerstätte des riesengebirgischen Urthonschiefers mit
extrahiren kann, ist auch die Nachhaltigkeit ihres Betriebes viel gesicherter.
Und demnach haben die gegen Ende des verflossenen Jahres in Gang gesetzten
Extractionsversuche gezeigt, dass die aufgestellte Methode noch vielfache Modi-
ficationen und Verbesserungen erheischt, damit das Unternehmen in seinem
Fortbestände gesichert bleibe und nicht vollends scheitere.
Was aber bei den Erzen des Rothliegenden einen günstigen bergbaulichen
Aufschwung am wesentlichsten beeinträchtigt, ist vor allem die Art und Weise
ihres Auftretens selbst. Fast ohne Ausnahme zeigt sich nämlich die Erzführung
bei den Schichten des Rothliegenden an solchen Stellen, wo in Folge von Verwer-
fungen die Schichten besonders auffallend in ihrer Lagerung gestört sind, oder, wie
es mit manchen Lehnen der Fall ist, quer abgeschnitten oder abgebrochen. Die
0 Kurze Uebersicht der geologischen Verhältnisse Böhmens. Prag 1854.
2) Die Kupfererz-Lagerstätten im Rothliegenden Böhmens. Sitzungsberichte der Kais. Aka-
demie der Wissenschaften. XXVIII, 1858.
3) Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch der k. k. Montan-Lehranstalt zu Leoben und
Pribram. 1858.
4) Dasselbe Jahrbuch von 1860.
5) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1858, II.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft.
50
392
Johann Jokely.
[12]
Erzführung ist also keineswegs auf gewisse stetig fortsetzende Horizonte gebun-
den. Sie zeigt sich vielmehr ohne alle Regelmässigkeit bei allen Schichten der
drei Etagen, und wenn man sie bis jetzt am häufigsten bei den Schichten der
Brandschieferzüge vorfand, so liegt dies eben nur in der genaueren Kenntniss
derselben. Man kennt jedoch auch Localitäten, wie den Kozinec hei Starkenbach,
solche bei Ribnitz, nördlich von Pohor u. a., wo die Erze auf Conglomerate,
Sandsteine oder Schieferthone allein gebunden sind. Eben so sind auch Klüfte
und Spalten des Melaphyrs und der Schwarzkohlenschnüre und Linsen sehr
häufig von Malachit, Lasur, Kupferglanz u. s. w. angeflogen und von ihnen
mehr minder tief hinein imprägnirt. Ob im Bereiche der Melaphyre übrigens
jemals abbauwürdige Erze vorgefuriden worden sind, lässt sich schwer entschei-
den. Merkwürdig bleibt es aber, dass bei Widach (Vidochov) sich bedeutende
Melaphyrhaldenzüge vorfinden, ohne dass sich irgend welche Erzspuren bei
ihnen nachweisen Hessen.
Der Sage nach sollen hier „edle Metalle“ gewonnen worden sein. War es
in der That der Fall, so waren es vielleicht Silbererze oder reiche silberführende
Kupfererze, etwa auch Schwärzen mit metallisch ausgeschiedenem Silber. In
diesen Gegenden, wie bei Stupnai (Stupnä) und bei Pecka im Zlatnicewald,
finden sich Spuren alter Bergbaue auch im Arkosensandstein und beide Oerter
sollen bezugsweise vom Stampfen ( stoupy ) und Schmelzen ( pecc ) ihre
Benennung herleiten
Alle diese Verhältnisse und selbst die Erzarten deuten nun daraufhin, dass
die Erzführung des Rothliegenden keine ursprüngliche auf lagerartige Gesteins-
massen gebundene sei, sondern blos eine secundäre Gesteins-Imprägnation, welche
durch metallhältige Lösungsmittel herbeigeführt worden ist. Anscheinend hatten
Mineralquellen den bedeutendsten Antheil daran, deren Entstehung und Verlauf
wieder mit den gewaltigen Melaphyr- und local selbst den Basaltdurchbrücben
und den durch dieselben hervorgerufenen Spaltungen des Gebietes nicht ohne
die gewichtigsten Gründe in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen
wären. Die geringe Erznachhältigkeit im Streichen und Fallen der Schichten
wird nach diesen Verhältnissen eben so sehr erklärlich, als sie durch thatsäch -
liehe Erfahrungen bereits auch vielfach erhärtet ist. Es gehört demnach ein
grosser Aufwand von Mitteln dazu, um neben der sonst schon schwierigen
Metallausbringung auch das entsprechende Rohmaterial seihst zur Verhüttung zu
erzeugen. Desshalb bleibt bei den Rothliegenderzen allein der Erfolg eines berg-
und hüttenmännischen Unternehmens immerhin ein zweifelhafter oder ein nur
zeitlich gesicherter. Diese rückhaltslose Darlegung dürfte hier um so berechtig-
ter erscheinen, als eine solche bei den Arbeiten der k. k. geologischen Reichs-
anstalt, die zugleich auf dem neutralen Boden der Unparteilichkeit fussen, nicht
allein wünschenswert wird, sondern als ein Postulat ihrer praktischen Ziele zu
erachten ist.
Bemerkungen über die Verbreitung der Araucarienstämme.
Herrn Prof. Dr. Göppert2) gebührt das besondere Verdienst die lücken-
hafte Kenntniss über den Bestand der „versteinerten Wälder“ des hiesigen
!) F. A. Heber: Böhmens Burgen, Vesten und Bergschlösser. 1844.
3) Ueber den versteinten Wald von Radowenz hei Adersbach in Böhmen und über den Ver-
steinerungsprocess überhaupt. Jahrbuch der k, k. geologischen Reichsanstalt. 1857, IV.
[13] Allgemeine Uebersieht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises. 393
Rothliegenden in einer Weise erweitert zu haben, welche diesem classischen
Gebiete ein wo möglich noch erhöhteres Interesse verleiht, als es gleichsam
ein Phänomen am paläontologischen Gesichtskreise, ein solches ohnehin schon
für sich in Anspruch nimmt. Dieser Erscheinung, so wie ihrem würdigen Inter-
präten, weihte beredte Worte der Würdigung Herr Hofrath Haidinger in der
Sitzung der k. k. geologischen Pieichsanstalt am 12. Jänner 1858.
Diese Wälder, bezugsweise die Stämme des Araucarites Schrollianus Göpp.
gehören nach dem Obigen in den Bereich des Arkosensandsteines. Sie finden
sich nun auch überall, so weit er blossliegt, theils nur bruchstücksweise, tlieils
in mehr minder grossen Stammstücken. So weit das letztjährige Aufnahmsgebiet
reichte, fanden sie sich am häufigsten beisammen in der Umgebung von Pecka
und Stupnai (Stupnä) !). In den Hangendschichten der Arkosengruppe und in
der oberen Etage wurden derlei Stämme nicht beobachtet, dürften aber den
ersteren kaum fehlen. In der unteren Etage finden sich fossile Hölzer ebenfalls,
namentlich am Kozinec, bei Starkenbach, wo sie neben anderen Pflanzenresten
in der erzführenden Sandsteinbank Vorkommen. Es ist das ein grauer glimmer-
führender Sandstein mit Lagen bräunlich-grauen Sehieferthones, von etwa
5 Klafter Mächtigkeit. Ueber ihn ruht ein bis 4 Klafter mächtiger Melaphyrstrom,
an der südlichen Abdachung des Berges ebenfalls von einem Sandsteine bedeckt,
welcher concordanten Einlagerung bereits auch Herr Director Grimm a. a. 0.
erwähnt. Unter jener Bank lagert ein graubrauner Sandstein von 1 bis 1 i/a Klafter,
dann Conglomerate, hin und wieder auch von Kupfererzen, namentlich Schwär-
zen imprägnirt. Die Holzstämme, deren nähere Bestimmung Herr Professor
Dr. Göppert übernommen hat, sind bei verschiedener Länge l/2 bis 2 Fuss im
Durchmesser stark, und liegen parallel zu den 20 bis 25 Grad in Süd fallenden
Schichten. Herr Apotheker Schal ler in Starkenbach fand in jenen Schichten
eine äusserst kleine Unio , welche mit U. carbonaria übereinstimmen dürfte.
Ferner trifft man Fragmente dieser Hölzer im Bereiche des theils innerhalb des
Rothliegenden , theils des benachbarten Quadergebietes verbreiteten Diluviums,
diese kommen aber als Vorkommen auf secundärer Lagerstätte bei der Beurthei-
lung der Verbreitung ihrer ursprünglichen Lagerstätten selbstverständlich ausser
Betracht.
Nach der Mittheilung des Herrn Professors Dr. Göppert befindet sich unter
den fossilen Hölzern vom Kozinec auch Araucarites cupreus Göpp., welcher
vollkommen identisch ist mit dem in der permischen Formation Russlands vor-
kommenden, wodurch nach Herrn Göppert ein „neuer Beweis für die Ver-
wandtschaft jener Ablagerung“ mit der böhmischen sich herausstellt.
Als Ergänzung zu dem Vorkommen des Araucarites Schrollianus , welches
Herr Professor Dr. Göppert von der Peckaer Gegend gegeben hat, mögen
hier noch einige Notizen angeführt werden. In der Regel sind die Stammstücke
an der Oberfläche unregelmässig umher zerstreut oder nahe derselben von einer
Schottermasse, welche aus der oberflächlichen Zersetzung der häufig Gerolle
führenden Arkosenschichten hervorgegangen ist, theilweise umhüllt. Von der
Arkose vollkommen umschlossen wurden sie, mit Ausnahme kleinerer Fragmente,
nur an einem Punkte beobachtet, der schon seiner romantischen Umgebung nach
nicht wenig an Interesse gewinnt. Es ist das nämlich einer der verliessartigen
— Ueber die versteiften Widder im nördlichen Böhmen und in Schlesien. 36. Jahres-
bericht der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur. 1838.
') ln der angeführten zweiten Abhandlung Dr. Göppert’s heisst es, wahrscheinlich in
Folge eines Druckfehlers, überall Slupnay statt Stupnai.
30
394
Johann Jokcly.
[14]
Kellerräume des Peckaer Burgruine. Man sieht da mehrere solcher nahezu
horizontal liegender Stämme von 1 bis 2 Fuss im Durchmesser fest noch in der
Arkose stecken, vielfach wohl umlöchert und von manchem Besucher dieser
Localität an ihrer Integrität geschädigt. Herr Prof. A. Z. Maloch in Jicin hat
auf diesen Ort im angeführten Werke Heber’s zuerst aufmerksam gemacht und
von ihm rührt auch die nähere Kunde über die von den Landleuten „Hrusky“
(Birnbäume) benannten fossilen Holzstämme dieser Gegend.
In ihrer Grösse variiren diese Stammstücke vielfältig und nach ihren oft
mehrere Fuss im Durchmesser haltenden Dimensionen lässt sich annäherungs-
weise auf die einstige Grösse der ganzen Bäume leicht schliessen. Eines der
schönsten Exemplare , auf welches bereits Göppert aufmerksam gemacht hat,
war unstreitig jenes auf dem Jitraberg, NW. von Pecka, welches den letzten
Sommer für das Museum der k. k. geologischen Reichsanstalt auch erworben
worden ist. Es bestand aus vier Fragmenten , welche mit den Zwischendistanzen
zusammen 24 Fuss in der Länge betrugen. Mit seiner Wipfelseite lag der Stamm
(xx) auf dem genannten Berge gerade nach NO. und zwar etwa 300 Schritte
vom oberen Rande der dortigen Lehmgrube (Z) quer über den Fusssteig, welcher
von dem Peckaer Teiche zur Stupnaer Kirche über einen zwischen Waldgrund
ausgestockten und dem Peckaer Bürger Johann Sturm angehörigen Weidenplatz
Fig. 5.
führt. Die unteren drei Stammstücke wurden, so wie sie waren, ganz heraus-
gehoben, sammt dem von einem sich losgetrennten Bruchstück, und nur vom
vierten musste der obere Theil, der sich loslöste und zu zerbröckeln anfing.
[15] Allgemeine Uebersicht des Rothliegenden im westlichen Theile des Jiciner Kreises. 395
zurückgelassen werden. Der Durchmesser des unteren ß1/^ Fuss langen Stamm-
stückes beträgt 3 Fuss 2 Zoll. Neben diesem lag noch vor einigen Jahren ein
viel bedeutenderes Stück. Es wurde aber von seiner Lagerstätte herausgehoben
und über das südliche Berggehänge hinabgerollt. Hier blieb es auf dem Feld-
fahrwege ( FF ) eine Zeit liegen, bis man es wegen des Hindernisses, das es
hier darbot, grösstentheils zerschlagen hat. Gegenwärtig findet sich an der
südlichen Wendung des Fahrweges bei (£) ein Bruchstück, das man für ein
von jenem Stamme herrührendes ausgibt, und nach seiner Dimension zu
schliessen, dürfte es damit auch seine Richtigkeit haben. Nach dieser müsste
nämlich das Stammstück einen Durchmesser von nahezu 4y3 Fuss besessen
haben und ein solcher passt nicht recht zu den übrigen hier vorfindüehen
Stammstücken, ausser zu dem in Rede stehenden Stamm. Aus diesen Daten
lassen sich die riesigen Verhältnisse dieses Stammes schon ermessen , die er
einst in seinem ganzen Bestände besessen haben musste. Herr Prof, Göppert
vermuthet überdies noch, nach einer von ihm beobachteten, nicht im Quirl
stehenden Astnarbe, dass es blos ein Ast sei, was sich indessen, da man noch
andere Astnarben jetzt deutlicher beobachten kann, nicht zu bestätigen scheint.
Auf dem Fahrwege von Pecka nach Klein-Borowitz , etwa ya Stunde vom
ersteren Orte, sieht man einen ähnlichen, doch, wie es scheint, im Durchmesser
viel geringeren Stamm. Auch da liegt er quer über dem Wege, trägt aber
bereits tief eingefurchte Geleisspuren, so dass er über kurz oder lang unfehlbar
zersprengt werden wird. Lose umherliegende Exemplare von ausgezeichneter
Schönheit und guter Erhaltung finden sich übrigens in dieser Gegend noch weit
und breit an vielen Stellen und besonders auch am Jitraberge, etwa 100 Schritte
nordwestlich von dem gehobenen Stamme, sieben grössere solcher Stammstücke,
dicht an dem bezeichneten Fusspfade. Ausser dem Peckaer Stamme besitzt die
k. k. geologische Reichsanstalt noch ein überaus ausgezeichnetes, wenn auch
viel kleineres Exemplar von A. Schrollianus aus der Schwadowitzer Gegend,
welches ihr von der regierenden Frau Fürstin Ida Caroline zu Schaüm-
burg-Lippe als Geschenk verehrt worden ist.
396
Johann Jokely.
m
V. Das Riesengebirge in Böhmen.
Von Johann Jokeky.
Mit 1 Tafel.
Vorgelegt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 30. April 1861.
Einleitung.
Unter allen Gebirgen Böhmens entfaltet das Riesengebirge in seiner äusseren
Formgestaltung die meiste Grossartigkeit. Seine pralligen bis 2400 Fuss tiefen
„Gründe“, seine Höhenrücken, wo bei 3 bis 4 Grad Mitteltemperatur blos mehr
Knieholz in oasenartig zerstreuten Gebüschen fortkommt oder selbst auch dieses
auf den höchsten, meist nebelumhüllten Kuppen und Kämmen den Moosen
vollends weicht, haben bereits einen vollkommen alpinen Charakter. Rechnet
man dazu die Grossartigkeit eines Rundgemäldes, wie es vor Allem die Schnee-
koppe nach allen Weltgegenden hin darbietet, so ist es leicht begreiflich, wie
ein Gebirge, das bei einer verhültnissmässig nur geringen Ausdehnung solch'
einen imposanten Wechsel in geographischer Beziehung hervorruft, alljährlich
zum Ziele Tausender von Touristen der verschiedensten Farbe werden konnte.
Dennoch gehört das Riesengebirge zu einem der im Detail am wenigsten
näher bekannten Gebirgszüge Böhmens. Die vorliegenden Arbeiten, älteren und
neueren Datums, sind theils Localbeobachtungen, wie von L. v. Buch, J. Jira-
sek, Abbe Gr über, Chr. G. Assmann, Dr. J. K. E. Hoser, F. A. Reuss,
Prof. G. Rose und Prof. Dr. August E. Reuss, theils ganz allgemeine Ueber-
sichten bei ziemlich mangelhafter Gesteinsdiagnose und einer überaus primitiven
graphischen Darstellungsart. Zu den namhaftesten dieser letzteren gehört Karl
v. Raume r's : „Der Granit des Riesengebirges und die ihn um-
gebenden Gebir gsfamilien, Berlin 1813“ und Dr. H. Berghaus':
„Specialkarte vom Ri es en gebi rg e“, in dessen „Physicalischem Atlas“.
Unter den neueren Forschungen sind jene von F. X. M. Zippe geologisch bereits
präciser und gehören überhaupt auch dessen Beschreibungen in J. G. Somme r’s
„Topographie von Böhmen“ zu den wichtigsten Quellen der Geologie des
ganzen Landes. In chartographischer Beziehung fussen dagegen die im Laufe der
letzten Jahre von preussischer Seite officiös ausgeführten Arbeiten voll-
kommen auf dem Standpunkte der heutigen Geologie, und es ist nur zu bedauern,
dass, wie es scheint, schon nach dem ursprünglich festgestellten Plane keine
ganz so detaillirte Durchführung der Arbeit angestrebt worden sei, wie es eben
bei unseren Specialaufnahmen geschieht.
Im Anschlüsse an die Aufnahme des Jeschken- und Isergebirges (General-
stabs-Specialkarte Nr. III und I) wurde im Sommer 1860 das Riesengebirge im
engeren Sinne (auf den Blättern Nr. IV und IX) vollendet.
[2]
Das Riesengebirge in Böhmen.
397
Bekanntlich besteht das Riesengebirge sammt Dependenzen aus krystallini-
schen Gebilden. Seine Centralmasse war seit der Grauwaekenperiode her
trockenes Festland. Das Hauptergebniss aber der bis zur Diluvialzeit herauf
erfolgten mannigfachen Gebirgsstörungen war hier, wie auch bei den übrigen
böhmischen Urgebirgen, eine fortschreitende Senkung des Bodens, während in
den Alpenländern das gerade Gegentheil stattfand. Desshalb überragen auch an
Höhe die alt- und jungsedimentären Ablagerungen der letzteren die Culminations-
punkte der böhmischen, überhaupt der norddeutschen Urgebirge mehr als um
das Doppelte, ein Umstand, der sich durch die Erosion allein durchaus nicht
erklären liesse. Die scharf ausgeprägten Bruchkanten der mittelalten alpinen
Sedimentsgebilde im Süden der oberen Donauländerund die hier ununterbrochen
fortziehenden Tertiär-Ablagerungen sprechen unzweideutig für das Vorhanden-
sein eines bedeutenden Verwerfungsgebietes , von wo aus wahrscheinlich zu
wiederholten Malen, besonders aber vor Beginn der Neogenperiode grossartige
Terrainsdislocationen oder gleichsam die geologische Zweitheilung oder Spaltung
von Central-Europa vor sich gegangen ist.
Dieser durch geologische und geographische Erscheinungen vielfach erhär-
tete Umstand erklärt nun auch all1 die Anomalien, die sich in Bezug der Niveau-*
Verhältnisse dieser Ländergebiete kundgeben, vorzugsweise aber, dass die
böhmischen und mährischen Gebirge, ungeachtet ihres viel höheren geologi-
schen Alters und ihrer verhältnissmässig doch so geringen horizontalen Ent-
fernung von den Alpen diesen gegenüber in ihren Relief so weit nachstehen.
Im sudetischen Gebirgszuge des Herzynischen Kettensystems breitet sich
das Riesengebirge mit Einschluss des Iser- und Jeschkengebirges bekanntlich
zwischen dem „Lausitzer“ und „Glatzer“ Gebirge aus. Von diesem letzteren,
dessen nächste, zumeist aus altsedimentären Gebilden bestehende Antheile im
Nordwesten, die von einander ziemlich scharf gesonderten „Habelschwerter und
Heuscheuer Bergländer“, die „Adersbacher Quaderfelsen“, das „Schweidnitzer“
und „Ueberschargebirge“, scheidet sich das Riesengebirge, namentlich durch
das Schatzlarer und Hirschberger Hügelland scharf ah. Weniger scharf erscheint
die Sonderung gegen das „Oberlausitzer Gebirge“. Böhmischer Seits hängt
dieses, wie schon an einem anderen Orte auseinandergesetzt, durch den „Berg-
zug den Jeschken“, an den sich weiter östlich die „Schwarzbrunner Bergkette“
(458°) anschliesst, ziemlich eng mit dem riesengebirgischen Antheil der rechlen
Iserseite oder mit dem sogenannten „Isergebirge“ zusammen. Dieses letztere ist
aber selbst durch das Iserthai böhmischer Seits eben so wenig geologisch als
geographisch von dem Gebirge an der linken Flussseite, welches man gewöhn-
lich als das „eigentliche“ Riesengebirge zu bezeichnen pflegt, scharf geschieden.
Denn nicht allein, dass schon dies Thal grösstentheil ein äusserst schmales,
pralliges Erosionsthal ist, setzen auch die Schichten der krystallinischen Schiefer
quer über dasselbe und eben so der Granitit. Eine orographische Scheide existirt
hier also nicht, weil es eben auch keine geologische gibt.
In seiner Massenentfaltung verleiht der Granitit dem nordwestlichen Theile
des Gebirges gegenüber dem östlichen wohl eine etwas abweichende Physiogno-
mie, und es liesse sich jeder Gebirgstheii zwischen der Neisse, Wittig und Iser
mit dem Wittig- oder Rollberg, Sichhügel (591°), dem Welschen- und Mittel-
Iser-Kamm (beide über 530°), als eine für sich mehr selbstständige Berggruppe
bezeichnen, und die Benennung „Isergebirge“ wäre so auch geographisch auf-
recht zu erhalten. Allein dies gilt nur auf böhmischer Seite. Denn nach Preussisch-
Schlesien zu sehliesst es sich durch den Heiligenberg , den Wolschenkamm und
die Tafelfichte (592°) dem Hohen-, Iser- oder Riesenkamm (530 bis 570°) eng
398
Johann Jokely.
PJ
an, und dieser steht wieder durch den Rücken des Theisen-Hübels, der Wasser-
scheide zwischen dem Iser- und Zackenthale, mit dem Hauptkamm des Riesen-
gebirges in unmittelbarem Zusammenhänge, dessen höchste Kuppen: der Reif-
träger (750°), Spitzberg, das hohe Rad (794°), die grosse und kleine Sturm-
haube (erstm-e 772°) , der Silberberg, die Schneekoppe (851°) *), schwarze
Koppe (743°) und die Fichtiglehne mit den Tafelsteinen.
Dieser liauptkamm, von einer mittleren Höhe von 750 Klafter, besteht bis
zur Schneekoppe aus Granitit, von ihr östlich aus Glimmerschiefer und Urthon-
schiefer. Südlich scldiessen sich an ihn zwei Parallelrücken an, der des Kekonos
(700 bis 750°) mit dem Kesselberg (756°) und des Rrunnberges (819°) mit
dem Ziegenrücken (740 bis 760°). Das Elbethal trennt sie von einander, die
Siebengründe aber theilweise von jenem Granititkamm, während der Riesengrund
(Gross-Aupathal) den Brunnberg von der Schneekoppe scheidet. Diese beiden
Parallelrücken stehen mit dem Hauptkamm, der Wasserscheide für das Elbe- und
Oderflussgebiet, durch die Elbe und weisse Wiese (650 bis 700°) in Verbin-
dung, und sind in der Hauptsache die vom Granitit aufgerissenen Schichtenköpfe
des Urthonschiefers.
Von diesen beiden Rücken zweigen sich mehrere Joche oder Aesle aus.
Vom Kesselberg namentlich zwei zwischen dem Iser- und Elbethal, durchschnitten
von der kleinen Iser des Jiciner Kreises (zum Unterschiede von der kleinen Iser
des Bunzlauer Kreises, welche im Isergebirge als Nebenfluss der grossen Iser
östlich vom Wittighaus entspringt), mit dem Wolfskamm (600°) und Kobilaberg
(472°) einerseits, andererseits mit dem Kreuselberg (über 600°), Finsterstein
(530°) und Heidelberger Ziegenrücken (545°). Der Brunnberg, nach der
Schneekoppe der zweithöchste Punkt des Riesengebirges , entsendet zwischen
dem Elbe- und Gross-Aupathal neben dem kleineren Aste des Heuschober- (über
750°) und Planurberges (627°), die des Beeren- und Fuchsberges (718°), von
welcher der letztere im Südosten mit dem Forst- und Schwarzenberg (685°)
bei einer Höhendifferenz von nahezu 350 Klafter jähe gegen das Hügelland des
Rothliegenden abfällt.
Oestlich von Gross-Aupathal erscheint dem von der Schneekoppe südwärts
ausspringenden Keil der „Rose“ und eines grösseren der Schwarzenkoppe aus-
laufenden Rückens mit dem Löwenberg (zwischen dem Gross- und Klein-Aupa-
tlial) das mächtige mit der „Fichtiglehne“ zusammenhängende Joch des „Kolben-
berges“ (über 600°). Ausser dem Seitenaste des „Langenberges“ (537°)
entsendet es einen zweiten weit breiteren Rücken südwärts mit dem „Tüpelstein“
(478°), an den sich das „Rehhorngebirge“ mit dem „Hofbusch“ (539°)
anschliesst, ein über das Rothliegendniveau ebenfalls ziemlich steil aufsteigender
Bergrücken, mit nur unbedeutenden Nebenästen.
Dieses letztere Joch mit dem noch höheren des „Schwarzenberges“ bilden
den am schroffsten sich über das Rothliegende emporhebenden Theil des Riesen-
gebirges an seinem Südrande. Weiter westwärts steigen die Urthonschieferberge
der sogenannten Aeste über dasselbe bereits sanfter auf, und nehmen erst in
nördlicher Richtung allmälig an Höhe zu, bis sie in ihren vorgenannten Knoten
ihre localen Culminationspunkte erreichen. Gleichwie nun die krystallinischen
Gebilde sich im östlichen Theile des Gebirges von den Ablagerungen des Roth-
liegenden überall scharf scheiden , findet dasselbe auch im westlichen , nament-
4) Diese trigonometrisch bestimmte Höhe der Schneekoppe bezieht sich auf die Spitze
der Capelle , es sind daher von ihr für die wahre Höhe der Koppe selbst etwa 7 bis
8 Klafter abzuziehen.
Das Riesengebiige in Böhmen.
399
[4]
lieh beim Bergzug des Jeschken gegenüber dem Quadersteine statt. Nach diesem
wäre es daher vollkommen unbegründet, wenn man insbesondere das Hügelland
oder Plateau des Rothliegenden an der Südseite des Biesengebirges als ein
„Vorgebirge“ desselben ansehen würde, wie es irrtümlicher Weise jedoch
gemeiniglich geschieht. Erhebt es sich selbst auch namentlich im Jiciner und im
Osten vom Bunzlauer Kreise über das benachbarte grösstentheils von Diluvien
bedeckte Quadersandsteingebiet, besonders zwischen Gross-Skal und Königinhof
in ziemlich markirter Weise, bei einer Höhendifferenz von 250 bis 350 Fuss,
so lehnt es sich auf der anderen Seite an die krystallinischen Schiefermassen des
Riesengebirges doch nur gleich einer verhältnissmässig niedrigen Stufe oder
Terrasse von einer Mittelhöhe von 1600 Fuss an, über welche sich die ersteren,
wie gesagt, mit viel steilerer Böschung und relativ mehr oder minder hoch
emporheben.
Eine Ausnahme von dieser Regel machen am Fusse des mittleren Gebirgs-
theiles blos der untere Melaphyrstrom mit den ihn unterteufenden Rothliegend-
Conglomeraten, die zwischen Semil und Starkenbach ohne besonders scharfer
Scheidung mit den krystallinischen Schiefern gleich steil über die hängenderen
Schichten dieser Formation emporsteigen. Dasselbe gilt von der, einem höheren
Horizonte angehörigen Melaphyrmasse des Kozäkow (392°), welche zwischen
Semil und Libenau theils mit dem Urthonschiefer orographisch innig verschmilzt,
theils denselben, wie von ersterein Orte westlich, an der linken Iserseite, um
10 bis 25 Klafter hoch überragt.
Petrographische Verhältnisse und Gesteinsverbreitung.
Die Eingangs bezeichneten Werke und auch eine allgemeine Skizze von
E. Porth (Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt 1857, IV) geben eine
mehr oder minder richtige Charakteristik der massigen und schieferigen krystal-
linischen Gebilde des Riesengebirges. Ueber das Vorhandensein des wichtigsten
Gliedes dieser letzteren, des eruptiven Gneisses nämlich, fehlt aber fast jede
Andeutung. Auf dem bisher erschienenen Theile der preussisch-schlesischen
Karte sind hingegen beide Gneisspartien von Gross- und Klein- Aupa bereits
richtig dargestellt.
Ueber dem Gneisse herrschen vorzugsweise Glimmer- und Urthonschiefer
mit zahlreichen Einlagerungen von Quarzitschiefern, grünen oder Am-
phibolschiefern, körnigen Kalksteinen, erzführenden Malakolithen.
Unter den alteruptiven Massen spielt der Granitit die Hauptrolle. Der Granit
selbst ist untergeordnet, und von den jüngeren erscheinen Porphyr, M elaphyr
und Basalt nur höschst sporadisch.
Durch jene Einlagerungen und die ziemlich complicirten Lagerungsverhält-
nisse gewinnt das sonst seinen Hauptgesteinsmassen nach mehr einförmige
Gebirge eben so sehr an Interesse, als es, in Bezug der richtigen Deutung der
geologischen Verhältnisse auch so manche Schwierigkeiten darbietet.
Im Allgemeinen ist der hiesige Glimmerschiefer ein Mittelglied
zwischen grossschuppigem Glimmerschiefer und Phyliit, unterscheidet sich aber
im grossen Ganzen von diesem, nebst seiner mehr massigen Reliefform, durch
die mehr minder zahlreich eingestreuten Granaten. Gewöhnlich haben diese nur
die Grösse eines Hirsekornes und scheinen vorzugsweise Kalkthongranaten zu sein.
K. lt. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft. 51
400
Johann Jokcly.
[»]
Häufig jedoch sind sie in Feldspath umgewandelt, der das Gestein sehr häufig
auch in mehrere Zoll starke Lagen durchzieht, wodurch es nicht selten eine
gneissartige Beschaffenheit annimmt.
Der Ur th on s chi efer oder Phyllit gleicht in jeder Beziehung und in
allen seinen Abänderungen, vom Dachschiefer an bis zu den durch Granit oder
Granitit metamophosirten Fleckschiefern, vollkommen dem des Jeschkengehirges
oder Erzgebirges. Auch an Gneiss- oder Feldspat hphylliten fehlt es
nicht, namentlich an manchen Stellen der Granit- und Granititgrenze. Irrthüm-
licher Weise wurde aber diese Abänderung oftmals als wirklicher Gneiss
gedeutet.
Die Daschiefer sind blos an der rechten Iserseite vorhanden, wo sie
unter ziemlich abnormer Lagerung zwischen Jilow und Kamenitz beginnen und
westwärts bis in die Reichenauer Gegend fortsetzen. Bei den ersteren Orten,
dann bei Jirkow, Racisz, Nabsei und Bratrikow gewinnt man sie in zahllosen
Brüchen. (Ein Schock gemischter Platten (63 Stück) kostet von der schlechteren
fleckigen Sorte 40 Neukreuzer, von der grünen 50 Neukreuzer und von der
grauen 60 Neukreuzer.)
Auch der hiesige eruptive Gneiss hat mit jenem der vorgenannten
Gebirge eine analoge Beschaffenheit. Im Allgemeinen ist er hier aber selten
grobkörnig, granitisch oder knollig, gewöhnlich mehr dünnflasrig, häufig sehr
quarzreich und die Quarz- und Feldspathlagen nicht selten in ihrem Gefüge fast
mikroskopisch dicht. Der Glimmer, licht oder dunkel, oft durch grünlichen Talk
oder Chlorit vertreten, ist am untergeordnetsten oder tritt local fast ganz zurück.
Die schönsten Abänderungen, weiss, roth, grün gebändert, fanden sich bei
einem gangförmigen Vorkommen am südlichen Ende des Rückens zwischen
Kolbendorf und Albendorf. Auf die Analogie dieser nordböhmischen Gneisse mit
den mehr minder granitischen Gneissen anderer Länder, namentlich Skandina-
viens und der Alpen, wurde bereits an anderen Orten hingewiesen. Und so wäre
es wohl in mancher Besiehung erwünscht, dessen Benennung schärfer zu prä-
cisiren. Der Namen „Protogyn“ dürfte am geeignetsten erscheinen, besonders
zur näheren Unterscheidung dieser Gesteinsart von dem älteren Gneisse, und in
der Folge soll auch diese Benennung beibehalten werden.
Der Granit, welcher an der Südseite des centralen Granititmassivs den
Schwarzbrunner Bergzug zusammensetzt und an dessen Nordseite gang- und
stockförmig oder lagerartig den eruptiven Gneiss, namentlich der Friedländischen
Niederung durchsetzt, ist dem im Jahrbuche der k. k. geologischen Reichsanstalt
1859, III (der nordwestliche Theil des Riesengebirges und das Gebirge von
Rumburg und Hainsspach in Böhmen) beschriebenen vollkommen ähnlich. Eben
daselbst wurde die petrographische Eigenschaft des Granitit näher auseinander-
gesetzt. Hier sei nur noch erwähnt, dass der Granitit in den höheren Theilen
des Isergebirges und am Hauptkamm des Riesengebirges mitunter manche Ab-
weichungen von seinem Normalcharakter erleidet. Die fleischrothen Orthoklas-
zwillinge verschwinden aus der Gesteinsmasse bisweilen fast gänzlich und sie
wird dabei oftmals so klein- bis feinkörnig, wie bei manchen Ganggraniten. Der
vorherrschende Gehalt an Oligoklas und das constante Fehlen eines weissen
Glimmers charakterisiren ihn aber als solchen immer noch vollkommen, beson-
ders gegenüber dem, vorzugsweise weissen Glimmer führenden Granite von
Schwarzbrunn.
Hinsichtlich der krystallinischen Schiefer erscheint der Granitit im eigent-
lichen Riesengebirge auf böhmischer Seite mehr untergeordnet. Vom sogenann-
ten Isergebirge, wo er das Gebiet zwischen der Reichenberger Niederung und
Das Riesengebirge in Böhmen.
401
[«]
der Iser einerseits, andererseits zwischen dem Granite des Schwarzbrunner
Bergzuges und dem Wittigthal, ausschliesslich der Tafelfichte, einnimmt, zieht
er bei Harrachsdorf (Neuwald) über die Iser und setzt da die nur etwa eine
halbe Meile breite Zone zusammen, zwischen der Landesgrenze und einer Linie,
die über die Nordgehänge des Teufelsberges, des Blechkammes, Kahlenberges
(bei Seifenbach), Kesselberges (bei Ober-Rochlitz), des Krkonos, Ziegenrückens
(bei Spindelmühle) und des Brunnberges bis zur Schneekoppe verläuft. In
kleinen Aesten dringt er an seinen Contactstellen mit dem Urthonschiefer viel-
fach in diesem ein oder setzt auch entfernter, wie im oberen Theile von St. Peter,
in verticalen Gangstöcken in ihm durch.
Der südliche Granit zieht von der Langenbrucker Gegend in einem bis
1200 Klafter breiten Streifen ostwärts bis zur Iser bei Tannwald, auf eine
geringe Strecke auch darüber und keilt sich im oberen Theile von Schumburg
zwischen Granitit und den Fleckschiefern bereits gänzlich aus.
An diese südliche Granit- Granititgrenze stösst durchgehends
unmittelbar Urthonschiefer*. Und zwar bildet er westlich der Iser bis zum
Jeschkengebirge den diesbezüglichen Theil des Riesengebirges. An der Ostseite
der Iser ist hingegen seine Verbreitung eine beschränktere, dabei aber sein
Grenzverlauf dem Glimmerschiefer gegenüber, in Folge gewaltiger und zahl-
reicher Verwerfungen ein derart unregelmässiger, dass es bisher noch von
keiner Seite gelungen ist seine Grenzen vollkommen scharf und richtig zu be-
stimmen. Uebrigens ist dieser Gebirgstheil grösstentheils auch dem Glimmer-
schiefer zugerechnet worden.
Von der Seifenbacher Gegend, wo der Urthonschiefer den Teufelsberg,
Blechkamm, Kahlenberg und Kaltenberg zum Theil zusammensetzt, zieht er, am
Contacte des Granitits zumeist ein Fleckschiefer, in einem schmalen
Streifen ostwärts über den Kesselberg, Krkonos, Ziegenrücken, Brunnberg und
die Schneekoppe bis dicht an die Sehwarze-Koppe *) und bildet die vorerwähnten
zwei Parallelkämme , südlich des aus Granitit bestehenden, wasserscheidenden
Hauptkammes. In ihrer Massen- und Längenausdehnung stehen also beide dem
letzteren nach, haben aber nahezu dieselbe Passhöhe und tragen dazu den höch-
sten Rücken und die höchste Kuppe des Gebirges, den Brunnberg und die
Schneekoppe oder Riesenkoppe.
Die Umgebung von Ober- und Nieder-Rochlitz sammt dem Wachstein be-
steht ebenfalls ganz aus Phyllit bis zum Wolfskamm. In südlicher Richtung setzt
er, ostwärts ausspringend bis Resek, über die Umgebungen von Franzensthal,
Buran, Bratrikow, Ober- und Nieder-Duschnitz , Ponikla bis an die Grenze des
Rothliegenden bei Wichowa und Stepanitz. Dann ist er am Südrande des Gebir-
ges in mehr minder ausgedehnten Schollen zwischen Glimmerschiefer unter ganz
abnormen Lagerungsverhältnissen eingekeilt, so zwischen Krislitz und Benecko,
bei Schreibendorf und zwischen Schwarzenthal und Schatzlar. Hier tritt er be-
sonders mächtig auf und ist nur durch einen äusserst schmalen Glimmerschiefer-
streifen von Protogyn des Schwarzenberges geschieden. Alle diese Phyllit-
schollen sind auf der Aufnahmskarte wo möglich auf das Schärfste ausgesclrieden.
Der übrige Theil des Gebirges an der Ostseite der Iser besteht, mit Aus-
nahme der näher zu bezeichnenden Protogynstöcke und Gänge, sonst ganz aus
0 Vergleiche Reisebericht vom August 1859 (in den Verhandlungen der k. k. geologischen
Reichsanstalt) über einen Ausflug auf die Schneekoppe. Zu berichtigen wäre aber dort
die irrthümliche Bezeichnung des Granitit als Granit am Nordgehänge der Schnee-
koppe.
Ziegenrücken und der westliche Thcil des Brunnberges bei Spindelmühle,
Das Riesengebirge in Böhmen.
403
[8]
Glimmerschiefer, in seiner oben bezeichneten, mehr minder phyllitartigen
Beschaffenheit. Bemerkenswerth ist es bei ihm, dass er mit Ausnahme der früher
bezeichneten, aus Fleckschiefern bestehenden beiden Parallelkämme dem Urthon-
schiefergebiet gegenüber den relativ viel höheren Mitteltheil des Gebirges bildet,
so namentlich zwischen der kleinen Iser und Elbe, den Wolfskamm bei Ober-
Rochlitz, den Kobilaberg westlich bei Wittkowitz, den Finsterstein, die
Schwozerkoppe und den Kreuselberg, dann zwischen dem Elbe- und Gross-
Aupalhal, den Planur und Heuschober, den Beeren-, Fuchs- und Baumberg,
und östlich des letzteren Thaies die Rose, den Löwenberg, die Schwarze-Koppe
und die Fichtiglehne bei Grenzbauden.
Nahezu als centraler Kern ditser Glimmerschiefermasse erscheint der
Prot o gyn, namentlich in jener bedeutenden lagerstockförmigen Masse, die am
Heidelberger Ziegenrücken bei Hohenelbe und bei Ochsengraben beginnt und
von hier über dem Hackelsdorfer Heidelberg, den Wachur, Mühlkoppe, Bönisch-
berg bis zum Schwarzen- und Forstberg ostwärts, dann mit nördlicher Richtung,
das Gross- und Klein-Aupathal überschreitend, über den Langenberg bis an den
Kolbenberg bei Rennerbauden fortsetzt. Der Grenzverlauf ist ziemlich regel-
mässig, nur nördlich vom Schwarzenberg bildet der Protogyn eine über die
Bohnwiesbauden bis zum Gross-Aupathal bei Petzer ausspringende Zunge, und
eine südwärts auslaufende in Duokelthal.
Neben diesem grossen Lagerstock erscheint an seiner Westseite ein zweiter,
doch viel geringerer, zwischen Gross-Aupa und Grenzbauden, wo er eine Strecke
auch über die Landesgrenze hinübersetzt. Bei ersterem Orte bildet der Protogyn
namentlich den Finkenberg. Ein noch geringeres Vorkommen bietet die nord-
östliche Lehne des Fuchsberges, zwischen Braunberg und dem Richterwasser
bei Zehgrund, dann im Riesengrund , an den beiden Abfällen der Scbneekoppe
und des östlichen des Brunnberges, und südlich unterhalb der Kröllbaude,
nördlich von Petzer.
An einigen Stellen zweigen sich aus den beiden grösseren Stöcken gang-
förmige Apophysen aus. Sie aufzufinden und richtig zu fixiren, dazu bedurfte es
keiner geringen Mühe, indem sich ihre Anwesenheit oft nur durch Blöcke kund
gibt. Ein solcher Gang fand sich zwischen Simmerberg und Simmahäuser und
scheint, wenigstens in der Teufe, mit den zwei grossen Lagerstöcken zwischen
Klein-Aupa und Hinter-Buchbauden zusammen zu hängen. Ein anderer viel aus-
gezeichneter Protogyngang setzt ebenfalls im Glimmerschiefer an der Ostseite
von Marschendorf auf. Er zweigt sich vom Protogyn des Langenberges bei Nieder-
Kolbendorf aus, durchsetzt hier die Kalksteinlager, zieht dann an der genann-
ten Seite des Gross-Aupatliales auf mehr als */8 Meile langen Strecke in südlicher
Richtung bis zu den unteren Häusern vom ersten Theile Marschendorfs fort,
wendet sich hier dicht am Phyllit des Kuhberges westwärts, wobei er wieder an
Kalksteinlager absetzt, und bildet dann nördlich von der Strasse, die von Freiheit
nach Johannesbad führt, eine ziemlich markirte Bergkuppe. Hier bricht man
den Protogyn an mehreren Stellen zu Baustein. Von hier nach Südwest finden
sich mehrorts Spuren von diesem Gange, namentlich in Ost und Süd von Helfen-
dorf. In geringer Entfernung nordwestlich von diesem Gangvorkommen zeigt
sich noch ein geringeres zwischen dem zweiten Theile von Marschendorf und
Schwarzenberg, wo es ebenfalls den hier vorkommenden Kalkstein durchbricht
und sich bis zur Johannesbader Chaussee verfolgen lässt; ein ähnliches irn Süd-
osten von Schwarzenthäl, zum Theil auf der Fichtenkoppe.
Auf der Nor dseite des Granitit ist der auf das betreffende Aufnahms-
blatt (Generalstabs -Specialkarte Nr. IV) entfallende böhmische Antheil des
404
•Johann Jokely.
[9]
Protogyns und Granits, und der vom ersteren eingeschlossene Scholle von krystal-
linischen Schiefern auf die Gegend von Neustadtei und Heinersdorf beschränkt.
Sammt den Diluvien bilden sie eben die Fortsetzung der im Jahrbuche der k. k.
geologischen Reichsanstalt, 1859, III, Seite 370 ff., näher beschriebenen Gebilde
der Friedländischen Niederung und der Liebwerdaer Berge.
Zunächst an den Granitit grenzt hier der Protogyn der Tafelfichte und
des Wolschen Kammes mit einigen Gra n i teinschlüssen. Hierauf folgt nordwärts
als integrirender Theil der Liebwerda-Voigtsdorfer Schieferscholle ein schmaler
Streifen Glimmerschiefer, dann Phyllit, welcher den Sau-, Kupfer- und
Rapitzberg bildet , mit Uebergängen in Da chs ch i e fer, die man am Kupfer-
berg bereits längere Zeit gewinnt. Diese Berge fallen steil ab gegen die Neu-
stadtler Niederung und bezeichnen mit den westlich angrenzenden Bergen von
Lusdorf, Liebwerda und Hohenwald böhmischer Seits die Nordgrenze des Riesen-,
bezugsweise Isergebirges.
Die Niederung der Gegenden von Neustadtei und Heinersdorf bildet, mit
Ausnahme einiger Granitpartien, Protogyn. Die bedeutendere der Granit-
massen sefzt den Rücken im Heinersdorfer Forste zusammen. Diluvialer
Lehm bedeckt auch hier die tieferen Thalflächen, namentlich bei Neustadtei und
Dittersbächl , und Schotter auch die höheren Hügelrücken bei Wünschendorf.
Lagerungsverhältnisse.
Bereits bei der Beschreibung „der nordwestiichen Ausläufer des Riesen-
gebirges“ a. a. 0. wurde das relative Alter der beiden granitischen Massen-
gesteine näher bezeichnet, und namentlich auf das jüngere Alter des Granitits
gegenüber dem Granite hingewiesen. Dass nun jener unter solchen Umständen
und bei seiner bedeutenden Massenausdehnung einen vorherrschenden Einfluss
auf den Gebirgsbau, die stratigraphischen Verhältnisse der krystallinischen
Schiefer ausüben muss, ist einleuchtend. Daneben verläugnet sich aber in dieser
Beziehung auch die Einwirkung des Protogyns keineswegs, wenn sie auch, als
eine viel ältere, durch den späteren Granititdurchbruch in rtiancher Beziehung
paralysirt worden ist. Die Aufrichtung des Glimmerschiefers in der südlichen
■Hälfte des Gebirges und die zahlreichen Verwerfungen des Phyllits , wie sie
namentlich an dessem Südrande zur Erscheinung gelangen, sind hauptsächlich
sein Werk.
Dann gibt es hier noch solche Verwerfungen, welche sich mit der Eruption
jener Gebilde in keinen unmittelbaren Zusammenhang bringen lassen, ausser in
so weit sie, namentlich der Granitit, weniger der Granit, Verwerfungen ver-
anlassten , welche eine von der als mehr normal anzusehenden Schichtenstellung
eine völlig abweichende hervorriefen. Es ist das insbesondere die nördliche
Fallrichtung der krystallinischen Schiefer am Südrande des Gebirges zwischen
Schwarzenthal und Eisenbrod, im Gegensätze zu der mehr südlichen, in der
näheren Nachbarschaft des Granitits und zum Theil des Protogyns. In diesem
Falle wäre jene Schichtenzone längs Verwerfungsspalten , die sich mehrorts
sicher nachweisen lassen , während der Granitit- oder Graniteruption gegen die
andere Zone mit südlichem Schichtenabfalle widersinnisch verschoben worden.
Sehr wahrscheinlich ist es ferner auch , dass jene Zone mit widersinnischem
Verflächen noch eine vor der Granititperiode bestandene Schichtenlage bezeich-
net, hier bezugsweise indessen einer rückständigen Parcelle desjenigen Schiefer-
gebietes, welches vor der Steinkohlen- und Rothliegendepoche noch frei lag und
Das Riesengebirge in Böhmen.
40S
[10]
bei höherem Niveau die jetzigen riesengebirgischen Schiefennassen mit jenen
des Inneren Böhmens, südlich der Elbe unmittelbar verband. Nach dieser
Deutung wäre dann die Zone mit südlichem Verflachen der durch den Granitit
im entgegengesetzten Sinne umgeklappte Theil der ursprünglich gleichfalls nord-
wärts geneigten Schiefermassen.
Indessen waren seit der Silurzeit in ganz Böhmen die Gebirgsstörungen und
Dislocationen so namhaft und vielfältig, dass es jetzt, wo die zu verschiedenen
Zeiten erfolgten Terrain-Einsenkungen auf weite Strecken von jüngeren und
älteren Sedimentgebilden ausgefüllt sind, äusserst schwer hält, .über die Con-
figuration des jeweiligen Festlandes und seiner Architektonik völlig sichere
Schlüsse zu fällen. Wird übrigens ganz Böhmen in seinem Detail demnach voll-
endet sein, so wird eine Gesammtauffassung all' dieser Verhältnisse noch viel
gewichtige Thatsachen auch in dieser Beziehung an’s Licht fördern.
Was den Protogyn anbelangt, so zeigen sich bezüglich seines Verhaltens
zum Glimmerschiefer ganz dieselben Erscheinungen, wie im Erzgebirge. Er
hebt nämlich dessen Schichten theils zu beiden Seiten steil empor, theils zwängt
er sich parallel zwischen sie hinein, wobei sich stellenweise seine Structurs-
flächen fächerförmig nach oben auseinanderbreiten. Dies oder jenes Verhältnis
zeigt sich aber nicht ausschliesslich bei Einer gewissen Gesteinsmasse, sondern
sie lassen sich local bei einer und derselben zugleich beobachten, wie eben auch
bei dem grossen Lagerstock des Schwarzenberges. Wäre nun auch nur dies
letztere Lagerungsverhältniss das maassgebende, so könnte dennoch von einer
gleichzeitigen Entstehung des Protogyns und Glimmerschiefers keine Rede sein,
neben dem entschieden gangförmigen Vorkommen desselben Gesteines , das so
ganz heterogene Bildungen, wie die oben erwähnten Kalksteine bei Kolbendorf
und Freiheit quer durchsetzt.
Am Nordrande des Riesen-, bezugsweise Isergebirges sind, so wie die Ge-
steinsbeschaffenheit, auch die Lagerungsverhältnisse dieselben, wie in dem a. a.O.
dargestellten westlichen Gebirgstheile. Hier ist der Protogyn gleich der in ihm
schwimmenden Glimmer- und Urthonschieferscholle vom Granitit mit nördlichem
Verflächen aufgerichtet oder er stösst mit seinen Structursflächen mehr minder
schief an ihn ab. Der darin eingeschlossene Granit hat ohne Zweifel an dieser
Erhebung, wie an der Tafelfichte, oder an der Verwerfung, wie in der Fried-
ländischen Niederung gleichzeitig Theil genommen.
Dasselbe gilt vom Granite des Schwarzbrunner Bergzuges, der vielleicht nur
eine verhältnissmässig geringe Scholle einer vom Granitit bedeckten ausgedehnteren
Granitmasse darstellt. Offenbar ist er durch den Granitit mit dem von ihm unter-
teuften Phyllit zugleich gehoben worden. Sein unmittelbarer Einfluss, den er
einst auf die Schichtenstellung des letzteren ausgeübt haben mochte, wird auf
diese Weise ganz unkenntlich.
Zur richtigen Beurtheilung der Lagerungsverhältnisse sind die vorerwähn-
ten Verwerfungsspalten von besonderer Bedeutung (vergleiche die Profile der
Tafel). Durch die richtige Erkenntniss ihres örtlichen Vorhandenseins und Ver-
laufes erklären sich die angedeuteten vielfachen Abnormitäten in der Fallrichtung
der Schiefergebilde und ihrer gegenseitigen Begrenzung. Natürlich wird so auch
die Streichungsrichtung vielfach alterirt und erleidet von der vorherrschenden,
zur Granititgrenze parallelen nordöstlichen bis östlichen (Stunde 3 bis 3) beson-
ders in der Nähe des grossen Protogynstockes eine bedeutende Abweichung.
Hier biegt sie sich, übereinstimmend mit des letzteren Grenzverlaufe, von der
östlichen geradezu in eine nördliche Richtung um, wie das zwischen Freiheit,
Schatzlar und Grenzbauden, oder auch in der Gegend von Witkowitz, sowohl
Johann Jokelv.
406
mi
beim Glimmer- als Urthonscliiefer der Fall ist. Dass dieser Erscheinung nur die
Gegenwart des Protogyn zu Grunde liegen kann, ist offenbar zweifellos.
Durch andere Ursachen bedingt und weit eigenthümlicher sind die Schi h-
tenbiegungen, welche der Phyllit sammt den ihm eingelagerten grünen oder
Amphibolschiefern, namentlich zwischen Hochstadt und Esenbrod zeigt. Die
zwischen Stepanilz und Boskow bei Stunde 9 bis 11 streichenden und unter
einem stumpfen Winkel an die Rotbliegendconglomerate stossenden Schichten
convergiren mit jenen, zwischen letzterem Orte und Eisenbrod nach Stunde 3
bis 6 streichenden in der Gegend von Jessenei, ziehen daun in nordwestlicher
Richtung fort in die Gegend von Dfkow, um sich hier parallel zur Granitgrenze
wieder nach Nordost umzuhiegen. In geringeren Dimensionen gewahrt man
solche Schichtenkrümmungen dann noch in der Gegend von Passek und Ober-
Rochlitz, wo sie sich durch die Quarzitschieferzüge ziemlich scharf ausprägen.
Diese Erscheinungen erklären sich durch einfache, von Hebungen begleiteten
Verwerfungen allein nicht, sondern neben solchen musste hier wahrscheinlich
schon vom Granite, später aber gewiss vom Grauitit aus ein gewaltiger Seiten -
druck hervorgegangen sein, wodurch mannigfache Aufstauungen r Berstungen
und Knickungen der Schiefermassen bewirkt worden sind.
Ausser diesen älteren Störungen gibt es überdies hier noch solche, welche
allem Anscheine nach erst während der Melaphyr-, und noch später während der
Basaltdurchbrüche erfolgt sind. Im Allgemeinen scheinen diese nur von gerin-
geren Verwerfungen begleitet gewesen und sich mehr auf den Band des Gebirges
beschränkt zu haben. Die Spaltung des Iserthaies in der Gegend von Eisenbrod,
dann des Wolesnathales im Rothliegenden bei Semil, ferner Ueberkippungen des
Phyllits über Rothliegendschichten , wie zwischen Skodejow und Ribnic, endlich
einige geringere, nun vom Diluvium aus^efüllte Einsenkungen, wie unter
Anderen bei Jessenei, scheinen eben erst während der Basaltepoche entstanden,
zu deren bedeutendsten Durchbrüchen dieser Gegenden die Basaltströme des
Kozäkow gehören.
Die auf der Tafel entworfenen sechs Profile gehen im Allgemeinen ein
Bild über die bisher bezeichnten Lagerungsverhältnisse. Wegen des kleinen
Maassstabes wurden die untergeordneten Quarzitschiefer, Amphibolschiefer,
körnigen Kalksteine und Malakolite eigens nicht ausgeschieden, die indessen sonst
mit der Lagerung der krystallinischen Schiefer ganz übpreinstimmen. Auf der
geologischen Karte selbst, die aus der letztjährigen Aufnahme hervorgegangen,
ist hingegen allen diesen Vorkommen strengstens Rechnung getragen worden.
Bezüglich der Fallrichtung wäre zu bemerken, dass die Durchschnitte bei der
local oft überaus wechselvollen Streichungsrichtung nicht immer senkrecht auf
dieselbe geführt werden konnten. Daher weicht das auf den Profilen angegebene
Verflächen oft um mehrere Stunden von dem wirklichen ab. So ist namentlich
das südöstliche Fallen beim ersten Profil local ein östliches, das südliche oder
nördliche bei den anderen stellenweise ein bezugsweise südöstliches bis südwest-
liches oder ein nordöstliches bis nordwestliches. Der Maassstab bei den fünf
ersten Profilen ist gleich jenem der Generalstabs-Specialkarte (1 Wiener Zoll =
2000 Klafter), bei dem sechsten um 0 23 kleiner als dieser. Der Höhenmaass-
stab ist bei allen grösser.
Untergeordnete Gesteine.
Sie sind im Bereiche der krystallinischen Schiefer ziemlich häufig, im
Allgemeinen aber wenig mannigfaltig. Es gehören hieher, wie bereits erwähnt,
Das Riesengebirge in Böhmen.
407
[12]
Quarzitschiefer, Amphibol- und Pyroxengesfeine, körnige Kalksteine, ferner als
echt eruptive Gebilde: Porphyre, Melaphyre und Basalte.
Die ersteren sind bei sonst ganz gleicher petrographischer Beschaffenheit
sowohl im Glimmerschiefer als im Urthonschiefer entwickelt. Die gleichzeitige
Bildung der Quarzitschiefer mit den betreffenden Schiefergebilden steht ausser
Frage. Für die, wenn gleich theilweise schieferigen Amphibolgesteine gilt dies
nur in so ferne als man, gleich wie bei jüngeren Eruptivgebilden, wie z. B den
Melaphyren, einen öfters wiederholten Bildungsact anzunehmen berechtigt wird,
wonach hier gleichsam eine wechselseitige Bildung von Glimmerschiefer- oder
Phyllitsubstanz und von amphibolischen Massen stattfand. Es bieten sich nämlich
gar keine Anhaltspunkte, nach denen sich die Gleichaltrigkeit der Grauwacken-
grünsteine mit jenen der älteren Schiefergebilde constatiren Hesse. Ihre concor-
dante Einlagerung bei der letzteren scheint dies vielmehr zu widerlegen, eben
so das häufige Zusammenvorkommen der körnigen Kalksteine. Mehr minder
abnorme Erscheinungen, sei es bei dem Auftreten dieser oder jener Bildungen,
beruhen aber im Allgemeinen mehr auf localen Verhältnissen, in der örtlichen
Umschmelzung eines bereits vorhandenen Mittels in Folge eines gewaltigen
Druckes, wie es Dr. Cotta namentlich auch bei den körnigen Kalksteinen nach-
gewiesen hat.
Die Quarzitschiefer sind besonders häufig im Urthonschiefer, und zwai
in der Gegend von Bochlitz, Passek und Prichowitz , wo sich fünf mächtige
Züge nachweisen lassen; concordant mit jenem streichend und verflächend und
gleich ihm mehrfach verworfen und gekrümmt, wie besonders an der Wesf-
abdachung des Wolfskammes bei Ober-Bochlitz und zwischen Passek und Pricho-
witz. Imposante Felspartien bildet der Quarzitschiefer besonders an den Iser-
gehängen von Nieder-Rochlitz aufwärts, wo das Thal quer seine Schichten
durchschneidet, und dann am Heidstein, östlich von Prichowitz. Bei der vom
Kesselberge bis zur Schneekoppe ziehenden Fleckschieferzone sind Quarzit-
schiefer, hin und wieder feldspathführend , ebenfalls häufig, • vorzugsweise
mächtig am Ziegenrücken bei St. Peter. Anderwärts sind sie im Urthonschiefer
mehr untergeordnet, wie zwischen Jilow und Pencow, bei Klein - Horka
(0. Eisenbrod) und bei Wichowa (N. Starkenbach). Auch im Glimmerschiefer
haben sie keine besondere Mächtigkeit. Hier finden sie sich mehr minder ver-
einzelt bei Witkowitz, Jestrabi, Krausebauden, Riebeisen, bei Ober-Hohenelbe
und bei Hofbaude.
Die grünsteinartigen Gesteine sind von ganz derselben Beschaffen-
heit wie die theils erzleeren, theils erzführenden des Erzgebirges, Jeschken-
gebirges oder Süd-Böhmens. Neben Schnüren und Nestern von Kalkspath und
Dolomit erscheint nicht selten Pistazit, Granat, Talk, Asbest und an vielen
Stellen gehen sie in, dem Malakolith ähnliche Gebilde über, die allem Anscheine
nach sammt jenem aus ihnen durch chemische Umwandlungsprocesse hervor-
gegangen sind. Im letzteren Falle und in der Nähe der körnigen Kalksteine sind
sie auch erzführend, sonst erzleer. Manche grüne Schiefer bestehen ferner oft
durchwegs aus einem chloritartigen Mineral, zu welchem sich Delessit häufig
zugesellt.
Am häufigsten erscheinen die Grünsteine zwischen Eisenbrod und Ober-
Boskow, von wo sie als ein förmlicher Lagerzug bei dem oben bezeichneten
Streichen des Phyllits in einem grossen Bogen bis in die Gegend von Drkow
nordostwärts fortziehen, hier wieder nordostwärts umbiegen und sich allmälig
gegen Welesnitz hin auskeilen. Dicht am Südrande des Gebirges, zwischen
Ober-Boskow und Hohenelbe, sind sie alle ebenfalls ziemlich häufig, setzen aber
52
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft.
408
Johann Johely.
[13]
nordwärts nicht fort, indem sie hier vom Glimmerschiefer abgeschnitten werden.
Sonst sind sie im Bereiche des Phyllits und Fleckschiefers nur mehr vereinzelt,
so bei Nieder- und Ober-Duschnitz, Jablonetz, Passek, nördlich von Zasada,
bei Kaltenberg, am Kesselberg , Krkonos, Ziegenrücken, Schneekoppe, ferner
hei Sch warzenthal und zwischen Schatzlar und Freiheit, in den zwischen
Glimmerschiefer eingezwängten Phyllitschollen. In dieser Gegend erscheinen
sie auch im Glimmerschiefer ziemlich häufig, namentlich an beiden Seiten des
Gross-Aupathales hei Marschendorf, in seinem Bereiche ferner bei Rennerhauden
und Klein-Aupa mehrorts, am häufigstens zwischen Witkowitz und Spindelmühle.
An vielen Orten sind diese Grünsteingebilde und Malakolithe auch von mehr
minder körnigen, zum Theil dolomitischen Kalksteinen begleitet. Ihr
gegenseitiges Verhalten ist aber ein höchst variables, dass sich darüber nichts
Allgemeines sagen lässt. Entweder überlagern oder unterteufen sie sich unmittel-
bar oder sie sind durch mehr minder mächtige Schiefermittel von einander
geschieden. Das Letztere ist der gewöhnlichere Fall, während die Kalksteine
seltener sich ganz vereinzelt finden, wie in Südost von Prichowitz, westlich von
Siehdichfür (NW. Rochlitz), hei Ponikla, Heikowitz, Wichowa, Ober-Langenau,
Schwarzenthal und Johannesbad.
Gewöhnlich sind die Kalksteine mit Malakolithen ‘) innigst verbunden;
man findet sie so bei Rochlitz, Hawerna, Spindelmühle, St. Peter, Riesengrund,
Klauseberg, im Gross-Aupathal bei Petzen , in Gross-Aupa ersten und zweiten
Theil bis in’s Klein-Aupathal, wo Malakolithe, gleich wie in der Rochlitzer
Gegend, besonders mächtig entwickelt sind, ferner hei Hinter-Buchbauden,
Klein-Tippeltbauden und Klauseberg. Dann nebst Glimmerschiefer von Protogyn
umschlossen bei Pommerndorf und Niederdorf (NO. Hohenelbe). Ausser diesen
Localitäten finden sich Kalksteine noch sehr häufig in ein oder mehreren Zügen,
und zwar in Begleitung oder in der Nähe von Grünsteinen in den Gegenden von
Eisenbrod, Ober-Boskow, Engenthal, Jessenei, Drkow, Rostok, Ruppersdorf,
Priwlak, Ober-Duschnitz, Witkowitz, Ober-Stepanitz, Hohenelbe, und im Glimmer-
schiefer bei Füllebauden, Kolbendorf, Albendorf, Dörrengrund. Von hier setzen
sie in mächtigen Zügen über Marschendorf und Freiheit fort und, bei Johannes-
bad mehr unterbrochen, erscheinen sie wieder in bedeutender Mächtigkeit bei
Schwarzenthal und Ober-Langenau.
Diese letzteren Vorkommen bilden sammt jenen durch den Protogyn von
ihnen losgerissenen Kalkstein- und Malakolithvorkommen von Gross- und Klein-
Aupa und noch einigen geringeren bei Mrklow, einen selbstständigen Zug für
sich, der aber, wie erwähnt, besonders bei Johannesbad unterbrochen ist, und
zwar durch Verwerfungen, welche nur der Protogyn veranlasst haben kann,
gleich wie jene Umbiegung der Schichten von der östlichen in die nördliche
Richtung hin in der Gegend von Freiheit. Eben so bilden die Kalksteine von
Eisenbrod-Jessenei einen eigenen Zug, in dessen nordöstliche Fortsetzung die
der Gegend von Rochlitz, Prichowitz, Spindelmühle, St. Peter und Riesengrund
fallen. Die übrigen Kalksteine gehören anderen, untergeordneteren Zügen an,
die aber, vermöge der namhaften Verwerfungen der Schiefergebilde vielfach
zersplittert, sich keineswegs auf so weite Erstreckungen mehr unmittelbar ver-
folgen lassen, wie die einzelnen Kalkvorkommen z. B. auf der Raumer’schen
Karte verbunden sind. Gegen solch’ eine Verknüpfung streiten schon selbst die
*) Die Identität dieser pyroxenischen Gesteine mit den Malakolithen Skandina-
viens hat zuerst Herr Prof. Dr. A. E. Reuss nachgewiesen (Sitzungsberichte der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, XXV. Band).
Das Riesengebirge in Böhmen.
[14]
409
Lagerungsverhältnisse und dann das gegenseitige Verhalten der im Alter doch
wesentlich von einander verschiedenen Phyllit- und Glimmerschiefermassen.
Durchbrüche von Eruptivgebilden aus der Rothliegendperiode sind irn
Bereiche der riesengebirgischen Schiefer im Allgemeinen sehr selten. Melaphyr
fand sich nur an einer einzigen Stelle, zwischen Jilow und Racitz, Von Por-
phyr ist das bedeutendste Vorkommen im Riesengrunde und westlich vom
Schatzlarloch (Klein-Aupa). Beide bilden das Ausgehende eines Ganges, welcher,
etwa 3/4 Meilen lang, bis über den Blaugrund (Brunnbergbauden) sich verfolgen
lässt und eben nur am Südrande der Schneekoppe unterbrochen ist. Sonst ist
sein Vorkommen höchst untergeordnet; so im Glimmerschiefer nordwestlich von
Nickelsberg, östlich bei Grundbauden, östlich von Berauerbergbauden, im
Phyllite bei Sahlenbach (Ober-Rochlitz) , im Granitit im kleinen Kessel (Riesen-
grund) und östlich bei Morchenstern.
Noch seltener sind im Krystallinischen Durchbrüche von Basalt. Im Phyllite
bildet er die bedeutendste Masse links der Iser bei Smrc und Pelechow (SO.
Eisenbrod), bis wohin er sich in einem vom Kozäkow über Rothliegendschichten
und Melaphyr übergreifenden Strom ergiesst. Rechts der Iser, zwischen Gross-
Horka und Strewelna, finden sich auch Basaltblöcke, wahrscheinlich von einigen
geringeren Gangdurchbrüehen herstammend. Im Granitit aber zeigt sich, neben
einigen geringeren Vorkommen in der Gegend von Morchenstern, namentlich an
dem hiesigen Buchberg und bei Wiesenthal, das bedeutendste am „keuligen
Buchberg“ bei Wilhelmshöhe an der Iserwiese. Es ist dies bekanntlich der
höchste Basaltkegel Nord-Deutschlands, von 512 Klafter Seehöhe und so noch
um 72 Klafter höher als der ausgezeichnete phonolitische Milleschauer- oder
Donnersberg im Leitmeritzer Mittelgebirge.
Diluvial- und Alluvialgebilde.
Ausser den weit verbreiteten Diluvialabsätzen des Friedländischen in der
Gegend von Neustadtei und Dittersbächel , sind namentlich diluviale Lehme in
Mitten des Riesengebirges an den Gehängen der Iser, der beiden Dessen, in den
kleineren Nebenthälern der ersteren und dann stellenweise auch im Elbe- und
Gross-Aupatliale abgelagert. Bei Issenei ist der Lehm auch durch Brauneisen-
stein bemerkenswert!]. Ein besonderes Interesse bieten aber die sandig-lehmigen
Ablagerungen der kleinen Iser oder „Iserwiese“, deren „Iserine“ und andere
Minerale und Halbedelsteine allgemein bekannt sind. Derzeit lässt sich nur schwer
etwas von den letzteren, namentlich auch von den früher so häufig Vorgefun-
denen „Saphiren“ gewinnen. Denn seit der Zeit der sogenannten „Welschen“,
die in früheren Jahrhunderten auch dieses Gebirge auf ihren mineralogischen
Streifzügen allseitig ausbeuteten, machten bis auf die jüngste Zeit eifrige Mine-
ralogen und Sammler die Iserwiese zu einer leibhaftigen „ tabula rasa“. Deren
lehmigte Absätze tragen im Allgemeinen jedoch mehr den Charakter von älteren
Alluvien an sich, wofür auch schon ihr bedeutendes Niveau, von mehr als
350 Klaftern, spricht. Indessen bleibt das Zusammenvorkommen so verschieden-
artiger Minerale auf einem verhältnissmässig beschränkten Raume eine ziemlich
ungewöhnliche Erscheinung, zumal sie sammt und sonders nicht unmittelbar
von benachbartem Granitit oder den Basalt des Buchberges herzustammen scheinen.
Wahrscheinlich stammen sie theilweise von entfernteren Gegenden her, gleich
wie die Halbedelsteine in der sogenannten Mummelgrube in der Harrachsdorfer
Gegend, oder die Granaten im Bereiche des Rothliegenden, wie man sie unter
Anderen so häufig bei Neu-Paka in den Bachalluvien antrifft.
52*
410
Johann Jokely.
[iS]
Diluviale Absätze sind endlich nicht selten auf Klüften und in den mehr
minder ausgedehnten Höhlenräumen, welche die grösseren Kalksteinlager der
krystallinischen Schiefer nach gewissen Richtungen hin durchziehen. Am bemer-
kenswerthesten ist die durch Porth näher bekannt gewordene Höhle von Ober-
Langenau mit ihren zahlreichen Säugethierknochen.
Mineralquellen.
Im Bereiche des böhmischen Riesengebirges gibt es blos zwei mineralhältige
Quellen, welche zum Kurgebrauche benützt werden, jene von Liebwerda im
Friedländischen und von Johannesbad bei Freiheit.
Am erste ren Orte sind fünf Quellen bekannt, welche dicht neben
einander im Gneisse emporströmen. Sie sind in der Hauptsache Säuerlinge mit
grösserem oder geringerem Gehalt an fixen Bestandtheilen, und liefern zusammen
in 24 Stunden eine Wassermenge von nahe 300 Eimern. Ihre Mitteltemperatur
wechselt zwischen 11 bis 13 Grad C. Ausführliche Analysen dieser Quellen von
Dr. J. Redtenbacher gibt die Badeschrift von Joseph Plumert: „Der
Curort Liebwerda und seine Heilquellen, Prag 1849*f. Ferner enthält sie neben
geognostischen Notizen ein sehr ausführliches Verzeichniss der Flora vom
Iser- und Jeschkengebirge von G. Menzel, derzeit jubilirten Pfarrer zu
Schönwald. Liebwerda liegt 212 Klafter über der See.
Die Quelle oder der Sprudel von Johannesbad, eine mehr alkalische
Therme, hat eine mittlere Temperatur von 23 Grad R. Unter den fixen Bestand-
theilen prävaliren: kohlensaurer Kalk, Kieselerde, kohlensaures Natron und
kohlensaure Talkerde. (Vergleiche Dr. Lösch n er: Johannesbad im böhmischen
Riesengebirge, Prag 1859.) Der Wasserzufluss beträgt 260 Maass in der Minute.
Die Quelle scheint auf einer Kluft zwischen Phyllit- und Glimmerschiefer, in der
Nachbarschaft von körnigen, zum Theil dolomitischen Kalkstein empor zu
dringen. Ausser dieser Hauptquelle gibt es hier noch andere von viel geringerer
Temperatur, eine namentlich auch im Thale unterhalb des Bades mit nicht
unbedeutendem Eisengehalt. Für die Basis des Badhauses geben die vorgenom-
menen barometerischen Höhenbeobachtungen eine Seehöhe von 257 Klafter.
Die bei Forst, südlich von Schwarzenthal , im Bereiche des Rothliegen-
den zum Baden verwendete Quelle ist ihrer näheren Beschaffenheit nach nicht
bekannt, scheint aber in der Hauptsache blos ein einfacher Eisensäuerling.
Erzführung und Bergbaue.
Die Qualität der Erze ist im Riesengebirge , mit Einschluss des Iser- und
Jeschkengebirges, theilweise dieselbe wie im Erzgebirge, verschieden sind aber
vor Allem die oxydischen Kupfererze, welche nebst ihrem Muttergesteine zum
Theile, der Malakolithe nämlich, als eine Specialität desselben anzusehen sind.
Geschwefelte Kupfererze, dann Blei-, Silber-, Arsen- und auch grösstentheils
die hier vorherrschenden Eisenerze gleichen hingegen in der Art ihres Auftretens
ganz jenen des Erzgebirges, wenn sie auch gleich hinsichtlich ihres absoluten
Haltes diesen weit nachstehen. Ein nachhaltigerer bergbaulicher Ertrag scheint
früher, so weit es sich nach den überlieferten Nachrichten beurtheilen lässt, im
Riesengebirge nur das Eisen und bei Rochlitz und St. Peter das Silber geboten
zu haben, und auch gegenwärtig dürften beide Metalle noch manche lohnende
Das Riesengebirge in Böhmen.
411
[16]
Erfolge in Aussicht stellen. In Hinblick auf die demnächst zu gewärtigenden
Erfolge der Extractionsarbeiten der Rochlitzer Gewerkschaft wird es sich zeigen,
in wie weit sich bei der gegenwärtig vollkommeneren Metallausbringung auf
nassem Wege auch die Erwartungen bezüglich des Kupfers bewähren werden.
Gelingt der hier im Kleinen nicht ungünstig ausgefallene Extractionsversuch auch
im Grossen, so lässt sich bei den noch an mehreren Localiläten vorhandenen
Erzlagerstätten dieser Art auch für dieses Metall noch Erspriessliches im Riesen-
gebirge erwarten. Die Baue auf andere, namentlich Blei- und Arsenerze, ja
sogar auf Gold und auf Silber an anderen, ausser den vorgenannten Orten, waren
oder sind von untergeordneter Bedeutung.
Grösstentheils tragen alle älteren Baue im Riesengebirge den Charakter
eines mehr localen, wenig schwunghaften Betriebes an sich und selbst der
Eisensteinbergbau kam Örtlich und zeitlich immerfort zum Erliegen. Der Grund
dieses misslichen Bergbauverhältnisses liegt nun hier im Allgemeinen weniger
in dem Mangel an Erzen, — denn in der That ist das Gebirge daran durchaus
nicht arm zu nennen, — als vielmehr in der geologischen Beschaffenheit des-
selben, in den für den Bergbau selbst sehr ungünstigen Lagerungsverhältnissen
der krystallinischen Schiefergebilde und ihrer Erzlagerstätten, ferner im Charak-
ter der Eruptivmassen, welche Umstände bezugsweise theils den Abbau zer-
splittern, theils für die Entwickelungsfähigkeit der Erzmittel weit ungünstigere
Momente dargeboten haben, als z. B. im Erzgebirge. Wo aber diese Verhältnisse
die Erzführung begünstigsten oder sie vielmehr bedingten, wie bei den oxydischen
Kupfererzen, da ist wieder hei diesen selbst der relative Werth, namentlich für
den Hüttenprocess geringer als bei den auf katogenem Wege entstandenen
Schwefelerzen derselben oder anderer Localitäten. Wie bei den Rothliegend-
schichten (Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt: Sitzungsbericht
vom 12. März 1861) sind nämlich die ersteren Kupfererze auch im Bereiche der
riesengebirgischen Erzlagerstätten secundärer Natur, hervorgegangen aus einer
Gesteins-Imprägnation oder einer anogen Umwandlungen der vorhandenen Erz-
mittel primärer Art. Die oxydischen Erze sind daher bei grösserem oder gerin-
gerem Metallgehalte nur dort auf eine gewisse Zone oder Erzlagerstatt gebunden,
wo die Präexistenz von geschwefelten Erzen geboten war, wie namentlich bei
den, gewöhnlich von Grünsteinen begleiteten körnigen Kalksteinen und Mala-
kolithen. Sonst aber bieten sich bei ihnen ganz dieselben Erscheinungen der auf
nassem Wege erfolgten Imprägnation ganz heterogener Gesteinsmittel, wie dies
eben auch bei den angeführten Schichten des Rothliegenden der Fall ist. Dass
nun derartige Verhältnisse beziehungsweise für den Bergbau nur höchst ungünstig
sein können, ist von selbst einleuchtend.
Ueberaus ungünstig für den hiesigen Bergbaubetrieb sind ferner die strati-
graphischen Verhältnisse der krystallinischen Schiefer. Die häufigen Verwerfun-
gen, die sie durch die granitischen Massengesteine und den Protogyn erlitten,
berühren selbstverständlich auch die , ihnen lagerartig untergeordneten erz-
führenden Gesteine vielfältig, so dass hier eine Nachhaltigkeit derselben dem
Streichen nach zu den seltensten Ausnahmen gehört. Es gilt dies eben von den
Eisen- und Kupfererzen und den Kiesen, die nach dem Obigen grösstentheils an
die Grünsteine und Malakolithe gebunden sind, deren Bildungszeit mit den sie
einschliessenden Schiefergehilden völlig übereinstimmt. Eigentliche sicher con-
statirte Gangbildungen gibt es hingegen im Riesengebirge nur wenige, die einen
Abbau thatsächlich lohnen würden. Im Bereiche des Urthonschiefers finden sich
derartige, zumeist Silber- und Bleierze führende Gänge an einigen Orten seiner
Contactregion nächst des Granitits und auch in diesem setzen mehr minder
412
Johann Jokely.
[«n
schmale Quarzgänge mit geschwefelten Kupfererzen auf. Mit Ausnahme der
Gegend von St. Peter dürften sich aber beide Gangarten kaum irgendwo sonst
abbauwürdig erweisen.
Diese Seltenheit an verschiedenen Erzgängen, also an jüngeren Erzvorkom-
men als die der lagerartigen Gebilde, ist für das Riesengebirge jedenfalls eine
bemerkenswerthe Erscheinung. Und darin eben liegt nun auch hauptsächlich der
Unterschied, der sich hinsichtlich der Erzführung des Riesengebirges und Erz-
gebirges geltend macht. Daraus folgt dann aber die nicht minder gewichtige
Thatsache, dass die Bildung der erzgebirgischen Erzgänge grösstentheils in eine
verhältnissmässig sehr junge Zeitperiode falle, welche aus geologischen Gründen
mit der Tertiärzeit als coincident zu erachten ist. Die gewaltigen Terrains-
dislocationen und die nothwendig damit verbunden gewesenen Spaltungen und
Aufreissungen der Urgebirgsmassen während dieser Zeit, insbesondere während
der Basaltdurchbrüche werden durch das Vorhandensein der verschiedenartigsten
Tertiärablagerungen in jenen Gegenden unzweifelhaft dargelegt. Inmitten oder in
der Nachbarschaft des Riesengebirges fehlt es hingegen an ähnlichen Erscheinun-
gen fast gänzlich, und was hier in Bezug der Spaltenbildungen etwa auf Rechnung
der Porphyre, Melaphyre und Basalte zu setzen wäre, bleibt, sonst auch von
den Zeitverhältnissen abgesehen, im Vergleiche zu den gewaltigen Ergebnissen
der Basaltdurchbrüche im westlichen Böhmen verschwindend klein. Die erzgebir-
gischen Erzlagerstätten sind demnach, was ihre Bildungszeit belangt, theilweise
weit jünger als die vorherrschenden des Riesengebirges. Diese können also noth-
wendig nur mit jenen des ersteren Gebirges näher übereinstimmen, die mit ihnen
zeitlich und örtlich eine verwandte Bildungsart theilten, was eben bei den
bewussten lagerartigen Gesteinsmittel thatsächlich auch der Fall ist. Selbstver-
ständlich fallen hier die Erscheinungen der secundären oder Umhildungsprocesse,
wie das Auftreten der oxydischen Kupfererze, der aus Magneteisenerz hervor-
gegangenen Brauneisensteine u. s. w. ausser Betracht, denn sie modificiren blos
örtlich die bei beiden Gebirgen ursprünglich identischen Verhältnissen der Erz-
führung oder der betreffenden Gesteinsarten.
Ueher die riesengebirgische Erzführung und die Bergbaue überhaupt ent-
halten die Eingangs angeführten Werke mehr minder ausführliche Nachrichten,
ferner das „berg- und hüttenmännische Jahrbuch der k. k. Montan-Lehranstalten
zu Leoben, Pribram und der k. k. Schemnitzer Berg-Akademie“ werthvolle Auf-
sätze von Director Job. Grimm und Markscheider C. Bayer. Im Nachfolgenden
sind die Erzvorkommen der besseren Uebersicht halber zuerst nach dem Gesteins-
mittel und dann nach den Erzarten zusammengestellt worden. Eine schärfere
Trennung der Erzlagerstätten des Glimmer- und Urthonschiefers konnte der
Natur der Sache nach nicht eingehalten werden, weil sie eben ihrer Beschaffen-
heit nach bei beiden fast identisch sind.
Erzführende Kalksteine, Malakolithe und Grünsteine.
Nach der Art der Erze lassen sich diese Lagerstätten in zwei Gruppen
theilen. Die eine ist charakterisirt durch meist geschwefelte Silber-, Kupfer-,
Blei- und Arsenerze. Beide sind jedoch im Wesentlichen nur verschiedene Ent-
wickelungsstufen eines und desselben Substrates und schliessen sich so wie die
einzelnen Erzgattungen gegenseitig nicht aus, so dass je nach dem Vorherrschen
des einen oder anderen Erzes ein local verschiedenes Bergbau-Object resultirt.
[18]
Das Riesengebirge in Böhmen.
413
Silber-, Kupfer-, Blei- und Arsenerze.
Ober- und Nieder-Rochlitz. — Die Erzlagerstätten dieser Locali-
täten sind durch Paul Herter und Emil Porth (Jahrbuch der k. k. geologischen
Reichsanstalt 1839, 1) specieiler bereits bekannt geworden. Im Laufe des vorigen
Sommers (1860) bestand der eigentliche Abbau in Ober-Rochlitz, und in Nieder-
Rochlitz ging das Etablissement für die nasse Aufbereitung seiner Vollendung
entgegen, so dass es noch vor Jahresschluss in Betrieb gesetzt werden sollte,
wozu ein Rohmaterial von etwa 130.000 Centnern Poehgängen vorräthig ist.
Der günstige Erfolg desselben wird nun lehren, ob überhaupt der Kupferbergbau
im Riesengebirge eine Lebensfähigkeit besitze oder nicht. Die Erze und Metalle,
welche theils im Malakolitli und körnigen Kalkstein, theils in den dazwischen
befindlichen Phyllitlagen mehr minder häufig eingesprengt Vorkommen, sind
bekanntlich: Kupfererz, Buntkupfererz, Kupferkies, Zinkblende,
Pyrit, Bleiglanz, seltener Antimonfahlerz, Antimonglanz, gedie-
gen Silber; als anogene Producte, theils auf Klüften, theils in der Nähe der-
selben, das Gestein mehr minder tief imprägnirend : Kupfermalachit,
Kupferlasur, Kupferpecherz, Kieselmalachit, Kupfer schwärze,
Ziegelerz, Allophan, zersetztes Antimonfahlerz, gediegen
Silber, Gelbbleierz, Weissbleierz, Pyromophit, Bleivitriol,
Galmei, Neolith und noch einige andere untergeordnetere Metallverbindun-
gen. So wie überall bei diesen Erzlagerstätten erscheint als Uebergemengtheil
iagenweise im Malakolith und Kalkstein Asbest, Pistazit, Feldspath, seltener
Flussspath. Der Phyllit selbst ist in deren Nähe häufig in talk- oder steinmark-
ähnliche Massen umgewandelt.
Das gegenseitige Verhalten des Malakoliths und des körnigen zum Theil
dolomitischen Kalksteins erscheint nicht ganz regelmässig. Sie wechseln mit
einander mehrfach ab, das Liegende des hiesigen süd- bis süd westwärts ver-
fallenden Malakoliths bildet aber, wie häufig auch anderwärts, ein mehrere
Klafter mächtiges Kalksteinlager, das durch Tagbrüche mehrorts aufgeschlossen
ist. In Folge von Verwerfungen schneidet, wie bei Ober-Rochlitz, der Malako-
lith in seinem Liegenden auch unmittelbar am Phyllite ab, in Nieder-Rochlitz ist
hingegen der liegende Kalksteinzug von Malakolith ganz losgezwängt und bildet
bei ganz abnormer Lage einige isolirte Partien für sich. Auf der rechten Iser-
seite, der Hütte gegenüber, fehlt wieder der Kalkstein ganz und es finden sich
da b I os einige Trümmer von Malakolith. In Folge dieser Verwerfungen ist dann
selbst auch die ganze Erzlagerstätte vielfach gestört. Namentlich verläuft
zwischen dem Wachstein und Sacherberge nahezu südwärts eine Verwerfungs-
zone, die sie in zwei grössere Hälften verwirft, und zwar derart, dass es den
Anschein erhält, als wären hier zwei verschiedene Erzlagerstätten. Und so
wurde auch die theilweise südwestlich einfallende Ober-Rochlitzer als die
Liegende der Nieder-Rochlitzer in der That auch gedeutet. Dieses doch auch nur
stellenweise scheinbare Unterteufen der letzteren durch die ersteren ist jedoch,
wie gesagt, nur die Folge einer Verwerfung. Die beigefügte Skizze veranschau-
licht dieses Verhältnis, wie auch das Verhalten der Erzlagerstätte zu den
benachbarten Quarzitschieferzügen.
Die nicht ganz regelmässige Vertheilung sowohl der primären als secundären
Erze in den Malakolithen und Kalksteinen, deren Gesammtmächtigkeit stellen-
weise mehr als 40 Klafter beträgt, dann die zahlreichen Nebenverwerfungen
durch offene oder Quarz- und Lettenklüfte, erschweren den Abbau sehr
414
•Johann Jokely.
t»9]
Fig. 4.
Das Riesengebirge in Böhmen.
41 S
[20]
wesentlich. Und so tritt hier der eigentümliche Fall ein, dass die Ursachen,
die im Sinne der obigen allgemeinen Bemerkungen einerseits eine günstige Erz-
führung bedingen, sie selbst wieder andererseits deren Zugutebringung in Folge
eines regelmässig undurchführbaren Abbaues beeinträchtigen. Ein nach Herrn
G. Kulis ch’s, Roclditzer Berggeschwornen , Angabe entworfener Durchschnitt
an der Ober-Rochlitzer Grube zeigt das Verhältnis der Erzführung daselbst.
Fig. 5.
M Malakolith ; G zersetzter Grünsteinschiefer; K Kluft, ausgefüllt von braunem Letten mit Bruchstücken von
Malakolith und Quarz; Q Quarz. — I. Liegende Strecke. II. Flache liegende Strecke. III. Hangende
Strecke. IV. Stollensohle in 23 Klafter Schachtteufe.
Erzvorkommen.
Ribnic. — Die hier schon seit mehreren Jahren nordwestlich vom Orte,
dicht an der Grenze des Rothliegenden bestehende Rosalie-Kupferzeche
gehört ebenfalls der Rochlitzer Gewerkschaft. Die Erze, vorzugsweise Kupfer-
glanz, Kieselkupfer, Malachit und Allophan, brechen in einer ursprüng-
lich dem Phyllite eingelagert gewesenen, theils hornstein-, tlieils malakolith-
ähnliehen Gesteinsmasse. Sie ist 2 Fuss bis 3 Klafter mächtig, fällt 60 bis
53
K. k. geologische Reichsanstalt 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft.
416
Johann Jokelv.
[21 j
66 Grad in Nord und liegt in Folge einer Abrutschung grösstentheils auf Roth-
liegendschichten der unteren Etage, einem braunen Schieferthone und Brand-
schiefer, die bei umgekippter Lage gleichfalls nordwärts verflachen. Die Bruch-
spalte, längs welcher diese Verwerfung stattfand, lässt sich an einem deutlich
inarkirten Sattel leicht erkennen. Seine Axe verläuft etwa 30 Klafter südlich vom
Schacht und ist nahe bis Skodejow zu verfolgen. Im Ganzen erstreckt sich diese
Fig. 6.
Verwerfung des Rothliegenden auf elwa 200 Klafter in die Länge. Südlich jenes
Sattels fallen dessen Schichten wieder regelmässig und bei viel sanfterer Neigung
nach Süd. Ueber den die Brandschiefer begleitenden Schieferthonen folgen graue
Conglomeratsandsteine, unter die sich der unterste Melaphyrstrom ausbreitet
und hier namentlich den Hutberg bildet. Die Conglomeratsandsteine führen
unweit der Spalte auch etwas Kupfererze, von 3 pereentigen Metallgehalt. —
Dass bei diesem höchst abnormen Lagerungsverhältnisse und der geringen
Mächtigkeit der Erzlagerstätte der Bergbau weniger günstig und für längere Zeit
hinaus minder nachhaltig zu werden verspricht, als in Rochlitz selbst, braucht
kaum näher betont zu werden.
Gross- Au pa. — Die hier im zweiten Gebirgstheil an der linken Thalseite
unlängst eröffnete Leopold-Zeche ist nur von geringer Ausdehnung. Die
grösstentheils im körnigen Kalksteine einbrechenden Erze sind: Kupferglanz,
Buntkupfererz, Kupferkies, Kupferfahlerz, etwas Eisenglanz,
Pyrit, Bleiglanz und Blende. In seinem Hangenden findet sich Grünstein-
schiefer und im Kalksteine selbst untergeordnete Lagen von Asbest und Malako-
lith. Diese, besonders auch der Grünstein, enthalten gleichfalls eingesprengt
Erze, namentlich Kiese. Das Kalksteinlager ist 3 bis 6 Klafter mächtig und fällt
46 bis 60 Grad in Nordost. Die Kupfererze werden in der Kupferschmelzhütte
bei Leopold, nächst Hermannseifen, mit den daselbst gewonnenen Kupfererzen
des Rothliegenden verschmolzen.
Schatzlarloch in Klein-Aupa. — Letzterer Zeit ist diese Zeche
nebst der benachbarten Emilie-Eisensteinzeche im Fichtig sistirt. Das
erzführende Gestein ist hier grüner talk-, zum Theil chloritartiger Schiefer mit
Kupfer-, Magnet- und Arsenkiesen. Die Mächtigkeit dieser Schiefer
beträgt etwa 7 Klafter. Sie streichen Stunde 6 bei 60 Grad Fallen in Süd. Lagen
und Putzen von körnigen Kalkstein darin nicht selten.
[22]
Das Riesengebirge in Böhmen.
417
Riesengrund. — Die sogenannte „Riesenzeche“ am südwestlichen
Abfalle der Schneekoppe, dicht an der Sohle des Riesengrundes, ist älteren
Ursprungs. Gegenwärtig liegt sie darnieder und soll sammt den letztgenannten
zwei Zechen und der Arsenikhütte bei Petzer veräussert werden. Der Arsen-
kies, das vorherrschende Mineral, war hier seit jeher der Hauptgegenstand
des Abbaues. Er bricht derb oder eingesprengt, nebst etwas Magneteisen,
Kupferkies, Magnetkies, Blende, Bleiglanz und Molybdän im
körnigen Kalkstein und Malakolith ein. Der erstere ist 6 bis 6 Klafter mächtig
und lagert tbeilweise im Liegenden des Malakoliths bei 60 bis 76 Grad Fallen
in Südost. Indessen ist hier die Lagerung der Erzlagerstätte überaus gestört, und
zwar theils durch den Granitit, an dessen unmittelbarer Grenze sie sich befindet,
theils durch den Protogyn und auch Porphyr. Namentlich trennt ein etwa
40 Klafter mächtiges Protogynmittel die Erzlagerstätte des „Kiesberges“ von
jener, welche sich südlich des von der Schneekoppe herablaufenden Grabens
befindet. Diese letztere Partie scheint dann südlich wieder der Porphyr abzu-
scheiden.
Dies wären die Localitäten, wo im Bereiche dieser complicirten Erzlager-
stätten eigentliche Abbaue bestehen oder jüngst noch bestanden haben. Ausser- ,
dem sind in neuerer Zeit noch an mehreren anderen Orten Versuchsbaue oder
Schürfe eingeleitet worden, ohne dass sie aber bis nun einen besonderen Erfolg
dargeboten hätten; so namentlich auf Kupfererze im Kesselgrunde, Ost von
Ober-Rochütz, und bei Marschendorf, an dem linken Gehänge des Schwar-
zenberger Thaies.
Alte, ein gegangene Baue oder überhaupt Localitäten, wo
sich die früheren analogen Erze vor finden, sind namentlich Folgende:
Ha verna (NW. von Ober-Rochlitz). — Hier ist der von Malakolithen be-
gleitete Kalkstein an der rechten Iserseite oberflächlich nur in geringer Aus-
dehnung blossgelegt. Verwerfungen scheinen diese Erzlagerstatt vielfach
zerrissen zu haben, sie gehört aber allem Anscheine nach einem tieferen Hori-
zonte an als die von Rochlitz, und dürfte jenem der Grünsteine und Malakolithe
von Sahlenbach entsprechen.
St. Peter. — Neben den hier auf Gängen einbrechenden Erzen, waren
früher in dieser Gegend Versuche auch auf solche Erze angestellt, welche im
Kalksteine und Malakolith einbrechen.
Klaus eberg. — Stollen bei der Michelmühle an der Elbe. — Neben Kiesen
scheint hier vorzugsweise Eisenerz gewonnen worden zu sein.
Hackelsdorf (Altenberg). — Stollen an der Elbe. — Kupferkies, Mala-
chit und Magneteisen in einer vom Protogyn umschlossenen Grünsteinscholle.
Niederhof. — Analoges Erzvorkommen, hier auch hauptsächlich auf
ebenfalls von Protogyn eingeschlossene Kalkstein- und Malakolithschollen
gebunden.
Hohenelbe. — Nächst der Stadt und bei Ober-Hohenelbe bestanden
früher neben Eisen- auch Kupfer- und Silberbergbaue, von welchen Hohenelbe
auch ihren Ursprung als Bergstadt herleitet.
Kr öl lb au de (N. Gross-Aupa). — Hier soll Grünstein und Kalkstein eben-
falls Kupfererze führen.
Böhmisch-Neustadtel, — Am Kupfer- und Bapitz- (Rappelts-) Berg
bestand vor Zeiten ein Hoffnungsbau auf Zinnstein, welcher mit Pyrit, Magnet-
kies, Kupferkies und etwas Eisenglimmer angeblich in Quarzlagern des Phyllits
einbrechen soll.
B3
418
Johann Jukely.
[23]
Eisenerze.
An mehreren der vorgenannten Localitäten erscheint mehr minder unter-
geordnet auch Eisenerz, namentlich Magneteisen. Anderwärts wird es aber
derart vorherrschend, dass es für sich abbauwürdig wird. Derzeit gewinnt man
für die, nunmehr im Riesengebirge allein noch bestehende Engenthaler
Eisenschmelzhütte hauptsächlich Brauneisenstein, welcher durch höhere
Oxydation aus dem erstgenannten Erze hervorgegangen ist. Früher waren Eisen-
hütten bei Ernstthal, Friedrichsthal und Rudolfsthal, und auch bei Eisenbrod
scheinen einst Eisenwerke bestanden zu haben.
Die Lagerungsverhältnisse sind gewöhnlich bei diesen Eisenerzlagerstätten
äusserst verworren und bei dem Hinzutreten von diluvialen Absätzen zeigen sich
Umwandlungen und Zersetzungen auch heim Nebengesteine in einer äusserst
intensiven Weise.
Kamenitz. — Gegenwärtig steht eine Zeche südwestlich vom Orte in
Betrieb. Das folgende Schichtenprofil möge das Lagerungsverhältniss veranschau-
lichen, wie es sich sonst auch anderwärts bei diesen Vorkommen in ähnlicher
Weise wiederholt.
Zersetzer Urthonschiefer 60 Fuss.
Plastischer Letten , wechselnd mit zersetztem Phyllit 3 — 12 „
Zersetzter eisenschüssiger Phyllit (Grünstein?) . . 24 — 30 „
Brauneisenstein 1 — 30 „
Kalkhaltiger, zersetzter eisenschüssiger Phyllit . . . 2 — 3 „
Gelber, dolomitischer Kalkstein i/z — 2 „
Weisser, körniger Kalkstein 60 „
Phyllit.
Fallen 60. bis 70 Grad in SSO.
Jessen ei. — Der Schichtentypus ist dem letzteren anolog, nur erscheinen
hier zwei grössere und zwei kleinere Kalksteinzüge, und der Brauneisenstein
lagert zwischen den zwei ersteren. Plastischer Thon soll früher in nicht unbe-
deutender Mächtigkeit vorgekommmeri sein und wurde als solcher auch gewonnen.
Hier wird ferner Brauneisenstein auch aus dem in dieser Gegend massenhaft
abgelagerten diluvialen Lehm gewonnen, welcher theilweise unmittelbar auf
der ausgehenden Erzlagerstätte lagert. Er kommt darin in zahlreichen Brocken
und Fragmenten vor und man gewinnt ihn einfach durch Waschen. — Was über
das Vorkommen von Gold, Zinnober oder Quecksilber dieser Gegend
in älteren Werken verlautet, ist nicht näher zu constatiren, wenn nicht diesen
Angaben selbst thatsächlich ein Irrthum zu Grunde liegt.
Nach früheren Abbauen oder neueren Schurfversuchen sind Brauneisen-
steine, zum Theil auch Rotheisensteine oder Magneteisenerze, unter ähnlichen
geologischen Verhältnissen ferner bekannt: 0. bei Bi tauch ow, W. bei Ro-
stock, SO. Ruppersdorf, bei Skodejow, DrkoAv, Bochdalowitz,
Ponikla, Haratitz, Lhotka, Wrath, Krislitz, Raudnitz, Wichowska-
Lhotta, Krausebauden, obere Schüsselbauden, Hannepeter s-
hau. Rieb eisen, Polkendorf, Schwa rzenthal, am Sauberg nördlich
von Bohmisch-Neustadtel und in Gross-Aupa (zweiter Gebirgstheil).
An der vorbenannten „Emilie-Zeche“ im Fichtig (Klein-Aupa) bricht
Magneteisenerz in grünen granatführenden Schiefer und Malakolith. Der Kalk-
stein ist hier bis zu 40 Klafter mächtig und lagert im Hangenden derselben bei
419
[24] Das Riesengebifge in Böhmen.
45 bis 60 Grad Verflachen in Ost. Die erzführenden Schichten sind 7 bis 8 Klafter
mächtig.
Bei den Zehgrundbauden östlich hat man unlängst reichlich Magnet-
eisenerz im Grtinsteine aufgeschlossen. In der Gegend westlich war dagegen ein
Eisensteinbergbau in früheren Zeiten und wahrscheinlich auf dasselbe Erz,
welches auf eine imProtogyn schwimmende Grünsteinscholle gebundensein mochte.
Mangan und Graphit.
An mehreren Orten kommt in der Nähe, namentlich der Brauneisensteine
auch Mangan oder statt diesem stellenweise Graphit vor, so unter Anderen das
erstere bei Ponikla und Schwa rzenthal. Im Allgemeinen scheint es jedoch
nirgends recht abbauwürdig.
Etwas günstiger verhält es sich mit dem Graphit. Ein wirklicher Abbau
bestand darauf noch unlängst bei Ponikla und Priwlak, den E. Porth
eröffnet hatte. Die Graphitschiefer lagern im Phyllit, im Liegenden des zu
unterst grauen oder weissen und nach oben gelblichen dolomitischen Kalksteins.
Sie streichen bei Ponikla Stunde 8 und verflachen 50 bis 60 Grad in NO. Jene
bei Priwlak, an der rechten Iserseite, sind bei sonst nahezu derselben Lagerung
doch nur ein von jenen durch Verwerfung losgetrennter Theil. Die Iser läuft
hier nämlich sicher entlang einer Verwerfungsspalte. Ferner finden sich graphi-
tische Schichten bei Glasersdorf (N. von Hochstadt) und in ganz unter-
geordneter Weise noch mehrorts in der Nähe der körnigen Kalksteine.
Gold.
Ueber das Vorkommen von Gold circuliren im Riesengebirge mancherlei
Sagen und Ueberlieferungen. Indessen scheint ihnen grösstentheils wenig That-
sächliches zu Grund liegen. Einigen Belang dürfte früher blos der Bau im Reh-
horngebirge, auch das „goldene Rehhorn“- genannt, zwischen Freiheit und
Schatzlar, besessen haben, wo man jetzt mehrorts nicht unbedeutende Halden-
und Pingenzüge, namentlich im Bereiche des Grünsteiris antrifft. Ob hier aber
auschliesslich nur Gold gewonnen wurde, ist näher nicht bekannt.
Ferner gewann man auch bei Schwa rzenthal Gold. Nach Hoser wurde
unter Anderem im Jahre 1796 bei der Gewältigung des alten Mannes im oberen
St. Michaelistollen „einige gute Erze gewonnen“, aus denen das im Berggewichte
von 8ya Loth erzeugte reine Gold vom k. k. Münzamte zu Prag mit 162 Gulden
4 Kreuzer eingelöst worden ist. Dasselbe scheint mit Silbererzen, Bleiglanz und
Kiesen in einem quarzigen Mittel eingebrochen, welches gangförmig in grösserer
oder geringerer Nähe des Protogyris im Glimmerschiefer aufgetreten sein mochte.
Bei der sogenannten Silberbrücke wurden früher Silbererze gefördert.
Zu den mehr primären Vorkommen gehören denn auch die häufigen Erz-
Imprägnationen der krystallinischen Schiefer und selbst des Protogyns, wie
sie sich an manchen Orten, besonders auch in der Nähe der vorgenannten Erz-
lagerstätten, beobachten lassen, wohl aber kaum irgendwo einen bergbaulichen
Erfolg versprechen dürften. Eine solche Imprägnation des Protogyns mit Blei-
glanz und Kiesen gab zu einen Versuch Veranlassung im „Hofergraben“ bei
Berauerb ergbauden, dann nördlich bei den G r undbaud en (N. Gross-
Aupa).
Erzführende Gangbildungen.
Wie oben erwähnt sind erzführende Gänge im Riesengebirge eigentlich
eine Seltenheit. Sie sind theils lettiger, theils quarziger, theils auch spathiger
420
Johann Jokely. Das Riesen<iebirge in Böhmen.
[*«]
Natur, und es erscheinen die letzteren vorzugsweise im Granitit, die ersteren
im Bereiche der krystallinischen Schiefer. Die Erze sind grösstcntheils Schwefel-
verbindungen von Silber, Kupfer, seltener von Blei oder Zink, noch seltener
sind oxydische Erze.
St. Peter. — Gegenwärtig besteht hier, als Ueherrest eines früher, wie
es scheint schwunghafteren Betriebes , noch eine Grube im oberen Theile des
Ortes. Der aus aufgelöstem Schiefer bestehende und Quarzlagen führende Gang
hat ein mit dem Fieckschiefer nahezu übereinstimmendes Streichen in Südost,
doch ein steileres Fallen von 80 Grad in SW. Seine Mächtigkeit beträgt */a bis
4 Klafter. In beiden Gangmitteln führt er Fahlerz, Weissgiltigerz, Kupfer-
kies, Blende, Bleiglanz, Arsenkies, Pyrit und etwas Malachit und
Buntkupfererz. Ein früher am Heuschober, an der linken Thalseite abge-
bauter analoger Gang, wird für die südöstliche Fortsetzung des ersteren gehalten.
Andere diesen mehr minder ähnliche Gänge sowohl von dieser Localität als
' auch von anderen sind derzeit weniger genau bekannt. Hierher scheinen jedoch
zu gehören das Arsen ki esvorkommen nördlich der Wass ab a u d e (am süd-
westlichen Fusse der Sehwarze-Koppe), die vorerwähnten theilweise Silbererze
führenden Erzlagerstätten in der Gegend von Sch warze nthal, Freiheit und
Lischnei (Bunzlauer Kreis). Ferner gibt es theils im Bereiche der krystallini-
schen Schiefer, besonders in der Nähe des Protogyns und Granitits, dann auch
im ersteren selbst mebrorts Quarz- oder Quarzbrockengänge, die meist ganz
taub sind, bisweilen aber auch erzführend sein dürften. Die reinen Quarze
werden bruchstück- oder blockweise von den Landleuten meist zusammengesam-
melt und an die Murschendorfer Glashütte centnerweis abgeliefert. Ueber die
Natur dieser letztgenannten Gänge, ob sie nämlich in irgend einer näheren Be-
ziehung zu den genannten Eruptivmassen stehen oder einem viel späteren Zeit-
abschnitte angehören, lässt sich wenig Sicheres entscheiden.
Dasselbe gilt grösstentheils auch von den Erzgängen d e s G r a ni tits.
Selbstverständlich sind sie aber jünger als die lagerförmigen Erzlagerstätten der
krystallinischen Schiefer, scheinen dagegen älter als die lettigen Erzgänge von
St. Peter, und tragen mitunter sogar das Gepräge von gangartigen Secretions-
bildungen an sich.
Derlei Gänge, deren Mächtigkeit nicht nur gering, sind im Granitit beson-
ders häufig in den Siebengründen, in der Nähe der Urthonschiefergrenze. Nörd-
lich von St. Peter, am Nordgehänge des Ziegenrückens, hatte man verflossenen
Sommer (1860) von Seite der Rochlitzer Gewerkschaft einen solchen 1 bis 6 Zoll
starken Gang durch einen stollenmässigen Versuchsbau aufgeschlossen. Der mit
dem Granitit sehr innig verflösste Quarzgang streicht Stunde 1 bis 2 und fällt
70 bis 80 Grad in NWW. Erführt: B unt k upfer erz, Kupferkies, Anti-
monglanz, etwas Malachit und angeblich Mo lybdänglanz. Solche, wenn
auch wie es scheint nicht abbauwürdige Gänge sind noch bekannt im kleinen
Kessel (Biesengrund) und am Nordgehänge des Krkonos. Ihr Streichen ist
ein mehr minder dem Östlichen genähertes, und mitunter führen sie nebst Kupfer-
erzen auch etwas Bleiglanz.
Harrachsdorf. — Der hier jüngst noch an der Mummel abgebaute Gang
weicht von den vorigen Gängen wesentlich ab. Er führt vorzugsweise Schwer-
spath und Flussspath und an Erzen Bleiglanz, Pyrit, untergeordnet
Grünbleierz und Weissbleierz. Er ist bis zu 2 Klafter mächtig und setzt
im Granitit dicht an der Urthonschiefergrenze auf, bei einem sehr steilen
Verflachen in SW.
Johann Jokely. Das Riesengebirge in Böhmen.
Von NORD
Von NORD
Leischnerbauden. Hofer- Finken- Gr.-Aupa. Klein- Nieder-
Schneekoppe. Roseberg'. bauden. berg. (II. Th.) Anpa Fl. Kolbendorf. ,
Schneekoppe, berg. baude. banden. Aupa. grnnd.
sehr*
N.
Wiesenbaude. Brunnberg, bauden. berg. Petzer, bauden. Bohnwieshaudeo . Un
»
N.
Kreuselberg. Schwozer Koppe.
Schneegruben. Elbe- Ob. Schüssel- Krause-
Hohes Rad. grund. Krkonos. bauden. bauden.
Finsterstein, je^.
Steinige Mummelfluss.
Nieder- Wachst'
Weisse Flinsberg. Theisenhübl. Hügel. Harrachsdorf Teufelsberg. Kaltenberg. Rochlitz. ß|®
NNW.
Neustadtei. Tafelfichte. Wittighaus.
Wiinschendorf. Heinersdorf. Kupferberg. Keiligeberg. Sichhübel.
Farbenberg.
Mapkfrt
Jft u
N.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. III. Heft.
Trauten- Stachel-
lofbuchberg. Wernsdorf. bach. berg.
Guldeuöls
bis SO.
Glimmerschiefer.
eg iauden. Kaiserberg.
»re Schwarzenthal.
Forsl
Urthonschiefer.
- XI wfflV
HB bis SW
Protogyn.
de Helfendorf.
Hartmannsdorf. Sill>erstein.
He lbergcr
Zie drücken.
s.
Principalek-
Waltersdorf. berg. Hennersdorf.
Granit.
Granitit.
S.
Hl
Rothliegendes.
y Nieder-
es’ Duschnitz. Ponikla.
Dolansky (kl. Iserfluss),
Kozinee. Ober-Mricna.
OB
Basalt.
Spi*;‘ rg. Muchowberg.
lorf* nnwald. Zasadu. Racitz. Jirkow.
SSO.
Eisen-
brod. Smrc. Kozäkow. Tatobit.
Verwerfungsspalten.
Landesgrenze.
Karl Ritter von Hauer. x\rbeiten in dem chemischen Laboratorium.
421
VI. Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k.
geologischen Reichsanstalt.
Von Karl Kitter v. Hauer.
1) Steinkohle aus der Beatens-Glücksgrube in Preussisch-Schlesien. Ein-
gesendet von Herrn Appel.
Wasser in 100 Theilen 1*8
Asche in 100 Theilen 1*2
Reducirte Gewichtstheile Blei 27-16
Wärme-Einheiten 6138
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 8*3
Cokes in 100 Theilen 37-3
2) Kohlenmuster. Zur Untersuchung eingesendet vom k. k. Landes-General-
Commando in Ofen.
Von Grosswardein a Grube Michael Valie Bertha, b Dornonkos, c August,
beide von Valie Mihi.
a. b. c.
Wasser in 100 Theilen 12*1 13*0 13-0
Asche in 100 Theilen 8-4 9-0 9-2
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 14*2 14-3 13-0
im Mittel 14-36
Kohlen der St. Istvaner Gesellschaft, Salgo Tarjan.
Wassergehalt in 100 Theilen 10-7
Asche in 100 Theilen 6-8
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 11-0
Kohle der Stephansgrube zu Banska, Sempliner Comitat.
Wassergehalt in 100 Theilen • 9.0
Asche in 100 Theilen 8-9
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 13-6
3) Chromeisensteine von Freudenthal in der Militärgrenze. Zur Unter-
suchung eingezendet von Herrn D’Elia.
I. Aus der Grube Frandh. IV. Aus der Grube Sglebari.
II. „ „ „ Sappadina. V. „ „ „ Dumbravitza.
III. * „ „ Filippa Csoka. VI. „ „ „ Rosalia.
Gehalt in 100 Theilen:
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
Kieselerde
4-2
3-6
3*6
4-3
3-3
6-1
Thonerde
11-8
12-6
10-8
10-9
9-9
11-2
Eisenoxydul
18-4
20-1
19-0
19-9
21-0
20-0
Magnesia
13-0
11-4
140
11-0
13 T
12-7
Chromoxyd
50-1
51-3
31-0
32-0
49-6
49-0
422
Karl Ritter von Hauer.
4) Steinkohlen von Zwierzina's Grube und die daraus erzeugten Cokes.
Zur Untersuchung eingesendet vom k. k. Verpflegsmagazin in Wien.
1. die Kohle, 2. die Cokes.
1. 2.
Wasser in 100 Theilen 1 2 —
Asche in 100 Theilen 5*6 9*2
Cokes in 100 Theilen 64 0 —
Wärme-Einheiten 5966 5890
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner.. 8 8 8*9
b) Steinkohlen, zur Untersuchung auf den Schwefelgehalt eingesendet von
Herrn Karl Klein, Handelskammer-Präsidenten.
a , b , c yon Bersaska, d Von Ostrau.
«.enthielt 0 3 j procen|; SChwefel. j enBnelt 0 4 j procent Schwefel.
6) Eisensteine (Rotheisensteine) von Vorder -Ernstdorf bei Mährisch-
Trübau. Eingesendet von Herrn Sellner.
Die minderen Sorten enthielten 30, die besseren 47 bis 50 Procent Eisen.
7) Kohle von Schallan bei Teplitz in Böhmen. Eingesendet vom k. k.
Landes-General-Commando in Prag.
Wasser in 100 Theilen 28 '8
Asche in 100 Theilen 4-7
Reducirte Gewichtstheile Blei 14*75
Wärme-Einheiten 3333
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 15*7
8) Wasser der Mineralquelle Suliguli. Zur Untersuchung eingesendet von
der k. k. Berg- und Forstdirection in Marmaros-Zigeth.
Physikalische Eigenschaften des Wassers.
Specifisches Gewicht = 1*00537.
Geschmack: Säuerlich prickelnd mit einem deutlichen Beigeschmack von Kochsalz, hinterher
etwas zusammenziehend von Eisen.
Beim Oeffnen der Flaschen zeigt sich lebhaftes Moussiren. da dieses Wasser einen über-
grossen Gehalt an freier Kohlensäure besitzt. Beim Kochen desselben bildet sich ein
starker Niederschlag von kohlensauren Erden und Eisenoxydhydrat.
Chemische Zusammensetzung.
1000 Theile des Wassers enthalten:
0*548 Chlor,
Spür Schwefelsäure,
5.066 Kohlensäure,
0*180 Kieselsäure,
Spur Jod,
0*003 Thonerde,
0*040 Eisenoxydul,
0*547 Kalkerde,
0*351 Magnesia,
1*691 Natron.
Der Gesammtrückstand beim Abdampfen des Wassers betrug 4*680 Theile.
Hieraus berechnet sich der Gehalt des Wassers in einem Pfund =
7680 Gran in folgender Weise:
7*142 Gran
Chlornatrium,
13*824
99
kohlensaures Natron,
0*491
99
„ Eisenoxydul,
7*495
99
kohlensaurer Kalk,
5*660
99
kohlensaure Magnesia,
0*023
99
Thonerde,
1*382
Kieselerde,
25*704
99
halb und ganz freie Kohlensäure,
Spuren
61*721
Gran
schwefelsaures und Jodnatrium.
Summe aller Bestandtheile.
Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt.
423
9) Kohle von Brunnersdorf bei Theresienstadt n Böhmen. Eingesendet vom
k. k. Landes-General-Commando in Prag.
Wasser in 100 Theilen 20*6
Asche in 100 Theilen 12-0
Reducirte Gewichtstheile Blei 14-75
Wärme-Einheiten 3333
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 15*7
10) Braunkohlen zur Untersuchung eingesandt von der k. k. Militär-Ver-
pflegs-Bezirks-Verwaltung zu Theresienstadt.
1. Braunkohle von Ober-Priesen, 2. Lignit von Kuttersehitz.
1. 2.
« Wasser in 100 Theilen 2*0 12-6
Asche in 100 Theilen 6-8 8*8
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. . . 11*9 14-2
Im Vorhergehenden sind nur diejenigen Kohlenproben aufgeführt, welche
durch besonders eingelangte Anfragen hervorgerufen wurden. Für eine weit
grössere Anzahl derselben glaube ich an dem gegenwärtigen Orte auf das Werk
mich beziehen zu dürfen, welches in diesem Augenblicke in Herrn Wilhelm
Braumüller’s Verlag erscheint: „Untersuchungen über den Brennwerth der
Braun- und Steinkohlen von den wichtigeren Fundorten im Bereiche der öster-
reichischen Monarchie, nebst einigen statistischen Notizen und Angaben über
ihre Lagerungsverhältnisse, von Karl Bitter v. Hauer, Vorstand des chemischen
Laboratoriums der k. k. geologischen Reichsaustalt.“ Es ist Seiner Excellenz dem
Herrn k. k. Minister für Handel und Volkswirtschaft Math. Const. Capello
Reichsgrafen v. Wickenburg gewidmet.
Die Beschickung der Londoner International-Ausstellung mit einer Samm-
lung Österreicher fossiler Brennstoffe , auf Veranlassung des österreichischen
Ausstellungs-Comites, durch die k. k. geologische Reichsanstalt unternommen,
hatte die erwünschte Gelegenheit geboten , eine grosse Anzahl von Proben von
den verschiedenen eingesandten Mustern neu zu gewinnen. Sie sind nun in dem
erwähnten Werke enthalten, aber noch vermehrt durch die Gesammtanzahl der
zahlreichen schon früher in dem Laboratorio der k. k. geologischen Reichs-
anstalt erhaltenen Ergebnisse einzelner Untersuchungen. Eine Einleitung bezieht
sich auf die Heizmaterialien im Allgemeinen, das Holz, den Torf, die fossilen
Kohlen, nämlich Anthracit, Steinkohlen, Braunkohlen, Lignite, die Cokes und
die Kohlen-Bricquets, ein zweiter Abschnitt ist den Melhoden der Bestim-
mung des Brennwerthes der Heizmaterialien gewidmet. In der Mittheil ung der
Ergebnisse der Proben selbst erscheinen 26 Nummern für Oesterreich und Salz-
burg, 24 für Mähren und Schlesien, 39 für Steiermark, 6 für Kärnthen, 7 für
Krain, 80 für Böhmen, 58 für Ungarn, 11 für Croatien, 10 für das Banat und
die Banater Militärgrenze, 6 für Slavonien, 11 für Galizien und Krakau, 2 für
Tirol und Vorarlberg, 5 für Venetien, 3 für Siebenbürgen, 4 für Istrien und
Dalmatien, zusammen 287 Nummern, wo indessen bei der bei weitem grösseren
Anzahl derselben nicht nur eine, sondern mehrere, selbst in ansehnlicher Menge
Proben durchgeführt worden sind. Für alle sind mehr und weniger ausführliche
Angaben verzeichnet über die Lage und Benennung der Unternehmungen und der
Gruben, die Lagerungs- und Bergbauverhältnisse, die Erzeugung im Jahre 1860,
die Anzahl und Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen, die Preise der Kohlen
*
K. k. geologische Reichssmstalt. 18, Baad, 1861 und 1868. Hl. Heft. 54
424
Karl Ritter von Hauer. Arbeiten in dem chem. Laboratorium.
u. s. w. Zudem noch andere wissenswerte Mittheilungei) , aus den Begleit-
schreiben entnommen, welche aus Veranlassung der Einladungen der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt an die Bergwerksbesitzer, von diesen mit den Mustern
eingesandt wurden. Auch wurden aus den Ergebnissen der Untersuchungen
während der Aufnahmen durch die Mitglieder der k. k. geologischen Rcichsanshdt,
eine Anzahl wissenswerther Angaben aufgenommen, so wie endlich behufs der
Uebersicht nach dem Werke der Herren Franz Ritter v. Hauer und Franz
Foetterle im Jahre 1855, das nach Kronländern geordnete Verzeichniss der
Kohlenvorkommen vervollständigt wurde. Am Schlüsse ist eine Uebersicbts-
tabelle sämmtlicher Kohlenuntersuchungen gegeben, mit Grenzwertheu und
Mittel- oder Durchschnittswerthen. Ein Anhang enthält noch eine Anzahl Proben
von Kohlen ohne genauerer Nachweisung des Vorkommens in der Natur,* von
englischen Kohlen, von Bricquets, von schlesischen im Handel in Wien vo,
kommenden Kohlen und von den Cokes der Wiener Gasanstalt.
So ist dieses Werk für ein wahres Bedürfniss lur das Allgemeine vor-
bereitet, indem gerade für das was es enthält, uns so oft wiederholte Anfrag» n
zukommen.
*) Ich darf hier nicht versäumen zu bemerken, dass das erwähnte Werk des Herrn Karl
Ritter v. Hauer zwar auf den Grundlagen der Ergebnisse der Arbeiten in dem chemi-
schen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt beruht, doch in unabhängiger
Anlage und Ausführung dem hochgeehrten Herrn Verfasser angehört, ohne Vereinbarung
mit der Direction der k. k. geologischen Reichsanstalt, ausser dass sie die von »len freund-
lichen Theilnehmern an der Ausstellung fossiler Brennstoffe eingesandten statistische
Daten enthaltenden Begleitschreiben, demselben zur Benützung mittheilte. W. H.
Verzeichntes der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w 423
VJI. Verzeiehniss der an die k. k. geologische Reiehsanstalt
gelangten Einsendungen von Mineralien. Gebirgsarten, Petre-
facten u. s. w.
Vom 15. April bis 15. August 1862.
1) 22. April. 1 Kiste, 21 Pfund. Von Herrn J. Tronegger in Raibl.
Fossile Fische in Raibler Schiefer. Angekauft.
2) 30. April. 1 Kiste, 108 Pfund. Linker Schenkelknochen von Elephas
primigenius , 3 Fuss 6 Zoll 3 Linien lang, aus der Theiss bei Czibäkhäza,
zwischen Czegled und Szarvas. Geschenk von Herrn Franz v. Kubinyi in
Pesth. Ferner Fischzähne aus dem Schönthale hinter Alt-Ofen von den Holz-
hachischen Steinbrüchen, theils als Geschenk, theils zur Bestimmung.
3) 1. Mai. 1 Kiste, 43 Pfund. Vom k. k. Landes General-Commando in
Dalmatien in Zara. Kohlenproben zur Untersuchung.
4) 23. Mai. 1 Kiste, 3y2 Pfund. Von der gräflich F e stetits'schen Berg-
direction in Trofayach. Spatheisenstein zur Untersuchung.
3) 23. Mai. 1 Kiste, 23 Pfund. Von Herrn J. Sapetza in Neutitschein.
Angekaufte Mineralien und Petrefacten.
6) 20. Mai. 1 Kiste, 28 Pfund. Geschenk von Hern jub. k. k. Appellations-
rath J. Ritter Nechay v. Felseis in Lemberg. Mineralien und Petrefacten.
(Verhandlungen. Bericht vom 31. Mai.)
7) 30. Mai. 1 Kiste, 40 Pfund. Von Herrn J. Tronegger in Raibl.
Pflanzen- und Fischreste aus den Raibler Schichten. Angekauft.
8) 13. Juni. 2 Kisten, 93 Pfund. Vom k. k. Militär- Verpflegsamt in
Theresienstadt. Steinkohlen zur Untersuchung.
9) 14. Juni. 1 Packet, 3 Pfund. Von der fürstl. v. Liechtenstein'schen
Bergbauverwaltung zu Mährisch-Trübau. Brauneisenstein mit Allophan-Ueberzug.
(Verhandlungen. Bericht vom 31. Mai.)
10) 26. Juni. 1 Kiste, 11 Pfund. Von der k. k, siebenbürgischen Berg-
direction in Klausenburg. Goldstufen von Csertest. (Verhandlungen. Bericht vom
30. Juni.)
11) 17. Juli. 1 Kiste, 6 Pfund. Geschenk von Frau Josephine Kablik in
Hohenelbe. Fossile Fische aus dem Kupferschiefer von Kalna. (Verhandlungen.
Bericht vom 31. Juli.)
12) 31. Juli. 1 Kiste, 14 ^ Pfund. Geschenk von Herrn Alexius Hän in
Puszta Banhäza, Ersemjen, Szabolcser Comitat, Ungarn. Torfmoor-Brauneisensteine.
13) 2. August. 1 Packet, 2 */4 Pfund. Von dem k. k. Handelsministerium.
Asket, eingesandt von Frau Albertine Szöllössy von Nagy-Szöllös in Oravitza.
14) 3. August. 1 Schachtel, 11 »/4 Pfund. Geschenk vou Frau Josephine
Kablik in Hohenelbe. Fossile Fische von Kalna.
54*
426 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstalt eingelangten Bücher, Kai len u. s. w.
16) 11. August. 1 Schachtel , 8^ Pfund. Vuii Herrn Springer in Ober-
Fucha. Braunkohlen zur Untersuchung.
16) 11. August. 2 Kisten, 97 Pfund. Von Herrn Tronegger in Raibl.
Fossile Fische, Belonorliynchus striolatus Bronn , Pholidopleurtis tgpus Bronn ,
Thoracopterus Nieder risti Bronn ; Crustaeeen, Bolina Raiblana Bronn: Pflan-
zen, Noegger athia Vogesiana Bronn, Voltzia heterophylla Bronn u. s. w.
Angekauft.
17) Zahlreiche Einsendungen von den drei Sectionen der geologischen
Aufnahmen, und zwar:
38 Kisten und Packete, 900 Pfund, aus Section I.
15 „ „ „ 500 „ II.
27 „ „ * 519 , „ HI.
VIII. Verzeichniss der an die k. k. geologische Reichsanstalt
eingelangten Bücher, Karlen u. s. w.
Vorn 16. April bis 15. August 1862.
Abbeville. Societe imperiale dem u lat i on. Memoires 1857 — 1860
Agram. K. Unter-Realschule. Programm für 1862.
Basel. Naturforschende G es eil sch a fl. Verhandlungen 111. Theil, 3. Heft. 1861.
Berlin. K. Handel sministerium. Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen
in dem preussischen Staate. 1862, X, 1. Die baulichen Anlagen auf den Berg-,
Hütten- und Salinenwerken in Preussen etc. II Jahrg., 1. Lief., 1862. OfHeial Cata
logue of the Mining and Metallurgical Products. Class I in the Zollverein Department of
the International Exhibition 1862. Compiled under the immediate direction of Mr. von
Dechen by Dr. Hermann Wedding. Berlin 1862.
„ Deutsche geologische Gesellschaft. Zeitschrift. XIII. Bd. , 4. Heft, 1861:
XIV. Bd., 1. Heft, 1862.
„ Gesellschaft für Erdkunde. Zeitschrift. Neue Folge. Xll. Bd., 1. und 2. Heft, 1862.
Bern. Natur forsch ende Gesellschaft. Mittheilungen 1861. Nr. 469 — 496.
Blankenburg'. Naturwissenschaftlicher* Verein des Harzes. Berichte für die
Jahre 1859—1860.
Blum« Georg, Secretär des k. k. General-Consulats in Hamburg. Das Weltmeer. II Jahrg.,
Nr. 27—1852, 1861/62.
Bologna. Akademie der Wissenschaften. Memorie. T, X, 2, 3, 4; T. XI, 1, 2.
1854/61. — Rendieonto dolle sessioni 1859/60, 1860/61.
Brixen« K. k. Gymnasium. XII. Programm. 1862.
Bronn« Dr. H. G., Hofrath, Professor in Heidelberg. Neues Jahrbuch für Mineralogie u. s. w.
# Jahrg. 1861, Heft 7; Jahrg. 1862, Heft 2—3.
Brünn. K. k. m ähr.-scliles. Gesellschaft für Ackerbau u. s. w. Mittheilungen,
_ 1862, Nr. 15 32.
Brüx. K. k. G ymnasium. Jahresbericht für das Schuljahr 1862.
Calcutta. Asiatic Society of Bengal. Journal. 1861, Nr. 3.
Cambridge. Harvard College. Annual Reports of the President and Treasurer.
1860/61. — Report of the Committee of the overseers appointed to visit the library for
1860, 1861. — Catalogue of the Officers and Students for the academical year 1861/62,
first term.
Chemnitz« Kön. Gewerbeschule. Programm zu der im April 1862 zu haltenden
Prüfung der Schüler.
Cherbourg. Soci ete imperiale des Sciences naturelle s. Memoires. T. VIII, 1861.
Christiania. K. Universität. Det kong. norske Frederiks Universitets Stiftelse frem-
stillet i anledning af dets Halvhundredaarsfest af M. Monrad. 1861. — Nyt Magazin for
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JAHRBUCH
KAISERLICH- KÖNIGLICHEN
GEOLOGISCHEN REICHS ANSTALT.
JAHRGANG 1861 UND 1862. XII. BAND.
NR°. 4. SEPTEMBER. OCTOBER. NOVEMBER. DECEMBER. 1862.
BEI WILHELM BRAUMÜLLER, BUCHHÄNBLER DES K. K. HOFES.
12. Band. 1861 u. 1862. JAHRBUCH IV> Heft>
DER
KAIS. KÖN. GEOLOGISCHEN REICHS-ANSTALT.
I. Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager
Kreises in Böhmen.
Von M. V. Lipoid,
k. k. Bergrath.
Mit 4 Tafeln und 11 Figuren.
Besprochen in den Sitzungen der k. k. geolog. Reichsanstalt am 10. und 31. Jänner 1860. Vorgelegt am 3. Mai 1860.
Einleitung.
Im Sommer 1859 hatte ich die geologische Aufnahme desjenigen Theiles
des Königreiches Böhmen zu vollführen, welcher die Blätter der Generalstabs-
karten, im Maassstabe von 2.000 Klafter auf den Zoll, Nr. XIII, Umgebungen
von Prag, und Nr. XIX, Umgebungen von Beraun und Pribram, einnimmt.
Durch diese Aufnahmen wurde eine Lücke ausgefüllt, welche die geologischen
Aufnahmen der früheren Jahre in der Mitte Böhmens offen Hessen, daher sich
meine Aufnahmen im Süden, Westen und Norden an die Arbeiten früherer Jahre
anschlossen, und zwar im Süden an die Arbeiten der Herren Jokely und
v. Zepharovich vom Jahre 1854 *)> im Westen an jene des Herrn v. Lidl
von den Jahren 1854 und 1855 * 2) und im Norden an jene der Herren Dr. v. Hoch-
stetter und Jokely von den Jahren 1856 und 1857 3). Das östlich an die
bezeichneten Blätter XIII und XIX anstossende Gebiet sieht noch der geolo-
gischen Aufnahme entgegen.
Das bereiste Gebiet bildet einen Theil des Prager Kreises, und zwar den
grössten Theil der ehemaligen Kreise Beraun und Rakonic. Nur der südwest-
lichste Theil des Blattes Nr. XIX gehört dem Taborer und der nordwestlichste
Theil des Blattes Nr. XIII dem Saazer Kreise an. Es nimmt einen Flächenraum
von 65 Quadratmeilen ein.
In geologischer Beziehung lässt sich das bezeichnete Terrain in drei
Gruppen abtheilen, — in die Gruppe der kystallinischen Gebirge,
welche den südöstlichen Theil des Terrains zusammensetzen, — in die Gruppe
der silurischen Grauwacke ngebirge, welche den nordöstlichen, mitt-
leren und südwestlichen Theil des Terrains einnehmen, — und in die Gruppe
*) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. YI. Jahrgang, Seite 355, 453, 682, und
VII. Jahrgang, Seite 99.
2) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. VI. Jahrgang, Seite 580, und VII. Jahr-
gang, Seite 316 und 373.
3) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. IX. Jahrgang, Seite 398, und Verhand-
lungen Seite 61 und 73.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
55
432
M. V. Lipoid.
P]
der jüngeren Sedimentgebirge, welche im nordwestlichen Theile des
Terrains auftreten. Während an der geologischen Aufnahme des Terrains, in
welchem die beiden erstgenannten Gebirgsgruppen zu Tage kommen, Herr Joh.
Krejcf, Lehrer an der k. böhmischen Oher-Realschule in Prag, thätigen An-
theil nahm, bearbeitete ich nebstdem allein das Terrain der jüngeren Sediment-
gebirge im westlichen Theile des Prager Kreises. Dieses Terrain nun bezeichne
ich nach dem wichtigsten Fossile, das demselben eigen ist, nach der Steinkohle
nämlich, mit dem Namen „Stei nkohlen gebiet“, obschon nebst der Stein-
kohlenformation auch noch jüngere Gebirgsformationen dasselbe zusammen-
setzen, — und die geologische Beschreibung dieses letztgenannten Gebietes soll
den Gegenstand der nachfolgenden Mittheilung bilden.
Aeltere geologische Mittheilungen, die dieses Gebiet betreffen, finden sich
vor von Herrn Professor F. X. M. Zippe in J. G. Sommer's „Das Königreich
Böhmen“, XIII. Band und m. a. ()., und von Herrn Professor Dr. A. E. Beuss
in mehreren Schriften und Aufsätzen, die ich in der Folge zu berühren Gelegen-
heit haben werde. Auch die Mittheilungen der Geologen Jokely und v. Li dl
über das benachbarte Terrain können gewissermaassen als Vorarbeiten betrach-
tet werden. Andere Mittheilungen, die über dieses Terrain noch erfolgten,
werde ich am geeigneten Orte erwähnen.
Das Steinkohlengebiet des Prager Kreises besitzt in seiner Oberflächen-
beschaffenheit nicht den Charakter eines muldenförmigen Terrains, wie dies bei
Steinkohlengebirgen meist und auch bei jenen des Pilsener Kreises der Fall ist. Die
Ursache hiervon liegt in den jüngeren Ablagerungen, hauptsächlich in jenen der
Kreideformation, welche im Steinkohlengebiele des Prager Kreises auftreten und
der Oberflächengestaltung ihren eigenthümlichen Charakter gaben. Diesemnach
stellt das bezeichnete Steinkohlengebiet eine Hochebene dar, die am Zbanberge
bei Hredl, 1668*7 Wiener Fuss über dem Meere, und am Lanaberge bei Lana,
1494 Fuss hoch, ihre grösste Höhe erreicht, und von da unmerklich nach
Norden zum Egerflusse und nach Nordosten zum Moldauflusse abdacht, dessen
absolute Höhe über dem Meere bei Weprek kaum mehr 460 Fuss beträgt. Aber
diese Hochebene ist nur durch einzelne grössere Plateaux ausgedrückt, im
übrigen aber zahlreich von Flüssen und Bächen durchschnitten, die dem Terrain,
besonders in dem nordöstlichen Theile den Charakter eines sanft wellenförmigen
Hügellandes aufdrücken. Nur das dem Steinkohlengebiete angehörige Terrain
südlich vom Zbangebirge in der Umgebung von Rakonic gewinnt mehr das An-
sehen einer Muldenbildung, die besonders deutlich mehr im Westen, ausserhalb
des von mir bearbeiteten Terrains, bei Senec, Petrowic u. s. f. ausgeprägt ist.
Die Flüsse und Bäche, welche das Steinkohlengebiet durchschneiden,
fliessen theils dem Eger-, theils dem Moldau-, theils dem Beraunflusse zu. In
den Egerfluss ergiessen sich die nördlich vom Zbanberge entspringenden Bäche,
der Hriwicer, Aulowicer und Pohwalowskybach, welche insgesammt tiefe , von
Nord nach Süd verlaufende Einschnitte in das Gebirge hervorbrachten, — wahre
Erosionsthäler. In die*Moldau ergiessen sich der rothe Bach bei Weprek und
der Zakolaner Bach bei Kralup. Der rothe Bach hat seine Quellen in dem Korn-
hauser Hochplateau und nimmt bei Welwarn den Bakower und Zlonicer Bach
und bei Chrin den Mühlbach auf, welche sämmtlich in dem Hochplateau von
Jungferteinitz aus vielen Quellen ihren Ursprung nehmen. Der Zakolaner Bach,
verstärkt durch den Podlesiner Bach, entspringt, wie dieser, in vielen Quellen
in dem Plateau südlich von Kladno und Munzifay. Von den dem Beraunflusse
zufliessenden Bächen sind der Kornhauser (Lodenicer) und der Rakonicer Bach
bemerkenswerth , welche ihre vielfachen Quellen in dem Steinkohlengebiete
[3] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 433
haben, in welchem sie ein niederes Hügelland und selbst weite Thäler be-
wässern, um dann in tiefen Schluchten durch das Grauwackengebiet dem Beraun-
flusse zuzueilen.
Ich habe bereits oben erwähnt, dass das von mir bereiste Steinkohlengebiet
des Prager Kreises aus mehreren Gebirgsformationen zusammengesetzt ist.
Diese Formationen sind :
I. Die Steinkohlenformation;
II. die Formation des Rothli egenden;
III. die Kreideformation, und
IV. die quaternäre Formation des Diluviums.
Diese Formationen sollen im Nachfolgenden abgesondert behandelt und am
Schlüsse als 1. Anhang das Vorkommen des Basaltes im Steinkohlengebiete
beschrieben, als 2. Anhang die im Steinkohlengebiete gemachten Höhen-
messungen beigefügt, und als 3. Anhang Einiges über die isolirten Steinkohlen-
becken des Prager Kreises beiStradonic und Zebrak mitgetheilt werden.
I. Die Steinkohlenformation.
Böhmen ist das an Steinkohlen reichste und productivste Kronland im
Kaiserthume Oesterreich, und die Steinkohlenwerke des Prager Kreises erzeugen
bis jetzt mehr als zwei Drittheile der Gesammtproduction Böhmens an Stein-
kohlen. Schon hieraus lässt sich auf die Wichtigkeit schliessen, welche die
Steinkohlenformation im Prager Kreise besitzt. Noch mehr mögen dies folgende
Zahlen darthun.
Nach dem „statistischen Berichte der Handels- und Gewerbekammer in
Prag“ vom Jahre 1838 betrug die Production der Steinkohlenwerke des Prager
Kreises im Jahre 1833 7,273.331 Centner Steinkohlen im Geldwerthe von
1,380 000 Gulden C. M. und beschäftigte 4.344 Individuen. Der Flächenraum
der belehnten Grubenfelder nahm im Jahre 1836 14,282.000 Quadratklafter ein,
und durch Freischürfe war überdies ein Flächenraum von mehr als 4,800.000 Qua-
dratklafter gedeckt. Der Flächenraum der Grubenfelder und Freischürfe betrug
demnach viel über eine Quadratmeile. Während die Steinkohlenproduction im
Prager Kreise vor dem Jahre 1833 eine viel geringere war, und z. B. im Jahre
1833 nur 3,322.910 Centner betrug, ist sie hingegen seit dem Jahre 1833
wieder stetig gestiegen, und erreichte — nach der „Oesterreichisehen Zeit-
schrift für Berg- und Hüttenwesen“, Nr. 49 vom Jahre 1839 — im Jahre 1838
bereits die Höhe von 9,331.173 Centner, welche Erzeugung sicherlich über
3.000 Individuen beschäftigt haben und einen Geldwerth von mehr als
1.800.000 Gulden ö. W. vorstellen dürfte.
Noch ist jedoch die Productionsfähigkeit der Steinkohlenwerke des Prager
Kreises nicht erschöpft, noch ist der Bedarf an Steinkohlen im steten Wachsen
begriffen, und noch waren z. B. die vier neuen Cokes-Hochöfen der Prager Eisen-
industrie-Gesellschaft zu Kladno im Jahre 1838 nicht im Betriebe.
Verbreitung der Steinkohlenformation.
So sicher und genau die südliche und westliche Begrenzung der Stein-
kohlenformation des Prager Kreises bestimmt werden konnte, eben so unbestimmt
55*
434
M. V. Lipoid.
[4]
bleibt die östliche und nördliche Begrenzung derselben, woran die Ueberlage-
rung der Steinkohlengebilde gegen Norden durch jüngere Gebirgsformationen
Ursache ist.
Die südliche Grenze läuft von Kralup an der Moldau bis Petrowic, west-
lich von Rakonic, von Ostnordost nach Westsüdwest in einer Länge von 7 Meilen.
Auf der beiliegenden „Uebersic hts karte des Steinkohlengebietes
des Prager Kreises“ (Tafel I) ist diese Grenze genau verzeichnet, und
daraus zu ersehen, dass dieselbe von Kralup bis Druzec eine ziemlich gerade
Linie nach Südwest einhält, sich von Druzec und Zilina gegen Nordwest nach
Ruda wendet, im weiteren Verlaufe über Rakonic bis unter Senec wieder eine
südwestliche Richtung nimmt, und endlich in einem nach Nord gewendeten Bogen
nach Seiwedl (Zawidow) bei Petrowic verläuft.
An dieser südlichen Grenze ruht die Steinkohlenformation durchaus auf
versteinerungsleeren Thon- und Kieselschiefern der sibirischen Grauwacken-
formation (Barrande's azoische Etage B ). Die unmittelbare Begrenzung beider
Formationen wird nur südwestlich von Kladno gegen Dokes zu durch auflagernde
Gesteine der Kreideformation , so wie östlich von Brandeisei und nächst Zilina
durch mächtige Löss-Ablagerungen dem Auge entzogen. An den übrigen Orten
ist die unmittelbare Grenze meist sichtbar oder mindestens aus den Gesteins-
geschieben gut erkenntlich. Die Auflagerung der Steinkohlenformation auf der
Grauwackenformation ist in so ferne eine concordante, dass die Schiefer der
letzteren überall, wo ich die Auflagerung beobachten konnte, so wie die Gesteine
der Steinkohlenformation, ein Einfallen nach Norden, Nordosten oder Nord-
westen zeigten. In dem östlichen Theile der südlichen Grenze erheben sich die
Gebirge der Grauwackenformation nur unbedeutend, kaum viel über 100 Fuss
höher, als die nördlicher liegenden Berge der Steinkohlenformation. An dem
Zakolaner, Wolsaner und Kladnoer Bache tritt die Grauwackenformation grössten-
theils am Fusse der nördlichen Thalgehänge unter der Steinkohlenformation zu
Tage. Noch unmerklicher ist der Niveau-Unterschied und der Uebergang aus der
Steinkohlen- in die Grauwackenformation bei Zilina, südlich von Lana und nächst
Ruda. Erst gegen Rakonic zu und in dessen Umgebung erheben sich die Grau-
wackengebirge mehrere hundert Fuss über die von den Steinkohlengebilden ein-
genommenen Hügel, und lassen in dieser Art schon in der äusseren Gestaltung
die Ufer des ehemaligen Steinkohlenmeeres erkennen, was in den übrigen
Theilen der Formationsgrenze durchaus nicht der Fall ist.
Die westliche Grenze des in Rede stehenden Steinkohlengebietes liegt
bereits ausserhalb meines Aufnahmsterrains in dem Saazer Kreise. Sie läuft von
Seiwedl nächst Petrowic in nordnordwestlicher Richtung gegen Horowic, und
wird im weiteren nördlichen Verlaufe von Gesteinen des Rothliegenden bedeckt.
Zwischen Seiwedl und Horowic sind es Granit und Urthonschiefer, denen die
Gebilde der Steinkohlenformation auflagern, und deren hohe Bergrücken einen
mächtigen Wall an diesem Theile des Steinkohlenbeckens bilden. Das nörd-
licher auftretende Rothliegende zieht sich in südlicher Richtung zwischen Grani-
ten und Urschiefern durch den Saazer bis in den Pilsener Kreis, und wird nur
durch ein paar schmale Streifen von Urthonschiefern von den Steinkohlengebil-
den des Pilsener Kreises geschieden. Dieses Rothliegende vermittelt demnach
gleichsam den Zusammenhang des Steinkohlengebietes im Prager Kreise mit dem
Steinkohlenbecken des Pilsener Kreises.
Wie oben erwähnt wurde, ist die östliche und nördliche Grenze der
Steinkohlenformation des Prager Kreises, das östliche und nördliche Ausgehende
derselben, von jüngeren Gebirgsformationen, u. z. von den Gesteinen der
[5] Pas Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 435
Formation des Rothliegenden und der Kreideformation, überlagert. Die östliche
und nördliche Begrenzung ist demnach dem geologischen Auge entzogen, und
dadurch entfällt auch die Möglichkeit, die Grösse und Ausdehnung der Stein-
kohlenmulde des Prager Kreises mit Bestimmtheit anzugeben. Wenn man jedoch
in Betracht zieht, dass in dem von mir bereisten Steinkohlengebiete das Roth-
liegende überall nur auf Gesteinen der Steinkohlenformation aufruhend beobach-
tet wurde, und hiernach die Voraussetzung gelten lässt, dass dort, wo in diesem
Gebiete das Rotldiegende zu Tage tritt, auch darunter die Steinkohlenformation
vertreten sei, so gewinnt man mindestens einen Maassstab zur Bestimmung der
wahrscheinlichen Ausdehnung der Steinkohlenformation. Indem nämlich das
Rothliegende — nach den geologischen Aufnahmen des Herrn Dr. y. Hoch-
stetter — noch in der Nähe von Budin, bei Poplzi und Horka am Egerflusse,
bei Brloh, südlich von Laun, unter der Kreideformation zu Tage kommt, so
kann man als die wahrscheinliche nördliche Grenze der Steinkohlen-
formation den Egerfluss, welcher von der südlichen Grenze der Steinkohlen-
formalion im Durchschnitte 3 % Meilen entfernt ist, annehmen und somit die
wahrscheinliche Ausdehnung der Steinkohlenformation des Prager Kreises mit
dem Flächenraume von 241/2 Quadratmeilen angeben. Dieser Flächenraum wird
allerdings vermindert und auf die Hälfte, d. i. auf 12% Quadratmeilen, reducirt,
wenn man als die bekannte nördliche Grenze der Steinkohlenformation nur
die bekannten nördlichsten Vorkommen und Ausbisse der Gesteine der Stein-
kohlenformation gelten lässt, denn diese Ausbisse, verbunden mit Vorkommen
von Steinkohlen bei Schlau, Libowic u.s.f. sind im Durchschnitte nur 1% Meilen
von der südlichen Grenze der Steinkohlenformation entfernt.
Gresteinsbeschaffenheit.
Die Gesteine, welche die Steinkohlenformation Mittel-Böhmens zusammen-
setzen, sind theils sandiger, theils schieferig-thoniger Natur. Kalksteine fehlen
gänzlich.
Die Sandsteine, bei weitem vorherrschend, sind Quarzsandsteine von körni-
ger Structur und von lichter, meist grauer oder weisser Färbung. Das Korn der-
selben wechselt von dem feinsten Sande bis zu faustgrossen Stücken, im letzteren
Falle wahre Conglomerate bildend. Das Bindemittel ist selten kieselig oder thonig,
sondern vorwaltend eine kaolinartige weisse Masse, d. i. aufgelöster Feldspath,
welcher wohl auch häufig unzerstört einen Gemengtheil der Sandsteine und somit
sogenannte Arkosen bildet. Weisser Glimmer ist besonders bei den sehr fein-
körnigen Sandsteinvarietäten stark vertreten.
Die schieferigen Gesteine, Schieferthone und Kohlenschiefer, sind dunkel
gefärbt, erstere grau, letztere schwärzlich. Sie bilden Zwischenlager in den
Sandsteinen, denen sie an Verbreitung und Mächtigkeit weit nachstehen. Nicht
selten treten dieselben im aufgelösten Zustande als „Letten“ auf. Die Schiefer-
thone und Kohlenschiefer, bisweilen sandig, sind in der Kegel die Begleiter der
Steinkohl enflötze, welche einen wesentlichen Bestandteil der Steinkohlen-
formation bilden. Einen geringeren Antheil an der Zusammensetzung der letzteren
nehmen endlich Eisensteine, welche als Thoneisensteine oder Sphärosiderite die
Kohlenschiefer begleiten.
Ich unterlasse es, hier mehreres über Gesteinsbeschaffenheit, Schichtung,
Mächtigkeit und Wechsellagerung der Gesteine mitzutheilen, um Wiederholun-
gen zu vermeiden, — indem diese Gegenstände in der Folge ohnedem in vielen
Beispielen werden erörtert werden. Ich füge nur noch bei, dass die Sandsteine
436
M. V. Lipoid.
[6]
der Steinkohlerifonnation in manchen Varietäten treffliche Bau- und Werksleine
liefern, und als solche an mehreren Punkten, besonders in den grossen Stein-
brüchen bei Zemech und Stein-Zehrowic, gewonnen werden.
Lagerungsverhältnisse der Steinkohlenformation.
Das Allgemeine über die Lagerungsverhältnisse der Steinkohlenformation
des Prager Kreises wird sich sicherlich am Besten aus der Beschreibung der
einzelnen Kohlenbergwerke und der einzelnen Versuchshaue zur Erschürfung von
Kohlen, welche in dem Steinkohlengebiete sehr zahlreich vorgenomrnen wurden,
ergeben. Ich werde desshalb im Nachfolgenden diese Beschreibung voraussenden,
ehe ich die allgemeinen Folgerungen, die sich daraus ergeben, anführe.
Ich war bemüht, während der Bereisung des Steinkohlenterrains das mög-
lichst grösste Materiale über die bisher eröffneten Kohlenberghaue und die bisher
gemachten Schürfarbeiten zu sammeln, um dasselbe der Publicität zu über-
geben. Mit grosser Zuvorkommenheit wurde mir dasselbe auch von Seite der
Bergwerksbeamten fast allenthalben geboten und mitgetheilt, und ich erkläre es
desshalb mit vielem Vergnügen, dass der grösste Theil der nachfolgenden Mit-
theilungen über die Gruben- und Schurfbaue nicht meinen eigenen Wahrnehmun-
gen, sondern der Gefälligkeit der Betriebsbeamten zuzuschreiben sei. Ich
werde nicht ermangeln, am betreffenden Orte die Namen jener Herren Werks-
beamten anzuführen, denen ich die mitzutheilenden Daten verdanke, und erwähne
hier nur, dass mir auch Herr August Beer, ehemals k.k. Steinkohlenschürfungs-
Commissär, gegenwärtig k. k. Bergadjunct in Pribram, ein sehr schätzbares
Materiale über das Steinkohlenterrain des Prager Kreises an die Hand gab, indem
er mir seine Notaten über die unter seiner Leitung gestandenen ärarischen Boh-
rungen in jenem Terrain und seine Karten darüber, freundlichst zur Benützung
überliess.
Um einen leichten Ueberblick zu gewinnen , habe ich in der beiliegenden
„Uebersichtskarte des Steinkohlengebietes des P rage r Kr e ises
in Böhmen“ (Tafel I) alle mir bekannt gewordenen, in dem bezeich-
neten Terrain bisher eröffneten Stollen, Schächte und alle Bohrlöcher einge-
zeichnet und mit Nummern versehen. Ein Zeichen für Steinkohle ist jenen Stollen,
Schächten und Bohrlöchern beigefügt, in welchen Steinkohlen angefahren oder
erbohrt wurden.
Ein Blick auf die Karte (Tafel I) genügt, sich zu überzeugen, dass die
darin verzeichneten Kohlenbaue und Bohrlöcher zwei von einander getrennte
Züge von Ost nach West bilden. Der südliche dieser Züge hält sich nahe an der
Grenze der Steinkohlenformation gegen die sibirische Grauwackenformation,
beginnt bei Kralup an der Moldau und erstreckt sich über Wotwowic, Kladno,
Lana, Ruda, Rakonic bis Petrowic. Der nördliche Zug beginnt hei Welwarn,
und erstreckt sich über Schlan, Turan, Srbec, Hfedl, Konowa bis Weclau. Die
Kohlenvorkommnisse bei Srbec, Hredl und Konowa gehören jedoch nicht mehr
der Steinkohlenformation, sondern dem Rothliegenden an. Ich werde daher im
Nachfolgenden zuerst die Beschreibung des südlichen, dann jene des nördlichen
Zuges der bekannten Kohlenvorkommen in der Steinkohlenformation liefern, und
zwar in Gruppen nach den Umgebungen von Wotwowic, von Bustehrad-Kladno,
von Lana-Ruda und von Rakonic, und dann nach den Umgebungen von
ßchlan.
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 437
a) Umgebung von Wotwowic.
In der Umgehung von Wotwowic erscheint die Steinkohlenformation schon
bei Kralup, welches auch der östlichste Punkt ist, wo die Steinkohlenformation
des Prager Kreises zu Tage tritt. Am linken Moldau-Ufer von Kralup abwärts
längs der Eisenbahn erheben sich die Sandsteinfelsen der Steinkohlenformation
in schroffen Wänden, und werden daselbst von Quadersandsteinen der Kreide-
formation mauerartig bedeckt. Figur 1 gibt ein Bild dieser pittoresken Felspartien.
Fig. t.
Sandsteinfelsen zwischen Kralup und Lobee.
o Kohleniandstein, b Quadersandstein, c Dorf Lobec.
Die Quadersandsteine sind schwebend abgelagert. Die Kohlensandsteine gleich-
falls schön geschichtet, zeigen ein Einfallen von kaum 15 bis 20 Grad nach
Nordnordwest. Am rechten Moldau-Ufer, gegenüber diesen Felszacken, ist Flach-
land, nur von Alluvien und Diluvien bedeckt und das Auftreten der Steinkohlen-
formation unter denselben meines Wissens bisher noch nicht nachgewiesen. Der
Zakolaner Bach bildet bei Kralup die Grenze der Steinkohlen- und Silurformation;
am linken Bachufer sieht man noch anstehend Sandsteine und Schieferthone der
Steinkohlenformation, letztere mit Kohlenspuren und Sphärosideritlagern , die
zu Tag in Brauneisenstein verwittert sind, mit einem Streichen nach Stunde 4
und 10 Grad nördlichem Einfallen; am rechten Bachufer sind bereits Thon-
schiefer der silurischen Grauwackenformation entblösst.
438
H. V. Lipoid.
[8]
Die Kohlensandsteine sieht man am linken Moldau-Ufer bis Mühlhausen
anstehend. Erst unterhalb Mühlhausen verlieren sie sich unter Quader- und
Plänerbildungen der Kreideformation. Zwischen Lobec und Mühlhausen (Nela-
hozewes) sieht man in den Kohlensandsteinen den Ausbiss eines Kohlenflötzes,
welches bereits vor ungefähr 20 Jahren zur Eröffnung eines Kohlenbergbaues
(Stollen Nr. 1, Tafel I) Anlass gab. Da jedoch das Kohlenflötz wenig mächtig
ist und 18 Zoll Mächtigkeit nicht überschreitet, ist der Betrieb dieses Bergwerkes
wohl nie ein schwunghafter gewesen und hat dasselbe wohl grösstentheils
unbelegt gestanden.
Unter den zahlreichen Bohrversuchen, welche von Seite der durch das
k. k. Montanärar im Jahre 1842 in’s Leben gerufenen k. k. Schürfungs-Commis-
sion für Böhmen zwischen Kralup und Kladno bis Zilina vorgenommen wurden,
waren die Bohrversuche bei Lobec die ersten. Das erste Bohrloch (Bohrloch
Nr. 1, Tafel I), im December 1842 begonnen und im August 1844 beendet,
zeigte die nachstehende Schichtenfolge:
Klafter.
Dammerde Il/i2
Grobes Alluvialgerölle 5/ia
Lockerer weissgrauer Sandstein . . . 1%
Festes Conglomerat . • y3
Sandstein mit zahlreichen unregelmäs-
sig eingemengten Pflanzenresten . . iyia
Milder Schieferthon ya4
Ziemlich fester Kohlensandstein mit
Conglomerat wechsellagernd . . . 397/ia
In den zuletzt gebohrten Sandsteinen wurden am Schlüsse bereits Spuren
von Thonschiefern gelöffelt, daher das Liegendgebirge erreicht, und der Fort-
betrieb des Bohrloches, das die Tiefe von 105y6 Klafter erreichte, eingestellt.
Das zweite ärarische Bohrloch bei Lobec (Bohrloch Nr. 2, Tafel I), welches
um einen Monat späler als das erste angelegt und im Juni 1844 beendet wurde,
durchsenkte folgende Gesteinsschichten :
Klarier.
Kohlenschieferthon 37/a4
Sandstein 5Vfl
Schieferiger Sandstein 25/6
Fester Sandstein 52/3
Bläulicher Schieferthon i
Fester Kohlensandstein 7
Milder bläulicher Schieferthon ... i*/9
Kohlensandstein 35* 9
Klafter.
Klafter.
Alluvialgerölle 5ya
Fester Kohlensandstein, feinkörnig, mit
grobkörnigem wechsellagernd . . . 391/?
Mohrkohlenflötzchen ya4
Kohlensandstein 297/a4
Kieselschiefer V2
Die ganze Teufe des Bohrloches betrug demnach 75 Klafter und durch-
querte kein heachtenswerthes Kohlenflötz.
Nächst Minkowic wurde von Privaten ein Bohrloch (Bohrloch 3, Tafel I)
niedergeteuft, über welches ich nur so viel in Erfahrung bringen konnte, dass
es in der 65. Klafter Spuren von Kohlen erhielt, aber wegen Zudrang von
Wässern und anderen Schwierigkeiten, die sich beim Bohren ergaben, eingestellt
werden musste, ohne das Grundgebirge erreicht zu haben.
Der Kralup am nächsten befindliche Kohlenbergbau befindet sich bei
Wotwowic selbst. Die diesen Bergbau betreffenden Daten verdanke ich dem
Herrn Schichtmeister Johann Czurba und Berggeschwornen Franz Hawel, von
denen besonders der letztere mehrfache schätzenswerthe Mittheilungen über die
böhmischen Kohlenvorkommen an die Direction der k. k. geologischen Reichs-
anstalt gelangen Hess.
Am Zakolaner Bache von Minkovic an aufwärts bis Zakolan sieht man die
unmittelbare Auflagerung der Steinkohlenformation auf dem Grundgebirge,
welches theils aus Thonschiefern, theils aus Kieselschiefern der silurischen
Grauwackenformation besteht. Diese Schiefer treten durchgehends auch am
[9] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 439
linken Bachufer unter den Steinkohlengebilden an den Gehängen mehr oder
minder hoch zu Tag und ihre Schichten zeigen ein unter die Sandsteine der
Steinkohlenformation gerichtetes nordwestliches Einfallen. In Folge dieser Ent-
blössung der unmittelbaren Begrenzung der Grauwacken- und Steinkohlenforma-
tion kommen auch die in den liegendsten Schichten der letzteren auftretenden
Steinkohlenflötze zu Tag, deren Ausbisse man an mehreren Stellen wahrnimmt,
und die natürliche Veranlassung zur Eröffnung von Grubenbauten gaben.
Ueber den Beginn des Abbaues der Wotwowicer Steinkohlenflötze liegen
zwar keine Nachrichten vor, doch dürfte derselbe um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts stattgefunden haben, da nach gemachten Erhebungen in der zweiten
Hälfte dieses Jahrhunderts die Steinkohlen in jener holzarmen Gegend bereits
zum Ziegel- und Kalkbrennen und nach und nach auch zum Hausbedarfe ver-
wendet wurden. Auch wird mit der Wotwowicer Kohle bereits seit ungefähr
60 Jahren die dort befindliche sogenannte „Eichthaler“ Glashütte betrieben. Der
Sage nach waren die Wotwowicer Kohlenbaue sogar früher eröffnet, als jene bei
Bustehrad.
Gegenwärtig sind die Grubenbaue in der Umgebung von Wotwowic Eigen-
thum Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I. und einiger anderen Privaten. Das
Werk Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I., welches von den oben genannten
Herrn geleitet wird und unter der Bustehrader Direction steht, besitzt den
grössten Theil der bekannten Kohlenflötze und ein Grubenfeld von über
723.000 Quadratklafter, während die Grubenfelder der übrigen Privateigen-
thümer das Flächenmaass von 200.000 Quadratklafter nicht viel übersteigen.
Diese verschiedenen kleineren Privatzechen sind auch grossentheiis schon abge-
baut und es geschehen meistens nur Nachlesen nach den früher unvollkommen
abgebauten Flötzen. Es wurde nämlich von den kleineren Grubenbesitzern früher
immer zuerst das sogenannte Unterflötz, als das mächtigste, abgebaut, die
schwächeren Kohlenmittel im Hangenden des Unterflötzes aber wurden vernach-
lässiget und gingen mit der Zeit in Folge des unter ihnen stattgehabten Abbaues
zu Bruche, welcher Vorgang zur Entstehung eines noch gegenwärtig bestehen-
den Grubenbrandes in diesen Grubenfeldern Veranlassung gab. Wo der Brand
noch nicht hingelangte, werden nun die oberen Flötze aus dem alten Manne
erobert, — wohl auf eine nichts weniger als gefahrlose Art. Grubenkarten über
diese Privatbaue sind keine vorfindig.
Ueber die Wotwowicer Kohlenbaue Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I.
liegt unter Tafel II eine Gruben- und Situationskarte nebst Durchschnitten bei. Es
befinden sich daselbst zwei von einander getrennte Kohlenfelder, ein östliches
und ein weslliches. Anstossend an das östliche Kohlenfeld soll noch eine ganz
kleine Kohlenablagerung bestanden haben, die aber gänzlich abgebaut ist.
Im östlichen Kohlenfelde liegt der Privaten gehörige 14-Nothhelferschacht
(Schacht 1, Tafel I) nahe am Kohlenausbiss; derselbe hat in 16 Klafler Teufe ein
2 Fuss mächtiges Kohlenflötz durchfahren. Die am Ausbisse befindlichen Privat-
gruben stehen theilweise in Brand. Das kaiserliche Grubenfeld wurde durch den
Franz-de-Paulastollen (Stollen 2, Tafel I) eröffnet und in demselben durch ein
unterirdisches Bohrloch in 91/2 Klafter ein iy3 Klafter mächtiges Kohlenflötz
durchfahren und in ll2/3 Klafter der Kieselschiefer als Grundgebirge erreicht.
Behufs weiteren Aufschlusses dieses östliche*! Kohlenfeldes wurden der Joseph-
schacht (Schacht 3, Tafel I) und der Luzienschacht (Schacht 4, Tafel I) abgeteuft,
und das Franz de Paula obertägige Bohrloch (Tafel I, 4) niedergestossen. Der
Josephschacht hat in 24 Klafter Teufe und der Lucienschacht ebenfalls in
24 Klafter Teufe, beide ohne ein Kohlenflötz durchfahren zu haben, das
36
K. k. geologische Reichsanstalt !2. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
440
M. V. Lipoid.
[10]
Grundgebirge, den Kieselschiefer, erreicht. Ebenso wurde mit dem obertägigen
Bohrloche, welches 36 Klafter höher, als das de Paula unterirdische Bohrloch,
angeschlagen wurde, in der 80. Klafter, nachdem es Kohlensandsteine ohne
Kohlenspuren durchsenkte, der Kieselschiefer angebohrt. Aus diesen Versuchs-
bauen ergibt sich die muldenförmige Lagerung der Steinkohlengebilde und der
Kohlenflötze des östlichen Grubenfeldes, wie sie in dem Verticaldurchschriitte
Tafel II verzeichnet erscheint.
Mehr aufgeschlossen und ausgedehnter ist das westliche Grubenfeld. Es
wurde von Seite der kaiserlichen Gewerkschaft durch Stollen, und zwar den
Gotthardi- und Ferdinandstollen (Tafel I, 3) und den Allmacht-Gottesstollen
(Tafel I, 4) in Abbau genommen. Zum weiteren Aufschlüsse dienten der Johanna-
schacht, der Wetterschacht, beide nahe am Ausbisse, und ein aus dem Hangend-
querschlage des Allmachtgottesstollen abgeteuftes unterirdisches Bohrloch. Der
Johannaschacht durchfuhr in 16 Klafter Teufe ein 2 Fuss mächtiges Flötz guter
aber milder Kohle, der Wetterschacht in 32 Klafter Teufe ein 1 8zölliges Kolilen-
flötz, unter welchen Flötzen sodann Kieselschiefer als Grundgebirge folgte. Durch
das Bohrloch erreichte man in der 25. Klafter ein 2 Fuss mächtiges Kohlenflötz
und in 271/a Klafter ebenfalls den Kieselschiefer.
Die in dem westlichen Grubenfelde durchörterten Schichten der Stein-
kohlenformation haben nebst den darin vorkommenden Kohlenflötzen im Mittel ein
Hauptstreichen nach Stunde 20 — 3 Grad (W. 33° N.), und das geringe Ein-
fallen von 9 Grad nach Stunde 14 — 3 Grad (S. 33° W.); Streichen und Fal-
len, letzteres steiler werdend, ändern sich in der Nähe der Ausbisse, und auch
innerhalb der Mulde. Die Ausbisse der Steinkohlenflötze befinden sich am Berg-
gehänge des linken Ufers des Zakolanerbaches, und auch hier, wie beim östlichen
Grubenfelde sieht man unter denselben die Thon- und Kieselschiefer der Grau-
wackenformation anstehend.
Durch Verwerfungsklüfte hat das westliche Grubenfeld Störungen erlitten,
welche in der Karte, Tafel II, und den beigefügten Durchschnitten ersichtlich
gemacht sind. Zwei dieser Verwerfungsklüfte, im Gotthardibaue angefahren,
laufen dem Streichen und auch der Thalrichtung nahe parallel. Beide verwerfen
die Schichten der Steinkohlenformation nach Nordwesten, und zwar die süd-
lichere um 3 Klafter, die nördlichere wahrscheinlich um ein Bedeutendes tiefer.
Der Fallwinkel beträgt bei der ersteren 36 bis 40 Grad , bei der letzteren
45 Grad. Zwei andere Verwerfungsklüfte, durch den Allmachtgottesbau und das
unterirdische Bohrloch in demselben aufgedeckt, laufen dem Streichen in’s Kreuz
nach Nord und Nordwest, und verwerfen die Schichten mit einem Fallwinkel von
35, beziehungsweise von 50 bis 60 Grad, und zwar die östlichere um 3 Klafter,
die westlichere vermuthlich um 28 Klafter nach Westen und Südwesten.
Die Beschaffenheit der Kohlenflötz-Ablagerung in ihrer vollständigen Ent-
wickelung ist folgende:
Kohle
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll
Hangendsandstein
Kohle (Skalni pramen)
1
6
.
.
.
Schieferthon (Obere modravky) . . .
.
i
3
.
Kohle (Bukowka-Kanevas)
2
.
.
.
Schieferthon (Bukowa Vopuka) . . .
•
#
• '
•
6
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 441
Kohle
Berge
Klafter
| Fuss
Zoll
Klafter
| Fuss
! Zoll
Kohle (Kanevas)
2
Schieferthon (Zuli)
#
’l
6
K oh 1 e (Pramen)
#
3
m
Schieferthon (Spodni Yopuka) . . .
#
6
Kohle (Spodni uhli — Unterflötz)
1
1
Schieferthon (Hlinka)
#
2
K o hl e (Flicka)
3
.
Schieferthon (Spodni modravky) . .
•
.
2
.
Liegendsandstein
3
0
6
2
1
8
5 Klafter 2 Fuss 2 Zoll
Das Liegende der Kohlenflötze ist sehr verschieden. Bald sind dieselben
unmittelbar auf Thon- oder Kieselschiefer abgelagert, bald befindet sich zwischen
ihnen und dem Grundgebirge eine Ablagerung von grauen sehr feinkörnigen
glimmerigen Sandsteinen, oder von Schieferthonen (Brandschiefer genannt),
welch’ letztere local eine Mächtigkeit von 25 bis 30 Klafter besitzen sollen. Das
Unteiflötz, welches durch eine 1 bis 2zöllige Schieferthonlage in zwei Bänke
geschieden wird, tritt in den Wotwowicer Grubenfeldern überall auf, während
die Hangendflötze hauptsächlich an den Rändern der Mulden öfter fehlen. Die
Mächtigkeit desselben ist variabel, und wächst in der grössten Entwickelung bis
zu 2 Klafter an. Auf dem Untertlötze liegt zunächst die „opuka“ (Wopuka), ein
licht- oder dunkelbraungrauer sehr feinsandiger Schieferthon mit äusserst zarten
weissen Glimmerblättchen, Diese Wopuka, in den dunklen Varietäten bituminös,
besitzt eine ungleiche Mächtigkeit von 6 bis 18 Zoll, fehlt auch stellenweise
gänzlich, und zeichnet sich durch eine eigentümliche Pflanzenführung aus,
daher sie für ein charakteristisches Merkmal des Unterflötzes gilt. Das nächst-
folgende Steinkohlenflötz führt den Namen „Pramen“, und ist 2 bis 3 Fuss
mächtig. Ueber dem Prarnenflötze folgen noch mehrere Hangendkohlenbänke
in Wechsellagerung mit Schieferthonen, zusammen von 2 bis 8 Fuss Mächtigkeit.
Sie erhielten wegen des häufigen Wechsels mit bituminösen Schieferthonen den
Namen „Kanevasi“. Die Schieferthone der Hangendflötze führen gleichfalls
Pflanzenreste, die aber von jenen der Wopuka des Unterflötzes leicht unter-
scheidbar sind; überdiess treten in diesen Schieferthonen Mügeln und Kugeln
von Sphärosideriten auf, deren innerer Kern in der Regel aus einem Agglomerat
von Schwefelkieskrystallen besteht. Auf den Hangendflötzen lagern sodann
unmittelbar Schieferthone, dunkelgrau, meist sandig und glimmerig, in einer
Mächtigkeit von l*/a bis 3 Klaftern. Nur höchst selten fehlen dieselben. Local
tritt über den Schieferthonen noch ein 1 i/2 zölliges Kohlenflötzchen (Skalni pra-
men) auf; in der Regel aber folgen auf dieselben sehr grobkörnige Conglome-
rate mit grossen Gerollen und Geschieben von Quarz, Kieselschiefer und
Thonschiefer, die durch ein thoniges Cement verbunden sind. Diese Conglo-
merate werden nach oben feinkörniger, und gehen wieder in einen dunklen
Sandsteinschiefer über, über welchem endlich nur mehr pelitische Bildungen
abgelagert sind. Letztere, theils Sandsteine, theils Conglomerate, haben vorwal-
tend Kaolin zum Bindemittel.
Die Wotwowicer Steinkohle ist zwar unreiner als jene des Bustehrader
Reviers, indem sie mehr mit tauben Schieferlagen durchzogen ist. Sie hinter-
S6*
442
AI. V. Lipoid.
[12]
lässt daher beim Verbrennen viele Schlacke, entwickelt jedoch bei guter Behand-
lung und entsprechender Construction der Oefen eine bedeutende Hitzkraft, und
wird bei ihrer Wohlfeilheit immerhin mit Vortheil verwendet.
Die im Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt vorgenommene
chemische Untersuchung der Wotwowicer Kohlen, und zwar:
a) aus dem Oberflötze (Bukowka),
b ) „ „ Mittelflötze (Pramen),
c) „ „ Unterflötze — Sohlbank,
d) „ „ — Flicka, —
ergab folgende Resultate:
Wasser in
100 Theilen
Asche in
100 Theilen
Reducirte
Gewich tstheile
Blei
Wriruie-Einheiten
Aequiralent einer
30zölligen Klafter
weichen Holles
sind Centner
a
0-9
13 5
23*60
5785
9 0
b
i *2
28-8
20*20
4563
11*5
c
1*4
26-7
! 20*33
4644
113
d
1*4
17*8
23*23
5254
9*9
kr. Österr. Währ.
Bei dem Werke Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I. waren die Kohlen-
preise an der Grube im Jahre 1859 folgende:
1 Wiener Centner Stückkohle 17
1 „ „ Würfelkohle ...... 8 „ „ „
1 „ „ Kohle zum Kalkbrennen . . 11 „ „ „
1 „ Kleinkohle 3*/3 „ „
1 n n Staubkohle .......1 „ „ n
Die Förderung bei diesem Werke, welche theils durch den 18 Klafter tiefen
Förderschacht, grösstentheils aber durch Stollen, deren es 5 in der Gesammt-
länge von 1021 Klafter gibt, erfolgte, betrug im Jahre 1858 278.863 Centner.
Zur Auffindung der nördlichen und westlichen Fortsetzung der Wotwowicer
Kohlenflötze sind mehrfache Schürfarbeiten in dem Terrain zwischen Wotwo-
wic, Zemech, Slatin und Kolec vorgenommen worden. Die Schichten der
Steinkohlenformation sind in diesem Terrain bestens blossgelegt, besonders in
den Gräben bei Zemech und Blewic. In den von Blewic gegen den Wotwowicer
Rücken ansteigenden Gräben und sogenannten Rachein sieht man mehrseits in
den Kohlensandsteinen schwache und unreine Kohlenflötzchen ausbeissen.
Die Schichten zeigen ein Einfallen von 10 Grad nach Nordosten, und bilden das
Hangende der Wotwowicer Flötze. In den Steinbrüchen zwischen Zemech und
Slatin, nächst welchen ebenfalls Kohlenschiefer zu Tag treten, ist die Ablage-
rung der Sandsteinschichten horizontal, oder kaum 5 Grad nach Nordwest
geneigt. Eben dasselbe ist am linken Bachufer bei Zemech der Fall, wo gleich-
falls pflanzenführende und schwarze Schiefer den Sandsteinen zwischengelagert
erscheinen.
Die Bohrversuehe, die mir aus der Umgebung von Wotwowic bekannt
wurden, sind nachfolgend angeführt:
Von Seite der kaiserlich Wotwowicer Gewerkschaft wurde nordwestlich
von dem Wetterschachte des westlichen Grubenbaues im Juli 1859 eine Boh-
rung (siehe Tafel I, Bohrloch 5) begonnen, und bis zum October 1859 bis zur
Teufe von 73 Klafter 2 Fuss 3 Zoll niedergebracht. Die bis dahin durchbohr-
ten Gesteinsschichten waren:
443
[13]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
Klafter.
Dammerde und Schotter %
Gelblicher Sandstein 18%3
Grauer Sandstein 3
Grober conglomeratartiger Sandstein 223/24
Grober bläulicher Sandstein .... 2Xi/Zi
Milder weisslicher Sandstein .... 65/34
Grauer Sandstein 10
Milder weisslicher Sandstein .... 8
Bläulicher Kohlenschiefer ..... %
Klafter.
Grober weisslicher Sandstein . . . . 37/13
Bläulicher Kohlenschiefer mit lzölliger
Kohle %
Feiner Sandstein iy3
Weisslicher Kohlenschiefer .... 1
Weisslicher Sandstein 35/13
Bläulicher Kohlenschiefer 5/la
Milder weisser Sandstein 99/34
Grober grauer Sandstein 9 • • • ♦ %4
Nächst Zemech wurden von Seite der Kladnoer Gewerkschaft ein Bohrloch
östlich vom Orte, ein zweites nördlich vom Orte, am linken Bachufer, und ein
drittes westlich vom Orte (Tafel I, Bohrlöcher 6, 7 und 8) niedergestossen. Das
erste Bohrloch soll in der 80. Klafter, ohne ein Kohlenflötz durchsenkt zu haben,
das Grundgebirge, und zwar Kieselschiefer, erlangt haben. Das zweite Bohrloch
blieb, nachdem es 87 Klafter tief niederkam, wegen eines Bohrmeiselbruches
resultatlos. Das dritte Bohrloch endlich ergab nachfolgende Schichtenreihe2):
Klafter.
Dammerde und gelber Lehm .... 6 */3
Weisser Sandstein 7a/34
Graublauer Letten mit lözölliger
Kohle 2ay34
Weisser Sandstein und eine 3zöllige
Kluft 3%4
Grauer Letten %3
Weisser Sandstein 7%
Grober weisser Sandstein 1%3
Gelblicher Sandstein 5
Grauer Letten .... *%4
Gelbes Conglomerat 47/i3
Graues immer gröber werdendes Con-
glomerat 1013/34
Feiner grauer Sandstein mit kohligen
Partikeln . . . . 213/34
Gelblichweisser Sandstein 3S/13
Weisses Conglomerat l23/34
Gelblichweisser Sandstein 1 %
Grauer Sandstein mit einem Kohlen-
trümmchen 2Vs
Gelblichweisser Sandstein . . • • • 1 Via
Feiner weisser Sandstein 2%
Grauer Sandstein 11/12
Klafter.
Gelblichweisser feiner Sandstein . . 3l3/24
Grauer Sandstein . 3%4
Gelber grober Sandstein . . • • • • 5/iz
Grauer feiner Sandstein 11/13
Weisser Sandstein 41/34.
Grauer Sandstein 2%
Grauer Letten mit Russtrümmchen . 15/24
Grauer Sandstein 2%4
Derselbe, gröber mit Kohlentrümm-
chen • . f5/13
Weisser Sandstein l15/3.
Gelblicher Sandstein mit Schwefel-
kiesen 2015/34
Grauer Sandstein 2l3/34
Weisser Sandstein 105/34
Grauer Letten . . %
Weisser Sandstein lai/24
Grauer Letten • • • %4
Graulicher Sandstein . . 15/a4
Weisses Conglomerat . . , iViz
Weisser Sandstein ilD/g
Kohlenschiefer mit Kohlen 1
Thonschiefer.
Das Bohrloch erreichte somit in der Teufe von 141 Klafter das Grund-
gebirge.
Von Seite der k. k. Schürfungscommission wurde ein Bohrversuch in der
Thalmulde südlich von Blewic (Taf. I, Bohrloch 9) gemacht. Das Bohrloch, im
Jahre 1844 begonnen, konnte jedoch wegen der Hindernisse, die die damalige
Bohrmethode, — mittelst steifen Bohrstangen, — darbot, nicht zu Ende gebracht
werden, blieb somit resultatlos. Die innerhalb 2 Jahren und 7 Monaten durcli-
Örterten Gesteinsschichten waren nach Herrn Beer’s Vormerkungen:
1) Nach einer späteren Mittheilung des Herrn Berggeschwornen Haw el ist in diesem Bohr-
loche im Monate Jänner 1860 in der 87. Klafter Thonschiefer der Silurformation
erreicht worden, ohne ein Kohlenflötz durchfahren zu haben.
2) Mitgetheilt von Herrn Ingenieur J. Schmidt in Kladno.
444
M. V. Lipoid.
[14]
Klafter.
Alluvium
Fester grobkörniger sehr klüftiger
Sandstein
Kohlensandstein
Grauer Schieferthon
Moorkohle
Grauer Schieferthon ......
Sehr fester Kohlensandstein . .
Grauer Schieferthon
Fester Kohlensandstein . . . . ,
Sandiger Schiefer
. . 3
. • 2“/i*
. . 6V12
• • %
• • Via
. . Va
. . 5 V3
. • Vs
. . 2
• • 2Via
Klafter.
Sandstein mit Conglomcrat wechselnd 547/ia
Schieferthon Vis
Sandstein mit Conglomerat wechsel-
lagernd II Via
Letten von röthlicher Farbe .... 1 6
Bläulich sandiger Schiefer 8‘ 2
Kohlensandstein 4 Via
Schieferthon 2/3
Sandstein 6Via
Bläulich zäher Schieferthon .... 2
Das Bohrloch erreichte nur die Tiefe von 1095/13 Klafter.
In der Thalmulde zwischen Blewic und Slatin wurde durch die fürstlich
Lobkowitz’sche Gewerkschaft ein Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 10) abgesenkt,
welches nach Angaben des Herrn Hawel in der 120. Klafter, ohne Kohlenflötze
durchsunken zu haben, den Kieselschiefer als Grundgebirge anbohrte.
Oestlich neben dem Dorfe Kolec hatte ferner die k. k. Schürfungscommis-
sion tn den Jahren 1849 und 1850 innerhalb des Zeitraumes von 13 Monaten
mit den Kosten von durchschnittlich 34 fl. C. M. per Klafter Abbohrung ein
Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 11 d) geteuft, bei welchem nach Herrn Beer's Bohr-
vormerkungen und nach einem von Herrn Lar eher in Brandeisei mir mitgetheil-
tem Bohrprofile bis zur Teufe von 120 Klaftern folgende Sch ichtenfolge proto
kollirt wurde:
Klafter.
Alluvium und Lehm mit gelbem Sand 4
Weisser Sandstein 223
Schieferthon (rother Letten) . . . . 2%
Grauer Sandstein 35/6
Bläulicher Schieferthon lVs
Grauer Sandstein 62/3
Schieferthon (grauer Letten) ... 2
Kohle V12
Schieferthon (grauer Letten) .... 35/ö
Weisser, grauer und rother Sandstein 67/12
Schieferthon y3
Weissgrauer Sandstein 5%2
Schieferthon (rother Letten) .... 5/24
Rother Sandstein 35/24
Schieferthon (bläulicher Letten) • •
Rother, weissgrauer, grob- und fein-
körniger grauer Sandstein .... 37% 2
Schieferthon (bläulicher Letten) . . 3/s
Grobkörniger Sandstein 55/6
Klafter
Bläulicher und kohlenhältiger Letten-
Schieferthon mit bedeutenden Koh-
lenspuren 135g
Weisser erdiger Letten 4/a
Grauweisser Lettenschiefer .... */i
Conglomerat */*
Kohle Vl
Dunkelgrauer Letten (Kohlenschiefer) s/t
Kohle IV*
Schwarzgrauer Kohlenschiefer ... i 2
Kohle IV»
Grauer Lettenschiefer %
Weissgrauer Lettenschiefer . . . . 35 t2
Grauer Lettenschiefer 17/12
Grauer Lettenschiefer mit Kohlen-
spuren 211/1a
Grauer Sandsteinschiefer i
Tauber Schieferthon (Lettenschiefer) \\z
Thonschiefer 1 2/3
Von diesem Bohrloche 116 Klafter südwestlich entfernt neben dem Dorfe
Kolec wurde von Seite der k. k. priv. Staatseisenbahn-Gesellschaft im Jänner
1857 das Abteufen eines Schachtes (Taf. I, Schacht 6) begonnen. Herr Anton
Lar ch er, Markscheider dieser Gesellschaft in Brandeisei, war so gefällig, mir
über die dort gemachten Aufschlüsse Mittheilungen zu machen, die ich im Fol-
genden benütze.
Mittelst des Schachtes wurde in der 12. Klafter ein kleines Kohlenflötzchen
und im Uebrigen grösstentheils Sandsteine durchfahren. In der Teufe von
65 Klafter erreichte man zwei kohlenführende Lagen von schwarzen Schiefern,
welche sich als Bepräsentanten des im Bohrloche durchsenkten Kohlenfiötzes
erwiesen, da unter denselben bald Thonschiefer und dann Kieselschiefer auftrat.
[IS]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
445
Die schwarzen Kohlenschiefer wurden sodann durch eine fallende Strecke weiter
nach dem Einfallen verfolgt, wobei sich die Kohlenflötze ansetzten, so dass die
Mächtigkeit der obschon noch unreinen Kohle zur Zeit, als die Strecke die Länge
von 87 Klafter erreichte, bereits 14 Fuss betrug. Der Grund- und Aufriss des
Kolecer Schacht-Grubenbaues (Figur B in Tafel IV) versinnlicht den Zusam-
menhang, in welchem die durch die Strecke erreichten Flötze mit den durch
das Bohrloch angebohrten stehen.
Aus dem Aufrisse, in welchem die im Schachte und im Bohrloche durch-
fahrenen Gesteinsschichten bezeichnet sind, ist es ersichtlich, dass man mit dem
Schachte die Kohlenflötze in einer Störung, wahrscheinlich nahe an dem süd-
lichen Ausgehenden derselben, erreichte, und dass dieselben nächst Kolec ein
wahrscheinliches Streichen von Südost nach Nordwest besitzen und nach Nord-
ost einfallen.
Der Kolecer Schacht wurde übrigens in der Dimension von 21/* Klafter
Durchmesser in runder Form angelegt und bis zur Teufe von 56 Klafter mit
wasserdichter Mauerung versehen, wodurch er eine innere Lichte von 2 Klafter
erhielt.
Westlich von dem Dorfe Kolec an der von dort nach Trebusic führenden
Strasse wurde durch die Verwaltung in Brandeisei im Juli 1857 ein Bohrloch
(Tafel I, Bohrloch 11 b) angeschlagen , welches bis Ende des Jahres 1859 die
Teufe von 162 Klafter erreichte. Es durchfuhr Sandsteine und Conglomerate,
stand zuletzt in Conglomeratsandstein an und wird dessen Absinkung fortgesetzt.
Noch ein zweites Bohrloch wurde endlich von der fürstlich Lobkowitz’-
schen Gewerkschaft, nordwestlich vom Dorfe Kolec (Tafel I, Bohrloch 12) abge-
senkt, worüber sich ausführlichere Nachrichten in der „Oesterreichischen Zeit-
schrift für Berg- und Hüttenwesen“, Jahrgang 1858, Seite 331 und 340, mit-
getheilt von dem fürstlichen Schichtmeister Herrn J. P. Wlach, vorfinden. Ich
entnehme den Mittheilungen über dieses höchst interessante 218 Klafter tiefe
und in der böhmischen Steinkohlenformation als das tiefste bekannte Bohrloch,
dessen innerhalb zwei Jahren und zwei Monaten mit einem Kostenaufwande von
15.000 Gulden C. M. erfolgte Abteufung zweihundert verschiedene Arten von
Gebirgsgesteinen durchfuhr, die nachstehende Reihenfolge der Schichten, und
zwar:
Klafter.
Schieferthone verschiedener Nuancen mit einem schwachen Kohlenflötze mit wechseln-
den Kohlensandsteinen , weissgrau, grau, gelb, mit Glimmer- und Kohlenspuren .20%
Sandsteine, grau, bläulichgrau, fein- und grobkörnig mit einer Schichte von bläulich-
grauem Schieferthone 14%
Schieferthone, blau, roth, bläulich, grau mit Glimmer und IKohlenspuren, ein schwaches
KohlenflÖtz, mehr im Liegenden Röthel 13%
Sandsteine, grau, weiss, bläulich, gelb, röthlich, mit 2 Gliedern grauem Schiefer-
thon mit Kalkpartikeln; starke Anzeichen von Bergnaphta 173/12
Schieferthone, blau mit Kohle, bläulichgrau, schwarz mit 2 schwachen Kohlenflötzen,
— dann Sandsteine, grau, röthlichgrau, weiss mit Glimmer, — - endlich Schiefer-
thon, schwarz 10%
Sandsteine, mächtig, blassroth, roth, röthlich, theils fein-, theils grobkörnig, mit
Schwefelkiesspuren und Glimmer . 14%
Sandsteinmugeln, grau mit Glimmer, schalig • V12
Sandsteine, blassroth mit Schwefelkiesspuren, röthlichgrau, röthlichweiss, theils fein-,
theils grobkörnig 911/12
Conglomerat, Conglomeratsandsteine, Sandsteine, blassroth, grau, röthlichweiss, röth-
lichgrau, lichtgrau, abwechselnd fein- und grobkörnig, sehr fest 1823/24
Conglomeratsandsteine, Conglomerat, Sandsteine, grau, weissgrau, kalkspathig, fein-
und grobkörnig, sehr fest 269/24
Sandsteine, weiss mit Glimmer und Kalkspath, Conglomeratsandsteine, grau, weissgrau
mit Glimmer verschiedener Korngrösse 2119/24
446
M. V. Lipoid.
[16]
Klafter.
Conglomeratsandsteine, mächtig, — Sandsteine, weissgrau, grau, weiss, gelb, bläu-
lich, — Schieferthone, bläulich, blau, — darauf Sandsteine, weissgrau mit Glimmer
und Kohlenspuren, dann kalkspathig, fein- und grobkörnig
Kohlenschiefer mit Glimmer
Kohlensandstein, weiss, kalkspathig mit Glimmer
Conglomerat
Schieferthon, weiss-sandig, — hierauf Sandstein, kalkspathig, — dann Conglomerat .
Kohlenschiefer, bläulichschwarz, — Schieferthon, bläulichweiss-sandig, taubenbläulich,
grau-sandig, Conglomerat mit Bleiglanzspuren
Schieferthone, weissgrau, taubengraulichblau, weisslichblau , blau, bläulich, grau,
schwärzlichblau, sandig, taub
Conglomeratsandsteingeschiebe mit Schieferthon, dann sandig, graulichblau, taub . .
Conglomeratsandstein mit Schieferthon, letzterer 3 Fuss mit Kohlenspuren
Schieferthone, blau, sandig, grau, sandig mit Kohlenpartikeln, endlich bläulich und
weissgrau-sandig, mit Thonschiefer wechselnd
Thonschiefer
1S,S24
7/l2
1%
1 2*24
3%*
17
,8/24
*•/!«
Die von Herrn Wlach oben angeführte Bezeichnung „kalkspathig“,
„Kalkspath“ dürfte wohl nur die Structur des den Sandsteinen heigemengten
Minerals ausdrücken und eine Verwechslung mit Feldspath involviren, welchen
ich allerdings häufig und überall als Gemenge der Sandsteine vorfand , während
mir Spuren von Kalkspath nicht bekannt wurden.
b) Umgebung von Bustehrad-Kladno.
Am Wolsaner Bache bei Teinic ist die unmittelbare Begrenzung der Stein-
kohlen- und Grauwackenformation, deren Gesteinsschichten von beiden nach
Nord einfallen, noch sichtbar. Von dort bis Stelcowes ist diese Begrenzung
durch eine 3 bis 4 Klafter mächtige Lössablagerung überdeckt. Dagegen sieht
man bei Rapic wieder die Thon- und Kieselschiefer der Grauwackenformation
unter den Gebilden der Steinkohlenformation zu Tage treten und ein Einschnitt
der Bustdhrader Eisenbahn am Gehänge oberhalb Rapic hat sehr schön die Schich-
ten beider Formationen nebst den Steinkohlentlötzen und dem Hangend-Quader-
sandsteine entblösst. Auch die weitere Grenze der benannten Gebirgsformationen
bis südlich von Kladno ist sichtbar und leicht bestimmbar, doch von dort bis
südlich von Rosdielow durch Quader und Plänersandsteine verdeckt. Von Rosdielow
an bis Ziliria ist diese Grenze nur theil weise durch Löss verdeckt.
Die Bohrversuche, welche zur Aufschliessun^ der Liegendkohlenflötze in
der Umgebung von Bustehrad-Kladno gemacht wurden und die Grubenbaue,
welche bereits auf denselben eröffnet sind, sind von Ost nach West folgende:
Nächst der Brodecer Mühle, westlich von Kolec, sind zwei Bohrlöcher ab-
gesenkt worden. Das erste (Tafel I, Bohrloch 13) durch das k. k. Bergamt in
Brandeisei im November 1850 angelegt und im Mai 1852 beendet, erreichte die
Tiefe von 116 Klafter und zeigte nach Herrn Beer’s Bohrvormerkungen nach-
stehende Reihenfolge der Gebirgsschichten :
Klafter.
Dammerde %
Lehm (Löss) 3
Feiner milder Sand 1 2/s
Grober Sandstein mit Geschieben ... 1
Lettenschiefer mit Kohlenspuren ... %
Weisslicher milder Sandstein . . . . 6%
Weisslich u. gelblich lettiger Sandstein . 4
Grauer Sandstein 8%
Klafter.
Rother Lettenschiefer 22/s
Grauer Sandstein 12%
Weisslichgrauer fester Sandstein . . . 11%
Grauer Kohlensandstein 4 V3
Lettiger Sandstein mit Kohlenspuren . %
Weisser sehr fester Sandstein . . . .31%
Schwärzlicher fester Lettenschiefer . . 27
Thonschiefer mit Quarzspuren .... 1 %
[17] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 447
Ein zweites Bohrloch bei Brodec (Tafel I, Bohrloch 14) hat in der Teufe
von 128 Klafter das Grundgebirge erreicht, aber eben so wenig, wie das erstere,
die Liegendkohlenflötze durchsunken. Dieses vom Bergamte in Brandeisei im
Juli 1856 eröffnete und im Juni 1857 beendete Bohrloch durchfuhr nach dem
von Herrn Lar eher mitgetheilten Bohrprofile folgende Schichten:
Grauen Sandstein .
Denselben mit gelbem Letten ....
Rothen Letten
Grauen Schieferthon
Rothen Letten
Grauen Sandstein
Gelblichrothen Sandstein
Grauen Sandstein
Blauen Letten mit Kohlenspuren . .
Grauen Schieferthon mit schmalen
Steinkohlenflötzchen
Grauen Sandstein
Grobkörnigen Sandstein mit Geschie-
ben von Grauwacke
Röthlichen Sandstein
Grauen Sandstein
Rothen Sandstein mit vielem lettigem
Bindemittel . .
Eisenschüssiges Conglomerat . . . .
Rothen Letten
Sandstein mit rothem Letten und Spu-
ren von Thoneisenstein
Grauen Sandstein mit Geschieben von
Quarz und Grauwacke
Klafter.
ä’Via
lS/l2
3%4
3«/«4
6%
6%4
l7/24
1 3 24
1%4
3V6
215/24
IV12
l15/24
9V24
5/6
33/ia
223/24
1%4
Klafter.
Conglomerat 7/12
Rothen Sandstein 2%
Festes eisenschüssiges Conglomerat . 233/24
Grauen Schieferthon 4%
Röthlichgrauen Sandstein 3%
Grauen Schieferthon . 3y24
Rothen und grauen sandigen Letten . 215/24
Letten mit Sandsteinschichten wech-
selnd 1 2/g
Hellgrauen Schieferthon 3%
Denselben mit Kohlenspuren .... Is/i2
Röthlichgrauen Sandstein 127/i2
Grauen Schieferthon mit Spuren von
Steinkohlen y24
Röthlichgrauen Sandstein 29/24
Grauen Sandstein iy12
Grauen Schieferthon . . 1 3/i 2
Grauen Sandstein 415/24
Röthlichgrauen Sandstein 1719/24
Grauen Schieferthon mit Spuren von
Steinkohlen und rothem Thoneisen-
stein l5/24
Kieselschiefer 25/12
In dem Terrain zwischen Wretowic, Stelcowes und Brandeisei wurden durch
die k. k. Schürfungscommission in dem Jahre 1847 drei Bohrlöcher (Tafel I,
Bohrloch 15, 16 und 17) angelegt, welche sämmtlich keine Kohlen erbohrten.
Das erste Bohrloch durchsenkte bis Jänner 1848:
Klafter.
Dammerde Ve
Gelben losen Sand 2
Gelben Sandstein 4%
Rothgefärbten Sandstein 25/6
Weissgrauen Sandstein 5%
Ziegelrothen Sandstein %
Weissen Sandstein 3
Rothgefärbten Sandstein 233/ia
Klafter.
Grauen Sandstein 88/12
Lettenschiefer V24
Grauen Sandstein 311/24
Schwarzgrauen Lettenschiefer mit
Kohlenspuren 4y12
Weissen Sandstein 2
Grünlichen zähen Lettensehiefer (Thon-
schiefer) 223/24
und erreichte die Tiefe von 62 Klafter. — Das zweite Bohrloch brauchte nur
27 Klafter bis an das Grundgebirge und durchörterte:
Klafter.
Lehm 7 l/3
Grauen Schieferthon mit Pflanzenab-
drücken und Breccien 8ys
Sandstein 3V3
Klafter.
Grauen Lettenschiefer 3y6
Röthel 9/13
Grauen Letten 4
Thonschiefer . . . 5/l2
Das dritte Bohrloch endlich, im Juni 1847 begonnen und im September 1849
beende , verquerte mit der Teufe von 170 Klafter (sämmtlich nach Herrn Beer’s
Vormerkungen) :
K- k. greologiächp Reichsanstalt, 12, Baud, 1861 und 1862, IV. Heft- o7
418
M. V. Lipoid.
Klafter.
Lehm (Löss)
Losen Sand mit Lehm
Bläulichen sandigen Lettenschiefer
Gelben Sandstein
Röthel
Bläulich sandigen Lettenschiefer . .
Gelben Sandstein
Lettenschiefer
Grauen Sandstein
Bläulichen Lettenschiefer mit 2 Koh-
lenflötzchen
Grauen Sandstein
„ Lettenschiefer mit Moorkohle
„. Sandstein
Bläulichen Lettenschiefer
2%
1%
Us
1
iy«
3%
3 Vs
1%
*9/l2
6 f/s
n/l2
4 V»
2%
1 1 8J
Grauen Sandstein
Lettenschiefer mit Kohle . . .
Sandstein
Grauen Lettenschiefer ....
Rothgefärbten Sandstein . .
Lettenschiefer
Kohlensandstein
Lettenschiefer
Grauen feinkörnigen Sandstein
Lettenschiefer
Sandstein mit Kohlenspuren .
Lettenschiefer
Kohlensandstein
Lichtgrauen Lettenschiefer
Thonschiefer
Klafter.
. . 3
. . •/*
. . 18V,
• • V,
• • 127 12
. . IV,
. . 185/|2
- 1 * Via
. . 1
• .23V12
• • 2 Vs
. • 35 V,
Einige hundert Klafter südöstlich vom Dorfe Brandeisei befindet sich der
der k. k. priv. österreichischen Staats Eisenbahn-Gesellschaft gehörige Stein-
kohlenbergbau gleichen Namens. Er wird mittelst zweier Schächte (Tafel I,
Schacht 7) — den „Layer-“ und den „Michael-“ Schacht, so benannt nach dem
verdienstvollen Unter-Staatssecretär Herrn Michael Layer — betrieben. Der
eine dieser Schächte dient zur Wasserhaltung, die mit einer 450pferdekräfligen
Dampfmaschine bewerkstelligt wird, der andere zur Förderung, zu welcher zwei
kleinere Dampfmaschinen dienen. Der Beginn dieses Bergbaues fällt in die
Periode der bestandenen k. k. Schürfungscommission und des k. k. Bergamtes in
Brandeisei und der Michaelschacht wurde bereits im Jahre 1842 angelegt.
Nach einem in dem Archive der k. k. geologischen Reichsanstalt Vorgefun-
denen und zugleich von Herrn Lar eher eingesendeten Schachtprofile sind in
dem Michaelschachte, dessen Abteufung mit mehrfachen Unterbrechungen bis
zur Kohle in der Teufe von 126 Klafter bis in den August des Jahres 1853
währte und im Jahre 1856 bis zum jetzigen Sumpfe gebracht wurde, nachfolgende
Gesteinsschichten durchfahren worden :
Klafter.
Dammerde %
Gelber milder Sandstein 45 6
Lichtgrauer Letten mit einem 6zölli-
gen K o h 1 e n f 1 ö t z c h e n . . . . 25/ia
Weisser feinkörniger glimmeriger
Sandstein 3%
Gelblichweisser feinkörniger glimme-
riger Sandstein l6/la
Gelber grobkörniger Sandstein . . . 74/a
Grauer glimmeriger Sandstein ... 4/a
Gelblichweisser glimmeriger Sand-
stein mit K o h 1 e n s p u re n . . . . S4/a
Grauer Lettenschiefer 2
Weisser glimmeriger feinkörniger
Sandstein %
Grauer Lettenschiefer I1/,
Grauer glimmeriger Sandstein mit
K o h 1 e n s p u r e n 3 %
Conglomeratsandstein 3/s
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . %
Grauer glimmeriger Sandstein mit
Kohlenspuren 2 4/6
Grauer grobkörniger Sandstein ... 4/s
Grauer feinkörniger Sandstein . . . Vi2
Klafter.
Grauer Lettenschiefer I1/«
Kohlen fl ötzchen Via
Dunkelgrauer Lettenschiefer .... V2
Kohle n fl ötzchen %
Grauer Lettenschiefer V,
Sandiger Lettenschiefer l2/3
Grauer grobkörniger Sandstein ... 3
Conglomeratsandstein 4/a
Grauer grobkörniger Sandstein . . . 4%
Grauer Lettenschiefer . i4/a
Weissgrauer feinkörniger Sandstein
mit Kohle ns puren 1%
Conglomeratsandstein 1%
Grauer Lejfenschicfer %
Weisser mittelfeiner Sandstein ... 2
Grauer grobkörniger Sandstein . . . 2%
Lichtgrauer Letten Via
Grauer Lettenschiefer Vs
Schwarzer Lettenschiefer mit Pflan-
zenabdrücken • V,
Kohlen fl ötzchen V12
Schwarzer Lettenschiefer Ve
W eissgrauer feinkörniger Sandstein mit
versteinerten Baumstämmen . . . 1
[19]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theiie des Prager Kreises in Böhmen.
449
Klafter.
Weissgrauer mittelfeiner Sandstein . 6y2
Grauer grobkörn:ger Sandstein . . . 2%
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . 3y3
Grauer mittelfeiner Sandstein . . . 4ya
Grauer Lettenschiefer y3
Weissgrauer feinkörniger Sandstein mit
K o h 1 e n s p u r e n . . . . . . . 1 %
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . 4ys
Grauer grobkörniger Sandstein ... 13
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . 5
Conglomerat ... 1 y3
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . 7
Kolilenflötzchen y6
Grauer Lettensehiefer 13
Sphärosiderit 3/23
Grauer Lettenschiefer i/6
Weissgraner feinkö. niger Sandstein . 5/6
Grobkörniger dichter Sandstein . . . l'/g
Grobkörniger milder Sandstein ... 1
Grauer feinkörniger Sandstein mit
Kohlensehmitzchen iy2
Weissgrauer feinkörniger Sandstein . 2y6
Grauer Lettenschiefer 5/6
Weissgrauer glimmeriger Sandstein
mit 9 bis 11 Zoll Sphärosiderit . . 5/6
Sandiger Lettenschiefer 1 3
Schieferiger Sandstein 2 3
Weissgrauer grobkörniger Sandstein .
Schi efe rkohle
Glanzkohle
Lettiger Sandstein
G I a n zko hl e . .
Feiner lettiger Sandstein
Glanzkohle
Glanz- mit Schiefe rkohle. . .
Schieferkohle
Grauer feiner glimmeriger Letten-
schiefer mit Pflanzenresten ....
Eisenhaltiger Sandstein
Dichter schwärzlichgrauer Sandstein
Grauer Sandstein
Liegendsandstein
Sandstein mit Kalkspathdrusen und
Kieskrystallen
Schiefer kohlen fl ötz
Schwarzer Schiefer mitKohlenschnü-
ren
Schieferiger Sandstein
Grauer conglomeratartiger Sandstein
Sehr schaliger Thonschiefer ....
Thonschiefer mit Quarzadern ....
Sehr fester Kieselschiefer mitweissen
Quarzschnüren
Klafter.
%
3/lS
Vs
Vzi
19/34
%4
V»
17/24
Vs
1%
1%
iy6
i
2%
5/ö
4%
2V3
In diesem Schachte, dessen ganze Teufe 146 Klafter erreichte, wurde im
April 1860, als er bereits die Tiefe von 80 Klafter besass, eine Vorbohrung be-
gonnen, mittelst welcher bereits im August desselben Jahres die später durch-
fahrenen Kohlenflötze erbohrt wurden.
Herr Anton Lareber, Markscheider in Brandeise!, gab mir freundlicbst
den Grubenriss , Profile und Daten über den Brandeiseier Bergbau an die Hand.
Ich habe erstere mit den Grubenrissen und Profilen der Bustehrader, Bapicer und
Kladnoer Bergbaue in Zusammenhang gebracht und zusammen auf Tafel III ver-
zeichnet, um eine Uebersicht über ein grösseres in naher Verbindung stehendes
Kohlenrevier zu liefern.
Die Kohlenablagerung ist im Brandeiseier Grubenbaue nach dem Verflachen
beiläufig 200 Klafter und nach dem Streichen beiläufig 600 Klafter aufgeschlos-
sen. Das Hauplstreichen der Kohlenflötze läuft nach Stunde 7 (O. 16° S.) und
das nördliche Einfallen beträgt in dem östlichen Reviere bei 30 Grad und in dem
westlichen Revier 10 bis 15 Grad.
Auch in dem Brandeiseier Grubenbaue hat man vielfache Störungen der
Kohlenflötze angefahren, wodurch letztere theils nach dem Verflachen, theils
nach dem Einfallen verworfen wurden. Sowohl östlich als auch westlich von dem
Michaelschachte erreichte man mit der Ausrichtung nach dem Streichen drei
Hauptverwerfungsklüfte (siehe Tafel III, Profil AB), welche alle nahe von Nord
nach Süd laufen, theils west-, theils ostwärts unter einem steilen Winke! von
60 bis 70 Grad einfallen, und die Flötze um 3 bis 4 Klafter verschoben haben.
An der dritten Verwerfung ostwärts sind die Ausrichtungsarbeiten einstweilen
sistirt, an der dritten westlichen Verwerfung dagegen sind Ausrichtungsschläge
noch im Betriebe, und wird die Verwerfungskluft daselbst durch ein Steigort
nach aufwärts verfolgt, mit welchem man mehrere Kohlentrümmer erreichte.
(Profil AB, Tafel III.)
450
M. V. Lipoid.
[20]
Auch mit der Ausrichtung nach dem Verflachen hat man mehrfache meist
kleinere Verwerfungen der Flötze angefahren, wie deren die Profile CD und EF
in Tafel III zeigen. Insbesondere hat man mit den Schwebendstrecken, welche
östlich und westlich von dem Schachte dem Verflachen des Flötzes nach auf-
wärts geführt wurden, in einer Entfernung von 50 bis 60 Klafter vom Schachte
eine gänzliche Verdrückung des Flötzes erreicht, welche sich von d<r ersten
östlichen Verwerfungskluft bis an die dritte westliche Verwerfungskluft erstreckt,
mit der sie schliesslich zusammenläuft. CMseits von der ersten östlichen Ver-
werfungskluft hat der Verdruck die erstere nicht durchsetzt, sondern bildet an
derselben, immer mehr nach Süden biegend, die Grenze der Flötzs-hichten
gegen Thon- und Kieselschiefer. Mittelst einer zweiten schwebenden Strecke,
welche 40 Klafter östlich von der ersten östlichen Kluft angelegt wurde und eine
Pfeilerhöhe von 150 Klafter erreichte, hat man an deren Ende einen neuen von
Nordost nach Südwest streichenden Verdruck angefahren, dessen Ausrichtung
im Gange ist.
Zur Eröffnung eines tieferen Ahbauhorizontes wurde im Jahre 1856 der bis
dahin 126 Klafter tiefe Michaelsschacht noch um weitere 20 Klafter vertieft und
von der erreichten Teufe von 146 Klafter ein Querschlag nach Nordosten ge-
trieben. Mit der Länge von 104 Klafter erreichte dieser Zubau im Jänner 1859
das Flötz , und sind seitdem auf diesem unteren Horizonte bereits ostwärts und
westwärts Förder- und Verhaustrecken eröffnet worden (Tafel III). Ein zweiter
Querschlag wurde aus der Teufe von 96 Klafter vom Michaelsschachte aus in
südlicher Richtung im Jahre 1857 begonnen, um durch denselben das durch
ein später zu erwähnendes Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 20) in der 81. Klafter
durchfahrene Kohlenflötz aufzuschliessen. Diese Zubaustrecke, „Rapicer Quer-
schlag“, wurde bereits auf die Länge von 107 Klafter erstreckt, wo sie in
Kieselschiefer anstand. Beide Querschläge sind im Profile CD in Tafel IV
ersichtlich gemacht.
Die Mächtigkeit der gesammten Kohlenablagerung in Brandeisei wechselt
zwischen 2 und 3 Klafter. Die nachfolgende Skizze gibt ein Bild dieser
Ablagerung.
Kohle
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll
Hangendsandstein.
Unreine Kohle
1
#
Tauber Schiefer
#
#
9
Mittelmässige Kohle
1
9
.
#
9
Schieferthon (Vopuka)
9
3
K ohl e (Oberbank)
4
6
#
9
Schieferthon (Vopuka)
.
.
.
.
5
Kohle (Unterbank)
5
10
9
„ (Sohlbank)
Lettenschiefer.
2
•
•
*.
2
3 1
1
•
1
5
2 Klafter 4 Fuss 6 Zoll. ""
Die Steinkohle gibt beim Abbau sehr viel Kohlenklein, zu dessen Verwer-
thung in neuerer Zeit die Briquettes-Fabrication eingeführt wurde. Sie ist
[21]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 451
überdies von sehr verschiedener Güte und im Allgemeinen von minderer Quali-
tät, als die Kohle aus den westlicheren Bergbauen. Die Oberbank liefert bessere
Kohle, die Unterbank im westlichen Felde reine, im östlichen Felde mit tauben
Schiefern durchzogene Kohle. Die Sohlbank besteht nur aus schieferiger Kohle
schlechterer Qualität. Am unteren Horizonte zeigt sich die Kohle reiner, glän-
zend und gegen Westen thei!we:se sehr fest. Die tauben Zwischenmittel —
Vopuka — bestehen aus festen feinsandigen Schieferthonen von grauer Farbe,
und die untere Vopuka bedeckt bisweilen , besonders im östlichen Felde eine
ein paar Zoll mächlige Lage von Sphärosiderit. Dass letzterer auch ober den
Kohlenflötzen auftritt, ist aus dem Profile des Michaelsschachtes zu ersehen.
Die Erzeugung beim Brandeiseier Bergbaue beträgt gegenwärtig 90.000 bis
100.000 Centner Kohle im Monate bei einem Personalstande von 400 Mann.
In der Nähe von Brandeisei sind durch die bestandene k. k. Schürfungs-
commission noch drei Bohrlöcher angelegt worden , um die Fortsetzung der
Bustehrader Flötze aufzuschürfen. Das eine dieser Bohrlöcher (Tafel I , Bohr-
loch 18) befand sich am Wege von Brandeisei nach Trebusic, das andere
(Tafel I, Bohrloch 19) nächst dem Dorfe Wolsan und das dritte zwischen Brand-
eisel und Rapic (Tafel I, Bohrloch 21). Das erste Bohrloch, im Juli 1849 be-
gonnen, wurde im August 1850, nachdem es die Tiefe von 70 Klafter erreichte,
sistirt, nachdem zur selben Zeit die Vorbohrung im Brandeiseier Michaels-
schachte die Kohlenflötze durchfahren hatte und die Fortsetzung des obigen
Bohrloches zwecklos erschien. Es durchsenkte folgende Gebirgsschichten :
Klafter.
Dammerde <3
Gelben Kohlensandstein 6%
Grauen Lettenschiefer mit einem lzölli-
gen Kohl enfl ötzch e n .... 22/3
Grobkörnigen festen Sandstein , . . 4%
Lichtblauen Lettenschiefer 1 %'
Milden Sandstein 8 y3
Grauen Lettensehiefer 4%
Kohlensandstein li%
Klafter.
Grauen Lettenschiefer l2/s
Sandstein 9 Vs
Lettenschiefer %
Sandstein 3 1 Vi 2
Lichtgrauen Thonschiefer ..... 4%4
Kohlensandstein 1 Via
Lettenschiefer 211/24
Kohlensandstein 32/s
Lettenschiefer 37a
Das Bohrloch nächst Wolsan, im Jahre 1848 angelegt, wurde gleichfalls
nicht zum Ziele gebracht und wegen verschiedener Anstände, die sich bei der
Bohrung ergaben , in der 78. Klafter verlassen. Bis dahin wurden in demselben
durchörtert:
Alluvium
Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Weissgrauer Schieferthon
Sandstein
Klafter.
5%
%
%
9
5%
67s
3
SVs
iy6
9
4%
Klafter.
Schwarzgrauer Schieferthon mit Ko h-
lentrümmchen %
Eisenschüssiger sehr fester Schiefer-
thon 5/12
Weissgrauer milder Schieferthon . . 13/24
Feinkörniger glimmeriger Sandstein . 7
Lichtblauer Schieferthon 4Va
Grauer Sandstein in Conglomerat über-
gehend 41 Via
Blauer Schieferthon, anfangs plastisch,
dann sandig 9/i2
Sandstein 49/ia
Das dritte Bohrloch endlich, im August 1847 begonnen, wurde in der
105. Klafter im August 1848 eingestellt, nachdem es bereits in der 50. Klafter
die Rapicer Kohlenflötze und somit seinen Zweck erreicht hatte. Die Reihenfolge
der angebohrten Gesteine war folgende:
452
M. V. Lipoid.
[22]
Klafter.
Dammerde
Loser Sand mit Geschieben . . . .
Weisser und rothgefärbter Sandstein
Lettenschiefer
Grauer Sandstein
Lettenschiefer
Grauer Sandstein
Lettenschiefer
Kohle
Lettenschiefer
Kohle
%
2
3 Vs
2923/84
S11/«
Vs
7-3
5/e
i3/l8
518
Klafter.
Lettenscliiefer 5«
Kohle y„
Bläulicher Lettenschiefer i1/*
Sandstein mit Conglomeratsandstein
wechselnd 8
Schwarzgrauer Lettenschiefer . . . 2312
Grauer Sandstein 41/*
Grauer Lettenschiefer 7i2
Grauer Sandstein 14*3
Letten.chiefer V24
Grauer Sandstein 20l 04
Zwischen diesem Bohrpunkte und Brandeisei ist auch von Seite der Bran-
deiseler Werksdirection im Jahre 1857 ein Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 20) abge-
senkt worden, welches in der 80. Klafter die Kohlenflötze anbohrte, die Tiefe
von 91 Klafter erreichte und nachstehend“ Schichten anfuhr:
Dammerde
Gelben Sandstein
Grauen Schieferthon
Sphärosiderit ...
Grauen Sandstein
Gelben Sandstein ........
Grauen Schieferthon mit Kohlen-
spuren
Grauen grobkörnigen Sandstein . .
„ feinkörnigen Sandstein . . .
Hellgrauen Schieferthon mit Sphäro-
siderit
Dunkelgrauen Schieferthon mit Koh-
lenspuren
Sandsteinconglomerat
Röthlichgrauen Sandstein
Rothen sandigen Letten
Röthlichgrauen Sandstein
Grauen grobkörnigen Sandstein . .
Klafter.
1
1
1
1
^ V 24
4%4
9/l2
12S/24
6y24
23/l8
l19/24
47/t2
IV, 2
2y3
Klafter.
Röthlichgrauen Sandstein und blauen
Letten 2i 9
Grauen feinkörnigen Sandstein . . . 217/24
„ Schieferthon
. • »Via
Rothen sandigen Letten ....
• • l1S/24
Granen S mdstein u. zähen rothen Letten 8%
Rölhlichgranen Sandstein . . .
• • IVs
Granen grobkörnigen Sandstein .
• ■ i"/i*
Conglomeratsandstein
• • 2"/,*
Granen grobkörnigen Sandstein .
- • t*8/l2
Sandstein mitK 0 h 1 e n s p ur e n 2*/2
grobkörnigen Sandstein . . . 4%4
„ Sandstein mitK o h I e ns p u re n 2y2
Kohle und dunkelgrauen Schieferthon l2/3
Schieferthon 3/24
Grauen feinkörnigen Sandstein . . . 53/24
„ Schieferthon mit Kohlen-
spur e n und Sphärosiderit . . . lt9/24
Kieselschiefer %
Westlich an diese Bohrlöcher schliessen sich zunächst die Bustehrad-
Kladnoer grossartigen Steinkohlenbergbaue an. Durch die Gefä'ligkeit der Herren
Director Karl Har tisch und Ingenieur Joseph Schwestka in Rapic, und
der Herren Ingenieure Joseph Schmidt und Emanuel Kl eck a in Kladno,
welche mir Zeichnungen und Daten lieferten , bin ich in die Lage versetzt, über
diese Bergbaue ausführlichere Mittheilungen zu machen und über dieselben in
Tafel III einen Gruben- und Situationsplan, auf welchem auch die Brandeiseier
Gruben verzeichnet sind, nebst Profilen in Tafel IV, beizufügen.
Das Eigenthum der Bustehrad-Kladnoer Kohlenbergwerke ist zwischen
Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I., der Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft
und der k. k. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft getheilt. Auf der Karte, Tafel III,
sind die Grenzen der Grubenfelder dieser drei grossen Kohlenwerksbesitzer ein-
gezeichnet, und daraus zu ersehen, dass der Werkscomplex Seiner Majestät
Kaiser Ferdinand I. zwar ein zusammenhängender ist, jedoch durch das
Hoffnungsschachter Grubenfeld der Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft in zwei
Abbaureviere, in ein Östliches und ein westliches, geschieden wird, — dass
der Besitz der Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft drei getrennte Grubenfelder,
wovon eines in Kladno und zwei in Rapic sich befinden, umfasst, — und dass
[23] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 433
sich der Werkscomplex der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft an die
eben benannten Grubencomplexe im Norden und Osten anschliesst und eine Län-
genausdehnung von mehr als 5.000 Klafter von Ost in West besitzt. Der Kürze
wegen will ich im Nachfolgenden die Grubenbaue Seiner Majestät Kaiser Ferdi-
nand I. mit dem Namen „Bustehrader Baue“, die östlichen Grubenbaue der
Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft, das ist jenen am Witek- und jenen am
Hoffnungsschachte, mit dem Namen „Rapicer Baue“ und den westlichen Gruben-
bau der Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft, so wie jenen der k. k, priv. Staats-
Eisenbahn-Gesellschaft am Thinnfcldschachte bei Kladno mit dem Namen
„Kladnoer Baue“ belegen.
Der Beginn dieser verschiedenen Berghaue datirt aus verschiedenen Zeit-
perioden. Am ältesten sind die Grubenbaue im östlichen Revier der Bustehrader
Baue, welche, hervorgerufen durch die nächst Rapic vorfindigen Ausbisse der
Steinkohlenflötze, bereits im vorigen Jahrhunderte, mit voller Sicherheit in der
zweiten Hälfte desselben, von der Herrschaft Bustehrad betrieben wurden, wie
dies aus einer vorhandenen Urkunde aus dem Jahre 1788 hervorgeht, in welcher
bereits des Gottfried-, Wenzel- und Alt-Josephistollens, so wie eines Grubenbran-
’ des daselbst Erwähnung geschieht. Jedoch erst in den abgelaufenen letzten zwei
Deeennien gelangten die Bustehrader Baue zu dem gegenwärtigen Aufschwünge.
Diesen zunächst im Alter stehen die Rapicer Baue, welche zu Anfang dieses Jahr-
hunderts von W. Czerny eröffnet wurden und im Jahre 1847 in den Besitz des
Wiener Grosshandlungshauses Robert und Comp, übergingen, seit welcher
Zeit das Werk wesentlich vergrössert und verbessert und die Production bedeu-
tend vermehrt wurde. Im Jahre 1857, als die Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft
in’s Leben trat, kamen die Rapicer Baue in den Besitz dieser Gesellschaft. Die
Kladnoer Baue der k. k.priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft haben ihren Ursprung,
wie die Brandeiseier Baue, in den äi arischen Schürfungsarbeiten, welche in
diesem Terrain im Jahre 1842 begonnen haben. Bei der Gründung der Staats-
Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1856 wurden die ehemals ärarischen Baue in
das Eigenthum dieser Gesellschaft abgetreten. Die Kladnoer Baue der Prager
Eisen-Industrie-Gesellschaft endlich datiren von dem Jahre 1846, wo in der
Nähe des Katharinafundschachtes der gegenwärtige Bergwerksdirector der
Gesellschaft, Herr Johann Wä n i a, damals Obersteiger, ein Flötzausgeherides
entdeckte und mit Unterstützung und im Namen des Herrn W. Nowotny von
Prag mittelst des Katharinaschachtes das Steinkohlenflötz entblösste. Herr
Nowotny associirte sich mit den Herren Lanna und Klein von Prag, durch
deren Mitwirkung der Grubenbau die gegenwärtige Ausdehnung erlangte. Auch
dieser Bau trat im Jahre 1857 in den Werkscomplex der Prager Eisen-Industrie-
Gesellschaft.
Der Besitzstand der Bustehrader Baue umfasst einen Flächenraum von
1,757.365 Quadratklaftern. Die Rapicer Baue der Prager Eisen-Industrie-Gesell-
schaft umfassen einen Flächenraum von 770.695 Quadratklafter, die Kladnoer
Baue derselben Gesellschaft einen Flächenraum von 1,163.000 Quadratklafter.
Der Flächenraum des von der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft occupirten
Terrains in der Umgehung von Kladno und Brjjndeisel beträgt nahezu 2,250.000
Quadratklafter, wovon jedoch der bei weitem grössere Theil noch dem Aufschlüsse
entgegensieht.
Das östliche Revier der Rapicer Baue erhielt seinen Aufschluss durch den
Wenzelstollen (Tafel I, Stollen 5) und durch den Witteck- oder Witofkaschacht
(Tafel I, SchachtS). Der erstere ist im tauben Liegenden angeschlagen und
nach Erreichung der Kohlenflöfze fallend fori betrieben ; der letztere erreichte
M. V. Lipoid.
454
[24]
bis an die Kohlenflötze die Teufe von 42 Klafter. Einen Aufschluss für dieses
Revier bietet auch das oben erwähnte ärarische „Rapicer“ Rohrloch.
Der Aufschluss des Bustehrader östlichen Abbaurevieres erfolgte durch
den Josephistollen (Tafel I, Stollen 6), durch den Wenzel- und M. Antonia-
Förderschacht (Tafel I, Schacht 9 und 10), durch den Ludmilla- Wasserhaltungs-
schacht (Tafel I, Schacht 11), durch den Wenzel-Wetterschacht (Tafel I,
Schacht 9, SO. vom Wenzel-Förderschacht) und durch den Kaiser Ferdinand-
schacht und das in demselben abgeteufte Bohrloch (Tafel I, Schacht 12).
Der bereits im Jahre 1823 begonnene Neu-Josephistollen ist im Liegenden
angeschlagen und durchfährt vom Mundloche weg den Thonschiefer, dessen Ein-
fallen mit 24 Grad gegen Nordwest zu beleuchten ist, auf 34 Klafter Länge.
Figur 2 gibt ein Bild der weiters mit diesem durchaus fallend getriebenen Stollen
durchquerten Gebirgsschichten.
F*g. 2.
Der auf den Thonscliiefer folgende Kieselschiefer besitzt eine Mächtigkeit
von 16 Klafter und die Schieferthone der darauf folgenden Steinkohlenformation
bis zum Grundflötze die Mächtigkeit von 9 Klafter. In der 180. Klafter erreichte
der Stollen im Jahre 1828 die Unterbank des ersten Hauptflötzes.
Der im Jahre 1845 abgeteufte Wenzel-Förderschacht durchquerte bis zu
seiner Teufe von 423/3 Klafter:
Klafter
^ § _• ( Plänersandstein 4
ri « ^ ) Blaugrauen Letten .... 2
* S j Quadersandstein 3
( Letten * . . */i2
Kohlensandstein und Conglonierat . .11
Klafter.
Grauen Letten */*
Sandstein und Conglomerat .... 15% a
Schieferthon 3
Kohlenflötz 4
und steht in Schieferthon an.
In dem in den Jahren 1840 und 1841 abgesenkten Maria Antonia-Förder-
schachte, welcher die Teufe von 68 ya Klafter erreichte, wurden durchfahren:
1 § ig ( Plänersandstein
.*2 ’« 53 ) Blauer Letten .
£ E ;£ ) Quadersandstein
( Letten ....
Kohlensandstein ....
Conglomerat
Sandstein
Conglomerat
I^after.
4
5
%
4
%
10
3
Klafter.
Letten mit Kohlenspuren y3
Sandstein 20 y3
Schieferthon 5/6
Kohlenflötz 33/3
Weisser sandiger Schieferthon ... 8
Grundflötz 3
Schieferthon 2 V*
[25] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theiie des Prager Kreises in Böhmen. 455
Der Ludmilla-Wasserhaltungsschacht, der älteste Schacht im ganzen Reviere,
da er schon im Jahre 1822 angeschlagen wurde, obschon erst im Jahre 1838
die Kohlenflötze und im Jahre 1847 die gegenwärtige Teufe erreichte, durch-
örterte folgende Gesteinsschichten bis zur ganzen Teufe von 813/34 Klafter:
Klafter.
6
Klafter.
Blauen Schieferthon 3
Feinen milden Sandstein 3
Grobkörnigen Sandstein und Conglo-
merat 519/34
Dichten Sandstein 10
Kohle, unrein, ohne Lagerung ... 1
Thonschiefer 21%
TT (? ,. C Plänersandstein
Kreideformation Dl , ,.
14% Klafter < B'auen Letten . . oy3
a { Quadersandstein . 3
Steinkohlenformation 4
Rothen Letten 1
Dichten Sandstein 4
Festen grauen Schieferthon .... 4%
Grobkörnigen Sandstein 7
Der Wenzel-Wetterschacht besitzt nur 27 Klafter Teufe.
Mittelst des Kaiser Ferdinandschachtes sollen die Kohlenflötze in dem nörd-
lichen Theiie des Grubenfeldes aufgeschlossen werden. Er steht noch in Absinkung
und ist bis jetzt 90ya Klafter tief. Durch eine Vorbohrung in diesem Schachte,
welche bis in die Teufe von 164 Klafter gebracht wurde, hat man in der
151. Klafter vom Tagkranze die Kohlen erreicht. Die Mächtigkeit der einzelnen
im Schachte und Bohrloche durchfahrenen Schichten betrug:
Klafter.
Blauer Letten 4%
Quadersandstein 2%
S TS ] Grauer Letten %
fco & < Schwarzer Letten 1
Quadersandstein 4
Letten 2
Eisenschüssiger Sandstein . . . 1%
Steinkohlensandstein 1
Conglomerat 1
Eisenschüssiger Sandstein 3V3
Grauer Letten 1
Fester feinkörniger eisenschüssigerSand-
stein 2 Vs
Weisser Letten 1
Fester feinkörniger Sandstein .... 3%
„ grobkörniger Sandstein .... 1%
Im Bohrloche:
Klafter.
Weisser feinkörniger Sandstein ... 1
Schwarzer Letten %
Grauer feinkörniger Sandstein .... 2
Conglomerat l9/a4
Quarziger Sandstein 2/$
Feinkörniger Sandstein 4%
Blaugrauer Schieferthon %
Milder feinkörniger Sandstein .... 2V3
Schieferthon 1%
Feiner milder Sandstein 4%
Kohlenhältiger Sandstein %
Grobkörniger Sandstein in Mügeln . .1%
Feiner milder Sandstein 15/13
Quarziger milder Sandstein 45/34
Fester grobkörniger Sandstein . . . .6%
Klafter.
Grauer Letten %
Grobkörniger Sandstein 5
Feinkörniger Sandstein 11 %
Blauer Schieferthon 1%
Grobkörniger Sandstein 7%
Grauer Schieferthon 7
Grobkörniger Sandstein 2
Schwarzer Schieferthon mit Kohlen-
spuren 1
Conglomerat .
Feinkörniger Sandstein . . .
Schieferthon mit Kohlenspuren
Fester feinkörniger Sandstein
„ grobkörniger Sandstein
2%
3
1
4
6%
Klafter.
Feiner milder Sandstein %
Conglomerat 2
Feinkörniger Sandstein 4t9/34
Schwarzer Schieferthon 1
Sandstein mit Kohlensehmitzchen . . . 79/13
Schieferthon 1
Conglomerat 919/24
Schieferthon l%»t
Kohle, reine 9/i3
Kohlenschiefer 1%4
Kohle, rein %a
Schieferthon 35/6
Kohle, unrein l17/24
Schwarzer Schieferthon 2/3
Thonschiefer 419/34
Das westliche Abbaurevier der Rapicer Baue wurde durch mehrere Stollen,
Bohrlöcher und Schächte aufgeschlossen, die in Tafel I und III verzeichnet sind,
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 18G1 und 1862. IV. Heft. 38
456
M. V. Lipoid.
[26]
von denen jedoch nur der Ludwigsschacht (Tafel I, Schacht 14) und der Gut-
Hoffnungsschacht (Tafel I, Schacht 15) in Benützung stehen. Zu diesem Reviere
muss auch der südlich vom Ludwigsschachte befindliche Bustöhrader Johanni-
schacht (Tafel I, Schacht 13) gezählt werden, der bis an den Thonschiefer nur
die Tiefe von 22*^ Klafter erlangte und folgende Schichtung aufdeckte:
Grobkörnigen Sandstein ....
Klafter.
• • 2%
Letten mit Kohle
Grobkörnigen Sandstein ....
. . 2 *
Feinkörnigen Sandstein
. • V»
Grobkörnigen Sandstein ....
• • 9/l2
Weissen feinkörnigen Sandstein .
• .2%
Grauen grobkörnigen Sandstein .
. . 6
Feinkörnigen Sandstein ....
. • y«
Klafter.
Conglomerat l*/i*
Grobkörnigen Sandstein l*/i2
Conglomerat %
Grobkörnigen Sandstein mit Conglome-
rat 1%
Kohlenflötz 1 1 Via
Thonschiefer.
Der Ludwigsschacht besitzt die Teufe von 67 Klafter, der nördliche von
demselben befindliche Josephischacht jene von 3 5 1 / 2 Klafter und der Hoffnungs-
schacht jene von 85a/3 Klafter. In letzterem fand sich folgende Reihenfolge der
Gebirgsgesteine vor:
Klafter.
Dammerde Vi2
Feiner Sandstein . . 1%
Rother Letten . . . 3/ia
Gelber Sand . . . . 1%
Grauer Letten . . . 2%
Gelber und grauer Kohlensandstein . . —
Röthlicher und weisser Kohlensandstein 5%
Schieferthon 1V3
Kohlenfl ötzchen %2
Grauer Sandstein 1 %
Schieferthon 5/12
Lichtgrauer Letten 2%
Weisser und röthlicher Sandstein . . . 2%
Grauer Schieferthon %
„ und röthlicher Sandstein . . . 7Vi2
„ Schieferthon %
Sandstein mit Conglomeratsandstein und
Kohlenspuren 5a/3
Schieferthon la/3
Klafter.
Grauer Sandstein mit Conglom. wechs. 8912
Röthlicher Sandstein a/3
Grauer Sandstein 25/«
Letten, widersinnisch einfallend . . . Via
Conglomeratsandstein mit Kohlenspuren 1%
Feiner grauer Sandstein 37/ia
Conglomeratsandstein 1 9/i a
Violetter Sandstein */%
Grauer Sandstein mit Conglomeratsand-
stein 9%
Grobes Conglomerat 9/ia
Feineres Conglomerat la/3
Rother Letten V«
Conglomeratsandstein 65/i 8
Kohle, Hauptflötz nebst Zwischenmitteln 4%
Lichtgrauer Schieferthon mit Sphärosi-
deritblöcken 6%
Kohle, Grundflötz, schieferig .... 2
Thonschiefer.
Kreideformation
6Via Klafter
Der Aufschluss des Bustehrader westlichen Abbaurevieres geschah durch
die Maria Anna- und Prokopi-Förder- und Wasserhaltungsschächte (Tafel I,
Schacht 16 und 17) und durch mehrere Bohrlöcher. Der im Jahre 1842 be-
gonnene und im Jahre 1850 beendete Maria Annaschacht erreichte mit der
Teufe von 707/12 Klafter den Thonschiefer, nachdem er folgende Schichten
durchsenkte:
Klafter.
Diluviallehm (Löss) 6
Grobkörnigen Kohlensandstein . . . 29/13
Dichten feinkörnigen Sandstein . . . 189/12
Grobkörnigen Sandstein 3%
Schieferthon 21/a
Grobkörnigen Sandstein 14%
Grauen Letten . %
Grobkörnigen Sandstein 12s/i z
Conglomerat 2%
Grobkörnigen Sandstein 2
Conglomerat 2
Schieferthon Via
Kohlenflötz 3%.
Thonschiefer.
[27] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 457
Im Prokopischachte, welcher im Jahre 1855 angeschlagen und im Jahre
1858 vollendet wurde, und weicher die Teufe von 1 12«/10 Klafter besitzt *)*,
wurde folgende Schichtenreihe beleuchtet:
Grobkörniger eisenschüssiger Sand-
stein
Grauer Letten
Feinkörniger fester Sandstein . . .
Grobkörniger Sandstein
Grauer Letten
Grobkörniger Sandstein
Feinkörniger Sandstein
Grobkörniger Sandstein
Schieferthon mit 3zölliger Kohle . .
Feinkörniger Sandstein
Grobkörniger Sandstein
Feinkörniger Sandstein
Blaugrauer Schieferthon
Feinkörniger Sandstein
Conglomerat
Grauweisser Schieferthon
Feinkörniger Sandstein
Grobkörniger Sandstein
Grauweisser Schieferthon
Feinkörniger Sandstein
Mergeliger Sandstein
Feinkörniger Sandstein
Grobkörniger Sandstein
Conglomerat
Feinkörniger Sandstein
Grauer Schieferthon
Feinkörniger Sandstein
Conglomerat
Klafter.
4
3
%4
%4
IVs
4%
*7»
S%4
1%4
2%4
2
1%
l5/24
ö/24
*y.
%
V2
2
y2
i%4
3%4
1
19/24
V»
2
7l«
Fein- und grobkörniger Sandstein . .
Conglomerat
Feinkörniger Sandstein
Conglomerat
Fein- und grobkörniger Sandstein
wechselnd
Conglomerat
Grobkörniger Sandstein
Conglomerat
Schieferthon
Feinkörniger Sandstein mit 3zölliger
Kohle
Sandstein . . .
„ mit Kohlenschmitzchen . .
Feinkörniger Sandstein
Schieferthon
Conglomerat
Feinkörniger Sandstein
Grobkörniger Sandstein
Schwarzer Schieferthon
Conglomerat mit 3zölliger Kohle . .
Sandstein
Conglomerat mit Kohlenspuren . . .
„ ohne Kohlenspuren . .
Schieferthon
„ kohlenhältig
K ohlenfl ötz
Schieferthon.
Klafter.
4*/«*
S/24
Vl2
5%
1
Va
4
iVl2
53/l2
7*%4
17/24
2
7/24
3«/.*
1
45/24
5/l2
3%
ö/24
5/l2
15/24
Va
V24
5%4
Oestlich und südlich von diesen Schächten sind mehrere Bohrlöcher abge-
teuft worden, welche die Steinkohlenformation bis zum Thonschiefer durchsenk-
ten, ohne Kohlenflötze erbohrt zu haben. Das eine derselben (Tafel I, Bohr-
loch 22) erreichte in 56 Klafter, ein zweites östlicheres in 60 Klafter das Grund-
gebirge. Auch nördlich und westlich von dem Prokopischachte wurden Bohrungen
vorgenommen, und ein Bohrloch nächst dem Dorfe Duby (Tafel I, Bohrloch 23),
ein zweites nächst dem Dorfe Aujezd (Tafel I, Bohrloch 24) abgeteuft. Das
erstere durchsenkte:
Moorgrund und Sand ....
Klafter.
• • • 2%
Festen Sandstein
- • 8%
Weissgrauen Letten ....
. . . 2%
Festen Sandstein
. • • 3Va
Blaugrauen Letten
. . . 2
Festen Sandstein
. . . 399/ia
Weissgrauen Schieferthon . .
• • • 1%
Klafter.
Sandstein mit Conglomerat wechselnd 4211/1S
Schwarzgrauen Schieferthon .... 5/la
Sandstein und Conglomerat .... 5%
Schwarzen Kohlenschiefer 2
Kohl enfl ötz 3%
Kohlenschiefer 1 %
Thonschiefer 2
und erhielt somit die Tiefe von 1 1 6 11/12 Klafter. Im Bohrloche bei Aujezd, wel-
ches mit 1 03 a/3 Klafter bereits im Thonschiefer war, wurden folgende Gesteins-
arten gelöffelt:
*) Die Kosten des Abteufens dieses Schachtes berechneten sich in Allem und Jedem im
Durchschnitte ungefähr mit 400 Gulden C. M. per Klafter.
58
458
M. V. Lipoid.
[28]
Klafte «;
Diluviallehm (Löss)
Steinkohlensandstein
Blauer Letten
Sandstein
Blauer Letten
Weissgrauer Sandstein
Grauer Letten
Blau grauer Sandstein
„ Schieferthon
„ Sandstein
„ brüchiger Schieferthon .
Weisser fester feinkörniger Sandstein
„ grobkörniger Sandstein und
Conglomerat
2
5
Vs
1
1 6
6%
iy«
13
‘Via
2
3
1
12
Klafter.
Blaugrauer brüchiger Schieferthon . l‘s
Grauer Sandstein .... «... 4
„ Schieferthon mit Kohlenspuren 1
Weissgrauer Sandstein 3
Grauer Schieferthon 9/lg
Fester Sandstein, mittelkörnig ... 16
Schwarzer Schieferthon %
Grauer sehr fester Sandstein .... 155/6
Schwarzer Schieferthon \z
Conglomerate 41/*
Schieferthon 2ys
Kohlenschiefer i\6
K o h 1 e n f 1 ö t z 2 ya
Thonschiefer 2*/«
Einen noch nördlicher gelegenen Aufschlusspunkt für dieses Revier wird
der Sophienschacht (Tafel I, 18) bilden, welcher noch im Abteufen stehet, und
muthmasslich die Tiefe von 150 Klafter erlangen wird.
Die Kladnoer Baue wurden mittelst der Katharina-, Wenzel-, Layer-, Thinn-
feld-, Kübeck- und Franzschächte (Tafel I, Schacht 19, 20, 21, 22, 23 und 25)
aufgeschlossen, und das westlichere Revier dieser Grubenfelder mittelst mehre-
rer Bohrlöcher und Schächte näher untersucht.
Der im Jahre 1846 abgeteufte Katharina-Fundschacht erreichte nur die
Teufe von 12 Klafter und in derselben das Ausgehende der Kohlentlötze. Im
Wenzelschachte1) wurden bis zu der Teufe von 68 Klafter durchfahren:
Klafter.
Gelber Sandstein, tiefer grobkörnig
mit VaZoll mächtigen Kohlentrümm-
chen
Weisser feuerfester Letten
Grauer grobkörniger Sandstein . . .
Weisser Letten
Feiner grauer Sandstein
Bläulicher Letten
Grauer Sandstein
Bläulicher Letten
Grauer Sandstein mit Conglomerat .
Conglomerat
Grauer Sandstein
Conglomerat
Grauer Sandstein
Schwarzblauer Schieferthon mit Pflan-
zenresten und Kohlentrümmchen .
Weisser Sandstein
9y3
5/6
*5/6
V«
6%
5/e
6V3
2/3
Vs
Vs
Va
72/s
1%
%
Schwarzblauer Schieferthon ....
Weisser Sandstein
Schwarzblauer Schieferthon ....
Grauer Sandstein mit Kohlenflötzchen
Weisser Sandstein mit Kohlentrümm-
chen
Weisser Sandstein ........
Conglomerat
Klafter-
Via
Vit
Via
6Vl2
V«
3y6
Ve
EisenschüssigerSandst.(„Eisendeckelw)
Schwärzlicher Schieferthon mit meh-
reren Kohlenflötzchen . . .
• • • 2f/s
Eisendeckel
Weisser Sandstein
• • • 1%
„ Letten
Conglomerat
... %
Harter Brandschiefer . . . .
Kohlenflötz
Schieferthon.
. . . 39/ia
Der zwar schon im Jahre 1847 angebrochene, aber nach einer Sistirung des
Abteufens bis zum Jahre 1855 erst im Jahre 1857 vollendete Layerschacht eröff-
nete bis zu seiner Teufe von 128 Klafter folgende Gesteinsschichten:
Klafter.
Sandstein mit Kugeln bis zu 4 Zoll
Durchmesser 3*%4
Weissen schieferigen Sandstein ... Vs
Gelben und röthlichen Sandstein . . 15
Grauen Sandstein %
Blauen Schieferthon 3/34
!) Der Wenzelschacht wurde am i. Mai 1847 begonnen und Ende März 1849 bereits in der
Teufe von 66 Klafter im Kohlenflötze das Füllort ausgebrochen. Noch im Jahre 1849
wurden daraus 290.600 Centner, im darauffolgenden Jahre 1850 bereits 694.500 Centner
Kohlen gefördert.
[29]
Das Sfeinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises im Böhmen. 459
Klafter.
Grauen Sandstein
Weissen schieferigen glimmerigen
Sandstein %
Grobkörnigen grauen Sandstein mit
Kohlentrümmchen 4%
Grobkörnigen Sandstein mit Conglo-
merat Vs
Blaugrauen Letten %
Dichten grauen Sandstein mitKohlen-
trümmchen 3y3
Feinen, schieferigen glimmerigen
Sandstein 2%
Grobkörnigen Sandstein mit Letten-
lagen 3
Schieferthon mit Pflanzenabdrücken
und Kohlentrümmchen 1
Groben grauen Sandstein 4%
Feinen dichten „ Ve
Groben Sandstein mit Conglomerat . 3
Schwarzen Schieferthon V24
Grobkörnigen Sandstein s/3
Blauen Schieferthon mit Pflanzenab-
drücken iy3
Grobkörnigen Sandstein mit Kohlen-
trümmchen und Lettenlagen . . . 23/3
Gestreiften, blauen und grauen Schie-
fe rthon 314
Dichten grobkörnigen Sandstein mit
Kugeln bis zu 8 Zoll Durchmesser . 3
Weissen Sandstein, Conglomerat und
ein Kohlentrümmchen 5
Grobkörnigen Sandstein 25/13
Kohlenflötzchen y13
Dichten Sandstein mit Conglomerat . iy6
Eisenschüssigen Sandstein mit Ab-
drücken Via
Grauen Schieferthon 13/13
Klafter.
Grauen Sandstein mit Kohlentrümm-
chen und Conglomerat 3
Sandstein, abwechselnd mit Conglo-
merat und Lettenschichten . . . 3%
Conglomerat mit Kohlentrümmchen
und Pflanzenabdrücken 2%
Groben Sandstein mit Conglomerat . 4
Sandstein mit Kohlentrümmchen . . 7
Grobes Conglomerat \
Feines Conglomerat 6%
Graublauen Kohlenschiefer mit Pflan-
zenabdrücken 23/s
Feinen weissen Sandstein 3
Schieferthon mit Pflanzenabdrücken
und 3 Kohlentrümmchen 1
Feinen, rothgesprenkelten Sandstein 6y3
Conglomerat 2
Grauen Schieferthon V3
Reinen grobkörnigen Sand . . . . . iy3
Weissen feinkörnigen Sandstein . . 3%
Grauen schieferigen glimmerigen
Sandstein mit Kohlenspuren ... 1
Weissen feinkörnigen Sandstein ... 1
„ grobkörnigen Sandstein . . 4
Feinkörnigen glimmerigen schieferigen
Sandstein mit Pflanzenabdröcken . 2V3
Feinkörnigen glimmerigen schieferigen
Sandstein V3
Conglomerat %
Blaugrauen glimmerigen Schieferthon
mit Abdrücken von Pflanzen ... 1
Grauen feinkörnigen Sandstein mit
Abdrücken von Pflanzen y3
Grauen Schieferthon 1
Kohlen fl ötze mit Zwischenmitteln 6 y6
Grauen Schieferthon.
Mittelst des Thinnfeldschachtes, welcher im Jahre 1854 in 147 Klafter
Tiefe die Kohlen erreichte und in die Teufe von 153 Klafter niedergeht, hat man
durchfahren :
Dammerde
Lockeren gelben Sandstein
Festen Sandstein
Grobkörnigen weissen Sandstein . .
Blaugrauen Schieferthon
Weissen, fein- und grobkörnigen
Sandstein .
Conglomerat
Weissen grobkörnigen Sandstein . .
99 „ „ mit
Letten
Biaugrauen Schieferthon
Kohlenflötzchen
Weissen lockeren Sandstein . . . .
„ dichten Sandstein
Schwarzen Letten
Weissen feinkörnigen Sandstein . . .
„ grobkörnigen Sandstein mit
Letten
Dichten feinkörnigen Sandstein . . .
Klafter.
Vs
3%
5/l2
eyi2
3%
Zi/i2
7/l2
l5/6
iy6
V24
%4
%
4
%
1
5/l2
%
Klafter.
Weissen grobkörnigen Sandstein . . 2
Grobkörnigen Sandstein mit Conglo-
merat 13i/13
Blaugrauen Letten iy6
Grauen grobkörnigen Sandstein . . . 5%
Letten mit Kohle %
Grobkörnigen Sandstein mit Conglo-
merat . . 10%
Letten y6
Feinkörnigen Sandstein : 3/34
Blaugrauen Schieferthon mit Kohlen-
trümmern 69/34
Grobkörnigen Sandstein mit Conglo-
merat und Lettenputzen . . . . . 12
Grauen Schieferthon 1%
Grobkörnigen Sandstein mit Letten-
putzen 4
Grobkörnigen Sandstein mit Conglo-
merat 5
Sandstein 19y6
460
M. V. Lipoid.
[30]
Schwarzgrauen sandigen Leiten .
Klafter.
. . 2%
Grauen grobkörnigen Sandstein .
• • 27s
„ schieferigen Sandstein .
. . 1
Kohlenflötzchen
• • Via
Lettensehiefer mit Sphärosiderit
• • 1 %
Kohlenflötzchen
• • Vi z
Grauen grobkörnigen Sandstein .
• • 7%,
Schwarzgrauen Schieferthon . .
• • 1%
Eisenschüssigen Sandstein . . .
• • %
Sandstein
. . 5*%*
Klafter.
Sandstein schieferig und glimmerig . 1%
Grobkörnigen Sandstein, zunächst mit
Lettenputzen, dann in Conglomerat
übergehend 101/*
Sandigen Schieferthon 2%
Kohlen fl ötze mit Zwischenmitteln 6%
Sandigen Schieferthon y12
Eisenhaltigen Schieferthon 1%
Weissen schieferigen Sandstein ... %
Der tiefste der Kladnoer Schächte, der Kübeckschacht, welcher im März
1868 in 179 Klafter Tiefe die Kohlen anfuhr und die Teufe von 187 Klafter
besitzt, entblösste nachstehende FoJge der Gesteinsschichten:
Klafter.
Dammerde 1
Plänersandstein 1%
Blaugrauen Letten 3
Eisenschüssigen Sandstein . . • • • */»
Gelben und röthlichen Sandstein . . 4%
Sandigen Letten . . . 1%
Weissen festen Sandstein 221/24
Grobkörnigen Sandstein 3 Vs
Letten . . 8/24
Weissen grobkörnigen Sandstein mit
Conglomerat 41/i2
Blaugrauen Schieferthon 45/12
Grobkörnigen Conglomerat-Sandstein 2y12
Grauen sandigen Schieferthon . . . 1%
Weissen feinkörnigen festen Sandstein 5y2
Grauen zähen Letten 2ye
Feinkörnigen festen Sandstein . . . 5%
Grauen schieferigen .Sandstein . . . 8%
Feinkörnigen festen „ ... 4ys
Schwarzen Letten 1%
Weissgrauen Sandstein mit Letten-
putzen und Conglomerat .... 10%
Grauen Sandstein %
Weissgrauen Sandstein mit Letten-
putzen und Conglomerat 12s/12
Klafter.
Lettenschiefer
Feinkörnigen Sandstein mit Kohlen-
spuren
Schwarzgrauen Schieferthon mit Koh-
lenspuren
Weissen Sandstein
Letten
Weissen Sandstein
Schieferthon
Grauen Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Letten
Sandstein
Schieferthon
Sandstein
Grauen Schieferthon
Sandstein
Grauen Schieferthon
Sandstein . . .
Grauen Schieferthon
Sandstein
Letten
Kohlenflötz
Grauen Schieferthon
11%*
IVa
3
%
13%
1%
%
5%
%
17%
%
1%
2%
7%
1%
6%4
1
17*%4
V«
5%
Vs
Der Franzschacht endlich, zunächst der Stadt Kladno und westwärts von
den vorbenannten Schächten befindlich, im Jahre 1848 begonnen und im Jahre
1852 beendet, und 96 Klafter tief, hat folgende Schichtenreihe aufgedeckt:
Klafter.
Dammerde %
Sandstein 6
Blauen Letten mit Kohlenspuren . . 2
Weissen grobkörnigen Sandstein . . 1
Gelblichweissen lockeren Sandstein . 87/24
Blauen Letten, dann Schieferthon . . 28/|2
Grauen grobkörnigen Sandstein . . . 4%
Blaugrauen glimmerigen Schieferthon 2yla
Glimmerigen Sandstein mit Pflanzen-
abdrücken 2 Via
Blaugrauen Schieferthon %
Weissgrauen glimmerigen feinkörnigen
Sandstein mit Kohlenspuren ... 4
Blaugrauen Letten . . . ..... Via
Weissen Sandstein 1%2
Conglomerat 4
Klafter.
Grauen feinkörnigen Sandstein ... i2/s
Weissen Sandstein mit Conglomerat . 5%
Blaugrauen Schieferthon mit einem
4zölligen Kohlenflötzchen und
Pflanzenabdrücken 2ys
Weissen grobkörnigen Sandstein . . 1%
Conglomerat 3%
Weisslichen glimmerigen Sandstein . 4y2
Grauen feinkörnigen Sandstein . . . 4ys
Conglomerat 1%
Graulichen feinkörnigen Sandstein . 3y8
Blaugrauen glimmerigen „ . 2%
Weissen Sandstein ..... . . Vs
Schieferthon 7/12
Blaugrauen Schieferthon mit schali-
ger Absonderung 1*4*
[31]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
461
Klafter.
Weissen Sandstein 5/ia
Blaugrauen glimmerigen Schieferthon
mit einzelnen Pflanzenresten . . . Q7/n
Schieferthon mit Kohlentrümmern . . a/3
Eisendeckel V12
Schieferthon l/3
„ (vulgo Midlaky) ... %
Weissen glimmerigen Sandstein . . 2 19/34
Graulichweissen Sandstein mit Con-
glomerat 3%4
Conglomerat mit Schwefelkiesen . • %
Klafter.
Blaugrauen Sehieferthon mit Pflan-
zenabdrücken 28/34
Kohlenflötzchen %
Blaugrauen Schieferthon l%a
Glimmerigen Schieferthon %
K ohl e nflötz mit Zwischenmitteln . 4
Blaugrauen Schieferthon mit Ab-
drücken l1,/i3
Kohlenschiefer Via
Sandstein 6/13
Zur weiteren Untersuchung dieser Kohlenablagerung wurde bereits durch
die k. k. Schürfungscommission bei dem Dorfe Motycfn ein Schurfschacht (Tafel I,
Schacht 24) angelegt, in der Folge jedoch dessen ferneres Abteufen sistirt.
Nördlich von der Stadt Kladno ober „Prühon“ wurde im Jahre 1850 durch das
ehemalige k. k. Bergamt in Brandeisei ein Bohrloch angelegt (Tafel I, Bohr-
loch 25), welches im Jahre 1852 die Kohlenflötze in der Teufe von 156 Klafter
anbohrte und die Tiefe von 164 Klafter erreichte. Nach Herrn Beer's Bohrvor-
merkungen wurden in diesem Bohrloche durchfahren:
Klafter.
Dammerde %
Gelber und milder Sandstein .... 6
Grauer, dann rötblicher Lettenschiefer 2%
Meist gelblicher Sandstein 14%
Grauer Lettenschiefer 3%
„ Sandstein 2%
Lettenschiefer 3%
Grobkörniger Sandstein 4%
Lettenschiefer 3%
Sandstein 7%
Lettenschiefer iy3
Kohlenflötzchen s/34
Lettenschiefer IV24
Sandstein 3
Lettenschiefer mit Röthel 1%
Fein- und grobkörniger Sandstein . . 9%
Lichtgrauer Lettenschiefer %
Sehr fester Sandstein 4%
Lettenschiefer mit 3zölligen Kohlen-
schmitzen %
Grobkörniger fester Sandstein ... 3
Lettenschiefer %
Fein- und grobkörniger Sandstein . . 15%
Grauer Lettenschiefer 1 Vs
Klafter.
Grauer Sandstein 4
Schwarzgrauer Lettenschiefer ... 1%
Feinkörniger Sandstein . . . . . . 2%
Glimmerreicher Lettenschiefer mit
Kohlenspuren . . 5/«
Lettiger Sandstein ... .... 11%
Grauer Lettenschiefer 1 Vs
Fester Conglomerat-Sandstein . . . 2%
Glimmeriger Lettenschiefer .... 3%
Fester Sandstein 14 Vs
Zäher schwarzgrauer Lettenschiefer . 9%
Grauer Sandstein 3
Lettenschiefer %
Fester Sandstein 1%
Weisslicher glimmerreicher sandiger
Schiefer in Conglomeratsandstein
übergehend 6
Kohle, unrein %
„ im reinen Zustande . ... 2 %
Grauer glimmeriger Lettenschiefer
mit Sandstein wechselnd und in
grobkörnigen Sandstein überge-
hend 52/3
Neben diesem Bohrloche wird gegenwärtig bereits von der k. k. priv.
Staatseisenbahn-Gesellschaft auf das erbohrte Kohlenflötz ein Schacht (Tafel I,
Schacht 26) abgeteuft, der eine runde Form und im Lichten einen Durchmesser
von 2 Klafter besitzt, wasserdicht ausgemauert wird, und bis nun die Teufe von
54 Klafter erreichte.
Westlich von der Stadt Kladno hat ferner die k. k. priv. Staatseisenbahn-
Gesellschaft in den Jahren 1857 und 1858 ein Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 26)
abteufen lassen, welches in einer Teufe von 150 Klaftern ein 4 Klafter mächtiges
Flötz erreichte.
Ebenso sind südwestlich von der Stadt Kladno ausserhalb der Feldmaassen
der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft von Privaten Bohrversuche gemacht
4G2
BI. V. Lipoid.
[32]
worden (Tafel I, Bohrloch 27). Das eine derselben, von Herrn Bendelmayer
ausgeführt, soll mit 61 Klafter Teufe ein Kohlenflötz erreicht, jedoch dessen Mäch-
tigkeit nicht durchquert haben. Ein zweites Bohrloch, ungefähr 20 Klafter von
dern ersteren, und 40 Klafter von der südlichen Maassengrenze der Prager Eisen-
industrie-Gesellschaft entfernt, von Herrn Stüinpl aus Unhost angelegt, erreichte
mit 42 Klafter ein 7 Fuss mächtiges Kohlenflötz mit verdrückter weicher Kohle,
soll aber angeblich nach Tieferstossen des Bohrloches mit 52 Klafter Teufe ein
21/8 Klafter mächtiges Flötz schöner Kohle angefahren haben. Das erstere Flötz
entspricht den Kladnoer Flötzen, das letztere Flötz müsste dem Bustehrader
„Grundflötze“ entsprechen, dessen Vorkommen in diesem Beviere allerdings noch
der Bestätigung bedarf. Jedenfalls befindet sich das angefahrene Kohlenfiötz
schon nahe am Ausgehenden und wahrscheinlich in einer kleinen Ausbuchtung
der Kohlenfiötzablagerung, indem ein zweites von Herrn Stümpl nur ungefähr
100 Klafter südlich von dem eben erwähnten Bohrloche abgesenktes Bohrloch
schon mit 30 Klafter das Grundgebirge (Kieselschiefer) erbohrte, ohne Kohlen
angefahren zu haben.
Da durch die eben erwähnten Bohrlöcher nächst Prühon, westlich und süd-
westlich von Kladrio (Tafel I, Bohrloch 25, 26 und 27) genügende Anhaltspunkte
gegeben waren, so wurde von Seite der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft in
ihrem westlichen Felde der Kladnoer Baue am Plateau westlich von der Stadt im
Jahre 1859 das Abteufen eines neues Schachtes — Amalienschacht (Tafel I,
Schacht 28) — begonnen, in welchem bis zur Teufe von 45 Klafter Plänersand-
stein, Lettenschiefer, Quadersandstein, röthliche Sandsteine (Rothliegendes ?),
und Sandsteine verschiedener Art durchfahren worden sind, und in welchem man
in der Teufe von 100 Klafter die Kohlenflötze zu erreichen hofft.
An der Strasse von Kladno nach Rozdelow hat dieselbe Gesellschaft im
Jahre 1857 das Abteufen des „Zippeschachtes“ (Tafel I, Schacht 29) begonnen,
aber nach erreichter Teufe von 25 Klafter wieder sistirt, indem das Vorhanden-
sein der Kohlenflötze in diesem Reviere durch obige Bohrlöcher genügend con-
statirt, der Abbau derselben aber einer späteren Zeit, und zwar nach Beginn des
Abbaues im Amaliaschachter Revier Vorbehalten wurde.
Die Schürfungen zur Untersuchung des westlicher befindlichen Steinkohlen-
terrains nächst Rozdelow und gegen Dokes hatten ein wenig günstiges Resultat.
Südwestlich vom Dorfe Rozdelow wurde mit einem Bohrloche (I. Bohr-
loch 28 a) in der 64 Klafter Thonschiefer gelöffelt, ohne die Kohlenflötze vor-
gefunden zu haben. Das Bohrloch von Seite der Prager Eisenindustrie-Gesell-
schaft in den Jahren 1858 und 1859 geteuft, durchsenkte nach einem von Herrn
Ingenieur Schmidt mir mitgetheilten Bohrprofile:
Klafter.
Dammerde y2
Grauweissen Sandstein 47/a4
Rothen Sandstein 25/13
Grauweissen Letten . . 5/l2
Weissen Sandstein 39/34
„ Conglomerat . . . .... lT/i,
„ Sandstein ........ 103/1€
Grauen Letten .... 5/l2
Groben weissen Sandstein %
Blauen Letten 2% -
Grauen Sandstein 27/13
» Letten 3l3/34
„ Sandstein Sy2i
Feinen weissen Sandstein ..... V3
Klafter.
Schwarzen Lettenschiefer mit Pflan-
zenabdrüeken
• • • */•
Groben weissen Sandstein . .
. . . *•/,,
Kohlenflötzchen
• • • %i
Feinen weissen Sandstein . .
■ ■ ■ 2%4
Bläulichen groben Sandstein .
• • • l9/ia
Weissen Sandstein
. • • 39/13
„ grobkörnigen Sandstein . . 311/24
Blauen Letten 7/ia
Bläulichen Sandstein i13/a4
Grobkörnigen weissen Sandstein mit
Conglomerat wechselnd 10
Thonschiefer.
[33]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Träger Kreises in Böhmen.
463
Ein zweites Bohrloch bei Rozdelow (Tafel I, Bohrloch 28 Ü) wurde im
Jahre 1848 durch das k. k. Bergamt in Brandeisei geteuft, und mit demselben
bis zur Tiefe von 34 Klafter vorgefunden:
Klafter.
Dammerde
Grauer Letten
. . . . 2/s
Sandstein
• • • . 43/12
Bläulicher Letten
Sandstein
Letten
• • • • %4
Sehr fester Sandstein . . . .
. . . 14i/la
Grauer Schieferthon . , .
• • • • 5/l2
Klafter.
Kohlenflötzchen . . . Vsä4
Weisser Sandstein 5
Rother Letten 1 V24
Gelber „ i3/24
Grauer „ 1 33/24
Grüner „ (aufgelöster Thon-
schiefer) 37/la
Thonschiefer . . . 1 V24
Endlich wurden, ebenfalls durch das k. k. Bergamt in Brandeisei im Jahre
1848, nordöstlich vom Dorfe Dokes noch zwei Bohrlöcher (Tafel I, Bohrloch 29
und 30) abgesenkt, deren ersteres in der 36., und letzteres in der 73. Klafter in
Kieselschiefer stand. Nach Herrn B e er’s Vormerkungen waren die in dem erste-
ren Bohrloche angebohrten Gebirgsschichten:
Klafter.
Dammerde s/24
Letten 13/34
Sandstein 23/3
Conglomerat-Sandstein l7/ia
Sandiger lichtgrauer Lettenschiefer . 11 Via
Grauer Schieferthon 13/12
Conglomerat wechselnd mit Letten . 27/24
Grünlicher, kiesiger Schieferthon . . 2*/24
Rother Sandstein 1 V®
Grünlicher Schieferthon 5/lz
Klafter.
Fester Sandstein
Grauer Schieferthon . . .
Fester Sandstein .....
Schwärzlicher Schieferthon
Trümmer von Kieselschiefer
Grauer Schieferthon . . .
Schieferthon mit Quarzgerölle
Grauer und kiesiger Schiefer
Kieselschiefer
28/24
l5/24
23l/34
%
%
1V2
5/l2
1%
In dem 2. Bohrloche wurden durchfahren:
Klafter.
Dammerde
Gelber Lehm (Löss)
Lettiger Sandstein
Letten
Fester Sandstein
Lichtgrauer Lettenschiefer, zum Theile
glimmerig und fest .......
Fester Sandstein
Grauer Lettenschiefer, zum Theile
sandig und glimmerig ......
Grobkörniger Sandstein
Lichtgrauer Lettenschiefer
Grobkörniger Sandstein
Grauer Schieferthon
Feinkörniger Sandstein
Blauer Schieferthon
Grobkörniger Sandstein
%*
3 Vs
1 Vl 2
■ V«
515/34
7Vs
6%
27l2
319/34
3%*
38/s
2
4%
3
411/»
Klafter.
Blauer, wechselnd mit lichtgrauem,
sandigem, zuletzt schwärzlichem
Schieferthon 77/12
Sandstein 29/12
Grauer kiesiger Schieferthon .... lö/l2
Sandstein 37/12
Kiesiger Schieferthon . . . .... «/„
Sandstein , . * . . 1%
Lichtblauer Schieferthon ... . . il/s
Grünlicher Schieferthon . . . . . . 5/24
Fester Sandstein Vj
Blauer glimmeriger Lettenschiefer . . l3/la
Schwarzer Schieferthon . . . . . .
Grünweisser Schieferthon i/i2
Schwärzlicher Schieferthon .... 1
Kieselschiefer.
Die bezeichneten verschiedenen Abbaureviere unterscheiden sich bezüglich
der geologischen Beschaffenheit der Gesteinsarten, wie schon aus den mitge-
theilten Schacht- und Bohrprofilen zu entnehmen, dadurch, dass bei den Rapicer
Bauen, bei dem Bustehrader östlichen Abbaureviere und bei dem Kladnoer west-
lichen Grubenfelde die Steinkohlenformation noch von der Kreideformation über-
lagert ist, während die letztere in dem Bustehrader westlichen Abbaurevier und
in dem Kladnoer östlichem Abbaufelde fehlt, und die Steinkohlenformation ent-
weder unmittelbar zu Tage tritt oder nur von Löss bedeckt wird.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12, Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
59
464
M. V. Lipoid.
[34]
Die Unregelmässigkeit und Verschiedenheit der Lagerung, welche die
Gebilde der Steinkohlenformation, insbesondere die Steinkohlenflötze derselben,
an ihrem südlichen Ausgehenden in der Umgebung von Bustehrad-Kladno zeigen,
sind Ursache, dass man für das gesarnmte Terrain ein allgemein gültiges Strei-
chen und Fallen der Schichten anzugeben nicht im Stande ist. Ein Blick auf
den Gruben- und Situationsplan Tafel III genügt, sich zu überzeugen, wie sehr
das Streichen und Fallen der Schichten verschieden sein müsse, indem die darin
verzeichneten „streichenden“ Strecken *) fast in allen Grubenbauen gekrümmte
Linien darstellen, und nahe dem Ausgehenden auf eine Ablagerung in Mulden
oder Buchten hindeuten. Entfernter von dem Ausgehenden, mehr gegen Norden,
wo die Unregelmässigkeiten in der Lagerung geringer werden, wird auch das
Streichen und Fallen der Schichten regelmässiger, so dass sich Für das Klad-
noer, für das Bustehrader und für das Rapicer Westrevier ein Hauptstreichen
von Nordost nach Südwest und ein Einfallen nach Nord west angeben lässt, wo-
gegen in dem Rapicer Ostreviere durch den Witeckschacht ein Feld aufgeschlossen
wurde, in welchem die Schichten von Nord west nach Südost streichen und nach
Nordost einfallen. Local, wie z. B. nördlich vom Bustehrader Wenzelschachte,
trifft man allerdings auch in den übrigen Revieren durch Störungen veranlasste
entgegengesetzte Streichungs- und Fallrichtungen. Auch der Einfallswinkel
bleibt sich nicht constant, und im Allgemeinen ist derselbe an dem südlichen
Rande der Kohlenablagerungen ein grösserer, als nördlicher, tiefer in das Innere
derselben. Er beträgt nämlich an dem Südrande bei 30 Grad, wird gegen Nor-
den immer kleiner, und sinkt in den nördlichsten Aufschlüssen auf 8 Grad herab,
wie dies z. B. der durch die Kladnoer Schächte gezogene Durchschnitt I K
Tafel III zeigt, aus welchem sich die muldenförmige Ablagerung der Steinkoh-
lenformation am besten erkennen lässt. Im Durchschnitte beträgt der Einfalls-
winkel in den Bustehrader und Rapicer Bauen 12 Grad, in den Kladnoer Bauen
15 Grad, er ist somit im Ganzen als ein geringer zu bezeichnen. Ueber Tags,
z. B. nächst dem Dorfe Drin, wo die Sandsteine der Steinkohlenformation durch
Steinbrüche blossgelegt sind , besitzen dieselben gleichfalls ein Streichen von
Nordost nach Südwest, und ein nordwestliches Einfallen von 10 — 15 Graden.
Die Steinkohlenflötze selbst findet man ober Rapic vom Ludwigsschachte an
bis gegen den Wenzelstollen in einer Länge von ungefähr 800 Klafter zu Tage
ausgehend. Die Flötze sind an diesen Ausbissen, jedoch in mehr aufgelöstem
erdigem Zustande, theilweise nebst dem Liegend und Hangendgebirge, in ihrer
ganzen Mächtigkeit entblösst, und zeigen auch über Tags die in den Gruben-
bauen beobachteten Unregelmässigkeiten in der Lagerung. In dem übrigen Ter-
rain der Bustehrad-Kladnoer Umgebung werden die südlichen Ausgehenden der
Steinkohlenflötze noch übergreifend von den Hangendgesteinen der Steinkohlen-
formation überlagert, welche, wie es die Bohrlöcher östlich vom Dorfe Duby
nachwiesen, noch eine Mächtigkeit von nahe an 60 Klaftern besitzen. Das süd-
liche Ausgehende der Steinkohlenflötze, so wie es durch die Grubenbaue aufge-
deckt wurde, bildet hiernach mehrfache andere Biegungen und folgt einer
a n d er e n Begrenzungslinie , als die südliche Grenze der Steinkohlenformation
U Ich habe aus den mir vorliegenden Grubenkarten in den Plan Tafel III nicht alle bisher
ausgefahrenen Strecken, sondern nur die wichtigeren Steigörter oder „fallenden“ oder
„Parallel“-Strecken, und in jedem Baue ein paar „streichende“ („Verhau“-, „Abbau“-,
„Haupt“-, „Grund“-) Strecken, d. i. ebensöhlig nach dem Streichen der Flötze ausgefah-
rene Strecken, aus verschiedenen Horizonten, so wie die interessanteren Querschläge auf-
genommen, indem diese genügen und am geeignetsten sind, die Art der Lagerung klar und
bildlich darzustellen.
[35] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 465
überhaupt gegen die Grauwackenformation. In dem Plane Tafel III, in welchem
auch das bekannte und muthmassliche südliche Ausgehende der Steinkohlenflötze
verzeichnet wurde, ist diese Verschiedenheit in der Begrenzung ersichtlich
gemacht.
Die Unregelmässigkeilen in der Lagerung der Bustelirad-Kladnoer Stein-
kohlenflötze sind wesentlich zwei verschiedenen Ursachen zuzuschreiben. Einer-
seits lehren es nämlich die Grubenaufschlüsse unzweideutig, dass für einen
grossen Theil der unregelmässigen Lagerungsverhältnisse der Ursprung in den
Buchten und vorspringenden Bergrücken an der südlichen Grenze des Stein-
kohlenmeeres und in den Unebenheiten und Rücken im Innern desselben zu
suchen sei, indem in Folge dieser Unebenheiten des Meeresufers und des
Meeresgrundes auch nothwendigervveise eine ungleiche Ablagerung der Sedi-
mente der Steinkohlenformation und der Steinkohlenflötze stattfand, und stellen-
weise an den höchsten Punkten der Vorberge und Rücken auch ganz unterbleiben
musste. Diese Unregelmässigkeiten der Lagerung haben demnach in der ursprüng-
lichen Flötzablagerung selbst ihren Grund. Andererseits haben jedoch die Stein-
kohlenflötze auch nach ihrer Ablagerung noch Störungen erlitten, durch Sprünge
und Klüfte, welche sich in Verschiebungen und Verwerfungen der Kohlenflötze
kundgeben.
Das in dem Plane Tafel III angedeutete unterirdische Ausgehende der Stein-
kohlenflötze gibt auch ein Bild der ursprünglichen Vorberge am Meeresgestade
und der Rücken und Unebenheiten am Meeresgründe. Ein solcher Rücken findet
sich südlich vom Brandeisler Michaelsschachte vor. Ein anderer Rücken ist nörd-
lich vom Bustehrader Wenzelsschachte durch den Grubenbau kenntlich geworden.
Nächst dem Rapicer Ludwigsschachte zieht sich in nordwestlicher Richtung ein
ziemlich langer Rücken in das Innere des Steinkohlenterrains hinein und begrenzt
in Nordosten die kleine Bucht, in welcher der Bustehrader Johannischacht die
Steinkohlenflötze angefahren hat. Vom Meeresufer in das Meer hineinragende
Vorberge und Rücken, in der jetzigen Gegend der Dörfer Duby und Augezd und
in dem Terrain zwischen dem Layer- und Franzschachte, begrenzten die
grösseren Meeresbuchten, in welchen die durch den Anna- und Prokopischacht,
durch den Wenzel-, Layer- und Kiibeckschacht und den Franzschacht in Abbau
genommenen Steinkohlenflötze abgelagert wurden. Die östlich und westlich vom
Wenzelsschachte befindlichen Rücken, von denen der erstere eine fast nördliche,
der letztere eine nordwestliche Richtung verfolgt, verengen sich in dieser
Richtung immer mehr und werden immer niedriger, so dass der erstere ungefähr
über dem Thinnfeldschachter Förderstreckenhorizonte und der letztere bereits
beim Layerschachter Förderstreckenhorizonte nur mehr in einer Verwerfung der
Steinkohlenflötze sich kenntlich macht. Eine aus den Unebenheiten des Grund-
gebirges entspringende natürliche Erscheinung ist es, dass sich die Steinkohlen-
flötze an solchen ursprünglichen Rücken nach aufwärts auskeilen. So schneiden
sich z. B. zu beiden Seiten des oben erwähnten Rückens nördlich vom Buste-
hrader Wenzelsschachte die Steinkohlenflötze und deren einzelne Bänke nach und
nach förmlich aus, und zwar verlieren sich zuerst die oberen Bänke, während
die unteren mit steilerer Aufrichtung und immer geringerer Mächtigkeit bis auf
den 16 Klafter über die Antonia-Grundstrecke erhobenen Rücken hinaufreichen.
(Siehe Figur 3.) Dass bei diesem Auskeilen der Flötze und der Zwischenmittel
bald das eine, bald das andere fehlt und mit dem Grundgebirge oder mit Schich-
ten in Berührung kommt, von denen es in der normalen Lagerung durch
Zwischenglieder getrennt ist, ist leicht erklärlich, und die in dem Bustehrader
Ostrevier am Wenzels- und Maria Antoniaschachter Horizonte über den oben
59 *
466
M. V. Lipoid.
[36]
Fig. 3.
Anskeilen der Stelnkoblenflötze lin Bustehrader Ostrevier.
erwähnten Rücken ausgefahrenen Diagonalstrecken x und y , Tafel III, gehen ein
Bild von einer solchen abnormen Lagerung der Flötze und Zwischenmittel. Die
Durchschnitte RR und GH in Tafel III zeigen übrigens die oben erwähnten
Rücken, an denen sich die Flötze auskeilen, im Profile.
Noch zahlreicher und sehr häufig sind die Störungen, welche die Stein-
kohlenflötze in ihrer regelmässigen Lagerung durch Sprünge und Klüfte erlitten
haben, durch welche die Flötze öfters um ein Bedeutendes verworfen und ver-
schoben wurden. In dem Plane Tafel III sind die bedeutendsten Verwerfungs-
klüfte des Bustehrad-KIadnoer Kohlenterrains bemerkt. Sie sind am zahlreich-
sten in dem östlichen Theile, nämlich in dem Bustehrader östlichen und in dem
Rapicer Reviere, wo sie meist die Richtung von Süd nach Nord besitzen und die
Flötze theils nach West, theils nach Ost verworfen haben, wie dies aus dem
Durchschnitte RR Tafel III zu ersehen ist. Die bedeutendste Verwerfung der
Flötze, um 20 bis 30 Klafter, hat daselbst durch die Klüfte zwischen dem
Hoffnungs-, Ludwigs- und Josephsschachte stattgefunden (siehe Figur 4), w elche
Fig. 4.
Kohlenflotz-Verwerfungen im Rapicer Westrevier.
ein nordwestliches Streichen besitzen, und dem daselbst vorkommenden Rücken,
dessen Fortsetzung sie andeuten, ihre Entstehung zu verdanken haben. Nur
durch die nördlicheren Aufschlussbaue im Bustehrader Ostrevier hat man eine
Verwerfungskluft ausgerichtet, welche bogenförmig von Ost nach West streicht,
und die Flötze um 6 bis 8 Klafter nach Nord verworfen hat. Bemerkenswerth
[37] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen» 467
ist es, dass, wie es mehrere Beispiele im Antonia- und Bustehrader Wenzels-
schachterBaue naehweisen, die durch die Klüfte hervorgerufenen Flötzverwerfun-
gen in der Nähe des südlichen Ausgehenden bedeutender sind und im weiteren
nördlichen Einfällen kleiner und endlich unkenntlich werden. So hat die Verwer-
fungskluft westlich vom Bustehrader Wenzelsschachte die Flötze nahe dem
Ausbisse um 7 Klafter, weiter nördlich nur mehr um 3 Klafter verworfen und
zersplittert sich endlich in der nördlichen Fortsetzung gänzlich. — In dem
Bustehrader Westrevier sind grössere Verwerfungen der Flötze nicht bekannt;
kleinere Brüche fehlen jedoch keineswegs *). In den Kladnoer Bauen haben die
beiden Verwerfungsklüfte, welche, wie oben erwähnt, als Fortsetzung der
beiden die dortige Mulde begrenzenden Rücken gelten, anfänglich bedeutend die
Flötze verrückt und gestört, was in dem weiteren nördlichen Verlaufe nicht mehr
der Fall ist. Im Franzschachter Baue zeigen sich mehrere Verwerfungsklüfte.
Von den zwei grösseren derselben, westlich vom Schachte, verfolgt die eine
eine nördliche, die andere eine nordwestliche Richtung. Erstere hat die Flötze
um 6 bis 10 Klafter nach Westen verworfen. Die Ausrichtung der letzteren,
welche 120 Klafter westlich vom Franzschachte sich befindet, ist bisher noch
nicht gelungen und das Flötz wurde noch nicht erreicht, obschon mit der Auf-
fahrung der betreffenden Ausrichtungsstrecke bereits eine Höhe von 30 Klaftern
eingeholt wurde. Die Durchschnitte GH , LM und RR Tafel III geben ein
Bild von den grösseren Verwerfungen der Flötze in den Kladnoer Bauen. —
Ausser diesen grösseren Verwerfungen haben jedoch die Flötze dieses Terrains
sehr zahlreiche kleinere Sprünge und Verschiebungen erlitten, welche eine
starke Zerklüftung der Kohlen zur Folge hatten, und welche die Flötze nach
allen Richtungen durchkreuzen. Ein Kohlenflötzprofil im Horizonte und in der
Länge der Thinnfeldschachter Förderstrecke, welches von Herrn Ingenieur
E. Klecka genau nach der Natur aufgenommen und von selbem mir mitgetheilt
wurde, gibt ein Bild von solchen kleineren Flötzstörungen, wobei zu bemerken
ist, dass in den Kladnoer Bauen der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft
(Thinnfeld- und Kübeckschacht), welche in der Kladnoer Mulde am meisten nach
Norden vorgerückt sind und am tiefsten liegen, die Kohlenflötzablagerung nicht
nur flacher, sondern auch ungestörter und zusammenhängender ist, als südlicher
und näher den Ausbissen.
Die Beschaffenheit der Kohlenflötze selbst ist eine andere in den
östlichen und eine andere in den westlichen Grubenfeldern.
In den Rapicer Bauen und in dem Bustehrader Ostrevier sind
zwei Kohlenflötzablagerungen bekannt geworden. Die tiefere derselben, das so
benannte „Gru ndfl ö tz“, ist von dem Grundgebirge , dem Thon- und Kiesel-
schiefer der Grauwackenformation, in der Regel durch ein mehr minder mächtiges
Mittel von grauen und weissen sandigen Schieferthonen getrennt, liegt aber, wie
im Rapicer Hoffnungsschachte, auch unmittelbar auf Thonschiefer auf. Dieses
Grundflötz ist einschliesslich zweier tauben Schieferthon-Zwischenmittel 3 bis
3i/a Klafter mächtig, besteht aus drei Bänken, und enthält grösstentheils eine
unreine sehr schieferige Kohle, so dass gegenwärtig nur die 3 Fuss starke
oberste Bank desselben als abbauwürdig angesehen wird und aus dieser Ursache
dieses Flötz bisher auch nur äusserst wenig abgebaut wurde. Angefahren wurde
dasselbe bisher in den östlichen Grubenfeldern durch den Josephistollen (siehe
0 Herr Director J. Grimm erwähnt solcher kleineren Flötzstörungen im Annaschachter
Baue im „Berg- und hüttenmännischen Jahrbuch der k. k. Montan-Lehranstalten“, 7. Bd.,
1858, Seite 99.
468
M. V. Lipoid.
[38]
oben Figur 2), durch den Witeck-, durch den Maria Antonia- und durch den
Hoffnungsschacht. Indessen findet man Andeutungen von diesem Grundflotze
bereits in dem Brandeisler Michaelsschachte und in dem Brandeisler Bohrloche
(Tafel I, Bohrloch 20), so wie die in dem Bustehrader Kaiser Ferdinandsschachte
erfolgte Vorbohrung gleichfalls zwei Flötzablagerungen durchsenkte, deren die
tiefer, am Thonschiefer, liegende ohne Zweifel dem oben bezeichneten Grund-
flötze entspricht. — Auf dem Grundflotze lagern zunächst sandige Schieferthone
und glimmerreiche feinkörnige weisse Sandsteine in einer Mächtigkeit von 6 bis
8 Klaftern, und auf diesen sodann das zweite „Hauptflötz“ dieses Revieres. Hie
zwischen dem Grundflotze und der oberen Kohlenflötzablagerung liegenden
Schieferthon- und Sandsteinschichten enthalten sehr häufig verkieselte Holz-
stämme und überdies sind die ersteren durch eine Lage von grossen Sphäro-
s i d e ritbl ö ck e n ausgezeichnet, welche, öfters von der Grösse eines Kubik-
fusses, neben einander gereiht eine förmliche Lagerschichte bilden. — Von der
berühmten oberen Kohlenflötzablagerung oder dem Hauptflötze der östlichen
Grubenfelder gibt ein Bild die nachfolgende Skizze:
Kohle
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll
Hangendschieferthon (Mydlaky).
Kohle (Hangendflötz — Ctwrtina)
2
6
.
•
Brandschiefer
2
.
Kohle (Hangendflötz — Tretina) . .
2
Brandschiefer
3
Kohle (Oberflötz — obere Bank) . .
2
6
#
.
Schieferthon (Vopuka)
2
Kohle (Oberflötz — untere Bank)
2
6
Brandschiefer
m
.
3
a
Kohle (Unterflötz — obere Bank)
1
6
.
.
Schieferthon (Vopuka)
.
.
6
Kohle (Unterflötz — untere Bank) .
Liegendschieferthon.
i
2
•
•
3
1
1
2
8
4 Klafter 3 Fuss 8 Zoll.
Diese Kohlenflötzablagerung besitzt im Ganzen eine Mächtigkeit von 3ya bis
4 ya Klafter. Man unterscheidet darin das „Unterflötz“, das „Oberflötz“ und
die „Hangend flötze“ (tretina, das dritte, etwrtina, das vierte), die sich
wesentlich von einander unterscheiden. Das Unterflötz, 10 bis 15 Fuss mächtig,
enthält eine mittelgute Steinkohle, und in demselben finden sich dünne Lagen von
faserigem Anthracit vor. Das Oberflötz, 5 bis 9 Fuss mächtig, führt Steinkohle
von bester Qualität, indem diese vorzüglich rein, glänzend und feit ist. Dagegen
ist die Steinkohle der 2 bis 5 Fuss mächtigen HangendflÖtze mager, durch einzelne
Schieferthonschnürchen verunreinigt und überhaupt von geringerer Güte. Zwischen
dem Unter-, dem Ober- und den Hangendflötzen liegen taube Zwischenmittel, die
sogenannten „Brandschiefer“, welche meist aus abwechselnden dünnen Lagen von
Schieferthon und Kohlenschnürchen bestehen, und deren Mächtigkeit zwischen
dem Unter- und dem Oberflötze ziemlich gleiehmässig 3 Fuss, und zwischen dem
Ober- und den Hangendflötzen 2 bis 10 Fuss beträgt. Ueberdies werden das
Unter- und Oberflötz noch durch die sogenannte „Vopuka“, einen festen sandigen
Schieferthon von lichtgrauer oder graubrauner Farbe, charakterisirt. Diese
[39] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 469
Vopuka, eine förmliche Bank bildend, liegt beim Unterflötze in einer Mächtigkeit
von 4 bis 6 Zoll grösstentheils auf demselben, beim Obertlötze hingegen, ziemlich
constant 2 Zoll mächtig, mitten in dem Flötze. Sie enthält, wie auch das
Zwischenmittelzwischen der „tretina“ und der „ctwrtina“, zahlreiche Abdrücke von
Pflanzenresten und die zweizöllige Vopuka des Oberflötzes ist insbesondere noch
dadurch ausgezeichnet, dass sich an ihrer oberen Fläche oft zahlreich sehr
schöne und grosse, meist plattgedrückte Schwefelkieskrystalle vorfinden. —
Dass die einzelnen Flötze dieser Ablagerung, besonders in der Nähe der Rücken,
minder mächtig werden und wohl auch ganz sich auskeilen, habe ich oben
bereits erwähnt.
Auch im Ludmillaschachte, der an Verwerfungsklüften ansteht, hat man die
Flötze verdrückt und am Thonschiefer unmittelbar aufliegend angefahren.
In dem Büste hrader Westrevier und in den Kladnoer Gruben-
feldern ist bisher das in den östlichen Feldern aufgeschlossene „Grundflötz“
nirgends angefahren worden, indem sämmtliche Schächte, mit Ausnahme des
nahe dem Ausgehenden angeschlagenen Maria Annaschachtes, welcher Thon-
schiefer anfuhr, nur bis an die Liegendschieferthone der Hauptflötzablagerung
niedergehen. Ungeachtet jedoch durch die übrigen Schächte das Grundgebirge,
der Thon- oder Kieselschiefer, nicht erreicht wurde, wird dennoch die Ver-
muthung, dass das Grundflötz in den westlichen Grubenfeldern fehle und nicht
abgelagert worden sei, ausgesprochen und durch den Mangel desselben im
Maria Annaschachte, so wie dadurch einigermaassen begründet, dass in den
Bohrlöchern nächst den Dörfern Duby und Augezd (Tafel I, Bohrloch 23 und 24)
auf die Haupt-Kohlenflötzablagerung ebenfalls unmittelbar der Thonschiefer folgte,
ohne dass ein Repräsentant des Grundflötzes vorgefunden worden wäre.
Die Beschaffenheit der Hauptflötzablagerung in dem Büste hrader West»
re vier zeigt die nachfolgende Skizze:
Kohle
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll
Sandstein
Hangendschieferthon (Mydlaky).
Kohle — Oberhank )
Schieferthon — Vopuka >
Kohle — Oberbank )
l
5
•
•
2
Schieferthon — Vopuka
Kohle — Mittelbank ...... )
•
•
•
•
•
3
Schieferthon — Vopuka >
Kohle — Mittelbank )
1
2
•
•
2
Schieferthon — Vopuka
.
,
#
5
Kohle — Unterbank
Schieferthon.
2
1
•
*
*
•
5
2
•
1
•
5 Klafter 3 Fuss.
i
Man unterscheidet auch hier drei Steinkohlenflötze, die mit den Namen
„Unterbank“, „Mittelbank“ und „Oberbank“, oder auch mit den Namen „Unter-
bank“, „Oberbank“ und „Hangendbank“ bezeichnet werden und dem Unterflötze,
dem Obertlötze und den Hangendflötzen der östlichen Grubenfelder entsprechen.
Nur finden sich hier die tauben Zwischenmittel, die Brandschiefer, zwischen
einzelnen Bänken nicht vor, sondern diese sind nur durch feste sandige Schiefer-
thone, die bezeichnete Vopuka, von ein paar Zoll Mächtigkeit von einander
470
M. V. Lipoid.
[40]
geschieden. Im Uebrigen ist die Beschaffenheit der einzelnen Bänke des West-
reviers mit jener der Flötze des Ostreviers übereinstimmend, denn auch im West-
revier findet man auf der Unterbank und mitten innerhalb der Mittelbank und der
Oberbank die oft erwähnten Vopukaschichten mit zahlreichen Abdrücken yon
Pflanzenresten in der Mächtigkeit von 2 bis 6 Zoll und auch im Westrevier liefert
die Mittelbank eine ausgezeichnet gute, fette, überhaupt die beste Steinkohle,
während die Ober- und Hangendbank nur schieferige Kohle minderer Qualität
und die Unterbank eine Steinkohle, deren Güte das Mittel zwischen den beiden
genannten hält, liefert. Die Mächtigkeit dieser Flötzablagerung ist im Allgemeinen
grösser als jene der Ablagerung des Ostreviers und bedeutender im tieferen
nördlichen Einfallen der Flötze, als gegen das südliche Ausgehende derselben,
denn sie beträgt im Prokopischachte 5*/2 Klafter, im Maria Annaschachte dagegen
nur mehr 33/3 Klafter.
Eine ähnliche Zusammensetzung, wie im Bustehrader Westreviere, besitzt
die Kohlenflötzablagerung in den Kladnoer Bauen; wie dies aus den
folgenden Skizzen ersichtlich wird.
Kladnoer Wenzelsscbacht.
Kohle
Berge
Brandschiefer.
Klafter !
Fuss
Zoll
Klafter
Fas»
Zoll
1
.
Kohle — 5. Bank
Schieferthon — 4. Mittel
8.
Kohle — 4. Bank
3
#
Schieferthon — 3. Mittel
2
Kohle — 3. Bank
i
3
#
Schieferthon — 2. Mittel
.
2
Kohle — 2. Bank
3
Schieferthon — 1. Mittel
.
6
Kohle — 1. Bank
Schieferthon.
5
•
3
3
•
i
6
3 Klafter 4 Fuss 6 Zoll.
Kladnoer Lajerschacht.
Kohle
Berge
Schieferthon.
Klafter
| Fuss
Zoll
Klafter
Fass
Zoll
5. Bank
1
5. Mittel
i
#
4. Bank
3
.
4. Mittel
2
3. Bank
2
.
.
3. Mittel
.
2
2. Bank
4
#
2. Mittel
6
1. Bank
i
3
.
1. Mittel
.
3
#
Liegendflötz
Schieferthon.
3
•
•
3
2
•
•
4
10
6 Klafter 0 Fuss 10 Zoll.
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 471
Kladnoer Thinnfeldschacht.
Kohle
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll
Schieferthon.
7. Bank
1
.
6. Mittel
9 '
#
8
6. Bank
2
m
5. Mittel
0
2
5. Bank
4
m
.
4. Mittel
#
2
4. Bank
2
9
#
3. Mittel
m
.
2
3. Bank
i
1
6
m
2. Mittel
m
#
2
2. Bank
4
4
#
1. Mittel
.
S
1. Bank — sehr gute Kohle
i
2
1. „ — schieferige Kohle ....
Schieferthon.
•
5
•
•
5
4
7
•
i
9
6 Klafter 0 Fuss 4 Zoll.
Auch hier finden sich die einzelnen Flötze oder Bänke der Ablagerung ohne
taube Zwischenmittel, nur durch 2- bis 8zÖllige Bänke von meist pflanzenführen-
der Vopuka getrennt, vor, und rücksichtlich der Güte der Kohlen liefern gleich-
falls die mittleren Bänke die beste und ausgezeichnete Steinkohle. Indessen darf
doch der aus den Profilen ersichtliche Unterschied nicht übersehen werden, dass
in dem Wenzelschachte wie im Prokopischachte fünf, hingegen in dem nörd-
licher liegenden Layerschachte mit Zurechnung des Liegendflötzes sechs, in
dem noch nördlicher angeschlagenen Thinnfeldschachte sogar sieben Bänke
oder Flötze von Steinkohlen angefahren wurden. Die Skizzen zeigen überdies,
dass auch in der Mulde oder Bucht, in welcher die Kladnoer Baue umgehen, die
Steinkohlenflötze von dem südlichen Ausgehenden derselben an, welchem
zunächst der Wenzelschacht liegt, gegen das Innere der Mulde oder nach dem
nördlichen Einfallen an Mächtigkeit zunehmen, indem mit Ausschluss der Vopuka-
mittel sämmtliche Steinkohlenflötze im Wenzelschachte die Mächtigkeit von
3 ya Klafter, im Layerschachte jene von 5 Klafter 2 Fuss und im Thinnfeld-
schachte jene von 5 Klafter 4 Fuss 7 Zoll besitzen.
Rücksichtlich der Güte der Steinkohlen aus der Umgebung von Bustehrad-
Kladno ist im Allgemeinen zu bemerken, dass die im Streichen westlicher abge-
lagerten Steinkohlenflötze so wie die tieferen, mehr im Innern der Mulde liegen-
den Theile derselben eine bessere Kohle liefern, welche leichter coket und,
indem sie der Selbstentzündung mehr unterworfen ist, mehr Sauerstoff zu ent-
halten scheint. Die fetteste und zur Cokeserzeugung gesuchteste Kohle wird aus
dem Gut-Hoffnungs-, Ludwig-, Johanni- und Prokopischachte gefördert. Weniger
fette aber doch backende Kohle liefern die Kladnoer Baue, während in dem
Rapicer und Bustehrader Ostreviere, wie in der Brandeisler Grube nur magere,
obschon theilweise gute Flammkohle erzeugt wird.
Ungeachtet bereits einzelne Analysen von Bustehrad-KIadnoer Kohlen be-
kannt wurden, fand ich es dennoch nothwendig, um einen Anhaltspunkt zur
Vergleichung der Güte der Kohlen aus den einzelnen Kohlenbänken zu
60
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
472
M. V. Lipoid.
[42]
gewinnen, eine vollständige Suite von Kohlen aus den einzelnen Flötzen des Buste-
hrad-Kladnoer Reviers im Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt
untersuchen zu lassen, und obschon die Resultate dieser Untersuchung im Jahr-
buche der k. k. geologischen Reichsanslalt unter den „chemischen Arbeiten“
veröffentlicht werden, so füge ich dieselben dennoch der Vollständigkeit wegen
hier bei:
Bezeichnung des Fundortes und Flötzes
Wasser io 100
Theilen
Asche in 100
Theilen
Reducirte Ge-
wichtstheile Blei
a
’S
Jd
e
s
1
S
s
Aequiralent einer
30" Klafter wei-
chen Holies sind
Centner
Bustehrader Josephistollen — Grundflötz . . .
4-7
32*0
18-40
4158
12*6
„ „ — Unterflötz . . .
21
10-0
25*65
5796
9-0
„ „ — Oberflötz ....
3-5
7*2
26*05
5887
8-9
„ „ — Tretina ....
2-6
12-6
25-20
5695
9*3
„ „ — Ctwertina . . .
2-5
4-5
27*55
6226
8*4
Rapicer Baue — Oberbank (magere Kohle) . .
2*7
4-6
27*80
6282
8*3
„ „ — „ (fette Kohle) . . .
1*5
8-2
22*10
4994
10*5
„ „ — Unterbank (magere Kohle) . .
2-5
4-2
27-45
6203
8-4
„ „ — • „ (fette Kohle) . . ,
1-4
19-5
23-90
5401
9-7
Kladnoer Layerschacht — 1. Bank
1-4
7-5
24*10
5446
9*6
„ „ — 2.
2-2
7-4
25-60
5785
9*0
Q
99 99 ü* »
1*8
0-9
28*65
6474
8-1
„ „ — 4. „
1-3
4-5
27*35
6181
8-4
* „ -5.
2 5
4*2
27*10
6124
8*5
„ — Liegendflötz . • . .
1-9
24-6
23*95
5412
9-7
Vergleicht man endlich die ßustehrad-Kladnoer Kohlenablagerung mit jener
von Brandeisei und Wotwowic, so zeigt sich eine interessante Uebereinstimmung
der Flötzbildung in dem Kladnoer und Bustehrader Westreviere mit jener von
Brandeisei, und wieder der Flötzbildung in dem Rapicer und Bustehrader Ost-
reviere mit jener von Wotwowic, indem die Flötzablagerung in den ersteren
ohne, und in den letzteren mit tauben Zwischenschichten erfolgte.
Eine Vergleichung der oben angeführten Schacht- und Bohrprofile lehrt,
dass in dem Bustehrad-Kladnoer Kohlengebiete unmittelbar auf den Kohlenflötzen
in der Regel Schieferthon von sehr wechselnder Mächtigkeit abgelagert ist und
derselbe nur höchst selten fehlt. Die Verbreitung des Schieferthones, besonders
in den östlichen Revieren, wo überhaupt die thonigen Schichten mehr entwickelt
sind, ist bedeutend, und die Mächtigkeit desselben, die hin und wieder nur ein
paar Fuss beträgt, wächst stellenweise bis auf 6 Klafter an. Ueberhaupt haben
die Grubenaufschlüsse gezeigt, dass der Schieferthon unmittelbar über den
Kohlenflötzen entweder in länglichen Streifen, die dem Einfallen der Flötze
folgen, oder in grossen Linsen auftritt, die sich nach allen Richtungen aus-
schneiden. — Ueber diesem Schieferthone folgt sodann die mächtige Ablage-
rung von wechselnden Sandsteinen und Conglomeraten der Steinkohlenformation
mit meist nur sparsamen Lagern von Letten oder Schieferthon, wobei wieder
die Beobachtung gemacht wird, dass die Conglomerate vorherrschend näher
den Kohlenflötzen abgelagert sind. In keinem Schachte hat man endlich ausser
der beschriebenen Kohlenflötzablagerung ein höher liegendes bedeutenderes
Kohlenflötz angefahren; hingegen in fast allen Schächten in einer Entfernung
von 50 bis 80 Klaftern über dem Hauptflötze kleinere Kohlenflötzehen von ein
[43] Das Steink ohlenge biet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 473
paar Zoll Mächtigkeit oder mindesten Schieferthone mit Kohlenspuren und
Kohlentrümmern.
Die Erzeugung an Steinkohlen oder die Gesammtkohlenförderung betrug
in den Bustehrader Bauen im Solarjahre 1858 2,890.462 Centner, im
Solarjalire 1859 3,457.390 Centner, in den Rapicer Bauen vom Juli 1858
bis incl. Juni 1859 1,608.000 Centner, in den Kladnoer Bauen der Prager
Eisen -Industrie- Gesellschaft im Jahre 1859 3,000.000 Centner und in den
Kladnoer Bauen der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1859
1,295.309 Centner in sämmtlichen Bauen des Bustehrad-Kladnoer Kohlen-
terrains somit über 9,360.000 Centner. — Diese Leistung wurde erzielt in
den Bustehrader Bauen mit 1285, in den Rapicer Bauen mit 530, in den
Kladnoer Bauen der Prager Eisen-Industrie-Gesellschaft mit 1070 und in den
Kladnoer Bauen der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft mit 500, in
sämmtlichen Bauen mit 3.385 Arbeitern. Doch ist bei sämmtlichen Bauen der
Stand des Arbeitspersonales in Folge der sich stets erweiternden Grubenbaue
im steten Steigen begriffen.
Strenge genommen stehen die geologischen Verhältnisse des Steinkohlen-
gebietes, deren Erörterung der Zweck dieses Aufsatzes ist, in keinem wesent-
lichen Zusammenhänge mit der Art des Betriebes und des Abbaues bei der
Steinkohlengewinnung. Da mir jedoch über Abbau und Betrieb bei den Buste-
hrad-KIadnoer Kohlenwerken detaillirtere Mittheilungen von dem Herrn Director
C. Hartisch in Rapic und dem Herrn Ingenieur J. Schmid in Kladno vor-
liegen, so glaube ich dieselben nicht der Veröffentlichung vorenthalten zu
sollen, indem sie manches Interessante enthalten und, wie ich hoffe, selbst
manchem Fachmanne eine nicht unerwünschte Beigabe sein werden *).
Im Allgemeinen wird die Reihenfolge des Abbaues der einzelnen Stein-
kohlenflötze in den Bustehrad-Kladnoer Gruben durch die grössere oder gerin-
gere Mächtigkeit der die Flötze trennenden Zwischenmittel bedingt. In dem
Rapicer und in dem Bustehrader Ostreviere, wo diese Zwischenmittel bedeutend
werden, wird bald das Firsten-Hangendflötz für sich und hierauf das Sohlen-
Hangendflöfz gleichzeitig mit dem Oberflötze, wie im Antoniaschachten-Baue, —
bald vorerst die Hangendflötze und hierauf für sich allein das Oberflötz, wie im
Wenzelschachter-Baue, — bald endlich die Hangendflötze und das Oberflötz
gleichzeitig, wie im Josephistollen-Baue, in Abbau genommen. Das Unterflötz
wird immer für sich allein, und zwar erst nach stattgehabtem Abbaue der oberen
Flötze in Abbau genommen.
In dem Bustehrader Westrevier und den Kladnoer Bauen sind zwar bedeu-
tende Zwischenmittel nicht vorhanden, allein da die Mächtigkeit der Gesammt-
Kohlenflötz-Ablagerung verhältnissmässig gross ist, so erscheint es weder vor-
theilhaft noch gefahrlos, sämmtliche Kohlenbänke gleichzeitig abzubauen.
Desshalb werden im Bustehrader Westrevier vorerst die Oberbank und Mittel-
bank gleichzeitig, und erst nach erfolgtem Abbau derselben die Unterbank in
Abbau genommen. Eben so werden gegenwärtig in den Kladnoer Bauen nur die
oberen drei Flötzbänke abgebaut, die tieferen zwei Flötzbänke dagegen einem
späteren Abbaue Vorbehalten.
!) Viele Daten über Betrieb und Abbau im Bustehrad-Kladnoer Reviere enthält der „Sta-
tistische Bericht der Prager Handels- und Gewerbekammer“, II, 1859, Seite 39 ff. —
Auch die „Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen“ vom Jahre 1859
bringt in ihren Nr. 48 und 49 eine Mittheilung über Kladno vom Bergbau-Adjuncten
W. Lorenz, welche grösstentheils den Betrieb zum Gegenstände hat.
60*
474
M. V. Lipoid.
[44]
Die allgemein übliche Abbaumethode ist der Pfeilerbau, der nach dem
Streichen der Flötze geführt wird. Alle Vorbereitungs- und Abbaustrecken
werden desshalb nach dem Streichen der Flötze, und zwar in deren Mitte, in
Kladno an dem zweiten Zwischenmittel, aufgefahren. Die Hauptstrecken laufen
mit geringem Ansteigen vom Schachte aus, und von denselben wird, je nachdem
es die Oertlichkeit erheischt, in Entfernung von 40—80 Klaftern mit Steigörtern
nach dem Verflachen aufwärts abgelenkt. Von den Steigörtern aus werden so-
dann in Abständen von 6 zu 6 Klaftern die Vorbereitungsstrecken parallel zur
Hauptstrecke ausgefahren, und dadurch das abzubauende Kohlenfeld in Pfeiler
von 6 Klafter Breite abgetheilt.
Der Abbau beginnt nun am obersten Pfeiler, und geht sodann zu den nächst
tieferen über, und zwar in einer solchen Reihenfolge, dass die Abbau-Feldörter
in eine Entfernung von ungefähr 10 Klafter hinter einander zu stehen kommen.
Der Abbau selbst erfolgt in nachstehender Art:
Drei Fuss über der Abbausohle wird ein Schramm (a in Fig 5) 2 bis 3 Fuss
tief in der Kohle ausgehauen, sodann die Firste niedergebrochen und endlich die
Strasse bis zur Sohle abge-
keilt. Die Firste wird so weit
niedergebrochen, dass die
dadurch gewonnene Stras-
senhöhe die Länge eines
Stempels, nämlich 7 Fuss,
erreicht. Nach gewonnener
Strassenhöhe werden die
Stempel gesetzt, und zwar
in einer Reihe von einer
Vorbereitungsstrecke zur
andern mehr oder minder
nahe an einander. Eine sol-
che Reihe von Stempeln
wird eine „Orgel“ genannt.
— Dieselbe Arbeit wird
hierauf wiederholt, bis 3 „Or-
geln“ in Entfernungen von
4 — 5 Fuss aufgestellt sind.
Sobald man zur Aufstellung
der 4. „Orgel“ schreitet,
Rohleif Abbau in Kladno. werden gleichzeitig die
Stempel der 1. „Orgel“
herausgerissen oder „geraubt“. In Folge dessen brechen die über der Strassen-
firste noch befindlichen Kohlenbänke nach oben bis an die Hangendschichten und
nach vorwärts bis an die zweite Orgel ein, und werden auf diese Art gewonnen.
Das bei dem Abbaue, wie auch beim Streckenbetrieb angewendete Gezähe
besteht aus dem Keile, aus der Keilhaue und dem „Fäustel4* oder Schlegel. Der
Keil ist 12 bis 18 Zoll, die Keilhaue 12 Zoll lang, und letztere auf einem 2 bis
2% Fuss langem Helme befestigt. Auch bei dem Schachtbetriebe wird dasselbe
Gezähe nur schwerer, und bei der Sprengarbeit der gewöhnliche Bergbohrer und
das Handfäustel angewendet.
Die Arbeitsleistung bei der Kohlengewinnung hängt von der grösseren
oder geringeren Festigkeit der Kohle ab. Beim Streckenbetrieb ist die durch-
schnittliche Leistung eines Häuers in der 12stündigen Schichte an Auffahrung
[45]
Das SteinkohleDgebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 475
10 bis 12 Zoll, und an Kohlengewinnung 15 bis 20 Centner. Bedeutender, aber
noch mehr abhängig von der Beschaffenheit des Kohlenflötzes , dessen Mächtig-
keit, vorhandenen Störungen u. s. f., ist die Arbeitsleistung beim Abbaue, und es
gewinnt der Häuer 40 bis 80, in besonders günstigen Fällen auch 100 Centner
Kohle in einer 12stündigen Schichte1). Sämmtliche Arbeiten in der Grube, wie
auch über Tags, werden wo möglich auf Geding gestellt. Das Geding für die
Kohlengewinnung ist 1 Kreuzer ö. W. per Centner erhauener Kohle, sowohl beim
Abbaue als beim Streckenbetriebe, das Klaftergeding bei letzterem Betriebe
beträgt überdies 4 Gulden 50 Kreuzer bis 7 Gulden ö. W. je nach den Dimen-
sionen der Strecken. Der durchschnittliche Verdienst eines Häuers beträgt per
Schicht beim Streckenbetriebe 80 bis 90 Kreuzer, beim Abbaue 80 Kreuzer bis
1 Gulden ö. W. Der Grundlohn für die Häuer ist bei allen Bauen auf 90 Kreu-
zer ö. W. für die 12stündige Schicht gestellt. Beim Abbaue erhalten die Häuer
ausser dem Kohlengedinge noch eine Vergütung für das „Rauben“ der „Orgeln“,
und zwar für jeden Stempel von 6 Fuss Länge 5 Kreuzer, und für Stempel von
8 bis 9 Fuss 10 Kreuzer ö. W. — Der Grundlohn für die Zimmerer ist 90 Kreu- *
zer bis 1 Gulden ö. W. Auch die Förderer erhalten Gedinge, und zwar werden
dieselben je nach der Distanz und nach der Art der Förderung, in Hunden oder
Karren, bemessen. Der Durchschnittsverdienst eines Hundstössers oder Läufers
beträgt 60 Kreuzer per Schichte, — bei Laufbuben 30 bis 50 Kreuzer. Der
gewöhnliche Taglohn ist 50 bis 60 Kreuzer ö. W. — Das Verhältniss der Läufer
zu den Häuern stellt sich bei den Kladnoer Verhältnissen derart heraus, dass beim
Streckenbetriebe für 2 Häuer 1 Läufer, und beim Abbaue für jeden Häuer
1 Läufer nothwendig ist.
Der Verbrauch an Grubenholz ist nach den bis jetzt gemachten Erfah-
rungen und Berechnungen mit Bezug auf die Kohlengewinnung per 100 Centner
Steinkohle ungefähr 3*7 Kubikfuss. Sowohl die zum Abbau nöthigen Stempel als
auch das zur Streckenzimmerung erforderliche Grubenholz wird, je nach dem
geringeren oder grösseren Drucke, dem es ausgesetzt wird, im Durchmesser
oder in der Stärke von 6 — 10 Zoll angewendet, und es erhalten hiernach die
Haupt- und die Abbaustrecken eine Höhe von 6 Fuss, die Hauptstrecken eine
Breite von 6 Fuss an der Sohle und von 4 Fuss an der Firste, hingegen die
Abbaustrecken eine Breite von 41/* Fuss an der Sohle und von 2% Fuss an der
Firste. Die Dauer des Grubenholzes ist, abgesehen von dem verschiedenen
Drucke, sehr von der Trockenheit oder Nässe des Ortes abhängig. In nassen
Orten hält die Zimmerung verhältnissmässig sehr lange, in trockenen und dumpfi-
gen Orten muss dieselbe nach zwei, oft selbst nach einem Jahre ausgewechselt
werden.
Die Förderung der gewonnenen Kohle in der Grube geschieht in Hun-
den, die einen Fassungsraum für 8-— 10 Centner Kohle haben. Sie sind aus
17* Linie starkem Eisenblech angefertiget, 5 Fuss lang, 2 Fuss breit und 2 Fuss
tief. Die Achsen sind 22 Zoll lang und 12 Zoll von einander entfernt. Die Räd-
chen haben einen Durchmesser von 11 Zoll, und eine Spurweite von 17 Zoll,
und sind mit den Achsen an hölzernen Laffeten an den Hund befestigt. Wegen
der geringen Entfernung der Räder und der Achsen von einander, lassen sich
die Hunde leicht leiten. Ein solcher Hund wiegt 450 — 500 Pfund, und kommt
bei Anfertigung in eigener Regie auf nahe 100 Gulden ö. W. zu stehen. — Die
Förderung in Laufkarren findet nur wenig Statt, so z. B. im Bustehrader Josephi-
stollen.
0 1 Kubikfuss reiner Kohle wiegt massiv 70 Pfund. Eine Quadratklafter rein abgebauter
Fläche liefert demnach bei einer FlötzmächtigkeiCvon 4 Klaftern 600 Centner Kohle.
476
M. V. Lipoid.
[46]
In allen Haupt- und Abbausfreeken sind Förderbahnen, und zwar Gruben-
eisenbahnen angebracht, und in den Steigörtern werden Bremsberge
eingebaut, auf welchen die Kohlenförderung von den höheren Horizonten zur
Hauptstrecke Statt findet. Die gegenwärtig in Kladno in Gebrauch stehenden
Gruben-Eisenbahnsehienen sind die „pilzförmigen“, welche auf Querschweller
aufgenagelt werden. Jede Schiene ist 18 Fuss lang, und wiegt 76 — 96 Pfund.
Früher wurden Flach- oder die sogenannten Z-Schienen angewendet, die zwar
bedeutend billiger im Preise sind als die pilzförmigen Schienen, aber gegen
letztere die wesentlichen Nachtheile batten, dass sie eine grössere Anzahl von
Slippern in Anspruch nahmen, die Bahn bald holprig wurde, und die Gruben-
hunde viel mehr und schneller ruinirt wurden, so dass die grösseren Anschaffungs-
kosten der pilzförmigen Schienen durch die geringeren Erhaltungs- und Repara-
turskosten der Bahn und Hunde compensirt werden. — Die in Kladno üblichen
Bremsberge sind theils ein-, theils doppelspurig. Die einspurigen Brems-
berge können nur dort in Anwendung kommen, wo das Verfläehen der Kohlen-
flötze mindestens 20 Grad beträgt. Die doppelspurigen Bremsberge finden häu-
figere Anwendung, weil sich dieselben für das vorherrschende Einfallen von
10 — 16 Graden besser eignen. Wo indessen einspurige Bremsberge zulässig
sind, werden sie aus dem Grunde vorgezogen , weil man auf ihnen aus beliebig
vielen Horizonten gleichzeitigzu fördern im Stande ist, während die doppel-
spurigen Bremsberge nur die Förderung von einem einzigen Horizonte in einer
und derselben Schichte zulassen. — Die Förderung aus tieferen, unter den
Hauptstrecken gelegenen Horizonten wird auf einfallenden Strecken theils
mittelst Dampfmaschinen, theils mittelst Pferden bewerkstelligt. Beim Kladnoer
Wenzelschachte wird unter dem Hauptstreckenhorizonte noch ein Pfeiler abge-
baut, und von dort die gewonnene Kohle auf einer ansteigenden directe zum
Schachte führenden Strecke mittelst einer über Tags aufgestellten Dampf-
maschine von 10 Pferdekräften bis zum Schachte gefördert. In der bezeichneten
Strecke ist eine Eisenbahn gelegt, auf welcher ein Gestell wagen läuft, der durch
ein Seil mit der Dampfmaschine in Verbindung steht, und 2 Hunde aufzunehmen
vermag, so dass bei jedem Aufgange ungefähr 20 Centner Kohle zum Füllorte
am Schachte gelangen. — Beim Franzschachte ist zu demselben Zwecke eine
lOpferdekräftige Dampfmaschine in der Grube eingebaut, welche gleichfalls
mittelst eines Gestellwagens fördert. Ungefähr 80 Klafter vom Schachte ist eine
zweite Dampfmaschine von 3 Pferdekräften aufgestellt, die ohne Gestellwagen in
der Art fördert, dass ein voller Hund aufwärts und ein leerer Hund abwärts läuft.
Beide letztgenannten Maschinen erhalten den Dampf von einem in der Grube
eingebauten Kessel, von welchem der Rauch in gusseisernen Röhren durch den
Schacht zu Tag geleitet wird. Auch beim Bustehrader Maria-Anna- und beim Lud-
millaschachte dient je eine 12pferdekräftige Dampfmaschine zum Aufzuge der
Kohlen aus jenen Abbaustrecken, welche bereits unter dem Horizonte der Füllörter
des Maria-Anna- und des M. Antoniaschachtes sich befinden. — An Fallstrecken, wo
die Umstände die Aufstellung einer Dampfmaschine in der Grube nicht zulassen,
wird die Förderung aus tieferen Horizonten mittelst Pferden bewerkstelligt. Zu
diesem Zwecke ist an der streichenden Strecke, von welcher die Fallstrecke
ablenkt, eine Seilscheibe parallel dem Einfallen der Strecke eingebaut, und um
die Scheibe ein Seil gelegt, an dessen einem Ende der beladene und an dessen
anderem Ende der leere Hund eingehangen wird. Das Pferd wird nun vor den
leeren Hund gespannt, und zieht, indem es die Fallstrecke abwärts geht, den
vollen Hund nach aufwärts. — Die Förderung der Steinkohlen aus der Grube zu
Tage erfolgt, mit alleiniger Ausnahme des Bustehrader Josephistollens, in Schach-
[47]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
477
ten. Die Schachtförderung ist mit der Streckenförderung in der Grube in
unmittelbare Verbindung gebracht, indem die vollen Hunde von der am Schachte
mündenden Grubeneisenbahn unmittelbar auf eine Förderschale gestossen wer-
den, welche mittelst des Schachtseiles mit der Fördermaschine über Tags in
Verbindung steht. Eine solche Förderschale fasst 2 Hunde, ist ganz aus Eisen
construirt, und ist um das Niederstürzen derselben in Folge eines Seilrisses zu
verhindern, mit einer Fangvorrichtung versehen. — Die Förderung wird nur
beim Bustehrader Wenzel-Wetterschachte, beim Johannaschachte und bei dem
erst im Abteufen stehenden Sophienschachte durch Menschenkräfte mittelst
Haspeln bewerkstelliget. Bei allen anderen Schächten erfolgt die Förderung
durch Dampfkraft, mittelst Dampfmaschinen, deren nachstehende in Thätig-
keit sind: Bei dem Witofka- oder Wittekschachte, eine Dampfmaschine von
10 Pferdekräften und 1 Speismaschine von 2 Pferdekraft, bei dem Bustehrader
Wenzelschachte eine Maschine von 8, bei dem M. Antoniaschachte eine solche
von 24 Pferdekraft, beide letzten Hochdruckmaschinen ohne Expansion mit je
1 Cylinder und Schwungrad; bei dem Ferdinandschachte eine Bergl’örder-
maschine von 24 Pferdekraft, bei dem Ludwigschachte eine Fördermaschine
vou 24 und 1 Speismaschine von 2 Pferdekraft, bei dem Gut-HofFnungsschachte
eine Fördermaschiene von 16 und 1 Speis- und Bohrmaschine von 2 Pferde-
kraft; — bei dem M. Annaschachte eine Dampfmaschine von 24, und bei dem
Procopischachte eine solche von 40 Pferdekraft, beide Hochdruckmaschinen,
letztere mit 2 Cylindern und ohne Schwungrad. In Kladno ist bei dem Wenzel-
schachte eine lfipferdige, bei dem Layerschachte eine 40pferdige und bei dem
Franzschachte eine 24pferdige Fördermaschine thätig, von denen die erstere mit
einer Geschwindigkeit von 7 Fuss, letztere mit einer Geschwindigkeit von 9 Fuss,
und die Layerschachter mit einer Geschwindigkeit von 12 Fuss per Secunde
fördert. Am Thinnfeldschachte endlich ist eine direct wirkende Fördermaschine
von 60 Pferdekräften nach einer neuen für grosse Schachttiefen berechneten
Constructionsart thätig, welche täglich 15.000 Centner Kohle zu fördern vermag,
und nun täglich 6 — 7.000 Centner Kohle fördert. Ueberdies wird gegenwärtig
eine Dampfmaschine beim Amalienschachte aufgestellt, um dessen Abteufen zu
beschleunigen. — Die zur Förderung verwendeten Seile sind von Drath, und
zwar 36dräthig, mit einer Dicke von 10 — 12 Linien und einer Tragfähigkeit von
125 — 150 Centner. Die Drathseile dauern im Durchschnitte 7 Monate.
Die Wetterführung ist, da bei allen Bauen sich 2 oder mehrere com-
municirende Schächte befinden, eine natürliche. Die frischen Wetter fallen näm-
lich bei den tiefer liegenden Schächten ein, und bei den höher liegenden aus,
und werden auf d.esem Wege durch Wetterstrecken und Wetterthüren in der
Art geleitet, dass sie sämmtliche Baue der Grube bestreichen. Werden die
Wetter matt und unzureichend, was besonders bei schwülem Wetter über Tags
in den Sommermonaten öfters eintritt, so behilft man sich theil weise mit Wetter-
öfen. Ein solcher ist beim Kladnoer Wenzelschachte in der Grube angebracht,
der im Nothfalle, und zwar zur Vermeidung der Baucherzeugung mit Cokes
geheitzt wird, deren er in 24 Stunden 4 — 5 Centner benöthigt.
Die Grubenwässer werden gleichfalls durch Dampfkraft, und zwar durch
Dampfmaschinen, die ausschliesslich diesem Zwecke gewidmet sind , zu Sumpf
gehalten. Beim Wittekschachte ist zur Wasserhebung eine Dampfmaschine von
16, und beim Hoffnungsschachte eine solche von 60 Pferdekräften aufgestellt.
Beim Ludmillaschachte bewerkstelligt die Wasserhebung eine direct wirkende
Dampfmaschine von 60 Pferdekräften, beim Annaschachte eine 30pferdige
Maschine mit Schwungrad und Balancier und Uebertragung durch Kunstwinkel,
478
M. V. Lipoid.
[48]
und beim Procopi- und Ferdinandschachte zwei Dampfmaschinen mit Balancier
ohne Schwungrad und ohne Uebertragung von beziehungsweise 100 und
60 Pferdekräften. Die Pumpenwerke hierbei sind durchaus sogenannte Plunger-
sätze, bei Ludmilla von 13 Zoll, bei Anna von 10 Zoll, bei Procopi von 16 Zoll
und bei Ferdinand von 15 Zoll Durchmesser, und es beträgt gegenwärtig die
gehobene Wassermenge bei Ludmilla 8, bei Anna 6, bei Procopi 17 und bei
Ferdinand 15 Kubikfuss per Minute. — In Kladno dienen die Förderschächte
durchgehends auch zur Wasserhaltung, wesshalb sie stets 2 Fürder- und 1 Kunst-
abtheilung besitzen und rechtwinkelig und zwar 18 Fuss lang und 6 Fuss breit,
ausgefahren sind. Nur der im Abteufen befindliche Amalienschacht erhält 4, und
zwar 2 Förder- und 2 Kunstabtheilungen , und wird desshalb in dem Lichte
25i/, FUss lang und 61/, Fuss breit ausgefahren. Die Wasserhebung bewerkstelligt
beim Kladnoer Wenzelschachte eine rotirende Dampfmaschine von 36 Pferdekraft
mit einem Kolbenhub von 4 Fuss. An Pumpen sind in gleicher Höhe über einander
3 einfache lOzöllige Saugsätze eingebaut, die einen Hub von 4 Fuss haben, und
nach Bedarf 8 Spiele per Minute machen können. Der constante Wasserzufluss
ist im Wenzelschacht 10 Kubikfuss per Minute. — Am Franzschachte arbeitet
eine Cornwall’sche 60pferdekraftige Wasserhaltungsmaschine mit einem Hub von
5 Fuss 6 Zoll. An Pumpen sind daselbst 3 Saugsätze und ein Drucksatz von je
13 Zoll Durchmesser eingebaut, welche 3 Mal in der Minute spielen, und bei
einer Hubhöhe von 5 Fuss den constanten Wasserzufluss von 16 Kubikfuss per
Minute bewältigen. — Beim Layerschachte dient zur Wasserhebung eine
60pferdekräftige Dampfmaschine, von der die Kraft mittelst eines Räderpaares auf
die Kunstkreuze übertragen wird. Die Hubhöhe der Maschine ist 4 Fuss 2 Zoll,
jene der Pumpensätze 5 Fuss. Es sind im Layerschachte 2 Rittinger’sche Sätze
von 12 Zoll, 2 Saugsätze von 12 Zoll, und 4 Drucksätze von 7 Zoll Durchmesser
eingebaut, und wird durch dieselben ein Wasserquantum von 20 Kubikfuss per
Minute gehoben i). Am Thinnfeldschachte wird die Wasserhaltung mittelst einer
60pferdekräftigen, und am Kübeckschachte mittelst zweier Dampfmaschinen von
76 Pferdekräften bewerkstelliget. Erstere, eine Cornwall'sche-Ballancirmaschine
hebt mittelst 4 Plunger pumpen aus 154 Klafter Tiefe 16 Kubikfuss, die beiden
letzteren aus 187 Klafter Tiefe gemeinschaftlich 22 Kubikfuss Wasser per Minute.
— Die angeführten theils zur Förderung, tlieils zur Wasserhaltung aufgestellten
und thätigen Dampfmaschinen nächst Bustehrad-Kladno repräsentiren im Ganzen
eine Arbeitskraft von 921 Pferden.
Die gewonnenen Kohlen werden nach 4 Arten gesondert: Stückkohlen,
Würfelkohlen, Kleinkohlen und Schiefer- oder Kalkkohlen. Die Sonderung
geschieht durch Menschenhände während der Gewinnung und Förderung. —
Die zur Erzeugung von Cokes in Verwendung kommenden Klein- und Staubkohlen
(Kohlenstaub) werden vorerst einer Verwaschung unterzogen. Beim Bustehra-
der Baue besteht zu diesem Behufe eine einfache „F 1 u th w ä s ch e“ aus 2 Ge-
rinnen zu 6 Klafter Länge, und 1 Quadratfuss Querschnitt mit einem durch-
schnittlichen Gefälle von 3 Zoll per Klafter. Aus dem am Ende der Gerinne
befindlichen Sumpfe wird die Kohle ausgehoben. Der Waschverlust beträgt
12°/0. — Auch bei den Kladnoer Bauen waren früher „Fluthwäschen“ in An-
wendung. In neuerer Zeit ist jedoch zu den übrigen grossartigen Anlagen der
Prager Eisenindustrie-Gesellschaft in Kladno auch eine neue Kohlenwaschanlage
Der Bedarf an Brennmateriale für die Dampfkessel der Dampfmaschinen ist im Durch-
schnitte per Pferdekraft und Stunde 10 Pfund Kohle, die Feierzeiten mit eingerechnet,
— ohne dieser ungefähr 13 Pfund.
[49]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 479
gekommen, die durch eine Dampfmaschine von 40 Pferdekraft in Thätigkeit gesetzt
wird. Sie besteht aus 3 Setzwäschen mit je 4 Setzsieben. Oberhalb jeder Setz-
wäsche befindet sich eine Mühle, an der die Kohle aufgegeben wird, und aus
welcher die vermahlene Kohle auf ein Sieb fällt, das quer über den Setzkästen
hängt, und in stetter rüttelnder Bewegung erhalten wird. Durch dieses Sieb,
welches Durchlassöffnungen von 4 verschiedenen Dimensionen hat, gelangt die
Kohle nach 4 Korngrössen sortirt in die darunter befindlichen 4 Setzkästen, auf
die in denselben befestigten Setzsiebe. Durch das mittelst eines Kolbens von
unten nach oben gegen die Setzsiebe gestossene Wasser wird die gewaschene
Kohle aus den Setzkästen herausgeworfen, und gelangt über ein unter 45 Grad
geneigtes Metallsieb, welches nur das Wasser durchlässt, in eine allen 4 Kästen
gemeinschaftliche Rinne, von wo sie durch eine fortwährend rotirende Schraube
in einen vorgestellten Wagen ausgestossen wird. Der Waschverlust stellte sich
bisher auf 20 — 25 Procent.
Die Verco ksung erfolgt bei dem Bustehrader Werke in offenen soge-
nannten „Schaum burger“ Oefen, deren gegenwärtig 16 im Betriebe stehen,
und deren jeder bei einer Länge von 7 Klafter, Breite von 8 Fuss und Höhe von
5 Fuss 6 — 700 Centner Kohlen zu fassen vermag. Im Jahre 1859 wurden in
diesen Oefen aus 143.000 Centner Staubkohlen 44.345 Centner, somit unge-
fähr 30 Procent an Cokes erzeugt. Auch bei den Kladnoer Werken der Prager
Eisenindustrie-Gesellschaft wurden früher die „Schaumburger“, und in Rapic
geschlossene Oefen in Form einer Halbkugel von circa 9 Fuss Durchmesser,
welche durch eine oberhalb angebrachte Oeffnung gefüllt wurden, angewendet.
Die ersteren gaben ein Ausbringen von 30 Procent, letztere bei Anwendung
schöner ausgesuchter Kohle ein Ausbringen von 45 Procent an Cokes. Die
grosse neue derzeit im Betriebe stehende Cokesofen-Anlage der Prager Eisen-
industrie-Gesellschaft besteht aus 6 Massivs, deren jeder 30 Oefen hat. Die
Oefen sind je 17 Fuss lang, 2 Fuss 6 Zoll breit und 4 Fuss 6 Zoll hoch, oben
flach eingewölbt und von beiden Seiten offen. Das Füllen geschieht von oben
durch im Gewölbe angebrachte Oeffnungen. Die Gase werden durch in der einen
Seitenwand befindliche Oeffnungen in einen zwischen je 2 Oefen angebrachten
Gascanal geleitet, der unter dem Boden des Ofens fortläuft. Der Gascanal mün-
det in einen gemeinschaftlichen Gasableitungscanal, welcher die Gase von
3 Massivs, d. i. von 90 Oefen in einen Schornstein von 180 Fuss Höhe und
7 Fuss innern Durchmesser abführt. Das Entleeren der Oefen geschieht durch
Auspresskraniche. Die Vercoksung dauert 48 Stunden, und es werden zu
100 Pfund Cokes 375 Pfund roher ungewaschener Kohle henöthigt.
Von dem in Bustehrad-Kladnoer Reviere gewonnenen Kohlenquantum wird
eine nicht unbedeutende Menge zur Deckung des Brennmaterialbedarfes der
Kohlenwerke selbst verwendet. Diese Menge dürfte jährlich nahe an 1 Million
Centner betragen, da die Beheitzung der Dampfkessel für sämmtliche Dampf-
maschinen von 961 Pferdekräften allein schon über 800.000 Centner Kohlen
in Anspruch nehmen mag. Ueberdies verwenden die beiden in Kladno befind-
lichen Coke-Hochöfen täglich 4.000 Centner Kohle, und dürften somit im Jahre
über 1,200.000 Centner Kohle benöthigen. Sobald sämmtliche sechs Coke-Hochöfen
der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft, die in Kladno erbaut wurden, in Betrieb
stehen werden, werden dieselben allein jährlich über 4,500.000 Centner Kohlen
benöthigen, indem der tägliche Bedarf dieser sechs Oefen auf 13.000 Centner
Kohlen veranschlagt ist. Das übrige Quantum der Gesammtkohlenerzeugung gelangt
zum Verkaufe mittelst der „Bustehrader“ Locomotiv-Eisenbahn, welche von
Kladno aus über Brandeisei und Wotwowic nach Kralup führt, wo sie in die
K. k. geologische Reichsaustalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft. 61
M. V. Lipoid.
480
[50]
von Prag nach Sachsen führende Eisenbahn einmündet. Die Kohlenpreise
sind derzeit für den Kleinverkauf für 1 Centner in österr. Währung:
Stückkohle .
Würfelkohle
Kleinkohle .
Kalkkohle .
loco Grube
. 34-39 kr.
. 27—32 „
. 16-21 „
. 10—18 „
loco Kralup loco Prag
30 kr. 57 kr.
42 „ 50 „
30 „ 39 „
Der Cokesverkaufspreis ist durchschnittlich 40 Kreuzer ö. W. per Wiener
Centner loco Grube.
c) Umgebung von Lana-Ruda.
In dem westlich von Kladno gelegenen Steinkohlengebiete sind zunächst bei
Lana und bei Ruda nahe an der Begrenzung der Steinkohlen- und Grauwackcn-
Formation Steinkohlenbaue im Betriebe. Versuche zur Erschürfung von Kohlen-
flötzen wurden auch östlich und nördlich von dem Dorfe Zilina mittelst zweier
Bohrlöcher (Taf. I, Bohrloch 31 und 32) gemacht, die aber eben so wenig, wie
die Bohrlöcher bei Dokes, Kohlenflötze durchsanken und in geringer Teufe den
Thonschiefer anfuhren, der südlich vom Dorfe Zilina zu Tage anstehet. Südlich
von Lana, am Wege nach Ploskow ist man zufällig auf Ausbisse von Steinkohlen
gelangt, die zur Abteufung eines Schachtes (Tafel I , Schacht 30), welcher in
8 Klafter Tiefe die Kohlen erreichte, und zur Eröffnung eines Bergbaues auf die
Steinkohlen Veranlassung gab, welche letzteren zum Betriebe einer Darnpfsäge-
mühle in Anwendung kamen. Mit der Ausserbetriebsetzung der letzteren ist
auch der Steinkohlenbau sistirt worden. Eben so fanden sich südwestlich von
Lana im fürstlich Fürstenberg’schen Thiergarten die Ausgehenden eines Stein-
kohlenflötzes vor, welches man durch kleine Schächte (Tafel I, Schacht 31, 32
und 33) in Angriff nahm, von denen jene nächst dem Waschirover Jägerhause
noch im Betriebe stehen, und nach Durchfahrung von Kohlensandsteinen und
Schieferthon in 12, respective in 7 Klaftern das Kohlenflötz erreichten. Letzteres
besitzt jedoch sowohl im Thiergarten als auch nächst Ploskow nur die Mächtigkeit
von 3 Fuss, und ist durch mehrere 2 — 3zöllige Schiefermittel in mehrere Bänke
getheilt, so dass die an sich minder reine Steinkohle durch die zwischenliegen-
den Kohlenschiefer noch mehr an ihrer Güte verliert. Weitere Bohrversuche,
hauptsächlich zu dem Zwecke, die westliche Fortsetzung der Kladnoer Kohlen-
flötzablagerung aufzudecken, wurden östlich von Lana in der sogenannten „Pusla
dobra“ (Tafel I, Bohrloch 33), nordwestlicht von Lana auf der sogenannten
„Kopanina“ nächst der Pferdeeisenbahn (I, 34 «), und in der sogenannten
„Tannen-Verspältung im fürstlich Fürstenberg’schen Thiergarten südwestlich
von Lana (I, 34 U) gemacht. Das Bohrloch in der „Pusta dobra“ durchsenkte
132 Klafter tief die Steinkohlenformation, fuhr jedoch in dieser Tiefe das Grund-
gebirge — Thonschiefer — an, ohne ein Steinkohlenflötz vorgefunden zu haben.
In diesem Bohrloche wurden durchfahren aus der
Klafter.
Schachtteufe von . 6%
Gelblicher, feiner, eisenschüssiger
Sandstein l3S/34
Derselbe Sandstein, thonig i7/34
„ „ ohne Thon . . . 14/13
Röthlicher, grobkörniger Sandstein
mit Thon gemengt ....... 1%4
Klafter.
Grauer und weisser grobkörniger
Sandstein , ... . 39/12
Blauer Letten S1/*
Weisser feinkörniger Sandstein ... %
Blauer Letten 17/34
Graulicher grobkörniger Sandstein . 10%
Violetter und grüner Letten .... 5/13
481
[51]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
Grauer grobkörniger Sandstein . .
Grauer glimmeriger Schieferthon mit
grauem und röthüchem Letten . .
Graulicher und weisser Sandstein
Grauweisser Sandstein mit schwarzem
und rothem Letten
Grauer Sandstein
Conglomerat
Feinkörniger Sandstein
Graulicher Letten
Glimmerreicher fein- und grobkörni-
ger Sandstein
Grauer Letten mit Kohlenspuren . .
Grauer grobkörniger Sandstein . . .
Grauer Letten mit Kohlenschnüren .
Sandstein
Grauer plastischer Letten
Sandstein, abwechselnd fein- und
grobkörnig, weiss, gelb und grau,
locker und fest
Feiner, lettiger Sandstein
Schwarzer Letten
Grobkörniger grauer Sandstein . .
Sandiger Letten
Sandstein, fein- und grobkörnig, zu-
letzt mit Schwefelkies
Schwärzlicher Letten
Sandstein, grob- und feinkörniger . .
Schwarzgrauer Letten
Sandstein
Conglomerat
Sandstein, theils fest, theils milde,
fein- und grobkörnig wechselnd
Glimmerreicher Letten
Sehr fester Sandstein
Grauer Letten
Sandstein
Schwarzer Letten mit Kohlenspuren .
Klafter.
4l7/24
2%4
l5/l2
*l3/24
2
25/24
u/i*
Va
5%4
Vi2
1%
25/i2
1317/24
. Vl2
V24
3/l2
Via
33i2
Via
13V24
Ve
l3/24
%
89/i2
Ve
lir/24
3/24
7/l2
5/24
Sandiger Letten
Feinkörniger, kohlenhältiger Sand-
stein . .
Conglomerat .... *
Letten, blau, gelb, grün
Grauer fester Sandstein
„ Letten
„ Sandstein
„ Letten
„ Sandstein
Letten, blau, gelb, schwärzlich . . .
Schwärzlicher Sandstein
Bläulicher Letten
Feiner uud gröberer Sandstein . . .
Blauer sandiger Letten
Feiner, weisser, thoniger Sandstein .
Blauer sandiger Letten
Fein- und grobkörniger Sandstein . .
Blaugrauer Letten ........
Feinkörniger, zuletzt thoniger Sand-
stein
Blauer glimmerreicher Letten . . .
Sandiger Letten
Schwarzer Letten mit Schwefelkies .
Grauer feinkörniger Sandstein . . .
Eisenhältiger fester Sandstein (soge-
nannter „Eisendeckel“)
Moorartige Kohle
Grauer und blauer Letten
Sandiger Thon ...
Grüner Schieferthon
Sandiger Lettenschiefer
Schwärzlichgrüner Letten mit Kohlen-
schnürchen
Schieferthon
„ sehr fest, mit Quarz . .
Thonschiefer
Klafter.
V.
l5/24
724
2%4
Via
7/24
9/l2
Via
l5/l2
IVs
7/64
11/24
i%
%
73
IV12
%
S/l2
2Vl2
Via
7/24
1724
15/24
712
73
3724
%4
21/«
15/24
712
2
1%
S/24
Die in dem „Kopaninaer“ Bohrloche durchsenkten Gebirgsschichten waren
folgende:
Klafter.
Gelber Lehm 1
Sandstein, gelb, weiss, dann eisen-
schüssig („Eisendeckel“) .... 53/12
Violetter Letten Ve
Gelber und röthlicher Sandstein . . 49/i a
Conglomerat 3%
Rother Letten 1
Sandstein, grobkörnig, zuletzt eisen-
schüssig 9^/12
Conglomerat 4
Feinkörniger Sandstein 1
Weisser sandiger Letten y3
Sandstein, grob-, dann fein-, dann
wieder grobkörnig 39/24
Glimmerreicher weisser Thon ... a/3
Grobkörniger fester Sandstein . . . 3%4
Schwärzlicher glimmerreicher Letten
mit Kohlenspuren . . 17l2
Grobkörniger Sandstein Vit
Klafter.
Letten, bläulich glimmerreich, dann
weiss und grau 217/24
Sehr fester Sandstein 1
Lettenschiefer, bläulich, schwarz . . l3/24
Weisser feinkörniger Sandstein . . . 3/l2
Grauer Letten . . . . V12
Weisser feinkörniger Sandstein . . . 33/24
Letten, grau . . . 17/24
„ schwärzlich mit Kohlenspuren 72
„ dunkelblau . . . 19/24
Weisser Sandstein, fein-, dann grob-
körnig iy24
Röthlicher Letten . . . 3/24
Sandstein, theils fein-, theils grob-
körnig, zum Theile thonig . . . . 12%
Bläulicher Schieferthon 1%4
Thoniger Sandstein 25/6
Grauer Letten 1*%4
Grobkörniger Sandstein 5/i2
61 *
482
M. V. Lipoid.
[52]
Klafter.
Grauer Letten %
Mitlelkörniger Sandstein 27/12
Letten mit Spuren moorartiger Kohle,
hell und dunkel gefärbt 89/12
Klafter.
Sandstein, feinkörnig, grau und grün-
licht 122*24
Thonschiefer ^ V24
Dieses Bohrloch, das die Teufe von 106 Klaftern erlangte, hat somit nach
Obigem gleichfalls das Grundgebirge erreicht, ohne Kohlenflötze vorgefunden zu
haben. Ebenso resultatlos blieb das Bohrloch in der „Tannen-Verspältung“,
welches bis zur Teufe von 31 Klaftern in der Fortsetzung des IO1/,* Klafter tiefen
Schachtes daselbst folgende Schichten durchsenkte:
Klafter.
Graulichen Sandstein 11/12
Letten, röthlich, gelblich, blau-
schwarz l2/3
Conglomerat 5/6
Weissen grobkörnigen Sandstein . . 2^24
Röthlichen Letten 7/24
Weissen Sandstein 17/12
Klafter.
Letten, bläulich, schwärzlich, gelb . 23/84
Sandstein, feinkörnig wechselnd mit
grobkörnigem, weiss und grau . . 79/12
Letten, rothbraun, schwarz, blau,
glimmerreich l21/24
Feinkörnigen lockeren Sandstein . . 23 04
Thonschiefer 2/3
Diese Bohrversuche wurden in den Jahren 1850 — 1853 durch die fürstlich
Fürstenberg’sche Bergverwaltung in Lana ausgeführt.
Vielfache Schurfversuche auf Steinkohlen sind in der Umgebung von Ruda
gemacht worden, über deren Resultate ich dem Herrn Schichtmeister Max Pauk,
derzeit in Schlan, ausführlichere Mittheilungen verdanke. Da südlich von Ruda,
nahe an der Grenze der Steinkohlen- und Grauwackenformation (Tafel 1,
Schacht 34), der Abbau eines Steinkohlenflötzes durch Herrn Gewerken Poche
schon längere Zeit im Betriebe stand, so unternahm es im Jahre 1853 eine
andere Privatgewerkschaft, das Poche'sche Steinkohlenflötz in der weiteren
nördlichen Fortsetzung aufzudecken. Unglücklicher, aber auch unvorsichtiger
Weise hatte sie hierbei den Vorspiegelungen von ein Paar obscuren Individuen,
denen es nur um Arbeit und Gewinn zu thun war, vertraut, und denselben auch
die Leitung der Schürfungen überlassen, statt hiezu gleich anfänglich ein theo-
retisch und praktisch gebildetes Individuum in Anspruch zu nehmen. Die Schür-
fungen wurden energisch betrieben, Bohrungen vorgenommen, 27 Schächtchen
abgeteuft, und hiebei Angaben von dem Auftreten mächtiger Kohlenflötze
gemacht. So sollen mittelst des Bohrloches nächst dem Dorfe Ruda (Tafel I,
Bohrloch 35) in der 6. Klafter ein l3/3fussiges, in der 8. Klafter ein 21/2fussiges,
in der 9. Klafter ein 3fussiges, in der 15. Klafter ein 5fussiges, und in der
17. Klafter ein öfussiges Kohlenflötz, — in einem Bohrloche westlich vom
Patecker Heger, wo der Schacht Nr. 15 (Tafel I, Schacht 37) steht, ein Kohlen-
flötz von 9 Fuss Mächtigkeit, — und überhaupt in mehreren Bohrlöchern bis
9 Fuss mächtige Kohlenflötze durchsunken worden sein. Auf Grundlage dieser
Angaben wurden Schacht- und Maschinenhäuser gebaut, bei den Schächten
nächst dem Bohrloche bei Ruda (I, Bohrloch 35) und südöstlich vom Patecker
Heger (Tafel I, Schacht 36) Dampfmaschinen zu je 16 Pferdekräften aufgestellt,
und überhaupt Einleitungen zu einem grossartigen Abbaue getroffen. Als jedoch
im Jahre 1855 Herr M. Pauk die Werksleitung dieser bereits ausgedehnten
Schurfbaue übernahm, und mit Hilfe der Dampfmaschine das Abteufen des
bezeichneten Schachtes bei Ruda bis zur Teufe von 12 Klafter erfolgt war,
hatte man bis dahin nur in der 5. Klafter ein 6 Zoll mächtiges, dagegen weder
ein l2/3fussiges, noch ein 21/2fussiges, noch ein 3fussiges Kohlenflötz, wie es nach
der Angabe der Resultate des daselbst abgeteuften Bohrloches hätte stattfinden
sollen, angefahren! Das weitere Schachtabteufen wurde nun eingestellt, und
[83]
Das Steinkohl engebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
483
statt dessen in demselben eine Vorbohrung eingeleitet, durch welche in der
Teufe von 43 Klaftern das Grundgebirge, nämlich Thonschiefer, erreicht, und
hiebei theils Sandstein, theils Letten, aber keine Spur eines Kohlen-
flötzes durchsunken wurde! Eben so wurde in dem Schachte südwestlich vom
Dorfe Ruda (Tafel I, Schacht 33), welcher dazu beslimmt war, das in dem
obgenannten Rudaer Bohrioche angeblich Vorgefundene l2/3 Fuss mächtige
Kohlenflötz aufzuschliessen und in Abbau zu bringen, kein Kohlenflötz, wohl
aber in der 16. Klafter Thonschiefer angefahren, welcher daselbst ein Einfallen
nach Nordosten mit 30—40 Grad zeigte.
In Folge dieser ungünstigen und die Angaben der ursprünglichen Werks-
leiter verdächtigenden Resultate wurde nördlich von dem erwähnten Patecker
Schachte Nr. 13 (Tafel 1, Schacht 36), dessen Abteufen auf Grundlage der An-
gabe, dass daselbst ein 9fussiges Kohlenflötz erbohrt worden sei, begonnen
wurde, und zwar in einer Entfernung von 70 Klafter von dem Schachte (Tafel I,
Bohrloch 36), so wie auch südlich von diesem Schachte 20 Klafter entfernt
(Tafel I, Bohrloch 37) eine neue Bohrung unternommen, um die Wahrheit ohiger
Angabe zu constatiren. In dem Schachte, welcher die Teufe von 33 Klafter
erreichte, wurden durchfahren:
Klafter.
Dammerde und gelber Thon tl/3
Lichtgrauer lockerer Sandstein . . . 4y3
Roth, grau, gelb und weiss gestreifter
Letten 3
Glimmerreicher, feinkörniger licht-
grauer und lichtgelber Sandstein . . 2
Lichtgrauer glimmeriger Letten . . . iy6
Glimmerreicher Sandstein, wie oben . s/3
Lichtgrauer glimmeriger Letten . . . 3,3/24
Glimmerreicher lockerer Sandstein . . 2y24
Kohlen fl ötzchen 5/24
Grauer Letten mit Sphärosiderit und
Pflanzenabdrücken . . i9/äi
Compacter grauer, dann feinkörniger
grauer und gelber Sandstein . . . 39/24
Klafter.
Feiner gelblicher lockerer Sandstein . y3
„ „ fester Sandstein . . y3
Glimmerreicher sandiger Letten . . .l11/24
Feiner glimmeriger fester grauer und
weisser Sandstein 6%4
Conglomerat 11/24
Rother Sandstein yi3
Grauer Letten mit einem 3— Szölligem
Kohlenflötzchen 2/3
Grauer und weisser feinkörniger glim-
meriger und grobkörniger Sandstein l9/24
Conglomeratsandstein, weiss, mit Koh-
lentrümmern . . .
Im Schachte wurde noch weitere 4 Klafter vorgebohrt und die Bohrung im
Sandsteine anstehend sistirt. Das nördlich vom Schachte befindliche Bohrloch
(Tafel I, 36) durchörterte bis an den Thonschiefer, welchen es in der 32. Klafter
erreichte, folgende Gesteinsschichten:
Klafter.
Dammerde 5/12
Lichten thonigen Sand 4/3
Rothen sandigen Letten %
Eisenschüssigen Sandstein, zuletzt sehr
fest und grobkörnig (Eisendeckel) 2y3
Lichtgelben und rothen Letten . . . 5/24
Feinkörnigen glimmerreichen, violet-
ten Sandstein . . . 13,24
Eisenschüssigen Sandstein 5/6
Roth, grau, gelb und weiss gestreiften
Letten 59/12
Lichten glimmerreichen Letten . . . l7y12
Lichtgelben feinkörnigen Sandstein . l2/3
Lichtgrauen und röthlichen glimmeri-
gen Letten und grünen Schieferthon
mit Sphärosideritkugeln ..... 421/24
Grauen mittelfeinen Sandstein . . , 23/24
Klafter.
Blassgrauen Letten, glimmerarm, . . l11/i2
Weissen und lichtgrauen Sandstein mit
Kohlenspuren 35/6
Kohlenflötzchen 5/24
Sandstein, leiehtgrau, fein- und grob-
körnig 11 V24
Dunkelgrauen Letten mit Anthracit-
kohle V«
Rothen, weiss gestreiften Letten . . n/jg
Sandstein, lichtgrau, fein- und grob-
körnig 1015/24
Ziegelrothen Letten y3
Conglomeratsandstein y3
Conglomerat l19/24
Thonsehiefer, — in welchem das Bohrloch
noch 41/5 Klafter abgesenkt wurde.
484
M. V. Lipoid.
[54]
Eben so wenig, wie mit diesem Bohrloche, hat man auch mit dem südlich
vom Schachte angelegten Bolirloche (Tafel I, 37), welches 37 Klafter, und zwar
ebenfalls bis an den Thonschiefer niedergebracht wurde, mit Ausnahme des
13zölligen Kohlenflötzchens irgend ein Kohlenflütz durchsunken, so wie auch ein
anderes an der Strasse von Buda nach Bakonic gelegenes Bohrloch (Tafel I,
Bohrloch 38) in 22 Klafter Teufe den Thonschiefer erreichte, ohne irgend
etwas anderes, als wechselnde Sandstein- und Schieferthonschichten vorgefun-
den zu haben. Da durch diese letzteren Bohrversuche genügend nachgewiesen
wurde, dass die hoffnungsreichen Angaben der ersten Werksleiter falsch und
trügerisch waren , und da somit auch jede Hoffnung auf ein günstiges Resullat
in dem Maschinenschachte südöstlich vom Patecker Heger (Tafel I, Schacht 24),
in welchem bis zur erreichten Teufe von 23 Klaftern nur Sandsteine und Schiefer-
thone beleuchtet wurden, schwand, so wurde nicht nur das weitere Abteufen
dieses Schachtes sistirt, sondern von der oberwähnten Privatgewerkschaft, deren
Opferwilligkeit ein besseres Loos verdient hätte, im Mai 1859 jede weitere
Schurfarbeit nächst Ruda eingestellt, und das Terrain als erwiesen hoffnungslos
verlassen.
Das bei dem Poche’schen Kohlenwerke (Tafel I, Schacht 34) in Abbau
befindliche Steinkohlenflötz, dessen Kohle — nach einer bei der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt vorgenommenen Untersuchung — in 100 Theilen 5*7 Theile
Wasser und 6*7 Theile Asche enthält, und von welcher 10-2 Centner einer Klafter
30zölligen weichen Holzes äquivalent sind, besitzt im Durchschnitte eine Mäch-
tigkeit von 3 Fuss, ist aber, wie es die Aufschlüsse dnrgethan haben, in einer
ganz kleinen isolirten Mulde von beiläufig 800 Quadratklaflter Fläche abgelagert,
und keilt sich demnach in dieser Mulde nach allen Richtungen aus. Der Schacht,
welcher noch in das Liegende desKohlenflötzes fortgesetzt wurde, erreichte bereits
in der 14. Klafter den Thonschiefer. Der Thonschiefer steht übrigens südlich von
diesem Schachte kaum 120 Klafter entfernt zu Tage an, und er wird daselbst
unmittelbar von dem 3fussigen Kohlenflötze überlagert, dessen Ausgehenden man
ringsum in der kleinen Mulde 1 — 1 i/z Klafter tief unter dem Rasen aufdeckte.
Das Kohlenflötzchen, welches in dem oberwähnten Patecker Schachte
Nr. 15 durchfahren wurde, besteht aus wechselnden Kohlen- und tauben
Schieferschichten, und zwar aus :
Zoll.
Kohle 6
Zwischenmittel 3
Kohle 3
Zwischenmittel 1
Zoll.
Kohle 2
Zwischenmittel 2
Kohle 2
mit der Gesammtmächtigkeit von 19 Zoll, wovon 13 Zoll Kohle und 6 Zoll taube
Zwischenmittel sind. Dieses sogenannte 13zöllige „Hangendflötzchen“ findet
sich in der Umgegend von Ruda fast allenthalben vor. Es wurde dasselbe auch
in zwei Bohrlöchern und in einem Schächtchen an derRakonicer Strasse westlich
vom Horacker Heger (Tafel I, Bohrloch 39 und 40, Schacht 39), und zwar in
dem ersteren Bohrloche in 7, in dem zweiten in 4 Klafter Teufe vorgefunden,
und kömmt neben den Schächten in Ausbissen zu Tage. Andere Kohlenflötze
wurden auch mit den letztgenannten zwei Bohrlöchern nicht durchsunken,
obschon beide bis an den Thonschiefer, und zwar ersteres 23 und letzteres
21 Klafter tief, niedergebracht worden sind. Dagegen stand nordwestlich von
diesen Ausbissen in dem fürstlich Fürstenberg’schen Wildschweingehege
(Saugarten) ein Bergbau auf Steinkohlen, die „Karolizeche“ (Tafel I, Schacht 38),
im Betriebe, in welchem ein 3fussiges und unter demselben ein 19fussiges
[SS]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 485
Steinkohlenflötz mit dem Streichen nach Stunde 23 und mit westlichem Ver-
flachen aufgeschlossen worden sein sollen. Der Fortbetrieb dieses von der fürst-
lich F ü r sten b er g’schen Gutsverwaltung eröffneten Grubenbaues wurde wegen
Störung des Wildgeheges eingestellt, und da wegen dieses Geheges anderen
Bergbaulustigen ohne Genehmigung des Gründeigenthümers in demselben das
Schürfen gesetzlich nicht gestattet ist, so sind bisher in diesem hoffnungsvollen
Terrain auch keine weiteren Untersuchungen der Steinkohlenablagerungen vor-
genommen worden.
d) Umgebung von Rakonic.
In den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in
Wien — XXIX. Band, Nr. 8, März 1858, Seite 121 — ist von Herrn Professor
Dr. A. E. Reuss in Prag eine Abhandlung „Ueber die geognostischen
Verhältnisse des Rakonicer Beckens in Böhmen“ erschienen, welche
die in diesem Becken bekannten Steinkohlen Vorkommen erörtert. Ich muss auf
diese verdienstvolle Arbeit des Herrn Dr. Reuss um so mehr hinweisen, als
nur ein Theil des Rakonicer Beckens , nämlich der östlich vom Meridian von
Rakonic befindliche, in das Bereich meiner geologischen Aufnahmen des Jahres
1859 fiel.
Die Begrenzung der Gebilde der Steinkohlenformation gegen jene der
Grauwackenformation ist in der Umgebung von Rakonic grösstentheils unmittel-
bar sichtbar, und allenthalben findet man, dass die Schiefer der silurischen
Grauwacke an dieser Grenze ziemlich steil nach Nord oder Nordwest einfallen,
und von den Sandsteinen der Steinkohlenformation mit flacherem Einfallen über-
lagert werden. Die Gebilde der Steinkohlenformation treten jedoch in diesem
Terrain nur wenig an dem südlichen Rande des Beckens zu Tage, indem sie
allenthalben von dem Rothliegenden, das im Rakonicer Becken sehr verbreitet
ist, überdeckt werden.
Ueber die Zusammensetzung und die Lagerungsverhältnisse der Steinkohlen-
formation geben auch in der Umgebung von Rakonic die verschiedenen Stein-
kohlenbaue und die mehrfachen Bohrversuche auf Steinkohlen die besten
Aufschlüsse.
An der Ostgrenze des Rakonicer Beckens, am Nordgehänge des „langen
Kammes“ befinden sich mehrere alte Schächte (Tafel I, Schacht 40), mittelst
welcher ein 5 Fuss mächtiges Steinkohlenflötz abgebaut wurde. Die Schächte
erlangten bis zur Kohle die Tiefe von 7 — 10 Klaftern, und in der Teufe von
25 Klaftern hat man bereits den Thonschiefer der Grauwackenformation ange-
fahren.
Südwestlich von diesen älteren Kohlenbergbauen, im Glashüttengraben oder
in der sogenannten „Belsanka“, sind von Seite der Prager Eisen-Industrie-
gesellschaft in Kladno Schürfungen auf Kohlen vorgenommen worden. Mittelst
eines Stollens am rechten Bachufer und mittelst Schächten am linken Thal-
gehänge (Tafel I, Belsanka) hat man ein 5 Fuss mächtiges Steinkohlenflötz mit
minder reiner Kohle angefahren, das im Allgemeinen ein Streichen von Nord
nach Süd und ein westliches Einfallen mit 15 — -20 Grad besitzt, und dem
oberwähnten Kohlenflötze am „langen Kamm“-Gehänge identisch sein dürfte.
Unter diesem Steinkohlenflötze soll ein zweites von 6 Fuss Mächtigkeit
auftreten.
An dem südlich vom Glashüttengraben aufsteigenden Bergrücken, an der
»chladnä stran“, befindet sich der Ma r esch’sche Steinkohlenbergbau, der
486
M. V. Lipoid.
[56]
schon längere Zeit im Betriebe steht. Er wird mittelst Schächten betrieben
(Tafel I, Schacht 41), die keine grosse Teufe erreichten, da die Mächtigkeit
der Steiukohlenformation, welche daselbst eine Ausbuchtung in der Silurformation
bildet, kaum 40 — 50 Klafter beträgt. Mit diesen Schächten wurden zwei Stein-
kohlenflötze von 4 und 5 Fuss Mächtigkeit in Abbau gebracht, welche, obschon
mehrfach wechselnd , im Durchschnitte ein Streichen von Nordost nach Siidwest,
und ein nordwestliches Verflächen besitzen, das gegen das südöstliche Aus-
gehende ungefähr 20 Grad beträgt und nach dem tieferen Einfällen flacher wird
und bis unter 10 Grad fällt. Das zwischen den beiden Kohlenflötzen befindliche
taube Zwischcnmittel beträgt nahe dem Ausgehenden nur wenige Zoll, nimmt
aber je tiefer nach dem Einfallen an Mächtigkeit zu, während gleichzeitig in
demselben Verhältnisse das Hangendkohlenflötz an Mächtigkeit abnimmt. Auch
in das Liegendkohlenflötz schiebt sich nach dem Verflächen ein taubes Zwischen-
mittel ein, das die Kohle in der Art verdrängt, dass in den nordwestlichen Auf-
schlüssen nur mehr ein 18zölliges Kohlenflötz vorhanden ist. Ueberhaupt gewinnt
es den Anschein, dass die Kohlenttötzablagerung an der chladnä strah eine aller-
seits sich auskeilende sei, und nur eine kleine isolirte Mulde ausfülle. Auch ist
der grösste Theil dieser Ablagerung bereits abgebaut oder durch Brüche
unzugänglich geworden.
Am südlichen Gehänge des chladnä stran-Rückens kommt alsbald die Grau-
wackenformation zu Tage. Eben so ist am nördlichen Gehänge desselben Rückens
bis in das Glashüttenthal die Steinkohlenformation nicht mächtig entwickelt,
indem ein Bohrloch, das an diesem Gehänge in der „Habrowa stran“ (Tafel I,
Bohrloch 41) abgeteuft wurde, schon in der 11. Klafter den Thonschiefer anfuhr,
nachdem es vorher Kohlensandsteine und Conglomerate und l»/8Fuss blauen
Letten, jedoch keine Kohlenspuren durchsenkte.
Einen bedeutenden Aufschluss erhielt die Steinkohlenformation in der Um-
gebung von Rakonic durch das Kohlenbergwerk „Adalbertizeche“, welches
sich x/z Stunde östlich von der Stadt Rakonic an der Nordseite des grossen
Teiches befindet (Tafel I, Schacht 42 und 43). Der Güte des Bevollmächtigten
der Adalberti-Gewerkschaft, Herrn Gustav Schupansky jun., verdanke ich
mehrfache Daten über diesen Bau, wie überhaupt über die Umgebung von Rako-
nic. Der Beginn dieses Bergbaues datirt vom Jahre 1847, wo von ein Paar Tag-
löhnern das Ausgehende eines Kohlenflötzes in der Nähe der jetzigen Schächte i
erschürft wurde. Herr Kaufmann Johann Herold von Rakonic nahm die weiteren
Schürfungen und Aufschlüsse in die Hand, und associrte sich in der Folge mit
Herrn Gustav Schupansky sen. von Rakonic, welcher im Jahre 1859 in den
Alleinbesitz des Grubenbaues trat. Im Jahre 1857 wurde die Gründung einer
Gewerkschaft versucht, welcher Versuch aber an den damaligen ungünstigen
Verhältnissen des Geldmarktes scheiterte.
Der Werkscomplex der „Adalbertizeche" besteht aus 39 Grubenfeldmassen
und einigen Ueberscharren. Die Situation derselben nebst Grubenplan ist in der
beigefügten Tafel VI dargestellt. Der Aufschluss der Steinkohlenflötze erfolgte
mittelst Schächten, deren vier nahe dem südöstlichen Ausgehenden der Flötze |
(Schacht Nr. 1 incl. 4), und ein fünfter — der Katharina-Hauptschacht — in i
einer Entfernung von ungefähr 250 Klaftern nordwestlich von den ersteren sich
befinden. Durch die vier erstgenannten Schächte, hei deren einem, dem
„Jamkaschacht" eine 6pferdige Dampfmaschine zur Wasserhebung aufgestellt
ist, wurden die Steinkohlenflötze in einer Teufe von 8 — 14 Klaftern unter Tage
erreicht und durchsunken, und von denselben aus durch streichende und j
schwebende Strecken ausgerichtet.
[37]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
487
Der Katharinaschacht erreichte die Steinkohlen mit 48 Klafter Teufe und
durchsenkte folgende Gesteinsschichten : Klafter.
Röthlichen Lehm mit Kieselgeröllen 6
Sandsteine, theils fein-, theils grobkörnig, grau, gelblich, weiss, mit Kaolin-
Bindemittel, röthlichem Feldspath, und sparsamen weissem Glimmer 12VS
Schieferthon, glimmerreich, theils fettig, theils sandig, theils eisenschüssig .... 2%
Sandsteine, sehr fein, dann mittel-, dann grobkörnig, röthlichgrau, gelblich, mit
wenig Kaolin 53/3
Schieferthon, hellgrau mit wenig Glimmer %
Sandstein, feinkörnig, locker, mit wenigem eisenschüssigem Bindemittel 1
Letten, fettig, hellgrau, in’s grünliche mit Knollen von Sphärosiderit %
Lage von Sphärosideritknollen %
Letten, wie oben %
Sandstein, sehr feinkörnig, glimmerreich, mit Spärosideritkörnchen und Drusenräumen
mit Kalkspath, Bleiglanz und Schwefelkieskrystallen 5/24
Letten, glimmerleer, dunkelgrau • %
Sandstein, fein-, dann grobkörnig, mit sparsamem Kaolin und silberweissem Glimmer,
zum Theil eisenschüssig, zuletzt mit Kohlenschnürchen . 15%
Letten, mager, grüngrau, glimmerreich 5/12
Sandstein, grobkörnig, mit einzelnen Feldspathkörnern und Glimmer y3
Letten, mager, grüngrau, glimmerreich mit Pflanzenabdrücken V12
Sandstein, hellgrau, grobkörnig, glimmerig %
Letten, wie der vorhergehende 1
Steinkoh le (Repräsentant der Oberbank) %4
Sphärosiderit, feinkörnig, geschichtet %4
Schieferthon, dunkelgrau, hellgrau, mit Pflanzenresten %4
Steinkohle (1. Mittelbank) 7/24
Schieferthon, grünlichgrau mit undeutlichen Pflanzenresten (Schramm) %2
Letten, hellgrau mit zahlreichen Pflanzenabdrücken . %
Steinkohle (Repräsentant der 5. Bank) mit Samen und Früchten von Pflanzen . . . s/24
Letten, — übergehend in festen Thonschiefer.
Die durch die Schichte Nr. 1 bis 4 und durch die Grubenstrecken auf-
geschlossene Kohlenflötzablagerung ist, wie es aus den Durchschnitten AB und
CD in Tafel IV ersichtlich, eine muldenförmige, und daher Findet sich eine be-
stimmte Streichungsrichtung nicht vor. Das Einfallen der Flötze gegen die Mitte
der Mulde beträgt kaum b — 6 Grad. Durch mehrfache Klüfte, deren die haupt-
sächlichsten in dem Grubenplane verzeichnet sind, werden die Kohlenflötze um
ein paar Fuss bis zu 1 Klafter verworfen. Im Osten und Norden stossen sich die
Kohlenflötze an einem Schieferrücken des Grundgebirges ab, das ostwärts in der
Nähe der Schächte am Teiche zu Tage tritt. Durch einen Querschlag, den man
im Nordfelde durch den Schieferrücken trieb, und durch ein unterirdisches
Bohrloch, das man an der Nordseite des Rückens abbohrte (siehe Durchschnitt
CD in Tafel IV), und mit. welchem man Kohlen anfuhr, hat man die Ueber-
zeugung gewonnen, dass die Steinkohlenflötzablagerung auch jenseits, d. i. nörd-
lich von diesem Schieferrücken ihre Fortsetzung finde. Dieser Schieferrücken
zieht sich mit einer Krümmung in nordwestlicher Richtung bis in die Nähe des
Katharinaschachtes, und streicht nordöstlich an demselben vorbei. Man hat dess-
halb mit dem Katharinaschachte die Flötze nicht in ihrer vollen Mächtigkeit,
welche sie in der ersterwähnten Mulde besitzen, angefahren, jedoch durch
Streckenbetrieb dieselben von dem Schachte aus theilweise ausgerichtet (Durch-
schnitt AB, Tafel IV). Auch hier vermuthet man aus der Analogie, dass sich die
Steinkohlenflötze nordöstlich von dem Schieferrücken wieder ansetzen werden,
während das Anhalten der Flötze in südlicher Richtung von dem Katharinaschachte
aus gegen den grossen Teich um so zuversichtlicher erwartet werden kann, als
man mit zwei Bohrlöchern in der Nähe des grossen Teiches Steinkohlen aufdeckte.
62
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
488 M. V. Lipoid. [58]
Die Beschaffenheit der Kohlenflötzablagerung in der Adalbertizeche zeigt
die nachfolgende Skizze:
Kohlen
Berge
Klafter
Fuss
Zoll
Klafter
Fuss
Zoll |
Schieferthon.
Kohle — Oberbank
1
Sandiger Schieferthon
.
6
Kohle — schmales Flötz
1
Sandiger fester Schieferthon ....
.
9
Kohle — Mittelbank — Oberpaken . .
4
Schieferthon — Schramm
3
Kohle — Mittelbank — Unterpaken .
4
3
.
Sandiger Schieferthon
.
.
5
6
Kohle — Unterbank
Schieferthon
3
9
*
•
3
1
•
1
i
•
4 Klafter 2 Fuss.
Die ganze Mächtigkeit der Ablagerung beträgt 4 Klafter 2 Fuss; hiervon
nehmen die fünf Kohlenflötze 3 Klafter 1 Fuss und die tauben Zwischenmittel
1 Klafter 1 Fuss ein. Ich kann nicht umhin, auf die Aelmlichkeit hinzuweisen,
welche diese Ablagerung mit den Kohlentlötzahlagerungen bei Kladno besitzt,
indem auch dort in der Regel fünf parallele Kohlenflötze vorgefunden wurden.
Andererseits aber unterscheidet sich diese Ablagerung rücksichtlich der Zwischen-
mittel sowohl von jenen von Kladno, als auch von jenen von Bustehrad, Brand-
eisel und Wotwowic dadurch, dass zwischen der Ober- und Mittelbank kein
namhaftes, dagegen zwischen der Mittel- und Unterbank ein ziemlich bedeuten-
des Zwischenmittel von sandigem Schieferthon auftritt, wodurch sich diese Ab-
lagerung einerseits jener von Kladno, vom Bustehrader Westrevier und von
Brandeisei, andererseits jener vonRapic, vom Bustehrader Ostrevier und von
Wotwowic annähert. Die Kohle selbst ist zähe und fest, im Allgemeinen rein von
Schwefelkies, und widersteht sehr gut der Zersetzung durch Atmosphärilien. Ihrer
Zähigkeit und Festigkeit ist es zuzuschreiben, dass beim Abbaue derselben nur
y4 Theil der ganzen Kohlengewinnung als Kleinkohle abfällt. Von den einzelnen
Kohlenbänken liefern besonders die Mittel- und die Unterbank eine ausgezeich-
nete Kohle. Analysen dieser Kohlen, welche im Laboratorium der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt vorgenommen wurden, ergaben folgende Resultate:
Benennung der Plötze
Asche in 100
Theilen
Wasser in 100
Theilen
Reducirte Ge-
wichtstheile Blei
Wärme-Einheiten
Aequivalent einer
Klafter 30" wei-
chen Holzes sind
Centner
Adalbertizeche :
Oberflötz
6*2
5-3
23-30
3243
10-0
Mittelbank
7-7
4-0
23-43
5299
9-9
Unterbank
3-2
5-3
24-80
5604
9-3
[59]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
489
Die Kohle der Adalbertizeche eignet sich besonders gut zur Vercokung.
Nach Versuchen, welche die Adalberti-Ge werkschaft veranlasste, hat die Kohle
aus der Oberbank 66 Procent und jene aus der Unterbank 64 Procent Cokes
geliefert.
Die Kohlenerzeugung der Adalbertizeche war bisher, grossentheils wegen
Mangel an Betriebsmitteln und an Absatz, nur unbedeutend, soll aber in nächster
Zeit auf Million Centner jährlich gebracht werden. Die Dampfmaschine
von 6 Pferdekraft am Jamkaschaclite war bisher kaum im Stande die Wasser zu
Sumpf zu halten, konnte demnach zur Förderung nicht verwendet werden. Eben
so wenig entspricht die Dampfmaschine von 24 Pferdekraft, welche am Katharina-
schachte aufgestellt ist, den Anforderungen einer grossen Erzeugung.
Weitere Aufschlussarbeiten in der Nähe der Adalbertizeche und nächst
Rakonic sind durch Bohrlöcher vorgenommrn worden. Ein Bohrloch nordöstlich
von der Adalbertizeche nächst des Dorfes Luzna (Tafel I, Bohrloch 42), von der
Adalberti-Gewerkschaft bis zur Teufe von 67 Klaftern abgesenkt, jedoch in dieser
Teufe wegen eines bedeutenden Stangenbruches aufgegeben, durchfuhr folgende
Gebirgsschichten :
Klafter.
Letten, graugrün, kurzklüftig . . . 47/23
Sandstein, grobkörnig in Conglomerat
übergehend 211/i2
Letten, grau, zähe l9/24
Sandstein, grau, grobkörnig .... S7/24
Letten, schwärzlich, sehr zähe ... V3
„ in sehr feinen glimmerigen
Sandstein übergehend %
Sandstein, grau, feinkörnig .... 41/12
Conglomerat, eisenschüssig .... 1
Letten, grau, braun %
Sandstein, grau 3/3
Letten, grau 3/12
Sandstein, grau und gelblich, fest . . 73/12
Klafter.
Letten, röthlich i %
Sandstein, grau, grobkörnig .... %4
Letten, mit Spärosideriten 19/12
Sandstein, weiss mit Feldspath . . . 2%
Letten, grau, röthlich, weisslich, mit
Kohlenspuren, dann eisenschüssig,
zuletzt sandig 6ye
Sandstein, weiss 27/12
Letten, weisslich, sandig %
Sandstein, fest, grobkörnig .... 6%
Letten, grau, glimmerreich . . . . . •/„
Sandstein, feinkörnig, glimmerreich . l5/24
Letten, weiss, sandig, dann schwärzlich 411/24
Sandstein, grau, feinkörnig .... 2
Westlich und nordwestlich von der Adalbertizeche am „grossen Teiche"
wurden ferner von der Adalberti-Gewerkschaft vier Bohrlöcher (Tafel I, Bohr-
loch 43, 44, 46 und 46) abgeteuft, welche die Teufe von 14, respective 17,
68 und 46 Klafter erlangten.
Das erste Bohrloch durchsenkte:
Klafter.
Dammerde, Lehm und Gerolle ... 4
Sandstein, weiss, lose 4%4
Letten, schwärzlichgrau 1%
Sandstein, grobkörnig, fest .... 7/12
Kohle 1
Klafter.
Schieferthon . . . , l7/24
Kohle 1
Schieferthon . 9/12
Kohle W24
Sandstein — Thonschiefer.
Im zweiten Bohrloche wurden durchörtert:
Klafter.
Sandstein, milde, fein- und grobkörnig 105/12
Letten, grau l11/^
Sandstein, fest y2
Letten, schwarz, mit Kohlenschnüren 1
Kohle, fest und rein 1 y24
Schieferthon
Kohle . . . .
Sandstein, lettig
Thonschiefer.
Das dritte Bohrloch zeigte die Schichtenreihe;
Klafter
11
12
712
®/l2
62 *
490
H. V. Lipoid.
[60]
Klafter.
Sandstein, fein- und grosskörnig . . 4
Letten, grünlich, sandig — eisen-
schüssig, gelb 2%
Sandstein, weiss, fein, lettig .... iy6
Letten, grüngrau, sandig %
Sandstein, lettig, gelb, in weiss über-
gehend 85/12
Letten, grau mit viel Moorerde ... i/3
Sandstein, weiss mit Kohlenschnürchen 4%
„ fest, quarzreich 1
» lettig 8V6
Klafter.
Letten, sandig, grau, glimmerreich . l8/j
Sandstein, grau, zum Theile lettig . 9y2
Letten, mit Moorerde und sehr vie-
len Kohlenschnürchen (Repräsen-
tant der Kohlenflötze) 35/u
Sandstein, gelbgrünlich, sehr fein . . 2
Letten, schwarzgrau 2/s
„ grau, fest, mit Sphärosiderit 7%
Sandstein, grünlich, feinkörnig . . . 14/|2
„ mittelkörnig, quarzig . . 1%*
Thonschiefer.
Im vierten Bohrloche endlich, welches, da in demselben kein anderes
Resultat, als im dritten Bohrloche, zu erwarten war, ehe es das Grundgebirge
erreichte, sistirt wurde , wurden gelöffelt:
Klafter.
Sandstein, lose, mild 41/2
Letten, giünlichgelb, röthlich . . . 1%
Sandstein, anfänglich röthlich, mittel-
körnig, dann grau, gelb, feinkörnig 332l/24
Klafter.
Letten, schwarz mit Moorerde und
Kohlcnschnürehen (Kohlenflöt z-Re-
präsentant) 5%
Zwischen der Adalbertizeche und der Stadt Rakonic wurden auch von Seite
der fürstlich Fürsten bei* g’schen Verwaltung Bohrungen veranlasst, deren
eine (Tafel I, Bohrloch 47) am Rücken zwischen dem grossen Teiche und der
Stadt Rakonic unfern der St. Wenzelstatue, in der 71. Klafter Diorit anfuhr, und
folgende Schichten durchörterte:
Klafter.
Dammerde mit Gerolle . . • • • • 19/a*
Letten, röthlich, blau, hellgrau . . . 47/24
Sandstein, feinkörnig, braun, theils
eisenschüssig, gelb, thonig, röthlich 103/12
Letten, braun 3%
Sandstein, braun, eisenschüssig, dann
weiss, grobkörnig 6V3
Letten, röthlichweiss y3
Klafter
Sandstein, braun, feinkörnig .... 62/3
Letten, blau, braun und wieder blau . 7
Sandstein, grau, sehr feinkörnig . . 5y2
Schieferthon, grau, weiss, schwärzlich 2!/,2
Sandstein, grobkörnig, hellgrau . . . 4VS
Letten, schwarzblau, glimmerig . . . %2
Sandstein, lichtgrau, grobkörnig . . 14%
Diorit 52/3
Das zweite fürstlich Fürstenbe rg'sche Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 48)
südöstlich von Rakonic zwischen der St. Johannstatue und dem Judenkirchhofe
hat bis zur 41. Klafter, in der es in Thonschiefer anstand , folgende Schichten
durchörtert:
Klafter.
Lehm mit Quarzgeschieben .... 7
Sandstein, gelb, hart 2%
Letten, roth und weiss gefleckt . . . 17/12
Sandstein, gelb mit Glimmer, fein-,
dann grobkörnig 6y6
Letten, blau, dann weiss u. glimmerig 49/12
Sandstein, grobkörnig 17/12
Klafter.
Letten, schwarz %
Letten und Schieferthon, schwarzgrau,
mit Schwefelkies ls/i2
Sandstein, blaugrau, feinkörnig, glirn-
merreich 12y6
Thonschiefer 3%
Südöstlich von der Stadt Rakonic an der unmittelbaren Grenze der Stein-
kohlen- und der sibirischen Grauwackenformation sind mehrere Steinkohlen-
bergbaue eröffnet worden, und zwar der „M eyer’sche Kohlenbau“ (Tafel I,
Schacht 44) zwischen dem Hammerbache, dem Neu-Teiehe und dem Rakonic-
bache, der „Zak’sche Kohlenbau“ (Tafel I, Schacht 46) zwischen dem Senecer
und Rakonicer Bache, der „Mas c h ek’sche Kohlenbau“ (Tafel I, Schacht 46)
westlich an den letztgenannten anstossend, dann der „Ullman'sche“ (Tafel I,
Schacht 47) und der „Wurmbr and’sche“ (Tafel I, Schacht 48) „Kohlenbau“,
südwestlich Yon den ersteren am Senecbache.
[61]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
491
Der Meyer’sche Kohlenbau gellt in einem kleinen kaum 300 — 400 Klafter
breiten Muldenabschnitte der Steinkohlenformation um, der durch die in Süd-
west, in Süd und in Nordost ausbeissenden Thonschiefer, welche meist steil, bis
TO Grad, nach Nord einfallen, von drei Seiten deutlich begrenzt und gegen
Nord west vom Rothliegenden überlagert ist. Durch mehrere Schächte, welche
die Teufe von T, 15 bis 22 Klafter erreichten, sind im Allgemeinen drei grössere
Steinkohlenflötze angefahren worden, von welchen das Hangend- und Liegendflötz
je 3 Fuss, das Mittelflötz aber l1/ 8 Fuss mächtig sind. Das Hangende der Kohlen-
ablagerung bilden Sandsteine von 6 — 10 Klafter Mächtigkeit mit einer Zwischen-
lagerung von Schieferthon, der ebenfalls ein */a Fuss mächtiges Flötz führt.
Zwischen den drei Hauptflötzen sind Schieferthone von 1 — 5 Klafter Mächtigkeit
mit zahlreichen Pflanzenresten und zwischen dem Hangend- und Mittelflötz mit
Sphärosideritknollen abgelagert. Auch schiebt sich gegen die Mitte der Mulde
zwischen das 3fussige Liegendflötz ein Schieferthon ein, der ein paar Fuss Mäch-
tigkeit erreicht und das Flötz in zwei 1 y3fussige Bänke theilt. — Das Liegende
der ganzen Kohlentlötzablagerung bildet ebenfalls Schieferthon mit Sphäroside-
riten. — Diese Kohlenflötzablagerung hat demnach viele Aehnlichkeit mit jener
bei der Albertizeche , nur sind bei der letzteren die Kohlenflötze mächtiger,
dagegen die Zwischenmittel minder mächtig, als im Meyer’schen Baue, abge-
lagert. Im Allgemeinen verflächen die Flötze mit 8 — 10 Grad nach Nordwest. Es
finden sich jedoch vielfache Störungen in denselben vor, die durch Diorite und
Syenite, welche in dem begrenzenden Thonschiefer auftreten, veranlasst worden
sein dürften, wie dies Herr Gustav Schupansky in einer besonderen im Jahr-
buche der k. k. geologischen Reichsanstalt erschienenen Abhandlung *) nachweiset,
in welcher Abhandlung Herr Schupansky auch eine detaillirtere Beschreibung
dieses Kohlenbaues liefert.
Auch die übrigen obgenannfen drei Kohlenbaue scheinen abgesonderte
Muldenflügel der Kohlenflötzablagerung angefahren zu haben, deren Trennung
und mehrfache Störung gleichfalls durch Eruptivgesteine hervorgerufen sein mag.
Alle Baue haben mittelst Schichten von 8 — 16 Klafter Tiefe die Kohlenablagerung
erreicht, die aus drei Kohlenbänken besteht, welche die Mächtigkeit von
2 — 4 Fuss besitzen. Auch hierüber gibt Herr Schupansky in der obangeführ-
ten Abhandlung nähere Nachrichten.
Südwestlich von den ebenerwähnten Kohlenhauen nächst des Dorfes Senec
macht die Steinkohlenformation eine kleine Ausbuchtung in der Silurformation,
und in dieser Bucht sind ebenfalls mehrere Bergbaue auf Steinkohlen eröffnet
worden. Bei dem Dorfe Senec selbst (Tafel I, Schacht 49), nördlich und west-
lich von demselben, befindet sich eine grosse Anzahl von Schächten, die von ver-
schiedenen Grubenbesitzern auf eine Teufe von 7 — 12 Klaftern niedergebracht
wurden, und in dieser Teufe ein 5 — 6 Fuss mächtiges Kohlenflötz anfuhren, das
eine gute Kohle aber sehr häufige Verwerfungen enthüllt. Herr Dr. Reuss
liefert in seiner obangeführten Abhandlung eine detaillirtere Beschreibung dieser
Baue. Nach derselben fällt das Steinkohlenflötz in der Barbarazeche unter 5 bis
6 Grad nach Stunde 23 (N. 15° W.), in der Peregrinuszeche mit 20 — 25 Grad
nach Stunde 2 — 3 (NO.), und in der Johanneszeche wieder nur mit 9 — 10 Grad
nach Norden. Die Verwerfungsklüfte streichen meistens nach Stunde 17
(W. 15° S.), und die bedeutendste Verwerfung des Flötzes beobachtet man in
der Johanneszeche, wo durch eine mit 75 Grad nach Nord einfallende Verwer-
fungskluft das beinahe senkrecht abgebrochene Flötz um 7 Klafter saiger
*) Siehe Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt. XI, 1860, Verh. Seite 77.
492
M. V. Mpold.
[62]
verschoben erscheint. — Angrenzend an diese Baue, nordwestlich von denselben,
unmittelbar bei dem Dorfe Lubna ist der gräflich Nostiz'sche Steinkohlenbau
im Betriebe (Tafel I, Schacht 50). Ich verdanke mehrere Daten und Zeichnungen
über diesen Bau dem Herrn Schichtenmeister Franz B i i c h t a in Lubna. Die
Figur G in Tafel IV enthält den Grundriss und zwei Profile über diesen Bau,
welcher zwei Abbaufelder, ein nordwestliches und südöstliches besitzt. Beide
Abbaufelder sind mittelst mehrerer Schächte aufgeschlossen worden. Der Haupt-
schacht im nordwestlichen Felde ist der Maschinenschacht Nr. 1 , welcher die
Teufe von 40 Klaftern erreichte und folgende Gesteinsschichten durchfuhr:
Klafter
Schieferthon, röthlich 5Vi3
Sandstein, löthlich, in Conglomerat
übergehend 2%
Schieferthon, roth . . . S/24
Sandstein, röthlich und grünlich . . 3^
Schieferthon, grau 1 y8
Sandstein mit Conglomerat 5%
Sandsteine mit Schieferthonen ohne
regelmässiger Lagerung 717/24
Ein Kohlentrumm 3/24
Sandsteine u. Schieferthone unregel-
mässig gemengt 1 %
Klafter.
Kohle
• • Vit
Sandstein, grau, feinkörnig . . .
. . 1«/|2
Schieferthon, grau
• • i9«
Sandstein, mit Kohlenschnüren .
• • iVtz
Schieferthun
• • 6/i*
Kohle
• • 324
Schieferthon
• • 5/ia
Sandstein, grobkörnig
. • y«
Schieferthon
• . 2I/24
Kohle
Schieferthon
• • i'%4
Sandstein, mit Kohlenspuren . .
. . 2*/«
Durch die unregelmässige Lagerung der Sandsteine und Schieferthone ist
man zur Ueberzeugung gelangt, dass man mit dem Schachte an einer Verwer-
fungskluft angesessen ist (siehe Durchschnitt ab), und es wurde in der 22. Klaf-
ter desselben ein Auslenken nach Südwest getrieben, mit welchem man in der
That die KohlenflÖtzablagerung oberhalb der Verwerfung angefahren und weiter
ausgerichtet hat. Der Schacht hat übrigens zu oberst Schichten des Rothliegen-
den durchörtert.
In dem südwestlichen Abbaufelde hat man in dem Hauptschachte Nr. VII,
welcher 16 Klafter tief ist, folgende Gesteinsschichten vorgefunden:
Klafter.
Lehm und Letten 47/24
Sandstein, feinkörnig, grauweiss . . 1
Letten, röthlichgrau 4l/12
Sandstein, weiss . . . lS/24
Letten 7/12
Sandstein, gelblich und röthlich • • l5/l2
„ weiss, feinkörnig .... l5/24
Schieferthon, grau, mit Pflanzenspuren l3/l2
Kohle
Sandstein, mürbe, feinkörnig . . . .
Schieferthon, blaugrau
Sandstein, röthlich, gelblichgrau, mit
Conglomeraten
Schieferthon
Kohle
Schieferthon
Klafter.
%4
V24
V24
ay«
l7/24
iv24
V.
Die KohlenflÖtzablagerung besteht in der Regel aus zwei durch ein taubes
Zwischenmittel von 7 Zoll getrennten Kohlenbänken, deren obere durchschnitt-
lich die Mächtigkeit von 5 Fuss besitzt, und die untere die Mächtigkeit von
1 y2 Klafter erreicht. Die Hauptstreichungsrichtung der Kohlenbänke läuft von
Südost nach Nordwest; das Einfallen derselben ist im Durchschnitte ein nordöst-
liches , und zwar meist ein sehr flaches. Indessen ist die KohlenflÖtzablagerung
auch in diesem Baue stark gestört, und zahlreiche Verwerfungsklüfte durchsetzen
die FlÖtze nach allen Richtungen und haben dieselben vielfach verschoben, wie
dies aus der Figur G in Tafel IV, in welcher die Hauptklüfte angedeutet
sind, und den beigefügten Profilen ersichtlich ist. Die im nordwestlichen Felde
mit dem Maschinenschachte angefahrene Verwerfungskluft fällt mit 65 Grad nach
Nordosten, wohin das Flötz verworfen, aber bisher nicht ausgerichtet wurde.
[63]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 493
Zwischen dem Maschinenschachte und dem ungefähr 60 Klafter südwestlicher
angeschlagenen Schachte Nr. II, der ebenfalls in der Teufe von 22 Klaftern in
dem Kohlenflötze ansteht, ist das letztere ziemlich ungestört abgelagert und
besitzt ein Verflachen von 9 Grad nach Nordost. Neben dem Schachte Nr. II
läuft eine zweite Verwerfungskluft von Nord nach Süd, welche die ganze Kohlen-
flötzablagerung um 3 Klafter saiger nach West verworfen hat. Zwischen dem
Schachte Nr. II und dem 30 Klafter südlicher befindlichen Schachte Nr. III,
welcher nur 14 Klafter Tiefe bis zur Kohle besitzt, sind mehrere kleinere Ver-
werfungsklüfte, durch welche das Flötz um 1, 2 bis 21/2 Fuss gleichsam treppen-
artig abgebrochen und verworfen wurde. Südlich und südwestlich von dem
Schachte Nr. III sind über Tags zahlreiche Pingen und auch die Ausbisse der
Kohlenflötze zu sehen, und noch südlicher davon kommt ein* Dioritrücken mitten
im Steinkohlengebirge zu Tage und deutet an, dass der Diorit die wahrschein-
liche Ursache der vielen Flötzstörungen bei Lubna und Senec sei. Aehnliche
Störungen und Brüche zeigen sich im südöstlichen Fehle (Durchschnitt cd in
Figur g). Pflanzenreste finden sich in den Bauen bei Lubna selten vor, dagegen
hat man ebenfalls im Liegenden der Kohle Sphärosideritknollen angetroffen.
Die Kohle in dem gräflich Nostiz'schen Baue ist von ziemlich guter Be-
schaffenheit, jedoch von besserer Qualität in dem Ober-, als in dem mächtigeren
Unterflölze. Die Analyse, die mit diesen Kohlen im Laboratorium der k. k.
geologischen Reichsanstalt vorgenommen wurde, ergab folgende Resultate:
Fundort
Wasser in
100 Theilen
Asche in
100 Theilen
Redueirte
Gewichtstheile
Blei
Wärme-
Einheiten
Aeqnivalent einer
30zölligen Klafter
weichen Holzes
sind Centner
Graf N o s t i z’scher Bau in
Lubna :
Oberflötz
4-5
3-0
23 70
3336
9-8
Unterflötz
3-8
3-3
19*90
4497
11*7
Zur Untersuchung des Terrains zwischen Rakonic und Lubna sind sowohl
von Seite der fürstlich Fürstenberg’schen Verwaltung als auch von Seite der
Adalberti- Gewerkschaft Versuchsbaue gemacht worden. Die fürstlich Fürsten-
berg’sche Bergbauverwaltung liess nordöstlich vom Dorfe Lubna im December
1863 am Felde des Joseph Ledwinka ein Bohrloch (Tafel I, Bohrloch 49)
beginnen, das bis October 1864 die Teufe von 120 Klafter erreichte und, ohne
eine Kohlenflötzablagerung zu durchfahren, folgende Schichten durchörterte:
Klafter.
Dunkelbraunen Lehm ....... 4
Letten , röthlichbraun mit weissen
Streifen 1
Sandstein, braun, gesprenkelt .... 2
Conglomerat %
Sandstein, weiss, glimmerreich ... %
„ lose, braungesprenkelt . . 4
Letten, röthlichblau %
Sandstein, roth und blau melirt, fein-
körnig, glimmerreich 3
Conglomerat, sehr eisenschüssig und
fest (Eisendeckel) %
Sandstein, wie ober dem Eisendeckel 5%
Conglomerat 2%
Sandstein, feinkörnig, glimmerreich
Letten, schwarzblau ......
Sandstein, grobkörnig, braun . . .
Letten, roth
„ weissgrau
„ schwarz, mit Kohlenspuren
„ blaugrau
Sandstein, feinkörnig, glimmerreich
Letten, grau
Sandstein, fest, weiss, glimmerig .
Letten, grau
Sandstein, fest, weiss
Letten, blau
Sandstein, grau
Klafter.
25/6
%
9%
Vs
4%
%
43/l2
63/l2
%
4 V3
1
494
M. V. Lipoid.
Klafter, j
Sphärosiderit 4/6
Sandstein, blau und grau gesprenkelt 9
„ lose, feinkörnig, glimmer-
reich 1%
Letten, glimmerreich 1
Sandstein, grau mit grösseren Quarz-
geschieben 5
„ röthlichbraun 1
„ blau gesprenkelt .... 1%
„ grau, feinkörnig ... • 17/12
„ fein, glimmerreich .... 25/12
Letten, grüngrau y6
„ schwarz mit Kohlenspuren • • VlB
n roth • Vl2
Sandstein, grau, fein, glimmerig . . 3 il/i2
Conglomerat 1%
[64]
Klafter.
Letten, grau, mit Kohlentrümmern . 1 2
Sandstein, fest, glimmerreich . . . 31/*
Letten, blau %
Sandstein, fest, quarzig, glimmerig . 323
„ feinkörnig, röthlich . . . 1 l/z
„ blaugrau, sehr zähe . . . 7%
Letten, grau, glimmerig */«
Sandstein, weiss, glimmerig . ... i%
Sphärosiderit 1 12
Sandstein, glimmerreich 1 1 3
Letten, grau, mit Kohle V*
Sphärosiderit 17/24
Sandstein, feinkörnig, glimmmerig . £23
„ „ mit vielen Quarz-
geschiehen : . 7 */*
Ein Stangenbruch, in Folge der sehr grossen Härte des letztbearbeitelen
Sandsteines, verhinderte das weitere Abteufen des Bohrloches.
Ein zweites Bohrloch der fürstlich Fü rsten b e r g'schen Verwaltung, näher
bei Senec (Tafel I, Bohrloch 50), soll in der 84. Klafter Diorit angefahren und
die gleichen Schichten durchörtert haben, wie in dem Bohrloche nächst der
St. Wenzelstatue bei Rakonic.
In der Nähe dieses Bohrloches, östlich vom Dorfe Lubna, wurde von Seite
der Adalberti-Gewerkschaft ein Schacht 22 Klafter tief abgeteuft und in diesem
sodann bis über 50 Klafter Teufe weiter gebohrt (Tafel I, Bohrloch 51). Die
hiebei durchörterten Gesteinsschichten waren folgende :
Klafter.
Sandstein, röthlich, zuerst grob-, dann
feinkörnig 35/a4
Conglomerat, eisenschüssig .... %
Conglomerat-Sandstein mit röthlichen
Lettenpartien %
Sandstein, röthlich, gelblich, feinkörnig il/i2
Conglomerat, eisenschüssig ( Eisen-
deckel) Viz
Letten, röthlich \ %
Sandstein, röthlich u. gelbweiss, fein-
körnig . • lu/ia
Conglomerat, eisenschüssig .... 7/24
Sandstein, weiss, gelblich, röthlich,
grau, fein- und grobkörnig .... 16 1S/24
Conglomerat 4/12
Sandstein, weiss, gelblich, röthlich,
mit Feldspath, grobkörnig. . . . 2V2
Conglomeratsandstein, weiss und grau,
mit Feldspathkörnern 43/12
Klafter.
Sandstein, weiss, gelblich, feinkörnig,
fest, dann lettig IV24
Letten, gelb, sehr zähe V24
Sandstein, fest, gelb, mit Glimmer . 29/13
Letten, roth, blau, schwärzlich, mit
Pflanzenresten, dann weiss .... l2,/24
Sandstein, fest, röthlichweiss . . . 5/12
Letten, schwärzlich, mit Kohlenschnüren 5/6
Sandstein, grau, fest, mit Feldspath
und Kohlenschnürchen 1
Letten, mit Moorerde, schwärzlich mit
Koblenschnüren und feinen Sand-
schichten 93/24
Sandstein, grau, grobkörnig, sehr fest 5/a4
Letten, schwärzlich mit Moorerde, und
grau wechselnd IV3
Sandsteine und Letten — in Wechsellagerung
— zuletzt mit
Sphärosideritputzen.
Auch in diesem Bohrloche brach bei Anbohren eines Sphärosideritknollens
das Gestänge und, da es nicht gehoben werden konnte, blieb dasselbe resultat-
los. Indessen hat es den Anschein, dass die schwärzlichen Letten mit Moorerde
und Kohlenschnüren bereits die Repräsentanten der Kohlenflötze waren, um so
mehr, da das Bohrloch im Streichen einer im gräflich Nostiz'schen Baue aus-
gerichteten Verwerfungskluft liegt.
Westlich von Lubna und südlich von Hostokrei im sogenannten „Brand“,
ebenfalls hart an der Grenze der sibirischen Thonschiefer, welche mit 30 Grad
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 495
nach Nordost einfallen (Tafel I, Schacht 51) ist mittelst mehrerer Schächte in
der Teufe von 12 — 18 Klaftern eine Kohlenflöfzablagerung .angefahren worden,
welche im Ganzen eine Mächtigkeit von 8 — 9 Fuss besitzt, aus 3 — 4 durch taube
Zwischenmittel getrennten schwachen Kohlenflötzen besteht, und mit 11 Grad
nach Norden verflacht.
Nächst dem Dorfe Petro wie füllen die Gebilde der Steinkohlenformation
eine grosse Bucht aus, die im Osten von sibirischen Grauwackenschiefern, im
Süden von Urthonschiefern und im Westen von Graniten begrenzt wird. Am süd-
lichen Rande dieser Bucht nächst dem Dorfe Petrovic hat man ebenfalls Ausbisse
von Steinkohlenflötzen vorgefunden, und es wurde von einem dortigen Bauer
mittelst Schächten von 7—9 Klafter Teufe ein angeblich 3 Fuss mächtiges
Kohlenflötz mit mürber Kohle in Abbau genommen. Das Flötz fällt flach nach
Norden ein und soll im Liegenden von Spärosiderit.en begleitet sein.
Nächst Petrovic hat auch die Prager Eisenindustrie-Gesellschaft durch die
Kladnoer Werksdirection Schürfungen auf Kohlen veranlasst, und es wurden zu
diesem Behufe ein Schacht, westlich vom Dorfe, (Tafel I, Schacht 52) abgeteuft,
und zwei Bohrlöcher, das eine westlich (Tafel I, Bohrloch 52), das andere
nördlich vom Dorfe Petrovic (Tafel I, Bohrloch 53) abgestossen. — Der Schacht
erlangte nach Angabe des Herrn Bergadjuncten Daniel Korwin, welcher die
Schürfarbeiten leitete, eine Teufe von 27 Klaftern, durchfuhr feste Sandsteine
und Schieferthone mit einer Zwischenlagerung von Sphärosideriten, erreichte in
der 14. Klafter eine Kohlenflötzablagerung von ungefähr 4 Klafter Mächtigkeit,
die aus Schieferthonen mit 3 bis zu 14 Zoll mächtigen Kohlenflötzen bestand,
durchörterte weiters noch weiche gelbe Lettenschichten und schliesslich Con-
glumerate, und stand zuletzt in Thonschiefern der Grauwackenformation an. —
In dem ersten Bohrloche (Tafel I, 52) wurden bis zur Teufe von 67 Klaftern
folgende Gesteinsschichten angefahren:
Klafter. I Klafter.
Rother Sandstein, dann Conglomerat . 11 %
Sandstein, roth, feinkörnig, glimmerig %
Letten, roth, dann blau l3/24
Sandstein, roth iy3
Letten, roth, sandig . . l3/l2
Sandstein, roth 5
Letten, roth %. '
Sandstein, röthlieh, dann Conglomerat 519/24
Letten, blau, glimmerig i9/12
Sandstein, weiss, feinkörnig .... 319/24
Sandstein, graulich, zuletzt mit grauem
Letten wechselnd .... 631/24
„ weiss 3
Letten, bläulich mit Pflanzenabdrücken 213/24
Sandstein, graulich 1
Letten, graublau 217/2
Sandstein, grau, sehr fest 12
Schieferthon, grau 3ys
Letten, graugrün mit Quarzstücken . 2
Thonschiefer iy3
Das zweite Bohrloch (Tafel I, 53), das eben so wenig, wie das erste ein
Kohlenflötz aufschloss und 106 Klafter tief niedergebracht wurde, zeigte nach-
stehende Schichtehfölge :
Klafter.
Sandstein, roth ......... 8
Gelber Oker y34
Sandstein, roth, dann Conglomerat . 5y6
„ weiss, feinkörnig .... l9/24
Conglomerat, weiss 2% 4
Sandstein, roth «... l15/24
Letten, roth, eisenschüss. Sphärosiderit l11/ia
Letten, blau, kurzklüftig 21/a4
Sandstein, roth, grob-, dann feinkörnig 6 1 3/3 4
Letten, roth, mit Eisensteinknollen l7/l2
Sandstein, roth und röthlieh, fein- und
grobkörnig . . . 139/la
Klafter.
Sandstein, weiss, mit Conglomerat . 2%
„ röthlieh, grobkörnig . . . IV12
Letten, roth, sandig l7/24
Mergel, weiss y6
Sandstein, grau, röthlieh, weiss . . . 411/13
Schieferthon 15/34
Sandstein, röthlieh 21V24
Schieferthon . V6
Letten, blau 37/24
Sandstein, weiss und röthlieh, fein-
und grobkörnig 417/24
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
63
496
M. V. Lipoid.
Klafter.
Letten, graublau, mit Pflanzenab-
drücken und Kohlenspuren .... 15/12
Sandstein, weiss 319/24
Letten, grau, mit Kohlenspuren und
Pflanzenresten 25/ß
Sandstein, graulich %
Letten, grau, mit Kohlen- u. Pflanzen-
resten 1 23/24
Sandstein, graulich 9/24
Letten, grau, mit Kohlenspuren . . .
Schieferthon, sandig 3/24
Sandstein, weiss, fest 213/24
[66]
Klafter.
Letten, schwarzblau, mit Kohlenspuren %4
Sandstein, weiss, feinkörnig .... li5/*4
Letten, schwarz, mit Kohlenspuren . *V24
Sandstein, weiss, fest, dann grau mit
Pflanzenabdrücken 1 \/xt
Letten, grau, mit Kohlenspuren ... Vs
Sandstein, weiss, feinkörnig .... 22/s
Schieferthon, grau 15/24
Sandstein, weiss, grobkörnig .... */«
Letten, grau, glimmerig, dann glim-
merlos mit Kohlenflötzchen .... 35/12
Sandstein, graulich mit Kohlenspuren i07/IS
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kohlenspuren führenden Letten die
Repräsentanten von Kohlenflötzen darstellen, so wie es aus der Schichtenangabe
der beiden Bohrlöcher kaum zu bezweifeln ist, dass dieselben zu oberst Schich-
ten des Rothliegenden und dann erst solche der Steinkohlenformation durch-
örterten.
In der Umgebung von Rakonic, und zwar nordwestlich von Rakonic, sind
ferner noch Steinkohlenvorkommen südlich von Kiiezowes (Herrndorf) und
nächst Wedau bekannt. Ich habe diese Kohlenvorkommen, da das betreffende
Terrain bereits ausserhalb meines Aufnahmsgehietes lag, nicht persönlich kennen
gelernt. Ich entnehme aber der oberwähnten Abhandlung des Herrn Dr. A. E
Reu ss die Mittheilung, dass nächst Herrndorf mittelst Schächten von
6 — 12 Klafter Teufe zwei durch ein 2 — 3 Zoll starkes Zwischenmittel ge-
trennte Kohlenflötze in der Gesammtmächtigkeit von 23 Zoll, welche mit
16 — 18 Grad nach Nordnordwest einfallen, und nächst Weclau mittelst Schäch-
ten, die die Tiefe von 8 Klafter nicht übersteigen, ein 18 Zoll mächtiges Koh-
lenflötz, das mit 1 — 8 Grad nach Norden verflächt, abgebaut werden. Nach
Herrn Dr. Reuss’ Ansicht gehören jedoch diese Kohlenflötze einem höheren
Niveau der Steinkohlenformation an, als jene, welche im centralen Theile des
Rakonicer Beckens im Abbaue stehen.
e) Umgebung von Schlan.
Ich habe bereits oben zu Anfang meines Berichtes darauf hingedeutet, dass
sich aus den verschiedenen im nordwestlichen Theile des Prager Kreises er-
öffneten Kohlenbergbauen zwei Züge von Kohlenvorkommnissen ergeben , deren
ersterer unmittelbar an der Grenze der Steinkohlen- gegen die Grauwacken-
formation dahinzieht und im Vorhergehenden beschrieben wurde, der zweite hin-
gegen nördlicher, ungefähr iya— - 2 Meilen von dieser Grenze entfernt, auftritt
und den Gegenstand der nachfolgenden Mittheilung bilden soll.
Der östlichste Punkt, an welchem dieser nördliche Kohlenzug aufgeschlos-
sen ist, befindet sich nächst der Stadt Welwarn (siehe Tafel I). Kaum ein
paar hundert Klafter nördlich von der Stadt geht ein einer Gesellschaft gehöriger
Steinkohlenbau um, über welchen mir zur Vervollständigung meiner eigenen
Beobachtungen von Herrn Schichtmeister August Kitz einige Daten mitgetheilt
wurden.
Der Aufschluss dieses in neuerer Zeit wieder aufgenommenen Grubenbaues
erfolgte durch zwei Stollen und durch einen Schacht. Die Stollen sind am linken
Ufer des rothen Baches am Fusse des niedern Berggehänges im Liegenden der
zu Tage gehenden Kohlenflötzablagerung angeschlagen, und haben in der Länge
von ungefähr 30 Klaftern die letztere erreicht. Der Schacht, welcher mit einem
[67] Das Sfeinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 497
Pferdegöppel versehen ist, wurde ungefähr 100 Klafter nordöstlich von den
Stollenmundlöchern am niederen Plateau, das sich am linken Ufer des
rothen Baches erhebt, angeschlagen und hat in der 19. Klafter die Kohle
erreicht. Derselbe durchörterte von oben bis unten:
Klafter.
Dammerde V3
Gelben Rollsand (Löss) 1%
Schwarzen Letten %
Blauen Letten 1*4
Gelben feinkörnigen Sandstein . . . 4%
Blauen Letten 3%
Klafter.
Weissgrauen Kaolin führenden Sand«
stein 4
Schieferthon (Kohlenschiefer) . . . 2 y$
Steinkohle 7/24
Schwarzgrauen Kohlenletten .... 1
Grauen, glimmerreichen, festen Sandstein.
Wie man über Tags am südlichen Gehänge des Plateau sehen kann, werden
diese Sandsteine nach unten grobkörnig und gehen endlich in Conglomerate
über.
Der im Hangenden der Kohle vorkommende Schieferthon führt spärliche
Pflanzenreste, die, wenn auch nicht specifisch bestimmbar, dennoch den
Charakter der Flora der Steinkohlenformation tragen. Ich zähle desshalb die
Kohlenablagerung bei Welwarn noch zur Steinkohlenformation, um so mehr,
als ich daselbst die Fischreste führenden Schiefer, die sogenannte „Schwarte“,
ober dem Kohlenflötze, welche, wie ich später mittheilen werde, die Steinkohlen-
ablagerungen der Formation des Rothliegenden charakterisirt, nicht vorgefun-
den habe.
Die Kohlenablagerung bei Welwarn hat ein Streichen zwischen Stunde 4
und 5 (0. 30 N. — 0. 15° N.), und besitzt ein nordnordwestliches Einfallen
von 13 — 14 Grad. Sie ist mehrfach durch Verwerfungskliifte gestört, deren eine,
welche die Flötzablagerung um l*/a Klafter verschob, bisher überall angefahren
wurde. Die übrigen sind von keiner Bedeutung, indem durch dieselben die
Kohlenflötze meist nur um die halbe Mächtigkeit gesenkt oder gehoben wurden.
Die Kohlenflötzablagerung besitzt eine Mächtigkeit von 1 1/z — 21/* Fuss und
besteht aus vier Bänken reiner Kohle in der Gesammtmächtigkeit von iy6 —
ly* Fuss, welche durch 2 — 4zöllige Zwischenmittel von weissem aufgelösten
Letten geschieden werden. Die Flötze sind auch stellenweise verdrückt. Die
Kohle ist ziemlich compact und von mittlerer Qualität. Sie ergab bei der Analyse
folgende Resultate :
Wasser in 100 Theilen 3*2
Asche in 100 Theilen 14*2
Reducirte Gewichtstheile Blei 19*90
Wärme-Einheiten 4497
Aequivalent einer Klafter 30zölligen weichen Holzes sind Centner . . .11*6
Ungefähr 100 Klafter nördlich von dem beschriebenen Grubenbaue steht
ein neuer „Maschinenschacht“ im Abteufen, welcher bis zur jetzigen Teufe von
23 Klafter Glieder der Formation des Rothliegenden durchfuhr, und nun im
Kaolin führenden Sandstein der Steinkohlenformation ansteht. Er durchörterte:
Klafter.
Dammerde %
Rollsand (Löss) l5/6
! schwarzen Letten ... %
gelben Sandstein .... 2/3
grünlichen Letten ... 2/s
( rothe Sandsteine u. Letten 9
Klafter.
1 grauen Sandstein . . . 21/a
röthlichen Letten .... 3
weissgrauen Sandstein, an-
fänglich milde, dann
fest 4%,
63*
498
M. V. Lipoid.
Ausserdem sind am linken Ufer des Mühlbaches (siehe Tafel 1), wo Ausbisse
von Kohlenflötzen vorgefunden werden, Schürfungen auf letztere im Zuge, und
ist daselbst ausser der Kohlenflötzablagerung, welche in dem obbeschriebenen
Grubenbaue im Abhaue steht, ungefähr 10 Klafter im Liegenden derselben ein
zweites 12 Zoll mächtiges Kohlenflötz erschürft worden, und ein in der Bach-
sohle ausbeissendes Kohlenvorkommen scheint einer dritten noch tiefer liegenden
Kohlenflötzablagerung anzugehören.
Der nächst westliche Steinkohlenbau im nördlichen Kohlenzuge ist jener
Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I., zu Podlezin, östlich von Schlan
(siehe Tafel I). Er befindet sich am linken Ufer des Podleziner Baches am Süd-
abhange des von der Kreideformation gebildeten Plateau „Prowazka“. Der
Grubenbau stand wahrscheinlich schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts im
Betriebe. Veranlassung dazu gaben ohne Zweifel die Ausbisse der Steinkohlen-
flötze, welche an dem ganzen Gehänge des bezeichnelen Plateau zu Tage treten.
Der Aufschluss m der Podleziner Grube erfolgte durch sieben Stollen und
den „Leopoldi-Förderschacht“.
Die Stollen, mit Ausnahme des Franz de Paula-Erbstollens, sind sämmtlich
am Ausgehenden des Steinknhlenflötzes angeschlagen , und nach dem Einfallen
desselben fortgetrieben worden. Der Leopoldischacht ist am Plateau „Prowazka“
angesetzt, besitzt die Teufe von 33 Klaftern, und durchfährt:
Quadermergel (Plänersandstein) . lOKlafter, | Quadersandstein 7 Klafter,
sodann weisse, gelbe, violette und röthliche, feinkörnige, zum Theile glimmerige,
wenig Kaolin führende Sandsteine mit Zwischenlagern von rothen Letten — bis
zum Kohlenflötze, dessen unmittelbares Hangende ein lichtgrauer, kaolinhältiger
und glimmerreicher Sandstein mit vielen Kohlentrümmern ist. Das Liegende der
Kohlenflötzablagerung bilden zunächst graue Schieferthone mit Pflanzenspuren,
sodann feinkörnige, glimmerige, graue und röthliche, endlich weisse und gelb-
liche, zuerst fein-, dann grobkörnige, an Kaolin reiche Sandsteine. Da sich auch
in Podlezin bisher keine bestimmbaren Pflanzenreste vorgefunden haben , so ist
zwar der Beweis nicht hergestellt, dass die Podleziner Kohlenablagerung der
Steinkohlenformation und nicht noch der Formation des Rothliegenden, welche
jedenfalls im Hangenden der Ablagerung aufiritt, angehöre; indessen glaube ich
doch in dem Abgang der Fischreste führenden sogenannten „Schwarte“, welche
ich, wie in Welwarn, so auch in Podlezin nicht beobachtete, den negativen
Beweis, dass die Kohlenflötze dem Rothliegenden nicht angehören, und in der
Aehnlichkeit der Podleziner Ablagerung mit jener von Gemnik, Schlan, Turcan
u. s. f., welche zahlreiche Steinkohlenpflanzen enthalten, einen Anhaltspunkt für
die Annahme gewonnen zu haben, dass die Kohlenflötzablagerung bereits der
Steinkohlenformation beizuzählen sei. Sicherlich und zweifellos gehören ihr die
Liegendsandsteine an.
Das Streichen der Kohlenflötzablagerung sammt den Liegendsandsteinen und
den im Hangenden vorkommenden conform gelagerten Gebilden der Formation
des Rothliegenden läuft nach Stunde 19 3 Grad (W. 20° N.), und ist ein ziem-
lich regelmässiges in dem ganzen aufgeschlossenen Grubenfelde. Das nördliche
nach Stunde 1 3 Grad (N. 20° 0.) gerichtete widersinnische Einfällen der Abla-
gerung ist ein geringes und beträgt gegen die südlichen Ausbisse kaum 3 Grad,
in der nördlicheren Teufe 7 — 8 Grad. — Auf den Sandsteinen des Rothliegen-
den lagern abweichend, und zwar schwebend, die Quadersandsteine und Quader-
mergel der Kreideformation. Der in der folgenden Figur 6 dargestellte Durch-
schnitt von Podlezin nach Drnow versinnlicht die bezeichnete Lagerung.
[Ö9] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 499
Fig. G.
NO. NW.
Podlezin. Leopoldischaeht. Drnow. Rother Bach.
a Steinkohlenformation, b Rothliegendes, c Quadersandstein, d Quadermergel (Plänersandstein nach Reuss).
Die Kohlenflötzablagerung bei Podlezin bat nur wenige und keine so bedeu-
tenden Störungen erlitten, als die meisten Flötzbildungen am südlichen Rande
der Steinkohlenformation. Es sind daselbst nur zwei grössere Verwerfungsklüfte
angefahren worden, deren eine, die westliche, von Südsüdost nach Nord-
nordwest streicht und mit 51 Grad nach Nordnordost verflacht. Durch dieselbe
wurde das Kohlenflötz um 10 Klafter Teufe nach Nordnordost verschoben. Die
zweite, östliche, von Südöst nach Nord west streichende und auch nach Nordost
einfallende Verwerfungskluft ist noch wenig ausgerichtet, und auch die Teufe
der Verwerfung bisher noch nicht untersucht worden, indem das nordöstlich
von dieser Kluft befindliche Kohlenfeld einem späteren Abbaue reservirt wird.
Die ganze Kohleutlötzablagerung besitzt im Durchschnitte nur eine Mäch-
tigkeit von 3 Fuss. Sie hat, wie bemerkt, einen Sandstein zum Hangenden und
einen Schieferthon zum Liegenden, besteht von oben nach unten aus:
Fuss Zoll.
Steinkohle — 2
Sandigen Letten — 2
Steinkohle — 9
Fuss Zoll.
Weichem Letten (Ausschramm) . — 3
Steinkohle 1 8
in der Art, dass die drei Steinkohlenbänke zusammen eine Mächtigkeit von 2 Fuss
7 Zoll besitzen und die tauben Letten dazwischen 5 Zoll mächtig sind. Die
Kohle selbst ist ziemlich compact, von mittlerer Qualität, aber, da sie leicht
entzündlich ist, zur häuslichen Beheizung besonders geeignet.
Die im Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt vorgenommenen
Analysen der Podleziner Steinkohlen ergaben folgende Resultate:
Benennung der Flötze
Wasser in 100
Theilen
Asche in 100
Theilen
Reducirte Ge-
wichtstheile Blei
Wärme-Einheiten
Aequivalent einer
Klafter 30" wei-
chen Holzes sind
Centner
Hangendflötz
4*6
18-2
18*90
4271
12*2
Mittelflötz (Pramen) .
6-5
11*9
21*15
4779
10*9
Unterflötz — Firstenbank . . •
15 • 1
14-5
21*10
4768
11*0
„ — Sohlbank
15.5
16*1
20*55
4644
11*3
Die Erzeugung im Podleziner Kohlenwerke beträgt nach einem dreijährigen
Durchschnitte jährlich 87.000 Centner, die theils durch den Leopoldischaeht,
grösstentheils aber durch die Stollen gefördert werden. Der Preis der Stück-
kohle ist 26 Kreuzer, jener der Würfelkohle 16 Kreuzer pro Wiener Centner
loco Grube im Kleinverschleisse.
500
M. V. Lipoid.
[70]
Südöstlich von Schlan nächst der nach Prag führenden Poststrasse, nördlich
vom Dorfe Jemni'k (siehe Tafel 1) befindet sich der StüT- und Mik'sche
Steinkohlenbergbau, welcher bereits seit dem Jahre 1795 urkundlich be-
kannt ist. In dem kleinen Bacheinrisse unterhalb der Werksgebäude kamen die
Steinkohlen zu Tage, daher wohl auch der so frühzeitige Beginn ihrer Gewin-
nung. Gegenwärtig wird der Abbau mittelst Schächten betrieben; der Antoni-
Hauptschacht dient zur Förderung und Wasserhebung, ist desshalb mit zwei
kleinen Dampfmaschinen versehen und besitzt die Teufe von 36 Klafter. Bei
meinem Dortsein war ein neuer Förderschacht im Abteufen begriffen, der zwei
neue stärkere Dampfmaschinen erhalten sollte. Die Kohlenflötzablagerung, wie
auch die über Tags sichtbaren Hangend- und Liegendsandsteine und Schiefer-
thone der Steinkohlenformation, besitzen ein Streichen nach Stunde 5 (0. 15°N.)
und ein nördliches Einfallen mit kaum 10 Graden. Sie ist 3 Fuss mächtig mit
einer unbedeutenden Zwischenlage von Brandschiefer. Die Schieferthone führen
Pflanzenreste, die bisher wenig beachtet wurden, daher deren specifische Be-
stimmung aus Mangel an brauchbarem Materiale nicht thunlich war. Ungefähr
2 Klafter im Liegenden der erwähnten Kohlenablagerung hat man ein zweites
Kohlenflötz angefahren, das aber nur die Mächtigkeit von 15 — 18 Zoll besitzt
und selten abbauwürdig ist.
In der Stadt Schlan selbst, und zwar am linken Ufer des rothen Baches,
an dem dem basaltischen „Salzberge“ nördlich gegenüber liegenden Berg-
gehänge (siehe Tafel I) ist vor einigen Jahren durch die Umlegung einer Fahr-
strasse der Ausbiss eines Steinkohlenflötzes entblösst worden, und gab Veran-
lassung zu dem nun dort bestehenden Baron Riese’schen Steinkohlenbergbaue.
Der Aufschluss erfolgte theils durch einen tonnlägigen Schacht, resp. durch
einen Stollen, der fallend nach dem Verflachen der Kohlenablagerung getrieben
wurde, theils später durch einen Schacht von 34 Klafter Teufe, an welchem
eine Dampfmaschine von 36 Pferdekraft die Förderung und Wasserhebung ver-
mittelt. Der Schacht scheint, nach den rothen Thonen, die er im Hangenden
der Kohlenablagerung anfulir, zu urtheilen, zuerst Schichten des Rothliegenden
und dann erst jene der Steinkohlenformation durchsenkt zu haben. Die Kohlen-
flötzablagerung besitzt ein Streichen von Ostnordost nach Westsüdwest, und ein
Einfallen nach Nordnordwest, und zwar ist das letztere nahe den Ausbissen
ziemlich steil, wird aber gegen die Teufe immer flacher und fällt bis 6 Grad
herab.
Die Flötzablagerung ist 3 Fuss mächtig und besteht aus zwei Kohlenbänken,
deren obere 12 Zoll und untere 20 Zoll mächtig ist; zwischen beiden liegt eine
4zöllige Thonschichte. Sie ist sehr wenig gestört und wird nur im Westen
durch eine Kluft, bis zu welcher gegenwärtig der Abbau geführt wird, ver-
worfen. Ein neuer Schacht soll das westliche noch unverritzte Feld aufschliessen.
Ungefähr l\/2 Klafter unter der erwähnten Kohlenflötzablagerung ist auch in
diesem Baue ein zweites Kohlenflötz von nur 10 — 12 Zoll Mächtigkeit angefahren
worden. ■ — Das nördlich von dem Grubenbaue sich erhebende Plateau wird von
Quadersandsteinen und Quadermergeln bedeckt, welche mit kaum 5 Grad gegen
Norden verflächen.
Westlich von Schlan, zwischen dem Malkowicer und Libowicer Bache, und
an deren Gehängen (siehe Tafel I) befinden sich in der Erstreckung von unge-
fähr einer Meile gegen Westen eine sehr grosse Anzahl von Steinkohlenbauen,
von denen jene bei Turan, Tummelplatz und Libowic am bedeutendsten sind. Bei
allen diesen Bauen ist der Aufschluss mittelst Schächten erfolgt, deren es z. B.
zwischen Stern und Jedomelic gewiss bei 50 an der Zahl gibt, indem ein
[71] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. oOl
Schacht nur so lange, als sich aus demselben mit Leichtigkeit und ohne Gefahr
die rings um denselben befindliche Kohle herausrauben lässt, benützt und sodann
verlassen und zum Abteufen eines neuen Schachtes in der unmittelbaren Nähe
des verstürzten geschritten wird. Die Teufe der Schächte ist übrigens meist eine
geringe; in Turan z. B. 6—16 Klafter, am „Tummelplatz“ 4 — 6 Klafter, bei
Jedomelic 3 — 4 Klafter, bei Libowic nahe am Bache 3 — 4 Klafter, höher hinauf
nach dem Gehänge und am Rücken zwischen Libowic und Kwilic jedoch auch
16 — 22 und 34 Klafter. Das Streichen und Fallen der durch diese Baue eröffne-
ten Kohlenflötzablagerung ist dasselbe, wie im Schlaner Baue, nämlich das
Streichen zwischen Stunde 4 und 6 (0. 30 — 15° N.), das Verflächen mit
6 — 6 Grad nach Nordnordwest. Die Flötze liegen demnach sehr flach und
heissen an dem Gehänge südlich von Turan, Tummelplatz und Stern aus. Was
nun die in diesem Terrain vorfindigen Steinkohlenflötze anbelangt, so gewinnt
man in Turan und in den Bauen zwischen Libowic und Kwilic die Ueberzeugung,
dass sich hier drei verschiedene nur durch Zwischenmitteln Yon einigen Klaftern
getrennte Kohlenflötzablagerungen vorfinden. Die tiefste derselben zeigt in ihrem
Hangendschieferthone nebst Schwefelkiesen eine ausserordentlich reiche Flora
der Steinkohlenformation ; sie ist durch die tiefsten Baue bei Libowic, am Tummel-
platz u.s.f. aufgedeckt. Die zweite nächst höhere Ablagerung ist arm an schlecht
erhaltenen Pflanzenresten, darf jedoch noch zur Steinkohlenformation gezählt
werden, wogegen die dritte höchste Kohlenflötzablagerung, durch die an dem
Gehänge gegen Kwilic eröft'neten Baue aufgedeckt, die bereits oben erwähnte
Fischschuppen führende „Schwarte“" im Hangenden des Flötzes besitzt, und
daher schon der Formation des Rothliegenden angehört, worüber in der Folge
ausführlicher gesprochen werden wird. Keine dieser Kohlenflötzablagerungen
überschreitet die Mächtigkeit von 3 Fuss; die oberste ist die geringst mächtige.
Im Allgemeinen besteht jede Flötzablagerung aus zwei Kohlenbänken, die durch
ein taubes Mittel von 6 — 12 Zoll getrennt sind. Nur am „Tummelplatz“ besitzt
das dort in Abbau stehende 3fussige und in der Umgebung von Jedomelic das
dortige 30zöllige Kohlenflötz kein beachtenswerthes Zwischenmittel.
Herr Schichtmeister Otto Hohmann theilte mir mehrfache Daten über die
Turaner Kohlenbaue mit, denen ich Folgendes entnehme.
Der Schacht Nr. 2 auf der Danielizeche, östlich von Turan, durchörterte
von oben nach unten :
Klafter Fuss.
Quadersandstein 4 —
Brandschiefer — 1
Grauen feldspathreichen Kohlen-
sandstein 5 2
Klafter Fuss.
Schieferthon — 2
Kohl enfl ötz — 3
Schieferthon mit Sphärosiderit-
Nieren , 1 —
In einem in der Thalsohle zwischen Turan und Libowic 11 Klafter tief
abgeteuften Schachte wurde nach 1 Klafter Dammerde, 5 Klafter eisen-
schüssiger, dann glimmeriger, sandiger, endlich fetter Schieferthon, welchem
zwei zu 1 Fuss mächtige Sphärosideritlager zwischengelagert sind, endlich
nach 5 Klafter 2 Fuss abwechselnd fester und milder Sandsteine die Kohle
erreicht.
Die Kohlenablagerung zeigt sehr vielfache Störungen in Folge von Verwer-
fungsklüften, welche im Turaner Danielibaue, wo zwei einzeln 13 — 18 Zoll
mächtige, durch sandigen Schieferthon von 2 Zoll bis 4 Fuss Mächtigkeit ge-
trennte Kohlenflötze vorhanden sind, fast ausschliesslich nach Stunde 22
(NW. 15° N.) streichen, und mit 45 — 80 Grad bald nach Nordost, bald nach
502
M. V. Lipoid.
[72]
Südwest einfallen. An einer 64 Klafter langen nach Nordost getriebenen Strecke
der Danielizeche fand Herr H oh mann 18 solcher Verwerfungskliifte vor, durch
welche die Kohl'eriflötze theils nur um einige Zoll, tlieils aber auch um
i/2 — 1 Klafter aus ihrem Streichen verschoben worden sind.
Die in dem in Rede stehenden Terrain gewonnenen Kohlen sind in einzelnen
Ränken von ziemlich guter Beschaffenheit. Eine Analyse der Turaner von Herrn
Hohmann mir zugemittelten Kohlen ergab folgende Resultate:
Bezeichnung des Fundortes
O
o
Asche in 100
Theilen
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5^— s 5
Turan — Danielischacht — Oberbank ....
4-8
4-9
18-40
4158
12-6
„ „ — Niederbank . . .
4*7
8*2
22-30
5039
10-4
„ — Tummelplatz — Annaschacht ....
5-4
10-0
22 00
4972
10-6
Fossilreste in der Steinkohlenformation.
Thierreste sind bisher in der Steinkohlenformation des Prager Kreises
nicht vorgefunden worden. Dagegen ist dieselbe reich an Pflanzenresten, und
haben bis jetzt die Localitäten Wotwowic, Zemeh, Swoleniowes, Kolec, Hrapic,
Bustehrad, Kladno, Rakonic, Lubna, Turan und Libowic ein bedeutendes paläon-
tologisches Materiale geliefert, indem die Herren Franz Hawel in Wotwowic,
Joseph Schmidt in Kladno. Gustav Schupan ski in Rakonic und Otto Hoh-
mann in Turan mit Eifer sich der Aufsammlung von fossilen Pflanzenresten unter-
zogen, und grössere Quantitäten derselben der k. k. geologischen Reichsanstalt
zum Geschenke gemacht hatten. Indessen sind auch noch andere Punkte der
Steinkohlenablagerung als Pflanzen führend bekannt, wie z. B. ßrandeisel, Ruda,
Jernnik u. dgl., — doch sind bisher an diesen Localitäten noch keine Sammlun-
gen veranlasst oder mindestens keine bekannt geworden. Die Bestimmung der
Pflanzenreste übernahm gefälligst Herr D. Stur, welcher die Resultate seiner
Untersuchung in den „Verhandlungen über die Sitzung der k. k. geologischen
Reichsanstalt vom 13. März 1860, Seite 47“ *) mitgetheilt hat, worauf ich hier
mich berufen darf. Nach den Bestimmungen des Herrn D. Stur sind in den ob-
benannten Localitäten vertreten: Calamiteen, Asterophylliten , Neuropterideen,
Sphenopterideen, Pecopterideen, Stigmarien, Sigillarien, Lepidodendren, Lyco-
podiaceen und Palmen, und zwar sämmtlich in Species, die der Steinkohlen-
formation eigen sind und die Flora des Steinkohlenbeckens im Prager Kreise
übereinstimmend zeigen mit jener der Becken von Radnic in Böhmen und von
Zwickau in Sachsen, von denen erstere durch Herrn Dr. C. v. Ettingshausen,
letztere durch Herrn Prof. Geinitz ausführlich bearbeitet wurde. Rücksichtlich
der Vertheilung der obberührten Pflanzenfamilien an den einzelnen Localitäten
muss ich als ein besonders wichtiges Resultat der Untersuchung des Herrn
D. S t u r den Umstand hervorheben, dass die Localitäten Zemeh, Swoleniowes, Kolec,
Tur'can und Libowic bisher keine Stigmarien, Sigillarien und Lepidodendren, das
ist keine baumartigen Gewächse, die an den übrigen der oberwähnten Localitäten,
*) Jahrbuch. 11. Jahrgang, 1860.
[T3]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
503
Wottwowic, Kladno, Rakonic u. s. f. , sehr häufig Vorkommen, geliefert haben,
dagegen an denselben die Asterophylliten und Pecopterideen, die zwar den
übrigen Localitäten auch nicht fehlen, bei weitem vorherrschend sind. Es deutet
dieser Unterschied in der Pflanzenführung auch auf einen Unterschied in der Koh-
lenflötzablagerung hin, welcher auch, wie ich noch weiter unten erörtern werde,
in der That stattfindet, indem die Kohlenflötze von Wotwowic, Kladno, Rakonic
u. s. f. der tieferen Kohlenablagerung und einem bei weiten tieferen Horizonte
angehören, als die Kohlenflötze von Turan, Libosic, und die Ausbisse der Pflanzen
führenden Schiefer von Zemeh, Swoleniowes und Kolee. Die baumartige Flora der
Lepidodendren, Sigillarien u. s. f. mag daher bis auf Weiteres immerhin als ein
Charakteristicum gelten für die tiefsten Kohlenablagerungen des Prager
Kreises, wie sie denn auch die mächtigeren Kohlenflötze des Terrains gebildet hat.
So besitzen mit Ausschluss der tauben Zwischenmittel die Kohlenflötze von Wotwo-
wic eine Mächtigkeit von 3 Klafter, jene von Brandeisei von 3 Klafter, von Buste-
hrad-KIadno von 3— S*/a Klafter und von Lubna von 2*/2 Klafter, während die
Kohlenflötze jener Localitäten, an denen die erwähnten baumartigen Gewächse
nicht vorfindig sind, wie zu Welwarn, Lana, Ruda, Podlezin, Jemnik, Schlan,
Turan und Libowic die Mächtigkeit von 3 Fuss nicht überschreiten.
In dem in Rede stehenden Steinkohlengebiete findet man auch häufig, wie
z. B. hei Slatin, Swoleniowes, Kladno, Kwilic, Krusowic u. s. f . , versteinerte
Holzstämme, und zwar grösstentheils in losen Stücken, an der Oberfläche des
Bodens zerstreut. Ich glaube, dass nur wenige dieser versteinerten Hölzer der
Steinkohlenformation, sondern dass die meisten, wo nicht alle, der Formation
des Rothliegenden angeboren, in deren Verbreitungsbezirken sie besonders
zahlreich gefunden werden.
Schlussfolgerungen.
Fasst man das im Vorhergehenden über die Lagerungsverhältnisse und die
Steinkohlenführung der Steinkohlenformation des Prager Kreises Gesagte und
durch vielfache Beispiele Erläuterte zusammen, so ergeben sich daraus einige
sehr wichtige Schlussfolgerungen. Zu diesen gehört vor Allem die Thatsache,
dass in der Steinkohlenformation des Prager Kreises zwei verschiedene
K ohl enf 1 Ö tza bl ag er u n gen auftreten , deren eine im Liegenden nahe dem
Grundgebirge, ja theil weise an diesem selbst, die andere mehr im Hangenden
derselben erscheint. Die Liegendkohlenablagerung ist durch die Baue von Wot-
wowic, Brandeisei, Hrapic, Bustehrad, Kladno, Rakonic und Lubna, und durch
mehrere Bohrlöcher an der Grenze der Steinkohlen- gegen die Grauwacken-
formation aufgeschlossen. Sie ist es, die die erwähnten baumartigen Pflanzen-
reste und mächtigen Kohlenflötze führt.
Eine Zusammenstellung und Vergleichung der im Vorhergehenden zahlreich
angeführten Reihenfolgen der Gesteinsschichten in Schächten und Bohrlöchern
gibt nun die Ueberzeugung , dass in allen Schächten und Bohrlöchern, die eine
grössere Teufe besitzen, wie z. B. im Blewicer, Kolecer und Brodecer Bohrloche,
im Brandeisler Michaelsschachte und Bohrloche, in den meisten der Bustehrader
Schächte und Bohrlöcher, in einer saigern Entfernung von 60 — 100 Klaftern von
den erwähnten Liegendflötzen oder dem Grundgebirge im Hangenden der letzteren
andere kleine Kohlenflötze oder mindestens zahlreichere Kohlentrümmer angefahren
wurden, welche somit unzweifelhaft auf eine Ablagerung von Hangendflötzen hin-
weisen. Diese Hangendflötze erscheinen nun in einer grossem Entfernung von dem
südlichen Rande der Steinkohlenformation, wie bei Welwarn, Podlezin, Jemnik,
K. k. geologische Reichsaostalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
504
N. V. Lipoid.
r?4j
Schlau, Turan, Libowic, auch in einer grösseren Mächtigkeit, als nahe dem
erwähnten Rande. Dass aber die Kohlenflötze der letztgenannten Loralitäten in der
That der Hangendflötzablagerung angehören, folgt aus den Beobachtungen des
Einfallens der Schichten der Steinkohlenformation, welches von dem südlichen
Rande derselben angefangen bis zu den nördlichsten Entlassungen derselben an
den erwähnten Loealitäten sich durchgehends als ein nördliches, nordöstliches
oder nordwestliches, und zwar meist sehr flaches, darstellt, und nirgends ein
südliches ist, ferner aus der geringen Teufe, in welcher diese letzteren Klötze
angefahren wurden, während die Liegendflötze in einer viel grösseren Teufe
auftreten , endlich wohl auch aus der oben erwähnten Verschiedenheit in der
Führung von fossilen Pflanzenresten. Ein Durchschnitt von Wotwowic nach
Zemeh zeigt insbesondere deutlich, dass die nächst Zemeh am linken Bachufer
an der Poststrasse ausbeissenden kohlenhältigen Schiefer mit Pflanzenresten,
deren Bestimmung Herr D. Stur ebenfalls vornahm, und welche zahlreiche
Pecopterideen aber keine baumartigen Gewächse führen, weit im Hangenden
der Wotwowicer Steinkohlenablagerung sich befinden, und dasselbe ist der Fall
bei den Schiefern bei Kolec und Swoleniowes, welchen die von Herrn D. Stur
bestimmten Pflanzenreste entnommen wurden. Zu den höheren, den Hangend-
Kohlenflötzahlagerungen zähle ich nun, ausser den Kohlenflötzen an den
obbenannten Orten, auch noch die wenig mächtigen Kohlenflötze, die durch
Baue bei Lana und Ruda, dann nordöstlich von Rakonic an der Strasse gegen
Ruda entblösst wurden. Es ergibt sich dies gleichfalls aus einem Durchschnitte,
den man von Rakonic gegen Ruda macht. Dass Herr Dr. Reuss auch die Kohlen-
flötze bei Herrndorf und Weclau für jünger und mehr im Hangenden befindlich
hält, als jene von Lubna und Rakonic, habe ich bereits oben erwähnt.
Wieder ist es die oben angedeutete Vergleichung der Schichtenfolge in den
Bohrlöchern, welche uns belehrt, dass es deren viele gibt, welche keine Kohlen-
flötze anfuhren, obschon sie bis an das Grundgebirge niedergingen. Mag auch
bei einem oder andern hievon die Ursache darin liegen, dass das Bohrloch
gerade an einer Verwerfungskluft angesessen ist, so lässt sich doch nicht zweifeln,
dass die meisten derselben darum ohne ein günstiges Resultat blieben, weil —
eben an dem Punkte keine Kohlen flötza bla ge rung vorhanden war. Dass
aber in der That die Ablagerung der Liege n d flötze keine zusammenhängende
ist, sondern letztere in einzelnen Buchten und mehr oder minder isolirten Mul-
den abgelagert wurden, lehren die Beschreibungen und Profile, die ich von den
Bauen in Wotwowic, Brandeisei, Busfehrad-Kladno und Rakonic geliefert habe.
(S. Taf. II, III u. IV.) Viel zusammenhängender erscheint die Ha ngen dflötz-
ablagerung, wie sich dies aus den Bauen in der Umgebung von Schlan, und
aus den Schürfarbeiten bei Ruda ergibt. Das herrschende Auftreten der Lie-
gendflötze in Mulden und Buchten deutet darauf hin, dass dieselben durch
Anschwemmung von Pflanzenfossilien, die sich in den Buchten und Mulden
anhäuften, entstanden seien. Dennoch dürften local wohl auch die Liegendflötze
ihre Entstehung stehenden Wäldern verdanken, die an Ort und Stelle wuchsen
und zu Grunde gingen. Wenigstens deuten aufrechtstehende Stämme von Lepi-
dodendren , die man in dem Bustehrader Baue mitten im Kohlenflötze vorfand,
darauf hin, und es ist nicht uninterressant und vielleicht nicht ohne einen gewis-
sen causalen Zusammenhang, dass gerade die Liegendflötzablagerung in den
Rapic-Bustehrader Bauen (siehe RR Profil in Tafel III), welche wahrscheinlich
aus an einem Plateau gestandenen Wäldern an Ort und Stelle gebildet wurde,
gegenwärtig um ein nicht unbedeutendes höher gelagert erscheint, als die Flötz-
ablagerung in Kladno, die in Buchten, wahrscheinlich nur durch Anschwemmun-
[75] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. *>()5
gen, abgelagert wurde. — Die Hangendflötzablagerung dürfte dagegen dureh-
gehends einer an Ort und Stelle zu Grunde gegangenen Flora ihren Ursprung
verdanken.
Noch erübrigen ein paar Worte über die Ursachen der mannigfaltigen
Störungen, welche insbesondere die Liegendkohlenflötze laut der obigen Be-
schreibungen und der mitgetheilten Durchschnitte erlitten hatten. In dem west-
lichsten Terrain des von mir bereisten Steinkohlengebietes, nämlich in der
Umgebung von Rakonic, kann es nicht bezweifelt werden, dass die dort zu Tage
tretenden Diorite und Syenite, wie es bereits Herr Dr. Reuss und Herr Gustav
Schupansky in ihren oben berührten Abhandlungen dargelegt haben, einen
wesentlichen Einfluss auf die vorhandenen Störungen der dortigen Kohlenflötze
geübt haben. — Anders ist es in dem östlichen Terrain, in der Umgebung von
Kladno-Bustehrad und von Wotwowic. Hier treten in der Nähe der Steinkohlen-
formation im Grauwackengebirge keine Eruptivgesteine, und nur bei Winaric
und Schlan mitten im Steinkohlenterrain zwei Basaltkuppen zu Tage. Dem
Basalte die vielen Störungen in dem Steinkohlengebirge bei Kladno u. s. w. zuzu-
schreiben, Hesse sich nicht begründen, denn der böhmische Basalt ist bekannter-
massen tertiären Alters, und hat bei Winaric und Schlan auch die Kreideforma-
tion durchbrochen. Es müssten demnach auch die Ablagerungen der Kreide-
formation bei Kladno und Schlan ähnliche Störungen zeigen, wie jene der Stein-
kohlenformation, was aber durchaus nicht der Fall ist. Vielmehr findet man die
Quadermergel bei Kladno, so gut wie jene nördlich von Schlan in vollkommen
ungestörter völlig schwebender Lagerung, — ein Beweis, dass die Wirkungen
des Basaltdurchbruches sich durchaus nicht weit erstreckten, und dass demnach
die Störungen in der Steinkohlenformation bereits vor dem Ausbruche des
Basaltes und zwar noch vor Ablagerung der Kreideformation erfolgt sein müssen.
Eben so wenig kann ich jenen beistiminen, welche die Ursache der Störungen in
der Steinkohlenformation den Empordringen der Kieselschiefer, die nächst
Kladno und Wotwowic häufig die Gi auwackenschiefer begleiten, zuschreiben, —
weil eben der Kieselschiefer kein Eruptivgestein ist. Allerdings aber mögen die
Kieselschiefer nicht ohne Einfluss auf manche abnorme Lagerungsverhältnisse
gewesen sein, aber nicht als spätere Erruptivrriassen, sondern als ursprünglich
vorhandene Klippen im Steinkohlenmeere, an denen des letzteren Wogen bran-
deten, und welche somit einer normalen Lagerung Hindernisse in den Weg legten.
Ich glaube nun, den Grund der Störungen in der Steinkohlenformation im öst-
lichen Theile des fraglichen Steinkohlengebietes in zwei Hanptursachen suchen
zu müssen. Die eine und bei weitem wirksamere Ursache dürfte in den succes-
siven grossen Continentalhebungen und Senkungen zu finden sein, welche
bekanntlich das mittlere Böhmen erlitten hat. Die eine Continentalhebung fand
am Schlüsse der Steinkohlenperiode Statt, verursachte den langsamen Abfluss
des Steinkohlenmeeres, und legte das Land trocken. Der Mangel jedwelcher
triassischen und Jura-Bildungen im mittleren Böhmen beweist, dass diese
Trockenlegung des Landes durch die ganze Dauer der Trias- und Jura-Forma-
tion anhielt. Nun musste jedoch abermals eine Continentalsenkung Statt gefunden
haben, in welcher sich das Kreidemeer ausbreitete, und in welcher die Gebilde
der Kreideformation abgelagert wurden. Eine abermalige Continentalhebung
machte auch dieses Meer wieder abfliessen. Diese Hebungen und Senkungen,
obschon langsam vor sich gehend, fanden nach Ablagerung der Steinkohlenfor-
mation Statt, und konnten demnach auch nicht ohne Einfluss auf deren Ablage-
rungen bleiben, sondern mussten Localspaltungen, Brüche und Verdrückungen
in denselben hervorbringen. — Eine zwreite Hauptursache der Störungen in der
64*
506
M. V. Lipoid.
[76]
Steinkohlenformation des fraglichen Terrains, wenn auch eine minder wirksame,
liegt ferner in der Zusammensetzung der Steinkohlenformation seihst. Die ange-
führten Reihenfolgen der Gesteine in den Schächten und Bohrlöchern zeigen,
dass die Steinkohlenformation hauptsächlich aus sandigen, thonigen und kohligen
Schichten besteht, dass aber diese durchaus nicht in dem ganzen Terrain gleich-
mässig vertheilt, sondern bald die einen, bald die anderen mächtiger entwickelt
sind. Insbesondere ist das Verbältniss der thonigen Schichten zu den sandigen
ein sehr bedeutend verschiedenes, und es betragen die thonigen Schichten z. B.
in
dem
Zemecher Bohrloche
. 4-5
Procente
tt
»
Kolecer Bohrloche
. 33-5
19
91
99
Blewicer Bohrloche
. 13*5
n
9t
91
Brodec II. Bohrloche
. 35
19
tt
tt
Brandeisler Bohrloche
. 15
n
9t
9t
„ Michaelsschachte . . .
. 121
99
9t
tt
Rapicer Bohrloche
. 34-6
99
9t
99
Buslehrader Maria Antoniaschachte
. 20
19
9t
99
„ „ Annaschachte .
. 4-7
19
9t
tt
Kaiser Ferdinand Bohrloche . . .
. 1 6 8
11
99
ft
Bustehrader Proeopischachte . . .
. 9
91
9t
99
Augesder Bohrloche
. 13 2
99
st
9t
Dubyer ßohrloche
. 8
19
9t
99
Kladnoer Wenzelschachte ....
. 14
19
st
tt
„ Laverschachte
. 10 5
19
99
99
„ Thinnfeldschachte . . .
. 1 6 4
19
99
99
„ Kübeckschachte ....
. 12*5
19
99
99
„ Franzschachte
. 30-2
19
St
9t
Rozdielower Bohrloche
. 10-8
19
9)
tt
Rudaer Bohrloche
. 31
19
tt
St
Petrowicer II. Bohrloche ....
. 22 2
19
der gesammten Ablagerung der Steinkohlenformation
mit Ausschluss der jünge-
ren Bildungen. Es stimmt diese Wahrnehmung vollkommen mit der Beobachtung
überein, die ich oben betreff des linsenartigen Auftretens der Schieferthone in
der Steinkohlenformation in den Bustehrader Bauen mittheilte. Ueberdies ist
nicht zu übersehen, dass die Mächtigkeit der gesammten Steinkohlenablagerung
nicht allenthalben dieselbe ist, wie es ebenfalls die erwähnten Reihenfolgen
nachweisen, sondern dass dieselbe von einigen Klaftern bis über 200 Klafter
(Kolecer Bohrloch II) anwächst. Nun ist es eine bekannte Thatsache, dass die
thonigen Schichten bei der Eintrocknung sich viel mehr zusammenziehen, als die
sandigen, und andererseits ist es anzunehmen, dass die Compression der Schich-
ten eine desto grössere sein musste, je höher die darüber befindliche Ablagerung,
welche einen Druck nach unten übte, war. Die ungleiche Zusammenziehung der
Schichten musste vorerst Spannungen und endlich Brüche in denselben hervor-
bringen, die wohl auch einige Fusse betragen konnten. Dieser zweiten Ursache
nun, nämlich der Ungleichartigkeit der Vertheilung der sandigen, thonigen und
kohligen Schichten, werden wohl hauptsächlich die vielen kleinen Sprünge und
Verdrückungen, wie sie in den Liegendflötzen so häufig angetroffen werden,
zuzuschreiben sein. Es spricht hiefür noch besonders der Umstand, dass man
in der Regel ähnliche Zerklüftungen in den Hangendkohlenflötzen nicht so
zahlreich vorfindet, — wohl nur aus dem Grunde, weil die obenerörtete Ursache
bei denselben keine oder wenigstens keine so bedeutende Wirkung äussern
konnte.
[77] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Tlieile des Prager Kreises in Böhmen. 507
Die im Vorhergehenden dargelegte und begründete Thatsache, dass die
mächtigen Liegendflötze kein unbegrenztes und durch das ganze Steinkohlen-
gebiet zusammenhängend verbreitetes Kohlenfeld bilden, hat endlich in so ferne
ihren praktischen Werth, als sie den Bergmann vor Illusionen bewahrt, und ihn
bei neuen Schürfungen zur Vorsicht mahnt. So wahrscheinlich es nämlich ist,
dass Ablagerungen der Liegendflötze und zwar in grösseren Feldern auch ent-
fernter von dem südlichen Rande der Steinkohlenformation, an welchem dieselben
bisher allein erst angefahren wurden, stattgefunden haben, eben so und noch
mehr wahrscheinlich ist es jedoch auch, dass auch in dem von dem Rande ent-
fernteren nördlichen Terrain der Steinkohlenformation flötzleere Rücken und
Stellen sich vorfinden.
II. Die Formation des Rothliegenden.
Ich habe bereits bei Beschreibung der Lagerungsverhältnisse der Stein-
kohlenformation in der Umgebung von Rakonic der Abhandlung Erwähnung
gemacht, welche Herr Professor Dr. A. E. Reuss über die „geognostischen Ver-
hältnisse des Rakonicer Beckens in Böhmen“ in den Sitzungsberichten der kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaf! en , XXIX. Band, Nr. 8, 1858 veröffentlicht
hat. In dieser Abhandlung gibt Herr Dr. Reuss eine detaillirte treffliche Schil-
derung des Rothliegenden im nordwestlichen Theile des Prager Kreises, auf
welche ich um so mehr hinweisen muss, als meine eigenen geologischen Aufnah-
men im Sommer 1859 sich westwärts über den Meridian von Rakonic nicht weit
hinaus erstreckten, und ich bisher auch noch nicht Gelegenheit hatte, das viel
charakteristischere Rothliegende in den nordöstlichen Theilen von Böhmen aus
eigener Anschauung kennen zu lernen.
Das Rothliegende besitzt aber auch in dem von mir bereisten Theile des
nordwestlichen Steinkohlengebietes eine grosse Verbreitung, und nimmt ins-
besondere das ganze Terrain ein, welches sich nördlich von der Linie befindet,
die man sich von Rakonic über die Hüge[ östlich von Luznav nach Rencow, von da
nach Kwilic, von dort über Schlan nach Zelenic, und von Zelenic nach Welwarn
gezogen denkt. (Siehe Taf. I.) In diesem Terrain wird das Rothliegende wohl
vielfach von der Kreideformation überdeckt, tritt jedoch unter derselben in allen
Thaleinschnitten, die sich nördlich und östlich vom Zban-Gebirge befinden, zu
Tage. Aber auch südlich von der oben bezeichneten Linie, und zwar in der
Bucht südöstlich von Munzifay, erscheint das Rothliegende, wenn auch in gerin-
gerer Mächtigkeit, die Steinkohlengebilde überlagernd, und dürfte von dort unter
der Kreideformation sich bis nach Kladno ausdehnen. Wenigstens sind in dem
Amalienschachte, welcher am Plateau westlich von der Stadt Kladno abgeteuft
wird, unter dem Quadermergel und Quadersandsteine der Kreideformation ein
paar Klafter röthlicher Sandsteine und Letten durchfahren worden, welche petro-
graphisch vollkommen mit den Gesteinen des Rothliegenden, wie es nördlicher
entwickelt ist, übereinstimmen.
So wie die Steinkohlenformation, besteht auch die Formation des Rothlie-
genden in dem in Rede stehenden Gebiete aus sandigen und thonigen Gesteinen,
die sich in beiden Formationen an der Begrenzung derselben so sehr ähnlich
sind , dass eine scharfe und sichere Grenze festzustellen durchaus nicht
möglich ist. In den höheren Ablagerungen nehmen jedoch die Sandsteine und
Lettenschiefer des Rothliegenden einen mehr eigenthümlichen Charakter an,
vermöge welchem sie sich von den Sandsteinen und Schieferthonen der Stein-
508
M. V. Lipoid.
[78]
kohlenformation petrographisch ziemlich wesentlich unterscheiden. Der Unter-
schied bei den Gesteinen der Steinkohlenformation und des Rothliegenden liegt
theils in deren Färbung, theils in der Structur, theils in den Bestandteilen, die
sie zusammensetzen.
Die Farbe der Gesteine des Rothliegenden ist vorherrschend roth, und
zwar ziegel- oder blutroth mit Uehergängen in*s violette, Färbungen, die bei den
Gesteinen der Steinkohlenformation nur selten und nur in vereinzelten Schichten
angetroflen werden. Andere Farben, die, wie die rothe, auf einen Eisenhalt der
Rothliegendgesteine hindeuten, als braun, bräunlich und grünlich, finden sich
gleichfalls öfters vor, seltener dagegen die graue und weisse Färbung. Sehr
häufig verleiht der oftmalige Wechsel obiger verschiedenen Farben den Gesteinen
des Rothliegenden ein gestreiftes oder gebändertes Ansehen.
Ihrer S truc t u r nach sind die Sandsteine des Rothliegenden meist sehr
feinkörnig und schieferig — Sandsteinschiefer — und sowohl diese als auch die
wenigen grobkörnigen Sandsteinschichten besitzen eine sehr geringe Consistenz
und Festigkeit, und sind der Verwitterung sehr unterworfen, wobei sie zu Grus
zerfallen. Nur die stark mit Eisenoxydhydrat imprägnirten Schichten, brauner
meist etwas grobkörnigerer Sandstein — die sogenannten „Eisendeckel“, — die
sich wohl auch in der Sfeinkohlenformation vorfinden, sind auch im Rothliegenden
dicht und fest. Conglomerate fehlen fast gänzlich im Rothliegenden.
Rücksichtlich der Bestandt heile, welche die Gesteine zusaminensetzen,
liegt ein Unterschied zwischen jenen des Rolhliegenden und jenen der Steinkoh-
lenformation hauptsächlich darin, dass in ersteren der Kaolingehalt zurücktritt,
und dafür ein Kalkgehalt auftritt. Während nämlich die Sandsteine mit Kaolin-
oder auch mit Feldspathbeimengung — Arkosen — in der Steinkohlenformation
vorherrschen, sind dieselben im Rothliegenden, und zwar auch nur in den tieferen
Schichten desselben sparsam vertreten, und verschwinden in den höheren Schich-
ten gänzlich. Andererseits aber werden die Sandsteine des Rothliegenden kalk-
haltig, was bei jenen der Steinkohlenformalion nicht der Fall ist, und besonders
die Sandsteine der höheren Schichten besitzen einen so grossen Kalkgehalt, dass
nur wenige derselben , mit Säuren behandelt, nicht aufbrausen. Zu förmlichen
Kalksteinbänken concentrirt fand ich jedoch den Kalkgehalt des Rothliegenden nur
südlich nächst dem Dorfe Drchkow, wo zwischen thonigen und feinsandigen
Schichten einige 1 — 2 Zoll mächtige Schichten eines mergeligen lichten Kalk-
steines gelagert sind. Noch ist im Allgemeinen zu bemerken, dass die thonigen
Schichten im Rothliegenden, meist als Leiten und Lettenschiefer erscheinend, viel
stärker vertreten sind, als in der Steinkohlenformation, wo sie, meist als Schiefer-
thone, den sandigen Schichten in der Verbreitung bei weitem nachstehen. —
Ich will hier noch des Unterschiedes erwähnen , welcher, nach Herrn Dr.
Reuss’ Angaben, zwischen der Ablagerung des Rothliegenden in dem nordwest-
lichen Theile des Prager Kreises und jener in dem nordöstlichen Theile Böhmens
t — bei Liebenau, Schatzlar, Braunau, Jawornitz, Schwarzkostelec u. s. f. — Platz
greift. Die letztgenannten Ablagerungen des Rothliegenden sind nämlich reich an
Kalksteinen und Kalkmergeln, an bituminösen Mergelschiefern und Schieferthonen
mit zahlreichen Thier- und Pflanzenresten, und an Kupfererzen, welche sämmtlich
im Rothliegenden des nordwestlichen Böhmens entweder gänzlich fehlen, oder nur
in Spuren zu finden sind. Auch Melaphyre, die einen wesentlichen Bestandtheil
der Roihliegendformation im nordöstlichen Böhmen bilden, vermisst man in dem
Rothliegenden des in Rede stehenden Terrains.
Dagegen finden sich im Rothliegenden des nordwestlichen Böhmens auch
Kohlenflötza blagerungen vor, und diese waren es vorzugsweise, welche
[79]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
509
Herrn Dr. Reuss die Beweise an die Hand gegeben haben, dass die Formation des
Rothliegenden in dem Rakonicer Becken vertreten sei. Das unmittelbare Han-
gende der fraglichen Kohlentlötze bildet nämlich ein sehr zäher schwarzbrauner
Brandschiefer, welcher den Localnamen „Schwarte“ erhielt, und so reich an
Bitumen ist, dass er mit Leichtigkeit entzündet wird und brennt. Dieser bitumi-
nöse Schiefer führt zahlreiche Fischreste, deren nähere Untersuchung Herr Dr.
Reuss vornahm. Die Resultate derselben sind in dessen oben erwähnter Ab-
handlung niedergelegt, und ich entnehme derselben, dass sich unter diesen
Fischresten — „ausser häufigen Knochenresten, einzelne Zähne von Haifischen
und zwar ausser einer seltenen neuen Species von Ctenoptychius (C. brems
Rss.J und einer ganz neuen Gattung, die er „ Desmodus “ benannte, insbesondere
theils glatte, theils längsgefaltete Zähne der Gattung Diplodus Ag.y welche
theilweise mit den Zähnen des Xenacanthus Decheni Beyr., eines für das Roth-
liegende Böhmens, Sachsens und Schlesiens charakteristischen Haifisches aus der
Familie der Squatinen übereinstimmen, — ferner kleine spitzkonische Zähne,
wie sie den Pygopterus- Arten eigen sind, — häufig zerbrochene Flossenstachel
und mit den winzigen kubischen Schuppen versehene Hautfragmente des Acan-
thodes gracilis F. Röm.y — isolirte anderen Fischen angehörige Flossenstachel
und vereinzelte Kopfknochen von Palaeoniscus, — endlich in grösster Menge
Schuppen, meist von Ganoiden, mehreren Arten von Palaeoniscus angehörig,
seltener von Cycloiden, die keine nähere Bestimmung gestatteten“, — befinden.
Pflanzenreste sind selten, und auch diese beschränken sich auf einzelne Farren-
blätter.
Die die bezeichneten Fischreste führende „Schwarte“ kann demnach
für diejenigen Kohlenflötze, in deren Begleitung sie zu finden ist, als charak-
teristisch gelten, dass lelztere nicht mehr der Steinkohlenformation, sondern
bereits der Formation des Rothliegenden angehören. Diesemnach zählt Herr Dr.
Reuss in seiner ofterwähnten Abhandlung die 23—26 Zoll mächtigen, durch
2zöllige Zwischenmittel in 2 Bänke getheilten Kohlenflötze, welche ausser meines
Aufnahmsgebietes am südlichen Gehänge des Zbangebirges nächst Konowa und
Mutiowic mittelst 4 — 20 Klafter tiefer Schächte abgebaut werden, und mit
10 — 12 Grad nach Norden unter die Kreideschichten des Zban einfallen, dem
Rothliegenden zu. In meinem Aufnahmsgebiete fand ich die gleichen Kohlenflötze
des Rothliegenden mit einer von 6 — 10 Zoll mächtigen „Schwarte“ am südlichen
Fusse des Zbanberges bei Hredel und nächst Kroucow vor. Bei Kroucow ist die
Flötzablagerung folgende:
Fnss Zoll
Fus* Zoll
„Schwarte“ . • . — 8
Kohle 1 8
Letten — 3
Kohle 1 8
Letten.
Das Kohlenflötz fällt mit 10 — 12 Grad nach Norden ein, und kommt in dem
Graben an der nördlichen Abdachung des Zbangebirges ober Pochwalow wieder
zum Vorschein, wo unter den Kreidebildungen, welche den Bücken des Zban-
gebirges zusammensetzen, neuerdings die Schichten des Rothliegenden zu Tage
treten. Nächst Kroucow haben Bohrversuche dargethan, dass das Rothliegende
daselbst noch über dem Kohlenflötze eine namhafte Mächtigkeit besitzt,
indem ein am Plateau ober Kroucow abgeteuftes Bohrloch, nachdem es rnuth-
masslich durch 30 Klafter die Kreideschichten durchsenkte, in der 54. Klafter,
in welcher Teufe es eingestellt wurde, noch nicht das Kohlenflötz angefahren
hatte, obschon es diesemnach bereits 34 Klafter tief in den Schichten des Roth-
liegenden niederging. (Das betreffende Bohrprofil theilte mir Herr Schichten-
31Ü
M. V. l/ipold.
[80J
meister M. Pauk mit.) Die Kohle des Rotliliegenden nächst Hredel und Krou-
cow ist wenig compact, theilweise mit Schwefelkies durchzogen, und führt Lagen
von faserigem Anthracit. Eine Analyse derselben, im Laboratorium der k.k geo-
logischen Reichcanstalt vorgenommen, ergab fügendes Resultat:
Reducirle
Aeqniralent einer 1
L o c a 1 i t ä t
Wasser in
Asche in
Gewichtitheile
Wärme-
30zölligen Klafter
100 Tlieilen
100 Theilen
Blei
Einheiten
weichen Holzet
sind Centoer
Hredel
5-4
7*0
22 90
5175
101
Kroucow
9-3
9-0
20*15
4553
11-5
Ausbisse von demselben Kohlenflötze des Rotliliegenden und auch Gruben-
baue auf dasselbe findet man an vielen Punkten in der östlichen Streichungs-
richtung von Kroucow aus, und zwar bei Millay und Srbec, bei Hresic, Pozden,
Kvvilic, Pisek und Drchkow. Besonders interessant und belehrend ist das Auf-
treten der Kohlenflötze zwischen Libowic und Kwilic. Diese beiden in verschie-
denen Thälern gelegenen Punkte sind durch einen von West nach Ost sich
erstreckenden Bergrücken getrennt, an welchem und an dessen südlichem und
nördlichem Gehänge sehr zahlreiche Grubenbaue auf Kohlen eröffnet sind , und
zwar durchgehendes Schachthaue. Den höchsten Rücken bedecken Quadersand-
steine, unter welchen Schichten des Rotliliegenden sich befinden, welche auf
Schichten der Steinkohlenformation , die am südlichen Fusse des Bergrückens
bei Libowic zu Tage treten, lagern. Man unterscheidet nun an diesem Berg-
rücken drei verschiedene Kohlenflötzablagerungen. Die tiefste am südlichen
Gehänge bei Libowic in Abbau stehende Kohlenflötzablagerung führt zahlreiche
Pflanzenreste, die nach Herrn D. Stur’s Bestimmung sämmtlich der Stein-
kohl enfo rin a t io n eigenthümlich sind. Dieselbe Kohlenflötzablagerung steht
auch bei Tuican und am „Tummelplatz“ u. s. f., wie ich dies in der I. Abthei-
lung anführte, im Abbau, und es unterliegt keinem Zweifel, dass dieselbe noch
der Steinkohlenformation angehöre. Ungefähr 10 Klafter über diesem, bereits in
der I. Abtheilung näher beschriebenen Steinkohlenflötze lagert ein zweites
Kohlenflötz von kaum 12 — 18 Zoll Mächtigkeit und von geringer Reinheit; es
sind in dessen Nähe keine maassgebenden Pflanzenreste vorfindig, obschon
sie den Hangendschieferthonen nicht fehlen; dagegen fehlt diesem Plötze noch
der Fischreste führende bituminöse Schiefer, die „Schwarte“, welcher die
dritte und oberste Kohlenflötzablagerung begleitet. Letztere ist durch Schächte
am nördlichen Gehänge gegen Kwilic aufgeschlossen, und besitzt, wie bei Krou-
cow, eine Mächtigkeit von ungefähr 3 Fuss. Nach beiläufiger Anschätzung dürfte
das Zwischenmittel von feinkörnigen Sandsteinen, Sandsteinschiefern und meist
rothen Letten, das sich zwischen der mittleren und oberen Kohlenflötzablagerung
befindet, eine Mächtigkeit von 13 — 20 Klaftern besitzen. Dass die oberste
Kohlenflötzablagerung bereits dem „Rotliliegenden“ angehöre, geht nach dem
Obengesagten aus der dieselbe begleitenden „Schwarte“ hervor, so wie die
unterste Kohlenahlagerung vermöge ihrer Pflanzenführung sicherlich in der
Steinkohlenperiode abgesetzt wurde. Zweifelhaft bleibt nur das Alter der mitt-
leren Kohlenflötzablagerung; doch bin ich mehr geneigt, dieselbe noch der
Steinkohlenformation beizuzählen, welche eben diese Ablagerung abgeschlossen
haben mag. Sämmtliche drei Kohlenflötzablagerungen sind concordant über
einander gereiht, und haben ein gjeichmässig geringes Verflächen von kaum
3 — 8 Grad nach Nord-Nordwest. Es hat demnach an diesem Punkte, wie wohl
[81]
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen.
511
auch überhaupt in dem nordwestlichen Böhmen, zwischen der Ablagerung der
Steinkohlenformation und jener des Rothliegenden nicht nur keine Störung statt-
gefunden, sondern es ist allem Anscheine nach sogar die Ablagerung des Roth-
liegenden auf jene der Steinkohlenformation ohne irgend einer Unterbrechung
erfolgt, woraus sich von selbst leicht die bereits oben erwähnten Uebergänge
in der Gesteinsführung der beiden Formationen erklären lassen und die Unthun-
lichkeit einer genauen Trennung derselben ergibt.
Letzterer Umstand, ferner die Ueberlagerung des Rothliegenden durch die
Kreideformation, welche in der Regel stattfindet, machen es im Steinkohlen-
gebiete des Prager Kreises schwierig, die Mächtigkeit der Formation des Roth-
liegenden daselbst zu ermitteln. Nimmt man indessen die erwähnten Kohlenflötz-
ablagerungen zwischen Libowic und Kwilic, und das oberwähnte Bohrloch bei
Kroucow zu einem Anhaltspunkte, so ergibt sich aus diesen Daten als annähernd
für das Rothliegende des nordwestlichen Böhmens eine Mächtigkeit von
30 — 40 Klaftern. Dass dieselbe jedoch an den meisten Orten sich als geringer
darstellt, mag der Zerstörung zuzuschreiben sein, welche die leicht zersetz-
baren Schichten des Rothliegenden in der Zeit von ihrer Ablagerung bis zur
Kreideperiode und noch während derselben erlitten haben.
III. Die Kreideformation.
Es ist bekannt, dass in Böhmen auf die Formation des Rothliegenden
unmittelbar Gebilde der Kreideformation abgelagert sind, und dass daselbst in
der ganzen langen Periode der Trias- und Juraformation keine Ablagerung von
Gebirgsschichten stattgefunden hat. Die anderwärts, wie z. B. in den Alpen,
so mächtig entwickelten Bildungen der Trias und des Jura sind bisher in Böhmen
nirgends nachgewiesen worden. Aber auch die Kreideformation ist in Böhmen
mit ihren ausserhalb Böhmen bekannten tiefsten Schichten, dem Neocomien und
Gault, nicht vertreten, und tritt erst mit Ablagerungen des Cenomanien d’Or-
bigny’s auf. Wir verdanken die betreffenden Nach Weisungen den unermüdlichen
Forschungen des Herrn Prof. Dr. A. E. Reuss, welcher die Resultate seiner
Studien über die böhmische Kreideformation in seinen Werken: „Die Kreide-
gebilde des westlichen Böhmens,“ Prag 1844; — „Die Versteinerungen der
böhmischen Kreideformation,“ Stuttgart 1845 — 1846; — „Kurze Uebersicht
der geognostischen Verhältnisse Böhmens,“ Prag 1854, Seite 67 u. s. f.; —
und in mehreren in den Schriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
erschienenen Mittheilungen niedergelegt hat. Auch Herr Sectionsgeologe Johann
Jokely, welcher in den letzten Jahren die Kreideablagerungen im Nordwesten
Böhmens geologisch zu untersuchen hatte, hat die Resultate seiner Untersuchun-
gen in den Jahrbüchern der k. k. geologischen Reichsanstalt und insbesondere
seine neuesten Erhebungen in dem Aufsatze: „Die Quader- und Pläner-
ablagerungen des Bunzlauer Kreises in Böhmen“ *) bekannt
gegeben.
Herr Dr. Reuss theilt nach den obangeführten Mittheilungen, überein-
stimmend mit Cotta, Naumann und Geinitz, welche, besonders
Geinitz, die den böhmischen gleichartigen Kreidebildungen in Sachsen be-
schrieben, die Ablagerungen der Kreideformation in Böhmen in drei Gruppen
i) Jahrbuch. XII. Jahrgang 1861 und 1862, Heft 3, Seite 367.
K. k. geologische Reiclisanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
65
512
M. V. Lipoid.
[82]
ab, in den „unteren Quadersandstein“, in den „Planer“ und in den „oberen
Quadersandstein“. Zur tiefsten Abtheilung, dein „untern Quader“, zählt
Herr Dr. Reuss laut der oberwähnten „Uebersicht der geognostischen
Verhältnisse Böhmens“ den eigentlichen unteren Quadersandslein, die Grün-
sandsteine und den Plänersandstein, zur mittleren Abtheilung dem „PI ä n er“,
die Plänermergel, Plänerkalke, Hippuritenschichten und die Baculitenthone,
und erklärt rücksichtlich der dritten obersten Abtheilung, des „oberen
Quaders“, dass in Beziehung auf denselben noch „manches Dunkel aufzuhel-
len sei.“
Herr Jokely hat laut seines oberwähnten Berichtes aus seinen Unter-
suchungen die Ueberzeugung geschöpft , dass die böhmische Kreideformation in
dem von ihm bis dahin untersuchten Gebiete nur aus zwei Formationsgliedern
bestehe, nämlich aus der Quader- und aus der Plänerformation, deren
erstere in Folge der paläontologischen Bestimmungen des Herrn Dr. Reuss
dem Cenomanien, letztere dem Turonien d’Orbigny’s entspricht. Die Ausschei-
dung eines dritten Formationsgliedes über der Plänerformation, nämlich des
„oberen Quaders“, findet Herrn Jokely nach seinen bisherigen Erhebungen
nicht gerechtfertigt. Die Quaderformation ist nach Jokely, wie nach
Reuss der „untere Quader“, aus den „Quadersandsteinen“ und aus den
„Plänersandsteinen“, mit Einschluss der „Grünsandsteine“, zusammen-
gesetzt. Herr Jokely bediente sich, um Verwechslungen vorzubeugen und
zugleich die Formation auszudrücken, statt der von Reuss und Geinitz
gebrauchten Bezeichnung „Plänersandstein“ für denselben des Namens „Qua-
dermergel“. Dass der Quadersandstein und der Quadermergel (Plänersand-
stein Reuss1) einem und demselben Formationsgliede angeboren, weist Herr
Jokely nicht nur aus den Lagerungsverhältnissen nach, sondern folgert
es auch aus der schon von Herrn Dr. Reuss erkannten vollkommenen Ueberein-
stimmung in der Petrefactenführung beider Gruppen. Das höhere Formations-
glied, nämlich die „Plänerformation“, besteht nach Jokely aus Mergeln,
theilweise Kalken, und aus Sandsteinen — den „Plänermergeln“, „Pläuerkalken“
und eigentlichen „Plänersandsteinen“, — deren Petrefactenführung ebenfalls
übereinstimmend ist, sich aber von jener der Quaderformation wesentlich
unterscheidet.
In meinem Aufnahmsgebiete des Jahres 1859, nämlich in dem in der I. Ab-
theilung näher bezeichneten Steinkohlengebiete des Prager Kreises, ist die
Plänerformation fast gar nicht, dagegen die Quaderformation sehr bedeuteud
verbreitet. Letztere besteht in diesem Terrain aus Quadersandsteinen und
Quadermergeln (Plänersandstein Reuss1) mit Zwischenlagerungen von Thon-
schichten; Grünsandsteine fand ich daselbst keine vor. Der Quadersandstein,
im Allgemeinen weiss oder lichtgrau, ein reiner fein-körniger Quarzsand-
stein, oft locker, in Sand zerfallend, bisweilen mit zarten silberweissen
Glimmerblättchen gemengt, ist in der Regel in seinen tiefsten Schichten
eisenschüssig und daher gelb oder braun gefärbt und sodann grobkörniger
und compacter. Der Quadermergel ist ein Kalkmergel von grosser Dichte
und Festigkeit, von gelblicher oder gelbgrauer, seltener lichtgrauer Farbe und
mitunter sandig. Der wesentliche Unterschied der beiden Glieder der Quader-
formation besteht demnach in deren Structur und Zusammensetzung, indem der
Quadersandstein ein lockereres Gefüge und keinen Kalkgehalt besitzt, während
der Quadermergel dicht und fest und stets kalkhältig, daher auch ein sehr
beliebter und vielverwendeter Baustein ist. Der zwischengelagerte Thon ist
licht- oder blaugrau, theils fett, theils sandig.
[83] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 313
Sowohl der Quadersandsfein als auch der Quadermergel treten in schöner
Schichtung auf, ersterer in Schichten von 1 — 6 Fuss und mehrfach zerklüftet,
letzterer in Schichten und Bänken von ein paar Zoll bis zu mehreren Fussen. Die
Thonzwischenlogen zeigen keine Schieferung. Nach Jo ke ly wechsellagern die
Quadersandsteine und Quadermergel in der Mitte des böhmischen Kreidebeckens
mehrfach mit einander ab. Ich habe in meinem obbezeichneten Aufnahmsgebiete,
in welchem sich der südwestliche Rand der böhmischen Kreideablagerungen be-
findet, eine Wechsellagerung nicht beobachtet, sondern nur eine einzige Auf-
lagerung von Quadermergeln, als den höheren Schichten, auf den Quadersand-
steinen, jedoch letztere auch an vielen Orten ohne einer Auflagerung von Qua-
dermergeln vorgefunden. Die Thonschichten finden sich einestheils den
Quadersandsteinen, jedoch selten und immer sandig, zwischengelagert vor,
anderntheils hingegen scheinen sie in meinem Aufnahmsgebiete eine constante
Ablagerung zwischen den Quadersandsteinen und den Quadermergeln zu bilden,
indem dieselben überall, wo ich die Begrenzung der Sandsteine und Mergel ent-
blösst fand, als trennendes Mittel zwischen beiden erschienen. Diese Thon-
zwischenlagerungen zeigen allenthalben Spuren von Pflanzenresten, die sich an
einzelnen Stellen bis zu gering mächtigen Kohlenschnüren und Kohlenflötzen
anhäufen. Ein solches nur einige Zoll mächtiges Kohlenflötz findet man in dem zwi-
schen dem Quadersandsteine gelagertem 3- — 4 Fuss mächtigem Thone am östlichen
Gehänge des Zbanberges zwischen Hredel und Kroucow. Die Kohle ist blätterig
und mürbe und entbehrt der für die Rothliegend-Kohlenflötze charakteristischen
„Schwarte^, wodurch sich eben diese Kohlenbildungder Kreideformation von der an
denselben Punkten vorfindigen tiefer liegenden Kohlenbildung des Rothliegenden
unterscheidet. Eben so führen die den Quadersandsteinen zwischengelagerten
Thone bei Klein-Paletsch, Drinow, Kralowic und Trpomech Kohlenflötze, deren
Mächtigkeit jedoch 1 Fuss nicht übersteigt, und welche sich, nach den bisherigen
Untersuchungen, nach dem Streichen und Verflächen verdrücken. Die nach-
folgende Figur 7 stellt das Kohlenvorkommen in dem Quadersandsteine bei
Fig. 7.
Drchkow. Drinow.
//
a Rothliegendes, b Quadersandstein mit dem 1 Fuss mächtigen Kohlenflötz, c blauer Thon, d Quadermergel.
Drinow dar. Der zwischen dem Quadersandsteine und Quadermergel gelagerte
Thon ist sehr plastisch und wird, wie z. B. nächst des Franzschachtes in Kladno,
zur Ziegelbereitung verwendet.
Ein höchst interessantes Vorkommen von Kreidemergel und Thon ist am
nördlichen Gehänge des Salzberges (Basaltkuppe) in Schlan bekannt geworden.
Es ist daselbst vor einigen Jahren, um zu untersuchen, ob das in Schlan am
linken Ufer des rothen Baches in Abbau stehende Steinkohlenflötz auch am
rechten Bachufer vorfindig sei, an dem kleinen Plateau zwischen der Bachsohle
und der Spitze des Basaltberges ein Schurfschacht 17 Klafter tief abgeteuft
worden. Siehe Figur 8.
Der Schacht erreichte kein Kohlenflötz , wurde desshalb aufgelassen und
war hei meinem Besuche nicht mehr befahrbar. Nach den Mittheilungen, die
65*
514
[84]
M. V. Lipoid.
Fig. 8.
Schlaner Rother Schurf-
Sleinkohlenbau. Bach. achacht. Salzherg.
a Steinkohlenflötz ron 3 Fusa, b Rothliegendei, c Quadenanditein, d Quadermergel, e Plinermergel
(Baculitenthon), f Basalt, y Basaltschutt.
ich dem Herrn Schichtenmeister Otto H oh mann in Turan verdanke, wurden
durch den Schacht zuerst Basaltschutt, sodann Sandsteine und endlich Mergel-
schichten und Thone durchsenkt, welche man über Tags nirgends ausbeissend
antrifft. Die Mergelschichten und Thone zeigten ein steiles nördliches Einfällen,
und zeichneten sich durch Führung von Petrefacten aus. Herr H oh mann,
welcher von diesen Petrefacten eine Sammlung veranlasst und in seinem Besitze
hatte, überliess mir dieselben zuvorkommendst für das Museum der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt und Herr Dr. A. E. Reuss hatte gefälligst die Bestim-
mung derselben vorgenommen. Es befinden sich darunter: Otodus appendicula-
tus Mant., Baculites anceps Lam , ein junges Exemphir von Ammonites peramplus
Mant., ein unbestimmbarer gekielter Ammonites, Nation vulgaris Reuss, Area un-
dulata R-, Tellinä concentrica R., Nucula pectinata R. (N. striatula Römer),
Nucula semilunaris Buch., Pecten trigeminatus ?, lnoceramus sp. ?, und Stein-
kerne von Pleurotomaria. Diese Formen charakterisiren die Plänermergel
(Baculitenthone) des Herrn Dr. A. E. Reuss, und liefern den Beweis, dass
auch die obere Abtheilung der böhmischen Kreideablagerungen , nämlich die
Plänerformation, in dem Steinkohlengebiete des Prager Kreises vertreten
ist. Indessen zeigt der Umstand, dass man in dem bezeichneten Gebiete nirgends
sonst über Tags Plänerschichten vorfindet, dass diese Schichten, die bis in die
Umgebung von Schlan verbreitet gewesen sein mussten, anderwärts später
zerstört und weggeschwemmt wurden, und nur ein Theil derselben bei der nach
anderweitigen Beobachtungen in die Tertiärzeit zu versetzenden Entstehung des
Schlaner Basaltberges derart verworfen und verdeckt wurde, dass er der Zer-
störung entging.
Die Quaderformation ist in dem erwähnten Steinkohlengebiete theils
arm an Versteinerungen, theils sind die stellenweise massenhaft vorfindigen
Thierreste so schlecht erhallen, dass sie nur selten eine Bestimmung zulassen.
Letzteres ist besonders in den Quadersandsteinen der Fall, die z. B.
nördlich von Kralup eine ein paar Zoll mächtige versteinerungsreiche Schichte
enthalten, aus welcher sich unter den mannigfachen Bivalven und Gasteropoden
nur Pinna decussata Goldf. und Protocardia Hillana Sow. bestimmen bessern
In den Quadermergeln sind ausser dem für dieselben besonders charakteri-
stischen Inocer amus mytiloides Mant., welcher an vielen Punkten vorgefunden
wurde, noch in der Umgebung von Kroucow Ammonites Rhotomagensis Defr.
und Ammonites peramplus Mant . gesammelt worden. Ein grosses Exemplar von
Am. peramplus im Durchmesser von 20 Zoll aus dem Steinbruche am südlichen
Gehänge des Zbanberges bei Rentsch verdankt die k. k. geologische Reichs-
anstalt dem Herrn Schichtenmeister Max Pauk.
Was die Mächtigkeit der Kreideablagerungen im Steinkohlengebiete
des Prager Kreises anbelangt, so überschreitet dieselbe nirgends zwanzig
[85] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 5i5
Klafter. Nachfolgende Beispiele, verschiedenen Punkten des Terrains entnom-
men, werden dies darthun und zugleich die verschiedenartige Entwickelung
der einzelnen Glieder der Quaderformation nachweisen. So sieht man bei Rost-
schow über Tags von oben nach unter:
Klafter.
Quadermergel (Plänersandstein R) . 5 — 6
Blauen sandigen Thon 1
Klafter.
Quadersandstein 9 — 10
Mit einem Bohrloche am Plateau bei Kroucow durchörterte man:
Quadermergel 7 Klafter,
blauen Letten 2 „
Quadersandstein 6 Klafter.
Bei Kladno und Rapic hat man mit dem Wenzelschachte:
Quadermergel 4 Klafter, I
blauen Letten 2 „
mit dem Kübeckschachte:
Quadermergel 1 y2 Klafter, I
blaugrauen Letten 3 „
mit dem Maria Antonia-Schachte:
Quadermergel 4 Klafter, I
blauen Letten 3 „
mit dem Ludmillaschachte:
Quadersandstein 3 Klafter,
Quadersandstein 4 Klafter,
Quadersandstein 5 Klafter,
Quadermergel
blauen Letten
6 Klafter,
5% »
und mit dem Ferdinandschachte:
Quadersandstein 5 Klafter,
blauen Letten 4i/2 Klafter, Quadersandstein ....... 4 Klafter,
Quadersandstein 2% „ Letten 2 „
schwarzen Letten 1% „ Eisenschüssigen Quadersandstein 2 „
durchfahren.
Bei Po diezin endlich ersieht man aus den Entblössungen über Tags und
sind mit dem Leopoldschachte durchfahren worden:
Quadermergel 10 — 12 Klafter,
blaugrauer Thon y3 „
Quadersandstein 7 — 8 Klafter.
Die Mächtigkeit des Quadersandsteines wechselt nach diesen Beispielen
zwischen 3 und 10 Klaftern, jene der zwischengelagerten Thone und Letten
zwischen ya und 5y2 Klafter. Die Quadermergel, als oberste Kreideablagerung
in dem fraglichen Terrain, fehlen, offenbar in Folge späterer Zerstörungen,
stellenweise gänzlich , und erreichen anderwärts ihre grösste Mächtigkeit mit
12 Klaftern.
Die erwähnten Gebilde der Quaderformation lagern conform über ein-
ander, und diese conforme Lagerung weiset auf eine ununterbrochene und
ungestörte Ablagerung derselben hin.
Dagegen ruhet das tiefste Glied der Quaderformation, die Quadersandsteine,
in abweichender Lagerung auf den älteren Gebirgsschichten , und zwar
516
M. V. Lipoid.
[86]
5 SL
B9 O
südlich von Kladno auf den Pribramer Schiefern der silurischen Grauwacke
und im übrigen Terrain theils auf den Gebilden der Steinkohlenformation,
theils auf jenen des Rothliegenden. Während nämlich die Schichten der letzt-
genannten Formationen allenthalben ein grösseres oder
geringeres Einfallen gegen den Horizont besifzen, ^
liegen die Schichten der Quaderformation auf den ® r/i
ersteren fast überall völlig horizontal , und nur an
einzelnen Punkten lässt sich ein Einfallen der Schichten
mit 1 — 5 Grad gegen Norden beobachten. Der Ge-
birgsdurchschniit von Kladno über Schlan nach Zlonic
(Figur 9) versinnlichet die eben erwähnte Art der
Lagerungsverhältnisse.
Die beschriebenen Glieder der Kreideformation
sind in dem Steinkohlengebiete des Prager Kreises allent-
halben anzutreffen. Die südwestlichsten Punkte, an denen
sie vorgefunden werden, und welche in diesem Terrain
zugleich die südwestlichen Ränder des grossen böhmi-
schen Kreidebeckens bezeichnen, sind der Zug des
Zbangebirges, nördlich von Mutiowic, der Laustinberg,
das Neu-Straschitzer Plateau zwischen dem Zaleg- und
Lahnaberge, endlich die Ortschaften Rozdelow, Pieneny
Aujezd, Unhosst, Roth-Aujezd und Auhonic. Nordöstlich
von diesen Punkten breitet sich die Kreideformation aus,
ohne jedoch in einer ununterbrochenen zusammenhängen-
den Ablagerung zu erscheinen. Vielmehr ist der grösste
Theil derselben durch spätere Erosionen, welche bis an
die tiefer liegenden Schichten der Steinkohlen- und
Rothliegendformation reichten, zerstört und weggeführt.
In den Thälern und an den Ufern der Räche, welche das
Terrain theils in nördlicher theils in nordöstlicher Rich-
tung durchschneiden, kommen daher überall die bezeich-
neten älteren Gebirgsschichten zu Tag, und die Kreide-
formation nimmt nur die Höhenpunkte und die Rücken
zwischen den Thälern und Bacheinschnitten ein. Diese
Art des Auftretens der Kreideformation ist eben-
falls aus dem Durchschnitte (Figur 9) ersichtlich.
Durch die erwähnten Erosionen sind einzelne Partien
der Kreideformation gänzlich aus dem Zusammen-
hänge mit den übrigen gelangt, und erscheinen gegen-
wärtig als isolirte Ablagerungen, wie z. B. der Laustin-
berg, das Neu-Straschitzer Plateau, der Na Drahaberg
bei Kwilic, der Rücken südlich von Zlonic u. dgl. m. Die
Art der Lagerung lässt jedoch keinen Zweifel übrig,
dass diese isolirten Partien und nun getrennten Züge an 5®
den Rücken der Hügel einstens in unmittelbarem Zu-
sammenhänge gestanden haben und ihre Trennung nur durch Wegwaschung der
zwischengt lagerten Theile erfolgt sei. Dort, wo die Kreideformation noch in
einer grösseren zusammenhängenden Partie vorhanden ist, wie bei Jungfern-
teinitz, zwischen Kornhaus und Munzifay, bei Neu-Straschitz, zwischen Schlan
und Dollin, südlich von Kladno u. s. f. , bildet sie ganz ebene Hochplateaus in
Foige der horizontalen Lage ihrer Schichten.
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 517
IV. Das Diluvium.
In dem Steinkohlengebiete des Prager Kreises unterscheidet man ein
älteres und jüngeres Diluvium. Das ältere Diluvium besteht aus Schotter-
ablagerungen, die sich in dem nordöstlichen Theile des Terrains, in der Um-
gebung von Wellwarn, vorfinden. Die Schotter sind daselbst grösstentheils
nur auf den Höhen und höher gelegenen Flächen, so z. B. auch am Kopecberg,
in einer Mächtigkeit, die kaum ein paar Fuss erreicht, den Kreideschichten
aufgelagert und deuten schon durch diese Art ihrer Lagerung auf eine ältere
Bildungszeit hin. Das jüngere Diluvium dagegen, ein gelber sandiger Lehm
— Löss, — ist nur an tiefer gelegenen Stellen, in den Thalmulden und an den
Gehängen der Bäche vorfindig und jedenfalls erst abgelagert worden, nachdem
das Terrain durch die Erosion bereits vielfach durchfurcht war und grösstentheils
schon seine jetzige Gestalt erlangt hatte. Das Erscheinen des Löss nur in den
tieferen Einschnitten und Buchten des Terrains, und dessen gänzliche Abwesen-
heit auf den höheren Punkten, insbesondere auf den oben erwähnten Kreide-
plateaus, weiset auf das jüngere Alter desselben im Vergleiche mit den hezeich-
neten Schottern hin. Durch Zahnreste von Rhinoceros tichorhinus und von
Equus fossilis ( E . caballus Linne) , welche in der Umgebung von Zlonic und
Tuchlowic vorgefunden wurden, werden die Ablagerungen dieser gelben sandi-
gen Lehme als diluviale Bildungen charakterisirt. Die Verbreitung des Löss ist
übrigens nach Obigem keine bedeutende, und nur in einzelnen Gegenden, wie
bei Tuchlowitz, Brandeisei, Wellwarn, Zlonitz u. s. f., sind grössere zusammen-
hängende Partien, sonst aber meist nur kleinere isolirte Partien desselben
anzutreffen. Eben so beträgt die Mächtigkeit seiner Ablagerung in der Regel
nur 2 — 3 Fuss.
ANHANG.
1. Basalt.
Als südlichste Vorposten jener zahlreichen Basaltkegel, welche das böhmi-
sche Mittelgebirge und dessen Umgebung zieren, erscheinen im Gebiete der
Steinkohlenformation des Prager Kreises noch zwei unansehnliche Basaltkuppen.
Die südlichere derselben ist der Kamensky Verh bei Winaric, l/2 Meile
nördlich von Kladno, die nördlichere der Salzberg bei Schlan. Keine der-
selben erhebt sich namhaft und von weitem kenntlich über das umliegende
Terrain, so wie auch bei keiner derselben der Basalt in grosser Breitenausdeh-
nung zu Tage tritt, indem die grössere, die Winaricer, Basaltkuppe nur
ungefähr 600 Klafter im Durchmesser besitzt.
Die beiden erwähnten Basaltvorkommen unterscheiden sich mehrseitig von
einander.
Die Gesteine der Winaricer K u pp e nähern sich petrographisch mehr den
Phonoliten, als den eigentlichen Basalten, und sind überhaupt dichte und com-
pacte Massen weniger vorhanden, als wie tuff- und conglomeratartige Wacken,
welche den grössten Theil der Kuppe, speciell die Ränder derselben, bilden.
Auch finden sich daselbst keine säulenförmigen, sondern nur rhombische und
plattenförmige Absonderungen der dichten Massengesteine vor. Die höchste
518
M. V. Lipoid.
[88]
Erhebung dieses Basaltvorkommens, welche sich fast in der Mitte des westlichen
Randes befindet, ist in der Entfernung von 200 — 300 Klaftern mit Ausuahme
an der Westseite, an welcher die Kuppe steil gegen Strebichowic abfällt, rings-
herum von einem ringförmigen Walle umgeben, welcher den äusseren Rand bildet,
und durch eine Einsenkung von der höchsten Erhebung getrennt, etwas niedriger
als diese selbst ist. Ein Durchschnitt (Figur 10) von Winaric nach Nordwesten
Fig. 10.
Wioafic.
NW. SO.
a Basalt, b Grauwackenformation, c Steinkohlenformation, d Kreideformation.
gezogen, zeigt diese äusserste Umwallung, und in dessen Mitte den deutlich
ausgeprägten Erhebungskrater. Seine eruptive Natur bekundet der Winaricer
Basalt dadurch, dass er an seiner Südseite (siehe obigen Durchschnitt) eine
Partie von Pribramer Schiefern und Kieselschiefern der Grauwackenformation
nebst Sandsteinen der Steinkohlenformation gehoben und zu Tage gefördert hat,
während erstere sonst nirgends in der Nähe und erst südlich von Kladno zu
Tage treten. Eben so zeigt sich die pyrogene Eigenschaft das Basalles an der
Nordwestseite der Kuppe gegen Strebecho witz, wo man die Quadersandsteine,
welche daselbst unmittelbar den Basalt begrenzen, vielfach gefrittet und in ver-
glastem Zustande vorfindet.
Die Gesteine des am rechten Ufer des rothen Baches sich erhebenden Salz-
berges bei Sclilan sind echte Basalte, welche Olivin in Körnern eingesprengt
haben. Tuffe und Wacken fand ich daselbst keine vor, und auch eine ringförmige
Umwallung, wie beim Winaricer Basalte ist nicht sichtbar. Der Schlauer Basalt
zeigt an fast allen Entblössungen die schönen fünfseitigen säulenförmigen Abson-
derungen, welche dem Basalte eigentümlich sind. Besonders schön und deutlich
präsentiren sich die Basaltsäulen von der Nordseite aus gesehen (siehe Fig. 11),
Fig. 11.
Schlaner Basaltberg. (Von der Nordseite aus gesehen.)
[89] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 519
an welcher Seite man dieselben an der Höhe der Kuppe senkrecht aufgethürmt,
an dem Fusse derselben aber wagrecht liegend findet. Begrenzt wird diese
Basaltkuppe von Gebilden der Steinkohlen- und Kreideformation. Die Hebung,
welche die letzteren durch den Basalt erlitten haben, ist keine bedeutende, und
erstreckte sich nicht auf weite Entfernung, denn schon die Quadergesteine, die
gegenüber des Salzherges am linken Ufer des rothen Baches, also in gerader
. Dichtung ungefähr 200 Klafter von demselben, abgelagert sind, erscheinen in
ungestörter horizontaler Lagerung. Dass durch die Hebung des Basaltes eine
Partie von Plänermergeln in eine abnorme Lagerung gebracht und vor der Zer-
störung bewahrt wurde, habe ich oben bei Erörterung der „Kreideformation"
erwähnt und durch Figur 8 erläutert.
2. Höhenmessungen im Steinkohlengebiete«
Im Nachfolgenden gebe ich ein Verzeichniss derjenigen Punkte im Stein-
kohlengebiete des Prager Kreises, deren absolute Höhe über dem adriatischen
Meere meines Wissens bisher bestimmt worden ist. Die Höhenbestimmungen
rühren tbeils von meinen eigenen Höhenmessungen, welche ich im Sommer 1859
mittelst Barometer ausgeführt habe und deren Berechnung gefälligst Herr
Prof. Karl Koristka in Prag vornahm, tbeils von meist trigonometrischen Mes-
sungen des Herrn Koristka, welche ich seinem Werke: „Studien über hypso-
metrische Arbeiten (Gotha 1858, Justus Perthes)“ entnehme, tbeils von den
trigonometrischen Messungen des k. k. General-Quartiermeisterstabes , tbeils
endlich von Eisenbahn-Nivellements, von Tagvermessungen der Montanbeamten
und anderen Quellen her. In der einen Colonne ist die Quelle der Höhenbestim-
mung angegeben und es bedeutet darin L. = Lipoid, K. = Koristka, A =
k. k. General-Quartiermeisterstab, E. N. = Eisenbahn-Nivellement, M. T. =
Montanistische Tagvermessung. In der letzten Colonne ist die Gebirgsformation
angeführt, welche an dem betreffenden Punkte ansteht, als: Grauwacken-
formation (Grw. F.) , Steinkohlenformation (Stk. F.), Formation des Both-
liegenden (Botlil.), Kreideformation, und zwar Quadersandstein (Qd. Sd.) und
Quadermergel (Qd. M.), Diluvialschotter (Dil. Sch.) und Diluviallehm (Löss),
endlich Basalt (Bas.). — Die Höhen sind in Gruppen nach denselben Umgebun-
gen, nach welchen die Lagerungsverhältnisse der Steinkohlenformation behan-
delt wurden, gebracht, und in diesen Gruppen in der Dichtung von Ost nach
West fortschreitend aufgeführt.
£
Seehöhe
Bestimmt
ts
in
von
Gebirgsart
eu
Wr. Klft.
Umgebung von Wotwowic.
I
Kralup, mittlerer Wasserspiegel der Moldau .....
87-15
E.N.
Alluvium
2
— Eisenbahnstation, Höhe der Schienen
92-05
55
55
3
Nehostberg, südlich von Kralup
141-00
A
Grw. F.
4
Wäldchen am Plateau südlich von Kralup
119-93
K.
55
5
Minie, einzelnes Haus am Bergplateau, westl. vom Orte
136-01
55
Stk. F.
6
Wotwowic, Stollenmundloch der Franz de Paula-Grube
105-80
L.
55
7
— Eisenbahnstationsplatz
106-31
E. N.
Alluvium
8
— Kreuz am Bergplateau, nordwestlich vom Orte . .
140 99
K.
Stk. F.
9
— Schichtamt, Gotthardi-Stollenmundloch
110-80
L.
55
10
Zakolan, Stationsplatz, nahe dem Wegübergang ....
114-68
E.N.
Alluvium
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft. 66
S20
M. V. Lipoid.
[90]
sz:
Seehöhe
Bestimmt
'S
in
VOD
Gebirgsart
CU
Wr. Kl fl.
11
Zakolan, Bachniveau unter der Eisenbahnbrücke . . .
112*45
E. N.
Alluvium
12
Budec, Kirche, südwestlich von Zakolan
154-47
K.
Grw. F.
13
Teinitz (Tynec), Häuser an der Strasse im Thale . . .
118-96
tt
99
14
Kolec, mittlere Höhe des Ortes
129-44
n
Stk. F.
15
Nadewsiberg, nördlich von Slatin
139-00
A
»
Umgebung von Bustehrad-Kladno.
16
Bustehrad, Basis des Schlosses
176-43
K.
Grw. F.
17
Trebusic, untere Häuser im Orte
149-86
Stk. F.
18
Brandeisei, Stationsplatz
153 13
E. N.
99
19
— Michaelsschacht
154-39
K.
99
20
— Dorf, Häuser am Bache
146-23
»
99
21
Bapic (Hrapic), Bustehrader Eisenbahnstationplatz . .
170 05
E. N.
99
22
— Bachniveau unter dem Stationsplatze
157-65
tt
Alluvium
23
— Witofka- (Witek-) Schachtkranz
179-24
M. T.
Qd. Sd.
24
— M. Antonia-Schachtkranz
179-49
»
Qd M.
25
— Bustehrader Wenzel-Schachtkranz
178-59
tt
99
26
— Garten neben der Wohnung des Hrn. Dir. Har tisch
167-50
L.
Grw. F.
27
— Neu-Hoffnungs-Schachtkranz
179-24
M. T.
Stk. F.
28
Duby, M. Anna-Schachtkranz
177-80
n
Löss
29
Kladno, Eisenbahn-Stationsplatz
178-23
E. N.
Stk. F.
30
— Bachniveau unterhalb des Stationsplatzes ....
172-65
t>
31
— Wenzel-Schachtkranz
183-53
M. T.
99
32
— Layer-Schachtkranz
178-94
»
99
33
— Wohnung des Herrn Ingenieur Schmidt neben
Layerschaeht, ebner Erde
175-50
L.
99
34
— Adalberthütte, Hochofensohle
184-70
tt
99
35
— — Höhe der Gicht
190-49
K.
99
36
— Thinnfeld-Schachtkranz
183-23
M. T.
99
37
— Kübeck-Schachtkranz
194 06
tt
Qd. Sd.
38
— Franz-Schachtkranz
190-25
E. N.
Stk. F.
39
— Gewerkenhaus der Prager Eisen-Industrie-Gesell-
schaft, 1. Stock (Mittel aus 17 Messungen) . .
197*96
L.
»
40
— mittlere Höhe des Stadtplatzes hei der Kirche ...
202-51
K
Qd. Sd.
41
— obere Stadt gegen Rozdelow
211-25
E. N.
Qd. M.
42
— Gasthaus am Ring, 1. Stock
207-55
K.
Qd. Sd.
43
Weghibka (Wyhybka), Pferdebahnstation, südl. v. Kladno j
214-85
214-49
E. N.
K.
Qd. M.
44
Horkaberg bei Dobray, südwestlich von Kladno ....
Rozdelow, Schienen der Pferdebahn .
233 00
A
Grw. F.
45
21415
E. N.
Qd. M.
46
Pcher, alter Glockenthurm, südlich vom Dorfe, nordöst- 1
lieh von Kladno
171-62
K.
Qd. Sd.
47
Hamensky (Humensky) Wrch, Kuppe nördlich vom j
216-04
216-21
219-29
A
K.
L.
Bas.
Dorfe Winafic \
99
99
48
Libosin, nordwestl. von Kladno, mittlere Höhe des Ortes {
166-63
K.
Rothl.
Umgebung von Lana-Ruda.
49
Kopaniachberg bei Kacic,^nordöstlich von Lana ....
216 07
A
Qd. M.
50
Zaroklamaberg bei Stein-Zehrowic, östlich von Lana . .
221 27
99
Stk. F.
51
Schildwachberg bei Zilina, südöstlich von Lana ....
222-49
19
Grw. F.
52
Lana, Gasthof neben dem Schlosse, ebener Erde (Mittel
53
aus 2 Messungen)
219-60
L.
Löss
Ploskow, Bachsohle neben dem Jägerhause, südl. v. Lana
211-20
99
Grw. F.
54
Na Chrobceberg bei Stochow, nordwestlich von Lana . .
239-00
A
Qd. M.
55
Lanaberg, westlich von Lana ............
248-95
99
tt
Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 521
£
Seehöhe
Bestimmt
«0
in
von
Gebirgsart
<£
Wr. Kl ft.
56
Neu-Strasie, Gasthof am Stadtplatz, ebener Erde . . .
251*50
L.
Qd. M.
57
Ruda, Wohnhaus des Ruder Heger bei der Colonie . . .
205*50
99
Stk. F.
58
Pinie, südwestl. von Lana, Ende der Pferde-Eisenbahn .
209*80
99
Grw. F.
Umgebung von Rakonic.
59
Fünf Eichenberg, südlich von Rakonic
248*00
A
99
60
Coloniehaus bei den fünf Eichen nächst Neuhaus, östlich
von Rakonic
251*80
L.
61
Kladna Stran, Zechenhaus des Maresch’schen Stein-
kohlenbaues ................
235*40
99
Stk. F.
62
Chlum, Gasthaus im Dorfe, 15 Fuss ober der Bachsohle,
südöstlich von Rakonic
156*70
Grw. F.
63
Veitberg bei Chlum
234*00
A
64
Rakonic, Gasthof zum „rothen Krebs“ am Platze, 1. Stock
(Mittel aus 4 Messungen)
171*40
L.
Alluvium
65
Lisan, Dorfplatz, nördlich von Rakonic
203*70
99
Rothl.
66
Antoniberg, nordwestlich von Rakonic
200*00
A
99
67
Senecberg, südwestlich von Rakonic
262*00
Grw. F.
.68
Yogelherdberg bei Psoblik, westlich von Rakonic . . .
223*15
n
Rothl.
Umgebung von Well w arn.
69
Kopecberg, südöstlich von Wellwarn
143*30
Dil. Sch.
70
Wellwarn, Gasthof am Stadtplatz, ebener Erde ....
97*10
L.
71
Woslochowberg bei Naumeric, südwestlich von Weilwarn
134*15
A
Rothl.
Umgebung von Schlan.
72
Swoleniowes (Zwolenewes), Basis der Kirche beim Schlosse
119*10
K.
Stk. F.
73
Zelenic, Basis der Dorfkirche, südöstlich von Schlan . .
157*86
99
Qd. Sd.
74
Podlezin, Brücke über den Bach im Dorfe ......
117*40
L.
Alluvium
75
Prowaskaberg, nördlich von Podlezin, östlich von Schlan
159*00
A
Qd. M.
76
Leopoldischachtkaue, nördl. von Podlezin, östl. von Schlan
161*00
L.
99
77
Drnow, Häuser am Plateau, östlich von Schlan ....
154*05
K.
78
Knobis(Knowiz), Gasthof, ebener Erde, südöstl. v. Schlan
120*80
L.
Alluvium
—
— westliche Häuser am Bache
120*55
K.
79
Steinkohlenbergbau, nordöstlich von Gemnik, Schacht-
gebäude, südöstlich von Schlan ........
151*12
99
Stk. F.
80
Dolin, Häuser am Plateau, nordöstlich von Schlan . . .
163*70
L.
Qd. M.
81
Zlonic
104*20
David
Rothl.
82
Skalkiberg, nordöstlich von Zlonic
133*00
A
Qd. Sd.
83
Kurzidlaberg, nordwestlich von Zlonic ........
164*00
99
Qd. M.
84
Schlan, Bachufer neben dem Stollenmundloche des Stein-
kohlenbaues
134*10
L.
Stk. F,
172*00
A
Bas.
85
— Salzberg, Kuppe, östlich von der Stadt . . . . <
174*03
K.
99
(
174*10
L.
86
— Gasthof zum „weissen Lamm“, ebene Erde (Mittel
aus 5 Messungen)
145*20
»*
Qd. Sd.
87
— Basis der Franciscanerkirche
155*80
K.
88
— mittlere Höhe der Steinbrüche, nördl. von der Stadt
177*43
Qd/ M.
89
Drchkow, Dorfplatz, nördlich von Schlan
119*30
L.
Rothl.
90
Sak, Mühle, östlich vom Orte, südlich von Schlan . . .
133*67
K.
Löss
91
Dorf Strebichowic, Gasthaus, südlich von Schlan . . .
130*30
L.
Stk. F.
92
Hredliw, obere Dorfhäuser, südlich von Schlan ....
163*40
K.
Qd. Sd.
93
Turan, Kirchplatz, westlich von Schlan
174*60
L.
99
94
Sternberg, südwestlich von Schlan , Badhausgarten . .
161*10
»
Löss
522
M. V. Lipoid.
[92]
u
Seehöbe
Bestimmt
in
Ton
Gebirgsart
o
CU
Wr. Klft.
95
Na Skalkiberg bei Sternberg
200-02
A
Qd. M.
96
Na Drachachberg bei Weissthurn
179-78
»
n
97
Jungferteinie
185-20
Sommer
n
98
Pozden, 20 Fuss ober dem Baehufer, westlich von Schlan
153-20
L.
Rothl.
99
Pozdnerwaldberg, südlich vom Dorfe Pozden
220-39
A
Qd. M.
100
Stern, Plateau westlich vom Orte an der Poststrasse,
westlich von Schlan
212 00
L.
»
Umgebung von Rentsch- (Rencow-) Konowa.
101
Na Hagyberg, östlich von Kornhaus . .
228-21
A
tf
102
Mleimsker Mühle am Puncocha-Teich, südwestlich von
Kornhaus
21410
L.
Alluvium
103
Kapinaberg, östlich von Rencow
262 00
A
Qd. M.
104
Rentsch (Rencow), Gasthaus am Platze, ebene Erde,
(Mittel aus 3 Messungen)
241 30
L.
Qd. Sd.
105
U Trebudaberg bei Winaric, nordöstlich von Rencow . .
227 00
A
Qd. M.
106
Aulowic, Dorfgasthaus, 20Fuss ober der Bachsohle, nörd-
lich von Rencow
172-50
L.
Rothl.
107
Trahaberg bei Senkow, nördlich von Rencow
183 00
A
Qd. M.
108
Bömberg bei Rocow, nordwestlich von Rencow ....
1231-00
99
ry
109
Ober-Rocow, Gasthaus am Platz, nordwestl. von Rencow
233-70
L.
99
110
Hriwicer Bach, südwestlich vom Dorfe Rocow, am Wege
nach Domausic
i 180-90
n
Rothl.
111
Na Romarochberg, nördlich von Mutiowic
274-00
A
Qd. M.
112
Plateau zwischen Kroucow und Pochwalow, nördlich von
Rencow
249-70
L.
n
113
Zbanberg, nordwestlich von Rencow
278-12
A
99
114
Hredl, Bachufer im Dorfe, westlich von Rencow ....
232-50
L.
Rothl.
115
Lausstynberg, südwestlich von Rencow
27400 A
1 1
Qd. M.
Aus dem vorgehenden Verzeichnisse ergibt sich, dass, so wie die Kreide-
forrnation das höchste Glied der Gebirgsablagerungen im Steinkohlengebiete des
Prager Kreises ist, dieselbe auch auf dem Zbanberge bei Rencow (278*12 Klafter)
die grösste Erhebung des Terrains bildet. Der südwestliche Rand der Kreide-
formation (Zbanberg, Laustinberg, Lanaberg) bezeichnet auch die grösste Er-
hebung derselben über das adriatische Meer, die daselbst 270 — 280 Klafter
beträgt. Von dort an nimmt die absolute Höhe der Kreideablagerungen allrnälig
gegen Norden und Nordosten immer mehr ab, so dass sie in der Umgebung von
Wellwarn (Kopekberg) nur mehr 140 — 150 Klafter beträgt. Die Senkung der
Kreideablagerungen in dem Terrain von dem südwestlichen Rande gegen die Mitte
des Kreidebeckens auf der ungefähr 41/2 Meilen langen Strecke vom Zbanberge
bis zu den Kreidekuppen in der Umgebung von Wellwarn beträgt demnach bei-
läufig 130 Klafter.
Die Formation des Rothliegenden erhebt sich am höchsten in der Umgebung
des Zbanberges bei Mutiowic und Hredel, und reicht daselbst bis zur absoluten
Höhe von 260 Klaftern hinan. Wie die Kreideformation, nimmt auch das Roth-
liegende gegen Norden und Nordosten immer mehr an absoluter Höhe ab, und
erscheint auf den Höhen bei Wellwarn (Woslochowberg) nur mehr ungefähr
130 Klafter hoch.
Die Steinkohlenformation erreicht ihre grösste absolute Höhe an der „chladna
Stran“, östlich von Rakonic (233 4 Klafter), bleibt also hinter der absoluten
[93] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 323
Höhe, welche das Rothliegende besitzt, um mehr als 20 Klafter zurück. Am
übrigen südlichen Rande des Steinkohlenbeckens steigt die Steinkohlenformation
bis zur Höhe von 220 Klafiern (Zaroklawaberg) und senkt sich ebenfalls und
zwar viel stärker und so stark gegen Norden und Nordosten, dass sie in dem
nördlichen Theile des Terrains bei Zlonic, Wellwarn u. s. f. nicht m»*hr zu Tag
tritt, obschon die Thalsohlen daselbst kaum mehr 100 Klafter und die Moldau bei
Wrprek nur mehr 80 Klafter über dem adriatischen Meere liegen.
3. lsolirte Steinkohlenbecken des Prager Kreises.
Ausser dem grossen Steinkohlenbecken, welches sich nördlich von Rakonie,
Lana, Kladno und Wotwowic ausbreitet, und den Gegenstand der I. Abtheilung
meines Aufsatzes über das Steinkohlengebiet des Prager Kreises bildete, befinden
sich in diesem Kreise noch ein paar kleine isolirfe Steinkohlenbecken, deren,
wenn sie auch von geringer Wichtigkeit sind, hier Erwähnung geschehen soll.
Alle diese Becken sind im Terrain der silurischen Grauwackenformation und von
Gebilden der letzteren begrenzt und unterteuft, und liegen südlich von dem
grossen Steinkohlenbecken des Prager Kreises.
Das eine der kleinen Becken befindet sich bei dem Dorfe Klein - Pri lep,
‘/a Meile nördlich von Beraun, 3 Meilen südwestlich von Prag, und ungefähr
l1/ 2 Meilen von dem grossen Steinkohlenbecken (Drusee) entfernt. Es liegt in
einem westlichen Seitengraben des Kaeice- Thaies, an dem nördlichen Gehänge
dieses Grabens unmittelbar unter dem Dorfe Klein - Prilep, und zwar in einer
Mulde, die 40—60 Klafter höher liegt als das Kacice-Thal. (Klein-Prilep liegt
203 Klafter, Chrustenic am Kacicebache 136*6 Klafter ii. d. adr. M.) Die Aus-
dehnung dieses Kohlenbeckens ist eine geringe, und beträgt in der Längen- und
Sti eichungsricbtung von Ost in West nicht mehr als 8 — 900 Klafter, und in der
Breite kaum 2 — 300 Klafter. Die Gebirgsarten, welche die Ablagerung bilden,
sind theils Sandsteine, auch Arkosen, theils dunkle Schieferthone; erstere sind
im östlichen, letztere im westlichen Muldenflügel vorherrschend. Beide führen
Pflanzenreste der Steinkohlenformation, unter denen Stigmaria ficoides Brong .,
Calamites communis Ett . und Cordaites borassifolia Ung. bestimmt wurden. Die
Mächtigkeit der ganzen Ablagerung dieser Formation beträgt höchstens 30 Klaf-
ter. Indessen führt sie Steinkohlenflötze, welche Schieferthon zum Liegenden und
am Östlichen Theile Sandsteine, im westlichen gleichfalls Schieferthon zum Han-
genden haben, und im Allgemeinen ein flaches südliches Einfallen besitzen. Im
östlichen Muldentheile unterschied man drei übereinanderliegende Kohlenflötze
von 6 Fuss, 7 Fuss und 2 Fuss Mächtigkeit; im westlichen Muldentheile kennt
man nur mehr ein Kohlenflötz von 8 Fuss Mächtigkeit. In dieser Kohlenmulde
wird die Steinkohle schon seit langer Zeit abgebaut, und wurde ehedem
meist nach Prag geliefert. Der Abbau fand jedoch nichts weniger als rationell
statt, und bestand in einer Art Dokelarbeit, indem man mit kleinen unausgezim-
merten Schächtchen bis zur Kohle niederging, von derselben so viel als möglich
raubte, und hierauf den Schacht verliess, um sogleich nebenan dieselbe Arbeit
von vorne zu beginnen. Auf diese Art sind in diesem kleinen Terrain nahe an
300! Schächte von 3 — 20 Klafter Teufe abgesenkt worden, und die Unzahl
kleiner Halden gibt nun dem ganzen Kohlenbecken den Anschein eines von Maul-
würfen durchwühlten Ackers. In dem östlichen Muldenflügel sind in obiger Weise
die beiden oberen mächtigeren Kohlenflötze bereits fast ganz abgebaut worden,
und nur das tiefere 2 Fuss mächtige Flötz, welches überdies keine so compacte
und gute Steinkohle enthält, als die oberen Flötze sie lieferten, ist jetzt noch
524
M. V. Lipoid.
[94]
Gegenstand eines wenig lohnenden Abbaues. Das 8 Fuss mächtige Flötz des west-
lichen Muldenflügels legt durch zahllose Verwerfungen dem Abbaue viele Hinder-
nisse in den Weg und ist durch die vielen kleinen Störungen so sehr zertrüm-
mert, dass nur y8 des Flötzes als brauchbare Stückkohle gewonnen werden kann.
Das hiebei abfallende Kohlenklein wurde meist als Versatz in der Grube gelassen,
und gab natürlicher Weise Veranlassung zu Grubenhränden , die bei meinem
Besuche noch nicht gewältiget waren.
Fast anschliessend an das Klein-Pfileper Kohlenbecken erstreckt sich von
Zelesna an über Hiskow und Stradonitz (Althütten am Beraunflusse) bis über
Lisek hinaus am nordwestlichen Gehänge des Deid-Berges (Drahow) eine zweite
Ablagerung von Steinkohlengebilden, welche in dieser Erstreckung ungefähr
1 Meile lang ist, aber auch nur einen verhältnissmässig wenig (5 — 600 Klafter)
breiten Zug bildet. Die Gebirgsarten dieser Ablagerung sind dieselben wie im
Klein-Prileper Becken; nur sind Arkosen vorherrschend. Auch ist die Mächtigkeit
der Ablagerung grösser, insbesondere am rechten Ufer des Beraunflusses. Nicht
minder enthält auch diese Ablagerung Steinkohlenflötze, die aber theils nur eine
geringe Mächtigkeit von ein paar Fuss besitzen, theils durch zahlreiche Störun-
gen und Verschiebungen sehr zertrümmert worden sind, besonders in dem Terrain
am Beraunflusse, wo die Ablagerung ihren tiefsten Stand besitzt, (Althütten liegt
(125-3 Klafter ii. d. adr. M.) und von wo sie sich einesteils gegen Zelesna, an-
derntheils gegen Lisek bis gegen 60 Klafter hoch über die Thalsohle erhebt. Die
Schürfungen auf Steinkohle bei Hiskow und Stradonitz hatten desshalh bisher
kein entsprechend günstigesResultat. Ruhiger erscheint die Ablagerung am Plateau
nächst dem Jägerhause am Lisek, wo man ausser der grossen Steinkohlenmulde
noch südöstlich davon ein ganz kleines isolirtes Steinkohlenbecken vorfindet.
Letzteres soll ein 9 Fuss mächtiges Steinkohlenflötz, das nur 3 Klafter tief unter
dem Rasen gelegen hatte, gefühl t haben , das aber bereits gänzlich abgebaut
wurde innerhalb der 30 Jahre, seit welcher die Kohlenablagerung bekannt ist.
ln der nordöstlichen grossen Mulde am Lisek ist jetzt noch ein 5 Fuss mächtiges
Steinkohlenflötz, welches 26 Klafter Hangendgebirg besitzt, in Abbau, liefert
aber meist unreine Kohle, die nur bei Kalkbrennereien Anwendung findet. Die
eben bezeichnete zweite isolirte Ablagerung der Steinkohlenformation ist ziemlich
reich an fossilen Pflanzenresten, besonders an der Beraun nächst Stradonitz.
Herr Professor Dr. Constanlin von Ettingshausen hat die Flora von Stradonitz
in einer besondern Abhandlung zusammengestellt, welche in dem I. Bande der
„Abhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt“ veröffentlicht wurde.
Bemerkenswerth ist an dieser Flora der Mangel an Sigillarien, Stigmarien und
Lepidodendren, welche sonst gewöhnlich die Kohlenlager zusammensetzen, und
das Vorherrschen der Classe der Filices, welche zwei Driltheile der Flora um-
fasst. Dieser Umstand gab Herrn C. v. Ettingshausen1) den Schlüssel zu der
Erklärung, warum in dem fraglichen Kohlenbecken die Kohle kaum ein paar Fuss
mächtig vorgefunden wird.
Es erübrigt mir nun noch, von dem letzten und kleinsten der isolirten
Steinkohlenbecken zu sprechen, nämlich von jenem, das sich am „Stilec“ eine
halbe Stunde südwestlich von Zebrak in der Thalsohle an beiden Seiten des
Mlegnskeg-Baches vorfindet. Es befindet sich in der absoluten Seehöhe von
190*5 Klafter über dem adr. Meere, und ist nach seiner Erstreckung in die
Länge 5 — 600 Klafter, und in die Breite ungefähr 300 Klafter bekannt. Am
rechten Ufer des Mlegnskeg-Baches ist die Auflagerung der Steinkohlengebilde auf
Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. III, 1852, Seite 188.
Jahrbuch der fck .geolo^iarhen Reichaaneralt Xn Band IHeft 186 » Gegenüber Seite J!4
elnkohlrnjjfebif
—2 —
Steinkohlengebietes im Prager Kreise
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[9S] Das Steinkohlengebiet im nordwestlichen Theile des Prager Kreises in Böhmen. 525
Schiefern der Grauwackenformation sichtbar, am linken Bachufer dagegen sind die
Ausbisse durch Lössablagerungeir bedeckt. Das Stilecer Steinkohlenbecken ist
im Südwesten von dem Liseker Becken 2 Meilen und von dem westlicher befind-
lichen Radnitzer Becken gleichfalls 2 Meilen entfernt. Die Mächtigkeit der ganzen
Ablagerung ist eine geringe, und dürfte 20 Klafter nicht übersteigen. DieLiegend-
Schichten bildet ein weisser plastischer Thon, auf welchem nach oben Schiefer-
thone und Kohlenschiefer folgen. Letztere führen zwei Steinkohlenflötze, deren
unteres aus unreiner Kohle bestehendes 3 Fuss, und deren oberes unmittelbar
darauf folgendes mit reiner Steinkohle 6 Fuss mächtig ist. Das obere reine
Kohlenflötz soll jedoch bereits fast ganz abgebaut sein. Über den Kohlenflötzen
folgen dichte Kalkmergel und über diesen endlich sehr feinkörnige Arkosensand-
steine. Die Lagerung der Kohlenflötze ist eine muldenförmige mit geringem Ein-
fallen gegen die Mitte der Mulde. Fossile Pflanzenreste beobachtete ich daselbst
keine.
Inhalt.
Seite
Einleitung * [1] 43t
I. Die Steinkohlenformation [3] 433
Verbreitung der Steinkohlenformation [3] 433
Gesteinsbeschaffenheit [5] 435
Lagerungsverhältnisse der Steinkohlenformation [6] 436
a) Umgebung von Wotwowic [7J 437
b) „ „ Bustehrad-Kladno [16] 446
c) „ „ Lana-Ruda [50] 480
d) „ „ Rakonic [55] 485
e) „ „ Schlan [66] 496
Fossilreste in der Steinkohlenformation [72] 502
Schlussfolgerungen [73] 503
II. Die Formation des R oth 1 iege nden [77] 507
III. Die Kreideformation [81] 511
IV. Das Diluvium [87] 517
Anhang : 1. Basalt [87] 517
2. Höhenmessungen im Steinkohlengebiete . [89] 519
3. Isolirte Steinkohlenbecken des Prager Kreises [93] 523
526
[1]
II. Die geologischen Verhältnisse der Bezirke des Oguliner
und der südlichen Compagnien des Szluiner Regimentes in
der Karlstädter k. k. Militärgrenze.
Von Dr. Ferdinand Stoliczka.
Vorgelegt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 4. November 1862.
Das bezeichnete Gebiet von etwa 60 Quadratmeilen, welches ich als Sec-
tionsgeologe der zweiten Section der k. k. geologischen Reichsanstalt im Laufe
des diesjährigen Sommers aufgenommen habe, ist zusammenhängend von West
nach Ost und erstreckt sich von der Küste des adriatischen Meeres zwischen
Novi und Zengg bis Karlstadt und die türkische Grenze von dem Rastel Maljevac
bis Izacic.
Im Norden bildet Provinzial-Croatien und im Süden das Oltocaner Regi-
ment die Grenze.
Bei meinen geologischen Aufnahmen wurde ich auf das wirksamste unter-
stützt von den Commandanten der beiden Regimenter, den Herren Obersten
Ritter v. Knesevic und Ritter v. Zastavnikovic und in Folge der trefflichen
Einleitungen und Anordnungen dieser Herren wurden meine Arbeiten auch überall
von dem ganzen Officierscorps auf das wohlwollendste gefördert. Ich fühle mich
hiefür zu dem wärmsten Danke verpflichtet.
Die mannigfach verzweigten Gebirgszüge welche wir im Oguliner und
Szluiner Regiment erblicken, sind die unmittelbare Fortsetzung der Julischen und
Krainer Alpen, also eines ausgesprochenen Karstgebirges. Der westliche Theil
erreicht bei weitem grössere Höhen und ist durch seinen Anschluss an das
Kapellagebirge als das Verbindungsglied zwischen den Julischen und Dinarischen
Alpen anzusehen. Die Gebirgszüge streichen fast durchgehends von Nordwest
nach Südost, haben jedoch keine besondere Längenerstreckung, indem sie durch
viele Quer- und Seitenzüge mannigfach unter einander Zusammenhängen und
in einander sich verschlingen. Der ganze Charakter der Landschaft bekommt
hiedurch ein verworrenes und mehr wildes Aussehen. Einerseits liegen die
kahlen und öden Felsgruppen längs der Meeresküste, auf der anderen Seite
£2] Die geolug. Verhältnisse der Bezirke des Ogulinei und Szluiner Regimentes. 527
lassen die dichten Urwälder, welche die unzähligen Bergstürze und Kesselthäler
beschatten, nur nackte Felsspitzen hervorragen, die sich bis zur Höhe von
5.000 Fuss (Bielolasica, Kleck bei Ogulin) erheben. Hieraus folgt auch, dass
dieses westliche Gebiet keine grösseren Flüsse zählt, sondern alle Gewässer
nach einem kurzen Laufe wieder verschwinden, um entweder an der Meeres-
küste als einzelne submarine Quellen wieder emporzukommen oder auf der
anderen Seite sich zu grösseren Flüssen, wie die Mjeznika, Vernjka, Dretulja
u. a. zu sammeln.
Der östliche Theil des Oguliner und des Sluiner Regimentes ist viel weniger
gebirgig und hat bereits Ströme von langem Lauf, wie die Mreznica, Dobra
Koranna u. a. aufzuweisen, die sämmtlich ihr Wasser der Kulpa zuführen. Durch
dieses reichere Bewässerungssystem, so wie durch die grössere Verbreitung
rother Thone, die sich bei einiger Pflege dem Pflauzenwuchse recht gedeihlich
zeigen, erhält das Land für die Budencultur einen viel grösseren Werth als dies
mit dem westlichen Theile der Fall ist, welcher ausserdem ein viel rauheres
Klima besitzt.
Was nun den geologischen Bau des Terrains betrifft, so finden wir den-
selben, wenigstens der Hauptsache nach, innig zusammenhängend mit der vor-
wiegenden Streichungsrichtung des Gebirges von NW. nach SO. Wir können
zwei Hauplpartien älterer Bildungen unterscheiden, welche uns die tiefst-
gehenden Aufbrüche des Gebirges darsteilen und an die sich jüngere Ablage-
rungen anlehnen. Die eine Hauptmasse zieht sich beinahe durch die Mitte des
Oguliner und die zweite liegt im östlichen Theil des Szluiner Regimentes. Nach
Süden vereinigen sich beide Züge zum Theil mit einander, so dass sie eigentlich
nur einen durch viele Brüche und Faltungen unterbrochenen Schiehten-Complex
bilden. Die Reihe der verschiedenen Formationen und Gesteinsarten, welche
in dem Gebiete der genannten zwei Regimenter vertreten sind, ist folgende:
I. Gailthaler Schichten. Sie treten in einem langen Zuge auf, wel-
cher sich unterhalb Karlstadt, anfangs mit einigen Unterbrechungen längs der
Grenze des Szluiner Regimentes nach türkisch Croatien hin erstreckt. Vorherr-
schend sind es gelbliche Sandsteine, welche mit den aus den nördlichen Gebieten
bekannten vollkommen übereinstimmen. Eine ziemlich ansehnliche Verbreitung
haben in der Petrova Gora schwarze Schiefer, in denen man nur selten Spuren
von Pflanzen entdeckt. In ganz geringer Mächtigkeit wechsellagern diese Schiefer
nördlich von Kolaric bei Keljun mit einem festen Quarzconglomerat.
II. Untere Trias. Das untere Glied sind Werfener Schiefer, die mit
denen unserer Alpen ganz übereinstimmen und worin bei Klokoc (NW. v. Wali-
sello) Myacites fassaensis und Avicula Venetiana Vorkommen. Bei Cettin werden
die Werfener Schiefer von dünngeschichteten plattigen Kalken überlagert,
welche mit den sogenannten Naticellen-Sehichten am meisten übereinstimmen.
Viel verbreiteter sind jedoch weisse oder graue, sehr bröckliche Dolomite, die
entweder wie bei Karlstadt als isolirte Kuppen aus jungtertiären Bildungen her-
vorragen, oder unmittelbar auf Werfener Schiefern aufliegen. Nur an einzelnen
Punkten, wie in der Umgebuug von Weljun, Walisello und Maljewac, sind diese
Dolomite zwischen die Werfener Schiefer und Gailthaler Sandsteine einge-
schoben, was sich nach den Beobachtungen des Herrn Stur dadurch erklärt,
dass der Aufbruch in den Werfener Schiefern erfolgte und hiedurch die über-
lagernden Dolomite auf die Seite geschoben wurden.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
67
528
Dr. Ferdinand Stoliczka.
[3]
Was auf der Oguliner Karte als untere Trias ausgeschieden wurde, liegt
unmittelbar in der Fortsetzung der Guttensteiner Schichten von Provinzial-
Croatien, welche vom Herrn Bergrathe Foetterle beobachtet wurden. Es sind
vorwiegend graue und schwärzliche Dolomite mit vielen weissen Adern und sehr
grossem Bitumengehalt. Die Kalke sind, wo sie auftreten, meist dicht, von
schwarzer Farbe und sehen den sonst unter dem Namen Guttensteiner Kalk
bekannten Gebilden ganz gleich. Ihre Verbreitung ist jedoch im Verhältnisse zu
den grossen Dolomitmassen sehr gering, welche letztere das ganze Hochgebirge
entweder selbstständig zusammensetzen, oder wenigstens die Axen der Gebirgs-
züge bilden. Nicht selten tritt dieser Dolomit in tiefen Spaltenthälern auf, wohl
ebenfalls nur in Folge starker Aufbrüche, wie im Dulibathale, nordöstlich von
Zutaloqua u. a. 0. Da in diesem ganzen Complex von Kalk und Dolomit keine
Versteinerungen aufgefunden wurden, so ist es wohl nicht als entschieden zu
betrachten, ob man denselben noch als untere Trias auffassen soll oder ob man
ihn als das untere Glied der folgenden Gruppe betrachten kann In der Reihen-
folge der Schichten tritt hiedurch keine wesentliche Veränderung ein.
III. Obere Trias. Südwestlich von Karlstadt liegen auf den weissen,
kiesigen Dolomiten bei den sogenannten Marmorbrüchen schwarze und graue
Crinoidenkalke , die eine der Rhynchonella dilatata Sss. sehr nahe verwandte
Art enthalten. Aber diesen Crinoidenkalken folgen schwarzgraue, wohlgeschich-
tete Kalksteine ohne Versteinerungen. Bei Leskovac sind die Crinoidenkalke
unmittelbar den Werfener Schiefern aufgelagert und etwas südlicher bei Bari-
lovic abermals dem weissen Dolomit.
An letzterer Localität, etwas westlich an der Koranna, führen die oberen
Kalke sehr häufig eine eigenthümliche Koralle , die rasenförmige Ausbreitungen
gebildet haben musste, weil an den Auswitterungsstellen der Schichtenköpfe nur
einzelne langgezogene Durchschnitte zu sehen sind.
In der westlichen Hälfte konnten die Crinoidenkalke nicht beobachtet
werden, sondern es liegt auf dem bituminösen Dolomit unmittelbar ein meist
grauer und dichter Kalk, der stellenweise jenem des östlichen Theiles ganz
ähnlich sieht, andererseits aber auch sehr an die grauen Hallstätter Kalke von
Hornstein erinnert. Versteinerungen sind in demselben nirgends beobachtet
worden. Der obere Triaskalk bildet hier theils die höchsten Kuppen einzelner
Berge und Gebirgszüge, theils tritt er als ein langer Streifen auf zwischen dem
Triasdolomit und dem Kreidekalk, in der ganzen Ausdehnung vom Cettiner Wald
bis über Szluin in südöstlicher Richtung hinaus.
IV. Als oberer Jura konnten am Oguliner Blatt lediglich zwei Punkte
angegeben werden, die einige Wahrscheinlichkeit für sich besitzen. Der eine
südlich von Mrkopail bei Tuk (an der Grenze gegen Provinzial-Croatien) und
der andere bei Unter Dreznica (westlich von Ogulin). An ersterem Punkte ist es
ein grauschwarzer, dichter Kalk, in dem ich neben einigen nicht weiter bestimm-
baren Brachiopodenschalen Bruchstücke von Am. polyplocus (oder eines der
nächsten Verwandten aus dieser Reihe) und andere kleine Exemplare fand,
welche dem Am. Erato Orb. anzugehören scheinen. Bei Dreznica ist es theils
ein heller, splittriger, etwas dolomitischer Kalk, worin kleine Pecten aus der
Reihe des P. Vindunensis und P. verticillus Vorkommen, theils ein eigentüm-
liches, sehr poröses Rauchwackengestein, das zum Theil aus lauter organischen
Resten zu bestehen scheint und worin eine der Opis lunulata zunächst ver-
wandte Art erkannt werden konnte.
529
m Die geolog. Verhältnisse der Bezirke des Ogulmer und Szluiner Regimentes.
V. Kreide. Die unteren Kreidekalke im westlichen Gebiete des Oguliner
Regimentes haben eine sehr grosse Ähnlichkeit mit jenen der Trias, so dass man
nicht selten eine Trennung derselben nur annäherungsweise vornehmen kann.
Bergrath Foetterle bezeichnete sie auf seinen Aufnahmskarten von Provinzial-
Ooatieu als Neocom. Es sind in der Regel etwas kiesige, feinkörnige, lichtblaue
Kalke, die mit weissen Dolomiten und Dolomitbreccien häufig wechsellagern.
Seltener sind es dichte, graue oder röfhliche Kalke, dagegen haben in der
Umgebung von Ottocac (Ottocaner Regiment) eine sehr ansehnliche Verbreitung
feste Kalkbreccien, die auch südlich von Bründl in den Oguliner Bezirk herüber-
reichen.
Der einzige Anhaltspunkt zur Wiedererkennung dieser unteren Kreidekalke
ist das sehr häufige Auftreten von Alveolinenartigen Foraminiferen, welche oft-
mals d<s ganze Gestein zusammensetzen. Stellenweise wie nördlich von Zengg
an der Küste sind unter den Foraminiferen einzelne Quinqueloculinen und Orbi-
tulinen bemerkbar. Einzelne Bänke dieses Kalkes, wie bei St. Jakob, Kriviput
u. a. sind eben so reich an Korallen aus den Sippen Maeandrina und Cladocora,
deren specifische Bestimmung jedoch ebenso wenig möglich war, als jene der
verschieden ausgewitterten Gastropoden, die man an einzelnen Localitäten findet.
Deutliche Nerineendurchschnitte und einzelne Bruchstücke von Rudistenschalen
sind nur oberhalb Jasenak und östlich von Stainica (SO. von Jezerana) in einer
Thaltiefe gefunden worden.
An diese unteren Kreidekalke legt sich nur eine kleine Partie des oberen
Hippuritenkalkes bei Povilje an, indem das Vinodoler Thal plötzlich seine Rich-
tung nach SW. nimmt und bei Novi ganz ausmündet, so dass von den eocenen
Ablagerungen sich nichts mehr diesseits der Grenze vorfindet.
Im östlichen Theile des Oguliner und im Szluiner Regiment war eine Tren-
nung der Kreideschichten bei der übersichtlichen Bereisung nicht durchführbar.
Es ist eine oftmalige Wiederholung mehr oder weniger lichter, manchmal ganz
weisser Kalke, die eben so häufig mit weissen Dolomiten wechsellagern. Die
Kalke enthalten ganz in der Nähe des Trias-Dolomites bei Ogulin Hippuriten und
Nerineen, andererseits kleine Caprotinen wie bei Zaborski (S. v. Plaski), bei
den Marmorbrüchen von Karlstadt u. a. Im Ganzen sind jedoch in diesem grossen
Kalkcomplexe Versteinerungen eine grosse Seltenheit und es ist durchaus
unmöglich, eine sichere Bestimmung an solchen ausgewitterten Stücken vorzu-
nehmen.
Erwähnung verdienen schliesslich einzelne zerstreute Vorkommnisse grauer
Mergelschiefer und Mergelsandsteine, wie bei Ober-Zwecaj, Glina u. a., die an
ersterer Localität, auf einem beschränkten Raume an der Strasse, zwischen
Kreidekalk eingekeilt zu sein scheinen, an letzterer aber an der Grenze zwi-
schen Kreidekalk und Trias liegen. Die Mergel wechsellagern mit einem festen
Breccienkalk, der Bruchstücke von Hippuriten und einzelne Orbituliten enthält.
Es ist daher sicher, dass dieses Gestein keinesfalls älter als Kreide ist, und wenn
diese organischen Reste als fremde Einschlüsse zu betrachten sind, so könnte
das Gestein selbst der Eocenformation angehören, was indessen bisher nicht
direct zu erweisen war.
VI. Die jüngsten Tertiärbildungen, zu denen wohl ein grosser Theil der
rothen Thonablagerungen gehört, treten im Oguliner Regiment nur untergeordnet
als Kesselausfüllungen auf. Bei Dubrave sind es splittrige Mergelschiefer und
Sande, in denen schwache Lager von Braunkohlen liegen, die jedoch nicht bau-
würdig sind. Von viel höherer Wichtigkeit sind diese Thonablagerungen im
67 *
.S30 br. F. Stoliczka. Die geolog. Verhältnisse der Bezirke des Oguliner und Szluiner Reg.
m
nördlichen und östlichen Theile des Szluiner Regimentes, weil sie hier die
. ämmtlichen Brauneiseusteinlager enthalten. Nach den Beobachtungen des Herrn
Stur gehören diese Thonablagerungen im Osten durchgehends den Inzersdorfer
Schichten an, und bei Karlstadt selbst sammelte ich in den Thonen Congeria
spathulata und Cardium aper tum.
Nach diesen Bemerkungen über die einzelnen Gesteinsarien erübrigt mir
noch auf das oft gesonderte Vorkommen der verschiedenen Kalke aufmerksam zu
machen, woraus hervorgeht, dass das ganze Terrain ungeheuren Störungen
unterworfen war. An der östlichen Seite sehen wir den Aufbruch bis zu den
Schichten der Kohlenformation gehen und südwestlich von Karlstadt, so wie auch
im südwestlichen Theil des Szluiner Regimentes einen zweiten Bruch hinzu-
treten, der sich hier bis auf die Werfener Schiefer erstreckt. Das Vorkommen
des oberen Jura und der Kreidebildungen mitten zwischen Trias-Dolomit im
westlichen Gebiete, deutet gleichfalls auf die vielfachen Faltungen und Ein-
stürze hin, in denen jetzt nur die Reste einer früheren zusammenhängenden
Ablagerung liegen. Das Fehlen der Werfener Schiefer kann man hier nur
dadurch erklären, dass der Aufbruch des Gebirges nicht so tief erfolgte als nörd-
lich bei Fiume und Loque im Liccaner Regimente.
Dl
53 i
III. Zur Geognosie Tirols.
Von Adolph Pichler.
Mitgetheilt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 16. December 1862.
Der Gebirgsstock des Stanerjoches, der sich südlich des Achensees in nord-
westlicher Richtung von Jenbaeh nach der Lamsen zieht und hier mit dem Grate
des Sonnjoches zusammenhängt, reizte schon längst meine Neugier, um so mehr
da er bisher eigentlich nur umgangen, jedoch in seinen Aufbruchspalten und
Schluchten nicht untersucht war. Ungemein wichtig erschien mir dabei das Auf-
treten der unteren Trias, welche in grosser Mächtigkeit zwischen den Wänden
des oberen Alpenkalkes (Hallstätter Kalk) erscheint, ja sogar in demselben auf
dem Saukopfe am Abhange gegen das Innthal bei einer Höhe yon 6000 Fuss mit
allen ihren Gliedern eingeklemmt ist. Ich kenne keinen hohem Punkt, wo im
Innthale und dem benachbarten Bayern der bunte Sandstein anstünde als hier.
Aber auch das Salzgebirge besitzt hier eine bedeutende Entwickelung. Am ßären-
kopfe, dem letzten nördlichen Ausläufer gegen den Achensee, legen sich sanfte
Hügel vor, die man bisher für Diluvialsehotter hielt; kriecht man in einer der
Runsen empor, so findet man überall die Gesteine des Haselgebirges und darüber
den Muschelkalk. Daran lehnen sich einige Felsen yon Mitteldolomit (Gümbel’s
Hauptdolomit). Ein wunderschönes Profil — geeignet auch den letzten Zweifel
über die Stellung der Salzthone zu zerstören, enthüllt der Tristenkopf. Hier
haben wir zu unterst das Haselgebirge mit Gyps und den bekannten Pseudomor-
phosen nach Steinsalz, dann folgt Rauehwacke, auf diese der untere Alpenkalk
(Gümbel’s Muschelkalk in seinen verschiedenen Abtheilungen), dann der obere
lichte Alpenkalk. Ausbisse von Salzthonen traf ich noch an mehreren Punkten des
Stanerbergstockes; auch auf der Nordseite des Falzthurnthales in dem Sattel zwi-
schen Bellerkor und Sonnjoch brechen sie bei einer Höhe von S000 Fuss hervor.
Rechnet man dazu das nahe, von mir bereits längst beschriebene Vorkommen am
Plumserjoch, so haben wir hier wohl das ausgedehnteste Gebiet des Haselgebirges
in den Tiroler Alpen. Der Salzstock von Hall darf sich damit wohl nicht von Ferne
vergleichen. Zweifelsohne ist dieses Haselgebirge bis in grosse Tiefen ausge-
laugt, dafür spricht schon die Berührung mit dem Achensee. Den Partnach-
schichten bin ich auf diesem Gebiete sorgfältig nachgegangen und habe genau die
Grenzen gegen den oberen Alpenkalk aufgesucht, da Gümbel sagt, das man oft
wenige Zoll mächtige mergelige Schiefer als die Reste einer Stellvertretung
derselben annehmen muss. Ich habe sie auf diesem Gebiete eben so wenig ge-
funden, als im Stallenthale, von wo der untere Alpenkalk ins Karbendelthal fort-
streicht. Das Detail aufzuführen behalte ich einem längeren Aufsatze vor.
Gümbel’s Werk veranlasste mich zu einer neuen Detaildurchforschung der
Kalkalpen von der Martinswand bis Hall. Vorzüglich fasste ich dabei die Virglo-
ria kalke, über deren Stellung Gümbel mit Richthofen im Widerspruch Ut, in
das Auge. Mögen sie nun wie dieser behauptet, zum Keuper, oder wie jener zum
532
Adolph Pichler. Zur Geognosie Tirols.
[2]
obern Muschelkalk gehören, so sei hier nur bemerkt, dass sie im Stallenthale,
wo keine Partnachschichten Vorkommen, dem obern Alpenkalk sehr nahe gerückt
sind, ebenso wie die Kalke mit den Wülsten, die man bisher als bezeichnend
für den Muschelkalk betrachtete, an der Frauhiitt, im Stallenthale, im Kaiserge-
birge weit ober den eigentlichen Guttensteiner Kalken an der Grenze des obern
Alpenkalkes liegen. Nun begegnetman aber an vielen Punkten zwischen Innsbruck
und Hall und noch anderen Gegenden einer Reihe von Schichten verschiedener
Gesteinsbeschaffenheit, die sehr eigenthümliche Verhältnisse zeigen. Nehmen wrir
von den zahlreichen Profilen, welche ich vorlegen könnte, nur eines, das über
das Thaurerschloss, so liejit unter dem Diluvialschotter, wie sich weiter links bei
Garzau nachweisen lässt, der bunte Sandstein, dann folgt der Guttensteiner Kalk,
das Thaurerschloss steht auf prächtigemVirgloriakalk, dann schwarze zerbröckelnde
Schieferthone, dunkelgraue weissaderige Kalke, Schieferthone wechselnd mit
diesen Kalken, in den Schieferthonen liegen stellenweise Schichten von Sand-
stein, völlig ähnlich dem der Carditaschichten ; in einer Lage derselben findet
man wie an vielen anderen Punkten Petrefacten: Cardita crenatn, Ostrea
montis caprilis (in der Klamm bei Mühlau diese und Pentacrinus propinquus so
wie die Steinkerne einer Bivalve, vielleicht einer Corbula; am Stanerjoch Corbis
Mellingi) \ darauf folgt in der Schlucht ober dem Thaurerschlosse wieder obiger
Kalk in Wechsel mit Schieferthonen und Sandsteinen; der Kalk geht allmälig in
einen Dolomit, ähnlich dem Mitteldolomite über, der sich in langem Zuge von
Absan bis zur Martinswand verfolgen lässt; der Dolomit geht wieder in obige
Kalke wechselnd mit Schieferthonen über; einer breiten Zone dieser Kalke, an dem
hier kaum eine Schichtung zu bemerken ist, liegt der obere Alpenkalk ohne
Zwischenlage irgend eines Gesteines, welches man auf Partnachschichten deuten
könnte, auf, so dass oberer weisser Alpenkalk und schwarzer theilweise an der
Grenze in einander übergreifen. Ganz ähnliche Verhältnisse zeigt das Kaiserge-
birge in dem Graben ober Scheffau, eben so liegt in dem dunkeln Kalke bei Rat-
tenberg, wo der Tunnel durchgebrochen ist, eine Lage Schieferthon und gross-
körniger Oolith, in dem ich ganz gut erhaltene Schalen von Cardita crenata
fand. Wir verfolgen das Profil ober Thauer nicht weiter, fragen jedoch, wohin
soll man diesen ganzen Schichtencomplex , der zweifellos zwischen der eigentli-
chen unteren Trias und dem oberen Alpenkalke, welchen man dem unteren Keuper
beizählt, stellen. Vielleicht oder vielmehr wahrscheinlich haben wir hier das
St. Cassian im engern Sinne, wie es Richthofen unter den oberen Alpenkalk in
Südtirol bestimmte. Eine eigene Abtheilung scheint darin der Dolomit zu sein,
welchen man ja nicht mit dem dunkeln Dolomit, wie er z. B. am Vomperbache ober
der Rauchwacke, die das Hangende des bunten Sandsteines bildet, folgt, ver-
wechseln darf. Am Kaisergebirge folgt auf ihn schwarzer Kalk, der ziemlich hoch
an den steilen Wänden emporreicht und nach oben Lager mit den bekannten
Wülsten enthält. Der Gegenstand verdient jedenfalls eine weitläufigere Behand-
lung, die ihm, belegt von zahlreichen Profilen, auch werden soll.
Schliesslich sei bemerkt, dass es mir gelungen ist, den Mitteldolomit, die
Gervilliaschichten , den untern und obern Lias (Adnether Kalke und Flecken-
mergel), den obern Jura (Aptychenschichten) und stellenweise das Neocom von
der Walderalm bei Hall, über das Gebirge ober Kloster Ficht durch das Stallenthal
bis zum Lamsenpasse zu verfolgen, wo diese Formationen zum Theile auf eine
kurze Strecke durch Ueberschiebung verdeckt sind, und alsogleich bei der Bins-
alm wieder auftauchen. So erscheint auch hier nichts unvermittelt und ohne
Zusammenhang.
833
IV. Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k.
geologischen Reichsanstalt.
Von Karl Ritter v. Hauer.
1) Kohleneisensteine von Steyerdorf im Banat. Zur Untersuchung einge-
sendet von der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Analysirt von Karl
v. Hauer und Freih. v. Andrian.
Unlöslich
Eisen-
oxydul
Köhlens.
Kalk
Kohle n.
organ.
Substanz
Gehalt an
metall.
Eisen
Nr.
l
80*4
0*4
7*0
38*8
yy
2
55*6
38*9
0*7
4*8
18*7
yy
3
17*5
76*6
1*0
2*9
36*9
yy
4
16*5
75*9
0*8
6*8
36*6
yy
5
7*1
88*9
0*7
3*3
42*9
yy
6
17*7
72*4
0*9
9*0
34*9
yy
7
0*8
81*3
1*2
16*7
39*2
yy
8
5*5
90*4
0*8
3*3
43*6
yy
9
0*6
82*8
1*0
15*6
39*0
2) Briquettes, erzeugt aus der Braunkohle von Silhveg in Steiermark.
Eingesendet von der Werksverwaltung des Herrn Grafen Henkel v. Donners-
mark.
Reducirte Gewichtstheile Blei 27*05
Wärme-Einheiten 6113
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 8*5
3) Triaskohle von Lepeina bei Jauerburg in Krain.
Asche in 100 Theilen 13*2
Reducirte Gewichtstheile Blei 21*00
Wärme-Einheiten 4746
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. 11*0
4) Braunkohlen aus Siebenbürgen, Zur Untersuchung eingesendet vom k. k.
General-Commando in Hermannstadt,
et. von Sugo, b. von Nagy-Aj.
a. b.
Asche in 100 Theilen 17*5 7*9
Reducirte Gewichtstheile Blei 15*80 16*00
Wärme-Einheiten 3570 3616
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner.. 14*7 14*5
5) Morasterz (Brauneisenstein) von Puszta Bän Haza. Eingesendet von
Herrn Alexius Han. Analysirt von Freih. v. Andrian.
Unlöslich 5*8
Eisenoxyd 73*7
Wasser 18*9 (und organische Substanz).
534
Karl Ritter von Hauer.
6) Kohle von der Redengrube zu Birtultau in Preussisch-Schlesien. Einge-
sendet von Herrn B. Morgenstern.
Wasser in 100 Theilen 2-1
Asche in 100 Theilen 5-3
Reducirte Gewichtstheile Blei 27*16
Wärme-Einheiten 6124
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner 8*5
7) Mineralwasser von Kleinzell im Bezirk Hainfeld in Nieder-Oesterreich.
Eingesendet von Herrn Vorauer. Das Wasser rührt aus einem dort befindlichen
alten Brunnen her.
Das Wasser ist färb- und geruchlos, der Geschmack vorwiegend nach Kochsalz. Beim Ein-
dampfen setzt sich viel Gyps, kohlensaurer Kalk und Eisenoxyd ab.
Der Gesammtgehalt an fixen Bestandteilen beträgt in 1 Pfund = 7680 Gran, die sehr
beträchtliche Menge von 138 Gran. Dieser Rückstand besteht aus wenig Kieselerde
und organischen Substanzen, viel Kochsalz, Gyps, schwefeNaurer Magnesia , kohlen-
saurem Kalk, kohlensaurem Eisenoxydul (V4 Gran) und einer kleinen Menge schwefel-
saurer Alkalisalze.
In älterer Zeit soll das Wasser dieses Brunnens zur Gewinnung von Koch-
salz versotten worden sein.
8) Braunkohlen von Baumgarten. Eingesendet vom k. k. Yerpflegsmugazin
in Wien.
Wasser in 100 Theilen 27*8 29*0
Asche in 100 Theilen 18*6 20.7
Reducirte Gewichtstheile Blei 15*60 15*00
Wärme-Einheiten 3529 3390
Aequivalent einer 30" Klafter weichen Holzes sind Centner. . . 14*8 15*4
9) Zinkblendeschliche von der k. k. Gewerkschaft zu Raibl in Kärnthen.
Zwei Proben enthielten 75 und 77*5 Procent Schwefelzink. Dies entspricht einem Metall-
gehalt von 50 und 51 6 Procent.
10) Mineralwasser von Jamnica. Eingesendet von der k. dalinatisch-
croatisch-slavonischen Statthalterei.
Die zur Untersuchung eingesendeten Flaschen waren signirt: I. alter
Brunnen, II. neuer Brunnan, III. neuer Brunnen; geschöpft nach mehrtägiger
trockener Witterung und niedrigem Wasserstand der Kulpa
A. Physikalische Eigenschaften.
Das Wasser ist klar, färb- und geruchlos, der Geschmack alkalisch mit einem Beigeschmack
von Kochsalz. Die Reaction nach Concentration des Wassers deutlich alkalisch.
Bei längerem Stehen, so wie beim Eindampfen setzen sich kleine Quantitäten von Eisenoxyd,
kohlensaurem Kalk und Gyps ab.
Das specifische Gewicht beträgt von I. 1 '00762; II. 1*00843; III. 1-00900.
Temperatur (nach Angabe): I. 12° R.; II. 10° R.
Die qualitative Analyse ergab folgende Bestandteile :
Säuren: Kohlensäure, Basen:
Schwefelsäure,
Kieselsäure.
Halogene: Chlor,
Jod (Spuren).
Organische Substanzen.
Kali (Spuren),
Natron,
Kalk,
Magnesia,
Eisenoxydul.
Die hier angeführten Eigenschaften beziehen sich gleichmässig auf beide
Quellen. Auch in der Quantität der Bestandteile zeigten sich nur geringe Diffe-
renzen. Der Gehalt des Wassers vom neuen Brunnen (III.) ergab sich etwas höher.
333
Arbeiten in dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt.
B. Gehalt des Wassers in 1 Pfund = 7680 Gran.
Schwefels. Natron
„ Kalk
„ Magnesia
Köhlens. Natron
„ Kalk
„ Eisenoxydul
Chlornatrium
Kieselsäure
Organische Substanzen . . . .
Freie Kohlensäure
Summe aller Bestandtheile
Grane
I.
II.
III.
7-088
9-093
9-984
2-626
3-072
3-456
0-061
0-034
0-069
22-087
22-180
22-272
2-818
2-841
2-895
0-732
0-643
0-606
7-741
10-337
11-988
0-491
0-445
0-537
0-138
0-107
0-123
0-337
0-668
0-729
44-339
49-442
52-659
In unbestimmbarer Menge : schwefelsaures Kali und Jodnatrium.
Aus diesen Resultaten ergibt sich, dass die Quellen in die Classe der
glaubersalz- und kochsalzhältigen alkalischen Säuerlinge gehören.
11) Koprolithen aus den Schiefern des Rothliegenden westlich von Hohen-
elbe in Böhmen. Zur Untersuchung auf den Gehalt an Phosphorsäure, übergeben
von Herrn Hofrath Haidinger.
Die Untersuchung ergab , dass nicht ganz 1 Procent Phosphorsäure darin
enthalten sei.
12) Graphit von Mährisch-Trübau. Eingesendet von Herrn Jos. Sellner.
Die übergebene Menge Rohgraphit (in ungeschlemmtem Zustande) enthielt 18*2 Procent
Asche. Der Graphit selbst ist glänzend und mürbe.
13) Hydraulischer Kalk von Steinbrück. Eingesendet von Herrn Sartori.
Verschiedene Proben über das Festwerden desselben unter Wasser gaben
sehr befriedigende Resultate.
100 Theile enthalten:
Kieselsäure.... 29*9 Kalk 61-2
Thonerde 5-0 Magnesia 1*8
Eisenoxyd 1*4 Alkalien 0*7
14) Braunstein aus dem Belenyeser Stuhlbezirk im Biharer Comitat. Ein-
gesendet von Herrn Lediczky.
Die Probe enthielt 88*6 Procent Superoxyd.
13) Kupferkiese von Gross-Aupa. Eingesendet von Herrn Ni et sch.
Die Erze bestehen der Hauptsache nach aus Eisenkies mit einem veränder-
lichen Gehalt an Kupfer.
Gefunden wurde Kupfer in 100 Theilen:
Nr. 1 0-5 Nr. 3 4-2
„ 2 2 0 „ 4 2*3
16) Braunkohlen von Wolfsegg-Traunthal. Eingesendet von Herrn Schicht-
meister Lorenz.
Nr. 1. Johann Nepomukstollen, Mundloch.
» 2. „ „ vor Ort.
» 3. „ „ Verbindungsstrecke.
„ 4. Vincenzstollen, Mitte.
„ 3. Josephastollen, vor Ort.
„ 6. „ in der Mitte.
* 7. „ 80 Klafter vom Mundloch.
K. k. geologische Reichsaastalt. 12. Band, 1861 und 1862. IV. Heft.
68
636
Karl Ritter von Hauer. Arbeiten in dem chem. Laboratorium.
Asche
in 100
Theilen
Redueirte
Gewiehts-
theile Blei
Wärme-
Einheiten
Aequiralent i
30" Klafter
eben Holzes
Centner
Nr. 1.
"hmT
15-20
3435
15-2
„ 2.
10-5
16-00
3616
14-5
» 3.
16-6
i4*90
3367
15 6
„ 4.
7-5
16-80
3796
13-8
* 5.
8-4
16-66
3765
13-9
„ 6.
8-0
1700
3842
13-6
» 7.
131
15-80
3570
14-7
17) Eisensteine vom Kohlberg und Kogelanger in Steiermark. Analysirt von
Karl v. Hauer und Freih. v. Andrian.
2* | ^eU eröffne*e Bösche, Kohlberg, östlicher Abhang.
„ 3. Kogelanger Bau, Nikolaistollen, Schacht.
„ 4. Josephistollen, westlicher Abhang des Zeherkogels.
„ 3. Mariastollen in der Hölle.
„ 6. Rösche ober dem Mariastollen in der Hölle.
„ 7. Kohlberg nächst der Lacken.
„ 8. Kleine Rösche in der Lahn, Himmelskogel, westlicher Abhang.
„ 9. Stollenfeldort in der Lahn.
„ 10. Grosse Rösche in der Hölle.
11 )
” 12 ( Samuelstollen in der Hölle.
„ 13. Neue Rösche am Kohlberg, östlicher Abhang.
„ 14. „ „ „ „ westlicher Abhang.
„ 15. Kogelangerbau am unteren Schacht.
„ 16. Kleine Rösche in der Hölle.
„ 17. Kohlberg nächst der Lacken links von der grossen Rösche.
Unlöslich
Eisenoxyd
u. kohlens.
Eisen-
oxydul
Metall.
Eisen
Kohlens.
Kalk
Koblens.
Magnesia
Nr. 1.
0-6
34-9
20-8
61-2
3-3
„ 2.
1-2
30-6
15-2
49-7
18-5
» 3.
27-8
59-5
320
6-2
6-5
» 4.
1-5
53-5
31-5
42-4
2-6
» 3.
0-6
29-8
16-8
67-6
20
» 6.
2-9
37-2
20-7
59-9
Spur
,, 7.
Spur
70-8 9
49-5
17-3
Spur
» 8.
37-5
60-1
35-3
Spur
2-4
M 9.
28-8
47-6
18-8
22-5
1-1
„ 10.
Spur
51-3
33-5
43-5
5-2
„ 11.
Spur
51-1
27-0
36-4
12-5
„ 12.
11-2
25-6
13-8
45-8
17-4
» 13.
3-6
31-5
18-3
53-4
11-5
„ 14.
0-9
28-6
16-6
50-9
19-6
„ 15.
3-7
80-9
40-3
4-5
10-9
„ 16.
4-9
32-7
21-7
56-9
5-5
„ 17.
Spur
87-91)
61-5
Spur
Spur
i) Nr. 7 und 17 sind Brauneisensteine, daher sie nur Eisenoxyd enthalten. Ersterer enthält
ausserdem 11*5, letzterer 12 Procent Wasser.
537
V. Verzeichnis der an die k. k. geologische Reichsanstalt
gelangten Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petre-
facten u. s. w.
Vom 16 August bis 15. Deeember 1862.
1) 16. August. 1 Schachtel, 3 Pfund. Von Herrn Baron Otto Kornis in
Imregh bei Ujhely. Opal und Chalcedon zur Untersuchung.
2) 23. August. 2 Kisten, 72 Pfund. Von Herrn J. Tronegger in Raibl.
Pflanzen- und Fischreste aus den Raibler Schichten. Angekauft.
3) 26. August. 1 Schachtel, 27 Loth. Von Herrn F. M. Zach in Schram-
bach bei Lilienfeld. Kalkstein zur Untersuchung auf den Thongehalt.
4) 29. August. 1 Schachtel, 2 Pfund 29 Loth. Von Herrn C. Vogt in
Petrovagora. Glimmererde zur Untersuchung.
5) 30. August. 1 Packet, 61/3 Pfund. Geschenk von Herrn Greg. Bucich
in Lesina. Petrefacten aus den Eocenschichten.
6) 4. September. 1 Kiste, 34 Pfund. Von Herrn J. Tronegger in Raibl.
Pflanzen- und Fischreste aus den Raibler Schichten. Angekauft.
7) 11. September. 1 Schachtel, 21/a Pfund. Geschenk von Frau Albertine
Szöllössy von Nagy-Szöllös in Oravitza. Asbest.
8) 20. September. 1 Kiste, 23 Pfund. Vom k. k. Handelsministerium. Braun-
kohlen von Warasdin zur Untersuchung.
9) 26. September. 1 Kiste, 26 Pfund. Geschenk von Herrn Ludw. Saemann
in Paris. Jura und Kreidepetrefacten aus Frankreich.
10) 6. October. 1 Packet, 3 Pfund. Geschenk von Herrn Baron Louis
v. Ozegovic in Belskidol in Croatien. Dolomitbreccie mit Spiegel.
11) 5. October. 1 Packet, 6ya Pfund. Von Herrn Franz Unger in
Petschau. Porzellanerde zur Untersuchung.
12) 8. October. 1 Packet, 20 Loth. Von Herrn H. Körmendy in Pinkafeld.
Antimonerze zur Untersuchung.
13) 8. October. 1 Packet, 6 Pfund. Von Herrn B. M orgenstern in
Wien. Steinkohlen aus Preussisch-Schlesien zur Untersuchung.
14) 9. October. 1 Kiste, 30 Pfund. Vom k. k. Militär-Verpflegsmagazin in •
Wien. Braunkohlen aus der Gegend von Krems zur Untersuchung.
13) 11. October. 1 Packet, 16 Loth. Von Herrn Hruschka in Mährisch-
Trübau. Graphit zur Untersuchung.
16) 11. October. 1 Kiste, 11 Pfund. Von Herrn Eduard Pauli, k. k. Revier-
förster in Hryniawa bei Kutty in Galizien. Mineralwasser zur Untersuchung.
17) 13. October. 1 Kiste, 32 Pfund. Von Herrn Sapetza in Neutitschein.
Petrefacten aus den Stramberger Schichten und aus der Kreide. Angekauft.
68 *
338 Verzeichniss der Einsendungen von Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten u. s. w.
18) 15. October. 1 Packet, 102/3 Pfund. Geschenk von Herrn Menzel in
Schönwald. Krystallinische Gesteine aus dem Jeschken- und Isergebirge.
19) 17. October. 1 Packet, 4 Pfund. Geschenk von Herrn Johann Ma yer-
hofer in Werfen. Vier Stück Lazulith.
20) 20. October. 1 Packet, 41/3 Pfund. Vom k. k. General-Commando in
Hermannstadt. Kohlen zur Untersuchung.
21) 24. October. 1 Schachtel, 15 Loth. Von Herrn v. Hohendorf, k. k.
Bergcommissär in Teplitz. Kohlen zur Untersuchung.
22) 24. October. 1 Packet, 11 Pfund. Von Herrn Karl Kolischer in
Stanislau. Kohlen von Maydan (Bukowina) zur Untersuchung.
23) 24. October. 1 Packet, 53/4 Pfund von der Eisenwerks-Verwaltung zu
Mniszek bei Neu-Sandez. Thoneisensteine zur Untersuchung.
24) 26. October. Drei Stück Forellenstein von Gloggnitz. Geschenk von
Herrn Bergrath Fr. v. Hauer.
25) 27. October. 1 Kiste, 18 Pfund. Geschenk von Frau Josephine Kablik
in Hohenelbe. Fisch- und Pflanzenabdrücke aus dem Bothliegenden. (Verhand-
lungen. Sitzung am 2. December.)
26) 10. November. 1 Kiste, 22 Pfund. Von Joseph Brunner in Bruck.
Eisensteine aus dem Tragössthale zur Untersuchung.
27) 14. November. 1 Kiste, 30 Pfund. Von Herrn Plechingcr in
Ardaker. Granit mit Pseudomorphosen nach Cordierit. Angekauft. (Verhandlun-
gen. Sitzung vom 16. December 1862).
28) 18. November. 1 Kiste, 43 Pfund. Geschenk von Herrn Kutsch ker
in Vils. Petrefacten aus der Umgegend von Vils.
29) 18. November. 1 Kiste. Versteinerungen und Pflanzenabdrücke aus
der Umgegend von Grossau durch Herrn H. Wolf angekauft.
30) 18. November. 4 Stücke, Geschenk von Herrn Letocha in Wien.
Pflanzenabdrücke von Lunz und Breitensee.
31) 18. November. 1 Kiste, 52 Pfund. Von Herrn J. Tr onegger in Raibl.
Fisch- und Pflanzenabdrücke aus den Raibler Schichten. Angekauft.
32) 23. November. 1 Kiste. Geschenk von Herrn Max L i 1 1 v. L i 1 i e n b a c h.
Gebirgsarten, Erze und Hüttenproducte, gesammelt von Herrn k. k. Bergrath
Al. Rochel in Klein-Asien. (Verhandlungen. Sitzung vom 16. December 1862.)
33) 24. November. 1 Schachtel, 3Ya Pfund. Von Herrn Ant. Raab v. Ra-
ben st ei 11 in Birtiny in Ungarn. Kohlen und Eisensteine zur Untersuchung.
34) 26. November. 1 Kiste, 3 Pfund. Geschenk von Herrn Prof. Domas
durch Herrn Mich. Simettinger in Mährisch-Trübau. Tertiärpretrefacten aus
Jaromieritz. (Verhandlungen. Sitzung vom 2. December 1862.)
35) 4. December. 1 Kistchen, 1 y4 Pfund. Von dem Hochw. Herrn Jos.
Reichenauer, Caplan in Beneschau bei Kaplitz in Böhmen. Glimmerschiefer
und Quarz zur Untersuchung.
36) 9. December. 1 Kiste, 331 Pfund. Von Herrn k. k. Bergrath Fr.
Foetterle. Musterstücke von Braunkohlen und Basalt aus der Umgegend von
• St. Istvan in Ungarn.
37) 10. December. 1 Kiste, 33 Pfund. Geschenk von der k. k. Direction
des Waisenhauses in Hermannstadt. Mineralien von verschiedenen Fundorten in
Siebenbürgen.
38) Einsendungen von den Sectionen der geologischen Aufnahmen, und zw
1 Packet, 8 Ya Pfund, aus Section I.
13 Kisten, 701 „ „ „ II.
839
VI. Verzeichntes der an die k. k. geologische Reichsanstalt
eingelangten Bücher, Karten u. s. w.
Vom 16. August bis 15. üecember 1862.
Albany« Staats-Bibliothek. Report on the Geology of Vermont: descriptive, theoreti-
cal, economical and scenographical. By E. Hitehcock, E. Hitehcock jun. , A. D.
Hager, C. H. Hitch cock etc. Claremont 1861. Vol. I — II.
Antwerpen. Paläontologische Gesellschaft. Bulletin. 1862, T. I, Nr. 6 — 1.
Augsburg. Naturhistorischer Verein. IS. Bericht. 1861.
Barry, Sir Redmond, Kanzler der Universität in Melbourne. Die Colonie Victoria in Australien ;
ihr Fortschritt, ihre Hilfsquellen und ihr physikalischer Charakter etc. Melbourne 1861.
Batavia. Naturfors chende Gesellschaft. Acta. Vol. V, VI, 18S9. — Natuurkundige
Tijdschrift. Deel XVIII, XIX, 18S9; XXIII, 1861.
Berlin. K. Handel sministerium. Karte über die Production, Consumtion und Circula-
tion der mineralischen Brennstoffe in Preussen während des Jahres 1860, sammt
Erläuterungen. Berlin 1862. — Official Catalogue of the Mining and Metallurgical
products. Class I in the Zollverein Dep. of the International Exhibition 1862. Compiled
under the immediate Direction of Mr. v. Dechen by Dr. Hermann Wedding. Berlin
1862. — Uebersicht von der Production der Bergwerke, Salinen und Hütten in dem
preuss. Staate im Jahre 1861. — Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen
in dem preussischen Staate. Berlin 1862, X, 2, 3.
„ Deutsche geologische Gesellschaft. Zeitschrift. XIV. Bd. . 2. Heft, 1862.
„ Gesellschaft für Erdkunde. Zeitschrift für - allgemeine Erdkunde. XII, 3 — 6;
XIII, 1—2, 1862.
Bern. Allgemeine Schweiz. Gesellschaft für die gesammten Naturwissen-
schaften. Neue Denkschriften. Bd. XIX (2. Dec. IX.), 1862. — Compte rendu de la
43. session reunie a Lausanne les 20 — 22 Aoüt 1861.
Bianconi, Joseph Dr., Professor an der k. Universität in Bologna. Del calore prodotto per
1’ attrito fra fluidi e solidi in rapporto colle sorgenti termali e cogli aeroliti. Bologna
1862.
Bleek, W. H. J. Ph. D., Capstadt. A comparative Grammar of South African Languages.
Part I. Phonology. 1862.
Böhmisch-Leipa. K. k. Obergymnasium. Programm für 1861/62.
Boston. American Academy of arts and Sciences. Memoirs. Vol. VIII, Parti,
1861. — Proceedings. Vol. V, f. 31—48, 1861/62.
„ Society of natural history. Proceedings. Vol. VIII, f. 3—20, 1861; Vol. IX,
f. 1—3, 1862.
Botzen. K. k. Gymnasium. XII. Programm. 1862.
Braun, Dr. C. Fr. W., Professor in Bayreuth. Ueber Placodus gigas Ag. und Plac. Andriani
Münst. Programm. 1862.
Bregenz. Vereins-Museum. 3. Jahresbericht. 1861 — 1862.
Breslau. Schles. Gesellschaft für vaterl. Cultur. 39. Jahresbericht. 1861. —
Abhandlungen, phil.-hist. Abth. 1862, Heft 1, 2. — Abtheilung für Naturwissenschaften
m und Medicin. 1861, Heft 3; 1862, Heft 1.
Brünn. K. k. mähr.-schles. Gesellschaft für Ackerbau u. s. w. Mittheilungen,
m 1862, Nr. 33—58.
Brüssel. Kön. Akademie der Wissenschaften. Memoires. Tome XXXIII, 1861. —
Memoires couronnes et memoires des savants etrangers. T. XXX. 1858 — 1861. —
Memoires couronnes et autres memoires. T. XI, XII, 1861. — Bulletins. T. XI, XII, 1861.
— Annuaire 1862.
Calcutta. Geological Survey. Memoirs. Vol. III, Parti, 1862. — Annual Report.
Fifth year, 1860/61. — Memoirs. Palaeontologia indica. I. The fossil Cephalopoda
of the cretaceous Rocks of Southern India. By H. F. Blanford. 1861.
„ Asiatie Society of Bengal. Journal. Nr. 4 de 1861 ; Nr. 1—2 de 1862.
540 Verzeichniss der an die k. k. geolog. Reichsanstait eingelanglen Bücher, Karten u. s. w.
Christiania. K. Universität. Beskrivelse over Jordbunden i ringeriget. Af the Kje-
rulf. 1862. — Beskrivelse over Jordbunden i Hadeland. Af Th. K j e r u 1 f. 1862. —
Ueber den Erzdistrict Kongsbergs von Th. Kjerul f und Tel. Dahll. 1860. — Geolo-
giske Undersogelster i Bergens Omegn af Th. Hiort dahl oo M. Irgens u. s. w. 1862.
— Beskrivelse over Lophogaster typieus. Af Dr. M. Sars. 1862. — Die Culturpflanzen
Norwegens beobachtet von Dr. F. C. Sc hü bei er. 1862.
Chur. Natur forschende Gesellschaft. Jahresbericht. VII. 1861/62.
v. Cotta, Bernhard, Professor an der kön. Bergakademie, Freiberg. Der Pfundersberg bei
Klausen in Tirol.
Darmstadf. Gesellschaft für Erdkunde u. s. vv. Notizblatt. 1862, Nr. 3 — 8.
Delesse, Professor in Paris. Carte agronomique des environs de Paris (Extrait). 1862 Paris.
Dijon. Academie imp. des Sciences. Memoires. Ser. II, T. IX. Annee 1861. — Revue
viticole, annales de la viticulture et de l’oenologie etc. Ser. II, 1862, Nr. 1 — 6. — Les
vins, les eaux de vie, les alcools, les liqueurs etc. Rapports par C. Ladrey. Dijon
1861.
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1862. — Beiträge zur Kenntniss des Ueberganges der Kalk- und Magnesiasalze ins
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1861. — Mittheilungen aus der Dorpater gynäkologischen Klinik. Diss. von W.
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J. Loh rer. Dorpat 1862. — Zur localen Anwendung des permanenten Wasserbades.
Diss. von A. Frey mann. 1862. — Beiträge zu der Lehre vom Uebergange der Harze
in das Blut. Diss. von E. Sachs. 1862. — Einiges über die Ansichten, welche über die
Febris remittens in Russland herrschen. Diss. von J. Ucke. 1861. — Die Laparotomie
bei Darmocclusionen. Diss. von R. Heidinger. 1861. — Ueber die schwefelbasischen
Quecksilbersalze. Diss. von R. Palm. 1861. — Bemerkungen zu den beobachteten
Hernien. Diss. von N. Beater. 1861. — Das Verhältnis des Nervus vagus zur Herz-
action. Diss. von R. Grot. 1861. — Beiträge zur Lehre von den Geschwüren des Unter-
schenkels. Diss. von 0. Ewers. 1861. — Ueber die graue Substanz der Hemisphären
des kleinen Gehirns. Diss. von E. Rutkowski. 1861. — Ueber den Nachweis von
Salpetersäure im Harn. Diss. von E. Wu 1 f f iu s. 1861. — De Diaphragmatis usu in
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Zur Frage über die Neutralisation überschüssiger Alkalien im Blute. Diss. von A. Traeh-
tenberg. 1861. — Das Verbrechen über Kindertödtung. Diss. von H. Bar. Kl e i st.
1862. — Beiträge zur Kenntniss der nichtzuckerführenden Harnruhr. Diss. von A. An-
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tanacsanak Beiklaläsakor, mindszenthö 1. Tarlattak. 1861. — Beszed az egyetemi
segelyegyletek üdvös hatasarol. Az 1861/62 tanevneck, a mag. kir. Tud.-egyet. Sz.
Andräshö elsejen törtent ünnepelyes megnyitäsa alkalmaval mondotta konek Sandor.
1861. — Beszed a mag. kir. eg. Tud. hat. ezen egyetem ujjäalakitasänak 82. emlek-
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n3^aBeMbm yueHbiM'b komhtctom'b Kopnyca ropHbiXT, HHJKeHepoB'B. 1858, Nr. 7—12,
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esponeHCKOH Pocein h KaBKa3CKaro Kpaa etc. 1861. — KapTa eBponeÄCKOH Poccin h
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den St. Theresia Hilft' Schacht, viererley Project sowohl im Grund als profill vorge-
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Jahrg. 1862, St. 25 — 41. — Austria, Wochenschrift für Volkswirthschaft und Statistik.
Wien 1862, Heft 33 — 50. — Darstellung des Theiss- Regulirungs-Unternehmens seit
dem Beginne der Arbeiten im Jahre 1846 bis zum Schlüsse des Jahres 1860. Auszug aus
einem Berichte des Ministerialrathes Ritter v. Pasetti an Se. Excellenz Herrn Ministerial-
rath Ritter v. Lasser. Wien 1862. — Übersichtskarte des Theissflusses vom Ursprung
bis zur Mündung in die Donau mit der Darstellung des Standes der Regulirungsarbeiten
an diesem Flusse zu Ende des Jahres 1860. Gezeichnet u. lith. von St. Weiss. 1861. —
Notizen über die Donau-Regulirung im österr. Kaiserstaate bis zu Ende des Jahres 1861.
Mit Bezug auf die im k. k. Staatsministerium herausgegebene Übersichtskarte der Donau.
Verfasst im Aufträge Seiner Excellenz des Herrn k. k. Ministerialrathes Ritter v. Lasser
vom Ministerialrathe Ritter v. Pas etti. Wien 1862. — Karte des Donaustromes inner-
halb der Grenzen des österreichischen Kaiserstaates. Herausgegeben vom k. k. Staats-
ministerium. Unter der Leitung des k. k. Ministerialrathes Ritter v. Pasetti. Lief. 1 — 4.
„ K. k. Marine-Ministerium. Reise der österreichischen Fregatte „Novara“ um die
Erde u. s. w. Nautisch-physic. Theil. 1. Abth. Wien 1862. Mit 7 Karten.
„ K. k. Hand els-Ministerium. Uebersicht der Verhältnisse und Ergebnisse des österr.*
Bergbaues im Verwaltungsjahre 1861, aus den Berichten der k. k. Berghauptmannschaften
und anderen Montanbehörden. Wien 1862.
„ K. k. Dire ction der administr ati ven S tatistik. Mittheilungen aus dem Gebiete
der Statistik. 1862, X. Bd., 1. Heft.
„ K. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Ueber-
sichten der Witterung im Jahre 1861, Jänner — Mai.
„ K ais. A kademie der Wi ss e n scha f t en. Sitzungsberichte, math.-naturw. Classe.
XLV. Bd., 3.-5. Heft, 1862, März - Mai, 1. Abth.; 5. Heft, 2. Abth.; XLVI. Bd.,
1., 2. Heft, Juni, Juli, 2. Abth. — Sitzungsberichte, philos.-hist. Classe. XXXIX. Bd.,
2.-5. Heft; XL. Bd., 1., 2. Heft, 1862, Februar — Juli.
„ K. k. Ober- Realschule in derVorstadt Landstrasse. XI. Jahresber. für 1862.
„ Doctoren-Collegium d er m edicinis chen Facultät. Oesterr. Zeitschrift für
praktische Heilkunde. 1862, Nr. 33 — 50.
„ Akademischer Leseverein. Jahresbericht über das Vereinsjahr 1861/62.
„ Oesterr. Ingenieur -Verein. Zeitschrift. XIV. Jahrg., Heft 7 — 8, 1862.
„ N. 0.. Gewerbe-Verein. Verhandlungen und Mittheilungen. 1862, Heft 10, 11.
„ K. k. Lan d wirth schafts-Gesellschaft. AUgem. land- und forstwirtschaftliche
Zeitung. Redig. von Prof. Dr. Ar enstein. 1862, Nr. 24—35.
„ Redaction der österr. militärischen Zeitschrift. 1862, III. Jahrg., III. Bd.,
4.-6. Lief., Heft 16-18; IV. Bd., 1.-5. Lief., Heft 19—23.
Wisconsin. Staatsregierung. Report on the geological Survey of the State of Wis-
consin. Vol. I. J. Hall and J. D. Whitney. 1862.
Würzbwrg. Physic. Medicin. Gesellschaft. Naturwissenschaftl. Zeitschrift, in. Bd.,
Heft 1, 1862. — Würzburger medicinische Zeitschrift. III Bd., 2, 3, 4, 5. Heft, 1862.
„ Landwirtschaftlicher Verein. Gemeinnützige Wochenschrift. 1862, Nr. 27 — 39.
JZnaim. K. k. Gymnasium. Programm für das Studienjahr 1862.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 15. Jänner 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Bitter v. Hauer führt den Vorsitz. Folgende
Mittheilung wird vorgelegt:
Herr Director W. Hai ding er hatte im Namen der k. k. geologischen
Beichsanstalt ein Schreiben an Herrn k. k. Regierungsrath und Ritter Professor
F. X. M. Zippe überreicht, aus Veranlassung seines an dem heutigen Tage,
15. Jänner, vollendeten siebenzigsten Lebensjahres, von ihm selbst und den
Mitgliedern der k. k. geologischen Reichsanstalt, so wie von den Freunden,
Freiherrn v. Hingenau, Director Hörnes, Professor S uess gezeichnet, als
ein Zeichen der Erinnerung, Anerkennung und Verehrung, namentlich in Bezug
auf die hohen Verdienste, welche sich Herr Professor Zippe um die mineralo-
gischen Studien überhaupt seit nahe einem halben Jahrhunderte, und die geolo-
gische Kenntniss des Königreiches Böhmen erworben. Ihm verdanken wir nament-
lich die Mittheilung im Manuscripte der von ihm geologisch colorirten Kreybich’
sehen Kreiskarten, welche uns als die wichtigste Grundlage bei unsern ferneren
Aufnahmen Erleichterung gewährten. Herr Professor Zippe hatte einen der
Kreise nach dem andern für die von Sommer herausgegebene statistisch-
geographische Beschreibung von Böhmen geologisch untersucht, in dem Werke
beschrieben und die oben genannten Karten colorirt. Die Beschreibungen wurden
unter andern von Leopold v. Buch mit grosser Anerkennung für die Karte von
Deutschland benützt. Vorbereitungen zur Herausgabe der Karten scheiterten in
den Schwierigkeiten unser jüngstvergangenen Zeiten, er selbst wurde von Prag,
seinem langjährigen Sitze erfolgreicher Wirksamkeit, erst zur Gründung und
Einrichtung der Montanistischen Lehranstalt als Director nach Pribram, dann
als Professor an die k. k. Universität nach Wien berufen, wo er als ursprüng-
liches Mitglied Kaiserlicher Ernennung bereits der k. k. Akademie der Wissen-
schaften angehörte. Gewiss ist Dankbarkeit überall eines der schönsten mensch-
lichen Gefühle, und eine vielfach wohlthätige Uebung ist es, auch der Ansprüche
auf Dank in Abschnitten des Lebens zu gedenken, die ihrerseits selbst als
Abschlüsse fester Perioden, in runden Summen der Jahre gelten können. „Mit
grösstem Vergnügen lese ich in den Zeitungen44 sagt Haidinger in seinem
Berichte „dass unserem, mit meinem edlen Freunde Zi pp e gleich alten vater-
ländischen Dichter Grillparzer, unserem hochverehrten Collegen der philoso-
phisch-historischen Classe von der Gesellschaft der „grünen Insel44 ein Fest
gegeben worden ist. Unsere Aeusserung hatte einen einfacheren, stilleren Ver-
lauf, aber sie war gewiss nicht minder innig in Verehrung und Dankbarkeit dem
hochverdienten Forscher.44
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer gab eine Schilderung des
Fogarascher Gebirges, das ist jenes Theiles des südlichen siehenbürgischen
Grenzgebirges, der vom Alt-Durchbruch heim Rothenthurm-Pass ostwärts fortzieht
K. k. geologische ReichsanstaU. 12. Band, 1861 und 1862, Verhandlungen,
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2
Verhandlungen.
[2]
bis zum Königstein und zum Rand der Burzenländer Ebene bei Kronstadt. Auf
eine Länge von ungefähr 12 Meilen von West nach Ost fortstreichend, erhebt
sich dieses Gebirge rasch aus dem tiefen Einschnitt des Altthales und bildet eine
Reihe imposanter Hochgipfel, wie den Surul (1200 Klafter), den Negoi den
höchsten Berg Siebenbürgens (1331 Klafter), den Vurfu Ourla (1299 Klafter)
u. s. w., die durch nur sehr wenig tief eingesenkte Sättel von einander getrennt
sind. Der Abfall des Gebirges gegen Norden, gegen das siebenbürgische Mittel-
land ist ein sehr rascher. Die Breite der gesammten Bergmasse von dem Kamm
bis zur Ebene des Altthales beträgt nicht mehr als \ x/z his 2 Meilen in der Luft-
linie; beträchtlich breiter ist er dagegen nach Süden gegen die Wallachei zu.
Eine sehr auffallende Erscheinung ist die ausserordentlich grosse Zahl schmaler,
durch wasserreiche Parallelthäler geschiedener Querjoche, welche von dem
Gebirgskamm gegen Norden auslaufen.
Was die geologische Zusammensetzung des Gebirges betrifft, so besteht es
ganz und gar aus kristallinischen Gesteinen, von denen Glimmerschiefer gegen
alle übrigen weitaus vorwaltet. Gneiss ist in etwas grösserer Erstreckung nur an
dem östlichsten Ende der Kette am Westfuss des aus Jurakalk bestehenden und
schon zum Persanyer Gebirge gehörigen Zeidner Berges bis über Holbach hinaus
bekannt, bildet aber sonst auch unbedeutendere Einlagerungen an verschiedenen
Stellen, ebenso wie Hornblendeschiefer, Talkschiefer, Chloritschiefer u. s. w.
Mächtige Einlagerungen von körnigem Kalkstein kennt man in dem westlichen
Theile in den Sebesthälern , wo dies Gestein die Lagerstätte von schönen
Tremolith - Krystallen bildet, und am Surul - Gebirge. Weniger mächtige und
weniger reine, dagegen aber durch ihre Bleiglanzführung ausgezeichnete Lager,
Linsen und Stöcke Von krystallinischem Kalkstein linden sich ferner auch am
östlichen Ende der Kette, namentlich in der Umgegend von Zernest. Herrn
Meschendörfer, dessen fleissige und dankenswerthe Untersuchungen bereits
so Vieles zur Kenntniss der Gesteine des Burzenlandes beitrugen, verdanken wir
Nachrichten über das Vorkommen von Granit und Syenit, welche am Berg Sutülor,
in la Baja, und tiefer unten im Thale der Burza ferului die Schiefergesteine
durchbrechen. Länger bekannt schon sind die eruptiven Porphyre in der Um-
gegend von Neusinka und Holbach, welche mit den dortigen Bleierzvorkommen in
einem unzweifelhaften Zusammenhänge stehen.
Bezüglich des Alters der Hebung des Fogarascher Gebirges hat schon Herr
Dr. Andrae auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass die Eocenschichten von
Portsest, die dem Glimmerschiefer unmittelbar aufgelagert sind, so wie dieser,
aber unter einem weniger steilen Winkel nach Norden fallen und daraus geschlos-
sen , dass die letzte Hebung des Gebirges erst nach der Ablagerung der Eocen-
schichten erfolgte. Am Eingänge des Thaies von Ober-Sebes, so wie an jenem
von Frek beobachtete aber Herr v. Hauer auch die jüngeren Tertiärschichten
noch gehoben und nach Norden einfallend, so dass die letzte Hebung wenigstens
im westlichen Theile der Fogaras'cher Kette in die Zeit zwischen der Ablagerung
dieser Schichten und jener der horizontalen Diluvialterrassen des Altthales fallen
muss.
Weiter berichtete Herr Fr. v. Hauer über die Ergebnisse einer commis-
sioneilen Berathung, welche unter der Leitung des Herrn Bürgermeisters Dr. Frei-
herrn von Seil ler und unter Zuziehung auch einiger Mitglieder der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt darüber entscheiden sollte, welche Gattung von Bausteinen
zum Wiederaufbau des abgetragenen Theiles des St. Stephansthurmes verwendet
werden sollte. In der Werkstätte des Herrn Steinmetzmeisters Franz Pranter,
wo die Berathung gepflogen wurde, waren zugehauene Muster der verschiedenen
Sitzung vom 15. Jänner 1861. v. Hauer. M. V. Lipoid.
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[3]
Gesteinsgattungen, welche dabei in Frage kommen konnten, vorbereitet. Es waren
durchaus Kalksteine der Neogenformation und zwar theils Leithakalke, theils
Cerithienkalke. Diese Steine, namentlich die sandigen Varietäten, wie die von
Margarethen, werden von den hiesigen Bautechnikern allgemein als Sandsteine
bezeichnet, was mit dem Sprachgebrauch der Geologen nicht ganz übereinstimmt.
Man erkannte darunter den Leithakalk von Wollersdorf und den sogenannten
Zeinler-Kaiserstein als die besten Bausteine, die jedoch ihres grösseren Gewichtes
(vom ersteren wiegt ein Kubikfuss bei 130 Pfund) und auch der Schwierigkeit
der Bearbeitung wegen nur wo es unbedingt erfordert wird in Anwendung zu
bringen wären. Im Uebrigen soll nur Magarethener Stein, von dem bei hinreichen-
der Festigkeit und grösserer Leichtigkeit der Bearbeitung ein Kubikfuss gegen
116 Pfund wiegt, verwendet werden. Da ein Kubikfuss Wasser 36*4 Pfund wiegt,
so stellt sich nach diesen Angaben das specifische Gewicht respectiv auf 2-67
und 2*03, ersteres nahe dem festen dichten Kalkstein von 2*7, letzteres des
porösen Zustandes wegen viel niedriger. Ursprünglich war der Stephansthurm
bekanntlich aus dem Leithakalke (Nulliporenkalk) von Zogelsdorf bei Eggen-
burg gebaut; dieser Stein scheint jedoch viel mehr der Verwitterung zu unter-
liegen als jener von Magarethen.
Noch theilte Herr v. Hauer aus einem von Herrn k. bayer. Bergmeister
Gümbel in München erhaltenen Schreiben die folgenden Stellen mit:
„Von Ihrem interessanten Scaphites multinodosus der Gosaubildung liegen
mir vom Gehrhartsreitergraben bei Siegsdorf unweit Traunstein sechs vollständig
erhaltene Exemplare und eine Menge einzelner Bruchstücke vor. In der That ist,
wie Sie verrnutheten, der erste Knoten in Ihrer Abbildung ungefähr der erste aüf-
tretende, doch sind die nach dem beknoteten Theil der Windung nach innen zu
folgenden, mit starken, zahlreichen Sichelfalten bedeckten Theile gegen den Bücken
zu, an den Falten in der Bichtung der Knoten immer etwas angeschwollen; die
Knoten an der Bauchseite gegen die Mündung zu sind in der Begel so vertheilt,
dass zwei, die stärksten nach innen, oder hinter dem Theile stehen, wo die feine
Faltung am Mundsaum beginnt, zwei schwächere innerhalb des feingefalteten
Theiles, und hinter den zwei grössten Knoten nach innen sind mit abnehmender
Stärke jede grössere Falte auch an der Bauchseite etwas erhöht. Der Bücken
zwischen den Knoten ist fast flach, fein quergestreift. Damit kommen kleine
Exemplare mit weitem Nabel vor, die ich für junge Individuen halte, und eine zw eite
Art mit ziemlich gleichförmigen Sichelfalten und ohne Knoten. An Sc. multino-
dosus sehe ich am feingefalteten Mundtheil keine kleinen Knötchen am Rücken. Ob
diese Art denn doch nicht mit Sc. codstrictus identisch ist? Von derselben Loca-
lität habe ich 38 Species Gasteropoden und Bivalven, viele neue Arten, einige der
von Zekeli beschriebenen Formen, ausserdem eine Menge Foraminiferen.44
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid zeigte einige Fossilreste aus Mähren vor,
welche der fürsterzbischöfliche Bauingenieur von Kremsier, Herr J. Biefel, als
Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt eingesendet hatte. Es befanden
sich darunter: Zähne und ein Kinnstück von Rhinoceros , wahrscheinlich Rh.
tichorhinus, aus dem Diluviallehme (Löss) der Ziegelei nächst Mügglitz; Pecti-
niten und Pflanzen aus dem Quadersandsteine der Kreideformation nächst Mole-
tein; Terebratula Tichaviensis Suess und Pectiniten aus den jurassischen „Stram-
berger Schichten44, welche in Blöcken zu Palkowitz bei Mistek vorgefundeu
werden; Ammonites polyplocus von Adamsthal aus den weissen Juraschichten,
die bei Olomuczan auftreten; Lcpidodcndron aculeatum Sternb. , Sigillaria
gracilis Brongn., Sig. Knorr i Rrongn und Calamites communis Ettingsh. aus
dem Steiukohlenbaue zu Orlau im Ostrauer Steinkohlenbecken; endlich eine neue
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Verhandlungen.
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M
Species von Sphenopteris aus den Dachschiefern der unteren Steinkohlenfor-
mation ( Culm ) von Tyrn nächst Fulnek.
Herr Bergrath Lipoid sprach dem Herrn Ingenieur Biefel, welchem bei
seinen Bereisungen vielfach Gelegenheit zu Sammlungen von Fossilien geboten
ist, im Namen der k. k. geologischen Reichsanstalt den verbindlichsten Dank auch
für das obenerwähnte werthvolle Geschenk aus.
Herr Karl Ritter v. Hauer theilt die Ergebnisse der Elementar-Analysen
eines Harzes mit, welche Herr Richard Maly in dem chemischen Laboratorium des
Herrn k. k. Professors Redtenbacher ausgeführt hatte, und die ihm zu diesem
Zwecke freundlichst übergeben worden waren. Es ist dies eine von jenen vielen
harzartigen Verbindungen , welche in Tertiärschichten , namentlich mit Braun-
kohlen Vorkommen, und auch dieses ist aus der Braunkohlenformation der Umge-
gend von Drury und Hunua in der Provinz Auckland in der nördlichen Insel von
Neuseeland, woher es Herr Prof. Dr. v. Hochstetter auf der Novara-Expe-
dition aufgesammelt. Es ist amorph, mit muschligem Bruche, von dunkler gelblich-
grauer Farbe, halb durchsichtig, Fettglanz, spröde, Härte = 2, Gewicht = 1034
bei 12° R., durch Reiben wird es stark elektrisch, und behält die erlangte Elek-
tricität durch mehrere Stunden bei. Brennt am Lichte mit lebhaft gelber russen-
der Flamme. Auf Platinblech erhitzt, entwickeln sich weisse Dämpfe noch "vor
dem Schmelzen, und die Entzündung folgt unmittelbar, so dass kein Schmelz-
punkt bestimmt wurde. Zur Ermittelung der Zusammensetzung wurden reine
heller gefärbte Stücke bei 100° C. getrocknet.
Drei Analysen gehen folgende Zahlen:
1. 0 287 Grm. geben: 0 807 Grm. Kohlensäure, 0 271 Grm. Wasser.
2. 0-279 „ „ 0-782 „ „ 0-266 „
3. 1-336 „ „ 0-946 „ „ 0-321 „
Gefunden Berechnet
C 1.76-64 2.76-41 3.76-53 76-53 Mittel 32 76-65
H 10-56 10-59 10-58 10-48 „ 26 1038
0 — — — — — 4 12-78
Asche — — — — — — 019
100-00
Es ist ein an Sauerstoff sehr reiches Harz, dessen Zusammensetzung durch
C32 f^26 O4 ausgedrückt werden kann, während Bernstein C10HsO ist mit den
Verhältnissen von C78-82, H 10-23, 010*95. Es steht ihm in mineralogischer
Beziehung sehr nahe. Es ist in Alkohol, Aether, einem Gemenge beider, in Ter-
pentinöl, Benzol, Chloroform, Aetzkali, in verdünnten Säuren, selbst in Siedhitze
fast ganz unlöslich. Schwefelkohlenstoff löst das meiste davon auf und lässt das
Gelöste als eine weisse durchscheinende amorphe Masse zurück. Concentrirte
Salpetersäure zersetzt es nach mehrstündigem Kochen, und aus der orangerothen
Flüssigkeit scheidet sich beim Verdunsten eine gelbe klebrige Masse ab, nebst
mikroskopischen Krystallen in ganz geringer Menge dem Aschengehalt entspre-
chend. Dieser wurde an einer Menge von 3-15$ Gramm Harz bestimmt, durch
Verbrennung im Platintiegel. Es blieben 0 006 Gramm Asche = 0-19 Procent.
In derselben nachgewiesen Eisen, Kalk und Natron. Mit Aetzkali geschmolzen,
bräunt es sich und schwimmt dann als zähe, schwarze Masse auf demselben,
welches keine krystallisirbare Substanz daraus aufnimmt. Nach Herrn Professor
v. Hochstetter’s freundlicher Mittheilung kommt dieses Harz oft in kopfgrossen
Sitzung vom 15. Jänner 1861. v. Andrian. G. Stäche.
[S]
5
Stücken in den dortigen Braunkohlen etwa 20 englische Meilen südlich von Auck-
land vor, und wird dort oft mit dern eigentlichen Kauri-Harz verwechselt, wenig-
tens mit demselben Namen bezeichnet, obwohl das letztere von der Neuseelandfichte
Dammarct australis stammt, welches einen grossen Ausfuhrs- und Handelsartikel
bildet, und allenthalben in der Provinz Auckland ausgegraben wird, wo einst
Kauri-Wälder standen , welche auch heute noch zahlreich sind, und eben das
Harz frisch liefern. Bei der grossen Aehnlichkeit mit Bernstein wird hier für das
fossile Harz der specifische Name Ambrit vorgeschlagen. Ein Exemplar der
schönen Braunkohle von Drury in der k. k. geologischen Reichsanstalt enthält
auch eine kleine Partie des Harzes eingewachsen.
Herr F. Freiherr v. Andrian legte die von ihm während des Sommers 1860
als Sectionsgeologe der I. Section angefertigte Karte eines Theiles des Kaufimer
und Taborer Kreises vor. Das Gebiet besteht zum grössten Theil aus Gneiss, wäh-
rend der westliche Theil von Granit — die Fortsetzung des grossen von Klattau
bis Ondrejow reichenden Zuges — eingenommen wird. Die Formation des Roth-
liegenden zieht sich von Böhmisch-Brod bis Skalitz, weiter nach Süden ist sie
nur in einer kleinen Partie bei Diwischau bekannt. Der Löss nimmt einen gros-
sen Theil der nördlich von Kohljanowitz gelegenen Oberfläche ein; ferner bei
Poric, Beneschau bis Marsowitz , obwohl hier bei der grösseren Mannigfaltigkeit
der Oberflächengestaltung vielfach unterbrochen. Auch die südlichen Ausläufer
der Quaderformation sind bei Lhotta und in Stehlin (N. Zbraslawitz) zu
beobachten, doch ist letzteres Vorkommen ein Vereinzeltes, in keinem sichtbaren
Zusammenhänge mit der weit nördlicher verlaufenden Südgrenze dieser For-
mation stehend.
Es wurden ferner einige Einzelnheiten des Gneissgebirges näher beschrie-
ben. Der Gneiss besteht aus drei wohl erkennbaren Varitäten, dem grauen, dem
sogenannten Granitgneiss, und dem rothen, dessen Constatirung in so ferne
am meisten Interesse darbietet, als seine Entstehung wohl sicher abweichend von
dem der übrigen Gnoissarten ist, wie die schönen Forschungen von Herrn
Jokely nachgewiesen haben. Als Regel für die Lagerungsverhältnisse des Ge-
biets muss oft westliches Streichen mit nördlichem Verflächen bezeichnet werden.
— Hornblendeschiefer bilden im Bereiche des Gneisses ziemlich constante
Zonen von bedeutender Mächtigkeit. Damit im Zusammenhänge scheint das
häufige Auftreten krystallinischen Kalkes zu stehen, dessen Vorkommen in
den meisten Fällen an die Grenze von Hornblendegesteinen mit Gneiss fällt
(Sternberg, Ratay), während allerdings andere wichtige Aufschlusspunkte dieses
Gesteins auch ganz in das Gebiet des „grauen“ Gneisses fallen.
Endlich wurde noch des häufigen gang- und lagerförmigen Auftretens von
Graniten innerhalb des Gneissgebietes gedacht. Es sind theilweise „weisse
feinkörnige“ Granite, theils grobkörnige Turmalingranite, welche zum
grössten Theil aus sehr gut ausgebildeten Oligoklaskrystallen bestehen. Im Klei-
nen lassen sich viele Beispiele einer durch den Granit hervorgebrachten Bie-
gung der Gneisschichten beobachten, und im Grossen besonders im Sazawa- und
Wostrower Thale, während in vielen Fällen eine „lagerartige“ Einfügung in
die Gneissschieferung durch den Augenschein bewiesen ist.
Serpentinvorkommen sind in dem Gebiete zwei bekannt, das eine bei
Maleschau, schon früher beschrieben, das andere im Zeliwka-Thale südlich von
Zruc. Beide kommen im deutlichen Gneisse, in keinem Zusammenhänge mit den
sonst so mächtig entwickelten Hornblendeschiefern vor.
Herr Dr. G. Stäche berichtet über die älteren Tertiärbildungen im nord-
westlichen Siebenbürgen.
6
Verhandlungen»
[6]
Die Hauptverbreitung haben diese Schichten am Rande des das ganze
Siebenbürger Tertiärbecken umschliessenden krystallinischen Gebirges. Im Nord-
westen des Beckens bilden sie von Magyar Leta aus über Gyalu , Banfy Hunyad,
Butscbum (Värmezö) und weiterhin längs der Ostgehänge des Meszesgebirges fort-
setzend bis an die Szamos bei Sibo und dieselbe durchsetzend bis Magyar-Lapos einen
bald breiteren bald verschmälerten Zug, der sich dicht an das in dieser ganzen
Erstreckung nur mit geringer Unterbrechung zu Tage tretende krystallinische
Schielergebirge anlehnt. Jedoch auch weiter im Inneren der Nordwestbucht
des Beckens treten Schichten zu Tage, die noch der älteren Tertiärzeit angehören.
Sie sind theilweise schwer von den sie bedeckenden jüngeren Sanden und Sand-
steinen zu unterscheiden, weil sie fast durchaus versteinerungsleer sind. Sie
lassen sich jedoch im Allgemeinen durch die scharf ausgesprochene Schichtung
und die grössere Festigkeit der mit Mergelschichten wechselnden festen Sand-
steinbänke noch ziemlich gut trennen, wenn sie in grösseren zusammenhängenden
Partien auftreten.
Im Gegensatz zu diesen versteinerungsleeren sind die längs des Randes auf-
tretenden Eocenschichten durch zahlreiche organische Fossil-Reste ausgezeichnet,
und es lassen sich innerhalb des ganzen Complexes besondere durch verschieden-
artige Petrefacte charakterisirte Unterabtheilungen erkennen. Jedoch ist es bei
einer allgemeinen Durchforschung und hei wenig günstigen Lagerungsverhält-
nissen nicht bei jeder dieser unterscheidbaren Unterabtheilungen möglich gewesen,
das relative Alter derselben genau zu bestimmen.
Gut zu trennen sind folgende Unterabtheilungen.
1. Eocene Süsswasserbildung mit Planorbis , Paludina , Chara u. s. w.
Rauchgraue, kieslige Kalke oder Kalkschiefer im Wechsel mit bunten Mergeln.
Zwischen Paptelek und Sibö, Rev-Körtvelyes und Bots. Die Ausbildung der
Süsswasserbildung von Körtvelyes ist etwas verschieden von der der übrigen
Punkte und vielleicht ist sie auch jünger.
2. Unterstes Nummulitenniveau. Feste Nuinmulitenkalke, ähnlich denen in
Istrien. Der Hauptzug dieser Schicht zwischen Moigrad und Sibo. Dieselben
bilden aber hier nicht wie dort zusammenhängende Schichtenzonen, sondern
erscheinen mehr als einzelne abgesonderte Kalkriffe. Diese Schichten sind
theilweise wenigstens vielleicht gleichzeitige Meeresbildungen mit den Süss-
wasserschichten.
3. Complex von Mergeln und kalkigen Bänken. Darin sind zu unterscheiden.
Im ganzen Terrain am meisten verbreitet
d) Untere Austernschicht.
b) Mittleres Nummulitenniveau mit Nummulites perforata.
c) Versteinungsreiche Mergel und Kalkschichten (Obere Austernschicht).
4. Schichten des oberen Nummulitenniveaus, Kalke und kalkige Mergel,
Gypse, Sandsteine.
a) Schichten von Bats- und Monostor-Wald.
a) Kalke mit Cerithium cornu copiae , Vulsella u. s. w.
ß) Kalke und kalkige Mergel mit Echinolampas sp., Laganum sp.
y) Mergel mit Nnmm. laevigata , Conocrinns und Bryozoen.
b) Gypsbänke von Nagy-Kapus, Rakoczi-Berg und Vartelek u. s. w.
c ) Schichten mit Cerithium margaritaceum vom Meszes-Gebirge.
5. Petrefactenarme oder -leere Mergel und Sandsteine.
Diese Schichtenreihe soll jedoch nicht zugleich eine durchweg auf directer
Beobachtung beruhende Altersfolge darstellen. Vielmehr ist es höchst wahr-
scheinlich, dass gewisse Schichtenglieder sich gegenseitig vertretende locale
Sitzung vom 15. Jänner 1861. G. Stäche. F. Foetterle.
7
[7]
Bildungen sind. Jedoch dürften jedenfalls die durch verschiedene Nummuliten-
species charakterisirten Niveaux altersverschiedene Bildungen sein , und die
Süsswasserbildungen zum grössten Theil in die Zeit oder kurz vor der Zeit der
Bildung des tiefsten Nummulitenniveaus fallen.
Von dem hohen k. k. Staatsministerium war die k. k. geologische Reichs-
anstalt mit einem Exemplare des Werkes „Das Wasser in und um Wien rück-
sichtlich seiner Eignung zum Trinken und zu anderen häuslichen Zwecken“1 betheilt
worden. Es ist nach dem Berichte der von dem früheren k. k. Ministerium des
Innern zum Behufe dieser Untersuchung eingesetzten Commission , unter dem
Vorsitze des k. k. Geheimen Rathes Freiherrn v. Baumgartner, herausgegeben.
Zwei Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt, die Herren k. k. Bergräthe
Franz Ritter v. Hauer und Fr. Foetterle waren nebst andern Herren zu dieser
Commission zugezogen worden. Die Vorlage dieses Werkes bot Herrn k. k, Berg-
rath Foetterle die erwünschte Veranlassung , auch alle diejenigen Materialien
zur Ansicht vorzulegen, welche die Grundlage zur Bearbeitung des geologischen
Theiles des Berichtes bildeten, und welche von den genannten beiden Herren,
als Mitgliedern jener Commission beigeschafft wurden. Man hat mehrfältig den
Wunsch ausgesprochen, es wäre jener werth volle Bericht von einer geologischen
Karte des Bodens von Wien begleitet gewesen, unter andern auch in einer aus-
führlichen Besprechung in der Wiener Zeitung vom 23. December 1860, Nr. 300,
Seite 5106. Die grosse Wichtigkeit der genauen Kenntniss des Bodens liegt
aber nicht blos in der Richtung der Wasserfrage, sondern auch in Bezug auf die
vielen Neubauten, welche theils bereits begonnen sind, theils in den nächsten
Monaten in Angriff genommen werden. Als Grundlage zur Eintragung der geo-
logischen Bodenbeschaffenheit nach den hierüber vorhandenen Daten, so wie
zur Einzeichnung von Höhenschichten von Klafter zu Klafter, von 83 bis zu 111
Klafter Seehöhe, nach den sehr zahlreichen Vermessungen des k. k. Katasters
wurde der von dem k. k. Ministerium des Innern im Jahre 1858 in dem Maassstabe
von 1 Zoll gleich 80 Wr. Klafter veröffentlichte „Grundriss der Reichs- Haupt-
und Residenzstadt Wien mit sämmtlichen Vorstädten44 benützt. Aus demselben ist
leicht ersichtlich, dass alles am linken Donaucanalufer gelegene Gebiet, nebst
einem schmalen Streifen am rechten Ufer vom Alluvium bedeckt wird, während
von Nussdorf an durch die Rossau, die ganze innere Stadt, Weissgärber und
Erdberg bis Simmering ein breiter und mächtiger Streifen des für die Beschaffen-
heit des Trinkwassers so ungünstigen Löss (sandiger lockerer Lehm), sich
ausdehnt, und die höher gelegenen Vorstädte wie Landstrasse , ein Theil der
Wieden, St. Ulrich, Schoflenfeld, Spittelberg, Mariahilf, Josephstadt und Alser-
vorstadt bereits Tertiärschotter (Belvedereschotter) dem fast immer gutes Trink-
wasser entquillt, zum Untergründe haben. Dieser liegt auf blaugrauem kalkigen
Thone, „Tegel44, dessen ohnehin nicht besonders gutes, meist hartes Wasser
oft noch durch aus Zersetzung von Schwefelkiesen herrührenden Schwefelwasser-
stoff verunreinigt, und ungeniessbar gemacht wird. Dieses so beliebte und vorzüg-
liche Ziegelmaterial, das ausserhalb der Stadt zwischen Laa, Liesing, Inzersdorf
und Meidling eine so grosse Ausdehnung besitzt, tritt nur längs den beiden Ufern
der Wien innerhalb des Stadtgebietes auf. Die noch tieferen Glieder des tertiären
Wiener Beckens wie die Cerithienschichten und marinen Ablagerungen finden
sich nicht mehr innerhalb des Stadtgebietes. Zur Versinnlichung der Aufeinander-
folge der einzelnen Schichten wurden überdies noch Durchschnitte in grösserem
Maassstabe vorgelegt.
Angeregt durch die neuen Ansichten und lichtvollen Vorträge des Herrn
Professors E. Suess, und die Einsetzung der Commission selbst hatte Herr
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Verhandlungen.
[8]
H. Wolf von der k. k. geologischen Reichsanstalt mehrere Wochen dazu verwen-
det, um den neuesten Stand der Kenntnisse in Bezug auf die Natur des Unter-
grundes in Wien zusammenzustellen. Er entwarf namentlich zwei Haupt-
Durchschnitte, im Maassstabe von 1 Zoll = 80 Klafter, wie in dem obener-
wähnten Stadtplane für die Länge, und 1 Zoll = 10 Klafter für die Höhe, um die
Lage der Schichten deutlicher zu bezeichnen, in welchen für die eigentlichen
Wiener-Becken-Schichten zwölf Abtheilungen unterschieden sind. 1. Bauschutt,
2. Fluss-Alluvium, 3. Dammerde, 4. Diluvial-Lehm oder Löss, 5. Diluvial-Schotter
6. Belvedere-Schotter, 7. Mariahilfer-Tegel, 8. Congerien-Tegel, 9. Oberer Tegel,
10. Sandstein und Kalkstein, 11. Unterer Tegel, 12. Pötzleinsdorfer Schichten.
Die Schichten 3 bis 8 sind obere Tertiärgebilde, 9 bis* 10 die Cerithienschich-
ten, endlich ist noch der allgemeine Untergrund, 13. der Wiener Sandstein an-
gegeben. Jene erwähnten Durchschnitte sind der eine 9 Fuss 4 Zoll lang, von
den Höhen des Lainzer k. k. Thiergartens bis zum Nordbahnhof senkrecht gegen
die Donau, der andere 3 F'uss lang von Ottakring zum Laaer-Berg parallel der
Donau gelegt. Die Höhen-Linien wurden nach den neuesten sorgsamen Erhebungen
des Herrn k. k. General-Kriegscommissärs V. Streffleur, der sie freundlichst
mittheilte, aufgetragen, auch was sich von Angaben über Ergebnisse der Brunnen-
bohrungen, theils von den Herrn Brunnenmeistern, theils aus der Literatur, des
verewigten Czjzek Angaben u. s. w. aufsammeln liess, eingezeichnet. Ueber das
Nivellement des Bodens von Wien durch die Arbeitskräfte des k. k. Katasters
gab Herr Streffleur selbst Nachricht in der Sitzung der k. k. geographischen
Gesellschaft am 1. März 1838 (Mittheilungen, 1839, Versammlungen, S. 49).
Nicht weniger als 10.000 Höhenpunkte innerhalb der Linienwälle Wiens sind
mit der grössten Schärfe gemessen, ein Schichtenplan und Uebersichts-Relief fer-
tig, Detail-Relief vorbereitet. Aus einer kleineren Anzahl, 400 dieser Punkte,
welche er erhalten, entwarf auch Herr Wolf für die Commission vorläufig einen
Schichtenplan als Uebersichtsbeigabe zu den zwei Hauptdurchschnitten. Er legte
diese in der Versammlung des österreichischen Ingenieur-Vereines am 3. März
desselben Jahres vor und erläuterte die bis jetzt gewonnene Kenntniss in Bezug
auf die Wasserführung der Schichten. (Zeitschrift des österr. Ing.-Ver. 1839.
XI. Jahrgang, Seite 71.) Eine Veröffentlichung durch den Verein, welche damals
besprochen wurde, entfiel, weil doch die Arbeiten zuerst der k. k. Commission
durch die Herren v. Hauer und Foetterle vorgelegt und zur Disposition gestellt
werden sollten. Eine Veröffentlichung durch dieselbe hat indessen nicht statt-
gefunden, und so bleibt allen Freunden der Kenntniss des Bodens, auf dem wir
leben, nur der Wunsch, dass dies in anderer Weise gelinge. Die hohe Wichtig-
keit der Sache ist wohl Jedem klar, der die Durchschnitte betrachtet. Sollte sich
nicht Günstigeres noch erreichen lassen, so sind dieselben vorläufig für das Jahr-
buch der k. k. geologischen Reichsanstalt bestimmt, freilich nicht in der oben
angeführten ursprünglichen Grösse, sondern den beschränkteren Mitteln derselben
entsprechend in einem reducirten Maassstabe, wodurch doch die Vervielfältigung
erzielt wird, wenn auch dann noch immer Uebertragungen in das grössere Ver-
hältniss für viele Personen , die ein näheresinteresse daran haben, wünschens-
werth bleibt.
Schliesslich legte der k. k. Schiehtenmeistersadjunct in Wieliczka Herr
P. Turczmanovicz einige Stücke von Steinsalz aus der dortigen Grube als
Geschenk für die Sammlungen der Anstalt vor, welches sich durch den eigenthüm-
liehen trüffelähnlichen Geruch auszeichnet.
Sitzung vom 29. Jänner. Fr. Foetterle. Karl v. Hauer.
9
[i]
Sitzung am 29. Jänner 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitz.
Herr Bergrath Fr. Foetterle legte (in der Sitzung am 15.) eine grössere
Sammlung von tertiären Süsswasserfossilien aus der Gegend von Ulm, den Ge-
schlechtern Helix (16 Species), Clausilia, Melania (2), Planorbis (5), Lymnaeus
(2), Ancylus, Paludina, Cyclostoma (2), Achatina, Pomatias, Succinea, Mela-
nopsis, Pupa, Valvatä (3) angehörig, ferner einige sehr schön erhaltene Exem-
plare von Fisch- und Sepienabdrücken aus den Juraschichten von Sohlenhofen zur
Ansicht vor, welche der Anstalt von dem naturforschenden Vereine in Augsburg
als Geschenk zugesendet wurden. Von den ersten ein vorzügliches Exemplar eines
Aspidorhynchus , von letzteren Platten von Aconthotheiitis speciosa Miinst.
und Plesiotlieutis prisca Büppel , ferner ein Limulus Walchi. Ebenso wurde eine
grössere Reihe von Druckschriften zur Ansicht vorgelegt.
Herr Karl Ritter v. Hauer gab (in der Sitzung am 15.) einen raschen Ueber-
blick des Inhaltes jener wichtigen Abhandlung von Herrn H. C. Sorby in Sheffield
„Ueber die mikroskopische Structur der Krystalle, in Bezug auf die Entstehung von
Mineralien und Gebirgsarten“ (On the Microscopical Structure of Crystals, indi-
cating tlie origin of Minerals and Rocks. Quarterly Journal of the Geological
Society for November 1858. Vol. XIV. pp. 453 — 500), welche ihm dieser gründ-
liche Forscher zugesandt hatte. Unter Vergrösserungen von 60 bis 1600 linear,
sind die Höhlungen in mannigfaltigen Krystallen untersucht, aus wässerigen Lösun-
gen, aus Sublimation, aus Schmelz, mit und ohne Druck, und je nach ihrer Gestalt
und Grössenverhältnissen lässt sich auf die Temperatursgrade schliessen, unter
welchen sie gebildet waren. Bei hoher Temperatur muss begreiflich die Höhlung
ganz voll Flüssigkeit gewesen sein; wird das Ganze bei niedrigerer Temperatur
untersucht, so sieht man der Zusammenziehung der Flüssigkeit wegen, etwas,
das einer Luftblase ähnlich sieht, das aber in der That nichts als ein wahres
Vacuum ist, ein wirklicher leerer Raum. Aus besondern zu diesem Zwecke bei
höheren Wärmegräden bis 200° C. angestellten Versuchen von inzugeschmolzenen
Glasröhren eingeschlossenen Flüssigkeiten entwickelt Sorby die Gesetze der Aus-
dehnung, und wendet dann die Erscheinungen an, verglichen mit der gegen das
Erdinnere steigenden Temperatur, nach Cordier ( Edinburgh New Phil.
Journal 1828. VoL IV. p. 273) 1 Grad in von 24 bis 104 Fuss, nach Fox
( British Association Report for 1857 . p. 96) von 1 Grad für 32 bis 71 Fuss,
nach Robert Hunt 1 Grad in 50 Fuss in den ersten 100 Klaftern, 1 Grad in
70 Fuss in dem zweiten 100, unter 200 Klafter nur in 85 Fuss 1 Grad, um auf
den Druck zu schliessen, welcher der Temperatur entspricht. Sorby gibt
höchst interessante Zeichnungen der von ihm beobachteten Thatsachen und
Nachweisungen genauester Forschungen, um zu sichern Ergebnissen zu gelangen.
Man konnte nicht in alle Details eingehen, aber kein Geologe wird künftig
können diese tiefen Untersuchungen entbehren, um zu sicheren Schlüssen über
Gesteinbildungen zu gelangen. Als Ergebnisse für Druck gibt Sorby folgende
Ziffern :
Traehyt von Ponza ........ 4.000 Fuss
Elvan von Gwennap 18.100 „
Granit von St. Austel 32.400 „
Cornische Elvans, Mittel . . . 40.300 „
Neuer Ganggranit Aberdeen 42.000 „
Granit, Cornwall, Mittel . . . 50.000 „
Elvan, Swanpool, Falmouth . . 53.900 Fuss
Granit, Ding Dong, Penzance . 63.600 „
Hochland, Porphyrgänge 69.000 „
Aberdeen, äusserer Granit. . . . 69.000 „
Hochlands-Granite 76.000 „
Aberdeen, Central- Granit .... 78.000 „
h
K. k. geologische Reichsanstalt, 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
10
Verhandlungen.
m
Von der allergrössten Wichtigkeit sind die Angaben, man kann sie wahre
Beweise nennen, über die Veränderungen des Zustandes der Gebirgsarten durch
Wasser in höherer Temperatur unter bedeutendem Druck, welches in den
Höhlungen Krystalle der aufgelösten Stoffe, Salz, Gyps u. s. w. zurückliess.
Noch legte Herr v. Hauer eine bereits 300 Nummern enthaltende Samm-
lung von künstlichen Krystallen vor, welche er selbst im Verlaufe des Sommers
dargestellt, und einer neuen sinnreichen Methode folgend zur Aufbewahrung
vorgerichtet hatte. Jeder Krystall ist einzeln — sie haben grösstentheils */a bis
1 Zoll im Durchmesser — in aufrechter krystallographischer Stellung auf einem
dünnen Stift befestigt, der auf einem Korkpfropf steckt, lieber den Krystall
wird das geschlossene Ende einer Eprouvette gestellt, und das Ganze in eine
grössere Korktafel versenkt, welche unterhalb ausgehöhlt ist, um den vollständigen
hermetischen Verschluss mit Siegelwachs anzubringen. Vortrefflich ausgebildete
Krystalle, zum Theil von seltenen, einige von Herrn v. Hauer zuerst dargestellten
Verbindungen, von Vanadin, Tellur u. s. w., dann die Alaune, die zweibasigen
Schwefelsäuren Salze, welche der verewigte Grailich untersuchte, Cyan-
Verbindungen und andere sind so ganz vor dem Einflüsse des Feuchtigkeits-
wechsels geschützt, und doch vollkommen der Betrachtung selbst unter der
Loupe zugänglich.
Wir verdanken Herrn k k. Professor C. W. Z enger in Neusohl eine Sendung
verschiedener Mineralien und Hüttenproducte, welche manches Neue für unsere
Sammlungen enthält. Der hochverehrte Geber, seit längerer Zeit mit höchst
anziehenden analytischen Untersuchungen über Gesetze der Molecularstructur
beschäftigt, wobei er das Krystallisationsgesetz der chemischen Grundstoffe vor-
züglich ins Auge fasste, suchte auch wirkliche Krystalle mehrerer Metalle aufzu-
sammeln, von welchen er nun namentlich einige Kupferbildungen durch trockenen
und nassen Weg überschickt, Cämentkupfer mit feinsten Krystallblättchen und
grösseren Krystallen, gestrickt mit Oktaederflächen von l/z Zoll Kante, gestrickt
Rohkupfer von Tajowa, Eisenkrystallblättchen in einem Flossenstück von Koszti-
viarszka bei Neusohl. Ferner vollkommen glattflächige kleine Krystalle von metal-
lischem Antimon von Tajowa, geschmolzen, zum Theil auch mit treppenförmig
vertieften Flächen des würfelähnlichen Rhomboeders wie beim Wismuth. Die
glattflächigen, so wie Herr k. k. Hofrath W. Hai ding er die Krystallform schon
für Mohs’ Grundriss in der ersten Auflage 1824 entwickelt hatte, nur waren dort
bloss die Winkel der Formen l/2 R (dort als R) = 117° 15', 4 R = 69° 8' für
a = V 1273 gegeben, nicht aber 2 R = 87° 45', weil dieses damals noch nicht
beobachtet worden war (Gustav Rose fand 87° 35',
Marx 87° 28'). Hier bildet dies Rhomboeder
den ganzen Umschluss mit der Basis in Verbindung,
welche letztere in dem scharf geschnittenen gleich-
seitigen Dreieck auch einzeln in entgegengesetzter
Lage erscheint, Zwillingsbildung parallell der Axe
in verwandter Stellung bezeichnend. Wichtig sind
ferner schön gebildete Krystalle von metallischem
Arsenik, sublimirt in den Höhlungen einer Schlacke
aus der Nickeldarstellung von Losoncz, fast 4/4 Zoll
gross, ebendas würfelähnliche Rhomboeder (85° 4'
G. Rose, 85° 26' Breithaupt) combinirt mit der
Basis, vielfach zwillingsartig gruppirt, wo eine der
Rhomboederflächen R Zwillingsfläche ist. Es entstehen dadurch sonderbare
rinnenartige Bilduugen. Sie sind bisher am Arsenik nicht beschrieben, sondern von
Sitzung vom 29. Jänner. Th. v. Zollikofer.
11
[3]
Miller eine andere Art parallel der Fläche von *4 R. Sehr stark glänzend und leicht
zu erhalten sind die Flächen der Theilbarkeit parallel der Basis, die auch Miller
angibt, während ältere Werke, selbst Dana, unvollkommene Theilbarkeit haben.
Ferner Kupferoxyd, krystallinisch in Tajowa beim Einschmelzen der Kupferrück-
stände der Extraction auf der Herdsohle gefunden, krystallisirtes Auripigment aus
Thon, Kalkspath mit Realgar von Tajowa, ein sehr schönes Stück Libethenit und
Anderes. Merkwürdig unter den Fossilresten ein Eckzahn von Ursus spelaeus mit
vollkommener Alveole.
Herr Th. v. Zollikofer berichtet über die allgemeinen Verhältnisse des
Gratzer Tertiärbeckens. Dasselbe nimmt etwa ein Drittel des ganzen steierischen
Gebiets ein und ist auf drei Seiten gegen die ziemlich hoch aufsteigenden älteren
Gebirge scharf abgegrenzt; auf der Ostseite hingegen steht es mit der ungari-
schen Tertiärniederung in Verbindung.
Vom Gratzer Becken wurden geologisch aufgenommen: der westliche
Theil von Herrn Dr. Rolle, der Östliche von Herrn Dr. Andrae, endlich der
mittlere und südliche Theil von Herrn v. Zollikofer selbst.
Derselbe durchreiste ausserdem im Laufe des vorigen Sommers das ganze
Gebiet in mehreren Richtungen, um in das Bild eine einheitliche Auffassung zu
bringen.
Das Gratzer Becken kann unter vier Gesichtspunkten betrachtet werden :
1. In Beziehung auf dessen petrographische Zusammensetzung;
2. in Beziehung auf die geologische Natur seiner Bildungen;
3. in Beziehung auf die Parallelisirung seiner Bildungen mit denjenigen
des Wiener Beckens ;
4. in Beziehung auf die Schichtenstörungen.
In Hinsicht auf die petrographische Zusammensetzung zeigen sich Tegel,
Mergel, Schieferthone, Lehm mit Sand, Lehm mit Schotter und tertiäre Kalke
oder Kalksandsteine. Die letzteren theilen sich in zwei Gruppen, wovon die eine
dem Leithakalke angehört und als eine Reihe von isolirten Felsen die Westgränze
des Beckens in einer Entfernung von beiläufig 2 Meilen begleitet.
Die andere Gruppe besteht aus Brackwasserkalken, die theils um ein
Centrum gruppirt sind, wie in der Umgebung von Gleichenberg, theils in einer
Linie auftreten, wie zwischen Radkersburg und Marburg. Was die andern petro-
graphischen Bildungen anbelangt, so finden sich im Allgemeinen das tertiäre
Geröll am Nord- und Siidrande des Beckens, der Tegel in der Mitte und der
Sand zwischen beiden. Es zeigt sich also von Norden und Süden gegen das
Innere eine Abnahme in der Grösse des angeschwemmten Materials, was zur
Annahme berechtigt, dass die wichtigsten Zuflüsse des Beckens einst vorzüglich
von diesen beiden Seiten gekommen seien.
In Bezug auf die geologische Natur der Bildungen finden wir im Gratzer
Becken Süsswasser-, Brackwasser- und Meeresschichten. Die ersten treten am
Nordwest- und Südwestrand auf, und sind durch ihre grossen Kohlenablagerungen
(Köflach und Eibiswald) von technischer Wichtigkeit. Die Brackwasser- und
Meeresschichten sind durch die Linie der Leithakalke von einander getrennt, so
zwar, dass die erstem dem Osten, die andern dem Westen angehören. Die Brack-
wasserschichten nehmen somit den grossem Theil des Beckens ein, nämlich beinahe
das ganze Gebiet östlich von der Mur und ausserdem noch einen ansehnlichen
Theil der Gegend zwischen Mur und Drau.
Der dritte Punkt, die Parallelisirung der hier auftretenden Bildungen mit
denjenigen des Steirer Beckens hat im Ganzen keine Schwierigkeit, da es
viele Punkte gibt, die zahlreiche und gut charakterisirle Fossilreste geliefert
b*
12
Verhandlungen.
[4]
haben. Zu den schon durch Murchison, Rolle und Andrae bekannt gewor-
denen Fundorten kommen nun noch mehrere andere hei Wildon hinzu und vor
allem derjenige vom Schloss Pols im Kainach-Thal, welcher schon bei seiner
ersten Untersuchung nahe an 100 Arten von Meeresfossilien geliefert hat. Nach
der Zusammenstellung ergeben sich nun die Meeresschichten als identisch mit
denjenigen von Steinabrunn, Enzesfeld und Mauer im Wiener Becken und die
Brackwasserbildungen als echte Cerithienschichten. Horner Schichten haben sich
nicht gezeigt, ebensowenig Congerienschichten. Misslicher stellt es mit derParalle-
lisirung der Süsswasserschichten des Gratzer Beckens, da weder Fauna noch
Lagerungsverhältnisse sichere Schlüsse ziehen lassen; doch dürfte die Annahme
Dr. Rolle’s, dass sie mit den Meerestegein parallel gehen, die richtige sein.
Was endlich den vierten Punkt, die Schichtenstörungen anbelangt, so zerfällt
das ganze Becken in zwei Zonen: eine grössere nördliche, in welcher die
Schichten in ihrer ursprünglichen Lage gebliehen sind und in eine kleinere
südliche, in welcher sie gewaltsame Lagerungsstörungen erlitten haben, indem sie
nicht blos häufig steil aufgerichtet, sondern selbst gefaltet und verworfen sind.
Die Grenze beider Zonen ist durch eine Synkline Axe gegeben, die in einem
grossen Bogen von Eibiswald über Pettau nach Luttenberg verläuft. Es hat somit
den Anschein, als ob die letzte ^gewaltsame Hebung der Ostalpen nur den
südlichen Theil derselben betroffen habe.
Herr Director Haidinger, der während des Vortrages den Vorsitz einge-
nommen, dankt Herrn v. Zollikofer für seinen anziehenden Vortrag und die
klare treffliche Darstellung des Gegenstandes. Er hofft, dass sich nun doch bald
wieder die Druckangelegenheiten der k. k. geologischen Reichsanstalt so günstig
ordnen werden, dass auch Herrn v. Zollikofer’s frühere wichtige Abhandlung
„Ueber die geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Untersteier-
mark44 zum Druck kommen wird. Nachdem er diese im verflossenen Sommer der
Direction * des geognostisch -montanistischen Vereines in Gratz zur Disposition
zu stellen gezwungen war, hat er sie nun neuerdings für das Jahrbuch über-
nommen. Herr Director Haidinger schliesst hier die Betrachtung an, wie
schwer es sei, dasjenige, was einmal unterbrochen ist, wieder in Gang zu
bringen. So mit dem Druck unserer Berichte. Nicht einmal die Correctur des
letzten Sitzungsberichtes, vom 15. Jänner ist ihm zugesandt worden. Während
die feindseligsten Einflüsse im verflossenen Sommer einen raschen vollständigen
Stillstand brachten, geht ungeachtet der wohlwollendsten Unterstüzung in den
leitenden Regionen, nach den bekannten unwandelbaren physikalischen Grund-
sätzen der passive Widerstand seinen Gang fort, und wir sind heute am
29. Jänner eigentlich noch nicht viel weiter als wir — voll Hoffnungen — am
11. December waren. Die Angelegenheiten der Formen treten immer in den
Vorgrund, so wie man in den Bewegungen des Tages sich um das „Wie44 bekämpft,
während das „Was44 in den Hintergrund gestellt, auch wohl gleichgiltig betrachtet
wird. Es ist dies ein Beispiel, wie leicht es geht zu zerstören, wie schwierig
aufzubauen.
Herr Dionys Stur berichtet aus seinen Aufnahmen im südlichen Sieben-
bürgen.
An das in einer früheren Sitzung ausführlicher abgehandelte krystallinische
Gebirge der Pojana Ruszka, westlich von Vajda Hunyad und Hatzeg stösst im Süden
unmittelbar das Retjezat- Gebirge an und ist bis Bukowa im ununterbrochenen
Zusammenhänge mit dem ersteren.
Der nördliche Rand des Retjezat-Gebirges besteht vorherrschend aus Glim-
merschiefer und Thonglimmerschiefer, welche beide stellenweise Feldspath auf-
Sitzung vom 29. Jänner. Dionys Stur.
13
[«]
nehmen und häufig in Gneiss übergehen. Als Einlagerung in diesen Schiefern
trifft man hei Malomviz südlich unterhalb der Ruine Kolcsyar einen Serpen-
tinschiefer, dessen Schichten steil nach Nord fallend jene vorspringenden Glim-
merschiefer Felsen unterteufen, auf denen die genannte Ruine aufgebaut, sich
befindet. Im Inneren des Retjezat-Gebirges, namentlich im Hintergrund der Valje
Rasza und in der Umgegend der Alpe Retjezat herrscht ein an Feldspat!) reicher
Gneiss mit nahezu granitisehem Ansehen. Er leistet der Verwitterung einen un-
überwindlichen Widerstand und ertheilt diesen Gegenden in Folge dessen ihre
Rauhheit und Unwirthlichkeit, und bietet nur einer sehr spärlichen Vegetation die
Unterlage.
Das Retjezat-Gebirge theilt sich gegen Osten in zwei Arme, zwischen
welchen das Zsill-Thal eingeschlossen sich befindet, und hängt mit dem Mühl-
bacher Gebirg-e innig zusammen. Der südliche von diesen beiden Armen bildet
im Zsill-Thale das Grenzgebirge mit der Wallachei und wird durch den Durch-
bruch der Zsill in ein westliches und östliches getheilt. Im westlichen Theile
herrschen krystallinische Schiefer vor mit Einlagerungen von körnigem Kalk
bei Lupeny und Urikany und von Serpentin. Letzterer steht an der Grenze der
tertiären Ablagerungen gegen das steil aufsteigende ältere Gebirge, an der
Strasse des Vulkan-Passes, südlich von Vulkan. Im östlichen Theile im Gebirgs-
stocke des wundervollen Paringul herrscht genau wie im Retjezat der Gneiss,
umgehen von Glimmerschiefer und Thonglimmerschiefer.
Nördlich vom Paringul bis nach Mühlenbach und von Hatzeg östlich bis nach
Hermannstadt und den Rothenthurmer-Pass erstreckt sich ein einziges zusammen-
hängendes, durch verwickelte und nicht deutlich ausgeprägte Terrainverhältnisse
ausgezeichnetes Gebirge. Ein langes Thal der Mühlenbach durchschneidet das-
selbe von Süden nach Norden, und nach allen Richtungen entsendet dasselbe
wasserreiche Thäler, die sich in die Strebt und Marosch, in den Alt und Zsill
ergiessen.
Die geologische Zusammensetzung dieses Gebirges ist ausserordentlich ein-
fach und einförmig. Die Gesteine bestehen gewöhnlich aus Quarz und Glimmer,
denen sich stellenweise Feldspath in grösserer oder geringerer Menge beigesellt,
woraus ein steter Wechsel zwischen Thonschiefer, Glimmerschiefer und Gneiss
hervorgeht, die in dem ganzen Gebirge gleichförmig vertheilt und überall
anzutreffen sind. Granaten im Glimmerschiefer treten häufig auf, diesen gesellt
sich nur sehr selten Hornblende zu, wie ich dies bei Kudsir beobachtete. Nur
an drei Stellen wurde körniger Kalk beobachtet, und zwar im Thale südlich von
Resinar, im Walde südlich von Gross-Pold und südlich bei Kapolna, an allen
drei Orten nur von sehr geringer Ausdehnung und Mächtigkeit. Das Vorkommen
des Kalkes bei Kapolna ist dadurch interessant , dass in seiner Nähe und zwar
unter dem Kalklager Rhyolith in einer nur wenig aufgedeckten, wie es scheint
lagerförmigen Masse ansteht. Dasselbe Gestein wurde auch am Ufer des Mühlen-
baches am Wege von Laz nach Kapolna, in einer dünnen, dem Gneiss und
Glimmerschiefer eingelagerten Masse beobachtet.
Am Paltinej, beiläufig im Cenfrum des Mühlenbacher Gebirges, tritt in einer
felsigen Partie ein Serpentin auf, der sehr verwittert ist und ein Mittelding
zwischen Serpentin und Bronzit darstellt.
Im Ganzen ist die geologische Untersuchung dieses, glücklicher Weise sehr
einfachen Gebirges ausserordentlich schwierig. Die bewohnten Orte, in denen
ein Reisender existiren kann, sind weit ausserhalb und wenigstens eine halbe
Tagreise vom eigentlichen Gebirge entfernt, das nur von Hirten bewohnt wird,
deren Behausung nicht so wie die der deutschen Aelpler zum Eintritte einladend
14
Verhandlungen.
[6]
ist. Das Centrum des Gebirges selbst ist beiläufig in zwei Tagreisen von dessen
Rande aus zu erreichen. Die Wege ziehen alle, fast ohne Ausnahme über die höch-
sten Gebirgsrücken, die durch die Abwitterung der Gesteine ganz abgerundet,
nur selten blossgestellte Gesteine aufweisen.
Herr H. Wolf berichtete über die Aufnahme im Körös-Thal im Sommer
1860.
Die Gewässer der Sebes-Körös treten zwischen Csucsa und Feketetö, aus
Siebenbürgen in Ungarn ein, indem sie hier die krystalli nische Axe des Grenz-
gebirges beider Länder in einem tiefen Thalrisse durchbrechen und sich gegen
Westen immer tiefer in die Gesteine der vorliegenden secundären Zonen eingra-
ben, welche sie endlich bei Rev verlassen und von nun an in einer freundlichen
Thalmulde zwischen Diluvialterrassen von jungtertiären Schichten umgrenzt, dann
noch bis über Elesd hinaus in weitere Ferne links von den secundären, rechts von
der krystallinischen Zone in etwa 1 bis 1 i/2 Meilen breitem Abstande eingeschlos-
sen sind, allmählig sanfter und sanfter dahin fliessen, bis sie endlich auch die
tertiären Vorlande des ungarisch- siebenbürgischen Grenzgebirges bei Gross-
wardein hinter sich lassen und nur mehr von niederem und ausgedehntem Terras-
sendiluvium eingeengt, träge den Niederungen der Theiss sich entgegenwälzen.
Feketetö ist der Scheitel von zwei Richtungen , in w elchen die krystalli-
nischen Gesteine zu Tage treten. Der eine gegen NW. sich erstreckende Ast
endet nach 5 Meilen, mit dem Rezer Gebirge zwischen Szeplak und Rodonos,
stets bei 1000 Fuss über das sich anschmiegende Tertiärland hervorragend. Der
zweite in SW. Richtung verlaufende Gebirgskamm ist unweit von Feketetö, 1 Meile
schon von Trachytporphyren (Rhyolithen) zertrümmert oder von den Gesteinen
der Trias und des Lias bedeckt.
Die secundären Gesteine, welche den Glimmerschiefer zur Basis haben,
beginnen mit röthlichen bis weissen quarzitartigen Sandsteinen bei Bucsa und
Czarnöhäza, den WeiTner Schiefern ähnlichen Sandsteinen und Mergel bei Ponor
und Korniczel, den verrucanoartigen Conglomeraten , 1 Meile nordöstlich von
Elesd im Thale von Pestes, darüber folgen dünnplattige, wulstige, schwarze
Kalke (Guttensteiner Kalk) bei Korniczel, Bucsa, Czarnöhäza, Ponor und Remecz,
dann auch längs den tiefsten Punkten des Körös-Thales zwischen Bucsa und Son-
kolyos, welche in diesen Strecken mannigfache Wellen zeigen.
Die Guttensteiner Kalke gehen nach oben zuerst in lichtere, graue, endlich
in weisse massige, manchmal zuekerkörnige Kalke über, die hin und wieder
Spuren von Korallen zeigen. Die Stellung dieser Schichten in der Trias konnte
erst durch die sie überlagernden Gesteine des unteren Lias erkannt w erden. Diese
sind a) ebenfalls röthliche bis weisse Quarzsandsteine in oft sehr mächtigen
Bänken, wie bei Rikosd, wo sie zu Pflastersteinen verwendbar von Grosswardein
bezogen werden. Solche Sandsteine treten auf bei Rev im Körös-Bett, dann an
der Poszorita bei Sonkolyos, endlich bilden sie ein ausgedehntes Terrain bei
Karmozan und Rosur im Gebiete des Topa-Baches. Sie sind ganz kalkfrei und
enthalten Lager von dem bekannten besten, feuerfesten Thon zu Rev und Sonkolyos,
welcher ausschliesslich bis jetzt zur Fabrication von Schmelzhafen in Glasfabriken
verwendet wurde. Diese Sandsteine werden bedeckt an den Abhängen der Poszo-
rita bei Rev von einem dunklen, mergligen, etwas dolomitischen Kalk, welcher
zahlreiche Versteinerungen führt, darunter Belemnites paxillosns Lam . und
Pecten aequivalvis Sow ., ferner an der Mündung des Valle Leschou in den Jad-
fluss, 1 Meile SW. von Remecz, wmrde in einem fast schwarzen, krystallinischen
Kalke nebst Belemniten auch Pecten Liasmvs Nyst über diesen Schichten
gefunden.
m
Sitzung vom 29. Jänner. II. Wolf.
15
Gleiche Kalke finden sich auch bei Gäloshäza am Wege gegen Dubricsony.
Diesen Schichten sind im Bette des Jadflusses zwischen Remecz und Valle
Leschou rotlie Quarzporphyre zwischengelagert, sie sind auch von ihm zerrissen.
Die unteren Contactschichten des Kalkes sind entfärbt und verkieselt in Jaspisse
verwandelt. Die Kalke, so wie die ihnen zugehörigen Sandsteine entsprechen
nach obigen Versteinerungen den Grestener Schichten. Es folgen nach oben hin
noch dichte graue Kalke, deren Stellung wegen Mangel an Petrefacten unsicher
bleibt. Erst mit dem Caprotinenkalk von Bänya-Hegy bei Grosswardein, der
Gorgoljata bei Fancsika, dann zwischen Bänlaka und Brälka ist wieder ein sicherer
Horizont erreicht. Das ganze Gebiet zwische Rev und Lunkaszprie im Süden
(2 bis 5 Meilen), dann zwischen Czeczke und Ponor im Osten (4 Meilen) ist ein
karstähnliches Terrain, in welchem die auf einander liegenden Kalke ausgelaugt
und eingestürzt sind, um weite, oft 6 bis 800 Fuss tiefe Senkungsfelder zu bil-
den, in denen die atmosphärischen Wässer verschwinden, um erst, und dann nur
theilweise in den tiefsten Punkten des Terrains kalkgesättigt, aus Höhlen und
Klüften in Cascaden, und Tuffberge bauend, hervorzubrechen. Die Klüfte und
auch die Senkungen des Kalkes sind an vielen Stellen mit Rotheisensteinen erfüllt,
welche im Durchschnitt 14 Procent Eisen halten. Ausgesuchte Stücke halten
wohl auch 50 Procent Eisen. Diese sind aus den Localitäten Scunzsa Scocsi im
Damoser Hotter, dann im Hotter von Szohodol-Lazur.
Die sicher erkannten Kreideschichten konnten in der besten Reihenfolge,
am Rücken Kitjera, nordöstlich von Korniczel beobachtet werden. Es zeigen sich
dort von unten nach oben :
1. Gelbe und röthliche Thone.
2. Quarzconglomerat, kalkig.
3. Mergel mit Ostrea vesicularis Lamarck.
4. Röthlicher Kalk mit Nerinea Buchii, sp. lieferst . und Radiolites Pailet-
teana d’ Orb.
5. Sandiger Mergel mit Hippurites Toucasiana d' Orb., nebst vielen noch
unbestimmten andern Species.
Eine parallele Reihe findet sich im Graben von Korniczel in der vom Kit-
jera gegen Osten verlängerten Richtung. Dort sieht man einen Quai zsandstein
(Schichte 2) etwa 200 Fuss mächtig. Zwei Kalkbänke (Schichte 4) mit Rudisten,
zusammen 24 Klafter mächtig, durch eine 10 Fuss mächtige Sandsteinbank
getrennt. Auf der oberen 4 Fuss mächtigen Kalkbank folgt wieder Sandstein,
der in Mergel mit Hornsteinschichten übergeht (Schichte 5). Diesen Schichten
folgen graue bis schwarze dünngeschichtete Mergel bei 200 Fuss mächtig, die
hin und wieder Kohlenspuren zeigen. Im Muskapatak, nördlich von Kis-Baröd,
findet sich in den ganz gleichen Mergeln ein 6 Fuss mächtiges Kohlenflötz in
Begleitung von zahlreichen Gosaupetrefacten. Darunter sind Acteonella gigantea
d’ Orb, und Hippurites cornu vaccinum Bronn. Herr Stoliczka, welcher die
Güte hatte, die Kreideversteinerungen zu bestimmen, erklärte, dass auch Exem-
plare vorhanden seien, die auf eine unverkennbare Aehnlichkeit in der Abla-
gerung mit den Süsswasserschichten der Neualpe hinweisen. In die Parallele der
Schichte 4 sind wohl auch die Caprotinenkalke des Bänya-Hegy, südöstlich von
Grosswardein , dann die Kalke von Gorgoljata und Gliemei zwischen Vircsolog
und Pestere zu stellen. Ebenso die dichten, feinsplittrigen , rosenrothen Kalke
von Bänlaka und Bratka im Körösthal, sowie auch die nördlich von Pestes bei
Elesd. Die Kreideschichten von Korniczel und von Muskapatak sind durch eine
ausgedehnte Rhyolitheruption (Trachyt - Porphyr) aus ihrem Zusammenhänge
gerissen. Er besteht aus einer weisslichgrauen, thonigen Grundmasse , in der
16
Verhandlungen.
[8]
einzelne Quarzkrystalle und schwarze Glimmerblättchen ausgeschieden sind. Eine
zweite grössere, aber dieser petrographisch nicht ähnliche Rhyolith-Eruption
setzt die Gebirgshöhen zwischen dem Draganthale in Siebenbürgen und dem
Jadflusse in Ungarn parallel der Vladiaszagruppe etwa in 3 Meilen Länge, vom
Berge Dialumare bis zur Stinna di Runk zusammen. Es sind dies grünlichgraue,
oft breccienartige Reibungsgesteine, die die verschiedenartigsten Bruchstücke von
secundären Gesteinen mit einschliessen und in welchen sich nebst Quarzkry-
stallen auch noch Feldspathe ausgeschieden finden.
Von Tertiärschichten sind in diesem Gebiete nur Miocenschichlen zu linden.
Sie lagern dem ungarisch-siebenbürgischen Gebirgsstock zwischen dem Berettyo
und dem ßegaflusse rund um an, so dass diese zwei Punkte die Verbindung
zwischen dein ungarischen und siebenbürgischen Miocenbecken herstellten,
während an der Zwischenstrecke an ungarischer Seite nur tief eingreifende
Buchten längs den Körös-Thälern sich finden. Das Thal der Sebes-Körös
bildet zwischen Elesd und Korniczel eine derartige, 3 Meilen lange und 1 Meile
breite Bucht.
Marine Schichten sind nur bei Kis-ker und Almamezö , im Südwesten
von Grosswardein bekannt geworden. Die Hauptmassen aber bilden weisse oft
plastische Thone. Die untere Abtheilung derselben, welche sandiger ist, zeigt
Fischreste, Blätterabdrücke und Cardien, die den Hernalser Tegel charakterisiren.
Diese Schichten finden sich bei Elesd und Szeplak. ln der Gegend von Nagy-
Baröd und Rev treten reinere Thone auf, die nicht eine Spur von Kalk zeigen.
Unter diesen finden sich einzelne Schichten mit zahlreichen Paludinen.
Die Sande von Tataros führen Melanopsis Mnrtiniana Fer., M. pygmaea
Partsch, sie gehören den Congerienschichten an. Aehnliche Sande sind die von
Bodonos, welche bei 14 Procent Bitumen enthalten und dadurch sich zur Asphalt-
erzeugung eignen. Unter den Asphaltsanden liegt bei Bodonos ein Lignitflötz auf
blauem Tegel.
Diluvium findet sich am Kiräly-Hago und den Höhen längs des rechten Ufers
der Körös bei Bänlaka bis zu 1700 Fuss als Conglomerat, mit Blöcken von
mehreren Centnern im Gewichte. Von Rev über Elesd, Mezö-Telegd gegen
Grosswardein werden die Terrassen niedriger aber ausgedehnter; in der letzt-
genannten Gegend sieht man drei Terrassen in weiten Abständen übereinander sich
erheben, Lehm bedeckt überall die Terrassen. Einer gleich alten Bildung gehört
die Knochen-Ablagerung von Ursus spelaeus in den Höhlen von Pestere an.
Ausser dem Flussalluvium trifft man noch mächtige Kalktuffablagerungen
zwischen Sonkolyos und Rev bei Dubricany und bei Pecze- Sz. - Marion nächst
dem Bischofsbade bei Grosswardein.
Die ungefassten Thermen des Bischofsbades unterwaschen ein Terrain,
welches dann in 6 — 8 Fuss tiefen Abrissen entblösst ist.
Es finden sich darin zahlreiche Conchylien, die nach Herrn Bergrath v.
Hauer 10 Species aus den Geschlechtern Melanopsis , Nerita , Helix , Planorbis
vertreten.
Herr Ferdinand Stoliczka legt eine von ihm bestimmte Sammlung von
Tertiär -Petrefacten aus den Südalpen vor, die theils durch Geschenk von Herrn
Lodovico Pasini, theils durch eifrige Aufsammlungen der Herren Bergrath F.
Foetterle und A. Senoner in der letzteren Zeit in der k. k. geologischen
Reichsanstalt gebildet wurde.
JJie Petrefacten stammen sämmtlich aus den eocenen Basalttuffen von Ronca,
Montechio maggiore, Sangonini, Lavacile, Castel-Gomberto u. a., welche Localitäten
in geologischer Beziehung bereits im Jahre 1823 von Alexander Brongniart
Sitzung vom 29. Jänner. Stoliczka.
17
[9]
(Mem. sur les terrains de Sediment superieur etc.) ausführlich beschrieben
wurden. Nur die Localität Lavacile ist bei Brongniart nicht erwähnt, sie liegt
etwa eine halbe Stunde 0. von Bassano in denselben Tuffen wie Ronca. Brong-
niart nennt die ganze Gruppe dieser Trappgesteine Terrains calcardo-
trappeens. Die Hauptmasse dieser Basalte und Basalttuffe liegt zwischen
Vicenza und Verona und zieht sich im Nord bis gegen Schio und Bassano.
Einzelne kleine Partien von den Basalttuffen liegen auch zerstreut zwischen den
etwas älteren Sandsteinen und Schiefern, denen auch zum Theil die berühmten
Fischreste von Monte Bolca angehören.
Von Wirbelthierresten liegt nur ein Haifischzahn von Sangonini vor, aussern
dem kommen einige Krebse aus der Abtheilung der Brachyuren, ferner einige
Echinolampas, Spatangus, u. a. aus der Classe der Radiaten und die bekannten
Turbinolien ( Trochosmilia , Calamophyllia u. a.) vor. Am reichsten und meistens
durch sehr schöne Exemplare vertreten sind die Gastropoden und Acephalen,
von welchen die häufigsten sind : Nerita conoidea Lam., Ampullaria Vulcani
Brongn ., Melania Stygii Brongn ., Fusas polygonus Brongn ., Terebra Vulcani
Brongn ., Cerithium multisulcatum, Castellinii , Maraschinii, calcaratum, com -
bustum Brongn. u. v. a. Die Mollusken dieser sämmtlichen Schichten zeigen
durchaus Formen, welche Uferbewohnern oder Bewohnern seichter Meere ange-
hören. Ebenso sieht man auch aus dem fast gänzlichen Mangel an Cephalopoden,
Brachiopoden und aus der geringen Zahl von Anthozoen, dass die Ablagerung in
einem seichten Meere stattfand. Die Hauptmasse der Basalteruption musste an
einer Küste stattfinden und das Ergiessen der Lava ins Meer bereitete dem Thier-
leben den Untergang, nur auf diese Art gelangte die an den Ufern lebende Helix
damnata Brongn. unter die marinen Schalen; während die auf dem Festlande
gebliebene Lava zu Basalt erhärtete und keine Versteinerungen enthält. Die in
den Sandsteinen und Schiefern befindlichen kleinen Partien von Basalttuffen
mögen vielleicht submarin sein.
Ausser der grossen Menge bereits bekannter Mollusken ist auch eine bedeu-
tende Anzahl theils neuer, tlieils aus diesen Schichten nicht bekannter Arten
vorhanden, deren Bearbeitung noch als Aufgabe vorliegt.
Ein specielles Interesse, bemerkt ferner Herr Stoliczka, gewähren
namentlich einige Arten, die in höhere Schichten hinaufreichen und deren Vor-
kommen man daselbst bisher in Zweifel gezogen hatte. Herr Dr. Hörn es führt
(Die fossilen Mollusken des Tertiär-Beckens von Wien I. Bd. , p. 195) die
von Brongniart als Bostellaria pes carbonis beschriebene Art als synonym
mit Chenopus (Aporrhais) pes pelecani an, bemerkt aber, dass die Localitäts-
Angabe von Ronca bei Brongniart vielleicht nicht ganz sicher sei. Es findet
sich nun auch in dieser Sammlung ein Exemplar vor, das unzweifelhaft von
Ronca stammt und mit der im Wiener Becken (besonders häufig in Baden) vor-
kommenden Art vollkommen ident ist. Auch der lebende Aporrhais pes pele-
cani ist von dem fossilen nicht verschieden.
Eine zweite Art ist das Cerithium margaritaceum Brocchi sp., das in den
sogenannten Horner Schichten des Wiener Beckens vorkommt und von dem
Dr. Hörne s (I. c. p. 405) sagt, es gehöre den oberen eocenen Schichten
an. Die Exemplare von Ronca und Lavacile stimmen vollkommen mit den
unsrigen überein. Neuerdings hat Herr Dionys Stur dieselbe Species aus den
neogenen Schichten von Siebenbürgen mitgebracht.
Ebenso konnte Herr Dr. Hörnes keinen Unterschied entdecken zwischen
den im Wiener Becken vorkommenden Arten Turritella Archimedis Brongn.
und Xenophora (Trochus) cumulans Brongn. (I. c. p. 55 und 57) und den von
K. k. geologische Rejchsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
e
18
Verhandlungen.
[10]
Brongniart beschriebenen Arten. Erstere ist nach Dr. Hörn es (1. c. p. 425)
selten in den unteren Tegeln und Sanden, sehr häufig aber in den oberen;
letztere kommt nur zu Loibersdorf vor, welche Schichten Dr. Hörn es als die
tiefsten des Wiener Beckens bezeichnet. T. Archimedis kommt nach vorlie-
genden Exemplaren in Ronca, Xenoph. cumulans zu Castel gomberto vor, jedoch
beide nur sehr selten. Ferner liegen von Ronca drei Exemplare der Pleurotomn
cataphrdcta Brocchi , welche besonders häufig in den Tegeln von Möllersdorf
Vöslau und Baden vorkommt und endlich ein Exemplar von Ronca, welches nach
Vergleichung der Stücke von Grignon im k. k. Hof- Mineraliencahinet identisch
ist mit Pleurotoma terebralis Lam. (Deshayes, Coquilles fossiles de Paris),
die sich nur durch einen variablen Nathgürtel über dem Band von PI. sabtere-
bralis Bell. (Hörn es 1. c. p. 356) unterscheidet.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass sich bei einem durchgreifenderen
Studium und näherer Vergleichung sowohl unter den Gastropoden als Acephalen
Arten finden welche in den Schichten unseres Wiener Beckens auch Vorkommen.
Man kann daher die Basalt- und Basalttuffablagerungen zwischen Verona, Vicenza,
Bassano und Schio mit Recht als ein oberes Eocen bezeichnen.
Herr Director Hai ding er dankt noch den sämmtlichen Herren für ihre
werthvollen Vorträge, deren Inhalt wir mit Beruhigung als wahre Bereicherung
unseres Wissens ansehen dürfen. Er freut sich auch namentlich über Herrn
Stoliczka’s Anschluss an unsere Arbeiten, besonders in den paläontologischen
Bestimmungen, für welche noch ein weites Feld offen liegt. Er legt sodann noch
ein freundliches Geschenk eines unserer früheren Arbeitsgenossen vor, des
Herrn k. k. Professors Dr. Victor Ritter v. Zepharovich, ein Exemplar seiner
lithographirten „Erläuterungen zur Sammlung für das Studium der Eigenscbafts-
lehre im Museum der Universität Krakau 1860,“ auf 100 Oclavseiten 889 Num-
mern, mit kurzer Bezeichnung der wichtigsten Eigenschaften, dazu Namen und
Fundort. Sehr zweckmässig für den Gebrauch der Studirenden, für welche
Herr von Zepharovich diese vortreffliche terminologische Sammlung, die
Frucht dreijähriger Bemühungen, recht charakteristische Stücke zu erwerben,
in Pultschränken kürzlich aufgestellt hat. Wie immer die ferneren Verhältnisse
sich gestalten mögen, in dem Kern des Wissens und der Lehre bleiben Arbeiten
wie diese immer werthvoll, und es wird ihnen von Freunden der Wissenschaft
auch die Anerkennung nicht entzogen werden, auf welche sie unbedingt Anspruch
haben. „Ich freue mich“, sagt Haid in ger, „dem hochverehrten Freunde diese
hier in unserer Mitte auszusprechen für seine Leistungen in der alten Jagel-
lonischen Universität zu Krakau, eben so wie wir mit grösster Theilnahme und
Anerkennung der Arbeiten eines anderen hochverehrten Freundes und früheren
Arbeitsgenossen, Herrn k. k. Professors Dr. Karl Peters während seiner Wirk-
samkeit an der k. k. Universität zu Pesth gedenken, aus welcher Zeit viele Bei-
träge zur Landeskunde unseres grossen Kaiserreiches für immer in der Wissen-
schaft fortleben werden. Weniger als so viele andere, sind die Studien, welche
den Kreis unserer Aufgaben bilden, durch die Eigenthümlichkeiten der auf dem
festen Grunde einheimischen organischen Wesen bedingt. Schon das Pflanzen-
reich gewinnt nach Ort und Lage den mannigfaltigsten Ausdruck, noch mehr das
Thierreich in seiner Ortshewegung, in grösster Mannigfaltigkeit aber scheiden
sich die Völkerstämme. Die unorganische Unterlage, wie dies so vielfältig schon
hervorgehoben worden ist, bietet die unabhängigste Ausbildung dar, ist eine und
dieselbe in den verschiedensten Zonen und ganz dazu gemacht in ihrem Studium
wohlthätige Vereinigungspunkte darzubieten.
[1]
Sitzung vom 26. Februar. M. V, Lipoid. Dr. Ferdinand v. Hochstetter.
19
Sitzung am 26. Februar 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitze.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid theilt die Resultate mit über die in
Gemeinschaft mit Herrn H. Wolf im Herbste vorigen Jahres für den mährisch-
schlesischen Werner- Verein ausgeführten geologischen Anfnahmen in der Umge-
bung von Olmütz. Der Zweck dieser Aufnahmen war theils eine detaillirtere
geologische Kenntniss des Terrains, hauptsächlich aber die anzustrebende
Trennung der Culmschichten der Steinkohlenformation von den tieferen Schich-
ten der Grauwackenformation, und wo möglich eine Scheidung der devonischen
von der silurischen Grauwacke, welche beide in Mähren durch Petrefacte sicher-
gestellt sind. Letztere Scheidung konnte nicht durchgeführt werden, dagegen
gelang die Trennung der Culmschichten von den Grauwackenschichten vollkommen
und zwar auf Grundlage von Fossilresten, von petrographischen Merkmalen und
von Lagerungsverhältnissen, indem die Culmschichten einerseits von charakteristi-
schen Conglomeraten begleitet werden, andererseits aber gegen die Grauwacken-
schichten abweichend und übergreifend gelagert erscheinen. Als wichtigste
Resultate seiner Detailaufnahmen nordwestlich von Olmütz in der Umgebung
ton Könitz und Busau bezeichnete Herr Lipoid das Auftreten von Urthon-
schiefern bei Kladek im Terrain der Grauwackenformation, das Vorkommen von
Grauwackenkalksteinen bei Jessenetz und in einem zusammenhängenden Zuge
zwischen Punkew (über Brezina und Wodecko) und Lautsch an der March, dessen
nordöstliche Fortsetzung am linken Marchufer die Eulenberger Kalke bilden,
endlich die Eisensteinvorkommen bei Dzbell und Bresko nächst Könitz, und bei
Braunöhlhiitten , deren erstere den Eisensteinvorkommen bei Sternberg und
Deutsch-Lodenitz, und letztere den Eisensteinvorkommen an der Gränze der
Urthon- und Grauwackenschiefer bei Deutseh-Eisenberg, Römerstadt und Mohrau
entsprechen.
Herr Bergrath Lipoid zeigte ferner Stücke von natürlichen Cokes und eines
Eruptivgesteines vor, welche Herr Bergingenieur Eduard Kleszczynski als
Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt eingesendet hatte. Einzelne
Stücke waren vor einiger Zeit von Herrn k. k. Bergcommissär Gustav Wehrle
in Olmütz an Herrn Director Haidinger mitgetheilt worden. Diese Gesteine
wurden in dem Steinkohlenbaue der k. k. priv. Nordbahngesellschaft zu
Prziwos nächst Ostrau in Mähren und zwar am 3. Flötze beim Franzschachte in
der Teufe von 46 Klafter angefahren. Nach den von Herrn Kleszczynski
mitgetheilten, die Art des Vorkommens darstellenden, Zeichnungen wurden
daselbst eine ungefähr 2 Klafter lange und 1 — 2 Fuss mächtige Linse und einige
Knauer von einem Diabas ähnlichen und zum Theil mandelsteinartigen Eruptiv-
gesteine mitten im Steinkohlenflötze entblösst. Die Einwirkung des Eruptiv-
gesteines auf die Steinkohle zeigt sich dadurch, dass letztere rings um das
Gestein in einer Breite von 3 — 4 Zoll in sehr feste stenglige kalkhaltige Cokes
umgewandelt ist.
Herr Professor Dr. Ferdinand v. Hochstetter erinnerte daran, dass er
mit Herrn Baron v. Richthofen im Jahre 1856 in der Witkowitzer Stein-
kohlengrube zu Hruschau bei Ostrau ein ähnliches Auftreten von Grünstein in dem
dortigen Steinkohlenflötze besichtiget habe, worüber Herr Dr. Baron v. Richt-
hofen in der Sitzung der k, k. geologischen Reichsanstalt vom 13. Jänner 1857 *)
f) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, VIII« 1857, Seite 162.
20
Verhandlungen.
[2]
eine Mittheilung machte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die eben erwähnte
und die von Herrn Kleszczynski bekannt gegebene Erscheinung analog sind,
und beide derselben Eruption ihren Ursprung verdanken.
Herr k. k. Bergrath Fr. v. Hauer gab eine Schilderung des Burzenländer
Gebirges in Siebenbürgen, d. h. der Bergmassen in der südlichen Umgebung von
Kronstadt. Schon in seiner äusseren Physiognomie unterscheidet sich dasselbe
wesentlich von dem in Westen sich anschliessenden, eine gerade westöstlich ver-
laufende Kette bildenden Fogarascher Gebirge. Seine Hochgipfel, an Höhe jenen
des Letzteren nur wenig nachstehend, krönen ungeheuere, aber durch tiefe Sättel
von einander geschiedene Berg-Kolosse, die nicht in gerader Linie an einander
gereiht sind, sich theilweise zu bedeutenden Hochplateaux erweitern, wie man sie
so häufig in den Kalkketten der AJpen antrifft, und so wie diese in prallen Wän-
den, deren Höhe nach Tausenden von Fussen misst, gegen die Ebene oder gegen
das niederere Bergland aus dem sie emporragen abdachen. Nur einige der höheren
Gipfel, darunter aber allerdings die höchsten, der Königstein (1174 Klafter) und
der imposante Bucsecs (1318 Klafter), liegen auf der Wasserscheide zwischen
den Zuflüssen des Alt im Norden und den Flüssen die in südlicher Richtung durch
die Wallachei der Donau Zuströmen; andere wie der Zeidner Berg (682 Klafter),
der Schüller (943 Klafter), der Piatra mare und P. mika finden sich nördlich von
dieser in mannigfaltigen Krümmungen verlaufenden Linie und sind durch Thäler,
welche die verschiedensten Richtungen einhalten, von einander getrennt.
Eine übersichtliche Schilderung der geologischen Verhältnisse dieses Gebir-
ges wurde bereits in Herrn v. Hauer's Reiseberichten (Jahrbuch der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt Band X, Verhandlungen Seite 107) gegeben; eine aus-
führliche und sehr werthvolle Beschreibung derselben hat inzwischen Herr Joseph
Meschendörfer in dem Programm des evangelischen Gymnasiums zu Kronstadt
für 1860 veröffentlicht. Nur Einzelnes noch ist diesen Arbeiten nachzutragen.
Dahin gehört vor Allem die Entdeckung einer petrefactenreichen Schichte, die
Herr D. Stur im vorigen Jahre bei einem Besuche des Bucsecs unter dem Sattel
Polizie auffand. Unter den mitgebrachten Stücken erkannte Herr Professor Suess
die Rhynchonella plicat ellci Sow., Terebratula sphaeroidalis Soic. und einen
Disaster , Arten, durch welche das Auftreten von braunem Jura, einer Formations-
gruppe, die im ganzen Lande bisher nicht bekannt war, nachgewiesen wird. —
Der Sandstein am Fuss der Kalkwand des Grohotisch (ebenfalls am Bucsecs), der
scheinbar den Jurakalk unterteuft, gehört nach genauerer Vergleichung seiner
freilich undeutlichen Petrefacten (Korallen, Bivalven, eine Nerinea) aller Wahr-
scheinlichkeit nach der oberen Kreide an. — Eine interessante Bereicherung der
Fauna des Kronstädter Neocomien endlich bilden schöne Exemplare des so
charakteristischen Belemnites dilatatus Blainv. und ein grosser Sphaerodus-
Zahn, wahrscheinlich zu Sph. neocomiensis Ag. gehörig, die sich unter den von
Herrn v. Hauer an der Fundstelle in der Vallje dracului bei Kronstadt gesam-
melten Fossilien befinden.
Herr H. Wolf berichtete über seine geologische Aufnahme des Terrains
zwischen Brünn, Boskowits und Olmütz, welche er als Theilnehmer an den
Arbeiten der Herren k. k. Bergräthe Foetterle und Lipoid, für den Werner-
Verein in Brünn im verflossenen Herbste auszuführen Gelegenheit hatte.
Als Träger des in diesem Terrain herrschenden Schichtencomplexes erscheinen
vornämlich die Eruptivmassen des Syenites zwischen Brünn und Boskowitz, welches
Gestein in einer ganz kleinen Partie zwischen Rittberg und Gross-Latein, eine
Meile SW. von Olmütz, noch einmal zu Tage trilt, und dann der Granit von
Krzmann anderthalb Meilen SSO. von Olmütz. Ueber der letzteren Partie sieht
Sitzung vom 26. Februar. H. Wolf.
21
[3]
man die geringen Reste eines Glimmerschiefers, und über jener bei Gross-Latein
die eines Glimmer- und Urthonsehiefers, Phyllites, welcher bei Rittberg selbst
noch von quarzitartigen Sandsteinen bedeckt wird. Aehnliche Quarzitsandsteine
treten in grösserer Mächtigkeit an der Ostgrenze des grossen mährischen Syenit-
stockes, dreiviertel Meilen nordöstlich von der Eisenbahnstation Raitz zwischen
Ratikow und Petrowitz auf. Sie werden begleitet von verschiedenfarbigen, oft
talkigen und graphitischen Schiefern, denen ein graulichweisser, haibkrystalli-
nischer feinsplittriger Kalk mit Brauneisensteinzügen eingelagert ist. Diese
Schichtenreihe verschwindet von Nord gegen Süden immer mehr und mehr
unter jüngeren Gesteinen, so dass sie bei Babitz nur mehr durch eine 1 Fuss mäch-
tige Schichte repräsentirt ist. Schon ungefähr vor 30 Jahren hatte Herr Freiherr
v. Reich enba c h in seiner Schrift „Geologische Mittheilungen aus Mähren“ diese
Schichten unter dem gemeinsamen Namen Lathon beschrieben und auf das
Genaueste in einer beigegebenen Karte begrenzt. Sie müssen wohl auch ferner
noch von den darüber folgenden mächtig entwickelten Kalken getrennt und als
ein selbstständiges Formationsglied festgehalten werden. Das nächst jüngere
Gebirgsglied bilden die Kalke zwischen Lösch und Slaup, welche in einer 2 bis
3000 Klafter breiten Zone dem Terrain jenen grotesk-romantischen Charakter
verleihen, der gewöhnlich, durch die Benennung „Mährische Schweiz“ versinn-
licht wird. Aehnliche Kalke finden sich noch bei Rittberg, Gross-Latein, Nebetein,
und in der Tiefenlinie des March- und Beczwaflusses, bis Krzmann, Kokor,
Przedimost, Winar und Sobieschek, nördlich von Prerau, dann bei Weisskirchen
und Zbraschau. Es sind dies nur mehr einzelne Rudimente einer grösseren einst
im Zusammenhänge gestandenen Kalkformation. Mit Ausnahme von Rittberg,
Hadiberg und Babitz liefert dieselbe wenig Bestimmbares an Petrefacten. Diese
Punkte geben die Leitversteinerungen zur richtigen Feststellung des geologischen
Horizontes des Kalkes. Nach dem bei Rittberg aufgefundenen String ocephalus
Burtini ist er mit den Eitlerkalken des rheinischen Systems zu paralle-
leren und als ein unteres Glied der Devonformation zu betrachten. Bei Kiritein,
Jedownitz und Ostrow findet sich im Hangenden dieser Kalke ein schmaler Zug
von aus grüngefleckter, in gelbe, rosa und dunkelrothe Färbung übergehendem
Marmor, welcher einzelne Trümmer und Geschiebe des tieferen Kalkes ein-
schliesst. Versteinerungen wurden in ihm nicht entdeckt, aber er ist petrogra-
phisch ganz gleich mit jenem, welcher in k. k. Schlesien im Bezirk Hotzenplotz
bei Nieder-Paulowitz in einem Schurfschachte auf Kohlen angefahren wurde und
in dem Herr Professor Goeppert Clymenien fand, die seine Einreihung in die
oberen Glieder des Devonsystems bestimmen. Eine mächtige Schichtenreihe von
wechselnden Schiefer und Sandsteinlagen, manchmal mit Conglomeraten begin-
nend, bedeckt in übergreifender Lagerung die bisher genannten Formations-
glieder. Allgemein unter der Bezeichnung Grauwacke bekannt, bildet sie in
Mähren und Schlesien eben so grosse Flächenräume, wie die Sandsteine des
Karpathenzuges. Die eingelagerten Schiefer begründen die grosse mährisch-schle-
sische Dachschiefer-Industrie zwischen Olmütz und Troppau. Von den hohen
Sudeten im Norden ist ihr Verbreitungsgebiet durch eine bedeutende Depression
unterschieden, sie setzt ein weites Plateau zusammen, welches von West gegen
Ost sich allrnälig senkt, und endlich in einer Terrassenstufe gegen das Terrain
der miocenen und diluvialen Ablagerungen abstürzt. Die westliche Grenze dieses
Plateaus wird gebildet durch eine Linie, aus der Gegend von Neustadt in Preussisch-
Schlesien nach Johannesthal inOesterreichisch-Schlesien und von hier weiter gegen
Süden durch die Orte Röwersdorf, Heinzendorf, Kronsdorf, Lichten, Spachendorf,
Herzogswald, Bautsch, Domstadtl, Olmütz, Könitz, Jessenetz, Beneschau, Slaup.
22
Verhandlungen.
W
Die Ostgrenze wird eben durch die vorerwähnte Terrassenstufe gebildet,
in eiuer ganz geraden hei 15 Meilen langen, von SW. gegen NO. hinziehen-
den Strecke zwischen Brünn und Hultschin bis an den Rand des Ostrauer
Steinkohlenbeckens. Von Herrn Prof. Göppert wurden die Pflanzenreste
dieser Schichten bei Grätz, Jägerndorf und Hotzenplotz als gleichartig mit
jenen von Hainichen in Sachsen und dann aus dem Posidonomyenschiefer bei
Herborn und Eimelsrode in Nassau erkannt.
Die volle Identität der mährisch-schlesischen Grauwacke mit den Posido-
nomyenschiefern von Herborn ist aber erst erwiesen durch die Funde von Gonia-
tites crenistria , durch die Herren v. Hauer und Dr. Hörn es bei Schönstein
nächst Troppau, und von Posidonomya Bechert bei Morawitz und Waltersdorf
durch Herrn Wolf. Johannesfeld und Bleischwitz sind nach den Angaben der
Herren Goeppert und Römer Fundorte der gleichen Pflanzenfossilien. Ferner
fanden noch die Herren v. Hauer und Dr. Hörn es dergleichen bei Austy nächst
Weisskirchen, Hruschka an der Seibersdorfer Mühle bei Domstadtl, dann noch
Herr Prof. Heinrich an der Kritschenmiihle bei Lösch. Ueberall ist Calamites
transitionis Goepp. das herrschende Fossil.
Die den Posidonomyen-, oder Culmschichten nächstjüngeren Formations-
glieder des untersuchten Gebietes sind schon die oberen Jurakalke bei Brünn
und Blansko. Diese hat bereits Herr Prof. Reuss näher beschrieben.
Herr Wolf legte ferner aus einer grösseren Einsendung des Herrn Thomas
Ambros, k. k. Waldbereiters in Berzowa im Maroschthale (Arader Comitat),
mehrere Gcbirgsarten vor, darunter sind: Gypse von Dombrovitza, Basalt
von Bänya-Vamfalu im Szathmarer Comitat; Pflanzenabdrücke aus dem Thale
der Sebes Körös; Cerithiensandstein von Boros Sehes; Leithakalkpetrefacten
von Kresztamenes und Felmenes im Süd-Biharer Comitat; Kreidesandsteine
von Milowa und Berzowa; Thonschiefer und Glimmerschiefer aus dem Gebiete
zwischen Vilagos und Solymos im Arader Comitat. Es sind dies ausgewählte
Stücke aus einer Suite von 282 Nummern, die Herr Ambros während seiner viel-
fachen und wiederholten Reisen als Forsttaxator des provisorischen Grundsteuer-
katasters in Grosswardein zu Stande bringen konnte.
Die Zusendung enthält Musterstücke von allen in den Comitaten Szathmar,
Nord- und Süd-Bihar und Arad vorkommenden Gesteinen. Namentlich war es
sehr erwünscht, aus den Gebieten der Feher- und der Fekete Körös Einiges zu
erhalten, da diese Flussgebiete in die Uebersichtsaufnahme des verflossenen
Jahres nicht einbezogen wurden, weil schon die Copie einer geologischen Karte
dieses Terrains vorlag, welche Herr Prof. Peters vor zwei Jahren als Mitglied
der naturwissenschaftlichen Commission zur Erforschung des Biliarer Gebirges
entworfen hatte, zu welcher aber noch die Belegstücke fehlten. Nun sind auch
diese erworben.
Zum Schlüsse legte Herr Wolf mehrere Fragmente von Schenkelknochen
eines Mastodonten aus den Steinbrüchen in den Cerithiensandsteinen von Atzgers-
dorf bei Wien vor. Aehnliche Reste wurden auch schon aus gleichen Schichten
in den Steinbrüchen an der Türkenschanze von Herrn Letocha gefunden. Diese
Knochenstücke verdankt die Anstalt Herrn Johann Fichtner, Oekonomie- und
Fabriksbesitzer in Atzgersdorf, der bereits hei seinen industriellen Unterneh-
mungen manchen interessanten Fund gemacht und ihn für die Wissenschaft
gerettet hat.
Herr k. k. Bergrath Fötterle legt nebst andern Druckschriften auch das
eben erschienene Montan-Handbuch des österreichischen Kaiserstaates für 1861
vor, herausgegeben vom k, k. Rechnungsrath Johann Bapt. Kraus. Nach einer
Sitzung vom 26. Februar. Dr. Ferdinand v. Hochstetter.
23
[8]
Unterbrechung von drei Jahren wird nun dieses Handbuch mit specieller Bewil-
ligung und Unterstützung mit amtlichen Eingaben, als 19. Jahrgang der ganzen
Reihe vom Jahre 1838 an, von Herrn Kraus, dem diese bisherige Reihe zu
danken ist, fortgesetzt werden. Diese Unterbrechung hatte das Bedürfnis des-
selben erst recht augenfällig gemacht, da es bei der in letzterer Zeit so bedeu-
tend entwickelten Montan-Industrie in Oesterreich an einem derartigen Mittel-
punkte, wo sich Fachgenossen so leicht wiederfinden, fehlte.
Herr k. k. Professor Dr. F. v. Hochstetter machte eine Mittheilung aus
einem Schreiben des Herrn Georg Ulrich, Geologen des „Geological Sarvey
Office“ in der Colonie Victoria in Australien datirt: „Geological Survey Camp,
Strathloddon Nov. 20. 1860.“
„In dem Systeme unserer geologischen Aufnahmen ist seit Ihrer Abreise
nichts geändert worden: das Parlament hat die alten Salaire wieder bewilligt
und Mr. Selwyn’s Anordnungen gut geheissen und so schreiten wir denn noch
in derselben Weise, wie sie es sahen, mit unserem Kartenmachen vorwärts.
Strathloddon, seit einigen Monaten unser Campplatz, liegt 6 Meilen südlich
von Castlemaine und in der Mitte unserer neuen, 34 engl. Quadratmeilen grossen
Kartenarea, in der ich schon ziemlich alle Hügel bestiegen und die Thalrinnen
durchlaufen habe. Silurisehe Sandsteine wechsellagernd mit dünnen Quarzfels-
bänken und den weichen weissen Schlammschiefern bilden das ewige Einerlei
der Schichten und mit Ausnahme einiger Fucoiden und des im Allgemeinen sel-
tenen, hier häufigen Graptolitus Folium sind auch die Versteinerungen dieselben
geblieben wie die von Castlemaine. Ich muss jedoch erwähnen, dass die unvoll-
kommenen Abdrücke, die wir bisher für Lingula hielten nach einigen am Loddon
gefundenen, deutlichen Exemplaren von M’ Coy für Hymenocaris vermicauda
erkannt wurden — ein Krebs, der sich auch in den silurischen Schichten von
Wales in ähnlicher Weise vorfindet. — Die Go Id seifen treten in diesem
Districte in weit grossartigerer Entwicklung auf, als in der Nähe Castlemaine's
und ihre nähere Untersuchung hat mich jetzt ganz in meiner früheren Ansicht
befestigt, dass man die Drifts nicht, wie Selwyn in 5, sondern in 3 Abtheilun-
gen — und diese kaum nennenswerthe geologische Zeiträume der Tertiär-
Epoche (?) repräsentirend — bringen kann: ältere, mittlere und jün-
gere Gol d drifts.
Von diesen begreift die ältere Abtheilung nur kuppenförmige Aufsätze
harter Conglomerate oder sehr fester Geröllschichten von gänzlich gerundeten
Quarzstücken (andere Gesteinsfragmente sind selten) auf meistens isolirten silu-
rischen Hügeln. Die zweite Abtheilung begreift ebenfalls Driftkuppen auf
isolirten Hügeln, dieselben sind aber viel niedriger als die der älteren Abthei-
lung, ferner Ablagerungen von Drift an den Abhängen der älteren Hügel und die
sogenannten tiefen Lead’s. Im. Charakter ist diese Abtheilung von der vorigen
hauptsächlich darin verschieden, dass das Material in Bezug auf Grösse und
Schwere der Gesteinsfragmente weniger regelmässig abgelagert und selten sehr
hart conglomerirt ist, dass Thonlagen , die in der älteren Abtheilung gänzlich
fehlen, hier häufig auftreten und dass besonders der „Gravel“ ein Gemenge
gerundeter und kantiger Quarz- und anderer Gesteinsfragmente ist, zwi-
schen denen sich häufig grössere und kleinere Brocken des älteren Hügelconglo-
merates vorfinden. — Das Ganze scheint überhaupt das Product einer zweiten
starken Abwaschung der angrenzenden Höhen, vermischt mit Resten zerstörter
älterer Driftablagerungen zu sein. — Die dritte oder jüngere Abthei-
lung endlich ist die von dem Digger „Alluvial“ genannte Ablagerung, welche
sich in jeder „Gully“ und „Flat", aus ohne Regelmässigkeit abwechselnden
24
Verhandlungen.
[«]
Sand-, Thon- und meist kantigen „Gravelschichten“ bestehend, vorfindet. Nur
wenn Gullies oder Fiats dicht neben älteren Driftablagerungen entlang laufen
oder dieselben durchbrochen haben, ist auch gerundeter Gravel darin enthalten.
Nachfolgende zwei Durchschnitte werden diese relativen Lagerungsverhältnisse
noch anschaulicher machen. *
(• Aelterer Golddrift 250 bis 260 Fuss hoch. 2. Mittlerer Golddrift 100 bis IjO Fuss hoch. 3. Jüngerer Golddrift.
4. Harter grauer silurischer Sandstein. 5. Weicher weisser silurischer Schieferthon.
F.g. 2.
White Hill.
Ballaarat Hill.
Back Creek — Daisy Bill.
1. Aelterer Golddrift. 2. (Gravels) Gerolle und Sand, mittlere Golddrift, tiefe Leads 30 bis 60 Fuss mächtig, die
oberen 20 bis 30 Fuss bestehen aus schwarzem bituminösem Thon, daher Black leads genannt. 3. 25 bis 30 Fuss
schwarzer bituminöser Thon. 4. Jüngerer Golddrift. 5. Weicher weisser silurischer Schiefer. 6. Basalt.
Die einseitig terrassenförmige Contour, welche das Hauptthal der Campbells
Creek zeigt, wiederholt sich ganz in derselben Weise auch an Freyers Creek,
Creswick’s Creek und mehreren anderen Plätzen und ist insoferne eine merk-
würdige Erscheinung, als die Auswaschung aller dieser jetzigen Creeks gerade
in den harten silurischen Sandsteinen stattgefunden hat. Der Abstand im Niveau
zwischen dem älteren und mittleren Golddrift ist besonders auffallend am Freyers
Creek: dort bildet z. B. der Welsh Mountain einen ziemlich steilen abgestumpf-
ten Kegel, dessen 20 bis 30 Ellen im Durchmesser haltender flacher Kopf eine
12 bis 16 Fuss mächtige Kuppe von Quarzconglomerat und schwerem gerun-
deten Quarzgravel trägt, aus dem viel und starkes Gold erzielt wurde, und welche
wenigstens 130 Fuss über dem mittleren Golddrift liegt, der sich am Fusse des
Hügels als eine schmale Ebene hinzieht, die seitwärts durch das mit jüngerem
Golddrift gefüllte Thal der Freyers Creek begrenzt und weiter fort vom Basalt
überlagert ist. An den Seiten des Hügels herab bis zu dieser Driftebene findet
man allenthalben Conglomeratbrocken, grosse Quarzkugeln und Waschgold —
(d. h. dieses war einmal zu finden, ehe der Digger es auswusch!) — Spuren
zerstörter älterer Anschwemmung, d. h. der ganze Mantel bildet einen sogenann-
ten „Surface patch.“ — In Betreff des Daisy Hill- Durchschnitts muss ich
bemerken, dass die breite Ebene („Flat“) die Linie der älteren Drifthügel bei-
nahe rechtwinklig durchbricht und dass die drei angedeuteten einander parallel
laufenden tiefen Leads (Gutters) erst in diesem Durchbruch anfangen abbau-
würdig Gold zu enthalten, im Plan ungefähr wie Fig. 3.
cn
Sitzung vom 26. Februar. Dr. Ferdinand v. Hochstetter.
25
Der Hauptgrund, der
mich dazu veranlasst, die
tiefen Leads mit der jün-
geren Hügelanschwem-
mung für gleichzeitig zu
halten, ist nun folgender:
An allen Plätzen, wo tiefe
Leads mit älteren Hügeln
auftreten, fehlen die jün-
geren Hügel, und umge-
kehrt, wo diese Vorkom-
men, sind keine tiefen
Leads zu finden, ich be-
haupte desshalb , dass
beide Formen der An-
schwemmung das Product
einer und derselben combinirten Denudations- und Depositionsperiode sind,
nur gegenwärtig in Lagen modificirt erscheinend, in Folge von Localitäts- und
anderen Verhältnissen (Charakter des Bodens u. s. w.), welche auf die Art oder
Weise der Ablagerung des jüngeren Goiddrifts einen Einfluss ausübten. Zwar
ist der Grund, auf den diese Behauptung sich stützt, ein indirecter, er bekommt
aber dadurch Gewicht, dass die andere Annahme, nämlich von zwei verschiedenen
Zeitperioden für die Bildung der jüngeren Hügel und Leads, wie mir zum wenig-
sten scheint, gar nicht bestehen kann; denn wie sollte man sich z. B. erklären,
dass die Gewässer, starke oder schwache, die das Campbells-Creek-Thal aus-
wuschen und dort die jüngeren Hügel bildeten, oder vielmehr derZeitraum, in
dem dieses bewirkt wurde, ohne Spuren ähnlicher Wirkungen in dem kaum
11 Stunden davon entfernten Daisy Hill vorübergegangen, oder dass umgekehrt
die Agentien, die an diesem Platze die tiefen Leads bildeten, nur local ohne Ein-
fluss auf das nahe Campbeils Creek Goldfeld gewesen?
Der Umstand, dass die Leads sich nur in sehr breiten Fiats finden, deren
Boden durchschnittlich aus den weichen Schlammschiefern besteht, lässt mich die
Verschiedenheit in den Ablagerungsverhältnissen der jüngeren Hügel und Leads
beziehungsweise zum jüngeren Golddrift daher erklären, dass, wie eben die
Ausdehnung der Lead-Flats beweist, vielleicht stärkere Gewässer an diesen
Plätzen wirkten, oder dass auch bei schwächeren der Effect in den weichen
Schiefern viel grossartiger und weitgreifender, in Wirklichkeit so ausgedehnt
war, dass die späteren Fluthen der neueren Golddrift-Periode Baum hatten, sich
auszubreiten und so ihr Material über die Lead-Geschiebe zu deponiren, ohne,
wie an Campbells Creek u. s. w. sich seitliche Canäle zu graben.
Dem in diese Zeit fallenden Hervorbrechen der ausgedehnten Ströme des
jüngeren Basalts möchte auch ein nicht unbedeutender Einfluss auf die Erzeugung
jener besonderen Lagerungsverhältnisse der Drifts beigemessen werden können.
Manche der breiten Lead-Flats zeigen z. B. ganz offenbar, dass sie früher durch
Basalt abgedämmt waren, also zur Aliuvial-Zeit, und so lange, bis der jetzt vor-
handene enge Canal durch den Basalt gegraben war, gewissermassen kleine
Binnenseen bildeten, in denen weniger eine Denudation als vielmehr ein ruhiger
Absatz des Alluviums stattfinden musste. An anderen Plätzen scheinen die
Wasserscheiden der Creeks durch Basaltströme ganz geändert zu sein. Nur bei
einem, nämlich dem Ballaarat Goldfelde, bin ich in Betreff des Alters der dort
in grosser Anzahl auftretenden tiefen Leads zweifelhaft. Nach Mr. Selwyn sollen
K, k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. d
Fig. 3.
Daisy Hill Durchschnitt.
a Basalt, b White Hill, c Red Hill, d Ballaarat Hill, ef der Durchschnitt,
g Anfang der abbauwürdigen Goldführung.
26
Verhandlungen.
[8]
nämlich daselbst keine älteren Hügel vorhanden sein und es wäre desshalb mög-
lich, dass diese Leads mit den älteren Hügeln anderer Diggings gleiches Alter
hätten, wobei man annehmen könnte, dass der steil ravinenartige Charakter der
Lead-Thäler, sowie die vorhandenen starken Decklagen von Basalt eine ähnliche
Niveau-Veränderung, wie bei jenen d. i. von Thal zu Hügel verhinderten. Indess
scheint mir diese Erklärung etwas zu problematisch und ich habe einige Zweifel
in die Richtigkeit von Mr. Selwyn’s Behauptung, indem ich mich erinnere, bei
einem früheren kurzen Besuche von Ballaarat, im oberen Theile des Goldfeldes
hügel artige Diggingsplätze gesehen zu haben. Jedenfalls wird mich nächstens
ein anderer längerer Besuch hinreichend über diesen Punkt belehren. Nur zum
Schlüsse dieses noch die Mittheilung einer interessanten Entdeckung, auf die sich
das oben hinter „Tertiärepoche44 bemerkte Fragezeichen bezieht.
Unser College Daintree hat nämlich bei seinen Untersuchungen im Bachus
Marshdistricte (30 — 40 Meilen von Melbourne nach den Goldfeldern zu) unter
den oolithischen (?) Kohlensandsteinen anstehende und unmittelbar auf dem
Silurian ruhende Quarzconglomerate gefunden, die sich, einen Goldgehalt (der
aber nicht geprüft) abgerechnet, in nichts von den Conglomeraten der älteren
Hügel unterscheiden, und was das Merkwürdigste, die in bergigen Districten,
zuweilen noch mit Kohlensandstein dünn überlagert, jedoch meistens ganz frei,
die Kuppen von Hügeln bilden, welche, wie Daintree sich ausdrückt: „ look
for all the world like the old drift hills of the diggings 44 . Bringt man nun mit
dieser Thatsache noch die andere in Verbindung, dass in einer Mulde des Coli-
banthales nahe Kyneton und 1800 Fuss über dem Niveau der See ein kleiner
Fleck von Kohlensandstein vorkommt, so ist doch gewiss die Frage aufzuwerfen,
stehen nicht die bei dem nur einige Meilen von diesem Punkte entfernten Tara-
dale Goldfelde auftretenden älteren Hügel zu diesem , dem Coliban-Kohlensand-
steine, in derselben Beziehung wie die Conglomerate von Bachus Marsh zu dem
dortigen Kohlensandstein? Daintree und ich sind hierüber derselben Meinung;
uns scheint ein Zweifel an das tertiäre Alter der älteren Golddrifthügel sehr
gerechtfertigt; Mr. Selwy n undAplin schwanken und wagen sich nicht bestimmt
auszuspechen; Revd. W. B. Clarke von Sydney dagegen, dem ich meine
Ansichten bei seinem Besuche hier vor einigen Monaten mittheilte, war damals
sehr damit einverstanden und erwähnte selbst eines Vorkommens von goldhal-
tigem Congiomerat der Kohlenformation an der Sydneyseite. Sein kürzlich
erschienenes Buch über die Goldfelder Sydney’s zeigt mir jedoch, dass er leider
meine Idee falsch aufgefasst hat, indem er sagt, ein member of the geological
snrvey of Victoria habe ihm mitgetheilt, dass es sehr wahrscheinlich sei, die
älteren Golddrifts der Diggings seien theilweise Reste von zerstörtem „ Car -
boniferous Conglomerate“. — Findet Daintree bei seinem jetzt wieder
begonnenen Survey am Bachus Marsh Gold in den Conglomeraten und kann er
dieselben mit den alten Golddrifthügeln von Mt. Biackwood, dem nächsten Gold-
felde, in Verbindung bringen, so gebe ich jener Lesart von Clarke allerdings
Beifall, jedoch nur insofern, als ich unter Clarke’s älterem Golddrift die jün-
geren Hügel und Leads verstehen würde, die theilweise aus dem Material zer-
störter älterer, d. h. Carbonifer o us- Hügel bestehen.
An mineralogisch Neuem ist die Entdeckung von Diamanten am
Ovens-Goldfelde von besonderem Interesse. Der zuerst gefundene von Erbsen-
grösse erregte sogar eine Discussion im Parlament. Beinahe wäre es zur Ver-
flüchtigung des Steines gekommen, hätten sich die Leutchen nicht mit dem
Bericht des Chemikers Ford, der die Härte und das specifische Gewicht des
Steines als mit dem des Diamanten übereinstimmend nachwies, zufrieden gege-
Sitzung vom 26. Februar. Dr. Ferdinand v. Hochstctter,
27
[9]
ben. — Die Krystallform, ein reines Pyramidenoktaeder mit Oktaederabstumpfun-
gen , so wie die besonders charakteristische Wölbung der Flächen Hessen
übrigens den Diamanten auf den ersten Blick erkennen. Das Vorkommen von
Edelsteinen im Golddrift erregt überhaupt seit Kurzem hier grosse Aufmerksam-
keit und Saphire, Hyaci nthen, Topase u. s. w. sind schon von verschiedenen
Diggings bekannt geworden.
Auch ich habe mich kürzlich in dieser Hinsicht etwas um die Mining Com-
munity verdient gemacht, indem ich durch die Zeitung die Aufmerksamkeit der
Digger auf das ausserordentlich häutige Vorkommen von Saphiren und Hya-
cinthen, seltener orientalischen Rubinen im älteren Golddrift des Loddon River
gerichtet habe.
Meist in jedem Findish, der vom Boden der Anschwemmung gewaschen
wird, finden sich diese Edelsteine und gar nicht selten klar, von schöner Farbe
und Linsen- bis Erbsengrösse. Von Letzteren besonders bin ich überzeugt, dass
man noch schöne grosse Exemplare tinden wird, indem die meisten Körner die
ich sah, nach einzelnen Krystallflächen und Blätterdurchgängen zu urtheilen, von
grösseren durch die Reibung, vielleicht auch durch die Arbeit im Drift zer-
brochenen Krystallen herstammen. Die Zirkone sind meistens vollkommen,
jedoch nur sehr einfache Krystalle; ich besitze einen, der, was gewiss nicht
häufig, ein reines Quadrat-Oktaeder ist. Ein anderes seltenes Vorkommen von
Zirkon, was ich in keiner Mineralogie bemerkt gefunden habe, sind säulenförmige
Krystalle, die Dichroismus zeigen : gegen die Seite gesehen sind dieselben näm-
lich wasserklar, in der Richtung derselben aber schön smaragdgrün. — In
Betreff der ursprünglichen Lagerstätte sowohl der Saphire als der Zirkone hege
ich keinen Zweifel, dass dieselbe ein sehr alter stark verwitternder Basalt am
obern Loddon-River ist, da ich schon früher, sowohl aus dem basaltischen Thon
des Basalt-Escarpments, als auch aus einer weichen weisslichen, zwischen harten
Basaltlagen eingeschlossenen Wackenschicht Zirkone und seltener kleine Saphir-
körner ausgewaschen habe. An anderen, uns bisher hier unbekannten Mineralien
kann ich Chabasit erwähnen, den ich in einem sehr harten Anamesit ähnlichen
Basalt, in der Nähe der Clunes Diggings, in kleinen Nestern mit Aragonit fand.
Ferner erkannte ich Analcim in einem Office-Handstücke von Basalt* Mandelstein
von Philipp Island, die Krystalle sind ziemlich wasserklar und beinahe von
Erbsengrösse. — Der interessanteste und nur erst vor Kurzem von Mr.
W i l ki nson gemachte Fund ist indess der einer mir gänzlich unbekannten, wenn
nicht neuen Zeolith-Species, der Chabasit-Familie, in einem Basaltbruch nahe
Melbourne. Der übersendete Krystall (so isolirt sind sie indess eine Seltenheit)
zeigt Ihnen das regelmässige Vorkommen, von dem ich noch keine Abwei-
chungen gesehen habe, ausser dass die in den Ecken des Sechseckes durch
Krümmung der geraden Endfläche angedeuteten Flächen als kleine Dreiecke
(Rhomboederflächen?) deutlicher hervortreten. Wären die verschiedenen ein-
springenden Winkel (die Sie bei genauer Besichtigung finden werden) nicht
durchgängig an jedem Krystalle deutlich zu sehen, so wäre ich geneigt das
Mineral für Gmelinit ohne die Säule zu halten, bei diesem habe ich indess, soviel
ich mich erinnern kann, nie einspringende Winkel gesehen, obwohl man
annimmt, dass auch seine Form von Rhomboeder-Durchwachsungen herrührt.
Beim Levyn ist die Zwillingsbildung total anders. Herschelit und besonders
Ledererit stehen dem fraglichen Minerale wohl am nächsten; ohne Reflexions-
Goniometer lässt sich indess keine Bestimmung machen. — Eine besonders
merkwürdige Eigenschaft der Krystalle ist ferner, dass sie zu den schönsten
einfachen und Doppelkreuzen, Harmofom ähnlich, verwachsen; prehnitähnliche
d *
28
Verhandlungen.
[10]
Verwachsungen nach der geraden Endfläche, wie sie der Herschelit zeigen soll,
sind sehr selten. Blätterbrüche habe ich mit der grössten Mühe und Sorgfalt
nicht hervorbringen können. Bei Anstellung einer oberflächlichen qualitativen
Analyse gelatinirte das Mineral; und ich fand viel Thonerde und Kalk, weniger
Alkalien (somit wieder nur Annäherung an die Gmelinitreihe). Bei einem baldigen
Besuche Melbournes werde ich hoffentlich eine quantitative Analyse machen und
Ihnen dann bessere Resultate mittheilen können. — Ein anderer Fund von
mineralogischer Wichtigkeit ist der eines Stückes gediegenen Zinkes (nach
Dr. Macadam chemisch rein) — des nunmehr dritten — im jüngeren Gold-
drift von Cresweck’s Creek.
Ausserdem sind kürzlich zu Queenscliff, wo nach Kohlen gebohrt und
geschürft wird, nun schön erhaltene auf oolithisches Alter hinweisende Pflanzen-
abdrücke gefunden worden, unter andern mehrere Arten von Taeniopteris , von
denen eine, ich glaube Nilssoniana, englische und deutsche oolitische (Keuper?)
Kohlenschichten bestimmt charakterisirt, eine neue Species hat M’ Coy nach
meinem Collegen Daintree, der sie zuerst gefunden „ Taeniopteris Daintreei“
genannt.
[1]
Sitzung vom 12. März. M. V. Lipoid. Jokely.
29
Sitzung am 12. März 1861.
Herr Director W. Haidinger im Vorsitz.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid gibt die Uebersicht des Inhaltes einer
Abhandlung, welche Herr Sectionsgeologe Joh. Jokely für die Sitzung vorbe-
reitet hatte, die er aber durch Unwohlsein verhindert war, persönlich vorzutragen.
Sie betrifft die Gliederung und die Lagerungsverhältnisse des Rothliegenden im
westlichen Theile des Jiciner Kreises in Böhmen.
Herr Jokely theilt das Rothliegende am Südrande des Riesengebirges,
welches bereits durch die Arbeiten der Herren Dr. F. Ambr. Reuss, F. X. M.
Zippe, Dr. A. E. Reuss, Dr. B eyrich und Emil Porth bekannt war, in drei
Etagen. Die untere Etage besteht aus Conglomeraten mit seltenen Schiefer-
thonlagen, und aus Sandsteinen, die nach oben in eine 30 Klafter mächtige
Schieferthonablagerung übergehen. Letztere führt mehrere Mergelbrandschiefer -
flötze mit bisher nicht bauwürdig befundenen Schwarzkohlen, Thoneisensteinen
und Sphärosideriten, seltenen Kupferspuren, aber reich an Fisch- und Pflan-
zenresten. Die mittlere Etage ist durch Arkosen-Sandsteine mit häufigen
Araucariten und durch dünnschiefrige gebänderte Sandsteine mit glimmerreichen
Schieferthonen und Bänken von Mergelkalkstein ausgezeichnet. Sie ist arm an
organischen Resten, über die Glieder der unteren Etage übergreifend gelagert,
und besitzt die grösste Verbreitung. Die obere Etage ist aus braunrothen und
ziegelrothen sandigen Schieferthonen mit untergeordneten Sandsteinlagen zusam-
mengesetzt. Sie enthält ebenfalls mehrere Mergel- und Brandschieferflötze,
letzeremit einen Bitumengehalt von 23 — 450/0> und begleitet von Thoneisensteinen
und Sphärosideriten und von nicht abbauwürdigen Schnüren und Linsen an-
thraeitischer Schwarzkohle. Sie ist auch Kupfererz führend, reich an Fisch-,
aber arm an Pflanzenresten, über die Glieder der mittleren Etage übergreifend
gelagert, und findet sich nur in isolirten zum Theil zwischen die älteren Glieder
des Rothliegenden eingekeilten Lappen vor.
Einen wesentlichen Bestandteil des Rothliegenden in Nordwest-Böhmen
bilden die Melaphyre. Herr Jokely unterschied fünf Melaphyreruptionen oder
Melaphyrströme, die sich zwischen den Schichten des Rothliegenden abgelagert
haben, von welchen drei der unteren Etage und zwei der mittleren und oberen
Etage angehören, und von denen der ältere der beiden letzteren durch Mandel-
steine und Halbedelsteine ausgezeichnet ist. Ihre eruptive Natur ist erkennbar an
gangförmigen Durchbrüchen und Anastomosen, z. B. am Eisenbahndurchschnitt
zwischen Lewin-Oels und Roskopow, und an Durchbrüchen jüngerer Melaphyre
durch ältere, z. B. bei Rownacow. Auch Porphyre treten in geringer Verbrei-
tung zwischen Holenitz und Kozäkow, und zwischen Luzan und Aujest auf; ihr
Alter fällt zwischen die untere und mittlere Etage des Rothliegenden. Basalt
findet sich besonders am Kozäkow über Melaphyr ansgegossen, und in unbedeu-
tenden Durchbrüchen bei Stupnai, Radkin, Aujest, Kumburg, Bradletz vor.
Rücksichtlich des paläontologischen Charakters der Flora der unteren Etage
erwähnt Herr Jokely, dass dieselbe nach den Bestimmungen des Herrn Profes-
sors Dr. Unger von den bisher bekannt gewordenen Formen des Rothliegenden
abweichend, und grösstentheils mit den Steinkohlenpflanzen von Waldenburg,
Radnitz u. s. f. übereinstimmend ist. Herr Bergrath Lipoid bemerkt hiezu, dass
dieser auffallende Umstand wohl durch die ferneren Aufnahmen des Herrn Jokely
in der östlich anschliessenden Umgebung von Schatzlar aufgeklärt werden dürfte.
30
Verhandlungen.
[2]
lieber die Erzführung des Rothl i egenden, aus Malachit, Kupfer-
lasur, Kupferkies, seltener Kupferfahlerz, Kupferglanz, Kieselkupfer, Kupfer-
grün, Allophan und Schwärzen mit dem wechselnden Halte von i/2 — 30°/o
Kupfer und 3 — 4 Loth Silber bestehend, theilt Herr Jokely mit, dass mit Aus-
nahme bei Leopold (Hermannseifen) die häufigen bisherigen Untersuchungen
derselben nicht den günstigsten Erfolg hatten, woran die Art des Auftretens der
Erzführung Ursache ist, indem dieselbe nicht auf bestimmte Horizonte gebunden
ist, sondern ohne alle Regelmässigkeit in allen Schichten der 3 Etagen sich
vorfindet, und indem sie keiner ursprünglichen lagerartigen Gesteinsmasse eigen-
tümlich ist, sondern sich blos als eine secundäre Gesteiusimprägnation darstellt,
welche anscheinend durch Mineralquellen bewerkstelligt wurde, die in Folge
der zahlreichen Durchbrüche eruptiver Massen in Spalten zu Tag kamen.
Herr Jokely gibt ferner einige Remerkungen über die Verbreitung der
Araucariten-Stämme im Rothliegenden Böhmens. Herr Professor Dr. Göppert
bat die Kenntniss hierüber besonders erweitert. Die verkieselten Stämme von
Araucarites Schrollianus Göpp. gehören in das Bereich des Arkosensandsteins,
und sind besonders in der Umgebung von Pecka und Stupnai verbreitet. Herr
Jokely hat von Pecka für die k. k. geologische Reichsanstalt einen solchen
Stamm erworben, dessen Länge 24 Fuss betrug, und dessen Durchmesser 3
Fuss 2 Zoll beträgt. Einen ähnlichen, wenn gleich kleineren Stamm aus der
Schwadowitzer Gegend erhielt die Reichsanstalt schon früher von der nunmehr
verewigten regierenden Frau Fürstin Ida von Schaumburg-Lippe zum Ge-
schenke. Neuerlich hat Herr Professor Dr. G öppert unter den fossilen Hölzern
vom Kozinec bei Starkenbach, auch den in der permischen Formation Russlands
vorkommenden Araucarites cupreus Göpp. bestimmt.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid theilte, anschliessend an die vorange-
gebene Uebersicht des Herrn Jokely, die Erhebungen mit, welche er selbst im
verflossenen Sommer über das Rothliegende in der Umgebung von Schwarz-
kosteletz und Böhmisch-Brod im Prager Kreise gemacht hatte. Daselbst füllt das
Rothliegende eine zwischen dem Granit- und Gneissgebirge befindliche kaum i/2
Meile breite Bucht aus, welche sich südlich bis Skalitz erstreckt. Im Norden ist
das Rothliegende bis Kaunitz entblösst, von wo an jüngere Bildungen der Kreide-
formation und des Diluviums auftreten. Aber auch in dem Terrain, wo das Roth-
liegende vorgefunden wird , sind die Kreide- und Diluvialablagerungen sehr
bedeutend und das Rothliegende ist meist nur in den Thaleinschnitten sichtbar.
Die geringe Verbreitung und das unzusammenhängende Erscheinen des Roth-
liegenden zu Tag erschwerten in diesem Terrain die Sonderung der Schichten in
mehrere Etageu. Indessen haben Vergleichungen mit dem Rothliegenden am
Fusse des Riesengebirges dargethan, dass das Rothliegende im Böhmisch-Broder
Becken der mittleren und zum Theil der oberen Etage, wie selbe Herr
Jokely bezeichnete, beizuzählen sei. Mit Ausnahme der Melaphyre, so wie über-
haupt eruptiyer Gesteine, welche im Becken von Böhmisch-Brod nicht nachge-
wiesen wurden, finden sich daselbst dieselben Gesteinsarten vor, wie in der
mittleren und oberen Etage des Rothliegenden im Jiciner Kreise. Auch im
Böhmisch-Broder Becken finden sich in den tieferen Arkosen- und glimmerreichen
Sandsteinen und Mergelschiefern Kupfererze in ähnlicher Art vor, wie im Jiciner
Kreise und sind durch Bergbaue bei Tisnitz, Hrast und Peclow untersucht worden.
Ebenso treten in den oberen Schichten des Rothliegenden Mergel- und Brand-
schiefer mit Schnüren und Linsen von Schwarzkohlen auf, deren Untersuchung
auf ihre Abbauwürdigkeit nordöstlich von Schwarzkosteletz bei Dobropal am
Dobrowberg bei Ksel und mehreren Orten kein günstiges Resultat hatte. Fisch-
Sitzung wm t& März. Dr, G. Stäche.
31
[3]
und Pflanzenreste liefern die Mergelschiefer bei Peclow und sind dieselben
bereits durch Herrn Dr. A. E, Reuss als dem Rothliegenden angehörig erkannt
worden. Ein eigentbümliches Vorkommen von Pflanzenresten in Schiefern und
Sandsteinen, die petrographisch den Werfener Schichten der Alpen analog sind,
fand Herr Lipoid in einem Graben nördlich von der Strasse, die von Wolesetz
nach Malotitz führt. Die Pflanzerreste sind jedoch schlecht erhalten und lassen
keine specifische Bestimmung zu. Blätter von Araucariten haben einige Aehnlich-
keit mit Arauc. Agordicus Ung., welcher von Herrn Bergrath Fuchs in den
Venetianer Alpen vorgefunden wurde1).
Die Rothliegendschichten im Böhmisch-Broder Becken sind am Westrande
an den Graniten steil aufgerichtet und fallen durchgehends nach Osten ein, indem
sie sich gegen Osten immer flacher legen und in der Mitte des Beckens stellen-
weise auch ganz horizontal abgelagert erscheinen.
Geologische Karten und Handstücke zur Nachweisung der Gesteine wurden
für beide Mittheilungen vorgelegt.
Herr Dr. G. Stäche gab eine Schilderung des geographischen und geolo-
gischen Charakters der hohen Waldgebirge des Quellgebietes des kleinen Szamos.
Er deutete zunächst an, wie die symmetrische Vertheilung des geologischen
Materials in Siebenbürgen auch massgebend sei für die constante, zonenförmige
Aufeinanderfolge geographischer Formen. Man mag das Land, nach welcher der
vier Weltgegenden immer von seinem Mittelpunkt aus nach aussen durchschreiten
oder man mag von aussen über seine Grenzmarken nach Innen wandern, immer
wird man in die Lage kommen, die vier Haupttypen der geologischen Zusam-
mensetzung des Landes oder wenigstens drei derselben aus eigener Anschauung
kennen zu lernen und das durch sie bedingte Variiren der geographischen For-
men, des landschaftlichen Charakters und der ökonomischen Bedeutung der
durchwanderten Gegend zu beobachten. Aus dem merglig-sandigen jungtertiären
Meeresboden des Beckens, diesem, durch ein reiches und tief eingeschnittenes Netz
bedeutender Flüsse und unzähliger Bäche, sowie durch den Wechsel frucht-
barer Thäler und Berglehnen mit öden, steilen Hügelrücken und steilen Abstür-
zen und Gehängen und durch den Salzreichthum seines Bodens charakterisirten,
weit ausgedehnten Hügellande der Mitte gelangt man erst durch die schon durch
ihre schärferen Contourformen ins Auge fallende geographische Vorgebirgszone,
welche durch die kalkig-mergeligen Schichten der Eocenperiode gebildet wird
und durch den Wechsel von kleineren Eichen- und Buchwaldbeständen mit aus-
gedehnten Wiesenflächen und Ackerland, sowie durch den Reichthum an Kalk-
steinen und Gyps gekennzeichnet ist, in das Bereich der dritten landschaftlichen
Zone. Dieses ist die Zone der krystallinischen Gesteine, das noch an Urwaldun-
gen reiche, die Hauptkämme bildende Grenz- und Grundgebirge. Der vierte
geologische Haupttypus des Landes wird durch erzbringende Trachytgebirge
gebildet. Das Trachytgebirge ist jedoch im Westen in mehr zerrissenen Partien
durch das Land vertheilt, aber doch ist fast durchgehends sein Auftreten an das
Grenzgebirge und zwar vorzüglich an seine dem Eocengebirge zugekehrten Rän-
der gebunden. In grossen zusammenhängenden Massen tritt es im Osten auf. In
ökonomischer Beziehung ist dasselbe als erzbringendes Gebirge wichtig. Will
man die Rolle bezeichnen, die es für die Landschaft einnimmt, so könnte man
es das Gebirge der Diflerenzirung des geographischen und physiognomischen
Charakters der Gegend nennen.
O Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. II. Band. Abhandlung von
Fr. v. Hauer.
32
Verhandlungen.
w
In zwei früheren Vorträgen hatte Dr. Stäche bereits den Weg, von dem
Innern des Beckens nach aussen zu nehmend, insoweit es sein nordwestliches
Gebiet betraf, das jungtertiäre Hügelland und das eocene Randgebirge behandelt
und schritt nun in seinem Vortrage zur Behandlung der waldreichen krystalli-
nischen Grenzgebirge.
Die ungarische Benennung Erdelyorszäg (Waldland) und noch mehr der
lateinische Name Transsilvania passt noch jetzt für das Land, obwohl viel Wald
verwüstet wurde, seit der Zeit als das Land unter diesem Namen das erste Mal
genannt wurde. Trans silvam , über ein hohes und mehr oder minder breites Wald-
gebirge, krystallinischer Gesteine muss man fast immer passiren, nach welcher
Himmelsrichtung man auch in das Land hinein- oder aus demselben hinaus-
kommen will.
Besonders gilt dies aber für den Theil des westlichen krystallinischen Grenz-
gebirges, aus welchem die beiden Hauptzuflüsse kommen, die sich bei Gyalu an
dem nordöstlichsten Grenzpunkte der krystallinischen Gebirgsmasse zu dem
kleinen Szamosfluss vereinigen.
Die ganze, als ein gewaltiges Gebirgsviereck in das Innere des Landes vor-
springende Masse krystallinischer Gebilde besteht aus einem in der Hauptsache
von Süd nach Nord ziehenden Hauptrücken und drei sehr langgestreckten, gegen
NO. und Ost streichenden Seitenrüeken. Der Hauptrücken ist gebildet durch die
den Bihar mit dem Vlegyasza- (Vladiassia-) Gebirge verbindenden Gebirgsrücken,
welche die Wasserscheide vermitteln zwischen dem kleinen Szamos- und Aranyos-
flusse einerseits und der schwarzen und reissenden Körös andererseits. Derselbe
hat eine mittlere Höhe von 4500 bis 5800 Fuss. Der höchste nördliche Punkt, der
schon im Trachytgebirge der Vlegyasza liegt, die Vlegyasza selbst, übersteigt
5800 Fuss. Nur die nördliche Hälfte dieses Hauptrückens zwischen dem Balrina-
sattel und dem Muntiele Mare des Vlegyaszagebirges gehört mit seinen West-
abfällen unserem Gebiete an. Er entsendet von den bezeichneten beiden Punkten,
dem Batrinasattel und dem Muntiele märe zwei lange Seitenrücken bis zum
eocenen Randgebirge. Ein dritter mittlerer Seitenrücken zweigt sich von dem
südlichen Rücken ab und bildet gegen Gyalu in der Richtung WNW. hinziehend,
die Wasserscheide zwischen den beiden Quellflüssen des kleinen Szamos, näm-
lich zwischen dem kalten und warmen Szamos (hideg Szamos und melek Szamos).
Der südliche Längsrücken trennt das Wassergebiet des Aranyos von dem des
kleinen Szamos. Alle drei Längsrücken halten bis an ihre Grenzen mit dem
eocenen Vorgebirge in bedeutender Höhe und senken sich verhältnissmässig nur
wenig. Der nördliche Rücken oder der Rücken der Kucsulata hat im seiner Ver-
längerung bei Dongo ganz nahe dem Eocenen noch 2927 Fuss, der mittlere
Rücken, den wir als Rücken von Marisei bezeichnen, hat im Pap Nyerges seinen
nordöstlichsten Hauptgipfel über 3000 Fuss , der Tesnaberg an der östlichen
Grenze des südlichen Längsrückens mit dem 5051 Fuss hohen Dobrinaberge
erreicht sogar noch 3972 Fuss Seehöhe. Tief und steil sind daher auch die
engen, in manchen Partien förmlich kluftartigen Thäler des warmen und kalten
Szamos und der grösseren Nebenthäler dieser beiden Hauptthäler, wie z. B. das
des Rakato, der dem Hideg-Szamos zugeht, zwischen diesen hohen krystallinischen
Längsrücken eingesenkt. In ihrem mittleren Laufe ist ihr Bett von 1000 bis
1200 Fuss tief zwischen die steilen Wände und Gehänge derselben eingeschnitten.
Schwer ist es hier sowohl zu Fuss als zu Pferd durchzukommen, besonders wenn
die Wässer stark angeschwollen sind, denn man kann genöthigt sein, dieselben
mehr als zwanzigmal in einem Tage zu durchreiten. Weniger beschwerlich ist
der Weg über die langgezogenen seitlichen Längsrücken; denn hier führen gute
Sitzung vom 12. März. Dr. G. Stäche.
33
[«]
Saumpfade bis nahe an den Hügelrücken; aber man braucht 2 bis 3 Tage und
im Tage 12 Stunden scharf zu Pferde, um von der äussersten Ostgrenze des
Krystallinischen auf den Hauptkamm an der ungarischen Grenze im Westen zu
gelangen. Hier in der Nähe der in ungeheueren Strecken noch mit Urwaldung
bedeckten Gehänge des Hauptkammes macht der Wechsel grosser Strecken von
durch Windbrüche übergeworfenen, vermodernden Baumstämmen und von tief
morastigen Stellen das Fortkommen nicht wenig beschwerlich.
So einförmig im Ganzen die Längsrücken in landschaftlicher und in geolo-
gischer Beziehung sind durch die Einförmigkeit der Vegetation und der Gestein-
bildung, so interessant und reich an Naturschönheiten sind in vielen Partien und
besonders an ihrem Eingang die Thäler der warmen und kalten Szamos.
In geologischer Beziehung muss man den Hauptrücken von den drei Längs-
rücken trennen.
Der erstere nämlich besteht nur in seinen unteren Gehängen aus krystalli-
nischen Gesteinen. Den Hauptrücken bedecken rothe Schiefer, graue und röth-
liche Quarzsandsteine und vorzüglich Quarzbreccien von weisser oder roth und
weiss gefleckter Farbe (Verrucano), welche der unteren Trias angehören. Die
obersten Höhen und scharfen Längsgrate sind aus wohlgeschichteten schwärz-
lichen bis hellgrauen Kalken zusammengesetzt, welche jenen unteren Trias-
Schichten regelmässig auflagern und ebenfalls noch theils als untere, theils als
obere Schichten der Triasperiode aufgefasst werden müssen. Diese Kalkschichten
geben streckenweise der Gegend einen ganz karstartigen Charakter. Zum
grössten Theil sind sie jedoch noch bewaldet. Die tieferen Sandsteine bilden
weite, jsanftgewölbte, jedoch nur mit einem niedrigen Graswuchs und einer
wenig mannigfaltigen Vegetation bedeckte Ahnen.
An der Grenze dieser Sandsteine und der Kalke entspringen die meisten
Quellen dieser hohen Gebirgsgegend. Wo die Sandsteine und Conglomerate mit
Wald bedeckt sind, da sind Entwurzelungen ganzer grosser Strecken am häu-
figsten und ausgedehntesten. Auf dem Wege von der Kalyanasza nach dem Thal
des warmen Szamos bei Gyurkutza, welcher über den hohen, vorzüglich aus die-
sen Gesteinen bestehenden Bergrücken Kulme mare führt, hat man Gelegenheit
diese für den Wanderer nicht sehr erquickliche Beobachtung zu machen.
Das ganze Gebiet der drei seitlichen Längsrücken und der zwischen ihnen
eingerissenen Thäler dagegen besteht vorwaltend aus Glimmerschiefer und
Gneiss. Der Gneiss nimmt den mittleren Theil der ganzen Gebirgsmasse ein und
tritt vorzugsweise in dem mittleren Thalgebiete deutlich zu Tage. Ueber ihm
und zu beiden Seiten lagern zwei Glimmerschieferzonen, eine breitere westliche
und eine schmälere östliche. Der ganze mittlere Gneissstock ist durch einen von
Nord nach Süd, also die Längsrichtung der Thäler und Hauptrücken quer durch-
setzenden Granititzug durchbrochen und auf diese Weise gleichfalls in zwei
seitliche Zonen getrennt. Der Granitit zeigt in manchen Stücken die auffallendste
Aehnlichkeit mit dem Granitit des Isergebirges, den Herr Jokely von seinen
Aufnahmsreisen mitbrachte. Die gelblichen oder rosafarbnen Orthoklaskrystalle,
welche aus dem feineren Gemenge von Oligoklas, Quarz und grünlichschwarzem
Glimmer ausgeschieden sind , erreichen oft eine bedeutende Grösse und
Deutlichkeit. Jedoch gibt es auch Varietäten, wo sie ganz gegen die gleich-
mässig körnige Grundmasse zurücktreten oder ganz verdrängt erscheinen.
Die Grenze zwischen dem eocenen Ufergebirge und der krystallinischen
Hauptmasse wird durch eine Zone von Amphibolschiefern und Urthonschiefern
gebildet, welche mannigfach mit den Trachyten in Berührung kommt, welche an
der Grenze gegen das eocene Bandgebirge zum Durchbruch kommen. Diese Zone
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen,
e
34
Verhandlungen.
W
ist nicht ohne Interesse durch die Führung von Brauneisensteinen, auf welche
durch den Grafen Kalman Eszterhäzy in Gyalu Schürfungen veranlasst wurden
und zwar besonders in der Nähe von Rev Szamos und Kis Kapus. Die Unter-
suchungen, welche im Laboratorium der geologischen Reichsanstalt durchgeführt
wurden, ergaben, dass die besten Qualitäten 45 — 55, die mittleren 26 — 36
und die geringsten Proben 16 — 23 Procent Eisen enthalten.
Ueberdies kommen innerhalb des Gneissgebietes, besonders auf dem süd-
lichen Hauptrücken zwischen dem Dobrinaberg und dem Kopatzberg Ganggra-
nite, welche durch weissen Kaliglimmer ausgezeichnet sind, in zahlreichen und
zum Theil sehr mächtigen Gängen zum Durchbruch. Sie gehen stellenweise in
Pegmatite und Schriftgranite über.
Noch sind sie bemerkenswerlh durch die Ausscheidung sehr mächtiger
und reiner Quarzmassen, welche bei der nicht zu entfernten Lage von den schon
wegsamen Theilen des kalten Szamosthales und der Nähe an dem Saumwege
des Bergrückens für einen Glashüttenbetrieb in dieser holzreichen Gegend ein
sehr geeignetes Material in hinreichender Menge bieten würden.
Ueber die Trachytdurchbrüche, welche derselbe innerhalb des krystalli-
nischen Gebietes mehrfach beobachtete, beabsichtigt Dr. Stäche bei Gele-
genheit der Behandlung der Trachyte von NW. Siebenbürgens überhaupt zu
sprechen. »
Herr Karl Ritter v. Hauer legte eine in allen Details ausgeführte Analyse
des Wassers der Donau vor und knüpfte folgende Betrachtungen daran. Diese
Untersuchung war in Folge einer Aufforderung der früher bestandenen Wasser-
untersuchungs-Commission unternommen, und die Resultate derselben dahin zur
Disposition gestellt worden. Abgesehen davon, dass dieser Beitrag überhaupt
mindestens eine Erwähnung verdiente, so wäre es besonders im Interesse der
Sache selbst höchst wünschenswert!! gewesen die erzielten Ergebnisse ihrer
eigentlichen Bestimmung zuzuführen, das ist, sie den übrigen ähnlichen Resultaten
in den veröffentlichten Berichten anzureihen. Da dies nicht geschah, so möge es
gestattet sein hier an der Stelle, wo man die wohlwollendste Theilnahme erwarten
darf, den wiewohl kleinen Beitrag, welchen jene Analyse zur Lösung unserer
Wasserfrage enthält, zu besprechen.
Die Donau liefert bekanntlich einen beträchtlichen Theil des in Wien consu-
mirten Trinkwassers und zwar theils directe, nachdem es mehrere Geröllschichten
durchdrungen hat in den Wasserleitungen, theils indirecte in vielen Brunnen, deren
Wasser auf dem Wege der Durchsickerung wenigstens damit gemischt erscheint.
In Anbetracht dessen hat es die Commission, und mit Recht, für nöthig erachtet
eine genaue Kenntniss über die Zusammensetzung des Donauwassers zu erlangen,
und um so mehr, als hieraus auch über die Frage entschieden werden sollte ob es
gerathen sei den voraussichtlichen künftigen Mehrbedarf ebenfalls nur durch
Donauwasser zu decken. Um aber einen verlässlichen Aufschluss über die chemi-
schen Eigenschaften des Donauwassers zu bekommen, war es erforderlich eine
grössere Anzahl von Analysen zu verschiedenen Jahreszeiten durchzuführen
und diese Rücksicht ist es, die Herrn v. Hauer bestimmt den von den Herren
Professoren Schrott er, Pohl und Redtenbacher gelieferten Arbeiten auch
seine eigene anzuschliessen.
Chemische Analysen in grösserer Anzahl gruppirt erscheinen überhaupt stets
als ein wirres Zahlenchaos, so lange sie einer richtigen Interpretation
entbehren. Eine solche vermisst man aber vollends, wenn man die Zusammen-
stellung der diesbezüglichen Arbeiten in den veröffentlichten Berichten der
Wasseruntersuchungs-Commission überblickt. Die einzelnen Arbeiten gestatten
Sitzung vom 12. März. Karl Ritter v. Hauer.
35
m
dort, lediglich wegen mangelhafter Darstellung, keinen Vergleich untereinander.
Die Gruppirung der Säuren und Basen zu Salzen geschieht wie bekannt zumeist
nach theoretischen Ansichten, und da konnte es daher nicht fehlen, dass ent-
sprechend den verschiedenen individuellen Anschauungen eben diese Gruppirung
sehr verschieden ausfiel. Allein bei der Gesammtzusammenstellung wäre es dann
eine wesentliche Aufgabe gewesen, ein Princip festzuhalten und hiernach
sämmtliche Analysen zu berechnen. Die werthvollen Originaldaten über die
respectiven Mengen der Säuren und Basen, erzielt in von einander unabhängigen
Laboratorien, sind wohl geeignet von der Präcision der chemischen Unter-
suchung selbst Zeugniss abzulegen, denn sie stehen in vollster Ueberein-
stimmung, während die weiter daraus abgeleiteten Deductionen zu einer Beihe
scheinbarer Widersprüche führen. Es ist indessen überflüssig sich hierüber eines
Weiteren zu ergehen, denn zu wiederholten Malen wurde auf die sonderbare
Anomalie aufmerksam gemacht, wie es doch komme, dass die Donau an irgend
einem Punkte beträchtliche Mengen Gyps oder Bittersalz enthält , die ein paar
100 Schritte weiter davon entfernt gänzlich fehlen.
Stellt man die ursprünglichen Resultate der Analysen wie folgt zusammen,
so zeigt sich sehr genau, wie es auch vorauszusetzen war, dass der Donaucanal
von Nussdorf angefangen, während seines Verlaufes an aufgelösten Substanzen
continuiriich zunimmt. Der Aiserbach und die Wien nebst den andern vielen
Canälen führen sie in so grosser Menge hinzu, dass ihre Steigerung auf der
chemischen Wage unzweideutig fühlbar wurde.
In 100.000 Theilen des Donauwassers wurden gefunden.
Bestandteile
Ans dein Canale
bei Nussdorf
Unterhalb der
Einmündung des
Alserbaehes
Unterhalb der
Fisehhälter
Unterhalb der
Einmündung der
Wien
Nach den Analy
sen der Herren
Prof. Schrötter
Prof. Pohl
1(. Ritt. v. Hauer
Prof, iiedten-
bacher
Schwefelsäure
1-27
1-35
1-67
1-80
Chlor
0-28
0-94
0-41
0-44
Kieselsäure
0-55
0-28
0-69
0-75
Kalk .
6*62
6-89
6 99
7-80
Magnesia
1*87
1-26
2-23
2-04
Eisenoxydul und Thonerde.
0-08
0-42
0-16
0-tl
Kali. Natron
0*99
1 -21
1-26
1-51
Summe...
11-66
12-35
13-41
14-45
Diese Tabelle repräsentirt die Ergebnisse der empirischen Arbeit, die darin
herrschende Harmonie ist unverkennbar, alles Anomale, alles in Widerspruch
stehende, was daraus abgeleitet wurde, trifft die Interpretation der Analysen, und
nicht diese selbst.
Es ist nun evident, dass nach dem Grade der Uebereinstimmung der Einzeln-
resultate auch die berechneten Salzmengen in gleichem Verhältnisse zu einander
stehen müssen.
Der eigentliche Anhaltspunkt hiefür fehlt aber, weil in dem gedruckten
Berichte nicht angeführt ist, welche Kalk- und Magnesiamengen in dem gekochten
Wasser noch in Lösung blieben, welche Erfahrung bekanntlich der Ausgang jeder
e
36
Verhandlungen.
[8]
weiteren Rechnung in dieser Richtung ist. Dieser Versuch wurde bei dem von
Herrn v. Hauer analysirten Wasser ausgeführt und hiernach eine entsprechende
Wahrscheinlichkeitsrechnung für die übrigen Analysen durchgeführt.
Unwillkürlich wird endlich Mancher heim Studium des gedruckten Berichtes
daran gedacht haben, warum denn der Kohlensäure, dieses wichtigen Bestand-
teiles im Trinkwasser, welchem es vorzüglich seinen guten Geschmack ver-
dankt, mit keiner Sylbe erwähnt wurde. Eine Bestimmung ihrer Menge unter-
blieb gänzlich, oder wurde vielmehr unberücksichtigt gelassen. Herr v. Hauer
hatte deren mehrere wirklich ausgeführt. Das Mittel von drei solchen Versuchen
ergab, dass das Wasser in 100. 000 Theilen 12*8 Theile Kohlensäure enthalte.
Fast diese ganze Menge wird aber erfordert, um die im Wasser gleichzeitig vor-
handene Menge der alkalischen Erden in Lösung zu erhalten. Nach Abzug des
hiezu nötigen zweiten Aequivalentes erübrigt nur sehr wenig freie Kohlensäure,
woraus der Schluss gezogen werden muss, dass wenn die Donau auch kein
schädliches, mindestens ein viel weniger angenehm zu trinkendes Wasser liefern
wird, als die übrigen uns zugänglichen Quellen.
Wenn das Wasser der Donau gekocht wird, so bleibt eine beträchtliche
Menge Kalk in Lösung, welche nur als Gyps zugegen sein kann, da ausser der
geringen Menge Chlor von Säuren eben nur noch Schwefelsäure vorhanden ist.
Alle Gruppirungen also, in welchen unter den combinirten Verbindungen kein
Gyps aufgeführt erscheint, sind thatsächlich unrichtig, und es erscheint überhaupt
unbegreiflich wie dieses Factum selbst ohne eines entscheidenden Versuches
bezweifelt werden konnte, da alle aus den hiesigen Wässern abgesetzten Kessel-
steine einen eclatanten Beweis für die vorhandenen Gypsmengen geben.“
Anschliessend an Herrn v. Hauer's so anziehenden und uns Alle in Wien so
nahe berührenden Vortrag erwähnte der Vorsitzende, dass es ihm aufgefallen
sei, wie in dem Commissionsberichte sich eine Stelle finde mit der Angabe, dass
nicht kohlensäurehaltiges Wasser die Kohlensäure aus der Luft aufnehme, wäh-
rend dies doch gerade den Gegensatz der an der Luft gestandenen, und der
frisch von den Quellen weggeschöpften Wasser bedinge. Gewiss sind in dieser
Beziehung die Bestimmungen der Kohlensäure sehr wesentlich.
Da die Zeit schon zu weit vorgerückt war, um noch eine längere Mitthei-
lung, wie deren noch zwei auf der Tagesordnung standen, zu beginnen, so wur-
den diese auf die nächste Sitzung verschoben.
Der Vorsitzende berichtet sodann über einen eben erst eingetretenen Ver-
lust, den die mineralogische Welt in Wien durch den Tod eines ausgezeichneten
Forschers erlitt:
„Die Trauer-Nachricht, welche mir heute zukam, als ich Vormittag meinen
hochverehrten Freund Hörnes im k. k. Hof- Mineraliencabinete besuchte, wird
zwar vielen der hier versammelten Herren und Freunde des Fortschrittes minera-
logischer Kenntniss nicht unerwartet sein, aber sie ist nichts desto weniger ganz
dazu gemacht, die grösste Theilnahme hervorzurufen. Heute morgen um 8 Uhr
schied in ein besseres Jenseits unser Freund Karl Friedrich Hermann Dauber,
Assistent am k. k. Hof- Mineraliencabinete, nach langen Leiden, in seinem
38. Lebens-Jahre. Er hat uns nur kurze Zeit angehört, denn er folgte in seiner
Stellung an jenem hochverdienten Institute erst nach dem Tode unseres unver-
gesslichen Freundes Grailich am 13. September 1839, aber er hat sie treu
und mit dem grössten Erfolge bekleidet und zahlreiche Ausarbeitungen von
grösstem Werthe der mineralogischen Welt hinterlassen. Er war Mineraloge,
Krystallograph im eigentlichsten Sinne des Wortes, reich gestützt durch mathe-
matische, physikalische, rheinische Studien und langjähriges praktisches Wirken.
Sitzung vom 12. März. W. Haidinger.
37
[9]
Er hat sein Leben ganz den Studien geopfert. Mein Freund Hörne s gibt ihm
Zeugniss, wie er oft siebenzehn Stunden des Tages hindurch angestrengt in
Untersuchung, Messung, Rechnung, Zeichnung, gearbeitet. Er war am 23. August
1823 in Gandersheim in Braunschweig geboren, wo sein Vater eine Färberei
und Holzwaarenfabrik besass, besuchte das Gymnasium zu Holzminden an der
Weser, das Collegium Carolinum zu Braunschweig auf ein Jahr, wo er nebst
Vorlesungen, die er über Mathematik, Mineralogie, Physik, Chemie, bei (Jhde,
Otto, Blasius, Marx hörte, sich auch selbst ein kleines chemisches Labora-
torium einrichtete. Zu Michaeli 1845 ging er nach Göttingen, erfolgreich ange-
regt in seinen chemischen, physikalischen, geologischen, besonders aber auch
in den von ihm mit Vorliehe gepflegten krystallographischen Sudien unter den
hochverdienten Lehrern, Wähler, W. E. Weber, Hausmann, Limpricht,
v. Waltershausen. Aber die Jahre 1847 und 1848 wmrden ihm bitter getrübt,
die Entzündung eines Hüftgelenkes hielt ihn gegen ein Jahr lang auf dem Kran-
kenlager und als Folge derselben blieb er fortwährend lahm. Wohl kehrte er
wieder nach Göttingen zurück, auch war er dort ein Jahr lang Assistent an dem
von Weber damals eingerichteten mathematisch-physikalischen Seminar. Doch
die Zeit schwindet fort. Im Begriffe sich in Braunschweig zum Gymnasial-Ltiirer-
Examen zu melden, erhielt er von Herrn Dr. Krantz in Bonn die Einladung
dort in dessen reicher Sammlung der Wissenschaft zu leben. Er tritt ein im
August 1851. Auch das Verfertigen von Krystallmodellen wurde eingerichtet,
welche guten Absatz fanden. Aber Verschiedenheit der Ansichten unterbrachen
doch auch hier die früher bestehenden Verhältnisse. Dauber trat im November
1857 aus und versuchte nun in Gandersheim selbst eine fabriksmässige Erzeu-
gung von Krystallmodellen einzuleiten. Durch die Herren Saemann in Paris,
View eg in Braunschweig wurden sie bekannter gemacht. Alles versprach eine
zwar sehr bescheidene aber doch günstige Entwickelung. Damals war es, im
Frühjahre 1859, dass Da über von meinem hochverehrten Freunde Hörnes
eingeladen wurde, die Sammlung der Krystallmodelle des k. k. Hof- Mineralien-
cabinetes zu ergänzen, zu welchem Zwecke derselbe auch nach Wien kam.
Schon lag die Wolke der Sorge auf uns Allen, um das Leben unseres edlen
Grailich, dessen schönes erfolgreiches Dasein auch in der That am 13. Sep-
tember jenes Jahres geschlossen war. Auch ihn hatte Hörnes an das k. k. Hof-
Mineraliencabinet gezogen, es war dies die erste Stellung gewesen, auf welche
sich für Grailich eine Zukunft aufbauen konnte, wenn er am Leben blieb.
Aber es war weder ihm, noch seinem Nachfolger Dauber beschieden, die
grossen Erfolge in der ersten Blüthe der Jahre auch in höheres Alter zu ver-
folgen. Li e big und Wöhler’s Annalen der Chemie und Pharmacie, P ogg en-
do rff’s Annalen, die Sitzungsberichte unserer eigenen Kaiserlichen Aka-
demie der Wissenschaften bewahren uns die Ergebnisse seines umsich-
tigen, tiefen und unermüdlichen Fleisses. Ich darf hier noch an die anerkennen-
den Worte erinnern, mit welchen ich in der Sitzung der Kaiserlichen Akademie
der Wissenschaften am 13. December 1860 seiner grossen Abhandlung über
das Rothbleierz, der 22. einer Reihe seiner Beiträge gedachte. Neuerdings
hatte er grosse Vorarbeiten über die Formen des Chrysoliths begonnen. Nach
seinem Tode noch muss ich mich ihm zu Danke verpflichtet erklären, wie er
auch aus meinen eigenen früheren Aufschreibungen was immer sich fand sorgsam
als Grundlage beachtete. Damals war Vieles leichter. Gewonnen war Neues,
wo man ins Leben frisch hinein griff. Heute ist es schwieriger, denn es arbeitet
eine grosse Anzahl hochgebildeter, gründlich vorbereiteter Forscher in jedem
Culturlande, in beiden Hemisphären, und dem intensivsten Studium der Natur im
38
Verhandlungen.
[10]
kleinsten Raume der Arbeitsstätte muss die weitverbreitetste Kenntniss des all-
gemeinen Fortschrittes zur Seite stehen. Wo da nicht der ausreichendste
innere Trieb waltet, wo man sich in gegenseitig geschaffenen Hindernissen auf-
reibt, ist das Feld verloren. Aus jener Zeit in die gegenwärtige hereinragend
sehe ich mit Schmerz im Herzen des Kaiserreiches die weit jüngeren Männer zu
Grabe getragen , welche dasjenige jetzt zu unternehmen, fortzuführen und zu
vollenden im Stande gewesen wären, wovon ich zwar noch den Werth zu beur-
theilen, dem ich aber nicht mehr mit gleichem Schritte zu folgen vermag.“
Wenn es auch nicht in der Natur unserer Verhältnisse und Beziehungen zu
dem Fortschritte geologischer Wissenschaft liegt, Andenken von materiellem
Werthinhalte an durchgeführte Arbeiten zu vertheilen, so bewegt uns doch jedes
Jahr zu wahrem erhebendem Mitgefühl, zu erfahren, was anderwärts in dieser
Beziehung sich ergibt, denn es ist Achtung derjenigen Abtheilung wissenschaft-
licher Forschungen gezollt, welche wir seihst pflegen. Wir erhalten so eben
durch freundliche Vermittlung von Herrn Rupert Jones an Herrn Grafen Mar-
se ha 11 den Sitzungsbericht der Jahresversammlung der geologischen Gesellschaft
in London am verflossenen 15. Februar. Die Wollaston Goldmedaille war
unserem hochverdienten Forscher und Freunde Herrn Professor Dr. H. G. Bronn
von Heidelberg, auswärtigem Mitgliede der Gesellschaft, zuerkannt worden „für
seine langjährigen und erfolgreichen Arbeiten zur Förderung der geologischen
Wissenschaft im Allgemeinen, und insbesondere für die Dienste, welche er dem
Fortschritte der Paläontologie durch seinen „ Index Palaeontologicus “ geleistet“,
speciell auch für sein Werk über die Gesetze der Entwicklung der organischen
Welt. Herrn M. A. Daubree, dessen wichtiger Arbeiten ich auch kürzlich in
unserer Sitzung am 1 5. Jänner gedachte, wurde der fällige Betrag aus der W o 1 1 a s-
ton- Stiftung zuerkannt, zur Unterstützung der Fortsetzung synthetischer Ver-
suche ähnlich jenen, über welche er kürzlich Bericht erstattet, und welche er in
der Absicht fortzusetzen erklärte, um Licht über die Vorgänge metamorphischer
Wirksamkeit zu gewinnen.
Unser langjähriger hochverehrter Freund Herr Leonard Horner, wurde
neuerdings zum Präsidenten gewählt, die Herren Professor J. Morris, Sir
R. I. Murchison, Prof. John Phillips, G. P. Scrope zu Vicepräsidenten,
Prof. T. H. Huxley, Warington W. Smyth, W. J. Hamilton zu Secretären
u. s. w. Die meisten derselben und auch der Ausschussmitglieder viele sind
längst unsere hochverehrten Freunde und Correspondenten, bei vielen Veran-
lassungen Vorbilder zur Nacheiferung. Die Theilnahme, deren sich unsere Wis-
senschaft anderwärts erfreut, wirkt günstig auch auf uns, wo wir dieselbe auch
in so manchen schwierigen Augenblicken der vergangenen Zeit redlich pflegten.
Herr Director Hai ding er dankt noch den hochverehrten Herren , welche
uns durch ihre Mittheilungen erfreuten, und die Summe unserer Kenntnisse ver-
mehrten, den genauen Untersuchungen der Herren Jokely und Lipoid in
Böhmen sowohl, als die des Herrn Dr. Stäche in Siebenbürgen, und Herrn
von Hauer’s in Bezug auf unsere nächste Umgebung. Alles dies ist wahrer
Fortschritt.
Während der Vorsitzende den Schluss der Sitzung ausspricht, legt noch
Freiherr von Hingenau die Einladung zur zehnten allgemeinen Versammlung
des Werner-Vereines zur geologischen Durchforschung von Mähren und Schle-
sien am 2. April (Oster-Dinstag) um 10 Uhr Vormittags im Franzens-Museum in
Brünn vor. Die Einladung war auch an die k. k. geologische Reichsanstalt ge-
kommen und Herr Director Haidinger hatte sie auf die Tafel gelegt.
[1]
Sitzung vom 16. April. W. Haidinger. Franz v. Hauer.
39
Sitzung am 16, April 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer führt den Vorsitz.
Herr Director Haidinger macht (in der Sitzung am 12. März) darauf
aufmerksam, dass in der letzten Nummer der Zeitung „Der Berggeist“ auch der
Bericht über die Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am lo. Jänner
zum Theile enthalten sei. Er hatte selbst eine Abschrift an die Redaction gesandt,
da sich der Druck sowohl in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei noch nicht wieder
in Gang bringen liess , und auch die Wiener Zeitung, die an deren Redaction
gesandte Berichte ohne bestimmte Periode zu vertagen schien. Doch wurden
letztlich wieder auch hier die Berichte freundlichst gebracht. Dem Director der
k. k. geologischen Reichsanstalt muss aber gewiss daran gelegen sein, wenn
die gewöhnlichen, früher organisirten Wege der Verbindung mit dem theil-
nehmenden Publicum fehlen, wieder neue aufzusuchen und gewiss hat dabei
„Der Berggeist“ einen gewichtigen Anspruch, der sich unser in dem bisher
schwierigsten und peinlichsten Abschnitte unserer Wirksamkeit mit so reichem
Wohlwollen und freundlichster Theilnahme angenommen hat.
Herr k. k. Bergrath Fr. v. Hauer legte die bisher im Drucke vollendeten
82 Bogen des grossen Werkes über die Bayerischen Alpen von dem k. Berg-
meister Herrn C. W. Guembel, welche ihm der Verfasser freundlichst zugesen-
det hatte, zur Ansicht vor. Diese umfassende Arbeit, die wichtigste und aus-
führlichste Monographie, die bisher überhaupt über einen Theil der Kalkalpen
erschien, ist die Frucht der mit unermüdeter Ausdauer und begeisterter Hin-
gebung von dem Verfasser im Aufträge und auf Kosten der k. Bayerischen Regie-
rung durchgeführten geologischen Landes-Aufnahme; ihm selbst so wie den
kenntnissreichen Staatsmännern, welche die Bedeutung derartiger Aufnahmen für
das Wohl des Landes zu würdigen verstanden, wird Anerkennung und Dank von
Seite aller Freunde der Wissenschaften in reichstem Maasse zu Theil werden;
mit ganz besonderer Theilnahme aber müssen wir in Oesterreich die Arbeit be-
grüssen, denn sie beschäftigt sich mit Aufgaben, welche in unmittelbarem Zusam-
menhang mit denjenigen stehen, welche uns selbst bezüglich der angrenzenden
Alpen in Tirol und Salzburg obliegen. Mannigfache Erinnerungen finden wir in
dem Buche verzeichnet, welche den wechselseitigen Einfluss erkennen lassen, den
Hrn. Guembel’s Arbeiten und die unseren auf einander ausübten, und der fort-
getzten freundlichen Verbindung mit dem ausgezeichneten bayerischen Staats-
geologen verdanken wir so viele Aufschlüsse aus unserem eigenen Gebiete.
Auch die wenigen Andeutungen über den Inhalt des vorliegenden Werkes,
auf die er sich hier beschränken müsse, bemerkte Herr v. Hauer, dürften genügen
zu zeigen welch reiche Fülle interessanter Beobachtungen und Thatsachen das-
selbe enthalte. Den ersten Abschnitt bildet die Schilderung der topographischen
Verhältnisse, gefolgt von einem Verzeichnisse sämmtlicher in dem Gebiete bisher
gemessener Höhen. Dieses Verzeichniss (Seite 42—106) umfasst über 20Ö0 ein-
zelne Punkte, von denen übrigens eine nicht unbeträchtliche Zahl auf die benach-
barten Tiroler-Alpen und auf die Bayerische Hochebene entfallen.
Als Einleitung zum geologischen Theile der Arbeit dient (Seite 107 — 149)
eine „Allgemeine Uebersicht über die geognostischen Verhältnisse der Alpen“ mit
einer Uebersichtstabelle der Gliederung der einzelnen Formationen, und der
Parallelisirung der von Herrn Guembel selbst angenommenen Abtheilungen mit
jenen andererForscher und zwar der Oesterreichischen Geologen, von Studer und
Es eher, von Sehafhäutl und Emrnrich, und der Italienischen Geologen.
40
Verhandlungen.
[2]
Die Detailschilderurig der bayerischen Alpen nach Formationen und zwar
in der Reihenfolge von den älteren zu den jüngeren fortschreitend, füllt dann den
grössten Theil der vorliegenden Bogen, deren letzter die Darstellung der Eocen-
Formation noch nicht völlig zum Abschluss bringt. Es werden dabei unterschieden:
I. Die Buntsandsteinformation (Werfener Schichten). Derselben
werden auch der Verrucano , so weit Gesteine dieses Namens in den Ost-Alpen
Vorkommen, als unteres, und die Gyps-, Anhydrit- und Steinsalz-Stöcke als der
obersten Abtheilung angehörig, zugezählt. Die Eruptivgesteine, welche den Bunt-
sandstein durchsetzen und gleichzeitiger Entstehung mit demselben sind, werden
als Melaphyr bezeichnet.
Von Petrefacten werden 22 Arten aufgezählt, von denen 12 auch im ausser-
alpinen Buntsandstein Vorkommen. Drei neue Arten, alle drei aus dem Salzberg-
bau von Berchtesgaden, werden beschrieben, und zwar Ammojiites Berchtes-
gadensis Guem., A. salinarius G. und A. pseudoeryx. G.
II. M u sehe Ikalk (Guttensteiner Schichten). Er zerfällt in drei Glieder.
1 ) unterster mergeliger Kalk mit Encrinus liliiformis, Myoplioria mdgaris u. s. w. ;
2) kalkige uud dolomitische, schwarze, weissadrige, fast versteinerungsleere
Schichten, eigentlicher Guttensteiner Kalk; 3) plattige schwarze Kalke mit
Retzia trigonella und Spiriferina Mentzelii, v. Richthofen ’s Virgloriakalk,
welchen dieser schon in die obere Trias stellt. Von 21 Petrefacten-Arten finden
sich 13 Arten auch ausserhalb der Alpen im Muschelkalk. Neu sind: Terebr.
striatopunctata G. , Spirifer alpestris G. und Am. pscudoceras G.
III. Keuper. Die ganze mächtige und vielgliedrige Schichtenreihe über
dem Muschelkalke bis inclusive den Dachsteinkalk zählt Guem bei dieser
Formation zu; sie umfasst demnach
1. Die Alpen - L ettenkohlengruppe (Partnach-Schichten). Sicher
parallel stehen diese Schichten mit der ausseralpinen Lettenkohlengruppe, mit der
sie unter 13 bisher bekannten Petrefacten-Arten, meist Pflanzen, 11 gemeinschaft-
lich enthalten. DieUebereinstimmung mit den Cassianer Schichten, den Lagerungs-
Verhältnissen nach sehr wahrscheinlich, entbehrt noch eines sicheren paläonto-
logischen Beweises. Mit diesen letzteren Schichten aber wohl sicher übereinstim-
mend ist eine petrefactenreiche Mergelschichte im Scharitzkehlthale bei Berchtes-
gaden, die unmittelbar mit Muschelkalk zusammen vorkömmt und 12 Petrefacten-
Arten lieferte, darunter neben 6 Cassianer Arten 3 neue Formen: Thamnastraea
splendens G., Anthophyllum dentatolamellosum G. und Spondylus cristatus G.
2. Unterer Keuperkalk und D o iomit (Hallstätter Kalk, Esinokalk).
Die roth gefärbten Gesteinsvarietäten zeigen sich mehr in dem Liegenden, die
helleren und dolomitischen mehr im Hangenden, eine wirkliche weitere Gliederung
des ganzen Gebildes, welches von den unansehnlichsten Lagern, die es an einigen
Stellen bildet, an anderen bis zu einer Mächtigkeit von mehreren tausend Fussen
anschwillt, ist nicht durchzuführen.
Von Petrefacten werden 67 Arten aufgezählt, darunter 13, die mit Arten der
Cassianer Schichten übereinstimmen. Die Angabe, dass auch unsere Dachstein-
Bivalve ( Megalodus triqueter sp. Wulf.) in der Gegend vonNassereit in diese Etage
vorkomme, zieht Herr Guem bei in einem Briefe, den Herr v. Hauer erhielt,
wieder zurück. Eine genaue Untersuchung der Dachstein-Bivalven und der diesen
verwandten Formen aus den verschiedensten Localitäten lehrte erkennen, dass die
Muschel von Nassereit durch einen doppelten Kiel auf der hinteren Fiäche von dem 31.
triqueter des Dachsteinkalkes sich unterscheide, und eine eigenthümliche Art bilde.
Als neue Arten aus dem Hallstätter Kalk werden beschrieben; Fletcheria
Simplex G., Chemnitzia nodifera G - Ammonites pseudoplanorbis G..A. parvulus
Sitzung vom 16. April. Franz v. Hauer.
41
[3]
G., Spirigera lunata £., Ostrea anomioides G., Lima salinaria G. , Mytilus
impressus G., Pinna granulata G., Nucala salinaria G., Oxyrrhina alpina G.
3. Unterer Muschelkeuper der Alpen (Raibler Schichten). Diese
Schichte, bemerkt Guembel, muss als einer der besten geognostischen Horizonte
in den Kalkalpen betrachtet werden. „Darüber kann keine Ungewissheit
herrschen, dass dieselbe vollständig identisch mit den sogenannten Raibler
Schichten ist und dass sie über dem Hallstätter Kalk ihre Stelle einnimmt.“
Diesei* Ausspruch des bewährten Alpen-Geologen, bemerkte Herr v. Hauer,
biete abermals ein gewichtiges Argument um das Irrige der Stellung nachzuweisen,
welche die Herren Stoppani und Omboni in den lombardischen Kalkalpen den
Raibler Schichten anweisen, und alle die Folgerungen zu widerlegen, zu welchen
dieselben diese unrichtige Auffassung bezüglich der Kalke und Dolomite verleitete.
Die Liste der Petrefacten dieser Schichten von 60 verschiedenen Localitäten
umfasst 98 verschiedene Arten, von denen die meisten mit Arten aus den
Cassianer und Raibler Schichten der Südalpen übereinstimmen. 8 Species finden
sich wieder in den höheren Kössener Schichten , 5 in ausseralpinen Keuper-
Schichten, keine einzige im Lias. Von neuen Arten charakterisirt Guembel:
Cidaris Klipsteini G., Discina Suessi G., Rhynchonella granulatostriata G.,
Ostrea glabrata G ., Spondylns rugosus G. , Pecten laevistriatus G ., P. limoides
G., P. perglaber G. , Lima subglabra G. , Plagiostoma incurvo striatum G.,
Halobia rugosa G., Cyrena alpina G., Corbis granulatostriata G., Lucina
oblong a G., Venus subdonacina G., Sanguinolaria recta G.
Die drei bisher betrachteten Glieder bezeichnet Herr Guembel als unteren
Keuper. Den mittleren Keuper dagegen bildet
4. Die Ha upt- Dolomitgruppe (Dolomit des Dachsteinkalkes). Diese
Gesteinsart bildet die Hauptmasse der bayerischen Kalkalpen, in ihrer untersten
Schiebt herrscht häufig Rauchwacke und Gyps, in ihrer mittleren der Dolomit
selbst, in ihren obersten Plattenkalk. Eingelagert sind ihr die bituminösen
Schiefer von Seefeld mit ihren berühmten Fischresten.
Von organischen Resten kennt Herr Guembel mit Ausnahme der eben
erwähnten Fische aus dieser Gruppe nur kleine Gasteropoden, die er als Rissoa
alpina bezeichnet und die sich im Plattenkalke vorfinden, dann aus den Seefelder
Schiefern eine Pflanze den Cupressites alpinus G.
Die zwei nächstfolgenden Glieder endlich bezeichnet Herr Guembel unter
dem gemeinschaftlichen Namen der „Rhätischen Gruppe“ als oberen Keuper u. z. :
3. Oberer Muschelkeuper (Kössener Schichten, Gervillien-Schichten,
Schichten der Avicula contorta u. s. w.). Von 143 Fundorten werden aus dieser
Schichtengruppe 166 verschiedene Petrefactenarten aufgezählt, davon sind
73 p. c. diesen Schichten eigenthümlich, 6 p. c. stimmen mit solchen von
St. Cassian, 3 p. c. mit solchen von St. Cassian und zugleich mit solchen von
Raibel, 16 p. c. mit solchen aus dem ausseralpinen Keuperbonehed, 2 p. c. mit
solchen aus verschiedenen Lias-Schichten und ebenfalls 2 p. c. mit solchen aus
wirklichem Runtsandstein und Keuper überein. „Diese Zahlen“, sagt Herr Guem-
bel, „sprechen deutlich genug für die Eigenthümlichkeit des oberen Muschel-
keupers, für die enge Verbindung mit den unteren Gliedern des alpinischen
Keupers, für die Gleichaltrigkeit mit dem schwäbischen Bonebed und für die
Lostrennung vom eigentlichen Lias“. Den letzteren Punkt insbesondere sucht
nun Herr G uem bei den abweichenden Ansichten gegenüber, welche von den
Geologen der k. k. geologischen Reichsanstalt vertreten werden, umständlicher
zu begründen. Die ganze Frage scheint, wie Herr v. Hauer bemerkt, wohl nur
von secundärer Bedeutung; will man nicht etwa der rhätischen Stufe eine ganz
f
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1S61 und 1862. Verhandlungen.
42
Verhandlungen.
w
selbstständige Stellung zwischen Lias und Keuper anweisen, so wird es immer
mehr weniger von subjectiven Anschauungen abhängen, ob man die Grenzlinie
dieser beiden Formationen etwas höher oder tiefer legt.
Von neuen Species der Kössener Schichten führt Herr G ue mbel die folgen-
den auf: Caulerpites rugosus G,, Chondrites maculatus G., Cho?id. rhaeticus G..
Ch. vermicularis G. , Membranipora rhaetica G. , Discoseris rhaetica G.,
Thamnastraea rhaetica G., Cyatliophyllum profundum G., C. rhomboideum G.,
Turbinolia rhaetica G., Cidaris pseadogerana G. , C. rhaetica G. , C. laevius-
cula G., Spirigera nuciformisG.. Leptaena rhaetica G., Ostrea infl ex o striata G.,
0. rhaetica G., 0. spinicostata G., 0. tentaculata G ., SpoJidylus squamicostatus
G., Pecten induplicatus G., P. pseudodiscites G., P. semipunctatus G., P. radiifcr
G., P. rhaeticus G., P. squamuliger G., P. striatoco status G., P. versinodis G.,
Lima alpina G., L. asperula G., L. millepunctata G., L. minuta G. L. spinoso -
striata G., Perna rhaetica G.. P. undulata G., Gervilleia longa G.. G. rectiversa
G., Pinna Dötzkirchneri G., Mytilus Escheri G., Area canalifera G., A. Pichleri
G., A. rhaetica G., Nucula jugata G., Leda fabaeformis G., L. percaudata G..
Schizodus elongatus G., Cardinia sublaevis G., Astarte rhaetica G., Isocardia
perstriata G„ Cardium alpinum G., Lucina rhaetica G., L. Oppeli G., C ytherea
rhaetica G., Gastrochaena. ornat a G., Anatina rhaetica G., Cypricardia alpina
G. , Myacites drupaeformis G. , M. Meriani G. , M. Quenstedti G. , Pleuromya
mactraeformis G., Panopaea rhaetica G., Dentalium quinquanguläre G., Natica
rhaetica G., N. ecarinata G., Turbonilla Werdenfelsensis G., Chemnitzia azona
G., Ch. protensa G., Ch.turritellaeformis G., Trochus pseudodoris G., Cerithium
granuliferum G Ammonites Kössenensis G A. planorboides G., A. rhaeticus G
A. subradiatus G., A. tortiliformis G., Nautilus Haueri G., N. multisinuosus G.,
Crioceras ammonitiforme G., C. annulatum G , C. debile G., C. rhaetieum G.,
Serpula rhaetica G., Lithochela problematica G., Pterophloius Emmrichi G.
6. Oberer Keuper kalk (Dachsteinkalk). „Er macht ein wohl unter-
scheidbares Glied in der obersten Schichtenreihe des Alpenkeupers aus, auf des-
sen Grenze gegen den Lias er steht.“
Von den 42 Petrefactenarten desselben kommen 19 auch in den Kössener
Schichten vor; die übrigen sind neu, es sind die folgenden: Manon varians G.,
Spongites porosissimus G., Thamnastraea alpina G. , Caryophyllia granu -
lata G., Circophyllia alpina G., Turbinolia rhaetica G., Terebratula discoi-
dea G., Rhynchonella subtriplicata G., Megalodon gryphoides G., Chemnitzia
pseudovesta G., Turritella alpina G., T. striatissima G., Turbo Emmrichi G.,
Euomphalus ferox G., Trochus alpinus G., Tr. perstriatus G., Pleurotomaria
alpina G., Cerithium trispinosum G., Rostellaria cornuta G.
IV. Liasformation. (Adnether und Hierlatz-Schichten, Fleckenmergel).
Die durch die drei angeführten Localnamen getrennten Schichtengruppen be-
trachtet Herr Guembel übereinstimmend mit unseren Untersuchungen nicht als
bestimmte, durch ihr Alter verschiedene Glieder, denn jede derselben enthält
Arten des ausseralpinen unteren, mittleren und oberen Lias, auch eine vierte
Gruppe, die er als verschieden von den übrigen Fleckenmergeln als „graues
mergeliges Gestein“ ausscheidet, vereinigt Arten des mittleren und oberen Lias.
Dagegen haben seine Untersuchungen zu dem wichtigen Ergebniss geführt, dass
doch die bezeichnenden Arten der verschiedenen Liasglieder, wo genauere Be-
obachtungen möglich waren, nicht in ein und derselben Schichte vereinigt ange-
troffen wurden. Besonders an der Kammerkahr konnte Hr. Guembel diese
Thatsache mit Sicherheit erkennen; in den daselbst mächtig entwickelten Adne-
ther Schichten, deren Auflagerung auf Dachsteinkalk südöstlich von den Alpen-
Sitzung vom 16. April. Franz v. Hauer.
43
[8]
hütten deutlich zu beobachten war, fand er in den tiefsten Schichten die Arten
des unteren Lias, in den höheren jene des mittleren Lias, in den höchsten endlich
jene des oberen Lias. Nur die petrographische Uebereinstimmung der Schichten
von den tiefsten bis zu den höchsten erschwert es also oder macht es völlig un-
thunlich die einzelnen Glieder strenge zu unterscheiden und auseinander zu halten.
Von Petrefaeten werden aus dem Lias der Alpen von 84 verschiedenen
Fundorten 162 Arten aufgeführt, davon sind 103 identisch mit ausseralpinen
Arten. Es entfallen davon 42 auf den Hierlatzkalk, 103 auf den Adnether Kalk,
20 auf den grauen fleckigen Kalk und 21 auf den grauen Mergelschiefer, welch
zwei letztere die Fleckenmergel oder Allgäu-Schiefer bilden. 33 Arten sind neu,
und zwar: Chondrites alternans G., Ch. brevis G., Ch. strictas G., Ch. va-
rians G ., Apiocrinus alpinus G-, A. annulatus G., A. concentricus G., A.
elegans G., A. moniliformis G., A. plumosus G., Eugeniacrinus alpinus G.,
Rliodocrinus armatus G., Rh. verrucosus G., Terebratula brevis G., T. selloi-
des G., Orbicula alpina G., Turbo graniger G., Ammonite s acutangulus G.,
A. Doetzkirchneri G., A. Emmrichi G., A. euceras G., A. Haueri G., A. Her -
manni G., A. Kammerkahr ensis G ., A. megastoma G., A. stellaeformis G., A.
alpino-liasicus G. , Nautilus impressus G. , Orthoceras liasicus G., Serpula
alpina G ., Sphenodus alpinus G., Glyphaea alpina Op., Atractites alpinus G.
V. Gebilde des oberen Jura, ln weit geringerer Mächtigkeit und
Ausdehnung entwickelt und oft auf einzelne isolirte Gesteinsinseln beschränkt,
arm an organischen Resten, und sehr abweichend von den ausseralpinen Jura-
schichten bieten die hieher gehörigen Gebilde noch weit grössere Schwierig-
keiten, wenn man es versucht, ihre speciellere Gliederung durchzuführen und
sie mit den ausseralpinen Jura-Etagen zu parallelisiren. Als Endergebniss seiner
Untersuchungen stellt Guembel fünf verschiedene Gruppen auf und zwar von
unten nach oben: 1. Vilser Kalk, 2. Kalkstein von Au (Schichten des Ammonites
Lamberti ); 3. Rother Jurakalk des Haselbergeck (Sch. des Ammonites tatricus ,
alle drei als verschiedene Facies entsprechend dem Kelloway-rock; 4. Barmstein-
Korallenkalk (Sch. der Scyphia cylindrica ) entsprechend der Oxfordgruppe;
5. Buntfarbiger Aptychen führender Kalkschiefer von Ammergau (Sch. des Apt.
lamellosus, Wetzsteingebilde) scheinen die Kimmeridgebildung zu vertreten^
Von Petrefaeten werden folgende neue Arten aufgeführt und zwar aus den
ersten drei Gruppen: Terebratula subcanaliculata Opp., T. margarita Opp.,
T. Vilsensis Opp., T. bifrons Opp., Rhynchonella Vilsensis Opp., Rh. solitaria
Opp., Rh. contraversa Opp., Ast arte Calloviensis Opp., Cidaris basilica Opp.,
Pecten Vilsensis Opp., Aptychus alpinojur ensis G. , dann aus der 3. Gruppe:
Aptyclius alpinus G ., A. laticostatus G-, A. intermedius G.P A. protensus G.,
A. pumilus G., A. orbicularis G., A. sparsilamellosus G.
VI, Kreideformation, Weit reicher gegliedert als in den östlichen
Alpen, tritt diese Formation in den bayerischen Alpen und in Vorarlberg auf.
„Während wir bei den bis jetzt geschilderten Schichten immer die Analogien
im Osten fanden, tritt uns in den ältesten Kreideablagerungen eine solche Über-
einstimmung mit dem Westen, mit den Verhältnissen der Schweizer- und Pro-
vence-Schichten entgegen, dass wir an der Gleichartigkeit der Bedingungen ihres
Niederschlages und mithin an ihrer Entstehung aus einem zusammenhängenden
Meere nicht zweifeln können.“ Die jüngeren Gebilde der Kreideformation dagegen,
abgesehen von dem Sewenkalke und Inoceramenmergel der Allgäuer Gebirge, stets
auf andere Verbreitungsbezirke beschränkt als die älteren, „schliessen sich auf
das engste jenen des österreichischen Gebirges an, wo sie seit lange bekannt und
sorgfältig untersucht, als sogenannte Gosau-Schichten wreite Verbreitung besitzen.“
f*
44
Verhandlungen.
[9]
Wie* bezüglich so vieler anderer Puncle hatte also auch hier Hr. Guembel
die schwierige aber interessante Aufgabe, den Zusammenhang herzustellen zwi-
schen den verschiedenen Ergebnissen der Untersuchungen in den westlichen
und in den östlichen Alpen. Von besonderem Interesse für uns in dieser Bezie-
hung ist die S. 521 bis 522 gegebene Darstellung über das Yerhältniss der
flyschähnlichen Neocomschichten am Laroschbache hei Berchtesgaden und des
echten der Eocenformation angehörigen Flysches der bayerischen und Schw eizer
Alpen. „Die Verhältnisse sind daselbst so klar aufgeschlossen, dass sie für die
Richtigkeit der Zutheilung einzelner Partien der österreichischen flyschartigen
Gesteine zu den Neocomschichten wohl als genügender Beweis aufgestellt wer-
den können.“ Aus den späteren Abschnitten über die Eocenformation geht übri-
gens hervor, dass Herr Guembel doch der Ansicht ist, ein grösserer Theil
unserer Wiener Sandsteingebilde, als unsere Karten es darstellen, gehöre der
Eocenformation an. Die nachfolgende Tabelle stellt die Gliederung der Kreide-
schichten in den bayerischen Alpen dar, zu welcher Herr Guembel gelangte.
Hangendes, eocene
Nummulitenschichten
Bezeichnung nach
Freih. v. Richthoten
©
Nierenthaler Schichten
Gruppe der B. mucronata
e K r e
Gosau-Schichten
Gruppe des Hipp, cornu vaccinum
und der Orbitulina concava
Gosau-Gebilde
©
&JD
Sewen-Mergel
Mergelgruppe der Inoceramen
Seewer
S
sp
•-9
Sewen-Kalk
Kalkgruppe der Inoceramen
Galt-Schichten
Gruppe des Turril. Bergeri
Gault
Obere Bank :
Gruppe der Orbitulina lenticularis
©
Mittlere Bank:
HP
©
Schrattenkalk
Gruppe der Foraminiferen und
Bryozoen
Caprotinenkalk
! *
Untere Bank :
©
Gruppe der Caprotina ammonia
©
©
Obere Abtheilung:
Gruppe des Toxaster complanatus
Spatangenkalk
<
Unterkreide-Schichten
Mittlere Abtheilung:
Gruppe des Aptychus Didayi
Valanginien
-
Untere Abtheilung:
Gruppe des Toxaster Campechei
und der Terebr. Marcousana
Rossfeld-Schichten
Liegendes. Oberste Jura-Schichten der Alpen.
Ul
Sitzung vom 16. April. Franz v. Hauer.
45
Von den ungemein zahlreichen Petrefacten der Kreideformation sind die
folgenden neu :
Aus den Unterkreideschichten: Chondrites rectangularis G., Terebratula
Algovica G., T. equicampestris G., T. reflexistriata G., T. subtriangulata G.,
Spondyhis cancellatus G., Aptychus breviflexuosus G., A. decurrens G., A.
obliquus G., A. tenuis G.t A. undatus G.s Ancyloceras tenuistriatum G., Anc.
subsimplex G.
Aus dem Schrattenkalk : Ceriopora guttata G. , Astraea bifrons G., Holo-
cystis polyspathes G.
Aus den Gosau-Schichten : Chondrites longissimus G., Robulina latemargi-
nata G., Rotalina Eggeri G., Rosalina grossopunctata G., Marginulina sub-
bullata G. , Nodosaria elongata G., Trochocyathus mammillatus G., Ostrea
intusradiata G ., Area carimfera G., A. globulosa G., A. Chiemiensis G., Nucula
Reussi G., Leda Ehrlichi G., L. discors G., Cardium granigerum G., Luciria
subsquamulata G ., Tellina semistriata G ., Solen clavaeformis G.> Dentalium
midticanaliculatum G., Avellana serrata G., A. bistriata G., Solarium stella-
tum G., Cerithium Chiemiense G., C. Zekelii G. , Fusus acutangulatus G.,
Bulla subalpina G., Scaphites falcifer G., Serpula mammillata G.
Aus den Nierenthal-Schichten (wohl dieselbe Schichtengruppe, die durch
einige Vorkommen im Gschliefgraben bei Gmunden, namentlich Ananchytes
ovata angedeutet ist. Jahrb. der k. k. geoiog. Reichsanstalt IX. S. 116.) Lima
nux G ., Acmaea mammillata G.
Ueber die nicht minder werthvollen Resultate betreffs der Tertiärgebilde,
bemerkt Herr v. Hauer, behalte er sich vor, weitere Nachricht zu geben sobald
er die Fortsetzung der so überaus lehrreichen Arbeit erhalten haben wird.
Der freundlichen Güte des Herrn Hofrathes und Professors H. G. Bronn
in Heidelberg verdankt die k. k. geologische Reichsanstalt ein Exemplar seiner
im Jahre 1857 von der Pariser Akademie gekrönten und jetzt in französischer
Sprache von ihr herausgegebenen Preisschrift: „ Essai d' une reponse ä la ques-
tion de Prix proposee en 1850 par V Academie des Sciences pour le concours
de 1853 et puis remis e pour celui de 1856.(< Herr v. Hauer, der dieses schöne
Werk, einen Quartband von 542 Seiten, vorlegte, bemerkte, wohl keinem der
Anwesenden dürfte die wichtige Arbeit des berühmten Verfassers unbekannt sein,
denn schon im Jahre 1858 wurde der Inhalt derselben mit Genehmigung der
Akademie in deutscher Sprache publicirt, unter dem Titel : „Morphologische
Studien über die Gestaltungsgesetze der Naturkörper überhaupt und der organi-
schen insbesondere.“ Die Aufgabe selbst lautete:
„Es seien die Gesetze der Vertheilung der fossilen organischen Körper in
den verschiedenen Sedimentärgebilden nach der Ordnung ihrer Ueberlagerung
zu studiren.“
„Es sei die Frage ihres allmähligen oder plötzlichen Erscheinens und Ver-
schwindens zu discutiren.“
„Es sei die Natur der Beziehungen zu ermitteln , welche zwischen dem
gegenwärtigen und den früheren Zuständen der organischen Welt bestehen.“
An die Beantwortung von Fragen von solcher Tragweite konnte sich mit
Erfolg wohl nur der Meister wagen, und Niemand war geeigneter sie zu
unternehmen als eben Herr Hofrath Bronn, der in seiner „Geschichte der Natur“
und in zahlreichen anderen in analoger Richtung ausgeführten Arbeiten das
Material aufgespeichert hatte, welches nun in entsprechender Weise zusammen-
zufassen die Aufgabe war. Die Art und Weise, wie er dabei zu Werke geht, darf
wohl als nachahmungswürdiges Beispiel für Alle hingestellt werden, die sich mit
46
Verhandlungen.
[8]
allgemeinen theoretischen Problemen beschäftigen. Die gründlichste Kenntniss
und sorgfältigste Benutzung aller in der Literatur vorliegenden Details leitet
jeden Schritt. Jedes ausgesprochene Gesetz wird durch zahlreiche direct
beobachtete Thatsachen gestützt, und Alles, was für oder gegen dasselbe spricht,
wird mit unparteiischer Gewissenhaftigkeit abgewogen.
Die Ergebnisse, zu welchen Herr Bronn auf diesem Wege gelangte, wurden
vor Kurzem von Herrn Professor Ed. Suess in zwei öffentlichen Vorträgen dar-
gelegt. Herr v. Hauer glaubt um so mehr auf diese Vorträge verweisen zu
können, als der Anfang derselben eben heute in der Wiener Zeitung abgedruckt
erschien; er schliesst mit dem Ausdruck des wärmsten Dankes für den berühmten
Verfasser des Werkes, dessen freundschaftliche Beziehungen zu unserer Anstalt
derselben so vielfältig anregend und förderlich waren.
Herr Bergrath Franz v. Hauer legte eine von Herrn Dr. Johann Nepomuk
Woldrich eingesendete Abhandlung „Beiträge zum Studium des Beckens von
Eperies“ vor, in welchem der fleissige Herr Verfasser Detailbeschreibungen aller
Gesteins-Entblössungen gibt, die er in dem genannten Becken antraf. Dasselbe
erstreckt sich von Finta nördlich von Eperies bis Somos in einer Längen-
erstreckung von 10.500 Klaftern und hat eine Breite, die von 2500 bis 5000
Klaftern wechselt. Im Norden und Osten bilden seine Begrenzung Trachytberge,
im Süden der aus trachytischen Tuffen bestehende Biegel von Somos, im Westen
zum grössten Theile eine Hügelreihe von eocenem Sandstein, an welche sich
aber gegen Somos zu Triaskalk und Werfener Schiefer anschliessen. An der
Ausfüllung des Beckens nehmen nach den Beobachtungen des Verfassers nebst
den Miocenschichten besonders auch noch jüngere Diluvial- und Alluvialgebilde,
Löss, Sand und Lehm einen bedeutenden Antheil, welche nicht selten organische
Reste noch jetzt lebender Arten, dann Stückchen verkohlten Holzes u. s. w. ent-
halten. Nachdem schon die Miocengebilde abgelagert und die Trachyt-Eruptionen
erfolgt waren, musste das ganze Becken nach der Ansicht des Herrn Woldrich
noch einmal von Diluvialfluthen überschwemmt worden sein , welche die oben
genannten mitunter sehr mächtigen Gesteinsmassen absetzten.
Weiter erinnerte Herr v. Hauer, dass Herr P. Parts ch bereits in seinen
„Erläuternden Bemerkungen zur geognostischen Karte des Beckens von Wien“
p. 16 und 17 des Vorkommens von Ammoniten in dem Dachschieferbruche von
Mariathal bei Stampfen gedacht, und aus demselben den Schluss gezogen habe,
die Schiefer müssten weit jünger sein als die silurische Grauwacke. Diese Angabe
wurde bei allen späteren Arbeiten über die Gegend unbeachtet gelassen; in den
verschiedenen geologischen Beschreibungen der Gegend, die seither erschienen,
und eben so in unseren geologischen Karten sind die Dachschiefer von Maria-
thal der Grauwackenformation zugezählt, was sehr erklärlich scheint, wenn man
die petrographische Beschaffenheit des Gesteines eines dunkel gefärbten voll-
kommen ebentlächig brechenden, ganz und gar mit den Dachschiefern der Grau-
wacke übereinstimmenden Thonschiefers berücksichtigt und bedenkt, dass ihn
Parts ch selbst, ungeachtet der oben erwähnten Angabe auf seiner Karte, von
den übrigen grauwackenartigen Gesteinen der Alpen und Karpathen nicht trennt.
Ein neuer in dem gedachten Bruche gemachter Fund gestattet aber nicht länger
die bisherige Altersbestimmung des Gesteines festzuhalten. Ein Ammonit, von
Herrn Professor Kornhuber an Herrn Professor Suess zur Bestimmung ein-
gesendet, wurde von dem Letzteren allsogleich als Ammonites .bifrons erkannt
und behufs der Vorlage in unserer Sitzung an Herrn v. Hauer übersendet. Die
flach gedrückte Schale lässt die so charakteristische Oberflächenzeichnung der
genannten Art, die Sichelfalten und die Längsrinne auf der unteren Hälfte der
Sitzung vom 16. April. Franz v. Hauer.
47
[»]
Seitenfläche mit solcher Deutlichkeit erkennen, dass die Richtigkeit der Bestim-
mung wohl kaum in Zweifel gezogen werden kann, wenn auch der Rücken der
Schale und die Lobenzeichnung nicht zu beobachten sind. Die Dachschiefer
von Mariathal müssen demnach der Liasformation zugezählt werden, sie liefern
auf diese Art neuerdings einen Beweis dafür, wie wenig Sicherheit rein petro-
graphische Merkmale für die Feststellung des Alters der Sedimentgebilde in
den Alpen und Karpathen darbieten, und lehren uns dem Lias in einer bisher in
diesen Gebirgen noch gar nicht beobachteten Form kennen.
Noch legte Herr v. Hauer die neueste Arbeit des verdienstvollsten prak-
tischen Geologen der Lombardie, des Herrn Giulio Curioni in Mailand vor:
,, Sulla Industria del ferro in Lombardia“ , deren Zusendung er ebenfalls dem
Wohlwollen des Verfassers verdankt. Die Eisenindustrie der Lombardie, so lehrt
uns Herr Curioni, ist die älteste und eine der wichtigsten des Landes, denn sie
gibt einer zahlreichen Bevölkerung in den rauhen und wenig fruchtbaren G^birgs-
thälern ihre Nahrung, und hat bisher alle eommerziellen und politischen Wechsel-
fälle, welche das Land durchzumachen hatte, überdauert. Die so sehr gewünschte
Vereinigung mit den alten Provinzen Piemonts ist aber nahe daran, sie voll-
ständig zu ruiniren. Denn, während der höhere Eingangszoll auf Eisenwaaren,
so lange die Lombardie österreichisch war, das Bestehen derselben unerachtet
hoher Besteuerung möglich machte, hat man gegenwärtig die Steuern in ihrem
vollen Umfange beibehalten, verleiht aber den Werken weiter keinen Zollschutz.
In der vorliegenden Abhandlung beabsichtigt Herr Curioni durch Darstellung
der Eisensteingruben, der hüttenmännischen Behandlung der Erze, der Fabri-
cationsweise der verschiedenen Handelsproducte, sowie auch der Geschichte der
ganzen Industrie die Mittel anzudeuten, durch welche es gelingen könnte, sie
aufrecht zu erhalten. Abgesehen von der dringend bevorvvorteten Verringerung
der Besteuerung, räth er vorzüglich, sich auf jene Fabricate zu verlegen, welche
viele Handarbeit und vorzügliche Güte des Eisens erheischen , die neueren
Methoden von Chenot, Bessemer u. A. einzuführen und endlich sämmtliche
Werke nach dem Vorschläge des Herrn Sonnier in eine Gesellschaft zu ver-
einigen.
Nur bezüglich der in dem Buche enthaltenen Nachrichten über die ver-
schiedenen Gattungen der Erze und ihr Vorkommen sei es gestattet, hier noch
einige weitere Notizen zu geben.
Nach der Art der Lagerung unterscheidet Herr Curioni :
1. Oehrige Erze im Verrucano gelagert, grosse Gänge oder Stockwerke
bildend. Sie speisen den Hochofen von Premadio bei Bormio.
2. Spatheisenstein, in Adern und Nieren, ebenfalls in Verrucano. Haupt-
sächlich nur die Hütte in Dongo bringt sie zur Verwerthung.
3. Spatheisenstein im rothen triassisehen Sandsteine. In der Zone dieser
Sandsteine, welche sich durch die ganze Lombardie hinzieht, kennt man die
Eisensteine an vielen Orten, sie sind arm an Mangan und liefern so wie die vor-
hergehenden graues Roheisen.
4. Spatheisensteine im Servino(Werfener Schiefer). Auf ihnen hauptsächlich
basirt die Eisenindustrie in der Val Trompia, Camonica und Dezzo. Die Erze
sind manganhältig und bilden Lager, von denen man in Val Trompia fünf unter
besonderen Namen unterscheidet; sie liefern ein Roheisen, welches sich zum
Gusse gut eignet, aber auch wenn das Verhältnis der Kohle zum Erz bei der
Beschickung geändert wird, zur Stahlfabrication verwendet wird.
5. Oehrige Erze im Trias-Dolomit, Die bedeutendste Grube auf dieselben
befindet sich zu Sasso Rancio am Comersee,
48
Verhandlungen.
[10]
6. Ochrige Erze in den Raibler Schichten. Gruben, welche ehemals auf
dieselben bestanden, sind gegenwärtig verlassen, könnten aber wieder aufge-
nommen werden.
7. Magneteisenstein und Brauneisenstein östlich von Bormio, dessen geo-
logische Stelle zweifelhaft ist; endlich
8. Spatheisenstein, mitunter zusammen mit anderen Metallen vorkommend,
auf wirklichen Gängen im Glimmerschiefer.
Herr Bergrath M. Y. Lipoid sprach über die Kreideformation im östlichen
Theile des Prager und im südlichen Theile des Bunzlauer Kreises in Böhmen,
insoweit dieselben auf den Generalstabskarten Nr. 14 und 20 (Umgebungen von
Brandeis, Neukolin und Schwarz- Kosteletz) verzeichnet sind.
In diesem von Herrn Bergrath Lipoid und Herrn Director J. Krejci
im Sommer 1860 geologisch aufgenommenen Terrain findet sich die Kreide-
formation in dem ganzen nördlichen Theile vor und reicht im Süden bis Prosek,
Chwala, Gr. Jirna , Brezan , die Bucht von Schwarz -Kosteletz ausfüllend bis
Wolesec, ferner bis Malotic, Neudorf, Radi und Maleschau. Vereinzelte Lappen
derselben fand Herr Bar. v. Andrian auch noch südlich von Malotic bei Radlitz,
Smrek u. a. 0. vor. In dem ganzen Terrain jedoch ist die Kreideformation gröss-
tentheils von jüngeren Bildungen, und zwar von Löss, Diluvialsand und Alluvien
überdeckt und tritt daher nur an einzelnen Punkten in namhafterer Ausdehnung
zu Tage.
In dem bezeichneten Gebiete sind beide, nach Herrn Dr. A. E. Reuss’,
Geinitz’s u. A. Untersuchungen, dem Cenomanien und Turonien analogen Haupt-
gruppen der Kreideformation Böhmens, nämlich die Quader- und die Pläner-
gruppe, deren erstere die tiefer, letztere die höher liegende ist, vertreten. Die
Quadergruppe nimmt den südlichen und mittleren Theil des Gebietes, und zwar
die Quadersandsteine den südöstlichsten Rand in der Umgehung von Elbe-Koste-
letz, Chwala, Schwarz-Kosteletz, Radi u. s. f. , die Quadermergel v(Plänersand-
steine nach Geinitz) den mittleren Theil in der Umgebung von Cerulitz, Be-
natek, Celakowic, Prerau, Lissa, Nimburg, Sadska und Podiebrad, und die Pläner-
gruppe, die auf einzelnen Kuppen schon hei Meseric auftritt, den nordöstlichen
Theil des Gebietes in der Umgebung von Lustenio, Lauein, Roszdialowic, Krinec
u. s. f. ein. Der Quadergruppe angehörig erscheinen in dem südöstlichen Theile
des Kreidebeckens petrefactenreichere Kalkschichten (Hippuritenkalke), theils
ausser Verbindung mit anderen Kreideschichten, ähnlich Korallenriffen und
Korallenbänken, wie bei Chocenitz, theils in Verbindung mit Quadersandsteinen,
wie bei Radowesnitz, Peckau u. s. f.
Ausser den Kalkschichten sind die erwähnten Kreidebildungen in dem
bezeichneten Gebiete arm an fossilen Thierresten. Herr S toi iezk a bestimmte
freundlichst aus den Quadersandsteinen von Radbor: Ostrea columba
Lam.; aus den Kalkschichten von Chocenitz bei Kolin: Sphaendites undn-
latas Geinitz Hippurites ellipticus Gein., Avicula n. sp., und von der Pekla-
mühle bei Kolin: Ostrea columba Lam. ; aus den öfters durch Inoceramus my-
tiloides Mant. charakterisirten Quadermergeln vom Galgenberg bei Lissa :
Isocardia cretacea Goldf 1, von Wlkowa bei Nimburg: Venus plana Soiv . , von
Sadska: Ostrea lateralis Nils.', endlich aus den P 1 ä n er m ergeln von Sliwno
bei Mezeric: Inoceramus Cripsii Mant., und von Mzel bei Krinec: Inoceramus
problematicus Schloth.
Die Schichten aller erwähnten Gruppen der Kreideformation dieses Theiles
Böhmens zeigen nirgends eine gestörte Lagerung, sondern liegen entweder ganz
horizontal oder neigen sich höchstens um einige Grade gegen den Horizont.
[11]
Sitzung vom 16. April. Karl v. Hauer.
49
Herr Karl von Hauer berichtete über weitere Ergebnisse seiner kryslallo-
genetischen Studien. Seine früheren Mittheilungen in dieser Richtung wurden
in den Sitzungsberichten der k. Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.
Zu den räthselhaftesten Erscheinungen im Krystallisationsprocesse gehört
unstreitig jene, dass manche Substanzen in zwei, ja sogar in drei verschiedenen
Krystallgestalten bei gleicher chemischer Constitution auftreten können, also das
Phänomen der Dimorphie und Trimorphie. Allein die Anzahl der hieher gehörig
betrachteten Erscheinungen minderte sich beträchtlich, indem genauere Beob-
achtungen zeigten, dass in mehreren Fällen die scheinbare Dimorphie wirklich
durch eine Verschiedenheit in der chemischen Constitution bedingt war, wonach
das Auftreten in zweierlei Krystallgestalten nichts Befremdendes mehr hatte. Ein
hieher gehöriges Beispiel ist die Doppelform des schwefelsauren Kali, von wel-
chem Herr v. Hauer schon vor längerer Zeit nachgewiesen hatte, dass die in
rhomboedrischer Form auftretenden Krystalle eine constante Verbindung von
schwefelsaurem Kali mit wasserfreiem schwefelsaurem Natron seien. Dieses inter-
essante Doppelsalz entsteht bekanntlich in einer englischen Fabrik zu Glasgow
bei der Aufarbeitung von Kelplaugen und bildet sechsseitige piattenförmige
Krystalle. Es ist nun eine eigenthümliche Erscheinung, dass, wenn man eine dieser
Verbindung der Zusammensetzung nach entsprechende Lösung künstlich bereitet
und solche Krystalle darin fortwachsen lässt, sich ihre plattenförmige Gestalt
nie erhält, sondern ausnahmslos das Dihexaeder allsogleich auftritt, wodurch sie
sich im äusseren Ansehen viel mehr der Gestalt des gewöhnlichen schwefelsauren
Kalis nähern, welche sehr häufig einen scheinbaren dihexaedrischen Habitus
zeigt. Umgekehrt lässt sich unter hunderten Krystallen von dem Fabriksproduct
auch nicht ein Individuum auffinden, welches nicht plattenförmig wäre. Es muss
also eine bestimmte Ursache bei dem Fabriksprocesse eben diese constante
Form bedingen, und es erinnert die Erscheinung an den localen Formtypus
gewisser krystallisirter Mineralien, wo auch Örtliche Verhältnisse während ihrer
Entstehung einen eigentümlichen Habitus der Gestalt hervorbrachten , aus wel-
chem auf die Localität des Vorkommens häufig mit vollster Sicherheit geschlos-
sen werden kann. Als eine jener Ursachen, welche auf den Habitus von Kry-
stallen so influenziren, dass ihre Veränderung in der Gestalt unmittelbar ins
Auge fällt und wodurch diese Veränderung constant hervorgebracht wird, hat
schon vor vielen Jahren Beudant die Gegenwart gewisser fremder Substanzen
in den Krystallisationslaugen erkannt. Aus seinen Versuchen geht aber hervor,
dass wirklich nur eine Art Contactwirkung hier im Spiele sei, indem von den
betreffenden Substanzen bei der Krystallbildung nichts aufgenommen wird. Sehr
prägnante Beispiele sind hiefür Alaunlösungen, welchen ein Alkali oder Salz-
säure hinzugefügt wird. Im ersteren Falle entstehen Oktaeder in Combination
mit dem Würfel, im letzteren zeigen die anschiessenden Krystalle die Flächen
des Pentagonaldodekaeders, welch letzteres Phänomen neuere Versuche von
Weher bestätigt haben.
Es gelang indessen nicht durch in dieser Richtung unternommene Ver-
suche die Umstände zu ermitteln, unter welchen das schwefelsaure Kalinatron
plattenförmig auftritt, doch gaben sie die Gelegenheit einige andere eigenthüm-
liehe Erscheinungen des Krystallisationsprocesses zu beobachten.
Als Krystalle des genannten rhomboedrisehen Salzes in eine gesättigte
Lösung von schwefelsaurem Ammoniak gelegt wurden, fand ein Fortwachsen
derselben statt. Es entstanden darüber lange sechsseitige Säulen, in deren Mitte
die rhomboedrische Platte eingelagert war. Da diese Säulen eine ausgezeichnete
Spaltbarkeit senkrecht auf ihre Längsaxe besitzen, so Hessen sich leicht Plätt-
K. k. geologische Reichsanstalt. 13. Band, 1861 und 1863. Verhandlungen. g
so
Verhandlungen.
[12]
eben von einer Stelle ausserhalb des eingeschossenen rhomboedrisohen Kry-
stalles abtrennen. Solche Platten zeigten nun aber unzweifelhaft die optischen
Eigenschaften des gewöhnlichen prismatischea Schwefelsäuren Ammoniaks. Es
ergibt sich hieraus das interessante Factum, dass sich zwei Substanzen gegen
einander nach den geometrischen Gesetzen der Isomorphie verhielten, die aber
zwei verschiedenen Krystallsystemen angehören, eine „Episomorphie“ zwischen
einem prismatischen und einem rhomboedrischen Salze. Wohl sind in diesem
Falle übrigens die Winkelwerthe beider Combinationen so sehr nahe liegend,
dass die Messung für sich keinen hinlänglichen Anhaltspunkt geben würde.
Allein die plattenförmigen Krystalle des Fabriksproductes sind entschieden
optisch einaxig. Die darüber von dem Anschüsse im Schwefelsäuren Ammoniak
abgespaltenen aber eben so sicher zweiaxig, so dass über die Verschiedenartig-
keit des Krystallsystemes beider Substanzen kein Zweifel herrschen konnte.
Es scheint daraus hervorzugehen, dass durch das Vorhandensein einer
geringeren Menge von Natron in dem schwefelsauren Salze (es beträgt nur den
vierten Theil des Aequivalentes) die chemische Aehnlichkeit des sehwrefelsauren
Kalis mit schwefelsaurem Ammoniak nicht aufgehoben wird, die Veränderung in
der Krystallgestalt ist aber eine den Winkelwerthen nach so geringe, dass sie,
wie erwähnt wurde, nicht einmal durch Messung zu constatiren ist. Dieses Ver-
hältnis ermöglicht es, dass die Moleküle der beiden Salze noch attractorisch
auf einander wirken, dass sie sich gleich isomorphen Salzen, w as den krystallini-
schen Aufbau anbelangt, gegen einander verhalten. Wäre die Construction des
Krystallgebäudes , ein solches dürfen wir es wohl nennen, da ja die Spaltungs-
richtungen und die Aetzungcn zur Genüge zeigen, dass jed< r Krystall nichts
anders als ein Aggregat gleichgeformter sehr kleiner Krystallmoleküle ist, die
nach einem symmetrischen Gesetze orientirt sind, wäre diese Construction eine
mathematisch genaue, so könnte die eben dedueirte Krystallisationsbildung nicht
stattfinden, denn wie geringe auch der Unterschied in den gedachten beiden
Formen des prismatischen und rhomboedrischen Systemes ist, so existirt ein
solcher doch factisch. Allein man muss sich erinnern, dass beim Zusammen-
krystallisiren solcher Substanzen, die wir als isomorph betrachten, ein ähnliches
Verhältniss stattfindet, was darauf hindeutet, dass Abweichungen in der Krystall-
bildung von den streng normalen Linien und Winkeln stattfinden können.
Die Mischung zweier isomorpher Substanzen, die also in einem beliebigen
Verhältnisse in einem Krystalle sich zu vertreten im Stande sind, kann nicht
wohl als eine ins Unendliche gehende gedacht werden. Wir gelangen bei fort-
gesetzt gedachter Theilung des Krystalles zu kleinsten Krystallmolekülen , deren
ein Theil aus dem einen, der andere aus dem anderen der beiden isomorphen
Salze besieht. Die genauesten neueren Messungen haben gezeigt, dass jedes für
sich nicht absolut gleiche Grössen seien, und der Begriff der Isomorphie über-
haupt daher nur ein annähernder sei, gleichwohl treten sie in einen Krystall
zusammen. Das schwefelsaure Kali kann den Raum des sclrwefelsauren Ammo-
niaks erfüllen und das Chromoxyd jenen der Thonerde; allein die kleinsten Mole-
küle der respectiv sich ersetzenden Substanzen sind gewiss nicht absolut gleich.
Von diesem Standpunkte der Betrachtung aus hat es nun nichts Anomales, zu
sehen, dass ein prismatischer Krystall sich unter die Form eines rhomboedrischen
fügte, der Uebergang ist wohl wahrscheinlich ein allmäliger und es bedarf nur
der Annahme, dass die krystallattractorische Kraft des schwefelsauren Kalis für
schwefelsaures Ammoniak durch seine Verbindung mit einer gewissen Menge
Natron nicht aufgehoben wurde, oder vielmehr zwingt das auseinandergesetzte
Factum zu dieser Annahme.
[13]
Sitzung vom 16. April. II. Wolf.
Die rhomboedrischen Krystalle wachsen aber auch noch in anderen Medien
fort und zwar in allen solchen, welche Salze enthalten, von denen wir erfahrungs-
mässig wissen, dass sie mit schwefelsaurem Kali isomorph sind, was zur Besei-
tigung des eben Gesagten beiträgt. In diesen Fällen lässt sich aber die optische
Verschiedenheit nicht mit gleicher Sicherheit constatiren. So findet eine Ver-
grösserung dieser Krystalle in Lösungen von chromsaurem Kali, von chromsaurem
Kali-Natron, ja selbst in einer Lösung von schwefelsaurem Kali-Silheroxyd statt.
Von letzterem wird hiebei nur sehr wenig aufgenommen, aber den Krystallen ein
eigenlhümiicher Glanz und Habitus verliehen, vermöge weichem sie auf den
ersten Blick von gewöhnlichem schwefelsaurem Kali leicht zu unterscheiden sind.
Es ist endlich unverkennbar, dass alle diese Krystalle vermöge ihrer Flächen, die
krumm und verzogen sind, eine gewissermassen gezwungene Bildung verrathen.
Herr H. Wolf berichtete über die Tertiär- und Diluvialschichten in der
Gegend zwischen Olmütz und Brünn, welche er im verflossenen Herbste zu
besuchen Gelegenheit hatte. Die besprochenen Tertiärschichten gehören den
marinen Ablagerungen des miocenen Wiener Beckens an, welche sich in einer
schmalen Zone zwischen den Höhenzügen des Marsgebirges und dem Hochplateau
der Culmzone, in nordöstlicher Richtung von Steinabrunn über Seelowitz, Raus-
nitz, Prossnitz abgesetzt hatten. Ein Theil dieser Ablagerungen und zwar die
tieferen bestehen aus Tegel, der durch Gryphaea cochlear Poli charakteri-
sirt wird.
Diese Schichten greifen gegen Norden in die älteren Gebirgsformationen
ein, wo sie Buchten bezeichnen, von welchen die bedeutendste und bekannteste
über Raitz dem Zwittawathale aufwärts, über Mährisch-Trübau nach Böhmen
hinein sich erstreckte.
Die Ablagerungen derselben hat schon Herr Prof. Dr. A. E. Reuss in seinen
Beiträgen zur geognostischen Kennlniss Mährens (Jahib. der k. k. geol. Reichs-
anstalt 5. Band, 4. Quart, pag. 659) und jüngst erst in dem 39. Bande, pag. 207
der Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften, besprochen und gefunden, dass die Fauna derselben innerhalb
jener des Badner Tegels, Leithakalkes und der Cerithienschichten zu stehen
kommt, welche im Wiener Miocenbecken bei Baden, Nussdorf, Steinabrunn, in
Galizien bei Wieliczka und Lemberg, in Ungarn und Siebenbürgen bei Szobb und
Lapugy zu finden sind.
Diese nördliche Bucht zweigt sich bei Brünn von dem gegen Nordosten
sich erstreckenden Arm des Miocenmeeres aus, welcher über die Sattelhöhe hei
Weisskirchen das Verbindungsglied zwischen dem Wiener und dem galizischen
Becken war. Südlich liegen die Ablagerungen des Miocenmeeres auf der Menilit-
zone oder auf deren sandiger und mergliger Abtheilung, welche parallel dem
Nordsaume der Wiener und Karpathen-Sandsteine diesen vorliegt; und zwar in
übergreifender Lagerung, da die Miocenschichten meist horizontale sind oder nur
locale kleine Neigungswinkel besitzen, während die Sande und Mergel der
Menilite einen meist bei 30 Grad betragenden Einfallswinkel besitzen. Tertiär-
fossilien der miocenen Abtheilung kommen vor: Nördlich bei Ruditz, Bellowitz,
Seelowitz, Lautschütz, Satschan, Austerlitz, Rausnitz, Jesera, Drzowitz bei Pross-
nitz und Andlersdorf bei Rittberg, unweit Olmütz. Von diesen waren drei Fund-
orte früher nicht gekannt: Ruditz, Drzowitz und Andiersdorf, von denen gegen-
wärtig nur der letzte zugänglich ist, da die beiden andern nur bei Schürfarbeiten
auf Eisenerze und Kohlen gelegentlich entdeckt wurden.
Die Miocenschichten bestehen aus Tegel mit Gryphaea cochlear Poli oder
aus Sunden mit Pecten opercularis Lam . und sarmenticius Goldf \ nebst zahl-
52
Verhandlungen.
[14]
reichen Bryozoen und Foraminiferen, oder aus Leithakalk mit Pectunculus po-
lyoclonta Brocc., Pecten latissimus und sonstigen Kalken mit Panopaea Faujasi
Lam., Ostrea gingensis Schloth und Cerithium rubiginosum Eichte. Die
reichsten Fundorte sind aber Rausnitz und Ruditz, welch letzterer noch grosse
Ausbeute liefern würde.
Es sind dort gefunden: 24 Arten Gasteropoden, darunter 1 Mur ex n. sp.t
5 Arten Conchiferen, davon eine Lima neu, 6 Arten Bryozoen, 5 Arten Antho-
zoen, davon eine neu, endlich 49 Arten Foraminiferen, darunter 4 — 5 neu.
Die Gasteropoden und Conchiferen hatte Herr Dr. Hörn es, Bryozoen und
Anthozoen Herr Stoliczka, und die Foraminiferen Herr Karrer zu bestimmen
die Güte gehabt. Von Rausnitz hat Herr Dr. Hörn es 36 Arten publicirt. Diese
und die Gasteropoden von Ruditz, mit jenen zu Steinabrunn und Baden verglichen,
zeigen, dass von den 24 in Ruditz aufgefundenen Arten 15 in Baden und 14 in
Steinabrunn Vorkommen, also respective 62*5 Perc. und 58-3 Perc. , und von
den 36 Gasteropoden von Rausnitz sind 22 Arten in Baden und 27 auch in
Steinabrunn gefunden. Dies gibt 61 Perc. von Baden, und 75 Perc. von Steina-
brunn. Wenn diese Localitäten eben so vollkommen ausgebeutet wären wie Baden
und Steinabrunn , so würden sich noch höhere Percente ergeben und die Iden-
tität der Faunen noch besser sich erweisen lassen.
Merkwürdig bleibt aber, dass die zwei nur um drei Meilen von einander
entfernt liegenden Punkte Ruditz und Rausnitz nur zwei Gasteropoden gemein-
schaftlich haben, nämlich: Conus antediluvianus und Mitra ehenus Lam. Der
Fundort Ruditz ist einer der höchst gelegenen im Wiener Becken, denn derselbe
erreicht die Seehöhe von 229*34 Klaftern, nach einer Messung Koristka’s, und
überragt jenen von Abtsdorf noch um 3 Klafter.
Der Leithakalk und die ihm verwandten Sandsteine bilden einzelne insel-
artige Kuppen, die über ihre Umgebung hervorragen, welche in der gegen Nord-
osten ziehenden Bucht des Wiener Beckens ein gewisses Niveau in einer geraden
Linie einnehmen, die näher der Menilit- als der Culmzone liegt. Hieher gehören:
Der Weihenberg bei Seelowitz mit 185 05 Wr. Klftr. (Leithakalk).
„ Pratzeherg bei Augezd 16813 „ „ (Sandstein).
„ Stari Wirohrady bei Blasiowitz mit . . . 174*16 „ „ (Sandstein).
„ Urbaniberg bei Austerlitz mit 187*72 „ „ (Leithakalk).
„ Kopaningberg bei Wischau mit 185 00 „ „ (Leithakalk).
Von Tertiärschichten sind noch erwähnenswerth die durch den Schurf-
schacht auf der Höhe Grupowien Zlybem bei Drzowitz nordöstlich bei Prossnitz
angefahren wurden. Zuerst: 3 Klafter Löss, dann 5 Klafter Sand, 10 Klafter
Tegel, anfangs gelb, dann tiefer grau, 5 Klafter Sand mit Gryphaea cochlear
und Spondylus crassicosta Lam., 1 Klafter blauer Letten mit Kohlenschmitzen,
12 Klafter krystallinische Schiefer (Phyllite).
Das Diluvium dieser Gegend besteht aus a) erratischen Blöcken und Ge-
schieben, b) Löss, c) Terrassenschotter, d) Thallöss, der jenen noch bedeckt.
Erstere a) finden sich als grobe Quarzitblöcke in der Umgegend von Jedownitz,
Ruditz, Laschanek, Olomuczan, Babitz, Hostienitz und Schumitz. Besonders in
der Umgegend von Ruditz sind sie in den Erzgruben mit dem Material der Jura-
und der Kreideformation zugleich eingeflösst. Diese Quarzitblöcke finden sich
auch noch an vielen anderen Punkten in Mähren, ich nenne nur die von Stein-
mierzitz NW. bei Leipnik, dann die Gegend um Wolframitzkirchen bei Znaim.
Der Löss umhüllt diese Blöcke, und wenn er weggeschwemmt ist, so liegen sie
für sich allein auf älteren Gesteinen. Dieses Diluvium findet sich bis zur Höhe von
300 Klaftern und kann auf Höhen und Kuppen unter diesem Niveau an von der
[15] Sitzung vom 16. April. H. Wolf. Foetterle. 53
Abschwemmung geschützten Punkten gefunden werden; es ist nicht an das
jetzige Thalsystem gebunden, wie die Fundorte längs der Kalkzone, die dem
Syenit zwischen Brünn und Boskowitz östlich vorliegt, beweisen. Denn, berück-
sichtigt man die Lage dieser Fundorte, so sieht man, das sie östlich vom höheren
Culmgebirg, westlich vom höheren Syenitgebirg eingeschlossen sind. Ordnet man
die Fundorte der Geschiebe in der Richtung von Nord gegen Süd, so findet man,
dass sie in einem Thalbett liegen, welches von den gegenwärtigen Thälern fast
senkrecht durchrissen wird. Solche Thalpunkte sind, der Niemciner Sattel.
296*96 Klafter (nach Koristka), Zdiar 294*35, Petrowitz 284*48, Wawrcinetz
279*53, Neuhof 275*66, Jedownitz 270*22, Ruditz 267*45, Babitz 247*25,
Jozera-Jägerhaus 231 14, Hadiberg Wirthshaus 201*37. Hier erfolgt in kurzer
Strecke eine schnelle Senkung auf 160 Klafter wie bei Lösch, womit das mittlere
Niveau des Terrains zwischen Brünn und Olmütz erreicht ist.
Mit der Bildung des jetzigen Thalsystems haben auch die Ablagerungen c)
des Terrassenschotters, und d ) des Thallösses begonnen, sie sind an das jetzige
Flusssystem gebunden, und bilden wie der Name Terrasse bezeichnet charak-
teristische Terrainformen , welche der Bedeckung durch Flussalluvionen seit
historischer Zeit entrückt sind, wie z. B. die Terrassen von Tobitschau und Koje-
tein bei Kremsier, und die von Turas bei Brünn, welche sich um 10 — 15 Klafter"
über die Thalsohlen der March und der Zwittawa erheben. Das Material des
Terrassenschotters besteht zum Theil aus umgelagertem erratischen Schotter,
zum grossem Theil aber aus älteren Gebirgsarten des gegenwärtigen Fluss-
systemes. Der Thallöss ist das umgelagerte Product des oben erwähnten Lösses,
und in ihm finden sich die zahlreichen Knochen von Landsäugethieren. Die
niederen Gegenden Mährens sind mit diesen Schichten bedeckt. Rir Verbreitungs-
bezirk gibt sich wegen der grösseren Ergiebigkeit des Bodens, den sie zu-
sammensetzen, durch gedrängter stehende, und bevölkertere Ortschaften zu
erkennen. Das Material, welches die Knochen einhüllt oder bedeckt, in den Höhlen
von Sloup und Kiritein und aller jener Höhlen des Kalkes, die in den jetzigen
Thalsohlen ihre Eingänge haben, gehört dieser jüngeren Diluvialperiode an.
Die k. k. geologische Reichsanstalt verdankt dem k. k. Bauassistenten Herrn
Jos. Leinmüller zu Gurkfeld in Krain bereits zu wiederholten Malen die Zusen-
dung von Fossilien aus den in jener Gegend namentlich an den Ufern der Save zu
Tage tretenden jüngeren Tertiärschichten, welche wesentlich dazu beitrugen die
genauere Kenntniss der Stellung jener Tertiärschichten zu fördern. Herr Joseph
Leinmüller sandte nun abermals eine kleine Partie derartiger Fossilien,
welche Hr. Bergrath Foetterle vorlegte. Es sind Bruchstücke von verkohltem
und verkieseltem Holz, Knochenbruchstücke von Fischen, und Muscheln aus
dem unterhalb der Stadt Rann am linken Ufer der Save anstehenden thonigen
Mergel. In den oberen Lagen finden sich sehr schmale Streifen von Kohlen mit
den Holzbruchstücken, die leider nicht bestimmbar sind; die darunter vorkom-
menden vielfach verbogenen Mergel enthalten zahlreiche Knochenbruchstücke von
Fischen, die jedoch der Art verbrochen sind, dass sich nur mit Mühe erkennen
lässt, dass dieselben einem Knochenfische mit heterocerken Flossenstrahlen
angehören, dessen Unterkiefer mit einer Reihe konischer Zähne besetzt war. Die
Conchylien treten in der untersten mehr tegelartigen Abtheilung auf, und es
sind vorzüglich eine Nucula, Corbula und Modiola, die sich erkennen lassen.
Am Schlüsse legte Hr. Foetterle eine Reihe von in der letzten Zeit an die
Anstalt eingegangenen Druckschriften zur Ansicht vor.
54
Verhandlungen.
m
Sitzung am 30. April 1861.
Herr k. k. Hofrath W. Haidinger im Vorsitz.
Der bisherigen Gepflogenheit entsprechend berichtete Herr Director Hai-
dinger in dieser diesjährigen Winter-Schlusssitzung über die für den gegen-
wärtigen Abschluss gewonnenen geologisch-colorirten Karlen und wie selbe in
dem bisher vorgezeichneten Wege durch Seine Excelleuz, Herrn k. k. Staats-
minister Ritter v. Schmerling zur Unterbreitung an Seine k. k. Aposto-
lische Majest ät in tiefster Ehrfurcht geleitet worden sind. Es waren dieses
Jahr vier Sectionen der k. k. General-Quartiermeisterstabs-Specialkarten in dem
Maasse von 1 Zoll = 2000 Klaftern oder 1 : 144.000 der Natur vorbereitet,
davon die Blätter No. IV Umgebungen von Neustadtl und Hochstadt und No. IX
Umgebungen von Jicin undHohenelbe durch Herrn Sectionsgeologen Job. Jokely,
die Blätter No. XIV Umgebungen von Brandeis und Neu-Kolin und No. XX Umge-
bungen von Skalitz und Benest hau durch Herrn k. k. Bergrath M. V. Lipoid und
Herrn Sectionsgeologen Freih. v. Andrian, welchen sich als freiwilliger Theil-
nehmer an unseren Arbeiten Herr k. k. Prof. Joh. Krejci von Prag (gegenwärtig
Gymnasialdirector in Pisek) freundlichst angeschlossen hatte. An Uebersichts-
karten gewannen wir 1. von den zwei Blättern der Strassenkarte von Siebenbür-
gen das westliche durch die Arbeiten der Herren k. k. Bergrath Franz Ritter
v. Hauer und Sectionsgeologen Dr. G. Stäche und D. Stur; ersterer noch
freundlichst begleitet von Herrn A. Bielz von Hermannstadt, so dass nun Sie-
benbürgen in der Strassenkarte des k. k. militärisch -geographischen Institutes
in dem Maasse von 6000 Klaftern = 1 Zoll, oder I : 432.000 der Natur einge-
tragen, vervollständigt ist. 2. Zwei weitere Blätter No. XII und No. XI\r, Gegend
von Grosswardein, der Administrationskarte von Ungarn (Maass 1 Zoll = 4000 Klft.
oder 1 : 288 000), aufgenommen von Herrn Sectionsgeologen H. Wolf. 3. Die
zwei östlichen Blätter, an Siebenbürgen anschliessend der Generalkarte der Woj-
wodschaft Serbien und des Temeser-Banates, dann der vier Grenzregimenter
Peterwardeiner , Deutsch-Banater, Illyrisch-Banater und Roman-Banater , endlich
des Titler Grenz-Bataillons in dem Maasse von 4000 Klft. = 1 Zoll oder 1 .-288.000
der Natur, letztere durch die Herren k.k. Bergrath Fr. Foetterle und H. Wolf.
Es war ausnahmsweise in diesem Jahre nicht gelungen einen vollständigen
Jahresband des Jahrbuchs der k. k. geologischen Reichsanstalt abzuschliessen.
Man weiss, welchen Störungen die Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt
im verflossenen Jahre ausgesetzt waren. Der Druck des Jahrbuches wurde ein-
gestellt und erst jetzt in der allerletzten Zeit konnte wieder an den früheren
Abschnitt die neuere Fortsetzung angeknüpft werden. Die wichtigsten Abhand-
lungen liegen abgeschlossen vor, welche Zeugniss unserer, selbst in der ungün-
stigsten Periode durchgeführten Arbeiten geben und welchen wir nun auch für
den gegenwärtigen Sommer unsere neuen Aufgaben anzuschliessen bereit sind.
Indessen enthält doch auch dieses erste Heft zw ei classische Arbeiten, von Herrn
k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer, über die Congerien- (Inzersdorfer) Schich-
ten und von Herrn D. Stur über das Wassergebiet der Waag und Neutra, nebst
kleineren Mittheilungen der Herren Prof. Kenngott in Zürich und K. Paul.
Wenn man den Schluss unserer Arbeiten mit der Mittheilung in der Schluss-
sitzung des verflossenen Jahres am 24. April 1860 vergleicht, so findet man,
dass wir gegen die dort verzeichnete Aufgabe zurückgeblieben waren. Es geschah
dies nur darum, weil uns die Arbeitskraft * entzogen worden war. Wir sind
[2] Sitzung vom 30, April, W, Haidinger. 55
dadurch allerdings sehr zurückgesetzt worden. Für die diesjährigen Aufnahmen
liegt uns nun folgendes Programm vor: Detail -Aufnahmen. I. Section. Herr
Sectionsgeologe Johann Jokely. Vervollständigung des Blattes No. IX, Um-
gebungen von Jicin und Hohenelbe und Aufnahme des Blattes No. X, Umgebun-
gen von Braunau. Section II. Chefgeologe Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid,
Sectionsgeologe Freiherr F. v. Andrian. Zwei Blätter, Östlich an die des ver-
flossenen Sommers anschliessend, No. XV Umgebungen von Königgrätz und
No. XXI Umgebungen von Chrudim und Czaslau. Für die Uebersiehtsaufnahmen
ist das südwestliche Ungarn und südwestlich an dasselbe anschliessend das
kroatisch-slavonische Landesgebiet bis an die Save beantragt und an die Herren
Geologen ausgetheilt, wie folgt: Section III, Chefgeologe Herr k. k. Bergrath
Fr. Foetterle, Sectionsgeologen die Herren D. Stur und H. Wolf. Kroatien,
Slavonien und die slavonische Militärgrenze. Section IV, Chefgeologe Herr k. k.
Bergrath Franz Ritter v. Hauer, Sectionsgeologen die Herren Dr. G. Stäche
und Ferdinand Stoliczka, das südwestliche Ungarn. An dem heutigen Tage
kann indessen diese ganze Austheilung noch nicht als gänzlich gesichert ange-
nommen werden, da selbe vorläufig nur im Vorschläge vorliegt.
Billig darf man erwarten, dass auch heute ein Wort über die Hoffnungen
der k. k. geologischen Reichanstalt gesagt wird in Bezug auf die ihr für die nächste
Periode zur Verwendung stehenden Localitäten, nachdem bereits am 24. April
des laufenden Jahres der früher bestehende Mietvertrag abgelaufen war. Wir
schätzen uns glücklich mittheilen zu können, dass von Seite des hohen k. k.
Staatsministeriums Unterhandlungen zur Verlängerung der Miethe eröffnet wur-
den, von welchen wir den günstigsten Ausgang erwarten.
Herr Director Haidinger legt ferner das Programm, die Statuten und
eine Subscriptionsliste vor, des neu ins Leben getretenen Vereines „zur Ver-
breitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse“ , wie sie ihm zu diesem Zwecke
von Herrn Professor E. Suess, einem der Gründer desselben, übergeben wor-
den waren. Er wünscht, durch einige Worte für unser Jahrbuch, die Thatsaclie
der Gründung dieser neuen Gesellschaft der Erinnerung schon darum zu erhal-
ten, weil die eigentliche That der ersten Vereinigung in unserer k. k. geologi-
schen Reichsanstalt selbst lag, wo durch zwei Jahre, 1855 und 1856, in diesem
unserem Sitzungssaale strebsame jüngere Naturforscher, angeregt durch unsern
zu früh verewigten jungen Freund Grailich, jeden Montag den Winter hin-
durch Vorträge über einzelne anziehende naturwissenschaftliche Gegenstände
hielten. Nach sechs Jahren, nachdem ähnliche Reihen von Vorträgen seit jener
Zeit in einem Saale des Kaiserlichen Akademie- Gebäudes, die Lebensfähigkeit der
Unternehmung selbst reich bewährt, tritt ein Ausschuss von dreizehn jüngeren
Forschern , einschliesslich zweier Professoren, unsern hochverehrten Freunden
Suess an der k. k. Universität und v. Hochstetter am k. k. polytechnischen
Institute, Docenten, Adjuncten und Assistenten, oder in freier gesellschaftlicher
Stellung, in dem Verhältnisse von vier, drei und je einem Theilnehmer an der
k. k. Universität, der k. k. Sternwarte, dem k. k. Hof-Mineraliencabinet und dem
k. k. botanischen Hofcabinet, dem k. k. physikalischen Institut und dem k. k. aka-
demischen Gymnasium zusammen, um eine wirkliche Gesellschaft zu bilden, welche
auch die Allerhöchste Sanction erhielt, ertheilt an die Herren Prof. E. Suess,
Custos-Adjunct am k. k. Hof-Mineraliencabinet, und Dr. K. Hornstein, Adjunct
an der k. k. Universitäts-Sternwarte. Der Ausschuss, geleitet von zwei Geschäfts-
führern, ladet speeiell zur activen Theilnahme an den Vorträgen ein. Mitglieder
zahlen 1 bis 5 fl. 0. W. jährlich, wofür sie zu den Vorträgen und Gesammtver-
sammlunge4i Eintritt haben und die Druckschriften erhalten, die Vorträge selbst,
56
Verhandlungen.
[3]
und einen Jahresbericht über den Stand der naturwissenschaftlichen Thätigkeit
in Oesterreich. Der Verein ist nach einem Theile seiner Wirksamkeit bereits in
unser naturwissenschaftliches Leben eingebürgert. Er strebt nach Mehrerem,
was wir auch gewiss von den regsamen Kräften, die er im Ausschüsse vereinigt,
erwarten dürfen. Einstweilen stellen wir ihm einige (im Grunde sehr wenig)
materielle Kraft zur Verfügung, je reichlicher indessen um desto besser, denn
es fehlt ja bei uns noch gar gewaltig in dieser Beziehung, und wünschen, dass
er aufblühen möge zur Freude seiner Begründer und zur Förderung wahrer Na-
turwissenschaft. Wie in jener längst entschwundenen Periode der „Freunde der
Naturwissenschaften“, ist auch der neue Verein sichtlich ein naturgemässer Aus-
druck des Wunsches gemeinschaftlicher Interessen-Anerkennung der gesammten
Naturwissenschaften, aber der Naturwissenschaften für sich allein. Mit Nach-
druck in sich selbst, unter schwierigen Verhältnissen begonnen, vor der Grün-
dung einer Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, kam die „Gesellschaft
der Freunde der Naturwissenschaften“, zu welcher, nach der Eingabe am 30. Oc-
tober 1846, Haidinger die Bewilligung erst am 11. August 1848 erhielt, eben
wegen dieses in ungünstigster Zeit erfolgten Abschlusses, gar nicht mehr zur
Ausführung, und wenn auch Wichtiges ehrenvoll eingeleitet war, so thürmten
sich Hindernisse aller Art der weiteren Entwickelung entgegen, wie uns dies
Allen wohl bekannt ist. Indessen bildet sich neu und neu der Kern im Innern
wieder aus, und in dieser und jener Richtung beeinträchtigt, strebt er doch immer
wieder zur Geltung zu kommen. Wie auch das Einzelne beurtheilt werden mag,
diese Betrachtung lässt uns die Bildung des neuen Vereines mit hoher Befriedi-
gung begrüssen.
Herr Karl v. Hauer besprach die chemische Constitution der eisenhaltigen
Quellen bei Mauer nächst Wien.
Es ist nicht selten der Fall, dass dem zunächst liegenden die geringste Auf-
merksamkeit zugewendet wird, und zwar sowohl in Bezug auf Gegenstände die
einer praktischen Verwendung werth sind, als auch in Hinsicht rein wissenschaft-
licher Forschung. Ein Beleg hiefür liegt darin, dass mehrere der im Rayon der
Stadt Wien zu Tage kommenden Wässer noch nie einer genaueren analytischen
Untersuchung unterzogen wurden, und doch scheinen einige derselben, wie sich
schon aus dem Geschmaeke schliessen lässt, den Charakter von Mineralquellen in
dem Grade zu besitzen, um zur Verwendung in dieser Richtung geeignet zu er-
scheinen. Die Situation ihres Ursprunges in der Nähe einer dicht bevölkerten
Stadt verleiht ihnen aber hier um so mehr Wichtigkeit für die Verwerthung, wie
nicht minder die erzielte nähere Kenntniss jeder solchen Quelle dazu beiträgt die
unsichtbaren Verhältnisse in den unzugänglichen Regionen des Erdinnern theil-
weise zu entschleiern.
Eine sehr augenfällige Reaction hat in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit der
Besitzerin der Badeanstalt zu Mauer Frau Giacomozzi auf den ungewöhnlichen
Eisengehalt einer der dort entspringenden Quellen gelenkt, nämlich die Reaction
auf Linnen, deren Gelbwerden beim Reinigen in diesen Wässern nur zu bemerkbar
wurde. Einer Aufforderung derselben Folge leistend, hatte es nun Herr v. Hauar
unternommen eine quantitative Analyse des dortigen Wassers auszuführen, nach-
dem er an Ort und Stelle durch einige Vorversuche die Ueberzeugung gewonnen
hatte, dass es sich hier nicht blos um ein gewöhnliches hartes Wasser handle,
mit welchem wir in Wien sehr reichlich versorgt sind, sondern dass es schon den
Typus einer eigentlichen Mineralquelle an sich trage; der letztere manisfestirt
sich zwar nur durch das Vorhandensein eines einzigen therapeutisch wirksamen
Stoffes, aber eines sehr geschätzten, das ist durch {len beträchtliche/! Gehalt an
Sitzung vom 30, April. Karl v. Hauer.
57
[4] •
kohlensaurem Eisenoxydul. In der That ist die Quelle hierdurch einer eingehen-
deren Beachtung werth. Noch ist der Versuch nicht gemacht worden ihr Wasser
zur Trinkcur zu verwenden, was aber in Anbetracht des grossen Verbrauches
künstlicher Eisenpräparate, welche die Pharmacopoeen noch nicht gelernt haben
dem Naturproducte gleich in gelöster Form darzustellen, sehr anzurathen wäre.
Das grosse Bassin und die einzelnen Bäder in Mauer werden durch den Zu-
fluss mehrerer Quellen gespeist, und zwar in gemischtem Zustande. Da aber nur
eine davon und zwar eine minder wasserreiche sich überhaupt durch einen
höheren Gehalt an fixen Bestandtheilen auszeichnet, so werden ihre specifischen
Eigenschaften in der bedeutenden Verdünnung gänzlich verdeckt, und diesem
Umstande mag es zuzuschreiben sein, dass die beträchtlichen Niederschläge von
Eisenoxydhydrat, welche ihr isolirt stagnirendes Wasser absetzt, nicht bemerk-
bar wurden.
In älterer Zeit sind indessen die eigenthümlichen Eigenschaften der in Rede
stehenden Quellen nicht gänzlich übersehen worden. So findet sich in Dr. Joseph
Koch’s Zusammenstellung der Mineralquellen der österreichischen Monarchie
eine hierauf bezügliche Notiz. Er führt an, dass bei Mauer zwei Quellen existiren,
deren eine im ehemaligen Jesuitengarten, die andere im Mannerischen Garten
entspringe. Erstere enthalte Glauber- und Bittersalz, die letztere, das ist jene,
die nunmehr untersucht wurde, gehöre den Eisenwässern an. Es ist die zu oberst
auf dem Abhange zu Tage kommende, an deren Fusse die Badeanstalt liegt.
Der Gehalt in einem Pfunde = 7680 Gran ergab sich folgendermassen :
0*604 Gran kohlensaures Eisenoxydul.
2*328 „ kohlensaurer Kalk.
0*218 „ kohlensaure Magnesia.
2*367 „ schwefelsaurer Kalk.
1*315 „ schwefelsaure Magnesia.
0*288 „ schwefelsaures Natron mit Spuren schwefelsauren Kali.
0*039 „ Chlornatrium.
0*053 „ Kieselerde.
7*212 Gran Summe der fixen Bestandtheile.
1*367 „ Das zweite Aequivalent Kohlensäure.
0*765 „ Freie Kohlensäure.
9*344 Gran Summe aller Bestandtheile.
Endlich Thonerde und organische Substanzen in unwägbarer Menge.
Der Gehalt an kohlensauren und schwefelsauren Salzen beträgt nicht mehr
als jener von einigen unserer sehr harten Brunnenwässer, doch überragt die
Menge des Bittersalzes die meisten derselben, und dieser Bestandtheil käme zu-
nächst dem Eisen in Betracht zu ziehen. Berechnet man die Härte des Wassers
nach den üblichen Graden (ein Theil der Basen in 100.000 Theilen Wasser), so
beträgt dieselbe im Ganzen nach den Resultaten der Analyse 44*4 Grade. Nun
sind unter den neuerlichst von Wien untersuchten Brunnenwässern 15, welche
mehr als diese Anzahl ergaben, ja 4 derselben zeigten sogar über 100, im höch-
sten Falle 172 Härtegrade. Hieraus folgt aber nicht der Schluss, wir hätten inner-
halb der Stadt Wien eben so viele Mineralquellen, denn die specielle Charakteri-
stik für solche liegt nicht lediglich in der „Quantität“ des Gehaltes an aufgelösten
Stoffen, sondern insbesonders auch in der „Qualität“ der letzteren. Das Vorhan-
densein von Bestandtheilen, welche irgend eine entscheidende Reaction auf den
menschlichen Organismus ausüben, sind der hiefür entscheidende Factor. Wenn
man bedenkt, dass die reichsten Eisensäuerlinge selten über ein Gran des Carbo-
nates enthalten, so dürfte der hier angegebene Gehalt als auffallend hoch
h
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862, Verhandlungen.
B8
Verhandlungen.
[«]
bezeichnet werden. Alle kräftigen Eisensäuerlinge besitzen nun aber auch gleich-
zeitig eine grosse Menge freier Kohlensäure. Auch bei künstlich erzeugten Lösun-
gen bedarf es der Gegenwart einer weit grösseren Menge des absorbirten Gases
als stöchiometrisch für die Existenz des Doppelcarbonates erforderlich wäre,
wenn man halbweg concentrirtere Lösungen darstellen will. Bei der in Rede
stehenden Quelle ist dies nun keineswegs der Fall, ja sie enthält so wenig
davon , dass vielleicht zur Zeit keine einzige Quelle bekannt ist, die bei so gerin-
gem Gehalte an freier Kohlensäure eine gleich beträchtliche Quantität Eisen-
oxydul führt. Man muss hienach schliessen, dass dieses Wasser mit Schichten in
Berührung kommt, welche Eisenverbindungen in einer eigentümlichen , leicht
löslichen Form enthalten. Die bekannten krystallisirten kohlensauren Eisenver-
bindungen widerstehen ziemlich energisch dem kohlensäurehältigen Wasser,
wenn es nicht sehr stark damit gesättigt ist.
Das angeführte Verhältniss bringt es mit sich, dass das Wasser in unbedeck-
ten Gefässen rasch den gesammten Eisengehalt in Gestalt von Oxydhydrat ab-
setzt. Bei Betrachtnahme der Möglichkeit einer praktischen Verwerthung als
Stahlwasser wird dieser Umstand aber ohne Einfluss sein für das Trinken an der
Quelle selbst. Durch sorgsame Füllung und Verkorkung wird es ferner gelingen
das Wasser noch ziemlich hochgradig, wenn auch nicht auf weitere Entfernun-
gen, so doch nach Wien zu transportiren. Unbeschadet wird in solchen versendeten
Flaschen etwas Eisen herausfallen können, da bei seinem ansehnlichen Gehalte
daran für therapeutische Zwecke immerhin eine genügende Menge aufgelöst
bleiben würde. Gleichwie bei Mineral- und Steinkohlenvorkommen die Situation
der Localität ein wesentlicher Factor für ihre Werthschätzung ist, gilt dies
häufig auch für Mineralwässer, und diese ist hier gewiss nicht zu unterschätzen,
wenn man sich zudem der Gesundheitsverhältnisse unserer Hauptstadt erinnert,
für deren Erhaltung und Verbesserung die Regenerirung des Blutes durch phar-
maceutisch dargestellte Eisenpräparate eine so ausgedehnte Rolle spielt.
Herr Dr. Karl Peters gab einen vorläufigen Bericht über die geologischen
Verhältnisse des Baranyer Comitates, insbesondere über die interessante und für
die Industrie so wichtige Umgebung von Fünfkirchen, welche er im vorigen
Herbste untersucht hat und mit deren Bearbeitung er sich eben jetzt beschäftigt.
Nach einer kurzen geographischen Andeutung der beiden grossen Gebirgs-
gruppen, welche sich aus dem mittelungarischen Tiefland erheben, des Bakonyer
Systemes im Norden und der Fünfkirchner Gebirge im Süden, geht der Vor-
tragende auf eine Parallele zwischen den Schicht- und Massengesteinen beider
ein und hebt insbesondere die wesentlichen Unterschiede in den Formationen
mittleren Alters hervor. Während im Bakonyer und Vertes-Pilisgebirge der
Dachsteinkalk, die rothen amrnonitenreichen Lias und Jurakalksteine mächtig
entwickelt sind, zeigt die Gruppe von Fünfkirchen die merkwürdigen Lias-
sandsteine und Schiefer, Grestener Schichten, die hier so überreich an Kohlen-
flötzen sind; über ihnen die eigentlichen Grestener Kalksteine mit Gryphaeen,
Spirifer rostratus , Lyonsia unioides und Pectenarten, wie man sie aus dem
Pechgraben und der Grossau in Oberösterreich kennt, und noch weiter oben
einen eigentümlichen Sand- und Kalksteinschichten-Complex, der durch einzelne
ammonitenführende Schieferlager als oberliassisch charakterisirt ist.
Die Jurakalksteine der Fünfkirchner Gruppe gehören allem Anscheine nach
einer höheren Schichte an als die Ammonitenkalke des Bakonyer Systems; die in
letzterem kolossal entwickelten Eocengebilde fehlen dort gänzlich.
Nachdem Dr. Peters in einigen Worten der culturgeschichtlichen Bedeu-
tung Fünfkirchens gedacht hatte, welches in der Römerzeit und das ganze Mittel-
Sitzung vom 30« April. M. V. Lipoid. D. Stur.
[6]
S9
alter hindurch ein Knotenpunkt des Völkerverkehrs war, und jetzt, durch die
überwältigende Bedeutung der Wasserstrasse bei Seite geschoben, wenigstens
durch seine, die Donaudampfschifffahrt unterhaltenden Kohlenschätze noch erfolg-
reich mitwirkt, entwickelte er die ganze Schichtenfolge vom rothen Sandstein
bis zu den weissen Jurakalken, besprach die Massengesteine, welche im west-
lichen und nördlichen Theil des Gebirges aufsetzen und legte der Versammlung
eine geologische Uebersichtskarte des Gebietes vor. — Mit besonderem Danke
anerkennt Dr. Peters die umfassenden geologisch - montanistischen Arbeiten
A. RiegeTs, deren Ergebnisse ihm völlig zur Verfügung standen, und die
ausserordentliche Liberalität dieses Fach- und Arbeitsgenossen. Auch erwähnt
er dankbar der liebenswürdigen Zuvorkommenheit der Herren Werksbeamten in
Szäsz und der k. priv. Donaudampfschifffahrts-Gesellschaft. Schliesslich spricht
er die Hoffnung aus, dass doch endlich die Vervollständigung des Eisenbahn-
netzes zu Stande kommen und den agricolen und montan -industriellen Auf-
schwung eines Landstriches bewirken werde, welcher von Natur aus zu den
höchsten Leistungen befähigt ist.
Herr Bergrath M. V. Lipoid legte eine von dem Herrn Sectionsgeologen
J. Jokely für das Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt verfasste geolo-
gische Abhandlung über „das Riesengebirge in Böhmen“ vor.
Das Riesengebirge wird nach Herrn Jokely’s Aufnahmen von massigen
und schiefrigen krystallinischen Gesteinen zusammengesetzt. Unter den Massen-
gesteinen spielt der Granitit, welcher den Hauptkamm des Riesengebirges bis
zur Schneekoppe einnimmt, die Hauptrolle. Der Granit ist nur untergeordnet
und von den jüngeren eruptiven Gesteinen der Porphyr, Melaphyr und
Basalt nur sporadisch vorhanden. Von krystallinischen Schiefergesteinen sind
neben eruptivem Gneisse (Protogyn) vorzugsweise Glimmerschiefer und
Urthonschiefer vorherrschend, mit zahlreichen Einlagerungen von Quarzit-
schiefern, grünen oder Amphibolschiefern, körnigen Kalksteinen und Malakoli-
then. Die Schneekoppe selbst besteht ebenfalls aus Urthonschiefer.
Die Lagerungsverhältnisse dieser krystallinischen Gesteine hatHerr Jokely
durch viele Durchschnitte erläutert, welche zur Einsicht vorgelegt wurden.
In einem besonderen Abschnitte bespricht Herr Jokely die Erzführung
und die Bergbaue des Riesengebirges. Die in demselben einbrechenden geschwe-
felten Kupfererze, Blei-, Silber-, Arsen- und die vorherrschenden Eisenerze
(Magneteisensteine) gleichen in der Art ihres Auftretens ganz jenen des Erz-
gebirges, stehen aber diesen hinsichtlich ihres absoluten Haltes weit nach. Eigen-
tümlich sind hingegen dem Riesengebirge die oxydischen Kupfererze nebst ihrem
gewöhnlichen Muttergesteine, dem Malakolilhe. Ungeachtet jedoch das Riesen-
gebirge nicht arm an Erzen ist, sind dennoch bisher daselbst die Bergbaue in
keinen schwunghaften Betrieb gelangt. Herr Jokely findet die Ursachen hievon
in der geologischen Beschaffenheit des Gebirges, in den ungünstigen durch
häufige Verwerfungen gestörten Lagerungsverhältnissen der krystallinischen
Schiefer und ihrer Erzlagerstätten, und in dem Charakter der vorhandenen Eruptiv-
massen. Nach Beschreibung der auf obige Erze bestehenden und bestandenen
Bergbaue erwähnt Herr Jokely noch einiger Vorkommen von Graphit, von
Manganerzen und ältere Ausbeuten von Gold. Sämmtliche Erze brechen in Lagern
ein; erzführende Gangbildungen sind selten.
Herr D. Stur hat in einer der früheren Sitzungen die Resultate seiner
Untersuchungen im tertiären Gebiete der Umgegend von Ober-Lapugy, westlich von
Dobra, mitgetheilt. Heute besprach er den übrigen von ihm begangenen Theil
des tertiären Landes des südwestlichen Siebenbürgens,
h *
60
Verhandlungen.
[7]
Vorerst wurden die tertiären nördlichen Gehänge des Mühlenbacher Gebirges
von Reissmarkt über Mühlenbach bis Broos besprochen. Sie bestehen aus älteren
neogenen marinen Ablagerungen , die unmittelbar am Gebirge lagern, und aus
jüngeren brackischen Ablagerungen, den bekannten Cerithien- und Congerien-
Schicbten, die weiter weg vom Gebirge erst zu herrschen beginnen und erstere
so bedecken, dass sie nur stellenweise besser entblösst Vorkommen. Die marinen
Ablagerungen bestehen bald aus Tegel, der dem bei Baden im Wiener Becken
entspricht und namentlich bei Urwegen Austern und Foraminiferen führt, bald
aus Sand und Gerolle oder Conglomerat, deren Schichten zumeist roth gefärbt
sind und, wie am Rothen Rechberg bei Mühlenbach, Foraminiferen und eine
Mollusken -Fauna führen, die die älteren marinen Schichten charakterisirt. Die
Sande und Conglomerate enthalten schwache Kohlenflötze , wie nördlich vom
Rothen Rechberg bei Felsö-Varadja.
Dann wurde noch die geologische Zusammensetzung der grossen tertiären
Bucht des Strehlthales, mit welcher das durch die mächtigen Kohlenflötze, die es
enthält, berühmte Zsillthal ein Ganzes bildet, ausführlicher auseinandergesetzt.
Der vordere Rand dieser tertiären Strehl- Bucht von der Maros zwischen
Broos und Deva nach Süden, bis nach Vajda Hunyad, Nadasd und Kitid, wird von
jüngeren neogenen Gebilden ausgefüllt, wovon Cerithien -Schichten die herr-
schenden sind und namentlich bei Szanto-halma, Ober-Pestes, Nandor und Rakosd
westlich von der Cserna, bei Bujtur und Hosdat zwischen der Cserna und der
Strehl, endlich bei Losad, Magura und Petreny, auch Boldogfalva östlich von der
Strehl gut entwickelt bekannt geworden sind. In diesem vordersten Theile der
Strehl -Bucht kommen aber auch die älteren marinen neogenen Schichten unter
den Cerithien Schichten oder von den letzteren ringsum eingeschlossen vor. Hier-
her gehört der berühmte Fundort von tertiären Mollusken bei Bujtur, der Fund-
ort im Walde bei Batiz und auch der von Szt. György an der Strehl. Merkwürdig
ist die Localität Tormas, in welcher eine Fauna vorkömmt, die sowohl aus Arten
der älteren marinen, als auch solchen der Cerithien -Schichten und Congerien-
Schichten gemischt erscheint.
Südlich von der Linie Vajda Hunyad — Nadasd — Kitid enthält die tertiäre
Strehl -Bucht nur ältere neogene marine Gebilde und deren Aequivalente. Die-
selbe Ablagerung von meist grell gefärbtem Sande und Conglomerat, das am
Rothen Rechberge bei Mühlenbach entwickelt ist, füllt auch den inneren The i 1
der Strehl-Bucht, das sogenannte Hatzeger Thal. Dasselbe ist zwar vielfach von
diluvialen Ablagerungen erfüllt, zeigt aber an seinen Rändern namentlich bei
Farkadin, Malomviz und Pietrosz die rothen Conglomerate mächtig entwickelt.
Im Zsillthale sind nebst den roth gefärbten Sanden und losen Conglomeraten
auch feste Sandsteine entwickelt, in deren Liegendem zum Theil sehr mächtige
Kohlenlager Vorkommen. Dieselben sind längs dem nördlichen Rande des Beckens
bei Zsijetz, Petrilla, zwischen Pietroseny und Zsill -V ajdei auf mehreren Punkten
und bei Macsesd — längs dem südlichen Rande des Kohlenbeckens des Zsill-
thales: in Salatruk bei Lupeny und Urikany, theils am Tage anstehend, theils
aufgeschürft oder auch schon im Abbau begriffen. Die Kohle, wenn auch nur
Braune, ikohlst vercokebar und zu jeder Verwendung tauglich. Sieben über ein-
ander lagernde Flötze sind bekannt, deren Gesammtmächtigkeit über 40 Fuss
beträgt. In den die Kohlen begleitenden Kohlenschiefern kommen sowohl Pflanzen-
abdrücke vor als Molluskenreste, worunter vorzüglich Cerithium margaritaceum
Brocchi.
Es ist somit hervorzuheben, dass eine und dieselbe rothgefärbte Schichten-
gruppe von Sand, Sandstein, Gerollen oder Conglomerat, die überdies, wie es
Sitzung vom 30. April. Freih. v. Andrian.
61
[8]
namentlich bei Urwegen und Dobring deutlich zu entnehmen ist, vom älteren
marinen neogenen Tegel vertreten wird, bald — im Gebiete der offenen See
nämlich — eine marine Fauna wie am Rothen Berge, bald dagegen eine, die der
des Horner Beckens entspricht, in dem weit südlich vom Rande der offenen See
gelegenen Zsillthale beherbergt.
Herr F. Freiherr von Andrian gab, anknüpfend an seine in einer der
früheren Sitzungen vorgebrachten allgemeinen Bemerkungen über die Gneiss-
gebirge der Gegenden von Kohijanowitz und Zbraslawitz in Böhmen, eine kurze
Uebersicht über das Granitgebiet, welches sich im Westen anschliesst, und als
dessen Centrum die Stadt Beneschau gelten kann. Dasselbe bildet das nordöstliche
Ende des grossen, von Klattau bis Ondrejow reichenden Granitzuges, welcher
dann gegen Norden von den Gesteinen des böhmischen Silurbeckens, gegen
Süden dagegen von Gneiss und Grauitgneiss begrenzt wird, und stets als eine
der wichtigsten und ältesten geologischen Grenzscheiden betrachtet worden ist,
durch die der südlichen Ausbreitung silurischer Gebilde ein Damm gesetzt
wurde.
Die petrographische Zusammensetzung ist sehr einfach. Die herrschende
Varietät sind die als „unregelmässig grobkörniger Granit“, als Hornblende- und
porphyrartiger Granit von vielen Beobachtern beschriebenen Gebilde. Sie lassen
sich nicht geologisch trennen, wenn auch die Ausbreitung des Hornblendegranits
hauptsächlich an die Zone des Sassawathales gebunden erscheint. Untergeordnet
in gang- und stockförmiger Ausbildung kommen röthliche mittelkörnige Varietäten
mit vielem weissen Glimmer vor, endlich die schon oft beschriebenen „weissen
feinkörnigen Ganggranite“. Ausserdem sind nur einzelne Vorkommen von Amphi-
bolit und Glimmergranit zu erwähnen. Die im angrenzenden Gneissgebiete so
häufigen Turmalingranite fehlen hier gänzlich.
Zu den interessantesten Erscheinungen gehören die ausgedehnten im Granite
auftretenden Schieferinseln, welche durch ihr isolirtes Vorkommen, die Ab-
normität ihrer Lagerung auf einen gewaltsam gestörten Zusammenhang hin-
weisen. In genanntem Gebiete kommen drei unter sich in keiner Verbindung
stehende Partien vor, jene von Kosteletz, dann bei Pofic der Gebirgsstock des
Chlumberges, endlich westlich von Beneschau bei Netwofitz; letztere schliesst
sich an eine durch die Aufnahme des Herrn Bergrathes Lipoid im angrenzenden
Gebiete bekannt gewordene Partie an. Die Gesteine, welche sie zusammen-
setzen, sind mehrere Varietäten von Thonschiefer, welcher bei Poric ein sehr
mächtiges Kalklager enthält, und Grünsteine. Letztere sind theils als grob-
körnige Gabbro ähnliche Gesteine (im Sassawathale oberhalb Sassau), theils als
aphanitische Gesteine (Chlumberg bei Konossist) ausgebildet. Die Art ihrer Ein-
lagerung ist schwer zu erkennen, dürfte aber in den meisten Fällen eine lager-
förmige sein, ohne zu dem Schlüsse zu berechtigen, dass sie eine gleichzeitige
Entstehung haben, denn sie treten sehr häufig in den angrenzenden Granit-
gebirgen auf, und sind auch im Gneiss beobachtet worden. (Bohdanes, Zruc.)
Schliesslich wurde noch einiger schwer zu deutender Contactverhältnisse
zwischen Granit, Schiefer und Grünstein gedacht, welche an den Grenzen
dieser Gesteine bei Eule und Piscocil zu beobachten sind. Bei Eule ist es ein
Wechsellager von Schiefer mit Granit, bei Piscocil dagegen ein vollständiges
Ineinandergreifen dieser drei Gesteine in den verschiedensten Formen, aber bei
stets deutlichen Grenzen, wobei der Charakter jedes Gesteines völlig normal
bleibt, ohne irgendwieZwischen- oder Uebergangsglieder zu zeigen. Daraus, sowie
aus dem Auskeilen einiger Zwischenzonen von Schiefer bei dem Vorkommen von
Eule scheint der Schluss hervorzugehen, dass man es nur mit grossen Bruch-
Verhandlungen.
62
[9]
stücken, dern Producte der Graniteruption, zu thun habe, und dass bei Piscocil
die Grünsteine wieder sowohl Schiefer als Granit durchbrochen haben.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle legte die von ihm im vergangenen Jahre
ausgeführte geologische Uebersichtskarte des Banates, und der Illyrisch- und
Bornan-Banater Militär-Grenze vor, zu deren Ausführung die über einzeln Theile
dieses Gebietes ausgeführten früheren Arbeiten von Dr. A. Boue, P. Parts ch,
J. Kudernatsch und der k. k. pr. österreichischen Staatseisenbahn-Gesellschaft
wesentlich beitrugen. Der grösste Theil des gebirgigen Gebietes dieser Länder
gehört den krystallinischen Schiefer- und Massengesteinen an, und nur zwei
grössere Partien werden von seeundären Sedimentgebilden bedeckt. Die west-
liche erstreckt sich in südwestlicher Richtung von Reschitza bis Baziäsch an der
Donau, die östliche zwischen Teregova und Cesna an der wallachischen Grenze
beginnend in südwestlicher Richtung bis an die Donau zwischen Bersaszka und
Trikule. Ueberdies tritt eine kleine Partie seeundärer Gebilde noch zwischen
Plavischevitza und Ogradina von Serbien herüber reichend auf, in deren Kalk-
massen sich die Stromschnelle Kazan und die Veteranische Höhle befinden.
Die an mehreren Stellen in grösserer Ausdehnung zum Vorschein tretende Stein-
kohlenformation, der rothe Sandstein und der steinkohlenführende Liassand-
stein, welche in diesen Partien die tiefsten Formationen ausmachen, und
bereits bei einer früheren Gelegenheit ausführlicher besprochen wurden, werden
von mergeligen Kalken des oberen Lias, von Jurakalk und von Kreidege-
bilden überlagert. Während in der westlichen Partie lichte sehr hornsteinreiche
Jurakalke, sowie Kreidekalke und Sandsteine mächtig entwickelt sind, finden
sich in der östlichen Partie, namentlich an der Donau vielfach gewundene rothe
und lichte hornsteinfreie Jurakalke, und Kreidegebilde fehlen gänzlich, wenn
nicht etwa die Kalke des Kazan- und des Cerna-Thales, in denen bisher keine
Fossilien gefunden wurden, hieher gehören. Tertiärbildungen umranden nicht blos
die höheren Gebirge gegen Westen und Norden, sondern reichen als Buchten
auch tief zwischen die Gebirge hinein im Temesthale und über den Teregovaer
Pass bis nach Mehadia und in das Thal der Almasch. An dem äusseren Rande
gegen die Ebene sind es zumeist Ablagerungen aus brackischen Wässern, zwi-
schen Teregova und Mehadia, hingegen aus tieferem salzigen Meerwasser. Um
den westlichen Rand des Gebirges hatten die krystallinischen wie die seeundären
Gebilde eine mächtige Syenitmasse mehrfach durchbrochen, verändert und gestört
und innerhalb der Contactbildungen finden sich hier die Mineralien und Erzvor-
kommen, denen dieses Land den schwunghaften Bergbau verdankt. Ueberdies
hatten Serpentin, Porphyr Augitporphyr und Trachyt in zahlreichen Durchbrüchen
manche Störungen regelmässiger Lagerungsverhältnisse hervorgebracht.
Am Schlüsse der Sitzung sprach noch Herr Hofrath Haidinger seinen
besonderen Dank aus allen denjenigen Herren, welche die Sitzungen der k. k.
geologischen Reichsanstalt im Laufe des vergangenen Winters mit ihren Vorträgen
belebten, so wie nicht minder denjenigen, welche die Sitzungen mit ihrem
Besuche beehrten, und dankte namentlich Seiner Durchlaucht dem Herrn und
Prinzen Wilhelm Fürsten zu Sc haum burg-Lippe für die hohe Ehre, die er
der Versammlung durch seinen heutigen Besuch erwies.
[1]
Sitzung vom 28. Mai. F, Foetterle. W. Haidinger,
63
Sitzung am 28, Mai 1861.
Herr k. k. Hofrath W. Haidinger im Vorsitz.
Von Herrn k. k. Bergrath Foetterle wurde (in der Sitzung am 30. April)
ein schönes Geschenk des Herrn k. k. Kriegscommissärs A. Letocha vorgelegt,
Pflanzenabdrücke aus der von ihm neuaufgefundenen Locaiität Breitensee, dann
aus dem Pötzleinsdorfer Sand von Speising sehr schön erhaltenen Conchylien,
namentlich: Trochus patulus Lam.} Tr. turricula Eich. ?, Corbula carinata Duj.,
Lncina divaricata Lam., Cytherea bellemontana Lam. , Venus umbonaria Ag.,
Pectunculus polyodonta Lam. , Ostrea digitalina Eichw. , Tellina complanata
Lam., Cypraea sp.
Bezüglich der Pflanzenabdrücke aus dem Tegel von Breitensee hebt Herr
D. Stur die sehr vollständigen Blätter von Populus latior subtruncata Heer
besonders hervor, von welcher Art mehrere Exemplare dieser Suite beiliegen
nebst vielen anderen, namentlich Populus mutabilis ovalis Heer und Castanea
Kubinyi Kovacs , ferner Salix, Betula, Carpinus u. s. w.
Herr Director W. Haidinger eröffnet die Sitzung mit dem Berichte über
zwei dem Zeitabschnitte seit der letzten, in den gewöhnlichen Verhältnissen als
Schlusssitzung für den Winter betrachteten unserer Versammlungen , angehö-
rende höchst wichtige Ereignisse in dem Leben der k. k. geologischen Reichs-
anstalt. Ihre Mittheilung gab Veranlassung zu der Sitzung, um selbe in der Zeit
selbst für das Jahrbuch zu bewahren. „Den innigsten Dank dürfen wir Mitglieder
der k. k. geologischen Reichsanstalt, und alle unsere hochverehrten Gönner und
Freunde unserem gegenwärtigen obersten Chef, Seiner Excellenz dem Herrn
k. k. Staatsminister Ritter von Schmerling darbringen, der uns neuerdings
durch die von ihm begonnenen Verhandlungen eine fernere Miethe in den uns
bis nun zugewiesenen prachtvollen und zweckmässigen Aufstellungs- und Arbeits-
räumen sicherte, gleicherweise aber auch dem durchlauchtigsten Besitzer des
Palastes, Herrn souveränen Fürsten Johannes zu Liechtenstein, der in gross-
müthigster Weise die gleichen günstigen Bedingungen gewährte, wie bisher, in
Berücksichtigung des gemeinnützigen Zweckes der k. k. geologischen Reichs-
anstalt für Wissenschaft und Landeskenntniss. So ist uns Beruhigung in der
Fortsetzung unserer Arbeit gegeben.“
„Aber noch ein zweiter hoher Ministerialerlass schliesst in glänzendster
Weise eine vorübergegangene , mit mancher Sorge verbundene Periode ab.
Seine k. k. Ap ostolische Majestät geruhten neuerdings die Stellung der
k. k. geologischen Reichsanstalt unabhängig von der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften Allergnä digst anzuordnen. Wohlwollend von fachkundigen
Freunden in der Tagespresse beurtheilt, hatte uns die Sitzung des k. k. verstärk-
ten Reichsrathes am 14. September 1860 mit den gegründetsten Hoffnungen
erfüllt, die All ergnädigste Bewilligung der Dotation am 29. October neu
gekräftigt, der verlängerte Mietvertrag in unseren fortschreitenden Arbeiten
auf das Wohlthuendste beruhigt. Das letzte Ereigniss der Aller gnädig st neu
ausgesprochenen Unabhängigkeit ist aber von einem so höchst anregenden Ein-
flüsse, dass gewiss jeder von uns alle Thatkraft einsetzen wird, um, wo der Erfolg
selbst etwa hinter seinen Wünschen Zurückbleiben sollte, doch das innigste
Gefühl wahrer Dankbarkeit zu beweisen. Hoch gehoben fühle ich mich selbst, so
wie meine hochverehrten Freunde und Arbeitsgenossen durch die wohlwollenden
Worte, mit welchen Seine Excellenz Herr k. k, Staatsminister Ritter von S ch m er-
64
Verhandlungen.
[2]
ling die Eröffnung begleitete: „Ich setze von dieser Allerhöchsten Verfügung
die k. k. Direction mit Bezug auf den Erlass des bestandenen Ministeriums des
Innern vom 7. Juni 1860, Zahl 1718-M. J., mit dem Beifügen in Kenntniss, dass
es mir zum wahren Vergnügen gereicht, durch diese Allerhöchste Bestimmung
den ungeschmälerten Fortbestand dieses um die Wissenschaft in Österreich
hochverdienten Institutes gesichert, und mir die Gelegenheit gewahrt zu sehen,
auch in Hinkunft zu Gunsten desselben wirken zu können.“
Herr Director Haidinger berichtet über neuere Mittheilungen, betreffend
die schöne von Herrn Franz Herbich in Balan bei Ditro aufgefundene blaue
Mineralspecies und ihr Vorkommen, von welcher die ersten Fundstücke am
24. April 1860 von Herrn k. k. Bergrath Franz Bitter von Hauer (Jahrbuch
1860. Verhandlungen Seite 86) vorgelegt worden waren, damals nach einer mit
einem Minimum vorgenommenen Analyse mit dem Lasurstein im nächsten Zusam-
menhänge betrachtet. Eine neuere genaue chemische Analyse mit einer genü-
genden Menge des Stoffes von Herrn Karl Ritter von Hauer durchgeführt, stellt
nun durch den Chlorgehalt das Mineral näher den verschiedenen Varietäten,
welche zum Theil unmittelbar zum Sodalith gerechnet — es findet sich Ähnliches in
Lamö bei Brewig in Norwegen, und bei Miask im Ilmengebirge, — zum Theil mit
dem unbestimmten Namen eines „blauen Minerals“, z. B. von Litchfield in Maine,
Nordamerika, bezeichnet wurden. Das Ergebniss der Analyse ist: in 100 Theilen:
Kieselerde
40-68
Chlor
6 00
Thonerde
31-63
Eisenoxyd \
► Spuren
Kalkerde
0-40
Schwefelsäure j
Natron
2100
Wasser
0-61
100*32
Schon durch verdünnte Säure leicht zerlegbar. Durch Behandlung des gepul-
verten Minerales mit heissem Wasser erzielt man nur wenig Chlornatrium in Lösung,
daher dasselbe durch seine Verbindung mit dem Silicate an Auflöslichkeit verlor.
„Indessen hatten wir“, fährt Haidinger fort „auch durch die Herren Inge-
nieur Quaglio und Fritsch von Kronstadt neuere Exemplare dieses pracht-
vollen Gesteines theils zur Ansicht, theils als Bereicherung unserer Sammlung
erhalten. Es gelang mir, die Form vollständig als granatoidisch sicher zu stellen,
ähnlich der ganzen Reihe der verschiedentlich, Sodalit, Rosean, Ittnerit, Saphi-
rin, Spinellan, Haüyn, Lasurstein genannten Varietäten oder Species, welche in
meinem Handbuche S. 527, unter dem Namen, Haüyn, zusammengefasst sind,
Die Theilungsflächen parallel dem Granatoid sind sämmtlich vorhanden, nur ein-
zelne derselben sind leichter zu erhalten, andere unterbrochen, was die Nachwei-
sung erschwert. Das eigenthiimliche Gewicht 2-318 und 2-325, in zwei Ver-
suchen, Härte 5*5, die Farbe zwischen himmelblau und lasurblau, viel heller
und weniger gesättigt als letzteres; die zum Theil über zollgrossen krvstal-
linischen Massen stark durchscheinend. Dem eigentlichen Lasurstein konnte das
Mineral nicht mehr zugezählt werden, sobald nicht mehr von blos wissenschaft-
licher Vereinigung die Rede war, und die grosse Schönheit des festen Gesteines,
in welchem es angetroffen wurde, war höchst einladend, eine Industrie darauf zu
gründen, für Erzeugung grösserer Ornamentalgegenstände, wie die, für welche
Elfdalen seit so langer Zeit berühmt ist. So ist ein Name unerlässlich, für welchen
ich hier den Ausdruck: „Haiiynfels“ vorschlage, der nebst der Hinweisung an
die blaue Farbe auch die Erinnerung an den grossen Meister, den Vater der
neueren Krystallographie ins Gedächtniss ruft.
Der Haiiynfels von Ditro in der Gyerglö in Siebenbürgen ist ein grob-
körniges bis kleinkörniges Gemenge von diesem blauen Haüyn, mit Orthoklas
Sitzung vom 28. Mai. W. Haidinger.
65
[3]
(G. = 2-624), Cancrmit (G. = 2-4S2), Eläolith (G. = 2 616), Oligoklas
(G. = 2-565), in verschiedenen, weissen, grauen, röthlichgelben Tönen, von
kleineren eingesprengten Theilen von schwarzem Amphibol und Glimmer, mit
Magneteisenstein, von kleinen Krystallen von gelblichbraunem Sphen, seltenen
kleinen Theilchen von weissem Kalkspath und wohl noch anderen Mineralspecies,
wenn erst mehrere Stücke zur Untersuchung gelangen werden. Von einigen der
obengenannten sind bereits von Herrn Karl von Hauer Analysen eingeleitet.
Manche genauere Arbeiten erst werden volles Licht über diesen neuen Fund geben.
Wir wünschen indessen den hochverehrten unternehmenden Männern,
welche den Entschluss gefasst, auf dieses prachtvolle Gestein eine Industrie zu
gründen, den reichsten Erfolg für ihre Bemühungen.
Bei den reichen blauen Farbentönen und der grossen Härte, der Grundlage
einer hohen Politur, reiht sich der Haiiynfels ganz dem werth vollen Verde di
Corsica duro mit dem grünen Smaragdit an, und es ist nur zu wünschen, dass
die Entfernung des Fundortes von den Hilfsmitteln grösserer Cultur-Mittelpunkte
nicht zu grosse Schwierigkeiten bereite. Aber Elfdalen ist doch noch viel weiter
von allen solchen Orten entfernt, und glänzt seit Jahren durch seine Erzeugnisse.
Möchte es gelingen, schon für den Herbst einige grössere Musterstücke für die
Ausstellung nach Wien zu bringen, welche die „Zweite Versammlung von Berg-
und Hüttenmännern“ begleiten wird. Dann aber bietet sich namentlich in der für
1862 vorbereiteten grossen Weltausstellung in London eine höchst werthvolle Gele-
genheit, die Pracht des Naturstoffes der allgemeinen Kenntniss und Beurtheilung
zuzuführen. Es dürfte wohl nicht fehlen, selbst wenn die ersten Arbeiten nur
mit kleineren Mitteln angegriffen werden mussten, für schwunghafteren Betrieb
sodann ohne Schwierigkeit die erforderlichen Kräfte ins Spiel zu bringen.
Bammelsberg gibt in seiner neuen Mineralchemie, S. 701 u. f. eine
umfassende Ucbersicht der hier zur Vergleichung kommenden Mineralkörper. Nach
ihm sind die chlorhaltigen die Sodalithe, die schwefelsäurehaltigen umfassen die
Haiiyne und die anderen genannten Körper, nach chemischem Standpunkte. Doch
haben mehrere derselben auch beide Stoffe, wenigstens in kleinen Mengen in
ihrer Mischung. Ich glaubte hier die Farbenerscheinung für die Bezeichnung des
Vereinigungspunktes wählen zu dürfen, und da gäbe es dann beides, Chlor-Haüyn,
wie den von Ditro, Lamö, Miask, Litchfield nach Whitney, und Schwefelsäure-Ilaüyn,
wie den vom Vesuv, von Niedermendig, und wieder von Litchfield nach Jackson.
Dem Bedürfnisse einer angemessenen Benennung für eine Felsart, die ein so viel
versprechendes technisches Interesse besitzt, ist dadurch gewiss entsprochen.
Herr Director Hai ding er berichtet über den F o r cherit aus Steiermark.
„Schon am verflossenen 10. Juli 1860 hatte ich durch freundliche Vorlage
von Herrn Professor Suess eine Mittheilung meines hochverehrten Freundes Herrn
Professor Ai ch horn in Gratz nebst Einschluss von Herrn Vincenz Forcher,
Sohn des Eisenwerksbesitzers zu Ainbach nächst Knittelfeld, über das oben
genannte Mineral erhalten, nebst Anzeige der Bestimmung eines Exemplares für
die k. k. geologische Reichsanstalt. Allein durch irgend eine Veranlassung hatten
wir das letztere nicht erhalten, und ich hätte doch gern für Erwähnung in dem
Juli- oder Augustbericht ergänzt, was etwa mitgetheilt worden wäre. Herr For-
cher hatte es damals treffend eine mit dreifach Schwefelarsen verbundene
Opalmasse bezeichnet. Vor wenigen Tagen sandte er selbst freundliehst eine
Anzahl höchst charakteristischer Exemplare, welche ich hier vorzulegen das Ver-
gnügen habe. Der Forche rit, von Herrn Professor Aichhorn so benannt,
bildet Gangtrümmer, vielfach sich durchkreuzend in einer harten Gneissvarietät,
feinkörnig, mit sehr wenigem weissen Glimmer in feinen, zerstreuten Blättchen
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
1
66
Verhandlungen.
auf den Structurentblössungen , die Structur selbst von den Forcheritgängen
durchsetzt. Ueberhaupt schneiden sich letztere oft mehrfach. Zunächst den
Kluflflächen ist die Opalmasse mehr weisslich, die oberen Lagen in Streifen mehr
und weniger tief orangegelb gefärbt, selten bis zur Dicke von zwei Linien. Eine
braune, oft eine halbe Linie dicke Rinde bedeckt das Ganze, welche grösstentheils
aus Eisenoxydhydrat besteht, mit etwas Alaunerde, Magnesia und Spuren von
Phosphorsäure und Arsensäure. Die chemische Analyse weist in der orange-
gelben opalartigen Masse die Bestandtheile des Opals, Kieselerdehydrat und
Schwefelarsen, Auripigment nach, einige röthere Striemen mögen auch Realgar
verrathen. Die Ergebnisse der Löthrohrversuche entsprechen diesen Bestand-
teilen. Herr Forcher fand diesen Mineralkörper in der Nähe der soge-
nannten „Holzbrückenmühle“ bei Knittelfeld selbst bis zu drei Linien Dicke,
meistens dünner in abwechselnd weiss und gelb in allen Uebergängen gebän-
derten Platten von muschligem Bruche und spröder Masse, bei einer Härte von
5*5 bis 6*0. Er selbst ermittelte auch den chemischen Bestand. Die Masse hat
manche Analogie mit gewissen durch Eisenoxydhydrat braun [gefärbten Opalen
yon Telkibänya und anderen Orten, welche keinen besonderen‘Namen erhalten
haben. Manche Mineralogen haben es getadelt, dass hier ein besonderer Name
einem doch als Gemenge anerkannten, noch dazu einem schlechthin amorphen
beigelegt wurde. Aber bei der so höchst ungewöhnlichen Erscheinung, welche
die hochfarbige Substanz hervorbringt, ist das Festhalten an einen eigenen Namen
gerade ein Mittel, um die Aufmerksamkeit auf Gegenstände dieser Art festzu-
halten, und das ist doch gewiss ein wahrer Gewinn. Mögen Systematiker der
Zukunft wie immer urtheilen, wir bewahren gern den Namen und bereiten ihnen
eben dadurch die Kenntniss des Gegenstandes vor. Uebrigens besitzt dieser For-
cherit ein etwas grösseres eigenthümliches Gewicht als gewöhnlicher Opal. Ich
fand 2*188, während ich für Opal frühere Ergebnisse von 1*974, 1*982, 2*060,
2*075, 2*079, 2*091 mittheilte. (Edinb. Journal of Science Vol . VII.) Holz-
opal gab 2*114, gelber Opal 2*119, Halbopal 2*207, der Telkibänyer Eisenopal
indessen gab sogar 2*699.
Das königlich Hannoversche Berg- und Forstamt zu Clausthal sandte an die
k. k. geologische Reichsanstalt eine höchst wichtige und werthvolle Reihe von
Grund- und Profilrissen über die bergmännischen Arbeiten auf jenen berühmten
zum Theil so mächtigen Gangzügen des Oberharzes. Es wurden nämlich die
sämmtlichen vorhandenen Risse in übersichtlicher Weise zusammengestellt, um
als Orientirung vorzüglich für die dortigen Bergbeamten zu dienen. Alle Harz-
reviere sollen in dieser Weise bearbeitet und veröffentlicht werden. Hier liegen
nun die zusammenhängenden Risse der Zellerfelder Hauptzüge und Burgstädter
Grubenreviere vor, zwei grosse Tafeln 7 Fuss 5 Zoll lang, 2 Fuss 6 Zoll hoch,
im Nordwesten bei Wildemann an der Innerste, mit den Mundlöchern des
19-Lachter und des tieferen 13-Lachterstollens beginnend in der Länge von
etwa iy4 Meile bis jenseits der Burgstädter, Dorotheer und Carolinen Schächte in
Südost. In einzelnen Bildern zu je zwei Blättern von Grund- und Profilrissen
sind dieselben Aufnahmen noch für den hintern Zellerfelder Hauptzug, für den
vordem Zellerfelder Hauptzug und das vierte Burgstädter Grubenrevier, ferner für
die drei ersten Burgstädter Grubenreviere zusammen gegeben. Der Maassstab ist
1 : 3200 der Natur, oder 1 Zoll = 30 Lachter. Hier bietet sich nun die ganze grosse
Uebersicht der Stollen und Strecken, der Schächte und Verhaue dar, als Hauptver-
bindungsleiterdertiefe Georgstollen, 40 Lachter unter dem tiefen 13-Lachterstollen,
132 Lachter unter der Hängebank des Burgstädter Herzog Georg Wilhelm-Schach-
tes, ferner die horizontale, tiefe, schiffbare Wasserstrecke, auf der Ernst August
Sitzung vom 28. Mai. W. Haidinger. Fr. v. Hauer.
67
[8]
Stollen-Linie, zugleich dritte Feldort- oder 60 Lachterstrecke, bis endlich zu
der projectirten, und von den Herzog Georg Wilhelm- und Anna Elenora-
Schächten bereits angehauenen horizontalen tiefsten Wasserstrecke , noch
120 Lachter unter jener ersten tiefen Wasserstrecke. In den Grundrissen sind
auch die Versuchsbaue, welche ausserhalb der Gänge jemals gemacht sind, sämmt-
lich eingetragen, von den Bauen auf den Gängen nur je vier bis fünf der am besten
aufgeschlossenen Niveaux. Die Darstellung aller würde das Bild mehr verwirrt
und undeutlich gemacht haben, bei dem Umstande, dass das Einfallen häufig sehr
steil, selbst verkehrt ist, und eines das andere decken würde. Aber auf den Profil-
rissen sind sämmtliche Baue angegeben, woraus sich ihr grosser Umfang, so wie
die Austheilung des Erzvorkommens ergibt. Wo Erze anstehen und der Abbau
weiter fortgeht, ist dies durch die blaue Farbe angezeigt. Wir sind für dieses
schöne Geschenk dem königlichen Berg- und Forstamte zu dem grössten Danke
verpflichtet. Umfassende Arbeiten dieser Art, wie z. B. die grosse Freiberger
Stollenkarte fördern gar sehr das Verständniss der natürlichen Verhältnisse
sowohl als der bergmännischen Arbeiten. Gewiss werden diese Risse unter andern
mit grösster Theilnahme von den hochverehrten Freunden betrachtet werden,
welche wir zu der bevorstehenden Versammlung der Berg- und Hüttenmänner
erwarten. Uns ist ihre freundliche Zusendung vielfach werthvoll durch die Erin-
nerung an so viele wohlwollende Anwohner jener Gegenden, ein Hausmann, der
selbst so umfassend Werthvolles über den Harz gearbeitet und mitgetheilt,W öhler
und v. Waltershausen, v. Grote und Jugler im Westen, Mobs, Zincken
im Osten des Harzes, in Clausthal selbst noch ein Römer, und so manche
andere Freunde, deren wir stets in höchster Anerkennung gedenken werden.
Herr k. k. Bergrath Fr. Ritter v. Hauer erinnerte, dass Herr Hofrath v.
Schwa benau bereits vor einem Jahre eine Suite ungemein interessanter
Fossilien aus dem Bakonyerwalde in Ungarn an die k. k. geologische Reichsanstalt
eingesendet hatte, welche von Herrn Bergrath Foetterle in der Sitzung am
17. April 1860 vorgelegt worden waren. Da nun der Bakonyerwald mit in den
Aufnahmsplan des diesjährigen Sommers einbezogen wurde, so schien es von
grossem Interesse, die ganze Sammlung des Herrn von Schwa benau einer
genaueren Durchsicht zu unterziehen. Herr v. Hauer begab sich zu diesem
Zwecke nach Oedenburg und erhielt nicht nur von Herrn v. Schwabenau alle
wünschenswerthen Nachweisungen und Notizen, sondern derselbe übersendete
auch freundlichst alle interessanten Stücke aus den älteren Formationen seiner
Sammlung zur Bearbeitung an unsere Anstalt. Wenn auch diese Arbeit, bemerkte
Herr v. Hauer, erst im nächsten Winter durchgeführt werden könne, so wolle er
doch vorläufig schon auf einige der interessantesten Ergebnisse aufmerksam
machen, welche eine flüchtige Durchsicht des reichen Materials gelehrt habe.
Die Fundorte der Petrefacten, die Herr v. Schwabenau hauptsächlich
ausbeutete, liegen in der Umgegend von Zircz und Bakonybel, westlich von Stulil-
weissenburg und nördlich von Veszprim. Es lässt sich aus den Fossilien schliessen
auf das Verkommen von 1. Dachsteinkalk im Steinberggraben bei Oszlop, bezeich-
net durch sehr schöne Exemplare von Megalodus triqueter. 2. Adnether Schichten
zu Kardosret mit Orthoceras. 3. Hierlatz-Schichten am Bakonyhegy bei Bakonybel
mit zahlreichen Brachiopoden. 4. Jura am Somhegy südwestlich von Zircz mit
Ammonites bullatus , A. ptychoicus Quen.> A. Kudernatschi u. s. w. 6. Untere
Kreide zu Fidelisdomb bei Bakonybel mit Caprotinen und einem Radioliten, der
dem R. Neocomiensis ähnelt. 6. Obere Kreide zu Penzesküt mit Amm. Mantelli
Sow., A. Deverianus d' Orb A. falcatus Sow. dann mit sehr schönen Turriliten.
7. Eocenschichten zu Penzesküt, Bakonybel, Oszlop mit sehr zahlreichen
68
Verhandlungen.
[«J
Fossilien, unter welchen Herr Dr. Stäche die folgenden Arten erkannte: Nerita
conoidea Lam, Terebellum convolutum Lam ., Natica angulifcra d'Orb .? Tur-
ritella imbricataria Lam., Corbis lamellosa Lam., Area cylindracea De sh.,
Spondylus rarispina Des/i Ostrea callifera Lam., Echinolampas sphaeroi -
dalis Ag., Ech. discoideus d’Arch ., Schizaster curynotus Ag Nummnlina per -
forata d'Orb., N. Lvcasana d’Orb., N. complanata Lam.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid erläuterte in vollständiger Zusammen-
stellung die durch die Geologen der k. k. geologischen Reichsanstalt bisher in
Böhmen zur Vollendung gebrachte geologische Karte (im Maassstabe vom 2000» =
1 Zoll), im Ganzen ungefähr vier Fünftheile dieses Königreiches mit einem Flächen-
raume von ungefähr 760 Quadralmeilen.
Bereits im Jahre 1862 hatte Herr Dr. Peter s, damals der in den Manhards-
vierteln thätigen Section des Herrn Chefgeologen Lipoid zugetheilt, die süd-
lichste Spitze von Böhmen in der Umgebung von Rosenberg geologisch aufge-
nommen. Im Jahre 1863 wurden sodann unter der Leitung des zu frühe verewigten
Chefgeologen Herrn Bergrathes Czjzek von den Herren Jokely, Dr. Höch-
ste tter, v. Zeph a ro vich und v. Li dl die geologischen Aufnahmen im südlichen
Theile Böhmens energisch in Angriff genommen, und seitdem, gegen Westen
und Norden fortschreitend, ununterbrochen weiter geführt. Herr v. Zepharo-
vicli betheiligte sich noch in dem Jahre 1864, Herr v. Li d I in den Jahren 1864
und 1866, und Herr Dr. H o chstet ter , der nach Herrn Czjzek's Tode die
Leitung der Section übernahm, in den Jahren 1864, 1866 und 1866 an den
geologischen Arbeiten in Böhmen. Sämmtliche Herren veröffentlichten die Resul-
tate ihrer Forschungen in den Jahrbüchern der k. k. geologischen Reichsanstalt,
insbesondere Herr Dr. Hochstetter, dessen geologische Thätigkeit in Böhmen
durch die Theilnahme an der Weltumseglung mit der k. k. Fregatte Novara ihr
Ende erreichte, mittelst seiner „Studien aus dem Böhmerwalde“. Herr Jokely
allein war seit dem Jahre 1863 fortwährend in Böhmen thätig, und seine mit
unermüdlichem Eifer und grösster Pünktlichkeit vollführten Arbeiten, insbesondere
im Erz- und Riesengebirge, haben ungefähr den vierten Theil der bisher vollen-
deten Karten und zahlreiche Publicationen im Jahrbuche im Gefolge gehabt. Im
Jahre 1867 nahm auch Herr Stur in der Umgebung von Tabor an den geolo-
gischen Arbeiten Antheil, und im Jahre 1869 begann Herr Bergrath Lipoid die
Aufnahmen in den mittleren Theilen Böhmens, welche er im Jahre 1860 fort-
setzte, wobei sich in beiden letztgenannten Jahren freiwillig Herr Director
J. Kr ej ci von Prag, und im Jahre 1860 als Sectionsgeologe Herr Baron A ndrian
an den geologischen Arbeiten betheiligten. Die Aufnahmen werden in dem lau-
fenden und künftigen Jahre in den östlichen Theilen Böhmens durch die Herren
Lipoid, Jokely und Baron Andrian fortgesetzt werden, und es ist alle Aus-
sicht vorhanden, dass die geologische Karte des 946 Quadratmeilen umfassen-
den Königreiches Böhmen am Schlüsse des Jahres 1862 nach zehnjähriger Thä-
tigkeit der Glieder der Reichsanstalt vollendet sein werde.
Welche Fülle von Erfahrungen und welchen für die Praxis nutzbringenden
Reichthum an geologischen Details die vorgewiesene Karte von Böhmen darstelle,
suchte Herr Bergrath Lipoid durch die Menge der in derselben besonders
bezeichneten Gebirgs- und Gesteinsarten darzuthun. Es sind nämlich in der-
selben theils durch Farben, theils durch andere Bezeichnungen im Ganzen
72 Gebirgsarten, Formationsglieder und nutzbringende Mineralien und Fossi-
lien ausgeschieden und ersichtlich gemacht. Hievon entfallen 16 Bezeichnungen
auf die Massengesteine : Granit, Greisen, Granitit, Syenit, Porphyr, Grün-
steine (Diorit, Aphanit), Melaphyr, Basalt, Phonolit und Trachyt, und 14 Be-
f
Sitzung vom 28. Mai. M. V. Lipoid. H. Wolf.
69
m
Zeichnungen auf die krysfallinisehen Schiefergesteine: Gueiss, Gramslit, Glim-
merschiefer, Amphibolit und Amphibolschiefer, Quarzschiefer, Talkschiefer,
Chloritschiefer, krysfallinisehen Kalk, Malakolith, Serpentin und Urthonschiefer
(Dachschiefer, Fleckenschiefer). Die Glieder der silurischen Grauwackenformation
sin,d durch 15 Farben- und Zeichenänderungen unterschieden. Die Steinkohlen-
formation wird nur durch einen Farbenton dargestellt, dagegen sind die Glieder
der Formation des Rothliegenden durch 3, die Glieder der Kreideformation durch
5, die Glieder der miocenen Tertiärformation durch 6, endlich das Diluvium durch
3 verschiedene Bezeichnungen ersichtlich gemacht. Von Bildungen der Neuzeit
sind das Alluvium, Kalktuff und Torf ausgeschieden. Endlich erhielten noch die
Quarzgänge im Nordwestböhmen, die Erzgänge im Erzgebirge, bei Pribram u. s. f.,
die Vorkommen von Stein- und Braunkohlen, von Eisensteinen, von Alaunschiefern
und von Graphit ihre besondere Bezeichnung.
Herr H. Wolf gab zwei Mittheilungen, aus Correspondenzen der Herren
Professoren Ferd. Römer und Göppert in Breslau. Die erstere an Herrn
Wolf gerichtet, bezieht sich hauptsächlich auf ein Stück rothen Marmors von
Kiritein in Mähren, welchen Herr Wolf zur Beurtheilung mit der Frage vor-
legte, ob der petrographische Charakter desselben mit jenem des Clymenien-
kalkes in Schlesien irgend eine Uebereinstimmuug zeige, da in demselben bis
jetzt keine Versteinerungen gefunden sind, aber seine Auflagerung auf Schichten
mit Rittberger Versteinerungen und Ueberlagerung durch Culmschichten , eine
dem Clymenienkalke parallele Stellung anweise? Hierüber äusserte sich Herr
Prof. Römer, dass der Kalk vom Westgehänge des Horkaberges bei Kiritein,
wenn die Lagerungsverhältnisse einigermassen dazu passen, gewiss Chymenienkalk
sei, denn : „die nierenförmigen Absonderungen in diesem Kalke, und die Einhüllung
der Nieren in dem Häutchen von Thonschiefer, ist für dieses oberste Niveau der
devonischen Gruppe zu charakteristisch, als dass es hier täuschen könnte. Der
Kalk gleicht ganz demjenigen von Ebersdorf in der Grafschaft Glatz , und fast
noch mehr dem Kramenzel Westphalens. Bei dem Vorkommen der Culmschich-
ten sei das Auftreten der Clymenienkalke, als des zunächst älteren, und in West-
phalen, Nassau und am Harz regelmässig mit dem Culm verbundenen Gliedes des
älteren Gebirges ganz wahrscheinlich. Es würden dann diese Punkte (Kiritein,
Ostrow, Jedownitz) in Mähren nächst demjenigen von Ebersdorf in Schlesien die
einzig Bekannten im Osten Deutschlands sein.“
Eine weitere Mittheilung in demselben Schreiben bezieht sich auf eine
grössere Aufsammlung von Fossilien durch Herrn D. Stur aus den Kalken am
untern Dniester in Ost-Galizien: Herr Prof. Römer sagt: „Die ganze Fauna
ist augenscheinlich eine ganz eigenthümliche, mit keiner Bekannten aus den
anderen Gegenden übereinstimmende, die Arten sind grösstentheils neu, und
doch wieder nicht hinreichend gut erhalten, um sie als neue Arten aufstellen zu
können. Vorläufig halte ich den ganzen Schichtencomplex, aus welchem die
Petrefacten herrühren, für die oberste Abtheilung der silurischen Gruppe.
Das zweite Schreiben, welches Herr Wolf besprach und mit Vorlagen
erläuterte, ist vom Herrn Geheimrath Prof. Dr. Göppert an Herrn Bergrath
Lipoid gerichtet. Es bezieht sich dasselbe auf die Bestimmungen von Pflanzen-
fossilien 1. in den Dachschiefern aus dem fürstlich Li echtenstein’schen Schie-
ferbruche bei Morawitz, 2. in Dachschiefern, von Waltersdorf NO. von Olmütz,
aus dem Schieferbruche des Herrn Cornelius Leim b ach, und 3. auf einen pracht-
vollen Farrnabdruck aus einem Steinbruch in der Nähe von Fulnek in Mähren,
welcher mit anderen Fossilien, von Herrn ßiefel, fürsterzbischöflichen Archi-
tekten in Kremsier, für die k. k. geologische Reichsanstalt gesendet worden war.
70
Verhandlungen.
[8]
Hierüber sagt Herr Prof. Göppert: „Das Stiiek von Fnlnek ist ein aus-
gezeichnetes Farrnkraut Trichomanites, noch neu, zw ischcn Tr. dissechts und petio-
latus stehend; erlauben Sie, dass ich es Tr. Lipoldianus nenne. Das Stück von
Morawitz ist eine Sagenaria Wolfiana , eine schöne neue Art, breit gequetschtes
Stammstück, auf der einen Seite noch mit Rinden und Narben versehen. Leider
ist fast immer nur der untere Theil erhalten, der obere ist im Hohldruck sitzen
geblieben. Nur an ein paar Stellen erkenne ich noch die drei kleinen Närbchen,
welche für diese Gattung mit charakterisirend sind. Auf der andern Seite fehlt
die Rinde, und es sind nur die auf dem Stamme selbst befindlichen Narben sichtbar,
deren Ende immer einer der schönen langgezogenen Rückennarhen entspricht.
Die Theilnahme und das Interesse, welches, wie die vorstehenden Mitteilungen
zeigen, die beiden Herren Prof. Römer und Göppert, den Arbeiten der
geologischen Reichsanstalt stets freundlichst widmen, verpflichtet uns gewiss zu
grösstem Danke.
Zum Schlüsse ergreift Herr Director W. Haidinger das Wort: „Die
wichtigen Ereignisse in unserer eigenen Geschichte veranlassten die heutige
Versammlung, an deren Schlüsse, ich Ihnen sämmtlich, meine hochverehrten
Herren, meinen innigsten anerkennendsten Dank darbringen darf. Vielartig sind
schon die Lagen gewesen, in welchen wir uns befanden, der Kern unserer
Bestrebungen blieb derselbe, der Fortschritt der Kenntniss unseres schönen,
grossen Österreich. Mit der Aussicht auf Erfolg, auf anzuhoffende Ergebnisse
gegründet, welche unserem Vaterlande zur Ehre und zum Vortheil gereichen
würden, können wir jetzt nach eilf Jahren unseres Bestehens daraufhinweisen,
wie ein wohlerw orbenes Zutrauen in unsere Kräfte neuerdings über schwierige
Verhältnisse hinweg thatsächlich geholfen hat. Fortwährend sehen wir nun eine
lebhaftere Theilnahme überhaupt an wissenschaftlichen Verhandlungen in unserer
Tagespresse sich entwickeln. Erlauben Sie mir, meine hochverehrten Herren,
noch mit einigen Worten des Dankes einer Reihe von Artikeln in dem Blatte „Das
Vaterland“, „Naturwissenschaftliches Leben in Wien“ zu gedenken, in deren Fas-
sung jene wohlwollende Aufmerksamkeit thatkräftigen Ausdruck findet, wie sie nur
eine höhere geistige Stellung freundlicher Beurtheilung und Würdigung redlicher
Bestrebungen beurkundet. Es waren diese Artikel für uns gewiss ein wahrer Gewinn.
Mit Beziehung auf unsere von Sei n er k. k. Apostolischen Majestät neu
begründete Stellung, unabhängig von der kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften, welche im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensfrage war, darf ich
aber doch auch in meiner Stellung zugleich als Akademiker mich eben so sehr
darüber erfreuen, als in derjenigen eines Direclors der k. k. geologischen Reichs-
anstalt. Verschieden in Verfassung und Obliegenheiten, stellen doch beide w ich-
tige Abtheilungen in dem Berufe eines grossen Landes vor. Angesichts der bevor-
stehenden feierlichen Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am
31. Mai, darf ich wohl in dankbarer Erinnerung des verewigten edlen Erzher-
zog Johann, unseres langjährigen Gönners gedenken, der als höchster Curator
bei ihrer Gründung die Eröffnungssitzung am 2. Jänner 1848 leitete, während
wir neuerdings wieder einen durchlauchtigsten Prinzen des Allerhöchsten
Kaiserhauses in gleicher Stellung verehren. Seine kaiserliche Hoheit den
durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Rainer, dem auch wir bis in die Zeiten
des k. k. montanistischen Museums zurück für wohlwollendste Theilnahme und
Anregung vielfach verpflichtet sind. Der Glanz der neu eröffneten Beziehung
wird weithin in der ganzen Ausdehnung unserer wissenschaftliebenden Gesell-
schaft den günstigsten Einfluss ausüben.
[1]
Bericht vom 30. Juni, W. Haidinger.
71
Bericht vom 30. Juni 1861.
Mit ganz anderen Gefühlen als am 30.. Juni 1860 (Wiener Zeitung vom
4. Juli No. 156) darf ich in dem gegenwärtigen Jahre ein kurzes Wort des
Berichtes zur Vorlage bringen, hoch gehoben schon durch das ermuthigende
Wort Sr. k. k. Apostolischen Majestät, welches Allerhöchst Die-
selben am 6. Juni in Bezug auf die uns nun vorliegenden Untersuchungsreisen
auszusprechen geruhten: „Mit gewohntem Eifer,“ als es mir beschieden war
den ehrfurchtsvollsten treuesten Dank für die neu gewährleistete Stellung der
k. k. geologischen Beichsanstalt, unabhängig von der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften, zu den Stufen des Thrones darbringen zu dürfen. Mit der gei-
stigen Beruhigung, dass nicht heute oder morgen ein unfreiwilliges „Halt“
geboten wird, sind sämmtliche Geologen in ihre Aufnahmsbezirke abgegangen.
Auch die in tiefster Ehrfurcht an Se. k. k. Apostolische Majestät
unterbreiteten geologisch - colorirten Karten und die Bände des Jahrbuches
wurden mit gleicher Huld wie in den früheren Jahren allergnädigst ent-
gegen genommen.
In der feierlichen Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
am 31. Mai waren die Verhandlungen des abgelaufenen Jahres gleichfalls ein
Gegenstand der Berichterstattung des Herrn Generalsecretärs Dr. A. Schrötter
gewesen, wohl aus einem Standpunkte, der bedeutend verschieden ist von dem,
welchen alle Mitglieder der k. k. geologischen Beichsanstalt und ihre zahlreichen
wohlwollenden Freunde eingenommen haben. Zerstörung musste die Folge der
Vereinigung des Ungleichartigen sein. Glücklich ist nun durch die Aller-
höchste Entschliessung vom 16. Mai die Periode der Ungewissheit glänzend
abgeschlossen worden , wie uns dies der anregende Erlass Sr. Excellenz des
Herrn k. k. Staatsministers Ritter v. Schmerling vom 17. Mai verkündete. Es
umsehliesst uns jetzt nur noch „ein gemeinsam es Band“ , „das befestigt
ohne zu hemmen“, wie dies S e. kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste
Herr Curator der k. Akademie Erzherzog Rainer, eben in jener feierlichen
Sitzung, so tief aus dem Lehen gegriffen, als eines unserer schönsten Ziele
bezeichnete, zur Förderung wahrer Wissenschaft unter der Wallung unseres
Aller gnädigsten Kaisers und Herrn, für unser schönes, grosses, geliebtes
Vaterland, freie Stellung, ungehemmte Bewegung zugleich, und innige Verbindung
zum grossen Ganzen.
Wohl darf ich im Namen der k. k. geologischen Beichsanstalt, wie in
meinem eigenen, Herrn k. k. Bergrath Franz Bitter v. Hauer, meine hohe Aner-
kennung aussprechen für seine geschichtstreue und wohlwollende Darstellung
zugleich in seiner Festrede in jener feierlichen Sitzung der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften „die Geologie und ihre Pflege in Oesterreich“.
Sie wird von vielen innig befreundeten Fachgenossen im In- und Auslande mit
grösster Theilnahme aufgenommen werden, ebenso wie dies von Seiten der
zahlreichen glänzenden Versammlung selbst an jenem Tage der Fall gewesen ist.
Den Mitgliedern und Freunden der neu gekräftigten Anstalt war es ein
Bedürfniss bei einem gemeinsamen Mahle ihre Empfindungen auszusprechen, das
am 1. Mai stattfand und bei dem mir der Ruf zum Vorsitze eine neue Pflicht des
Dankes auflegfe, den ich neuerdings hier darzubringen wage.
Mit dem Ausdrucke ehrfurchtsvollsten, innigsten Dankes unserem Aller-
gnädigsten Kaiser und Herrn schmückte ich am 4. Juni in feierlicher Ver-
72
Verhandlungen.
[2]
Sammlung sämmtlicher in Wien anwesenden Mitglieder und der Dienerschaft der
k. k. geologischen Reichsanstalt mit dem Allergnädigst verliehenen k. k. Sil-
bernen Verdienstkreuze mit der Krone die treue Brust des Cabinets-Dieners Joseph
Richter, nach vierzigjährigem ausgezeichnetem Dienste.
An demselben Tage fand die letzte der Sitzungen der k. k. geographischen
Gesellschaft in dem Saale der k. k. geologischen Reichsanstalt statt. Von ihrem
Wiederzusammentritt im October an werden die nächsten Sitzungen bereits in
dem k. k. Akademie- Gebäude abgehalten, wo die Gesellschaft auf das wohl-
wollendste von der kais. Akademie der Wissenschaften aufgenommen ist. Die
Gesellschaft war in den Bedürfnissen, in den Beziehungen der k. k. geologischen
Beichsanstalt mit dem befreundeten Inlande und Auslande gebildet; mir war die
Ehre der ersten Präsidentschaft zu Theil geworden, die später erst ihren ver-
mehrten Glanz durch die ausgezeichneten Persönlichkeiten erhielt, welche sie
nach einander erfüllten, die Herren Fürst Hugo zu Salm, Freiherren v. Czörnig
und v. Hietzinger, Graf Leo Thun. Heute vereinigt die k. k. geographische
Gesellschaft als ein frei gebildeter wissenschaftlicher Mittelpunkt zu freiwilliger
Arbeit eine grosse Zahl mächtiger, wohlwollender Theilnehmer, welchen ein
Vereinigungspunkt in der innern Stadt ein wahres Bedürfniss geworden ist. Wir
bleiben ihr stets in mannigfaltigen Beziehungen freundlich verbändet, namentlich
in diesem Augenblicke durch ihren hochverdienten Seeretär, Herrn k. k. Bergrath
Foetterle, der seihst ein Mitglied der k. k. geologischen Reichsanstalt ist.
Kam auch das Heft des Jahrbuches und mit demselben der Band für 1860
nicht vollständig zur Herausgabe, so ist es doch wieder im Drucke weiter vor-
geschritten, und namentlich der Druck der classischen „Studien in den ungari-
schen und siebenbürgischen Trachytgebirgen“ von Freiherrn v. Richthofen
beendet. Eine Anzahl von neuen abgeschlossenen Arbeiten ist wieder vor der
Abreise der Herren Geologen in meine Hand gelegt worden, von Herrn k. k.
Bergrath M. V. Lipoid die Abhandlung: Über des Herrn J. Barrande „Co-
lonien“ in der Silurformation Böhmens, und die zweite Abtheilung: Über das
Steinkohlengebiet nordwestlich von Prag; von Herrn Job. Joköly 1. Gliederung
und Lagerungsverhältnisse des Bothliegenden im westlichen Theile des Jiciner
Kreises in Böhmen und 2. Das Riesengebirge in Böhmen; von Freiherrn F. v.
Andrian Aufnahmen im Kaurimer und Taborer Kreis; von Herrn Dionys Stur
der Bericht über die geologischen Sommer-Aufnahmen des Jahres 1860 im süd-
westlichen Siebenbürgen; von Herrn Dr. G. Stäche !. „Geologische Studien im
nordwestlichen Siebenbürgen“ und 2. Die Eocengebiete von Inner- Krain und
Istrien. Fortsetzung und Schluss; von Herrn H. Wolf 1. Die barometrischen
Höhenbestimmungen durch die k. k. geologische Reichsanstalt im Jahre 1860,
und 2. Das Körös- und Maros -Thal in Ungarn, geologisch aufgenommen im
Sommer 1860.
Die in der Schluss-Sitzung am 30. April bezeichneten Arbeiten der geolo-
gischen Landesaufnahme sind nun sämmtlich in Angriff genommen und theilweise
darüber Berichte empfangen worden. Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid (Sect. I.)
hatte die erste Zeit eine Ergänzung früherer Arbeiten durchzuführen, die Auf-
nahme nach den neu erkannten Schichtenfolgen der silurischen Bildungen süd-
westlich von Rokitzan, namentlich die Umgebungen von Hollaubkau und Dobriw.
Sie trennten sich in die Aufeinanderfolge der Pribramer, der Krussnahoraer,
derKomorauer und der Brda-Schichten. Den Komorauer Schichten gehört das
Linsen-Eisenstein-Lager von Ausky bei Hollaubkau an. Mandelsteine kommen hier
nicht vor wie in der östlichen Fortsetzung, dagegen häutige und sehr lehrreiche
Porphyr - Durchbrüche, oft mit bedeutenden Störungen, und mehr an den
Bericht vom 30. Juni. W. Haidinger.
73
[3]
Abhängen der Berge als aufKuppen erscheinend. Freiherr v. Andrian berichtet
aus dem auf Pläner- Mergel belegenen Chrudim, welche Gebirgsart dort weit ver-
breitet und in einzelnen Punkten und längeren Zügen aufgeschlossen ist. Gegen
Pardubitz zu die Ebene und die mächtigen Lössbedeckungen, oft feinere thon-
artige Bänke mit mächtigen Schotterbänken wechselnd. Südwestlich von Chrudim
das Liegende des Pläner-Mergels, nämlich Pläner-Sandstein, bei Hermanmestec,
Rozhowic, Stolan, überall am Rande der Kreideformation, die sich mit bedeu-
tenden Krümmungen über Lhota, Janowitz, Morasitz legt. Die Aufgabe dieser
Sect. I bilden die beiden Blätter der k. k. General-Quartiermeisterstabs -Karte,
No. 15 Umgebungen von Königgrätz und No. 21 Umgebungen von Chrudim
und Czaslau.
Herr Job. Jokely (Sect. II), schon im Beginne seiner Arbeiten wohl-
wollendst aufgenommon von einem hochverehrten Gönner, Sr. Durchl. dem Prinzen
Wilhelm von S cha um b u r g- L i p p e in Ratiborzitz, setzte seine Aufnahmen fort
in dem südlichen und östlichen Theile des Blattes No. 9, Umgebungen von Jicin
und Hohenelbe, ferner des Blattes No. 10, Umgebungen von Braunau, und
berichtet über die Lagerungsverhältnisse des Pläners, Quadermergels und Quader-
sandsteines der Umgebungen von Jaromer und Josephstadt, Königinhof, Horitz,
Mlasowitz und Kopidlno, und die Durchschnitte bis hinab in das Rothliegende.
Herrn k. k. Bergrath Foetterle in der III. Section ist, in Begleitung der
Herren D. Stur und H. Wolf, für Uebersichtsaufnahmen Kroatien, Slavonien
und die begleitende Militärgrenze zwischen den Flüssen Drau und Save über-
gehen. Wir sind der Vermittelung des k. k. militärisch-geographischen Institutes
und der k. k. Generaldirection des Grundsteuerkatasters für die Karten zu unsern
Aufnahmen zu grösstem Danke verpflichtet, namentlich der Grenz-Regiments-
Karten in den Verhältnissen von 2000°, 1600° und 1000° auf Einen Zoll, oder
1 : 144 000, 1 : 100-500 und 1 : 72-000 der Natur.
Die IV. Section der Aufnahmen hat zur Uebersieht das grössere Gebiet des
südwestlichen Ungarn, unter Herrn k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer als
Chefgeologen, nebst den Herren Dr. G. Stäche, F. Stoliczka und Karl M.
Paul. Sie haben ihre Arbeiten aus den Anfangspunkten Raab, Martinsberg und
Dotis gemeinschaftlich begonnen in dem Tertiärlande, die Congerienschichten,
die Cerithienschiehten, das Eocene umfassend bis zu den den Vertes-Gebirgs-
Abhängen vorliegenden, Versteinerungen führenden Kalkschichten, mit Terebra-
teln, Crinoiden, Ammoniten und Orthoceren. Wohlwollendst waren die Freunde
in Raab von Seiner Hochwürden, dem Herrn Prof. Florian Römer aufgenommen
und unterstützt worden, welcher selbst mit grossem Erfolge in Raab ein ansehn-
liches naturhistorisches Museum gebildet hatte. Erstere beide gehen nun über
Moor nach Stuhlweissenhurg und sodann gegen Ofen zu, Herr Stoliczka in
der westlichen Richtung gegen Oedenburg. Als freiwilliger Theilnehmer an den
Arbeiten des diesjährigen Sommers schliesst sich Herr Paul an, durch unsern
hochverehrten Freund Herrn Prof. Suess eben so wie. Herr Stoliczka den
Interessen geologischer Wissenschaft gewonnen, und bereits durch gediegene
selbstständige Arbeiten bewährt.
Die Zeit der Vorbereitungen benützend, hatte Herr H. Wolf der Einladung
unseres hochverehrten Freundes Directors Dr. Hörnes gefolgt, und erstattet
Bericht über Fortschritte der Ausbeutung von Localitäten von Tertiärfossilien,
welche bei früheren Veranlassungen begonnen waren, aber nun reiche Ergeb-
nisse darboten, namentlich der von Rausnitz, von dem verewigten Poppelack
aufgefunden, Losca bei Ruditz, von Herrn Wolf im verflossenen Jahre zuerst
bezeichnet. Herrn Berg- und Hüttenverwalter Eduard Mahler in Adamsthal ver-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. k
74
Verhandlungen.
[4]
dankt man einen Sehurfschacht durch Diluvial-Lehin mit Bärenknochen (4° 4') und
Tegel (3° 4'), als einen wahren wissenschaftlichen Aufschlussbau, zum Studium
der Aufeinanderfolge der Faunen in den Absätzen des Wiener Beckens. Zahl-
reiche Foraminiferen haltende Tegelstücke erwarten nun ihre fernere Bearbei-
tung. Auch in der Umgegend von Boskowitz, Suditz, Knihnitz und Jaromierzitz
wurden Fossilreste, hier unter freundlicher Führung des Herrn Bergverwalters
Martin Jezek gewonnen, der auch sonst Werthvolles, wie mehrere schöne
Stücke Walchowit, mittheilte. Herr Dr. Wankel in Blansko, der das schöne
Ursus spelaeus-Ske\ei aufstellte, welches die k. k. geologische Reichsanstalt als
werthvolles Geschenk Seiner Durchlaucht dem Herrn Fürsten Hugo zu Salm
verdankt, ist neuerdings mit der Zusammenstellung eines ähnlichen Skeletes
beschäftigt, das für das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet bestimmt ist. Es ist in auf-
rechter Stellung genommen, ähnlich jenem des Mylodon robustus in London, und
hat eine Höhe von 10 Fuss. Die von Wolf entdeckte und nun neu besuchte
Fundstelle von Petrefacten der untern Devongrupppe gab gleichfalls eine werth-
volle Ausbeute.
Ein fortwährendes Bedürfniss ist lebhaft in der Befriedigung durch die Pro-
ben von Steinkohlen und Braunkohlen auf ihre Heizkraft. Fragen und Muster
lagen im Laufe dieses Monats viele vor, von Behörden sowohl als von Privaten.
Unter den ersteren vornehmlich des k. k. Kriegsministeriums und des k. k. Marine-
Obercommando. Immer dringlicher wird die Frage der Benützung inländischer
Kohlensorten für die Dampfschifffahrt. Aber die in grösserer Nähe des Meeres
liegenden sind theils geringer in Qualität, theils geringer in Ausdehnung der
Flötze. Alles deutet auf den wünschenswerthen Aufschluss der reichen Fünf-
kirchner Steinkohlengegend durch erleichterte Verbindungen mit einem Hafen
des adriatischen Meeres, wie dies so schlagend in der Broschüre „Betrachtungen
eines See-Officiers über die Verbindung der Donau mit dem adriatischen Meere“
hervorleuchtet, etwa in der beantragten Linie von Fiume, Agram, VerÖcze.
Unter den Einsendungen an Mineralien verdienen wohl die merkwürdigen
grünlichgrauen Chrysolith -Krystalle, welche der Einsender, Herr Lehramts-
candidat Joseph Sapetza, bei Hofzendorf, unweit Neutitschein, entdeckte, die
grösste Aufmerksamkeit und fernere Studien. Sie sind eingewachsen bis zur
Grösse eines halben Zolles in der Länge, eines Viertelzolles in der Dicke in einer
basalt- oder grünsteinartigen Grundmasse, matt, unscheinbar. Bei Freiberg kommt
das Gestein mit Chrysolith in einem frischeren Zustande vor. Merkwürdig auch
körniger Kalkstein pseudomorph nach grossen Aragonkrystallen , mit Grünerde
aus dem Grünstein von Kojetein. Ferner eine Anzahl von Fossilresten aus den
Stramberger Kalkschichten u. s. w. Herr August v. Makaj in Grosswardein,
Bergwerksunternehmer, sandte Braunkohlenmuster mit eingeschlossenen deut-
lichen Holzkohlenbruchstücken, wie sie namentlich in der Nähe von Franzensbad
in Böhmen aufgefunden wurden, von Kardo, südlich von Grosswardein, aus den
dort wohl 16 Meilen gegen Süden zu und 10 bis 12 Meilen von Ost nach West
verbreiteten, doch wenig mächtigen Flötzen, grösstentheils von Lignit.
Noch möchte es mir gestattet sein zu erwähnen, dass ich aus den ein-
geleiteten Verbindungen manche anziehende Nachricht auch in den Sitzungen der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mittheilen konnte, wie die Vorlage des
schönen Geschenkes meines hochverehrten Freundes, Herrn königl. preuss. Ober-
Berghauptmannes Dr. H. v. Dechen in Bonn, der zwölf neuen Sectionen der von
ihm in dem Maasse von 1111 Klaftern auf 1 Zoll (1 : 80.000 der Natur) heraus-
gegebenen geologischen Karten der Rheinprovinz und Westphalens.
[1]
Bericht vom 31. Juli. W. Haidinger.
75
Bericht vom 31. Juli 1861.
Unvergänglich wird uns in der Erinnerung in der Geschichte der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt der 1Ö. Juli feierlich fortleben, an welchem Seine kaiser-
liche Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer gnädigst geruhten
unsere Sammlungen zu besichtigen, huldreichst Einsicht zu nehmen in die Arbei-
ten der Anstalt. Es war mir beschieden Höchstdenselben durch die Säle und
Arbeitsräume zu geleiten. Von Mitgliedern der Anstalt waren Herr Karl Ritter
v. Hauer und A. Senoner gegenwärtig. Da die Herren Geologen bereits
sämmtlich in ihre Aufnahmsbezirke abgegangen waren , so hatte unser hochver-
dienter langjähriger Arbeitsgenosse Herr Director Hörne s auf meine Einladung
sich gleichfalls angeschlossen, und auch Herr Prof. Peters, nach seinem in
unserem Sitzungssaale abgehaltenen Vortrage ebenfalls einige Nachweisungen
zu geben Veranlassung gefunden. Wir sind dem hohen Freunde, Verehrer und
Kenner der Wissenschaften, Höchstdessen erste huldreiche Theilnahme uns noch
aus den Räumen des Montanistischen Museums unvergesslich ist, für Sein gnä-
digstes Wohlwollen, für Seine huldreichen Worte zu dem innigsten treuesten
Danke verpflichtet, in diesem Fortleben anregendster Theilnahme des durch-
lauchtigsten Kaiserhauses an unserem wissenschaftlichen Fortschritte, wie er uns
in früheren Tagen durch Seine kaiserliche Hoheit den durchlauchtigsten Herrn
Erzherzog Stephan, und früher noch in der ganzen Periode unserer Wirk-
samkeit durch unseren edlen grossen Erzherzog Johann zu Theil ward, den
wir wohl im engsten Sinne des Wortes als einen Fach- und Arbeitsgenossen
verehren.
Rasch und voll von Erfolgen schreiten nun unsere Arbeiten der Landes-
Aufnahme vor, sowohl in den nördlichen mehr in das Einzelne gehenden, als in
den südlicheren Uebersichts-Aufnahmen.
Herr k. k. Bergrath Lipoid (Sect. I) berichtet aus Kolin über die nun für
den ganzen westlichen Abschnitt der silurischen Schichten durchgeführte Son-
derung in die einzelnen Absätze, wie sie das Studium der östlicheren Gegenden
an die Hand gegeben hatte. Anschliessend an die in dem Juniberichte erwähnten
Gegenden südwestlich von Rokitzan, wurden nun die weiter östlich liegenden ver-
folgt nach Mauth, Cerhowic, Horowic, und dannwie der die Gegend von Zebrak
und Beraun. Der praktische Werth der nun vorliegenden geologisch -colorirten
Karten ist durch diese genauere Untersuchung bedeutend erhöht worden, indem es
gelang, die durch ihre reiche Eisensteinführung so wichtige Zone der Komorauer
Schichten (Barr and e’s Etage d1) von deren Liegendem den Krusnahora-
Sehichten (D), und dem Hangenden, den Brda- Schichten (d2) vollständig zu
trennen, und in den Karten ersichtlich zu machen. Wohlwollendst unterstützt
fand sich Herr Bergrath Lipoid durch die zahlreichen montanistischen Fach-
genossen der Umgegend, nebst vielen anderen, namentlich auch den Herren
k. k. Bergmeistern Fr. Czerny in Wossek, A. Auer in St. Benigna und J. Gross
zu Krusnahora, dem Herrn fürstlich Fürstenberg’schen Bergrath Anton Mayer
zu Neu-Joachimsthal und andern. Porphyre westlich von Mauth und Zbirow,
Grünsteine östlich bringen vielfache Störungen hervor, und tragen viel dazu bei,
die Eisensteinlager an den Tag zu bringen.
Weiter im Osten, in unserem eigentlichen diesjährigen Aufnahmsgebiete
der zweiten Section, den Blättern Neubidschow No. XV und Chrudim No. XXI,
fanden die gemeinschaftlichen Untersuchungen der Herren Lipoid und Freiherr
k*
76
Verhandlungen.
[2]
v. Andrian an den Grenzen statt, um die Bestimmungen dort in genauen
Zusammenhang zu bringen. Dort reicht, schon auf Freiherrn v. Andriau's süd-
lichem Blatte die südliche Grenze des Quader über Choltitz nach Hermanmestec
und Skworad, südlich von Chrudim. Dann schliesst sich Thonsehiefer an in
bedeutender Entwickelung, zum Theil mit mächtigen Quarzit-Einlagerungen, als
ganze Berge, aber auch von Kalkstein, bei Podo!, Prachowitz, noch zu wenig
Gegenstand der Benützung, auch etwas Eisenstein. Dann südlicher noch Granit,
endlich Gneiss in den einförmigen Hochplateaux bei Bassaberg und Ses, in viel-
fachen Varietäten und Verbindungen. Merkwürdig ist an der Bauen-Mühle im
Chrudimka-Thale ein Granit, der so grosse Schollen in so grosser Anzahl von
schiefrigen Gesteinen enthält, dass er als ein wahres Granit-Thonschiefer - Con-
glomerat bezeichnet werden kann.
Herr Johann Jokely (Sect. II) schloss die Aufnahme des Blattes No. IX,
Umgebungen von Jicin und Hohenelbe mit den südlichen und östlichen Gegenden
von Kopidlno, Hofitz, Jaromierz und Josephstadt, Arnau, Trautenau und Schatz-
lar. In der Mitte Rothliegendes in grösster Ausdehnung und südlich noch Quader-
sandstein, dagegen im nördlichen Theile bei Schatzlar die eigentliche Steiu-
kohlenformation. Von dem Rothliegenden sind es besonders die Arcosensandsteine
und Conglomerate der mittleren Etage, wie bei Pecka, Falgendorf. Wichtig ist
das Steinkohlengebirge von Schatzlar, westlich an den Urthonschiefer des „Reh-
horngebirges“ angelehnt, östlich und südlich von den untern Rothliegendsehich-
ten begrenzt, und von denselben scharf getrennt, was namentlich auch sich in
der Art des Auftretens von Porphyr- und Melaphyrmassen zeigt, welche die
Steinkohlensandsteine, nicht aber die Arcosen durchsetzen.
Die Steinkohlen liegen in drei Zügen mit wenig Schieferthon in Sandstein,
der Haupt-Flötzzug hat 10 Flötze, darunter fünf, 40 bis 90 Zoll mächtig abbau-
würdig, der Liegend - Flötzzug, 11 Flötze von 20 bis 76 Zoll Mächtigkeit,
sämmtlich mit Ausnahme von Einem abbauwürdig, der Hangend-Flötzzug wenig
aufgeschlossen. Der Liegend-FIötzzug desto reicher an Sphärosiderit, als das
Gebirge sich dem Urgebirge, namentlich Bober zu nähert. Ferner berichtet Herr
Jokely noch über das Quadersandstein - Gebiet von Adersbach, mit seinen
wundervollen grotesken Formen, und über das Rothliegende von Radowenz. Aus
Veranlassung des ersteren, der dort sehr gründlich für Studien entblösst ist, dringt
Jokely darauf, doch ja den Ausdruck „Pläner, Plänermergel“ nicht dadurch
mit den „Quader, Quadersandstein, Quadermergel“ in Verwirrung zu bringen,
dass man von „cenomanem Pläner“ spreche, welches nicht weniger unrichtig ist,
als wenn man von „eocenem Leithakalk“ sprechen wollte. Die Fundstätte der
fossilen Araucaritenstämme von Radowenz, über welche Herr Professor Göppert
Nachricht gegeben, gehört nach Jokely unzweifelhaft dem mittleren Rothlie-
genden, dem Arcosensandsteine an. Er ist abweichend auf einen hervorragenden
Grat von Steinkohlensandstein aufgelagert, von dem er durch die sandig-thonigen
Schiefer des untern Rothliegenden getrennt wird. Diese Nachweisung zeigt, dass
oberflächlich das Steinkohlengebirge von Schatzlar von dem von Schwadowitz
getrennt ist, aber wohl nur durch diese überlagernden neueren Schichten, was
für künftige bergmännische Unternehmungen allerdings sehr wichtig ist.
Höchst anziehend und reichhaltig gibt Herr k. k. Bergrath Franz Ritter von
Hauer (Sect. IV) Nachrichten über das Vertes-Gebirg und den Bakonyer Wald.
Er selbst und die Herren Dr. Stäche und K. M. Paul bearbeiten diese Gegen-
den gemeinschaftlich. Von der grössten Wichtigkeit ist dabei die genaue Kennt-
niss und Erfahrung bei dem Wiedererkennen so mancher aus früheren Unter-
suchungen wohlbekannter Gesteine, welche sich hier vielfach vereinzelt und
Bericht vom 31. Juli. W. Haidinger.
77
[3]
unterbrochen wiederfinden. Esino - Dolomit und Dachsteinkalk- und Dolomit
bilden die Hauptmasse des von Nordost nach Südwest streichenden reich bewal-
deten Vertes-Gebirges. Sehr deutliche Exemplare der Dachstein-Bivalve am
Csokaberg östlich von Moor und bei Unter-Galla. Vielfach angelagert Eocenes in
Ost und West, 2 bis 3 Zoll grosse Exemplare von Nummulina complancda in
zahlloser Menge bei Galla, riesige Austern. Merkwürdig eine bei einer Grabung
entdeckte Eocen-Mulde mitten im Esino-Dolomit auf dem Hotler der Puszta Forma,
südwestlich von Csäkvär, mit Rostellaria corvina, Ceritliium calcaratum u. s. w.
mit so wohl erhaltener Schale, wie die Tertiärfossilien des Pariser oder Wiener
Beckens, zu deren Ausbeutung freundlichst Herr Deaky in Csäkvär behilflich
war. Kreide und Jura gleichfalls vertreten, und besonders erstere voll von
Fossilresten.
Die etwa h Meilen lange, 2 Meilen breite Inselpruppe von krystallinischen
und Eruptivgesteinen, bis zu 183 Klafter Höhe, des Meleghegy, östlich von Stuhl-
weissenburg nördlich von Velencze, bietet eine ganz eigenthümliche Unter-
brechung mitten in dem Meere der secundären und neueren Ablagerungen. Herr
Dr. Ziper in Neusohl gab die erste Nachricht darüber. Sie ist seitdem genauer
von den Herren Julius v. Koväts und J. Jokely untersucht. Auch südwestlich
von Stuhlweissenburg noch der Särhegy bei Szabad - Battyän geschichteter
krystallinisch-körniger Kalkstein. Diese krystallinischen Höhen bilden deutlich
die Hebungsaxe für das Vertes-Bakonyer Gebirge.
Herr Bergrath v. Hauer hatte auch mit den hochverehrten Freunden Julius
v. Koväts, Szabö und andern in Pesth sich besprochen, und ihre in der letz-
ten Zeit fleissig durchgeführten wichtigen Aufsammlungen erkundet. Von Herrn
Prof. Szabö selbst kamen uns gleichfalls anregende Berichte vermehrter wis-
senschaftlicher Thätigkeit zu, namentlich durch die königl. ungar. Akademie der
Wissenschaften, deren Referent für Mathematik und Naturwissenschaften er ist
und welche in neuester Zeit den Herren v. Handtken, v. Koväts, Szabö,
Nendtvich zu geologisch -physikalischen Untersuchungen in der Gegend von
Dotis-Ofen, den Biliarer Höhlen, den Donauthal-Alluvien und dem Banater Cul-
turboden die Mittel gewährte.
Während der letzten Zeit war die Aufnahme des Bakonyer Waldgebirges
bis zu der Linie Vörös-Bereny (am Plattensee), Veszprim, Zircz, Fenyöfö vor-
gerückt, unter den anregendsten Verhältnissen freundlich wohlwollender Auf-
nahme und Unterstützung, vornehmlich in der reichen Gastfreundschaft der hoch-
würdigen Herren Aebte A. E. Rezutsek in Zircz und Dr. Nikolaus Särkäny
in Bakonybel, den Herren Prior Dr. Bula in Zircz, Prior Weber in Bakonybel,
Pfarrer Pint er in Oszlop und Hodoly in Lokut. Ohne diese vortheilhafte Lage
war es unmöglich in der kurzen Zeit so viele einzelne Untersuchungen in den
sehr complicirten geologischen Verhältnissen des Landes durchzuführen und
solche reiche Aufsammlungen der so charakteristisch und zahlreich einbrechen-
den Fossilreste einzuleiten. Für letztere hatte die Aufmerksamkeit des Herrn
k. k. Hofrathes Ritter v. Schwaben au, während seines Sitzes in Oedenburg,
sehr günstig vorgearbeitet. Trias, Dachsteinkalk, Kreide, Eocenes und dann noch
der Löss, die Hauptbedingung der Fruchtbarkeit des Landes, haben die stärkste
Verbreitung. Werfener Schiefer mit Naticella costata und Myophorien und Ver-
rucano bei Vörös-Bereny und Felsö- und Alsö-Eörs, Esino-Dolomit mit Spuren
von Chemnitzien bei Csäk-Bereny, Dachsteinkalk mit Megalodus triqueter bei
Ratot und Epleny. Die Kreide bietet hohes Interesse in ihrer Entwickelung und
Reichhaltigkeit an Fossilresten, in einem untern festeren klippenbildenden Grunde
mit zahllosen Rudisten, namentlich einer Caprotina und einem Radioliten, höher
78
Verhandlungen.
[*]
mit Nerineen, Ostreen u. s. w.t und einer hohorn mergelartigen Abtheilung, wie
bei Nana, östlich von Zircz, mit zahlreichen Cephalopoden, Echinodermen, in der
obersten endlich mit den schönen Turriliten, wie sie uns namentlich durch Herrn
Hofrath v. Sch waben au bekannt geworden sind. Reich entwickelt ist auch
das Eocene in der Niederung von Kozma, Ganth, Csäk-Bereny, Dudar, Oszlop,
Csesznek , Fenyöfö. Grosse Suiten von Petrefacten wurden überall gesammelt.
Lias- und Juraschichten nur ganz einzeln. Miocene Congerientegel östlich vom
Plattensee.
Herr Ferdinand Stoliczka, ebenfalls Mitglied der vierten Section, berich-
tet aus seinen auf dem rechten, westlichen Flügel nach Süden vorrückenden
Aufnahmen aus dem Lande zwischen Güns, Steinamanger, Körmend einerseits
und der Lafnitz, an der Grenze von Steiermark gegen Hartberg und Fürstenfeld.
Nördlich im Westen und südwest von Güns die krystallinischen Schiefer, Gneiss,
Glimmerschiefer, stellenweise Thonschiefer, die Ausläufer des steiermärkischen
Alpenzuges, Quarzknollen häufig, auch Kalklager, aber kein Serpentin mehr,
der unmittelbar nördlich so sehr entwickelt ist. Südlich der Linie Güns, Rech-
nitz, Tazmansdorf unmittelbar neuere Tertiärgebilde, namentlich vorwaltend
Belvedere-Schotter, bei Mariadorf wenig mächtige Braunkohlenflötze in Tegel.
Südlich von Güssing mehr Sand und sandiger Tegel. Petrefacten selten, bei Ste-
gersbach und Rothenthurm, nordöstlich von Fürstenfeld, Malanopsiden und Con-
gerienschichten, hier in ganzen Bänken, aber vereinzelt. Einzelne Punkte kry-
stallinischer Schiefer nordwestlich von Güssing. Auch Basaltconglomerat, wie
im Schlossberg von Güssing, zahlreiche Olivin- und Ampbibol-Bomben in dem
Basalttuff NW. von Tobaj, alles die Fortsetzung der geologischen Beschaffenheit
des benachbarten Theiles von Steiermark.
In der dritten Section begann Herr k. k. Bergrath Foetterle seine Auf-
nahmen im nordöstlichen Theile von Croatien, unmittelbar südlich von der Drau
in dem Striche zwischen Warasdin, Ludbregh, Raszin, hier von Herrn Vicege-
span Inkey v. Pallin wohlwollend aufgenommen und erfolgreich gefördert,
Kaproncza, mit Alluvialbildungen, dann Löss, nebst den ansteigenden jüngeren
Tertiärbildungen im Hügellande. Hier auch stellenweise Braunkohle in wenig
mächtigen Flötzen, bei Szobotica etwas dichter, bei Perkos Lignit. Hier auch
Dreissenen, Cardien im Tegel der brackischen Inzersdorfer Schichten. Herr
Bergrath Foetterle berichtet noch über den auf Veranlassung der venetiani-
schen Bergbaugesellschaft von ihm besuchten, oft bei 8 Fuss mächtigen Bleiglanz
und Fahlerz führenden Contact-Gang zwischen den Kalkstein- und darüber liegen-
den dunkeln, thonigen Schiefern der Gailthaler Schichten des Monte Cadenis und
Avanza, die sich vom Monte Peralba östlich abzweigen, westlich von Tolmezzo
in den Venetianer Alpen. Herr Dionys Stur hatte den Weg über Agram genom-
men, und schon dort war ihm und Herrn H. Wolf der wohlwollendste Empfang
zu Theil geworden, von Ihren Excellenzen dem Herrn Banus Frhr. v. Sokcevic
und Bischof Strossmayer von Diakovar sowohl, als von unserem langjährigen
wissenschaftlichen Arbeitsgenossen Hm. Obergespan v. Farkas-Vukotinovic
und Hrn. Obergespan Grafen v. Jankovic, dem uns ein freundliches Schreiben
meines wohlwollenden langjährigen Gönners Grafen August Breun n er auf das
beste empfahl, sowie auch Herrn k. k. Oberfinanzrath v. Stanisavl jevic. Es
wurde dort beschlossen, den Assistenten am Landesmuseum, Herrn Eduard
Wormustiny gleichzeitig mit Herrn Stur nach Slavonien und den östlichen
Militärgrenzbezirken zu senden, wo derselbe seine Aufnahme seitdem mit der
Hauptstation Novszka in der Gradiscaner Grenze begann, und über die Gegend
bis östlich nach Petrovoselo berichtet. Zwei Gebirgskerne stehen nördlich an;
Belicht vom 21. Juli. W. Haidinger*
79
ß]
der westlichere, der Rogoljer-Psunj, ist krystail inisch , Glimmerschiefer und
Amphibolschiefer; der östlichere Kern, das Tissovacer Gebirge, bestellt bis auf
den Kamm am Maksimov hrast aus einem Conglomerat, das leicht in loses Gerolle
zerfällt, in dem man krystallinische Gesteine, aber auch rothen Marmor und Sand-
stein erkennt, dessen Alter jedoch noch nicht vollständig zu bestimmen war, da
Fossilreste gänzlich fehlten. Auf diese folgen sogleich Tertiärgebilde, entsprechend
den marinen Schichten des Wiener Beckens, hierauf ein Mergel, mit Pflanzen- und
Inseetenresten (im Thale von Raic), wohl analog jenem von Radoboj und Sused,
endlich Congerien- oder Belvedere-Schichten, dabei auch ein Süsswasserkalk, ähn-
lich dem des Friedhofes und der Ziegelei von Moosbrunn. In dem Mergel die Quellen
des Bergöls. Ganz im Süden an der Save diluvialer Lehm, Schotterund Alluvien.
Herr H. Wolf hatte seine Aufnahmen von der Drau her bis auf den Parallel
von Belovär in der k. k. Militärgrenze des Warasdiner St. Georger Regimentes
begonnen. Im Westen reicht noch das Kalniker Gebirg in das Gebiet des Kreutzer
Regiments herein, graue, splitterige, steil aufgerichtete Kalke, Sandsteine und
ein eruptives Gestein, anscheinend Griinsteintrachyt, aber wie die unmittelbar
anliegenden nur durch Untersuchung der ganzen westlicher anliegenden Gebirgs-
insel bestimmbar. Hierauf in der Aufeinanderfolge des Rekagebirges südlich von
Kopreinitz und des Bilagebirges östlich von Belovär, bis zu den westlich und nörd-
lich von Poschega höher aufsteigenden Gebirgsinseln, liegt eine Bodenerhöhung,
Wasserscheide zwischen Drau und Save, welche keine grössere Höhe als 700
bis 900 Fuss erreicht und deren Axe nicht aus krystallinischen oder doch secun-
dären Gesteinen, sondern lediglich aus neutertiären besteht, aus Congerien-
schichten, Belvedere -Schotter und Löss, letzterer nach NO. und SW. immer
mächtiger, endlich herrschend. In der Thalsohle Thaliöss und stellenweise Flug-
sand in Hügeln bis zu 30 Fuss Höhe. Höchst wirksame und hoffnungsvolle Mineral-
wasserquellen beiApatovec und Kapella. Von Wien aus vorbereitet, durch Se. Exc.
den Ban Freiherrn v. Sokcevic nachdrücklichst unterstützt, war die Stellung
unseres Herrn Seetionsgeologen eine höchst günstige, wohlwollendst aufgenom-
men von den Herren k. k. Oberst!, und Ritter Joseph Mitteser v. Dervent,
und k. k. Major und Ritter Joseph Ha 11a, freundliehst auf einer der Excursionen
begleitet von Herrn k. k. Lieutenant Anton Waberer, und bis in die Erleichte-
rung von jeder Beihilfe auf das Zuvorkommendste gefördert.
So sind denn überall unsere Aufnahms-Arbeiten hoffnungsvoll eröffnet.
Aus den Arbeiten im chemischen Laboratorium, in welchem die Kohlen-
und Erzproben stehende Artikel blieben, erwähne ich noch des von uns abgege-
benen Berichtes an die k. k. Landesbehörde in Kärnthen, über die Wasserproben
von der Katharina-Heilquelle zu Kleinkirchheim, die in zwei Strömen, einer von
88 Maass in der Minute und der Temperatur von 19° R., der andere mit 9 Maass
und der Temperatur von 17 y^0 R. unter den dortigen Kapellen und Kirchen ent-
springt, sowie der Quelle von St. Leonhard, ebenfalls unter einer Kirche, an
einem hochgelegenen Bergrücken, in ziemlicher Menge, mit nur 3° R. Es sind
dies, besonders das letztere, höchst reine Wasser mit nahezu unmerklichen
Spuren von Schwefelsäure, Chlor, Kalk und Magnesia, die nicht eigentlich unter
die „Mineralwasser“ gezählt werden können, währenddem sie allerdings ganz
günstige Erfolge in Bezug auf Heilkräfte gerade wegen ihrer grossen Reinheit
besitzen können.
Herr k. k. Ingenieur-Assistent Hermann Schmidt in Liezen sendet Ver-
zeichnisse von Höhenmessungen aus Ober-Steiermark, Yon Weisskirchen nach der
Stubalpe , über den Semmering, und von Kapfenberg über den Seeberg und
Brandhof bis zur Grenze von Oesterreich nach ausgeführten Nivellements.
80
Verhandlungen.
[6]
Hen* Pfarrer Maryska in Liebstadt bei Lomnilz bei Jicin schenkte eine An-
zahl Fossilreste Janira aequicostata Sow. von St. Pangratz bei Gabel, und
anderes , vorzüglich ein merkwürdiges Amethystquarz-Gangstück mit braunem
Glaskopf von Ruppersdorf nördlich von Reichenberg. Rer Glaskopf in einzelnen
Nieren von ungewöhnlicher Grösse, deren Durchschnitte 3 Zoll hoch, 5 Zoll
breit, offenbar von einem der dortigen Rasaltgänge in Granitit. Herr Jokely
fand, dass gerade in der Fortsetzung von Basaltausbrüchen in jener Gegend die
mächtigen Quarzgänge auftreten, welche zum Theil für Strassenmaterial bear-
beitet werden.
Herr Jos. Sapetza sendet fernere Exemplare zur genaueren Untersuchung
des eigenthümlichen an Olivinkrystallen so reichen Gesteins, das doch eigentlich
den Basalten sich einreibt, dann von der Pecsawka Gura Pseudomorphosen einer
wackenartigen Masse nach Analcim in den so charakteristischen Formen des
Haüy’schen Analcime triepointee.
Von Herrn Director Dr. Ferdinand Müller in Melbourne, Australien, kam
eine Kiste mit Conehylien und Fossilresten des Thier- und Pflanzenreiches aus der
Gegend von Ballaarat, westlich von Melbourne, Gegenstände wichtig für Verglei-
chungen mit unseren eigenen Tertiärfossilien.
Von hohem Interesse ist uns die vorläufige freundliche Einsendung unseres
hochverehrten Freundes Herrn Th. Oldham, Directors der geologischen Landes-
Aufnahme von Indien, von 34 lithograpbirten Tafeln von Pflanzenfossilien, von
Zamites, Pteropliyllum , Pecopteris , Taeniopteris u. s. w., sämmtlich aus den
Rajmahal-Hügeln, nördlich von Calcutta, welche so grosse Uebereinstimmung mit
unseren Keuperpflanzen zeigen. Nach den gleichzeitig erhaltenen Mittheilungen
des Herrn W. T. Blanford, ebenfalls von der geologischen Aufnahme in Indien,
ist durch die dortigen Forschungen vollkommen sichergestellt, dass diese Schich-
ten jüngeren Absätzen angeboren, als die eigentlichen indischen kohlenführenden
Schichten daselbst sind, die Ränigani- und Damüda-Schichten, am Damüdaflusse,
nordwestlich von Calcutta, deren Alter indessen doch noch nicht ganz unzweifel-
haft bestimmt werden konnte, da die Pflanzenreste, welche sie enthalten, Schizo-
nema, Glossopteris , Vertebraria, selbst viel zur Bestimmung zu wünschen übrig
lassen.
Einladungen zum Besuche von verschiedenen Versammlungen waren ange-
langt. Ist es auch unerlässlich, dass wir Mitglieder der k. k. geologischen Reichs-
anstalt wie bisher durch einzelne Repräsentanten an solchen von Zeit zu Zeit
Theil nehmen, so gelang dies doch nicht in dem gegenwärtigen Jahre in unseren
Plan aufzunehmen. Es sind dies die Versammlung der schweizerischen Naturfor-
scher in Lausanne am 20. August, die Jubelfeier der Universität Christiania am
2. September, die British Association in Manchester am 4. September, die 36. der
deutschen Naturforscher und Ärzte in Speyer am 17. September, welchen allen
wir für specielle Einladungen zu grösstem Danke verpflichtet sind. Aber uns
selbst stellt ja ebenfalls in Wien die zweite allgemeine Versammlung der Berg-
und Hüttenmänner bevor, welche in den uns zugewiesenen schönen Räumen, wie
die erste am 10. Mai 18o8, auch dieses Mal am 23. September 1861 Statt finden
wird. Während unsere Pflicht es erheischt, für die grosse Welt-Ausstellung in
London im Jahre 1862 eine Reihe unserer geologisch-colorirten Karten zur Ver-
sendung vorzubereiten, werden wir hier schon Gelegenheit finden, so manches
Werthvolle unseren eigenen theilnehmenden Landesgenossen vorzulegen.
[1]
Bericht vom 31. August. W. Haidinger.
81
Bericht vom 31. August 1861.
Berichte über die Aufnahmsarbeiten liegen aus allen Districten vor und lassen
die anregendsten Ergebnisse erkennen. Herr k. k. Bergrath Lipoid (Section I)
untersuchte die Einzelnheiten des Gebietes von Chlumetz, Königstadtl und Neu-
Bidschow, der Section XV der k. k. General-Quartiermeisterstabskarte, nebst den
an die Jokely’schen Aufnahmen südlich anschliessenden Streifen von Kopidlno
und Smidar, der auf das Blatt Jicin und Hohenelbe fällt und wodurch dieses Blatt
gänzlich geschlossen ist. Nur die Kreideformation und zwar Quadermergel dieser
mehr südlich und Plänermergel dieser mehr nördlich geben das flachhügelige
Grundgebirge , das stark coupirt, nur wenig entblösst, dagegen häufig auf weite
Strecken von Löss und Schotter bedeckt ist, Untersuchung schwierig und ermü-
dend, Fossilreste nur an wenigen Fundstätten getroffen. Ueberlagerung der beiden
Kreideformationsstufen deutlich amFusse des Ban-Gebirges südlich von Chlumetz.
Löss mehr nördlich, besonders auch bei Neu-Bidschow, der Schotter dagegen
mächtig, besonders auf den Höhen in dem südlichen Theile entwickelt, Fossil-
reste in demselben nicht aufgefunden, daher es noch nicht gelang,' die Alters-
stufe vollständig festzusetzen, welche wahrscheinlich zwar das ältere Diluvium
ist, aber doch noch in das Tertiärgebirge fallen könnte.
Freiherr v. Andrian (Section I) berichtet aus Chotebor über seine an
Bergrath Lipold’s anschliessenden Aufnahmen auf dem Blatte XXI Czaslau und
Chrudim des General-Quartiermeisterstabes, namentlich die den krystallinischen
Gebirgen angehörigen Umgebungen von Willimow und Chotebor. Uebereinstim-
mend mit den Ergebnissen unserer früheren Aufnahmen in der westlich anstos-
senden Section XX von Schwarzkosteletz unterscheidet Freiherr v. Andrian
den eruptiven rothen Gneiss, namentlich gut charakterisirt mit schönen Aufschluss-
punkten in einem Gebirgszuge der Sopoter Revier südlich von Chotebor. Hier
in grossen regelmässigen Platten. Grauer primitiver Gneiss, häufig mit etwas
Amphibol, schwierig zu trennen von dem weit häufigem, wahrscheinlich meta-
morphischen Phyllit-Gneiss bei Kohl-Pfibram und Willimow. Serpentin in Verbin-
dung mit Amphibolgesteinen bei Mladotitz und Borek. Quadermergel wurde noch
in einem Zuge von Jefisno bis Studenitz der Dobrawa entlang, und in einzelnen
Partien noch südlicher bis Willimow getroffen.
In tief eingehender Weise schildert Herr Johann Jokely (Section II) die
Vorkommnisse seines Aufnahmsgebietes, die Umgebungen von Schwadowitz,
Braunau und Naehod, mit zahlreichen wichtigen Durchschnitten, welche die Zu-
sammensetzung jener durch Spaltungen und Verwerfungen vielfach räthselhaften
Gegenden erläutern. Unser hoher Gönner, Prinz Wilhelm von Schaumburg-
Lippe, ein wahrer Fachmann in unsern wissenschaftlichen Forschungen, hatte
auch in dieser Zeit wieder wohlwollend und fördernd eingevvirkt, auf vielen Ex-
cursionen die Mühen unseres Freundes Jokely theilend. Wir sind ihm für diese
erhebende Anregung zu dem innigsten Danke verpflichtet. Wichtig ist vor Allem
auch gegen Schwadowitz, Radowenz und Hronow zu die Feststellung, dass, was
bisher unrichtig als dem Steinkohlengebirge angehörig gedeutet worden war,
unzweifelhaft den untern Schichten des Rothiiegenden und der Arcose angehört.
Sie bildet den Zug vom Johannisberg bei Teichwasser als ein scharf gezeichneter,
gegen 2% Meilen langer Bergkamm, mit seiner grössten Höhe, dem Hexenstein,
380 Klafter östlich von Markausch bis nach Hronow. Vom Hexenstein fällt das
Rothiiegende nordöstlich gegen Radowenz ab, hier treten im Thale die eigent-
lichen Steinkohlen-Gebirgsschichten mit gleichem Fallen zu Tage, durch eine ver-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. 1
82
Verhandlungen.
[2]
ticale Spalte begrenzt und gehoben, so dass das Rothliegende scheinbar unter
dieselben sich erstreckt. Aber es ist dies nur Täuschung und gegen Nordost
liegt dann wieder gleichmässig die Arcose auf. Herr Jokely gibt eine lichtvolle
Darstellung über die Verhältnisse der Ste’inkohlenlagerzüge, welche deutlich in
drei Abtheilungen zerfallen: 1. der liegende Zug (oder stehende wegen der
steileren Schichtenstellung von 50 — 70° in NO.) mit 12 Kohlenflötzen von
6 — 90 Zoll Mächtigkeit, entspricht dem Liegendflötzzug von Schatzlar;
2. der mittlere (oder flachfallende, 15 bis 45° in NO.), 9 Flötze von
12 bis 50 Zoll Mächtigkeit, entspricht dem Schatzlarer Hauptflötzzug; 3. der
hangende (Radowenzer, Quallischer, 30 bis 35° fallen in NO.) mit 6 bekannten
FlÖtzen von 6 bis 50 Zoll Mächtigkeit. Alle von Herrn Prof. Göppert aus der
hiesigen Umgegend beschriebenen fossilen Araucarienstämme gehören der mitt-
leren Stufe des Rothliegenden an. Nur der Stamm von Straschkowitz , schon in
seinem Ansehen abweichend, lag im Steinkohlengebirge der Umgegend von
Braunau, wo ein hochverehrter Gönner, Herr Prälat Rotte r , unsern Jokely
wohlwollendst aufnahm. Rothliegendes, die mittlere Stufe herrschend, vielfach
bedeckt von Diluvien, ist westlich begrenzt durch einen scharf gezeichneten
Hügelzug, aus den drei Gliedern der cenomanen Quaderformation bestehend, dem
oberen Quader, Quadermergel, unteren Quader. An der Ostseite besteht die süd-
östlich verlaufende Bergkette, östlich aus Porphyr, westlich zwischen Ottendorf
und Johannesberg zum Theil aus Melaphyr, mandelsteinartig, krystallinisch, dicht.
Wirkliche Arcosen bei Strassenau, dem wichtigsten Punkte für die Bestimmung
der Altersfolge der Schichten. Auch hier vielfache Schichtenstörungen. Merk-
würdig im Rothliegenden, Mergeleinlagerungen, in zwei Zügen, einem liegenden
bei Ottendorf u. s. w., einem hangenden bei Hauptmannsdorf u. s. w. , vielfach
in gebranntem Zustande als Düngemittel verwendet, ln der Umgegend von
Nachod lehnt sich an die krystallinisehen Schiefer des Mende-Gebirges am linken
Ufer der Mettau wohl charakterisirtes Conglomerat der untern Rothliegendstufe,
wie bei Klein-Poric und Nieder-Radechow, dann wirkliche Arcosen, auf welche
dann die höheren Schichten folgen. Sodann Quader und Quadermergel in grosser
Ausdehnung über Skalitz und Ratiboritz, als unmittelbare Fortsetzung der Quader-
formation von Jaromer und Königinhof.
Herr k. k. Bergrath Foetterle (Sect. III) hatte über seine Aufnahmen im
nordwestlichen Croatien, zwischen der Save und der Drau, von der steiermär-
kischen Grenze bis zu der von Agram naehWarasdin führenden Strasse berichtet.
Es enthält mehrere einzelne Gebirgszüge, die sich rasch über das umliegende
Tertiär- und Diluvial-Hügelland erheben. So das Agramer Gebirge, eine
durch den Einschnitt des Savethaies getrennte Fortsetzung des Uskoken- Ge-
birges von Sused beginnend, mit dem nahe 3000 Fuss hohen Berge Sleme, nord-
westlich von Agram sich erstreckend, bis es wieder bei Lipa plötzlich abfällt,
wo dann bei Gotalovec das Iv aiisic a- Gebirge beginnt, das sich westlich gegen
Krapina hinzieht. Den Kern des Agramer Gebirges bilden dioritische Schiefer
und Sandsteine mit Quarzeinlagerungen den Grauwacken zugezählt. Ferner
erscheinen die Gailthaler Schichten in glänzenden Thonschiefern und Kalkein-
lagerungen, die groben Conglomerate der Werfener Schichten.
Im südlichen Theile gegen Sused Dolomit, versteinerungsleer, aber nach
der Analogie des Uskoken-Gebirges den Hallstätter Schichten beizuzählen. Alles
umgeben von Leithakalk mit zahlreichen Fossilresten, übereinstimmend mit jenen
des Wiener Beckens. Hierauf mächtig entwickelt Inzersdorfer Schichten mit
Cardien, Congerien, Melanopsiden. Als ein Ausläufer der steiermärkischen
Orlitza und Roschza liegt eine kleine höhere Gebirgspartie bei Klaujec vor, Do-
Bericht vom 31. August. W. Haidinger.
83
[3]
lomit des Hallstätter Kalkes, eine ähnliche bei Mihovljan. Der Haupt-Gebirgszug
von der steiermärkischen Grenze beginnend, reicht von Windisch-Landsberg
über Pongrada durch die Ivansica bis in das Kalniker-Gebirge, durch tiefe Sättel
in mehreren Abtheilungen erscheinend, der Welki Ziep bei 2800 Fuss, die
Ivansica an 3400 Fuss hoch. Dolomite, bei Ivanec die Durchschnitte von Mega -
lodus triqueter gefunden, des Dachsteinkalkes, dann grüne und rothe Schiefer
mit Petrefacten der Werfener Schichten wie bei Pregrada. Alles umsäumt von
Leithakalk, darunter wahre Nulüporenkalke mit Pecten , Pectunculus , Ostreen
und Korallen. Bei Radoboj die bekannten, vielerforschten Reste von Pflanzen,
Insecten, Fischen. Endlich folgen die Inzersdorfer Schichten in grosser Flächen-
ausdehnung. Im Norden des Gebirgszuges Porphyr mit zahlreichen Tuffmassen.
Noch ein kleiner abgesondeter Gebirgszug von Werfener Schichten und Dolo-
miten bei Trakostjan undVoca, der sich von dem steiermärkischen Matzeigebirge
abtrennt. Bei Ivanec bedeutende Lignitlager. Auch Galmei. Wichtig die Mineral-
wasser, wie das vielbesuchte Krapina-Teplitz. Viele Erleichterung in der Unter-
suchung durch die früheren Arbeiten der Herren v. Morlot und v. Zollikofer
für den steiermärkischen geologischen Verein, so wie dankbarste Anerkennung
der wohlwollenden Aufnahme und Förderung durch unseren hochverehrten
Gönner v. Vukotinovic und die Herren k. k. Major M. Sabljar zu Goliak bei
Sused, k. k. Werksverwalter J. Schnitzel und k. k. Werkscontrolor K. Kacz-
w insky in Radoboj.
Herr D. Stur berichtet über die Struetur des Pozeganer Tertiärkessels,
der von Lehm, den Congerienschichten angehörig, erfüllt ist, auch bei Velika
ein Lignitflötz enthält. An den Rändern des Kessels ältere neogene Schichten.
Dahin wohl die braunkohlenführenden Schiefer und Mergel bei Kutjevo und Gra-
distje, auf Trachyt und TrachyttufF gelagert, wahrscheinlich Cerithienschichten. *
Dahin auch die weissen weit gegen Cernik verbreiteten Mergel. Auch Leithakalk
bei Pozeg. Höchst merkwürdig in dem Gebirge südlich von Pozeg, dessen Nord-
abhang das Conglomerat des Tissovacer Gebirges enthält, bei Sevci ein mäch-
tiges Lager einer sehr guten, nicht zerfallenden Schwarzkohle. Doch gelang es
selbst in der unmittelbaren Nähe derselben nicht, eine Spur eines Fossilrestes
aufzufinden, daher die Altersbestimmung noch zweifelhaft ist.
Nach Herrn H. Wolf’s Untersuchungen liegen uns die Berichte aus der
Warasdiner, Kreuzer und St. Georger Grenze vor, südlich von Beiovar. An der
Südwest-Grenze das Moslaviner Gebirg, welches für den Theil in der Grenze
den Namen des Goric-Gebirges führt, eine Gebirgsinsel, in ihrem Kamme bis
1800 Fuss hoch, aus Granit, Gneiss, Glimmerschiefer bestehend, und rings von
Tertiärem umgeben. An tiefen Stellen bei Kris, Szamaric^a, Leithakalk, weiter
östlich Congerienschichten, dann Lehm. Unter diesem bei Szamaricza und Pa-
bienik mächtige Geschiebelager krystallinischer Gesteine, darunter Blöcke von
mehreren Kubikklaftern Inhalt, vollständig entkantet, höchst wahrscheinlich
Gletscher-Diluvium. Das Bielagebirge aus Congerienschichten bestehend, nur
oft von Löss bedeckt, zieht sich östlich gegen Daruvar, letztere vorwaltend, auch
Flugsandhügei. Zwischen Casma, Kris und Kloster Ivonic der an 600 Fuss
hohe Marcawald unter einer mächtigen Lössdecke ebenfalls Congerienschichten.
Überall freundliche Unterstützung. Namentlich begleitete Herr k. k. Lieutenant
Moriz Chalaupka Herrn Wolf mehrere Tage in seinen Expeditionen, um die
Aufnahmen in den unwirklichen Gegenden des Goric-Gebirges mit geringeren
Entbehrungen durchführen zu können.
Immer lebhafter stellt sich aus den Berichten des Herrn k. k. Bergrathes
Franz Ritter v. Hauer (Sect. IV) das hohe Interesse heraus, das sich an den
1*
84
Verhandlungen.
m
ßakonyer Wald und die Fortsetzung gegen die westliche Umgegend des Platten-
sees anknüpft, in der grossen Mannigfaltigkeit und Abwechslung der Gesteine
sowohl als des stellenweisen Reichthüms der Schichten an Fossilresten. Vieles
aus der Umgegend von Zircz ist bereits eingelangt. „Die ausserordentliche Man-
nigfaltigkeit der Gesteine, mit welchen wir es zu thun hatten“, sagt Herr v.
Hauer, „und die merkwürdigen Erscheinungen die sich uns allerorts darboten,
machten die Aufgabe zu einer der interessantesten und lohnendsten, die uns je
zu Theil ward“. * Es bezieht sich dies auf die Umgebungen von Bakonybel,
Herend, Urkut, Nagy-Vazsony und Füred. Werfener Schichten, meist Sandstein
herrschen am Nordwestufer des Plattensees vor und tauchen wieder unter den
umgebenden Guttensteiner Schichten östlich von Nagy-Vazsony auf, hier nebst
den gewöhnlichen Petrefacten noch mit von Herrn Paul aufgefundenen Ophiuren-
ähnlichen Resten. Guttensteiner Schichten breiten sich gegen Südost immer
mehr aus. Herr Julius v. Koväts hatte bei Nagy-Vazsony den Ceratites bino-
dosus Hau. entdeckt, der auch jetzt mehrfach gesammelt wurde. Ferner stark
vertreten Esino -Dolomit wie der Csepel-hegy, dagegen wenig Dachsteinkalk,
wie am Gyöngyösberg (Veszprim NW.) und nördlich vom Gipfel des Köröshegy
(Bakonybel N.) mit Bivalven.
Lias und Jura ausgedehnte Massen zwischen Zircz und dem Somhegy bei
Bakonybel. Viel gesammelt, Petrefacten theilweise noch zu bestimmen. Kreide-
schichten, Caprotinenkalke und Turriliten - Mergel mächtig entwickelt südlich
von Bakonybel. Ganz neu Hippuritenkalke mit den Gosauhippuriten und mit Ca-
prinen am Nordrand des ganzen Gebirges von Koppäny, Homok-Bödöge und
Tevel (Bakonybel NW.). Bedeutend ausgedehnt die Nummulitenschichten bei Arda-
Puszta u. s. w., besonders Urkut reich an Conoclypus conoideus, Schizaster , Echi-
nolampas u. s. w. Süsswasserkalk reich vertreten, wohl miocen. Auch echte Ceri-
thienschichten zwischen Zanka und Akali am Plattensee. Hier auch die zahlrei-
chen Basaltberge , von dem mehr als eine Quadratmeile umfassenden, sanft an-
steigenden Kabhegy (Nagy-Vazsony N.) beginnend. Devecser war als Versamm-
lungspunkt bestimmt für die bisher getrennten Theilnehmer der IV. Section,
Franz v. Hauer, Dr. Stäche und Paul östlich, und dem während dieser Zeit
westlich thätigen F. Stoliczka. Gemeinschaftlich wurden nun die Gegenden
von Somlyo-Vasarhely, Tapolcza, Köves Kallya aufgenommen. Höchst anziehend
ist der von Herrn Prof. Ritter v. Zepharovich nordöstlich von Köves Kallya
entdeckte echte Muschelkalk, wie er ihn mit Bestimmungen von Herrn Prof. Suess
in den Akademie- Sitzungsberichten beschrieb. Esinodolomite noch mächtig ent-
wickelt, dann Leithakalk, Cerithienschichten, Congerienschichten, die sehr spe-
cielle Aufnahmen verlegen. Bei Varos Löd, auch bei Ajka Rendek hohle Geschiebe
wie bei Lauretta im Leithagebirge. Dann die zahlreichen Basalte , schon von
Beudant sehr sorgfältig studirt und verzeichnet, die breiten Massen des Somlyo-
hegy. St. György-hegy, Badacson, dann die steil kegelförmigen des Szigliget, des
Gulacs, des Hegyesd u. s. w. Auch einige neue wurden aufgefunden.
Herr F. Stoliczka hatte einstweilen das sanft wellenförmige Hügelland
der Umgegend von Könnend und das Land zwischen Raab und Marczal durch-
genommen, im Belvedere-Schotter westlich und Sand östlich seltene Spuren von
Unionen und Dreissenen. Darum so höchst anregend die reiche Fundstätte von
Säugethierresten bei Baltavär, westlich von Türgye, die häufigsten Hippothe-
rium gracile und ein Wiederkäuer von der Grösse eines Rehes. Meist Pflanzen-
fresser, selten Raubthierreste. Unter freundlicher Beihilfe der Herren Frenz
und Brunner gelang es zahlreiche Aufsammlungen einzuleiten. Wichtig der
Basaltherg Säg mitten in der Ebene zwischen Miske und Kis-Czell. Wenig an-
Bericht vom 31. August. W. Haidinger.
85
[5]
regend durch Mannigfaltigkeit ist auch das von Herrn Stoliczka in der zwei-
ten Periode durchwanderte Land von Szala Apathi, Gross-Kapornak, Szt. Gröth,
Szt. Egerszeg bis Szt. Lövö. Nichts als tertiäre und Diluvialgebilde , der grösste
Theil Sand und Sandstein, gewiss meistens den Inzersdorfer Schichten ange-
hörig, der Sandstein an mehreren Orten als Baustein gewonnen, wie bei Szt. Mar-
ton, Voczkond (Szalaber SW.). Bei Szala Apathi eine Schichte, fast blos aus
Paludina concinna, der grossen Art von Moosbrunn bestehend. Bei Istvand
(Szalaber W.) Melanopsis Boue'i und vieles Andere, zum Theil neu. Viel Löss,
fast nie ohne Succinea oblonga, Helix ruderata , Pupa muscorum.
Sehr schön schliessen sich diese Aufnahmen an zu einem grossen Ganzen
mit den Ergebnissen der südwestlich thätigen Mitglieder unserer dritten Auf-
nahmssection in Croatien, Slavonien und der Grenze.
Auf Veranlassung der k. k. Berg-, Salinen-, Forst- und Güterdirection in
Marmarosch-Szigeth wurde von Herrn Karl Ritter v. Hauer im Laboratorium
die vorläufige chemische Untersuchung des berühmten Suliguli-Säuerlings vor-
genommen. Er entspringt mitten im Walde , entfernt von den umgebenden Ort-
schaften in dem obern Theile der Marmarosch, unweit Vissö. Der Suliguli ist ein
ungemein kräftiger Natron -Säuerling mit einem geringen Gehalte an kohlen-
saurem Eisenoxydul. Die Menge der freien Kohlensäure in den Flaschen beträgt
nahe 40 Kubikzoll im Pfunde, daher lebhaftes Moussiren beim Eröffnen, welches
lange anhält. An der Quelle ist der Gehalt an Kohlensäure wahrscheinlich noch
höher. Die Gesammtmenge der fixen Bestandtheile ist 4*924 in 1000 Theilen
oder 37*8 Gran im Pfunde, kohlensaures Natron und Kochsalz überwiegend; Kie-
selerde, Magnesia, Kalk in geringer Menge, fast gäuzlicher Mangel an schwefel-
sauren Salzen wichtig. Gewiss würde diese reiche Quelle mit dem grössten Vor-
theile in den Handel gebracht werden , wo so viele weit minder ausgezeichnete
den ausgebreitetsten Absjatz finden.
Herr Karl Ritter v. Hauer hatte in der Sitzung am 30. April Bericht über
seine Untersuchung der reichen eisenhaltigen Quelle von Mauer, im Besitze von
Frau Ernestine Giacomozzi, erstattet. Es ist seitdem unter dem Beifall der
k. k. n. ö. Statthalterei und der medicinischen Facultät an der k. k. Universität
eine eigentliche Curanstalt daselbst gegründet worden, die unternehmende Be-
sitzerin liess viele Verbesserungen vornehmen, die „Stahlquelle“ wird nun in
ein Marmorbecken gefasst und mit einem geräumigen Pavillon überdeckt. Wohn-
gebäude, Wannen- und Vollbäder sind eingerichtet, so dass wir ganz in unserer
Nähe eine wichtige Curanstalt ins Leben treten sehen , gegründet auf die
genaue chemische Kenntniss der daselbst in früherer Zeit weniger sorgsam
beachteten Hauptquelle. Bereits in dem gegenwärtigen Sommer wird sie unter
der ärztlichen Leitung von Herrn Dr. Joachim Kohn viel und erfolgreich benützt.
Zinkproben im Laboratorium ausgeführt bezogen sich auf reiche Erze,
welche Herr k. k. Bergmeister Ferdinand Schott von Jaworzno einsandte,
deren Metallgehalt 45*9, 46*7 und 46*4 Procent zeigte.
Herr Schott hatte nämlich eine höchst wichtige Abhandlung: Notizen über
geognostisch -bergmännische Verhältnisse im Krakauer Gebiete und das Galmei-
vorkommen von Dlugoszyn eingesendet. Es ist dies eine ganz in das Einzelne
gehende Darstellung namentlich der wichtigen Steinkohlenablagerung von Jaworzno
in ihrem natürlichen Anschlüsse an die oberschlesischen Verhältnisse, besonders
auch belegt mit einer ausführlichen Karte in dem Maasse von 1600 Klafter =
1 Zoll oder 1 : 115.200. Die eigentliche Kohlenmulde kann auf 3 Meilen in der
Länge von der preussischen Grenze bis Siersza, auf 2*4 Meilen in der Breite von
der russischen Grenze bis Zarki veranschlagt worden. Bereits sind durch Berg-
86
Verhandlungen.
[6]
bau-Aufschluss 22 übereinanderliegende Flötze von 3 bis 24 Fuss Mächtigkeit
bekannt, bei Jaworzno 13 Flötze mit zusammen über 100 Fuss Mächtigkeit.
Merkwürdiger Weise ist der grösste Theil des Inlandes für den Absatz der
Jaworznoer Kohle durch die hohen Frachtsätze der Eisenbahnen, welche theils
überhaupt gestiegen sind, theils ungleich ihre Gunst vertheilen, verschlossen.
Dagegen wäre bei den so hoffnungsvollen Anbrüchen von Galmei für die Kohle
in der Umgebung selbst sehr grosser Bedarf, der indessen von einem lebhafteren
Aufschwünge der Zink-Industrie selbst bedingt wird.
Von Herrn K. S. Bergrath A. Breithaupt erhielten wir als freundliches
Geschenk eine von ihm neu aufgefundene und benannte Feldspath-Species, den
Paradoxit, der bei Euba, zwischen Oederan und Chemnitz im Rothliegenden vor-
kommt und zwar in Gesellschaft von blauem Flussspath und Quarz in Gangform,
und in diesem , wenn auch nicht frei erkennbar, doch mit dem Sichertroge aus- '
gewaschen , deutlich Zinnstein. Auch über die bei Ditro in Siebenbürgen vor-
kommenden Mineralspecies, von welchen ich in der Sitzung am 28. Mai d. J.
Nachricht gegeben, sandte derselbe seine Mittheilung aus der berg- und hütten-
männischen Zeitung, namentlich den schönen Haiiynfels, den ich gerne nach dem
Namen des grossen Mineralogen benannt wünschte, während Breithaupt das
Synonym Sodalith vorzieht. Er erkannte in dem Gemenge namentlich auch
Wöhlerit.
Herr k. k. Generalconsul in Hamburg Freiherr v. Merck sandte Stücke des
Kryoliths von Ivikaet im Arksutljord in Grönland, ganz rein und mit einge-
wachsenen Spatheisensteinkrystallen, nebst Nachrichten über ein grosses Fabriks-
unternehmen, welches in Hamburg zur Benützung dieses Minerals neuerlichst
gegründet wurde. Auch eine Probe des in neuester Zeit so viel besprochenen
Stahl-Sandes vou Taranaki in Neuseeland.
Herr Sapetza hatte neuerdings auf meine Veranlassung mehrere der von
ihm in der Umgegend von Neutitschein aufgefundenen Gebirgsarten und Mineral-
vorkommen eingesandt, darunter namentlich Stücke jener Pseudomorphosen von
körnigen Kalksteinen nach Aragon, aus einem Gange in Basalt, an einem derselben
die ursprüngliche Grösse der Aragonkrystalle in der Länge 10 Zoll, in der Breite
bis iy3 Zoll, und an manchen Stellen die ursprünglichen Seitenkanten der
Prismen noch vollständig zu erkennen.
Unter den vielen Geschenken an Druckgegenständen darf ich eines nicht
versäumen näher zu bezeichnen, und dem unternehmenden kenntnissreichen
Verfasser sowohl meinen anerkennendsten Dank darzubringen, als auch über-
haupt mich der Thatsache der Herausgabe eines solchen Werkes zu erfreuen
ein schönes Vorbild auch für uns in vielfacher Beziehung. Es ist dies die „ Carte
geologique souterraine de la ville de Paris publiee d' apres les ordres de Mr.
le Baron G. E. H aussmann, Senat eur, prefet de la Seine, conformement ä
la deliberation du Conseil Municipal du 8 Novembre 1857 u. s. w., bearbeitet
von Herrn A. D e lesse, Berg-Ingenieur und Inspector der Steinbrüche im Seine-
Departement in zwei Blättern zusammen SO Zoll breit, 30 Zoll hoch, in Farben-
druck, Maassstab 1 : 6.666 der Natur (etwa 92*6 Klafter = 1 Zoll) Höhen-
verhältnisse in den Durchschnitten dreifach. Sämrntliche Schichten des Unter-
grundes, der bekanntlich Absätze der Tertiärgebilde bis in den der Kreide-
formation angehörigen Gault umfasst, sind ausgedrückt, und noch dazu die
eigenen Oberflächenverhältnisse jeder der Schichten durch horizontale Schichten,
in Absätzen von 10 zu 10 Meter gegeben, auf das Meeresniveau bezogen. Es
erscheint auf diese Art der Untergrund in grosser Klarheit.
m
87
Seykotta, Salzerzeugung in Wieliczka.
Verzeichniss
des während der österreichischen kaiserlich -königlichen Regierungsperiode in
der Wieliczkaer Saline erzeugten Steinsalz-Quantums.
Von Herrn M. A. Seykotta , k. k. jub. Salz-Speditions-Verwalter.
Im
Jahre
Erzeugt
Im
Jahre
Erzeugt
Im
Jahre
E r z e u
gt
Ctr.
Pfd.
Ctr.
Pfd.
Ctr.
pfd.
1772
330.961
33*
1803
823.073
43*
1834
884.529
3*
1773
833.886
36*
1804
791.319
3
1835
859.028
42*
1774
528.862
60
1805
1,151.541
33*
1836
807.420
44*
1775
513.397
49
1806
781.406
94*
1837
809.021
16
1776
483.821
94*
1807
1,062.327
28*
1838
831.173
30
1777
611.189
?*
1808
1,202.976
83*
1839
838.243
87*
1778
875.239
8*
1809
1,014.000
79*
1840
890.990
32*
1779
563.849
95
1810
673.332
90
1841
905.900
44*
1780
553.980
9
1811
834.110
20*
1842
981.559
73*
1781
498.911
81
1812
1,074.035
32*
1843
976.188
56
1782
420.169
74
1813
1.049.952.
96
1844
1,015.018
95
1783
249.314
.
1814
902.445
9
1845
945.226
6*
1784
340.316
37*
1815
452.557
10*
1846
948.314
11
1785
381.322
18
1816
549.152
95*
1847
1,002.309
48
1786
423.053
33
1817
577-600
20*
1848
1,071.515
46
1787
601.705
83
1818
893.659
46*
1849
1,101.973
87
1788
670.322
95
1819
699.429
99*
1850
962.480
48
1789
574.879
39*
1820
364.358
8*
1851
941.058
33
1790
478.020
69*
1821
435.780
97
1852
1,126.131
13
1791
545.145
97*
1822
703.328
81
1853
943.918
43
1792
535.641
50*
1823
574.055
95*
1854
952.744
53|
1793
471.301
61a
1824
706.146
63
1855
1,011.032
15
1794
647.838
63*
1825
609.563
95*
1856
1,188.472
1
1795
722.581
52a
1826
487.738
18
1857
1,112.065
46*
1796
701.884
14"
1827
636.204
76
1858
1,011.831
78
1797
680.746
26i
1828
685.282
18
1859
1,039.012
30*
1798
700.857
98*
1829
1,045.588
46*
1860
928.248
33f
1799
667.201
97
1830
826.182
31*
1800
590.712
42|
1831
597.979
61*
|
1801
824.765
20*
1832
813.442
92*
Summe
67,459.071
92*
1802
767.990
66|
1833
959.276
35*
Nach dem Verhältnisse der erhobenen Schwere der in dieser Saline vor-
kommenden Salzgattungen wiegt ein Kubikfuss reinbearbeiteten Salzes, u. z.
Szybiker Gattung . . .
. 121 17/32
Wiener Pfunde.
Grüner „
.123**/,,
j» n
Spiza „
. 124*?/«,
n n
Insgesamt. .
. 369 16/33
Wiener Pfunde.
Diesemnach entfällt der Durchschnitt auf 123 Pfund 5J/3 Loth per 1 Kubik-
fuss, und beziffert die Klafter von 216 Fuss Körpermaass mit 266 Centner
4 Pfund Wiener Gewicht.
Das jenseitige Verzeichniss der während des österreichisch k. k. Besitzes
dieser Saline, d. i. vom 24. August 1772 bis Ende October 1860 erzeugten
Steinsalzes weiset die Summe mit 67,469.071 Ctr. 923/4 Pf.
wozu noch die Industrie-Salze kommen, mit 864.039 „ lö1^ „
und die ganze Salzerzeugung stellen auf 68,313.111 Ctr. 8 Pf.
88 Verhandlungen. [8]
welches Gewichts-Quantum nach dem oben angeführten Durchschnitt von 266 Ctr.
4 Pf. pr. Kubikklafter, den herausgehobenen Körperinhalt auf die Körpermaass-
Summe bringt von 256.776°
Wenn diese Saline im verhältnissmässigen Betriebe nur von dem
Jahre 1001 angefangen angeführt und die Salzerzeugung während
der kön. polnischen Regierung bis zum September 1772 durch
7713/3 Jahre mit einem den damaligen Zeitverhältnissen angemessenen
Salzquantum nur von 700.000 Ctr. altes 160pfündiges Gewicht ver-
anschlagt wird, welches Gewicht auf das Wiener verglichen 810.917
Ctr. 530/33 Pf. macht, so wird dadurch ein jährlicher Körperinhalt von
3.048° 0' 73/10" beziffert, welches in dem Zeiträume nur von 700 Jah-
ren einen Körperinhalt beleuchtet mit 2,133.668°
Der Genuss des Garzensalzes, welcher 20.000 Fass oder 100.000
Ctr. jährlich betrug, dürfte durch 300 Jahre stattgefunden haben,
macht 30,000.000 Ctr. in altem 160pfündigen, oder 48 Millionen im
neuen Gewicht, welche im Wiener Gewicht ä 72 Pf. 12 Lth. 3*/3
Quintei 34.753,161 Ctr. 12 Pf. betragen und Körpermaass machen. . 130.63 1°
Die gesammten im Verzeichniss angeführten Salzartikel setzen
dieSumme auf67,459.071 Ctr. 923/4 Pf. Da aber nach der Berechnung
eines abgewogenen Salz-Quantums von 10,171.787 Ctr. 44 Pf.
die Normalgewichtssumme nur auf 9,850.017 , 23 „
setzet, und sonach ein Plus aufweiset von . . . 321.770 Ctr. 21 Pf.
welches mindestens 3 Pct. per Ctr. beleuchtet, so kann dieses Plus
billig auf das obige Quantum angeführt werden, mit dem Gewichte von
2,023.772 Ctr. 1 5 3/19 Pf., welches einen Körperinhalt darstellt von. 7.607°
So darf auch die Salzsoole, welche bereits einen namhaften Salz-
körper aufgelöst hat, bis sie die lS^gradige Salzspindel aufzuweisen
vermögend war, nicht unbeachtet gelassen werden, welche seit den
geführten Wasserhebungs- Vormerkungen vom Jahre 1818 bis um
1861 jährlich doch 263° 2' 4 J/3" Körpermaass Salz aufgelöst hat und
da schon im 14. Jahrhundert die Sudhütten-Meisterwürde erblich
verliehen war, so dürfte man füglich 500 Jahre rechnen und die
Summe des aufgelösten Salzkörpers demnach stellen auf 131.708°
Der Körperinhalt des erzeugten comerciellen und zur Soole auf-
gelösten Salzes, dürfte demnach die Summe erreicht haben von. . . . 2,660.390°
Darstellung der Mehrgewichte.
Erhobenes Gewicht. Normalgewicht. Mehrgewicht beim Salzartikel.
1,287.678 Ctr. 42 Pfd. 1,214.720 Ctr. 73 Pfd. 72,957 Ctr. 69 Pfd. bei Balwanen.
5,389.909
» 23 „
5,190.533
» io „
199.376 „
13 „
„ Formalsteinen.
135.472
„ 57 „
116.728
„ 20 „
18.744 „
37 „
„ Naturalstücken.
1,733.466
„ 91 „
1,704.522
.„ 40 „
28.944 „
51 „
„ ganzen Fässern.
1,625.260
n 31 „
1,623.512
. 80 „
1.727 „
51 „
„ halben „
10,171.787 Ctr. 44 Pfd. 9,850.017 Ctr. 23 Pfd. 321.770 Ctr. 21 Pfd.
Das Normalgewicht zu den Mehrgewicht mit . . . 9,850.017 „ 23 „
Macht die Summe des erhobenen Gewichtes von. 10,171.787 Ctr. 44 Pfd.
Anmerkung. Im Jahre 1569 wurden 42.493 alte Ctr. Sudsalz erzeugt.
Vorstehende Mittheilung in letzter Zeit freundlichst eingesandt, wurde ihrem
Inhalte entsprechend, unverkürzt hier eingereiht. W. H.
Jahrbuch
12. Band,
der k.k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861. u. 1862.
Heft I.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 19. November 1861.
Ansprache des Directors W. Haidinger.
Meine hochverehrten Herren!
Gleich im Ausmaasse der Zeit folgen sich die Jahre, gleichmässig im Ver-
laufe der Jahreszeiten, und doch so gänzlich verschieden in den Ereignissen des
abgelaufenen, in den Gefühlen, mit welchem das menschliche Leben in ein neues
hineintritt. Eines ist gemeinsam. Ein Jahr, das uns zur Arbeit und zum Wirken
beschieden war, ist zurückgelegt, ein um desto grösserer Theil dessen, was uns
bestimmt war, je näher wir an der Grenze stehen, deren Entfernung zwar nicht
bekannt ist, aber die um so ernster hervortritt, je näher wir uns derselben fühlen,
je mehr wir fühlen, dass altgewohnte Kraft nicht mehr reichen will. Ihnen, meine
hochverehrten Herren, steht in reicher, jugendlicher und Maunesblüthe weit das
Feld zur Arbeit offen, reich zu fortwährenden Erfolgen. Ich muss mich mehr zum
Wunsche bescheiden, als zur Ausführung der That.
Allgemeine Rückblicke waren es, Gesammtbilder, die mir in meinen letzten
Jahresansprachen am 22. November 1859 und am 30. October 1860 zu ent-
werfen die Pflicht vorlag. Die erste schloss einen Abschnitt zehnjährigen Bestandes,
zehnjähriger Arbeit unserer k. k. geologischen Reichsanstalt. Ich musste mich
gehoben fühlen durch den Erfolg und dass es mir beschieden war, noch selbst
eine so umfassende Periode abzuschliessen. Aber es waren damals schon die Ver-
hältnisse geändert, unter welchen unser Institut bis dahin bestanden hatte, es
herrschte eine Stille gegenüber demselben, welche leicht einen Gewittersturm
vorbedeuten konnte. Reiche innere Befriedigung konnte ich darstellen, durfte
aber nicht der Sorge gedenken, welche das Neue hervorrufen konnte.
Der Rückblick am 30. October 1860 gab Rechenschaft über den Verlauf jener
Stürme, aber wohlwollende Einflüsse hatten wieder die Oberhand gewonnen, und
wenn ich auch, des Novembers ungewiss, den Tag der Ansprache in den October
legen musste, so konnten sich doch bald die feindlichen Verhältnisse klären und
wir konnten hoffen auf „eine wohlthätige Sonne auf unserem ferneren Pfade der
Pflichterfüllung, für unser Vaterland, für unseren Allergnädigsten Kaiser
und Herrn Franz Joseph I.“
Beidemale musste ich grosse Zeiträume übersehen und Darstellungen geben
über längere geschichtliche Entwicklungen und in die Einzelnheiten unseres Be-
standes, unserer Aufgaben eingehen.
Heute ist meine Aufgabe weniger umfassend, denn sie betrifft die einfache
Darlegungen Eines Jahres, und eines Jahres voll erfreulicher Ereignisse, voll
Fortschritt, voll Erfolg, nicht ohne Aufregungen eben in dem allmähligen Eintritt
dieserEreignisse. Es war ein ruhiger geschützter Vorgang, während in den höheren
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Baad, 1861 und 1862. Verhandlungen.
m
90
Verhandlngen
p]
Sphären des Lebens im Kaiserreich und in Europa so manche ungewohnte Lagen
und schwierige Aufgaben die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen.
Am 22. November 1859 hatte ich namentlich die eigenthümliche Lage hervorge-
hoben, welche sich so gut in dem Namen des Institutes als k. k. geologisch-
Reichsanstalt ausgedrückt findet. Sie gibt die Befriedigung eines Bedürfnisses,
welches nur auf der Höhe der Macht des Gesammtreiches in der Metropole des-
selben seinen natürlichen Sitz haben kann. Vielleicht hatte selbst dieser Namen
missverstanden , einigen Ansloss dort erregt, woher sich später die Anfeindungen
schrieben, welche uns unserer Selbstständigkeit berauben sollten. Glücklich für
den Fortschritt unserer Arbeiten haben sich Vertreter aller Völkerstämme, aus
allen Weltgegenden des Kaiserreiches unser angenommen und unsere Stellung
gewahrt.
Höchst lehrreich in der Aufzählung der einzelnen festen Punkte in der Ent-
wickelung der Geologie und ihrer Pflege in Oesterreich, wie sie die Antritts-Fest-
rede meines hochverehrten Freundes Herrn k. k. ßfcrgrathes Franz Ritter
v. Hauer in der feierlichen Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
am 31. Mai dieses Jahres in gediegenster Weise darstellte, ist diese Thatsache
aus derselben zu entnehmen, dass gerade diese Wissenschaft dadurch am meisten
in ihrem Fortschritte zurückgehalten war, dass sich in Wien kein höheres
Interesse der Vereinigung fand, als eben nur das provincielle. Alles bleibt zurück
auf dem Höhenpunkte der Provinz. Da ist es wohl möglich mit der Befriedigung
des Neides auf das Zurückbleiben der kleineren zu blicken, aber dem Gefühl der
Stellung des grossen Reiches entsprechend gearbeitet zu haben, diesem unver-
gleichlich höheren Grade der Befriedigung muss man entsagen. Das ist unsere
ältere Geschichte. Einzelne stehen ehrenwerth da, aber auch bedauernswerth für
ihre Vereinzelung, das Ganze entgeht dem Vorwurfe nicht an dem Fortschritte
der Kenntnisse nicht hinlänglich Antheil genommen zu haben.
Ein grösserer verbindender Gedanke zog sich durch in unserem Oesterreich
in der vielverzweigten Thätigkeit des Montanisticums im Besitze des Staates und
der Einzelnen, aber hier fehlte die Seite der Lehre, der Mittheilung und gerade
von dieser war Geologie und geologische Kenntniss des Landes, welche ohne
jene nicht möglich ist, gänzlich ausgeschlossen. So war erst in der Gründung
der k. k. geologischen Reichsanstalt die Möglichkeit rascheren Fortschrittes ge-
geben. Wie beschränkt und zugleich wie schwierig und räthselhaft in ihren
Ergebnissen sind nicht die Forschungen auf Tirol beschränkt, oder auf Salzburg,
auf Kärnthen, auf Steiermark, auf Oesterreich ob und unter der Enns, oder selbst
auf Böhmen, auf Ungarn, auf Galizien, auf Siebenbürgen! Ohne Vergleichung der
einen Länder mit den anderen wird keine Klarheit erreicht. Wer hat einen
klaren Begriff der Alpen, ohne dass er ihren nördlichen Abhang so gut kennt als
den südlichen. Und erst die Vergleichung längs der Alpen und der Karpathen
gibt den Schlüssel zu wahrem Verständnisse beider. Nur die Vereinigung der
in allen Gegenden aufgesammelten Gebirgsarten und Petrefacten in einem grossen
Centralmuseum wie das der k.k. geologischen Reichsanstalt kann die Grundlage für
Arbeiten in dieser Richtung bilden, als Führer des Fortschrittes. Leicht und
natürlich sehliessen sich dann die Arbeiten in den einzelnen Gegenden an. Es
entspricht der Natur der Sache, dass die Mitglieder der k. k. geologischen
Reichsanstalt erst in Uehersichtsaufnahmen, dann in Detailforschungen doch die
Gegenden nur in grösseren Zwischenräumen der Zeit besuchen können. Die
Localforscher sind immer auf dem Platze. Ihnen ist es ein Leichtes, zahlreiche
Sammlungen fortwährend aufzustapeln, oft die lehrreichsten Exemplare vor Zer-
störung zu retten, welche etwa durch ihre Grösse, ihre Schwiere sich der Uebei -
Sitzung vom 19. November. W. Ilaidinger.
91
[3]
sendung entziehen. Ich muss hier Seiner Excellenz dem gegenwärtigen k. k.
Minister für Handel und Volkswirtschaft, Herrn Grafen v. Wicken bürg, meine
höchste Anerkennung und innigsten Dank für die wichtige Maassregel darbringen,
der Gründung von Sammlungen aus den umliegenden Revieren bei den k. k. Berg-
hauptmannschaften. Das ist wirkliche Vermehrung von Kenntniss für alle Zeiten
erworben und für uns im Mittelpunkte nicht etwa eine Aufsammlung von dem,
was vielleicht uns entginge, sondern aus dem Ueberflusse dort erwarten wir erst
wieder Bereicherung.
In solchen Sammlungen, zahlreich verbreitet, bei Behörden und bei einzelnen
Besitzern, in den werthvollen grossem Landes- und Nationalmuseen, endlich
den umfassenden Centralsammlungen unseres Wien, spricht sich jederzeit der Stand
und Fortschritt der Wissenschaft aus. Sie bilden einen reichen Maassstab
geleisteter Arbeit.
In meiner Ansprache am 30. Oetober hatte ich nur noch in Unsicherheit
befangen der Verhältnisse des Tages gedenken dürfen. Ich wusste damals nicht,
dass schon am Tage vorher durch das Allerhöchste Cabinetschreiben wieder
die bis dahin uns zur Verfügung gestandene Arbeitskraft neuerdings den gleichen
Zwecken gewidmet, Allergnädigst genehmigt worden war. Wir erhielten
diese Nachricht am 10. December. Wenige Tage darauf ging die Leitung des
hohen k. k. Staatsministeriums, unserer eigenen Vorgesetzten Behörde, über in die
kräftig schützende Hand unseres wohlwollenden Gönners, Seiner Excellenz des
Herrn Anton Ritter v. Schmerling. Seitdem ist Alles in beruhigendem und
entschiedenem Fortschritte, wenn dies auch nur allmählig gelingen konnte. Zuerst
kam eine wahre Lebensfrage zur günstigsten Lösung , die unseres Locals, für
welches die prachtvollen und unseren Bedürfnissen so höchst entsprechenden Räume
des Fürstlich v. Liechtenstein’schen Palastes unter dem Freiherrn v. Tliinn-
feld, damals k. k. Minister für Landescultur und Bergwesen, uns angewiesen
worden waren. Der Contract lautete bis zum 24. April 1861. Er war von Seite des
k. k. Ministeriums des Innern gekündigt worden. Mit banger Erwartung mussten
wir der Zukunft entgegen sehen. Da war es, dass unser gegenwärtiger wohl-
wollender Chef neue Verhandlungen eröffnete, dass auch Seine Durchlaucht der
gegenwärtig regierende Souveraine Fürst Johann zu Liechtenstein in gross-
müthigster Weise dem Abschlüsse derart entgegen kam, dass wir für die erste
nun bevorstehende Zeit neuerdings unter denselben günstigen Verhältnissen wie
bisher unsere schönen Aufstellungs- und Arbeitsräume in dem fürstlichen
Palaste gewährleistet erhielten.
Endlich wurden am 15. Mai durch Seiner k. k. Apostolischen Ma-
jestät Allerhöchste Entschliessung die gänzlich von der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften unabhängige Stellung neuerdings Aller gnädigst
gewährleistet.
Mit diesen drei maassgebenden Ereignissen, der Allerhöchsten Bewilli-
gung der Dotation, der Sicherstellung des Locals, der neuerdings gewährlei-
steten unabhängigen Stellung war der Weg zu fernerem Fortschritt in wohl-
thätigster Weise geebnet.
Ich darf hier wohl noch einen Augenblick der Betrachtung diesem Verhält-
nisse der Stellung unabhängig von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaf-
ten weihen. Die Statuten der letzteren und unsere Gründungs-Urkunde schliessen
einander vollständig aus. Wohl arbeiten wir zu gleichen Zwecken, der Pflicht-
erfüllung unseres grossen, schönen Vaterlandes, überall herrscht Streben für den
Fortschritt des grossen Ganzen, aber in der verschiedensten Weise, was die
Ausführung betrifft. In der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ist jeder
92
Verhandlungen. M
Zweig der wissenschaftlichen Forschung vertreten. Was jedes Mitglied bringt,
ist willkommen, auch die Arbeiten anderer Forscher finden Anerkennung. Die
Akademie ist eine Corporation und wird sich um desto charakteristischer für
alle Zeiten ihre Stellung wahren, je fester sie selbst von diesem Vortheile nichts
vergibt. Der k. k. geologischen Reichsanstalt sind Aufgaben zur Ausführung vor-
gezeichnet, sie ist ein Institut, mit speciellen wissenschaftlichen und prak-
tischen Zwecken. Die Vereinigung der Kraft in demjenigen Punkte , wo sie
wirkt, gibt ihr den Charakter ihrer eigentlichen Aufgaben. Es genügt indessen
hier des Allgemeinen zu gedenken, ohne auf das Einzelne einzugehen, welches
so tief in die Gemüther unserer sämmtlichen freundlichen Arbeitsgenossen und
befreundeter Forscher wirkte, dass wir wohl nicht mit Unrecht die neu ge-
wonnene Stellung als eine wahre Wiedergeburt feiern durften, in einer Schluss-
sitzung der abgelaufenen Winter-Periode am 28. Mai und in einem Festmahle am
1. Juni. Zu diesem glänzenden Abschlüsse darf icTi wohl auch die Festansprache
meines hochverehrten Freundes des k. k. Bergrathes Franz Ritter v. Hauer
zählen in der diesjährigen feierlichen Sitzung der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften. Durch zwei wirkliche Mitglieder ist nun die k. k. geojogische
Reichsanstalt in derselben vertreten.
Am 4. Juni schmückte ich die treue Brust unseres Cabinetsdieners Joseph
Richter mit dem ihm Allergnädigst verliehenen k. k. Silbernen Verdienst-
kreuze mit der Krone. Gerne verweile ich auch heute einen Augenblick bei diesem
Ereignisse, um der Zeit zu gedenken, wo ich am 14. April 1840 unter dem Fürsten
v. Lobkowitz als Nachfolger meines dahingeschiedenen unvergesslichen Freun-
des und Lehrers Friedrich Mohs in den Allerhöchsten Staatsdienst getreten
war, und Richter schon vorfand, mit dessen Beihilfe, sonst ganz allein, ich die
erste Aufstellung der Sammlung unseres Museums , damals noch in dem neuen
k. k. Münzgebäude auf dem Glacis der Landstrasse in den Jahren 1840, 1841
und 1842 durchführte, den Kern unserer gegenwärtigen , so weit gediehenen
Darstellung des geologischen Bestandes unseres Kaiserreiches.
An demselben Abend schloss die k. k. geographische Gesellschaft ihre Sitzun-
gen in dem Locale der k. k. geologischen Reichsanstalt, um sie im Herbste, am
verflossenen 22. October in dem k. k. Akademiegebäude wieder zu beginnen. Die
treue Geschichte der Entwickelung wissenschaftlichen Lebens in Wien wird
nicht vergessen, dass die Gesellschaft in den Bestrebungen, Bedürfnissen und
Erfolgen der k. k. geologischen Reichsanstalt ihren Lebenskeim gefunden , am
l. December 1855, welchem die Allerhöchste Bewilligung unter dem
22. September 1856, die eigentliche Gründung der Gesellschaft und die Wahl
eines ersten Präsidenten am 4. November 1856 folgte. Durch meine Nachfolger
Fürsten v. Salm, die Freiherren von Czoernig und Hietzing er, Grafen Leo
Thun, Freiherrn v. Wüll ersto rf beginnt eine Reihe hochverdienter, gefeierter
Männer. Möge ihrem Wirken und dem neu gewonnenen freien , wissenschaft-
lichen Mittelpunkte eine lange Reihe glänzender Erfolge beschieden sein. Noch
in ihrem neuen Standorte verbindet uns auf das Innigste der Umstand, dass Herr
k. k. Bergrath Foetterle, Secretär der Gesellschaft, Mitglied der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt ist.
Am 6. Juni war es mir beschieden , meinen und meiner Arbeitsgenossen
ehrfurchtsvollsten Dank zu den Stufen des Thrones Allerhöchst Seiner
k. k. Apostolischen Majestät darzubringen. Unvergesslich bleibt und
ermuthigt uns das huldreichst ausgesprochene Wort: „Mit gewohntem
Eifer“, als ich von den bevorstehenden Untersuchungsreisen und ihren Rich-
tungen und Aufgaben das Einzelne darlegte.
[8]
Sitzung vom i9. November. W. Haidinger.
93
In steter freudiger Erinnerung lebt uns der 1 0. Juli, welchen Seine kaiser-
liche Hoheit der Durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer zu der gnä-
digsten Besichtigung unserer Räume und Sammlungen gewählt, welche ich
Höchstdemselben in Gesellschaft der Herren Karl v. Hauer und Senoner
von der k. k. geologischen Reichsanstalt und meiner hochverehrten Freunde Hör-
nes und Peters vorzeigen durfte, hocherfreut und dankbar für das wahrhaft
aus dem tiefen Leben gegriffene Wort Seiner kaiserlichen Hoheit,
gesprochen in der Akademie-Sitzung am 31. Mai: „Es umschlingt uns ein gemein-
sames Band, das befestiget ohne zu hemmen44, zur Förderung wahrer Wissenschaft
unter der Waltung unseres Allergnädigsten Kaisers und Herrn für unser
schönes, grosses Vaterland, freie Stellung, ungehemmte Bewegung zugleich und
innige Verbindung zum grossen Ganzen.
Sämmtliche Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt, für welche die
Sommerreisen Aufgaben bildeten, waren bereits in ihre Aufnahmsdistricte abge-
gangen. Während des Sommers war es meine stete Sorge, jedesmal am 1. des
folgenden Monats einen Bericht über die Ergebnisse der Untersuchungen an die
kaiserliche Wiener Zeitung zu übermitteln, der denn auch freundlichst aufge-
nommen und nach Maassgabe des den Interessen des Tages gewidmeten Materials
eingereiht wurde. Diese enthalten natürlich nur kurze Andeutungen der Ergeb-
nisse. Den Inhalt derselben werden ausführlichere Vorträge im Laufe unserer
Winter-Sitzungen bilden. Wollte ich heute länger auf denselben verweilen , so
würde dies nur zu Wiederholungen Veranlassung geben, in welchen, was ich
sagen könnte, das am wenigsten nützliche und zweckmässige wäre. Aber ein
rascher Ueberblick ist doch nicht ohne Wichtigkeit.
In Böhmen schritten die Detail-Aufnahmen fort. Entsprechend dem in der
Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 30. April vorgelegten Plane,
hatten die Herren k. k. Bergrath M. V. Lipoid als Chefgeologe, F. Freiherr
v. Andrian als Sectionsgeologe die Blätter No. 15, Königgrätz, Pardubitz und
No. 21, Czaslau, Chrudim als Aufgabe in der I. Section unserer Aufnahmen. Sie
sind vollständig durchgeführt. Ausserdem hatte uns noch eine wichtige Frage
Vorgelegen. Als wir in den ersten Jahren die Umgebungen von Hollaubkau,
Dobriw, südwestlich von Rokitzan zur Aufnahme brachten, war es unmöglich, in
diesem abgerissenen Theile der Silurschichten Böhmens die einzelnen geologi-
schen Horizonte zu trennen. Dies konnte erst später gelingen, als das östlicher
gelegene Herz der Mulden genauer studirt war und dadurch erst, in der Verglei-
chung der Barrand e’schen Arbeiten und Bestimmungen und der eigenen sorg-
samsten Untersuchungen der Gegenden durch die Herren Lipoid und Krejci
so wie in den festen Benennungen der Schichten die leitenden Grundsätze zur
Beurtheilung dieser Randbildungen gewonnen waren. Dies gelang denn auch in
jenen Gegenden sowohl als in den östlicheren von Mauth, Cerhowitz , Hofowitz,
so wie bei Zebrak und Beraun. In den zwei Generalstabskarten-Sectionen hatte
Lipoid den nördlichen, Freiherr v. Andrian den südlichen Theil zur Aufnahme
gebracht, die krystallinischen Gesteine mehr im südlichen Theile, im nördlichen
mehr die Quader- und Plänerschichten. Sie schliessen nördlich wieder an die
früheren Aufnahmen Jokely’s an.
Herr Sectionsgeologe J. Jokely in der II. Section hatte das Blatt No. 9
Umgebungen von Jicin und Hohenelbe zum Abschlüsse gebracht, so wie grosse
Theile des weiter östlich vorliegenden Blattes 10 Umgebungen von Braunau, in
deren südlichen Gegenden mehr die Quader- und Pläner-Schichten, in den nörd-
lichen die krystallinischen Gesteine so wie Steinkohlengebirge und Rothliegendes
vorwalten. Höchst anziehende Ergebnisse liegen aus den Steinkohlenablagerungen
94
Verhandlungen.
[6]
von Schatzlar und Schwadou itz vor, so wie aus den Umgebungen von Trautenau,
Braunau, Nachod. Prinz Wilhelm zu Schaum bürg- Lippe, ein wahrer Fach-
genosse und wohlwollender Gönner war es, der hier unserem hochverehrten
Freunde Jokely Vieles auf das Fördersamste erleichterte. Er selbst hatte
mehrere Exeursionen mitgemacht. Wir verdanken ihm und seinen freundlichen
Anordnungen seitdem einen sehr genau aufgenommenen Durchschnitt der Schich-
ten des Idastolluis bei Schwadowitz, ausgeführt von Herrn Markscheider L. K ro-
se hei und später von Herrn Jokely wieder nach den Ergebnissen seiner Unter-
suchungen den Formationsgliedern entsprechend dargestellt.
Die beiden vorbei gehenden Sectionen waren unseren diesjährigen Detail-
Aufnahmen gewidmet. Es bleiben uns für Böhmen nur noch die drei Karten-
sectionen No. 16, Umgebungen von Reichenau, No. 22, Umgebungen von Leito-
mischl und No. 28, Umgebungen von Policzka übrig, welche wir künftiges Jahr
zu scldiessen beabsichtigen.
Für Uebersichts-Aufnahmen hatten wir zwei Districte von namhafter Aus-
dehnung bearbeitet. Die 111. Seetion begriff das ganze Land zwischen der Drau
und Save, Croatien, Slavonien und die begleitende Militärgrenze. Herr k. k.
Bergrath Fo etter le als Chefgeologe theilte sich mit den beiden Sectionsgeo-
logen Herrn D. Stur und H. Wolf dergestalt in diese Aufgabe, dass in abge-
sonderten Bezirken er selbst Provinzial-Croatien, zum Theil in Begleitung von
Herrn Wolf vornahm, Herr D. Stur die Gegenden östlich von den beiden Wa-
rasdiner. St. Georger und Kreuzer Grenzregimentern bis zu dem Gebirgsabfalle
gegen die Linie Andrievcze-Deakovar-Essek hin, Herr Wolf aber eben jene
beiden Warasdiner Regimenter, so wie das östlich ahgetrennt aus der Alluvial-
ebene sich erhebende Peterwardeiner Gebirge. Auch die westlicheren Gegenden
zeigen charakteristisch ähnliche einzelne Stöcke älterer Gebirge wie die Ivan-
schitza, das Kalniker Gebirg, die blos aus Tertiärem, aus Congerienschiehten
bestehende Bodenerhöhung und Wasserscheide des Reka- und Bila-Gebirges,
südlich von Kopreinitz, östlich von Belovär, das Agramer Gebirg, das Moslawiner
und Goricer Gebirge, die zwei Gebirgskerne des Rogoljer Psuni und des Tisso-
vaczer Gebirges bis zu den Gebirgen von Velika, Kuttyevo, Drahovicza, von wo
gegen Osten zu kein secundäres Gestein mehr sich findet, bis zum Vrtnik zwi-
schen Mitrowitz und Peterwardein. Aus diesem zerrissenen Charakter der Ober-
flächengestaltung erhellt wohl augenscheinlich, welchen Einfluss in der Beur-
teilung der Schichten die langjährige Erfahrung der Herren Geologen nehmen
musste. Eine geologische Forschung welche diese Gegenden zum Ausgangs-
punkte gewählt hätte, würde stets erfolglos geblieben sein. Selbst jetzt, bei dem
raschen Fortschreiten einer Uebersichts-Aufnahme konnte nicht Alles zu voller
Klarheit gebracht werden, was erst den späteren Detail-Aufnahmen gelingen wird.
Die IV. Seetion unter Herrn k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer hatte das
ganze südwestliche Ungarn südlich und westlich von der Donau bis zur Drau zum
Gegenstände ihrer Forschung. Herr v. Hauer selbst, begleitet von Herrn
Dr. Stäche und Herrn Karl M. Paul, der sich der Gesellschaft freiwillig ange-
schlossen hatte, nahm das Vertes-Gebirge und den Bakonyer Wald, sowie das
schon seit Beudant’s Arbeiten berühmte Basallland westlich vom Plattensee
vor, während Herr F. Stoliczka die an die Ausläufer der Alpen und die steier-
märkischen Grenze anschliessenden westlichen Landestheile durchwanderte. In
den Ergebnissen der Forschungen des letzteren stellte sich eine merkwürdige
Reihe vereinzelter GebirgsstÖcke von krystallinischen Gesteinen in einer das
steiermärkische Tiefland gewissermaassen umsäumenden Richtung heraus, welche
gewiss in der Bildungsperiode von grösstem Einflüsse auf die neueren Sedimen-
Sitzung vom 19. November. W. Haidinger.
[7]
9S
tärgebilde werden mussten. So sehr mannigfaltig waren die Ergebnisse von
Herrn v. Hauer und seiner Gefährten Forschungen in den Schichten der Wer-
fener Zone, der Triasgebilde, des Lias und Jura, der Kreide, der Eoeen-
gebilde, zum Theile mit reichen Aufsammlungcn von Fossilresten, der Basalte,
dass ich deren hier nur ganz im Allgemeinen gedenke, da sie nun eigentlich erst
recht der Ausbeutung an Thatsachen und der Bereicherung unserer Kenntniss
zugeführt werden.
Wir haben im Ganzen im Laufe des Sommers durch unsere Herren Geo-
logen viele neue Erfolge gewonnen. Wie in den früheren Jahren waren sie auch
in diesem Jahre überall von den hohen k. k. Behörden eingeführt und empfohlen
und von Fachgenossen und anderen Bewohnern auf das Wohlwollendste auf-
genommen worden. Selbst die in mancherlei Bewegungen sich entwickelnden
Verhältnisse unserer neuesten Geschichte nahmen keinen eigentlichen Einfluss,
denn unsere Aufgaben, unsere Handlungen sind vollkommen objectiver Natur und
man reist ja in ganz fremden Ländern, der Mensch weicht selbst nicht vor Ent-
deckungsreisen im Kampfe mit den Elementen zurück, um so weniger waren uns
Länderstrecken fremdartig, oder ihre Bewohner weniger gastfrei oder wohlwollend,
mit welchen uns Freundschafts- und Verwandtschaftsbande, eine lange Reihe
gemeinsamer Schicksale und gemeinschaftlicher Arbeit verbinden.
Auch in dem Laufe dieses Sommers hatten wir Veranlassung, durch spe-
cielle Untersuchungen den Bedürfnissen einzelner von Privaten gestellter Anfragen
zu genügen. So leitete Herr k. k. Bergrath Lipoid Herrn S. Goldschmidt’s
Untersuchungen im Heubaehthale in Salzburg, bezüglich der Gewinnung von
Smaragden, Herr k. k. Bergrath Foetterle besichtig! e für die venetianische
Bergbaugesellschaft die Arbeiten der Baue am Monte Cadenis bei Avanza. Auf
zahlreiche Anfragen im Hause wurde möglichst befriedigende Auskunft ertheilt.
Herr Wolf hatte verschiedene Excursionen nach Mähren unternommen, theils
als Begleiter unseres hochverehrten Freundes, Herrn Directors Hörn es, theils
auf Veranlassung des Werner-Vereines in Brünn.
Fortwährend war unser chemisches Laboratorium unter der Leitung des
Herrn k. k. Haupanannes Karl Ritter v. Hauer den Anfragen für Untersuchungen
gewidmet. Namentlich mehren sich jene über die Heizkraft fossiler Brennstoffe,
seitdem die Gewinnung dieser, seit zehn Jahren mehr als verdoppelt, grössere
Ausdehnung erhält. Es ist auch ein Bedürfniss, dass solche Untersuchungen stets
neu angegriffen und rasch durchgeführt werden, wo fortwährend neue Namen
von Gruben aufkommen und seihst die verschiedenen Lagen eines und desselben
Flötzes nicht gänzlich an Gehalt und Heizkraft mit einander übereinstimmen.
Das im Drucke befindliche Heft des Jahrbuches der k. k. geologischen Reichs-
anstalt enthält den Bericht über unsere diesjährigen Arbeiten, in dieser Beziehung
sowohl als in anderen, zum Beispiel die Analysen der Mineralwasser, der „Stahl-
quelle“ des neuen Curortes der Frau E. Giacomozzi zu Mauer, des berühmten
Suliguli-Säuerlings bei Vissö in der oberen Marmaros u. s. w.
Die Verpflichtung, auf vorkommende Anfragen die Ergebnisse unentgeltlich
mitzutheilen, liegt in unseren Grund-Instructionen, während andererseits dieses
Bedürfniss durch das k. k. General-Landes- und Haupt-Miinzprobiramt, die neu
betrauten Handels-Chemiker, und aus anderen Laboratorien gegen Entrichtung
gewisser Taxbeträge befriedigt wird. Ich darf wohl hier auf unser Verhältniss
einigen Nachdruck legen, um dabei hervorzuheben, wie sehr wir bereit sind,
den an uns gestellten Anfragen Genüge zu leisten , während wir aber doch den
hochgeehrten Gönnern und Freunden, welche sich an uns wenden, zu grossem
Danke verpflichtet sind, wenn sie ebenfalls in gleichem Maasse wieder zur
96
Verhandlungen.
[8]
Vermehrung unserer Kräfte und Erleichterung unserer Arbeiten beitragen. Die
Preisverzeichnisse namentlich des k. k. General-Probiramtes enthalten dabei sehr
schätzbare Vergleichungspunkte.
Anschliessend an unsere eigenen Bewegungen im Sommer für die Aufgaben
der geologischen Landes-Aufnahme darf ich hier der grossen gemeinschaftlichen
Feste in der Bewegung von Männern der Wissenschaft gedenken, zu deren
einigen uns in der k. k. geologischen Reichsanslalt besondere Einladungsschreiben
zukamen, und deren Empfang ich dankend bestätigen konnte, ohne dass es mir
möglich war einen Besuch irgendwo anzukündigen. So für Lausanne am
24. August, für Christiania am 2., für Manchester am 4. September, für die Ver-
sammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in der deutschen Kaiser-Gedächt-
nissstadt Speyer am 17. September. Ich sorgte wenigstens dafür, dass einige
Worte der Erinnerung an Arbeiten der letzten Zeit über den Gang unserer
diesjährigen Arbeiten initgetheilt werden konnten.
Aber es wird uns immer höchst wünschenswerth und gewiss auch sehr
nützlich bleiben, wenn von Zeit zu Zeit mehrere unserer eigenen Mitglieder
persönlich über unsere Arbeiten Bericht erstatten, wie dies noch aus dem k. k.
Montanistischen Museum 1843 in Gratz geschah, dann 1847 in Venedig, wo
Franz Bitter v. Hauer gegenwärtig war, dann aus der Zeit der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt der Besuch der Versammlung in Wiesbaden 1852, der mir
und meinen hochverehrten Gefährten Franz Ritter v. H a u e r und Constantin
Ritter v. Ettingshausen immer unvergesslich bleiben wird, bis endlich wir
unser eigenes Museum und die Ergebnisse unserer Arbeiten in Wien 1856 den
zahlreichen theilnehmenden Freunden und Wissenschaftsgenossen eröffnen und
vorlegen konnten.
Für die im Jahre 1862 in Karlsbad bevorstehende Versammlung betrachten
wir es als einen wahren Ehrenpunkt die bis dahin dem Abschlüsse entgegen zu
führende Aufnahme so weit zu gewältigen, dass wir die sämmtlichen Sectionen
der nun vollständig erschienenen k. k. General-Quartiermeisterstabs-Specialkarte
des Königreiches Böhmen in dem Maasse von 1 : 144*000 oder 2000 Klafter = 1
Wr. Zoll, geologisch colorirt, in einem grossem Ganzen werden vorlegen können.
Von allen Versammlungen des Sommers berührte uns aber keine so nahe,
wie die am 23. September unter dem Vorsitze des Herrn Grafen v. Breda und der
Geschäftsleitung des Freiherrn v. Hingenau eröffnete Versammlung der Berg-
und Hüttenmänner, die zweite der Art, welche wie die erste, am 10. Mai 1858
unter den Vorsitze des Herrn Grafen v. Andrässy eröffnete, in den Räumen der
k. k. geologischen Reichsanstalt in dem fürstlich Lie chtenstein’schen Palaste
abgehalten wurde. Es musste uns dieses Ereigniss als Thatsache hoch erheben.
Die Gründung unserer k, k. geologischen Reichsanstalt ruht in dem Bedürfnisse
des österreichischen Montanisticums. Es bleibt stets der Thatsache nach ein
wichtiger Theil desselben. Während dem Bedürfnisse der allgemeinen Verwal-
tung entsprechend die Abtheilungen dieser weitverzweigten Thätigkeit unter
mehreren Ministerien vertheilt sind, gibt es doch Veranlassungen, welche die
verschiedenen Zweige einander wieder näher bringen, wie in jenen anregenden
Tagen die Versammlung der Berg- und Hüttenmänner. Wohl darf ich beklagen,
dass gerade der Höhepunkt eines lästigen Unwohlseins mich persönlich verhin-
derte, die hochgeehrten Mitglieder willkommen zu heissen, und den hohen
Gönnern und werthen Freunden und Arbeitsgenossen von nah und ferne meine
Verehrung darzubringen. So wie die Gegenwart bei den Versammlungen ver-
danken wir auch im Zusammenhänge mit denselben die Ehre der Besichtigung
unserer Sammlungen und Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt den drei
Sitzung vom 19. November. W. Haidinger.
97
[9]
k. k. Ministern, in deren Bereich die Interessen der in der Versammlung reprä-
sentirten Zweige liegen, für unser eigenes k. k. Staatsministerium Seiner Excellenz
Herrn k. k. Minister Ritter von Lasser, für die grossen Unternehmungen des
Allerhöchsten Aerars Seiner Excellenz Herrn k. k. Finanzminister Edlen v. Plener,
für das grosse montanistische Industrial-Interesse selbst Sr. Excellenz dem Herrn
k. k. Minister für Handel- und Volks wirthschaft Grafen v. Wicke n b urg. Wohl ist
es meine Pflicht für diese freundliche Gewogenheit hier meinen innigsten Dank aus-
zusprechen, denkwürdig wie uns immer die Erinnerung an das Ereigniss sein wird.
Von den anziehenden Gegenständen, welche von verschiedenen Seiten aus
Veranlassung der Versammlung zur Ausstellung kamen, sind uns viele als werth-
volle Geschenke am Schlüsse derselben übergeben worden, für welche ich hier
noch den hochverehrten Gebern den verbindlichsten Dank darbringe, den Herren
k. k. Ministerialrath Ritter v. Russegger, k. k. Bergrath Walther, für die
Gegenstände von Schemnitz und Joachimsthal, den Herren A. Andre in Wit-
kowitz, Giersig in Wien, K. A. Frey in Store, k. k. Professor A. Miller von
Hauenfels in Leoben für verschiedene höchst lehrreiche Artikel.
Während der Zeit begann eine andere Ausstellung uns vielfach zu beschäf-
tigen, die für den Sommer 1862 in London vorbereitete Weltausstellung. Bereits
auf der letzten, welche 1855 in Paris stattfand, hatten unsere geologisch colo-
rirten Karten den Beifall befreundeter Fachgenossen gefunden. Unsere Arbeiten
sind seitdem so weit vorgeschritten, dass ich eine Reihe von Karten anmelden
konnte, welche einen Wandraum von 41 Fuss Breite und 9 Fuss Höhe erfüllen,
die Specialkarten in dem Maasse von 1 : 144.000 der Natur, 2000 Klafter = 1 Zoll,
von Oesterreich ob und unter der Enns, Salzburg, Böhmen (nahe vollendet), Steier-
mark und Illyrien, zum grössten Theil, ferner Uebersichtskarten in dem Maasse von
1 : 288.000 der Natur, 4000 Klafter = 1 Zoll, Tirol, Lombardie und Venedig,
Ungarn, Strassenkarten in dem Maasse von 1 : 432.000 der Natur, 6000 Klafter =
1 Zoll, von Galizien, Siebenbürgen , Croatien , dem Banat. Unter den spätem
Anmeldungen kam noch die für unsere Publicationen, Abhandlungen und Berichte,
so wie die von Musterstücken von fossilem Brennstoff aus der gesammten Monar-
chie, Schwarzkohlen, Braunkohlen und Torf, welche in Würfelform von 6 Zoll
Seite zur Anschauung gebracht werden sollen.
Ueber den Fortgang unserer Publicationen kann ich nun zum Schlüsse des
Jahres das Anregendste und Günstigste mittheilen. Dank dem Wohlwollen und
kräftigst einwirkenden Schutze unseres hohen Gönners und obersten Leiters,
Seiner Excellenz des Herrn k. k. Staatsministers Ritters von Schmerling. Noch
aus der früheren Zeit lagen die Hindernisse vor, Einstellung des Druckes für das
Jahrbuch, für die Abhandlungen, deren eben in der Ausführung schwebender
Band Herrn Dr. Hörn es fossile Mollusken des Tertiärbeckens von Wien ent-
hält. Es gelang nur allmählig, da verschiedene andere Verhandlungen vor-
läufig zu Ende zu bringen waren, den Gang wieder herzustellen. Nur Ein Heft
unseres Jahrbuches wurde abgeschlossen, und mit demselben der 11. Band für
1860. Der wissenschaftliche Inhalt enthält eine einzige Abhandlung, des Frei-
herrn v. Richthofen classische Studien aus den ungarischen und siebenbürgi-
schen Trachytgebirgen, den Bericht über die chemischen Arbeiten von Herrn
Karl Ritter v. Hauer, und die Verhandlungen bis Ende 1860, nebst Register von
Herrn Grafen v. Marsch all. In dem Vorworte konnte ich bereits Nachrichten
über unsere günstigere Stellung geben , die sich seitdem noch mehr befestigt
hat. Namentlich wurde jetzt durch Seine Excellenz den Herrn k. k. Staatsminister
die Vorsorge getroffen, dass in einem vereinfachten Geschäftsgänge nicht nur
fortan auch in den Abrechnungen mit den Druckerei-Unternehmungen, gegen-
K. k. geologische Reichsanstalt, 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen,
n
98
Verhandlungen,
[10]
wärtig der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, die einmal bestimmte Arbeitskraft
der k. k. geologischen Reichsanstalt vollständig verwendet werden könne, sondern
auch der Druck der „Fossilen Mollusken“, dieses wichtigen vaterländischen
Werkes, für dessen Durchführung die Kosten von Seiner k. k. Apostolischen
Majestät ausserhalb der Dotation der k. k. geologischen Reichsanstalt Aller-
gnädigst bewilligt waren, nun in raschem Fortschritte begriffen ist.
Wohl darf ich ein Wort freudigen Dankes aus Veranlassung des Personal-
standes Seite VII aussprechen, wenn ich in Erinnerung bringe, dass Seine Excel-
lenz Herr k. k. Staatsminister Ritter v. Schmerling jetzt als Oberster Leiter
uns sein freundliches Wohlwollen schenkt und seinen mächtigen Schutz uns
angedeihen lässt. Auch in dem arbeitenden Personale ergaben sich Veränderun-
gen und zwar Lücken durch den Austritt unserer hochverdienten Freunde, der
Herren Prof. Dr. F. v. Hochstetter und Dr. Freiherr v. Richthofen. Als Nach-
folger gewannen wir eine hoffnungsvolle jüngere Kraft, Herrn Ferd. Stoliczka,
der bereits durch manchen werthvollen Beitrag seine Befähigung beurkundete.
An hochverehrten Gönnern und Correspondenten weist das Verzeichniss
146 für 1860 nach. Mit tiefem Schmerz erfüllt uns die kürzlich erhaltene
Trauerbotschaft von dem Hintritt eines hohen und grossmüthig theilnehmenden
Gönners und zugleich wahren Mannes der Wissenschaft, Seiner Aller-
getreuesten Majestät des Königs Dom Pedro V. von Portugal, der
selbst die speciellsten conchyliologischen Kenntnisse besass, der unsern hoch-
verehrten Freund Don Carlos Ribeiro eigens zum Studium der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt nach Wien gesandt, um sodann ein dem gleichen Zwecke
gewidmetes Institut in Lissabon einzurichten. Viele werthvolle Empfangsbestäti-
gungen aus Veranlassung der Correspondenten - Anzeigeschreiben sind uns
zugegangen, aus deren Zahl es mir gestattet sein dürfte jener Seiner Durchlaucht
des Herrn Regierenden Fürsten Adolph Georg zu Sc ha um b ur g- L i p p e , der
Herren Franz Edlen v. Mayr, Graf v. Hartig, Graf A. Szecsen, Bischof
Korizmits, k. k. Minister Graf v. Wickenburg, k. k. Oberstkämmerer
Graf Karl v. Lanekoronsk i-B r z e z i e, Prälat E. Resucsek von Z i r c z, P i 1 i s
und Pasztö mit dankbarster Anerkennung zu erwähnen.
Die in dem Jahre 1860 aufgenommenen Karten-Sectionen waren nebst dem
1. Hefte des Jahrbuches für 1860, in gewohnter Weise an Seine k. k. Ap o-
stolische Majestät, unter Vertretung des Herrn k. k. Staatsministers Ritter
v. Schmerling in tiefster Ehrfurcht unterbreitet und huldreichst entgegen-
genommen worden, diesesmal die Sectionen der Detail-Aufnahme in Böhmen
No. XIV Umgebungen von Brandeis und Neu-Kolin, No. XX Umgebungen von
Skalitz und Beneschau, No. IV Umgebungen von Neustadt und Hochstadt, und
No. IX Umgebungen von Jicin und Hohenelbe nahe vollendet, ferner von Ueber-
sichts-Aufnahmen die Sectionen XII und XIV von Ungarn, die Karte vom Banat
und von West-Siebenbürgen.
Die Vertheilung der Druckschriften, Jahrbuch und Abhandlungen ging in
gewohnter Weise fort und stellt sich gegenwärtig wie folgt :
1. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Inland. Ausland.
Inland. Ausland.
An Se. k. k. Apostolische Maje-
stät und das Allerhöchste
Kaiserhaus
22
45
146
195
Wissenschaftliche und andere
Gesellschaften
Redactionen
59 196
2 9
4 18
Behörden und Institute . .
Montanbehörden ......
Lehranstalten
9 Gönner und Geschenkgeber .
8
52
473 292
Sitzung vom 19. November. W. Haidinger.
99
[H]
II. Abhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Inland. Ausland.
An Se. k. k. Apostolische Maje-
jestät und das Allerhöchste
Kaiserhaus , 19 —
Behörden und Institute ... 10 14
Montanbehörden 15 1
Lehranstalten 36 34
Inland. Ausland.
Wissenschaftliche und andere
Gesellschaften 28 96
Redactionen — 7
Gönner und Geschenkgeber . 22 18
13Ö 17Ö
Auch dieses Jahr erhielten wir als Gegengaben eine grosse Anzahl der
werthvollsten fortlaufenden Gesellschaftsschriften, theils selbstständige Werke,
so dass sie in dem von Herrn Bibliotheks-Custos der k. k. geologischen Reichs-
anstalt, Ritter A. Senoner sorgsam fortgeführten Kataloge nunmehr, nach dem
letzten Abschlüsse für den 31. October unsere Bibliothek enthält
Bücher 3330 Nummern 11076 Bände und Hefte
Karten 391 „ 1209 Blätter.
Wie in früheren Jahren bestreben wir uns , befreundeten Instituten und
Gesellschaften den Austausch ihrer bezüglichen Publicationen zu erleichtern,
eben so wie sie uns gegenseitig ihr Wohlwollen zukommen lassen. Namentlich
ist uns ein wahrhaft grosses ehrenhaftes nachahmungswerthes Beispiel das ame-
rikanische National-Institut der Smithsonian Institution, welche die Frachtspesen
für alle Sendungen aus den transatlantischen Ländern bis Leipzig trägt, bis
San Francisco in Californien und Santiago in Chile, während uns nur die bis
Leipzig zu begleichen übrig bleibt. Auch mit diesen Expeditionen ist Herr Senoner
speciell von uns betraut, und ich freue mich hier in Erinnerung zu bringen, dass
ihm für seine zuvorkommende Betriebsamkeit in dieser und anderen Beziehungen
von Sein er Maj estät dem König e 0 tto von Griechenland das silberne
Erlöserordens-Ritterkreuz verliehen worden ist.
Herr Senoner hat eine recht empfehlenswerthe kleine Übersicht der
Sammlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt mit Grundriss als Leitfaden
bei dem Besuche bei K. Gerold’s Sohn herausgegeben. Längst war eine solche
Schrift Bedürfniss, auch wird nach Erschöpfung der vorliegenden Auflage ein
von der k. k. geologischen Reichsanstalt selbst ausgehender Bericht vorbereitet
werden, was jetzt bei der neu gewonnenen freieren Stellung erst möglich
gew orden ist, aber nicht gelingen konnte bei der Ungunst der früheren Verhältnisse.
Nachfragen nach auszufertigenden geologischen Karten erhalten sich. Auch
in diesem Jahre wurden an die Herren Hazslinszky in Eperies, Dr. Koller,
Hohenegger in Teschen, Pauli in Hryniawa, Artaria, Calve in Prag,
Fürst A. v. Schwarzen berg, v. Robert in Oberalm, Wagenmann, die
kön. ungarische Akademie der Wissenschaften, das Landesmuseum
in Laibach 32 Blätter, theils Special-, theils General- und Strassenkarten geliefert,
oder die schwarz übergebenen Blätter colorirt.
Ebenso wurden 15 kleine Sammlungen von Petrefacten und Mineralien ab-
gegeben, so dass sich die bis jetzt überhaupt vertheilten auf 567 stellen.
Herr D. Stur ist ansehnlich mit dem Ordnen der systematischen Sammlung
sowohl als der Localfloren der fossilen Pflanzenreste vorgeschritten. Bei der
grossen Ausdehnung, welche sie gewonnen und wieder bei dem Bedürfnisse eine
Anzahl der grösseren Wandschränke, in welchen fossile Pflanzenreste aufgestellt
waren, zur Aufstellung von Gebirgsarten zu verwenden, sind nun neue Einrich-
tungen an denselben besonders gewidmeten Schränken eine Aufgabe, die uns
dringend vorliegt.
100
Verhandlungen.
[12]
Herr Graf v. Marschall wirkt fortwährend günstig in Ordnung und Katalo-
girung der Mineralien- und Petrefacten-Sammlungen, und der Correspondenz in
fremden Sprachen.
Mit dem Schlüsse des Jahres 1861 wird in dem jetzt im Drucke liegenden
Hefte auch das vollständige Verzeichniss der während des ganzen Jahres erhal-
tenen Druckschriften und Kartenwerke gegeben werden. Ich gehe daher nicht
näher in dieselben ein. Doch seien mir einige Ausnahmen gestattet.
Vor Allem mit innigster Theilnahme zu erwähnen erhielten wir durch die
Gnade Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs
Ferdinand Maximilian die zwei ersten Bände der „Reise der österreichi-
schen Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859, unter
den Befehlen des Commodore B. v. Wüllerstorf-Urbair. Aus der k. k. Hof-
und Staatsdruckerei“, und zwar nicht nur für die k. k. geologische Reichsanstalt,
sondern in grossmüthigster Weise auch persönlich für meine hochverehrten
Freunde k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer und Foetterle und für mich
selbst. Ein Exemplar der englischen Ausgabe verdanke ich noch besonders dem
Verfasser beider Berichte, des deutschen und englischen, meinem hochverehrten
edlen Freunde, Herrn Dr. Karl Ritter v. Sc herz er. Er war billig, wie sich der
hochverdiente Befehlshaber der Expedition, Freiherr v. Wüllerstorf, in seinem
Vorworte ausdrückt, mit der „eben so schwierigen als beneidenswerthen Auf-
gabe“ der Bearbeitung und Redaction der Reisebeschreibung beauftragt. Heute
darf man wohl sagen, Dr. v. Scherzer hat die Aufgabe auf das rühmlichste
gelöst. Ob ich einen Anspruch habe, meine Ansicht auszusprechen? Und am
gegenwärtigen Orte ? Ich glaube ja. Ich gedenke der Aufregung, mit welcher
wir die im Herbste 1856 beschlossene Erdumsegelung begrüssten, wie die erste
Einladung von Herrn Dr. Scherzer zu Instructionen gerade an dem Tage der
k. k. geographischen Gesellschaft zukam, wo ich als erster Präsident den ersten
Vorsitz führte, wie sich dann in den Sitzungen der Gesellschaft sowohl als in
jenen der k. k. geologischen Reichsanstalt fort und fort die Theilnahme steigerte,
bis in der Sitzung am 7. März 1857, als Herr Dr. Scherzer sein Abschiedswort
sprach, ich laut des hohen Einflusses gedachte, welchen Scherzer's Berufung
auf das Gelingen des Unternehmens ausüben musste *) : Mein Wort war nun mit
eingesetzt, unser hochverdienter Landsmann, mein theurer Freund durch vielfache
Übereinstimmung der Gefühle, hat "es glänzend ausgelöst. Aber die k. k. geolo-
gische Reichsanstalt hat noch einen ferneren Antheil an der Reise genommen. Eines
der von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zur wissenschaftlichen
Commission gewählten Mitglieder, Herr Dr. Hochstetter, gehörte dem Stabe
der k. k. geologischen Reichsanstalt an. Selbst die umschriebene Dotation der
letzteren blieb in gewohnter Weise in Anspruch genommen, während die Aka-
demie freilich mehr zur Disposition stellte, aber Alles durch ausserordentliche
Bewilligungen erhielt. Wir sandten damals 10 Reihen unserer sämmtlichen Druck-
schriften und 10 kleine Sammlungen von Wiener Tertiärpetrefacten mit Herrn Dr.
Hochstetter an Institute nach Rio de Janeiro, die Capstadt, Madras, Calcutta,
Singapore, Batavia, Hongkong, Sydney, Melbourne, Auckland, die einen werth-
vollen Anknüpfungspunkt in den wissenschaftlichen Kreisen der besuchten Orte
bildeten. Manchen ferneren Lichtpunkt brachte uns die Novarafahrt durch zahlreich
gewonnene hochverehrte Gönner und Correspondenten, in Gegensendungen und
wissenschaftlichem Austausch eine wahre fortdauernde und sich noch immer weiter
*) Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft. 1857. Verhandlungen, Seite 130.
Sitzung vom 19. November. W. Haidinger.
101
[13]
und weiter lebhaft entwickelnde Anregung., beides für die aus unseren Bedürfnissen
hervorgegangene k. k. geographische Gesellschaft und für unsere k. k. geologische
Reichsanstalt selbst. Ich gedenke noch der anregenden Mittheilung durch Corres-
pondenz von den hochverehrten Reisenden , wie manche zum Druck beförderte
wissenschaftliche Abhandlungen und Berichte durch unsere Hände gingen, so wie
auch wir den Reisenden wieder Nachrichten nach Möglichkeit zu geben suchten.
So erfreuen wir uns, die wir im Geiste das erdumsegelnde gute Schiff begleiteten,
mit hoch gehobener Theilnahme des trefflichen, uns nun in den zwei ersten Bänden
vorliegenden Berichtes, der die Erlebnisse auf der Reise von Triest über Madeira,
Rio de Janeiro, das Cap, St. Paul und Amsterdam, Ceylon, Madras, die Nikobaren,
Singapore, Java, die Philippinen, China und durch den grossen Ocean mit
Puynipet und Sikayana bis zur Ankunft in Sydney enthält. Die ganze Unterneh-
mung ist ein unvergängliches Ehrendenkmal für das grosse Oesterreich.
Ein Prachtwerk, wie das vorige aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu
deren Ruhme hervorgegangen, ist unseres hochverehrten Freundes und früheren
Arbeitsgenossen Prof. Dr. Constantin Ritter v. Ettingshausen Folioband: „Die
Blattskelete der Dikotyledonen mit besonderer Rücksicht auf die Untersuchung
und Bestimmung der fossilen Pflanzenreste“. Gewidmet Seiner Majestät dem
Könige Maximilian II. von Bayern, dem erhabenen Beschützer der
Wissenschaft und Kunst.“ Auf 95 Tafeln und in 296 Typen- Abdrücken von
mehr als 1200 Blättern aus jenen Pflanzenfamilien , welche sich am genauesten
den Formen der fossilen Reste anschliessen , -um als Vergleichungen zu dienen.
Es ist dieses Werk ein schönes Ergebniss wissenschaftlicher Kenntniss und
Forschungsgabe zugleich mit unermüdlicher Beharrlichkeit in der Auswahl, nach
der Methode des Naturselbstdruckes, wo jede einzelne Darstellung von Anfang
bis zu Ende die Aufmerksamkeit des Verfassers erheischt. Aber auch hier darf
ich mich an die grosse Theilnahme erinnern, mit welcher wir in der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt von dem ersten Versuche an, dieser Art von Gewinnung von
Blattabdrücken gefolgt sind, da das Bedürfniss das unsere war, und da ja die aller-
erste Tafel, der allererste Versuch selbst von Herrn Dr. v. Ettingshausen im
Jahre 1852 zusammengestellt wurde, der seitdem nicht ermüdete, fort und fort
in der gleichen Richtung der Studien der Blatt-Nervationen Erfolge zu erringen,
und der nun noch viele wichtige Mittheilungen vorbereitet hat.
Mit grösster Theilnahme darf ich hier noch eine Mittheilung eines hoch-
verehrten Freundes und früheren Mitgliedes der k. k. geologischen Reichsanstalt
erwähnen, Herrn Prof. Dr. Karl Peters „Geologische und mineralogische
Studien aus dem südöstlichen Ungarn, insbesondere aus der Umgegend von
Rezbänya“, in zwei Abtheilungen aus dem 43. und 44. Bande der Sitzungs-
berichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Begründet in der Unter-
suchungsreise des Biharer Gebirgsstockes im Jahre 1858 unter den Auspicien
des k. k. Gouvernements von den Herren Professoren Dr. A. Sch midi als Leiter
und Dr. Peters, Dr. Kerner und Dr. Wastler schliesst sich dieser Bericht
einerseits vollkommen an unsere Uebersichtsaufnahmen an und erläutert ein
vorher geologisch nahezu unbekanntes Gebiet, andererseits aber sind die Studien
der Rezbänyer Mineralvorkommen in so eingehender Weise gegeben, dass man
diese ausführliche und lichtvolle Behandlung gern überall durchgeführt sehen
möchte. Leider sind die Bergbauverhältnisse so ungünstig, dass man das Meiste
nur mehr in den Sammlungen erhalten findet, was aber Herr Prof. P eters auch
in Wien, Pesth und Ofen in sorgsamster Weise für seine Studien ausgebeutet hat.
Wir sind ihm für diese wahre Bereicherung geologisch-mineralogischer wissen-
schaftlicher Landeskenntniss zu dem grössten Danke verpflichtet.
102
Verhandlungen.
[14]
Billig gedenke ich, wenn auch nur mit wenigen Worten hier der „Geolo-
gischen Karte der Umgebungen Wiens von Czjzek, nach den Arbeiten der k. k.
geologischen Reichsanstalt und der Herren Dir. Dr. M. Hörnes, Prof. E. Suess,
F. Karrer, K. M. Paul u. A. rectificirt und neu aufgenommen von D. Stur.“
Obwohl im verflossenen Abschlüsse als geschlossen erwähnt, ist sie doch
erst in diesem Jahre recht eigentlich in’s Leben getreten. Sie erschien bei
Artaria, und ist im k. k. militärisch-geographischen Institute sorgsamst in
Farbendruck ausgeführt mit 35 Farben und Zeichen für Gesteine und Mineral-
vorkommen.
Eben erst fertig geworden ist die „Geologische Uebersichtskarte von
Siebenbürgen, mit Benützung der neuesten von Franz Fischer topographisch
richtig gestellten Karte des Landes, für die k. k. geologische Reichsanstalt
aufgenommen von Franz Ritter v. Hauer, unter Mitwirkung der Herren Albert
Bielz, Ferdinand Freiherr v. Richthofen, Dr. Guido Stäche und Dionys
Stur, 1861, Steindruck von F. A. R. Krabs in Hermannstadt, Maass-
stab 1 : 567.000 oder 8000 Klafter auf 1 Zoll. Ein Blatt 26 Zoll breit, 21 y2 Zoll
hoch. Herr v. Hauer hatte sie im Manuscript in der Sitzung am 20. November
1860 vorgelegt. Mit besonderer Befriedigung müssen wir dieses Zusammen-
wirken von Privatkräften wie in dieser neuen Herausgabe des Herrn Fischer
mit den Ergebnissen unserer wissenschaftlichen Forschungen begrüssen. Es sind
35 Farbentöne und Zeichen für Gesteine und Mineralvorkommen angewendet.
In den Lithographien sind nur die Gesteingrenzen gezogen, die Farben sind mit
der Hand angelegt. Es ist dadurch ein mässiger Preis erzielt, weil doch das
Zeitraubendste, die Einzeichnung der Grenzen, mit mechanischen Mitteln
erreicht ist.
Höchst anregend in der gegenwärtigen Zeit der Aenderungen in den Zu-
ständen unserer guten Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien, mit ihren Bau-,
Canalisirungs-, Wasserfragen sind uns zwei grosse Plane der Stadt Paris,
Geschenke unseres hochverehrten Freundes Herrn Aehille D el ess e, Ergebnisse
seiner eigenen Thätigkeit, aber gefördert durch den Einfluss höherer Kräfte.
1. Carte geologique souterraine , 2. Carte hydrologique , beide de la rille de
Paris, publiee d'apres les ordres de Mr. le baron G. E. H aussman n, senateur ,
prefet de la Seine, conformement ä la deliberation du Conseil Municipal
du 8. Novembre 1887 et executee par Mr. Del esse, Ingenieur des mines , in-
specteur des carrier es du departement de la Seine , 1888. Sie sind in gleicher
Grösse in je 2 Blättern zusammen von 50 Zoll Breite und 36 Zoll Höhe in Farben-
druck in dem Maasse von etwa 92*6 Klafter = 1 Zoll (1 : 6666 2/3 der Natur)
ausgeführt. Dazu noch den „Rapport“ — „Bericht der Herren Delesse, Beau-
li eu und Yvert über die unterirdische Ueberschwemmung der nördlich gelegenen
Stadttheile von Paris im Jahre 1856, 1861£7. Die erste bezieht sich auf die
Schichten des Untergrundes und ihre Oberflächengestaltung, jede einzelne durch
Höhencoten gegeben, die zweite auf die verschiedenen mit einander in Verbin-
dung stehenden oder getrennten Wasserspiegel über Tage und unter der Ober-
fläche, wie sie durch Brunnen eröffnet und durch Canäle, oder sonstige Einflüsse
verschiedentlich in ihren Verhältnissen erscheinen. Beide von der höchsten
Wichtigkeit für die Beantwortung einer grossen Anzahl von Fragen in Bezug
auf Gesundheitspflege, Ueberschwemmungen, Wasserabzug und Trockenlegung
überhaupt, auf die Anlagen von Abzugscanälen , und überhaupt auf alle unter-
irdischen Arbeiten. Ungeachtet manche Vorarbeiten gewonnen wurden, sind
wir noch nicht in der Lage uns in dieser Beziehung an die Seite von Paris
zu stellen.
[IS]
Sitzung vom 19. November. W. Haidinger.
103
Nur summarisch darf ich auch noch anderer werthvoller Geschenke an
Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten hier gedenken, welche uns von hochver-
ehrten Gönnern und Freunden zugekommen sind, den Herren E. Kleszczynski,
J. Fichtner in Atzgersdorf, Leinmüller in Gurkfeld, k. k. Kriegscom-
missär A. Letocha, Gr. Zu lieh in Cattaro, k. k. Hofrath Ritter v. Schwa-
benau in Linz, Jul. Quaglio, V. Forcher in Ainbach bei Knittelfeld, A. v.
Makaj in Grosswardein, k. k. Landes-General-Commando in Galizien, R. v. Mi-
orini in Razsina, Ferdinand Mueller in Melbourne, k. k. Marine-Ober-Com-
mando, hochw. Pfarrer J. Maryska in Liebstadtl, k. k. Bergmeister F. Schott
in Jaworzno, k. s. Bergrath Breithaupt in Freiberg, k. k. General-Consul
Freiherr v. Merck in Hamburg, k. k. Schwefelwerksverwaltung in Radoboj,
P. Hartnigg in Auronzo, Frau J. Kablik in Hohenelbe, k. k. Komotauer Berg-
hauptmannschaft, der werthvollen Aufsammlungen des Herren J. Sapetza in
Mähren, so wie der umfassenden Aufsammlungen und Einsendungen unserer
geologischen Reise- und Aufnahmssectionen. Nebst den oben erwähnten Geschen-
ken aus der Versammlung der Berg- und Hüttenmänner beträgt das Gesammt-
gewicht des neu zugewachsenen Materials wohl mehr als 70 Centner. Ueber einige
neuerlichst erst erhaltene reichhaltige freundliche Einsendungen der Herren k. k.
Realschuldirector J. Krejci, K. Feistmantel, fürstl. Fürstenberg’schen
Hüttenverwalter von Bras nächst Radnitz und von Miröschau von Herrn Apotheker
Storch in Rokitzan werden besondere Vorlagen für unsere Sitzungen vorbereitet.
Nur wenige Worte darf ich hier auch einem kürzlich erst erhaltenen höchst
werthvollen Geschenke widmen, da es in einer der Winter-Sitzungen ausführ-
licher erörtert werden soll, eine Reihe von Druckschriften von Herrn Jacques A.
Boucher de Creveeoeur de Perthes, Präsidenten der So riete Imperiale
d' Emulation von Abbeville und zwar mehrere ältere Bände der Memoires
der Gesellschaft, 5 Bände Reisen, die Werke De la Creation 5 Bände, Hommes
et Choses 4 Bände und andere, vorzüglich aber die vielen Mittheilungen über die
von ihm zuerst richtig beurtheilten Ueberbleibsel menschlichen Kunstfleisses aus
den Diluvialschichten der Umgegend von Abbeville, Antiquites antediluviennes ,
aus Zeitabschnitten, welche unsere Begriffe über die frühesten Bewohner Europa’s
weit über die bisher vorausgesetzten Zeiten zurücklegt. Nebst den Schriften ver-
danken wir ihm aber auch Gegenstände aus den dortigen Diluvialschichten
selbst, wie auch aus der keltischen Epoche, zugeschlagene Kiesel mit scharfen
Graten, Knochen mit mehr oder wenigen Spuren von Bearbeitung, deren Reste
aus den Torfmooren und Anderes, was nicht fossil genannt werden kann. Das
Ganze wird für sich zur Aufstellung gebracht und wird nicht fehlen lebhafte
Theilnahme zu erregen. Bereits haben sich auch bei uns Freunde der Wissen-
schaft dieser Studien an der Grenze geologischer und archäologischer For-
schungen zugewandt, aus welchen ich hier nur der hochverehrten Freunde
Prof. E. Suess und Dr. E. Freiherr v. Sacken gedenke, aber man darf hoffen,
dass auch in dieser Richtung das reiche Feld der Forschung noch viele eifrige
Theilnehmer finden wird, so wie sie bereits die Herren Boucher de Perthes,
Pr es tw ich, La rtet, L. Horner, v. Morlot und andere verfolgt haben.
Aus Veranlassung einer freundlichst übersandten Photographie im Visif-
kartenformat eröffnen wir für die k. k. geologische Reichsanstalt ein Porträt-
Album, in welchem alle jene Bildnisse hochverehrter Gönner und Freunde auf-
bewahrt zu werden bestimmt sind, welche uns als freundliche Geschenke in dem
Laufe der Zeiten erfreuen sollten.
So eröffnen wir denn mit dem Berichte über die letzte Jahresperiode mit
ganz anderen Gefühlen die neue, mit frohem Muthe, dass es uns gelingen wird.
104
Verhandlungen.
[16]
fort und fort werthvolle Erfolge zu erzielen, zur Mittheilung an unsere Zeit- und
Landesgenossen , ein Gewinn an Kenntniss für alle Zeiten. Stets wird uns jeder
neu gewonnene Beitrag in Aufregung und Thätigkeit erhalten. Diese ist es, durch
welche wir uns unsere eigene Stellung in dem Urtheile der Fachgenossen, in
dem Beifalle hochgeehrter Gönner und Freunde erworben haben. Stets war unser
Bestreben, unsere Pflichterfüllung öffentlich, so schwierig es uns auch oft wurde,
diese Oeffentlichkeit uns in geeigneter Weise zu erhalten. Wir gaben Bericht von
wirklichen in’s Werk gesetzten Arbeiten. Wir bereiten die Erinnerung an Thalen
vor. Der Schluss der Arbeit, die Bekanntmachung derselben gibt ihr erst Geltung.
Die Arbeit war es, welche wir geleistet, die uns dem Worte unserer wohl-
wollenden Gönner und Freunde empfahl, welche unsere k. k. geologische Reichs-
anstalt im verflossenen Jahre von der drohenden Zerstörung rettete. Ihr vertrauen
wir auch für die fernere Zukunft. Nicht soll dieser unser unabhängiger Mittel-
punkt der Arbeit, der Anregung, des wissenschaftlichen Fortschrittes, der Aner-
kennung, der freundlichen Verbindung mit allen Gegenden des Kaiserreiches,
nach allen Bichtungen über die ganze Erde, der Erfolg unserer eigenen Kenntniss
und Kraft und der Beharrlichkeit in unserer Pflichterfüllung untergehen in einem
anderen Mittelpunkte, wäre dieser an sich noch so ehrenwerth, der aber vielfach
nach sehr verschiedenen Ansichten und unter ganz andern mit den unsern unver-
einbaren Verhältnissen wirkend in das Leben eingreift.
Während man von anderer Seite nicht ermüdet allen wissenschaftlichen
Fortschritt der Neuzeit in Oesterreich die Begründung des geistigen Lebens für
die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften als Monopol in Anspruch zu nehmen,
wenn man auch dieses Wort selbst von sich zu weisen sich bestrebt «), glaube ich
gegen unsere eigenen hochverehrten Gönner und Freunde dazu verpflichtet zu
sein, zu bemerken, dass so manche Begung des Geiste’s auch in unabhängiger
Weise seine Entwicklung fand, dass namentlich unsere eigenen Bestrebungen
ihren Stammbaum ohne Unterbrechung bis in jene Zeiten hinaufzubeweisen ver-
mögen, wo es noch keine Kaiserliche Akademie der Wissenschaften gab, ja dass
bekanntlich sie selbst eigentlich ein Ergehniss des erwachenden Geistes unab-
hängiger Forschung war, und dass es den Wortführern auf jener Seite sehr wohl
anstehen würde, sich des Ursprungs zu erinnern. Alle wirkliche Arbeit wird
aber nur von den Einzelnen geleistet, seien sie vereinzelt oder versammelt in
Instituten, oder frei vereinigt in Gesellschaften, oder anerkannt in Akademien,
ohne Hilfe oder gefördert durch eigene unabhängige Stellung oder fremde denselben
zur Verfügung gestellte Kraft. Den Anspruch der Einzelnen auf Verdienst anzu-
erkennen wird stets vor Allem anregend bleiben, und ist gerade die Aufgabe der
wissenschaftlichen Körperschaften selbst. Seine k. k. Apostolische Majestät
stellt uns einen Theil der Kraft des Vaterlandes in der k. k. geologischen Reichs-
anstalt zur Verfügung; unser ist die Arbeit, um aus dieser Kraft den Erfolg zu ent-
wickeln, Einer für Alle und Alle für Einen, für unser grosses gemeinsames Vater-
land, für unsern Allergnädigsten Kaiser und Herrn Franz Joseph I.
Heute am 19. November dürfen wir billig in treuester Unterthanenliebe und
Ehrfurcht des Festtages der hohen Frau, unserer A 11 er durchl au chtigste n
Kaiserin gedenken und den Segen des Allerhöchsten für Festigung Ihres
Wohlbefindens unter dem milden Himmel unserer schönen Lagunenstadt erflehen.
*) Almanach der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 1861. Seite 116. Bericht
des General-Secretärs.
Verhandlungen der k. k. geologisehen Reichsanstalt.
Sitzung am 19. November 1861.
Herr Director W. Haidinger führt den Vorsitz und eröffnet die Sitzung
mit der auf den vorstehenden Blättern abgedruckten Ansprache.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid legte die geologische Karte der Umge-
bungen von Pardubitz, Königgrätz, Neu-Bidsow, Königsstadtl und Elbeteinitz in
Böhmen vor, in so weit dieselben das Blatt Nr. XV. der Generalstabskarte
Böhmens im Maassstabe von 1 Zoll = 2000 Wiener Klafter ausfüllen. Die geolo-
gische Aufnahme dieser Karte erfolgte durch Herrn Lipoid als Chef-Geologen
der I. Section der k. k. geologischen Reichsanstalt im Sommer des Jahres 1861.
Das bezeichnete Terrain ist durchgehends Flach- und niederes Hügelland.
Es wird in seinem östlichen und südlichen Theile von dem Elbe-Flusse u. zw.
von Josephstadt bis Pardubitz in der Richtung von Nord nach Süd, und von Par-
dubitz bis Kolin in der Richtung von Ost nach West durchzogen, eben so in
seinem nordwestlichen Theile von dem Zillina (Cidlina) Flusse, welcher an Bid-
sow vorbei in nordsüdlicher Richtung fliesst, bei Chlumetz den an Nechanits
vorbeifliessenden Bistriza-Baeh aufnimmt, und unterhalb Chlumetz eine ostwest-
liche Richtung einschlägt. An diesen Flüssen besonders an der Elbe breiten sich
mehr minder grosse Alluvial-Ebenen aus, welche im Norden die Seehöhe von
ungefähr 110 Wiener Klaftern besitzen, im südwestlichen Theile des Terrains
aber auf die Seehöhe von 90 Wiener Klafter herabsinken. Die zwischen den
Flussgebieten sich erhebenden Hügelreihen und Hochflächen erreichen nur
die Seehöhe von 150 — 160 Wiener Klafter über das adriatische Meer.
Die geologische Zusammensetzung des in Rede stehenden Terrains bietet
eine sehr geringe Mannigfaltigkeit dar, indem in demselben ausser einer wenig
verbreiteten Partie von krystallinischen und Grauwacken-Gesteinen nur Gebilde
der Kreideformation und Diluvial-Ablagerungen vorgefunden wurden.
Die krystallinischen Gesteine bilden in der Umgebung von Elbe-
Teinitz eine kaum 1 — 2000 Klafter breite Zone, welche sich von Elbe-Teinitz
aus in südöstlicher Richtung in das von Herrn SectionsgeoSogen Baron Andrian
bereiste Terrain fortzieht. Am „Wokkach“ -Berge nächst Chwaletitz erreichen
die krystallinischen Gesteine die absolute Seehöhe von 161 1/3 Wiener Klafter
und senken sich von da an gegen Nordwesten mehr und mehr, bis sie nordwest-
lich von Elbe-Teinitz, nächst welcher Stadt der Elbe-Fluss dieselben durch-
brochen hat, sich unter den Kreide- und Diluvialablagerungen verlieren und nur
mehr in einzelnen Kuppen zu Tag treten. Sie bestehen aus Gneiss, mit Zwischen-
lagern von Hornblendegesteinen und Kalkstein , aus Urthonschiefer und aus
Granit; der Gneiss erscheint an der Südwestseite, der Urthonschiefer an der
Nordostseite der Zone, während der Granit zwischen beiden zu Tag tritt. An
der Elbe bei Elbe-Teinitz sieht man den Granit auch Gangtrümmer in den Gneiss
K. k. geologische Reichsanstalt. 12, Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. 0
106
Verhandlungen.
[2]
absetzen, und von massigen Amphiboliten begleitet. Eine Einlagerung von krystal-
linischem Kalke im Gneisse trifft man bei Elbe-Teinitz am linken Ufer zwischen
der Brücke und dem Eisenbahnhofe. Die Urthonschiefer, wie auch der Gneiss in
der Regel, zeigen bei einem nordwestlichen Streichen ein nordöstliches Einfallen
der Schichten. Oestlich von Zdechowitz folgen auf die Urthonschiefer Sandsteine
und Conglomerate aus Quarzgeschieben, welche der „Pribramer Grauwacke-
entsprechen und in südlicher Richtung eine grössere Verbreitung erlangen.
Als vereinzelte abnorme Gesteinsbildung erscheint Basalt am Kunetitzer
Berge nordöstlich, und bei Spojil östlich von Pardubitz.
Die Kreideformation ist durch beide in Böhmen herrschenden Gruppen
derselben, nämlich durch die Quader- und durch die Pläner-Gruppe, vertreten.
Unmittelbar an die Urthonschiefer anlagernd findet man Quadersandstein mit
kalkigen Zwischenschichten nächst Chwaletitz und Teleitz am linken Elbe-Ufer.
In grösserer Verbreitung erscheint die obere Ablagerung der Quadergruppe,
nämlich der Quadermergel. Dieser tritt sowohl im südwestlichen Theile des
Terrains, nächst Pfelouc, Konarowitz, Belusitz, Wohar, Zizelitz, am Fusse
des Wovska- und des Ban-Berges, als auch im nordöstlichen Theile desselben,
nächst Cernilow, Cibus, Libritz, Kacitz, Hnewcowes u. s. f. von Pläner grössten-
theils überlagert, zu Tage, und bezeichnet durch sein Auftreten den nordöst-
lichen und südwestlichen Rand des grossen Beckens, welches die obere Gruppe
der Kreideformation Böhmens, nämlich die Plänergruppe, einnimmt. Diese
Gruppe ist in dem bezeichneten Gebiete theils durch Plänerkalk, grösstentheils
aber durch Plänermergel vertreten, welche wegen ihrer leichten Verwitterbar-
keit höchst selten in anstehenden Schichten beobachtet werden und sich meist
nur durch den thonigen dunkelgefärbten Boden kenntlich machen. In grosser
Ausdehnung findet man den Pläner unbedeckt von Diluvien im nordwestlichen
Theile des Terrains, nächst Kopidlno, Chotetic, Knesitz, Königsstadtl, in der
Mitte des Beckens, nächst Hochwessely, Petrowitz, Metlican, Klamos, Wapno,
so wie im südöstlichen und östlichen Theile nächst Morawan, Dasitz, Holitz,
Chwojno, Bejsl, Wysoka, Hohenbruck, Zlatina. Die Lagerung der Kreideschichten
zeigt sich überall, wo sie beobachtet werden konnte, als eine schwebende.
Mehr als der halbe Theil des aufgenommenen Gebietes besteht aus Sand,
Schotter und Löss, welche die Kreidebildungen bedecken und nicht nur
die tieferen Punkte des Terrains, sondern sehr häufig auch die Höhenpunkte und
Hochplateau’s einnehmen. Als älteste Anschwemmung dieser Ablagerungen
erscheinen die Schotter, bestehend aus Quarzgeröllen, indem sie unmittelbar auf
den Kreideschichten liegen , und an einzelnen Stellen auch nur allein vorhanden
sind. Nicht selten findet man in dem Plänergebiete nur ganz kleine Partien von
Schotter oder auch nur einzelne Quarzgerölle auf den Feldern herumliegend. Ob
Mangel an Fossilresten ist das Alter dieser Schotter zweifelhaft, und es ist unent-
schieden, ob dieselben der Tertiär- oder der Diluvial-Zeit angehören. Nach oben
werden die Schottergerölle kleiner und gehen in Sand über, der die höheren
Schichten bildet, und hauptsächlich als „Flugsand“ ausgedehnte Flächen in den
tieferen Theilen des Terrains bedeckt. Als unzweifelhafte Diluvial-Bildung nimmt
die höchste Lage dieser Anschwemmungen der Löss ein, zuweilen auch mit Sand-
schichten wechselnd. Die Mächtigkeit aller dieser Ablagerungen ist sehr ver-
schieden, und reicht von einigen Zollen bis zu 4 — 5 Klaftern. Der Löss bedeckt
in grossen Flächen die sanften Gehänge am rechten Elbeufer westlich von Holohlaw,
Lochenitz, Plotist, Kuklena, Libisan und Zdanitz, und in einer zweiten zusammen-
hängenden grossen Partie die Gehänge in der Umgebung von Zlunitz, Smidaf,
Neu-Bidsow, Illusitz und Lusetz. Der Höhen-Schotter und Sand tritt unter dem
Sitzung vom 19. November. Karl v. Hauer. F. Foetterle.
107
[3]
Löss an dem Hügelzuge, der sieh von Kopidlno über den „Piska“ -Berg und
Wlkow nach Chlumetz erstreckt, zu Tag, und bedeckt die Höhen hei Mlikosrb,
Nehanitz, Stracow, Techlowitz, Kosatitz und die bewaldeten Hochflächen süd-
östlich von Königgrätz, während der Flugsand ausgedehnte Flächen am Adler-
Flusse zwischen Königgrätz und Hohenbruck und an der Elbe in der Umgebung
von Rokytno, Pardubitz, Bochdanetz, Kladrup, Elbe-Teinitz, Wohaf und Alt-Kolin
einnimmt.
Herr K. Ritter v. Hauer sprach über die Zusammensetzung des Wassers der
Quellen bei Gars im Viertel Ober-Mannhardsberg und des Kampflusses daselbst.
Das Kreisland ober dem Mannhardsberge, in der Volkssprache Waldviertel
genannt, bietet dem Freunde der Natur in jeder Hinsicht die mannigfaltigste
Abwechselung. Die Abdachung dieses Bergzuges reicht in der Richtung gegen
Stockerau bis nach Wetzdorf. Vom Gipfel desselben breitet sich eine Hochebene
— theils Culturland, theils Wald — aus, welche aus der Gegend von Hörmanns-
dorf gegen Horn und Gars in ein mehrere Meilen langes und eine Meile breites
Thal sich hinabsenkt. Der Kampfluss, welcher im Mühlviertel unweit des Ortes
Liebenau entspringt, durchschneidet dieses Terrain in einer Länge von 14 Meilen,
bis er unterhalb Krems in die Donau mündet. Das Kampthal nun, eine der schön-
sten Gegenden in Niederösterreich, dessen begrenzende Bergspitzen und schroffe
Felsvorsprünge mit zahlreichen Ruinen ehemaliger Ritterburgen bedeckt sind,
nimmt bei Gars mehrere Seitenthäler auf. Die in letzteren entspringenden Quellen
sind meistens stark eisenhaltig, wesshalb auch von da an der Kampfluss, in
welchem sich diese Gewässer sammeln, gewöhnlich rostbraun gefärbt erscheint.
Dieser Umstand bewirkte, dass die dortigen Landärzte den Gebrauch von Kamp-
flussbädern für manche körperliche Uebelstände anriethen und wirklich sollen in
einigen Fällen von Bleichsucht und sonstigen Krankheitsphänomenen des Blut-
mangels dieselben mit Erfolg angewendet worden sein.
Herr Nadeniczek, jubilirter Beamter der Siebenbürgischen Hofkanzlei,
der in Gars ansässig ist, übersandte nun Wasser von einer dortigen reicheren
Quelle mit der Bitte, es einer chemischen Untersuchung zu unterziehen. Die
Analyse ergab in 10.000 Th. Wasser 3-130 Th. fixen Rückstand, bestehend aus:
0-870 Kieselerde,
0-667 kohlensaurem Eisenoxydul,
0 974 kohlensaurem Kalk,
0-400 kohlensaurer Magnesia,
0*110 organischen Substanzen,
(Spuren von Alkalien, Gyps und Chlor-
verbindungen),
3-021.
Die Menge der freien Kohlensäure ist geringe.
Als ein therapeutisch wirksamer Stoff kann sonach nur das Eisenoxydul
betrachtet werden, das für 1 Pfund Wasser === 7680 Gran berechnet, A/z Gran
beträgt, was immerhin beachtenswerth ist. Nur wäre es aber dann gerathen,
das Quellwasser selbst für Bäder zu sammeln, da durch die bedeutende Verdün-
nung mit dem Wasser des Kampflusses seine Wirkung weit geringer sein muss.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle machte eine Mittheilung über -das Fahl-
erzvorkommen im Avanzagraben im Venezianischen, welches derselbe im Laufe
des vergangenen Sommers über Einladung der venezianischen Bergbau-Gesell-
schaft zu sehen Gelegenheit hatte. Nördlich von Forni Avoltri im Deganothale,
nahe an der Kärthner’schen Grenze, zweigt sich in westlicher Richtung der
Avanzagraben beinahe bis an die steilen Abhänge des Monte Peralba ab, die
nördlichen Gehänge des Grabens gehören dem Monte Cadenis und Monte Avanza,
die südlichen hingegen dem Monte Cadino an; der letztere besteht aus Esinokalk,
dem Werfener Schiefer und Verrucano folgen, welcher die tiefsten Theile des
Grabens einnimmt; ihm folgt nördlich steil aufgerichteter weisser Kalk der Gail-
108 Verhandlungen. m
i
thaler Schichten; beinahe in dei* Mitte des nördlichen Gehänges jedoch tritt
Glimmerschiefer auf, der den Verrucano von dem Gailthaler Kalke trennt und
gewaltsam emporgetrieben wurde; er zieht sich in westöstlicher Richtung vom
Valle Sesis bis in den Bordagliagraben und wahrscheinlich darüber hinaus noch
weiter östlich. An der Grenze des Glimmerschiefers gegen den Bergkalk wurde
nun eine Contactgangbildung aufgefunden, welche vorwaltend aus Quarz und
Kalkstein, schwarzem Schiefer und Schwerspath besteht und Fahlerz und Blei-
glanz führend ist. Die Gangmasse hat wegen der verschiedenen Färbung der
Bestandtheile ein breccienartiges Ansehen und sticht sowohl gegen den Kalk
wie gegen den Glimmerschiefer bedeutend ab. Von dem letzteren ist sie ziemlich
scharf getrennt und zeigt oft ein sehr deutliches Saalband; gegen den Kalk hin-
gegen beobachtet man einen allmähligen Uebergang, sowohl im Gesteine wie in
der Erzführung. Der Gang ist bei 5 — 6 Fuss mächtig, auch darüber, und in der
ganzen Mächtigkeit findet sich Fahlerz meist eingesprengt, häufig jedoch auch in
grösseren ausgedehnteren Nestern in derbem Zustande. Das Eindringen des
Erzes in den angrenzenden Kalk geht oft mehrere Klafter tief und tritt dasselbe
dann meist in mehrere Linien dicken und mehrere Zoll langen Striemen auf.
Dieser Gang tritt an der Grenze der beiden erwähnten Gesteine überall zu Tage
und da die Gangmasse ziemlich reich an Fahlerz ist, und das Kupfer desselben
leicht oxydirte, so sieht man an manchen Punkten die Wände auf eine grosse
Fläche mit den lebhaften grünen und blauen Farben des Kupferoxyverbindungen
bedeckt. Das nahezu derbe Kupferfahlerz zeigte bei mehreren Untersuchungen
bis 30 und 36 Perc. Kupfer und 10 — 11 Loth Silber, sowie stets bis y2 Perc.
Quecksilber. Die mit Fahlerz eingesprengte Gangmasse zeigte bei den Proben 4,
6, bis 13 Perc. Kupfer und 1 x/z — 3 Loth Silber. Das Vorkommen des Bleiglanzes
scheint jedoch nicht bedeutend zu sein. Dieses Fahlerzvorkommen war schon vor
Erfindung des Pulvers Gegenstand des Abbaues und es bestand zu Forni Avolfri
eine Schmelzhütte, daher auch der Name; die Arbeit scheint aber wegen Einfällen
aus Kärnthen plötzlich unterbrochen worden zu sein und hat bis auf die allerneue-
sten Zeiten geruht. Erst im Jahre 1857 hat die venezianische Bergbau-Gesell-
schaft wieder Schürfarbeiten begonnen und die alten Stollen, die jedoch geringe Aus-
dehnung hatten, wieder aufgenommen. Jetzt ist der Gang in einer Länge von etwa
150 Klftrn. an mehreren nahe aneinander liegenden Punkten angefaliren, wovon
der tiefste etwa 60 Klftr. von dem höchsten Ausbisspunkte entfernt ist und so-
wohl am Ausbisse wie in der Tiefe wurde dasselbe Verhalten des Ganges und
der Erzführung gefunden. Schon dieser Aufschluss allein reicht bei den oben
angeführten Untersuchungsresultaten hin, das Gelingen eines rentablen Unter-
nehmens zur Gewinnung dieser Erze in Aussicht zu stellen. Allein dieser Gang
wurde auch weiter östlich sowohl an den Gehängen des Deganothales wie in dem
Bordagliagraben aufgefunden, so dass das Vorhandensein desselben auf eine
Länge von nahezu 2000 Klftrn. nachgewiesen ist.
Die auf mehreren entfernteren Punkten aufgefundenen Erze deuten darauf
hin, dass auch das Erzvorkommen in der grösseren Ausdehnung sich gleichbleibt.
Sollte dies der Fall sein, so dürfte hier einer der wichtigsten Metallbergbaue
der österreichischen Monarchie in kurzer Zeit zur Entwickelung gelangen.
Am Schlüsse wurden die im Laufe des Sommers an die Anstalt eingesen-
deten Druckwerke, Bücher, Karten u. s. w. vorgelegt, darunter auch Herrn
C. W. Th. Haurand ’s Karte von Mittel-Europa, Beilage zu dem Werke:
„Oesterreich's Volkswirtschaft in vergleichender Darstellung mit anderen eure
päischen Staaten“, für welches Subscriptions-Einladungen vertheilt wurden.
Jahrbuch
12. Band,
e
Verhandlungen der k. k. geologischen Reiehsanstalt.
Sitzung am 3. December 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer führt den Vorsitz.
Die k. k. geologische Reichsanstalt wurde von dem hiesigen Central-Comite
für die nächstjährige Kunst- und Industrie-Ausstellung in London aufgefordert
eine Darstellung des Vorkommens des fossilen Brennstoffes in der österreichi-
schen Monarchie auf dieser Ausstellung zur Anschauung zu bringen. Bei der
Wichtigkeit des fossilen Brennstoffes für die gesammte österreichische Industrie
durfte sich die Direction der k. k. geologischen Reichsanstalt dieser Aufgabe
nicht entziehen. Sie richtete in Folge dessen an alle ihr bekannten Kohlen-
werks- und Torfstechereibesitzer die Einladung ihr zu diesem Zwecke von
den auf ihren Werken vorkommenden Steinkohlen, Braunkohlen, Ligniten und
Torfen in rohem und gepresstem Zustande, Musterstücke in der Würfelform von
6 Zoll Länge, 6 Zoll Breite und 6 Zoll Höhe nebst Angaben über die Verhält-
nisse des Bergbaues selbst baldmöglichst zukommen zu lassen, um sodann aus
diesem Materiale eine die ganze Monarchie umfassende zusammenhängende Col-
lectiv-Ausstellung des Vorkommens von fossilem Brennstoff in Oesterreich zusam-
menzustellen, einen umfassenden Bericht hierüber zu verfassen und zur Ausstel-
lung nach London zu senden.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle theilte nun mit, dass diese Absicht der
k. k. geologischen Reichsanstalt sich einer allgemeinen Theilnahme von Seite
der Kohlenwerksbesitzer erfreut und es muss der Eifer und das rasche Vor-
gehen der Herren Werksbesitzer , welches sie in Folge der Einladung an den
Tag legen, mit besonderem Danke anerkannt werden. Innerhalb der sehr kurzen
Zeit, seit die Einladungen versendet wurden, sind aus allen Theilen der Monar-
chie* nicht blos sehr viele Zusagen und Anmeldungen von Zusendungen von
Kohlenmustern, sowie auch diese letzteren selbst eingelangt, sondern viele
der Herren Einsender haben ihre Sendungen nicht blos mit den gewünschten
Angaben versehen, sondern in wohlverstandenem Interesse der Sache auch andere
höchst wichtige Erläuterungen, Lagerungs- und Maassenkarten, Profile u. s. w.
über ihre Bergbaue der k. k. geologischen Reichsanstalt freundlichst mitgetheilt,
wie insbesondere das Berginspectorat der Kaiser F er di na nds Nor dba hn,
das Fürst von S c hau mb urg-Lipp e’sche Bergamt zu Schwadowitz, die von
L indheim’sche Bergverwaltung in Mantau, die k. k. Bergämter zu Cilli,
Fohnsdorf und Pribram, die Herren Topp er in Gresten, Sprung in Voits-
berg, Kollisch in Göding u. s. w. Nur wenn die eigenen Erfahrungen durch
ein so werthvolles Materiale unterstützt sind, kann es möglich werden, die für die
Aufstellung selbst erforderlichen Erläuterungen dem Zwecke entsprechend zu
verfassen. Es sind bisher Sendungen von Kohlenmustern von 25 verschiedenen
Bergorten aus Böhmen, Mähren, Oesterreich, Steiermark, Krain, Kärnthen, Ungarn,
Verhandlungen.
110
[2]
Croatien und der Militärgrenze der k. k. geologischen Reichsanstalt zugekommen
und nachdem bei 600 Einladungen an sämmtliche Kohlenwerks- und Torf-
stechereibesitzer versendet wurden, so steht zu erwarten, dass sich die Einsen-
dungen rasch wesentlich vermehren werden.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter von Hauer legte die geologische Ueber-
sichtskarte des südwestlichen, zwischen der Donau und Drau gelegenen Theiles
von Ungarn vor, deren Aufnahme im verflossenen Sommer von der IV. Section der
k. k. geologischen Reichsanstalt vollendet worden war. Ausser ihm selbst als Chef-
geologen nahmen die Herren Dr. Guido Stäche und Ferdinand Stoliczka als
Sectionsgeologen und Herr Karl Paul als Volontär an den Arbeiten Antheil.
Der grössere Theil des ganzen Gebietes, dessen Flächenraum 785 geogra-
phische Quadratmeilen beträgt, besteht aus Ebene oder flachem Hügelland, deren
Untergrund jüngere Tertiär-, Diluvial- und Alluvial-Schichten bilden; nur in drei
abgesonderten Partien erscheinen höhere Berggruppen und zwar 1) an der nord-
westlichen Grenze in der Umgegend von Oedenburg und Güns, wo bekanntlich
die letzten Ausläufer der krystallinischen Centralaxe der Alpen bis nach Ungarn
herein fortsetzen, 2) in dem ausgedehnten Zuge der von den Ufern der Donau
zwischen Neszmely und Ofen in südwestlicher Richtung fortstreicht durch das
Ofner-Gebirge, das Pilis- und Vertes-Gehirge, den Bakonyer-Wald und das
Plattensee-Gebirge bis Keszthely ; 3) in dem Fünfkirchner Gebirge und den dem-
selben südlich vorliegenden Inseln älterer Gesteine.
Die Vollendung der Aufnahme der ersten dieser drei Partien, so weit sie bei
der Detailaufnahme des Erzherzogthums Oesterreich noch nicht mit einbezogen
war, so wie das niedere Land bis an die Linie Raab, Janoshäza, St. Groth, Zala-
Apäti, Unter-Limbach übernahm Herr F. Stoliczka; er wird über diesen Land-
strich abgesondert Bericht erstatten; Herr v. H a u er begnügt sich darauf hin-
zuweisen, dass Herrn Stoliczka’s schöne, mit grossem Fleisse durchgeführte
Arbeit einen ungemein interessanten Einblick gewähre in das sehr allmählige
Untertauchen der krystallinischen Gesteine unter die jüngeren Tertiärschichten,
aus welchen sie noch weit nach Osten zu in einzelnen Inseln hervortauchen, wie
in der Umgegend von Kho-Fidis, von Güssing und von Neuhaus. Der Umstand,
dass die jüngeren Tertiärschichten ohne weitere Zwischenlagerung älterer Sedi-
mentgebilde, von welchen hier nirgends eine Spur aufgefunden wurde, unmittel-
bar die krystallinischen Gesteine bedecken, deutet daraufhin, dass erst zu An-
fang der Neogenzeit die östlichere Fortsetzung der Centralkette der Alpen unter
das Meeres-Niveau sich gesenkt habe.
Von der zweiten der oben erwähnten Berggruppen ist der nördlichste Theil
bis an die sogenannte Fleischhackerstrasse (die Linie Ofen, Bicske, Unter-Galla)
namentlich durch die w ichtigen und ausführlichen Arbeiten von Herrn Professor
K. Peters *) bereits genauer bekannt geworden; ein durch die Menge der ver-
schiedenartigen Gesteine überraschendes Bild bietet aber der übrige Theil dieses
Bergzuges, besonders wenn man damit die früheren Karten derselben Gegend
vergleicht. Auf eine, durch die von Trachyten durchbrochene Granitmasse des
Meleghegy bei Stuhlweissenburg und den krystallinischen Kalkstein des Särhegy
bei Csikvär angedeutete Unterlage von krystallinischen Gesteinen folgen regel-
mässig verschiedene Glieder der Trias- und Rhätischen Formation, des Lias, Jura*
der Kreide, endlich der Eocen- und jüngeren Tertiärschichten, und zwar die
meisten in einer Art der Ausbildung, welche, was die äussere Physiognomie der
Berge sowohl, als auch den petrographischen und paläontologischen Charakter
0 Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt VIII, S. 308, und X, S. 483.
Sitzung vom 3. December. Franz v. Hauer.
111
[3]
der einzelnen Gesteinsarten betrifft, die allergrösste Analogie mit den östlichen
Alpen darbietet, so dass Herr v. Hauer den Bakonyerwald eine Copie der Alpen
in verjüngtem Maassstabe nennt.
So wie aber einerseits diese Analogie, so sind anderseits gewisse sehr auf-
fallende Verschiedenheiten, durch welche sich der geologische Bau des Bakonyer-
waldes von dem der Ostalpen unterscheidet, nicht minder bedeutsam und werden
bei jedem Versuche die Geschichte der Bildung der Erdrinde im Bereiche unseres
Kaiserstaates zu entwerfen, sorgfältig beachtet werden müssen. Als solche Unter-
schiede hebt Herr v. Hauer hervor: 1. das gänzliche Fehlen aller paläozoischen
Formationen, indem auch gewisse, dem Granite des Meleghegy unmittelbar auf-
gelagerte Quarz-Conglomerate wohl am ungezwungensten als Verrucano gedeutet
werden können, die Unterlage der Kalksteine des Bakonyerwaldes aber rothe
Sandsteine und echte Werfener Schiefer bilden, die sicher der Triasformation ange-
hören und die man längs dem nordwestlichen Ufer des Plattensees auf weite
Strecken entblösst sieht. 2. Das Fehlen von Schichten mit Steinkohlen und ein
nahes Festland verrathenden Besten von Landpflanzen in den Grenzschichten
zwischen Trias und eigentlichem Lias. Auf ziemlich sicher charakterisirie Esino-
dolomite folgen unmittelbar Dolomite und Kalksteine mit Megalodus triqueter und
auf diese rothe Adnether und Hierlatz- Schichten. Nichts was den Grestener
Schichten der östlichen Alpen oder den an Mineralkohlen so reichen Sandsteinen
und Schieferthonen der Fünfkirchner Gebirge verglichen werden könnte, findet
sich im Bakonyerwalde vor; wahrend der Ablagerung dieser Gebilde wurde hier
nur Kalkschlamm abgesetzt, der vereinzelte Ueberreste einer völlig pelagischen
Fauna einschloss. 3. das Fehlen der Karpathen-Sandsteine und damit wohl im
Zusammenhänge die reiche Entwicklung verschiedener überall ungemein petre-
factenreicher Glieder der Kreide und Eocenformation, die man wohl zusammen-
genommen als ein geologisches Aequivalent der genannten Sandsteine betrachten
darf, in der Kreideformation namentlich sind Schichtengruppen, z. B. der Gault
vertreten, welche in den östlichen Alpen bisher nicht nachgewiesen werden
konnten und auch in den Karpathen nur durch einzelne Funde Hohenegger’s
und D. Stur’s angedeutet erscheinen. Noch ist als eine Eigenthiimlichkeit des
bezeichneten Gebirges das Auftreten ungemein mächtiger und ausgedehnter ter-
tiärer Süsswasser-Kalksteine hervorzuheben, in welchen das wahrhaft massen-
hafte Vorkommen von Landschnecken zum Nachdenken über die Bedingungen
auffordert, unter welchen diese seltsame Ablagerung gebildet wurde.
Die dritte der Eingangs erwähnten Gebirgsgruppen, das Fünfkirchner Gebirge,
ist uns ebenfalls durch die Arbeiten von Herrn Prof. Peters bereits im Detail
bekannt.
Bezüglich des niederen , zwischen den erwähnten höheren Berggruppen
gelegenen Landes, bemerkte Herr v. Hauer, dass die Tertiärschichten desselben,
so weit sie unter dem besonders weiter gegen Süden mehr und mehr herrschend
werdendem Löss und diluvialen Sand hervortreten, durchgehends nur auf Ablage-
rungen aus brackischem oder gar süssem Wasser hindeuten; so fand Herr Sto-
liczka in seinem ganzen Gebiete von Tertiärschichten nur Inzer sdorfer Schichten
und Belvedere-Schotter, so gehört der ganze Sandsteinzug der Martinsberger Berge
den Inzersdorfer Schichten an und dieselben Gebilde herrschen am Südrande des
Plattensees und nach den Beobachtungen von Herrn Dr. Stäche auch in den
niederen aber doch über das umliegende Land vorragenden Hügeln südlich bei
Tab. Cerithienschichten und ältere marine Schichten, namentlich Leithakalk finden
sich nur am Rande und theihveise innerhalb des Bergzuges des Bakonyer-
waldes.
112
Verhandlungen.
[4]
Schliesslich spricht Herr v. Hauer seinen verbindlichsten Dank aus den
theilnehmeriden Bewohnern des Landes, welche aller Orts die Aufnahmsarbeiten
auf das Kräftigste unterstüzten und förderten; so namentlich den Herrn J. v.
Koväts und J. Szabö in Pesth, die auf die liberalste Weise alle ihre Erfah-
rungen aus den zu untersuchenden Gebieten mittheilten, Herrn Dr. Fl. Römer
früher in Raab, jetzt auch in Pesth, der zeitweilig an den Arbeiten der Section
persönlich Antheil nahm, dem hoch würdigen Herrn Abt A. E. Rezucsek und
Prior Dr. Bula in Zircz, Abt Dr. N. Sarkany und Prior Weber in Bakonybel,
Pfarrer Pi nt er in Oszlop und Hodoly in Lokut, den Herrn Deaky in Csäk-
vär, Jul. v. Beke in Zsemlye, Inspector Hets in Nagy-Vaszony, Bergverwalter
J. Schroll in Fünfkirchen u. s. w.
Herr Bergrath Fr. v. Hauer legte das neueste Werk des Herrn Bernh.
v. Cotta, welches er, begleitet von der nachstehenden iVlittheilung, von dem-
selben erhalten hatte, zur Ansicht vor. Er bemerkte, der Dank aller Freunde
der Wissenschaft werde sicherlich dem berühmten unermüdet thätigen Herrn Ver-
fasser für diese schöne Arbeit in reichstem Maasse zu Theil werden. Hier könne
dieselbe nicht passender einbegleitet werden als mit dessen eigenen Worten:
„Indem ich mir erlaube, Ihnen beifolgend meine Erzlagerstätten
Euro*p a's zu übersenden (2. Abtheilung der Lehre von den Erzlagerstätten),
gestatten Sie mir wohl einige Bemerkungen über den Inhalt dieses Buches.“
„Sie finden darin die wichtigsten Erzlagerstätten Europa's, theils nach frem-
den, theils nach eigenen Untersuchungen beschrieben. Das war die Aufgabe,
welche ich mir gestellt hatte. Die wenn auch nur kurze Schilderung einer so
grossen Zahl von unter sich sehr verschiedenartigen Lagerstätten, deren Ge-
meinsames eigentlich nur in der localen Anhäufung metallhaltiger und dadurch
nutzbarer Mineralien besteht, drängte aber ganz von seihst am Schlüsse zu
einem Rückblicke, oder einer Zusammenfassung der Hauptresultate. Es ergab
sich dabei, dass die Mannigfaltigkeit dieser besonderen Lagerstätten nach Form
und Inhalt noch grösser ist, als die der gewöhnlichen Gesteinsbildungen , welche
einen wesentlichen Antheil an der Zusammensetzung der festen Erdkruste nehmen.
Der Form nach kann man, wenn auch ohne scharfe Abgrenzungen, unterscheiden :
Lager (Schichten), Gänge (Spaltenausfüllungen), Stöcke (unregelmässig
gestaltete Anhäufungen) und Imprägnationen, bei denen irgend ein Gestein
local von Erztheilen durchdrungen ist. Diese Formenunterschiede sind allgemeine,
das heisst, es lässt sich jede Erzlagerstätte auf eine dieser Formen des Vorkom-
mens und der Lagerungsweise zurückführen, doch gibt es so viele Modificationen
und Zwischenabstufungen zwischen ihnen, dass zuweilen allerdings schon die
Entscheidung über die Form einer Lagerstätte schwierig wird.
Aber noch weit schwieriger ist die Eintheilung der Erzlagerstätten nach
ihrer Zusammensetzung; ihre Mannigfaltigkeit hat in dieser Beziehung keine
Grenzen , und man kann nicht ohne der Natur etwas Gewalt anzuthun, zu einer
Eintheilung gelangen; nur einzelne Gruppen scheiden sich aus dem allgemeinen
Chaos etwas schärfer aus.
Gewöhnlich pflegt man die Erzlagerstätten nach den Metallen zu unter-
scheiden und zu bezeichnen, welche vorherrschend daraus gewonnen werden.
Da aber diese oft, wie z. B. das Gold, eigentlich nur eine ganz untergeordnete
Rolle, im Vergleich zu der Hauptmineralmasse spielen, und da ferner oft mehrere
Metalle in derselben Lagerstätte zusammen gewinnbar Vorkommen, ihre Gewinn-
barkeit übrigens auch noch sehr von ihrem Werthe abhängt, so ist eine solche
Eintheilung zwar für den Techniker praktisch, in den meisten Fällen aber ohne
eigentliche wissenschaftliche Bedeutung. Indessen scheint mir doch, dass man,
Sitzung vom 3: December. Franz v. Hauer.
[3]
113
auf Schärfe der Abgrenzung verzichtend, allenfalls folgende drei „Gruppen“
unterscheiden könne: 1. Zinnerzlagerstätten, 2. vielerlei Metalle
enthaltende Lagerstätten, 3. Eisenerzlagerstätten. Eisenhaltige
Mineralien kommen aber natürlich in allen vor.
Die Vertheil ung der Erzlagerstätten folgt keinem geographischen
Gesetz, sie sind vielmehr nur an gewisse geologische Erscheinungen gebunden,
die selbst nicht geographischen Gesetzen unterliegen, z. B. an gewisse Gesteine
(die Zinnerze an Granite, einige Zinkerze an dolomitische Kalksteine u. s. w.),
an Eruptionsgebiete, oder an den Contaet heterogener Gesteine.
Die Vertheil ung der Erze in den Lagerstätten ist meist eine
ungleiche, abhängig vom Niveau, von der Mächtigkeit, von der Natur des Neben-
gesteins und von einigen noch unbekannten Umständen.
Besonders schwierig ist das relative Alter der Erzlagerstätten festzu-
stellen, in sofern es nicht wirkliche Lager sind. Aus den erkennbaren Alters-
beziehungen ergibt sich aber wenigstens so viel als sicher: dass die Erzlager-
stätten überhaupt sehr verschiedenen Bildungszeiträumen angehören ; dass man
aus ihrer mineralogischen Zusammensetzung gar nicht auf ihr Alter schliessen
kann, dass in verschiedenen Gegenden oft unter sich sehr ähnliche, in ganz un-
gleichen Zeiten, und unter sich sehr verschiedene, wahrscheinlich in gleichen
Zeiten entstanden sind, et vice versa; und dass sich bestimmte Metallzeitalter in
der Entwickelungsgeschichte der Erde durchaus nicht unterscheiden lassen.
Wenn dennoch die Zinnerzlagerstätten durchschnittlich am ältesten, die vielartig
zusammengesetzten, oft von mittlerem Alter erscheinen, und manche Eisenerz-
lagerstätten der allerneuesten geologischen Periode angehören, so ist das nur
ein scheinbarer Altersunterschied, der sich viel besser durch das ungleiche Bil-
dungsniveau dieser drei Hauptgruppen, als durch allgemeine Altersverschieden-
heit erklären lässt. Die tiefsten, am meisten plutonischen Bildungen, erscheinen
nothwendig durchschnittlich älter, als die der Oberfläche näher erfolgten, weil
zu ihrer Freilegung um so mehr Wirkung oder Zeit nöthig war, einem je tieferen
Niveau sie ursprünglich angehörten. Es ist das ja bei den eruptiven und meta-
morphischen Gesteinen gerade ebenso. Dadurch erhalten wir somit an Stelle der
Altersunterschiede eigentlich nicht scharf begrenzte Niveauunter-
schiede der Bildung, und diese werden sich, wie ich glaube, durch fort-
gesetzte Beobachtungen immer deutlicher herausstellen , wenn auch niemals
irgend wie scharfe Niveaugrenzen zu erwarten sind, da eine Menge andere Ur-
sachen oder Umstände modificirend auf die Vertheilung der einzelnen Substanzen
und ihrer Combinationen eingewirkt zu haben scheinen. Dass man die Ober-
flächen bildungen durch nachträgliche Bedeckung auch in geologisch unterem
Niveau und dann aus sehr früher Zeit herrührend finden kann, versteht sich von
selbst, nur haben sie in diesem Falle zuweilen starke Umänderungen erlitten,
so z. B. die Eisenerze. Hinzufügen möchte ich aber hier noch, dass das Niveau
weniger Bedingung für die Bildung der einzelnen Mineralien, als für die ihrer
charakteristischen Verbindung gewesen zu sein scheint und noch ist.
Das Gemeinsame der Bildungs weise aller Erzlagerstätten besteht in
einer localen Concentrirung oder Anhäufung metallhaltiger Mineralien, deren
Elemente ursprünglich wahrscheinlich viel gleichmässiger durch die ganze
Erdmasse vertheilt waren. Diese Concentrirung scheint bei der überwiegenden
Mehrzahl derselben durch wässerige Solutionen sehr langsam in grossen Zeit-
räumen vermittelt worden zu sein, die Ahlagerung (Krystallisation) aber erfolgte
bei den meisten Mineralcombinationen der Erzgänge, Erzstöcke und Erzimprägna-
tionen unter dem Abschluss der Atmosphäre, mehr oder weniger tief im Erd-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. p
114
Verhandlungen.
[6]
nnern, unter Einwirkung von mehr Druck und Wärme, als sie an der Erdober-
fläche herrschend sind. Man kann sie desshalb füglich hydropl u tonische
Bild iingen nennen.
Die Belege für vorstehende Sätze finden Sie in meinem Buche zusammen-
gestellt.“
Freiberg, den 6. Juni 1861. B. Cotta.“
Herr Dr. F. Stoliczka sprach über das eigentümliche Auftreten krystal-
linischer Schiefergebilde im südwestlichsten Ungarn.
Anschliessend an die früheren Aufnahmen des Herrn Bergrathes Czjzek
untersuchte er die südlich vom Günsfluss auftretende grössere Partie dieser
Schiefer, welche so ziemlich durch die Ortschaften Güns, Lockenhaus , Tatz-
mannsdorf und N. Hodicz begrenzt wird. In südwestlicher Bichtung tauchen ein-
zelne kleinere Inseln dieser Schiefer aus den jüngsten Tertiärsedimenten auf,
wie bei Burg und Wappendorf, bei Sulz und endlich ganz an der steierischen
Grenze bei Kalch und Szerdicza; so dass man die unmittelbare Fortsetzung dieses
Zuges nur in Steiermark in den nämlichen Gebilden südlich von Marburg suchen
kann. Sämmtliche Schiefer dieses Gebirgszuges zeigen meist ein deutliches
Fallen nach West oder Nordwest unter 60 bis 70 Grad, und das Ganze stellt sich
somit als ein Bruch gegen die grosse ungarische Ebene dar.
Der petrographische Charakter dieser Schiefer ist in sofern von hohem In-
teresse, als sie durchaus nicht eigentliche krystallinische Gesteine sind, sondern
jenen metamorphischen Gebilden angehören , welche nach den Untersuchungen
der Herren Lipoid, Stur und Peters die Schieferhülle der Centralalpen zusam-
mensetzen und die Umbildungsproducte alter Sedimentformationen sind.
Die Hauptmasse dieses Zuges bilden grüne und graue Schiefer in zahlreichen
Gesteinsvarietäten. Sie gehen stellenweise in echten Chloritschiefer, theils in
schiefrigen Serpentin über, der viel Chrysotil ausgeschieden enthält. Kupferkiese
treten in ihnen bei Glashütten nächst Schlaning auf; auch Wechsellagerungen
der grünen Schiefer mit sehr dünnblättrigen Glimmerschiefern sind nicht selten.
Das nächst wichtigere Gestein ist Kalkglimmerschiefer, der in bedeutender
Mächtigkeit bei Güns, Rechnitz und Lockenhaus vorkommt. Durch Abnahme des
Kalkes und Vorherrschen des Glimmerbestandtheiles geht der Kalkglimmerschie-
fer leicht in Thonglimmerschiefer über, der dann an den Spaltungsflächen eine
ausgezeichnete parallele Streckung oder Fältelung zeigt. Weissen, krystallinischen
Kalk trifft man im Bereiche der Kalk- und Thonglimmerschiefer am Fuss des
geschriebenen Stein, bei Lockenhaus, Kohlstätten und anderen Punkten.
Den grünen Schiefern aufgelagert finden sich bei Burg, Sulz und Kalch
dunkle, bläuliche Kalke, die zum grossen Theil in Dolomit umgewandelt sind.
Bei Kalch werden sie überlagert von schwarzen, graphitischen Schiefern, die
zahlreiche Schwefelkieskrystalle eingesprengt enthalten. Die Krystalle sind zum
Theil ganz in Brauneisenstein umgewandelt, zum Theil nur mit einer Kruste
überzogen. Als Einlagerung findet sich Spatheisenstein.
Diese letzgenannten Schiefer und Kalke stimmen vollkommen mit jenen,
welche Herr Stur aus den Radstädter-Tauern-Gebilden beschrieben hat, wäh-
rend die grünen und Kalkglimmerschiefer als die zwei wichtigsten Gesteins-
arten der Schieferhülle der Alpen durch die Untersuchungen unserer Geologen
bekannt sind.
Ob nun dieses ziemlich entfernte Auftreten echt alpiner Gesteinsarten das
betreffende Gebirge als eine Fortsetzung der Centralalpen auffassen lässt oder
ob man es hier mit einer abgesonderten Hebungskette zu thun hat, darüber werden
wohl künftige Untersuchungen ein klareres Licht verbreiten.
m
Sitzung vom 3. December. Karl v. Hauer.
115
Herr K. Ritt. v. Hauer besprach das Verhalten einiger Metalle in derFlamme
des Schwefelkohlenstoffes. Die meisten derselben werden hiebei in Schwefelme-
talle verwandelt, ohne besondere Erscheinungen zu zeigen, wie z. B. ein feiner
Kupferdraht, der schwach erglimmt und blätterige Stücke von grünem Schwefel-
kupfer herabfallen lässt. Eine äusserst lebhafte Verbrennung findet aberStatt, wenn
Eisendrähte in diese Flamme gebracht werden. Sie gerathen allsogleich in hef-
tiges Glühen und schmelzen wie Wachs ab, unter lebhaftem Funkensprühen.
Die abschmelzende Masse ist hier nicht lediglich Schwefeleisen, sondern besteht
auch theilweise aus Oxyden und vorwiegend aus metallischem Eisen. Sie bildet
Hohlkugeln, genau so wie man sie bei der Verbrennung dieses Metalles im Knall-
gasgebläse erhält, und das Verbrennungsphänomen geht überhaupt mit denselben
äusserlich wahrnehmbaren Erscheinungen vor sich. Da die Temperatur des ver-
brennenden Schwefelkohlenstoffes nicht genügen möchte, das äusserst streng-
flüssige Schmiedeeisen in Fluss zu bringen, so bewirkt dies höchstwahrscheinlich
die anfängliche Bildung von Schwefeleisen, welche die Hitze in der Flamme so
sehr erhöhen muss, dass nunmehr die nächsten Theile des Drahtes auf jene hohe
Temperatur gebracht werden, bei welcher sie in Fluss gerathen.
Herr Dionys Stur hatte ein Stück jenes schmalen Landstreifens, der sich aus
den Alpen, zwischen den Flüssen Drave und Save, bis an die Donau erstreckt,
im verflossenen Sommer 1861 übersichtlich geologisch aufgenommen.
Dieses Stück Landes, dessen geologische Uebersichts-Karte er vorlegte,
begreift in sich den westlichen Theil Slavoniens von der Grenze Croatiens an
der Illova im Westen bis an die Linie Essek-Diakovar im Osten.
Aus den Ebenen, die im Norden längs der Drave, im Süden der Save, von
West nach Ost sich langsam und unmerklich gegen die Donau herabsenken,
erhebt sich mit vorgelegtem Hügellande ein niedriges Bergland in West-Slavo-
nien, das durch Hügelreihen mit den westlich in Croatien sich erhebenden Bergen
in unmittelbarer Verbindung steht. Gegen Ost sinkt dieses Bergland nach und
nach zu einem Hügellande herab und verschwindet mit diesem beiläufig in der
Linie Essek - Diakovar in der Ebene, die sich in dieser Gegend von der Save
bis zur Drave ununterbrochen erstreckt.
In dem West-Slavonischen Berglande, dessen Ausdehnung durch die Orte
Novska, Daruvar, Verovitic, Nasic, Diakovar, Brood und Neu-Gradiska ange-
deutet ist, lassen sjich drei Berggruppen, die durch deutliche Einsenkungen des
Terrains von einander getrennt erscheinen, unterscheiden. Die bedeutendste
darunter ist diejenige Berggruppe, in welcher die Flüsse: Orljava, Bjela, und
Pakra ihren Ursprung nehmen und die östlich bei Daruvar und Pakrac beginnend
sich nach Ost immer mehr und mehr verengend bis nach Kutjevo und Gredistje
fortläuft. Sie liesse sich unter dem Namen Orljava -Gebirge zusammenfassen.
Die zweite Berggruppe liegt im Süden von Pozeg, Pozeganer Berggruppe
und erstreckt sich aus der Gegend von Cernik nördlich bei Neu-Gradiska bis nach
Pleternica an dem Zusammenfluss der Orljava mit der Lonja. Von dieser Berggruppe
durch den Engpass der Orljava zwischen Pleternica und Oriovac getrennt, liegt
nördlich von Brood am linkenUfer der Lonja die dritte: ßrooder Berggruppe,
sich von Pleternica bis in die Gegend von Diakovar ausdehnend.
Die Ebenen der Drave und Save bestehen aus alluvialen und diluvialen
Ablagerungen, das Hügelland aus den jüngsten tertiären Schichten vorherrschend
den Congerien-Lehmen, Tegeln und Sauden.
Nur in den Berggruppen erscheinen auch ältere Formationen, die sich auf
krystallinische Gesteinsarten, auf Gesteine der Trias und den älteren Theil der
neogenen Ablagerungen beschränken.
P
i 16
Verhandlungen.
[•]
Es ist somit die geologische Zusammensetzung West-Slavoniens minder
cornplicirt und viel einfacher als die der Alpen, indem ganze Reihen von Forma-
tionsgliedern hier nicht zur Entwicklung gelangen. Dagegen ist die Entwicklung
der vorhandenen Formationen eine eigenthümliche und in mancher Beziehung
sehr lehrreiche.
Granit und Gneiss bilden die Hauptmasse des Orljava-Gebirges, und erschei-
nen sehr untergeordnet auch noch im Pozeganer Gebirge. Krystallinische Schiefer,
darunter namentlich Glimmerschiefer und Hornblende-Gesteine, herrschen an
den südöstlichen Rändern des Orljava-Gebirges : Gegend von Sagovina, Orljavac,
Kutjevo, während sie in den beiden anderen Berggruppen fehlen.
Das älteste der secundären Gesteine, das auf Granit und Gneiss folgt,
erscheint in Pozeg selbst. Es ist dasselbe ein rother Porphyrtuff, der hier von
eigenthümlichen feldspathreichen , zumeist stark verwitterten Gesteinen begleitet
wird, und nur an dem nördlichen Rande des Pozeganer Gebirges von Pozeg bis
Pleternica bekannt wurde.
Auf den Porphyrtuff im Pozeganer Gebirge, auf die krystallinischen
Gesteine im Orljava-Gebirge, folgen Schiefer und Kalke oder Dolomite, die
der Triasformation angehören. Dieselben erscheinen im Pozeganer Gebirge nur
im Gebiete des Vucjak-Baches südlich bei Pozeg aufgeschlossen. Im Orljava-
Gebirge kommen sie in ausgedehnter Verbreitung vor und zwar im Westen: bei
Daruvar und Umgebung, im Osten: zwischen Velika und Orahovica. Im Gebiete
dieser Formation treten an einzelnen untergeordneten Stellen Melaphyr-Mandel-
steine auf.
Von der Trias aufwärts fehlen alle Formations-Glieder bis zu den neogenen
Ablagerungen, wenigstens ist mit Sicherheit kein Glied dieser Reihe erwiesen.
Doch dürfte einer dieser Formationen, und zwar am wahrscheinlichsten der
Kreideformation eine Ablagerung angehören, die die Hauptmasse des Pozeganer
Gebirges bildet. Es ist dies ein Conglomerat, das bald fester, bald lockerer, auch
als schwach conglutinirter Sand und Gerolle auftritt.
Die neogenen Ablagerungen sind deutlich in drei Abtheilungen geschieden.
Die älteste besteht aus marinem tegeligen Sand und Sandstein und dem Leitha-
kalk. Die nächstfolgende den Cerithien-Schichten des Wiener Beckens entspre-
chende Abtheilung, besteht vorherrschend aus weissen Mergeln und gelben Kalk-
mergeln. Stellenweise findet man diesen untergeordnet eigenthümlieh entwickelte
Schiefer, Sandsteine und Letten, die als ein Aequivalent der pflanzenführenden
Schichten von Radoboj sich darstellen. Diese beiden Abtheilungen des Neogen,
die Ablagerungen vom Horizont des Leithakalkes und der Cerithien-Schichten,
bilden für sich allein, ohne ältere Formationen, die dritte Berggruppe West-
Slavoniens, die Brooder Gruppe, und erscheinen in den beiden anderen Berg-
gruppen an den Rändern und Gehängen derselben, wie auch anvertiefteren Stellen
im Innern des Orljava-Gebirges. Mit den Gesteinen der mittleren Abtheilung der
Neogenformation steht in innigster Verbindung der Trachyt und Rhyolith nebst
ihren Tuffen. Der Trachyt bildet bei Vucin ein ansehnliches Gebirge, während
der Rhyolith, eine schmale dem krystallinischen Gebirge aufgesetzte, von Trachyt-
tuffen umgebene Gräthe zusammensetzt, die den höchsten Punkt der Strasse auf
dem Uebergange von Bektes nach Nasic einnimmt.
Die dritte Schichtenreihe des Neogen: der Congerien-Tegel mit einer ganz
eigenthümlieh entwickelten Mollusken-Fauna herrschend, der Süsswasserkalk
(Moosbrunn) und der Belvedere-Schotter vereinzelt und untergeordnet, bilden
das Hügelland, das die Berggruppen unter einander verbindet und sie von den
Ebenen scheidet.
[9]
Sitzung vom 3. December. Karl v. Hauer. Dionys Stur.
117
Die Ebenen bestehen zu oberst aus Löss, in der Tiefe aus Sand und Schotter
des Terrassen-Diluviums.
Von nutzbaren Mineralien, die in West-Slavonien sich vorfinden, sind vorerst
Eisensteine zu erwähnen, die im Gebiete der Begleitgesteine des rothen Por-
phyrtuffs bei Blacko zwischen Pozeg und Pleternica in einzelnen zentnerschweren
Fundstücken bekannt sind, ohne dass bisher durch die eingeleiteten Schürfungen
die Lagerstätte, aus welcher diese zu meist abgerundeten, auf der Oberfläche des
Gebirges vorkommenden Fundstücke herrühren müssen, aufgeschlossen worden
wäre. Dieser Brauneisenstein von Blacko enthält nach einer Analyse des Herrn
Karl Ritter v. Hauer, ausgeführt im Laboratorium der k. k. geolog. Reichsanstalt,
(Jahrb. IX. 1858. p. 697) in 100 Theilen:
4-7 Kieselerde und Thon,
90-9 Eisenoxyd =63*6 Eisen,
4*4 Wasser und Spuren von Kalk.
In demselben Gebirge bei Blacko erscheinen an einzelnen Stellen die feld-
spathreichen Begleitgesteine des Porphyrtuffs zu einem Thon verwittert, der ein
recht brauchbares feuerfestes Materiale liefert.
Der fossile Brennstoff* ist als Braunkohle und Lignit in drei verschiedenen
Formationsgliedern in West-Slavonien in nicht unbeträchtlichen Quantitäten
aufgehäuft.
Das Conglomerat von Pozeg enthält südlich von Sevei ein bedeutendes Lager
einer vortrefflichen Braunkohle, deren Abbau gegenwärtig von Herrn Jos. Dem.
P o p o v i c vorbereitet wird.
Ferner enthalten die den Cerithien-Schichten entsprechenden Sandsteine,
Schiefer und Letten bei Gredistje unweit Kutjevo ein Lager einer schiefrig-
blätterigen Braunkohle. Den gleichen Schichten gehören an die Braunkohlen-
Vorkommnisse bei Dobrakuca und Batinjani nördlich bei Daruvar.
Die oberste Abtheilung der neogenen Ablagerungen der Congerien-Tegel
enthält auf mehreren Stellen in West-Slavonien zum TheiJ sehr beträchtliche
Lager von Lignit wie bei Novska, Raic, Cernik, Paucie, Gegend von Varos,
Cestjakovac und Vucin.
Folgende sind die von Herrn Karl Ritter v. Hauer angeführten Analysen der
interessanteren und wichtigeren Vorkommnisse des fossilen Brennstoffes.
Vorkommen der Kohle
Wasser in
100 Theilen
Asche in
100 Theilen
Reducirte
Gewichts-
theile Blei
Wärme-
Einheiten
Aequivalent
einer 30"
Kl ft. weichen
Holzes sind
Centner
Braunkohle von Sevei, südlich bei
Pozeg, Kreide?
13-3
12-0
17-40
3932
13-3
Braunkohle von Gredistje unweit
Kutjevo, Cerithien-Schichten . . .
15-5
13*2
15*70
3548
14-7
Im Bukovica-Thale bei Novska, Lignit
der Congerien-Schichten
16-2
11-4
15-60
3525
14-8
Bei Raic, Lignit der Congerien-
schichten
140
17-4
13-40
3028
17-3
Müller’scher Bau unweit Cernik,
Lignit der Congerien-Schichten. .
161
131
14-00
3164
16-5
Paucie, Gegend von Varos, Herrschaft
Diakovar, Lignit der Cong.-Seh. .
151
191
14-85
3356
15-6
Ivanovica-Thal, SW. von Vucin,
Lignit der Congerien-Schichten .
15-7
!
12*6
16-00
1
3616
14-5
118 Verhandlungen. [10]
Ausserdem sind noch die Naphtha-Quellen nördlich bei Petrovoselo östlich
von Neu-Gradiska zu erwähnen.
Nicht minder von Wichtigkeit sind die Jod führenden warmen Quellen von
Lippik und die eisenhaltigen warmen Quellen von Daruvar, welche beide am
westlichen Fusse des Orljava-Gebirges im Gebiete des Congerien-Tegels zum
Vorschein kommen.
Zum Schlüsse legte Herr Bergrath M. V. Lipoid die in letzterer Zeit an
die k. k. geologische Reichsanstalt als Geschenke eingelangten Mineralien und
Versteinerungen vor. Eine Suite von Versteinerungen aus den Gailthaler Schichten
(untere Steinkohlenformation) der Umgebung von Radmannsdorf in Krain, einge-
sendet von dem Herrn Bezirksarzte Dr. F. Müll ne r, enthält charakteristische
Species dieser Schichten, als: Productus aculeatus }TCoy, Spirifer bisulcatus
Sow., Sp. glaber MCoy , Fenestrella plebejn MTCoy , Niobe luciniformis Philip
Pecten antistriatus , u. s. f. Ueberdies lagen der Sendung des Herrn Dr.
Mülln er ein Stück Crinoidenkalk aus den Gailthaler Schichten und ein Stück
Muschelkalk aus der unteren alpinen Trias bei.
Dem fortgesetzten freundlichen Wohlwollen des Herrn k. k. Generalconsuls
in Hamburg, Ernst Freiherrn von Merck verdankt die k. k. geologische Reichs-
anstalt die Uebersendung einer Reihe von Mineralvorkommen, welche die Kryo-
lithe von Ivikaet im Arksut-Fjord in Grönland begleiten. Bekanntlich hat die
massenhafte Ausdehnung, in welcher man dort diese einst so seltene und kost-
spielige Mineralspecies angetroffen, zu mancherlei technischer Anwendung An-
lass gegeben. In Hamburg ist nun eine Fabrik zur Erzeugung von Natron- Alaun
darauf gegründet und es wird dorthin das Kryolithmaterial geliefert, viele Stücke
ganz rein, andere Stücke gemengt mit Spatheisenstein, Bleiglanz, Blende, Kupfer-
kies, Eisenkies. Bei der eingesendeten Sammlung sind nun die eingewachsen
gebildeten Spatheisensteine, in der Form des Grundrhomboeders, besonders her-
vorzuheben, von welchen eine der freundlichst eingesandten Gruppen Krystalle
von nicht weniger als vier Zoll Seite enthält. Die Kryolith-Lagerstätten werden
bald als Gänge, bald als Lager in Gneiss beschrieben; es sind deren mehrere von
verschiedenem Grade der Reinheit, in einigen ist der Kryolith ganz rein, in
anderen mehr mit jenen Erzarten gemengt.
Von Frau Josephine Kablik zu Hohenelbe in Böhmen langte ein Stück
Kalkschiefer aus dem Rothliegenden von Kalna, südöstlich von Hohenelbe, ein,
welches dadurch werthvoll ist, dass es Abdrücke von Fährten eines Sauriers ent-
hält. Nach der Beschreibung der Saurier-Fährten aus dem Rothliegenden von
Herrn Dr. H. Br. Geinitz in seinem Werke: „Dyas, Heft 1, Leipzig 1861.“
entsprechen obige Fährten dem „ Saurichnites salamandroides GeinN
Zwei schöne Exemplare von Exogyra columba Lam. aus dem Quadersand-
steine von Michelup bei Saaz, wurden von der k. k. Berghauptmannschaft in
Komotau, so wie zwei durch ihre Grösse ausgezeichnete Exemplare von Gryphaea
cochlear Poli aus den Tertiärschichten von Wolfsdorf bei Fulnek in Mähren
durch Herrn J. Sapetza in Neutitschein eingesendet.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 17. December 1861.
Herr Director W. Haidinger im Vorsitze.
Herr Dr. M. Hörn es legte die zweite Doppellieferung des II. Bandes
(Nr. 13, 14) des von ihm verfassten Werkes: Die fossilen Mollusken des
Tertiär-Beckens vonWien, zugleich IV. Bandes der Abhandlungen der k. k.
geologischen Reichsanstalt vor und theilte Folgendes über den Inhalt desselben
mit.
„Dieses Heft enthält aus der Familie der Conchae die Gattungen Venus mit
17, Dosinia mit 4, Grateloupia mit einer, Cytherea mit 4 und Circe mit 2 Arten;
aus der Familie der Cycladeen die Gattung Pisidium mit einer, aus der Familie
der Cardiaceen die Gattung Isocardia mit 2, Pecchiolia mit einer, Cypricardia
mit einer und Cardium mit 30 Arten, endlich aus der Familie der Chamaceen die
Gattung Chama mit 3 Arten, also im Ganzen die Beschreibung und naturgetreue
Abbildung von 66 Arten.
Bekanntlich wurden in neuester Zeit die Gattungen Venus und Cytherea von
d'Orbigny und mehreren anderen Autoren vereinigt, indem man das Auftreten
eines Sublunarzahnes nicht für entscheidend hielt, um hierauf eine eigene Gat-
tung zu gründen. Ohne dieser extremen Ansicht zu huldigen, habe ich die beiden
Gattungen Venus und Cytherea getrennt gehalten, lege aber dem Auftreten die-
ses Zahnes auch nicht jenen Werth bei, wie die früheren Autoren, sondern
zähle zu Venus jene meist rundlichen gewölbten Formen, die entweder keinen
oder nur einen rudimentären Sublunarzahn haben, während ich zu Cytherea
jene meist stark in die Quere verlängerten Formen stelle, die einen stark ent-
wickelten quer gestellten Sublunarzahn besitzen.
Von den im Wiener Becken aufgefundenen 17 Venus-kvizw kommen die mei-
sten ausschliesslich in den Sandablagerung bei Grund, Pötzleinsdorf, Enzesfeld
vor, einige werden auch in dem Tegel des Leithakalkes bei Gainfahren und Steina-
brunn gefunden; die wenigsten, wie z. B. V multilamella , kommen in dem soge-
nannten unteren oder Badner Tegel bei Baden, Vöslau und Möllersdorf vor.
Unter den Dosinien ist insbesondere die D . orbicularis Ag. wegen ihrer
Grösse und durch den Umstand bemerkens werth, dass dieselbe früher nur in den
subapenninen Schichten von Asti, daselbst aber in ungemeiner Häufigkeit gefunden
wurde, tiefere Schichten ihres Vorkommens kannte man bis jetzt nicht. Nun ist
das Auftreten dieser Art selbst in den tiefsten Neogenschichten im Sande zu
Loibersdorf und im Leithakalke nachgewiesen.
Die Gattung Grateloupia ist im -Wiener Becken durch die einzige bis jetzt
bekannte Art derselben, welche zu Saucats, Leognan u. s. w bei Bordeaux und
Dax in ungemeiner Häufigkeit vorkommt, vertreten. Nur muss bemerkt werden,
dass die Wiener Exemplare, namentlich die aus der Umgebung von Grund, die
120
Verhandlungen.
[2]
französischen an Grösse und Stärke der Schale weit übertreffen, wie dies bis-
her an allen Arten beobachtet wurde, die zugleich im Wiener Becken und dem
der Adour Vorkommen.
Von Cythereen kommen nur 4 Arten im Wiener Becken meist in den Sand-
schichten bei Pötzleinsdorf und Grund vor. Als eine besonders häufige Art muss
die Cytherea Pedemontana Ag . hervorgehoben werden; es ist eine subapennine
Art, die aber auch zu Salles bei Bordeaux, in der Touraine und in Polen vor-
kömmt. Seltener ist Cytherea erycina, die sich bisher nur in wenigen Exempla-
ren in den tiefsten Schichten des Wiener Beckens in den Sanden zu Loibersdorf
und Dreieichen fand. Bekanntlich lebt diese Art gegenwärtig noch im indischen
Ocean, und es ist bemerkenswerth , dass dieselbe den jüngeren Tertiärgebilden
Europa’s gänzlich fehlt.
Die Gattung Circe, die besonders durch das Fehlen der Mantelbucht charak-
terisirt ist, ist durch 2 Arten vertreten, von denen besonders die eine, C. eximia
durch ihre nette Oberflächenverzierung auffällt.
Die Familie der Cycladeen, welche die Gattungen Galathea , Cyrena, Cy-
clas und Pisidium umfasst, ist nur durch die letzte Gattung Pisidium und diese
nur durch eine Art, P. priscum Eichic, im Wiener Becken vertreten. Diese Art
kömmt so wie in Polen bei Kuneza in einem Süsswassergebilde auch im Wie-
ner Becken nur in den brackischen Cerithienschichten und im Süsswasser-
tegel vor.
Von der Familie der Cardiaceen ist die Gattung Isocardia durch 2 Arten
vertreten /. cor Linn. und /. subtr ans versa d’Orb. Erstere ist als eine gegen-
wärtig im adriatischen Meere häufig lebende Art bemerkenswerth. Letztere hat
sich bis jetzt nur in den oligocenen Schichten bei Weinheim gefunden, konnte
aber trotz der sorgfältigsten Untersuchung nicht getrennt werden. Uebrigens ist
diese Art auch im Wiener Becken nur in den ältesten Schichten, nämlich im
Sande zu Loibersdorf gefunden worden.
Bekanntlich hat Meneghini die von Brocchi zuerst beschriebene Chama
arietina zum Typus eines neuen Geschlechtes gemacht, das er zu Ehren seines
Freundes Pecchioli, eines eifrigen Conchyliologen zu Settignano bei Florenz,
dem auch ich eine Reihe ausgezeichneter Exemplaren aus den Subapenninen-
gebilden Italiens verdanke, Pecchiolia benannt. Von diesem höchst interessanten
Geschlechte haben sich nun Fragmente in dem unteren Tegel bei Oedenburg ge-
funden, die nach italienischen Exemplaren ergänzt wurden. — Auch von der
Gattung Cypricardia hat sich ein Repräsentant im Wiener Becken gefunden, die
ich C. Transylvanica heisse, weil mir aus Lapugy in Siebenbürgen vortrefflich
erhaltene Exemplare vorliegen, während sich im Wiener Becken blos Fragmente
zu Forchtenau gefunden haben.
Die Gattung Cardium ist im Wiener- und in dem angrenzenden ungarischen
Becken, das ich der Vervollständigung halber heranzog, durch 30 Arten ver-
treten, von denen die Hälfte marinen Schichten, die andere Hälfte brackischen Ab-
lagerungen angehört. Von den marinen Formen sind durch ihre Grösse besonders
ausgezeichnet C. Kübecki Hauer , C. discrepans Bast., C. Heeri Mayer ,
C. hians Brocc ., C. laticostatum Mayer und C. Burdigalinum Lam. Die meisten
dieser Arten kommen in den tieferen Sandschichten des Wiener Beckens vor.
Von den in den brackischen Ablagerungen vorkommenden Cardienarten
sind einige für Cerithienschichten bezeichnend, andern gehören den Congerien-
schichten an. Zu den ersteren zähle ich Cardium plicatum Eichw. und C. obso-
letum Eichw. (früher Vindobonense Partsch ), zu den letzteren C. apertum
Münster , C. carnuntinum Partsch , C. conjungens Partsch.
[3]
Sitzung vom 17. December. Dr, F. Zirkel.
121
Eine reiche Ausbeute höchst merkwürdiger Formen lieferten die Congerien-
schichten von Arpad in der Nähe von Fünfkirchen und die Umgebungen des
Platten- Sees; es kommen daselbst 10 Arten vor, nämlich C. Schmidti Hörn.,
Hungaricum Hörn., Riegeli Hörn., Majeri Hörn., planum Lesh., Haueri Hörn.,
Arpadense Hörn., paucicostatum Desh., edentulum Desh . und semisulcatum
Rousseau, von denen 4 auch in den Congerienschichten der Krim Vorkommen,
die von den Herren Deshayes und Rousseau beschrieben wurden. Die
vollkommene Uebereinstimmung dieser Formen ist ein neuer Beweis für die
grosse Verbreitung einzelner gleichzeitiger Süsswasserbecken in der östlichen
Hälfte von Europa, die Herr Bergrath v. Hauer in seinem Aufsatze: Ueber die
Verbreitung der Congerienschichten in Oesterreich (Jahrbuch der k. k. geol.
Reichsanst. Band. XI, pag. 1) für Oesterreich nachgewiesen hat.
Schliesslich erlaube ich mir noch Herrn Karl Mei er, Adjunct am eidgenössi-
schen Museum in Zürich, meinen lebhaftesten Dank für die freundliche Ueberlas-
sung sämmtlicher Cardien des Züricher Museums abzustatten. Herr Meier be-
schäftigt sich seit Jahren eifrigst mit dem Studium der Tertiärpetrefacten und hat
während seines längeren Aufenthaltes in Frankreich vorzüglich die Vorkommnisse
der Umgebung von Bordeaux und Dax eifrigst gesammelt und studirt. Seine ganze
Sammlung überliess derselbe, in seine Heimath zurückgekehrt, dem Museum in
Zürich. Dieses wissenschaftliche Material war für mich um so werthvoller, da
ich mir auf keine andere Weise die typischen französischen Exemplare, mit denen
unsere Vorkommnisse so sehr übereinstimmen, zur Vergleichung hätte verschaffen
können. In gleichen’ Weise bin ich Herrn Professor Raul in in Bordeaux zu
lebhaftestem Danke verpflichtet, welcher mir ein sehr genau gearbeitetes Literatur-
Verzeichniss der Bivalven der Umgebung von Bordeaux zur Benützung für mein
Werk übersendete“.
Herr Dr. Ferdinand Zirkel hatte es freundlichst unternommen, die im
vorigen Sommer von den Mitgliedern der IV. Section der k. k. geologischen
Reichs anstalt aufgesammelten Musterstücke der Massengesteine des Meleghegy in
Ungarn einer genaueren petrographischen Untersuchung zu unterziehen und
machte nun über diese Gebilde, deren erste Kenntniss wir den Herren Dr. Zipser
(Haidinger’s Berichte III, S. 202), dann J. v. Kovatsu. J. Jokely (Jahrb. der
k. k. geol. Reichsanst. 1860, XI, Verh. S. 6) verdanken, die folgende Mittheilung:
„Aus dem diluvialen Hügelland zwischen Ofen und Stuhlweissenburg erhebt
sich eine ziemlich scharf abgegrenzte Berggruppe, das Velenczeer Gebirge,
welches sich in einer Länge von 21/a Meilen und einer durchschnittlichen Breite
von »/4 Meilen in fast südwestlicher Richtung hinzieht. Der nahezu das Centrum
ausmachende höchste Punkt dieses Gebirgscomplexes ist der Meleghegy, nord-
westlich von Nadap gelegen, welcher sich 183 Klafter über das Meer, und
ungefähr 100 Klafter über den Spiegel des Velenczeer Sees erhebt.
Die Hauptmasse dieses Gebirges besteht aus Granit; die Sohlen der Thäler
zwischen den einzelnen Bergkuppen sind mit Lehmablagerungen bedeckt. — Bis
zum Meleghegy hinauf zieht sich vom Zsidöhegy bei Päzmand über den Csües-
hegy bei Nadap ein sedimentäres versteinerungsleeres Gestein, welchem man am
besten den Namen eines Quarzitconglomerates geben möchte; es besteht aus
grösseren und kleineren Quarzbrocken, bisweilen ist es fest und hornsteinartig,
meist voller unregelmässig gestalteter Poren und Höhlungen, die mit Eisenoker
angefüllt sind. Nach den Mittheilungen des Herrn Bergrath von Hauer gehört
dieses Gebilde wahrscheinlich dem Verrucano an.
Am deutlichsten in seinen Gemengtheilen entwickelt tritt der Granit bei
Nadap auf. Unter den von diesem Punkt vorliegenden Handstücken befindet sich
K.. k. geologische Reichsanstalt, 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen. q
122
Verhandlungen.
m
eines, das einzige, in welchem man mit Sicherheit zweierlei Feldspathe zu unter-
scheiden vermag: fleischfarbigen Orthoklas in grösseren, starkglänzenden Krystal-
len, grünlichweissen weniger glänzenden Oligoklas, Quarz und schwärzlichen Glim-
mer; in eben dieser Reihenfolge setzen auch in quantitativer Hinsicht die Gemeng-
theile das Gestein zusammen. Wegen des alleinigen Auftretens von dunkelfar-
bigem Glimmer und der Abwesenheit des weissen Glimmers würde dieses
Gestein den von Gustav Rose also benannten Granititen zuzuzählen sein.
In anderen Stücken von demselben Fundorte kann man mit Gewissheit eine
Verschiedenheit der Feldspathe, einen klinoklastischen neben dem orthoklastischen
nicht erkennen; nur so viel gewahrt man, dass ein Theil des Feldspathgehaltes
durch die Verwitterung im hohen Grade angegriffen ist, während der andere
ziemlich scharf abgegrenzte sein frisches Ansehen bewahrt hat, und die Vermu-
thung liegt nahe, dass der verwitterte der Oligoklas ist, dessen Natrongehalt
ihn der Zersetzung zugänglicher macht.
Eine andere Suite von Gesteinen stammt aus einem Steinbruch an der
Strasse bei Kis-Falud östlich von Stuhlweissenburg. Es ist hierin der Glimmer
sehr zurückgedrängt; nur hie und da gewahrt man ein sporadisches Rlättchen
und das Gestein ist fast nur ein kleinkörniges Gemenge von Feldspath und Quarz
zu beinahe gleichen Theilen; auch die einzelnen Körner der beiden Gemengtheile
haben fast sämmtlich dieselbe Grösse. Man hat solche Gesteine, welche örtlich
nicht von den Graniten zu trennen sind, in denen aber der eine oder der andere
wesentliche Gemengtheil zum Verschwinden zurücktritt, Aplite genannt.
Von accessorischen Bestandteilen erscheint weder in dieser noch in der
eben angeführten Granitvarietät eine Spur.
Bei der Kirche von Kis-Falud östlich von Stuhlweissenburg befindet sich
auch ein Steinbruch im Granit; hier bietet er ein gänzlich verschiedenes Ansehen
dar; es ist keine Spur von Glimmer mehr zu entdecken, es ist ein reines Feld-
spathgestein, in dem vereinzelte Quarzkörner liegen; ein Theil des Feldspates
gibt sich als grünlichweiss verwitterter Oligoklas zu erkennen. Während in
einigen Stücken die Grenzen der einzelnen Feldspathindividuen noch ziemlich
scharf hervortreten, geht das Gestein in anderen dadurch, dass die Feldspathmasse
dicht wird, in ein vollkommen porphyrisches über, in dem rundliche Quarzkörner
liegen; so entsteht der echte Typus eines Felsitporphyrs.
Durch den Granit sind an fünf verschiedenen Stellen trachytische Gesteine
durchgebrochen; davon befindet sich eine bei Päkozd, drei bei Velencze und
Nadap im Granit, eine fünfte östlich von der Kuppe Meleghegy in dem oben er-
wähnten Quarzitconglomerat. Von dreien dieser Fundpunkte liegen Handstücke
vor, welche ebenfalls drei Gesteinsvarietäten respräsentiren.
Die von der Strasse zwischen Päkozd und Sukorö-Stuhlweissenburg her-
stammenden gehören zu denjenigen, welche von Richthofen unter normalen
Verhältnissen erstarrte Rhyolithe nennt, das heisst zu den quarzführenden Trachyten.
Die Gemengtheile, die aus der dichten Grundmasse ausgeschieden
erscheinen, sind: Quarz, sehr seltene Fälle ausgenommen, wo Spuren von
Krystallisation wahrzunehmen sind, in unregelmässigen rundlichen Körnern mit
einem Stich ins Bläulichgraue, Sanidin in zahlreichen, stark rissigen, graulich-
weissen Krystallen, Oligoklas, der nach von Richthofen in allen ungari-
schen Rhyolithen entweder fehlt oder nur als sehr unwesentlicher Gemengtheil
auftritt, kommt in dieser quarzführenden Varietät nicht Vor. Magnesiaglimmer in
braunschwarzen, scharf begrenzten, stark glänzenden Täfelchen. Hornblende in
sehr zahlreichen, höchst vollkommen spaltbaren Säulen. Der grosse Reichthum
dieses Gesteins an Hornblende ist als Ausnahme von der bei den ungarischen
Sitzung vom 17. December. F. Foetterle.
123
ra
Rhyolithen im Allgemeinen geltenden Regel zu betrachten, dass in den quarzfüh-
renden Gesteinen die Hornblende fehlt.
Der Quarzgehalt scheint, den einzelnen Handstücken nach, Schwankungen
zu unterliegen; in allen ist er aber vorhanden und wenn auch nicht auf den ersten
Rlick auffallend, so entdeckt man ihn doch alsobald mit der Loupe in feinen
Körnchen durch das ganze Gestein vertheilt.
Was die dunkelgrau gefärbte Grundmasse anbelangt, so scheint dieselbe aus
einem feinkörnig-krystallinischen Aggregat derselben Mineralien zu bestehen, die
auch in grossem erkennbaren Individuen Vorkommen. In der gepulverten Grund-
masse kann man deutlich Quarz von Sanidin unterscheiden; ausserdem gewahrt
man zahllose feine Hornblendeflimmerehen; ob Oligoklas in der Grundmasse
vorhanden, ist nicht zu entscheiden.
Die Trachytgesteine von einem andern Punkte, dicht unterhalb dem Orte
Sukorö an der Strasse nach Päkozd, zeigen fast ganz dasselbe Aussehen in Farbe
und ausgeschiedenen Gemengtheilen, nur fehlt der Quarz darin gänzlich; es ist
also dieses Gestein mit seinem verwaltenden Gehalt an Sanidin und Hornblende
der Typus eines Trachyts.
Ganz anders verhalten sich die Gesteine aus der südöstlichen Umgegend *
von Nadap, oberhalb der Strasse nach Velencze. Von Glimmer und Quarz ist keine
Spur in ihnen zu entdecken, es sind reine Gemenge von Hornblende und Feld-
spath, der wohl ganz dem Oligoklase angehört; die charakteristische Zwillings-
streifung auf den mit sehr starkem Glasglauz spiegelnden basischen Spaltungs-
flächen lässt sich schon mit blossem Auge deutlich erkennen; Augit kommt unter
den Gemengtheilen nicht vor. Diese Varietät, ein Oligoklas-Hornblendegestein, ist
also den Andesiten zuzuzählen.
Herr k. k. Rergrath F. Foetterle legte die geologisch colorirte Ueber-
sichtskarte des Theiles von Croatien zwischen der Drau und der Save vor,
den er im verflossenen Sommer aufgenommen hat. Die Oberflächengestaltung
dieses Landestheiles steht in grosser Uebereinstimmung mit seiner geologischen
Beschaffenheit. Denn die höheren, aus älteren Gebilden bestehenden Gebirgszüge
ragen mächtig aus dem niederen tertiären Hügellande hervor. Die geologische
Beschaffenheit stimmt vollkommen mit den an Croatien angrenzenden Gebieten
von Steiermark und Krain überein, und die die auftretenden Formations-
glieder sind nur eine Fortsetzung der letzteren. Es treten in diesem Theile
Croatiens vorzüglich zwei Hauptgebirge auffallend hervor. Das nördliche ist
als Fortsetzung der Gebirge zwischen Cilli und Tüffer zu betrachten ; es zieht
sich von Landsberg in gerade östlicher Richtung bis nach Remetinec, südlich
von Warasdin in einer Breitenausdehnung von kaum mehr als 3000 Klafter,
sein höchster Punkt ist die Ivancica mit 559 Klafter Seehöhe. Es besteht zum
grössten Theile aus Dolomit des Lias oder derTrias,nuram nördlichen Rande dessel-
ben treten Werfener Schiefer von Porphyr begleitet auf. Kleine parallele Züge, jedoch
viel niederer, bilden nördlich davon die Höhe von Trakostjan und südlich davon
die Höhen von Michovljan, beide ebenfalls aus Dolomit bestehend. Der andere
Hauptgebirgszug ist das Agramer Gebirge, das als Fortsetzung des Samoborer
Gebirges an der Grenze von Croatien und Krain zu betrachten ist; es beginnt
dasselbe an dem Ufer der Save bei Sused und zieht sich in nordöstlicher Richtung
bis Trikralji, und erreicht in dem Sleme eine Seehöhe von nahe 3000 Fuss. Die
Hauptmasse des Gebirges ist krystallinischer Schiefer, Diorit und Diorit-
schiefer mit krystallinischem Kalkstein und Quarzlagern; an diese schliesst sich
ein schmaler Streifen von Werfener Schiefern an; zwischen Sused und Bistra
tritt Dolomit in grösseren Massen, und bei Oresje Hippuritenkalk auf. Zwischen
fl
124
Verhandlungen.
[6]
Breznica und Neumarhof vereinigen sich die beiden Streichungsrichtungen dieser
beiden Hauptgebirgszüge, und ihre östliche Fortsetzung bildet das Kalnikgebirge,
in dem dieDioritgesteine wieder die Hauptmasse bilden, an welche sich Dolomit hei
Ljubescica und jurassicher Kalk zwischen Reka und Kal nik anschliessen. Alle
diese höheren Gebirge werden von jüngeren Tertiärhildungen, marinem Sandstein
Leithakalk, Conglomerat und Mergeln, welche den Cerithienschichten entspre-
chen, gürtelartig umsäumt; nur in dem nordwestlichsten Theile, dem Macel-
Walde tritt eocener Sandstein auf. Das flachere Hügelland besteht aus den
jüngsten Tertiärgebilden, den Inzersdorfer Schichten. Löss findet sich nur in
dem östlichen und südöstlichen Theile dieses Gebietes.
Herr Dr. G. Stäche gab eine kurze Uebersicht über die Verhältnisse der
Schichten, welche während der jüngeren Tertiärzeit im Bereich des Bakonyer-
Inselgebirges und seines nördlichen und südlichen Vorlandgebietes abgesetzt
wurden.
Die verschiedenen Ablagerungen dieser Periode gruppiren sich ziemlich gut
nach dem Alter, dem petrographischen Charakter und ihrer einstigen geologisch-
geographischen Bedeutung und nehmen in Bezug auf ihre jetzige Vertheilung
eine bestimmte geographische Lage gegen das langgestreckte alte Kalksteinge-
birge ein, welches sie umgeben.
Abgesehen von den älteren marinen Tegeln und Sanden , welche uns
Herr Prof. Peters aus der nordöstlichen Flanke der Gebirgsinsel in der Umge-
bung von Ofen kennen lehrte und deren Ueberlagerung durch den Leithakalk er
an vielen Stellen nachwies, kommen in unserem Gebiete nur ältere Kalkbildungen
und jüngere Kalk-, Tegel- und Sand-Ablagerungen in Betracht.
1. Kalkbildungen gibt es dreierlei: nach Alter, petrographischem und palä-
ontologischem Charakter und geologisch-physikalischer Bedeutung.
a. Marine Kalke, und zwar Leithakalke treten an den beiden entgegenge-
setzten Enden des Gebirgszuges auf und zwar wie überall, wo sie sonst auftreten,
die Küstenlinie des Meeres andeutend, in dem sie gebildet wurden.
In der Nordflanke wurden sie von Peters bei Promontor, Teteny, Pomäz,
Päty, Torbägy und Zsambek u. s. w. mit verschiedenen charakteristischen Ver-
steinerungen, jedoch wie er ausdrücklich bemerkt ohne Polyparien und Nulli-
poren beobachtet.
An der Südwestflanke fanden wir dieselben nur bei Devecser Süd- und
Ost und bei Tapolcza Nord-West gegen Csillag-Erdö zu in erheblicher Weise
entwickelt. Bei Devecser tauchen sie aus jüngeren Sanden und Schotter hervor;
doch deutet ihre Lage gegen die seitlichen Nummulitenkalkpartien darauf hin,
dass sie in der Tiefe auf demselben aufliegen. Der Leithakalk von Tapolcza aber
lehnt unmittelbar an den Triasdolomit an und geht gleich den Leithakalken der
Nordostflanke allmählig in den überlagernden Cerithienkalk über. Hier wurden
neben anderen Petrefacten, wie Panopaea Faujasii Men., Baianus, Pectun-
culus , Pecten , Venus u. s. w. auch Polyparien, Explanaria crassa Reass , Astraen sp.
und bei Devecser neben Pecten Solarium , Ostrea callifera u.s. w. auch Nulliporen
gesammelt.
Mit dem Kalk von Devecser stehen sandige und conglomeratische Schichten
in Verbindung, welche neben zahlreichen Ostreen auch Bryozoen in bedeutender
Menge beherbergen.
b. ßrackische Kalkbildungen. Ceri thienkalke schliessen sich in ihrem
geographischen Auftreten unmittelbar an die Leithakalke an. Wie im Nordosten
zwischen dem Meleghegy, dem Vertes-Gebirge und dem Pilis-Ofener Bergen, so
erscheinen sie auch im Südwesten den Leithakalken unmittelbar aufgelagert und
Sitzung vom 17. December. Dr. G. Stäche.
125
m
in niedrigen aber grossen Plateaux ausgebreitet. Nächst dem grossen Leitha-
kalk-Terrain im Nordosten zwischen Promontor, Felsö-Csuth, undVääl ist wohl das
von Tapolcza. im Südwesten das bedeutendste. Ausser diesem wurden früher
gewiss in Zusammenhang mit demselben stehende, jetzt isolirte Partien zwischen
Puszta Miske und Nyiräd südlich Devecser, bei Dörögd Puszta nördlich und bei
Gyulakeszi südwestlich von Tapolcza, endlich zwischen Akali und Zanka östlich
von Köveskalla angetroffen.
Es sind bald weichere bröcklige Kalke wie bei Zanka, oder festere harte
Kalke wie vielfach auf dem Plateau von Tapolcza und zwischen Miske und Nyiräd,
welche ziemlich constant durch die Steinkerne oder Abdrücke der beiden bezeich-
nenden Versteinerungen dieser Schichte ( Cerithium pictum Bast, und Cardium
Vindobonense PartschJ charakterisirt sind und nur seltener auch noch andere
und besser erhaltene Schalenreste führen.
Auf dem Plateau von Tapolcza ist eine obere besonders harte Schicht
dieser Kalke überdies durch die scharfzackige, zerfressene und durchlöcherte
Beschaffenheit ihres Materials auffallend. Besonders bemerkenswerth erscheint
es aber, dass innerhalb der Cerithienkalke gewisse Partien als gemischte oder
auch als völlig reine charakteristische Süsswasserkalke ausgebildet sind. Man
kann von einigen Punkten des Tapolczaer Gebietes Stücke sammeln, wo Cerithium
Vindobonense mitPaludinen gemischt vorkommt, so wie auch solche, wo Paludinen
allein herrschen. Eben so findet man in dem Terrain von Miske mitten zwischen
Cerithienkalken eine sehr kieslige Kalkschicht, welche von den echten Süsswas-
serkalken anderer Punkte nicht zu unterscheiden ist, und bei Gyulakeszi stehen
ebenfalls Cerithienkalke und Süsswasserkalke in engster Verbindung.
c. Drittens endlich finden wir Süsswasserkalke in grosser Ausdehnung
und Mächtigkeit im Bereich des Bakonyer-Waldes entwickelt, welche durch die
massenhafte Entwicklung einer einst an Ort und Stelle lebenden Fauna von
Land- und Süsswasserschnecken das Interesse des Geologen besonders in
Anspruch nehmen müssen. Die Lage der beiden Hauptdistricte, dieser Kalke ist
eine für Süsswasserbildung an sich schon naturgemässe, sie erscheinen nämlich
ziemlich abgeschlossen und in das Innere der Gebirgsinsel zwischen ältere Kalk-
berge gerückt. Sowohl die mehr als zwei Meilen lange und y4 — */8 Meile breite
Süsswasserbildung von Kuti, welche zwischen den Punkten Guth (Tamasi),
Palota, Kikeritö, Inota und Csöör eingeschlossen liegt, als die etwa 1 Meile in
der Länge und in der Breite messende Ablagerung von Nagy-Vaszony , welche
ungefähr von den Orten Nagy-Vaszony, Pula, Öcs, Petend und Mentshely begrenzt
wird, liegen in den tiefer eingesenkten, und ausgeweiteten Stellen einer alten
riesigen Spalte, welche das ganze Kalkgebirge der Insel vom Vertes-Gebirge her
bis in das Basaltterrain des Platten-Sees ungefähr an der Grenze zwischen unterer
und oberer Trias durchschneidet.
In beiden Gebieten nun wurde eine Auflagerung dieser Kalke auf ältere
Tertiärschichten nirgends beobachtet, dagegen ist es an sehr vielen Stellen ganz
klar, dass dieselben unmittelbar auf den Kalken oder Dolomiten der unteren und
oberen Trias liegen.
Die Kalke sind in den unteren und hart am älteren Gebirge liegenden
Schichten stark kieslig, von dunkleren rothen oder grauen Farben; die Schne-
cken stecken als gleichfalls sehr spröde harte Steinkerne fest darin.
Mit diesen Eigenschaften machen die Kalke oft den Eindruck eines älteren
Gesteins, so besonders von Palota nördlich und von Kuti südlich.
In den oberen Partien und an manchen Orten aber erinnern sie durchaus
nach Consistenz, heller Färbung und Erhaltungsweise der Schnecken mit den
126
Verhandlungen.
[8]
Schalen und selbst mit Spuren der Färbung nur an jüngere Süsswasserbildungen
anderer Orte und besonders z. B. an die Gesteine des Eichkogels bei Mödling.
An einer Stelle bei Öcs sind es völlige Tegel , welche durch dieselben
Süsswasser- und Landschnecken charakterisirt sind, welche in den Kalken
von ihren tiefsten Schichten an mit nur geringer Abwechselung in den selteneren
Formen herrschen. Massenhaft treten in allen diesen Bildungen, besonders aber
in den Kalken von Kuti Helices von der Form der H. nemoralis und der H. ver-
miculata und Planorben auf, von denen der verbreitetste von PL comeus L. kaum
zu unterscheiden ist und zwei kleinere, ebenfalls stark verbreitete Arten dem
Planorbis (Segmentina) nitidus Müll, und PL marginatus sehr nahe stehen. Nicht
minder häufig sind kleine Pupa von der Form der P. muscorum und Succinea ,
welche sich nicht leicht von Succinea oblonga unterscheiden lassen.
Die genauere Untersuchung und Vergleichung der verschiedenen Arten
muss einer speciellen Arbeit Vorbehalten bleiben.
Nimmt man aber zu den bisher angeführten Thatsachen noch die sicher
beobachtete Ueberlagerung dieser Süsswasserschichten durch Schichten mit
Congerien und Melanopsis Boudi bei Petend und die Ueberlagerung selbst der ver-
hältnissmässig jüngsten mergeligen Partie bei Öcs und der Kalke bei Csöör durch
Schichten mit Melanopsis Bouei , so erscheint es sichergestellt, dass die Haupt-
masse der Kalke von Kuti und Nagy-Vaszony älter ist als die Schichten mit
Congeria triangularis.
Es ist überdies mehr als wahrscheinlich, dass sich die mächtigen Kalkablage-
rungen mit Helices und Paludinen bereits seitderZeitderCerithienbildung
in ihren abgeschlossenen, vielleicht periodisch austretenden oder vom grossen
äusseren Cerithien- und Congerien-See überflutheten Süsswasser-Becken bis in
die Zeit des Congerien-Meeres gebildet haben und dass erst die vereinzelten
kleineren, zwischen den jüngeren Sanden abgelagerten Tegelablagerungen, in
denen Helices, Planorben und andere Land- und Süsswasserschnecken vermischt
Vorkommen, Süsswasserbildungen sind, welche ganz und gar in diese jüngere
Zeit fallen.
2.) Conglomerate, Schotter, feste Sandsteine, Sand und Tegel sind die
zweite im Vergleich mit der Kalkgruppe jüngere Gruppe von Gesteinen, welche
durchaus Bildungen des grossen Süsswasserbeckens sind, dessen weite Ausdeh-
nung in den östlichen Theileu der Monarchie von F. v. Hauer nachgewiesen
wurde. Während die marinen und brackischen Bildungen an der Nordost- und
Südwestecke des festen Gebirgssystems und die Süsswasserkalke im Innern des-
selben auftreten, breiten sich die Schichten der Congerienzeit längs der Haupt-
längslinien der Gebirgsinsel weit hin nach Nord und Süd. Ihre Beobachtung wird
nur erschwert durch den alles verdeckenden Löss.
1. Die Conglomerate und Schotter sind vorzugsweise und in grösseren
zusammenhängenden Zügen an der nördlichen Uferseite, das ist an der Seite
der Abdachung des Gebirges entwickelt.
2. Die meist tegeligen, zum Theil aber auch mit sandigen Zwischenlagen
durchsetzten Schichten, welche durch die charakteristischen Petrefacten der
Congerienzeit ausgezeichnet sind, haben, wie durch ein Profil am Fonyöd her-
vorgeht, ein tieferes Niveau als die Hauptmasse der sandigen Schichten.
Bemerkens werth ist, dass im nördlichen Vorlandgebiet bei Kors, Doba,
Totis, Gycz, Lovas-Patona u. s. w. die Congerien und zwar besonders Cong.
triangularis Partscli , herrschend sind; dagegen im südlichen Gebiet am Plat-
tensee bei Kenese, Fonyöd und auch weiterhin wie bei Tab Paludina Sadleri ,
Melanopsis Bouei , neben anderen Sehalenresten, wie besonders Cardium
127
[9] Sitzung vom 17. Deeember, Freih. v. Andrian.
apertum Münster und Card, semisulcatum Rouss. (eine Krim-Species) die Con-
gerien verdrängen.
3. Feste Sandsteine finden sich in bedeutender Mächtigkeit durch kleine
Congerien, Paludinen, Planorben und monokotyledone Pflanzenreste gleichfalls als
Süsswaserbildungen charakterisirt vorzugsweise nur bei Rezi und Keszthely.
Sie sind wohl Aequivalente der loseren Sandschichten mit nur hin und wieder
festeren zwischengelagerten Bänken, welche in dem nördlichen wie südlichen
Vorlandgebiete eine grössere Verbreitung haben. Sie enthalten local an ver-
schiedenen Punkten tegelige Schichten mit Planorben und Helices zwischengela-
gert, so bei Martinsberg, am Fonyöd und anderen Orten.
Herr F. Freih. v. Andrian legte die Karte des von ihm im Sommer 1861
aufgenommenen Gebietes vor, welches den westlichen Theil des Czaslauer und
den östlichen des Chrudimer Kreises umfasst, und knüpfte daran einige all-
gemeine Bemerkungen über die Zusammensetzung desselben.
In orographischer wie in geologischer Beziehung zerfällt dieses Gebiet
in drei Haupttheile; in die östliche Fortsetzung des grossen centralen krystalli-
nischen Gebirges von Mittelböhmen , mit einer durchschnittlichen Erhebung von
1500 Fuss, welche jedoch gegen Osten (in der Gegend von Chotebor), wo dieses
Gebirge sich mit den Ausläufern des böhmisch - mährischen Grenzgebirgsstockes
vereinigt, bedeutend zunimmt. Der zweite Hauptfactor in der Zusammensetzung
des Districtes sind die Ausläufer der grossen Ebene von Pardubitz und
Kolin, in welcher die Elbe ihren Lauf nimmt. Als Vermittlungsglied kann
man die Quadersandstein-Plateaus annehmen mit einer durchschnittlichen Höhe
von 1200 — 900 Fuss, welche eben nur in der östlichen Hälfte des Gebietes
einigen Einfluss auf die Oberflächengestaltung gewinnen.
Gneiss (grauer) ist der Hauptbestandteil des böhmischen Central-
gebirgesin den Varietäten, welche schon von vielen Beobachtern übereinstimmend
geschildert worden sind. Die Einlagerungen von Turmalingraniten (Tisy skala,
Sebestenitz) sind bedeutend seltener als in dem anstossenden im vorigen Jahre
untersuchten^ Gebirge. Hornblendeschiefer sind bei Cejkowitz, (am Berge
Skala), bei Zleb in ziemlich grossen Maassstabe, südöstlich von Czaslau am Ram-
bousek-Berge zu beobachten. Sie stehen bei Mladotitz in Verbindung mit Grün-
steinen und Serpentin. Südöstlich von Willimow bei Horek ist ebenfalls eine
kleine Serpentinpartie aufgeschlossen. — Einlagerungen von krystallinischem
Kalke sind unmittelbar bei der Stadt Ledec aufgeschlossen.
Roth er Gneiss bildet den grössten Theil der Gebirgskette, welche in der
Nähe von Chotebor sich aus der Masse der Berge absondert, und in nordwestlich-
südöstlicher Richtung an der Grenze beider Kreise sich hinzieht. Er setzt ferner
alle Ausläufer des böhmisch- mährischen Grenzgebirges zusammen. Er enthält
ausser einigen Einlagerungen von Grünsteinen keine nennenswerthen accessori-
schen Beimengungen.
Granit bildet ein grosses zusammenhängendes Plateau südlich von Zumberg
bei Kamenitz bis Struzinetz. Dem Alter nach lassen sich zweierlei Abtheilungen
darin unterscheiden, wovon die eine dem „unregelmässig grobkörnigen Granit44
vollkommen entspricht, und welche bei Wcelakow interessante Contact-
erscheinungen (Bruchstücke von Thonschiefer im Granit) zeigt, während die
andere der Hauptsache nach ein röthlicher Granit, gang- und stockförmig in dem
ersteren auftritt. Am jüngsten erscheinen auch hier, wie fast überall zahlreiche
Ganggranite.
Urthons chiefer (Phyllit) kommt in zwei von einander getrennten
Partien vor. Die eine bildet die nordwestliche Fortsetzung des früher erwähnten
128
Verhandlungen.
[10]
Podhoraner Gebirgszuges, und zieht sich, wo derselbe von rothem Gneiss
gebildet wird, am nordöstlichen Abhange desselben hin. Sie enthält bei Podol
ein mächtiges, für die Industrie der dortigen Gegend sehr wichtiges Kalklager,
die andere zieht sich zwischen Granit und rothem Gneiss von Skuticko über
Hlinsko bis gegen Kreuzberg.
Sie ist durch zahlreiche Einlagerungen von Talkschiefet*, Hornblende-
schiefer und feldspathhaltigen Gesteinen ausgezeichnet. Die Grenze gegen den
rothen Gneiss ist fast überall durch ausgezeichnete Knotenschieferbildungen
bezeichnet.
Die Grauwackenformation ist durch einen mächtigen Complex von
Gesteinen bezeichnet, welche bei Turkowitz, Wizitz u. s. w. concordant dem Ur-
thonschiefer aufgelagert sind. Es sind grünliche und schwärzliche Schiefer, welche
sich nur schwer von den krystallinischen Gebilden trennen Hessen, wenn sie
nicht von grob- und feinkörnigen Conglomeraten, welche auf einen mechanischen
Process schliessen lassen, begleitet wären.
An diese Gebilde schliessen sich im Norden überall die Gesteine der Qua-
derformation an. Im grössten Theile des Gebietes ist dieselbe nur in ihren
unteren Gliedern vertreten, durch den unter enQuader Sandstein, welcher
überall an den Nordabhängen der krystallinischen Berge auftritt, und dann gegen
Norden von den Quader mergeln bedeckt ist, welche die bekannten charak-
teristischen Plateaux bilden.
Längs des südwestlichen Abhanges der erwähnten rothen Gneisskette
von Kreuzberg bis Tfemosnitz zieht sich eine Zone von wechselnder Mächtigkeit
ganz isolirt hin, eine Lagerung, welche wohl zu Gunsten der Ansicht von einer
späteren Erhebung dieser Kette spricht.
Die Gesteine der oberen Kreide (Plänersandstein und Plänerkalk)
kommen nur in einzelnen isolirten Partien an den äussersten Grenzen des
Gebietes (bei Kuttenberg und Morawan) vor.
Das Quadersandsteingebirge wird in seinen nördlichen Ausläufern von dem
Diluvium bedeckt. Dasselbe besteht aus Löss und Schotter. Die Mächtigkeit des
Lösses ist an diesen Ausläufern 2 — 3 Fuss, sie steigt in der Chrudimer und
Czaslauer Niederung auf eben so viele Klafter. Schotter überlagert die Qua-
dersandstein-Plateaux im Westen des Gebietes oft auf eine beträchtliche Höhe
aber in ganz geringer Mächtigkeit. Im Osten fehlt Löss als Zwischenglied
fast nie (Hermanmestetz, Chrudim, Hrochowteinitz).
Schliesslich spricht der Vortragende dem Director der Chrudimer Real-
schule, Herrn P. Anton Lukesle, und dem Professor an derselben, Herrn
Rauh wolf, seinen Dank für deren bereitwillige Theilnahme und Unterstützung
in den Arbeiten in der Gegend von Chrudim aus.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid gab Nachricht von einer Sammlung
von Petrefacten aus der Silurformation Böhmens, welche Herr Realschul -
Director J. Krejci während seiner für die k. k. geologische Reichsanstalt
ausgeführten geologischen Aufnahmsreisen im Jahre 1859 und 1860 auf Kosten
derselben veranstaltete, und welche von dem Herrn Museal -Custos Dr. A.
Fritsch in Prag geordnet und an die k. k. geologische Reichsanstalt eingesen-
det worden ist. Die Sammlung umfasst über 500 Stücke mit ungefähr 100 ver-
schiedenen Species, vorzugsweise der Classe der Trilobiten angehörig, und es
sind in derselben die Faunen aller petrefactenführenden Schichten der böhmi-
schen Silur-Ablagerungen durch charakteristische Formen vertreten. Die aus-
gezeichneteren und wichtigsten Versteinerungen der einzelnen Schichten legte
Herr Bergrath Lipoid der Versammlung vor.
[11]
Sitzung vom 17. December. Fr. v. Hauer.
129
Wir sind den Herren Krejcf und Fritsch für die werthvolle Sammlung zu
wahrem Danke verpflichtet. Durch die eingesendeten Stücke wird es möglich sein
die Aufstellung der silurischen Versteinerungen Böhmens im „Mohs -Saale“ zu
vervollständigen und nach den einzelnen Schichten der Silurformation zu ordnen.
Von folgenden Localitäten sind aus den verschiedenen aufeinanderfolgenden
Schichten Petrefaeten vorhanden:
Barrande’s
Aus den Schichten folgen Etagen die Localitäten
Ginetzer Schichten . . C Ginetz, Skrey, Felbatka, Berg Kni-
cek, Teirowice.
Komorauer (Bokytzaner) Schichten . . D — d1 Rokytzan, Auwal.
Brda - Schichten . . . . D — dz Wessela, Berg Drabow.
Vinicer „ . D — dB Vinice, Trubin.
Zahoraner „ . D — dk Zahoran, Wraz, Trubska, Belve-
dere.
Kossower und Königshofer Schichten D — d 5 Kossow-Berg, Königshof, Leiskow.
Littener Schichten E Umgebung von Beraun.
Kuhelbader „ . . E Kuhelbad,Borek,Lodenic,Slivence,
St. Ivan, Wiskocilka, Listice,
Berg Kozel, Dlouhahora, Wo-
hra da.
F Koneprus, Suhomast, Mnenan,
Lochkow, Kolednik.
G Branik, Swagerka, Hostin , Luzec,
Dworec, Tetin,
H Hlubocep, Chotec-Thal.
Konepruser
Braniker
Hluboceper
Mit unermüdlicher Ausdauer erweitert und vervollständigt Herr Jonkh
J. T. Binkhorst van den Bink hörst unsere Kenntnisse der oberen Kreide-
schichten von Limburg, namentlich der durch die Studien so vieler der ausge-
zeichnetsten Geologen berühmt gewordenen Kreidetuffe des Petersberges bei
Maestricht. Seinem früheren, diesem Gegenstände gewidmeten Werke: Esquisse
geologique et paleontologique des couches cretacees du Limbourg 1&59.
(Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt Bd. X, Verh. S. 93), folgten weitere Aus-
führungen in den Bulletin der Societe geologique de France (Tom. XVII, p. 61)
und vor wenigen Tagen erhielt die k. k. geologische Reichsanstalt Murch die
Güte desselben Herrn Verfassers dessen neuestes Werk: Monographie des
Gasteropodes de la craie superieure du Ducke de Limbourg , welches Herr
Bergrath Fr. v. Hauer zur Vorlage brachte. Während man früher nicht mehr
als ein Dutzend Arten von Gasteropoden aus den bezeichneten Schichten kannte,
gelang es Herrn v. Binkhorst namentlich durch fleissige Ausbeutung der härte-
ren Schichten, welche die obere Kreide in der Umgegend von Maestricht und
Heerlen durchsetzen, die beträchtliche Anzahl von 106 bestimmbaren Arten aus
der genannten Thierclasse, welche 38 verschiedenen Geschlechtern angehören,
zusammen zu bringen, welche er nun beschreibt und auf 10 Tafeln vortreff-
lich abbildet. Die Untersuchung bot grosse Schwierigkeiten dar, da man es
nicht mit wohlerhaltenen Schalen, sondern nur mit Steinkernen und Abdrü-
cken zu thuu hat, auch bildet, wie der Herr Verfasser bemerkt, was er beschreibt
wahrscheinlich erst einen geringen Theil der gesammten Gasteropoden-Fauna,
welche gleichzeitig mit dem Mosasaurus lebte. Für eine grössere Zahl muss
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
r
130
Verhandlungen.
[12]
erst die Auffindung besserer Exemplare abgewartet werden bevor man die genaue
Bestimmung vornehmen kann. Aber auch schon was hier geboten wird, ist ge-
eignet das höchste Interesse zu erregen; 90 der beschriebenen Arten sind völlig
neu, viele derselben erinnern, wie dies nach der geologischen Stellung der
Schichten, aus denen sie stammen, leicht erklärlich scheint, schon sehr an eocene
Typen und manche gehören Geschlechtern an, welche, wie Imbricaria , Sip/io-
naria , Turbinella , Haliotis , Oliva u. s. w., aus Kreideschichten bisher nicht
bekannt waren. Das vorgelegte Heft ist eigentlich ein in nur wenigen Exemplaren
vonHerrn v. Binkhorst vertheilter Vorläufer von zwei grösseren Monographien,
denen über die Gasteropoden und über die Cephalopoden der dortigen oberen
Kreideschichten.
Aus einem von Herrn Prof. Pichler in Innsbruck erhaltenen Schreiben
theilt Herr v. Hauer ferner die folgende Notiz mit:
„Die Abhandlung von Herrn Stoliczka über die Mollusken der Hierlatz-
Schichten in den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaf-
ten (Band 43, S. 157) veranlasste mich das im hiesigen Museum hinterlegte
Materiale zu untersuchen“.
In den Hierlatz- Schichten des Sonnwendjoches bei Brixlegg fand ich fol-
gende Species:
1. Pecten subreticulatus Stol.
2. Discohelix orbis Stol.
Aus den Adnether Schichten der Kammerkaar bei Waidring liegen vor :
1. Trochotoma striatam Hörnes.
2. Neritopsis elegantissima Hörnes. Das Exemplar ist beträchtlich grösser
als die Abbildungen von Stoliczka.
3. Pleurotomaria cf. coarctata Stol.
Von zwei anderen Gasteropoden liegt je ein schlecht erhaltenes Exemplar
vor, keines gehört einer der von Herrn Stoliczka beschriebenen Species an,
doch ist eine Bestimmung ohne zahlreicheres Material nicht wohl zu wagen.
Ueberdies fand ich auf der Kammerkaar im rothen Marmor das nicht be-
stimmbare Bruchstück einer Auster und einen langen Cidariten-Stachel“.
Noch endlich erwähnt Herr Bergrath v. Hauer, dass er in der letzten
Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 12. 1. M. eine ungemein
werthvolle Arbeit unseres Freundes Herrn k. Bayer. Bergmeisters und Staats-
geologen C. W. Gümbel in München „Über die Dachsteinbivalve und ihre
alpinen Verwandten“ zur Aufnahme in die akademischen Publicationen übergeben
habe. Abgesehen von dem hohen Interesse, welches die Ergebnisse dieser Arbeit
für unsere eigenen Studien besitzen, liegt aber noch ein näheres Motiv vor, den
Gegenstand auch in unserer Sitzung zur Sprache zu bringen. Herr Gümbel hatte
bei seinen Untersuchungen vielfältig auch die interessanteren Stücke aus dem
Museum der k. k. geologischen Reichsanstalt, die ihm zu diesem Behufe über-
sendet worden waren, benützt, und dieselben nun mit den Bestimmungen ver-
sehen wieder zurückgesendet. Unter diesen Stücken, die Herr v. Hauer nun vor-
legte, befinden sich :
1. Megalodus triqueter sp. Wulf, von Agordo, St. Cassian, Lago d’Iseo und
Bleiberg aus den Südalpen, dann von Starhemberg bei Piesting, dem Gesäuse bei
Hieflau, dem Echernthale bei Hallstatt und dem Pass Lueg aus den Nordalpen.
Bezüglich dieser Art schreibt Herr Gümbel in einem Briefe an Herrn v.
Hauer: „Ich habe Exemplare von der Originalfundstelle vom Dachsteine, die ich
der Güte des Herrn Hofrathes v. Fischer verdanke, zerschlagen und präparirt
und auf das genaueste verglichen mit in gleicher Weise präparirten Originalen
Sitzung vom 17. December. W. Haidinger.
131
[13]
von Elbingenalp. bei denen ich Theile des Schlosses und die Steinkerne herstellte.
Es besteht bestimmt kein Unterschied zwischen der Dachsteinbivalve und
dem Megalodus scutatus Schafft., wofür übrigens der ältere Name der Tiroler
Landesaufnahme: striatus (Isocardia striata), falls dies eine besondere Art
wäre, gelten müsste. Eben so genaue Vergleichungen der Steinkerne aus Kärnthen
bestätigen in gleicher Weise die Identität des Wulfen'sehen C. triquetrum mit
der Dachsteinbivalve, obwohl in Kärnthen auch eine zweite hinten doppelt gekielte
Art, identisch mit jener von Nassereit, vorkömmt“. M. triqueter sp. Wulf findet
sich nach den Untersuchungen Gümbefs am häutigsten und verbreitetsten im
eigentlichen Dachsteinkalk, ferner aber auch in den Kössener Schichten und im
Haupt-Dolomit. Selbst aus Hallstätter (Esino-) Schichten gibt Herr Gümbel
einen, wie er glaubt, sichern Fundort in den lombardischen Alpen an.
2. Megalodus columhella Gümb. Von Bleiberg.
Die oben erwähnte Art, die sich auch zu Nassereit in Hallstätterkalk findet.
„Ich halte es für wahrscheinlich“, schreibt Hr. Gümbel, „dass Herrn Dr. Hörnes
Pachyrisma columbella der Schalenkörper dieser Art sei. Sie wissen, dass die
Gattung Pachyrisma, seit man den Zahn als blosse Gesteinserhöhung erkannte,
auf schwachen Füssen steht, und ich glaube auch die alpinotriassischen Megalo-
donten nicht als Gattung von Megalodus abtrennen zu sollen“. Diese Art ist in
ihrem Vorkommen auf die Hallstätter Schichten beschränkt.
3. Megalodus complanatus Gümb. Aus dem Haupt-Dolomit von Clusone in
der Lombardie.
4. Megalodus lamellosus aus den Raibler Schichten von Podpec bei Laibach.
Ausser den von unseren Geologen daselbst aufgesammelten Stücken wurde es
durch die Güte des Reichsrathes und Custos am Laibacher Museum Herrn
Deschmann möglich, auch das in dem gedachten Museum aufbewahrte Original-
Exemplar dieser Art, welches Hacquet als Titel Vignette im zweiten Theil seiner
Oryctographia Carnioliae abbildet, zur Untersuchung an Herrn Gümbel zu
übersenden.
Noch unterscheidet Herr Gümbel eine 5. Art, den M. gryphoides aus dem
Dachsteinkalk, weist dagegen nach, dass die von Herrn v. Hauer aus den Raibler
Schichten aufgeführte Art M. carinthiacus Boue sp. nicht zum Gesehlechte
Megalodus gehöre, von dem sie sich durch viel dünnere Schale, das Fehlen einer
bestimmten, gekielten hinteren Fläche und das Fehlen einer Eindrückung an der
Analseite unterscheidet. Herr Gümbel glaubt diese Art eher dem Gesehlechte
Isoarca verwandt , doch wird ihre generische Stellung wohl erst dann sicher
bestimmt werden können, wenn man erst die Beschaffenheit des Schlosses kennen
wird.
Zum Schlüsse ergreift Herr Direcfor W. Haidinger das Wort:
„Indem ich den hochverehrten Herren Theilnehmern an unserer heutigen
Tagesordnung meinen verbindlichsten Dank darbringe, freue ich mich, noch auf
die reichen Einsendungen einen Augenblick Ihre Aufmerksamkeit zu lenken,
welche uns vorliegen, aus den verschiedensten Gegenden, von London, Paris,
St. Petersburg, Venedig, Lausanne, Calcutta, die wichtigen zwei neuesten Bände
der Denkschriften der allgem. Schweizerischen naturwissensch. Gesellschaft mit
den Arbeiten der Thur mann, Oos t er, Gaudin, Strozzi, Zschokke u. s. w.
Eines der Werke, das uns näher angeht, ist die von Herrn Ludwig Hohen-
egg er in Teschen, Director der Erzherzoglich Albr echt’schen Eisenwerke, so
eben herausgegebene „Geognostische Karte der Nordkarpathen in Schlesien
und den angrenzenden Theilen von Mähren und Galizien“, nebst dem begleitenden
Berichte über „die geognostisehen Verhältnisse der Nordkarpathen u. s. w.“, von
r "
132
Verhandlungen.
[14]
welcher ich von dem hochverdienten Herrn Verfasser so eben erst Exemplare für
die k. k. geologische Reichsanstalt und für meine eigene Person als werthvolle
Geschenke erhalten habe.“
Herr Hofrath Haidinger bringt nun Herrn Director Hohenegger den
anerkennendsten Dank dar, und bezeichnet mit einigen Worten die fortwährende
Theilnahme, mit welcher seit Jahren dieses fortschreitende Werk unsere Auf-
merksamkeit fesselte. „Die Entwickelung der H oben egge r’schen Arbeiten ist
gleichzeitig mit unseren eigenen im k. k. montanislischen Museo und in der k. k.
geologischen Reichsanstalt. Schon am 23. Juli 1847 halte ich in einer Sitzung von
Freunden der Naturwissenschaften Nachrichten , von ihm selbst freundlich mit-
getheilt, vorlegen können. Damals schon war er längst von dem Gesichtspunkte
ausgegangen, dass geologische Kenntniss die Rasis von Schürfungsarbeiten sein
müsse, namentlich in den ungeachtet des verschiedenen geologischen Alters petro-
graphisch einander so sehr ähnlichen Thoneisensteinen, in den bis dahin Karpa-
thensandstein oder Wiener Sandstein benannten Gebirgsgliedern, welche ja auch
uns so manche schwierige Aufgabe brachten. Dass sie eine Anzahl von Forma-
tionen umfassen, vom Alter der unteren Kreide, des Neocom, bis zu den tertiären
Eoeenschichten , war bald klar, aber jedes einzelne Vorkommen zu deuten, das
war die grosse Arbeit, welche nun Herr Director Hohenegger glänzend durch-
geführt hat. Stratigraphie und Fossilreste konnten leiten, erstere durch die viel-
fachen Verwerfungen und das so sehr wenig abweichende Ansehen schwierig,
also mussten die neu einzuleiteuden paläontologischen Studien vorzüglich geför-
dert werden. Auch das bleibt ein grosses Verdienst unseres hochverehrten
Freundes Hohenegger, der sich in dieser Reihe von Jahren ein grosses
Museum und die reichhaltigsten paläontologischen Sammlungen aus jenen Gegen-
den geschaffen hat. Während der Zeit entwickelten sich auch in Wien unsere
paläontologischen Studien, Hörnes, Suess, Rolle am k. k. Hof-Mineralien-
cabinet, Franz Ritter v. Hauer, Czjzek, Ku de matsch, Peters, Zekeli,
Const. v. Ettingshausen, Hochstetter, Stur in der k. k. geologischen
Reichsanstalt, dazu unser trefflicher verewigter Ichthyologe Heckei, und in
naher Verbindung Reuss, v. Alth, Kn er, Zeuse h ne r, dazu die noch jün-
geren Forscher, so dass von einem Aufenthalte Hohenegger's zum anderen und
in seinen zahlreichen freundlichen Mittheilungen stets neue Anregung sich fand.
Bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Wien 1836 hatte er
schon die Karte vorgelegt. Sie ist nun, bei Perthes in Gotha, in dem Maasse
von 1 : 144.000 der Natur, oder 2000 Klafter gleich 1 Zoll, in Farbendruck, mit
24 Farben und Zeichen, vortrefflich ausgeführt worden. Die begleitenden „Erläu-
terungen“ aber wird ein theilnehmender Geologe nicht aus der Hand zu legen
vermögen, bis er sie von Anfang bis zum Ende durchgenommen hat. so viele
Erinnerungen an die einzelnen Feststellungen der Grundsätze, so viele von
Hohenegger in die Wissenschaft eingeführte Thatsachen, aus jener emsig
durchforschten Umgegend. Werke wie dieses sind wahrhaft geistige Eroberungen
für immerwährende Zeiten. Möge unsere reiche Anerkennung dem hochverehrten
Freunde und Arbeitsgenossen in der grossen Frage des Fortschrittes geologischer
Forschung in Oesterreich einige Befriedigung gewähren.“
„Das Inhaltsverzeichniss, wie Freund Hohenegger es gibt, wird in sich
schon die Richtung und Ausführlichkeit der Studien darthun, wie er selbe ver-
folgte und sie in seinem Hauptüberblick, nebst Einleitung und Literatur, ver-
zeichnet: I. Steinkoblengruppe: 1. Culmschichten , 2. Steinkohlengebirge.
II. Strambergerkalkstein (Oberer weisser Jura, Corallien und zum Theil Kim-
meridgien d’Orbigny), III. Neocomien (Hils-Congl. Römer, Neocom. infer.
Sitzung vom 17. December. W. Haidinger.
133
[IS]
d’Orb.): 1. unterer Teschner Schiefer, 2. Teschner Kalkstein (untere und
obere Abtheilung), 3. oberer Teschner Schiefer und Grodischter Sandstein.
IV. Wernsdorfer Schichten (Urgonien und zum Theil Aptien d’Orb.). V. Godula-
sandstein (Albien d’Orb., zum Theil englischer Gault). VI. Istebner Sandstein
(Cenomanien d'Orb.). VII. Friedecker Schichten: a) Friedecker Baculiten-
mergel (Pläner-Mergel in Böhmen, Turonien d’Orb.), b) Baschker Sandstein
(oberer Kreidesandstein in Böhmen, Senonien d’Orb.). VIII. Eocene Schichten:
a) Nummulitenperiode (Suessonien d’Orb.), b) Menilitgebilde (Parisien? d’Orb.).
IX. Neogene Schichten (Hörn es). X. Diluvium. XI. Bildungen der Gegenwart.
XII. Plutonische und vulcanische Gesteine, Teschenit und Basalt. Ferner den
Ueberblick derHebungsperioden und die mit denselben zusammenhängende Gestal-
tung von Land und Meer.44
„Unter den in letzter Zeit uns als freundliche Geschenke zugesandten
Werken44, fährt Haidinger fort, „verweile ich gern einen Augenblick auf der
eben erschienenen dritten Abtheilung der „Erinnerungen vermischten Inhaltes von
Baronin Louise Kotz — Was ich erlebte! was mir auffiel!44. Die hochverehrte
Verfasserin gedenkt in den glanzvoll wechselnden Bildern der Erinnerungs-
Reisegenüsse in den höheren Sphären unserer Gesellschaft, so freundlich auch
mancher uns zunächst betreffender Gegenstände und Ereignisse, dass ich wohl
verpflichtet bin, ihr meinen innigsten Dank darzubringen. Auch ihre eigene und
die Photographie ihrer zu früh verewigten Schwester, Stiftsdame Baronin Erne-
stine Kotz, hatte sie freundlichst mitgetheilt, welche nun unmittelbar nach Herrn
Boucher de Perthes in chronologischer Ordnung unser Album zieren, während
die Bilder der Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt, mein eigenes und
die meiner hochverehrten jüngeren Freunde und Arbeitsgenossen, den Schluss der
ersten Abtheilung bilden. Alle unsere hochverehrten Gönner und Correspondenten
sind angelegentlichst gebeten, in gleicherweise für spätere Zeiten uns das
Andenken ihres freundlichen Wohlwollens zu bewahren.44
„Mit der heutigen Sitzung schliessen wir unsere diesjährigen Vereini-
gungs-Abende, um uns, so hoffen wir, am 7. Jänner 1862 rasch am Werke
wiederzufinden. Erlauben Sie mir, meine hochverehrten Herren, einen kurzen
Ueberblick derselben und der reichen, mannigfaltigen Gegenstände, welche sie
uns brachte. Erstens das eben im Schlüsse liegende Heft von unseres hochver-
ehrten Freundes Herrn Dr. M. Hörnes fossilen Mollusken, unter dem waltenden
Schutze Seiner Excellenz des Herrn k. k. Staatsministers Ritters v. Schmerling
wieder in Gang gesetzt, und wohl dürfen wir zuversichtlich hoffen, nun ohne
weiteren Unfall bis zum Schlüsse. Dann ein junger Fachgenosse, Herr Dr. Zir-
kel, in seinem ersten Vortrage in unserem Kreise, der sich Wien für den Win-
teraufenthalt für praktische krystallographische, mineralogische, geologische
Studien wählt, trefflich vorbereitet unter unserem hochverehrten Freunde Nög-
gerath und durch ihn empfohlen, der seine Erfahrungen aus einer Reise in
Island nun vergleicht mit den Richtho fen’schen Aufsammlungen der ungari-
schen und siebenbiirgischen, und den Hochstetter’schen der neuseeländischen
Trachytgesteine. Die Ergebnisse unserer eigenen Arbeiten, von Herrn Bergrath
Foetterle in Croatien, Dr. Stäche im Bakonyer- Walde, Freih. v. Andrian in
Böhmen. Die Vorlage durch freundliche Vermittlung der Herren Direetor Krejcf
in Pisek und Custos Fritsch in Prag aufgesammelter Petrefacten aus den siluri-
schen Schichten durch Herrn Bergrath Lipoid. Mittheilungen befreundeter
Forscher, eines Binkhorst van den Binkhorst in Maestricht, Gümbelin
München und Pich ler in Innsbruck durch Herrn Franz Ritter v. Hauer vor-
gelegt, und so vieler anderer werthvollen Gaben. Aus denselben ein wahrhaft
134
Verhandlungen.
[10]
be wunderungswürdiger Abschnitt in den Arbeiten unseres Freundes Hohenegger
in seiner Karte, die gleichzeitig dort gewonnene Höhe der Wissenschaft, wie
wir sie hier in Wien empor zu fördern uns bestrebten, endlich die freundschaft-
lich werthe gesellschaftliche Anerkennung und Erinnerung, wie selbe uns Frau
Baronin Louise Kotz wohlwollend bietet, und die Fortschritte unseres Album.
Wohl dürfen wir uns des reichen Rückblickes freuen. Und zwar wie auf die
heutige Sitzung, so über die Ereignisse des ganzen Jahres, denn gerade in der
letzten Sitzung des verflossenen, am 11. December 1860, war es mir beschie-
den, von der Gnade unseres Allerdurchlauchtigsten Kaisers und
Herrn die fernere Bewilligung unserer unverkürzten Dotation zu berichten, so
wie von unseren besten Hoffnungen für die Zukunft, welche nun wirklich
unter unseres unvergleichlichen, wohlwollenden k. k. Staatsministers Ritters
v. Schmerling mächtigem Schutze reichlich in Erfüllung gegangen sind.
Jahrbuch
12. Band.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 7. Jänner 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitz.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid machte eine Mittheilung über die
von einer Bergbau- und Zinkfabrications-Gesellschaft neu eröffneten Galmei- und
Braunkohlen-Bergbaue nächst Ivanec im Warasdiner Comitate Croatiens.
Das Dorf Ivanec, Sitz eines Stuhlrichteramtes, ist im Bednja-Thale 2 Mei-
len südwestlich von Warasdin am nördlichen Fusse des in einem schmalen Rücken
von West nach Ost sich erstreckenden Bistrica- und Ivanczica-Gebirges gelegen *).
Eine halbe Meile südlich vom Dorfe Ivanec, ungefähr 500 Fuss höher als dasselbe,
am nördlichen Gehänge des Ivauezica-Berges befindet sich der Galmei-Bergbau«
Das nach Norden in steilen Gehängen abfallende Ivanczica-Gebirge ist aus
Kalksteinen und Dolomiten zusammengesetzt, welche von Schiefern und Sand-
steinen unterteuft werden, die am Fusse des Gebirges in mehreren Gräben und
auch nächst des Galmeibergbaues anstehend gefunden werden. In diesen Schie-
fern und Sandsteinen finden sich Versteinerungen vor, und unter diesen
Myacites Fassaensis Wissm. und Posidonomya Clarae Emmr», welche dieselben
als Werfener Schichten (untere Triasformation, — bunter Sandstein) charak-
terisiren. Die auf den Werfener Schichten lagernden Dolomite und gleichfalls
Petrefacten führenden Kalksteine gehören theils den Guttensteiner Schichten,
theils der oberen alpinen Trias an. Die seit anderthalb Jahren geführten Auf-
schlussbaue bei der Galmeigrube begründen die gegenwärtige Ansicht, dass die
Galmei-Erzführung jenen Dolomiten eigenthümlich sei, welche unmittelbar über
den Werfener Schichten lagern. Die bisherigen Aufschlussbaue haben aber auch
zur Überzeugung geführt, dass die gegenwärtig im Aufschluss befindliche Erz-
lagerstatt einer mächtigen Gebirgspartie angehöre, welche in Folge einer an
dem steilen Gehänge erfolgten grossartigen Gebirgsabrutschung aus der ur-
sprünglichen Lagerung in ihre jetzige tiefere Stellung gebracht wurde. Den Be-
weis hiefür fand Herr Lipoid in vollkommen identischen Gliedern der Werfe-
ner Schichten, welche sowohl im Liegenden als auch im Hangenden der bezeich-
neten Erzlagerstatt angefahren w urden, und in dem Umstande, dass leztere an
den bisherigen Aufschlussörtern nach dem Verflächen in der Teufe durch Schutt-
gebirge und Breccien abgeschnitten vorgefunden wmrde.
Das eben erwähnte Galmeierzlager wurde bisher nach dem Streichen von
Ost in West ungefähr 100 Klafter weit, u. z. in der Mächtigkeit von 2 — 3
Fuss, ausgerichtet, und dadurch schon jetzt ein Erzquantum von mindestens
200.000 Ctr. schmelzwüirdigen Galmeis sicher gestellt. Das Verflächen ist wi-
dersinnisch nach Süden, und zwar mit steilen Einfallswinkeln. Die Galmeierze
Warasdin liegt 540 Fuss, Ivanec 640 Fuss, die Spitze des Ivanczica-Berges 3348 Fuss
über dem adriatischen Meere.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band. 1861 und 1862. Verhandlungen.
S
136
Verhandlungen.
[2]
sind vorherrschend kohlensaures Zinkoxyd (Zinkspath, Smithsonit), rein und
gutartig. Nur in der Teufe tritt mit dem Galmei auch Bleiglanz auf, und an dem
einen Aufschlussorte im Tiefsten des Erzlagers fanden sich Blöcke von Dolomit
vor, welche, von Aussen mit Zinkspath besetzt, im Innern Bleiglanz und derbe
Zinkblende eingesprengt enthielten. Bei den docimastischen Proben ergaben die
Galmeierze einen Zinkgehalt von 16 — 46 Procent, und im Grossen in einem
Versuchs-Zinkofen ein Ausbringen von 18 — 22 Procent.
Aus der oben angedeuteten Art, in welcher diese Erzlagerstatt in ihre ge-
genwärtige Lage gelangt ist, fand es Herr Bergrath Lipoid erklärlich, dass die-
selbe sowohl im Verflächen als auch im Streichen Verschiebungen und Störungen
erlitten hat, welche sich auch in der That in deutlichen Verwerfungsklüften
kundgeben. Bei der weiteren Ausrichtung dieser Erzlagerstatt nach dem Strei-
chen, insbesondere in westlicher Bichtung, wo das in grosser Ausdehnung vor-
liegende Gebirge zu grossen Hoffnungen berechtigt, sind diese Verwerfungs-
klüfte berufen, sehr gute Anhaltspunkte zur Auffindung des allenfalls verwor-
fenen Erzlagers zu geben. In der That sind nach den neuesten Nachrichten, die
Herrn Bergrath Lipoid zukamen, in jüngster Zeit in dieser Beziehung sehr
günstige Resultate zu Tage gefördert worden. Diese Ausrichtung des Erzlagers
nach dem Streichen ist eine der Aufgaben , welche bei dem Galmeibergbaue ver-
folgt wird, und um so bedeutungsvoller, als sich hei derselben die weitere Er-
schürfung von, wie die Erfahrung zeigt, reinen und gutartigen Galmeien anhoffen
lässt. Die zweite Aufgabe, deren Lösung in Folge der bisherigen Aufschlüsse
über die Schichtenfolge und Gebirgslagerung mit Zuversicht erwartet werden
kann, besteht in dem Anfahren jener ungestörten Erzlagerstatt in dem Hauptge-
birge, von welcher das oberwähnte Galmeilager in Folge der Gebirgsrutschung
abgetrennt wurde. Zu diesem Behufe werden mehrere Schürfstollen in das un-
verritzte Gebirge aus dem Liegenden zum Hangenden eingetrieben, um die
widersinnisch einfallenden Schichten der oberen Trias von den liegenden Wer-
fener Schichten aus zu verqueren. Auch bei diesen Aufschlüssen berechtigen die
Resultate der neuesten Arbeiten zu den günstigsten Hoffnungen auf Erzanbrüche.
Das zweite Bergbauobject der Ivanecer Bergbau- und Ziukfabrications -Ge-
sellschaft bilden die Kohlenbergbaue, durch welche eine billige Verhüttung der
Galmeierze ermöglicht wird. Herr Bergrath Lipoid erörterte zuerst die geo-
logische Beschaffenheit des Terrains, in welchem die Kohlen aufltreten, mit
Hinweisung auf jene Mittheilungen, welche in der letzten Sitzung der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt bereits Herr Bergrath F o etter le rücksichtlich der
Tertiärablagerungen in Croatien gemacht hatte.
Längs des ganzen Zuges des Ivanczica- und Bistrica-Gebirges lagern den
Triasbildungen desselben bis zu der Höhe, in der sich der Galmeibergbau befin-
det, Meeresbildungen der neogenen Tertiärformation an, welche aus Tegeln
(Thonen), Sanden und Leithakalksteinen bestehen, und nördlich von dem Haupt-
gebirgsrücken kleine Vorberge und Hügelreihen bilden1). Diese marinen
Tertiärablagerungen dehnen sich bis zur Thalsohle bei Ivanec aus, und es folgen
auf dieselben gegen Norden tertiäre Süsswasserbildungen (Congerien-
schichten), welche gleichfalls aus Tegeln und Sanden bestehen, und besonders am
linken Ufer des Bednja-Flusses in grosser Ausdehnung verbreitet sind. Sowohl
die Meeres- als auch die Süsswasser-Tegel der Tertiärformation führen Kohlen-
flötze, welche aber rücksichtlich ihrer Lagerung und Mächtigkeit, und rücksicht-
lich der Beschaffenheit der Braunkohlen sehr verschieden sind.
U Dasselbe findet nach Herrn Bergr. Foetterle südlich von dem Hauptgebirgsrücken Statt.
[3]
Sitzung vom 7. Jänner. M. V. Lipoid.
137
Die Kohlenflötze der marinen Ablagerungen in den erwähnten am rechten
Ufer der Bednja sich erhebenden Vorbergen und Hügelreihen führen grösstentheils
eine schöne dichte Braunkohle (Glanzkohle) mit muscheligem Bruche; aber ihre
Mächtigkeit bleibt in der Regel unter 3 Fuss. Da überdies das Terrain zunächst
des Hauptgebirgsrückens durch emporgedrungene Porphyre und jüngere zum
Theil basaltische Eruptivgesteine grosse Hebungen erlitten hat, so sind auch die
Kohlenflötze der marinen Abtheilung vielfach zertrümmert und in ihrer Lagerung
gestört. Man findet diese Kohlenflötze an vielen Punkten der Vorberge nächst
Lepoglava, Ivanec und Verhovec, im Bistrica- und Ivanczica-Graben ausbeissend,
aber bald mit recht- bald mit widersinnischem Einfallen, öfters ganz saiger
aufgerichtet, und nach dem Streichen häufig verdrückt und verworfen. Die ober-
wähnte Gesellschaft, die sich mehrere dieser Ausbisse durch Freischürfe gesichert
hat, richtet einen derselben % Meile südöstlich vom Dorfe Ivanec entfernt,
hauptsächlich aus dem Grunde aus, um für die Verhüttung der Galmeierze Cinders
zu gewinnen. Das daselbst mittelst Schachtbau in Ausrichtung befindliche Kohlen-
flötz von 2 — 3, stellenweise von 5 — 6 Fuss Mächtigkeit hat muldenförmig ein
rechtsinnisches steiles Einfallen. Die Analyse dieser Kohle ergab 12% Wasser,
11*1 °/0 Asche, und als Aequivalent einerKlaf. SOzölhgen weichen Holzes 12*6 Cent.
Eine viel grössere Wichtigkeit schreibt Herr Bergrath Lipoid den Kohlen-
flötzen der jüngeren tertiären Süsswasserablagerungen am linken Ufer des Bednja-
Flusses zu. Die Kohlenflötze dieser Ablagerungen führen zwar nur eine lignitische
Braunkohle, ähnlich jener von Köflach und Voitsberg in Steiermark ; aber ihre
Lagerung ist eine ungestörte und ihre Mächtigkeit eine bedeutende. Die Ivanecer
Bergbau- und Zinkfabrications-Gesellschaft hat auf diese Kohlenflötze am linken
Bednja-Ufer nächst »lerovec bereits ein Grubenfeld, Georgsgrube, mit 4 Doppel-
maassen erworben und überdies das anstossende umliegende Terrain sich durch
60 Freischurfrechte gesichert. Dieses Terrain wurde bisher durch 14 Bohrlöcher
näher untersucht, welche auf einer Fläche von 500 Klafter Länge und ungefähr
500 Klafter Breite (250.000 Quadratklaftern) vertheilt sind. Die Bohrlöcher er-
langten eine Saigerteufe von 10 — 26, das eine bisher von 33 Klaftern. In fünf
Bohrlöchern wurde das Kohlenterrain zum Theile wegen eingetretener Hinder-
nisse nicht vollständig durchfahren, aber ungeachtet dessen wurden auch in diesen
Bohrlöchern 1 — 3 Kohlenflötze in der Gesammtmächtigkeit von 2° 2%' — 4° 4%'
durchsetzt. In den übrigen Bohrlöchern erreichte man 4 — 9, durch kleinere oder
grössere Zwischenmittel von Tegel getrennte Kohlenflötze, einzeln in der Mäch-
tigkeit von 3' — 3° 6', und in der Gesammtmächtigkeit von 4 — 7 Klaftern. Herr
Bergrath Lipoid führte als Beispiele der Schichtenfolge, des Wechsels und der
Mächtigkeit der einzelnen Kohlenflötze die Besultate der Bohrlöcher Nr. VIII und
Nr. XIII an, in deren erstem :
9° 1‘ glimmerreicher Tegel,
2' Kohlenschiefer,
3' Kohle,
1° \‘ blauer Tegel,
1° 3%' Kohle,
1° 1' blauer Tegel,
3i/2‘ Kohle,
und in deren zweitem:
1° — Dammerde,
2° 1' blauer Tegel,
3' gelber Thon,
4° — gelb, und röthl. Sand,
i° — Kohle,
5' blauer Tegel,
3%' blauer Tegel,
4Va' Kohle,
1' blauer Tegel,
3 Kohle,
4%' blauer Tegel,
4' Kohle,
6" blauer Tegel,
3' Kohle,
2' schwarzer Thon,
4' Kohle,
1° T blauer Tegel,
1° 3' Kohle,
1° 1' blau, und schwarz. Teg.
1° — Kohle,
6" Kohlenschiefer.
2° 2%' Kohle,
1° — blauer Tegel,
1° 4' Kohle,
6' Kohle,
3' schwär zer Thon,
1° 3' Kohle,
2° 4' blauer Tegel,
1° — Kohle, und endlich
Sand.
138
Verhandlungen.
[*]
durchfahren wurden. Das erstere Bohrloch (Nr. VIII) wurden überdies in
Kohle anstehend verlassen. Als Hangendes der Kohlenflötze erscheinen Sande
und Tegel, — als Liegendes hat man bisher nur Sande erreicht. Indessen wird
neben dem jetzigen Förderschachte ein Bohrloch fortbetrieben , welches obige
Flötze durchsetzt hat, und nun in der 33. Klafter steht, um das Liegendgebirge
der Kohlenflötze zu untersuchen. Neuestens mit diesem Bohrloche angefahrene
Kohlenschiefer geben die Aussicht auf das Erbobren neuer Kohlenflötze, und es
ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Kohlenflötze der marinen Tertiärformation
angehören und Glanzkohle führen werden. Aus der Vergleichung und Zusammen-
stellung der Bohrprofile wies Herr Bergrath Lipoid nach, dass die Kohlenflötze
fast schwebend und höchstens mit einem nördlichen Einfallen von 5 — G Grad
gelagert sind, und in ihrer Lagerung keine Störungen erlitten haben konnten. Der
mittlere Durchschnitt der in 7 Bohrlöchern bekannt gewordenen Gesammt-
mächtigkeit der Kohlenflötze beträgt, ohne Rücksicht auf die in 2 Bohr-
löchern noch nich t durchfahrenen Flötze, 5 */* Klafter, und von dieser
Mächtigkeit dürften mindestens 4 Klafter Kohle als durch den Abbau ausbringbar
und gewinnbar bezeichnet werden. Herr Bergrath L i p o I d bemerkte, dass bei
der letzteren Annahme in dem durch Bohrlöcher bisher untersuchten Terrain
von 230.000 □ Klafter allein schon die namhafte Kohlenmenge von 1 Million
Kubikklafter als leicht gewinnbar nachgewiesen sei, dass aber bei der grossen
Verbreitung , welche die tertiären Süsswasserablagerungen in der weiteren Um-
gehung von Jerovec besitzen, und bei dem Umstande, dass in denselben auch
ausserhalb des bezeiehneten untersuchten Terrains in den von der Gesellschaft
occupirten Freisehurfkreisen Ausbisse von lignitischen Braunkohlen bekannt sind,
an der ferneren Aufschliessung bedeutender Kohlenmengen mittelst Bohrversuehen
nicht gezweifelt werden könne.
Herr Bergrath Lipoid theilte ferner mit, dass ein Kohlenflötz de; Georgs-
grube nächst Jerovec mittelst eines 10 Klafter tiefen Schachtes bereits in, Abbau
gesetzt, und dass daselbst mehr im Hangenden ein 2. Schacht im Abteufen
befindlich ist, der zur Förderung und Wasserhaltung mit einer Dampfmaschine
von 30 Pferdekräften versehen werden wird. Die Lignitkohle wird zur Ver-
hüttung der in der Galmeigrube gewonnenen Erze verwendet werden, wozu sie
nach gemachten Versuchen vollkommen geeignet ist. Die oberwähnte Gesell-
schaft leitete zu diesem Behufe bereits den Bau einer Zinkhütte ein, welche nur
i/!i Meile von der Galmeigrube entfernt, sich am Bednja-Flusse zunächst der
Kohlengrube bei Jerovec befindet, und derart angelegt ist, dass die Kohlen vom
Maschinenschachte unmittelbar zu den Feuerungsräumen in der Hütte werden
gefördert werden. Die gegenwärtige Hütte ist für eine jährliche Erzeugung von
10 — 12.000 Centner Zink angelegt, mit Oefen nach dem von Herrn Hülten-
director L. Klee mann verbesserten schlesischen Systeme. Bei der Anlage ist
auch auf eine Erweiterung vorgesehen worden, die für den Fall, als in der
Folge eine erhöhte Zinkproduction eingeleitet werden wollte, leicht ausgeführt
werden und zweckmässig sich dem Bestehenden anreihen lassen kann. Bei dem
günstigen Umstande, dass die Zinkhütte nur \i/2 Meile von der Wasserstrasse
des Drauflusses entfernt und ein billiger Bezug aus Kärnthen leicht möglich ist,
dürfte die Gesellschaft auch in der für sie angenehmen Lage sein, allenfalls
fremden Galmei mit Vortheil zu verwenden.
Schliesslich bemerkte Herr Bergrath Lipol d, dass es nach dem Vorher-
gesagten keinem Zweifel unterliegen könne, dass die Erzeugungsfähigkeit der
Jerovecer Kohlengruben den Bedarf der gegenwärtigen Zinkhütte und auch einer
künftig allfällig erweiterten Zinkproduction hei weitem übersteige, und dass
Sitzung vom 7. Jänner. Karl v. Hauer.
139
[S]
diese Gruben eine Ausdehnung der Kohlenproduetion zulassen, mittelst welcher
nicht nur die verschiedenen Industrial-Etablissements der Umgegend, sondern
auch die Pragerhof - Kanizsa - Ofener Eisenbahn, deren Station Czakathurn
3*4 Meile von Jerovec entfernt ist, und welche gegenwärtig zur Locomotiv-
heizung ähnliche Kohlen, nur aus weiter Entfernung erhaltbar, verwendet, mit
billigem Brennstoff versehen werden könnten.
Herr Karl Ritter von Hauer berichtete über die Untersuchung einer Kohle
aus der Beatensglücksgrube in Preussisch-Schlesien , welche zu diesem Behufe
von Herrn Appel an die k. k. geologische Reichsanstalt eingesendet wurde. Sie
rührt von dem zweiten, sogenannten Unterflötze her. Eine Probe von dem ersten
Flötze wurde schon im vergangenen Jahre untersucht und ein Vergleich der bei-
den Resultate zeigt von der seltenen Gleichförmigkeit in der Zusammensetzung
des dortigen Kohlenvorkommens. Gefunden wurden:
I.
n.
Flötz.
Föltz.
Wasser in 100 Theilen
3-2
1*8
Asche in 100 Theilen
1*3
1*2
Cokes in 100 Theilen
38*4
37*3
Reducirte Gewichtstheile Blei
26*63
27-160
Wärme-Einheiten
6023
6124
Aequivalent einer Klafter 30zölligen, wei -
chen Holzes sind Centner
8*7
8*3
Auffällig ist zunächst die äusserst geringe Aschenmenge. Während dieselbe
oft in einem einzelnen Flötze bedeutend variirt, leidet sie hier in einer ganzen
Ablagerung fast keine Veränderung. Eine weitere Frage, die sich an diese
Analysen knüpfen lässt, ist: wie steht der hohe Brennwerth der Kohle mit der
verbältnissmässig geringen Cokesmenge im Einklänge?
Während die Kohlen von Ostrau 60 — 64 Procent Cokes geben, die von
Rossitz 71 — 77, jene von Schwadowitz und Fünfkirchen aber sogar 80 Procente
und darüber, lauter Kohlen, deren Brennwerth theilweise beträchtlich unter jenem
der in Rede stehenden liegt, gibt letztere nur 37 Procente Cokes. Es rührt dies
daher, dass die Kohle aus der Beatensglücksgrube, so wie überhaupt die hier im
Handel vorkommenden preussischen Sorten, beim Erhitzen im verschlossenen
Raume mehr Gas liefern, sie sind reicher an Wasserstoff. Es lässt sich bei Stein-
kohlen von hohem Brenn werthe daher schon aus der Cokesmenge, welche sie
liefern, ein Schluss ziehen, ob sie gute Gaskohlen sind und zwar wird dies um so
mehr der Fall sein, je weniger sie kohligen Rückstand beim Vergasen hinterlassen.
Diese höchst einfache Betrachtung, welche einen sehr verlässlichen Anhaltspunkt
liefert, wird im Ganzen zu wenig gewürdigt und es erscheint daher nicht über-
flüssig darauf aufmerksam zu machen.
Es lässt sich zum Beispiel bei Vergleich der Ostrauer und der genannten
Kohle unfehlbar erkennen, dass letztere speciell zum Behufe der Gaserzeugung
weit geeigneter sein müsse. Die Differenz liegt schon in den Cokes-Procenten,
d. i. in den Zahlen 37 und 60 — 64, wenn wir die ganze Wassermenge, die ja
überhaupt in Steinkohlen sehr geringe ist, vernachlässigen. Die Ostrauer Kohlen
müssen noth wendiger Weise einige Pfunde Gas pr. Centner weniger liefern. Und
wirklich scheint dies in der Praxis gefühlt worden zu sein, denn die hiesigen
Gasanstalten verarbeiten jährlich wirklich 700.000 Centner preussische und nur
etwa 300.000 Centner Ostrauer Kohlen. Wo es sich speciell um die Gaserzeugung
handelt, wird daher, so sehr es auch aus nationalökonomischen Gründen zu
wünschen ist, die Ostrauer, die Rossitzer Kohle u. s. w. nie die preussischen Koh-
len verdrängen können, wenn sie nicht in ihrem Preise unter der Differenz
stehen, welche bei der Gaserzeugung sich ergibt, oder wenigstens bei solcher
Berechnung mit ihnen gleich werthig geboten werden.
140
Verhandlungen.
[6]
Allein wie gross auch der Consum der Kohle für Gas, er ist doch nur ein
kleiner Bruchtheil dessen, was an Kohle zu anderen Zwecken verbraucht wird.
Dort werden nun Producte unserer vorzüglicheren inländischen Vorkommen
gleiche Dienste leisten können, und es ist sehr beklagenswerth, sie vom Haupt«
absatzorte Wien mehr oder minder ausgeschlossen zu sehen, aus Gründen, die
schon so oft erörtert und so allgemein bekannt sind, dass es überflüssig wäre
sie nochmals anzuführen. Nur eine Zahl sei es gestattet zu nennen, die hier
von hoher Bedeutung ist, „der niedrigste unserer Kohlenfrachtsätze ist um 126%
höher als jener auf manchen norddeutschen Bahnen".
Herr D. Stur legt drei Einsendungen von fossilen Pflanzenresten, die im
verflossenen Herbste an die geologische Reichsanstalt angelangt sind, vor.
Die erste davon enthält Pflanzenreste aus dem Steinkohlenbecken von
Miröschau in Böhmen, die wir unserem Correspondenten Herrn Apotheker
Storch in Rokitzan verdanken. Die Gesteinsart, worauf die meisten Pflanzenreste
enthalten sind, ist ein schwarzgrauer schiefriger mittelfeiner Sandstein. Die
Pflanzenreste selbst zeigen eine von der des Gesteines nur wenig verschiedene
Färbung und eine weniger gute Erhaltung als es wünschenswerth wäre. Doch
konnten mit hinreichender Sicherheit folgende Arten bestimmt werden :
Calamites communis Ett.
Sphenophyllum Schlotheimii Strnbg.
Neuroplcris heterophylla Brong.
Alcthopteris Brongniarti Goepp.
Pecopteris unita Brong.
Pecoptcris acqualis Brong.
„ Plukenetii Strnbg.
Stigmaria ficoides Brong.
Lepidodendron obocatum Strnbg.
Sigillaria clongata Brong.
Die häufigste und am reichlichsten verbreitete Art dieser Sendung ist
Pecopteris Plukenetii Sternbergf die in der Steinkohlenformation überall eine
nicht seltene Erscheinung ist. Nach Geinitz sieht man sie aber seltener in den
tieferen Flötzen, als in den oberen Abtheilungen dieser Formation.
Die zwe ite Einsendung verdanken wir dem fürstlich Fürste nberg’schen
Hüttenmeisterin Bfas, Herrn K. Feistmantel. Dieselbe enthält aus zwei ge-
trennten Steinkohlenbecken Böhmens 40 Arten von fossilen Pflanzenresten, und
zwar: Aus dem Becken von Bras, einer südwestlichen Bucht des Radnitzer Beckens
32 Arten, und aus dem Steinkohlen-Becken von Swina 15 Arten.
Das Becken von Bras befand sich auf unseren früheren Aufnahmskarten
als ein selbstständiges rundherum abgeschlossenes Becken verzeichnet. Erst im
verflossenen Sommer hat Herr Bergrath Lipoid einen unmittelbaren Zusammen-
hang desselben mit dem weit grösseren, dem Becken von Radnitz, erkannt. Herr
Dr. Const. v. Ettingshausen behandelt in seinem grossen Werke „die Stein-
kohlen-Flora von Radnitz in Böhmen“ (Abhandlungen der k. k. geologischen
Reichsanstalt, II, III. Abth. , Nr. 3) das Bfaser Becken als eine Bucht des von
Radnitz und führt von da die Localität Wranowitz, die besonders fleissig ausge-
beutet wurde, an. Herr Hüttenmeister Feistmantel nennt die in Rede stehende
Bucht das Becken von Bras, und sendet aus 7 verschiedenen Fundorten fos-
sile Pflanzenreste ein. Von diesen Fundorten gehören vier, westliches Ausgehen-
des, nordwestliches Ausgehendes bei Wranowitz, nördliches Ausgehendes, und
Tiefstes der Mulde, den im Hangenden der Kohle abgelagerten Schichten von
Schiefer und Sandstein; zwei Fundorte, nordöstliches Ausgehendes und westliche
Ausbisse, befinden sich im Liegenden der Kohle, und ein Fundort, auf Zwischen-
mitteln der Kohle im nordöstlichen Ausgehenden der Mulde. Diese genauen An-
gaben machen die Sendung des Herrn Feistmantel ausserordentlich werthvoll.
Folgende Tabelle gibt die Reibe der eingesendeten Arten aus dem Becken von
Bras und ihre Vertheilung, sowohl in verticaler als horizontaler Richtung.
P]
Sitzung vom 7. Jänner. Dionys Stur.
141
Nr.
Namen der Ptlanzenreste
Spcciclle Fundorts - Angaben
Han«
;endschichten der
Kohle
Zwi-
schen-
mittel
der
Kohle
Liegendes
der Kohle
Westliches
Ausgehendes
Nordwestl.
Ausgehendes
Wranowitz
Nördliches
Ausgehendes
Tiefstes
der Mulde
Nordöstl.
Ausgehendes
Westliche
Ausbisse
ll
o &*>
SB I
1
Calamites communis Elf. var. Suckovii Brong. .
+
2
„ „ var. ramosus Artis . .
.
+
3
„ „ var. varians Strnbg. .
+
4
„ „ Volkmannia gracil. St.
+
! 3
„ „ „ elongata Presl .
+ -
4~
! 6
Aster ophyllit es longifolia Brong
4~
7
„ grandis Strnbg
8
Neuropteris rubescens Strnbg
n
9
„ acutifolia
4-
JO
Sphenopteris acutiloba Strnbg
4-
11
„ Hoeninghausi Brong
4-
12
„ obtusiloba Brong
V -t;. .
4-
13
„ Latifolia Brong
14
„ fragilis Brong
-h; i
J 3
Cyatheites arborescens Goepp
-j-
16
„ Oreopteridis Goepp
H-
17
„ Miltoni Goepp
4-
18
„ dentatus Goepp
+
19
„ undulatus Goepp
v4<’
20
Pecopteris silesiaca Goepp
4-
21
„ Glockeriana var. falcicidata Goepp.
p
22
Zippen d.i stich n. Cnrd.n.
23
Stigmaria ficoides Brong
' 4- '
24
Sigillaria trigona Strnbg
Spj,
25
Syringodendron pes capreoli Strnbg
26
Lepidodendron dichotomum Strnbg
I
27
„ aculeatum Strnbg
28
„ Haidingeri Ett
,-j-
4~
29
„ undulatum Strnbg
4-
30
Knorria Sellonii Strnbg .
4~
31
Lepidostrobus variabilis Lindei. et Hutt .
||B
32
L.epidophloios laricinum Strnbg
Zu einigen der hier aufgezählten Arten habe ich folgendes zu bemerken :
Sphenopteris Hoeninghausi Brongn. Ein nur unvollkommen erhaltenes
grosses Exemplar, das den Habitus der angezogenen Art wiedergibt. Ich nehme
diese Art doch ohne Bedenken auf, da sie auch Dr. Const. v. Ettingshausen
von Wranowitz aufzählt, obwohl es mir nicht gelang in den Sammlungen
der k. k. geologischen Reichsanstalt das Belegstück zur obigen Angabe zu ent-
decken.
Cyatheites undulatus Goepp. Auf einem und demselben Wedelstücke trifft
man neben hieher gehörigen Fiederchen, mitunter vorherrschend solche, die von
Cyatheites Miltoni nicht trennbar sind und dann vollkommen der Abbildung von
Sphenopteris flavicans Sternbg. II, Tab. 38, Fig. 1, p. 127, welche Art Stern-
berg, in schisto lithantracum Bohemiae adBras prope Badnitz angibt, gleichen.
Letztere Art erwähnen jedoch weder Unger in seinen Genera et species pl.
foss., noch v. Ettingshausen in dem oben angeführten Werke.
142
Verhandlungen.
[81
Pecopteris silesiaca Goepp. Gut erhaltene Exemplare zeigen, dass die mir
vorliegenden Pflanzer» , einfach gefiederter Secundärnerven wegen, hieher und
nicht zu Pecopteris plumosa Brong. gezogen werden können.
Stigmaria ficoides Brong. Die Exemplare aus dem Liegendender Kohledürften
der Stigmaria inaequalis Goepp. so wie sie Geinitz (Hainichen-Ebersdorfer
Formation Tab. X, Fig. 5a) abbildet, entsprechen. Es erscheint sehr wünschens-
wert]! die Flora des Braser- Beckens, die sowohl nun von Herrn Feistmantel
neu bereichert, als in früherer Zeit von Herrn Dr. Const. von Ettingshausen
und seinen Vorgängern: Graf v. Sternberg, Presl und Corda so vielseitig
ausgebeutet wurde, übersichtlich zusammengefasst zu sehen. Folgendes Verzeich -
niss soll vorläufig diesem Bedürfnisse entsprechen.
Calamites communis Ett.
var. Suckovii Brong.
var. ramosus Artis. *
var. varians Strnbg.
Volkmannia gracilis Strnbg.
„ elongata Brest. *
Calamites tenuifolius Ett. *
Huttonia spicata Strnbg. *
Aster ophyllites longifolia Brong.
„ grandis Strnbg.
Annularia minuta Brong. *
Sphenophyllum Schlotheimii Brong. *
Neuropteris acntifo lia Brong. *
„ flexuosa Strnbg. *
„ obovata Strnbg. *
„ ruh es eens Strnbg. *
Cyclopteris auriculata Strnbg. *
Noeggerathia foliosa Strnbg. *
„ speciosa Ett. *
Schizopteris Lactuca Strnbg. *
Sphenopteris acut Hob a Strnbg. *
„ Hoeninghausii Brong. *
„ obtusiloba Brong. *
„ lat ifoli a Brong.
„ fr agilis Brong. *
Asplenites radnicensis Goepp. *
„ longifolius Ett. *
„ fastigiatus Ett. *
Cyatkeites arborescens Goepp. *
„ Oreopter idis Goepp.*
„ Mil ton i Goepp . *
„ dentatus Goepp. *
„ undulatus Goepp. *
Pecopteris silesiaca Goepp . *
Die mit einem * bezeichneten Pflanzen
worden. Die durchschossenen Namen
diesem Gebiete neu entdeckten Pflanzen.
Pecopteris. Glockeriana Goepp. *
„ var. falciculata Goepp.*
„ radnicensis Strnbg.
Aphlebia tenuiloba Strnbg. *
Zippca disticha Corda.
Gyropteris crassa Corda. *
Anachoropteris pulchra Corda. *
„ rotundata Corda.
Psaronius carbonifer Corda. *
Stigmaria ficoides Strnbg. *
Sig Maria trigona Strnbg.
„ ornata Brong. *
„ rhitidolepis Corda. *
„ diploderma Corda. *
Syringodendron pes capreoli Strnbg. *
Diploxylon elegans Corda. *
Lepidudendron d i choto in u m Strnbg.
„ acule alum Strnbg. *
„ obovatum Strnbg. *
„ Hai ding er i Ett. *
„ undulatum Strnbg. *
Knorr ia Sellonii Strnbg.
Lepidostrobus var i ab ili s Lindl. et Butt. *
Cordaites borrassifolia Ung. *
lthytidophloyos tenuis Corda. *
Lepidophloyos laricinu m Strnbg.
Carpolites Placenta Corda. *
„ Discus Corda. *
„ costatus Corda. *
„ pyriformis Corda. *
„ folliculus Corda. *
„ lentiformis Corda. *
microspermus Corda. *
„ sulcatus Strnbg. *
sind insbesondere bei Wranowitz gesammelt
bezeichnen die von Herrn Feistmantel in
Aus dem rund herum von Ablagerungen der Silurformation umgebenen,
nördlich vom Radnitzer Becken liegenden Becken von Swina sendet Herr
Feistmantel folgende Arten von fossilen Pflanzen.
Sphenophyllum Schlotheimii Brong.
„ var. saxifragaefolium Strnbg.
Neuropteris Loshii Brong.
Cyclopteris orbicularis Brong.
Dictyopteris Brongniarti Gutb.
Sphenopteris spinosa Brong.
„ elegans Brong.
„ meifolia Sternbg.
Sphenopteris obtusiloba Brong.
Asplenites Sternbergii Ett.
Cyatheites Oreopteridis Goepp.
„ Miltoni Goepp.
Pecopteris pennaeformis Brong. Ett.
Sigillaria Sillimani Brong.
Lepidodendron dichotomum Strnbg.
„ Haidingeri Ett.
[»]
Sitzung vom 7. Jänner. Dyonis Stur.
i 43
Ausserdem liegen den obigen Sammlungen, von demselben Einsender bei-
gelegt, aus dem Hangend-Sandsteinen bei Chomle im nordöstlichen Theile des
Radnitzer Beckens vor:
Woodwardites acutilobus Goepp. Alethopteris nervosa Goepp.
Zu einigen der hier aufgezählten Arten habe ich Folgendes zu bemerken:
Neuropteris Loshii Brong. Schon Unger (Gen. et spec. pl. foss.J erwähnt
das Vorkommen dieser Art bei Swina, während sie v. Ettingshausen nur von
Mostilz (im eigentlichen Becken von Radnitz) anführt; ganz unzweifelhafte
Exemplare, von der Form der von Goeppert gegebenen Abbildung von Gleiche-
nites neuropteridis Goepp. Syst. fil. foss. Tab. IV, bestätigen die obige Angabe
Unger’s
Sphenopteris meifolia Sternbg. Das schönste und vollständigste Exemplar,
das ich bisher gesehen.
Die Entdeckung derbeiden Arten: Woodwardites acutilobus Goepp ., Aletho-
pteris nervosa Goepp., die wir Herrn Feistmantel verdanken, bildet einen
sehr interessanten Beitrag zur Kenntnis der Flora des Beckens von Radnitz.
Auch das Verzeichniss der fossilen Flora des Beckens von Swina mitzutheilen
erachte ich für nothwendig, da dieselbe aus dem Verzeichnisse des Herrn Dr.
Const v. Ettingshausen, wo sie mit der Flora des Braser uni Radnitzer
Beckens zusammengefasst erscheint , nur mit Mühe herausgefunden werden kann.
Calamites communis Ett.
Huttonia spie ata Strnbg.
Annularia fertilis Strnbg.
Sphenophyllum Schlotheimii Brong.
„ var. saxifragaefolium Strnbg.
„ emarginatum Brong.
Neuropteris flexuosa Strnbg.
„ gigantea Strnbg.
„ Loshii Brong.
Cyclopteris orb icular is ßro ig.
„ auriculata Strnbg.
Adiantites Haidingeri Ett.
Dictyopteris Brongniarti Gutb.
Sphenopteris spinös a Goepp .
„ linearis Strnbg.
„ acutiloba Strnbg.
„ elegans Brong.
„ meifolia Strnbg.
„ lanceolata Gutb.
„ Gutbieri Ett.
„ obtusiloba Brong.
„ irregidaris Strnbg.
„ botryoides Strnbg.
„ debilis Goepp.
„ tenuissima Strnbg.
Sacheria asplenioides Ett.
Asplenites radnicensis Goepp.
,, longifolius Ett.
„ alethopteroides Ett.
„ angustissimus Ett.
„ similis Ett.
Asplenites Sternbergii Ett.
„ lindsaeoides Ett.
Alethopteris Sternbergii Goepp.
Cyatheites Oreopt er i dis Goepp.
„ Mil ton i Goepp.
„ undulatus Goepp.
Pecopteris Glockeriana Goepp.
„ pennaef o r mis Drang. Ett.
„ mucronata Strnbg.
Psaronius carbonifer Corda.
Diplostegium Brownianum Corda.
Stigmaria feoides Brong.
Sigillaria Si lli m a n i Brong.
„ rhytidolepis Corda.
„ diploderma Corda.
Lepidodendron dichotomum Strnbg.
„ brevifolium Ett.
„ aculeatum Strnbg.
„ crenatum Strnbg.
„ obovatum Strnbg.
„ Sternbergii Lindl. et Hutt
,, crassifolium Ett.
„ Haidingeri Ett.
Lepidophyllum binerve Ett.
Cordaites borassifolia Ung.
Leptoxylum geminum Corda.
Rabdotus verrucosus Strnbg.
Flabellaria Sternbergii Ett.
Carpolites costatus Corda.
,, pyriformis Corda.
„ lentiformis Corda.
Die durchschossenen Namen bezeichnen die von Herrn Feistmantel bei
Swina neuentdeckten Pflanzen.
Die dritte Einsendung von fossilen Pflanzenresten vom Saserberg, eine
halbe Meile südlich von Bayreuth, aus den dortigen Sandsteinen und Mergeln der
Liasformation begleitet der hochverdiente Einsender Herr Prof. Dr. Braun in
Bayreuth mit folgendem Schreiben vom 29. November 1861:
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
t
Verhandlungen.
po]
„Bei Gelegenheit der Herstellung einer neuen Wasserleitung wurde durch die
Abteufung von drei Wetterschachten und Führung eines Förderstollens auf dem
Saserberge, eine halbe Meile südlich von Bayreuth, ein Pflanzenlager in dem
Bonebed-Sandstcine durchfahren, das sehr viele meist bekannte fossile Pflanzen
darbot; leider sind dieselben nicht gut erhalten, da der Mergel, in welchem sie
Vorkommen, ungünstig, zu sandig ist. M
„Die Hauptpflanze von diesem Fundorte ist eine Conifere, Palissya Braunii
Endl. — Cuninghnmites sphenolepis Braun (Graf Mü nst e r\s Beitr. VI, p. 24.
Tab. XIII, Fig. 16 — 20). Dieselbe kam in grosser Menge in Form einer fossilen
Streu, aus Zweigen, Blättern, Zapfen. Kätzchen und Samen bestehend vor; wo-
durch es gelang alle wesentliche Organe aufzufinden, welche die Gattung Palissya
charakterisiren. Ich erlaube mir einige Exemplare dieser Palissyen-Streu für
die Sammlung der geologischen Reichsanstalt zu übersenden, nicht etwa der
Schönheit des Vorkommens wegen, sondern ob der Bedeutung dieser Pflanze im
Allgemeinen und in Betreff des Sandsteines, den ich lieber Palissyen-Sand-
stein bezeichnet wissen möchte, als Bo nebed-Sand stein ohne Bonebed und
ohne jede andere Leitmuschel.“
„Seine geognostische Stellung ist mir nunmehr völlig klar: er tritt nicht
unter dem Lias, sondern neben demselben auf. Er ist das Landerzeugniss zur
Zeit des Absatzes des marinischen Lias vom untersten Gl ie d e bis hi n a u f
zu den Posidonien - Schiefern. Die Vegetation der thonigen Einlagerungen
in demselben ist jene der Gestade der Liasmeere, die Fortsetzung jener
des Keupers.“
„Das Pflanzenlager von Theta horizontirt mit dem unteren, jenes von
Veitlahm bei Kulmberg fällt mit oberem Lias zusammen; was durch Kurr’s
Cupressites liassinus (Wid dringt onit es sp. Endlicher ) und Zamite s gracilis
Karr (Otozamites brevifolius m.J, die beide auch in Veitlahm Vorkommen, sich
zur Genüge beweiset. “
„Von besonderem Interesse scheint mir auch der Umstand zu sein: dass
in den pflanzenreicheri thonigen Einlagerungen die Vegetabilien stets ver-
modert oder verkohlt, die Coniferen nur in ihren jüngeren Theilen, niemals
Stamm und Aeste; im Sandstein selbst aber nur letztere, verweset und
verkieselt Vorkommen. Vielleicht gehören die Kieselhölzer des Sandsteines
und die Zweige, Blüthen, Blätter und Früchte der thonigen Einlagerungen zu-
sammen und ist Pence Brauniana Unger das Holz der Palissya. — Obschon
jedes der ausgebeuteten Pflanzenlager seine besondere Conifere besitzt, so geh!
dennoch die Palissya Braunii durch alle und kommt in fast jedem vor, wenig-
stens in naheverwandfen Arten. Diese Gattung ist daher besonders bezeichnend:
fehlt im Keuper und vermutlich auch im Oolith.“
„Die Samen der Palissya vom Saserberg haben einen grösseren Flügel -
säum , als jene bei Eckersdorf vorgekommenen und die der Theta'er Palissya
sind ungeflügeJf. Ob dies aber Artenverschiedenheit ist, fragt sich noch sehr.
Nur die Form der Zapfen unterscheidet sie: bei ersterer ist derselbe spindelförmig,
bei der Eckersdorfer und Veitlahmer walzenförmig, bei letzterer und jener von
Hart dagegen eiförmig. Aber auch dies sind vielleicht untergeordnete Merkmale
oder solche von Varietäten.“
„Alle Mollusken, welche man in dem Palissyen-Sandsteine will beobachtet
haben: z. B. Avicula contorta , Taeniodon Ewaldii , Anodonta postera (unter
letzterer Bezeichnung erhielt ich von Gotha und Koburg eine Petricolina oder
Saxicava ?) stehen diesem Sandsteine nicht zu; ihn bezeichnen Pflanzen und
keine Seegeschöpfe.“
[11]
Sitzung vom 7. Jänner. Dionys Stur. Dr. Stäche.
145
Das von Herrn Prof. Dr. Fr. Braun eingesendete Kistclien enthielt 8 mit
Nummern versehene Stücke von einem thonigen Sandstein. Auf allen Stücken
ist die fossile Streu der Palissya Braunii Endl.: Zweige, Zapfen, Kätzchen.
Samen und Nadeln enthalten. Das Geschenk des Herrn Prof. Braun ist um so
willkommener, als in unserer Sammlung diese Art nur sehr schwach vertreten war.
Auf die geänderte Ansicht über die geologische Stellung des Palissyen-
Sandsteins, dass derselbe den ganzen Lias vom untersten Gliede bis hinauf zu
den Posidonien-Schiefern vertrete, gegenüber der älteren (Graf Mü n ste r's
Beitr. VI. p. 1 und 6) dass derselbe den tieferen Liasschichten unter dem Hori-
zonte des Gryphitenkalkes entspreche, glaube ich besonders die Aufmerksamkeit
lenken zu müssen. Die in einem zweiten Schreiben vom 25. December 1861 zuge-
sagten weiteren Mittheilungen, denen wir erwartungsvoll entgegensehen, werden
gewiss geeignet sein, diese Ansicht weiter zu begründen und die vorhandenen
Unrichtigkeiten aufzuklären.
Schliesslich erlaube ich mir den geehrten Herren Einsendern unseren
besten Dank auszusprechen und dieselben, so wie alle unsere Gönner und
Freunde zu fortgesetzten freundlichen Mittheilungen einzuladen.
Herr Dr. G. Stäche hält einen Vortrag über das Basaltterrain , welches
sich vom Plattensee gegen Nord über die ganze Westflanke des ßakonyer- Waldes
ausbreitet. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, dass die Eruptionscentren der
beiden Haupttypen der jüngsten Eruptivgesteine , welche das Bakonyer Gebirgssy-
stem aufzuweisen hat, in Bezug auf ihre Lage zurLängsaxe des Gebirge strotz ihrer
relativen Nähe doch von einander wie polar getrennt erscheinen: Der Trachyt
und Rhyolith, d. i. die relativ sauere Gesteinsreihe, erscheint in grösster Massen-
entwickelung am äussersten Nordoststocke der Gebirgsinsel in dem Gran-Visse-
gräder Gebirgsstocke und ihre westlichsten Vorposten , wie die Durchbrüche
durch den Granit des Melegyhegy und die ganz einsam aus dem Löss auftauchende
Bhyolithpartie von Szt. Miklös bei Sär Bögard überschreiten nicht die scharfe
Grenze, welche durch die Gebirgsbruchlinie des Moorer Canals und seiner
Fortsetzung, dem Malom Csator, angedeutet ist. Eben so wenig überschreitet auch
nur ein einziger Basaltdurchbruch diese Linie gegen Nordost, sondern es ist
vielmehr der Hauptsitz der basischen Gesteinsreihe der Basalte mehr als 6 Meilen
weit von dieser Linie gegen West gelegen und es ist gerade der compacteste
Knotenpunkt ihrer Ausbrüche dem Trachytpol zugekehrt, während vereinzelte
Vorposten nur gegen West gegen Steiermark zu auftauchen.
Die Basaltberge, welche durch ihre Häufigkeit und die Mannigfaltigkeit ihrer
Formen und ihrer Gruppirung die ganze Westabdachung des Bakonyer Gebirges
zu einer physiognomisch von allen übrigen Theilen des Landes verschiedenen,
originellen geologischen Charakterlandschaft umgestaltet haben, lassen sich der
Uebersicht wegen zusammen genommen als eine einzige in einer Ellipse angeord-
nete Gruppe auffassen. Die Längsaxe dieser Basaltellipse kommt in der Richtung
NW — SO zu liegen und fällt mit der Luftlinie vom Kis-Somlö bei Jänoshäza zum
Mentshelyer Basaltberge (Nagy-Väszony Süd) zusammen. Der nördliche Bogen
derselben von dem einen zum andern dieser Axenpunkte ist nur durch zwei
grössere einzelne Basaltberge, den Kabhegy (Nagy-Väszony Nord) und den Som-
lyöhegy (Somlyö Väsärhely Nord) angedeutet; der südliche ist durch drei an
Einzelbergen reichen Gruppen, „durch die Gruppe des Tattika“ im Westen, durch
die mittlere Gruppe der Badacson oder die Plattenseegruppe im engeren Sinne
und durch die östliche Gruppe der Kapoleser Basaltberge ausgeführt.
Ausserhalb dieses Verbreitungsbezirkes liegen keine völlig sicheren Basalt-
durchbrüehe. In nächster Beziehung aber zu denselben stehen die Basalttuff- und
146
Verhandlungen.
[12]
Conglomeratablagerungen der Halbinsel Tihany und von Boglar, so wie der wegen
seiner grossen Basal tgerölle eines basaltischen Kernes verdächtige Fonyödherg.
Von den drei Basaltgruppen ist es ganz vorzüglich die mittlere oder die
Plattenseegruppe, welche die Gegend zu einem so eigentümlich schönen geolo-
gischen Charakterbilde umgewandelt hat, wie es vielleicht sonst in keinem
Basaltterrain der Erde in gleich origineller Schärfe zur Ausführung gelangt ist.
Hier aus dem flachen, nnr wenig über den Spiegel des Balaton erhabenen
Boden einer vom Seeufer zwischen Meszes-Györök und Badacson Tomaj her gegen
Nord hinaufgreifenden, nur allmählig ansteigenden und in West und Ost durch
höheres Gebirge begrenzten, weiten Bucht steigen unmittelbar in schroffer Iso-
lirtheit und in verschieden gestalteten Kegelformen die schwarzen Repräsentanten
der vulcanischen Thätigkeit in der jüngsten geologischen Vorzeit empor.
Wenn man auf der etwas erhabenen Stufe des Cerithienkalkplateaus dicht
nördlich von Tapolcza steht, so hat man, wenn man den Blick südostwärts wendet,
das ganze Bild in wunderbarer Vollständigkeit und Schönheit vor sich. Man sieht
hier fast wie mit einem Blick alle neun Kegelberge dieser Gruppe und stellen-
weise dazwischen durch die schimmernde Fläche des Balaton. Sie erscheinen
alle von hier, so wie vom anderen Plattenseeufer aus riesenhafter, als sie sich in
grösserer Nähe ausnehmen, obwohl der höchste derselben, der Badacson,
289 Klafter Seehöhe hat, also da der Seespiegel 330 Fuss hoch liegt, immerhin
1400 Fuss hoch direct aus der Ebene emporsteigt.
Ausser dem Badacson sind die interessantesten Basaltberge dieser Gruppe
der St. György, der Szigliget, der Gulacs, der Csobänz, der Hegyesdkö und der
Halaphegy, Berge, die alle mit den zunächst liegenden Ortschaften den gleichen
Namen haben.
Die Basaltberge der anderen Gruppen treten, wenn auch immer kenntlich,
so doch nicht mit der Schroffheit hervor wie die genannten, weil sie selbst zwi-
schen hohen Bergen von anderem Charakter liegen. Dennoch zeigen die meisten
derselben doch immerhin so ausgeprägte Formen, dass ihr basaltischer Charakter
sich oft schon aus der Ferne errathen lässt. Nur einzelne Dolomitberge ahmen
wohl hin und wieder das Bild der Basaltberge nach und geben so zu Täuschungen
Veranlassung.
Im Ganzen lassen sich nach den äusseren Contouren folgende Normalformen
unterscheiden:
Die schönste Form, gleichsam eine Musterform für Basaltberge, zeigt der
durch seinen Wein allbekannte Somlyöhegy. Er besteht aus drei Segmenten
verschiedenartiger Kegel. Der Stumpf, ein grosser flacher Kegel, bildet die
Basis, ein steiler, scharf abgestutzter Kegelstumpf von kleinerem Durchmesser
bildet das Mittelstück und endlich sitzt dem Ganzen eine kleine abgerundete
Kegelkuppe auf. Dieselbe Form zeigt, wenn auch nicht in gleich regelmässiger
Schönheit der St. György.
Lässt man die obere Kuppe weg, so hat man die normale abgestumpfte
Kegelform der meisten frei und unmittelbar aus dem ebenen Lande emporstei-
genden Berge; nur ist bei dem einen die Abstutzung schief, bei dem andern
gerade. Diese Form zeigen der Kis-Somlyö, der Tattika und Varasdhegy in der
Westgruppe und der Halaphegy, der Csobänz und der Badacson in der Plattensee-
gruppe. Steile, aber weder scharf abgestutzte, noch stark zugespitzte Kegelkuppen
ohne die stumpfkegelförmige Basis zeigen einzelne Basalt-Durchbrüche im hohen
festen Gebirge, so derHegyestü bei Köves Kalla und der Mentshelyer Basaltkegel,
welche beide mitten durch die Dolomit- und Kalkschichten der unteren Trias
setzen, ohne besondere Störungen oder auffallende Contaeterscheinungen hervor-
gebracht zu haben.
[13]
Sitzung vom 7. Jänner. Dr. Stäche.
147
Die grössten ausgedehntesten Basaltberge, der mehr als eine Quadratmeile
grosse Kabhegy und der grosse Kapolcserberg, zeigen eine breite, flache, stumpf-
zulaufende, aber vollständige Kegelform. Sie dürften vor allen anderen nicht nur
Durchbrüche, sondern zugleich über das umgebende ältere Gestein übergreifende
Decken sein. Endlich zeigen mehrere Berge eine ganz ausgezeichnet spitz pyra-
midale oder fast nadelförmig zugespitzte Kegelform, wie besonders der Gulacs,
der Hegyesdkö und der Szigligeter Burgberg der Plattenseegruppe.
Das Material, aus dem diese verschieden geformten Berge zusammengesetzt
sind, ist ein dreifaches, nämlich: 1. festes Basaltgestein, 2. basaltische Laven,
3. Basalttuff und Conglomerat.
Der feste Basalt bildet überall den mittlern steilen Hauptstock der aus
der Ebene sich erhebenden abgestutzten Kegelberge, sowie die Hauptmasse der
die festen Sedimentgesteine durchbrechenden und denselben aufgesetzten Kuppen
und Decken. Die basaltischen Laven nehmen gewöhnlich die obersten
Partien der Basaltberge ein. Sie bilden die Ausfüllungen der alten Krater und
bei den Basaltbergen mit aufgesetzter mittlerer Kuppe, wie beim Somlyö und
St. György besteht aus ihnen allein dieser mittlere aufgeschüttete Kegel. Bei
den Bergen von der Form und Ausdehnung des Kabhegy bilden sie wohl auch
tiefer hinabreichende seitliche Decken. Die Tuffe und Conglomerate erschei-
nen meist wohl geschichtet, entweder ungestört mit sanftem Verflächen, wie am
Fusse des Kabhegy gegen Pula, bei Kapolcs, bei Badacson, auf Tihany, oder ge-
stört mit verdrückten, verworfenen und selbst gewundenen Schichten, wie es am
Szigliget und am Boglarberg zu beobachten ist. Dieselben bilden entweder De-
cken über und seitlich anliegende Bänke am festen Basalt, oder sie erscheinen
als selbstständige Bergrücken und Gupfe und bilden in der Plattenseegruppe so-
gar gerade die spitzigsten nadelförmigen Kegel, wie den Szigliget, den Hegyesd
und wahrscheinlich auch den Gulacs. Jedoch ist zu bemerken, dass diese
spitze Form immer im Zusammenhänge zu sein scheint mit jüngeren, die Tuffe
und Conglomeratmassen durchsetzenden festen ßasaltgängen. Bei Hegyesd und
Szigliget wenigstens wurde diese Beobachtung gemacht. Besonders schön sieht
man am Szigliget einen ausgezeichneten Basaltgang westlich unter der Burg in der
Tuffmasse aufsetzen. Somit scheint die Ansicht Beudant’s und Zepharo vich’s
berichtigt, nach der diese Tuffbei^e, sowie die von Tihany ausser Zusammenhang
mit festen Basalten stünden. Es gewinnt demnach auch die von Dr. Ludwig Sig-
mund 1837 in seiner Schrift: „Füred’s Mineralquellen und der Plattensee“ aufge-
führte und von Zepharovich bezweifelte Beobachtung eines Basaltganges in Tuff
bei Gelegenheit des Grabens eines Kellers in Kis-Erdö 1 821 — an Wahrscheinlichkeit
Die spitze nadelförmige Form der vorzugsweise aus Basalttuff und Con-
glomerat bestehenden Kuppen ist übrigens auch in anderen Basaltterrains beob-
achtet worden. Herr Professor Römer in Breslau theilte mir mit, dass man in
den Basaltgebieten der Auvergne dieselben Beobachtungen machen könne.
ln petrographischer und mineralogischer Beziehung zeigen die Gesteine in
vielfacher Hinsicht die grösste Aehnlichkeit mit den böhmischen und mährischen
Basaltvorkommen.
Die festen Basalte zeigen vorzugsweise plattenförmige Absonderungsformen.
Am Somlyö, am Csobanz und Badacson tritt wohl auch die säulenförmige Abson-
derung in grossen Strecken auf; aber zugleich ist auch die plattenförmige in dem
Maasse vorhanden, dass schöne vollständige und regelmässige Säulenbildung
äusserst selten ist. Sehr schöne horizontale Säulen zeigt der den Tuff durchbre-
chende junge Basalt des Szigliget, kugelig-schalige Absonderung oder wenigstens
eine Neigung dazu wurde am Mentshelyer Berge und am Kabhegy beobachtet.
148
Verhandlungen.
[14]
Die Basalte sind zum grössten Theile dichtend von d u n k el sch warz er
his dunkelgrauer Farbe und zeigen undeutlich und unregelmässig eingesprengten
Olivin, oder auch ziemlich regelmässig durch die Grundmasse vei theilte deutliche,
aber kleine Olivinkrystalle. — Rundlich körnige Basalte treten besonders am
Berge bei Mentshely und am Kabhegy auf. — Basalt- Mandelsteine oder
überhaupt Anlage zur Mandelbildung haben die Basalte des Szigliget und
Hegyesdkö. — Zellige und poröse Basalte, die gleichsam den Uebergang
bilden zu den leichten basaltischen Laven, kommen fast an allen Punkten vor.
Die basaltischen Laven sind entweder fein porös oder klein- bis
grosszellig, ohne irgend welche mandelsteinartige Einschlüsse in den Zellen.
Sie sind von rothbrauner oder schwarzer bis schwarzgrauer Farbe und von
grosser Leichtigkeit; und zwar sind sie um so leichter, je grosszeiliger sie sind.
Die Tuffe und Conglomerate zeigen im Allgemeinen dieselben Eigen-
schaften, welche die von Zepharovich beschriebenen der Halbinsel Tihany
zeigen. Die Schrift von Zepharovich ist nächst dem B eu d a n t'schen Werk die
einzige, welche werthvolle Notizen über das geschilderte Basaltterrain enthält.
Das Alter der Basalte ist nicht ohne Schwierigkeit bis ins Genaueste zu
bestimmen. Sicher ist nur, dass die Hauptmasse der Basalte älter ist als die
Tuffe und älter als die Schichten mit Paludina Sattleri , in denen am Fonyöd
ziemlich reichlich kleine Basaltgerölle auftreten, und ebenso sicher wohl, dass sie
jünger sind als dieTrachyte am nördlichen Pol der Gebirgsaxe, welche Peters an
das Ende der Zeit der Leithakalk bildung verselzt. Die Tuffe aber zum grössten
Theile und die sie durchsetzenden jüngeren Basalte sind wohl ebenso sicher als
jünger anzunehmen, als die Schichten mit Congerien und Paludina Sattleri.
Folgende Mitteilungen des Herrn Directors W. Haidinger werden zum
Schlüsse vom Vorsitzenden vorgelesen:
„Wir finden uns im neuen Jahre in der That rasch am Werke wieder. Einen
wahren Beweis dafür freue ich mich, das I. Heft des Bandes XII für 1861 und 1862
unseres Jahrbuches der k. k. geologischen Reichsanstalt vorzulegen. Wir ver-
danken die Vollendung der Thatkraft und unablässigen Sorgsamkeit meines hoch-
verehrten Freundes k. k. Bergrathes Franz Ritter von Hauer, aber in der neuen
günstigen Lage für Leistung der Arbeit, wohlwollendst gefördert durch die
Direction der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, und die lobenswerteste Besor-
gung der Ausführung durch den Factor Herrn A. Kn ob lieh. Um das Zurück-
bleiben in den Druckarbeiten wenigstens in der Reihe der Bände weniger
fühlbar zu machen, mussten wir uns entschliessen, die beiden Jahrgänge 1 861 und
IS62 in einem Bande, dem XII. zu vereinigen. Dieses erste Heft enthält die Ver-
handlungen des ganzen Jahres 1861. Dazu die Arbeiten im chemischen Labora-
torium und die neuen Erwerbungen an Büchern, Mineralien und anderen Gegen-
ständen. An Abhandlungen nur die einzige wichtige Arbeit von Herrn k. k. Berg-
rath M. V. Lipoid „Ueber die B a r ran de’schen Colonien“. Sie war am 11.
December 1860 überreicht worden, aber die Störungen im Drucke, nun glücklich
überwunden, machten es erst jetzt möglich sie an den Tag zu fördern. Die Ab-
handlungspricht für sich selbst, ich kann daher füglich für ihren Inhalt uns
die Aufmerksamkeit hochverehrter, wissenschaftlicher Freunde mir erbitten.
Ueber denselben Gegenstand liegt aber hier ein in der Zwischenzeit an un-
gelangtes Werk vor, über welches ich einen, wenn auch möglichst kurz gehal-
tenen Bericht vorzulegen verpflichtet bin. Es ist dies die „ Defense des Colonies
I. Groupe Probatoire comprenant la colonie Haidinger , la colonie Krejei et la
coule'e Krejei. Par Joachim Bar ran de “. Mit dem Motto: „ Vos colonies out
glorieusement gagne du terrain . II . Haidinger“. „ Chez l auteur 9 ä Praguc
149
[IS] Sitzung vom 7. Jänner. W. Haidinger.
Kleinseite Nr. 419 , Chotekgasse ; ä Paris Rue Meziere Nr. 6 , 25. Novem-
ber 1861“.
Der hochverehrte Verfasser sandte freundlichst Exemplare an die k. k. geo-
logische Reichsanstalt, an mich und die Herren Franz u. Karl Ritter von Hauer,
Lipoid, Foetterle, Graf M ar s cha 11, Stur,Jokely, v. H o ch s tett er,
Freiherr v. Richthofen, Stäche, Freiherr von Andrian, Wolf, für welche
reiche Aufmerksamkeit ich ihm hier meinen verbindlichsten Dank ausspreche.
Schade dass durch die Verspätung des Druckes von Herrn Lipold’s Abhandlung
Herrn B ar ran de’s „Verteidigung der Colonien“ eigentlich des Hauptgegen-
standes entbehrt, welchen Herr Barrande zu bekämpfen beabsichtigte, denn
bei genauer Analyse würde sich der Titel besser auf einen „Angriff gegen Herrn
Lipold's Arbeiten und noch einiges Andere“ stellen, als auf den einer „Vertei-
digung^. Indessen verlangt Herr Barrand e in einem freundlichen Schreiben
vom 18. December an mich , „dieselbe Oeffentlichkeit für seine Vertheidigung,
welche es mir dem Angriffe zu geben zweckmässig geschienen hat1). Ich darf
hier wohl bemerken, dass von unserer Seite kein „Angriff* auf Herrn Bar-
rand e’s Colonien beabsichtigt war, und auch kein solcher stattgefunden hat.
Was von uns geschah, war reines, möglichst vorurtheilfreies Studium der Natur,
welche ja immer noch vorliegt, frei für die Untersuchung jedes Naturforschers.
Unsere Stellung ist aber dabei eine ganz verschiedene von jener des Herrn
Barrande. Hochgebildet, aus einem Lande , wo die Wissenschaft reich zu
pflegen und zu ehren langjährige Gewohnheit ist , war der hochverdiente Gast,
durch äussere Umstände veranlasst in unserem Lande zu weilen, in sorgenfreier
Stellung durch eigenen unabhängigen Forschungstrieb freiwillig
auf das Studium silurischer Schichten geleitet worden. Wir haben stets seine
tiefen und umfassenden paläontologisehen und geologischen Studien bewundert
und uns gewiss herzlich ihres Fortschrittes erfreut, wobei wir nicht auf das was
bereits im Druck erschienen ist, uns beschränken, sondern vielmehr auch die uns
zum Theile wohlbekannten Vorbereitungen zu ferneren Veröffentlichungen um-
fassen, wie die 220 lithographischen Tafeln Cephalopoden, welche unter unseres
hochverehrten Freundes H örn es sorgsamer Üeberwachung ausgeführt,? in der
k. k. Hof- und Staatsdruckerei zum Abdruck bereit liegen. Das Wenige, was in
dieser Richtung, in den Studien der sibirischen Schichtengebilde und ihrer Faunen,
einheimische Localforscher zu leisten versuchten, wurde nur allzu sehr durch ihre
untergeordnete hilflose Stellung, mit Mangel an den nothwendigsten Arbeitsbehelfen
kämpfend beeinträchtigt und zurückgesetzt, was uns indessen nicht hindert auch
dieses Wenige dankbar anzuerkennen. Ein neuer Abschnitt der Geschichte ist es
nun, wo der k. k. geologischen Reichsanstalt zur Pflicht gemacht wird, und
ihr die Mittel angewiesen sind, den Bau der Erde im Vaterlande zu erkunden.
Mit der Vorbereitung und den Hilfsmitteln welche wir besitzen, mit den
Erfahrungen, welche sich unsere Mitglieder erworben haben, treten wir die Auf-
gabe an, redlich und ohne Hintergedanken, ehrend was wir vorgearbeitet finden,
und berichtend über das, was wir selbst gefunden haben. Unser Jahrbuch ist der
Schauplatz für diese Berichte. Aufgefundene Thatsachen können wohl Veran-
lassung zu Betrachtungen verschiedener Art werden, sie können Berichtigungen
durch genauere Forschung wünschenswert machen, aber dennoch ist unser Jahr-
buch nicht vollständig neutraler Grund, wo man nach Belieben für oder wider
Ansichten Kämpfe fortführen sollte. Herr Barrande ging offenbar hier nicht
D Vom ne me refuserez pas pour ma defense, la merne publicite, que vom avezjuge con-
venable de donner ä Vattaque .
150
Verhandlungen.
[<«]
von dem richtigen Gesichtspunkt aus. Es wird ihm nichts desto weniger der
verlangte Raum für den Abschnitt von Seite 17 bis zum Ende Seite 34 seiner
Schrift nicht fehlen, nebst einigen kurzen Erläuterungen, und zwar schon in dem
nächsten Hefte, welches ausserdem zwei bereits lange zurückgelegte Arbeiten
enthalten wird, von Freiherrn v. Richthofen über die Kalkalpen von Vorarl-
berg und Nordtirol, und von Herrn Krejcf über seine Aufnahmen in Böhmen im
Sommer 1859. Von unserer Seite wird in dem Jahrhuche Herrn Barrande’s
Schrift — Verteidigung, oder eigentlicher Angriff, — keine polemische Ent-
gegnung finden, für welche wir neutrale Zeitschriften, wie von Leonhard's
und Bronn’s Jahrbuch oder die Zeitschrift der deutschen geologischen Gesell-
schaft angemessener finden, als vielleicht in so ferne als neue Erfahrungen oder
mehr in das Einzelne gehende Darstellungen wieder neuen Stoff und neue Ver-
anlassung bieten. In dem Unterschiede unserer Stellung liegt es auch, dass Herr
Barrande selbst den Vortheil mehr als zwanzigjähriger ungestörter, geduldiger
und wiederholter Beobachtungen genoss, während jeder unserer Schritte unver-
meidlich ganz öffentlich geschehen muss, was Herr Barrande durch „eine in
auffälliger Weise angekündigte und überstürzt ausgeführte Forschung“ >) bezeich-
net. Aber auch diese Oeffentlichkeit hat ihren Vortheil.
Was unsere Arbeiten, unsere Studien betrifft, so darf ich Herrn Barrande
versichern, aber auch jeden theilnehmenden Gönner und Freund in unserem
grossen Vaterlande, von welchem aus uns diese Arbeit als Pflicht aufgetragen vor-
liegt, dass wir sie fortwährend mit gleichem wohlwollendem wissenschaftlichen
Ernste pflegen werden, und zwar werden wir auf dem Platze bleiben so lange bis
es uns gelungen sein wird, Alles was Herr Bar ran de an Hinterhalt (Les reser-
ves ont gagne des batailles Seite 29) in das Gefecht zu bringen vermag, sieg-
reich aus dem Felde zu schlagen, oder bis wir — im entgegengesetzten Falle Herrn
Barrande’s Colonien ganz in seinem Sinne als vollkommen berechtigt aner-
kennen werden. Es wird in dem gegenwärtigen Augenblicke, wo hochverdiente
Forscher entgegengesetzte Ansichten entwickeln, doch wohl gestattet sein, bei
einiger Unabhängigkeit * 3) des Geistes, noch Zweifel zu hegen.
Was mich selbst betrifft, so erkläre ich wohl auf Herrn Bar ra nde’s Verlan-
gen (Seite 8) gerne, dass meine Ansicht nicht die maassgebende sein kann, sie
war ja selbst bis jetzt schon je nach den Berichten manchem Wechsel unterwor-
fen. Die hochverehrten Geologen der k. k. geologischen Reichsanstalt haben für
die von ihnen aus der Natur abgeleiteten Ansichten die ganze Verantwortung, und
ihnen gebührt auch das ganze Verdienst, was ich wohl auch niemals für mich
in Anspruch genommen habe. Herr Barrande hält mir freilich erst als nach-
ahmenswerthe Muster die grossen Männer Sir Henry De la Be che, Sir Roderick
Murchison vor. Ich habe indessen auch niemals anders gehandelt und fühle
mich gänzlich frei von der Anmaassung anders Vorgehen zu wollen. Aber meine
Aufgabe ist ja eben, die Ansichten der arbeitenden Geologen zu achten, zu ehren,
und nicht diese dadurch abschrecken, sie terrorisiren zu wollen, dass ich ihnen
zurufe, ein anderer Forscher, und stände er auch höher als beide Obgenannten,
habe es anders gefunden, und damit sei die Sache ein für allemal abgethan.
Unsere Aufgabe ist die Wahrheit, nicht die unbedingte blinde Hingebung an die
bis dahin anerkannte höchste wissenschaftliche Autorität. Hier gilt das alte Wort:
Amicus Plato, magis amica veritas. Noch liegen die Thatsachen vor. Viele
Geologen werden ohne Zweifel schon im nächsten Sommer, wo die Versammlung
l) Exploration annoncce avec eclat , et precipitamment executee3 Seite 9.
3) Independance intellectuelle, Seite 8.
Sitzung vom 7. Jänner. W. Haidinger.
[17]
iSl
deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsbad abgehalten werden wird, Ver-
anlassung nehmen, vor oder nach derselben die so leicht zugänglichen Colonien
in der Nähe von Prag zu besichtigen, und es wird dann gewiss nicht an Personen
fehlen, welche unbefangen beobachten, und mit vollkommener Unabhängigkeit
des Geistes ihre Ansicht bilden werden. Herr k. k. Bergrath Lipoid wird selbst
Erläuterungen geben können, da wir beabsichtigen, die hoffentlich bis dahin
gewonnene geologische Specialkarte des Königreichs Böhmen auf der Versamm-
lung vorzulegen.
Unsere freundlichen Leser werden in Herrn Barrand e’s „Verteidigung“
einen in dem Jahrbuche weniger gewohnten Gang von Angriffsweise und Verdäch-
tigung eingehalten sehen, und ich besorge fast dass gewisse Ausdrücke im Deut-
schen bei vollkommen buchstäblicher Uebersetzung sich selbst noch strenger und
schärfer ausnehmen werden, als dies im Französischen der Fall ist. Aber die
Schärfe des Ausdruckes fällt so oft auf den Autor zurück.
Von Herrn Professor Dr. Constantin Ritter v. Ettingshausen kommt uns
dieReclamation zu: „Ueber die Entdeckung des neuholländischen Charakters der
Eocenflora Europa's und über die Anwendung des Naturselbstdruckes zur För-
derung der Botanik und Paläontologie, als Entgegnung auf die Schrift des Herrn
Professors Dr. F. Unger ,Neuholland in Europa4 Bei dem lebhaften Antheile,
den ich selbst an dem Fortschritte der ersten Studien unseres früheren Arbeits-
genossen genommen, darf ich nicht verfehlen, ihm öffentlich Zeugniss zu geben,
dass er, Herr Professor Dr. Constantin v. Ettingshausen, es war, der zuerst
jenen neuholländischen Charakter gewisser localer Tertiärfloren aussprach, gegen-
über von Herrn Prof. Unger, welcher denselben als „oceanisch“ bezeichnete.
Ich darf mich hier wohl nebst der lebhaften Erinnerung auf Gedrucktes
beziehen, was von mir in dem Jännerhefte 1851 der Sitzungsberichte der kai-
serlichen Akademie der Wissenschaften (Band 6, Seite 49) vorliegt.
Es ist dort von Sotzka die Rede und wie Herr v. Morlot 1849 auf die
merkwürdigen Blattformen aufmerksam geworden, und sie zu Herrn Professor
Unger nach Gratz brachte. „Auf dessen erste Untersuchungsresultate leitete
Herr v. Morlot die Grabungen ein, die bald den merkwürdigen, von Unger
als „oceanisch“ bezeichneten Charakter der Flora erkennen Hessen“. Dann auf
derselben Seite: „Später sah Herr Professer Unger die Sammlungen in dem
Museum der k.k. geologischen Reichsanstalt (damals noch im k. k. Münzgebäude),
und selbst während Herr Dr. v. Etti ngshausen schon seine Entdeckungen
der neuholländischen Formen durchführte, wurden noch alle Stücke, die Herr
Professor U n ge r auswählte, auch Herrn Professor Unger selbst zur wissen-
schaftlichen Bearbeitung in seinen eigenen Arbeitsräumen mitgetheilt“. Bei der
grossen Lebhaftigkeit der Eindrücke jener Zeit bleibt mir auch jetzt noch unver-
gesslich, wie unter andern Ettin gs h a us en’s Casuarina Haidingeri , ein Aus-
druck freundlicher Erinnerung an meine warme Theilnahme für seine damaligen
Entdeckungen, noch lange darnach von Unger als Ephedrites sotzkianus fest-
gehalten wurde, eine Ansicht, die selbst Oswald Heer noch in seiner „ Flora
tertiaria Helvetiae “ 1839, III, S. 161, theilt. Gewiss verehren wir hoch und
bringen alle reich verdiente Anerkennung den Arbeiten des ausgezeichneten
Forschers in der fossilen Flora unseres Vaterlandes, namentlich der tertiären,
und den Ergebnissen seines wahren unabhängigen Forschungsgeistes. Herrn
Professor Unger’s hohes Verdienst kann und wird nie bestritten werden. Aber
eben darum dürfen wir uns in der gegenwärtigen Erhebung von Ansprüchen auf
eine Priorität von Ansichten ihm nicht anschliessen, denn er hat ja gerade diese
lange bekämpft, als sie unser früherer Arbeitsgenosse Constantin v. Ettings-
hausen allmählig entwickelte.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
U
152
Verhandlungen. Sitzung vom 7. Jänner. W. Uaidinger.
n*i
Uns liegen diese paläontologischen Interessen so nahe, indem wir ja selbst
zu vielen der auf dieselben bezüglichen Studien das Material beigeschafft, zum
Theil unter Herrn v. Ettingshausen's eigener persönlicher erfolgreicher Mühe-
waltung, dass ich nicht versäumen durfte, ihrer mit einigen Worten zu gedenken.
Eine Betrachtung darf unsern hochverehrten Freund Constantin v. Ettings-
hausen vollkommen beruhigen, in dem Verzeichnisse der fossilen Pflanzen
Seite 38 von „Neuholland in Europa“ erscheinen doch die von ihm aufgestellten
Bestimmungen unversehrt und beweisen eben dadurch die wahre Sachlage, an
der man sich nicht vergreifen konnte. Es heisst dort Batiksia, Dryandra ,
Hakea u. s. w. , und so auch Casuarina Haidingeri Ett. , während Ephedrites
sotzkianus Ung. nicht einmal als synonym mehr aufgeführt worden ist.
Mit anerkennendstem Danke muss ich des schönen Geschenkes gedenken,
das uns am 1. Jänner zukam, ein wahrhaft hoch erfreulicher Beginn des neuen
Jahres. Von Seite des Herrn C. Dubocq, bisherigen Central-Directors der Berg-
werke und Domänen im Namen der k. k. priv. österr. Staats-Eisenbahn-Gesell-
schaft, übermittelt an die k. k. geologische Reichsanstalt und persönlich an mich
selbst, so wie an die Herren v. Hauer, Lipoid, Foetterle, die „geogno-
stische Karte der Banater Domäne“, enthaltend den vormaligen k. k. ärarischen
Montancomplex nebst den Staatsberrschaften Oravicza und Bogschan, in neun
Blättern, zusammen 39 Zoll breit, 51 Zoll hoch, in Farbendruck trefflich ausge-
führt, in dem Maasse von 1:72.000 oder 1000 Klaftern = 1 Zoll, also dem dop-
pelten Längen- oder vierfachen Flächenrnaasse der Specialkarten des k. k. Gene-
ral-Quartiermeisterstabes. Fünfundzwanzig Gesteinfarbenverschiedenheiten, dazu
noch siebenzehn Arten von Zeichen der Bergwerks- und Industrialwerke , so wie
der politischen Grenzen und Strassen dienen als Erläuterung.
Uns, denen als Aufgabe die geologische Durchforschung des Kaiserreiches
vorliegt, ist es eine wahre angelegentliche Pflichterfüllung, den hohen Werth von
Theilarbeiten wie die vorliegende zu bezeichnen, welche von der k. k. priv. österr.
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft durchgeführt wurde. Lagen auch schon manche
ältere Angaben vor, zum Theil bereits in Verbindung mit unseren eigenen Arbeiten,
so ist doch das Ganze ein Ergebniss zahlreicher neu zu dem Zwecke eingeleiteter
Aufnahmen, bei welchen unter andern Herr Cajetan Fa bi an ek, einer unserer
hochverehrten Freunde aus dem Jahre 1849, eine leitende Stellung einnahm.
Billig preisen wir diese Karte als ein wahres Ergebniss von Wetteifer, in
Leistung von Arbeit, in Gewinnung von Erfolg, entsprechend unseren eigenen
Wünschen und Bestrebungen und unserer unverbrüchlichen Gepflogenheit.
Wie viel höher steht nicht die Handlungsweise, welcher diese schöne Karte
ihre Entstehung verdankt, gegenüber den so häufig vorliegenden Beispielen von
Rivalität, welche allein Alles durchführen will und Andere gern hindern möchte,
oder auch wohl fremdes Verdienst sich selbst zuschreibt.
Unter den übrigen an die Anstalt eingebrachten Büchern heben wir noch
hervor die „Sammlung montanistischer Gesetze und Verordnungen vom Jahre
1857 bis 1861, nebst einem Repertorium von 1849 bis 1861“, herausgegeben
von Herrn k. k. Rechnungsrath J. B. Kraus. Wir freuen uns der Herausgabe
dieser Sammlung durch den um die montanistische Literatur so vielfach hoch-
verdienten Verfasser um so mehr, als wir selbst in der letzten Zeit der Störungen
in der Herausgabe unseres Jahrbuches nicht daran denken konnten, die in den
früheren Jahren darin gegebenen Zusammenstellungen montanistischer Gesetze
fortzusetzen und die hierdurch entstandene Lücke durch das Werk des Herrn
J. B. Kraus nun auf die zweckmässigste Weise ausgefüllt sehen.
Jahrbuch
12. Band,
der k.k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861 u. 1862
Heft II.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 21. Jänner 1861.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitz.
Im Aufträge des Herrn Directors und k. k. Hofrathes W. Haidinger legte
der Vorsitzende das folgende Schreiben des k. k. Professors E. Suess vor und
spricht dem Verfasser desselben den verbindlichsten Dank aus für das freundliche
Wohlwollen, welches diese Mittheilung charakterisirt.
„Hochgeehrter Herr Hofrath!
Vor einigen Tagen erhielt ich das erste Heft des XII. Jahrganges des Jahr-
buches der k. k. geologischen Reichsanstalt, welches an seiner Spitze Freund
Lipold’s Aufsatz über die Colonien in der Silurformation Böhmens enthält. So
sehr mich dieser Aufsatz durch die Fülle der Beobachtungen, welche er zur
Beleuchtung der Streitfrage herbeiträgt und durch seinen urbanen, dem Gegner
die persönliche Achtung an keiner Stelle versagenden Ton erfreut hat, — fühle
ich mich dennoch gedrängt. Sie um die Aufnahme der folgenden Zeilen in das
Jahrbuch zu ersuchen.
Der wahre, innerste Kern dieser Streitfrage liegt nach meiner Meinung
nicht darin, ob längs der Beraun die Graptolithenschiefer und die Grünsteine den
untersilurischen Schiefern „concordant eingelagert“ oder „eingekeilt“ seien. Er
lautet vielmehr: „Haben Wesen der dritten (obersilurischen) Fauna bereits
existirt, bevor die zweite (untersilurische) Bevölkerung vernichtet war?“
Nur in dieser Gestalt erlangt die Frage eine allgemeiae Bedeutung für
den Paläontologen und berechtigt sie zu jener Theilnahme, mit welcher man an
so manchen Orten diesen Erörterungen folgt und solange folgen wird, als wir
uns bemühen werden, dieselben in ruhiger und würdiger Sprache zu führen. Nur
in dieser Gestalt nimmt sie Bezug auf die allgemeinen Entwickelungsgesetze des
Thierreiches und tritt sie an die bescheidenen Vermuthungen heran, welche ich
selbst über silurische Lebensverhältnisse zu äussern gewagt habe.
In dem Schreiben, welches ich am 22. November 1859 an Sie zu richten
mir erlaubt habe, und welchem Sie im X. Bande des Jahrbuches einen Raum
gönnten, ist von Lagerungs Verhältnissen wenig die Rede gewesen. An Ort und
Stelle „hatte ich eingesehen“, heisst es daselbst, „dass eine sehr genaue Kennt-
niss der Schichtenstellungen und namentlich ihres Streichens wohl dazu führen
könne, hier eine Zwischenlagerung mit voller Bestimmtheit zu erkennen, dass
jedoch ein so kurzer Besuch, selbst in Verbindung mit den Erinnerungen, welche
mir von Arbeiten geblieben waren, die ich zehn Jahre früher in dieser Gegend
versucht hatte, mich nicht berechtigte, hier aus den Lagerungsverhältnissen ein
sicheres Urtheil zu bilden“.
Die Thatsache jedoch, dass Herr Barrande mir eine Anzahl von Gesteins-
fragmenten zeigen konnte, welche er seiner ausdrücklichen Angabe gemäss durch
Zertrümmerung eines einzigen, aus der Colonie im Bruska-Hohlwege stammenden
u
1S4
Verhandlungen.
[2]
Blockes gewonnen hatte, und welche Stücke sowohl bezeichnende obersilurische,
als auch bezeichnende untersilurische Versteinerungen enthielten, diese eine
Thatsache schien mir und scheint mir auch heute noch die Capitalfrage von der
partiellen Coexistenz beider Faunen ohne allen Zweifel zu Gunsten des Herrn Bar-
rande zu entscheiden. Auch ist Herr Lipoid in der That durch seine Erklärun-
gen auf Seite 63 und 64 der Barrande' sehen Anschauung in ihrem
wichtigsten, in ihrem principiellenTheile beigetreten. Für mich ist
durch diese Erklärungen die Frage in einer meiner eigenen Ueberzeugung und
den Prämissen meiner weiteren Studien vollkommen entsprechenden Weise ent-
schieden und ich sehe mich durchaus nicht veranlasst, eine Zeile von den Ver-
muthungen zu widerrufen, welche ich in meinem eben berührten Aufsatze über die
Wohnsitze der Brachiopoden, über die Bildung von Colonien gewagt habe und
welche, wie ich bald Gelegenheit haben werde zu zeigen, auch in anderen For-
mationen ihre Berechtigung linden. Diese Vermuthungen fallen sehr nahe zusam-
men mit den Aeusserungen des Herrn Barrande im Bulletin de la soc. geol.
für 1860, t. XVII, p. 658, 659, doch kann ich jenen Ansichten durchaus nicht
beipflichten, welche an derselben Stelle und auf den folgenden Seiten in Bezug
auf die Trappe ausgesprochen worden sind. Es scheint mir höchst gewagt, pluto-
nischer Thätigkeit eine so grosse Rolle zuschreiben zu wollen, einen so directen
Einfluss nicht nur auf das Erlöschen, sondern sogar auf das Erscheinen von
Thierformen, aber ich unterlasse es um so mehr, diesen Punkt näher zu berühren,
da an der Colonie im Bruska-Hohlwege, der einzigen, auf welcher meine übrigen
Bemerkungen über diese Frage beruhen, solche Trappe nicht beobachtet wurden.
Ihr Erscheinen längs der Beraun muss für den Augenblick als ein wesentliches
Argument zu Gunsten der Lipold'schen Ansicht über diesen Theil der Colonien
gelten.
Sparen wir jedoch unser Urtheil über diese zweite Frage bis zu der Zeit,
wo der grosse Meister in Prag auf die so detaillirten Angaben Lipo Id 's geant-
wortet haben wird. Wie verschiedene Standpunkte wir auch einnehmen mögen,
so erwarten wir doch Alle diese Antwort mit gleicher Spannung und hoffen wir
sicherlich Alle, dass diese Debatten, in ein ruhigeres Fahrwasser gelenkt, uns zu
fernerhin unbestreitbaren Ergebnissen führen werden.
Welcher Art diese Standpunkte und diese endlichen Ergebnisse auch sein
mögen, jedenfalls bitte ich Sie, hochgeehrter Herr, in Ihrem und zugleich in
Herrn Lipold’s Namen, die Zeichen meiner aufrichtigen Hochachtung zu geneh-
migen. Man wirft Ihnen vor. Sie hätten mit der Autorität Ihres Namens die
Arbeiten Anderer gestützt; ich prüfe diese Anklage nicht, aber ich kenne die
thatsächlich in den letzten Decennien errungenen Erfolge, auf welche Sie mit
berechtigtem Stolze hinweisen.
Ich bin u. s. w. Ed. Suess.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle hielt einen Vortrag über das Braun-
kohlenvorkommen bei Valdagno, nordwestlich von Vicenza, im Venezianischen.
Auf den rothen Mergel der Scaglia, die hier sehr verbreitet ist, folgen Nummu-
litenkalk, Basalttuff, Kalk und Kalkmergel, deren tertiärer Charakter durch die
zahlreichen und schönen Versteinerungen in dem Basalttuffe von Ronca, sowie
von Novale und Chiavorie hinlänglich sichergestellt ist. Nur an wenigen Punkten
kommen in den über dem Basalttuffe gelegenen Kalkmergeln Kohlen und
Schieferflötze vor und wo sie Vorkommen, dort sind sie in Folge späterer Störun-
gen vielfach zerrissen und weggeschwemmt. Eine der noch am besten erhaltenen
flötzführenden Ablagerungen findet sich nördlich von Valdagno in dem westlich
sich abzweigenden Graben von Pulli, die sich zwar durch keine bedeutende Aus-
Sitzung vom 21. Jänner. F. Foetterle. M. V. Lipoid.
155
[3]
dehnung, hingegen aber durch eine regelmässige Lagerung auszeichnet. Der
ganze kohlenführende Theil der Tertiärablagerung bildet hier in der Verflächungs-
richtung gleichsam eine Mulde, indem die Schichten von Nord und Süd aus gegen
die Mitte convergiren, in der westöstlichen Streichungsrichtung jedoch erscheinen
sie durch den Basalttuff abgeschnitten. Der Durchmesser der ganzen Mulde von
Süd gegen Nord beträgt bei 800 Klafter, in der Streichungsrichtung beträgt die
Länge der Kohlenflötze bei 109 Klafter, über die hinaus sie von Basalttuff abge-
schnitten sind. Es sind mehrere Flötze über einander gelagert, welche alle im
Süden nach Nord mit einem flachen Winkel von 20 bis 22 Grad, im Norden nach
Süd mit einem viel steileren Winkel stellenweise bis zu 60 Grad einfallen. Das
oberste Flötz war bei 5 Fuss und darüber mächtig, ist jedoch bereits gänzlich
abgebaut worden; unter diesem folgt ein ganz schwaches Flötzchen ohne Bedeu-
tung. Dann folgen zwei Schieferflötze bei 20 Klafter von einander durch Kalk-
mergel getrennt, das obere ist bei 6 Fuss, das untere bei 1 bis 1 1/3 Fuss
mächtig, unmittelbar damit ist ein gleich mächtiges Kohlenflötz in Verbindung.
Da der Schiefer gasreich ist und zur Leuchtgaserzeugung verwendet wird, so
werden beide Kohlen- und Schieferflötze gleichzeitig abgebaut. Etwa 20 Klafter
unter dem letztgenannten Schieferlager befindet sich das nächste abbauwürdige
Kohlenflötz; dazwischen jedoch sind mehrere schmale Kohlenflötzchen, worunter
zwei mit etwa je ein Fuss Mächtigkeit, was jedoch zu gering ist, um sie abzu-
bauen. Das vorerwähnte abbauwürdige ist im Durchschnitte bei 3 Fuss mächtig,
mit durchaus schöner Kohle; das zunächst um etwa 24/a Klafter tieferliegende
nächstfolgende Flötz ist zwischen 3 und 4 Fuss, stellenweise auch 5 bis 6 Fuss
mächtig, ist jedoch durch ein bei 1 bis 2 Fuss mächtiges taubes Mittel in zweiTheile
geschieden. Unter diesem Flötze wurden noch drei kleinere Flötze, eines mit
1 Fuss, das andere mit */4 bis 1 Fuss und das dritte mit etwa 2 Fuss Mächtig-
keit aufgeschlossen. Der obere Theil aller dieser Flötze ist bereits gänzlich
abgebaut; zum Aufschlüsse des tieferen Theiles der Mulde wurde der Papado-
pulo-Unterbaustollen angelegt, der in der 219. Klafter den südlichen Flügel des
untersten abbauwürdigen Kohlenflötzes, sowie auch die darüber liegenden Kohlen-
und Schieferflötze erreichte und in der Fortsetzung auch den nördlichen Flügel
dieser Flötze erreichen wird. Durch denselben wird das ganze noch vorhandene
Kohlenfeld aufgeschlossen werden. Die Erzeugung betrug auf diesem Kohlen-
werke, welches der Societä montanistica Veneta gehört, in den letzten Jahren
durchschnittlich bei 100.000 Centner Kohle. Die Kohle ist von sehr guter
Beschaffenheit, fest, muschelig im Bruche, zerfällt nicht leicht, gibt beim Erhauen
bei *8/5 Stückkohle und 3/5 Gries und bei 10 Centner derselben bilden das
Aequivalent einer Klafter 30zölligen weichen Holzes.
Herr k. k. Bergrath M. V. L i p 0 1 d sprach über die Basalte in der Umgebung von
Pardubitz in Böhmen. Es sind dies zwei Vorkommnisse von Basalt, welche unter
den bekannten Basaltvorkommen Böhmens am meisten nach Südosten vorgeschoben
erscheinen. Das eine bildet den Kunetitzer Berg, welcher sich x/ 2 Meile
nordöstlich von Pardubitz unweit des Dorfes Kunetitz am rechten Elbeufer
ungefähr 60 Klafter hoch als ein isolirter Fels mitten aus der grossen Pardubitzer
Alluvialebene erhebt, und dessen Gipfel die Burgruine Kunak ziert. Der Basalt
dieses Berges wird in mehreren Steinbxmchen ausgebeutet. Das zweite Basalt-
vorkommen befindet sich 4/4 Meile östlich von Pardubitz, und besteht in einem
fast Ya Meile langen, aber nur 10 bis 50 Klafter breiten Gange, welcher sich als
eine kaum 2 bis 5 Klafter hohe Erhebung über der Ebene kenntlich macht, und
vom Elbeflusse nächst Hurka über Spojil in südöstlicher Bichtung bis zur Eisen-
bahn erstreckt, und sich sodann in südwestlicher Richtung verliert.
156
Verhandlungen.
w
Ueber den Kunetitzer Basaltberg und über den Spojiler Basaltgang hat Herr
Egid Jahn, Chemiker in Prag, in der cechischen Zeitschrift „Ziva“ sehr
sehätzenswerthe umfassende Mittheilungen gemacht, in welchen nicht nur eine
genaue und detaillirte topographische und naturhistorische Beschreibung dieser
Basalte, sondern auch deren chemische Zusammensetzung und die Nachweisung
ihrer eruptiven Natur enthalten ist. Herr Bergrath Lipoid gab aus diesen Ab-
handlungen die wichtigsten von Herrn Egid Jahn aus seinen Untersuchungen
gewonnenen Resultate .mit dem Bemerken bekannt, dass dieselben seinen eigenen
während der geologischen Aufnahme des vorigen Sommers an Ort und Stelle
gepflogenen Erhebungen vollkommen entsprechen, und letztere wesentlich för-
derten und erweiterten.
Der Basalt des Kunetitzer Berges ist dunkel oder licht graugrün
von Farbe, tlieils dicht, körnig und klingend, theils porös mit vielen Drusen-
räumen. Die Grundmasse desselben besteht aus basaltischer Hornblende, aus
Feidspath und geringen Mengen von Magneteisen.
Die Analyse des Feldspathes, welche in 100 Theilen :
23-608 Thonerde, 11-212 Kali,
1-048 Magnesia, 61-797 Kieselsäure
1-528 Kalk,
ergab, veranlasste Herr Jahn, denselben als einen Sanidin zu bezeichnen, der
auch in dünnen Spalten krystallisirt zu finden ist. In der Grundmasse sind auch
einzelne Glimmerblättchen, häufig aber Kalkspathkrystalle zerstreut enthalten, ln
den Drusenräumen erscheinen: Analcim in Leucitoedernbis % Zoll Grösse; Mesotvp
gewöhnlich in der Form P. P -f- oo in Nadeln bis 1 Zoll Länge und 2 Zoll Stärke;
Pyrit, selten, auf Mesotypnadeln zerstreut, in kleinen Hexaedern : und Kalkspath. in
Formen von R. R -j- ooals Säulen bis 2% Zoll Länge und 1 Zoll Stärke. Die gewöhn-
lichen Gemengtheile der Basalte, Sphen und Olivin fehlen. Der Basalt ist der
Verwitterung leicht zugänglich, und dessen specifisches Gewicht variirt je
nach der grösseren oder geringeren Verwitterung zwischen 2-406 und 2*578.
nach Reuss bis 2-730. Er tritt im Grossen in plattenförmigen Absonderungen
auf; die Platten sind steil stehend und durch Querklüfte in Tafeln oder Blöcke
getheilt. Diese verschiedenen Eigenschaften nähern den Kunetitzer Basalt den
Phonoliten oder manchen Trachyten; indessen gab die Analyse desselben und die
Vergleichung derselben mit den Analysen anderer typischer Basalte, insbeson-
dere jenes von Wolfsberg bei Cernosin und jenes des Spojiler Ganges, Herrn
Jahn die Veranlassung, das Kunetitzer Gestein dennoch als Basalt zu bezeich-
nen, hauptsächlich wegen des geringen Gehaltes an Kieselsäure, der bei den
Basalten im Allgemeinen 40 bis 50% beträgt, bei den Phonoliten, Trachytert und
Melaphyren aber grösser ist, und wegen des bedeutenden Gehaltes an Eisen.
Die Analysen ergaben die auf der nächsten Seite verzeichneten Resultate.
Der Basalt des Spojiler Ganges unterscheidet sich in vielfacher
Beziehung von jenem des Kunetitzer Berges. Er hat eine dunkelbraungrüne bis
schwarze Farbe, ist dicht und sehr hart, und enthält fast keine Drusen und
Hohlräume. Seine Hauptgemengtheile sind Labrador und Augit, mit denen stets
auch Magneteisen, Olivin und schwarzer Magnesiaglimmer auftreten. Ausserdem
erscheinen in der Grundmasse zerstreute Krystalle von basaltischer Hornblende
und Körner von weissem Kalkspath. Er widersteht ausserordentlich der Verwit-
terung und besitzt ein specifisches Gewicht von 2*924. Im Grossen zeigt sich
an diesem Basalte am linken Elbeufer deutlich die den Basalten eigenthiimliche
säulenförmige Absonderung.
0 Jahrgang 1859, 4. Haft, Seite 197. Prag.
Sitzung vom 21. Jänner. M. V, Lipoid.
157
[»]
Basalt von
Kunetitzer Berg
Wolfsberg
Spojil
Kieselsäure
42-00
42-40
38-72
Eisenoxyd *)
18-61
26-74
19-20
Thonerde .
18-80
11-80
14-43
Alkalien
7 -SO
4-40
6-30
Kalk
4-20
10-96
9-72
Manganoxydul
0-75
0-74
0-63
Magnesia
0-59
0-22
0-94
Kohlensäure
2-20
—
—
Phosphorsäure
0-63
0-76
0-76
Titansäure
Spur
—
—
Fluor
—
—
Chlor .
0-04
—
—
Schwefeleisen
0-06
—
—
Hygroskopisches Wasser
0-80
—
—
Glühverlust
4-93
3-30
6-70
Ungeachtet dieser Verschiedenheit in den Basalten des Kunetitzer Berges
und des Spojiler Ganges verdanken dennoch beide ohne Zweifel derselben erup-
tiven Bildung ihre Entstehung. Der Spojiler Basaltgang, dessen Ausbeissen am
Elbefluss nur */4 Meile vom Kunetitzer Berge entfernt ist, würde in der nach
nordwestlich verlängerten Streichungsrichtung nahezu den letztem treffen. Bei bei-
den Basaltvorkommen beobachtet man einen pyrogenen Einfluss auf das Nebenge-
stein, u. z. auf Plänermergel, welche die Unterlage der Pardubitzer Alluvialebene
bilden, und durch die Basalteruptionen zum Theile an den Tag gefördert wurden,
besonders am Kunetitzer Berge, an dessen Gehängen mehrere gehobene Schollen
von Plänerschichten beobachtet werden. Beide Basalte enthalten nahe den Con-
tactflächen Stücke von Plänermergeln eingeschlossen. Sowohl diese Stücke, als
auch überhaupt die dem Basalte zunächst liegenden Plänerschichten erscheinen
mannigfach verändert und gefrittet. Die sonst weichen blaugrauen Plänermergel
sind in der Nähe der Basalte licht, u. z. lichtgrau, weiss, gelblich, lavendel-
blau u. s. w. , gefärbt, hart und zähe, zum Theil jaspisartig, lieferten aber
ungeachtet dessen dem Herrn Jahn Plänerversteinerungen, besonders Forami-
niferen. Herr Jahn hat, um den Einfluss des Basaltes auf die Plänermer-
gel und deren Veränderung durch den Basalt nachzuweisen, Analysen ver-
schiedener Plänermergel vorgenommen, weiche Herr Bergrath Lipoid mittheilte.
Plänermergel von Nr. I, II und III sind in unmittelbarem Contact mit dem Basalte,
jene von Nr. IV incl. VIII befinden sich in der Nähe der Basalte, jene von Nr. IX
incl. XI rühren von anderen von Basalten entfernten Fundorten (Kerhleb-Neu-
königgrätz) her. Nr. IV, V, VII und VIII, sämmtlich aus den Plänerschollen des
Kunetitzer Berges, führen Versteinerungen ( Ananchytes ovata Lam., Dentalium
medium Sow ., Rostellaria Reussi Gein ., Cerithium Luschitzianum Gein., Fora-
miniferen und Gasteropoden) und Nr. VIII bildet die höchste Schichte einer
solcher Plänerscholle.
Die Analysen ergaben:
J) Das Eisen ist hei allen Analysen als Oxyd angeführt; jedoch erscheint dasselbe auch in
grösseren Mengen als Oxydul im Gesteine.
158
Verhandlungen.
r«i
!
I.
II.
Hl.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
IX.
X.
XI.
Kohlensäuren Kalk . .
5*00
13*63
5*40
9 11
27*27
1003
10*48
15 49
15*60
45*01
14 43
Kohlensäure Magnesia
0-46
—
9*99
—
—
—
—
—
1*76
—
2-66
Aetzkalk
—
8*41
—
2*96
4*37
221
3 52
3*54
—
—
—
Freie Magnesia
—
1*88
—
0*64
2*64
0*50
1-04
1*08
—
—
—
Kalk als Silicat
4-98
4*24
1*80
0*63
1*97
0*27
0*34
1*56
0*28
1*16
0*31
Magnesia als Silicat .
1-45
1*52
0*92
111
1*42
0*68
0*98
1*78
0*46
029
0*19
Eisenoxyd
13*42)
15*60
14 * 20 1
9*84
10*57
3*88
16*94
8*70
5 11
8-24
1 8 32
Thonerde
7*62f
12*20
11*03
6*90
7*93
14*62
11*76
5*03
15*08
Alkalien
4*84
2*24
2*48
Spuren
Kieselsäure
59*69
47*40
61*00
52*50
34 81
6816
49*90
47*64
52*69
,25-80
47 • 02
Schwefelsäure
—
—
—
—
—
—
—
—
Spuren
0-41
Glühverlust
2*40
5*00
4 20
10*60
7*00
720
8-20
5*60
12*40
14*40
11-20
Specifisches Gewicht
2*686
2*716
2*560
2*126
2*383
2*416
2-340
2*303
2*122
2 483
—
Bei Vergleichung dieser Analysen ergeben sich folgende Resultate: Der
Aetzkalk und die freie Magnesia in den Plänern nächst dem Basalte thun dar, dass
letzterer aus den ersteren die Kohlensäure austrieb; — durch Einwirkung des
Basaltes verlor der Pläner ausser Kohlensäure noch Wasser, zum Theil die
organischen Reste , und die allfällig vorhandene Schwefelsäure, dagegen nahm
er dafür Kieselsäure und Alkalien aus dem Basalte auf ; — endlich vergrösserte
sich durch Einfluss des Basaltes das specifische Gewicht der Plänermergel.
Herr Heinrich Wolf berichtete über die geologische Aufnahme des Vrduik-
gebirges, welches am rechten Ufer der Donau zwischen lllok und Peterwardein,
in einer Ausdehnung von ungefähr 12 Quadratmeilen, und einer mittleren See-
höhe von 1000 Fuss sich erhebt.
Das Vrdnikgebirge wird nach dem griechischen Kloster Vrdnik, am Südab-
hange desselben am halben Wege zwischen Peterwardein und Ruma in Syrmien
gelegen, so genannt; es ist eine jener, aus älteren Gesteinen bestehenden insel-
artigen Erhebungen, die in den Ländern zwischen der Drau und der Save aus den
sie rings umgebenden alluvialen und diluvialen Ebenen oder auch jungtertiärem
Hügellande emporragen, wie auch z. ß. das Papuk- oder Poseganer-Gebirge, oder
wie das Kalnik- und Ivancziea-Gebirge.
ln geologisch-geographischer Beziehung bildet das Vrdnikgebirge bei Peter-
wardein so wie das Leithagebirge hei Wien, mit welchem es mehrfache Analogie
besitzt, ein wichtiges Glied in jenem grossem Ringe, zu welchem die Central-
kette der Alpen, durch ihre Spaltung bei Gratz in einen nach Nordost, und einen
nach Südost verlaufenden Zweig sich öffnet.
Diese Zweige, gegen Nordost mit dem Wechsel- und dem Rosaliengebirge,
südöstlich aber mit dem Baehergebirge und den croatisch-slavonischen Bergen
beginnend, von der Donau bei Pressburg und Peterwardein durchrissen, um-
schliessen durch ihre Wiedervereinigung in den karparthischen und sieben-
bürgischen Alpen das alte Pannonien.
Von der geologischen Zusammensetzung des Vrdnikgebirges gaben uns die
Karten von Beudant und Parts ch, welche Letztere in Haidinger's geogno-
stischer Uebersiehtskarte der österreichischen Monarchie aufgenommen wurde,
zuerst ein Bild. Die Karte von Beudant, welche in dem ganzen Gebirgsrücken
nur Euphotid (Serpentin) und Molasse angibt, beweist, dass Beudant dieses
Gebiet selbst nicht betreten hat, denn nur ein flüchtiger Besuch von Part sch
wies schon einen krystallinischen Kern mit Kalkzügen, durchbrochen von einer
Grünsteinmasse und umschlossen von einer Leithakalkzone, in welcher südlich
Sitzung vom 21. Jänner. II. Wolf.
159
[7]
und nördlich des Kernes Serpentine auftreten, nach. Obwohl die Begehung im
verflossenen Herbste, von welcher der Bericht hier gegeben wird, ebenfalls nur
eine flüchtige genannt werden kann, da sie nicht über acht Tage erstreckt werden
konnte , so constatirte sie doch mit mehr oder weniger Sicherheit das Vorkom-
men von Thonschiefern (Phylliten), krystallinischem Kalk, Grauwackensandsteinen
und Kalk, Culmsandsteinen und Conglomeraten einem jüngeren Sandsteine, wahr-
scheinlich obere Kreide, dann einer Zone miocener Schichten, aus Leithakalk,
brackischen Mergeln (Cerithien- und Congerien-Etage), welche zur Zeit der
Serpentin- und Trachytbildung mannigfach verändert wurden. Diese Schichten
werden sämmtlich bis auf bedeutende Höhen vom Löss bedeckt.
Die Urthonschiefer (Phyllite) wechselnd mit Quarzschiefer und krystallini-
schem, schieferigem Kalk bilden den Kamm des Gebirges, von dem Kloster Köver-
din bei Divos, bis in die Nähe des Klosters Vrdnik in der Strecke von 3 Meilen.
An der Südseite werden sie von Leithakalken und noch jüngeren Schichten
zunächst begrenzt und eingeengt, nur bei Kloster Jazpk, wo die Leithakalkzone
durch Serpentineruptionen zerrissen wurde, zeigen die Phyllite eine grössere
Breitenausdehnung. Hauptsächlich nach Norden verflachend, finden sich die ihnen
conform aufgelagerten Schichten auch nur an der Nordseite des Kammes. Zunächst
sind es weisse grobe Quarzitsandsteine, ganz gleich jenen, welche bei Petrovitz
und Bittberg in Mähren unter den Devonkalken und bei Freudenthal in Schlesien
weit im Liegenden der Culmsandsteine Vorkommen, sie gehen in feinkörnigere,
graubraune sehr feste Sandsteine über, welche endlich mit Schiefern wechseln,
in welchen ein röthlicher, etwas thoniger dichter Kalk mit muschligem Bruch
eingelagert ist. Diesen nicht näher bestimmten Grauwackenschichten folgen zu-
nächst gegen Norden, aber noch südlich von Grabovo, Kloster Beocsin und
Ledince, dunkle, grünlich graue mattglänzende Thonschiefer, glimmerige, im
frischen Bruche feste hellgraue Sandsteine, in denen südlich von Kamenitz, an
der Strasse gegen Iregh, unweit der Truska gora, spärliche Pflanzenreste Vor-
kommen. Auch Conglomerate kommen in der Nähe der Truska gora vor, die aus
den verschiedensten, krystallinischen Gesteinen bestehen. Diese Gesteine bilden
dann gegen Ost allein den Kamm des dicht bewaldeten Gebirges, bis gegen
Kloster Bemete, sie bedecken dort wahrscheinlich übergreifend die nicht
mehr sichtbaren tieferen Grauwacken und Urthonschiefer, und haben daselbst
ihre grösste Verbreitung. Für eine Parallelisirung dieser Gebilde mit den Culm-
schichten in Mähren spricht die Analogie der Lagerungsverhältnisse, und die
petrographische Aehnlichkeit, so wie die übrigens nicht näher bestimmbaren
Pflanzenreste (wahrscheinlich Calamitenstengeln). Nördlich und östlich der Truska
gora, in dem weiten Thalkessel, welcher sich 3/4 Meilen südlich von Kamenitz öffnet,
noch südlich von Ledince und Bukovac, erscheinen gelbliche nicht sehr feste Sand-
steine, von verschiedenartigem Korne, mit grünen, röthlichen und auch schwarzen
Mergellagen wechselnd, sie bedecken dieCulmschichten und werden von Leithakalk
hei Ledince überlagert. Ihre geologische Stellung bleibt zwischen diesen Grenz-
schichten noch schwankend. Einige Anhaltspunkte geben nur noch Mergelkalke,
welche im Donaubette bei Slankamen, mit gleichen Mergelschieferlagen ebenfalls
unter dem dort die senkrechten Abstürze bildenden Leithakalke Vorkommen. Sie
erinnern an die Mergelkalke des Wienersandsteines. Diese bisher besprochenen
Gesteine bilden den Kern des Vrdnikgebirges in einer Länge von West gegen
Ost mit 5 Meilen, und in der Breite von Süd gegen Nord von y8 bis 3/4 Meilen.
Diesen Kern umschliessen nun die Zonen des Leithakalkes, der Mergel (Cerithien-
schichten) und der Congerienschichten , welche aber meist schon vom Löss und
derh Thal-Diluvium verdeckt sind. Schwer ist es die Grenze des marinen Leitha-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
V
160
Verhandlungen.
[«]
kalkes gegen die brackischen Cerithienschichten zu bestimmen, da gewiss mehr-
fach, wenn auch nur durch geringe Schwankungen, mariner Boden zu brackisehem
geworden ist. So zeigen die weisslichen Kalkmergel von dem Horizonte der
Radobojmergel, welche, wie Herr Stur nachwies, die Cerithienschichten reprä-
sentiren, bei Ledince einen mehrfachen Wechsel mit Leithakalk ; und dort wo
der Kalkstein fast rein erscheint liefert die Fauna einen Beweis für derartige
Schwankungen.
So findet man an der Donau nordwestlich bei Slankamen in den 100 bis
ISOFuss hohen Abstürzen, auf den vorerwähnten zur Kreideformation gerechneten
Kalkmergeln und Thonschichten eine sandige lockere Rank mit zahlreichen, meist
zerbröckelten Echinodermen. gemengt mit vielen Nulliporenkugeln, darüber liegt
eine Bank mit Ostrea cochlear, über diese folgt eine Kalkschicht mit Pectunculus
polyodonta , das Ganze bei 4 Klafter mächtig. Nun folgen nach Oben sandige
Schichten mit vereinzelten Cerithium rubiginosum , C. pictum, Trochus patulus.
Diese Versteinerungen werden herrschend in der Höhe von 80 bis 100 Fuss über
den unteren rein marinen Lagen. Noch weiter nach oben mengen sie sich
zunächst mit Corbula carinata, noch höher finden sich die Cerithien vergesell-
schaftet mit Mytilus , Lucina divaricata , Area barbata und anderen rein marinen
Arten, weiter aufwärts ist dann Alles mit Löss bedeckt. Die obersten und unter-
sten Schichten sind also marine Kalke, die mittlere Abtheilung dagegen Ceri-
thienkalk.
Von mefamorphischen oder Eruptivgesteinen findet sich am meisten ver-
breitet der Serpentin, er tritt in zwei Zügen parallel dem Kamme des Vrduik-
Gebirges südlich und nördlich desselben auf, südlich findet er sich in den Urthon-
schiefern, nördlich, hauptsächlich in den Grauwackenschiefern. Er bildet nicht
stockförmige Massen, sondern scheint in genannten Schiefern eingelagert oder
sogar aus denselben entstanden zu sein. Diese Ansicht gewinnt noch mehr Bestand
durch die ganz von diesen Zügen abgesonderte Partie Serpentins bei der Feste
Peterwardein. Dort ist er ganz massig, aber am Ausgang gegen das Thor von
Kamenitz sieht man eine Schichtsonderung, hervorgebracht durch eine dünne
Lage von gebranntem Urthonschiefer von derselben Beschaffenheit, wie jener an
der Nordseite des Vrdnikgebirges , dieser Schiefer streicht ostwestlich und fällt
südlich.
Trachyt wurde häufig in Geschieben in dem Graben südwestlich von Ledince
aufgefunden; dieselben stammen unzweifelhaft aus dem hintersten Winkel dieses
Grabens; auch noch an anderen Stellen des dicht bewaldeten Gebietes mag
dieses Gestein Vorkommen und mit die vielfachen Umänderungen bewirkt haben,
welche man an den Sedimentgesteinen beobachtet.
Herr Dr. F. Stoliczka knüpfte an die Vorlage einer Sendung, bestehend
aus bearbeiteten Feuersteinen und einigen Thierresten der Diluvialzeit, welche
Herr Boucher de Perthes1). Präsident der Socidtd d' Emulation zu Abbeville,
der k. k. geologischen Reichsanstalt als Geschenk übermittelt hat, folgende
Erläuterungen.
Die Gegend von Abbeville, im Departement der Somme gelegen, ist schon
seit einer Reihe von Jahren als eine der lehrreichsten für das Studium der
Diluvial-Schicbten und der ältesten menschlichen Ueberreste bekannt. Das Thal
der Somme ist nämlich grossentheils mit Diluvial- Schotter, Sand und Lehm, und
zwar stellenweise in ansehnlicher Mächtigkeit ausgefüllt, welche Absätze die
*) Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 19. November 1861. Bd. XII, S. 103.
Sitzung vom 21. Jänner. Dr. F. Stoliczka.
161
[»]
Reste der ältesten, menschlichen Industrie einschliessen. Den unermüdlichen
Bemühungen des gelehrten Archäologen Boucher de Perthes verdankt man
eine genaue Kenntniss dieser Ablagerungen und die erste richtige Deutung der
darin vorkommenden zugehauenen Feuersteine und bearbeiteten Knochenfrag-
mente.
In der Eröffnungsrede der British Association zu Aberdeen 1869 erwähnt
Sir Charles Lyell, dass man diese Schichten bereits in einer Erstreckung von
15 engl. Meilen kennt und aus denselben über 1000 Stück Feuersteine aus-
gehoben hatte. Durch das Vorkommen der grossen ausgestorbenen Säugethiere,
welche wir bei uns theils im Löss, theils in Höhlen finden, wie Rhinoceros ticho-
rhinus, Elephas primigenius , Hyaena spelaea, Cervus euryceros, Bos primi-
genius und priscus u. a. , sind wohl diese Sedimente als echtes Diluvium
hinreichend charakterisirt.
Das Erscheinen des 1. Bandes der Antiquites celtiques et antediluviennes
von Boucher de Perthes im Jahre 1847, rief zwischen den Fachmännern
einen ziemlich heissen Streit hervor, der bis in die neuere Zeit fortdauerte. Erst
nachdem Dr. Rigollot ähnliche Ueberreste ganz unter denselben Verhältnissen
bei Amiens entdeckte, nahmen sich auch die englischen Geologen und Archäo-
logen wie Prestwich, Horner, Flower, Evans u. a. der Sache mit viel
mehr Interesse an, und waren meistens bemüht genaue Studien an Ort und Stelle
zu machen. Eine grosse Reihe kleinerer und grösserer Schriften knüpft sich an
die Herausgabe des 2. Bandes der Antiquites celtiques et antediluviennes, wie in
neuerer Zeit die umfassende Arbeit von Prestwich in den Philosophical Trans-
actions, Vol. ISO, part. II, 1860 , so wie Herrn de Perthes letzte Arbeit
„l’homme antediluvien et ses oeuvres 1860“, worin er noch einmal die wichtig-
sten Resultate bespricht. Nunmehr scheint der Streit beglichen zu sein und die
ersten Autoritäten haben sich bereits für die Ansichten und zum grossen Theil
auch für die Erklärungsweise des Herrn Boucher de Perthes ausgesprochen.
Im ersten Bande der Antiquites nimmt Herr de Perthes für die Zeit vom
Diluvium herauf acht Abschnitte an, und zwar: Die Diluvial -Epoche, die vor-
keltische, keltische, gallo-keltische, gallo-römische, römische, die mittlere (Ueber-
gangszeit vom zerstreuten zum geselligen Leben) und schliesslich die moderne
Epoche. Nur mit den drei erstgenannten beschäftigt sich der erste Band, während
der zweite neben diesen auch ein reiches Material aus der jüngeren Zeit bear-
beitet. Eine reiche Auswahl der bezeichnendsten Formen aus der grossen Samm-
lung des Herrn Boucher de Perthes, welche auf zahlreichen Tafeln abgebildet
sind, tragen wesentlich zum Verständniss bei und unterstützen die Auffassung und
Beurtheilung der Gegenstände.
Die übersendeten Reste gehören drei Epochen an und zwar der diluvialen,
der keltischen und der gallo-keltisehen Zeit.
Aus den Diluvialablagerungen der Gegend von Abbeville und Amiens liegen
9 Stücke vor, darunter einige Aexte von besonderer Schönheit und Grösse. Die
meisten zeigen Spuren von Abnützung. Ausserdem befinden sich von dort einige
Knochenfragmente von Extremitäten, die vielleicht dem Bos priscus angehören
und ein ungewöhnlich grosser Zahn aus dem Oberkiefer eines Pferdes.
Eine kleine Partie Diluvial-Sand von Menchecourt aus einer Tiefe von bei-
läufig 8 Meter, worin zugleich zahlreiche Knochenreste in stark zerriebenem
Zustande sich befinden , Hessen folgende Arten von Conchylien bestimmen :
Planorbis marginatus Drap. , PL carinatus Müll., Cyclostoma elegans Drap.,
Helix pulchella Müll., Bythinia tentaculata Lin., Limnaeus per eg er Drap., Pisi-
dium cfr. amnicum Müll., Bruchstücke einer grossen Helix, ferner eines Cardium
162
Verhandlungen.
[10]
und Donax. Alle gehören noch lebenden Arten an und gerade solchen, die fast
durch ganz Europa verbreitet sind. Einige, wie Bytliinia tentaculata, Planorbis
carinatus und das Pisidium treten schon zur Zeit der Ablagerungen unserer
Inzersdorfer Schichten auf, Helix pulchella hat sich in die Hochalpen zurück-
gezogen, während die Reste der marinen Schalen vielleicht als Küchenabfalle der
„Steinmenschen“ anzusehen sind.
Die keltische Zeit ist mit 27 Stücken vertreten, die zumeist aus den Torf-
mooren bei Abbeville stammen. Die Feuersteine sind durchaus kleiner, zeigen keine
Spur einer Erosion und manche sind von ausnehmender Schärfe an den Kanten,
als wenn sie erst jetzt zugeschlagen wären. In der Bearbeitung zeigen sie von
den ersteren keinen erheblichen Unterschied, denn von den vielen polirten
Steinäxten, welche de Perthes aus dieser Zeit abbildet, befinden sich keine
darunter.
Die mit den keltischen Feuersteinen gefundenen Thierreste gehören dem
Cervus euryceros (zwei Geweihbruchstücke), dem Equns fossilis (ein Backen-
zahn, erste Halswirbel, zwei Metacarpus mit den ersten Zehengliedern von einem
Vorder- und einem Hinterfuss, ein Calraneus und mehrere Rippenbruchstücke),
einem Schwein, von dem zwei Eckzähne vorliegen. Bruchstücke eines schwach
gebrannten und sehr roh gearbeiteten Gefässes enthalten sehr viel groben Sand
beigemischt.
Aus der etwas späteren gallo-keltischen Epoche übersandte Herr Boucher
de Perthes nur drei Stücke, die sich aber durch ihre schöne Politur und sehr
deutliche Spuren einer früheren Benützung von den anderen auszeichnen. Das
eine Stück ist von der Form eines Meisseis, länglich oval, flach, an einer Seite
etwas breiter und mit gerader Schneide, an der anderen Seite schmäler uud abge-
rundet zugeschärft; es dienten gewöhnlich diese Art Meissei zum Abhäuten oder
Bearbeiten der Thierbälge. Die anderen zwei Stücke haben die gewöhnliche Axt-
form. An dem oberen, stumpfen Ende besitzen sie beiderseits je eine Querrinne,
die vielleicht zum Zwecke der besseren Befestigung in einem gespaltenen Stiel
ausgeschlagen wurde, wobei dann der Stiel wieder mit Bast oder später mit Lein
zusammengebunden wurde. Diese Art der Befestigung von Steinäxten scheint
eine ziemlich verbreitete und ausgiebige gewesen zu sein, da an manchen
Pfählen der Schweizer- Seen, die der Steinzeit angehören, Hiebe Vorkommen
sollen, deren Schärfe denen einer Eisenaxt nicht viel nachgibt. Zu den kleineren
Instrumenten, wie Meissei, Messer und verschiedene Stechwaffen hat man Griffe
meist aus Hirschgeweih bereitet, wie man sie grösstentheils in dem älteren Dilu-
vium findet. Steinerne Hämmer, beiderseits zugeschärfte Spathe, die in ähnlicher
Weise, wie die Aexte befestigt wurden, waren ebenfalls im Gebrauche. Schleudern,
die in einem einfachen am Ende mit einer Vertiefung versehenen Stabe bestanden,
worein der zum Werfen bestimmte Stein gelegt wurde, ja selbst eine ganz eigen-
thümliche Schusswaffe, zeichnet Herr Boucher de Perthes. Diese ist in der
That so ungekünstelt, als es sich nur denken lässt. Ein zweiarmiger Ast, an dem
ein schwächerer Arm einwärts gebogen einen in eine Rinne des zweiten, dickeren
Schenkels gelegten Pfeil fortschleuderte, ist die ganze Mordwaffe. Offenbar konnte
ein solches Gewehr nur so lange benutzt werden, als der dünnere Schenkel seine
Elasticität durch Austrocknung nicht verlor.
So sehen wir die ersten Mittel, die ersten Waffen, mit denen der Mensch
sich zum Herrn der Schöpfung aufwarf und sein erlangtes Uebergewicht immer
mehr befestigte. Lange sträubte man sich gegen das Vorkommen fossiler Menschen,
doch die Thatsachen haben sich namentlich in der letzten Zeit so sehr gehäuft,
dass hierüber wohl alle Zweifel jetzt beseitigt sind.
Sitzung vom 21. Jänner. Dr. F. Stoliczka.
103
tu]
In der That scheint man sich blos an dem Ausdrucke „fossil“ durch lange
Zeit gestossen zu haben. Pictet hat in einer eigenen Schrift1 2) nachgewiesen,
dass unsere ganze Säugethier-Fauna schon während der Diluv ialzeit existirt hat
oder wenigstens ihre unmittelbaren Vorläufer hatte. Von den Mollusken, insofern
ihr Vorkommen nachweisbar ist, gilt dasselbe fast ausnahmslos. Die eingetretenen
klimatischen und Bodenveränderungen, welche sich zweifelsohne in der letzten
Zeit mehrmals wiederholten, veranlassten nun das Aussterben einiger Arten,
während der Mensch sich fort erhielt. Sicher ist es aber nicht unmöglich, dass
auch ein ganzer Menschenstamm stellenweise schon in der frühesten Zeit aus-
gestorben ist, und dass man seine Reste jetzt nur mit anderen ausgestorbenen
Säugethieren findet. Und insofern ist man dann gewiss berechtigt von dem Vor-
kommen fossiler Menschenreste zu sprechen.
Wenn man auch für den Anfang der Steinperiode, die gewiss sehr lange
gedauert hat, eine Jahreszahl annehmen muss, die ziemlich weit unsere Zeit-
rechnung überlrifft, so ist dennoch die Anwendung von Schneidewerkzeugen und
Waffen aus Stein bei weitem nicht so vergessen, ja wir sehen dieselben noch
heutzutage bei manchen wilden Stämmen im Gebrauche.
In Nord-Amerika traf inan zum Theil ganze Strecken im Gebirge zu Feuer-
steinwaffen ausgebeutet, was offenbar einen sehr ansehnlichen Zeitraum voraus-
setzt. D’Orbigny fand Instrumente aus Stein gearbeitet in den Diluvialthonen
Süd-Amerika’s 3), während sie Humboldt bei mehreren wilden Menschenstäm-
men noch in Verwendung sah. DeSaulcy berichtet, dass die Esquirnos auf
Grönland sich noch jetst steinerner Äxte und Meisel bedienen, die den keltischen
von Abbeville vollkommen gleichen und aus den Gräbern früherer Bewohner an der
Meeresküste stammen sollen3). Prof. Hochstetter theilte mir gelegentlich mit,
dass man auf Neuseeland an jedem Haufen einer Niederlassung einige polirte
Steinäxte, ferner Eckzähne vom Schwein und Muschelschalen findet, die den
Eingeborenen als Nahrung dienten. Man sieht hieraus , dass die Einführung des
Metalls den Gebrauch von Steinwerkzeugen noch nicht ganz verdrängt hat, wovon
auch einige Pfahlbauten der Schweiz deutliche Beweise liefern. Bezüglich der
Vorkommnisse in Oesterreich verdanke ich H. Prof. Suess folgende Notizen: Es
ist eine unbezweifelte und den Alter thumsforschern wohl bekannte Thatsache,
dass Waffen und Werkzeuge aus Stein neben dem Metalle in Europa durch lange
wahrscheinlich auch noch nachchristliche Zeit im Gebrauche gestanden sind.
Freiherr Candid. v. Engelshofen hatte Prof. Suess zuerst auf das sehr häu-
fige Vorkommen von behauenen Feuersteinen in der Umgebung von Eggenburg
aufmerksam gemacht. Die Vermuthung von Hrn. Prof. Suess, dass sich auf der
isolirten Kuppe des Vitusberges heidnische Alterthümer finden werden, hatte sich
auch bestätigt. Ein Besuch mit Freiherrn von Engelshofen dahin hat auch in der
That gezeigt, dass das bei weitem die reichste Fundstätte für ähnliche Vorkommnisse
ist, welche man in Nieder- Oesterreich kennt. Erinnert der Name des Berges
schon an den Swantewitcultus, folglich an ein Volk, dem religiöse Anschauungen
nicht fehlten , so lassen die Vorkommnisse , welche der fortgesetzte Eifer des
Freiherrn v. Engelshofen zu Tage gefördert hat, an dem verhältnissmässig
geringen Alter derselben nicht zweifeln. Sie bestehen:
1. Aus Feuerstein- und Hornstein-Erzeugnissen, welche ihrer Gestalt nach
vollkommen ident sind mit jenen der englischen Torfmoore. In einem grösseren
O Note sur la periode quaternaire ; Bibliotheque universelle. Aoiit 1860,
2) Bulletin Soc. Antiq. de Picardie n. 2, 1839. Reponse par Boucher de Perthes, p. 9.
3) Nopinion nation. XI, Septemb . 1839.
164
Verhandlungen.
[12]
Stücke , wahrscheinlich dem Stosssteine einer Handmühle angehörig , befinden
sich zwei Hohldrücke von Terebratella pectunculoides , wie sie in den Feuer-
steinkugeln der Umgebung von Brünn Yorzukommen pflegen.
2. Aus höchstens 2 Zoll grossen, beilförmig geschliffenen Stücken von Horn-
blendegestein, welche trotz ihrer Kleinheit offenbar benützt und je an einer Seite
ihrer Schneide nachgeschliffen sind.
3. Aus Scherben von Töpferwaaren, öfters mit Verzierungen versehen ; auch
kleine Thonlampen von römischer Form.
4. Fr. v. Engelshofen schreibt, dass er in letzterer Zeit eine Agraffe
aus Bronze ebendaher erhalten hat. — Eine schön gearbeitete Pfeilspitze mit
gezähneltem Bande und eine eben solche kleine Säge aus Feuerstein hat Fr. v.
Engelshofen kürzlich mit Bronzeresten aus einem Grabe bei Buckendorf erhal-
ten. Bronze wie Feuerstein- Vorkommnisse findet man übrigens gar nicht selten
zerstreut in einem grossen Theile von Nieder -Oesterreich , wie deren mehrere
z. B. vom Custos Seidel beschrieben wurden. Auf dem Haselberge bei Strons-
dorf trägt die Kuppe eine dicke Schichte Humus, während die Abhänge des Ber-
ges fast davon entblösst sind. Man glaubt auf derselben die Spuren früherer
Erdarbeiten zu bemerken. Hier haben die H H. Kammei jun. zahlreiche Scher-
ben, Beste von Bindern, ein nicht bearbeitetes Hirschgeweih und Beile von Bronze
entdeckt. Das grösste beilartige Instument, von etwa 3 Zoll Länge, hat Prof. Suess
im Walde bei Eggenburg gefunden.
Herr k. k. Bergrath Franz Bitter von Hauer machte eine Mittheilung über
das Vorkommen der Trias-Kalksteine im Vertesgebirge und im Bakonyer-Walde :
Conform der Streichungslichtung dieser durch die Spalte von Moor getrennten,
aber in geologischer Beziehung vollständig zusammengehörigen Gebirge selbst,
streichen auch die älteren Formationen angehörigen Gebirgsschichten, die so zu
sagen ihr Gerippe bilden von Nordost nach Südwest und fallen im Allgemeinen nach
Nordwest. An der südöstlichen Flanke des ganzen Zuges finden sich daher die älte-
sten Gesteine, die hier überhaupt entwickelt sind , und diese gehören der Trias-
formation an. Alle Glieder dieser Formation, welche beobachtet wurden, tragen
petrographisch und paläontologisch den alpinen Typus, es sind: 1. Verrucano
und Werfener Schiefer, 2. Guttensteiner Kalk, 3. Virgloria-Kalk, 4. Esino-
Dolomit.
Verrucano und Werfener Schiefer bilden die Unterlage des ganzen
Gebirgssystemes an dem nordöstlichen Ufer des Plattensees von Badacson Tomaj
bis über Zänka hinaus, dann wieder von der Halbinsel Tihany bis zum nördlichen
Ende des Sees; überdies findet man sie in einigen secundären Aufbrüchen auch
noch weiter gegen das Innere des Gebirges unter den Guttensteiner Kalken her-
vortauchen. Der Plattensee selbst , mit seiner dem Streichen des Gebirges ganz
parallelen Längenaxe bezeichnet offenbar eine Bruchlinie oder Spalte , der ent-
lang die Niveauveränderungen vor sich gingen, denen das Bakonyer-Gebirge seine
jetzige Gestaltung verdankt. Nähere Details über den Verrucano und Werfener
Schiefer wird Herr K. Paul in einer unserer nächsten Sitzungen mittheilen.
2. GuttensteinerKalk bildet eine von Nordost nach Südwest an Breite zu-
nehmende Zone, welche vonlszka St. György nordwestlich von Stuhlweissenburg
nach Csoör , und dann nach einer kurzen Unterbrechung durch die Tertiärbucht
von Palota weiter fortstreicht bis über Köves-Källa hinaus. Jenseits der Moörer-
Spalte, also am Südost-Gehänge des Vertes-Gebirges beobachteten wir keine hier-
her gehörigen Gesteine; möglich wäre aber immerhin , dass sie in den isolirten
östlich von Magyar-Almäs emportauchenden Kalkpartien, die wir nicht besuchten,
anzutreffen wären.
[13]
Sitzung vom 21. Jänner. Franz Ritter v. Hauer.
165
Sehr deutlich und mit zahlreichen charakteristischen Petrefacten beobach-
teten wir das Gestein an den Gehängen oberhalb Csoör, westlich von Stuhlweis-
senburg; die ältesten aus den sandigen Miocen- und den Diluvialschichten empor-
tauchenden festen Gesteine sind zellige Rauchwacken und Dolomite , darüber
folgt in nicht sehr grosser Mächtigkeit dunkler, in dünnen Schichten brechender
Plattenkalk, in mehreren Steinbrüchen gut aufgeschlossen mit Naticella costata,
Myophorien, Gervillien, dann den charakteristischen Rhizocorallien. Die Schich-
ten fallen sanft gegen Nordnordwest und werden von weissem zuckerkörnigem
Dolomit überlagert, der bereits den Esino-Schichten angehört.
Bedeutend breiter schon ist die Zone der Gesteine die uns beschäftigen,
südlich von Öskü; auch hier liegen weiter gegen Norden die Plattenkalke, weiter
gegen Süden Rauchwacken und Dolomite , weiter läuft ihre Nordgrenze stets
wenig weit südlich von der Strasse, die von Veszprim nach Nagy-Väszony führt,
und hier erreicht sie eine Breite von nahe 1 x/z Meilen. Verquert man
sie z. B. am Wege von Veszprim über St. Istvän nach Kenese , oder von
Nagy-Väszony nach Ftired, so beobachtet man bald dunkle, bald röthlich
gefärbte Kalksteine, bald Dolomite und Rauchwacken; die Schichten liegen meist
flach und es mögen durch wellige Biegungen bald die tieferen, bald die höheren
an die Oberfläche gelangen. Sehr möglich ist es sogar , dass einzelne der dolo-
mitischen Schichten schon als Esino-Dolomite aufzufassen sind. Die plattigen
Kalke mit Naticellen beobachteten wir insbesondere noch bei Puszta-Gelemen,
östlich von Veszprim. Besonderes Interesse verdient aber auch der von Herrn
J. v. Kovats entdeckte Fundort von Cer. binodosus Hau. südöstlich bei Nagy-
Väszony. In einigen Steinbrüchen ist das Gestein, ein röthlicher dünngeschichteter
Kalkstein, der nach Nord west einfällt, entblösst; die genannte Ceratitenart, die
bekanntlich zuerst in den Venezianer-Alpen aufgefunden wurde, kommt in diesem
Gesteine ziemlich häufig vor.
Weiter südwestlich gegen Köves-Källa zu nimmt die ganze Zone wieder all-
inälig an Breite ab und verschwindet noch vor der Einbuchtung von Tapolcza
gänzlich. Oestlich bei Köves-Källa gesellt sich aber zu den bisher betrachteten
Schichten ein neues Gestein, der
3. Virgloria-Kalkstein. Denn mit dieser von Freiherrn v. Richthofe n
so benannten alpinen Trias-Etage sind die von Herrn v. Zepharovich entdeck-
ten Kalksteine zu verbinden , unter deren zahlreichen Petrefacten Herr Prof.
E. Suess die bezeichnenden Arten des schlesischen Muschelkalkes (, Spiriferina
Mentzeli Dunk-,Spiriferina fragilis Schloth., Retzia trigonella u. s.w.) erkannte1 *)*
„Wenn man“, sagt Suess a. a. 0., S. 371, „die Lagerungsverhältnisse der beiden
Schichten, des Muschelkalkes von Köves-Källa und der Werfener Schiefer von
Balaton-Füred mit Sicherheit ermitteln könnte, so wäre hierdurch eine der schwie-
rigsten Fragen der österreichischen Geologie gelöst, ob nämlich die Werfener
Schiefer dem bunten Sandsteine, wie v. Hauer glaubt, oder ob sie dem
Keuper gleichzustellen seien, wie es die Schweizer Geologen meinen“.
Die genauere Untersuchung dieser Lagerungsverhältnisse nun bestätigt voll-
kommen die Richtigkeit der Beobachtungen , welche inzwischen Freiherr von
Rieht ho fen über die relative Stellung der ganz analogen Schichtengruppen in
Vorarlberg 3) sowohl als in Süd-Tirol 3) veröffentlicht hat. Hier wie dort liegen
die Virgloria-Kalksteine mit ihren Muschelkalkpetrefacten unzweifelhaft über den
D Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Bd. 19, Seite 369,
3) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. Bd. X, S. 91 u. s. w.
3) Geognostische Beschreibung der Umgegend von Predazzo u. s. w. S. 44.
166
Verhandlungen.
[14]
Werfener Schiefern , welche man unweit des Seeufers bei Zanka vollkommen
charakteristisch entwickelt antrifft, und dass sich die Guttensteiner Kalke mit Nati-
cella costata noch zwischen beide einschieben, war bei Köves-Kalla zwar nicht
mit voller Sicherheit zu beobachten , ist aber nach allen Umstünden sehr wahr-
scheinlich. Aus diesen letzteren erhebt sich nördlich von der von Köves-Kalla
nach Zanka führenden Strasse, südlith von Monoszlöder spitz kegelförmige Basalt-
berg, von den Bewohnern der Gegend Hegyestü benannt, der sich auf der Beu-
dant’schen Karte verzeichnet findet, den aber später Herr v. Zepharovich ver-
geblich aufsuchte. Berührungsstellen des Basaltes mit dem Kalkstein sind aber
nicht zu beobachten, da die Gehänge ringsum bewachsen sind.
4. Esino-Dolom it erscheint schon an der Südostseite des Vertesgebirges
westlich bei Csäkvär; im Bakonyer- Walde bildet er eine ebenfalls wieder nach
Südwest an Ausdehnung zunehmende Zone, welcher die Berge südlich von ßodaik
und der Bagliäsberg bei Csoör angehören; weiter streicht diese Zone über Oskü,
Kädärta, Veszprim zum Csepelhegy, ist in der Gegend von Nagy-Väszony durch
die dortige Mulde von Süsswasserschichten und den Basaltstock des Kabhegy auf
eine kurze Strecke unterbrochen , bildet aber dann weiter wieder die höheren
Berge in der nördlichen Umgebung von Tapolcza, und den Särkäny-Erdö, östlich
von Keszthely. Einzelne Funde von Petrefacten (Chemnitzien am Bagliäsberge,
Myophoria Whatlyaehe'i Vallus, nordöstlich von Keszthely) stellen das Alter dieser
Dolomite sicher; ihre Grenze gegen Dachstein-Dolomit aber, der sie überlagert,
musste grossentheils ziemlich willkürlich bestimmt werden, da die Gesteins-
beschaffenheit wenig sichere Anhaltspunkte zur Trennung bietet, das so wichtige
Zwischenglied der Raibler S< luchten aber gänzlich fehlt.
Zum Schlüsse legte Hr. Bergrath Fr. v. Hauer eine Suite vortrefflich
erhaltener Ammoniten aus dem sogenannten Medolo der Berge Domaro und
Guglielmo im Val Trompia , Prov. Brescia vor, welche er, von Herrn Giovanni
Battista Spinelli in Verona erhalten hatte. Mit Hinweisung auf seine eben in
den Sitzungsberichten der Kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. 44, S. 403
erschienene Abhandlung über diese Ammoniten , zu welcher ebenfalls Herr
Spinelli das Material geliefert hatte, sprach er dem eifrigen Forscher den ver-
bindlichsten Dank für diese werthvolle Bereicherung der Sammlungen unserer
Anstalt aus. Die folgenden Arten sind in der Sendung vertreten:
A. heterophyllns Sow.
A. Zetes d' Orb.
A. Partschi Stur.
A. tatricus Pusch.
A. mimatensis d’Orb.?
A. fimbriatus Sow.
A. Trompianus Hau.
A. Phillip si Soiv.
A. margaritatus Mtf.
A. radians Rein.
A. Taylori Sow.
A. pettos Quenst.
A. crassus Phill.
A. Ragazzonii Hau.
A. Spinellii Hau.
Am häufigsten unter denselben sind nach Herrn Spinellfs Mittheilung vor
Allen der A. heterophyllus, dann A. crassus , A. radians , A. mimatensis, A. tatri-
cus und A. Zetes.
12. Band.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft 11.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 4. Februar 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer führt den Vorsitz und liest die
folgenden Mittheilungen des Herrn Direetors und k. k. Hofrathes W. Haidin-
ger vor:
Noch in unserer Sitzung am 7. Jänner hatte ich auf v. Leonhard und
Bronn’s Jahrbuch als auf einen neutralen Platz von Erörterungen hingewiesen,
der in unserem eigenen Jahrbuche doch nicht vorhanden ist. Und bereits ist
einer dieser unserer hochverdienten Führer in der Wissenschaft von dem Schau-
platze seiner unermüdlichen Thätigkeit abberufen worden. Karl Cäsar v. Leon-
hard verschied sanft am 23. Jänner in seinem 83. Lebensjahre! Unsere fort-
laufenden Beziehungen sind so innig gewesen, fortwährend Austausch von
Druckschriften, abwechselnd Correspondenz , dass ich hier gerne in tiefer Rüh-
rung und Dankbarkeit einiger derselben gedenke, und der hohen Anregung,
welche uns und der ganzen mineralogischen und geologischen Welt in Deutsch-
land und auswärts sein Leben, sein Wirken gebracht hat. Nicht eine biographische
Skizze möchte ich geben. Für eine solche liegt ja von ihm selbst das Werk in
zwei Bänden vor: „Aus unserer Zeit, in meinem Leben, 1854 — 1856“, welches
er mit dem an seinem vier und siebenzigsten Geburtstage (12. September) gezeich-
neten Vorworte den Freunden übergab. Seine wissenschaftlichen Werke dazu
sind dem Mineralogen und Geologen wohl bekannt, das Jahrbuch selbst im eigent-
lichsten Sinne unentbehrlich. Mit ihm ist nun wieder einer unserer ältesten Vor-
kämpfer für die Entwickelung der Wissenschaft geschieden, nicht allein durch
Schrift und Wort, in wissenschaftlichen Werken und durch seine Vorträge, son-
dern auch indem er wohlwollend und anregend Veranlassung zur Bildung von
Mittelpunkten für wissenschaftliches Wirken geworden ist. ln das Jahr 1808 fällt
die Bildung der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde zu
Hanau durch Leonhard und Ko pp. Schon zwei Jahre früher, 1806, war das
„Taschenbuch der Mineralogie“- gegründet, erst als fortdauernde jährliche Ergän-
zung zu dem 1805er Werke der „Systematisch-tabellarischen Uebersicht der
Mineralkörper“, und seitdem sieben und fünfzig Jahre, später, seit 1830, in kraft-
voller Theilnahme des grossen Forschers Bronn, als Jahrbuch. Ich nenne hier
nur im Fluge v. Leonhard’s Schriften: seine akademische Rede in München,
Stand und Bedeutung der Mineralogie, seine Charakteristik der Felsarten, Basalt-
gebilde, Agenda geognostica, Topographische Mineralogie, Grundzüge und später
Handbuch der Oryktognosie, Grundzüge und später Lehrbuch der Geognosie und
Geologie, die Geologie oder Naturgeschichte der Erde (in’s Französische über-
setzt als Geologie des gens du monde, die Charakteristik der Hüttenproducte.
Die Titel der Werke, dazu die Reihe der jährlich durchgeführten Aufgaben geben
noch nicht hinlänglich den Begriff des Geleisteten. Man muss den Inhalt selbst
K. k. geologische Reic/hsanstalfc. 12. Band, 186! und 1862. Verhandlungen.
W
168
Verhandlungen.
[2]
betrachten, um recht eigentlich die Thatkraft des Mannes zu bewundern. „Mit
der Sonne stehe ich auf im Sommer, zur Winterzeit bin ich um fünf Uhr am
Arbeitstische“ (Aus unserer Zeit, Vorrede XV). Da wurde denn durch eisernen
Fleiss und Liebe zur Wissenschaft so Vieles vollendet. Dazu die vielfachen per-
sönlichen Beziehungen, Begegnung in Besuchen und Gegenbesuchen, so in einer
umfassenden Correspondenz, in der Heimath und auf Reisen, von welcher er der
längst dahingeschiedenen Forscher gedenkt, der Blumenbach, Voigt, Wer-
ner, Mobs, F. A. Reuss, Haüy, Göthe, Chladni, Gilbert, Villefosse,
L. v. Buch, Breislak, Brocchi, Prinz Christian von Dänemark,
A. v. Humboldt, Cu vier, Alex. Brongniart, Gill et de Laumont,
Bournon, Monteiro, Berzelius, Montlosier, Friedrich Hoffmann,
und so vieler anderer, der noch Lebenden nicht zu gedenken. Da mihi figere
pedem: Mit dem ersten Versuche 1805, vorgebildet durch Studien in Marburg
und Göttingen, war die fernere Richtung bezeichnet. Fest hielt sie Leonhard,
ungeachtet der mannigfaltigen Stürme und eigenthümlichen Lagen, während der
Umwälzungen der damaligen Zeiten, deren wir Alte uns noch gar wohl erinnern,
von welchen die jüngere Generation nur noch aus Büchern weiss, und den Folgen
der damaligen Periode! — seit er im Jahre 1806 als Steuer-Assessor in Hanau
im Drange des Augenblickes, in der Noth „die die Tliat will, nicht das Zeichen“,
ausersehen, mit dem französischen besitzergreifenden Intendanten und anderen
Beamten zu unterhandeln, bis zu seiner Stellung als Geheimer Rath und General-
Domänen-Inspector am Hofe Karl’s v. Dalberg, und dem nach der Rückkehr des
Kurfürsten von Hessen erfolgten Rücktritt aus dem hessischen Staatsdienste. —
Im Jahre 1816 war er nach München übersiedelt, wohlwollend als Akademiker
ernannt und empfangen, hatte er doch den Prinzen von Wal deck, Neffen der
Königin von Bayern, schwer verwundet wie er aus der Schlacht nach Hanau
zu Leonhard 's Haus gebracht wurde, aufgenommen und vor der Gefangenschaft
bewahrt. Persönlich hatte ihm Max Joseph schon in Hanau seinen Dank darge-
bracht und ihm als Andenken das Commaudeurkreuz seines Civil-Verdienst-Ordens
gesandt! Vom Jahre 1818 an gehörte Leonhard Heidelberg an, und wirkte
dort als lebender Mittelpunkt für Pflege und Verbreitung der Lehre. Dort war es
mir beschieden, ihn im Frühjahre 1825, meinen hochverehrten Freund Robert
Allan begleitend, zu besuchen. Ein und zwanzig Jahre später besuchte er uns
in Wien und Hietzing in Gesellschaft seiner liebenswürdigen Familie, Gattin,
Sohn und Tochter. Es war dies im Jahre 1846, dem ersten unserer eige-
nen gesellschaftlich- wissenschaftlichen Entwickelungen, das erste Jahr der
„Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in
Wien“. Mit dieser Reisefahrt schloss Leonhard seinen zweiten Band: „Aus
unserer Zeit, in meinem Leben“. Auch wir waren im Laufe unserer Arbeiten
damals und früher vielfach durch das rege mineralogisch-, geologisch-, paläonto-
logisch-wissenschaftliche Leben in Heidelberg angezogen und beeinflusst wor-
den. Gesellschaftliche Verbindung, Herausgabe periodischer Werke, zum Theile
begründet, zum Theile auch fortgesetzt, und noch in fortwährendem Gange haben
auch hier wieder stattgefunden. Dem Wohlwollen, das uns von dort stets erwiesen
wurde, ist es wohl meine Pflicht, hier wo der hochverdiente älteste Gönner und
Freund abberufen worden ist, Zeugniss und innigsten Dank, treueste Anerkennung
zu geben. So viele Freunde und Collegen leben und wirken dort in hoher ein-
flussreichster Weise fort, darunter sein eigener trefflicher Sohn Gustav, der in
des Vaters Pfade unermüdlich und erfolgreich wandelt.
Auch in dem Personale der k. k. geologischen Reichsanstalt hat eine Verän-
derung stattgefunden, wie sie allerdings erwartet werden konnte, in dem
Sitzung vom 4. Februar. W. Haidinger. J. Jokely.
169
[3]
allmäligen Fortschritte menschlicher Beschäftigung. Durch Seiner k, k.
Apostolischen Majestät Allerhöchste Entschliessung vom 11. Jänner
wurde Herr Sectionsgeologe Johann Jokely als Professor der Naturgeschichte
an das königl. ungarischen Josephs-Polytechnicum nach Ofen berufen. Heute
noch berichtet er in unserer Mitte über Ergebnisse seiner Forschungen in
dem abgelaufenen Sommer, und bereitet sich dann vor, sogleich an seinen
neuen Bestimmungsort abzugehen, sobald die erforderlichen amtlichen Schrif-
ten ausgefertigt sind. Seit 1852, gleichzeitig mit dem Eintritte unseres
hochverehrten Freundes Herrn Victor Ritter v. Zepharovieh, gegenwärtig
k. k. Professor an der Universität zu Gratz, gehörte Herr Jokely dem
engeren Verbände der k. k geologischen Reichsanstalt an. Erst als Mitglied der
Aufnahmssection , welche unter der Leitung unseres verewigten Freundes und
Arbeitsgenossen, k. k. Bergrathes Czjzek das südliche und südwestliche Böhmen
vornahm, später als selbstständig wirkender Sectionsgeologe, entlang der bayeri-
schen, sächsischen, preussischen Grenze, im nördlichen Böhmen, bewahren wir
nun in unseren Detailkarten, in den Bänden unseres Jahrbuches zahlreiche Ergeb-
nisse seiner angestrengtesten und erfolgreichsten Thätigkcit. Neun Sommer an
Erfahrungen der praktischen geologischen Aufnahmen, nebst den Ergebnissen
seiner anderweitigen mannigfaltigen Studien bringt er nun in seine neue Stel-
lung in seinem engeren Vaterlande. Wir freuen uns auch für die Zukunft, dort
mit ihm und unseren zahlreichen Freunden und Fachgenossen der Schwester-
städte Ofen und Pesth in freundlichsten Beziehungen zu bleiben» wo er gewiss
reiche Veranlassung finden wird, in seinem Kreise vortheilhaft für das Allgemeine
zu wirken.
Herr k. k. Professor Johann Jokely berichtete über die Steinkohlen-
ablagerungen von Schatzlar, Schwadowitz und Hronow und gab nebstbei eine
kurze Uebersicht über die Lagerungsverhältnisse des Roth liegenden und der
Kreidebildungen im nördlichen Theile des Königgrätzer Kreises in Böhmen.
Obwohl die industrielle Bedeutung des Schatzlar-Schwadowitzer Stein-
kohlenrevieres, wenn es auch nur gleichsam den geringen südwestlichen Mulden-
flügel des preussisch-schlesischen Waldenburg’schen Beckens bildet, für diesen
Theil Böhmens nicht zu unterschätzen ist, so wird es durch die Art der Bloss-
legung der Steinkohlenformation selbst geologisch noch weit bedeutungsvoller.
In der Schatzlarer Gegend an dem Östlichen Riesengebirgsrand fast ungestört
angelagert, taucht sie weiter südöstlich längs zweier namhafteren Verwerfungs-
zonen nur noch in ganz schmalen Streifen zwischen Rothliegendsehichten empor,
bis sie sieb in der Gegend von Hronow, wo die störende Kraft sich ailrnälig abzu-
schwächen schien, bis zu schmalen Klüften auskeilt.
Dieses höchst eigenthümliche und nur mühsam zu entwirrende Verhältnis
brachte es auch vorzugsweise mit sich, dass die zwischen diesen beiden Stein-
kohlenstreifen eingeklemmten Rothliegendpartien, wie jene mit den Peekaer voll-
kommen übereinstimmenden Arkosensandsteine vom Hexenstein und Johannisberg,
bekannt durch ihren Reichthum an den versteinten Stämmen des Araucarites
Schrollianus bisher zur eigentlichen Steinkohlenformation gerechnet wurden.
Für den Bergmann war dieser sogenannte „flötzleere Sandstein44 bei seiner unge-
nauen Formationsstellung nicht minder störend als für den Paläontologen selbst,
indem aus zwei ihrem Alter nach verschieden gedeuteten Ablagerungen, wie eben
den hiesigen und den Arkosandsteinen der Gegend von Pecka und Neu-Paka,
doch nach den Forschungen Dr. Göppert’s ein und dieselbe Araucariten-Art
herstammt. Auf dem Wege der ausschliesslichen paläontologisehen Diagnose
Hess sich hier, ohne der Totalübersicht des Rothliegendgebietes im nordöstlichen
170
Verhandlungen.
m
Böhmen, im Vorhinein thatsäehlich nur schwer das Räthselhafte der berührten
Erscheinung beheben. Gelungen dürfte es wohl aber sein, auf dem mehr prakti-
schen Wege der Feststellung der Lagerungsverhältnisse; und dass diesen vor-
zugsweise hier eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden unerlässlich sei.
darauf weisen schon die gewaltigen Schichtenstörungen hin, namentlich im
Schwadowitzer Revier, wo neben den leider nur gar zu häufig bis zur Lösche
zermalmten Steinkohlenflötzen sogar Quadersandstein- und Quadermergelbänke
mit ihren blankpolirten Rutschflächen auf die Köpfe gestellt oder umgekippt
erscheinen.
Was die oberflächliche Verbreitung der hiesigen Steinkohlengebilde, die
ihren paläontologischen Charakteren nach mit den erwähnten und bereits genau
und vielseitig geschilderten von Waldenburg in Preussisch-Schlesien vollkommen
übereinstimmen, belangt, so ist diese eine verhältnissmässig nur geringe. Am
breitesten liegen sie blos in der Schatzlarer Gegend, wo sie westlich mit theil-
weise sehr sanfter Neigung sich an den Phyllit des Rehhorngebirges anlagern
und östlich von den Porphyren des Rabengebirges begrenzt und wohl auch zum
Theile bedeckt werden. Oestlich von Schatzlar bis Bernsdorf und weiter südlich
gegen Goldenöls überlagern sie bereits die sandig-thonigen Schichten der unte-
ren Rothliegend-Etage, die sich von hier weiter in südöstlicher Richtung sammt
den sie von Teichwasser an überlagernden Arkosen ununterbrochen bis über
Hronow hinaus erstrecken. Die letzteren bilden einen scharf markirten Berg-
kamm, dessen höchsten Punkte die erwähnten Bergkuppen, der Hexenstein
(380 Klafter) östlich bei Markausch, und der Johannisberg (367 Klafter) bei
Petersdorf und Preussisch-Albendorf sind.
An der Südwest- und Nordostseite dieses Bergkammes verlaufen je einer
der bezeichneten Züge der Steinkohlengesteine. Jener an der ersteren Seite
bildet das Steinkohlengebiet von Schwadowitz mit Markausch, Bösig und Hronow,
der andere jenes von Qualisch, Radowenz und Wüstrey. Mit der Schatzlarer
Partie stehen diese beiden Züge in unmittelbarem Zusammenhänge, einerseits
über die Gegend von Döberle, andererseits über Teichwasser, und während dieser
letztere Zug längs einer Verwerfungsspalte zu Tage tritt, erscheint der andere
an dem westlichen, viel steileren Abfall des Schwadowitzer Bergkammes. Berg-
männisch wichtiger, weil viel breiter, ist der Schwadowitzer Zug und wäre es
noch weit mehr, wenn er nicht durch eine Nebenverwerfung, durch die sich ein
Rothliegend-Zwischenmittel von etwa 80 Klaftern Breite, bekannt als „flötzleeres
Mittel“, hineinkeilt, selbst wieder in zwei schmälere Züge zerspalten wäre. Der
eine derselben oder der sogenannte „stehende Flötzzug“ liegt theilweise dicht
am Fusse des Radowenzer Bergzuges, namentlich bei Markausch, der andere oder
„flachfallende“ heisst grösstenlheils unmittelbar unter der, den Kamm bildenden
Arkose hervor. Mit Einschluss des Radowenzer, als dem „hangenden Flötzzug“,
entsprechen diese drei Züge vollkommen den Schatzlarer Zügen, deren es hier
ebenfalls drei gibt, den „Liegend-“, den „Haupt-“ und den „Hangendflötzzug“.
Dieses genaue Correspondiren der drei Züge in beiden Bergrevieren ist wohl ein
Umstand, der gleichfalls geeignet scheint, es auch auf indirectem Wege zu
bekräftigen, dass der erwähnte „flötzleere Sandstein“, d. i. die Arkose der Schwa-
dowitzer und Radowenzer Gegend, die der Schatzlarer ganz und gar fehlt,
dort nur ein fremdartiges, beziehungsweise ein aufgelagertes oder jüngeres
Gebilde sei, das erst späterhin verschoben und verworfen und wohl nur in Folge
dessen sich als eingeklemmte Scholle erhalten habe.
Das Nebengestein der Steinkohlenflötze sind zumeist mehr minder klein-
körnige Sandsteine, wechselnd mit Conglomeraten, die besonders bei dem liegen-
Sitzung vom 4. Februar. J. Jokely.
171
[S]
den Flötzzug vorwalten. Schiefertlione sind im Allgemeinen selten, noch am
häufigsten bei den oberen Flötzzügen. Belangend die Zahl der Steinkohlenflötze,
sind im Schatzlarer Revier beim „Liegendflötzzug“ 11 Flötze bekannt, von
20 — 76 Zoll Mächtigkeit, worunter mit Ausnahme Eines alle bauwürdig; beim
„Hauptflötzzug“ 10 Flötze und darunter 3 von 40 — 90 Zoll Stärke als bauwürdig,
während die übrigen 4 — 10 zölligen den Abbau nicht lohnen. Die Neigung der
Flötze bei beiden Zügen schwankt zwischen 20 — -36 Grad in östlicher Richtung.
Der „Hangendfiötzzug“ setzt bereits dicht an der Grenze des Rabengebirgischen
Porphyres auf, bei Burggraben, und erstreckt sich weiter in südöstlicher Richtung
als „Radowenzer Zug“ über Qualisch, Radowenz, Jibka, Wüstrey bis in die
Gegend von Zlicko, wo er sich unter Quader verbirgt. Längs dieses Zuges treten
die Steinkohlengesteine nicht allerwärts unmittelbar zu Tage, sondern statt ihnen,
blos die über ihnen lagernden Schiefertlione oder Sandsteine der „unteren Roth-
liegend-Etage“, wie zwischen Hronow und Zabokek, doch auch diese hier bereits
in einem äusserst schmalen Streifen, so dass die Fortsetzung dieses Zuges links
der Mettau nur höchst schwierig zu verfolgen ist. Bei diesem interessantesten
aller Züge kennt man hei Radowenz im Katharina-Stollen bis jetzt 6 Flötze, von
denen das mächtigste 30 Zoll, das schwächste 3 Zoll beträgt, bei einem Ver-
flachen von 30 — 33 Grad in NO. Im Schatzlarer Revier sind die viel flacheren,
18 — 20 Grad in Osten fallenden Flötze dieses Zuges noch wenig aufgeschlossen
und dürften durch den Porphyr auch stellenweise abgeschnitten sein.
Im Schwadowitzer Revier kennt man beim „stehenden Flötzzug“ 12 Flötze
von 16 — 96 Zoll und einem Verflachen von 30 — 70 Grad in NO.; stellenweise,
wie im Ida-Stollen, auch widersinnisch in SW. ; beim „flachfallenden“ hingegen
9 Flötze von 12 — 30 Zoll Mächtigkeit und einer Neigung nach nordöstlicher
Richtung von 13 — 43 Grad. In beiden Revieren kommen mit den Steinkohlen-
flötzen auch häufig Sphärosiderite vor, besonders im Schatzlarer Revier, wo sie
namentlich beim „Liegeridflötzzug“ die Kohle einzelner Flötze fast ganz verdrän-
gen und so sich auch für einen Abbau lohnen dürften.
Der Lagerung nach bietet, wie erwähnt, die Schatzlarer Gegend verhält-
nissmässig die geringsten Schichtenstörungen, obwohl sie auch hier nicht ganz
fehlen. So machen sich unter anderem beim Hauptflötzzug drei grössere nach
Westen convexe Bögen bemerkbar und überdies setzt durch einen derselben in
südöstlicher Richtung eine 3 — 4 Fuss starke lettenausgefüllte Verwerfungskluft,
die, Ungefähr 400 Klafter vom Prokopi-Stollenmundloch die Flötze gegenseitig
um 130 Klafter verschiebt. Ungleich gewaltsamer sind dagegen die Schichten-
störungen im Schwadowitzer Revier, wie sich das schon auch aus dem jähen und
unregelmässigen Einfallen der Schichten des „stehenden Flötzzuges“ ergibt,
nicht zu gedenken jener Eingangs erwähnten Rutschungen, Stauungen und
Umkippungen der Schichten von der Steinkohle an bis hinauf zum Quadermergel.
Beistehendes Profil durch den Ida-Stollen wird diese Verhältnisse näher veran-
schaulichen, gleichwie die einzelnen Mittel der drei Flötzzüge und das zwischen
dem Schwadowitzer „stehenden“ und „flachfallenden“ Flötzzug eingekeilte, für
den hiesigen Bergbaubetrieb höchst unliebsame secundäre Zwischenmittel von
unteren Rothliegendschichten.
Dieses Profil bleibt sich mit nur unbedeutenden Abänderungen für das
ganze Revier gleich und es wäre nur noch zu bemerken, dass der „stehende .
Flötzzug“ bei Bohdasin, dicht am Fusse des Berggehänges, sich endlich auskeilt,
oder theil weise in seiner, hier durch Verwerfung niedergegangenen Fortsetzung
von Löss bedeckt wird, während der „flachfallende“ bei Hronow sammt dem
Radowenzer noch weiter über das Metfauthal östlich fortsetzt, bis er gleich
172
Verhandlungen.
[6]
St Stehender Flötzzng. St' Flachfallender Flötzzug. St" Radowenzer Flölzzng. U Sehieferthone und Sandsteine
der unteren Rothliegend-Etage. Ar Arkosensandsteine und M Sehieferthone und Sandsteine der mittleren Roth-
liegend-Etage. Q Quadersandsteine. Qm Quadermergel.
jenem bei Hoch-Sichel von Quader und Quadermergel unterbrochen wird,
doch um bei Mokriny wieder emporzutauchen, von wo er über die Landes-
grenze tritt und sich über Strausenei noch eine kurze Strecke im Glatzischen
fortzieht.
Im Hangenden des Radowenzer Steinkohlenzuges, so wie mit wenigen Aus-
nahmen im Hangenden des „flachfallenden“ Schwadowitzer Flötzzuges, treten
zunächst fast überall in einem schmalen Streifen die sandig-thonigen Schichten
der unteren Rothliegend-Etage hervor. Stellenweise enthalten sie Kalkmergel-
flötze, die mitunter; wie die ihnen analogen von Hermannseifen, im Jiciner
Kreise, auch Kupfererze (Kupferkies, Kupferfahlerz, etwas Malachit und Pyrit)
führen und derzeit bei Unter-Wernersdorf auch Gegenstand des Abbaues sind.
Ueber diese Schichten folgen die Arkosensandsteine der „mittleren Roth-
liegend-Etage“ und zwischen Jibka und Zabokerk darüber noch die oberen oder
sandig-thonigen Schichten dieser Etage. Unter den Quader- und Quadermergel-
Ablagerungen von Adersbach, Pölitz und Machow hinwegsetzend, gelangen diese
letzteren Schiefer in w'eit grösserer Ausdehnung wieder im Rraunau'schen Flach-
lande zum Vorscheine und herrschen hier durchaus bis auf einige geringe Par-
tien von Arkosensandsteinen, die bei Strassenau und Johannesberg unter ihnen
hervorbeissen. Der an der nordöstlichen Grenze dieses Gebietes auftauchende
höhere Bergzug besteht in seiner nördlichen Hälfte aus Felsitporphyr, an der
anderen waltet Melaphyr vor, der sich zwischen Johannesberg und Rudelsdorf
südwestlich an den herabziehenden Porphyr anlehnt und am Schanzenberge ihn
auch theilweise deckenförmig zu überlagern scheint. Allem Anscheine nach ist der
Melaphyr hier jünger als der Porphyr und dürfte dem vierten oder fünften Erup-
tionsstrom des Rothliegendgebietes im Jiciner Kreise entsprechen, die dort auch
die Schichten der „oberen Etage“ durchbrechen. Möglich auch, dass beide Erup-
tionen hier vertreten sind, indem der östliche Theil der grösseren Melaphyr-
partie petrographiseh einigermassen abweicht von dem westlicheren, eine mehr
dichte Beschaffenheit zeigt und dieses Gestein jenes andere deutlicher krystalli-
nische thatsächlich auch stellenweise zu durchsetzen scheint. Dass aber die
hiesigen Porphyre selbst schon vor der Ablagerung der oberen Schichten der
„mittleren Rothliegend-Etage“ im Braunau’schen als eine inselförmige Masse
emporragten, beweist der Umstand, dass sie diese Schichten nirgends stören,
sich diese vielmehr an sie fast ganz horizontal oder höchstens unter 4 — 12 Grad
mit westlicher oder südwestlicher Neigung anlagern, eben so auch an die kleine-
ren Porphyrrücken, die inmitten dieser Schichten hier an einigen Orten auf-
tauchen, wie unter anderen zwischen Dittersbach und Hauptmannsdorf, bei Oel-
berg nördlich von Braunau und bei Scheidewinkel, östlich von Ottendorf.
Bemerkenswerth sind im Braunau’schen Rothliegendgebiete die bereits
bekannten zwei Züge von Brandschiefern und bituminösen Kalkmergeln mit ihren
Sitzung vom 4. Februar. J. Jokeiy.
173
[7]
Fischresten. Der eine oder hangende dieser Züge, im Ganzen von geringerer
Mächtigkeit und namentlich durch seinen vorherrschenden Kalkgehalt aus-
gezeichnet, setzt von der Wünscheiburger Gegend, im Glatzischen, über Barz-
dorf, Merzdorf, Hauptmannsdorf bis Halbstadt fort, wo er sich unter das Bett des
Steine-Flusses hinabsenkt, in seinem übrigen Verlaufe aber mehrorts von Löss
bedeckt wird, der hier mitunter mächtige Ablagerungen bildet. Der zweite Zug
ist jener von Ottendorf und lässt sich mit einigen Unterbrechungen, namentlich
durch das Steine-Thal, über die Gegend von Grossdorf, Oelberg bei Braunau,
bis Heinzendorf verfolgen. Analoge Brandschiefer linden sich bei Grenzdörfl,
ferner bei Hermsdorf und Schönau, hier bereits dicht an der Porphyrgrenze. Sie
gehören wohl nur zum Ottendorfer Zuge, der bei dem sehr flachen Einfallen der
Schichten fast durch jeden tieferen Thaleinschnitt entblösst wird.
An der Südwestseite des Schwadowitzer Bergzuges setzen die oberen
Schichten der „mittleren Rothliegend-Etage“ von der Gegend von Trautenau bis
Eipel fort. Bei Hertin, wo die kleine Schwadowitzer Kreidemulde südwärts
mündet, sind sie auf eine Strecke von unterem Quader und von Quadermergel
unterbrochen, tauchen jedoch bei Kosteleez wieder auf und erstrecken sich bei
nahezu nördlichem, doch sehr sanftem Fallen bis Nieder-Rybnik. Südwärts
folgen darunter mehr minder deutlich ausgesprochene Arkosensandsteine und
endlich bei Nacliod bei gleichmässiger Unterlagerung die unteren Schich-
ten des Rothliegenden , zum Theile auch Conglomerate , die sich links der
Mettau unmittelbar an die krystallinischen Schiefer des Mense - Gebirges
anlehnen.
Zwischen dem Schwadowitz-, Radowenzer und dem Braunauer Rothlie-
gendgebiet breitet sich die 1 1/2 Meilen breite Politz-Adersbacher Kreidebucht
aus. Geographisch erscheint dieses Gebiet gegen das Braunau’sche tiefere Flach-
land mehr als eine Hochfläche, die sich gegen ersteres mit dem Heuscheuergebirge
und seiner böhmischen Fortsetzung, dem Quaderfelsgrat vom Stern und Geyers
korb (auf den Generalstabskarten als „Falkengebirge44 bezeichnet) schroff hinab-
senkt. Das Innere dieser Mulde erfüllen mächtige Ablagerungen von Quader-
mergel, mit ziemlich tiefen Thaleinrissen. Darunter das bedeutendste das Thal
der in dem Adersbacher Felsenlabyrinthe entspringenden Mettau. Mehr insel-
förmig arrondirte Felsgruppen von „oberem Quader44, der auch die Felsmassen
des Heuscheuergebirges, des Stern, und des Bukowin oder Boorberges bei Ma-
chow zusammensetzt, bringen hier in die Einförmigkeit des Quadermergelgebietes
einige Abwechslung, die um so mehr sich steigert, je mehr man sich dem Be-
reich jener Sandsteininseln nähert. Kaum ahnt man aber vorher jenen Wechsel
der Scenerien, der sich dem Besucher der Weekelsdorfer und Adersbacher Thal-
schluchten offenbart, wenn er in Begleitung der grösstentheils nichts weniger
als gehörig gedrillten Felsenführer in ihr Inneres vordringt. Viel kleinere solche
isolirte Felsgruppen bildet der obere Quader noch im Heyde- und Wostas-Berg
bei Mohren, ferner am Kirchberg bei Hutberg.
Alle diese und noch andere unbedeutendere Partien dieses Sandsteines sind
die rückständigen Reste einer Decke, die sich einst eontinuirlich über den
Quadermergel ausgebreitet hatte. Unter diesem letzteren lagert wieder, wie
überhaupt im ganzen böhmischen Kreidegebiete, der cenomane „untere Quader-
sandstein44, um den die Schichten der hiesigen Mulde, abgerechnet einige secun-
däre Störungen, meist sehr sanft gegen die Mitte zu einfallen; so beisst der
untere Quader auch überall an den Rändern heraus, sei es oft auch nur bei eini-
gen Fussen Mächtigkeit. Dieses überaus regelmässige Lagerungsverhältniss der
drei Glieder der hiesigen cenomanen Quaderformatiou macht es, dass man deren
1 74
Verhandlungen.
[8]
Aufeinanderfolge kaum irgendwo in Böhmen mit solcher Deutlichkeit und Evidenz
zu beobachten und studiren vermag wie eben hier *).
SW. NO.
St Steinkohlenzug' von Schwadowitz. St1 Steiukohlenzug von Radoweuz, V Schiefer und Sandsteine der uuteren
Rothliegend-Etage. Ar Arkosensaudstein und M Sehiefertlione und Sandsteine der mittleren Rothliegend-Etage,
P Porphyr. Q Unterer Quader. Qm Quadermergel. Q‘ Oberer Quader.
In dem auf das Rothliegende folgenden Gebiet der Quaderformation jenseits
des Schwadowitzer Bergzuges fehlt jede Spur von „oberem Quader“. Er ist hier
wie in den südlicheren und westlicheren Theilen der Politzer Gegend vollständig
fortgeführt, falls er einst hier thatsäehlich auch vorhanden war. Denn im Allge-
meinen äussert er sich mehr als eine Strandbildung, wie eben auch der obere
Quader der sächsisch-böhmischen Schweiz. Im Kreidegebiet der Gegend von
Königinhof, Schurz, Jaromer, Josephstadt und Gross-Bürglitz lagern, wie meisten-
theils im Inneren des böhmischen Kreidebeckens, die nach-cenomanen, also
turonen Sehiefertlione des Pläners unmittelbar über dem Quadermergel,
ziehen sich jedoch in der durch Verwerfung entstandenen Thalmulde von Miletin
und Mlasowitz vom ersteren Orte an auch übergreifend über den „unteren
Quader“, eben so grossentheils jenseits des ebenfalls ganz aus diesen Quader-
sandstein bestehenden Bergzuges von Chlum bei Horitz. In der Gegend von
Chomautitz bis über Kopidlno hinaus bildet der Pläner überall das ziemlich sterile
Flach- und Hügelland, das eben auch nur dort fruchtbarer wird, wo mächtigere
Lössdecken sich über ihn oder älteren diluvialen Schotter ausbreiten.
Bei dem jüngsten Gliede der hiesigen Kreidebildungen, den Baculiten-
thonen oder Schieferthonen, welche in den westlicheren Kreisen an man-
chen Orten so deutlich blossliegen, würde sich hier schon wegen des allverbrei-
teten Diluviums keine nähere Ausscheidung durchführen lassen, wären diese
Schichten hier sonst auch verbreiteter als sie es in der That zu sein scheinen.
Theoretisch genügen indessen schon die wenigen sicher nachgewiesenen Loca-
litäten im Saazer und Leitmeritzer Kreise zur Constatirung dessen, dass im
hiesigen Kreidegebiet noch nach der Ablagerung des Pläners sich jüngere,
wahrscheinlich sogar senone Niederschläge bildeten, bevor sich das Kreidemeer
aus Böhmen vollständig zurückgezogen hatte. Während der ganzen nachfolgen-
den Tertiärperiode lag dann das Kreidegebiet des östlichen Böhmens völlig
trocken, war aber dabei der Tummelplatz für manche mächtige fliessende Ge-
wässer, die ungeheuere Massen von jenen Gebilden mit sich fortrissen und da-
O Die auf der preussisch-schlesischen geologischen Karte unter g und g' als „Cenomane
plänerartige Gesteine“ und „Cenomaner Plänersandstein“ ausgeschiedenen Gebilde gehö-
ren zusammen als untrennbar dem Qua dermergel an.
Sitzung vom 4. Februar. J. Jokely. M. V. Lipoid.
175
[9]
mit theils die Süsswasserbecken des nordwestlichen Böhmens, theils wohl auch
die grosse mährische marine Bucht speisten. Nach ihrem theilweisen Bückzug
blieben zuletzt in der Diluvialzeit mehr minder ausgedehnte Binnenseen übrig,
worin sich jene Sand- und Schottermassen ablagerten, die man so häufig im
Umkreise der jetzigen Teiche, gleichsam den rückständigen Lachen jener
diluvialen Seen, in grösserer oder geringerer Mächtigkeit antrifft. Der Löss,
jedenfalls die rätselhafteste aller Diluvialablagerungen, kam sammt den ihn
fast überall unterlagernden Gerollen jedenfalls erst zu jener Zeit zum Absatz,
als bereits durch fliessende Gewässer auf weite Strecken Landes Kreide und
andere ältere Bildungen massenhaft zerstört und fortgeführt worden waren.
Von mancher Seite freundlichst bei meinen Aufnahmen unterstützt, ist es
doch vor Allem für mich ein Act innigster Dankbarkeit, wenn ich jener gütigst
wohlwollenden Aufnahme von SeitenSeiner Durchlaucht des Prinzen Wil-
helm zu Schaumburg-Lippe besonders gedenke, die er mir angedeiheu
liess, und dabei auch, trotzend allen Unbilden der Witterung, selbstthätig und
vom regsten Eifer für die Aufgabe der k. k. geologischen Beichsanstalt beseelt
bei den Begehungen seiner Domäne sich betheiligte. Ausser so vielen für die
Aufnahme wichtigen Erscheinungen, bieten hier dann neben den so reichen
Schätzen des Geistes und der reinsten Empfänglichkeit für das Naturstudium
noch Schloss Ratiboritz, ein wahres Tusculum voll idyllischer Anmuth, und das
geschichtlich berühmte Schloss Nachod je eine auserlesene Sammlung von jenen
mächtigen Araucari tenstämmen der Schwadowitzer und Radowenzer Gegend, von
denen ein werthvolles Exemplar die k. k. geologische Reichsanstalt als Geschenk
von der durchlauchtigsten Frau Fürstin Ida in ehrender Erinnerung bewahrt.
Schliesslich habe ich noch einmal Dankesworte auszusprechen, tief und
innigst empfundene Dankes worte, die ich jetzt, wo ich einer Laufbahn entsage,
auf der ich, in wahrer Erkenntniss jenes hervorragenden Zieles das die k. k.
geologische Reichsanstalt verfolgt, mit aller Hingebung meine schwachen Kräfte
aufzuopfern bereit war, — für das mir bewahrte und mich stets so überaus be-
glückende Wohlwollen unserem hochverehrten Director, Herrn k. k. Hofrath
Wilhelm Haidinger darbringe. Ebenso aufrichtig ist jenes Dankgefühl,
dem ich hier einen Ausdruck leihe gegenüber den Herren k. k. Bergräthen
Franz Ritter von Hauer, Franz Foetterle, M. V. Lipoid und
Herrn Director Dr. Moriz Hörnes, die nicht allein das Werk eines schöpfe-
rischen Geistes, dessen Devise: „Nie ermüdet stille steh’n!“ glänzend und
erfolgreich weiter auszuführen beflissen sind, sondern auch aufstrebenden
jüngeren Kräften ihre anregende Theilnahme nicht entziehen, sobald sie einer
solchen bedürftig erscheine n.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid gab einen Auszug aus einer für das
Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt vorbereiteten Abhandlung:
„Ueber die Eisensteinlager in der silu rischen Grauwacken-
formation Böhmens", und besprach zunächst die Schichten, in denen die
Eisensteine auftreten, und die an der Südseite des böhmischen Silurbeckens be-
findlichen Eisensteinbergbaue.
Obschon in mehreren Abtheilungen der Grauwackenformation in Böhmen, ins-
besondere auch in den Pnbramer Schiefern (Barrande’s Etage B ) Eisensteine
Vorkommen, so ist es doch vorzüglich jene Schichtengruppe der unteren Abthei-
lung der silurischen Grauwackenformation , welche zunächst auf die Ginecer
Schichten (Barr. C ) folgt, und von Herrn J. Barrande als Abtheilung dl der
Etage D bezeichnet wurde, welche sich durch einen grossen Reichthum an
Eisensteinen auszeichnet und einen grossen Theil der wichtigsten und ausge-
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
X
176
Verhandlungen.
[tOj
dehntesten Eisenwerke Böhmens mit Eisensteinen versorgt. Die Bar ran d e'sche
Abtheilung di wurde indessen von Herrn Lipoid in die Krusnahora-Schichten,
in die Komorauer Schichten und in die Rokycaner Schichten geschieden, von
welchen die Komorauer Schichten die eigentliche Zone der Eisenerzlager, die
Krusnahora-Schichten das Liegende und die Rokycaner Schichten das Hangende
der Eisensteinzone umfassen. Diese Schichten wurden auch in den geologischen
Karten besonders ausgeschieden, und treten von Auwal, östlich von Prag, bis
Pilsenec, SO von Pilsen, in einer Längenausdehnung von ungefähr 12 Meilen
sowohl an der Süd- als an der Nordseite, besonders aber im Südwesten des von
Nordost nach Südwest sich ausdehnenden silurischen Beckens zu Tage.
Die Krusnahora-Schichten bestehen aus graulichen, grünen und rotheu
Sandsteinen mit Schiefern und Hornsteinlagern. An den Kluftflächen findet sich
öfters Wawellit vor. Lingula Feistmanteli Barr, ist die einzige und zugleich
charakteristische Versteinerung dieser Schichten.
Die Komorauer Schichten sind ausgezeichnet durch Diabas-, Schälstein-
und Mandelsteinbildungen, welche mit Tuff- und Breccien-Gesteinen, und mit
verschieden gefärbten z. B. gebänderten Schiefern wechsellagern, und bald im
Liegenden, bald im Hangenden von den Eisen stein lagern begleitet werden.
An Versteinerungen finden sich in diesen Schichten Orthis- und kleine Lingula-
Arten und Conularia grandis vor.
Die Ausscheidung der Rokycaner Schichten erfolgte durch Herrn Bergrath
Lipoid erst neuerlich in Folge der Revisionsarbeiten, welche derselbe im Som-
mer 1861 in der Umgebung von Rokycan vornahm. Sie bestehen aus schwarzen
glimmerigen Schiefern, die nach oben mit grauen dünnschiefrigen Sandstein-
schichten wechsellagern, und das unmittelbar Hangende der Komorauer Schich-
ten bilden. Herr Lipoid zählte dieselben früher schon den nächstfolgenden
Brda-Schichten zu. Diese Schichten, die in petrographischer Beziehung eine
bedeutende Aehnlichkeit mit den Zahoraner Schichten (Barr. D. dk) besitzen,
enthalten kugelige und knollige Absonderungen (Rokycaner Kugeln mit Petre-
facten im Kerne), und Ausscheidungen und Lager von Sphärosideriten. Sie sind
durch eine eigenthümliche und reiche Fauna ausgezeichnet, deren Herr Bar-
rande im Bull, de la soc . geolog. de France 2e ser. t. XIII pag. 552, — 1856
erwähnt. Am häufigsten finden sich Placoparia Zippei Cord., Illaenus Katzeri
Barr., Dalmanites atavus Barr., Trinucleus Reussi Barr., Orthis -, Lingula-,
Orthoceras- Arten vor, so wie auch Graptolithen in denselben Vorkommen.
Den Rokycaner Schichten aufgelagert sind die Brda-Schichten (Barr. D.d2),
dichte, zuckerartige Quarzitgesteine von grauer, gelblicher, röthlicher undweisser
Farbe, welche durch ihren eigenthümlichen petrographischen Charakter, im
Gegensätze zu den Krusnahora-Schichten, einen vortrefflichen Horizont für das
Hangendgebirge der Eisensteinzone abgeben. Von Versteinerungen führen sie
am häufigsten Dalmanites socialis Barr, und Trinucleus ornatus Sternb.
Die Mächtigkeit der einzelnen obbezeichneten Schichten ist an verschiedenen
Orten des Beckens sehr verschieden, und beträgt stellenweise nur einige Klafter,
während sie an manchen Punkten wohl an 60 und mehr Klafter betragen mag.
Von den Eisensteinbergbauen an der Südseite des Beckeus erwähnte Herr
Bergrath Li p o ld jener von Auwal, der fürstlich Colloredo’schen Baue am
Skalkaberg bei Mnisek und am Studeny-Berg (Mala Baba), NW. von Dobfis,
und der kurfürstlich Hessischen Baue zu Komorsko am Pisek-Berg , östlich
von Ginec, und am Wostrai-Berg, SO. von Horowice.
Nächst Auwal sind bisher blos Schürfarbeiten auf Eisensteine in den Komo-
rauer Schichten vorgenommen worden.
[11]
Sitzung vom 4. Februar. M. V. Lipoid. Freih. v. Andrian.
177
Am Skalkaberg werden zwei durch ein Zwischenmittel von 20 Klafter ge-
trennte Eisensteinlager abgebaut. Das Hauptlager in der Mächtigkeit von
4 — 4y2 Klafter führt linsenförmige Rotheisensteine (Roggeneisensteine) mit
40 — 45 Percent Eisenhalt, das Hangendlager in der Mächtigkeit von 3 — 5 Fass
sehr milde Brauneisensteine mit 30 — 35 Percent Eisenhalt. Beide Lager streichen
von Stunde 6 in 18 (0. in W.), und fallen 36 — -40 Grad widersinnisch in Nord ein.
Sie sind im Streichen in einer Längenerstreckung von 16.000 Klaftern bekannt.
Am Studeny-Berg stehen gleichfalls zwei 37 Klafter von einander entfernte
Erzlager im Abbaue. Das 6- — 8 Fuss mächtige Liegendlager besteht aus linsen-
förmigen, zum Theil dichten und sehr reinen Rotheisensteinen von 40—50 Per-
cent Eisenhalt; das Hangendlager führt Brauneisensteine von vorzüglicher Qualität
und 20 — 25 Percent Eisenhalt, welche theils in einem Lager von 2 — 3 Fuss
Mächtigkeit, theils in 1 */2 — 2 Fuss mächtigen Linsen in der Ausdehnung von
10 — 12 Klafter Vorkommen. Das Streichen istStundeö inll, das Einfallen gleich-
falls 40 — 50 Grad widersinnisch in Nord. Die Lager sind im Streichen
1200 Klafter weit aufgeschlossen, und sind ohne Zweifel die westliche Fort-
setzung der Lager vom Skalkaberg.
Bei dem Bergbaue Komorsko führt das Hauptlager theils Spath-, theils
Roth-, theils Brauneisensteine in verschiedener Mächtigkeit. Die Spath- und
Braunerze besitzen 25 Perc. , die reinen Rotherze bis 50 Perc. Gehalt an Eisen.
Das Lager streicht sehr regelmässig St. 5 in 11 und fällt mit 50 Grad widersinnisch
nach Nord ein. In den Hangendschiefern dieses Lagers tritt ein zweites Braunerz-
(Gelbeisenstein-) Lager auf, dass sich aber theils allmälig in die Teufe verliert,
theils in einzelne zerstreute Schwefelkies- und Sphärosiderit- Knollen zersplittert.
Am Wostrai-Berge steht das durch einen Stollen in den Komorauer Schich-
ten angefahrene Lager von linsenförmigem Rotheisenstein erst in der weiteren
Ausrichtung.
Schliesslich erwähnte Herr Bergrath Lipoid dankend, dass ihn die Herren
Franz Koschin, k. k. Berggeschworner zu Pribram, und Heinrich Becker,
Bergverwalter zu Komorau, freundlichst durch Daten über die besprochenen
Bergbaue unterstützten.
Herr F. Freiherr v. An d ri an legte verschiedene Gesteinsproben aus dem
Gneissgebiete des Czaslauer und Chrudimer Kreises vor. Als petrographisch
wichtigste Abänderungen lassen sich unterscheiden: ein mittelkörniger schup-
piger Gneis sphyllit, der den grössten Theil des ganzen Gebietes zusammen-
setzt, der aber oft wechsellagert mit Schichten eines festen grauen Gesteins,
welches als Normaltypus des als „grauer Gneiss“ ausgeschiedenen Gliedes
dieser Formation angesehen werden kann. Gr an itg n eisse kommen im süd-
lichsten Theile des Gebietes (Choteborz S.) vor, ohne jedoch eine grosse locale
Entwickelung zu zeigen. Der westliche Theil desselben wird von echten Glim-
mergneissen gebildet, welche übrigens mit den anderen Varietäten ebenfalls
auf das innigste verflochten sind. So zeigen sich alle diese Varietäten in geologi-
scher Beziehung als durchaus gleichwerthig und es kann für das vorliegende
Gebiet die Ausscheidung eines einzelnen Gliedes, wie es in anderen Gegenden
für den „Phy 1 li tgn eiss“ versucht worden ist, nur als in petrographischer
Beziehung maassgebend angesehen werden.
Von den zahlreichen Einlagerungen im Gneisse wurden die Turmalin-Granit-
stöcke von Tisy Skala (Czaslau S.) und bei der Doudow-Mühle (Czaslau SW.)
besprochen. Sie liegen parallel der Structurrichtung des Nebengesteins und
zeigen zwischen ganz körnigen Partien auch deutliche Schieferung. Trotzdem
scheint ihnen keine gleichzeitige Entstehung mit dem Gneissgebirge zugespro-
178
Verhandlungen.
[12]
chen werden zu können, wenn man die überaus deutlichen gangförmigen Vor-
kommen im westlich daran anstossenden Gebiete (an zahlreichen Punkten des
Sazawathales aufgeschlossen) damit vergleicht, wo zugleich grosse Bruchstücke
des Nebengesteines in der Gangmasse eingeschlossen zu beobachten sind. Es
lässt sich somit mit einigem Grunde von dem lagerformigen Auftreten desselben
behaupten, was für die schiefrige Structur schon von Naumann in seiner
Abhandlung „Ueber die wahrscheinlich eruptive Natur mancher
Gneisse.“ v. Leonh. Jahrb. 1847, S. 297, nachgewiesen worden ist — dass
diese äusseren Ausbildungsformen nicht in allen Fällen die ersten Beweismittel
für die Bildung eines Gesteins zu liefern geeignet sind.
Die Hornblendeschiefer südlich von Ronnow enthalten Einlagerungen von
ausgezeichneten Grünsteinen (Diorit, Gabbro, Aphanit). Sie bilden dort einen
Stock, der unmittelbar beim Orte Mladotitz von grünlichem festen Serpentin über-
lagert wird. Darüber folgen im Hangenden viele Hornblendeschiefer.
Auch die Serpentinpartie bei Borek steht in Verbindung mit Hornblende-
gneiss. Hier lassen sich deutlich zwei Varietäten unterscheiden, die eine ist
nicht geschichtet, nur gestreift, und enthält in der hellgrünen, ausserordentlich
festen Grundmasse zahlreiche Granatkörner, während die andere, welche die
Kuppe zusammensetzt, keine Granatbeimischung zeigt, von dunkelgrüner Farbe
und von vielen kalkhaltigen Absonderungsklüften durchzogen ist. In diesen beiden
Fällen scheint der Serpentin ein Umwandlungsgebilde aus den Hornblende-
gesteinen, und zwar meist aus Grünsteinen darzustellen.
Weitere Vorkommen von Grünsteinen im grauen Gneisse sind (Kuttenberg
SSW.) bei Polycan, im Maleschauerthale und (von Choteborz SW.) bei Skuhrow
am Mezihaiberge zu beobachten. Diese Gesteine zeigen sich ihrem Auftreten
nach ganz verschieden von denen, welche im Granite in so grossen Mengen Vor-
kommen. Sie bilden nur einzelne Einlagerungen, welche gewöhnlich schon durch
Erhöhungen der Oberfläche kenntlich sind, während sie im Granite stets zu zahl-
reichen Zügen vergesellschaftet sind, ihre Grundmasse ist meistens dicht, rothe
Granate sind überall in grossen Massen zu beobachten.
Vom rothe n Gneiss lassen sich ebenfalls mehrere Varietäten unterschei-
den, welche sämmtlich die charakteristischen Kennzeichen dieses Gesteins in so
hohem Grade besitzen, dass man über deren Erkennung nicht zweifelhaft ist. Die
normale Varietät ist sehr stark schiefrig mit einer grobkörnigen Ausbildung der
Bestandteile, sie ist besonders im Chrudimkathale bei der Ruine Oheb entwickelt.
Die Ausläufer des böhmisch-mährischen Grenzgebirges zeigen Gesteine von
fast granitisehem Typus, bei denen aber die Streckung der Bestandtheile doch
nie ganz verschwindet. Ein eigentümliches Aussehen haben die Gesteine des
Studnitzberges (Hlinsko S.), wo alle einzelnen Bestandtheile verschwinden und
nur eine feinkörnige Porphyrmasse von rötlicher Farbe entwickelt ist. Die dem
Augengneisse verwandte Abänderung mit grossen Feldspathausscheidungen, in
der Gegend von Kohljanowitz so stark entwickelt, kommt im vorliegenden Gebiete
gar nicht vor.
Für die Theorie von Wichtigkeit sind die bei Lhotka beobachteten Bruch-
stücke von Gneissphyllit im rothen Gneisse, ferner die deutliche Umänderung der
Urthonschiefer von Hlinsko u. s. w. in Knotenschiefer und Gimmerschiefer —
Umänderungen, welche nur an den Stellen erscheinen, wo die Masse des Thon-
schiefers am kleinsten , die des rothen Gneisses am grössten ist, wie dies in der
schmalen Zunge von Schiefer zwischen Hlinsko und Kreuzberg der Fall ist.
Was die Structur des Gneissgebietes betrifft, so ist zu bemerken, dass im
westlichen Theile durchaus die Richtung Stunde 4 — 5 mit nordwestlichem Fallen
Sitzung vom 4. Februar. Freih. v. Andrian. P. v. Tchihatchef.
179
[13]
vorherrscht und dass dieselbe gegen Osten zu sich ganz allmälig in eine durch
Stunde 23 bezeichnete umändert, so dass ein Einfluss einer Gebirgshebung
parallel den Gankowa horer Bergen nicht zu verkennen ist — eine Hebung,
welche nach der Ablagerung der Quadersandsteingruppe stattgefunden haben
muss, deren Ueberreste in der Form von isolirten Terrassen längs des Nordwest-
Abhanges der erwähnten Kette noch übrig geblieben. Ob diese Hebung durch
die Eruption des rothen Gneisses bedingt worden sei, muss dahingestellt bleiben,
da derselbe hier ganz regelmässig auf den Schichten des grünen Gneisses auf-
liegt und weiter gegen Norden in gleicher Weise von den Urthon- und Grau-
wackenschiefern überlagert wird. In der östlichen Partie des rothen Gneisses
stimmt ebenfalls die Structur des rothen Gneisses mit dem Grenzverlaufe
ziemlich gut überein, sie zeigt eine nordsüdliche Richtung mit östlichem Einfallen,
und stimmen diese Thatsachen mit den aus anderen Gegenden angeführten Beob-
achtungen, welche alle darauf hinweisen , dass das genannte Gestein eruptiven
Ursprunges sei und dass sich diese Schichtung oder Plattung ganz mit dieser
Ansicht vertrage, wenn auch für vorliegendes Gebiet die nöthigen Daten zu
dessen genauerer Altersbestimmung fehlen.
Der nachstehende Abschnitt eines freundlichen Schreibens des kaiserlich-
russischen Staatsrathes P. v. Tchihatchef vom 26. December 1861 an Herrn
Director Haidinger war bei dem so anregenden Inhalte bereits auch in dem
Abendblatte der „Kaiserlichen Wiener Zeitung“ vom 7. Jänner mitgetheilt worden.
„Der Vesuv im December 1861. Am 8. December wurde die ganze
Bevölkerung Neapels durch die auffallende Erscheinung betroffen, an dem süd-
westlichen Abhange des Vesuvs, oberhalb des Städtchens Torre del Greco eine
Reihe von Feuersäulen zu erblicken, die um so greller hervortraten, als der
ganze Berg, wie auch die sämmtliche Küste in dichte Rauchwolken eingehüllt
waren. Den nächsten Tag (9. December) eilte ich früh Morgens nach Torre del
Greco; der Himmel in Neapel war vollkommen klar, aber kaum hatte ich Portici
erreicht, so befand ich mich schon in Finsterniss gehüllt, durch die mit feiner
Asche erfüllten Rauchwolken verursacht; der Aschenregen wuchs je mehr ich
mich Torre del Greco näherte, wo er den Augen beschwerlich wurde.
Ich fand die Einwohner des Städtchens in der grössten Aufregung; fast
alle Häuser waren mit Spalten und Rissen durchsetzt, mehrere in Schutthaufen
verwandelt. Die Einwohner berichteten mir Folgendes: Seit dem frühesten
Morgen bis etwa 6 Uhr Nachmittags bebte der Boden gestern (8. December)
fast beständig, so dass man nicht weniger als 21 starke Stösse zählen konnte
(von welchen jedoch nur ein einziger und zwar sehr schwach in Neapel selbst
verspürt ward); um 3 Uhr Nachmittags wurde Torre del Greco plötzlich in Rauch
und Aschen wölken gehüllt, die aus mehreren, oberhalb der Stadt entstandenen
Kegeln herausgeworfen wurden. — Ich beeilte mich das unglückliche Städtchen,
welches ein grässliches Bild der Zerstörung und des Jammers darbot, hinauf-
zusteigen; kaum hatte ich die letzten Gemäuer und Gärten desselben hinter mir
gelassen, als ich mich auch schon in dem Gebiete der seit gestern (8. Decem-
ber) bis hieher vorgedrungenen Lava befand. Die fast ausschliesslich aus
Schlackenmassen bestehende Lava war schon dermassen abgekühlt, obwohl nur
seit 18 Stunden aus dem glühenden Herde emporgestiegen, dass ich auf der
äusseren Kruste derselben ohne Beschwerde für meine Füsse fortschreiten
konnte, dahingegen war die dem Boden zugekehrte Fläche der Blöcke noch so
glühend, dass ein hineingestossener Stock sogleich lichte Flammen fing.
Nachdem ich etwa 600 Meter auf dieser oberflächlich erstarrten brennen-
den Masse in NNOlicher Richtung gestiegen, befand ich mich in einer ziemlich
180
Verhandlungen.
[14]
geringen Entfernung von den konischen Hügeln, denen die Lavaströme ent-
quollen waren, und welchen ungeheure Rauchwolken entstiegen; unglücklicher-
weise konnte ich mich diesen Kratern nicht hinlänglich nähern um ihre Be-
schaffenheit zu prüfen, indem mit dem Rauche eine ungeheure Menge nicht
blos glühender Asche, sondern auch grosse Steine emporgeschleudert wurden;
diese glühenden Substanzen waren es nämlich, welche von Neapel aus in der
Dunkelheit gesehen als Feuersäulen erschienen. Die aus weissem und schwarzem
Rauch bestehenden Säulen entstiegen aus den Kratern nicht regelmässig, son-
dern stossweise empor; jede plötzlich mit Ungestüm emporgeschleuderte Rauch-
wolke wurde durch ein unterirdisches dumpfes Toben angekündigt, das jedoch
mit keinem (wenigstens von mir bemerkten) Erzittern des Bodens begleitet war,
obwohl ich nicht unterlassen darf zu bemerken, dass ich sehr deutlich eine
merkwürdige aber ruhige Aufblähung des Bodens an einem Orte bemerkte, wo
aufgethürmte Schlackenmassen sich langsam emporhoben, dann aber ihr früheres
Niveau so behutsam wieder einnahmen, dass fast keiner der unzusammenhängen-
den losen Blöcke seine Lage veränderte.
Die Luft war vollkommen ruhig und eine feierliche Stille erhöhte das Impo-
sante des unbeschreiblich majestätischen Schauspiels. Die in Pinienform sich
gestaltenden Rauchsäulen erinnerten mich lebhaft an die meisterhafte Schilderung
des jüngeren Plinius, mahnten mich aber auch zugleich, mich dem Schicksale
seines Onkels nicht auszusetzen, desshalb zog ich mich obwohl ungern von den
bebenden Kegeln zurück. Ehe ich noch Torre del Greco erreicht hatte, wurde
mir das für den Geologen beneidenswerthe seltene Glück zu Theil, fast unter
meinen Füssen zwei kleine Krater aufbrechen zu sehen, so dass ich bei der
Bildung der an ihrer Spitze mit der Triehterform versehenen Kegel die Natur
selbst belauschen konnte; die Erscheinung war gewiss höchst belehrend, aber
ich muss Ihnen freimüthig gestehen, sie war der Theorie der Erhehungskrater
keineswegs günstig.
Als ich Torre del Greco verliess (um 5 Uhr Nachmittags den 9. December)
um nach Neapel zurückzukehren, bemerkte ich, dass der bis dahin sich voll-
kommen ruhig verhaltende grosse Centralkegel des Vesuvs zu rauchen angefan-
gen hatte. Die Thätigkeit der neuen (am 8. December entstandenen) Krater
war nicht lange anhaltend, denn schon den 12. December konnte man aus Neapel
keine Rauchwolken darüber mehr sehen. Den 16. December unterbrach ein
heftiger Regen die lange Reihe der schönen Tage, die wir hier fast ununter-
brochen seit vier Monaten genossen hatten, sogleich entwickelte sich aber auch
plötzlich die Thätigkeit des grossen alten Centralkegels, denn um etwa 8 Uhr
Morgens (17. December) fing der Gipfel des Vesuvs an, dichte Rauchwolken
auszustossen, welche bis 9 Uhr Abends fortdauerten, dann aber allmälig ver-
schwanden. Während dieser starken Rauchentwickelung fanden merkwürdige
elektrische Erscheinungen statt, denn zwischen 5 bis 6 Uhr Abends wurden die
Rauchmassen durch rasch auf einander folgende Blitze durchzuckt; die elektri-
schen Entladungen machten sich bald durch die gewöhnlichen im Zickzack ge-
brochenen Linien kund, bald durch einzelne Funken.
Während des 20. und 21. December rauchte der Gipfel des Vesuvs fast
gar nicht. Den 22. December entschloss ich mich die bereits erloschenen Krater
näher zu untersuchen. Ich begab mich also abermals nach Torre del Greco und
bestieg das Gebiet des neuen Lava-Ergusses, nach den noch rauchenden Kegeln
eilend. Die Zahl dieser trichterförmigen Krater kann auf 9 oder 12 angenommen
werden, je nachdem man jede dieser oft durch unregelmässige Scheidewände
unvollkommen getrennten Aushöhlungen für unabhängige Krater , oder blos als
Sitzung vom 4. Februar. P. v. Tchihatehef.
181
[15]
secundäre Vertiefungen eines und desselben Kraters betrachtet. Diese 9 bis 12
von mehr oder weniger circularen Wänden umgebene Krater befinden sich auf
einer im Durchschnitte von ONO. nach WSW. laufenden Linie in einer Entfer-
nung von etwa 600 Meter SSO. von dem im Jahre 1794 gebildeten Krater,
dessen viel beträchtlicherer Lava-Erguss damals Torre del Greco von Grund
aus zerstört hatte.
Man kann annehmen, dass, wenn die jetzige Spalte, aus der die neue Lava
emporgedrungen ist, nicht als eine südliche Fortsetzung derjenigen betrachtet
werden kann, die i. J. 1794 entstanden ist, auf jeden Fall die zwei Spalten ein-
ander fast parallel und in geringer Entfernung aufgetreten sind; desshalb sind
auch in ihrem unteren Laufe die Laven dieser zwei verschiedenen Epochen so
untereinander gemengt, dass, wenn die Lava von 186 t mehrere Jahre den Atmos-
phärilien ausgesetzt worden sein und dadurch ihre äussere Frische eingebüsst
haben wird, mit deren Hilfe man dieselbe von der alten noch zu unterscheiden
vermag, diese Unterscheidung fast unmöglich sein wird, und dies um so mehr,
da in Hinsicht ihrer mineralogischen Zusammensetzung beide Lava-Arten ausser-
ordentlich übereinstimmen, denn beide zeichnen sich besonders durch ihren
Reichthum an Augit und ihre Armuth an Leucit aus. Es bliebe dann nur noch
ein botanisches Mittel zur Unterscheidung übrig, welches zugleich ein
treffendes Beispiel gäbe von den mannigfaltigen Diensten, welche die anschei-
nend am wenigsten verwandten Naturwissenschaften sich einander leisten können.
Es ist nämlich ein bewährtes Factum, dass alle Laven des Vesuvs etwa fünf
oder sechs Jahre nach ihremErgusse sich äusserlich mit einem Lichen bekleiden,
der Stereocaulon vesuvianum heisst, daraus folgt also, dass noch während fünf
bis sechs Jahren dieser rein botanische Charakter dem Geologen das Mittel
geben kann, die zwei jetzt durch gar kein anderes Mittel mehr erkennbaren
Laven beim ersten Blicke zu unterscheiden.
Ich fand (22. Dec.) sämmtliehe Laven der neuen Krater vollkommen abge-
kühlt. Der sowohl dem Innern der Krater, als den zahlreichen Spalten noch ent-
steigende Rauch besteht hauptsächlich aus Chlorwasserstoff’gas, und blos hier
und dort aus Schwefelsäure; jedoch verändern beide manchmal ihre Orte und
substituiren sich einander. Die Gase müssen sehr viel Wasser enthalten, indem
dieselben ohne viel Beschwerde eingeathmet werden können. Sowohl die inneren
als die äusseren Wände der Krater sind sehr zierlich weiss, gelb, roth, grün
und blau gefärbt und durch zahlreiche Effiorescenzen von Chloreisen (Chlorure
de fer), Chlorkali (Chlorure de potasse), Chlorkupfer (Chlorure de cuivrej,
Chlornatrium (Kochsalz), Eisenoxydul (fer oligiste ), Salmiak, schwefelsaure
Kalkerde (Gyps) u. s. w.
Nachdem ich das ganze Gebiet der am 8. December entstandenen Krater
durchwandert, stieg ich nach Torre del Greco hinab, indem ich mich der See-
küste zuwandte, bewunderte ich die ungeheuere Wassermenge , welche die
grosse Fontaine der Stadt nicht mehr fassen konnte und in die nachbarlichen
Strassen sich ergoss.
Es ist nämlich sehr merkwürdig, dass während die früheren Ausbrüche des
Vesuv fast immer durch eine bedeutende Abnahme des Wassers in den Brunnen,
Quellen und Fontainen der Stadt begleitet waren, dieses Mal im Gegentheil alle
Gewässer ungeheuer angeschwollen, oder auch zugleich mehr oder weniger in
Säuerlinge verwandelt worden sind. Aus der oberwähnten Fontaine strömte die
Kohlensäure in zahllosen Blasen empor und bildete sogar eine kleine Wolke, die
über einem trockenen Platz schwebte; ein etwa einen Decimeter über dem
Boden gehaltenes Zündhölzchen erlosch augenblicklich. Weiter der Seeküste zu
182
Verhandlungen.
[16]
wurde das Phänomen noch merkwürdiger, aber auch zugleich complicirter. Das
die Lava-Felsen (1794 gebildet) hespühlende Meer kochte an mehreren Stellen
(ohne irgend einer Temperaturzunahme), durch die Ausströmung der Gase;
als ich aber das Wasser eines ins Meer mündenden Baches kostete, schmeckte
es nicht nach Kohlensäure, sondern nach Kohlenwasserstot)' (Hydrogene carburJJ
auch verrieth der in den nächstliegenden Strassen stark verbreitete Geruch mehr
Kohlenwasserstoff als Kohlensäure.
Ich bin um so geneigter die Gegenwart des ersten anzunehmen, da blos
dadurch eine merkwürdige Erscheinung sich erklären lässt, die mir einstimmig
von allen Einwohnern als Zeugen bestätigt worden ist, nämlich die Erscheinung
von mehreren Flämmchen, die sowohl während der Ausbrüche als in den nächst-
folgenden Tagen aus den die Strassen der Stadt zahlreich durchsetzenden Spal-
ten und Rissen emporgestiegen sein sollen; nun wäre die Erscheinung durch
die Gegenwart des Kohlenwasserstoffs erklärbar, da hingegen das Vorhandensein
der Kohlensäure allein die Sache vollkommen unmöglich gemacht haben würde.
Eine noch wichtigere Erscheinung bot mir die Küste Torre del Greco dar,
nämlich die einer beträchtlichen Emporhebung.
Schon vor etwa drei Tagen hatten die Herren Palm i er i und Guiscardi,
Professoren an der hiesigen Universität, in öffentlichen Blättern bekannt gemacht,
dass der Boden bei Torre del Greco nicht weniger als 1 Meter 12 Centimeter
erhoben worden sei. Die Richtigkeit dieser Aussage habe ich nun auf folgende
Art bewährt: sowohl nach NO. als nach SW. von Torre del Greco bietet die aus
senkrecht ins Meer abstürzenden Lava-Felsen bestehende Küste an ihrer unteren
Seite einen weissen Streifen dar, dessen Färbung durch zahllose an den schwar-
zen Felsen haftenden aber blos im Meere wohnenden Mollusken und Zoophyten
verursacht ist; diese letzten bestehen aus Arten von Mytilus , Baianus, Anomia,
Sphaerococcos, Corallina (officinalis) u.s.w. da nun aber der oben erwähnte
Streifen im Durchschnitt 1 Meter hoch über der Oberfläche des Meeres sich
befindet und die Länge des Streifens etwa 2 Kilometer beträgt, so folgt daraus,
dass auf dieser beträchtlichen Strecke die Küste gehoben worden ist.
Als ich Torre del Greco verliess (22. December 5 Uhr Nachmittags), be-
merkte ich, dass der Gipfel des Vesuvs abermals stark zu rauchen angefangen
hatte, auch diesmal schien seine erwähnte Thätigkeit mit einer Veränderung in
der Atmosphäre Hand in Hand zu gehen, denn der schöne blaue Himmel bedeckte
sich Abends mit Regenwolken und es stürmte stark während der Nacht. Den
nächsten Tag (23. December) früh Morgens, als ich noch im Bette war, wurde
ich durch die Nachricht überrascht, dass es Asche regnete, eine Erscheinung,
die seit etwa 40 Jahren (seit 1822) in Neapel nicht vorgefallen; ich eilte nach
meinem Balcon und fand wirklich den Boden desselben mit einer dünnen Schichte
schwarzer Asche bedeckt; der Gipfel des Vesuvs stiess ungeheuere Rauchwolken
empor; der Aschenfall in Neapel (obwohl sehr gering) selbst dauerte bis etwa
1 Uhr Nachmittags. Die Temperatur der Luft fiel bedeutend; den 24. December
hatten wir einen ungestümen und so kalten NO- Wind, dass es Nachts fror
( — U2 Cent.), was in Neapel ziemlich selten ist. Heute (den 26. Dec.) hat sich
der Wind gelegt, die Temperatur ist immer (für Neapel) sehr kalt; die Küste
wird sichtbar wie auch der Berg, allein die Rauchwolken sind immer sehr be-
trächtlich. Was am Vesuv selbst vorgeht, ist noch vollkommen unbekannt, aber,
obwohl es nicht der günstige Augenblick ist denselben zu besteigen, werde ich
doch schwerlich meiner Ungeduld widerstehen können und will versuchen
dieser Tage den alten Herrn etwas näher ins Auge zu fassen.
Jahrbuch
12. Band.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft II.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reiehsanstalt.
Sitzung am 18. März 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitz.
Herr Director W. Hai ding er berichtet durch die folgende Mittheilung, die
der Vorsitzende vorliest, über die Ereignisse, welche in letzter Zeit in der
k. k. geologischen Reichsanstalt stattgefunden.
Die Reihe unserer Vorträge des gegenwärtigen Winters ist durch eine
Anzahl unvorgesehener Ereignisse unterbrochen worden, an welche es meine
Pflicht ist, indem ich heute einen raschen Überblick derselben vorlege, für unser
Jahrbuch in der Geschichte unserer Entwickelungen die Erinnerung festzuhalten,
darunter das Höchste, was uns in dem Laufe unserer Arbeiten anregen und
erheben kann.
Bereits in unseren früheren Sitzungen war davon die Rede, dass für die im
Mai 1862 zu eröffnende internationale Kunst- und Industrie-Ausstellung in London
von Seite der k. k. geologischen Reichsanstalt eine Reihe geologisch-colorirter
Karten, so wie auf Veranlassung des k. k. Central-Comite’s von Mustern fossilen
Brennstoffes aus dem ganzen Kaiserreiche, ferner von den von uns herausgege-
benen Druckschriften zusammengestellt werden sollte, welchen auf vielfache
Anregung noch die Reihe von dem Vorstande unseres chemischen Laboratoriums,
Herrn Karl Ritter v. Hauer, dargestellter Krystalle angeschlossen wurden. Billig
mussten wir wünschen, dass es uns gelingen möge, unsere Zusammenstellungen
auch vor der Absendung zur allgemeinen Anschauung zu bringen. Dies fügte sich
besonders vortheilhaft in unseren eigenen Localitäten.
Eine Ausstellung, die weit mehr an Gegenständen umfasste, war für die
29. Classe der Londoner Ausstellung vorbereitet, diejenige von Gegenständen
des Schul- und Unterrichtswesens im Kaiserthume Österreich. Herr k. k. Unter-
staatssecretär Freiherr v. H eifert, Leiter des Unternehmens, hatte von
Seiner Excellenz dem Herrn k. k. Staatsminister Ritter v. Schmerling die
Erlaubniss erwirkt, zu diesem Zwecke einige der uns in dem fürstlich von Liech-
t enstein’schen Palaste zugewiesenen angemessenen Räume zu benützen, und wir
waren unsererseits sehr gerne bereit, selbe verfügbar zu machen. Es war dies
der runde Vorsaal, der grosse Saal und an den Vorsaal anschliessend ein klei-
nerer Raum links und unser Sitzungssaal rechts, der also für die Zeit der Aus-
stellung uns fehlte, was jedoch keine Ursache sein konnte, ihn dem schönen
Zwecke zu entziehen.
Rasch folgten sich nun die Einsendungen, die Einrichtungen. Die Aufstel-
lungen begannen und wurden durchgeführt nach den Gebäuden, Lehrmitteln und
Ergebnissen der Volksschulen, Mittelschulen, Hochschulen, Militär-Bildungs-
Anstalten, Civilfachschulen , Kunstschulen unter der speciellen Leitung der
Herren Prof. J. Arenstein, Ministerialsecretär A. Hermann, Schulrath
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
y
184
Verhandlungen.
[2]
M. A. Becker, F. Hottner, K. Szlavik, A. Machatsch ek, H Pick,
J. Klein, Di*. J. R. Lorenz, Dr. F. Bauer, K. Winter u. A. Auch Herr
k. k. Seclionsrath Wilhelm Bitter v. Schwarz, k. k. Erster Commissär für die
Londoner Ausstellung, nahm lebhaften Antheil an den Fortschritten. Ich darf hier
nicht versuchen. Einzelnes zu verfolgen, aber ich widerstehe nicht, der Ergeb-
nisse der Genialität, der Kenntnisse und der Beharrlichkeit meines hochgeehrten
Freundes und Collegen, unseres grossen Forschers Hyrtl zu gedenken, der in
Folge der auch an ihn ergangenen Einladung ein wahres Museum der anregend-
sten, vollendetsten und seltensten anatomischen Präparate mit der Hochschulen-
Abtheilung vereinigte. Auch unseres eigenen früheren Arbeitsgenossen Herrn
Prof. Fr. Simony’s graphische Darstellungen aus der Alpenwelt erheischen ein
Wort der Erwähnung von unserer Seite.
Der 15. Februar war in rascher Bestimmung zur feierlichen Eröffnung
ausersehen worden. Seine K K. Apostolische Majestät geruhten an
diesem Tage die ausgestellten Gegenstände zu besichtigen. Freiherr v. Hel-
f ert durfte Seine Majestät durch die Reihen derselben geleiten, so wie die
Herren Leiter der einzelnen Ausstellungen Bericht über ihre einzelnen Abthei-
lungen gaben. Herr k. k. Generalmajor A. v. Füge ly, Director des k. k. mili-
tärisch-geographischen Instituts, erklärte sodann die von seiner Seite für die
Londoner Ausstellung bestimmten geographischen Karten, welche in dem an den
grossen Saal nordöstlich anschliessenden Saal der mineralogischen Schaustufen
sich anschlossen.
In demselben Saale begann auch unsere eigene Ausstellung. Hier trat der
Augenblick der Glorie unserer k. k. geologischen Reichsanstalt ein. Es war mir,
dem Director derselben, vergönnt, meinen Allergnädigsten Kaiser und
Herrn hier und sodann durch die beiden anstosseuden Säle, den Kaisersaal und
den böhmischen Saal, zu geleiten, in welchem sich die übrigen Theile unserer
Ausstellung befanden. In der Ordnung derGegenstände hatte noch Herr k.k. Berg-
rath Fo etter le bei der Abtheilung der Muster von fossilem Brennstoff, nach den
verschiedenen Kronländern zusammengestellt , welche derselbe speciell vor-
gerichtet hatte, Veranlassung, einige weitere Auskünfte zu geben. Es war nun
der Augenblick gekommen, wo wir uns blos von Gegenständen der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt umgeben sahen. Seiner K. K. Apostolischen
Majestät nun auch sämmtliche versammelte Mitglieder der k. k. geologischen
Reichsanstalt vorzustellen. Die nun folgende eingehende Besichtigung der geolo-
gisch-colorirten Karten veranlasste auf die eingehenden Fragen Seiner Maje-
stät Erläuterungen durch die Herren, welche an einem oder dem andern Orte
die Aufnahmen besorgt hatten, die Herren k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer
in Ungarn, k. k. Bergrath M. V. Lipoid und J. Jokely in Böhmen, k. k. Berg-
rath Foetterle in Lombardo-Venetien.
ln dem Kaisersaale war der längst für diesen hochfeierlichen Act vorberei-
tete zweite Band unseres Gedenkbuches aufgelegt. Seine Kaiserlich-König-
liche Apostolische Majestät geruhten dem 15. Februar durch Einzeichnung
Allerhöchst Ihres glorreichen Namens die Weihe zu geben. Der erste Band war
am 4. November 1851 in der ersten der in unserem gegenwärtigen Locale abge-
haltenen Sitzungen eröffnet worden. In diesem Saale waren auch die schönen von
Herrn Karl Ritter v. Hauer sorgsam dargestellten Krystalle Gegenstand tlieil-
nehmendster und anerkennendster Besichtigung. Seine Kaiserliche Maje-
stät geruhten nun auch die an der andern Seite des grossen Saales sieh
anschliessenden Säle mit der Aufstellung der Sammlungen der k. k. geologischen
Reichsanstalt, der geologischen, so wie der local-paläontologischen Sammlungen
Sitzung vom 18. März. W. Haidinger.
185
[3]
und der Bergwerks-Reviersuiten zu beaugenscheinigen, wobei im Wiener Becken
unser hochverehrter Freund, Herr Director Hör ries, zu Erläuterungen freund-
lichst sich einfand. Sodann kam das chemische Laboratorium an die Reihe, wo
eben die Ergebnisse von Arbeiten über Kohlengruben Vorlagen. Durch die Räume
zurückgekehrt, geruhten Seine K, K. Apostolische Majestät noch auch
unsere Bibliothek und Arbeitsräume für die Studien der Geologen und für die
Zeichner im oberen Stockwerke, so wie die eigentlichen Aufnahmskarten in
dem Maasse von 400 Klafter = 1 Zoll, wie sie durch geologische Forschungs-
reisen gewonnen werden, zu besichtigen und sodann zum Schlüsse in huldreich-
ster Weise den Ausdruck Aller gn ä digs te r Befriedigung auszusprechen.
Sie selbst, meine hochverehrten Herren, waren gegenwärtig, wir alle waren
Zeugen der wohlwollenden, huldreichen Theiinahme, welche unser Allergnä-
digster Kaiser und Herr unseren Arbeiten und Erfolgen schenkte; ich ver-
suche es nicht, meine innigsten Gefühle von Erhebung, von ehrfurchtsvollster
Dankbarkeit mit vielen Worten zu schildern, wo das Gefühl selbst überströmt.
Der Tag war gewonnen, der schönste für immer in der Geschichte
unserer Arbeiten und Entwickelungen.
Der Tag der feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 15. Februar gab uns
noch den Genuss, mehreren durchlauchtigsten Mitgliedern des Allerhöchsten
Kaiserhauses unsere Ausstellungsgegenstände sowohl, als unsere eigenen Samm-
lungen und sämmtiiche Säle und Arbeitsräume ehrfurehtvollst zur Anschauung zu
bringen und uns der reichen, huldvollsten Theiinahme zu erfreuen. Ihre Kaiser-
lichen Hoheiten die durchlauchtigsten Herren Erzherzoge Karl Ludwig,
Wilhelm, Leopold und Sigismund, der Herr Grossherzog von
Toscana, Höchstweichen theiis der Director, theils die anderen Mitglieder der
k. k. geologischen Reichsanstalt als Führer dienten. Die huldreiche Theii-
nahme Ihrer Kaiserlichen Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin
Sophie am 20. Februar, der durchlauchtigsten Herren Erzherzoge Karl Fer-
dinand und Rainer am 18. und am 20. Februar bewahren wir in treuestem
Andenken, in dem grossen schönen Bilde der glanzvoll zurückgelegten Periode. —
Auch unser wahrer, erfolgreicher Beschützer, Seine Excellenz Herr k. k. Staats-
minister Ritter v. Schmerling, nahm mit vieler Theiinahme die Ergebnisse
unserer Arbeiten in Augenschein. Wir bringen ihm unsern innigsten Dank dar,
in treuester Ehrfurcht Seiner K. K. Apostolischen Majestät, Aller-
höchstweiche seinem hohen Verdienste gerade in den abgelaufenen Tagen,
am 26. Februar die glänzendste Anerkennung zu verleihen geruhten.
Während dieser Zeit war auch der Raum bestimmt worden, der uns in der
Londoner Ausstellung zur Verfügung stehen wird, eine Tafel, 17 engl. Fuss lang
und 9 Fuss breit oder 153 Quadratfuss, in der Mitte der Länge nach mit einer
senkrechten Wand von 9 Fuss Höhe, auf beiden Seiten zusammen 306 Fuss
Wandraum, die Tafel selbst auf 21/a Fuss Höhe.
Unsere Ausstellungsgegenstände sind nun folgende:
I. Die geologisch colorirten Specialkarten des k. k. General-Quartiermeister-
stabes zu 2000 Klaftern auf 1 Wiener Zoll (1 : 144.000 der Natur) von
l. Oesterreich ob und unter der Enns (9 Fuss Breite, 5 Fuss Höhe), 2. Salzburg
(5 !/g Fuss Br., 4 Fuss H.), 3. Steiermark und Ulyrien (9 Fuss Br., 9 Fuss H.),
4. Böhmen (9 Fuss Br., 8 Fuss H.). Von Böhmen sind die drei östlichen Sectio-
nen noch nicht in der Aufnahme vorhanden. Von Steiermark sind mehrere Sectio-
nen nach den Aufnahmen des steiermärkischen geognostisch-montanistischen
Vereines ergänzt. — Die Uebersichtskarten in dem Maasse von 4000 Klaftern
auf 1 Zoll (1 : 288.000) von 1. Ungarn (9 Fuss Br., 6 Fuss H.), 2. Tirol und
y*
186
Verhandlungen.
M
Vorarlberg (6 Fuss Br., 4 Fuss H.), 3. Lombardei und Venetien (4 Fuss Br.,
4 Fuss H.), 4. Banat (6 Fuss Bi\, 3 Fuss H.). — Die Strassenkarten in dem
Maasse von 6000 Klaftern auf 1 Zoll (1 : 432.000) von 1. Siebenbürgen (4 Fuss
Br., 3 Fuss H.), 2. Galizien (5 Fuss Br., 4 Fuss H.).
II. Die zehn Bände Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt in Gross-
Octav von 1850 bis mit 1859 und die drei Bände Abhandlungen, Gross-Quart,
von 1852 bis mit 1856.
III. Eine Sammlung von Krystallen, dargestellt von Herrn Karl Ritter
v. Hauer, Vorstand des chemischen Laboratoriums der k. k. geologischen
Reichsanstalt, über 100 Species in 380 Individuen, Säuren, Salze, Doppelsalze,
Alaune, Krystalle mit Kernen, Krystalle isomorpher Mischungen, darunter eine
grössere Anzahl zum ersten Male dargestellt.
IV. Die Gesammtausstellung von Musterstiicken fossilen Brennstoffes, von
Steinkohlen, Braunkohlen und Torf aus dem ganzen Kaiserstaate. Diese Aus-
stellung wurde von uns auf Veranlassung des k. k. Central-Comite's für die Lon-
doner Ausstellung unternommen. Es ergingen an alle die wichtigsten Werke,
Einladungen, welchen in umfassender Weise freundlichst entsprochen wurde,
so dass es uns nun gelingt, nicht weniger als 239 Würfel von 6 Zoll Seite oder
entsprechende Exemplare, wo sich Würfel nicht gewinnen liessen vorlegen zu
können, aus allen Theilen von Oesterreich, wodurch nicht nur die Steinkohlen-
mulden, mit nur ganz wenigen untergeordneten Ausnahmen, sämmtlich vertreten
sind, sondern in denselben auch die wichtigsten der verschiedenen in denselben
in Abbau stehenden Flötze und wichtigsten Werksunternehmungen. Gleichzeitig
erhielten wir eine grosse Anzahl der anziehendsten statistischen, historischen
und graphischen Nachweisungen, welche späterhin zu werthvollen Mittheilungen
Veranlassung darbieten werden. Ich darf schon hier den hochgeehrten Gebern,
wenn auch nur in allgemeiner Weise, den innigsten Dank für ihr freundliches
Wohlwollen darbringen. Wir erhielten viele Anfragen auch wegen Zusendung
grösserer Exemplare, aber die Raumverhältnisse gestatteten keine erweiterten
Ansprüche. Eine Anzahl von Anmeldungen von Unternehmern, welche sich der
von uns besorgten Gesammtausstellung nicht anschliessen wollten, wurde eben
auch der Raumverhältnisse wegen von dem k. k. Central-Comite zurückgewiesen.
Die von uns vorbereitete Ausstellung enthält: aus Böhmen 76 Nummern, darunter
Oberleitensdorf, Salesl, Karbitz, Posteiberg, Buschtiehrad , Brandeisl, Kladno,
Rakonitz, Radnitz, Niran, Schatzlar, Schwadowitz; — - aus Mähren: Göding, Gaya,
Rossitz, Ostrau, Karwin; — aus Galizien: Jaworzno, Szkwarzawa; — aus
Ungarn und dem Banat: Dorogh, Oedenburg, Fünfkirchen, Steierdorf, Reschitza;
— aus Dalmatien: Monte Promina; — aus den Alpenländern: Häring, Leoben,
Traunthal, Voitsberg, Eibiswald, Hrastnigg, Sagor nebst mehreren anderen,
zusammen 239 Nummern. Herr k. k. Bergrath Fo etter le bereitet einen aus-
führlicheren Bericht über dieselben vor. Er ist es, der die ganze specielle
Arbeit der Zusammenstellung in trefflichster Weise ausgeführt hat, wofür ich
ihm hier meinen besten, anerkennendsten Dank darbringe.
Von unseren Ausstellungsgegenständen sind die geologischen Karten, die
v. Hauer’schen Krystalle und die Muster von fossilem Brennstoff in der ersten
Classe der montanistischen Gegenstände angemeldet, die Publicationen auf spä-
tere Veranlassung in der 29. Classe. Es ist indessen doch möglich geworden,
sie gemeinschaftlich und zwar in nachfolgender Weise auf dem uns zugewiesenen
früher erwähnten Raum aufzustellen. Es werden nämlich die geologisch colorir-
ten Karten an beiden Seiten der Mittelwand befestigt. Von beiden Enden des
Tafelraumes her werden die Kohlen staffelförmig zu beiden Seiten der Mittel-
Sitzung vom 18. März. W. Haidinger.
187
[8]
wand, parallel dieser Wand beginnend, angeordnet. Die Karte des Erzherzog-
tumes Oesterreich ob und unter der Enns, welche nach ihren Abmessungen dies
am günstigsten gestattet, nimmt in pultartiger Lage die Mitte der einen Seite
ein. Auf der andern Seite ist ein wirklicher Tischraum Vorbehalten zur Auf-
stellung und Besichtigung der Bücher und Krystalle.
Ich darf es hier als ein unverhofftes, für uns wahrhaft günstiges Ereigniss
bezeichnen, dass einer unserer hochgeehrten Freunde und ausgezeichnetsten
jüngeren Forscher, Herr Dr. Victor v. Lang, Mitarbeiter in früherer Zeit unseres
unvergesslichen Freundes Grailich, sich entschlossen hat, die ganze Zeit der
Ausstellung in London zuzubringen und auch unseren Interessen daselbst stets
seine Aufmerksamkeit freundlichst zuzuwenden. Er vor Vielen ist in der Lage,
den wissenschaftlichen Werth der schönen Krystalle zu schätzen, aus denen so
manche durch seine eigenen krystallographischen und physikalischen Arbeiten
erst genauer bekannt geworden sind.
Ueberhaupt dürfen wir wohl in London auf freundliche Theilnahme rechnen,
Herr Dr. v. La ng selbst ist längst erwartet von Herrn Nevil Story Maskelyne,
demDirector der mineralogischen Abtheilung des Britischen Museums, der in innig-
ster Freundschaft mit dem verewigten Grailich verbunden war. Der kön. Berg-
werks-Inspector Herr Warington W. S my th, der unter andern bei unseren beiden
Versammlungen der Berg- und Hiiftenmänner in Wien gegenwärtig war, ist uns
ein langjähriger treuer, erprobter Freund. Wir dürfen uns auch wohl des
freundlichen Wohlwollens unserer langjährigen Gönner und Freunde versichert
halten, eines Sir Roderick Murchison, Leonard Horner, Sir Charles Lyel 1,
W. H. Miller, W. J. Hamilton und noch so vieler Anderen, welche unsere
Bestrebungen und Erfolge stets durch ihren Beifall und durch ihre Nachsicht
ermuntert haben.
Es ist mir ein wahres Bedürfniss, hier auch den Ausdruck innigster Ver-
ehrung dem Herrn k. k. Sectionsrath Dr. Wilhelm Ritter v. Schwarz, auszu-
drücken, der in London als Erster k. k. Commissär unsere österreichischen Inter-
essen vertritt, dem hochgeehrten Freunde aus der Periode unserer wissenschaftlich-
gesellschaftlichen Entwickelungen noch in der ersten Zeit des k. k. montanistischen
Museums, dessen bewährte Thatkraft ich damals für die Herausgabe einer mon-
tanistisch-naturwissenschaftlichen periodischen Schrift zu gewinnen hoffen durfte,
wenn nicht äussere Hindernisse sich zu mächtig gestaltet hätten.
So sehen wir für das Ergebniss der Ausstellung dort der freundlich-
sten Theilnahme entgegen. Für die Vorbereitungen hier, deren sich, wo es
erforderlich war, auch andere unserer Herren Geologen annahmen, bin ich aber
vorzüglich Herrn k. k. Bergrath Foetterle die wärmste Anerkennung auszu-
sprechen verpflichtet, indem er es war, dem die Oberleitung auch für die zeit-
gemässe Ausfertigung und Vorrichtung der Karten zufiel. Trefflich waren wir
auch unterstützt durch unseren langjährigen verdienstvollen Zeichner Herrn
Eduard Jahn, der in angestrengtester Weise selbst für die Grundlagen und
mit der grössten Aufmerksamkeit in der Ausführung der bei dem Coloriren ver-
wendeten Individuen seine Aufgabe durchführte. Wir sind nämlich bei der
Copirung unserer Karten noch immer in dem Nachtheile, dass erst die Grenzen mit
freier Hand eingezeichnet werden müssen, um sodann die Farbentöne einzutragen.
Indem wir in dieser Weise die Sendung für die diesjährige internationale
Ausstellung in London vorbereitet, darf ich wohl ein Wort der Betrachtung über
die Stellung anscbliessen, welche die k. k. geologische Reichsanstalt als Ganzes
aus dieser Veranlassung einnimmt, ebenso wie ich selbst als Director derselben
und die hochgeehrten Mitglieder und Theilnehmer an unseren Arbeiten.
188
Verhandlungen.
[6]
Die k. k. geologische Reichsanstalt als Ganzes ist es, durch die Allerhöchste
Gnade und das Vertrauen auf Erfolg, welche uns überhaupt in den Stand setzt,
unsere Kräfte zu einem gemeinschaftlichen erhebenden vaterländischen Zwecke
zu vereinigen, die Pflichterfüllung in unserer Abtheilung menschlicher Beschäf-
tigungen zu wahren. In der Vertrauensstellung an der Spitze dieser dem allge-
meinen Fortschritt in der Kenntniss unserer schönen Länder gewidmeten
Anstalt, darf ich es nicht ablehnen, wie vereinzelt auch jetzt mein Antheil
an wirklicher Arbeit sein mag, zuzugeben, dass die Entwickelung unserer
Leistungen sich vielfach meinen eigenen persönlichen Bestiebungen anschloss,
seit ich allein als Nachfolger meines unvergesslichen Lehrers Mobs meine
Arbeiten in der Mineralien-Sammlung der k. k. Hofkammer im Münz- und Berg-
wesen begann, bis zu dem Augenblicke wo wir in Mehrzahl vereinigter Kräfte
die werthvollen Gegenstände nach London entsenden, welche dort für wohl
verwendete Zeit für uns Zeugniss geben sollen.
Dieses Zeugniss wird Ihnen gelten, meine hochverehrten Herren, welche
seit dem Beginne und gegenwärtig noch Ihre Kenntnisse, Ihre Hingebung, Ihre
Beharrlichkeit dem schönen Zwecke weihen, den Herren k. k. Bergräthen
Franz Ritter v. Hauer, Lipoid, Foetterle, den Herren Sectionsgeologen
Stur, Dr. Stäche, Wolf, Freiherrn v. Andrian, Stoliczka, wobei wir
in treuer Erinnerung der Freunde und Arbeitsgenossen gedenken, die theils aus
dem Leben geschieden sind , wie unser C z j z e k , Johann Kude matsch, theils
aus unserem näheren Verbände getreten, wie die Freunde: Rossiwall,
Prinzinger, Friese, Seeland, Simony, Gobanz, Ehrlich, Bitter v.
Zepharovich, Peters, v. Lidl, Ferd. v. Hoch st etter, Ferd. Freiherr v.
Richthofen, Jokely. Jeder Quadratzoll, jede Quadratlinie unserer geo-
logisch colorirten Karten bewahrt das Andenken an Ihre Arbeiten für immer-
währende Zeiten. Aber auch die zum Abschlüsse im grossen Ganzen unent-
behrlichen Arbeiten der Herren Archivar Graf Marschall, Vorstand des che-
mischen Laboratoriums, Karl Bitter v. Hauer, Bibliotheks - Custos Ritter
Senoner bleiben gleich unvergesslich, wie das hohe Verdienst unseres hoch-
geehrten Freundes und auswärtigen Arbeitsgenossen, Directors und Commandeurs
Dr. M. Hörnes, wobei wir ebenfalls früherer freundlicher Arbeitsgenossen
gedenken, der Herren Dr. Moser, Kuncz, v. Hubert, Constantin Ritter v.
Ettingshausen, Th. Wertheim, Zekeli, Ragsky, Mrazek, Polak.
Vielen anderen Freunden sind wir noch in einer und der anderen Richtung zum
Danke verpflichtet, welche sich in verschiedenen Arbeiten uns freundlichst
anschlossen, wie die Herren: Emm rieh, Reuss, Suess, Koristka, Schmidl,
der verewigte Heckei, Reinhold Freiherr v. Reichenbach, Kenngott, Pich-
ler, Mannlicher, Rudolph und Julius Ritter v. Hauer, Kupelwieser, Clair-
mont, der verewigte E. Porth, Hartnigg, Kornhuber, Freiherr v. Hin gen-
au, v. Glos, Bielz, Meschendörfer, Krejci, Paul. So lebhaft mein Gefühl
es erheischt, diese hochgeehrten Namen zu nennen, so sehe ich mich ganz unver-
mögend, wenn ich selbst und meine Freunde und Arbeitsgenossen auch das innigste
Dankgefühl eben so lebhaft theilen, auch alle die wohlwollenden Gönner und
Freunde zu verzeichnen, welche uns durch ihren freundlichen Beifall ermuntert,
welche uns ihren mächtigen Schutz in schwierigen Fällen, deren unsere
Entwickelung doch so manche zählt, grossmüthig verliehen. Innigstes Dank-
gefühl, treueste Verehrung bleibt ihnen stets geweiht.
Während dieses kürzlich abgelaufenen Zeitabschnittes ist auch unser
hochgeehrter frühere Arbeitsgenosse, Herr Johann Jokely nach seinem neuen
Bestimmungsorte abgegangen und hat auch bereits seine Professur an dem
Sitzung vom 18. März. W. Haidinger.
189
m
kön. ungarischen Josephs -Polytechnicum in Ofen in seiner ersten Vorlesung am
abgelaufenen 10. März erfolgreich angetreten, wovon er mir noch an dem näm-
lichen Tage freundliche Anzeige erstattete. Wir freuen uns dieser neuen Ver-
bindung der in unserem Kreise gewonnenen Erfahrungen mit dem praktischen
Leben.
Während der Zeit der Ausstellung der Gegenstände, welche sich auf das
Unterrichtswesen im Kaiserreiche beziehen, waren auch unsere eigenen Aus-
stellungsräume von einer grossen Anzahl theilnehmender Gönner und Freunde
besucht, welche bisher nicht die Veranlassung gefunden hatten, dieselben
aufzusuchen, obwohl seit der Gründung der k. k. geologischen Reichsanstalt ein
vollkommen freier Eintritt Statt gefunden hat. Wir glauben in Beziehung auf
diese Thatsache von nun an einen bestimmten Tag der Woche zum freundlichen
Besuche unserer Anstalt vorschlagen zu sollen, und zwar laden wir die hoch-
geehrten Besucher vorzugsweise für jeden Dienstag von 10 bis 2 Uhr ein,
während Fachgenossen und etwa Reisende wie bisher jederzeit willkommen ge-
heissen werden sollen.
Herr Director Haidinger legt ein Handstück Granit vor, eingesandt von
Herrn Karl Freiherrn v. Seyffertitz, Obmann des Museumsvereines zu
Bregenz in Vorarlberg. Es wurde im Innern eines drei bis vier Fuss im Durch-
messer haltenden erratischen Blockes angetroffen, der sich in der Dornbirner
Ache, oberhalb Dornbirn fand und verarbeitet wurde. Das Stück enthält einen
blass-fleischrothen, dreiviertelzoll nach allen Richtungen starken Feldspath-
Krystall, ganz ähnlich den bekannten Bavenoer Krystallen, ferner den brasilia-
nischen ganz ähnliche dunkelbraune, starkglänzende Turmalinprismen, bis
3 Linien dick, und über einen Zoll lang, theils in Quarz, theils in Feldspath,
einige in dichten Chlorit eingewachsen , oder von grobkörnigem, braunen Kalk-
spath umgeben, der offenbar etwas späteren Entstehung zum Theil die quer-
zersprungenen Turmalinprismen in dünnen Scheiben durchsetzt. Der Granit
enthält auch Oligoklas und grössere Tafeln von weissem Glimmer.
Herr Karl Ritter v. Hauer theilte (in der Sitzung am 4. Februar) die Resul-
tate einer Untersuchung der hier in Handel vorkommenden Cokes mit. Die Unter-
suchung geschah in Folge einer Aufforderung des hiesigen k. k. Militär- Ver-
pflegsmagazines. Die Cokes, welche von Seite der Wiener Gasanstalten in Han-
del gesetzt werden , sind ein gemischtes Product aus Ostrauer und preussischen
Kohlen, welche gemengt zur Gaserzeugung verwendet werden. Der Gehalt an
Cokes von preussischen Kohlen ist aber darin sehr vorwiegend, da von solchen
die englische Gasgesellschaft jährlich 700.000 Centner, hingegen von Ostrauer
Kohlen nur 300.000 Centner verarbeitet.
Die Probe gab folgende Resultate:
Asche in 100 Theilen 7*3
Reducirte Gewichtstheile Blei i 29 * 80o} ^9*85
Wärme-Einheiten 6745
Und somit sind 7*75 Centner das Aequivalent für eine Klafter 30zÖlligen
weichen Holzes.
Herr k. k. Oberbergrath und Professor Freiherr v. Hin gen au legte die Ein-
ladung des mährisch-schlesischen Werner-Vereins zu dessen allgemeiner Ver-
sammlung am 22. April vor, bei welchem ein Antrag des Vereins-Secretärs, Herrn
C. Schmidt, auf Herstellung einer Bodenkarte von Mähren und Schlesien
berathen werden soll. Da die geologische Landesaufnahme beendigt und die
190
Verhandlungen.
[8]
Karte darüber nebst einer Höhenkarte in Angriff genommen sind, glaubt Herr
C. Schmidt auch eine Karte zur Darstellung der agricol-wichtigen Bodenarten
in Antrag bringen sollen, welche ja das Resultat der Verwitterung der das Land
zusammensetzenden Gesteine sind, und motivirt seinen Antrag in zwei Abhand-
lungen, deren eine „die Beziehungen der Geologie zur Forst- und Landwirt-
schaft“ — die andere „den Plan zur Herstellung der beantragten ßodenkarte“
erörtert. Von beiden legte Freiherr von Hingenau Separatabdrücke aus den
Mitteilungen der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft für Ackerbau, Natur-
und Landeskunde vor und behielt sich vor, wenn diese Anträge beraten sein
werden, weitere Mitteilungen zu machen.
Herr k. k. Bergrath Franz von Hauer legt die Nr. 9 vom 13. März 1862,
der von Herrn Dr. Ferdinand Stamm redigirten Zeitschrift „die neuesten
Erfindungen“ vor, und macht auf einen von errn Dr. Stamm selbst verfassten
Artikel „wo haben wir in Oesterreich Phosphorit Ve aufmerksam, in welchem
nach einer kurzen Darstellung der Wichtigkeit der Phosphor-Verbindungen für
die Zwecke der Agricultur „zunächst an die Reichsgeologen“ folgende Fragen
gestellt werden:
Wo finden wir den Phosphor für unsere Saaten?
Welche Erden enthalten ihn, damit wir solche Ackerkrumen nach Verdienst
schätzen lernen?
Welche Mineralien enthalten Phosphorverbindungen?
Herr von Hauer bemerkt, dass gewiss sämmtliche Geologen unserer
Anstalt gerne bereit sein werden der freundlichen Aufforderung des Herrn
Dr. Stamm nachzukommen und dem von ihm angeregten Gegenstände eine
erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden; zur näheren Beleuchtung desselben
erlaube er sich aber inzwischen einige Bemerkungen anzuknüpfen.
Es kann wohl in der That keinem Zweifel unterliegen, dass wie Elie de
Beaumont bemerkte, der Phosphor zuerst von der Erde kommt, Bischof,
der sich mit genauen Untersuchungen darüber beschäftigte, geht noch einen
Schritt weiter und zeigt dass wahrscheinlich der Apatit oder Phosphorit das
Material nicht nur zu den meisten übrigen Phosphorsäure-Verbindungen des
Mineralreiches, sondern auch für das Pflanzen- und Thierreich geliefert hat.
In der That ist der Apatit (phosphorsaure Kalkerde, mit einem Gehalte von
ungefähr 40 Procent Phosphorsäure) in den mannigfaltigsten primitiven Gebirgs-
arten, im Granit, Gneiss, Glimmerschiefer, Thonschiefer u. s. w., dann wieder
in vulcanischen Gesteinen, namentlich im Basalt und Dolerit, in Laven und
Trachyttuffen u. s. f. an unzähligen Orten nachgewiesen. Seine Löslichkeit in
kohlensäurehaltigem Wasser macht eine Ueherführung des Phosphors in die
Nahrungsstoffe der Pflanzen leicht erklärlich und einmal den organischen Reichen
übergeben, dient dieser in beständigem Kreislauf in der Pflanze zur Nahrung der
Thiere und in den Excrementen und Zerstörungsprodueten des Thieres wieder
zur Nahrung der Pflanze.
Ungeachtet dieser so allgemeinen Verbreitung ist aber doch der Apatit als
Mineral nur sehr selten an einzelnen Stellen in so grosser Menge in den primi-
tiven Gebirgsarten concentrirt, dass an eine Gewinnung für technische Verwen-
dung gedacht werden könnte. Die bekannteren Beispiele eines derartigen
Vorkommens sind der von Daubeny untersuchte 2 Meilen weit fortstreichende
1 bis 16 Fuss mächtige Apatitgang zu Logrosan in Estremadura in Spanien,
der in der Nähe von Granit im Thonschiefer aufsetzt; die zu Krageröe bei
Arendal in Norwegen im Hornblendegneiss vorkommenden mächtigen Nester von
Apatit, die früher bergmännisch ausgebeutet und als Düngmittel nach England
Sitzung vom 18. März. Franz v. Kauer.
191
[9]
verführt wurden, auf welche aber jetzt nach neueren Nachrichten von Zi ttel kein
Bergbau mehr betrieben wird; ebenso soll nach F. Field auf der Grube Merce-
des, östlich von Coquimbo, ein mächtiger Gang von Apatit Vorkommen u. s. w.
Die Fundorte des Minerales in dem österreichischen Kaiserstaate sind nach
dem mineralogischen Lexikon von Zepharovich die folgenden: In Salzburg
Gross-Arl und Schwarzleogang; in Kärnten der Radigraben; in Steiermark
Osterwitz; in Tirol das Zillerthal, Pfitsch, Pregraten und Sterzing; in Böhmen
Zinnwald, Joachimsthal , Ahorn wald, Schlaggenwald und Schönfeld, Pribram,
Neudek; in Mähren Rozna, Bobruwka, Wollein, Marschendorf, Wiesenberg,
Röschitz; in Ungarn Kobolopojana.
An den meisten dieser Orte aber findet sich das Mineral in Krystallen , viel
zu selten in den Gang- oder Gesteinsmassen zerstreut, als dass an eine Gewin-
nung im Grossen gedacht werden könnte; nur in Kobolopojana soll es nach Zip-
ser in losen feinerdigen Theilchen auf einem mächtigen Gange zwischen Quarz
Vorkommen, also unter Verhältnissen, welche vielleicht eine reichere Ausbeute
erwarten liessen ; in Schlaggenwald trifft man es in kugeligen Massen , die mit-
unter einen Durchmesser von einigen Zoll erreichen; auf dem Kraatzerberge end-
lich bei Schön wald in Böhmen findet sich nach Dürre zwischen den in einem
Steinbruch entblössten senkrechten Basaltsäulen in zolldicken Lagen ein schnee-
weisses Mineral, welches grösstentheils aus phosphorsaurem Kalk besteht und
offenbar als Zersetzungsproduct des Basaltes zu betrachten ist. Es ist, wie Kenn-
gott bemerkt, der Osteolith benannten Varietät des Apatits aus dem Dolerit bei
Hanau, der unter ganz ähnlichen Verhältnissen in einem ausgedehnten 4 — 6 Zoll
mächtigen Lager vorkömmt, ganz gleich. Auch hier wäre also vielleicht an die
Aufsuchung grösserer Quantitäten zu denken.
Nebst dem Apatit ist nur noch der Blauspath (Lazulith) zu nennen, der als ein
an Phosphorsäure reicheres Mineral (er enthält davon 41 — 43 Procent an Thon-
erde gebunden) in den krystallinischen Schiefergesteinen in den Alpen von Öster-
reich, Steiermark und Salzburg, namentlich in grösseren Stücken bei Krieglach,
vorkömmt. Doch aber bleibt er stets mehr weniger eine mineralogische Seltenheit.
An die meist auf Gängen vorkommenden phosphorsauren Salze der schweren
Metalle, wie Blei, Kupfer u. s. w., wie Libethenit, Grünbleierz u. s. w. kann
selbstverständlich bei einer Benützung für landwirtschaftliche Zwecke nicht
gedacht werden; selbst auch der Raseneisenstein , der seinen bis auf 10 Procent
steigenden Gehalt an Phosphorsäure offenbar schon der Vermittlung organischer
Thätigkeit verdankt, wird für diese Zwecke kaum in Betracht kommen können.
Wenden wir uns nun zu den sedimentären, Versteinerungen führenden For-
mationen, so scheint es, dass ihr oft nicht unbeträchtlicher und stellenweise auch
in einzelnen Gesteinsbänken hoch concentrirter Gehalt an Phosphorsäure beinahe
nur von fossilen Thierresten herrührt, die in ihnen begraben wurden und dass
dieser Gehalt demzufolge im Verhältniss stehe zu den im Gesteine eingeschlos-
senen Thierresten. Am reichsten sind natürlich jene Schichten, welche Knochen
oder Excremente (Coprolithcn) von Wirbelthieren in grösserer Menge einschlies-
sen; da aber auch die Korallenstöcke gegen y20 Procent Phosphorsäure enthalten
und die letztere in geringerer Menge auch in den Gehäusen der Mollusken ent-
halten ist, so darf man so ziemlich in allen sedimentären Kalksteinen, namentlich
in den in allen Formationen verbreiteten Korallen- und Muschelkalken einen
wenn auch geringen Gehalt an Phosphorsäure voraussetzen, der auch in mehreren
derselben bereits nachgewiesen worden ist.
Bekannt als sehr reich an Phosphorsäure sind insbesondere gewisse
Schichten der mittleren Kreide in England, welche lagenweise Apatitknollen
K. k. geologische Reichsanstalt. 12, Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
192
Verhandlungen.
[10]
enthalten, die man für Coprolithen hält; noch merkwürdiger in dieser Beziehung
ist aber der sogenannte von Claus beschriebene Apatitsandstein in den Gouver-
nements Kursk und Woronesch in Russland, der ebenfalls der Kreideformation
angehörig, bei einem Gehalt von 30 Procent an Kalkphosphat, Schichten von
einigen Zoll bis l*/8 Fuss Mächtigkeit bildet und sich dabei über einen Flächen-
raum von 800 Werst ausbreitet. Nach Keyserling hätten auch für dieses Ge-
bilde Knochen das Material geliefert.
Was nun specieller wieder die österreichische Monarchie betrifft, so lassen
sich ebenfalls einige Sedimentgebilde bezeichnen, in welchen ein höherer Gehalt
an organischen Resten eine grössere Menge an Phosphorsäure erwarten lässt.
In den obersten Schichten der Silurformation Galiziens, hart an der Grenze
des darauf lagernden rothen Sandsteines in der Umgebung von Zaleszczyky am
rechten Ufer des Dniester, bei Uscieczko und zwischen Czortkow und Budzanow,
hei Skorodynee am Szered, beobachtete Herr D. Stur Schichten von Kalk und
Sandstein, in denen Knochenreste und zwar Schilde von Ptcraspis in solcher
Menge Vorkommen, dass sie nach seiner Schätzung mehr als den 20. Theil der
ganzen Gesteinsmasse bilden.
In den Schiefern des Rothliegenden finden sich Coprolithen ganz in der Nähe
westlich von Hohenelbe in Böhmen, woraus man allerdings auf einen Phosphor-
gehalt mit grosser Wahrscheinlichkeit schliessen darf.
In den Kössener Schichten unserer Alpen könnte es vielleicht gelingen an
ein oder der andern Stelle die knochenreiche „ Bonebed “ genannte Schichte
aufzufinden, welche in derselben Formalion in Schwaben und anderwärts be-
kannt ist.
In den jüngeren Jura-, Kreide- und Tertiärgebilden dürften diejenigen
Bodenarten, die muschel- oder korallenreiche Schichten zur Unterlage haben,
leicht einen etwas höheren Gehalt an Phosphorsäure darbieten.
Unter den Diluvialgebilden endlich kann man auf die Knochenbreccien in
Dalmatien, auf die Knochenhöhlen u. s. w. als Aufspeicherungen von Phosphor-
säure hinweisen.
Uebrigens kann man bei unbefangener Betrachtung der ganzen Frage kaum
umhin, daran zu erinnern, dass eine grössere und leichter zu gewinnende Menge
von Phosphorsäure als das Mineralreich sie darzubieten vermag, in unserem Lande
noch durch entsprechende Verwerthung des Inhaltes der Cloaken der grösseren
Städte und Ortschaften, ja selbst in vielen Dörfern gewonnen werden kann. In dicht
bevölkerten und hoch cultivirten Ländern , wo der natürliche Dünger von der
intensiv betriebenen Landwirtschaft völlig aufgebraucht wird und nicht mehr
genügt, greift man naturgemäss zu den schwieriger zugänglichen und darum kost-
spieligeren Producten des Mineralreiches. Bei uns gehen von dem ersteren noch
so ungeheuere Quantitäten unbenutzt verloren, dass man vorerst noch für längere
Zeit ein allgemeineres wirkliches Bedürfnis die noch schlummernde Phosphor-
säure des Mineralreiches der Landwirtschaft auf künstlichem Wege dienstbar
zu machen, kaum voraussetzen kann, um so mehr, da endlich auch durch die von
allen rationellen Landwirten so dringend bevorwortete Vermehrung des Futter-
baues und damit im Zusammenhänge stehende Erhöhung der Viehproduction auch
die Erzeugung von natürlichem Dünger noch ausserordentlich erhöht werden
kann.
Herr k. k. Bergrath Fr. v. Hauer legt eine geognostische Karte des Mittel-
laufes der Lapos, d. i. der Umgehungen von Nagy Somkut, Szurdok Kapolnak
und Magyar Lapos im nördlichen Siebenbürgen vor, welche der k. k. geologischen
Reichsanstalt sammt ungemein wertvollen Erläuterungen von Herrn Franz
Sitzung vom 18. März. Franz v. Hauer.
193
[ii]
Posepny, k. k. Expectanten in Kovaes, eingesendet worden waren. Als Leiter
der Kohlenschürfungen hei dem letztgenannten Orte, hatte derselbe die geologi-
schen Verhältnisse der Gegend in weiterem Umkreise genauer zu studiren
Gelegenheit gehabt; für die freundliche Mittheilung der Ergebnisse dieser
Studien sind wir ihm zum wärmsten Danke verpflichtet.
Die Karte umfasst die Glimmerschiefer-Insel von Preluka am Nordfuss des
Lapos, die Eoeen- und Miocengebilde der nördlichen Umgebung dieser Insel und
den südlichsten Theil des Trachytgebirges des Gutin-Zuges bei Kötelesmezö.
Die Begrenzung dieser Gesteine gegen einander wird im Allgemeinen sehr nahe
übereinstimmend angegeben mit der auf unserer Uebersichtskarte des Landes.
Neu dagegen erscheinen auf Herrn Posepny’s Karte einige Partien von Urkalk
im Glimmerschiefer, die eine zwischen Rodru und Preluka-nova , eine zweite bei
Magura und zwei kleinere bei Macskamezö.
Ueber die Aufeinanderfolge der verschiedenen Schichten der Eocenforma-
tion gab besonders das Thal Casilor südöstlich bei Kovaes gute Aufschlüsse; die
Schichten, die regelmässig vom Glimmerschiefer abfallen, erreichen eine Gesammt-
mächtigkeit von etwa 400 Klaftern. Zunächst auf den Glimmerschiefer legt sich
eine Bank von rothem thonigen Sandstein, die nicht nur hier sondern auch sonst
allenthalben im Gebiete die Grenze zwischen dem Glimmerschiefer und dem
Eocenen bezeichnet. Weiter nach aufwärts folgen dann:
1. Eine Gruppe von vorwaltend thonigen Strafen mit Einlagerungen von
Conglomeraten, etwa 80 Klafter mächtig.
2. Vorwaltend kalkige Gesteine, in welchen aber mit den Kalksteinen
selbst auch Mergel, Sandsteine und Thone in Wechsellagerung treten, denen sich
auch noch Kohlen mit ihren begleitenden Gesteinen, Kohlenschiefern u. s. w. zu-
gesellen. Mehrere Bänke der letzteren sind der ganzen Zone eingebettet; die
mächtigste derselben wurde durch Schürfarbeiten verfolgt. Das Flötz erreichte
stellenweise eine Mächtigkeit von drei, ja selbst von fünfFuss, zeigte aber allent-
halben viele Verdrückungen und Störungen, theilte sich wohl auch in einzelne
schmale Bänke, die sich wieder vereinigten u. s. w. Die Mächtigkeit der ganzen
Gruppe wird auf 100 Klafter geschätzt.
3. Vorwaltend „Tuffgestein“, ein Gebilde, welches auch schon in der ersten
Abtheilung vorkommt; dasselbe ist weich, lauchgrün und grau, und führt Quarz und
Feldspalh. Bei 100 Klafter mächtig.
4. Vorwaltend sandige Gebilde, und zwar dabei ein weicher leicht zu bear-
beitender Sandstein, von dem in der ganzen Gegend ein ausgedehnter Gebrauch
gemacht wird. Mächtigkeit bei 60 Klafter.
5. Wieder vorwaltend kalkige Gesteine, ähnlich denen von Nr. 2, bei
60 Klafter mächtig.
Die Kohlenausbisse lassen sich durch das ganze Gebiet zwischen Käpolnok
und Törökfalu auf eine Erstreckung von zwei deutschen Meilen verfolgen. Zahl-
reiche Kohlensäuerlinge entspringen meist ganz nahe im Hangenden oder Liegen-
den der Kohlenausbisse.
Die Miocengebilde sind dem Eocenen conform aufgelagert und beginnen mit
Letten, die petrographisch von den Gesteinen der letzteren Formation kaum zu
trennen sind; doch ist die Grenze schon in der Beliefform des Landes deutlich
angezeigt; weiter herrschen hauptsächlich graue und grüne sehr unebenflächige
Schieferthone mit Einlagerungen von Sandstein und Tuffbänken. Die wichtigste
Einlagerung bildet Gyps, der mit einem grauen Thon an vielen Stellen einbricht.
Als Fundorte werden bezeichnet: Kovaes, zu beiden Seiten der Strasse am Ein-
gänge in das Dorf, Kiskörtvelyes unterhalb der Kirche, Garbonacz östlich vom
194
Verhandlungen.
[12]
Bade, Dambrovitza, Ungarfalü, Blosa im Vale ploptilor. Auch Salzquellen finden
sich im Gebiete desMiocenen, so bei Kovacs, bei Karulya und Körtvelyes; ausser-
dem kennt man aber auch eine Salzquelle im Gebiete des Glimmerschiefers im
Vale grazdilor bei Remetsiore.
Auch im Gebiete des Miocenen kommen an vielen Stellen Schnüre und
Nester einer schwarzen Mineralkohle vor und bei Laposhanya in einer Bucht im
Trachytgebirge im Vale lujmarin fand Herr Posepny in Begleitung einer schwa-
chen Kohlenschichte grosse Massen von verkieselten Laubholzstämmen und in
den diese einscbliessenden Schiefern eine grosse Zahl von Blätterahdrücken.
Noch erwähnt Herr Posepny des Vorkommens von ausgezeichnetem Num-
mulitenkalk ausserhalb des Gebietes seiner Karte, zwischen Sztrimbuly und Pa-
duruoj im Vale Caldere. In einer Kalkhöhle im Nummulilenkalk der Piatra cel
mnike enthält eine Knochenbreccie eine Unzahl von Bären- und Wolfszähnen.
Eine zweite sehr interessante Mittheilung aus dem nördlichen Siebenbürgen,
die Herr k. k. Bergrath von Hauer vorlegte, verdankt er Herrn Dr. Alexis von
Pävai in Nagy-Enyed. Gelegentlich einer Reise nach Rodna entdeckte derselbe
einen Fundort von Terliärpetrefacten hei dem Dorfe Alsöhagymäs an einem
Seitenbach des Szamos, der zwischen Retteg und Csicsökeresztur in den genann-
ten Fluss mündet. Der Bach theilt sich unterhalb des Dorfes in zwei Arme, die
einen Hügel von etwa 150 Fuss Höhe einschliessen. An den Abhängen dieses
Hügels sieht inan von unten nach oben :
1. Ein grünlich gefärbtes Gestein. (Nach einem übersandten Stückchen:
sandiger Trachyltuff oder Palla.)
2. Sehr verwitterter Sandstein mit den Petrefacten, besonders häufig dar-
unter sind Korallen, Fischzähne, Bivalven, auch ein verkohlter Pinus-Zapfen
wurde hier gefunden. (Unter den übersendeten Stückchen bestimmten die Herren
Dr. Stäche und Dr. Stoliczka: Nulliporen, Cellepora coronopus Lam. und
Eschara cervicornis Lam., Lepralia , Echinus- Täfelchen, Terebratula , ein
Fragment, wahrscheinlich von T. grandis Blumenbach , Ostreu coclilear Poli?
Pecten sp.? und Venus sp . ?)
3. Sandstein, 1—2 Fuss mächtig, darüber etwas Gerolle, dann Dammerde.
Herr von Hauer bemerkte, der von Herrn von Pävai entdeckte Fundort
sei seines Wissens der östliche für marine Neogenschichten im nördlichen Sieben-
bürgen, besonders merkwürdig wird aber derselbe noch dadurch, dass diese
Schichten hier den Trachyttuff überlagern sollen.
Weiter berichtet Herr von Pävai über das Vorkommen sehr zahlreicher
Hirschgeweihe und Knochen zwischen Betlilen und dem südlich davon gelegenen
Dorfe Nagyfalu. Das Bächlein, welches von dort herabkömmt, spült hei Ueber-
schwemmungen den Diluvialboden ab und dann kommen die Geweihe zum Vor-
schein, welche die Bauern sammeln und auf die Dächer ihrer Häuser setzen.
Einige davon haben nach Herrn von Pävai Aehnlichkeit mit den Geweihen des
Cervus Megaceros.
Von Herrn Professor Pichler in Innsbruck erhielt Herr von Hauer zur
Vorlage die folgende Notiz zur Geognosie des Haller Salzberges. „Bereits
früher entdeckte ich in den verhärteten Salzthonen des Haller Salzstockes
Spuren von Pflanzenahdrücken. Im vorigen Herbste fand ich nun ein grosses
Stück von jenem grauen Salzthone, welches nebst den bekannten Pseudomorpho-
sen von Anhydrit noch Steinsalz, eine Menge Kohlenstückchen, manche von der
Länge eines halben Zolles, einschloss. Die Kohle war faserig, seidenglänzend,
schwarz; zwischen die Fasern drängte sich manchmal wasserklarer Gyps ; auch
Schwefelkies fand sich eingesprengt. Da mich der Gegenstand interessirte, so
Sitzung vom 18. März. M. V. Lipoid.
195
[13]
gab ich an Professor Hlasiwetz einige Stückchen zur chemischen Untersuchung.
Er theilt darüber Folgendes mit:“-
„„Die mit dem Messer vorsichtig abgelöste Masse wurde in eine Kugelröhre
gebracht, und diese mit einem, reines, trockenes Sauerstoffgas liefernden Gaso-
meter verbunden.
Das andere Ende der Röhre mündete vermittelst eines angesetzten Knie-
rohres in Barytwasser. Nachdem das Gas eine Zeit lang durch das Barytwasser
getreten war, und man sich überzeugt hatte, dass es völlig kohlensäurefrei ist,
wurde die Kugel erhitzt. Anfangs entwich etwas Wasser, und alsbald verglomm
die Masse mit hellem Licht und das entweichende Gas erzeugte in dem Baryt-
wasser eine starke Fällung von kohlensaurem Baryt.
Von 0-145 Grammen Substanz waren 0 051 Grammen verbrannt. Die Masse
enthielt demnach 35*1 Procent verbrennliche Bestandteile und 64-9 Procent Asche.
Die Asche enthielt Kieselsäure, Eisenoxyd, Thonerde, wenig Kalk, ziemlich
viel Magnesia und Alkalien.““
„Uebrigens habe ich auch im bunten Sandsteine des Höttingergrabens
Schmitzen von Schwarzkohle entdeckt.“
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid machte eine Mittheilung über die Gänge,
welche in dem Eisensteinbergbaue am „Giftberg“ nächst Komorau in Böhmen
vorgefunden werden. Aufschlüsse an Ort und Stelle über dieselben und mehrere
sehr lehrreiche Gangstufen von daher erhielt derselbe von dem Bergverwalter
Herrn Heinrich Becker in Komorau, der sich mit besonderem Eifer dem Stu-
dium jener Gänge und der Aufsammlung interessanter Stufen widmet.
Das Giftberger Eisenstein la ger in den Komorauer Schichten der silurischen
Grauwackenformation besteht aus Roth- und Spatheisensteinen, welche 2 — 7 Fuss
mächtig auftreten. Das Lager streicht von SO in NW, und fällt mit 10 — 20 Grad
in NO ein. Bei dem Abbaue dieses Lagers haben sich nun 2 Systeme von Klüften
bemerklich gemacht, deren eines nahezu dasselbe Streichen und Einfallen, wie
das Eisensteinlager, besitzt. Die Klüfte dieses Systems sind mit Letten oder
Trümmergestein ausgefüllt, und verwerfen das Lager zum Theil bis auf 14 Klafter.
Von Mineralien findet sich in denselben nur in Hohlräumen Baryt vor. Die Klüfte
des anderen Systems oder die eigentlichen Gänge des Giftberges streichen im
Durchschnitte von Süd in Nord, und sind grösstentheils steil stehend. Sie ver-
werfen das Eisensteinlager nicht bedeutend, sind aber durch die Mineralien,
welche sie, besonders wo sie das Eisensteinlager durchsetzen, führen, ausge-
zeichnet. Diese Mineralien sind: Quarz, Braunspath, Baryt, Eisenspath, Fahlerz,
Pyrit und Zinnober.
Herr Bergrath Lipoid suchte aus den von Herrn Becker an die k. k.
geologische Reichsanstalt eingesendeten Gangstufen die Paragenesis, in welcher
obige Mineralien in den Giftberger Gängen sich gebildet haben, festzusetzen,
und es ergab sich hiebei nachstehende Altersfolge: Quarz (Jaspis), Rotheisenerz,
Pyrit, Eisenspath, Baryt, Zinnober, Braunspath. Den Platz, welchen in dieser
Reihe das Fahlerz einnimmt, konnte Herr Lipoid wegen Mangel maassgebender
Stufen nicht bestimmen.
Herr Lipoid erwähnte, dass Herr Professor Dr. A. Breithaupt in seiner
„Paragenesis der Mineralien“1) die Giftberger Gänge in die „Barytische Mercur-
Formation“ einreiht, welche nach ihm eine der jüngsten Gangformationen ist,
während er die Pfibramer Erzgänge zu den viel älteren Gangformationen, näm-
lich der pyritischen und klinoedrischen Blei- und Zinkformation beizählt.
D Freiberg 1849, Seite 258.
196
Verhandlungen.
ru]
Bezüglich des Alters der Giftberger Gänge machte nun Herr Bergrath Lipoid
darauf aufmerksam, dass dieselben allerdings noch die Brda-Schichten der unter-
silurischen Grauwackenformation (Barrande’s Etage D.d 2) , somit viel jüngere
Schichten durchsetzen, als die Pribramer Erzgänge, deren zu Tagetreten bisher
nur in der Pribramer Grauwacke (Barrande’s Etage B ) bekannt wurde; es sei
aber von besonderem Interesse, dass, so wie die Pribramer auch die Giftberger
Erzgänge vorherrschend und im Durchschnitte dasselbe Streichen von Süd in
Nord und dasselbe steile Einfallen besitzen.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle legte eine Mittheilung des. Herrn Herr-
schafts-Inspectors Karl Gregory zu Besko, zwischen Rymanow und Zarszyn in
Galizien, über das dortige Vorkommen von Naphtaquellen vor. Es gehört dieses
Vorkommen von Naphta bei Besko jener Zone von bitumenreichem Schiefer an,
welche sich an die Kreideformation des Karpathensandsteines des Grenzgebirges
anschliessend, beinahe ohne Unterbrechung von Saybusch in östlicher Richtung
über Neu-Sandec, Gorlice und Dukla zieht, auch in dem südöstlichen Theile
Galiziens in bedeutender Ausdehnung fortsetzt und in die Bukowina, so wie auch
wahrscheinlich in die Moldau fortzieht; die bei Crybow und Gorlice darin auf-
gefundenen Fischabdrücke sind mit den von Saybusch schon früher her bekann-
ten identisch, und für die tertiären Menilitschiefer charakteristisch. Ueber diese
Zone, so wie über das Auftreten von Naphta darin, hatte Herr Bergrath
F. Foetterle bereits in der Sitzung vom 29. November 1859 (Jahrbuch,
10. Jahrg., 1859, Verhandlungen Seite 183) berichtet, und darf wohl die nach-
folgende Mittheilung des Herrn Karl Gregory über das Vorkommen bei Besko
als ein sehr erwünschter Beitrag zur weiteren Kenntniss dieser Schieferabthei-
lung betrachtet werden, wofür wir dem Herrn Einsender zum grössten Danke
verpflichtet sind.
„Schon seit mehreren Jahren“ schreibt Herr Gregory „wird am nörd-
lichen Abhange der Karpathen mit manchem glücklichen Erfolge nach Naphta
gegraben; denn die Spuren derselben liegen sehr oft zu Tage, besonders aber
zeigen sich diese Spuren in einer Entfernung von 2 bis 3 Meilen von der Wasser-
scheide, oder dem höchsten Bergrücken des Karpathengebirges, hier Beskid
genannt; ja ich möchte sagen, diese Spuren finden sich nur ausschliesslich in der
dritten Entfernungsmeile von den höchsten Bergkämmen, also ungefähr 8 — 10.000
Klafter nördlich von der ungarischen Grenze. Näher zu dieser Grenze ist mir,
trotz allen Suchens und Forschens noch keine Spur von Naphta vorgekommen,
ebenso sind gegen das flache Land hin und zwar ausserhalb dem Bereiche der
dritten Entfernungsmeile keine dergleichen Spuren aufzufinden; hingegen ist der
ganze Gebirgsstrich in der eben bezeichneten Richtung fast durchgängig mit Naphta
versehen, und finden sich die Spuren derselben fast in jeder Tiefe des Bodens.
Ein sehr merkwürdiges, mit eben diesen Andeutungen eng in Verbindung stehen-
des Phänomen sind die Gasquellen in der bekannten Jod-Badeanstalt Iwonicz, von
hier l*/4 Meilen entfernt. Ein starker Gasstrom quillt aus der Erde empor, dessen
Dasein sich durch polterndes Aufstossen eines, zufällig dort entstandenen kleinen
Wasserbehälters, schon in einiger Entfernung kund gibt, ein brennender Fidibus
in die Nähe dieser aufsteigenden Welle gebracht, entzündet explodirend das aus-
strömende Gas und eine bisweilen mannshohe Flamme lodert in sich fortwährend
wiederholenden Stössen, aber ununterbrochen empor. Diese Quelle ist nicht die
Einzige; noch mehrere andere finden sich im Rayon dieser Badeanstalt und auf
einigen Stellen braucht man nur den Stock in die etwas sumpfige Erde zu stossen
und während des Herausziehens eine Flamme an das Loch halten, um augen-
blicklich ein Gasflämmchen aufflackern zu sehen.
[IS]
Sitzung vom 18. März. F. Foetterle.
197
In dem oben angedeuteten Gebirgsstrich kann man oft, besonders in waldi-
gen Schluchten, den eigenthümlichen bituminösen Naphtageruch verspüren,
welcher dann entweder das Dasein unbemerkbarer Gasquellen oder Naphta
bekundet. Dieser Geruch ist fast immer in den frisch gegrabenen Brunnen dieser
Gegend vorherrschend; ja hier im Orte ereignete es sieb, dass die fortwährende
bituminöse Atmosphäre eines frischgegrabenen Brunnens das Wasser ungeniess-
bar machte.
Die Gebirgsschichten, die das bezeichnete Hügelland in seinem Innern birgt,
stehen hie und da fast senkrecht, meistentheils sind sie aber nach Norden ge-
neigt, und bestehen aus Schiefer von verschiedener Beschaffenheit, Mächtigkeit,
Härte und Farbe. Ein grauwackenartiges Gebilde, in welchem sehr häufig Ab-
drücke von Baumästeri und Blättern Vorkommen, nebst geradspaltigem und
Bröckelschiefer mit dazwischen eingepressten Lehmschichten bildet die Unter-
lage der oberflächlichen, lehmigen und lehmig-sandigen Erdkrume. Die Fär-
bung dieses Gesteines ist vorherrschend bläulichgrau, oft auch gelblichgrau
und das Erstere im frischen Bruche stets von starkem bituminösen Geruch
begleitet. Wo die Spuren von Naphta deutlicher hervortreten, ist sowohl das
Gestein als auch der Schiefer von schwärzlicher dunkler Farbe, die sich jedoch
an der Luft in ein bläuliches Grau verwandelt. Den so eben bezeichneten Schiefer
könnte man mit Becht Naphtaschiefer nennen; denn nicht nur scheint derselbe
von Naphta ganz durchdrungen zu sein, sondern sie findet sich auch meisten-
theils in demselben. Höher gegen den Gebirgskamm zu, ausserhalb der bezeich-
neten Naphtaregion herrschen wohl auch noch diese Schiefergebilde vor, sind
aber mehr von grauer als bläulichgrauer Farbe und wechseln häufig mit einem
sehr grobkörnigen, oft sehr zerklüfteten Sandstein, der hier und da vortreffliche
Mühlsteine liefert. Auch Kalksteine, schwammartige, poröse, aber sehr feste
Gebilde, hier und da mit Eisenoxyd gefärbt; häufig aber auch ein vortreff-
licher Cementkalkstein findet sich in dieser Region. Eben so fand ich an einer
Stelle Grünsteinschiefer, welcher mit Quarzsteinlagern von stark eisenhaltiger
Uebersinterung in stehenden von 6 Zoll bis 2 Fuss breiten Schichten wechselte.
Salzquellen finden sich in diesem Bereiche sehr häufig, ja fast mehr wie in der
Naphtaregion.
Den eigentlichen Impuls zum emsigen Naphtasuchen in hiesiger Gegend gab
vor einigen Jahren Herr Trzeciecki. In dem Walde seines Nachbars fand sich
nämlich seit undenklichen Zeiten eine Naphtaquelle, die aber bis nun zu, wie
überall, unbeachtet und unbenützt geblieben; als aber das Naphta -Photogen in
Anwendung kam, war Herr Trzeciecki der Erste, welcher aus dieser unbedeu-
tenden Quelle die Destillation in Angriff nahm; da aber die Quelle nur ein sehr
geringes Quantum Naphta lieferte, so versuchte er es durch Grabungen auf eine
ergiebige Quelle zu treffen, was er mit staunenswerther Beharrlichkeit durch
3 Jahre fortsetzte. Schon waren 17 Brunnen mit einem Kostenaufwande von
4000 Gulden vergebens gegraben, bis endlich der 18. Brunnen alle Anstrengun-
gen reichlich belohnte. Eine Quelle wurde in demselben aufgedeckt, welche noch
bis heute zu ununterbrochen täglich 300 Garnez Naphta liefert. Noch andere
Brunnen wurden in der Nähe gegraben und alle mit gleichem Erfolge. Bei
1000 Garnez Naphta werden täglich aus diesen Brunnen geschöpft und bis nun
zu ohne alle Unterbrechung. Der Ort dieser Quellen ist auf jeder gewöhn-
lichen Karte sehr leicht zu finden. Eine^gerade Linie von dem Städtchen Dukla,
zu dem nahe gelegenen Städtchen Krosno gezogen und diese Linie in 3 Theile
getheilt, gibt zwischen dem 2. und 3. Theilungspunkt von Dukla aus genau den
Ort an, wo sich diese ergiebigen Naphtaquellen befinden.
198
Verhandlungen.
[16]
Nicht so glücklich ist man in der Gegend von Sandec. Dort befanden sich
Quellen, die durch mehrere Jahre hindurch 30 bis 40 Garnez Naphta täglich
lieferten, die aber plötzlich in diesem Herbste bis auf einige Garnez täglich ver-
siegten; ob sie neuerdings zu ihrer früheren Ergiebigkeit umgeschlagen, ist mir
bis jetzt unbekannt geblieben. In der Nähe des Städtchens Gorlice finden sich
ebenfalls viele, aber nicht sehr ergiebige Naphtaquellen; aber hervorzuheben ist,
das sich in jener Gegend vorfindende, asphaltartigen Erdpechlager, welches auf
warmen Wege mit Sand gemengt, eine vortreffliche Asphaltmasse liefert. Unsere
unbedeutende Industrie, hat trotz dem Bemühen des früheren Besitzers des Fürsten
Jablonowski noch keinen Nutzen daraus ziehen können. In nächster Nähe von
Besko, welches s/4 Meilen östlich von dem Städtchen Rymanow liegt, wurde in
diesem Herbste mittelst Nachgrabung, in einer Tiefe von 4 — 5 Klafter ebenfalls
eine Quelle aufgedeckt, welche täglich lo — 16 Garnez lieferte, die aber
plötzlich im Spätherbste versiegte und jetzt nicht mehr als 1 — 2 Garnez täglich
abwirft. Dergleichen Fälle wiederholen sich in hiesiger Gegend, wo das Suchen
und Graben nach Naphta an der Tagesordnung ist, sehr häufig. Glücklicher
indessen ist die Gegend bei Drohobycz, die grosse Quantitäten Naphta liefert,
aber ausser diesen und den oben im Detail geschilderten Ergebnissen, sind die
Resultate im Allgemeinen nicht die Entsprechendsten, weil es sehr häufig vor-
kommt, dass die aufgefundenen Quellen nach einiger Zeit versiegen, dasselbe war
auch hier in Besko der Fall.
Nachdem ich im Allgemeinen die Resultate der in hiesiger Gegend ange-
stellten Grabungen nach Naphta skizzirt , sei es mir gestattet , noch das
Wichtigste über die Lage und den Bestand der hiesigen Naphtaspuren , denn
Quellen sind .sie nicht zu nennen, mitzutheilen. Zwischen zwei, mit dem Haupt-
rücken des Gebirges parallelen Ausläufern desselben, liegt eine, beiläufig
eine Quadratmeile grosse Ebene, die westlicher Seits in einen Morast endet.
Diese Hügel indessen sind noch nicht die letzten nördlichen Endzweige der
Karpathen ; denn diese ziehen sich noch bis Przemysl in einer Strecke von
6 Meilen; indessen die Entfernung von hier bis zum höchsten Rücken der
Wasserscheide in gerader Richtung beiläufig 2 Meilen betragen mag. Südlich
von der genannten Ebene, also in der Richtung gegen das Gebirge hin, erhebt
sich diese Hügelkette in sanfter Neigung, häufig von ausgewaschenen Schluchten
durchschnitten. In einer der Letzteren ungefähr 400 Klafter von der bezeichneten
Ebene, gegenüber dem Moor und zwischen bewaldeten Anhöhen findet sich die
eine Spur von Naphta. Die im Spätherbste dieses Jahres daselbst angestellten
unbedeutenden Nachgrabungen führten bis jetzt zu keinem Resultate. Zwischen
den mit Bröckelschiefer wechselnden, in ebenso schräger Lage stehenden Stein-
schichten sickert die Naphta in sehr unbedeutender Quantität durch; jedoch
ist das Gestein in seinen Zerklüftungen, besonders aber der Brockel- und
Naphtaschiefer mit Naphta innig durchdrungen. Das Durchsickern derselben
findet nach allen Seiten der Nachgrabung statt, und da dieselbe in horizon-
taler Richtung vorgenommen wurde, selbst von unten herauf. Das stark
ausquellende Wasser wird bei den tieferen Grabungen stets ein bedeutendes
Hinderniss auf dieser Stelle bleiben. Die zweite Quelle liegt fast in derselben
Richtung ungefähr 300 Klafter südlich, ebenfalls in einer tiefen Schlucht. Die
Nachgrabungen wurden so wie bei der ersteren in horizontaler Richtung
betrieben , um bei fortwährender Verfolgung der entgegensickernden Naphta an
den Punkt zu gelangen, wo die Quelle in den Schieferschichten bergeinwärts
kennbar wird, um erst dann entweder in die Tiefe oder in horizontaler Richtung
einzuschlagen. Auf diese Art wurden die mit Erde bedeckten Steinschichten an
Sitzung vom 18. März. D Stur.
199
[17]
der Berglehne im Profil blossgelegt, welche hier mehrere mit Thonsehichten
wechselnd, von besonderer Mächtigkeit und bedeutender Härte sind; besonders
war die, an ein sehr mächtiges Schieferlager stossende, 6 Fuss breite Lage so
hart, dass sie mit Pulver gesprengt werden musste. Zu dem genannten Schiefer
angelangt, welcher von Naphta innig durchdrungen zu sein scheint, verschwanden
alle Spuren von durchquellender Naphta, und nur aus den Spalten des letzt-
bezeichneten Gesteins quoll die Naphta so ergiebig, dass am ersten Tage bei 30,
aber am nächstfolgenden blos einige 20 Garnez gesammelt wurden , diese
Abnahme des Naphtaausflusses nahm aber von Tag zu Tag so zu, dass 3 Tage
nachher fast nichts mehr gesammelt wurde. Zu dieser Zeit stellten sich starke
trockene Fröste ein, die nicht nur die Nachgrabungsarbeiten unterbrachen, son-
dern auch höchst wahrscheinlich ein so starkes Zusammenziehen der oberen
Erdschichten bewirkten, dass zufolge dieses Umstandes theilweise der Ausfluss
der Naphta gehemmt wurde.
Die in einem Schreiben des Herrn Prof. Dr. Braun, Bayreuth vom 29. No-
vember v. J. enthaltene Ansicht „das Pflanzenlager von Veitlahm bei Ku Irn-
berg fällt mit oberem Lias zusammen; was durch Kurr’s Cupressites liasinus
( Widdringtonites sp. En dl.) und Zamites gracilis Kurr ( Otozamites brevi-
folius F. Braun), die beide auch in Veitlahm Vorkommen, sich zur Genüge
beweiset“ (Jahrbuch der k. k. geologischen Beichsanstalt 1861 — 1862, Verh.
S. 144) — stand im Widerspruche mit den Angaben des Herrn Prof. Dr.
Const. v. Ettingshausen, nach welchen Otozamites brevifolius auch bei
Theta Vorkommen sollte, welches Lager oben 1. c. Herr Prof. Dr. Braun mit
unterem Lias parallel stellt.
Herr Prof. Braun, aufmerksam gemacht auf diese Widersprüche, hat ein
weiteres Schreiben vom 6. Februar 1862 an Herrn Hofrath W. Haidinger
gerichtet, aus dem Herr D. Stur das Folgende mittheilt.
„Die in Prof. v. Ettingshause n’s: Begründung einiger neuen oder nicht
genau bekannten Arten der Lias- und der Oolithflora (Abh. der k. k. geologischen
Reichsanstalt, I., 3. Äbth., Nr. 3) auf Taf. II abgebildeten sechs Stücke sind
nicht von dem Fundorte „Th et aff, sondern von Veitlahm bei Kulm-
bach. Die Fundorte sind verwechselt worden, was aber in sofern von
Bedeutung ist, da beide Fundorte sehr abstehende Horizonte
haben. Die Pflanzen von Theta sind älter, die Veitlahmer liegen dagegen höher.
Nicht die leiseste Spur von Otozamites brevifolius (Fig. 6) noch von Podoza-
mites distans (Fig. 5) fand sich bei Theta.“
„Die Fig. 1, 2, 3 derselben Tafel sind keine Thinnf eidien oder Coniferen,
sondern Farnkräuter, was schon die Nervation erweisen dürfte, zu dem habe
ich dieselben mit Fruchthäufchen! — Anfänglich hielt ich sie für Pachypteri-
den Brong., überzeugte mich aber bald, dass sie geeigenschaftet sind , eine
selbstständige neue Gattung zu begründen. Die Halochloris baruthina Ett.
Fig. 4, ist identisch mit Pilularites Braunii Go epp.“
„Die Podozamiten halte ich für Coniferen, für Dammarae. Ich besitze
Zweige mit den charakteristischen bleibenden Deckschuppen der Perula oder
Knospendecke.“
„Presl’s Tax odit es Münster ianus von Reindorf bei Bamberg ist zweifels-
ohne identisch mit Palissya Braunii En dl.“
„Diese Mittheilungen“, sagt endlich Herr Prof. Braun, „erlaube ich mir
nicht etwa in der Absicht zu tadeln, oder um das Besserwissen leuchten zu
lassen, sondern lediglich der an mich ergangenen Aufforderung entsprechend,
vorzulegen.“
K. k. geologische Reichsanstalt, lg, Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
200
Verhandlungen.
[18]
Wir sind Herrn Prof. Dr. Braun für diese Mittheilung zu grossem Danke
verpflichtet und huldigen nicht nur dem Wahlspruch : „demontrer une erreur,
c’est plus que decouvrir une verite“, sondern sind auch überzeugt, dass derlei
Fehler, die doch häufig in der Wissenschaft vorfallen, aus Rücksichten, welcher
immer Art, geduldet, directen Schaden dem Fortschritte entgegenstellen.
Weiter gibt Herr D. Stur seine zweite Mittheilung über die geolo-
gische Uebersichtsaufn ah me von West-SIa vonien.
„In meiner ersten Mittheilung (Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanstalt XII.
1861 — 1862. Verh. pag. 115) habe ich angedeutet, dass in den Berggruppen
West-Slavoniens nur ältere Formationen erscheinen und diese sich auf krystal-
linische Gesteinsarten und auf Gesteine der Trias beschränken. Diese beiden
Formationen sind es, über die ich heute ausführlicher sprechen will.
Die krystallinischen Gesteine bilden den grössten Theil des Or-
lja va-Gebirges und erscheinen auf einem sehr beschränkten Raume in der
Pozeganer Berggruppe. In der Brooder Gruppe fehlen sie wie die
Triasformation gänzlich.
Der Pass westlich bei Karne iis ko aus dem Pozeganer Kessel in die Gegend
um Pakrac, theilt das Orljava-Gebirge in einen südlichen, östlich von Pakrac
liegenden, und in einen nördlichen östlich von Daruvar sich erhebenden und bis
Gradac nach Ost fortziehenden Theil.
Im südlichen Theile des Orljava-Gebirges linden sich folgende hierher
gehörige Gesteinarten :
Granit bestehend aus rauchgrauem Quarz, gelblichem Orthoklas, braun-
bis goldgelbem Glimmer, gewöhnlich grobkörnig, mit eingewachsenen grossen
Orthoklaszwillingen. Quarz und Feldspath sind gewöhnlich inniger mit einander
gemengt, während der Glimmer in grösseren Anhäufungen vorhanden, dem Granit
ein flaseriges Ansehen verleiht.
Dieser Granit erfüllt das, oberhalb Rogolje gelegene Wassergebiet des
Slobostina-Baches, der bei Okucane (Gradiskaner Grenz-Regiment) sich in die
Save-Ebene ergiesst, und reicht nach Norden bis an die Orte Brusovac, Lipovac
und Bielaci, östlich von Pakrac.
Im Gebiete dieses Granits wurde südlich von Lipovac, östlich von Pakrac
ein feinkörniges Gestein beobachtet, ein Syenit, der aus gelblichem Orthoklas,
dunkelgrüner, vor dem Feldspath vorherrschender Hornblende und sehr wenigem
Glimmer zusammengesetzt ist. Quarz scheint gänzlich zu fehlen.
Sowohl im Norden als auch im Osten und Süden ist dieses Granitmassiv
von krystallinischen Schiefergesteinen umgeben. Die herrschende Gesteinart ist
hier ein schieferiger, sehr feinkörniger G n eis s mit Uebergängen in Glimmer-
schiefer.
Das Gestein besteht vorherrschend aus rauchgrauem Quarz, wenigem weis-
sen Feldspath und noch seltenerem Glimmer, der letztere meist nur in ganz
kleinen und mikroskopischen Schüppchen vorhanden. Das Gestein hat eine
dunkle, grünlich graue Farbe. Dem Gneisse untergeordnet treten Hornblende-
gesteine auf. Ein Vorkommen derselben von grösserer Ausdehnung ist bei
Sagovina , nordwestlich von Cernik besonderer Erwähnung werth. Das hier, in
den Bächen überall aufgeschlossene Gestein besteht vorherrschend aus dunkel-
grüner bis schwarzer Hornblende, stellenweise ausgeschiedeiiem Feldspath und
ebenfalls in veränderlicher Menge vorhandenem dunkelgrünem feinschuppigem
Glimmer.
Körniger Kalk fehlt diesem Gebirge gänzlich bis auf ein eigentümliches
glimmerschieferartiges Gestein, das nördlich bei Orljavac an der Strasse nach
Sitzung vom 18. März. D. Stur.
[19]
201
Kamensko, eine halbe Klafter mächtig ansteht und das in Berührung mit Säuren
aufbraust.
Im Süden und Osten streichen diese Gesteine von Südwest nach Nordost
und fallen nach Südost mehr oder minder steil. Im Norden des Granitmassiv
fallen die krystallinisehen Schiefer nach Süden.
Dieser krystallinische Kern des südlichen Orljava-Gebirges wird nach allen
Richtungen von tertiär-neogenen Ablagerungen umgeben und zum Theil findet
man auch diese letzteren dem Grundgebirge aufgelagert, so namentlich bei den
Orten Brusova, Lipovac und Sumetlica. Nur in der Umgebung von Kamensko ist
ein unmittelbarer Zusammenhang des Grundgebirges im südlichen und im nörd-
lichen Theil des Orljavagebirges blossgelegt.
Von Kamensko in nordwestlicher Richtung bis nach Doln-Korenicany , in
nördlicher bis nach Vucin und in nordöstlicher Richtung bis nach Drenovac und
bis östlich vor Orahovica ist das Granitmassiv des nördlicheren Theiles des
Orljava-Gebirges ausgedehnt.
Aus der Umgebung von Kamensko, die noch im Gebiete der krystallini-
schen Schiefergesteine liegt nach Norden dem Orljavabache folgend, hinter
den Häusern von Vucjak, dem letzten Orte vor der Glashütte Zvecovo, er-
reicht man den Granit, der dann von da bis an die angegebene Begrenzung
überall zu Tage tritt, wo derselbe nicht von jüngeren Ablagerungen, namentlich
tertiären Geröll- und Conglomeratschichten wie in der Gegend zwischen Borky
und Zvecovo überdeckt wird. Am schönsten und grossartigsten ist der Granit in
der Gegend südlich von Drenkovac bis zur gegenwärtig verlassenen Glashütte
Jankovac entwickelt. Von Jankovac herab bis in das Kovaca-Thal steigt man
sehr steil herab und findet sich ganz unerwartet am Fusse eines schönen
Wasserfalles. Derselbe fällt über eine steile Wand von Kalktuff, die der über
eine Granitwand herabstürzende, aus Kalkgebirgen emporquellende Bach hier
abgesetzt hat. Erst am Kovaca-Bache wird unter dem Tuff der Granit sichtbar
und dauert nun bis nach Drenovac. Grosse Blöcke des Granits liegen im Bach-
bette und auf den Gehängen herum und alles das hüllt ein riesiger Buchenwald
in ein kühles feuchtes Halbdunkel. Der Granit ist hier von allen übrigen Vor-
kommnissen am grobkörnigsten ausgebildet, so dass die Feldspathkrystalle bis
zollgross sind.
Im Osten von Daruvar sowohl, als auch im Süden von Drenovac, von Velika
quer über das Orljava-Gebirge bis nach Orahovica, liegen auf dem Granit Trias-
gebilde, von denen weiter unten ausführlicher gesprochen wird, und überdecken
dasselbe vollends. Erst am östlichen Ende des Orljava-Gebirges , in der Umge-
gend nördlich von Kutjevo und Gredistje bis Gradac treten unter den
Triasgebilden die krystallinisehen Gesteine wieder zum Vorschein. Es ist kaum
ein Zweifel vorhanden, dass dieses Gebirge die Fortsetzung der krystallinisehen
Schiefer des südlichen Orljava-Gebirges und der Umgebung von Kamensko bil-
det. Doch herrscht hier in den Gesteinen Glimmer vor, so dass man hier nur
glimmerreiche Gneisse mit wenig Quarz und Feldspath und beinahe rein aus
Glimmer bestehende Glimmerschiefer findet. Ein eigenthümliches Vorkommen
bildet der Glimmerschiefer auf der Höhe des Passes von Bektes nach Nasiee,
der hier unmittelbar an der Grenze gegen das die Spitze einnehmende grob-
eckige Trachytconglomerat auftritt. Er ist schwarz , graphitähnlich abfärbend,
mit vielen silberweissen Glimmerblättchen und führt in kleinen zerfressenen
Hohlräumen Brauneisenstein. Am Eingänge in die Einthalung des Baches, der
nach Bektes fliesst, findet man ein Hornblendegestein, eigentlich Hornblende-
gneiss, dem Glimmerschiefer eingelagert.
aa*
202
Verhandlungen.
[20]
Endlich erscheint in diesem Gebirgstheile auch noch körniger Kalk in
mehreren schmalen Schichten dem Grundgebirge eingelagert, wovon drei aus-
geschieden werden konnten. Dieselben finden sich an der Strasse oberhalb
Gredistje, nordöstlich bei Bektes anstehend, sind jedoch nur, so weit die Strasse
reicht, zu verfolgen, in dem sie rechts und links im Walde unkenntlich werden.
In der Axe dieses krystallinischen Gebirges erscheint nördlich von Kutjevo
ein von West nach Ost gedehnter Granitstock. Der Granit ist reich an Orthoklas
mit wenigem Oligoklas, Glimmer und Quarz. Grosse Blöcke dieses Granits liegen
im Bache kaum einige Klafter vom Anstehenden abwärts, vollständig abgerundet
mit glänzender, wie polirter Oberfläche herum. Die Gneissschichten unterteufen
im Süden und überlagern im Norden den Granit, so dass derselbe als ein förm-
liches Lager in den krystallinischen Schiefern auftritt.
Das Vorkommen der krystallinischen Gesteine im Pozeganer Gebirge
ist nur auf eine sehr geringe Stelle mitten im dichten Walde, am Ausgange des
schmalen und sehr tiefen Thaies, das sich von Verhovci gegen Novoselo herab
ergiesst, beschränkt, wo in einem Wasserrisse grobkörniger feldspathreicher Gra-
nit und flaseriger Gneiss anstehend, beobachtet wurden.
Die Triasformation und ihre Gesteine finden im Orljava-Gebirge
ebenfalls die bedeutendste Ausdehnung. Dieselben finden sich in zwei abgeson-
derten Partien in einer westlichen, in der Tongebung von Daruvar, und in einer
östlichen in der Umgebung von Velika und von da in nordöstlicher Richtung
quer über das Orljava-Gebirge bis in die Umgebung von Orahovica verbreitet.
Die Triasformation besteht aus zwei Gliedern, wovon das untere aus ver-
schiedenfarbigen Schiefern , das obere aus grauen Kalken und Dolomiten zu-
sammengesetzt wird.
Die westliche Daruvarer Partie der Triasformation ist nur sehr
wenig überdas tertiäre Land erhoben, so dass man nur die Kalkrücken untersuchen,
und an die liegenden Schiefer nirgends gelangen kann. Erst an der östlichen
Grenze gegen das Granitgebirge wird an einigen Stellen der Schiefer sichtbar.
So namentlich in der Umgebung des Klosters Pakra, südöstlich von Daruvar,
findet man oberhalb des Klosters an der Biela unter dem Kalk und Dolomit des
Thaies rothe Schiefer hervortreten, die an den Ufern des sich vielfach winden-
den Baches zum Vorschein kommen. Ebenso findet man diesen Schiefer auch noch
nördlich von Dobrakuca an einigen Orten entblösst.
Die Kalke und Dolomite dieses Triasgebirges sind licht oder dunkler grau.
Eigenthümlich ist die Entwickelung der Triaskalke in einem tief aufgerissenen
schmalen Thale östlich von Markovac, östlich von Daruvar. Der Ort selbst ist
auf einer Anhöhe gebaut, von welcher ein Fusssteig zu den Mühlen des Ortes
herabführt. Verfolgt man nun das Mühlwasser aufwärts, so gelangt man, nach
Ost sich wendend, in das erwähnte Thal, wo man in senkrechten Wänden einen
rothen, dem Hallstätter Kalke sehr ähnlichen Kalk findet, dessen Schichten hier
nach West fallen. Weiter aufwärts nach einigem Hin- und Herwinden wendet
das Thal plötzlich nach Nord ein, und man sieht weiter aufwärts wieder nur den
Dolomit und grauen Kalk, der nach dem Bachgerölle zu schliessen, im oberen
Gebiete des Thaies, das übrigens auf der Aufnahmskarte gar nicht angedeutet ist,
herrschen muss. Trotz des eifrigsten Suchens gelang es mir nicht, auch nur eine
Spur von Versteinerungen in diesen rothen , auch Hornsteine führenden Kalken
zu entdecken.
Im Parke von Daruvar ist ein dunkler, mergeliger Kalk entblösst, aber auch
nur im Gebiete des Steinbrucbes verfolgbar, der ein anderes Ansehen darbietet
als die von demselben durch tertiäre Ablagerungen weit5 getrennten Triaskalke;
Sitzung vom 18. März. D. Stur.
203
[21]
er dürfte einer jüngeren Formation , etwa den Kössener Schichten angehören.
Spuren von einem Pecten, der auf den Schichtflächen hie und da sichtbar ist,
haben diese Vermuthung wachgerufen.
Viel interessanter und besser aufgeschlossen erscheint die Velika-Orahovi-
caer, östliche Partie der Triasgebilde im Orljava-Gebirge.
Velika liegt am Ausgange zweier Thäler von alpinischem Charakter, die
durch einen schmalen Rücken, dessen südliches Ende eine Ruine krönt, von
einander getrennt werden.
Die Ruine Velika und ihre Umgebung ist von grosser Wichtigkeit, weil un-
mittelbar unter derselben Versteinerungen gefunden wurden, nach denen die Be-
stimmung der ganzen Schiefergebilde West-Slavoniens vorgenommen werden
musste.
Zunächst an tertiäre Ablagerungen schliesst sich bei Velika in nördlicher
Richtung ein Zug von Schiefern, der von WNW nach OSO zieht. Dieselben sind
besonders gut am rechten Gehänge des östlicheren Thaies bei Velika entblösst,
als rothe, graue und gelblich weisse Schiefer, wovon die beiden ersten den
Schiefern von Werfen gleichen, während die letzteren ein gneissähnliches Ansehen
darbieten. Die Schichten fallen deutlich unter 43 — 30 Graden nach S, unter
der Ruine sind sie beinahe senkrecht aufgerichtet. Im Liegenden dieser Schiefer
folgt grauer oder dunkelgrauer, mehr oder minder dolomitischer Kalk, der hier
einen mit den Schiefern parallelen Zug bildet. Das Einfallen ist ganz conform
dem des Schiefers. In diesem Kalkzuge ist eine 2 — 3Fuss mächtige Schichte eines
graubraunen Thonschiefers eingelagert, der von der Ruine nach W, auch noch
im Östlicheren Thale von Velika genau zu verfolgen ist. Der Thonschiefer ent-
hält Spuren von Versteinerungen. Eine einzige Art: Halobia Lommeli Wissm.
konnte Herr Dr. Hörnes von da mit Sicherheit bestimmen. Ausser dieser liegt
noch eine Posidonia vor. Im Liegenden dieser Schieferschichte sind im Kalke
Schichten mit Crinoiden und Durchschnitten von Rivalven beobachtet worden.
Das Liegende des Kalkzuges ist wieder ein Schiefer der in petrographischer Be-
ziehung zwar theilweise vom ersten Zuge Verschiedenheiten zeigt, jedoch enthält
er auch Varietäten denen des ersten Zuges ganz gleich.
Zu bemerken habe ich blos noch, dass der Kalkzug, auf dem die Ruine
steht, weiter im Westen sich mit seinen Schichten beinahe horizontal stellt und auf
den Schiefern auflagert, so dass der Kalk die obere, der Schiefer die untere Lage
dieser Formation, die nach obiger Versteinerung der Trias angehört, darstellt.
Ausser dem ersterwähnten Kalkzuge findet sich noch ein zweiter, der
Hauptzug des Triaskalkes und Dolomites den man auf den Wegen: von Velika
nach Drenovac, von Ceslakovac nach Drenovac, von Kaptol und von Kutjevo nach
Orahovica übersteigen muss, da derselbe gerade an der Wasserscheide zwischen
der Drave und Save ausgebreitet und sowohl im Süden als im Norden von einem
breiten Schiefergebiete begleitet ist. Am nördlichen Rande dieses Kalkzuges liegt
das Kloster Caluga. Von diesem nach Ost in einiger Entfernung hört der bespro-
chene Kalkzug auf.
Von der Ruine Orahovica nach Ost zieht endlich ein dritter dolomitischer
Kalk in einem schmalen Zuge, der schon südlich von Sumedje unter den tertiären
Ablagerungen verschwindet.
Im Pozeganer Gebirge erscheinen blos Schiefer, die wohl theilweise, in
petrographischer Beziehung, namentlich dem Thonschiefer mit Halobia Lommeli
Wissm. vollkommen ähnlich sind, theilweise aber unter solchen Verhältnissen Vor-
kommen, dass ihre zweifellose Einreihung in die Triasformation nicht möglich
erscheint.
204
Verhandlungen.
[22j
Irn hinteren südlichen Theile des Vucjak-Thales, das in Pozeg selbst ausmün-
det, findet man an der Thalsohle Schiefer beinahe horizontal gelagert, die dem
Velikaer Thonschiefer gleichen. Mit diesen wechseln dunkelröthlichgraue bis
schwarze Schiefer, auf deren Schichtungsflächen wurmförmige Zeichnungen wie
die des Gordius carbonarius Geinitz (Verst. der Steinkohlf. von Hainichen und
Ebersdorf Taf. I, Fig. 1) nicht selten auftreten. Sie unterscheiden sich vorzüg-
lich dadurch von dem obigen, dass die Windungen nicht so eng aneinander
schliessen, auch nicht so regelmässig sind als die citirte Zeichnung andeutet. Ich
kann nicht unterlassen, über eine ähnliche Erscheinung, auf die ich durch Herrn
Bergrath Franz Ritter v. Hauer aufmerksam gemacht wurde, Bericht zu er-
statten. Am Fusse des Plawutschberges wurden in den dortigen Schiefern, die
der devonischen Grauwacke angehörend betrachtet werden, dieselben Gordius -
Zeichnungen beobachtet, die denen im Pozeganer Gebirge specifisch vollkommen
gleich sein dürften.
Ausser dem Gordius finden sich noch mehrere Zoll lange Encrinitenstiele,
mit einem Durchmesser von kaum einer Linie, in diesen Schiefern nicht selten vor.
Diese hier erwähnten Schiefer sieht man in den von 0 herkommenden
Zuflüssen des Vucjak horizontal liegend oder nach SO fallend; während sie am
linken westlichen Ufer des Thaies steil nach NO fallen und hier einen eigenen
Bergzug unterteufen, der aus Felsitporphyren bestehend, von Pozeg bis Verhovci
nach SW ausgedehnt ist, während er andererseits von Pozeg in SO-Hichtung bis
Blacko reicht, dessen beide Verlängerungen somit bei Pozeg unter einem stum-
pfen Winkel aneinander stossen.
Das Gestein, das den westlichen Flügel zusammensetzt, ist ein Felsitporphyr
(Thonsteinporphyr) mit compacter, stellenweise poröser, griinlichweisser und
graulichweisser, stellenweise sphärulitische Structur zeigender Grundmasse, in
welcher Quarz sehr selten und nur in mikroskopischen Theilen, Orthoklas eben-
falls selten eingestreut erscheint. Das Gestein ist nur selten noch frisch erhalten,
meist so weit kaolinisirt, dass man die ursprüngliche Beschaffenheit kaum mehr
erkennen kann. Ein derart zersetztes Gestein wurde bei Blacko am Orte eines
80 Klftr. langen Stollens angefahren. Dasselbe liefert ein ziemlich brauchbares
feuerfestes Materiale. Folgendes Resultat gab eine von Herrn K. Ritter v. Hauer
ausgeführte Analyse über die Zusammensetzung desselben:
Kieselerde 68*0
Thonerde 19'2
Eisenoxyd Spur
Magnesia 2*4
Wasser 10-0
99*6.
Im westlicheren Flügel dieses Gebirges, also südwestlich bei Pozeg, herrschen
die den Felsitporphyren zugehörigen Tuffe vor. Schon in der Stadt Pozeg selbst
erhebt sich ein steiler Hügel, den eine Ruine krönt, der aus Felsittuff besteht. Das
Gestein ist ziemlich grellroth gefärbt, mit einem breccienartigen Ansehen, und
besteht aus Felsitporphyrstücken, die durch eine rotheFelsitgrundmasse verbunden
sind. Die Schichten dieses Tuffes sieht man in den Steinbrüchen nach N bei-
läufig unter 40 — 45° einfallen. Feinkörniger, mitunter ganz dicht, werden die
Felsittuffe südwestlich von Pozeg im Vucjak-Thale, und zeigen grellrothe bis
weisse Farben. Sie enthalten stellenweise Kalkspath und sind auch von Kalk-
spathadern durchschwärmt.
Die in meiner ersten Mittheilung erwähnten Eisensteine bei Blacko gehören
dem Felsitporphyr und Tuffgebirge an. Ausserdem sind noch in diesem Gebirge
Sitzung vom 18. März. K. M. Paul.
205
[23]
Vorkommnisse von Melaphyrgängen und Lagermassen beobachtet worden. Und
zwar östlich im Thale bei Pozeg, am Eingänge in das Thal von Dervisaga und bei
ßlacko.
Dieses Felsitporphyr und Tuffgebirge wird, wie schon erwähnt, von den
Schiefern im Vucjak-Thale unterteuft. Wenn daher die Felsitporphyr-Formation
mit ihren Melaphyrgängen und Lagermassen als dem Rothliegenden angehörig
betrachtet wird, würde daraus zu folgern sein, dass die Schiefer im Vucjak-Thale
mindestens der Steinkohlen-Formation einzureihen sind. Bliebe man bei dem trias-
sischen Alter dieser Schiefer stehen, so müssten nachträgliche Störungen ange-
nommen werden die die Schiefer in das Liegende der Felsitformation gebracht
haben; mit welcher Annahme aber das nördliche Einfallen der Tuffe am Ruinen-
berge in Pozeg nur schwer in Einklang zu bringen wäre.
Herr K. M. Paul berichtet über die Verrucano- und Werfen er
Schiefe rgebildedesBakonyerW aide s. Dieselben treten am nordöstlichen
Ende des Plattensee’s auf, und setzen bis zur Halbinsel Tihäny die Ufer desselben
zusammen, treten dann weiter gegen Südost zwischen Bad Verkut und Zänka
wieder unter den Cerithienschichten hervor, und setzen in einem breiteren Zuge
bis an das Basaltterrain von Tapolcza fort, wo sie dann plötzlich abbrechen.
Das Streichen der Schichten ist, wie das des ganzen Gebirgszuges von NO
nach SW, das Fallen nach NW. Die Schichten des Sandsteines bilden überall
niedere abgerundete Hügel am Ufer des Sees, hinter denen dann erst die Kalke
in einer schroffen Mauer emporsteigen.
Ausser dem erwähnten zusammenhängenden, nur durch tertiäre Gebilde
stellenweise unterbrochenen Zuge finden sich die Werfener Schiefer jedoch auch
im Innern des sie gegen NW begrenzenden Kalkgebirges in einzelnen Rissen
desselben, so östlich von Szabadya Szent Kiraly und zwischen Tot Vaszony und
Hidegküt.
Das Liegende der in Rede stehenden Schichten ist nirgends zu beobachten;
überlagert werden sie von zum Theile rauch wackigem Dolomit, welcher, wie
z. B. zwischen Bad und Dorf Füred zu beobachten ist, an den Berührungsstellen
mit dem Sandsteine wechsellagert.
Im Innern der Gruppe lassen sich, von unten nach oben, folgende Etagen
unterscheiden :
1. Als tiefstes Glied muss ein sehr fester, feinkörniger und glimmerloser
Quarzit- Sandstein von grauer, etwas in das blaugrüne spielender Färbung auf-
gefasst werden, welcher einzelne Lager eines groben, ebenfalls nur aus Quarz-
Geschieben bestehenden Conglomerates enthält. Er wurde nur an der südwest-
lichen Partie des ganzen Zuges, in der Gegend von Köveskalla, Kekkut, Sälföld
u. s. w. bis an das erwähnte Abbrechen des Zuges gegen das Basaltterrain beob-
achtet, und scheint ein ziemlich genaues Analogon der unter dem Namen Verru-
cano bekannten Schichten zu sein. Petrefacte wurden in demselben nicht aufge-
funden.
2. Ein etwas höheres Niveau, gewissermassen einen Übergang zwischen dem
Verrucano und den eigentlichen Werfener Schiefern scheint ein rother, grobkör-
niger glimmerführender Sandstein darzustellen, welcher stellenweise durch Auf-
nehmen grösserer, gewöhnlich lichter gefärbter Quarzgeschiebe in Conglomerat,
stellenweise durch zunehmenden Glimmergehalt und grössere Feinkörnigkeit in
die gewöhnliche Facies der Werfener Schiefer übergeht. Dieser Sandstein, durch
seine rothe Färbung schon von weitem kenntlich, setzt die meist niedrigen, abge-
rundeten Weingebirge am nordöstlichen Ufer des Plattensees, bei Felsö Eörs,
Also Eörs, Vörös Bereny u. s. w. zusammen.
206
Verhandlungen.
[24]
3. Eigentliche Werfener Schiefer in verschiedenen petrographischen Abän-
derungen, erscheinen als die, die Guttensteiner Dolomite und Kalke unmittelbar
unterlagernde Schicht vorzugsweise in den obenerwähnten Rissen im Innern des
Kalkgebietes, im Hauptzuge nur stellenweise z. B. bei Bad Balaton Füred, deutlich
entwickelt und mit bezeichnenden Petrefacten.
Bei Szabadya Szent Kiraly fanden sich in einem weisslichen, mergeligen und
glimmerarmen Sandsteine
Myacites fassaensis Wissm. und
Pecten Fuchsi Hau.
Leider zeigt sich hier nirgends eine deutliche Überlagerung dieses Sand-
steines mit dem obenerwähnten rothen grobkörnigen, der hier ebenfalls unmittel-
bar südöstlich vom Orte auftritt.
Bei Füred kommen in einem ähnlichen, dünnschieferigen Sandsteine, unmit-
telbar am Ufer des Plattensee’s ebenfalls Myaciten vor. Die Werfener Schiefer
sind hier längs der neuen, das Bad Füred mit dem gleichnamigen Dorfe verbin-
denden Fahrstrasse sehr schön aufgeschlossen; sie zeigen auffallend stark gewun-
dene Schichten, welche aber im Allgemeinen doch eine flache Neigung gegen NW
erkennen lassen, und wechsellagern gegen oben mit anfangs dünnen, gegen NW
immer mächtiger werdenden Dolomitbänken. Bei Dorf Füred folgt dann rauch-
wackiger Dolomit, dessen Schichten ebenfalls die wellenförmigen Biegungen bis
weit in das Innere des Kalkgebietes fort erkennen lassen.
Westlich von Hidegküt treten die Werfener Schiefer in einer, von dem
Hauptzuge ganz isolirten bis gegen Töt-Vaszony sich hinziehenden Partie in
einem secundären Aufbruch der Kalke zu Tage. In einem Graben nächst Hideg-
küt zeigen sie ganz genau dieselbe Facies, welche in den nordöstlichen Alpen,
z. B. in der Nähe von Wien bei Weissenbach, die herrschende ist, roth oder
grünlich gefärbte, sehr glimmerreiche, plattenförmige Sandsteinschichten, welche
mit dünnen Schieferlagen wechseln und auf ihren Schichtflächen gewöhnlich
mehr oder weniger deutliche Myacitenspuren zeigen. Ausser diesen fand sich
hier aber auch ein für die Fauna der Werfener Schiefer neues Fossil, ein dem
Genus Aspidura angehöriger Krinoid mit zahlreichen Myaciten auf derselben
Platte.
Westlich von diesem Punkte, ungefähr in der Mitte zwischen Töt-Vaszony
und Hidegküt, fanden sich in einem petrographisch sehr abweichenden, gelbbraun
gefärbten, sehr glimmerreichen und weichen Sandsteine zahlreiche Petrefacte,
darunter
Avicula Venetiana Hau.
Myacites fassaensis Wissm.
Naticella costata Münst.
ausserdem eine zweite mehr langgestreckte Myaciten -Species, eine Myoplioria,
ein Pecten und mehrere andere nicht näher bestimmbare Bivalven.
I
Jahrbuch
12. Band.
der k. k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft II.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 1. April 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer im Vorsitz.
Derselbe liest den folgenden Bericht des Herrn Director Haidinger über
das vor einigen Tagen in reicher Anzahl von Exemplaren für die k. k. geolo-
gische Reichsanstalt und zur Vertheilung angekommene zweite Heft der „ Defense
des Colonies* von Herrn Barrande, welches die Aufschrift führt: „Unver-
träglichkeit zwischen dem Systeme der Falten und der Wirklichkeit der mate-
riellen Thatsaehen“ *)•
In unserem nächsten Hefte des Jahrbuches ist seinem früheren Verlangen
gemäss der Abschnitt von Seite 17 bis 34 seines ersten Heftes der Defense des
Colonies abgedruckt und wird demnächst ausgegeben werden. Herr Barrande
hat dies nicht abgewartet, sondern spricht in seinem Begleitschreiben vom
20. März schon wieder die Hoffnung aus, da diese Brochüre, welche von der
stratigraphischen Frage in ihrem wichtigsten Punkte handelt, dazu beitragen
soll, den Geist der Leser unseres „Jahrbuches“ aufzuklären; ich werde es nütz-
lich und gerecht finden auch diese zweite Abhandlung in unserer Publication
wiederzugeben, welche der Darlegung der Geologie des Kaiserthums Österreich
gewidmet ist * 2). Ich kann diese Abhandlung indessen keineswegs zur Aufnahme
geeignet finden. Herr Barrande behandelt den Gegenstand verschiedener An-
sichten in wissenschaftlicher Beziehung auf den 64 Seiten weniger als solchen,
als vielmehr aus dem Gesichtspunkte einer wirklichen Streitfrage, er appellirt,
indem er noch in einer mir gewiss wenig zukommenden Art voranstellt, von mir
dem schlecht Unterrichteten, an mich, den besser zu Unterrichtenden. Hätte ich
selbst an Ort und Stelle die Verhältnisse in angemessener Weise untersucht,
dann wäre es wohl an mir ihm gerne und mannhaft Rede zu stehen. Wie die,
Lage jetzt ist, muss ich dies meinem hochverehrten Freunde Herrn k. k. Berg-
rath M. V. Lipoid überlassen, der für die k. k. geologische Reichsanstalt jenen
Bericht verfasste, unter Verhältnissen, welche Herr Barrande gar keiner
Rücksicht würdigt, und der auch wohl in geeigneter Weise den Inhalt von dem
zweiten Hefte der Defense aufnehmen wird. Herr Barrande wird Einiges über
dieselben im nächsten Hefte unseres Jahrbuches finden in den Bemerkungen, mit
welchen ich die Übersetzung aus dem ersten Hefte der Ddfense begleitete. Ich
werde sie hier nicht wiederholen, noch überhaupt in eine ausführlichere Dar-
stellung des Inhaltes eingehen können, welcher übrigens vorzüglich immer wie-
O Incompatibilite entre le Systeme des plis et la realite des faits materiels.
2J Cette brochüre traitant la question stratigraphique sous le point de vue le plus impor-
tant, doit contribuer ä eclairer l’esprit des lecteurs de votre Jahrbuch, ä ce titre j’espere
que vous trouverez utile et juste de la reproduire dans votre publication, destinee a l’il—
lustration de la geologie de l’empire d’Autriche.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
bb
208
'Verhandlungen.
m
der Altes, mehrfach Gesagtes wieder neu auf den Platz bringt. Dem Ungestüm
des Herrn Barrande wünschte ich nur von unserer Seite einen Empfang von
Ruhe und Geduld zu bereiten. Ist ja doch nicht einfaches Rechthaben, sondern
Kenntniss der Zweck unserer Forschung.
Für einiges Einzelne bitte ich doch um Nachsicht, wenn ich es schon hier
bemerke, wo ich mich doch gar zu sehr persönlich in das Spiel gezogen sehe.
Herr Barrande will Herrn Lipoid 's Karte benützen, um ihn zu widerlegen.
Dazu verlangt er von mir die Vermittelung zur Ausfertigung von 500 Exemplaren
derselben. Ich habe sie übernommen und werde selbe Herrn Barrande zur
Verfügung stellen, sobald ich sie erhalten habe. Einstweilen hat Herr Barrande
ein Uebriges gethan und mir unaufgefordert den Preis derselben bereits über-
sandt, den ich nun aufbewahre.
Um uns Kosten zu ersparen, bietet er in seinem Schreiben vom 20. März
dagegen so viele Exemplare einer Tafel (theoretische Durchschnitte) aus dem
Nr. II seiner Defense des Colonies an, als ich von denselben verlangen wolle.
Sie soll unseren Lesern dargebracht werden *). Ich habe nicht um weitere Exem-
plare gebeten, da ohnedem die Abhandlung keinen Platz in unserem Jahrbuche
fand und spreche meinen Dank für sein freundliches Anerbieten aus.
Ich habe gar nicht nach Herrn Barrande ’s Geschmack das Wort * reser -
ves“ durch „Hinterhalt“ übersetzt. Mehreres in dieser Beziehung enthalten
meine Bemerkungen in dem nächsten Hefte des Jahrbuches. Dennoch darf ich
auch hier nicht davon zurückweichen ein Wort zu sagen. Ich habe wirklich das
Wort aus Ueberzeugung gewählt und das nebst der Bedeutung des Wortes, wofür
übrigens so oft namentlich in militärischer Beziehung das Wort „Reserven“
selbst in sonst deutschen Sprachsätzen gebraucht wird, namentlich aus der Art
der Anwendung in den Verhandlungen des hochgeehrten Herrn Verfassers selbst.
Ein Beispiel gerade hier. Herrn Barrande schreibt mir eine eben so genaue
Kenntniss der französischen Sprache zu als er sie selbst besitzt 1 2). Ich bin mir
wohl des grossen Abstandes bewusst zwischen dem Meister in seiner Mutter-
sprache und mir, der in jedem Briefe, den ich geschrieben, über das Eine oder
das Andere zweifelhaft blieb. Aber das ist nur der Untergrund, auf welchem es
mehrEindruck macht, wenn diese Uebersetzung als eine „petite malice“ (ich bitte
um Nachsicht, wenn ich diese Ausdrücke gar nicht übersetze) dargestellt, und
wahrscheinlich gemacht werden soll, sie rühren von dem jugendlichen Eifer irgend
eines Secretärs oder Concipisten her, der seit kurzem erst in die geologische
Kanzlei aufgenommen worden sei 3). Der Eindruck, welchen Äusserungen dieser
Art machen, ist wohl nicht geeignet, meine erste Ansicht zu verwischen.
Merkwürdig vor Allem erscheint mir die Thatsache, deren Herr Barrande
gedenkt, dass vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren seine eigenen Ansichten
mehr oder weniger ähnlich jenen der Herren Lipoid und Krejci waren4).
„Die Zeit, das Nachdenken und besonders die an den Orten wiederholten Beob-
achtungen, in langen Zwischenräumen, haben uns langsam zur Lehre der Colo-
1) Pour vous eviter des frais, je mets a votre disposition autant d’exemplaires de ma planche
que Yous voudrez bien m’en demander. J’en fais hommage ä vos lecteure.
2) — connaissant aussi bien que nous la langue franfaise, — Defense des Colonies II,
pag. 60.
3) Cette traduction, vraiment libre, ä simplement exeite notre hilarite. Nous la considerons
comme ce-qu’on norame familierement une petite malice et nous l’attribuons naturelle-
ment au zele juvenil de quelque secretaire ou concipist nouvellement enrole dans la
ehancellerie geologique.
4) Plus ou moins semblables ä celles qu’ imaginent M. M. Lipoid et Krej ci. Def. II, p. 59.
Sitzung vom 1. April. Haidinger..
209
[3]
nien geführt, der einzigen, welche allen Theilen der Aufgabe genügt“ *). Warum
will denn nun aber Herr Barrande nicht doch auch anderen Personen einige
Zeit zu Betrachtungen und wiederholten Beobachtungen gönnen, die er selbst so
lange genoss, und warum bekämpft er mit solchem Ungestüm seine eigenen frü-
heren Ansichten. Gewiss wäre es für die Wissenschaft vortheilhafter gewesen,
er hätte jene ersten Ansichten mitgetheilt und selbe sodann nicht nur für sich
selbst sondern auch für ein theilnehmendes Publicum nach Ueberzeugung berich-
tigt.
Wie die Sache jetzt steht, muss man zugeben, dass für Personen, welche
nicht an Ort und Stelle waren und sich nach eigenen Beobachtungen eine
eigene Ansicht entwickelten, die Periode, aus welcher das von Herrn Barrande
gewählte Motto stammt, in eine neue übergegangen ist, in welcher es vielmehr
heisst, nach den Aeusser ungen, die man von gewichtigen For-
schern vernimmt, haben die Barrand e’schen Colonien bedeutend
an Grund verloren. Was mich betrifft, so muss ich es entschieden ablehnen
als Richter zu sprechen, wenn ich mich auch nicht weigern darf, wo es erheischt
wird, als Berichterstatter einzutreten.
Mit wohlthuenden Gefühlen wendet sich der Geist aus solcher Fehde nicht
geschlichteter Ansichten und unbefriedigter Ansprüche zu dem Bilde, welches
uns die Mittheilung über die Jahresversammlung der geologischen Gesellschaft
in London am 21. Februar erschliesst, welche, wie in früheren Jahren, Herr
Rupert Jones an Herrn Grafen Marschall rasch eingesandt. Wie früher hoch-
verdiente Männer zu Würdenträgern gewählt, Prof. A. C. Ramsay, Präsident,
Sir P. de M. G. Egerto n Bart., Sir Ch. Lyell, J. Carrick Moore, Prof. J.
Morris, Vizepräsidenten, Prof. T. H. Huxley, Warington W. Smyth, W.
J. Hamilton, Secretäre, in den Rath noch unsere Gönner und Freunde Prest-
wich, Hör ner, Sir R. Mure hison, Scrope u. s. w. , die wir vielfach aus
früheren Beziehungen treu verehren. Dann aber die Anerkennungen durch die
Verleihung der Wollaston-Medaille an Herrn Robert A. C. God win-Austen,
des diesjährigen Ergebnisses der Wollaston-Stiftung an uusern hochverehrten
Freund Herrn Prof. Oswald Heer in Zürich ausgesprochen, ein wiederkeh-
rendes erhebendes Schauspiel der wohlwollenden freiwilligen Anerkennung,
erfolgreicher freiwillig und beharrlich durchgeführter Arbeiten. Eines und das
andere bringt den Eindruck freien Entschlusses, männlich edler Thatkraft her-
vor. Hier sehen wir den Zeitraum unserer eigenen Bestrebungen für gesell-
schaftlich-naturwissenschaftliche Entwickelung überblickend, die Namen der
hochverdienten Forscher Bronn, Searles V. Wood, Darwin, Hermann v.
Meyer, James Hall, Barrande, Sir W. E. Logan, Sir H. T. de la Be che,
Griffith, Vicomte d’Archi ac, de Verneuil, Fitton, Sedgwick, Hop-
kins, Pr e st wich, Buckland, bis zu unserem ausgezeichneten Freunde
Herrn Dr. A. Boue, in Bezug auf welchen es mir beschieden war, in der Ver-
sammlung von Freunden der Naturwissenschaften am 5. Februar 1847 Nach-
richt zu geben (Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwis-
senschaften in Wien, Band II, Seite 166). Nur langsam gewinnt auch bei uns
der Geist freiwilliger Arbeit, der Geist freiwilliger Anerkennung einigen Grund.
Möge er uns auch stets beleben. Ist auch der Natur der Sache nach, in einem
Institute, wie die k. k. geologische Reichsanstalt es ist, die Aeusserung dieses
O Le temps, la reflexion et surtout Ies observations repetees sur le terrain ä de longs inter-
valles nous ont lentement amene ä la doctrine des colonies la seule qtii satisfait ä toutes
les donnces du probleme. Ibid.
bb*
210
Verhandlungen.
w
Geistes eine etwas verschiedene von der, wie sie in einer von unabhängigen
Männern frei gebildeten Gesellschaft stattfinden kann, so ist doch auch unser
Bestehen, unser Fortschritt im grossen Ganzen rein das Ergebniss freiwillig
unternommener und geleisteter Arbeit, und auch das dürfen wir von uns mit
Beruhigung sagen, dass wir mit Bewusstsein und Erfolg nach Kräften als ein
Mittelpunkt freiwilliger Anerkennung zu wirken bestrebt waren. Alles Gute
irgendwo ist immer nur das Werk freiwilligen Entschlusses, freiwilliger Arbeit
gewesen.
Herr Director Haidinger legt noch mit dem Ausdrucke des Dankes an
den hochverehrten Geber, das photographische Bild vor, welches ihm Herr
kaiserl. Russischer Staatsrath Dr. C. C. v. Renard freundlichst gesandt, und
welches unserem photographischen Album gewidmet wurde. So wie es uns von
hohem Werthe ist, dasselbe als Erinnerung an langjährige lebhafte wissenschaft-
liche Verbindung zu bewahren, so ist es andererseits ein wahres Muster des
ausgezeichnetsten Gelingens.
Eben kommt noch eine fernere ähnliche freundliche Gabe, das Porträt des
hochverdienten Erdbeben-Forschers Alexis Perrey von Dijon, welche durch
Herrn Dr. A. Boue übergeben wurde. Wir bringen beiden hochverehrten
Freunden unsern verbindlichsten Dank dar.
Herr Dr. G. Stäche gab eine kurze Uebersicht über die Verbreitung und
den Charakter der Eocenablagerungen des Bakonyer Inselgebirges.
Schon in Beudant's classischem Werke: „ Voyage mindralogiqtie et g£o-
logique en Hongrie 1822“ finden sich klare Angaben über eocene Schichten
sowohl aus dem Pest-Ofener Gebirge als auch aus der Gegend von Ober-Galla
und Moor. Er führt nämlich das Vorkommen von Nummuliten (. Numm . perforata
d'Orb. nach seiner Beschreibung) in den Kalken dieser Orte an, erkennt die
Verbindung beider Punkte durch einen Zug gleichartiger Schichten, aber
rechnet dieselben nach der Anschauungsweise seiner Zeit zum Jura. In neuerer
Zeit wurde die weitere Verbreitung eocener Schichten durch das Auffmdeu
versteinerungsreicher Localitäten auch in dem westlich von der Mooren-Spalte
gelegenen Theil des Bakonyer Systems, besonders von den Orten Csurgo,
Steinberg bei Oszlop, Fenyöfo, Bakonybel, Penzesküt nachgewiesen. Vor allem
hatten sich die Herren v. Schwabenau, Römer, Kornhuber, Majer aus
Fünfkirchen, v. Anyos in Kardosret in dieser Richtung die wesentlichsten
Verdienste erworben und dadurch schon sichere Anhaltspunkte für die Aufnahme
vorbereitet. Es ist nun im Verlauf der geologischen Untersuchungen dieser Ge-
gend durch die dort beschäftigt gewesenen Reichsgeologen in nur wenig unter-
brochenem Zusammenhänge ein Zug vonEocenschichten längs des ganzen gegen
Nordwest gekehrten Randes des Bakonyer Systems nachgewiesen worden.
Ueberdies wurden auch an der südlichen Gehängseite des mittleren Haupt-
rückens ein grösserer Zug von kalkigen Eocenschichten zwischen Csak-Bereny
und Kozma in der Ganther Spalte und kleineren Partien ausser bei Csurgo auch
noch zwischen Guth und Iszka Szt. György nachgewiesen.
Der petrographische Hauptcharakter ist das Vorherrschen von Kalksteinen
und kalkigen Mergeln, das sparsame und scheinbar nur sporadische Auftreten
von weichen oder losen, thonigen oder mergeligen Ablagerungen, das gänzliche
Fehlen typischer mit den eocenen Karpathensandsteinen, Tassello etc. paral-
lelisirbarer Sandsteincomplexe, und endlich überhaupt das seltene, nur locale
Erscheinen von Conglomerat oder Sandsteinbildungen.
Der paläontologische Haupttypus der Gruppe wird durch das massenhafte
und zum Theil auch mannigfaltige Auftreten verschiedener Nummulitenformen in
Sitzung vom 1. April. Dr. G. Stäche.
211
[8]
den Kalkschichten bedingt. Nur in einigen isolirten Localitäten mit thonigmerge-
ligen Ablagerungen, wie besonders in der berühmten Localität „Puszta Forma“
treten Nummuliten vollständig zurück und es herrscht eine Fauna von Gastero-
poden und Bivalven, die mit denen der Schichten von Ronca die grösste Aehn-
liehkeit haben. Den geringen und sehr beschränkten Sandsteinbildungen, welche
noch zum Eocenen zugerechnet werden mussten, fehlt jede Spur einer Fauna.
In Bezug auf die Lagerungsverhältnisse der Eocenschichten gilt für den
Complex der deutlich, zum Theil bankförmig geschichteten Kalke, deren Ver-
halten noch am wenigsten maskirt ist, als Regel, dass sie in fast horizontalen
oder schwach geneigten Schichten discordant den steiler aufgerichteten Dach-
stein- oder Esinoschichten .auf- oder anliegen. Die Lagerung in den Strecken
nämlich, wo die Eocenkalke unmittelbar an diese älteren Kalke oder Dolomite
grenzen, wie dies im Bereich des Vertesgebirges und auf grosse Strecken hin
auch am Rande des eigentlichen Bakonyer Gebietes der Fall ist, fällt deutlicher in
die Augen als das Verhalten derselben in der unmittelbaren Nähe der Kreide-
schichten. Hier ist dasselbe meist verdeckt, doch scheint eine normale Ueber-
lagerung auch hier nicht stattzufinden.
Der Versuch einer Gliederung des ganzen Complexes stösst bei den im
Bakonyer Gebiete herrschenden Terrainverhältnissen auf grosse Schwierigkeiten,
da fast nirgends gute Profilaufschlüsse zu Hülfe kommen. Erst nach vollstän-
diger Durcharbeitung des grossen Materiales, welches aus diesen Schichten
zusammengebracht wurde, wird es möglich sein, mit Zuhülfenahme aller paläon-
tologischer Anhaltspunkte und durch den Vergleich mit den klareren Verhält-
nissen der Istrischen und zum Theil auch der Siebenbürger Eocenablagerungen
zu einer genauen und sicheren Gliederung und Parallelisirung dieser Schichten-
gruppe auch in dem Bakonyer Wald zu gelangen.
Als vorläufiger Anhaltspunkt möge folgende Uebersicht dienen:
A. Untere Eocengruppe.
1. Harte, lichte Kalke mit sparsamen kleinen Nummuliten, die an einigen
Punkten deutlich unter der versteinerungsreichen Kalkgruppe liegen, wie bei
Ober-Galla und zwischen Zircz und Czesznek, so wie im hinteren Steinberg-
graben bei Oszlop.
Hierher gehören wohl auch die dolomitischen Eocenschichten aus dem
Ofner Gebirge von Peters.
B. Mittlere Eocengruppe (Parisien inferieur , Nummulitic. Lyell ) .
Dieselbe enthält drei Nummulitenniveaux , deren relative Altersverhältnisse
jedoch noch nicht hinreichend festgestellt sind. Die Fauna derselben möchte sich
vielleicht stellenweise mischen. Jedenfalls ist Nr. 4 jünger als die beiden
früheren.
2. Kalkige Mergel mit zahlreichen sehr grossen Numm. complanata
Lam. und zahlreichen anderen Foraminiferen, besonders Calcarina- Arten und
sparsameren Ein- und Zweischalerresten. Complanata- Bank von Ober-Galla Bako-
nybel, Czesnek u. s. w.
3. Feste Kalke oder weichere Mergelkalke mit Numm . perforata d’ Orb.,
Numm. Lucasana Defr. und sehr vielen meist als Steinkerne erhaltenen Ein- und
Zweischalerresten, ganz besonders häufig Nerita conoidea Lam., Cerithium
giganteum Desh ., Terebellum convolutum Lam., Corbis lamellosa Lam. u.s. w.
An einigen Punkten, wie bei Csurgo auch noch mit anderen Nummuliten-Arten
(Numm. striata d' Orb., Numm. Leymeriei d’ Ar ch. e. Haim.). Die verbreitetste
und wahrscheinlich auch mächtigste Schichte. Sie findet sich bei Ober-Galla, Katona
Csap, Csurgo Penzesküt, Öreg Kerulyhegy bei Bakonybel, Steinberg bei Oszlop u.s.w.
212
Verhandlungen.
[6]
4. Mergelige, nicht selten Glauconitische Kalkschichten mit einer beson-
deren Nummulitenfauna , besonders Numm. exponens Sow. , Numm. spiru
Roissy, Numm. granulosa d’Arch., Numm. distans Desh., Riesen-Austern wahr-
scheinlich Ostrea latissima Desh. und sehr viele Echinodermen, darunter beson-
ders häufig Conoclypus conoideus Ag. und Krabben.
C. Obere Eocengruppe (Niveau von Ronca).
5. Die Mergel von Puszta Forma mit Ceritliium calcaratum Brongn ., Ceri -
thium lemniscatum Brongn., Fusus polygonus Lam. , Natica mutabilis Desh.,
Cardium gratum Desh. und andere Ronca-Versteinerungen.
Die genauere Parallelisirung und Einreihung der hier noch nicht unterge-
brachten Ablagerungen, wie des Hafnerthones ober Moor, der kohlenführenden
Schichten von Zsemlye, mit sehr undeutlichen Resten von Süsswassermollusken
und Zähnen einer Anthracotherium-Art, der wahrscheinlich mit diesen identischen
tiefen kohlenführenden Schichten von Csernye, der conglomeratischen und sandigen
Schichten von Arki Puszta und von Zircz, so wie der Sande mit Sandsteinkugeln
bei Fenyöfö wird wegen mancherlei Schwierigkeit ihrer Verhältnisse erst bei Gele-
genheit der Veröffentlichung der von Hrn. Dr. Stäche unternommenen speciellen
Bearbeitung der gesummten Tertiärgebilde des Bakonyer Gebirgssystems versucht
werden.
Herr Karl v. Hauer theilte die Resultate einer Untersuchung der Stein-
kohlen von Reschitza und Steierdorf mit.
Die Beschickung der Londoner Industrie-Ausstellung von Seite der k. k.
geologischen Reichsanstalt mit Mustern der fossilen Kohlen aus dem Gesammt-
bereiche der österreichischen Monarchie, gab die Gelegenheit manche Lücke aus-
zufüllen, welche in den Verzeichnissen über den Brennwerth der Mineralkohlen
in den Jahrbüchern der Anstalt existirten. Eine solche empfindliche Lücke war
es , dass die Kohlen von den Werken der k. k. pr. österr. Staatseisenbahn-
Gesellschaft im Banate bisher noch keiner Untersuchung waren unterzogen
worden. Eben diese Kohlen sind von besonderem Interesse, erstlich weil sie,
wie aus ihrer Anwendung in der Praxis hervorging, zu den allerbesten inländi-
schen Sorten gehören, und dann weil die Werke, auf welchen sie gewonnen
werden, seit der Uebernahme von Seite der Staatsbahn-Gesellschaft sich im
schwungvollsten Betriebe befinden. Diese Kohlen spielen also bereits eine her-
vorragende Rolle im Gebiete der heimischen Industrie und werden voraussicht-
lich zu einer noch viel ausgedehnteren Verwendung gelangen , da zufolge der
neuesten Nachrichten über die Gestehungsbauten an diesen Localitäten eine
beträchtliche Vermehrung der Production eingeleitet wurde.
Bei Steierdorf besitzt die Gesellschaft drei Gruben, in welchen 3 Flötze
abgebaut werden, deren erstes oder Hangendflötz 0*6 — 1 Klafter, das II. oder
Hauptflötz 1*2 — 1*8 Klafter und das III. oder Liegendflötz 0’6 — 0-8 Klafter
mächtig ist.
Als neuer Aufschluss ist kürzlich der Thinnfeld-Schacht eröffnet worden, in
welchem ebenfalls das Haupt- und Hangendflötz abgebaut werden.
Endlich existirt noch im südlichen Revier ein viertes Werk, wo ein nur
0-1 Klafter mächtiges Flötz abgebaut wird.
An diesen Werken war die Production seit dem Jahre 1855 folgende:
Wr. Ctr. Wr. Ctr.
1855 1,014.804 1859 840.953
1856 933.016) wegen Anhäufung von Vor- 1860 991.103
1857 710.530> räthen die Erzeugung re- 1861 961.752
1858 681.095) dueirt.
m
Sitzung vom 1. April. Karl v. Hauer.
213
Für das Jahr 1862 ist bei einem Vorrathe von 780.173 Centnei* eine Pro-
duction von 1,336.330 Centnern präliminirt und es sind alle Vorbereitungen
getroffen, die Production auf 2 Millionen jährlich zu erhöhen.
Das Vorkommen ist Liaskohle von ausgezeichneter Güte und Reinheit, sie ist
consistenter als jene bei Reschitza im Banat, backt sehr gut und enthält keinen
sichtbaren Kies.
Die Untersuchung von 10 Stücken, entlehnt von verschiedenen Stellen der
3 Flötze, ergab folgende Resultate:
1*3 — 3*4 Procent Wasser,
1*5 — 1-9 „ Asche,
63-6 — 66*3 „ Cokes.
Ferner ergaben sich im Mittel sämmtlicher 10 Proben 8*09 Centner dieser
Kohlen als Aequivalent für eine 30zöllige Klafter weichen Holzes.
Bei Reschitza besitzt die Gesellschaft die Gruben Szekul und Doman. In der
ersteren sind 3 bauwürdige Flötze vorhanden, deren I. 0*6, das II. 0 8 und das
III. 0 4 Ktafter mächtig ist.
Die Kohle gehört der alten Steinkohlenformation an , sie ist fettglänzend,
nicht sehr consistent, ausgezeichnet backend und enthält wenig Kies. Die Kohle
vom II. Flötz, welche untersucht wurde, enthält:
1 Procent Wasser,
3 „ Asche,
gab 63 „ Cokes,
und 8*77 Centner sind das Aequivalent einer Klafter Holz.
Die Kohle vom zweiten Werk, Doman, ist Liaskohle. Es werden 2 Flötze
abgebaut, deren erstes 1 — 13 Fuss, im Durchschnitt 6 Fuss mächtig und durch
taube Einlagerungen in 2 bis 3 Bänke von ungleicher Mächtigkeit getheilt ist.
Das 2. Flötz ist im Durchschnitte 4 Fuss mächtig.
Diese Kohlen zeichnen sich durch besondere Reinheit aus und übertreffen
im Brennwerthe alle fossilen Kohlen der ganzen Monarchie.
Erhalten wurden in 4 Proben:
0 3 — 09 Procent Wasser,
,1*3 — 2*0 y, Asche,
76*2 — 82-6 „ Cokes,
und 7-43 bis 7*12 Centner ergaben sich als Aequivalent einer 30 zölligen Klafter
weichen Holzes.
Seit diese Baue im Besitze der österreichischen Staatseisenbahn-Gesell-
schaft sind (seit 1834), hat sich der Betrieb der Gruben und der Absatz der
Kohle verdoppelt. Für das laufende Jahr ist eine Production von 447.240 Centnern
präliminirt.
Die Kohlen von Reschitza und Steierdorf nähern sich sonach, wie aus den
angeführten Untersuchungsresultaten hervorgeht, den besten englischen Stein-
kohlen im Heizwerthe, sie würden für maritime Zwecke, wo es sich darum handelt,
in einem beschränkten Raume ein möglichst ausgiebiges Brennmaterial zu ver-
laden, dieselben Dienste leisten können, daher es sehr zu wünschen wäre, dass
Verkehrsmittel zu Stande kommen möchten , die nöthig erscheinen , um die
Kohlen an jene betreffenden Punkte zu bringen, die jetzt ausschliesslich auf den
Consum der englischen Kohle angewiesen sind.
214
Verhandlungen.
m
Herr k. k. Bergrath Fr. Foetterle knüpfte an diesen Vortrag eine kurze
Mittheilung über die Lagerungsverhältnisse der kohlenführenden Liasformation
im Banate, das er im Jahre 1860 übersichtlich durchforschte. Ueber einen Theil
des Banates liegt eine treffliche Detailarbeit des verstorbenen Johann Kuder-
natsch „Geologie des Banater Gebirgszuges“ (Sitzungsberichte der math.-nat.
Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Band 23) vor, die auch
Herr Foetterle in ausgedehntem Maasse benützte.Das Banater Becken, innerhalb
welchem sich secundäre Formationen von der Steinkohlengruppe bis zur Kreide
abgelagert haben, ist in seiner Streichungsrichtung von Süd west nach Nordost
mehrfach durch Hebungen und Spaltenbildungen derart gestört, dass innerhalb
einer solchen Störungslinie, die sich oft mehrere Meilen fortzieht, stets die
tieferen Glieder desBeckens zum Vorschein kommen, wie sie auch an den Bändern
des Beckens, auf krystallinischen Unterlagen aufruhend, zu Tage treten. Eine
der ausgedehntesten Emportreibungen älterer Formationen ist in Steierdorf, sie
hat eine Längenerstreckungvon mehr als 3700 Klafter. Die jüngeren Schichten
sind gleichsam geborsten, nach beiden Seiten hin zurückgeschoben, und zwischen
diesen die älteren sattelförmig emporgehoben worden. Als ältestes Glied
erscheint hier der rothe Sandstein, dessen Stellung zwischen dem Bothliegenden
und dem bunten Sandsteine wegen Mangel an bezeichnenden Fossilien eine unge-
wisse ist; er ist in Steierdorf bei 1100 Fuss mächtig. Derselbe wird ringförmig
von der Liasformation eingefasst, an welche sich die Jura- und Kreidekalke
anschliessen,die den grössten Theil des Beckens einnehmen. Die Liasformation be-
steht der Hauptsache nach aus Sandsteinen, die unmittelbar auf dem rothen Sandstein
aufliegen und eine Mächtigkeit von 500 bis 600 Fuss besitzen, und aus den höher
liegenden Mergelschiefern. Namentlich die obere Abtheilung der Sandsteine hat
durch ihre Steinkohlenführung eine grosse Wichtigkeit erreicht. Es treten hier
fünf verschiedene Flötze auf; das oberste ist das sogenannte Hangendflötz ; es
bildet gleichsam die Scheide zwischen den Schiefern und den Sandsteinen und
ist zwischen 3 bis 4 Fuss mächtig. Zwischen 4 bis 6 Klafter unter demselben
tritt das sogenannte Hauptflötz mit 9 bis 12 Fuss Mächtigkeit auf, es wird durch
den sogenannten Brand, der l®/4 Fuss stark ist, und den 3 bis 18 Zoll starken
Mittelberg in drei Theile getrennt, wodurch der Abbau erleichtert wird. Etwa
40 bis 60 Klafter unter diesem Hauptflötze finden sich dann noch drei sogenannte
LiegendflÖtze, wovon das erste 2 bis 3 Fuss mächtig immer abgebaut wird,
während das zweite und dritte nicht immer abbauwürdig erscheinen. Das ganze
Gebiet wird durch die eigenthümliche linsenförmige Erstreckung der hier hlos
gelegten älteren Glieder von Südsüdwest nach Nordnordost in zwei grosse Fel-
der, ein westliches und ein östliches Abbaufeld, getheilt; in beiden jedoch finden
sich die gleichen vorerwähnten Lagerungsverhällnisse, mit dem Unterschiede,
dass die Schichten im westlichen Felde steil nach Westen, in dem östlichen
Felde jedoch steil nach Osten fallen. In dem südlichen Theile sind die Flötze
jedoch mehr verdrückt, während in dem nördlichen Theile die Mächtigkeit stets
zunimmt. Der Abbau ist gegenwärtig hauptsächlich in dem nordöstlichen Felde
im Schwünge. Die grosse bis zu 80 Graden und darüber reichende Steilheit der
Flötze gestattet nur in den höheren Lagen einen Stollenbau; der Tiefbau ge-
schieht vermittelst Schächten, von welchen jetzt der Kübeck-, der Thinnfeld- und
Breunnerschacht stark in Anspruch genommen werden. Der durch die gegen-
wärtigen Baue auf der ganzen Länge von nahe 3700 Klafter beider Felder, also
auf einer Gesammtlänge von etwa 7000 Klafter nachweisbare Kohlenreichthum
in diesem Gebiete ist also sehr ansehnlich und gestattet daher leicht eine
doppelte und dreifache Höhe der jetzigen Erzeugung.
[9]
Sitzung am 1. April. Fr. Foetterle. H. Wolf.
215
In den Hangendschiefern treten häufig Einlagerungen von Thoneisensteinen
auf; so kommen in dem südlichen Theile des Gebietes in dem Gränzenstein- und
Gustav-Baue neun verschiedene derartige Thoneisensteinlagen vor. Sie sind
regelmässig in den Schieferschichten eingelagert und 3 — 5 Zoll mächtig,
halten bis auf mehrere Klafter an, werden dann plötzlich verworfen, verschleppt,
oder keilen sich gänzlich aus, in den meisten Fällen bilden sie jedoch mehrere
Klafter lange Linsen; in dem nördlichen Theile des Gebietes hat man nur drei
solcher Thoneisensteinlager beobachtet, so dass auf ihre Stetigkeit in dem ganzen
Gebiete und auf beiden Flügeln nicht sicher zu rechnen ist und daher jede auf
dieselbe basirte Rechnung über etwa vorhandene Eisensteinquantitäten eine
illusorische wird.
Die Hangendschiefer sind etwas bituminös und wurde auf diesem Bitumen-
gehalt eine Steinöldestillation in Steierdorf gegründet. Leider ist der Gehalt an
Oel ein so geringer, dass wenig Aussicht vorhanden ist, dass sich die kostspielig
angelegte Destillationshütte rentiren könnte.
In der directen Fortsetzung des Steierdorfer Gebietes nach Nordost treten
noch in der Csetnik und bei Jabalcsa die Hangendschiefer in geringer Ausdeh-
nung zu Tage. Weiter nördlich zwischen Doman und Kuptore (bei Resehitza)
sind sowohl die Liassandsteine wie die Schiefer in grosser Ausdehnung wieder
blossgelegt. Sie liegen wie bei Steierdorf auch hier auf rothem Sandsteine, der
bei Kuptore dieflötzführende Steinkohlenformation deckt, und enthalten ebenfalls
Kohlenflötze, die unter gleichen Lagerungsverhältnissen wie in Steierdorf auf-
treten. Es sind jedoch nur zwei Flötze mit je 3 — 0 Fuss Mächtigkeit, die beide
abgebaut werden und eine beinahe noch vorzüglichere Kohle, jedoch meist als
Kleinkohle liefern.
Herr Heinrich Wolf berichtete über die von ihm im Sommer 1861 ausge-
führte Aufnahme der Districte des W arasdin-Kreuzer und Warasdin-Georger Grenz-
regimentes. Diese Districte umfassen einen Flächenraum von über 70 Quadrat-
meilen und erstrecken sich über die Länder zwischen Drau und Save längs der
Erhebungslinie des sogenannten Biela- oder Warasdiner Gebirges, welche das
Kalnik-Gebirge in Croatien und das Veroviticzer Gebirge in Slavonien verbindet.
Diese Erhebungslinie, an dem tiefsten Punkte bei Lepavina nicht über
800 Wiener Fuss ansteigend, bildet grösstentheils auch die Grenze zwischen
beiden Regimentsdistricten.
Aus der allgemeinen diluvialen Bedeckung , welche in diesen Ländern
herrschend ist , treten eben nur noch die jüngeren Tertiärschichten (Congerien-
Schichten) in der Nähe dieser Erhebungslinie hervor. Erst in der Nähe der
vorhin erwähnten Gebirge, zwischen welchen das Biela-Gebirge liegt, treten in
höherem Niveau unter den Congerienschichten , Gesteine der brackischen
Cerithienstufe und der marinen Leithakalkzone hervor. Ausser den genannten
Endpunkten befinden sich nur im Kreuzer Regiment noch zwei inselartige Erhe-
bungen, welche aus der allgemeinen Diluvialdecke emporragend, dem Auge in
der gegen Süden unbegrenzt scheinenden Ebene einen angenehmen Ruhepunkt
gewähren. Es sind dies das Moslavina-Gebirge, an dessen Nordseite auch Garic-
Gebirge genannt, und dann die Höhe des Marcavvaldes bei Kloster Ivanec.
Die ältesten Gesteine des in Rede stehenden Terrains befinden sich im
Moslavina- oder Garic- Gebirge; dasselbe hat eine Flächenausdehnung von unge-
fähr 2 Quadratmeilen, und besteht in seiner östlichen Hälfte aus Glimmerschiefer,
Hornblendeschiefer und Gneiss, in seiner westlichen Hälfte aber aus feinkörnigem
Granit, der bei Vrtlinska am Fusse des Rastikberges in der Casmaer Compagnie,
dann im Jelenskagraben N. v. Jelenska und NO. von Popovaca, gewonnen wird.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band. 1861 und 1862. Verhandlungen.
CC
216
Verhandlungen.
[10]
Ein gleichförmiges Gemenge von weissem und schwarzem Glimmer, von
Orthoklas und Quarz, bedingt seine blaugraue Färbung und macht ihn geeignet
zu Bildhauerarbeiten und monumentalen Bauten; er wurde daher gewählt für das
projectirte Jellacic-Denkmal in Agram, welches aus nationalem Granit ausge-
führt werden soll.
Im Vrtlinska-Steinbruch wird dieser Granit durchsetzt von einem klafter-
mächtigen Gang von Schriftgranit, mit grossen Turrnalinkrystallen.
Von Eruptivgesteinen erscheinen im Moslavina - Gebirge der von Hrn. v.
Vukotinovic beschriebene Diorit, dann grosse Blöcke von Hypersthenfels,
welche in dem Graben nördlich bei Miklonska zahlreich zu finden sind. Herr
Dr. Zirkel, welcher denselben untersuchte , fand als seine Bestandteile :
„Labrador bräunlichgrau in dünnen Zwillingen, Zwillingsstreifung erkennbar;
Hypersthen, schwärzlichbraun mit sehr vollkommener Spaltbarkeit auf orthogo-
nalen Spaltungsflächen, oft mit kupferrotem Schimmer. Eisenkies in feinen
Körnchen. Auch hie und da schlackiges titanhältiges Magneteisen“.
Als nächst jüngere Gesteine schliessen sich an dem äussersten Saume
dieses krystallinischen Stockes die Leithakalke, welche aber, der fast vollstän-
digen Bedeckung durch Löss oder Congerienschichten wegen, nur an wenigen
Punkten sichtbar werden. Solche Punkte finden sich im Handagolabach südlich
bei Vrtlinska, dann bei Samarica, und auch bei Kutinica, an letzterem Orte ent-
sprechen die dort anstehenden Kalke mehr den Cerithienschichten.
Ausser diesem Gebirgsstock findet sich in dem in Bede stehenden Terrain
nur noch in den vom Kalnikgebirge in den nördlichen Theil des Kreuzer Regi-
mentes eintretenden Ausläufern eine etwas grössere Mannigfaltigkeit von
Gesteinen.
Die Basis der jüngeren Ablagerungen bilden hier die vom Kalnikgebirge
und weiter aus dem Westen vom Ivanczicer Gebirge herüberstreichenden, Sand-
steine der Gailthaler Schichten und des Hallstätter Kalkes, welche von Kalk-
Diabasen in Kamenica Potok westlich von Apatovec durchsetzt werden. Solche
Diabase erscheinen auch beim Sauerbrunnen von Apatovec , wo sich auch
verschiedene Kalktrümmer aus der Tiefe emporgerissen in ihm eingebettet finden,
darunter auch rothe Crinoidenkalke. Der Sauerbrunnen mag an das Vorkommen
dieses Eruptivgesteines gebunden sein.
Zunächst dieser älteren Gesteinsgruppe folgen nun wieder Conglomerate
und Leithakalke , welche das Kalnikgebirge zonenförmig umschliessen. Die
Conglomerate, welche zu unterst liegen und manchmal Kohlenflötzchen ein-
gebettet enthalten, liefern vortreffliche Bausteine, wozu auch häufig die Spitzen
der Berge krönende Leithakalke ihr Contingent stellen.
Als äussere Zone finden sich dann graue mürbe Mergel, die sich an mehreren
Orten als ein den Cerithienschichteu paralleles Glied erkennen Hessen.
Bei Osek, Apatovec und Ivanec südlich schliessen sich dann diesen Zonen in
noch niederer Hügelreihe lockere glimmerreiche Sandsteine mit Liguitflötzen
an, welche den Congerienschichten angehören. Lignitflötze sind bekannt bei
Glogovnica, bei Rassina, bei Apatovec, bei Jagnedovac, und in der Ceklinica bei
Miklonska. Stets sind nicht näher bestimmbare Unionen und Helices mit den
Flötzen zu linden.
Cardium conjungens, Card, apertum, Congeria subglobosa, C. triangu-
laris und Cong. spatliulata sind die vorherrschenden wenn auch nicht zu häufig
erscheinenden Arten. Auch verkieselte Baumstämme fanden sich auf dem Wege
von Sokolovac gegen Miliciani. Die höheren Lagen der Congerienschichten bilden
Thone, die an mehreren Punkten von den Töpfern gewonnen werden, so zu
Sitzung am 1. April. II. Wolf. F. Stoliczka.
217
[in
Berzaja in der Kovacicza Comp, dann bei Marca in der Kloster Ivanecer Comp.
Diesen Thonen scheinen auch die häufig hei Marca vorkommenden Sumpferze
anzugehören, die geröstet gegen 40 Percent Eisen liefern würden.
Diese Thone bilden gegen die Save den allgemeinen Untergrund der
Diluvialdecke, auf welchem sich die Wässer sammeln, die an geeigneten Stellen
als Quellen mit der mittleren Temperatur von 9° Reaumur austreten.
Belvedereschotter in ziemlich mächtigen Lagern tritt in der Umgehung von
Apatovec auf, und erscheint an den Wasserscheiden zwischen Drau und Save an
vielen Punkten. In der Gegend um Novigrad sind seine unteren Lagen conglu-
tinirt, und er liefert hier das einzige Strassenbeschotterungsmaterial für die
ganze Strecke der slavonischen Strasse innerhalb dem Gebiete des Warasdin-
Georger Regiments.
Das Diluvium, vorherrschend aus Löss bestehend, ist oft sehr mächtig. So
fand man dasselbe in dem Platzbrunnen von Beiovar 13 Klafter mit Einschluss
von 2 Fuss Schotter, welcher die wasserführende Schichte über den Congerien-
thonen bildet.
An der Drauseite, in der sogenannten Podravina, finden sich statt dem Löss
weitgedehnte Flächen von dem leicht beweglichen Flugsande, welcher sich in
leichtwelligen Hügeln nach der herrschenden Windrichtung ordnet.
Das Alluvium ist auf die grösseren Flüsse dieses Gebietes beschränkt,
welches sich in grossen Thal Weitungen alljährlich erhöht, wie der Casmabach zeigt.
Herr Dr. F. Stoliczka gab eine Uebersicht der jüngeren Tertiär-Ablage-
rungen des südwestlichen Ungarn.
Die Tertiärbildungen dieses Gebietes hängen unmittelbar zusammen mit
jenen, welche die nach Osten hin offene Gratzer Bucht ausfüllen.
Auf die Absätze mariner Bildungen, deren östliche Grenze ziemlich mit dem
Laufe der Mur zusammenfällt, folgte in der Gratzer Bucht die Ablagerung der
Cerithienschichten. Diese rücken viel weiter nach Osten hinaus und reichen
nördlich von Radkersburg bis auf das ungarische Gebiet, wo sie sich fast rings
herum um die krystallinische Insel zwischen Szerdicza und Kalch ausbreiten. Am
deutlichsten sind die Cerithienschichten bei Vecsezlavecz und Vizlendva ent-
wickelt und durch zahlreiche Fossilien charakterisirt, wie Tapes gregaria , Ervilia
podolica, Cerithium pictum, rubiginosum disjunctum, Trochus podolicus u. s. w.
Vorwiegend sind es Sand und Sandsteine. Nur untergeordnet kommen oolithische
Kalksteine als eingelagerte Bänke vor , die dann fast ausschliesslich aus
incrustirten Polystomella crispa und subumbilicata,Rosalina viennensis , Cypris -
schalen und Muschelfragmenten zusammengesetzt sind.
Viel ausgedehnter sind die Ablagerungen der Inzersdorfer Schichten,
welche fast die ganze Gratzer Bucht ausfüllen, die früheren Bildungen grössten-
theils verdecken und bis über den Plattensee hinaus fortsetzen. Sie bestehen im
Westen aus Wechsellagerungen von Sand und Tegel oder einem Gemisch von
beiden, im Osten vorzugsweise aus Sand und Sandstein. Zahlreiche Fossilien
charakterisiren in den östlichen Gebieten diese Schichten, worunter Melanopsis
Bouei und pygmaea, Pisidium obliquum, Valvata piscinalis und Balatonica ,
Paludina Sadleri , Cardium apertum u. v. a. die häufigsten sind. Hierher
gehören auch die Säugethierknochen von Baltavär, deren specielle Bearbeitung
Herr Professor Suess übernommen hat. Am häufigsten kamen hier Reste des
Hipparion gracile, Antilope brevicornis u. e. a. Wiederkäuer vor; Raubthiere
sind selten; noch seltener Fischreste.
Viel mehr untergeordnet sind Fossilien in den nördlichen Gegenden zu
finden, wie bei Stegersbach und Rothenthurm , an ersterer Localität treten zahl-
CG^
Verhandlungen.
218
[«2]
reich e Melanopsis Mariiniana, M. pygmaea, Cardium apertum u. a. auf, an
letzterer ist nur Congeria spathulata sehr häufig.
Ueber den Inzersdorfer Sanden folgen die ausgedehnten Schotter-Ablage-
rungen, welche durch ihre Quarzgeschiebe, wie Professor Suess gezeigt hat.
als Fluss-Sedimente anzusehen sind. Der Strom dieser Geschiebe kam vorzugs-
weise von Norden und ihre Grösse nimmt nach Süden immer mehr ab, bis sie
entweder ganz verschwinden oder nur sehr untergeordnet auftreten. Mit der
Ablagerung der Belvedereschotter schloss auch hier die Miocenperiode, wie dies
gleichfalls im Wiener Becken der Fall ist.
Von Eruptivgesteinen treten im südwestlichen Ungarn nur einzelne ßasalt-
tuffe auf. So nördlich von der Raab bei Giising und Tobaj. An letzterem Punkte
enthält der Basalttuff zahlreiche Einschlüsse eines Hornblendegesteins, sehr viel
basaltische Hornblende und Olivinbomben. Südlich von der Raab sind die Vor-
kommnisse bei Ober-Limpach und Neuhaus zu erwähnen. Bei Neuhaus kommen
in dem Basalttuff gar nicht selten Stücke von oolithischem Cerithienkalk mit
Polystomella crispa , Cerithium rubiginosum und Cardium obsolet um vor.
Olivinbomben sind auch hier gar nicht selten, wohl aber Hornblende. Die auf-
fallendsten Einschlüsse sind jedoch, einzeln und schichtweise, geröstete Quarz-
geschiebe, die dem Belvederschotter angehören.
Dieselbe Beobachtung machte auch schon früher Andrae an den steirischen
Tuffen und es geht daraus hervor, dass die Basalt-Eruptionen aus der Zeit des
Inzersdorfer Sees bis in die Periode hinaufreichen, wo der Belvedereschotter ab-
gesetzt wurde.
Herr Dionys S tu r berichtet über die neu-tertiären Ablagerungen in West-
Slavonien, als dritte Abtheilung aus seiner diesjährigen geologischen Uebersichts-
aufnahme. (Siehe dieses Heft, Seite 285.)
Jahrbuch
12. Band.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft II.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 29. April 1862.
Herr Director W. Haidinger im Vorsitz.
Auch in diesem Jahre wurde , wie in den vorangegangenen, in der Winter-
Schlusssitzung von Herrn Director Haidinger Bericht erstattet über die aus
den Sommerarbeiten 1861 gewonnenen geologisch-colorirten Karten und Druck-
schriften, welche im vorgezeichneten Wege durch Seine Excellenz Herrn k. k.
Staatsminister Ritter v. Schmerling an Seine k. k. Apo stolis che Majestät
in tiefster Ehrfurcht geleitet worden waren. Es waren dies folgende Blätter:
1. Vier Sectionen der k. k. General -Quatiermeisterstabs-Specialkarten in dem
Maasse von 1 Zoll = 2000 Klafter oder 1 : 144*000 der Natur, und zwar Nr. IX,
Umgebungen von Jicin und Hohenelbe und Nr. X, Braunau und Nachod, ersteres
welches im verflossenen Jahre noch unvollständig war, beendigt, letzteres zum
grössten Theile, beide von Herrn Sectionsgeologen Johann Jokely, welcher seit-
dem als Professor bei dem K. U. Josephs-Polytechnicum eingetreten ist. Die
beiden Sectionen Nr. XV, Neu-Bidschow und Königgrätz, und Nr. XXI Chrudim
wurden von Herrn k. k. Bergrath M. V. Lipoid und Herrn Sectionsgeologen
Freiherrn von Andrian gewonnen. Durch Uebersichts-Aufnahmen gaben uns
die Herren Franz Ritter v. Hauer, Dr. Guido Stäche und Dr. Ferdinand Sto-
liczka, welchen sich Herr Karl M. Paul als freiwilliger Theilnehmer an den
Arbeiten angeschlossen hatte — er ist seitdem in unseren näheren Verband
getreten — sechs Blätter der Administrativkarten von Ungarn, in dem Maasse
von 1 Zoll auf 4000 Klaftern oder 1 : 288.000 der Natur, und zwar Nr. IX
Steinamanger, Nr. X Ofen-Pesth, Nr. XI Szolnok, Nr. XIII Gross -Kanischa,
Nr. XIV Fünfkirchen , Nr. XV Szegedin und Arad. Bei der grossen Ausdehnung
und den vielfach in mehreren Districten gewonnenen neuen Thatsachen muss
als eine wichtige Theilnahme an der Arbeit auch der in dem früheren Jahre 1860
von Herrn Professor Dr. K. Fr. Peters in der Umgebung von Fünfkirchen
durchgeführten Aufnahmen Erwähnung geschehen. Den Herren k. k. Bergrath
Fr. Foetterle und Sectionsgeologen D. Stur und H. Wol f grösstentheils abge-
sondert, unabhängig von einander auf dem weit ausgedehnten Arbeitsfelde wirkend,
gehören die auf der Administrativkarte dargestellten Theile von Croatien und der
Militärgrenze, so wie die zwei westlichen Blätter der Generalkarte der Woj-
wodina und des Temeser Banates u. s. w. in dem Maasse von 1 Zoll = 4000 Klafter
so wie die Karte der slavonischen Militärgrenze in dem Maasse der Strassenkarte
oder von 1 Zoll = 6000 Klaftern oder 1 : 432000 der Natur.
Bis in den gegenwärtigen Abschluss machten sich die Störungen des Jahres
1 860 in der Gewinnung von Druckgegenständen fühlbar, indem nur das einzige,
zweite und zugleich Schlussheft des XI. Bandes unseres Jahrbuches den Karlen
beigelegt werden konnte. Es enthält auch in der That nur die einzige classische
der k.k. geologischen
Reichsanstalt.
220
Verhandlungen.
[2]
Abhandlung von Freiherrn v. Richthofen über die Trachyte von Ungarn und
Siebenbürgen, so wie die Berichte aus unserem wissenschaftlichen Leben das
ganze Jahr 1861 hindurch. Freilich ist das erste Heft Jahrbuch 1861 und 1862
bereits in unserer Sitzung am 7. Jänner vorgelegt worden, aber es bildet einen
Theil des XII. Bandes, der dann im künftigen Jahre 1863 in der früher gewohn-
ten Weise wird, so hoffen wir, geschlossen werden können.
Noch ein schönes neugewonnenes Heft von Herrn Dr. Moriz Hörn es fossilen
Mollusken des Wiener Tertiär-Beckens konnte angeschlossen werden, indessen
werden diese Hefte wie bei dem ersten Bande desselben Werkes, dem dritten
Bande der Abhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt, aufgesammelt bis
der zweite Band selbst, der vierte unserer ganzen Reihe abgeschlossen ist.
Den vorhergehenden Gegenständen wurde noch aus unserer Sitzung am
18. März der von Herrn Director Haidinger erstattete Bericht über die Vor-
gänge in der k. k. geologischen Reichsanstalt im Februar dieses Jahres ange-
schlossen , so wie endlich das Heft in englischer Sprache , welches auch
vorgelegt wurde: The Imperial and Royal Geological Institute of the Austrian
Empire. London International Exhibition 1802. Vienna I. and R. Court and
Government Press. Das letztere bezieht sich auf die Gegenstände der Londoner
Ausstellung, welche von der k. k. geologischen Reichsanstalt dorthin entsendet
wurden, und gibt eine rasche Uebersicht des Personalstandes der Aufgaben und
zur Verwendung gestellten Mittel; einen Bericht über die Gewinnung jeder ein-
zelnen der zehn aufgestellten Karten, von 1. Ober- und Nieder-Oesterreich,
2. Salzburg, 3. Steiermark und Illyrien, 4. Böhmen, 5. Tirol, 6. Lombardie
und Venedig, 7. Ungarn, 8. Banat, 9. Siebenbürgen, 10. Galizien, für welche zu
leichterer Orientirung ein in Umrissen ausgeführtes Kartenskelet beigegeben ist.
Ferner ein Wort über den Inhalt der gesandten Druckschriften und die Natur
der von Herrn Karl Ritter v. Hauer dargestellten Krystalle. Endlich die 239
Nummern des Verzeichnisses von Exemplaren von fossilem Brennstoff, der auf
Veranlassung des k. k. österreichischen Ausstellungscomites von der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt besorgten, von Hrn. k. k. Bergrath Foetterle geordneten
Gesammtausstellung dieser Gegenstände. Nebst der nach Kronländern gegebenen
geographischen Lage der einzelnen Unternehmungen ist noch die Anzahl der in
Arbeit stehenden Flötze, die Anzahl der Arbeiten und Dampfmaschinen, die
Natur der Kohle nach Aschen- und Wassergehalt, der möglichen Darstellung von
Coke, den Wärme-Einheiten und in runder Zahl von Tonnen (eine Tonne =
1814 Wiener Pfund oder 20*32 Zollpfund). Von den etwa 3*5 Millionen Tonnen
der Erzeugung an Steinkohlen und Braunkohlen in Oesterreich sind etwas über
2 Millionen durch die Exemplare der Gesammt-Ausstellung vertreten. Sie geben
also allerdings ein sehr entsprechendes Bild des Zustandes unserer Industrie in
Bezug auf fossilen Brennstoff, Torf, Braunkohle und Lignit, Steinkohle, Anthracit.
Herr Director Haidinger spricht bei dieser Veranlassung noch seinen verbind.-
lichsten Dank den hochgeehrten Besitzern und Werksleitern aus, welche sich
freundlichst dieser Gesammtausstellung angeschlossen haben. Es werden Exem-
plare des Ausstellungsberichtes an sämmtliche wohlwollende Theilnehmer ver-
sandt werden. Zu diesem Zwecke wurde von der Auflage von 6000 vorläufig die
Anzahl von 1000 Exemplaren zurückbehalten, 4000 Exemplare nach London ab-
gesandt. In unsern eigenen Räumen wird aber nun eine ganz ähnliche Ausstellung
als Sammlung für immerwährende Zeiten vorbereitet, in welcher auch später
einzusendende Musterstücke Platz finden werden, welche wegen Kürze der Zeit
oder aus anderen Umständen nicht für die Ausstellung in London an uns einge-
sendet waren.
[3]
Sitzung am 29. April. W. Haidinger.
221
Herr Director Hai ding er legt sodann die für die Ausstellung in London
ausgeführte Tafel, mit dem Farbenschema der sämmtlichen geologischen Karten
vor, mit Bemerkungen, welche am Schlüsse des gegenwärtigen Berichtes gege-
ben werden.
Unsere diesjährigen ITntersuchungsaufgaben theilen sich in zwei ganz ent-
gegengesetzte Richtungen. Die nördliche Section unter Herrn k. k. Bergrath
M. V. Lipoid, als Chefgeologen mit den Sectionsgeologen Herren F. Freiherrn
v. Andrian, H. Wolf und K. Paul, hat die Aufgabe der Aufnahme der östlich-
sten Karten-Sectionen von Böhmen, Nr. XVI Umgebungen von Reichenau,
Nr. XXII Umgebungen von Hohenmauth und Leitomischl, Nr. XXVII Umgebungen
von Deutschbrod und Nr. XXVIII Umgebungen von Policzka, die drei ersteren,
obwohl Grenzblätter, doch viel zu untersuchendes Land enthaltend, die letzteren
nur wenig davon. Dagegen ist auch noch vom verflossenen Jahre von der Section
Nr. X Umgehungen von Braunau und Nachod der südlichste Theil zu vollenden
übrig. Man sieht, die Aufgabe ist eine sehr ansehnliche, daher die Herren Geo-
logen sich vorbereiten, mit dem Beginne des Mai in ihre Bezirke abzugehen. Es
ist uns wichtig, gerade in diesem Jahre die Arbeiten der Aufnahmen in Böhmen
zu einem Abschlüsse zu bringen, um ein Exemplar der ganzen Karte des König-
reiches Böhmen selbst auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Arzte
in Karlsbad vorlegen zu können. Daher denn auch mehrere Kräfte dahin entsen-
det werden mussten.
Zwei Sectionen gehen dagegen südlich, und zwar Section II unter ..Herrn
k. k. Bergrath Foetterle mit den Herren Sectionsgeologen D. Stur und
Dr. F. Stoliczka in die croatisehe Militärgrenze, so zwar, dass Herr D. Stur
östlich die zwei Banalregimenter von Glina und Petrinia vornimmt, und einen
Theil des Szluiner, wo sich dann Dr. Stoliczka anschliesst und nebst einem
Theile des Szluiner noch das Oguliner Regiment nimmt und sich im Ottocaner
an Herrn Bergrath Foetterle anschliesst, dem selbst noch das Liccaner Regi-
ment zufällt.
Die Section III unter Herrn k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer und Herrn
Sectionsgeologen Dr. G. Stäche, hat Dalmatien zur Aufgabe. Es hat sich den-
selben ein uns angelegentlichst empfohlener Freund, Herr Dr. Karl Zittel als
freiwilliger Theilnehmer an unseren Arbeiten angeschlossen. Wir freuen uns,
den trefflich vorbereiteten jungen Forscher in dieser Weise in unserer Gesell-
schaft zu sehen, dem eine Subvention der grossherzoglich Baden’schen Regierung
gestattete, sich näher mit den Arbeiten an unserer k. k. geologischen Reichs-
anstalt und den wissenschaftlichen Fortschritten überhaupt in den uns zunächst
liegenden Zweigen der Naturfoschung in Wien bekannt zu machen. In ähnlicher
Weise hatte Herr Dr. Ferdinand Zirkel von Bonn mehrere Monate des Winters
an unseren Arbeiten Theil genommen, sowie er auch eine sehr werthvolle kry-
stallographische Arbeit über den Bournonit im k. k. Hof-Mineraliencahinet durch-
führte. Es ist gewiss höchst anregend, zu sehen, wie viele Anerkennung uns auf
diese Weise dargebracht wird, durch die Anziehung für jüngere Forscher, wel-
chen ein innerer Trieb die Arbeit zum Bedürfnisse macht, wahre Ergebnisse
freiwilliger Arbeit, welche allein zu Erfolgen führt. Aber ich darf auch aus der
gegenwärtigen Veranlassung, wo die noch zuletzt genannten Herren ihre Zeit
und ihre Arbeit zwischen den Aufgaben und Hilfsmitteln der k. k. geologischen
Reichsanstalt und des k. k. Hof-Mineraliencabinetes theilten, nicht versäumen,
unserem wohlwollenden Freunde und erfolgreichen Arbeitsgenossen in der För-
derung geologischer Interessen, Herrn Dr. Hörnes, als Vorstand jenes reichen
Museums, meine innigste Dankbarkeit auszudrücken und die vollste Anerkennung
222
Verhandlungen.
w
durzubringen, für seine so zweckmässige und kenntnissvolle Leitung der Direetion
desselben. Wichtige Arbeiten sind dort von ihm selbst, von unserem hochver-
dienten Professor Suess und Anderen, durch ihn unterstützt, durchgeführt wor-
den, er wusste die trefflichsten Männer heranzuziehen, von welchen wir leider
bereits zwei, unseren unvergesslichen Grailich, und den verdienstvollen Dau-
ber durch den Tod verloren, nach welchen aber bereits auch A. Schrauf
schon sehr Anerkennenswerthes geleistet. Uns ist diese Verbindung stets von
der grössten Wichtigkeit.
Die Herren Dr. Stäche und Dr. Zittel, die Herren D. Stur und Dr.
Stoliczka sind bereits in ihre verschiedenen Aufnahmsbozirke abgereist. Die
übrigen Herren folgen nach Maassgabe der uns überhaupt vorliegenden Auf-
gaben. Wir dürfen wie in früheren Jahren reichen Ergebnissen entgegensehen,
erleichtert wie uns das Unternehmen durch die wohlwollende Einführung nach
allen Richtungen durch das hohe k. k. Staatsminislerium ist, und wie uns auch
durch das hohe k. k. Finanzministerium die wünschenswerthesten Erleichte-
rungen bei den Untersuchungen der Küstenlinie gewährte. Aber auch von
Privatunternehmungen erfreuten wir uns der wohlwollendsten Aufnahme, wie
uns denn die hochverehrliche Direetion der k. k. priv. Südbahngesellschaft auf
der Linie Wien-Triest, Freikarten erster Classe freundlichst zur Verfügung
stellte, und gleiches vorläufig für die nördlichen Linien der k.k.pr. österr. Staats-
Eisenbahngesellschaft zugesagt ist. Auch für die Benützung der Lloyd-Linien
wurden uns von dem hochverehrlichen Verwaltungsrathe erste Plätze zu dem Preise
der dritten freundlichst gewährt. Wichtig, wie solche Erleichterungen au und für
sich sind, da sie von den doch umschriebenen Reisekosten etwas mehr für wirk-
liche Forschungsarbeit verfügbar erhalten, so möchte ich doch noch einen höheren
Einfluss darin erblicken, dass von diesen grossen, hochachtbaren, einflussreichen
Gesellschaften in der Leitung ihrerAngelegenheiten ein solcher Sinn fürAnerkennung
desWerthes wissenschaftlicher Leistungen ausgesprochen ist, und ich fühle mich
freudig bewegt, indem ich hier meinen innigsten Dank denselben darbringe.
Auch für geographische Aufnahmskarten ist möglichst gesorgt, insoweit sie über-
haupt zur Verfügung gestellt werden konnten, theils durch die freundliche Für-
sorge des Herrn k. k. Generalmajors v. Fligely, dem wir sogar Abdrücke der
noch nicht vollständig ausgeführten k. k. General-Quartiermeisterstabs-Special-
karten 2000Klftr. = 1 Wr. Zoll für Dalmatien verdanken, theils den Herren k. k.
Militär-Grenzregiments-Commandanten, deren jedes nach Kräften für sein eigenes
Bedürfniss in dieser Beziehung zu sorgen angewiesen ist. Namentlich ist unter
diesen die in dem Maasse von 1600 Klaftern = 1 Zoll, oder 1:115.000 der
Natur, von Mathias Kossovich, Feldwebel im k. k. Liccaner ersten Grenzregi-
mente zusammengestellte und lithographirte Karte, welche wir Herrn k. k. Oberst
Adolph Bermann in Gospich verdanken, höchst erwähnenswerth, die sich auf
jene schwierigen Karst-Oberflächengestaltungen bezieht, mit den Hochterrassen
und tiefen Dolinen, mit unterirdischen Flüssen, die mit grossem Wasserreich-
thume plötzlich aus der Kalkwand heraustreten, um nach kurzem Laufe wieder
in gleicher Weise zu verschwinden. Sie stellen unseren Herren Geologen grosses
Interesse, aber auch grosse Beschwerden in der Erforschung in Aussicht !
Die Frage der Mineralwässer war uns in der letzten Zeit durch mehrere
Anfragen nahe gerückt. Unter andern sandte Herr k. k. Revierförster Eduard
Pauli zu Hryniawa bei Kuty im östlichen Galizien (Kolomea) Proben eines sehr
viele schwefelsaure Salze enthaltenden Schwefelwassers, dessen Quelle erst in
der letzten Zeit von dem gr. k. Pfarrer zu Fereskul, am weissen Czeremoszflusse,
hochw. Herrn Thaddäus Wirsk , in einer Seitenschlucht am Bache Fereskulski,
Sitzung am 29. April. W. Haidinger.
223
[S]
in dem südöstlichen Zuge des karpathischen Waldgebirges iu einer Höhe von
2000 Fuss über dem Meere entdeckt v^rden war. Die Quelle friert im Winter
nicht ab, ihre Temperatur ist 7° R. Bei dem Umstande, dass sie so reich an
schwefelsauren Salzen ist, und die eingesammelten Proben nicht rein von
Schlamm waren, dürfte wohl die Zersetzung durch organische Theile einen Ein-
fluss auf den Gehalt an Schwefelwasserstoff genommen haben.
Gerade in den letzten Tagen, wo uns eine vorläufige Nachfrage um gewisse
Quellen höchst wichtig war, erhielten wir von Herrn Braumüller zugesandt das
Werk: „Die Heilquellen und Curorte des österreichischen Kaiserstaates und Ober-
Italiens“, nach amtlichen Mittheilungen bearbeitet von Herrn Dr. August Frei-
herrn v. Härdtl, Badearzt zu Badgastein, mit Vorworte der Herren Doctoren
Oppolzer und Sigmund, eben erst 1862 erschienen. Mineralwasser, Quellen
überhaupt sind so innig mit der geologischen Beschaffenheit des Landes verbunden,
dass wir die reiche uns gebotene Übersicht der in unserem Kaiserreiche so weit
verbreiteten Erscheinungen dieser Art mit dem grössten Danke annehmen. Man
hat oft die Quellen mit wahren Gebirgsarten , Lagermassen, Gangausfüllungen
verglichen. Gewiss dürfen sie auf diese Stellung Anspruch machen, ja in ihrer
fortwährenden Bewegung sind sie Urkunden der Veränderungen, welche in dem
stets wechselnden Zustande des festen Theiles unserer Erdrinde stattfinden. So
wie sie durch ihre Verwendung der menschlichen Gesellschaft unentbehrlich
sind, bilden sie einen höchst wichtigen Abschnitt unserer geologischen Studien,
welchem auch unsere Aufmerksamkeit stets gewidmet bleibt.
Mit besonderem Vergnügen bewahren wir fortan in unserem Archive das
von Herrn Sectionsgeologen H. Wolf uns dargebrachte „Profil der k. k. pr.
Kaiserin Elisabeth-Westbahn“ in dem Maassstabe von SO Klaftern auf einen Zoll
(1 : 35 000 der Natur) für die Längen und 4 Klafter auf einen Zoll (1 : 2*800
der Natur) für die Höhen. Es ist dies das Original der Aufnahme, von welchem
eine Copie eben jetzt in der Gesammtausstellung der österreichischen Eisenbah-
nen in London zur Anschauung gebracht wird. In drei Sectionen gibt es die Ver-
hältnisse der Abschnitte von Wien -St. Pölten, St. Pölten-Amstetten, Amstetten-
Linz. Herr Wolf begann seine Arbeiten während des Baues der Eisenbahn im
Jahre 1858. Das Ergebniss wird uns immer als ein praktischer Beweis der
Nützlichkeit solcher fortwährender Untersuchungen darbieten. Herr Wolf be-
nützte jede in den Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt ihm zur Ver-
fügung stehende Zwischenzeit, um die Daten auf zahlreichen Ausflügen aufzu-
sammeln. Wir gemessen nun die Ergebnisse seiner Unternehmungslust und sei-
ner Beharrlichkeit, wie sie nur aus freiwillig eingesetzter Thatkraft gewonnen
werden. Ein wissenschaftliches Ergebniss, durch die Untersuchung der Fossil-
reste, welche Herr Wolf rasch, wie er sie gesammelt, Herrn Dr. Rolle im
k. k. Hof-Mineraliencabinet zur Bestimmung vorlegte, bewiesen ältere und ältere
tertiäre Tegelsedimente, so wie man sich westlich von Wien entfernt. Die neuen
Arten sind von dem letzteren in dem 35. Bande der Sitzungsberichte der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften 1859, S. 193 beschrieben. In einem Be-
gleitschreiben hebt Herr Wolf hervor, wie viel bei Anlage von Eisenbahnen
den eigentlichen Arbeiten vorangehende geologische Untersuchungen Vortheile
zu gewähren im Stande sind, indem nur dadurch auch die Natur der Schichten,
die man antrifft, gehörig gewürdigt wird, und bezeichnet auch die Richtungen
zur Beurtheilung der Verhältnisse. Gerne stimmen wir diesen Ansichten des
strebsamen Forschers bei. Mit grösster Befriedigung sehen wir aber auch den
günstigen Einfluss, welchen wissenschaftliche Ergebnisse für die Anwendung,
für die Praxis gewähren, in immer weiteren Kreisen anerkannt. Gewiss sind
dd
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band. 1861 und 1862. Verhandlungen.
224
Verhandlungen.
[«]
die innigsten Beziehungen nicht zu verkennen, wie wir in der k. k. geologischen
Reichsanstalt uns so oft zu überzeugen Gelegenheit finden. Wir werden es uns
auch gewiss immer angelegen sein lassen, und im Einzelnen so weit es uns nur
immer möglich ist, den Bedürfnissen unsers Vaterlandes uns zu weihen.
Als Fortsetzung der in der Sitzung vom 4. Februar 1862 (Jahrbuch der
k. k. geologischen Reichsanstalt, Verhandlungen Seite 175) gemachten Mitthei-
lung, sprach Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid über die Eisensteinlager an der
West- und Nordseite des Beckens der silurischen Grauwackenformation Böhmens.
„An der Westseite des Beckens, und zwar westlich von Komorau und Cerhowice
erscheinen die obersilurischen Schichten der böhmischen Grauwackenformation,
so wie von den untersilurischen Schichten die oberen Abtheilungen — die
Hostomnicer Schichten, — nicht mehr, sondern nur die tieferen Abtheilungen
der untersilurischen Schichten, nämlich der Brda- (Barr. dz) die Kokvcaner,
Komorauer und Krusnahora- Schichten (Barr. d{). Dies ist auch der Grund,
warum die eisensteinführenden Komorauer Schichten an zahlreicheren Punkten
zu Tage treten, und die Eisensteinlager durch zahlreichere Aufschlüsse in Berg-
bauen bekannt sind. Überdies haben in diesem Terrain Porphyre mehrfache
Hebungen und Entblössungen der Schichten veranlasst, und die Brdaschichten
erscheinen an mehreren Orten (Cilina-Berg, Trojan-Berg) als isolirte Partien
ringsum von Rokycaner Schichten umgehen. Berghaue auf Eisensteine befinden sich
auf der bezeichneten Westseite des Beckens am Giftberg bei Hlawa und Klestenic
nächst Komorau, bei Kwaiu und Zagecow nächst St. Benigna, bei Tien und
Strasic, bei Chesnowic, am Karisek-, Borek- und Bukow-Berg. Westlich von
Cerhowice, die Ausky-Zeche bei Holoubkau, bei Sweikowic, bei Pilsenec, zu
Klabawa, Eipowic und Kischic; westlich von Rokycan, endlich nördlich von
Wossek bei Brezina, am Ratschberg und Berchlow, östlich von Radnitz. Die
wichtigsten dieser Bergbaue sind jene der Umgebung von Komorau, St. Benigna
und Rokycan. Bezüglich der Lagerungsverhältnisse führte Herr Bergrath Lipoid
die Kwainer und Klabawa-Eipowicer Zechen beispiel weise an. ln der zur Aerarial-
herrschaft Zbirow gehörigen Kwainer Zeche sind drei Erzlagen, welche Stunde
4 — 5 (NO., 15 — 30° 0.) streichen, und mit 35° in NW. einfallen, und welche
durch taube Zwischenmittel von 10 — 12 Klafter getrennt sind, im Streichen
ungefähr 600 Klafter weit aufgeschlossen. Das Hangendlager ist 3 Klafter, das
Mittel- und Hauptlager 1 Klafter 2 Fuss und das Liegendlager 3 Fuss mächtig.
Die beiden ersteren führen linsenförmige Rotheisensteine, das letztere dichte
Rotheisensteine. Die Erzlager haben jedoch durch Verwerfungen und Ver-
drückungen vielfache Störungen erlitten. In der Klabawaer und Eipowicer Zeche
werden ebenfalls drei Erzlager von linsenförmigen und dichten Rotheisensteinen
und Sphärosideriten, je 1 — 2 Klafter mächtig, mit tauben Zwischenmitteln von
1 — 2 Klafter, abgebaut. Die Erzlager streichen Stunde 7 (0. 15° SO.), und
verflächen 30 — 45° in Süd, haben jedoch gleichfalls mehrfache Verschiebungen
im Streichen und Verflächen erlitten.
An der Nordseite des Beckens bilden die Komorauer Schichten einen
zusammenhängenden Zug, der sich von Zebrak in nordöstlicher Richtung bis
Ptic bei, Swarow erstreckt, von dort an von Kreidebildungen bedeckt wird, und
in der Sarka bei Prag wieder zum Vorschein kommt. In diesem Zuge treten an
vielen Punkten die den Komorauer Schichten eigenthümlichen linsenförmigen
Rotheisensteine auf, und sind Grubenbaue auf dieselben bei Hredl, Zdice, Dubowa,
Hiskow, Libecow und Swarow eröffnet. Der Eisensteinbau bei Zdice, in welchem
ein 8 Klafter mächttiges Erzlager steinbruchmässig ausgebeutet wird, zeigt eine
dreimalige Biegung und Verwerfung des Lagers. Durch Pfibramer Schiefer
Sitzung am 29. April. M. V. Lipoid.
225
[*]
von dem erwähnten Zuge getrennt, erscheint ein paralleler schmaler und isolirter
Zug von Krusnahora-, Komorauer und Brda-Schichten zwischen Hfebeny und
Otrosin bei Kubiow und Neu-Joachimsthal. In diesem Zuge sind Eisensteinbaue
nächst Hfebeny, am Welisberg und an der Krusnahora. Letztere theils ärarisch
theils fürstlich Furstenbergisch, haben am nördlichen Gehänge der Krusnahora
die Erzlager nach dem Streichen über 1000 Klafter weit, und nach dem Ver-
flächen 150 Klafter tief aufgeschlossen. Man unterscheidet an der Krusnahora
drei Lager von linsenförmigem Rotheisenstein (42 — 46 Procent Eisen enthal-
tend) deren Liegendes oder Hauptlager 5 — 6 stellenweise selbst 8 — 10
Klafter Mächtigkeit besitzt. Verwerfungen der Lager fehlen auch hier nicht. Das
Streichen derselben ist Stunde 4—6 (0.), das Einfallen widersinnisch 35 — 50
Grad in Süd. Da in neuerer Zeit am Südgehänge der Krusnahora, deren Kuppe
aus Brda-Schichten besteht, die Komorauer Schichten mit Erzlagern, jedoch mit
widersinnischem nördlichen Einfallen erschürft wurden, so ist dadurch die
muldenförmige Lagerung der Schichten nachgewiesen.
Bei Nucic nächst Tahlowic mehr gegen das Innere des sibirischen Beckens
steht ein 8 Klafter mächtiges Eisensteinlager, theils von Seite der fürstlich
F ürs te n b er g’schen Werke, theils von Seite der Prager Eisenindustrie-Gesell-
schaft (Kladno) in Tagbau. Die Erze dieses Lagers, welche in Kladno ein Aus-
hringen von 35 — 40 Procent gehen, sind im Allgemeinen gleichartig den Erzen
der Komorauer Schichten überhaupt. Dennoch ist es zweifelhaft, ob dieses Erz-
lager nicht schon den höheren Vinicer Schichten angehören. Letzterer Ansicht
ist Herr Barrande, während Herr L i p o 1 d auch das Nucicer Erzlager als in
Komorauer Schichten liegend ansieht, die sich in gestörter Lagerung befinden.
Es ist dies ein unermesslicher Reichthum an Eisensteinen, welchen die
silurischen Komorauer Schichten von Böhmen bei ihrer vielen Meilen weiten
Erstreckung ringsum im Silurbecken und bei ihrer durchschnittlich grossen
Mächtigkeit beherbergen; in der ärarialischen Grube an der Krusnahora enthalten
allein die gegenwärtig aufgeschlossenen Erzmittel 15 Millionen Centner
Eisenstein.
Herr Lipoid gedachte auch dankend der Herren Bergverwalter Heinrich
Becker in Komorau, k. k. Bergmeister Anton Auer in St. Benigna, k. k. Berg-
meister Friedrich Czerny in Wossek, k. k. Bergmeister Johann Gross und
fürstlich Fü rste nb erg'scher Markscheider Otto Mayer in Neu-Joachimsthal
und Bergmeister Georg Paulus in Pilsen, welche ihn nicht nur bei seinen geo-
logischen Aufnahmen freundlichst unterstützten , sondern ihm auch werthvolle
Daten über die Eisensteinlager bereitwilligst an die Hand gaben.
Herr Bergrath M. V. Lipoid legte ferner eine Reihe von Versteinerungen
vor, welche an die k. k. geologische Reichsanstalt als Geschenke eingelangt
waren, und zwar zwei Stück Kalkschiefer aus dem Rothliegenden von Kalna süd-
lich von Hohenelbe in Böhmen mit Fährten von Saurichnites salamandroides
Gein., das eine vom Herrn Bergbauunternehmer Alois Seifert, das andere von
Frau Josephine Kablik in Hohenelbe. Frau Kablik hatte nebstdem noch Iserin-
Geschiebe eingesandt. Eine Sammlung von 100 Stück Versteinerungen aus den
Amaltheenmergeln und den Kössener Schichten des Enge-Thales bei Vils in
Tirol, eingesendet von Herrn Johann Fl. Kutschker, k. k. Zollamts-Official; aus
den Amaltheenmergeln: Ammonites Amaltheus Schloth . , margaritatus Montf.
und Ammonites radians Rein, in zahlreichen und einzelnen ausgezeichneten
Exemplaren; aus den Kössener Schichten: Cardita austriaca Hau., Avicula
Portlocki und Terebratula sp. ? Die schätzenswerthe Sammlung war von einer
genauen Beschreibung der Localitäten begleitet. Endlich eine Sammlung von
rld*
226
Verhandlungen.
[8]
Tertiärpetrefacten aus der Umgehung von Kovacs im mittleren Lapos- Gebiete
Nord-Siebenbürgens, eingesendet von Herrn Franz Posepny, k. k. Kohlenschurf-
leiter in Kovacs, als Beleg zu seiner von Herrn k. k. Bergrath Ritter Franz von
Hauer in der Sitzung am 18. März 1862 (Verhandlungen, Seite 192) vorge-
legten Karte und Beschreibung des bezeichneten Gebietes. Nach den Bestim-
mungen des Herrn Dr. Guido Stäche befinden sich darunter: Aus der oberen
Kalketage, entsprechend den Leithakalken, Pecten latissimns Desh. und Null i-
poren; aus den übrigen der oberen Eocengruppe vom Alter von Ronca ent-
sprechenden Schichten, Ostrea fimbrioid es Bolle , 0. lamellaris Desh. , Tcre-
bratula granulosa Desh.» T. imbricataria Lnmk., Cerithium diaboli A. Brongti.,
Natica crapatina Desh.. Cardium gratum Desh.» Mnctra ? sirena Brongn .,
Pecten solea Desh. und Planorbis sp.
Herr Karl M. Paul gibt eine Uebersicht der rhätischen, Lias- und Jura-
Bildungen im Bakonyer Gebirge. „Es ist bereits wiederholt hervorgehoben
worden, dass das Vertes-Bakonyer Gebirge aus einem, ziemlich regelmässig von
Nordost nach Südwest streichenden, und nach Nordwest verflächenden Zuge
rhätischer und triassischer Gebilde besteht , welche, von jüngeren Schichten
umsäumt, die topographische Axe des Gebirges bilden, während die geologische
(Hebungs-) Axe in den Graniten des Meleghegy (Nordost von Stuhl weissen bürg)
und deren südwestlicher Fortsetzung, den krystallinischen Kalken des Särhegy
zu suchen ist.
Ueber die triassischen Glieder des erwähnten Gebirgszuges (Verrucano,
Werfener Schiefer, Guttensteiner Schichten, Esino-Dolomit] ist bereits von Herrn
v. Hauer1) und mir selbst2) berichtet worden, es erübrigt nur noch über die
rhätischen Glieder desselben (Dachsteinkalk und Hauptdolomit) und über die an
dieselben sich anschliessenden Lias- und Jura-Gebilde einige kurze Notizen mit-
zutheilen.
Der Dacbstei nkalk und der mit demselben stets einig verbundene
Dolomit (die relative Grenze konnte bei der Uebersichtsaufnahme nicht überall
scharf ermittelt werden, im Allgemeinen nimmt der Kalk stets die nordwestlichen,
der Dolomit die südöstlichen Partien des Zuges ein) beginnt östlich von Unter-
Galla als zusammenhängender Gebirgszug, während er in dem unmittelbar nörd-
lich anstossenden, von Herrn Professer Dr. Peters untersuchten Terrain3) mehr
in isolirten Kuppen aus der Diluvial- und Neogen-Ebene hervorragt; setzt dann
in südwestlicher Richtung bis Moor und Söred fort, bildet hier östlich von Moor
ihm Czoka die höchste Kuppe dieses Theils des Gebirgszuges (1512 Fuss), und
bricht dann plötzlich in einer auf die allgemeine Streichungsrichtung beinahe
senkrechten Linie ab. Das hiedurch entstehende Querthal , nur von Alluvium,
Diluvium und einigen Spuren von Miocen-Gebilden ausgefüllt, bildet zugleich die
Grenze zwischen dem Vertes-Gebirge, und dem südwestlich von der Spalte sich
erhebenden eigentlichen Bakonyer Walde, in dem die Fortsetzung des Dachstein-
kalkzuges bei Baiinka, Isztimer und Kutti auftritt, und sich weiter mit gleichem
südwestlichem Streichen und nordwestlichem Verflächen wie im Vertes-Gebirge
über den Köreshegy (war von Palota) Nagyhegy, Poczos und Gyöngyöshegy
fortzieht, während bei Nagy Estergar von diesem Hauptzuge ein zweiter Zug
abzweigt, der sich in einem, nach Norden convexen Bogen, dessen nördlichste
Partien ungefähr zwischen Czesnek und Fenyöfö liegen, bis in die Gegend von
*) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. XII. Bd., II. Heft, Verhandlungen S. 164.
2) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. XII. Bd., II. Heft. Verhandlungen S. 20a.
8) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalf. X. Jahrg., IV. Viertelj., Seite 483.
Sitzung am 29. April. K. M. Paul.
227
[9]
Jako und Nemetbänya erstreckt. Die Lage der Schichten in diesem Nebenzuge
ist der im Hauptzuge herrschenden entgegengesetzt, das Fallen im Allgemeinen
ein südöstliches, daher auch die Dolomitpartien hier im Gegensätze zum Haupt-
zuge im Nordwesten des Zuges vorwiegen. Das Becken, welches durch den
Hauptdachsteinkalkzug und den erwähnten antiklinalen Nebenzug eingeschlossen
wird, ist von einer reichen Reihenfolge jüngerer Schichten, von Lias bis zum
Diluvium, ausgefüllt, und dürfte nach dem ungefähr in der Mitte desselben liegen-
den Benedictinerstifte am besten als Becken von Zircz bezeichnet werden.
In petrographischer Beziehung unterscheidet sich der Dolomit in keiner
Weise von dem Hauptdolomite der Alpen; es findet sich sowohl die charakteristi-
sche weiss gestreift, als auch die eigenthümlich fettartig glänzende breccien-
artige Varietät vertreten. Der Kalk jedoch zeichnet sich durch auffallend weisse
Färbung aus, die sich im Verlaufe des ganzen Zuges so ziemlich gleich bleibt;
nur der Hügel, auf welchem die Ruine Czesnek liegt, und dessen nächste Umge-
bung wird durch eine röthlich gefleckte und stark krystallinische Varietät gebildet,
welche leicht mit Hallstätter Schichten verwechselt werden könnte, wenn nicht
deutliche Spuren der Dachsteinbivalve darin beobachtet worden wären.
In paläontologischer Beziehung zeigten die in Rede stehenden Bildungen
die gleiche Armuth, wie in anderen Theilen der Alpen; doch wurde Megalodon
triqueter an vielen Stellen beobachtet; so im Vertes-Gebirge am Czoka bei Moor
im Bakonyer Walde bei Oszlop, Czesznek, Kardosret, Porwa etc.; an einer Stelle
zwischen Olaszfalu und Puszta- kis-Tees fanden sich ausser der Dachsteinbivalve
Durchschnitte von Gasteropoden und Korallen und eine glatte Terebratel, leider
alles in zu geringer Anzahl und schlechter Erhaltung, um eine Bestimmung zu
ermöglichen. Bei einer dereinstigen Detailaufnahme dieses Terrains dürfte in-
dessen eine sorgfältige Ausbeutung dieser Localität interessante Bereicherungen
für die Fauna der in Rede stehenden Schicht ergeben.
Das unmittelbare Hangende des Dachsteinkalkes sind Lias-Bildungen,
welches sammt den mit ihnen in Verbindung stehenden Repräsentanten des brau-
nen und weissen Jura ihre Hauptverbreitung in dem obenerwähnten Zirczer
Becken haben. Sie treten in demselben am Südrande des nördlichen, und am
Nordrande des südlichen Dachsteinkalkzuges auf, verschwinden mit dem (Neben-)
Zuge bei Nemetbanya unter den Neogenbildungen , setzen aber am Nordrande
des südlichen (Haupt-) Zuges, da der Becken gegen Südwesten offen ist, in
einem von jüngeren Bildungen häufig unterbrochenem Zuge bis Urkut fort. Aus-
ser diesen findet sich im Bakonyer Walde nur auch an einer Stelle, zwischen
Isztimer und Czernye, eine isolirte Partie eines hiehergehörigen Mergels, der
sich am Nordrande des Gebirges eine kurze Strecke lang zwischen dem Dach-
steinkalke und den Eocenbildungen einschaltet. Im Vertes-Gebirge fehlen die in
Rede stehenden Gebilde gänzlich, mit einziger Ausnahme einer kleinen Partie
jurassischen Krinoidenkalkes, welche bei Zsemlye mitten aus den Eocenschichten
herausragt, und offenbar als Fortsetznng der durch Herrn Dr. Peters oben-
citirten Abhandlung bekannten Totisen- Vorkommnisse betrachtet werden muss.
Es lässt sich in dem untersuchten Terrain folgende Gliederung der hierher
gehörigen Gebilde erkennen:
I. Lias, a) Fleckenm ergeh Weisse oder hellgraue, dunkelgefleckte,
dünngeschichtete, hornsteinführende Mergel. Sie liegen an der erwähnten Stelle
zwischen Isztimer und Czernye, und bei Kardosret (nördlich von Zircz) unmittel-
bar auf Dachsteinkalk. Petrefacte wurden nicht in denselben aufgefunden.
bj Adnether Schichten. Rothe, theils thonige, theils krinoidenführende
Kalke. Sie liegen bei Kardosret concordant auf den Fleckenmergeln, an anderen
228
Verhandlungen.
[10j
Stellen konnte ihre unmittelbare Unterlage nicht beobachtet werden. Nur an zwei
Punkten wurden ausser den Krinoiden, Petrefacte darin aufgefunden, nämlich
zu Kardosret Ammonites discoides Ziet. nebst anderen, unbestimmten Ammo-
niten und Orthoceratiten, bei Urkut Ammonites Jamesotii Sow., ein nicht näher
bestimmbarer Ariet, und die gewöhnlichen Orthoceratiten des alpinen Lias.
Wenn man bedenkt, dass Amm. discoides in Schwaben, Frankreich und England
streng auf die oberste Schicht des obern Lias, Amm . Jamesoni ebenso aus-
schliesslich auf die unterste Hegion des mittleren Lias beschränkt ist, so durfte
es vielleicht bedenklich erscheinen, die Schichten von Kardosret und Urkut
mit einander zu vereinigen; da aber beide die Facies der alpinen Adnether
Schichten auf das Ausgesprochenste an sich tragen, und ein Material von 2 Species
dennoch zu dürftig ist, um theoretische Folgerungen daraus zu ziehen, so muss
die Aufhellung dieses Punktes späteren Zeiten überlassen bleiben.
c ) Hierlatz-Sc hi chten. Der nördliche Dachsteinkalkzug bildet im Körös-
hegy (NNO v. ßakonybel 2238 Fuss) die höchste Kuppe des Bakony-Yertes-
Gebirges. Um diese Kuppe lagert sich, von anderen Liasschichten isolirt, eine
kleine Partie eines hellrothen, sehr brachiopodenreichen Krinoidenkalkes herum,
welcher ein sicheres Aequivalent unserer alpinen Hierlatzschichten darstellt Es
fanden sich nämlich darin:
Rhynchonella Fraasi Opp.
„ polyptycha Opp.
Terebratula (WaldheimiaJ mntabilis Opp.
„ „ nimbata Öpp.
Spiriferina alpitia vor. Opp.
Alle Species mit Exemplaren vom Hierlatz genau stimmend.
11. Jora. a) Unmittelbar auf den Adnether Schichten von Kardosret liegt eine,
in dem Gebiete vielfach verbreitete Ablagerung eines theils gelblichweissen,
theils röthlichen dichten Kalksteins, in dem ausser einer seltenen und unbe-
stimmbaren Terebratel keine Petrefacten Vorkommen, daher es unsicher ist, ob
derselbe noch dem Lias oder schon dem braunen Jura zuzuzählen ist. Wo ein
Hangendes derselben zu beobachten ist, sind es stets Krinoidenkalke, diese sind
jedoch, trotzdem, dass sie überall petrographisch gleich sind, keineswegs eine
einheitliche Schicht, sondern es finden sich die Repräsentanten verschiedener
Etagen darin vertreten. So ist b der rothe Krinoidenkalk, der in dem, dem
Stifte Zircz gehörigen Steinbruch zu Olaszfalu (SO. von Zirez) aufgeschlossen
ist, und zahlreiche, leider meist schlecht erhaltene Brachiopoden enthält, durch
Terebratula dorsoplic ata als dem braunen Jura angehörig charakterisirt.
Dieser Krinoidenkalk wird hier von der Kreide angehörigen Radiolithenschichten
überlagert , daher die Localität für das Studium der Lagerungsverhältnisse
der Juraschichten sehr ungünstig ist. c) Einem entschieden höheren Niveau
gehört der weisse Krinoidenkalk von Herend, und der rothe, hornsteinführende
von Urkut an; es finden sich darin Rhynchonella lacunosa, Terebratula bisuf -
farcinata und substriata, lauter dem oberen Jura entsprechende Formen.
d ) Ein etwas tieferes Niveau als der vorhergehende scheint der, den östlich von
Bakonybel gelegenen Somhegy zusammensetzende rothe cephalopodenführende
Krinoidenkalk einzunehmen. Von dieser Localität kamen der k. k. geologischen
Reichsanstalt durch die Herren Hofrath v. Schwabenau und Prof. Dr. Korn-
t) Die Bestimmung der Brachiopoden verdanke ich der Güte der Herren Prof. Suess und
Dr. Zitteh
229
[11]
Sitzung am 29. April. M. Paul.
huber Suiten von Ammoniten zu, aus denen es mir gelang folgende Species
zu bestimmen:
Ammonites ptychoicus Quenst.
„ Zignodianus d’ Orb.
„ Kudernatsclü Hau.
Ammonites dimorphus d’ Orb.
„ biplex Sow.
„ Achilles d’ Orb.
Rhätisch
Im Allgemeinen sind an dieser L°calität die Heterophylieri an Individuen-
anzahl bei weitem vorwiegend, unter ihnen wieder Am. ptychoicus am häufig-
sten; derselbe kam uns auch von einer zweiten Localität (zwischen Epleny und
Lokut) zu. Wenn auch petrographisch nicht sehr ähnlich, dürften sich die Kalke
des Somhegy wohl noch am besten den alpinen Klausschichten parallelisiren lassen,
obwohl die Planulaten für ein etwas jüngeres Niveau zu sprechen scheinen.
Es ergibt sich somit für die Jura- und Lias-Bildungen des Bakonyer Waldes
folgende, freilich noch mancher Vervollständigung bedürftige Reihenfolge:
Weisser Jura. . . . Weisser Krinoidenkalk von Herend.
Cephalopodenkalk von Somhegy.
Brauner Jura ....<( Rother Krinoidenkalk von Olaszfalu.
Weisser und röthlicher dichter Kalk.
Adnether Schichten von Kardosret.
Lias Adnether Schichten von Urkut, Hierlatz - Schichten von
Köröshegy, Fleckenrnergel von Kardosret und Czernye.
Dachsteinkalk.
Hauptdolomit.
Herr H. Wolf sprach über die geologischen Verhältnisse des Kalnikgebirges
und der Umgebungen von Warasdin-Teplitz in Croatien, wo er in Gemeinschaft
mit Herrn Bergrath Foetterle im Sommer 1861 eine Uebersichtsreise durch-
zuführen hatte.
Ueber diese Gebiete liegen schon ältere Mittheilungen , von den Herren
Ludwig v. Vukotinovic und K. Ritter v. H a u e r in unserem Jahrbuche vor, und
zwar über Warasdin-Teplitz, 3. Bd., 3. Heft, pag. 13, und 9. Band, 1 Heft, pag.
163. Dann über das Kalnikgebirg, im 4. Band, 3. Heft, pag. 330, und es sind da
die geologischen Verhältnisse so ziemlich richtig dargestellt. Doch gestatten sie
einige genauere Bestimmungen. Das Kalnikgebirge erhebt sich ungefähr bis zu
2000 Fuss Höhe, liegt 8 Meilen NO. von Agram und 3 Meilen SSO. von Warasdin
und bildet eine der Wasserscheiden, zwischen der Save und der Drau. Es streicht
genau von WSW. gegen ONO., hat eine etwas divergirende Stellung gegen
das Ivancicer Gebirge, und nähert sich mehr der Streicbungslinie des Agramer
Gebirges. Die beiden eben erwähnten Gebirge zeigen verschiedene geologische
Verhältnisse, die sich im Kalnikgebirge ausgeglichen finden, so dass man sagen
kann, das Kalnikgebirge nehme eine Mittelstellung in seiner geologischen
Zusammensetzung zwischen den vorerwähnten Gebirgszügen ein. Das Kalnik-
gebirge, welches durch die Strasse Warasdin -Agram , bei Hum westlich,
und durch die Strasse von Warasdin-Teplitz gegen Kreuz, östlich begrenzt
gedacht werden kann, zeigt in dieser Weise eine Längenaxe von dritthalb Meilen
und da es im Norden durch den Bednyafluss, im Süden aber durch die an
seinem Fusse gelegenen Ortschaften begrenzt wird, eine Breite von einer Meile.
Die ältesten Gesteine, die hier auftreten, sind dunkle Schiefer und zum
Theile feinkörnige graue Sandsteine mit Conglomeraten aus krystallinischen
Gesteinen zusammengesetzt, wie an der Strasse nördlich vom Ludovetzsattel zu
bemerken ist. Diese Gesteine setzen von hier bis in das Kreuzer Regiment, in
die Gegend von Apatovec fort, und sind an mehreren Stellen von Diabasgestei-
nen durchbrochen, wie am Sattel zwischen Vojnovec und Lujbesica , dann im
230
Verhandlungen.
[12]
Kamesnicabache, nördlich von Kamesnica. Herr v. Vukotinovic betrachtete
diese Sandsteine und Schiefer als Grauwacke, eine nähere Bestimmung ist noch
nicht möglich. Als zunächst -jüngeres Gebirge erscheinen Hallstätter oder
Esino-Dolomite und Kalk, beide räumlich von einander getrennt durch einen
Braunkohlensandstein, der den älteren Kern inselart ig abschliesst.
Die Dolomite erscheinen bei Lujbesica am Bednyabache. Die Kalke, in der
Thalsohle des Kamesnicabaches, NW von Ossek. Bei Vojnovec nördlich erschei-
nen dann rothliche Kalke; Bruchstücke von rothen Krinoiden-Kalken fanden
sich hei Apatovec, sie sind Glieder der Juraformation, und bilden einen Haupt-
theil des Kalkgebirges bei Kalnik. Weisse Kalke von dichtem Gefüge und
splittrigem Bruch liegen darüber, sie zeigen Korallendurchschnitte und sind mit
jenen im Gebiete von Oresje dolnje, den Hippurites Cornu Vaccinum führen-
den Kalken, gänzlich gleich. Die Anwesenheit der Kreide ist auch durch graue
Mergel im Sattel von Sudovec gegen Grana erwiesen, in welchem zwar nicht
häufig Terebrateln erscheinen, welche der Terebratula semiglobosa aus dem
Pläner Böhmens oder den Kreidemergeln von Lemberg zunächst zu vergleichen
sind. Diese Gesteine bilden den Kern des Kalnikgebirges, an welchen sich nun
die braunkohlenführenden Sandsteine, die Leithakalke mit Pecten latissimus und
Ostrea callifera , darüber die grauen und weissen, den Cerithienschichten zu
parallelisirenden Mergel, und endlich die Congerienschichten zonenförmig an-
lagern, die dann vom Löss weit übergreifend bedeckt werden.
Am Schlüsse der Sitzung sprach Herr Director Haidinger noch seinen
Dank aus, den hochverehrten Herren, welche uns in der heutigen sowohl, als in
den Sitzungen des ganzen verflossenen Winters durch ihre werthvollen Vorträge
und Mittheilungen erfreut so wie den hochverehrten Theilnehmern an dem Besuche
der Versammlungen selbst, welche uns durch ihre Gegenwart und ihr Wohl-
wollen reiche Anregung gewährten, und seinen Wunsch, nach einem Sommer voll
reicher Ergebnisse wieder auf ein fröhliches Zusammentreffen am zweiten Dinstag
im November (11.) hoffen zu dürfen.
[1] Die allg, Farbentafel für die 10 geol.-col. Karten der internat. Ausstellung in London 1862. 23 1
Die allgemeine Farbentafel
für die
zehn geologisch-colorirten Karten der internationalen Ausstellung in London 1862.
Angeschlossen an die Ausstellung der zehn geologisch-colorirten Karten, ist denselben
noch eine Gesammt-Farbentafel beigegeben, welche sich gleichzeitig auf sämmtliche in den-
selben vorkommende Schichten- und Massengesteine bezieht. Nicht weniger als 174 ver-
schiedene Farbentöne und Verbindungen von Farben und Linien kommen in derselben zur
Anwendung. Hier genügen sie für die allgemeine Uebersieht. Für einzelnes genaueres Studium
werden sie noch durch die Ziffern unterstützt. Man wird bemerken, dass von der anfäng-
lichen Zahl l (Alluvium) an, das Fortschreiten absteigend immer tiefere und tiefere Schichten
trifft, bis zu Nr. 96 und 97 den Sandstein, Schiefer und Kalkstein der Steinkohlenformation.
Die Reihe der B a r ra n d e’schen Bezeichnungen von B bis H, den Pffbramer Schiefern
Nr. 98 bis zu den Hluboceper Schichten Nr. 112 ist wieder aufsteigend, worauf dann wieder
wie früher Kieselschiefer Nr. 113 bis zum Quarzfels Nr. 127 im Ganzen, Grossen absteigend
folgen. Aber auch dies, besonders in der ersten Abtheilung von Nr. 1 bis Nr. 97 ist nicht so
zu verstehen, dass jede einzelne Nummer in dem allergenauesten Altersverhältnisse unter der
andern folgte. Mehrere derselben bilden im Gegentheil von einer Karte zur andern, von einem
Kronlande zum andern äquivalente Horizonte, oder es lässt sich in dem einen nur eine all-
gemeine Angabe begründen, während anderwärts eine Scheidung in mehrere aufeinanderfolgende
Schichtensysteme sich sehr gut durchführen lässt. Ja der gleiche Farbenton ist in entfernten
Gegenden zuweilen für sehr Verschiedenes angewendet. Dies ist aber ja gerade der Charakter
fortschreitender Forschung. Nicht als theoretische Classifieirung sind die Namen der
Schichten hier gegeben, wie in einem geologischen Lehrbegriffe, sondern so wie sie uns bis
jetzt, entsprechend der grösseren oder geringeren Genauigkeit, mit welcher sie mehr oder
weniger in das Einzelne gehende Aufnahmen zu geben vermochten, sich durch das Studium
darstellten. Es ist dies jetzt, aus Veranlassung der Ausstellung ein vorläufig gewonnener fester
Punkt und Abschluss. Die Massengesteine, vom Granit Nr. 128 beginnend bis zu den erloschenen
Vulcanen Nr. 160 im Ganzen mehr aufsteigend Die Schlussgruppe der verschieden Beziehungen
Nr. 16! Kohlen bis zu den Gängen 174 bezeichnet eben nur Einzelnes, ohne bestimmte
Altersbeziehung. Eines möchte noch erwähnt werden, dass wo sich eine Bezeichnung auf
wenige Länder bezieht, dies durch den beigefügten Namen und Nummer der Karte in der
Ausstellung angedeutet ist.
(Alluvium.
jTorf.
iKalktuff.
| Kalktu ff. Ungarn (7).
'Erratisches. Galizien (10).
(Erratische Blöcke. Oesterreich (1).
iMoränen. Steiermark, Kärnthen (3).
vLöss.
[Schotter und Conglomerat.
[Schotter u. Conglom.
/'Süss wasserkalk.
Süsswasserquarz.
Süsswasserkalk.
iSchotter.
ICongeriensand.
Böhmen (4).
Ungarn (7).
Ungarn (7).
Oesterr. (1).
Ungarn (7).
Congerientegel.
Cerithienschichten.
.:Ü \Cerithienkalk.
JSand und Sandstein.
H fLeithakalk.
f Leithaconglomerat.
( Tegel von Baden.
\Braunkohlensystem. Steiermark (3).
= /'Menilitschiefer. Oesterreich (1).
® iMenilitschiefer. Galizien (10).
W ySüsswasserbildung. Ungarn (7).
£ \ Jüngerer Karpathensandstein.
Galizien (10).
Sandstein. Tirol (5).
Schotter und Thon. Ungarn (7).
I
30 w
31 Z =
32 | |
33 £ w
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
— a>
® o
c ®
dH
Nummulitensandstein. Oesterr. (1).
Conglomerat. Istrien (3).
Nummulitenkalk.
Haupt-Nummulitenschichten.
Siebenbürgen (9).
(Süsswassergebilde. Siebenb. (9).
iCosinaschichten
Conglomerat.
/Mergelsandstein.
I Kalkstein.
Conglomerat.
Istrien (3).
Siebenb. (9).
fGosau, Oester-
( reich (1).
Scaglia. Lomb.-Venetien. (6).
Senoniensandstein. ) x , .
Senonienkalk. f Istr,en
Hippuritenkalk. L.-V. (6), Ung. (7).
Rudistenkalk. \
Radiolithenkalk. (
Schiefer von Comen.f
/Radiolithendolomit. )
Caprotinenkalk. Istr. (3), Ung. (7).
Baculitenschichten.
Pläner.
Oberer Quader.
Quadermergel.
Quadersandstein.
Gault und Seewer.
Spatangenkalk.
Neocomdolomit.
Mergel.
Teschenerschiefer.
Istrien (3).
Böhmen (4).
Tirol (5).
Ungarn- (7).
Galizien (10).
ee
232 Die allg. Farbentafel für die 10 geol.-col. Karten der internat. Ausstellung in London 1862. [2]
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
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88
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91
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94
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96
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99
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101
102
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107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
/'Wiener Sandstein.
^ \Rossfelderschichten.
Salzb. (2)
( Tir. (5)
UJ iAptychenschiefer.
(Biancone u. Majolica. Lomb.Ven. (6)
/Wealden. Oesterreich (1 )
i Weisser Kalkstein. Oesterreich (1)
e 1 Plassenkalk, Strambergerschichten.
*4= \ Oest. (1), Istr. (3), Banat (8)
JVilsersehichten.
Klausschichten.
i \Klaussehichten mit
^ J Hornstein.
Ungarn (7)
Oesterr. (1)
I W oltschacherkalk,
f Krinoidenkalk.
Oesterr. (1 ).
1,-V. (6).
Ungarn (7)
Istrien (3)
Oesterr. (1]
VOolithischer Kalk. istr. (3) L.-V. (6)
/Hierlatz- und Adnethschiehten.
a 1 Fleckenmergel.
•2 VKössenerschichten.
| jDachsteinkalk.
'5 /Dachsteindolomit.
^ jGrestener Kalkstein. )
« I Grestener Dolomit. ^
J ( Grest. Rauchwacke. )
yGrestener Sandstein.
/Rai bl er u. St. Cas-) Kärnthen,
sianerschichten. > Krain (3).
St. Cassianersch. )Tir.(5),Ven. (6).
Grossdornerschichten. Krain (3).
Hallstätterkalk.
Hallstätterdolomit.
Esino u. Hallstätterschichten. Tir.(5).
Triasdolomit. Ungarn (7).
Guttensteiner Kalk.
Guttensteiner Dolomit.
Guttensteiner Rauchwacke.
Radstätter Kalk. ) c . . /-.> .
Radstätter Schiefer, j Z Ul^
\Werfener Schiefer.
Rothliegendes. Böhmen (4).
Aelterer rother Sandstein. Gal. (10).
.g Ji ^ (Sandstein und Schiefer.
£ £ (Kalkstein.
00 / Pribramer Schiefer.
I Pribramer Grauwacke,
gl Ginecer
£ I Krusnahora
0 lKomorauer
03 mokvcaner
•= Brda
1 /vs„:-«jZahoraner >
Hostonmitzer’
Grünstein
Kossower
jLittener
'Kuhelbader
Konepruser
Braniker
\Hluboceper
S Kieselschiefer.
Alaunschiefer.
Grauwackensand-) Oest. (1), St. (3),
stein u. Grauw. K.f Ung. (7, 8, 10).
117
118
119
120
121
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I **
153
154
155
156
co
c n
'Thonschiefer.
Chloritschiefer.
Talkschiefer.
lAmphibolschiefer.
| Kalkglimmerschiefer.
Körniger Kalkstein.
[Glimmerschiefer.
|G nei88.
fGranulit.
Greisen.
„Quarzfels.
|- Böhmen (4).
Granit.
Granitit. Böhmen (4).
Syenit.
Syenit-Porphyr. Böh. (4), Ban. (8).
Amphibolit. Böhmen (4).
ßklogit.
Diorit.
Diorit.
Diorit.
Aphanit.
Grünstein.
Serpentin.
Gabbro.
Porphyr.
Grüner Porphyr.
Porphyr.
Melaphyr.
Melaphyr
Kärntht-n, Steierm. (3).
Oesterr. (1), Banat (8).
Tirol (5).
| Böhmen (4).
Böhi
Ungarn (7).
m. (4), Kiirnth. (3)
Böhmen (4).
Tirol (5).
Ungarn (7).
Tirol (5).
Melaphyr-Tuff. Lomb.-Ven. (6).
Augitporphyr. Tirol (5).
Augitporphyr. Ungarn (7).
Augitporphyr-Tuff. Tirol (5).
Dioiit-Tuff. i Steiermark (3).
Porphyr-Tuff. f v J
Gi ünstein-Trachyt. Ungarn (7),
Siebenbürgen (9).
Phonolith.
Grauer Trachyt.
Rhyolith.
Trachyt-Tuff und
Conglomerat.
Basalt.
Basalt.
jBasalt-Tuff.
/Erloschene Vulcane.
Böhmen (4).
Ungarn (7),
Banat (8),
Siebenb. (9).
Ungarn.
Böhmen (4 ).
(Kohle.
Erdbrand. Böhmen (4).
Steinsalz. Oesterr. (1), Sieb. (9).
Salzformation. Galizien (10).
[Plastischer Thon. )
|Schieferthon. > Böhmen (4).
/Polierschiefer. )
Gyps. Ungarn (7).
Gyps.
jGraphit. Oesterr. (1), Böh. (4).
/Eisenstein.
/Magneteisenstein. Böhmen (4).
I Porzellanerde. Oesterreich (1).
Gänge und Stöcke. Oesterreich (1),
\ Böhmen (4) .
Jahrbuch
12. ßand.
der k.k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft III.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Bericht vom 31. Mai 1862.
Rascher im Fortgang als in den letztverflossenen Jahren eröffnet sich der
diesjährige Sommer. Schon am 5. Mai durfte der Director der k. k. geologischen u
Reichsanstalt an Seine k. k. Apostolische Majestät den ehrfurchtvollsten
Dank in aller gnädigst gewählter Privat-Audienz, auch dieses Mal wie früher
huldreichst aufgenommen, darbringen. Dieses Mal besonders gehoben durch die
unvergessliche Allergnädigste Besichtigung der Arbeiten, der Räume und
der reichen Sammlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt am verflossenen
lo. Februar.
Auch die in tiefster Ehrfurcht an Seine k. k. Apostolische Majestät
am 28. April unterbreiteten geologisch-colorirten Karten und Druckwerke wur-
den mit gleicher Huld wie in den früheren Jahren All ergnädigst entgegen-
genommen.
Unsere Aufnahmsarbeiten haben nach beiden Richtungen, nördlich und süd-
lich begonnen. Nach der letztem Richtung hatte die Abreise der Herren
Dr. Guido Stäche und Dr. Karl Zittel nach Dalmatien, und der Herren Dionys
Stur und Dr. Ferdinand Stoliczka nach der croatischen Militärgrenze bereits
vor unserer letzten Sitzung am 29. April stattgefunden. Seitdem sind auch Herr
k. k. Bergrath Lipoid, so wie die Herren H. Wolf, F. Freiherr v. Andrian
und K. Paul nach Böhmen abgegangen. Es wurde bereits in der Sitzung am
29. April der freundlich wohlwollenden Aufmerksamkeit und Theilnahme gedacht,
mit welchen ausser den vorbereitenden Empfehlungen der hohen k. k. Ministe-
rien, auch von der k. k. priv. Südbahn- Gesellschaft durch Frei-Fahrkarten
erster Classe und von der Dampfschifffahrts-Gesellschaft des k. k. priv. österr.
Lloyd durch Erleichterung der Fahrten auf den adriatischen Dampfschifffahrts-
Linien gesorgt war. Gleicher Begünstigungen erfreuen wir uns auch in Frei-
Fahrkarten erster Classe für die nördlichen Linien der k. k. priv. österr. Staats-
Eisenbahn-Gesellschaft, und der k. k. ausschl. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn.
— Es reiht sich die freundliche Aufnahme, welche die Eröffnung unseres An-
liegens fand, ganz jener wohlwollenden Förderung an, deren sich unser treff-
licher Landsmann Dr. Karl Scherzer erfreute, als er an der Panama-Bahn von
der Seite des stillen Meeres anlangte. Der Director der Eisenbahn, Herr Center,
welcher in Aspinwall residirt, lud Herrn Dr. Sch erzer auf telegraphischem
Wege zur freien Benützung der Bahn ein, „da es ihm stets zum besonderen Ver-
gnügen gereiche, wissenschaftlichen Reisenden dienstgefällig werden zu können“'
(Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde u. s. w., Band III,
Seite 382). Und seinen vierzehn umfangreichen Gepäcksstücken „schenkte man
eine eben so grosse Aufmerksamkeit, als ob für sie der höchste Frachtensatz
entrichtet worden wäre.“ „Die Art und Weise, wie man den reisenden Forscher
behandelt, ist immer zugleich ein Gradmesser für die Culturstufe des Volkes
ff
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
234
Verhandlungen.
[2]
unter dem er sich befindet. Er wird stets dort der wohlwollendsten, theilnehmend-
sten Aufnahme begegnen, wo geistiger Fortschritt und Wissenschaft sich der
meisten Verehrung und Anerkennung erfreuen.“
Begreiflich sind die ersten Berichte der Herren M. V. Lipoid, H. Wolf,
Freiherr v. Andrian, Paul noch eigentlich mehr Vorbereitungen als ausführ-
licheren Ergebnissen gewidmet. Es sind die k. k. Generalstabs - Aufnahrns-
Sectionen zu 40Q Klafter gleich 1 Zoll, so unter denselben vertheilt, dass auf
Herrn Wolf der nordöstliche Abschnitt gegen das Glatzer Grenzgebirge kommt,
und er hatte zu diesem Zwecke seine Arbeiten zuerst von Skalitz aus unter-
nommen. Herrn Paul ist anschliessend der westliche Theil , noch auf dem süd-
lichen Theile des Blattes Beichenau (Nr. 16) und dem nördlichen des Blattes
Leitomischl (Nr. 22) übergeben, während Herr k. k. Bergrath Lipoid den süd-
lichen und noch das Stück Bistrau übernimmt. Es war vor Allem erforderlich,
dass die Herren, welche in jenem Landestheile ihre ersten Aufnahmen durch-
führen, sich genau in den angrenzenden Theilen orientiren , von welchen im
verflossenen Jahre durch Herrn J. Jokely das Blatt 10, Braunau und Nachod.
im nördlichen Theile aufgenommen war, aber noch die südliche Begrenzung
zurückblieb. So lauten die Berichte also über die Phyllite und jüngeren Granite,
die verschiedenen Absätze des Rothliegenden, über welche von Herrn Jokely so
wichtige und sorgsame Arbeiten geliefert w orden w aren , so w ie auch über die
Kreideformation der Quader- und Plänergebilde, namentlich auch des dort so
verbreiteten Krehsscheeren-Sandsteines Gegenstand vielfacher Forschung von Prof.
A. E. Reu ss. Die Grenzen der den Herren zufallenden Districte wurden von den-
selben gemeinschaftlich vorgenommen. Freih. v. Andrian berichtet aus dem von
dein übrigen abgetrennten Gebiete der Karten-Section Deutschbrod (Nr. 2) und
über die Lage der dort in den allerältesten Zeiten vielfach bergmännisch bear-
beiteten Erzlagerstätten, Phy Hit-, Letten- und Schwefelkiesgänge mit silberhaltigem
Bleiglanz, Fahlerz und Arseni kkies in grauem Gneisse, der das eigentliche Grund-
gebirge darstellt, oft talkartiger Phyllitgneiss, auch Einlagerungen von Amphibol-
schiefer und Diorit , an vielen Stellen Pegmatit und Turmalingranit. Nur wenig
Arbeit ist dort gegenwärtig noch im Gange, auch dürfte Grösseres wohl nur mit
Vorsicht gewagt werden, wenn auch den in alten Zeiten angewendeten Mitteln
entsprechend, eigentlich das Revier gar nicht als erschöpft betrachtet werden
dürfte. Die Herren Lipoid und Paul hatten auch das Braunstein- Vorkommen.
Pyrolusit und Manganit im Haschak-Bergrücken zwischen Körnitz und Ehrensdorf
in Mähren in Augenschein genommen, das mehrfach bergmännisch untersucht,
sich nur mit schwachen nussgrossen reicheren Partien im Rothliegenden zeigt.
Höchst anziehend sind die Nachrichten aus den beiden südlich zu üebersichts-
Aufnahmen ausgesandten Sectionen. Herr Dionys Stur (Section 11) berichtet aus
Karlstadt über die von ihm auf dem Wege von Fiume her in Croatien gemachten
Wahrnehmungen. Was auf den älteren Karten „Alpenkalk“ heisst, klärt sich
nun als Ergebniss langjähriger Arbeit unserer erfahrenen Geologen. Von der
Grenze bei Lukodol bis Severin, hohes Trias-, Kalk- und Dolomit-Gebirgsland.
weiter östlich bis Netretic viel verbreitet Caprotinenkalke. Bei Novigrad an der
Dobra Trias lind Werfener Schiefer, so wie den Lipold'schen Gurkfelder
Schichten analoge braune mit grauen Dolomiten wechselnde Schiefer. Leider
stellten sich wie im verflossenen Sommer Fieberanfälle ein, w elche indessen bald
unter der Sorge des wohlwollenden Chefarztes des k. k. 2. Feldjäger-Bataillones,
Herrn Dr. Rudolph Rustler, und der freundlichen Pflege von Herrn Berg-
werks- und Hotelbesitzer Joseph Remschmidt sich wieder zum Bessern
wandten, so dass Herr Stur neuerdings, auf das Zuvorkommendste von dem
Bericht vom 3t. Mai.
235
[3]
Herrn k. k. Oberst und Commandanten des k. k. 4. Szluiner Grenz-Infanterie-
Regimentes Gideon Ritter v. Zastavnikovic aufgenommen und mit offenem
Aviso und Benachrichtigungen an die Compagnie-Stationen erfolgreichst unter-
stützt, seine Arbeiten wieder aufgenommen hat.
Gleiche wohlwollendste Aufnahme und Unterstützung berichtet auch Herr
Dr. Ferdinand Stoliczka aus dem k. k. 3. Oguliner Grenz-Infanterie-Regiments-
Bezirk von dem Herrn k. k. Oberst und Commandanten Emanuel Ritter v. Kne-
sevic. Bei Mrkopail, Tuk und Begowrazdolja in das Regimentsgebiet eintre-
tend, verbreitet sich vorzüglich untere Trias, Guttensteiner Kalk und Dolomit
bis gegen Dreznica, wo auch etwas tiefere Schichten der Steinkohlenformation
nach der miteingesandten Kartenskizze zu Tage kommen. Ueber dem Gutten-
steiner Kalk folgen hellere Hallstätter Kalke, ferner namentlich östlich weit ver-
breitet, noch hellerfarbige Caprotinenkalke. Auch Foraminiferenkalke, wenn auch
seltener, wie südlich von Jasenak (westlich von Ogulin), und oberhalb Tuk bei
Mrkopail. Petrefacten überall selten, doch wurden einige zu späterer näherer
Untersuchung bei Unter-Dreznica in den tiefsten Schichten und anderwärts auf-
gesammelt.
Die frühere Abreise gestattete auch Herrn Dr. Guido Stäche, begleitet
von Kartenskizzen, über den Beginn der Aufnahmen etwas ausführlichere Nach-
richt zu geben. Tief verpflichtet zu innigstem Danke sind wir für freundliche
Förderung unserer Arbeiten dem Herrn Gouverneur Feldmarschall-Lieutenant Frei-
herrn v. Mamula, durch offene Ordre nach allen Richtungen gegeben, und
freundlichste Theilnahme an dem Wirken unserer Freunde während ihres mehr-
fachen Aufenthaltes in Zara. Dazu das freundliche Wohlwollen der Herren k. k.
Schulrath Laukot zky, k. k. Hafencapitän Tom sich, Bergcommissär Ivanich,
Gubernialsecretär a. D. Nashieh, Apellationsrath Frederico de Paitoni, Secre-
tär Ra rbieri in Zara, ferner der Herren k. k. Lieutenant C. Friedrich Drau-
genz, Postencommandant inObrovazzo, Dr. Fortis, k.k. Prätor, und Mirkovic,
Serdar und Colonnencommandant in Benkovacs. Schon von Wien waren die
Herren Dr. Stäche und Dr. Zittel mit angelegentlichsten Empfehlungen von
Herrn Vincenz Comelli, von der k. k. privilegirten südlichen Staatsbahn, und
von Herrn Paul Schmidt in Ivanec in Croatien, früher Bergverwalter in Car-
pano bei Albona in Istrien, von Triest aus von Herrn Director Schaub, von
den Herren Ritter v. Hagenauer, Dr. Kandier, Custos Frey er möglichst
gefördert, und von dem hochwürdigen Herrn Consigliere Giuseppe Paitoni mit
Briefen versehen worden. Dankbarste Anerkennung des freundlichen Wohlwollens
ist unsere wahre Pflicht, um so wichtiger als in jenen Gegenden die vielfältigste
Berührung mit dem gebildeten Theile der Bevölkerung unentbehrlich wird, wo
hei der aus den natürlichen Verhältnissen stammenden Unwegsamkeit des Lan-
des die Urbewohner nur wenig mit den Fortschritten der neueren Cultur-Ent-
wickelung in Berührung kamen, daher unsere Reisende auch mit grösseren
Schwierigkeiten, Mangel an Unterkunft, Mangel an Verkehrsmitteln, wodurch
namentlich das Sammeln sehr beeinträchtigt ist, zu kämpfen hatten, als selbe ihnen
hei früheren Forschungen irgendwo begegneten. Indessen hat der Anfang im
nördlichen Theile von Dalmatien, erst durch Ausflüge nach den Inseln, Uglian,
Lungha oder Grossa, Pasman, dann auf dem Festlande von Zara über Obrovazzo,
Castel Venier über den Canal de la Morlacca nach Starigrad und Beata Vergine,
dann über Benkovacz, Ostrovizza, Zara vecchia, die schönste Uebereinstimmung
dargethan mit den Herrn Dr. Stäche so wohl bekannten, nordwestlich vorlie-
genden Schichten in Istrien und dem Quarnero. i. Die Werfener Schichten im
Velebic-Gebirge hei Vlaseograd, mit zahlreichen Exemplaren von Myacites
ff*
236
Verhandlungen.
m
Fassaensis, Avicula Venetiana u. s. w. beginnend. 2. Die Dolomite und Kalke
der unteren Trias, wenn auch ohne Fossilresten. 3. Die dunkeln und schwarzen
Kalke und Dolomite der oberen Trias setzen den höchsten, centralen Hauptkamm
des Velebic zusammen; sie repräsentiren zum Theil die Raibler Schichten, zum
Theil die Chemnitzien führenden Kalke der Hallstätter Gruppe. 4. Die Kreide-
formation sehr umfassend ausgebildet, namentlich die unteren breccienartigen
Systeme, längs der älteren Rücken bis zu den Inseln herab. 3. Die eocenen Kalk-
bänke mit Alveolina unmittelbar über den Rudistenbänken , ohne das Zwischen-
glied der Cosina-Sehichten. In etwas höheren Lagen Nummuliten, überhaupt
oft reich an Fossilresten entwickelte Ablagerungen, welche mit Lucina gigan-
tea , Cerithium giganteum , C. Cornucopiae, vielen Korallen und Rryozoen ganz
den versteinerungsreichen sandig-mergeligen und conglomeratischen Schichten
von Veglia, Galignana, Gherdosella und Pisino in Istrien parallel zu stellen sind
und dem eigentlichen Parisien entsprechen. 6. Diluviales nur wenig, Knochen-
breccien nebst den bekannteren noch bei Starigrad reich an Knochen und Zähnen
von Cervus antiquus. 7. Ausgedehnte Kalktuflfablagerungen im Gebiet des Zer-
manje-Flusses, besonders im Kesselthal der Krupa. Herr Dr. Stäche gedenkt
in treuestem Danke der freundlichen Begleitung des unverdrossenen und kennt-
nissreichen Dr. Karl Zittel, der sich diesem Ausfluge als freiwilliger Theil-
nehmer angeschlossen.
Unser trefflicher Chefgeologe dieser dritten dalmatinischen Section, k. k.
Bergrath Franz Ritter v. Hau er, verliess Wien erst am 22. Mai, um sich in
den Aufnahmsbezirk zu begeben. Er war durch häusliches Unglück, Krankheit
und das am 17. Mai erfolgte Hinscheiden seiner geliebten Gattin in schmerz-
lichster Weise in Anspruch genommen gewesen.
Herr k. k Bergrath Franz Foetter le, Chefgeologe der II. Section für die
croatische Karlstädter Militärgrenze, weilt noch in Wien, angelegentlichst mit
der Anordnung und Aufstellung der Sammlung von fossilen Brennstoff beschäf-
tigt, welche wir ganz ähnlich der nach Londen gesandten auch in unserem
eigenen Museum zur Aufbewahrung bringen. Eine ganz ähnliche Sammlung
endlich wird auch für das k. k. polytechnische Institut zu Herrn Professor
v. Hochstetter’s Händen vorbereitet.
Manches freundliche Geschenk ist uns während dieser Zeit für Museum und
Bibliothek zugekommen. Von den letztem darf wohl des Herrn kais. russischen
Staatsrathes E. v. Eichwald Letliaea Rossica , eben erst im ersten Bande
geschlossen, mit reichem Atlas in anerkennendster Weise erwähnt werden ; eben
so die freundliche Anzeige von Seite des Herrn Professor W. H. Miller,
Foreign Secretary der Royal Society in London, dass uns von derselben dem-
nächst die Philosophical Transactions von 1850 beginnend zugesandt werden
sollen. Hier auch darf dem dritten Bande der „Reise der österreichischen Fre-
gatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859 unter dem Befehlen
des Commodore B. von Wüllerstorf-Urbair“ , dem erzählenden Reise-
berichte aus der Meisterhand unseres hochgeehrten Freundes Dr. Karl Ritter
v. Scherz er die Erwähnung nicht fehlen, das durch die besondere Gnade Sr.
kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Ferdinand Maxi-
milian uns in Mehrzahl zukam, in Exemplaren für die k. k. geologische Reichs-
anstalt, Director Haidinger, k. k. Bergräthe Franz Ritter v. Hauer, Franz
Foetter le, wofür wir den innigsten Dank darbringen. Herrn Dr. v. Scherz er
insbesondere sind wir auch zu dem grössten Danke für das freundliche Wohl-
wollen verpflichtet, mit dem er (III. Band, Seite 266) unserer guten Wünsche
gedenkt, und wie sie sich, schon am Beginn dieses unseres unvergesslichen
Bericht vom 3t. Mai.
237
m
Nationalereignisses den Schicksalen desselben in allen Theilen der Erde mit
innigster Treue anschlossen.
Unsere hochverehrten Freunde, die früher unser Museum mit ihrem freund-
lichen Besuche beehrten, werden ein wahres Prachtstück in demselben bei einem
erneuerten Besuche vermissen, das schöne Skelet des Riesenhirsches ( Cervus
euryceros) aus Irland, welches am 22. Mai aus demselben in das eben in der
Eröffnung begriffene Local des neuen Gesellschafts -Thiergartens im Prater
übertragen wurde. Es war bekanntlich Eigenthum unseres langjährigen wohl-
wollenden Gönners Herrn Grafen August Breunner, wurde in Herrn Professors
Hyrtl’s Museum der vergleichenden Anatomie unter seiner Oberleitung von
unserem früheren ausgezeichneten Arbeitsgenossen Herrn Dr. Karl Peters
aufgestellt, der auch im Jahrgange 1855 unseres Jahrbuches eine Beschreibung
desselben mit Abbildung veröffentlichte. So sehr wir dem Herrn Grafen dank-
bar zu sein Veranlassung haben, dafür, dass dieses schöne Exemplar so lange
unser Museum geziert, so gehört doch unsere ganze Theilnahme der neuen
Entwickelung, in welcher es in dem neuen Gesellschafts-Thiergarten anregend
zu wirken bestimmt ist. Die Idee der zoologischen und Acclimatisationsgärten fand
in neuester Zeit auch in unserem Wien erst in den Aquarien, dann in immer
weiteren Kreisen Anklang; Herr Alexander Ussner durch seine Untersuchung,
Herr Dr. Gustav Jäger durch seine Kenntnisse und Arbeitskraft gaben die erste
Richtung. Aber es hätte an der nothwendigen materiellen Kraft gefehlt, wären
nicht die hochgebildeten und hochgesinnten Grafen August Breunner und Joh.
Wilczek helfend eingetreten, bis zu den Punkte, wo jezt eine Actjengesell-
schaft in das Leben getreten ist, um die wichtigen in Rede stehenden Interessen
für die Zukunft zu sichern. Wir dürfen dem Unternehmen alle reiche Ent-
wickelung wünschen, es ist fort und fort wahre wissenschaftliche Arbeit, getra-
gen durch freiwillige Theilnahme an derselben. Unser Wien gewinnt dadurch
einen neuen Reiz, einen neuen Anspruch auf Anerkennung als Metropole eines
grossen Reiches, voll von Kenntniss, Kraft und Beharrlichkeit!
Eben verlässt das zweite sehr starke Heft unseres Jahrbuches (Seite 87 bis
310 und Verhandlungen Seite 135 bis 232, im Ganzen 322 Seiten und 2 litho-
graphirte Tafeln) die Presse, mit vier Abhandlungen der Herren Freiherrn
v. Richthofen, Krejci und Stur wissenschaftlicher, und der des Herrn
Barrande nebst Anmerkungen von W. Haidinger mehr polemischer Natur,
letztere über die Frage der Colonien. Es war nicht möglich Angesichts der
lebhaften Erörterungen von jener Seite, dasjenige als einfach unrichtig zu
erklären, was von unserer Seite nach bestem Wissen und sorgsamster Ver-
gleichung als materielle Thatsache sich darstellte. Wir haben seitdem viele bei-
stimmende Aeusserungen der ausgezeichnetsten Geologen in dieser Frage erhalten.
Bei dem hohen Interesse, welches sich auf den Zustand des Untergrundes
unserer Haupt- und Residenzstadt Wien bezieht, auf die Frage von artesischen
Brunnen u. s. w. verdient hier wohl eine besonderer Erwähnung, dass Herr
Abbe Richard, der kenntnissreiche Quellenforscher, sich eben in Wien und
der Umgegend , in Folge zahlreicher Einladungen befindet und sich auch nach
Ungarn begeben wird. Auch Herr Ingenieur Puttrich aus Bayern beabsich-
tigt ein Patent auf das Seilbohren hier zu erproben. Wir freuen uns des eben
im Drucke vollendeten Werkes: Der Boden von Wien, von unserem trefflichen
Freunde, Herrn Professor E. Suess, der uns Allen eine tiefe Einsicht in die
Lage der Schichten unseres tertiären, diluvialen und alluvialen Untergrundes
eröffnen wird.
Jahrbuch
12. Band.
der k. k. geologischen
Reichsanstalt.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reiehsanstalt.
Bericht vom 30. Juni 1862.
„Seine k. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Ent-
schliessung vom 13. Juni d. J. den bisher mit Titel und Charakter eines Hofrathes
fungirenden Director der geologischen Reiehsanstalt, Hofrath Wilhelm Hai din-
ge r, in Anerkennung seiner ausgezeichneten wissenschaftlichen Leistungen und
seiner durch die mehrjährige Leitung der geologischen Reichsanstalt erworbenen
Verdienste zum wirklichen Hofrathe allergnädigst zu ernennen geruht.“
Diese neue Allerhöchste Gnade gibt zu dem Glanze des am 24. Juli
des Jahres 1859 A Hergnädigst verliehenen Titels und Charakters das eigent-
liche Wesen der genannten Stellung. Der Director der k. k. geologischen Reichs-
anstalt ist gewiss verpflichtet, während er auf dom gegenwärtigen Bl alte seinen
innigsten, treuesten Dank unserem Allergnädigsten Kaiser und Herrn
ausspricht, auch der hochverehrten Freunde und Arbeitsgenossen, wie damals
lebhaft zu gedenken, deren Gesammtanstrengung, durch Kenntniss, Kraft, Hin-
gebung und Beharrlichkeit in den Ergebnissen der k. k. geologischen Reichs-
anstalt das grosse Bild des Erfolges zusammensetzt. Er darf dafür wohl des be-
kräftigenden Ausspruches Seiner Excellenz unseres wohlwollenden obersten
Leiters, k. k. Staatsministers Ritter v. Schmerling, gedenken, der in seinen
erhebenden Eröffnungen über die Allergnädigste Ernennung zum k. k. wirk-
lichen Hofrathe besonders hervorhebt, dass dieselbe „eine ehrenvolle Anerkennung
der Leistungen der geologischen Reichsanstalt in sich schliesst.“
In gewohnter Weise schreiten unsere Aufnahmsarbeiten vorwärts. Herr k. k.
Bergrath M. V. Lipoid als Chefgeologe der I. Seetion berichtet über die Gegend
nördlich von Policzka und Laubendorf, östlich von Sebranitz und Ougezd, so wie
über die Umgebungen von Abtsdorf und Kötzelsdorf. Es ist dies ein Theil des
grossen böhmischen Kreidebeckens. Im Liegenden meistens versteinerungsarme
Quadermergel überdeckt von Löss. Grosse Einförmigkeit, die Schichten meistens
horizontal gelagert oder nur wenig nach Nord gegen die Mitte zu geneigt. Bei
Kötzelsdorf östlich von Zwittau tritt unter dem Mergel Quadersandstein zu Tage,
bei Abtsdorf an der Eisenbahn die höchsten Schichten über dem Mergel, glau-
conitisch, die Kalianassa-Schichten, und noch von Pläner bedeckt, merkwürdig
als gänzlich getrennt von dem grossen Plänerbecken und am weitesten gegen
Südost vorgeschoben. Ferner in der Gegend von Abtsdorf, an wenigen Stellen
tertiärer Tegel, während des Eisenbahnbaues mehrfältig eröffnet und in Bezug
auf Fossilreste besonders von Herrn Prof. Reuss studirt, aber nur in einer be-
schränkten Mulde, da unmittelbar darauf Löss und noch höher Schutt und
Quarzschotter in grosser Mächtigkeit folgen. Löss, mächtig bei Leitomischl,
Bericht vom 30. Juni. Freih. v. Andrian.
239
r2]
nimmt gegen Süden zu ab, so dass bei Sebranitz, Karlsbrunn der Quadermergel
zu Tage tritt.
Freiherr v. Andrian, aus dem Mittelpunkte Deutschbrod, berichtet über
die westlich vorliegenden Gegenden des Gebietes Swetla, Humpoletz, Windig-
Jenikau. Grosse Einförmigkeit auch hier, vorwaltend Gneiss, in mehreren Varie-
täten, und Granite. Ein bestimmt grauer Gneiss, dann ein zweiter, den man zu
dem rothen kaum zählen kann, weil doch seine Orthoklaskrystalle ganz grau
sind. Er schliesst sich mehr dem Granite an, und contrastirt scharf mit dem
eigentlichen charakteristischen, primitiven grauen Gneisse. Die Begrenzung
erfordert sehr in das Einzelne gehende Studium, und dazu sind chemische Ana-
lysen unerlässlich, wie diejenigen, welche Herr Prof. Schee rer in Freiberg
mit so grossem Erfolge durchgeführt hat, und für welche auch hier die wichtig-
sten Varietäten aufgesammelt wurden. Zwei Dioritstöcke im grauen Gneisse,
südöstlich von Deutschbrod, der eine bei der Rosenmühle im Schlepankathale,
der andere in Neuwelt. Der Unterschied der grauen und der von demselben ab-
weichenden eruptiven Gneisse ist praktisch wichtig, weil doch alle Erzspuren,
Pistenzüge, die so häufig erscheinen, sich auf den ersten beschränken.
Mannigfaltiger als diese beiden Abschnitte ist die Zusammensetzung der
Gegend zwischen Leitomischl und Trübau, nördlich bis Brandeis und Wilden-
schwert, über welche Herr C. M. Paul aus Brandeis am Adler berichtet, so
wie über die nordöstlich anstossende, gemeinschaftlich mit Herrn H. Wolf be-
sichtigte Gegend. Das Rothliegende ragt hier weit in die Kreidemulde herein,
bis Kerhartitz, zwischen Brandeis und Wildenschwert an der stillen Adler,
nordöstlich bei Hnatnitz ausgebreitet und in nordwestlicher Richtung nach Schani-
bach und Lilitz, so wie weiter östlich sich erstreckend. Meistens gröberes und
feinkörnigeres Quarzconglomerat mit rothen, thonigen Bindemitteln, der Scham-
bacher Schlossberg kalkhaltig, selbst in dichten graurothen Kalkstein mit weissen
Kalkspathadern übergehend. An das Rothliegende Kreidebildungen angfdagert,
westlich mit Quadersandstein beginnend, östlich fehlt dieser und erscheint un-
mittelbar Quadermergel , der überhaupt vorherrscht. Mitten durch die Quuder-
mergel zieht sich von Nordwest nach Südost eine Verwerfungsspalte, in eigen-
thümlicher Weise durch einen kleinen Granitstock bezeichnet, welchen Herr
Paul zwischen Wildenschwert und Brandeis beschreibt. Die jüngeren Quader-
mergelschichten bald mehr sandig oder thonig, bald glauconitisch mit Kalianassa-
resten, weniger einander überlagernd, als sich gegenseitig vertretend.
Immer mehr klären sich die Ansichten über die Natur der sich übrigens so
vielfältig ähnlichen Kalksteingebilde in den von uns in Uebersichts-Aufnahmen in
dem gegenwärtigen Sommer untersuchten südlichen Gegenden der croatischen
Karlstädter Militärgrenze und in Dalmatien. Herr Dr. F. Stoliczka (II. Seetion)
fand südlich von Ogulin, in den eingesandten Kartenskizzen verzeichnet, weit
verbreitet Triaskalk und Dolomit, die Gebirgaxen bildend, während auf den
Kuppen oft Hallstätter Kalk oder seihst Kreidekalk angetrofiVn wird. Oestlich von
Plaski erscheinen bereits Caprotinenkaike und andere den oberen Kreidebildungen
zugehörig mächtig entwickelt. In den östlichen Theilen gegen Karlstadt zu in
ansehnlicher Verbreitung sehr eisenschüssige und häufig Brauneisensteinknollen
führende Thone, nicht selten hoch an den Gebirgsabhängen hinauf. Bei Karl-
stadt selbst wechsellagernd mit Sand und Schotter, ähnlich den Belvedere-
Schichten der Umgegend von Wien, und in diesen Sanden fand Stoliczka
Congeria triangularis und Cardium apertum. Der ganze Complex der Thone
dürfte daher den Inzersdorfer Schichten angehören. Hierher wohl auch die
schwachen Lager von Lignit südlich vori Dubrave.
240
Verhandlungen.
3]
Herr Dr. Stoliezka berichtet ferner von Rakovica über die Zusammen-
setzung des mittleren und südlichen Theiles des Sluiner Regimentes , östlich
anschliessend an das Oguliner Regiment, dessen Rezirk bereits früher von ihm
aufgenommen worden war. Im Westen bis in die Hälfte etwa durch eine noch
östlich von Veljun und Sluin verlaufende nordsüdliche Grenze getrennt, mächtig
entwickelt der vorwaltende Kreidekalk. Weiter östlich ältere Formationen
gegen die Grenze von Türkisch-Croatien zu, namentlich die Gailthaler Schich-
ten, oder Steinkohlenformation, ganz im Osten, nordwestlich von Vojnid, gelb-
liche Sandstein- und Quarzconglomerate mit nur schwachen Lagen schwarzer
Schiefer, letztere mächtig selbstständig entwickelt an der Petrova Gora. Ferner
die Werfener Schiefer der unteren Trias, unmittelbar auf den vorhergehenden
gegen Westen zu. An vielen Orten auch ein kieseliger, lichter Dolomit, theils
das untere Glied bildend, oft im Wechsel mit den viel mächtigeren rothen
Schiefern und Sandsteinen. In den letzteren fand Stoliezka beim Dorfe Klokoc
den Myacites fassaensis. Bei Sparnjak, südlich von Veljun, bis Koranskylug
Mergelkalk der unteren Kreide. Sodann westlich jene mächtig entwickelten
oberen Kreidegebilde, lichte Dolomite und Kalke, stellenweise mit dunklen
Krinoiden- und Foraminiferenkalken, über den Koranerfluss hinaus in das Ogu-
liner Regiment. Rühmend gedenkt Herr Dr. Stoliezka des fortdauernden
wohlwollenden Schutzes und der wirksamsten Unterstützung durch den Herrn
k. k. Obersten und Regimentscommandanten, Gedeon Ritter v. Zastavni kovid.
Herr D. Stur berichtet aus Samobor, wo ihn Herr Verwalter Ignaz
Waagner auf das Wohlwollendste aufnahm und erfolgreichst unterstützte,
über die Verhältnisse der Gegenden westlich von der Poststrasse Karlstadt-
Agram, die Umgebungen von Karlstadt, Jaska, Samobor und der XL und
XII. Compagnie des k. k. Sluiner 4. Grenz-Infanterie-Regiments, oder der soge-
genannten Sichelburger Grenze. Nordwestlich von Carlstadt, innerhalb des
Bogens der Kulpa, Kreide, in den tiefsten Schichten Caprotinenkalk, in den
höheren Mergel ohne Fossilresten. Nordöstlich anschliessend im Sichelburgischen
und dem Provinciale Trias, rothe Schiefer und Sandstein den Werfener Schichten
ähnlich, dann schwarze Kalke, Kalkschiefer, Krinoidenkalke und andere Varietäten,
manche wohl den Grossdornerschichten Lipold’s zu vergleichen. In tiefem
grüner, in höheren Lagen weisser, leicht zerbröckelnder Dolomit, die Haupt-
masse des Samoborer Gebirges. An verschiedenen Punkten desselben treten
unter der Trias Gailtbaler Schichten zu Tage, bei Breganza, bei Podlipovec, bei
Ruda. Das letztere durch grössere Ausdehnung der Kohlenformation ausgezeich-
net, so wie durch Erzführung in den Schiefern, Sandsteinen und Conglomeraten.
Der Kupferkies zu Ruda, ehemahls abgebaut und verhüttet — schon den Römern
bekannt, nimmt die tiefem Lager der Schiefer ein, gegenwärtig unter Wasser.
In den höheren Schichten bis drei Klafter mächtige Lager von leider von
Kupferkies verunreinigtem Spatheisenstein. Dieser wird in Ruda verschmolzen.
Bei Ruda auch Gyps, an der Grenze der beiden Formationen. Gegen das Flach-
land zu Leithakalk, sodann Mergelschiefer, denen von Podsused ähnlich, und
Congerienschichten in den tieferen Tegel, den höheren Belvedereschotter. Dieser
ist meist grell roth gefärbt, Schotter, Sand und Lehm. Dieses Gebilde enthält
Kugeln , wo die Lehmmassen mächtiger sind , von verschiedener Grösse bis
zu Centnerschwere von Brauneisenstein, die besonders in der Umgegend von
Netretic und Rosopojnik gewonnen werden. In dem tieferen Congerien-Tegel
eine kleine Braunkohlenmulde bei Bregana, westlich von Samobor.
Aus der IlI.Section berichtet Herr k.k. Chefgeologe Franz Ritter v. Hauer
über die in Gesellschaft der Herren Dr. G, Stäche und Dr. K. Zittel er-
Bericht vom 30. Juni. Fr. Foetterle.
241
[4]
zielten Erfolge im Fortgange der Untersuchungen der Verhältnisse von Dalma-
tien, in den Umgebungen von Sebenico, Dernis, Knin , Verlicca, Sign und
Spalato. Die Schichten geben, wie zu erwarten war, die Natur der in Nordwest
vorliegenden, aus dem früheren Berichte, aber doch wieder mit mancherlei
eigentümlichen Erscheinungen, erläutert in den eingesandten Kartenskizzen.
Das lignitführende Neogengebilde ist weit hinaus verbreitet gegen Nordwest,
Verlicca zu in einer schmalen Zone, und dann wieder angelehnt an das Kreide-
gebirge bei Miocic, Parcic, Bucic, Rucic. Beiehe Fauna von oft vortrefflich
erhaltenen Petrefacten aus den Geschlechtern Melanopsis , Neritciy Helix ,
Planorbis , Melania , Pyrgula , Unio , Mytilus beweisen den Süsswasser-Cha-
rakter der Ablagerung. Eocenes und Kreide vorwaltend, vorzüglich letztere
gegen die östliche Grenze zu, so dass hier bestimmt jurassische oder triassische
Kalksteine in diesem Theile des dalmatischen Dinara- und Marina-Hochgebirges
fehlen. Die der oberen Juraformation angehörigen Insel des Lamaschberges*
südwestlich von Verlicca ist rings von Kreidekalken umgeben, und von geringer
Ausdehnung. Hier finden sich Ammoniten aus der Familie der Planulaten,
Aptychen und Terebratula diphyci. Wichtig in der Umgebung von Sebenico
und Scardona das Auftreten der im Nordwest auf einer Strecke fehlenden Cosina-
Schichten. Mannigfaltige Schichten der Trias durchziehen das Land in sonder-
barer Erscheinung in eigenthümlichen Zügen, schief die Haupt-Streichungslinie
schneidend, Werfener und Guttensteiner Schichten von Knin nordwärts bis kurz
vor demRastello di Grab, dann wieder Werfener Schichten in südöstlicher Richtung
streichend, von Verlicca in südöstlicher Richtung Gyps bei Sign, und damit in
Verbindung ein dritter Zug mit dem ersten parallel, ein vierter vor Knin. An
vielen Stellen sind die Werfener Schichten petrefactenführend , die älteren
Triaskalke führen bei Much den Ceratites Cassianus , bei Zunic, nordwestlich
von Knin, dagegen nehmen sie vollkommen den petrographischen Charakter
der echten Muschelkalke (Virgloriakalk) der Alpen an und führen in schönen
Exemplaren den diese Etagen charakterisirenden Spirifer fragilis . In den lich-
teren Esino- oder Hallstätter Kalken der oberen Trias, an den nordwestlich
von Knin vorliegenden Gehängen des Drhelo-Berdo zahlreiche vortrefflich
erhaltene Gasteropoden und Acephalen , auch sandig-mergelige, den Raibler
Schichten petrographisch ganz analoge Gebilde, leider petrefactenleer, so beim
Rastello di Grab und nördlich von Drhelo-Berdo. Zu dem schon bekannten
Durchbruche eines vulkanischen Gesteines am Monte Cavallo, südlich bei Knin,
wurde noch ein ähnlicher bei Podesaje, südlich von Verlicca, die Werfener
Schichten durchbrechend aufgefunden. In dankbarster Anerkennung gedenken
unsere hochverehrten Freunde der wohlwollenden Gönner, welche ihre Unter-
nehmungen erfolgreichst förderten, den Herren Ernst Gw inner, k. k. Marine-
Lieutenant, Antonio Macale, Bergbaubesitzer in Sebenico, und Vincenzo
Galvani, Bergbaubesitzer und k. k. Marine-Officier in Siverich, F. Ob er-
ste iner, Bergverwalter in Siverich bei Sebenico, Giuliano Celotta, k. k.
Bezirks-Actuar in Verlicca, Theodor Schiff, Vorstand des k. k. Telegraphen-
amtes in Sign, und unseres hochverdienten langjährigen Arbeitsgenossen Prof.
Francesco Lanza, eben nach einem längeren Unwohlsein wieder hergestellt
und rüstig.
Herr k. k Bergrath Foetterle hatte sich am 23. Juni ebenfalls in seinen
Aufnahmsbezirk zunächst nach Zengg begeben, in die Regimentsbezirke von
Ottocac und Gospich. Für das Ottocaner Regiment lag im k. k. Kriegsarchive eine
Manuskriptkarte vor, in dem Maasse von 2000° = 1", oder 1 : 144 000 der
Natur, gezeichnet 1843 von Herrn k. k. Lieutenant Stentian Dmitr assinovich.
J$. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
gg
242
Verhandlungen.
[5]
welche unter freundlicher Mitwirkung von Herrn k. k. Major E. Petz und k. k.
Hofgärtner Fr. Antoine, in ausgezeichneten photographischen Bildern unserer
Aufnahme zu Gute kam. Herrn k. k. Bergrath Foetterle schloss sich noch ein
junger in Paris und St. Petersburg gut vorgebildeter russischer Geologe an,
Herr Michael Lepkowski, der eigens für geologische Studien kürzlich in Wien
angekommen war. Vor der Abreise hatte Foetterle noch in sorgsamster
Weise die Aufstellung unserer Aufsammlung der Sorten fossilen Brennstoffes aus
dem ganzen Kaiserreiche wieder zu einem vorläufigen Abschlüsse gebracht. Als
die Bildung einer solchen Sammlung für die International-Ausstellung in London
wünschenswerth erschien, hatten wir von den hochgeehrten Werksbesitzern je
vier Exemplare uns erbeten, indem uns der Gedanke leitete, ein Exemplar für
London zu bestimmen, eines für Versuche zu verwenden und eines als Theil
einer bei uns aufzustellenden Sammlung zur immerwährenden Aufbewahrung,
•das vierte Exemplar zu bequemerer Verpackung. Unseren Einladungen wurde
reichlich entsprochen, so dass es uns gelang, 237 Nummern von Torf, Braun-
kohle und Lignit, Steinkohle, Anthracit zur Austeilung nach London zu schicken.
Die Versendung des Berichtes unserer Ausstellung an die hochverehrten Besitzer
und Leiter dieser Unternehmungen ist nun ebenfalls vollständig im Gange, und
wir wünschen, dass sie als Zweichen dankbarer Gefühle von unserer Seite über-
all mit freundlichem Wohlwollen aufgenommen werden mögen. Viele hochgeehrte
Gönner sind durch diese Verhandlungen in den Kreis unserer thatsächlichen
Correspondenten getreten. Für unsere eigene Sammlung, die der Natur der
Sache nach fortwährend sich ausdehnen wird, gelang es Herrn Foetterle
bereits die Anzahl der Nummern auf 302 zu bringen. Einige Lieferungen waren
zu spät für London gekommen, einige Muster lagen aus früherer Zeit vor, aber
in Exemplaren, die für London nicht anwendbar waren, endlich wurden auch
die zahlreichen Torfmuster einbezogen, welche aus verschiedenen Gegenden
der Monarchie aus Veranlassung jener im Schoosse der k. k. zoologisch-botani-
schen Gesellschaft durch eine Commission, deren Berichterstatter Herr Professor
Pokorny war, gesammelt, von demselben der k. k. geologischen Keichsanstalt
freundlichst überlassen wurden. Die 175 Localitäten, aus welchen diese
302 Nummern entnommen sind, vertheilen sich, wie folgt, auf die verschiede-
nen Kronländer : Böhmen 39, Steiermark 31, Ungarn 26, Oesterreich und Salz-
burg 24, Mähren und Schlesien 15, Galizien und Bukowina 8, Krain 7, Croatien
und Slavonien 6, Kärnthen und Lombardo-Venetien je 5, k. k. Militärgrenze 3,
Tirol, Vorarlberg und Istrien je 2, Siebenbürgen und Dalmatien je 1. An eigent-
licher Steinkohle liegen Muster zu der Summe von 302 vor, für die Kronländer:
Böhmen 69, Ungarn 24, Mähren und Schlesien 14, Oesterreich 11, Galizien 8.
k. k. Militärgrenze 2, Steiermark (Anthracit) und Lombardo-Venetien je 1; au
Braunkohle: Steiermark 48, Oesterreich und Salzburg 20, Böhmen 17, Un-
garn 11, Croatien, Slavonien und Krain je 7. Kärnthen 6, Mähren nnd Schle-
sien 5, Tirol, Vorarlberg und Lombardo-Venetien je 4, Galizien und Bukowina 3,
k. k. Militärgrenze und Istrien je 2, Siebenbürgen und Dalmatien je 1 ; an Torf:
Ungarn 14, Böhmen 8, Lombardo-Venetien 7, Oesterreich, Salzburg, Galizien
und Krain je 1. Zu diesen sind noch zwei grosse Exemplare, eines von 4 Cent-
ner Gewicht, von dem Freiherrn v. Roth sch ild’schen Werke in Wittkowitz,
eines von anderthalb Centner aus dem ehemals Graf Alfred v. Mensd orffschen
Werke zu Weitenstein in Steiermark. Die Exemplare der Sammlung nehmen
nahezu die ganze Fensterseite des Mohs-Saales in der k. k. geologischen Reichs-
anstalt ein. Hatte unsere Londoner Ausstellungs-Sammlung bereits den Werken
zur Gewinnung von 2 Millionen Tonnen (etw'a 40 Million Zollcentner) entspro-
Bericht vo*m 30. Juni.
243
[6]
chen, wobei für eine Anzahl Werke doch noch die Gewichtsangaben fehlten, so
dürfen wir wohl hoffen bei dem Umstande, dass dies doch schon weit über die
Hälfte beträgt (nämlich etwa 4/7) , dass wir in nicht zu langer Zeit Exemplare
aus weitaus die Mehrzahl der in Arbeit stehenden Unternehmungen versammelt
sehen werden.
Von London kommen uns vielseitig freundliche und anregende Nachrichten
zu, durch Mittheilungen unserer Freunde in England sowohl, als von unseren
eigenen dort weilenden Landesgenossen, Herrn k. k. Sectionsrath Ritter
v. Schwarz an der Spitze. Herr Professor Dr. Arenstein sandte freundlichst
eine Nummer Supplement to tlie Daily News vom 17. Juni, mit einem Berichte:
The International Exhibition. Raw Materials. Austria , in welchem auch unserer
Beiträge anerkennend gedacht wurde. Eine Ungenauigkeit enthielt jener Artikel,
welchen ich glaube hier berichtigen zum müssen. Es wird gesagt, Herrn Karl
Ritter v. Hau er’s Krystalle seien für eines der englischen Museen angekauft
worden * *)• Dies ist nicht richtig. Allerdings sind selbe einem dieser Museen
zugedacht, aber keineswegs kaufsweise, doch lässt sich in diesem Augenblicke
keine eingehende Mittheilung vorlegen. Billig preist jener Artikel unseren be-
kanntlich von Herrn Prof. Arenstein verfassten und in der k. k. Hof- und
Staatsdruckerei auf Maispapier , diesem neuen wichtigen Ergebnisse der Erfolge
an jenem grossen Institute, gedruckten österreichischen Gesammt-Ausstellungs-
Kataloge, so wie die Anordnung der Ausstellung selbst. „Die österreichische
Abtheilung ist eine der grossartigsten, anziehendsten und bestgeordneten der
ganzen Ausstellung“ 3). Wir dürfen wohl hier unseren Gefühlen von Dankbarkeit
und Verehrung für diese grossen Erfolge den Raum gewähren, wenn uns auch
nicht gestattet sein kann, mehr in das Einzelne uns zu vertiefen.
Mit dankbarer Anerkennung erhielten wir von dem Königlich-Preussischen
Handels-Ministerium zugesandt den „ Official Catalogue of the Mining and
Metallurgical Products ; Class /. in the Zollverein Departement of the Inter-
national Exhibition 1862. Compiled under the immediate direction of
Mr. Von Dechen by Dr. Hermann Wedding.“ Es darf dies als ein wahres Muster-
werk zur Vergleichung bezeichnet werden, und wird nicht fehlen in künftigen
Fällen ein wahres Handbuch, einen Leitfaden darzustellen. Es ist, mit einem Worte
ganz des Geistes und der Thatkraft unseres hochgeehrten langjährigen Gönners
und Freundes Heinrich von Dechen würdig.
Von Seite der Königlich-Bayerischen Staatsregierung wurde uns von Seiner
Excellenz, dem Herrn Staatsminister und Gesandten Grafen von Bray-Stein-
burg ein Exemplar des kürzlich erschienenen grossen Werkes „Geognostische
Beschreibung des bayerischen Alpengebirges und seines Vorlandes**. Herausge-
geben auf Befehl des k. bayer. Staatsministeriums der Finanzen. Ausgearbeitet
nach seinem im dienstlichen Aufträge vorgenommenen geognostischen Unter-
nehmungen von C, W. Gümbel, königl. Bergmeister. Mit fünf Blättern einer
geognostischen Karte des Königreiches Bayern, 1 Blatt Gebirgsansichten, und
42 Profiltafeln, nebst Holzschitten. Das Werk selbst ist seiner Natur nach ausser-
ordentlich wichtig für unsere eigenen Forschungen durch die Mitglieder der k. k.
1) The same Institute exhibits a series of crystals of soluble Chemical bodies , 360 in num-
ber; they have been artificially prepared by M. von Hauer , and certainly have never
been excelled for the extraordinary correctness of their form. We are happy to be able
to state that this unrivalled collection has been purchased for one of our museums.
2) The Austrian department is one of the gründest , most interesting, and best arranged in
* the entire Exhibition.
gg*
244
Verhandlungen.
m
geologischen Reichsanstalt, daher wir stets, der Anordnung des Unternehmens durch
Seine Majestät den König Maximilian II., und seit dem Beginne der Ar-
beiten, rnit der grössten Theilnahme der Entwickelung derselben folgten. Nament-
lich war Herr k. k. Bergrath Franz Ritter von Hauer stets in lebhafter Be-
ziehung mit Herrn Giim b e 1 , wie sie denn namentlich auch im Jahre 1857
gemeinschaftlich eine Anzahl von Untersuchungen in Nord-Tirol durchführten.
An vielen Stellen unseres Jahrbuches ist von den Erfolgen des sorgsamen, in
Untersuchung und Bearbeitung unermüdeten Forschers C. W. Gümbel berichtet,
und nun, wo seine grosse „Geognostische Beschreibung“ vorliegt, gilt es uns
erst recht als ein wahres Grundwerk, umfassend wie es ist, in Grossoctav ein
Band von 948 Seiten, und dazu die Karten iri dem Maasse von 1 : 100.000, die
vier Sectionen Sonthofen, Werdenfels, Miesbach, Berchtesgaden, nebst zuge-
hörigen Übersichtskarten enthaltend, die Gebirgsschichten durch 43 Farben und
Zeichen gegeben, in der bekannten hohen Vollendung von Perthes in Gotha,
mit Farbendruck von C. Hellfarth.
Eben erst erschien und ist uns von dem Verfasser, Herrn Nevil Story
Maskelyne freundlichst zugesandt das Verzeichniss der Meteoriten im Britischen
Museum in London. In wenig Jahren hat Herr Maskelyne vermocht diese
Sammlung, von etwa 70 Localitäten, als er sie übernahm, auf nicht weniger als
94 an Meteorsteinen und 64 an Meteoreisen zu bringen, nun zu den reichsten
überhaupt gehörend, und durch eine Anzahl seltener und grosser, namentlich
ostindischer Exemplaren ganz unvergleichlich. Zu den grossen Prachtstücken ge-
hören namentlich Wold Cottage vom 13. December 1795 von 47 Pfund, Durala
in Ludiana vom 18. Februar 1815, früher im East India House 29 Pfund, noch
nicht beschrieben, Nellore vom 23. Jänner 1852 30 Pfund. Parnallee vom 28. Fe-
bruar 1857, letztere beiden von dem Museum in Madras eingeliefert, New Con-
cord, Ohio vom 1. Mai 1860 17 Pfund, Dhurmsala vom 14. Juli 1860 28 Pfund,
und von dem Falle von Gorukpur, Piprassi vom 12. Mai 1861 ein Stein von
5 Pfund. Über die Fälle von Nellore, Parnallee, Gorukpur hat Herr Director
Haidinger an unsere Kaiserliche Akademie der Wissenschaften Berichte er-
stattet. Ferner sind an grösseren Eisenmassen in London, Otumpa 1400 Pfund,
Lockport 11 Pfund, Atacama 22 Pfund, Claiborne C. Alabama 49 Pfund, Cocke
C., Tennessee 60 Pfund, Sivier C., Tenn. 55 Pfund, Arva 14 Pfund, Carthage,
Smith C., Tenn. 54 Pfund, Seeläsgen 17 Pfund, dem sich wohl demnächst einer
oder der andere der grossen Blöcke von Cranbourne anschliessen wird. Herr
Maskelyne hat grosses Verdienst in der mit höchstem Eifer durchgeführten
Vermehrung dieser Abtheilung der unter seiner Leitung stehenden mineralogi-
schen Abtheilung des reichen Britischen Museums, und ohne Zweifel wird uns
auch von dort mancher wissenschaftliche Bericht über die zahlreichen Aufsamm-
lungen mitgetheilt werden.
Eben im Schlüsse des gegenwärtigen Berichtes kommt uns ein höchst
anregendes Schreiben zur Hand, von Calcutta am 18. Mai von unserem hochver-
ehrten Freunde und trefflichen früheren Arbeitsgenossen, Freiherrn v. Richt-
hofen. Schon bis Molmen war ihm unseres hochverehrten Freundes Oldham
Einladung entgegengekommen, in Calcutta in seinem Hause abzusteigen, und er
verweilte doch vier Wochen mit der höchsten Theilnahme für die Arbeiten der
geologischen Landes-Aufnahme von Indien. „Ich hatte alle Gelegenheit Herrn
Oldham’s geologische Anstalt kennen zu lernen. Er selbst hat in diesem
drückenden Klima eine solche bewunderungswürdige Thätigkeit und Energie
bewährt, dass sie nur von bestem Einfluss auf die rasche Entwickelung eines
solchen Institutes sein können. Die Zahl der Mitglieder wächst stetig, und das
Bericht vom 30. Juni. Freih. v. Richthofen.
248
[8]
einzige Hinderniss eines noch schnelleren Wachsens ist, dass so Wenige hier
herauskommen wollen. Jetzt stehen bereits 13 Geologen unter Herrn Oldham's
Leitung, und eben reist derselbe nach Europa, um fünf andere herauszuholen.
Aber selbst mit der zehnfachen Zahl könnten doch die Aufnahmen nur langsam
vorwärts gehen; denn wie gross Indien ist, das merkt man erst, wenn man auf
der Karte die kleinen rothen Flecke findet, mit denen die bisher aufgenommenen
Gebiete bezeichnet sind; und doch hat Indien jährlich ein Gebiet von ungefähr
400 deutschen Quadratmeilen aufzunehmen. Die Reisen geschehen hier im
Winter, die warme Jahreszeit vereinigt einen Theil der Mitglieder in Calcutta,
aber es finden keine Versammlungen statt wie in Wien.
Es ist bewunderungswürdig, wie viel in der kurzen Zeit des Bestehens der
Anstalt geschehen ist, überdies bei den Arbeiten unter so grosser Schwierigkeit,
wie Klima, beschwerliches Reisen, Ausgedehntheit des Gebietes, Mangel an
Karten u. s. f. Die Schwierigkeiten, mit denen Sie in Wien vor nicht zu langer
Zeit zu kämpfen hatten, ist allerdings die hiesige geologische Anstalt so glück-
lich, nicht zu kennen. Begünstigung von oben fördert ihre Entwickelung fort-
während, seitdem Herr Oldham sie in’s Leben rief. Die Mitglieder sind pecuniär
gut gestellt, und stehen ihnen alle Hilfsmittel zu Gebote. Eine reiche, vortreff-
lich ausgewählte Bibliothek steht unter Herrn Oldham's eigener Leitung. Die
Sammlungen haben schon einen bedeutenden Umfang gewonnen und sind ähnlich
wie in Wien aufgestellt. Es liegt in ihnen ein reiches Material zur Bearbeitung
vor und es ist nur zu bedauern, dass es wie bei der Reichsanstalt an der hin-
reichenden Zahl der Bearbeiter fehlt. Mehrere Formationen sind durch vortreff-
liche Suiten von Versteinerungen vertreten und es scheint keine der europäi-
schen Formationen in Indien zu fehlen. Herr Oldham bearbeitet eben die
Flora der kohlenführenden Schichten von Rajmahal, Herr Theobald eine
Reihe sehr merkwürdiger Versteinerungen aus einer Formation, welche nach
ihren Ammoniten dem Lias zuzugehören scheint, aber auch einen echten Cera-
titen führt.“
Freiherr von Richthofen hatte seinen Lieblings- Plan über Nordwest-
Indien und die vorliegenden Gebirgsländer nach Sibirien vorzudringen, auf die
in Calcutta aufgesammelten Erkundigungen gänzlich aufgeben müssen, und hatte
sich bereits wieder am 21. Mai nach Shanghai eingeschifft, wo ihm im Verfolge
seiner Reisen Yesso und die Amur-Länder noch als grosse Erfolge versprechende
Aufgaben vorliegen. Herr Oldham seiner Seits verlässt Calcutta am 9. Juni
auf dem Wege zur International-Ausstellung in London, und wir werden wahr-
scheinlich gegen Ende October seinen freundlichen Besuch in Wien gewärtigen
können. Er theilt mit, dass in Calcutta für das so rasch anwachsende Museum des
Indischen Geological Survey, zu gemeinschaftlicher Benützung mit der Asiatic
Society of Bengal eben der Bau eines grossen Museums-Palastes beschlossen
worden sei, an dessen Herstellung unmittelbar Hand angelegt werden wird.
Noch am 30. Juni hatten wir das Vergnügen in Wien Herrn William T,
Blanford, einen der verdienstvollsten, kenntnissreichen Theilnehmer an den
geologischen Landesaufnahmen von Indien willkommen zu heissen, der ebenfalls
einen Urlaub für das Studium der Ausstellung in der Heimat benützt.
Herr Mich. Simettinger, fürstl. v. Liechtenstei n’scher Berg-Ingenieur,
sandte eine Anzahl Exemplare von Brauneisenstein aus der fürstl. v. Salm’sehen
Josephi-Ueberschaar-Zeche bei Quittein unweit Müglitz in Mähren, welche sich
dadurch auszeichnen, dass ihre Oberfläche von einem gelblich-weissen , durch-
scheinenden Allophan-Ueberzuge überdeckt ist, von der dünnsten Schicht bis zu
drei Linien Dicke. Es ist ein Vorkommen aus dem „alten Mann“; nach Herrn
246
Verhandlungen.
[9]
Schichtmeister Medritzer in zehn Klafter Teufe aus einem Abbaue, der in
den Jahren 1842 bis 1843 im Betriebe war. Die Ablagerung dieses Ueberzuges
fand vorzüglich in den Hangend-Partien statt. Das Hangende des Erzlagers
selbst bilden in derNähe dieses Verhaues „weisse kalkige Chloritschiefer,“ die je
näher dem Tage, an Eisengehalt zunehmen, ganz aufgelöst sind, bis zum Zu-
stande eines rothen sandigen Lettens. Das Liegende ist dunkler, fester, deutlich
geschichteter Chloritschiefer.
Von Herrn k. k. Appellationsrath J. Nechay, Ritter v. Fels eis, unserm
vieljährigen hochverehrten Gönner und Freunde, erhielten wir eine Anzahl
Exemplare von gediegenem Schwefel mit Bleiglanz aus der alten Grube von
Truskawetz, Badeort, 9 Meilen südwestlich von Lemberg, so wie Proben von
begleitenden Bergarten, nebst der Schilderung der Gewinnung von Naphtha in
den Brunnen, und von Camphin durch Destillation, von Tustanowitz, westlich von
Truskawetz , ferner blaues Salz von Kalusz und Bernstein mit eingeschlossenen
Insecten von Lemberg, endlich eine Anzahl Baculiten von Nagorzany von neuen
Aufsammlungen.
Auf die freundliche Veranlassung von Herrn Ferdinand Müller, Director
des botanischen und Acclimatisationsgartens in Melbourne, übersandte uns als ein
sehr werthvolles Geschenk, Herr C. W. Ligar, Surveyor General von
Victoria, die unter seiner Leitung gewonnenen und herausgebenen Karten der
Colonie Victoria in 8 Blättern, Maassstab 8'/z englische Meilen = 1 Zoll, die-
selbe in zwei Blättern, 17 englische Meilen = 1 Zoll, endlich ein Blatt Karte
der neuesten Entdeckungen, bereits die von Wills und Burke enthaltend, in dem
Maasse von 110 englischen Meilen = 1 Zoll.
Dem hohen k. k. Finanz-Ministerium sind wir für eine fiir die Erweiterung
unserer Sammlungen höchst wichtige Verordnung zu dem grössten Danke ver-
pflichtet, in Folge welcher uns vor wenigen Tagen eine Anzahl von zehn Goldstufen
aus neuen Arbeiten durch die k. k. Berg-, Forst- und Salinen-Direction für Sieben-
bürgen, gegen Entschädigung des blossen inneren Goldwerthes zugesandt worden
waren. Sie stammen aus den Csertester Reviersgruben von Magura und Valjear-
szuluj, und sind theils moosartige theils feinblattförmige Drusen, so wie kleine
dickere Krystalle, alles auf krystallinischen etwa 1 bis 2 Linien dicken Quarzüber-
zügen auf dem dortigen viele feine Krystalle von Schwefelkies enthaltenden Grün-
steinporphyr, zum Theil mit unscheinbaren, mattweissen Schwerspathkrystallen
und etwas Blende, ein paar Stückchen Gold in krystallinischem Gyps, dessen
Individuen mehr als einen Zoll im Durchmesser besitzen. Ein charakteristisches
Stück von 8*6 und 3 Zoll Durchmesser der Quarzgangbildungen war beigelegt,
ein Netz von sich durchkreuzenden, zum Theil weniger als eine Linie starken
Gängen, zwischen welchen das frühere Grundgestein erst aufgelöst und zerstört,
und dann vollständig fortgeführt worden war. Die Sendung ist uns an sich,
namentlich auch für den Fundort, werthvoll und lehrreich.
Jahrbuch
12. Band.
der k.k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft III.
Der Boden der Stadt Wien nach seiner Bildungsweise , Be-
schaffenheit und seinen Beziehungen zum bürgerlichen Leben.
Eine geologische Studie von Eduard Suess.
Mit 21 Holzschnitten und 1 Karte in Farbendruck. Wien 1862. Wilhelm Braumüller,
k. k. Hofbuchhändler. 8<>- 326 S.
Bericht von Wilhelm Haidinger.
Dem hochverdienten Verfasser dieses längst sehnlich erwarteten Werkes
wünsche ich gleich bei dem Erscheinen desselben meine hohe Anerkennung für
den Werth der Leistung auszusprechen. Wohl darf ich mich, ohne besondere
Anmaassung zu den Fachmännern zählen, „welche“, wie Herr Professor Suess
in dem Vorworte bemerkt, „an dem Zustandekommen dieser Schrift einen un-
mittelbaren oder mittelbaren Antheil genommen haben.“ Führt er ja doch so
viele Arbeiten gediegener Forscher unter denQuellen an, die Namen Franz v. H a u e r,
Czjzek, Hörnes, Freih. CI. v. Hügel, v. Morlot, Reissek, C. v. Ettings-
hausen, Hecke], Fo etter le, Wolf, Stur, deren Arbeiten theils in den von
mir auf Subscription herausgegebenen Berichten über die Mittheilungen von
Freunden der Naturwissenschaften in Wien, im Druck erschienen seit 24. No-
vember 1846, theils in den Schriften der k. k. geologischen Reichsanstalt durch
meine Hand gingen, unter steter aufmerksamer Theilnahme, eine und die
andere wohl von mir selbst veranlasst. Gerne verweile ich einen Augenblick auf
diesem Abschnitte reger Entwickelung, dessen auch Suess anerkennend ge-
denkt, denn er zeigt die grosse Bewegung freiwilliger Theilnahme an wissen-
schaftlicher Arbeit im Ganzen, welche unsere neueste Zeit bezeichnet, und an
welcher erfolgreich Theil genommen zu haben ich wohl mit Beruhigung bean-
spruchen darf. Die wissenschaftlichen Arbeiten unseres trefflichen Suess fanden
bald einen wohlwollenden Mittelpunkt in dem Kreise unserer „Freunde der Na-
turwissenschaften.“ Im k.k. Hof-Mineraliencabinete, dem er bald darauf als Mit-
glied angehörte, eröffneten sich ihm Felder der Studien, die er sorgsamst
bearbeitete, und wo sich ihm nach und nach die Ueberzeugung heraussMIte,
dass die Erforschung der Umgegend, die ihm so genau bekannt war, auch über
die Zusammensetzung des Bodens der eigentlichen Stadt und der Vorstädte von
Wien, das wahre Licht verbreiten müsse und die nicht ohne praktischen, tief in
das Leben der Bewohner eingreifenden Nutzen bleiben könnte. Höchst anregend
wirkte die in dieser Zeit von dem k. k. Ministerium des Innern über die Fragen
der Wasserversorgung und Canalisation unter dem Vorsitze des Freih. v. Ba um-
gar tn er eingesetzte Commission, bei welcher auch zwei Mitglieder der k. k.
geologischen Reichsanstalt, die k. k. Bergräthe v. Hauer und Foetterle
ebenfalls gegenwärtig waren. Aber Herr Professor Suess hatte während dieser
Zeit noch weitere Vorbereitungen getroffen. Als die Vorträge an dem k. k. mon-
tanistischen Museum ihr Ende erreichten , sorgte er für Heranbildung theilneh-
mender Freunde, die sich ihm in seinen Arbeiten anschlossen, der Herren Let o cha.
*
248
Der Boden der Stadt Wien nach seiner Bildungsweise.
[2]
Karrer, Stoliczka, Steindachner, Paul, welche zum Theile auch uns in
der k. k. geologischen Reichsanstalt wieder zu Gute kommen. Nach allen Rich-
tungen in sorgsamster Weise vorbereitet, hatte Herr Professor Suess die Um-
risse des gegenwärtigen Werkes in seinen drei im Gebäude der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften im Jahre 1858 gehaltenen, mit so grosser Theil-
nahme aufgenommenen Vorträgen, und in den auf Anregung der k. k. Gesell-
schaft der Aerzte im December 1861 gehaltene Vorlesungen ausgebildet, wel-
chen nun die Erfüllung gefolgt ist. Den eben genannten Quellen schliessen sich
später die wichtigen Arbeiten von V. Streffleur über die Oberflächen-Verhält-
nisse des Bodens, so wie eine ungemeine Menge von neuen von Suess selbst
aufgesammelten Thatsachen an.
Wir sehen nun in lichtvoller Reihung und Darstellung die einzelnen Abthei-
lungen der Schrift sich aufeinander folgen. Erst die Lage von Wien, in der Ein-
senkung des Alpen- und Karpathen-Gebirgszuges und zwar in der Breite der
nördlichen Kalkgebirgskette, mit Rückblicken auf die eben durch diese geographi-
sche Lage bedingte culturhistorische Stellung unserer grossen Reichs-Haupt- und
Besidenzstadt Wien, die Gestalt und die Wässer der Oberfläche. Sodann in einem
zweiten Abschnitte das Geologische, die Tertiärbildungen mit ihren aufeinander
folgenden marinen, brackischen und Süsswasserbildungen, die Diluvialbildungen
von Löss und Schotter, die Alluvialbildungen von Silt und Schotter. Dazu überall
in zweckmässigster Auswahl die Abbildungen der für die Schichten am meisten
charakteristischen Fossilreste, so dass ein wahrer Leitfaden für Erkennung der
Schichten beim Graben der Brunnen entsteht. Hier auch die wichtigen Nachweise
des Einflusses der Erdrotation auf den grösseren Druck, welchen fliessende Gewässer
in der nördlichen Erdhemisphare auf ihr rechtes Ufer ausüben und es vorzugsweise
unterwaschen und^erstören. Daher der erste Steilrand des Grundes von Döbling
an, längs der Währingergasse, derNordseite des „alten Wien“ noch dieForm des
römischen Castrums ersichtlich, an der Ferdinandsbrücke vorbei, dann wieder
deutlich erkennbar in dem Garten des fürstlich v. Liechtenstein’schen Palastes
auf der Landstrasse. Weiter entfernt von der Donau ein zweiter Steilrand von
der Währingerlinie gegen die Josephstadt, Laimgrube, Karlskirche, den Rennweg.
Die an vielen Stellen mächtige Lage von Schutt, aus historischen Zeiten in seiner
grossen Bedeutung aufmerksam gewürdigt, sodann die so einflussreichen Bezie-
hungen der in Wien verwendeten Baumaterialien, von Tegel und den Ziegel-
gruben, Sand, Stein, was wieder zu den genauesten Angaben Veranlassung
wird. Hier unter andern die geistvolle Nachweisung der Entstehung der Stein-
kerne von solchen Conchylien, deren Schalen im lebenden Zustande nicht ausKalk-
spath, sondern aus Aragonit bestanden. Topographisch verfolgt sodann in einem
dritten Abschnitte Schritt für Schritt Herr Professor Suess die Schichten, von
den höchsten Alluvialbildungen im oberen und unteren Werd, und von den Dilu-
vialbildungen bis zu den tiefsten, welche an die Oberfläche treten, in der innern
Stadt und in allen Vorstädten, von der westlichsten um die Stadt südlich herum
bis zu der östlichsten fortschreitend, von der Nussdorferlinie bis an den Wien-
fluss und von diesem wieder bis an den Steilrand in Erdberg, mit zahlreichen
einzelnen Nachweisen aus den aufgesammelten Erfahrungen bei Brunnen-
anlagen und anderen Arbeiten. Angeschlossen eine rasche Uebersicht der ganzen
Bodengestaltung. Hier auch die Bodenkarte der Stadt Wien und auf derselben
sowohl die Coten der Oberflächengestaltung, als auch die der Oberflächengestal-
tung des Tegels, der einen die ganze Stadt umgebende Steilrand nachweist. Herr
Professor Suess beweist, dass die Auswaschung, von welcher dieser Steilrand
abhängt, nach der Ablagerung des Belvedereschotters, also nach unsern jüngsten
Beschaffenheit und seinen Beziehungen zum bürgerlichen Leben.
249
[3]
Tertiärbildungen stattgefunden hat, aber vor unsern Diluvialbildungen , welche
demselben angelagert sind.
In dem vierten Abschnitte, der dem Boden' in seinen Beziehungen zum bür-
gerlichen Leben gewidmet ist, nimmt die Wasserführung die erste Stelle ein.
Hier ist die natürliche Abtheilung der Stadt in zwei Bezirke durch die bereits
mit 160 Punkten, mehreren davon ganzen Strassen entlang, sorgsam nachge-
wiesenen Gestaltung der Oberfläche der Tegelunterlage bedingt. Der Steilrand
desselben bildet die Grenze bis zu welcher die durchlässigen Alluvialschichten
die Infiltration des Donau wassers gestatten. In der innern Stadt hebt sich ein
halbmondförmiger Tegelrücken empor. Bis auf den Tegel nieder, der selbst als
wasserdicht betrachtet werden kann, sinken die Grundwasser. Die grössere
Härte der Brunnenwasser ist deutlich durch diese Grundwasser bedingt. Herr
Professor Suess weist nun den verschiedenen Brunnen ihre Stelle in den drei
Abtheilungen an, den Donaubrunnen, welche von mit Grundwasser gemischtem
Donauwasser gespeist werden, den Seihebrunnen , welche blos Grundwasser
haben, und den Tegelbrunnen, in welchen man Wasser auf durchlassenden Sand-
schichten in grösserer oder geringerer Tiefe antrifft. Höchst anregend ist hier
die Beurtheilung der Ergebnisse der Untersuchungen der Brunnenwasser in
Beziehung auf ihre Härte, wie sie auf Veranlassung der oben erwähnten
Ministerial-Commission von mehreren unserer Chemiker an nicht weniger als
157 Brunnen ausgeführt wurden, wie sie deutlich durch ihre Härtegrade auf
ihren Untergrund, und die Lage gegen die Oberfläche der nicht durchlassenden
Tegelschichte oder auf andere eigenthümliche nachweisbare Verhältnisse schlos-
sen lassen. Für die Seihebrunnen wird die Oberfläche durch Neubauten immer
mehr eingeschränkt, manche Saugecanäle mussten schon aufgegeben werden, bei
anderen steht dies noch bevor, wie denn die Lage derselben mit Beziehung auf
die Lage mancher Friedhöfe eine wenig angemessene ist. Für Tegelbrunnen-
Bohrungen ist die Thatsache wichtig, dass die bisherigen Versuche auf dem
Getreidemarkte und im Raaber Bahnhof noch die tiefsten marinen Schichten
nicht erreicht haben. Man würde jedenfalls nach Suess auf eine Steigkraft von
47 Fuss über dem Pflaster des Stephansplatzes rechnen können, welche bereits
in den brackischen Schichten erreicht war. Ein besonderer sehr wichtiger
Artikel ist dem Auftreten und der Verbreitung der Cholera im Jahre 1855
gewidmet, mit Beziehung auf die Grundwasser selbst, vorzüglich aber auf die
Lage, Richtung und den Zustand der Cloaken. Herr Professor Suess hat nicht
versäumt in diesen Abschnitten mehrfach der Arbeiten und Ansichten der Herren
D eiesse über Paris, Pettenkofer über München und Anderer anerkennendst
zu gedenken.
In einem wichtigen und gewiss nach allen Richtungen recht sehr zu beher-
zigenden Schlussworte stellt Herr Professor Suess Betrachtungen über die
Salubritätsverhältnisse von Wien auf Grundlage der bisher gewonnenen Boden-
kenntniss an, wie die durchschnittliche Verlängerung der Lebensdauer als das
Wichtigste sich darstellt. „Mit der Lebensdauer steigt auch die Gesundheit des
einzelnen Individuums und mit dem physischen Wohlsein seine physische Kraft,
seine Arbeitsfähigkeit und Arbeitslust, seine Wohlhabenheit und endlich sein
moralisches Wohlsein. „Alle Principien", sagt Play fair ( Report on the State
of large Towns in Lancashire, pag. 130), „welche zur guten Ordnung und zum
Gedeihen des Staates führen, sind enthalten in der Verbesserung des Gesund-
heitszustandes der Bevölkerung“. Hier findet das grosse Bedürfniss einer bessern
Versorgung mit Wasser seine Stelle, und wie von den beidenFragen, von Donau-
leitungen, oder von Leitungen aus den Gebirgsgegenden sich eine grosse Anzahl
hh
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
250 Der Boden der Stadt Wien nach seiner Bildungsweise, Beschaffenheit u. s. w
[4]
von Stimmen für die Wasser der Fischa-Dagnitz ausgesprochen. Auch die „Ent-
täuschung“ als „im vergangenen December, nach so vielen gründlichen und
mühsamen Studien, die Vertreter der Commune eine Aufforderung erlassen
konnten, welche die Möglichkeit offen liess, dass dieses Werk in die Hand einer
Privatgesellschaft falle“. Herr Professor Suess macht gewiss mit vollem Hechte
bemerklich, wie ein solches Ereigniss, wenn es einträte, als das gefährlichste
Monopol sich in seiner Entwickelung zum Nachtheile der Bevölkerung darstellen
würde. Ihm, der so tiefe Kenntniss der natürlichen Verhältnisse besitzt, muss es
freilich unbegreiflich scheinen, wie man von Seite der Träger des allgemeinen
Vertrauens sich der Pflicht entschlagen kann, demselben zu entsprechen, indem
man den Schwierigkeiten der Lage auszuweichen scheint, aber nun gerade das
versäumt, um dessentwrillen man das Vertrauen geniesst. die wahre Sorge für
das Wohl der Gemeinde. Aber selbst ein Ueberfluss an nun zugeführtem Wasser,
ohne entsprechende Entwässerung , gäbe nur neue Herde für die Entwickelung
von Krankheiten durch vermehrte Durchfeuchtung des Bodens, durch vermehrten
stagnirenden Cloaken-Inhalt in den tiefer liegenden Theilen. ln den höher lie-
genden besitzt andererseits wieder namentlich der Matzleinsdorfer Friedhof eine
durch die geologische Sfructur des Bodens für die zunächst liegenden Vorstädte
höchst ungünstige Lage. Um jeden Preis sollte verhindert werden, dass das
Grundwasser der Leiehenhöfe unter unsere Vorstädte hereintrete, und Fermente
der Fäulniss unter dieselben trage. Die Aufgrabungen des Bodens, wo menschliche
Wohnungen gestanden haben und die von Cloaken durchzogen waren, sind
selbst oft Quellen für nachtheilige Einflüsse auf die Gesundheit.
So bringt das Studium des Untergrundes von Wien, wie Herr Professor
Suess es uns vorführt, zwar in erster Linie auf die grossen Aufgaben, welche
uns Allen als Bewohnern von Wien in ihrer Durchführung als unerlässlich
erscheinen müssen, eine Pflicht der Selbsterhaltung, welche wir nicht von uns
ablehnen dürfen, aber in der Kraft der Pflichterfüllung muss uns auch das Selbst-
bewusstsein erheben, dass wir an dem Orte, den uns die Vorsehung zum Wohn
sitze angewiesen, unserer Bestimmung in der menschlichen Gesellschaft uns
würdig erweisen. „Mag auf dem so mannigfaltigen Stück Bodens, der ihr zuge-
fallen ist“, so schliesst Herr Professor Suess, „unsere alte Kaiserstadt sich
verjüngen, und mag sie, geehrt von den Fremden, geliebt von ihren Bürgern,
eingedenk ihrer ruhmvollen Vergangenheit und unter dem Einflüsse ihrer eigen-
thümlichen geographischen Lage, einer der Mittelpunkte jenes grossen intellec-
tuellen und sittlichen Aufschwunges der gesammten Menschheit wrerden, der
unsere Zeit vor allen Zeiten auszeichnet.“
Mir gereicht es zu einem der höchsten Genüsse, des Erscheinens des
gegenwärtigen Werkes noch Zeuge gewesen zu sein, und Ein Wort der Aner-
kennung seines Wcrthes ausgesprochen zu haben, wobei ich nur bedauern muss,
dass die vorstehenden Zeilen bei dem reichen Inhalte nur ein sehr unvollstän-
diges Bild geben. - — Das Buch sollte in der Hand jedes Freundes der geologi-
schen Verhältnisse des Untergrundes von Wien sein, aber auch jeder Besitzende
in dem Umfange unserer guten Stadt, jeder der überhaupt Antheil an unseren
gesellschaftlichen Zuständen und Verhältnissen in denselben nimmt, wird es mit
grösster Befriedigung durchnehmen. Als ich es zuerst zur Hand nahm, war es mir
unmöglich, es wieder weg zu legen, bevor ich die letzte Zeile desselben gelesen.
Ich wünsche , aber ich hoffe es auch, dass es von grossem Einflüsse sein wird,
eben in Bezug auf die wichtigen Fragen, welche uns immer dringender vorliegen.
Jahrbuch
12. Barul,
der k.k. geologischen
Reichsanstalt,
Verhandlungen der b. k. geologischen Reichsanstalt.
Bericht vom 31. Juli 1862.
Mit gehobenem Gefühle dürfen wir wohl den Bericht über die Ereignisse
des verflossenen Monates mit den Ergebnissen für die k, k. geologische Reichs-
anstalt, der am 11. Juli in London bekannt gemachten officiellen Verzeichnisse
der den Ausstellern zuerkannten Preise und Auszeichnungen beginnen. Nicht
weniger als fünf Medaillen sind uns im Ganzen zuerkannt worden, drei in der
1. Classe: Bergwerks-, Steinbruch-, metallurgische und Mineralprod ucte, und
zwei in der 29. Classe: Werke und Vorrichtungen für den Unterricht. Die
Gesammtanzahl der Medaillen, welche nach Oesterreich kamen, ist für die
1. Classe überhaupt 29, für die 29. Classe 22, überhaupt vertheilt nahe an 7000.
Sie erschienen in der Wiener Zeitung vom 13. und vom 24. Juli unter folgenden
Begründungen :
CI. 1. 2 (Nummer des Verzeichnisses). 15 (Ausstellungsnummer). Wilhelm
Haidinger, k. k. Hofrath und Director der k. k. geologischen Reichsanstalt in
Wien, als Gründer und Director der geologischen Aufnahmen mit ehrenvoller
Erwähnung seiner Hilfsarbeiter.
15. 15. Die Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt
in Wien, für ihre werthvollen und sorgfältig gearbeiteten geologischen Karten
des österreichischen Kaiserstaates.
28. 15. K, k. Director der geologischen Reichsanstalt in Wien
für die vollständige Sammlung und die statistischen Daten der fossilen Brenn-
stoffe im österreichischen Kaiserstaate.
CI. 29. 10. 1155 a. K. k. geologische Reichsanstalt in Wien, für
ihre Karten und Publicationen.
12. 15. Karl Ritter v. Hau er, Vorstand im Laboratorium der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt in Wien, für eine Sammlung künstlicher Krystalle.
Man sieht, von den sämmtlichen Gegenständen, den Karten, Publicationen,
der Krystall-Sammlung, der Brennstoff-Sammlung ist keiner ohne einen Preis
geblieben, dazu noch ein fünfter für die Gesammtheit der Stellung der Anstalt
selbst in der Person ihres Directors, und überdies noch die ehrenvolle Erwäh-
nung sämmtlicher Hilfsarbeiter. Ein höherer Erfolg war wohl in dieser Richtung
nicht möglich. Wir begrüssen die Thatsaehe mit dem aufrichtigsten innigsten
Danke den sämmtlichen wohlwollenden Jurors, welche in der Beurtheilung ver-
sammelt waren, in der 1. Classe unter dem Vorsitze unseres langjährigen Gön-
ners und Freundes Sir Roderick Murchison, unterstützt von dem Secretär
Warington W. Smyth. Wir fanden uns da in der That zu Hause. Aber auch in
der 29. Classe unter dem Vorsitze des Herrn Marquis Gustav Bens o di Cavour,
wusste unser hochverehrter Freund Herr Nevil Story Maskelyne aus früherer
Zeit den Werth der von Herrn Karl Ritter v. Hauer dargestellten Prachtkrystalle
entsprechend zu schätzen.
v hh#
252
Vcihandlun^en.
[2]
Nicht das Erringen der Preise war es übrigens, das uns in der Anmeldung
und Vorbereitung zu den Arbeiten der Ausstellung belebte, sondern das Gefühl
der Pflichterfüllung, da nicht zu fehlen, wo der Ruf an unser grosses Oester-
reich ergeht. Es war dasselbe, welches uns in früheren schwierigen Abschnitten
unserer Entwickelungen beruhigte, dasselbe, welches immer allen unseren
Arbeiten zum Grunde lag. Der Pflichterfüllung verdanken wir alle unsere
Erfolge.
Im Verlaufe des Monats Juli wurden die Aufnahmsarbeiten unserer ersten
Section mächtig gefördert, mit der Absicht, welche nun der Erfüllung sich
nähert, die Karte des Königreiches Böhmen, in dem Maassstabe von 1 : 144.000
der Natur oder 2000 Klafter = 1 Zoll, deren Herausgabe unlängst von dem k. k.
militärisch-geographischen Institute vollendet ist, nun auch nach unseren geolo-
gischen Specialaufnahmen vollständig colorirt bei der am 18. September bevor-
stehenden Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Karlsbad vorzu-
legen. In dem südlichen Theile des Blattes Leitomischel (Nr. XX) und dem Blatte
Bistrau (Nr. XXVIII) hatte Herr Chefgeologe k. k. Bergrath M. V. Lipoid die
südliche Grenze der Kreidebildungen gegen die krystallinischen Gebirge von
Richenburg bis an die mährische Grenze im Südosten bei Hainzendorf festge-
stellt, so wie die Kreidebildungen selbst. Weit verbreitet an der mährischen
Grenze, bei Bor und Budislaw, Quadersandstein, der in grossen Steinbrüchen
gewonnen wird. Die neue gothische Kirche in Policzka ist aus Budislawer Qua-
dern gebaut. Höchst anziehend und lehrreich sind die von Herrn Li p o Id in
einer späteren Mittheilung vorgelegten Berichte nebst der Original-Aufnahms-
karte der Gegend östlich und südlich von Policzka bis Swojanow und an die
mährische Grenze. Hier liegen zwei ganz von einander abweichende zusammen-
gesetzte Gebirgssysteme vor, obwohl sie beide den krystallinischen Gebilden
angehören. Sie sind , westlich unweit Swojanow durch eine Linie etwa nach
Goldbrunn, Hammerburg, Hartmanitz, hohe Berg, deutlich von einander geschie-
den. Westlich von derselben ist Gneiss vollkommen herrschend, der nur drei
Züge von Hornblendeschiefern und bei Trhonitz ein 5 bis 6 Klafter starkes Kalk-
steinlager umfasst. Die Lagerungsverhältnisse sehr einfach, Streichen von Nord-
west nach Südost, Einfällen nach Nordost. Verschiedene Gneissvarietäten,
mehrere leicht zerfallend, dagegen granitartige Lagen fest, welche dann als
Granitblöcke an der Oberfläche liegen bleiben. Viel verwickelter und schwieriger
ist das östliche System bei Swojanow und in dessen Umgegend, ein mannig-
faltiger Wechsel von Schichten von krystallinischem Kalksteine, Urlhon-, Quarzit-
und Graphitschiefer, Gneiss, Hornhlendeschiefer und granatenführendem Glim-
merschiefer. An der Grenze des westlichen Systems fallen die dort nordöstlich
streichenden Schichten gegen dasselbe ein, doch folgt mit grosser Wahrschein-
lichkeit aus der Lage überhaupt, dass das westliche System das ältere ist. Die zu
Tage kommenden Ausbisse des östlichen zeigen auch nahe südlich von Swojanow
ein Umbiegen des Streichens der Schichten erst gegen Osten, dann gegen Südost.
mit nördlichem und nordöstlichem Einfallen. Lipoid zählte sieben verschiedene
Kalksteinschichten, in ihrer Nähe sind stets die bedeutenderen Graphit-Ablage-
rungen. Dies ist südlich von Swojanow. Nördlich setzt kein Kalkstein fort, wohl
aber deutlich überlagernd der granatenführende Glimmerschiefer, Hornblende-
schiefer und Urthonschiefer bis zu dem Gebiete der Kreideformation bei Ditters-
bach und Rosozna. In der Umgegend von Swojanow war Lipoid in zuvorkom-
mendster Weise von Herrn Bergbaubesitzer Anton Merkl begleitet und durch
dessen genaue Localkenntniss auf das Dankenswertheste gefördert. Serpentin
erscheint mit dem Hornblendeschiefer westlich bei Wachtelsdorf, östlich bei
[3] Bericht vom 31. Juli. Freiherr v. Andrian. Karl M. Faul. H. Wolf. 253
Studenetz, hier mit Talk und Tremolith und mit Talkschiefer, der zu Platten
für Dacheindeckung gewonnen wird, Brauneisenstein, Schwefelkies, auch etwas
Kupferkies, letzterer in der Gegend von Swojanow.
Südwestlich von den vorhergehenden Aufnahmen, der mährischen Grenze
entlang berichtet Freiherr v. Andrian aus den sehr einförmigen Gebilden der
Generalstabskarten-Section Deutschbrod (Nr. XVII) der Umgebungen von Polna
und Neu-Reichenau. Charakteristischer rother Gneiss ist auf den böhmisch-
mährischen Grenzrücken und seine Ausläufer beschränkt, höchst ausgezeichnet
von Sazau bis Janowitz. Weitaus die grössere Ausdehnung hat der graue Gneiss
in mehreren Varietäten, oft thonschieferähnlicher Phyllitgneiss, so bei Giess-
hübl, Iglau. Der graue Gneiss umschliesst die Erzzonen der Iglauer wie der
Deutschbroder Gegend, ferner die gewöhnliche mittelkörnige und eine gross-
körnige Varietät, letztere in einer ausgezeichneten Reihe von Bergen zwischen
Humpoletz, Stöcken und Neu-Reichenau, dazu etwas Hornblendeschiefer und
Serpentin östlich von Polna und bei Luekau, nordwestlich von Iglau. Eine grosse
Granitpartie östlich von Neu-Reichenau. Das ganze Terrain überaus eintönig.
Herr Karl M. Paul berichtet in derselben ersten Section, nördlich an die
Arbeiten Lipold’s anschliessend aus der Plänermulde zwischen den Linien
Chotzen-Hermanitz östlich und Zamrsk-Hohenmauth westlich, und den umliegen-
den Gegenden. Oestlich und westlich erhebt sich im Liegenden die obere Etage
der Kreidemergel, dieser wie bei Chotzen und Kosorin stellenweise als Cali-
anassa-Sandstein entwickelt. In der Mulde ist indessen der Pläner meist nur an
den Thalgehängen Zusehen, auf den Höhen ist er vom Schotter und Löss bedeckt,
während zahlreiche Teiche, Sumpfbildungen und Alluvien die Tiefen der Thal-
sohlen bedecken. Besonders mächtig entwickelt Sand und Schotter nördlich von
der Eisenbahn zwischen Uhersko und Chotzen. Die schwarzen dioritähnlichen
Gesteine bei Luze erheben sich ohne ersichtliche Störung unmittelbar aus dem
Quadermergel, und beurkunden dadurch gewiss ein höheres Alter, als die
eigentlichen neueren eruptiven Gesteine jener Gegend, welche einen steiler
einfallenden Saum von Quadersandstein mit sich an die Oberfläche heben.
Herr H. Wolf hatte in seiner Aufgabe die Verfolgung und möglichst gleich-
förmige Behandlung der bis zu dem gegenwärtigen Sommer von Joh. Jokely
bearbeiteten Gebilden des Rothliegenden. Nach einem ausführlichen und um-
fassenden Berichte ist ihm dies nicht vollständig gelungen. Wohl hat die
anerkannte Sorgfalt von Jokely’s Forschungen vieles für seine Ansicht der
Verhältnisse günstig vorbereitet, aber Herr Wolf hatte neuerlich seine beson-
dere Aufmerksamkeit den Verschiedenheiten zwischen Jo ke ly s Ansichten und
den Ergebnissen der Forschungen von Herrn Prof. Beyrich zugewendet und
mit diesen auch die wenn auch etwas älteren und allgemeinen Darstellungen von
Herrn Prof. A. E. Reuss verglichen. Dann hatte er auch in mündlicher Mit-
theilung in Breslau sich die Ansichten unserer hochgeehrten Gönner und Freunde,
der Herren Göp per t und Ferdinand Römer erbeten. So wird vor der Hand
die Fortsetzung der Karten sich nicht in dem ganz gleichen Geiste an die
vorhergehenden anschliessen. Verschiedenheiten in den Betrachtungen dieser Art
sind unvermeidlich. Mittheilnngen von Jokely sind eben in dem nächst vor-
bereiteten Hefte unseres Jahrbuches, im Drucke. Höchst wichtig wäre es nun, für
die Verteidigung seiner eigenen Ansichten, wenn er selbst sie noch führen
könnte. Da ereilt uns die in so vielfacher Beziehung höchst schmerzliche Nach-
richt von seinem plötzlichen am 23. Juli erfolgten Tode, wo wir uns der Hoffnung
hingegeben hatten, seine neue Stellung als Professor am kön. ungarischen
Josephs-Polytechnicum in Ofen, im Kreise seiner näheren Vaterlandsgenossen,
254
Verhandlungen.
M
nachdem ec aus den bei seiner Lebhaftigkeit so anstrengenden Aufnahmsarbeiten
der k. k. geologischen Reichsanstalt geschieden war, würde seinem Gemiithe die
vollständigste Befriedigung und Beruhigung gewähren. In der Geschichte der
Leistungen der k. k. geologischen Reichsanstalt lebt sein Andenken ehrenvoll für
immer fort. Dank den sorgsamen Arbeiten, namentlich in der Aufnahme des
nordwestlichen und nördlichen Böhmens bis an die östliche Grenze, seit seinem
Eintritte in unseren näheren Verband im Jahre 1852.
Jedenfalls erheischten nun aber die Ergebnisse der gegenwärtigen Unter-
suchungen des Herrn Wolf in dem Verhältnisse des Rothliegenden in Böhmen
neue Vergleichungen, welche für eine oder die andere Seite bestätigend, gewiss
für die Kenntniss der Sache selbst höchst förderlich sich bewähren werden. Hier
möge über einen der Hauptpunkte der Fragen erwähnt werden, dass Jokely
Alles was Araucaritenstämme enthält, Rothliegendes nennt, während mit Bey rieh
Wolf sich mehr der Annahme hinneigt, die Araucarien-Arkosen setzen auch
in das eigentliche Steinkohlengebirge nieder, und es ist namentlich dies ein
leitender Punkt einer Wiederuntersuchung der Lagerungsverhältnisse der wich-
tigsten der bezüglichen Localitäten.
Herr Wolf berichtet ferner über die Aufnahme des Gebirges der Hohen
Mense oder des Hohen Kammes des Adlergebirges nordwestlich von Reichenau,
der in südöstlicher Fortsetzung, wenn auch durch den Lavinersattel getrennt,
sich als eine Fortsetzung des Biesengebirges darstellt. Die Centralaxe krystalli-
nischer Gesteine im Norden, die eigentliche Hohe Mense, die Schaubühne (586°)
besteht aus Glimmerschiefer mit Graphit- und Quarzitschiefer -Einlagerungen
an der östlichen Abdachung gegen Kronstadt, westlich gegen Deschnai Horn-
blendeschiefer, auch Kalkstöcke bei Schnappe (Ober -Giesshübel) und Rass-
dorf (Kronstadt). Ein Keil von rothem Gneiss zieht sich von der Hohen Wurzel
bei Oltendorf in den Hohen Kamm hinein. Der nördliche Glimmerschiefer ist von
Syeniten durchbrochen, so bei Polom, Deschnai, Gross-Aurim, besonders in
der Nähe der Hornblendeschiefer. Eine Zone von Phylliten scheidet sie von der
westlich vorliegenden Ebene. Herr Wolf weist nach, wie das Rothliegende,
mehr oder weniger leicht erkennbar, sich in einem Zuge von Neustadt bis über
Lukawitz nach Reichenau zu erstreckt. Uebrigens ist der Hohe Kamm von allen
Seiten von Quadersandstein und Quadermergel umschlossen, weniger vollständig
in den südöstlichen Theilen durch die Abschwemmungen der Wilden Adler.
Westlicher folgen dann gegen die Ebene zu die höheren Quadermergelschichten,
zu oberst Schotter und Löss.
Nur das Uebersichtliche lässt sich hier in den engen Baum aus den in s
Einzelne gehenden Aufnahmen andeuten, während die Uebersichtsaufnahme der
II. und III. Section uns aus den von Geologen überhaupt noch wenig oder gar
nicht bisher besuchten Gegenden selbst nur Ueberblieke gewähren.
Der Chefgeologe Herr k. k. Bergrath F o et te rl e war am 9. Juli mit Herrn
Dr. Stoliczka in Ottocac zusammengetroffen. Vorher noch, begleitet von
Herrn M. Lepkowski, hatte derselbe zum Anschlüsse an früheren Aufnahmen
von Fiume aus vorzüglich zur genaueren Begrenzung der Eocen- und oberen
Kreidekalkgebilde die Gegend von Porto Re und Novi vorgenommen. Gemein-
schaftlich sodann erst die westliche Abtheilung zwischen Zengg, Ottocac und dem
Meere im Canal de la Morlacca bis Jablanaz und die westlich vorliegenden Inseln
S. Gregorio, Golo, Arbe und Dolin, und sodann den östlichen Tlieil des Ottoca-
ner Regimentes bis an die türkische Grenze gegen das Thal der Unna und Bihac
zu. Alles schliesst sich gut an unsere früheren Aufnahmen und Erfahrungen an.
Zwei mehr gleichlaufende Gebirgszüge der Velebit westlich, die Plesivica Fort-
Bericht vom 31, Juli, Foetterle. Dr. Stoliczka,
255
[S]
Setzung der kleinen Kapella östlich umschliessen die untersuchten Gegenden des
Festlandes. Ersterer von der durchaus felsigen Küste rasch mit kahlen Steinwän-
den zu einer Höhe von 5.000 Fuss ansteigend, ein wahres Steinmeer, doch an den
östlichen, in mehreren parallelen sanfter abfallenden Abhängen bedeckt von herr-
lichen Fichten- und Buchenwäldern. Eben so rasch der Abfall der kleinen Kapella
und Plisivica gegen Osten, mit einer ausgedehnten fruchtbaren Terrasse gegen die
Unna umsäumt. Mit wahrem Karstcharakter schliessen der Velebit einerseits, die
kleine Kapella und Plisivica andererseits mehrfach durch Zwischenhöhenzüge
aneinander, voll von Vertiefungen und zahllosen Schlünden, ohne eigentliche
grosse lange Flussthäler. Die grösste der sich stellenweise bildenden Tief-
ebenen ist die mehrere Quadratmeilen grosse von Ottocac selbst, das an der Gacka
liegt, die bei Wrello unweit Sinaz im Süden entspringt und westlich in zwei
Armen bei Svica und Brelog verschwindet, um an der Küste bei St. Georgen und
Starigrad in mehreren zum Theil untermeerischen Quellen ins Meer zu münden.
Der Grund in den Tiefebenen vortrefflich, vieler Cultur noch fähig, namentlich
auch die stark entwaldeten Bergabhänge für eine Bewaldung, die sehr wün-
schenswerth und vielversprechend wäre. Der geologische Bau einfach und über-
sichtlich. Werfener Schiefer als tiefstes Glied bei Bielopolje und Korenica mit
Avicula Venetiana, Myacites fassaensis und Naticella costata, überlagert von
dunkeln deutlich geschichteten, splitterigen Kalkstein, wohl der Trias angehörig,
eben so wie der darauf folgende körnige Dolomit, der eine bedeutende Ausdeh-
nung im Osten des Begiments besitzt. An den östlichen und westlichen Abhängen
folgen untere und sodann obere Kreidekalke, die ersteren namentlich sehr weit
verbreitet, und gegen das Meer zu an den Abhängen von oberem Kreidekalk ein-
gesäumt, der dann auch wieder auf der Insel Arbe die von Nordwest nach Süd-
ost sich hinziehende Ostküste und die Westküste einnimmt, während das Innere
so wie die Nordspitze von Nummulitenkalk und Nummulitensandstein erfüllt ist.
In den Kalksteinen sind Versteinerungen nicht häufig, ausser etwa einzelne
Caprotinen, nur einzelne Schichten sind voll von Foraminiferen, wie denn an der
Küste bei Zengg, bei Kutterevo auf dem Sattel am Uebergangspunkte von Zavalje
nach Bielopolja (Skipina) im eigentlichsten Sinne Foraminiferen-Bänke zu
nennen. Hin und wieder, wie unter andern bei Starigrad südlich von Klada
schneeweisser, durch seine Schönheit werthvoller Marmor.
Auf der Fahrt von Klada nach Jablanaz entkam die geologische Section mit
genauer Noth der grössten Gefahr durch den plötzlich am Nachmittage des
11. Juli, zwischen 4 und 6 Uhr unvorgesehen eingetretenen Sturm. Sie hatten
in freundlichster Förderung unserer Arbeiten zur Aufnahme der Meeresküste im
Canal de la Morlacca den Gebrauch eines Küsten-Streifschiffes mit 8 Mann Rude-
rern unter dem Befehl des See-Capo Anton Lenaz von Klada erhalten. Man war
bereits Starigrad vorüber, als der orkanähnliche Sturm eintrat, der jeden Augen-
blick das schwache Fahrzeug an den entgegenstehenden Felswänden zu zer-
schellen drohte, und nur dem kundigen Blick und der Geistesgegenwart des ent-
schlossenen Anton Lenaz verdanken wir die Rettung der ganzen Expedition, so
dass sie ungefährdet in den Hafen von Jablanaz einlief. Wohl sind wir dem
unerschrockenen Seemanne für diese rettende That zu dem tiefinnigsten Danke
verpflichtet.
Herr k. k. Bergrath Foetterle gedenkt mit innigstem Danke auch der
freundlich wohlwollenden Förderung durch die Herren k. k. General-Major und
Brigadier Theodor Ritter v. Me dl und den Herrn Regimentscommandanten k. k.
Oberstlieutenant Arsenius Prodanow, so wie den Herrn kf k. Telegraphen-
Amtsleiter Georg Rohrauer in Ottocac, welcher letztere insbesondere die
256
Verhandlungen.
[»]
barometrischen Beobachtungen zu machen, freundlichst übernommen hatte Die
gleiche freundliche Aufnahme durch die genannten Herren war auch Herrn Dr
Stoliczka zu Theil geworden, der bereits früher in Ottocac eintraf, leider
durch heftige Fieberanfälle in seinen Arbeiten beeinträchtigt, von welchen er
jedoch bald unter der sorgsamen Pflege des Herrn k. k. Regimentsarztes Dr.
Adalbert Ke 1 1 er vollständig wiederhergestellt wurde. Herr k. k. Oberstlieute-
nant P. Adler hatte ihn noch mit seinem eigenen Exemplare der Regiments-
karte als einem werthvollen Geschenke erfreut. Doch hatte Herr Dr. Stoliczka
noch in der Zwischenzeit eine Anzahl geologischer Streifungen vorgenommen,
welche Aufschlüsse über die Zusammensetzung des östlichen Theiles des Oguli-
ner Regimentes aus den oberen weissen Kreidekalken in Wechsellagerung mit
weissen Dolomiten, bis sich bei Zaborski gegen die Plitwica-Seen ältere dem
Guttensteiner ähnliche Kalksteine der Trias anschliessen , wie dies ebenfalls in
Herrn k. k. Bergrath Foetterle’s Bericht ersichtlich ist.
Aus den östlichsten Theilen unserer diesjährigen Aufnahme im östlicheren
Zweiten, und westlicheren Ersten k. k. Banat-Militär-Grenz-Infanterie-Regiment
von Petrinia und Glina, berichtet Herr D. Stur ebenfalls die befriedigendsten,
vollkommen die Natur derGebirgsverhültnisse sicherstellenden Thatsachen. In der
Südspitze beider gegen die trockene türkische Grenze zu am Zirovac-Bache auf-
wärts die ältesten Gesteine, die Schiefer und feinkörnigen Sandsteine der Gail-
thaler-Schichten, in welchen die Kupfer-, Blei- und Eisen-Erzlagerstätten von
Tergove zum Abbau eröffnet sind. Auf dieselben folgen Werfener Schiefer hart
an der Grenze sowohl als in nördlicher Richtung bei Rujevac und Stupnica. Hier
bedeckt von mannigfaltig beschaffenen Sandstein und Schiefern mit Grün-
steinen und grossartigen Lagern von Serpentin. Hier auch Kreide-Ablagerungen,
und zwar Neocomschichten mit Aptychen und obere Kreide mit Inoceramen. Das
Sumarica und Vranova Glava Waldgebirge ist eocen, Sandstein und Schiefer
westlich, grobe Conglomerate östlich. Die Ruinen Zrin und Pedale stehen auf
Leithakalkfelsen, eine südwestlich vorliegende Tertiärmulde, mit den Radobojer
ähnlichen Bildungen mit Pflanzen und Fischresten, so wie mit charakteristischen
Cardien, von Cerithienschichten östlich, endlich Congerienschichten wieder im
westlichen Theile des Beckens.
Nördlich und östlich bis an die Ebene der Save und gegen Dubicza gröss-
tentheils Tertiärablagerungen. In der Glina erheben sich noch zwei Partien
älterer Gebirge, Sandstein und Schiefer der Steinkohlenformation südlich von
Glina und dann die Petrovagora im Westen von Topusko bis nördlich gegen
Vrginmost und Slavskopolje. Auf demselben östlich dann Werfener Schiefer und
Triaskalke. Eocen -tertiäres zwischen den älteren Gebirgen. Höchst wichtig
entscheidende Beobachtungen, dass die Congerienschichten es sind, wel-
chen die Brauneisensteine in dem Lehme und Sande von Croatien und Slavonien
angehören, und nicht die Diluvialbildungen, wie dies in Krain vorausgesetzt
wurde. Herr Bergverwalter Karl Vogt fand in der Gegend von Blatusa, nördlich
von Topusko, häufig Cardien in dem sandigen Thoneisenstein, und unweit davon
im rothgefärbten Sande die Congeria subglobosa, deren Steinkern aus Braun-
eisenstein besteht. Cerithienschichten in der Gestalt von weissen Mergeln und
Sandstein, Leithakaike fehlen nicht. Lignit in einem bis drei Klafter mächtigen
Flötze bei Vranovina südlich von Topusko, auf beiden Ufern der Glina von Herrn
Karl Vogt entdeckt und bearbeitet, andere Lignitvorkommen wenig verspre-
chend. Herr D. Stur berichtet in dankbarst anerkennender Weise über die
freundliche Aufnahme und Förderung im ersten k. k. Banal-Regiment durch die
Herren k. k. Oberst und Commandanten Joseph Mraovic, Director Cegka und
Bericht vom 31. Juli. G. Stäche.
257
m
Bergverwalter Karl Vogt, so wie im zweiten k. k. Banal -Regiment durch den
Herrn k. k. Oberstlieutenant und Commandanten Emanuel Ritter von Maravich,
so wie den Herren Director Alexander Schönbucher und Berg-Ingenieur Karl
Jessl er zu Tergove.
Die Herren Chefgeologe k. k. Bergrath Franz Ritter von Hauer und Dr.
G. Stäche berichten aus dem südlichen Theile von Dalmatien, das sie aus 4em
Mittelpunkte Cattaro zur Untersuchung brachten. Hier vor Allem die höchst eigen-
tümliche und wichtige Thatsache, dass nicht unbedeutende Massen der obern Trias
gerade im südlichsten Theile, und nicht in den höheren Gebirgen, sondern teil-
weise schon unmittelbar am Meeresstrande vorliegen. Herr k. k. Hauptmann Rudolph
Graf v. Walderdorff hatte sie zuerst auf das Vorkommen von Petrefacten am
Scoglio Catic gegenüber von Castel Lastua (Budua S. 0.) aufmerksam gemacht.
Ein dünn geschichteter, weisser, der „Majolica“ petrographisch etwas ähnlicher
Kalkstein von muscheligem Bruche mit Hornstein-Knollen und Schichten, enthält
in einer seiner Bänke eine unzählige Menge von Exemplaren der wohlbekannten
charakteristischen Halobia Lommeli. Die gleichen Verhältnisse wurden dann an
mehreren Punkten wiedergefunden, bei Livodi, Castel Lastua, Budua, Castel
nuovo u. s. w., noch bedeutender vom Goras-Berg (Cattaro S.) gegen die Meer-
enge Le latin und auf das Kamena-Plateau nördlich von Castel nuovo. Hier noch
mehrere gewissen Cassianern ähnliche Formen, wie Cidaris dorsata , Pleurotoma-
ria radiata, Melania u. s. w.
In einer Partie Kalkstein, von Herrn M. V. Lipoid früher als Jyra bezeich-
net, konnte keine Spur von Petrefacten gefunden werden, doch wurde die Be-
stimmung vorläufig beibehalten, wenn sie auch hornsteinführend, wie jene Trias-
kalke sind. Ein Eruptivgestein in der südöstlichen Ecke des Landes zwischen
dem Grenzfort Castel Priseka und dem Meere, ähnlich dem von Monto Cavallo
bei Knin. Dunkle, wahrscheinlich den Kössener Schichten analoge Mergel nörd-
lich davon, so wie helle, wohl Jura-Kalksteine mit zahlreichen, zum Theile sehr
eigenthümlichen Brachiopoden nordöstlich bei Risano. Ferner Kreide und Eoce-
nes, vielfältig durch deutliche Petrefacten gut charakterisirt. Die so oft als
werthvolle Funde angekündigten Kohlenvorkommen liegen im eocenen Flysch,
und es ist, wie Lipoid dargethan, hier keine Aussicht je ausgiebige Flötze zu
finden, so sehr man dies auch wünschen könnte. Herr Dr. Zittel, der sich
unserer diesjährigen geologischen Aufnahmspartie in Dalmatien angeschlossen,
war seitdem wieder nach Wien zurückgekehrt.
Ein umfassender Bericht betrifft die Insel Lissa, in letzter Zeit so vielfach
genannt, wegen des dringenden Bedürfnisses von Trinkwasser, auf der nur wenig
genügend versehenen Insel. Für dies Bedürfniss ist allerdings die geologische
Kenntniss des Bodens maassgebend, und es zeigt sich da, dass in dem nördlichen
Theile gegen Osten zu , wo Lissa die eine grosse Ortschaft selbst liegt, die
Verhältnisse dadurch ungünstig sind, dass der Kreidekalk, aus dem die Insel dem
grössten Theile nach besteht, gut geschichtet, meistens nur steil einfallend und
voll Höhlen, der Ansammlung von Wasser keinen Boden darbietet. Alle Versuche
von Aufgrabungen, welche auf Veranlassung des erfahrenen Quellenforschers
Herrn Abbe Richard unternommen wurden, misslangen, so dass wohl nur
grössere gut angelegte und sorgfältig gehaltene Cisternen hier das Bedürfniss
befriedigen könnten. Weit vortheilhafter liegt an der Westseite der Insel die
zweite "grössere Ortschaft Comisa. Hier tritt unter den Kalksteinen .ein grünlich-
graues, demMelaphyr verwandtes Eruptivgestein hervor, in Begleitung von Tuffen
und Conglomeraten, so wie von ansehnlichen Massen von Gyps und von Gyps-
mergeln, alles älter und unter die Kalksteine einfallend. Hier entspringen
i i
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
Verhandlungen.
258
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mehrere Quellen und aus ihrer sorgsamen Behandlung lässt sich allerdings eine
grössere verwendbare Menge von benützbarem Wasser erwarten.
Aus den beiden Standquartieren Ragusa undSpalato bringt Herr k. k. Berg-
rath Franz Ritter von Hauer noch die dankbarste Anerkennung den hochgeehrten
Gönnern dar, welche unsere Reisenden bei ihrer Aufnahme auf das Fördersamste
unterstützten, den Herren: Rudolph Graf von Wal der d orff, k. k. Hauptmann und
Platzcommandanten in Castel Lastua bei Cattaro, Georg Zu lieh, k. k. Kreis-
commissär in Cattaro, Daniel Petric, k. k. Oberstlieutenant und Platzcommandant
in Castelnuovo, P. D. Doimi, Podestä, und Alexander Felir, k. k. SchifTsfähnrich
in Lissa, Pietro Bor eich, Pfarrer in Comisa (Lissa), Antonio Marincovich,
k. k. Hafen- und Gesundheitsagenten, und Ferdinand G er za he k, k. k. Ober-
lieutenant in Comisa. Ferner in Lesina den Herren k. k. Hauptmann Rudolph
Mendelein, Gutsbesitzer Gregorio Bucich, Deputaten F. Balea und Guts-
besitzer Girolamo Machiedo zu Gjelsa auf Lesina.
Vielfach anziehend, vorzüglich auch in Bezug auf die letzten Berichte von
Herrn k. k. Bergrath Franz Ritter von Hauer aus Dalmatien, ist die folgende
von London, 20. Juli 1862 datirte Nachricht von unserem hochgeehrten Freunde,
Herrn Professor E. Suess, der in den letzten Tagen einige Wochen des lehr-
reichsten Aufenthaltes in England mit dem grössten Erfolge für die Sammlungen
des k. k. Hof-Mineraliencabinets schloss.
„Geehrter Herr Hofrath! Herr S alter hat mir in Jermvn Street eine Suite
von Fossilien vorgelegt, welche Colonel, jetzt Major-General Richard Strachey
vor einiger Zeit aus einem schwarzen, thonigen Kalksteine vom Rajhoti-Passe
von Indien nach Thibet mitgebracht hatte. Die englischen Paläontologen hatten
zwar längst den triassischen Charakter der Fauna und ihre Ähnlichkeit mit unse-
ren Cassianer Bildungen festgestellt, aber ich fand thatsächlich eine so grosse
Übereinstimmung der einzelnen Arten, dass ich meinte, die Liste derselben dürfte
Ihnen und den Lesern Ihrer Berichte willkommen sein, sie lautet:
Ammonites Johannis Austriae Klipst . ?
„ eine oder zwei neue Ceratiten-
Formen.
Nerita Klipsteini Hörn.
Halobia Lommeli Wissm. (in grosser
Menge).
Spirigera Strohmayeri Sss.
Rhynchonclla retrocita Sss.
Orthoceras pulchellum Hau. ?
„ Unbeschriebene Art mit gerun-
zelter Seite, wie am Sandling.
Nautilus (Fragment).
Ammonit es floridus Wulf, (häufig).
„ Aon Mst.
„ Gaytani Klipst.
„ Ausseanus Hau.
„ bifissus Hau.
und einige minder gut erhaltene und minder sicher bestimmbare Formen. Es ist
nun sehr auffallend, dass nicht nur in so grosser Entfernung dieselbe Fauna mit
solcher Übereinstimmung wiederkehrt, sondern dass sie durch die besonders grosse
Häufigkeit zweier Formen, nämlich der Halobia Lommeli und des Ammonites
Floridus ausgezeichnet ist, welche beiden Arten auch bei uns, wenn nicht eine
gewisse Bank, so doch eine gewisse Facies (Muschelmarmor von Bleiberg) aus-
zeichnen, welche noch dazu wie die Vorkommnisse vom Himalaya, im Gegensätze
zu den meisten unserer obertriassischen Schichten, schwarz gefärbt ist. Unwill-
kürlich denkt man auch an die Exemplare von Halobia Lommeli aus Neuseeland,
mit welchen uns Freund Hochstetter vor einiger Zeit überrascht hat. Die
Nachweisung des seit lange vermutheten Vorkommens dieser Fauna im Osten,
und noch dazu so fern im Osten, wird, hoffe ich, eine neue Anregung zur Aus-
arbeitung und zum Studium unserer eigenen Ablagerungen sein. Ich bin, geehr-
ter Herr Hofrath, mit den herzlichsten Grüssen, Ihr ganz ergebener Ed. Suess.“
m
Bericht vom 31. Juli.
259
Unter den im Laufe des Monats erhaltenen Petrefacten sind wir unserer
hochverehrten Gönnerin, Frau Josephine Kablik in Hohenelbe zu besonderem
Danke verpflichtet, für eine Anzahl Platten mit Fischresten aus dem Rothliegen-
den der dortigen Umgegend, nach Herrn Dr. St ei ndachner’s Bestimmung
PalaeoniscusFreieslebeni Ag. und Palaeoniscus Duvernoyi Ag., welche so wohl
erhalten sind, dass sie sehr zur ferneren Ausbeutung des Fundortes einladen.
Unter den neuesten der Theorie der Wissenschaft gewidmeten Werken sei
es hier noch gestattet, dem schönen ersten Bande sammt Atlas des wichtigen
Werkes: „ Manuel de Mineralogie par A. Bes Cloizeaux “ ein Wort zu
weihen. In seinem Freunde und Lehrer H. de Senarmont hatten auch wir
einen hochgeehrten Freund und Gönner erst in neuester Zeit zu unserem grossen
Schmerze verloren. Des Cloizeaux steht jetzt unbezweifelt als die erste
Grösse in Frankreich in der Mineralogie da. Das gegenwärtige Werk ist längst
sehnlichst erwartet. Es sollte erst nach dem Plane eine Uebersetzung des engli-
schen Werkes von Brooke und Miller werden, aber die immer fortschrei-
tende Masse der Specialitäten in Des CI oizeaux’s Untersuchungen, vorzüglich
in optischer und krystallographischer Beziehung, machte es unerlässlich, eine
eigentümliche Richtung der Bearbeitung einzuschlagen. Herr Des Cloizeaux
gibt sehr viel Neues aus seiner eigenen Entdeckung und Bearbeitung, doch muss
ja unvermeidlich so Manches aus alter Zeit und wohl bekannt von anderen Ver-
fassern mit aufgeführt werden. Da klingt denn das jetzt immer moderner wer-
dende : Droits de traduction et de reproduction reserves ganz eigentüm-
lich, besonders für denjenigen, der in der Verbreitung des Ergebnisses seiner
Bestrebungen den Zweck derselben erkennt. Uns widerstrebt dieses wenig
wissenschaftliche Gefühl des gewählten Spruches, da wir alle unsere Ergebnisse
so gerne der mannigfaltigsten unbeschränktesten Benützung geweiht sehen
möchten, wobei es uns indessen auch stets zur Freude gereichen wird, wenn
man unserer Bestrebungen anerkennend gedenkt. Dies hindert nicht, dass wir
Herrn Des Cloizeaux’ Werk als eine wahre Bereicherung der Wissenschaft
betrachten, die sich allmälig nach allen Richtungen abrundet. Namentlich hat
Herr Des Cloizeaux sorgsamst die neuesten Bestimmungen und mit eigenen
Namen versehenen Substanzen aufgesammelt.
Den innigsten tiefgefühlten Dank bringen wir auch unserem hochverehr-
ten edlen Freunde Karl Naumann für die zweite Abtheilung des zweiten
Bandes seines Lehrbuches der Geognosie, das Rothliegende bis zum Schluss der
Kreide. Hier finden wir sorgsam benützt unsere eigenen Beiträge aus unseren
langjährigen Studien in den Ländern des Kaiserreiches. Hier erscheinen sie erst
in der so wichtigen systematischen Reihung, und bieten uns wieder werthvolle
Vergleichungspunkte dar. Das ist die wohlthätige Wechselwirkung redlicher
Forschung im Einzelnen und der mit Umsicht aus einer durch eigene langjäh-
rige Erfahrung gewonnenen höheren Stellung geleiteten Zusammenordnung der
Ergebnisse der zahlreichsten Forscher in allen Theilen der Erde.
Gerne gedenken wir auch der hocherfreulichen Ereignisse in uns so nahe
liegenden Kreisen, der Aller gnädigsten Verleihung des Österreichisch-
Kaiserlichen Leopold-Ordens an unseren ehrwürdigen Präsidenten der Kaiser-
lichen Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher, Dr. D. G.
Kies er, der k. k. Hofrathswürde an unsern hochverdienten Rokitansky,
an unsern grossen Hyrtl, den Schöpfer unseres Museums der vergleichen-
den Anatomie, an dessen Bestehen wir für unser Bedürfnis zu Verglei-
chungen fossiler Reste billig stets den innigsten Antheil nahmen. Auch des
freundlichen Besuches unseres hochverehrten Freundes K. S. Bergrathes
ii*
260
Verhandlungen.
[10]
A. Breit h au pt müssen wir in. treuer Erinnerung gedenken, der aus Ver-
anlassung des von ihm als solches anerkannten Meteoreisens von Rittersgrün
nach Wien kam, das hier unter unseres Freundes Herrn Director Hörnes
Leitung entzwei geschnitten und zu wissenschaftlichen Studien vorbereitet wurde,
mit ihm Dr. St übel von Dresden, später Loven von Stockholm und anderer.
So erreichten wir auch in diesem Zeitabschnitte Ergebnisse reichen Lebens,
glänzende Anerkennung langjähriger wissenschaftlicher Bestrebungen, neue
Vermehrung der Kenntniss unseres Landes durch gediegene Arbeit unserer
eigenen Mitglieder, wenn auch hier nur in den äussersten Umrissen angedeutet,
freundliche werthvolle Mittheilungen und Geschenke an neuer Kenntniss, an
materiellen Gegenständen, hocherfreuliche Ereignisse in den uns nahe liegenden
Kreisen, Besuche befreundeter Forscher. Aber auch der Ernst der Zeit ist
erschütternd sichtbar, unser grosser Altmeister Bronn ist nicht mehr, der
eine grosse empfindliche Lücke uns zunächst hinterlässt, unser wohlwollender
Freund de Senarmont, lange vor der Zeit, die ihm das Leben zu bieten
schien, noch viel unzeitiger unser langjähriger Arbeitsgenosse in erfolgreichsten
Forschungen Johann Jokely. Welche Erinnerungen, ganz dazu geeignet, um
uns zuzurufen, die kurze Spanne Zeit gut zu verwerthen, die uns noch auf
dieser Erde zu wirken gegeben ist.
Jahrbuch
12. Band.
der k. k. geologischen
Reichsanstalt.
Jahrg. 1861 u. 1862.
Heft IV.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reiehsanstalt.
Sitzung am 4. November 1862.
Ansprache des Directors W. Haidinger.
Meine hochverehrten Herren!
In dem Leben des Einzelnen ist jeder folgende Jahresabschluss reicher an
ernsten Betrachtungen als der frühere. Wir verfolgen die Ergebnisse unserer
Arbeit, unserer Pflichterfüllung in den grösseren oder kleineren Kreisen, in
welchen es unsere Aufgabe war zu wirken, dankerfüllt einer höheren Waltung.
Sie ist es, die uns Zeit und Raum zum Wirken gewährt. Um ein ganzes Jahr
bereits habe ich die Lebensdauer meines unvergesslichen Lehrers und Meisters
Mohs überschritten. Dankbar muss ich dieser höheren Gunst gedenken, denn
jedes Jahr in der Reihe derjenigen, welche der Arbeit gewidmet sind, bietet
höheren Erfolg, Abschluss des früher Begonnenen, Beginn von Neuem.
Unwillkürlich drängen sich Betrachtungen dieser Art, mehr persönlicher
Natur in den Vordergrund, wenn die Aufgabe der Bericht über die Wirksamkeit
einer öffentlichen Anstalt ist, deren Bestehen und Entwickelung so innig mit dem
Leben und der Entwickelung des Einflusses aller Theilnehmer desselben ist, wie
in unserer k. k. geologischen Reichsanstalt.
Nicht alle, welche wir das letzte Jahr in gemeinschaftlicher Arbeit began-
nen, sehen auch die gegenwärtige dreizehnte Wiederkehr der Jahresfeier. Es
ist gewiss ein peinliches Gefühl für mich zu berichten, wie einer unserer mehr-
jährigen emsigen Arbeitsgenossen selbst seinem Leben ein Ziel gesetzt. Johann
Jokely, in Erlau 1826 geboren, hatte die bergmännische Laufbahn durch seine
Studien in Schemnitz eröffnet, und war noch unter dem k. k. Ministerium für
Landescultur und Bergwesen gleichzeitig mit dem gegenwärtigen k. k. Professor,
Herrn Victor Ritter v. Z e p har o vich, am 3. September 1862 als Candidat der
k. k. geologischen Reichsanstalt zugetheilt, am 21. December desselben Jahres
als k. k. Bergwesenspraktikant beeidet. Schon im nächsten Sommer war Jokely
ein Mitglied der Aufnahmssection in Böhmen unter dem verewigten Czjzek, mit
F. v. Li dl, Dr. Hochstetter und Ritter v. Zepharovich, in dem südwest-
lichen Theile des Königreiches. Seitdem ist sein Leben innig mit unseren Arbei-
ten in diesem Kronlande verbunden. Im nächsten Jahre nördlich fortschreitend.
Im Jahre 1866, als der Tod unsern hochverdienten Czjzek hinwegraffte, waren
Hochstetter, v. Zepharovich, Jokely in dem nordwestlichsten Theile, von
Eger beginnend gegen Neudeck, Joachimsthal, Elbogen, Lubenz, 1866 Hoch-
stetter und Jokely weiter östlich fortschreitend nach Kommotau und Leit-
kk
K. k. geologische Reichsanstalt. t£. Band, i 861 und 1862. Verhandlungen,
262
Verhandlungen.
[2]
meritz, 1857, als Hochstetter zum Mitglied der wissenschaftlichen Commission
für die Novarafahrt gewählt war, Jokely allein als Sectionsgeologe seit
24. März bei Leitmeritz und Tetschen, so wie er denn später die nördlichsten
Theile Schlukenau und Böhmisch-Leipa im Jahre 1858, Jungbunzlau 1859, Jicin
und Braunau 1860 und 1861 aufnahm. Während dieser Zeit eröffnete sich die
Aussicht für ihn, die Stelle eines Professors der Naturgeschichte an dem königlich-
ungarischen Josephs-Polytechnicum zu gewinnen, welche in der Tliat seine Er-
nennung durch Allerhöchste Entschliessung vom 11. Jänner 1862, und seinen
Antritt jener Stelle am 28. März zur Folge hatte. Wir begleiteten diese Ver-
änderung mit Gefühlen innigster Theilnahme, denn wir hofften, die neue Stellung
würde beruhigend auf sein Gemüth wirken, das in denn bei seiner natürlichen
Lebhaftigkeit durch aufreibende Märsche häufig in grosse Aufregungen einer
gewissen Neigung zu Missverständnissen so manche Nahrung gab. Die Aussicht
in Ungarn, seinem nähern Vaterlande zu wirken, hatte auch ihm mächtig be-
geistert. Leider musste ein unseliges Missverständnis, gerade in Verbindung
mit einer Aussicht, welche das höchste Lebensglück ihm hätte bereiten sollen,
ihn zu einem überraschen Entschlüsse bringen, in Folge dessen er am 23. Juli
durch Strychnin sein Leben endete. Wohl dürfen wir diesen Verlust an Kenntniss
für unser Vaterland innigst bedauern, aber es ist auch billig, dass wir nach dem
Berichte unseres hochgeehrten Freundes Herrn Prof. K. M. Nendtvich des
traurigen Gesundheitszustandes des Verewigten gedenken , nach dem Sections-
befunde, gänzliche Atrophie der Milz, Tuberkeln in Lunge und Leber, und
welche Einflüsse auf das Gemüth hervorzubringen vermochten, die in jener
beklagenswerthen That ihren Abschluss fanden. Tief und allgemein war auch der
Ausdruck der Trauer, mit welcher Jokdly’s sterbliche Reste von seinen Ange-
hörigen, Freunden und. Schülern zu seiner letzten Ruhestätte im katholischen
Friedhofe in Ofen begleitet wurden. Uns wird stets Jokely als ein sorgsamer,
scharf beobachtender Forscher unvergesslich sein. Viele Ergebnisse sind in un-
serem Jahrbuche enthalten, die letzten noch, so wie den betreffenden Karten
wurde in dem verflossenen Sommer die reiche Anerkennung eines Sir Roderich
Murchison zu Theil, welcher mit der Karte in der Hand das Rothliegende der
Umgebung von Pecka untersuchte.
Gleichzeitig mit der Nachricht von Jokely’s Bestimmung zum Professor
nach Ofen hatte ich am 4. Februar Nachricht von dem Hinscheiden unseres lang-
jährigen Gönners und Freundes, Karl Cäsar v. Leonhard, gegeben, und des
grossen Einflusses auf unsere Entwickelung gedacht des seinen früheren perio-
dischen Veröffentlichungen sich anschliessenden von ihm und Bronn herausgege-
benen Jahrbuches. Auch dieser Arbeitsgenosse des Verewigten sollte nur wenige
Monden seinen dahingeschiedenen Freund überleben.
„Heinrich Georg Bronn, Hofrath und Professor an der Universität Heidel-
berg, wurde den 5. Juli 1862 durch eine plötzliche Lungenlähmung dem Kreise
seiner Familie und Freunde und der Wissenschaft, deren unermüdlicher Jünger
er während seines ganzen Lebens war, entrissen.“
„Bronn wurde den 3. März 1800 in Ziegelhausen bei Heidelberg geboren.
Schon frühe zeigte sich bei ihm der lebendige Drang zum Studium der Natur-
wissenschaften, schon als Knabe beschäftigte er sich auf’s Eifrigste mit Botanik
und Zoologie, und als er während seines Aufenthaltes auf der Universität seiner
angebornen Neigung fi ei folgen konnte, bewährte sich der schaffende Geist des
strebsamen Jünglings schon frühzeitig durch eine vortreffliche botanische Disser-
tationsschrift, für welche ihm von der medicinischen Facultät der Universität in
Heidelberg ein akademischer Preis zuerkannt wurde.“
[3]
Ansprache des Directors W. Haidinger.
263
„Kurze Zeit nach Beendigung seiner Universitätsstudien erschienen zwei
für die damalige Zeit höchst bemerkenswerthe Arbeiten: das System der
urvveltlichen Conchylien und das System der urweltlichen Pflan-
zenthiere, wodurch der junge Forscher bereits eine staunenswerthe Fülle von
Kenntnissen an den Tag legte“.
„In den darauf folgenden Jahren war die Thätigkeit Bronns vorzüglich
dem Heidelberger Mineralien-Comptoir gewidmet, in dessen Interesse er theil-
weise auch seine italienische Reise in den Jahren 1824 bis 1827 unternahm. —
Die Ergebnisse dieser Reise, die Resultate seiner geologischen und paläontolo-
gischen Forschungen sind sowohl für ihn selbst, als auch für die Wissenschaft
von nicht zu unterschätzender Bedeutung“.
„Die praktischen Arbeiten in der Natur, das eingehendste geologische Studium
einer bisher höchst unvollständig gekannten Formation, war von dem grössten
Einfluss für die Beurtheilung der Beobachtungen Anderer. Nur ein Forscher, der
selbst die Schwierigkeiten der selbstständigen Beobachtung erfahren und über-
wunden hat, wird im Stande sein, die Leistungen auf diesem Gebiete richtig zu
erfassen, und nur ein so praktisch, wie theoretisch gebildeter Geist wie Bronn,
konnte ein Unternehmen beginnen und durchführen, wie „das Jahrbuch für
Mineralogie, Geologie und Petrefa ctenku n de“, in dem er in Gemein-
schaft mit einem ebenbürtigen Forscher seit dem Jahre 1830 eine umfassende
Uebersicht des gesammten Fortschrittes im Gebiete dieser drei Wissenschaften
geboten hat“.
„Der durchgreifende Einfluss der Lethaea geognostica (erschienen zwischen
1834 und 1837) auf die Entwickelung der damals in Deutschland noch in der
Kindheit stehenden Paläontologie und stratigraphischen Geologie, war ein ent-
scheidender und verschaffte Bronn mit vollem Recht seine Stellung neben den
ersten Trägern der Naturwissenschaften“.
„Ein noch grossartigeres Unternehmen war die von der Holländischen Socie-
lät der Wissenschaften in Harlem mit einer Medaille gekrönte „Geschichte
der Natur“ mit dem beigefügten „Index und Enumerator palaeontologicus“ .
Während in den beiden ersten Theilen die tiefsten theoretischen und philosophi-
schen Fragen auf die scharfsinnigste Weise discutirt werden, bekundet der
dritte Theil den unsäglichen Fleiss und die unermüdliche Arbeitskraft des
Geschicktesten aller Compilatoren“.
„Durch „die Geschichte der Natur“ war dem Kreise seiner Fachgenossen
bereits eine Andeutung gegeben, der Richtung, auf der wir Bronn in seinen
folgenden Werken sich bewegen sehen. Der naturphilosophische Geist tritt mehr
und mehr in seinen Arbeiten hervor, und in der im Jahre 1857 von der französi-
schen Akademie gekrönten Preisschrift „die Ent wickelu n gsges etz e der
organischen Schöpfung“, finden wir die Resultate seiner langjährigen
Forschungen unter zwei grossen Naturgesetzen vereinigt, deren logische Ent-
wickelung der Hauptzweck dieser Schrift ist“.
„Bronn’s letzte Schriften „die morphologischen Studien“, „die
Classen und Ordnungen des Thierreiches“, seine Uebersetzung des
Darwinschen Werkes und seine ganze Stellung zu dieser neu auftauchenden
Theorie, sind noch zu sehr im Gedächtnisse aller Freunde der Naturwissenschaf-
ten, dass wir an dieser Stelle ihren Werth und ihre Bedeutung nicht hervorzu-
heben bedürfen“.
„Zwei Jahre vor seinem Tode hatte Bronn die Genugthuung, seine ver-
dienstvollen Bestrebungen durch die Verleihung der Wollaston-Medaille ausge-
zeichnet zu sehen“.
kk*
264
Verhandlungen.
W
Ich verdanke die vorstehende biographische Skizze einem unmittelbaren,
eifrigen Schüler des Verewigten, unserem verehrten jungen Freunde, Herrn
Dr. Karl Zi ttel , der sich als freiwilliger Theilnehmer unserer diesjährigen
Sommer-Aufnahme angeschlossen, und seihst schon treffliche Beweise unab-
hängiger Forschungsgabe und erfolgreichster Bestrebungen abgelegt hat.
Unerwartet trifft uns hier aus neuester Zeit die Nachricht von dem Hinschei-
den eines jungen rüstigen Forschers, J. Theobald v. Zollikofer, aus St. Gallen
in der Schweiz, der am 19. October langem Leiden der Tuberculose in Gratz im
34. Lebensjahre unterlag. Wohl dürfen wir ihn als einen wahren Arbeitsgenossen
einen der unsern nennen, wenn er auch nicht der k. k. geologischen Beichs-
anstalt als Mitglied angehörte. Aber es finden zwischen ihm als Begehungs-
Commissär des geognostisch montanistischen Vereines in Steiermark und uns stets
die lebhaftesten Beziehungen statt, so dass unsere neben einander fortgeführten
Arbeiten doch wie aus Einem Gusse erscheinen.
Unsere älteste Berührung war die von ihm zur Zeit der Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte in Wien im Jahre 1856 an uns übersandte
Abhandlung: „Beiträge zur Geologie der Lombardie mit besonderer Berücksich-
tigung der quarternären Bildungen des Po-Thales , mit Karten der Umgebungen
von Bergamo, von Sesto Calende, den Diluvialterrassen des Tessins und einer
Gletscherkarte des Südabhanges der Alpen, nebst zahlreichen Durchschnitten
u. s. w., das Ergebniss der Studien während eines längeren Aufenthaltes in
Bergamo, einiger Ausflüge nach dem Corner See und eines Aufenthaltes während
dreier Sommer in Sesto Calende am Langen See. Im zweiten darauffolgenden
Sommer, 1858, wirkte er bereits in seiner neuen Verbindung mit dem geogno-
stisch-montanistisclien Verein in Steiermark, und unser Jahrbuch bewahrt die
trefflichen von ihm gelieferten Berichte, den für den Sommer 1860 , über die
geologischen Verhältnisse des südöstlichen Theiles von Unter-Steiermark, noch
in dem letzten im Laufe des verflossenen Sommers am 31. August ausgegebenen
dritten Hefte des 12. Bandes, für 1861 und 1862. Manchen anziehenden Vortrag
in unseren Sitzungen verdanken wir ihm bei seinem abwechselnden Aufenthalte
in Wien, wo er in seiner freundlich-liebenswürdigen Persönlichkeit er uns stets
willkommen war. Nachfolger früherer ausgezeichneten Forscher , des talent-
vollen scharfsinnigen Adolph v. Morlot, der verdienstvollen Dr. K. J. Andrae
und Dr. Fr. Rolle hatte er in dem abgelaufenen Sommer, schon mit grosser
Beschwerde, das letzte der beabsichtigten Arbeit unternommen, um sodann an
die Zusammenstellung einer geologischen Uebersichtskarte von Steiermark zu
gehen, als das Unabwendbare eintrat.
Aber während unser Leben durch diese und so manche grosse Verluste
dieser Art geprüft worden ist, wenn sie uns auch nicht so unmittelbar berührlen,
wie die genannten, darf das Jahr doch andererseits im Allgemeinen als ein solches
bezeichnet werden, das uns eine reiche Ernte glänzender Augenblicke der An-
regung in durchgeführten Arbeiten und reicher Anerkennung brachte.
Schon im verflossenen Jahre am 19. November, konnte ich der uns
durch die für das gegenwärtige Jahr 1862 bestimmte International-Ausstel-
lung in London erwachsenden Aufgaben gedenken, der geologisch-colorirten
Karlen sowohl, als unserer Publicationen und der Sammlung fossilen Brennstoffes
der Oesterreichischen Monarchie. Es war vom Anfänge klar, dass wir nicht in
der Arbeit Zurückbleiben durften, wenn auch die engere Theilnahme für diese
Ausstellung, selbst in Wien erst später sich lebhafter gestaltete, als unser hoch-
verehrter Gönner und Freund, Herr Ritter v. Schwarz, zum Ersten k. k. Com-
missär bei derselben ernannt worden war. Ruhig mussten wir fortarbeiten, der
Arbeit war viele, manche Verantwortung gerne auf uns nehmen, wo unvor-
Ansprache des Directors W. Haidinger.
265
[S]
gesehene Schwierigkeiten so leicht den ganzen Erfolg in Frage stellen konnten.
An unsere eigenen Ausstellungsgegenstände reihten sich die Muster fossiler
Brennstoffe des Kaiserreiches, für welche die Ausstellungs-Commission selbst
den Wunsch einer Colleetiv-Ausstellung ausgesprochen. Auch hier hiess es rasch
Hand an’s Werk legen. Die Besitzer und Werksleiter wurden za Einsendungen
eingeladen, welchem so viele derselben auf das Zuvorkommendste entsprachen,
dass wir uns in den Stand gesetzt sahen, eine mehr als die Hälfte der Jahreserzeu-
gung (in runden Zahlen 2 Millionen Tonnen oder etwa 40 Millionen Zollcentner,
von etwa 3-5 Millionen oder etwa 70 Millionen Zollcentner) vertretende Samm-
lung von Kohlenmustern in Würfeln von 6 Zoll Seife nach London zu senden.
Einstweilen war von Seite des k. k. Staatsministeriums in der Abtheilung
für Unterricht, unter der Leitung Seiner Excellenz des Herrn k. k. Unter-Staats-
secretärs Freiherrn v. H eifert eine Gesammtausstellung der betreffenden Gegen-
stände vorbereitet, und zum Orte der Ausstellung waren die Säle der k. k.
geologischen Reichsanstalt gewählt worden. Es brachte dieser Umstand den
grossen Vortheil für uns, dass eine Ausstellung der von uns vorbereiteten Gegen-
stände sich als ein unmittelbares Erforderniss an dieselbe anschliessen musste,
und mit und für uns war auch für die Ausstellung des k. k. militärisch-geogra-
phischen Institutes, unter der Leitung des Herrn k. k. Generalmajors v. Fligdly,
eine günstige Erweiterung dargeboten. Von der k. k. geologischen Reichsanstalt
waren vorbereitet: I. Die geologisch-colorirten Karten: 1. Specialkarten in dem
Maasse von 1 : 144*000 oder 2000 Klafter = 1 Zoll, Oesterreich, Böhmen
(mit Ausnahme der drei östlichen Sectionen), Steiermark und Illyrien, Salzburg;
2. Uebersichtskarten in dem Maasse von 1 : 288*000 oder 4000 Klafter = 1 Zoll,
Ungarn, Tirol und Vorarlberg, Lombardie und Venetien, Banat; 3. Uebersichts-
karten in dem Maasse von 1 : 432*000 oder 6000 Klafter — 1 Zoll, Sieben-
bürgen und Galizien. II. Die 10 Bände Jahrbuch und 3 Bände Abhandlungen.
III. Von Herrn Karl Ritter v. Hauer, Vorstand des chemischen Laboratoriums,
die von ihm dargestellten Krystalle über 100 Species in 380 Individuen. IV. Die
Gesammtausstellung der Muster fossiler Brennstoffe 239 Nummern, aus Böhmen
(70), Mähren und Schlesien (40), Galizien (10), Ungarn und Banat (36),
Siebenbürgen (1), Banater Militärgrenze (3), Slavonien (2), Croatien (4),
Oesterreich und Salzburg (23), Tirol (1), Vorarlberg (1), Steiermark (33),
Kärnthen (6), Krain (7), Dalmatien (1), nebst einem Anhang von Kohlenbriquets
(1). Die specielle Sorge für die Aufstellung dieser Kohlensammlung hatte Herr
k. k. Bergrath Fo etter le, eben so wie die Sorge für die allmälige Gewinnung
der Karten, und die Aufstellung überhaupt. Wir sind ihm für seine trefflichen
Leistungen zu dem grössten Danke verpflichtet, den ich ihm hier aus vollem
Herzen wiederholt darbringe.
Während der nun in Wien ausgeführten Vor-Ausstellung war es, dass der
k. k. geologischen Reichsanstalt die höchste Auszeichnung beschieden war,
welcher sich der Director und die Mitglieder derselben in der Reihe der Jahre
ihres Bestehens erfreuen durften. Unser Allergnädigster Kaiser und Herr
geruhten nicht nur, nebst denAusstellungen der Unterrichtsgegenstände und den-
jenigen des k. k. militärisch-geographischen Institutes, auch unsere vorbereiteten
Gegenstände eingehend zu besichtigen, sondern Seine k. k. Apostolische
Majestät durchschritt auch unsere eigenen sämmtlichen Aufstellungs- und
Arbeitsräume, mit sichtlicher Theilnahme für unsere Bestrebungen und Leistun-
gen , über welche die Allergnädigste Befriedigung huldvollst ausgesprochen
wurde. Noch an demselben 15, Februar, seit welchem unser Gedenkbuch in
seinem zweiten Bande durch den A 11 erh ö chsten eigenhändigen Namenszug ver-
266
Verhandlungen.
[«]
herrlicht ist, geruhten auch mehrere durchlauchtigste Herren k. k. Erzherzoge,
Karl Ludwig, Wilhelm, Leopold und Sigmund, so wie der Gross-
herzog von Toscana, sodann in späteren Tagen Ihre k. k. Hoheiten die durch-
lauchtigste Frau Erzherzogin Sophie, die durchlauchtigsten Herren Erzherzoge
Karl Ferdinand und Rainer unsere k. k. geologischen Reichsanstalt ihrer
theilnehmenden Besichtigung zu würdigen. Auch der wohlwollenden Gegenwart
unseres eigenen höchsten Leiters, des Herrn k. k. Staatsministers Ritters
v. Schmerling durften wir uns erfreuen, dem wenige Tage darauf, am
26. Februar, in anerkennendster Huld Seine k. k. Apostolische Majestät
eine erhabene Krone dem hohen Verdienste zu verleihen geruhten.
Glanzvoll ist dieser Tag, dieser Abschnitt unseres Bestehens in unsern
Annalen eingezeichnet.
Einstweilen schritten unsere Aufgaben fort, die Ausstellung in Wien wurde
geschlossen, die Absendung nach London, die Gewinnung eines Ausstellungs-
Verzeichnisses in englischer Sprache für London vorbereitet. Das letzte in
8.000 Exemplaren abgedruckt, wurde grösstentheils nach London gesandt,
1.000 Exemplare wurden an die Gesellschaften und Institute vertheilt, mit
welchen wir in Verbindung stehen, so wie an die Besitzer uud Leiter der Berg-
bau-Unternehmungen, deren Theilnahme für die Gesammtausstellung unserer
fossilen Brennstoffe wir gewonnen hatten. So fördersam auch alle Anstalten für
den Zweck der Erleichterung getroffen waren, so galt es doch in der Ausführung
die grösste Aufmerksamkeit anzuwenden, um Alles noch rechtzeitig zu beginnen
und zu vollenden. So bin ich noch Herrn k. k. Professor I)r. Joseph Arenstein
persönlich auf das Innigste zu Danke verpflichtet, für die Besorgung der Ueher-
sendung jener 4.000 Exemplare der Schrift: „ The Imperial and Royal Geolo -
gical Institute of the Austrian Empire so wie der Aufmerksamkeit des
Herrn Factors A. K noblich in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei für die zeit-
gemässe rasche Ausfertigung. Herr k. k. Bergrath Fo ette r 1 e aber besorgte
noch die Versendung, eben so wie ihm später auch noch die Aufstellung unserer
eigenen Sammlung an fossilen Brennstoff oblag. Es konnte diese in einer etwas
grösseren Ausdehnung gewonnen werden, als die für London bestimmte, da eines
und das andere noch später eintraf, auch Mehreres in Exemplaren vorlag,
welche für London nicht verwendbar gemacht werden konnten. So gelang es
Herrn k. k. Bergrath Foetterle 302 Nummern von 173 Localitäten in unserem
Mohssaale aufzustellen.
Während des Schlusses der Arbeiten für die Ausstellung in London musste
uns die bevorstehende Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in
Karlsbad, die zahlreichen erwarteten Fachgenossen auf derselben die höchste
Anregung bringen, um unserer Stellung in dem grossen Oesterreichischen Kaiser-
staate entsprechend dort zu erscheinen. Die Specialkarte von Böhmen, in dem
Maasse von 2.000 Klaftern auf 1 Zoll, 1:144 000 der Natur, war im Abschlüsse,
erforderte aber durch einen ganzen Sommer, in verstärkter Vertretung unserer
Aufnahmssection. So verfügte sich denn Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid schon
am Anfänge des Monats Mai, nebst den Herren Sectionsgeologen H. Wolf,
Freiherr F. v. A n d r i a n, K. P a u 1 in den betreffenden Aufnahmsbezirk der östlichen
Kartensectionen, und zwar noch einen Theil von Nr. X, Umgebungen von Braunau
und Naehod, dann die Grenzblätter Nr. XVI, Umgebungen von Reichenau,
Nr. XXII, Umgebungen von Hohenmauth und Leitomischl, Nr. XXVII, Umgebun-
gen von Deutschbrod (voll), und Nr. XXVIII, Umgebungen von Bistrau. Sie
wurden auch entsprechend abgeschlossen, so dass die ganze Karte noch zur
Vorlage für die Versammlung in Karlsbad gewonnen wurde.
[7]
Ansprache des Directois W. Haidinger.
26*7
So waren die Detail-Aufnahmen für Böhmen in diesem gegenwärtigen Jahre
geschlossen. Aber auch für die Uebersichts-Aufnahmen wünschten wir den
Schluss vorzubereiten, und dafür lag uns die allerdings umfassende Aufgabe eines
grösseren Theiles der k. k. Militärgrenze, nämlich die ganze Karlstädter und
Banalgrenze, so wie ganz Dalmatien vor. Auch hier mussten wir uns bestreben,
zeitlich in’s Feld zu rücken, vorzüglich da die heisse Sommerperiode in jenen
südlicheren Gegenden vielleicht eine Unterbrechung der Untersuchungen hervor-
bringen konnte. So waren in der zweiten Hälfte des April Herr Dr. G. Stäche,
begleitet von Herrn Dr. Karl Zittel von Heidelberg, der sich uns als freiwilliger
Theilnehmer an unseren Arbeiten anschloss, nach Dalmatien abgegangen, in der
letzten Woche desselben, die Herren D. Stur in die zwei Banal-Grenz-Regimen-
ter und den nördlichen Theil des Szluiner Regiments, Herr Dr. Stoliczka in
das Oguliner, südliche Szluiner und Ottoeaner k. k. Karlstädter Grenz-Regiment.
Die Chefgeologen folgten später, Herr k. k. Bergrath Ritter Franz v. Hauer
am 22. Mai nach Dalmatien, bis dahin durch Familien-Unglück, den Tod einer
geliebten Gattin zurücligehalten, Herr k. k. Bergrath Franz Foetterle Ende
Juni nach den Karlstädter k. k. Militärgrenz-Regimentern Oltocac und Gospich in
der Licca , begleitet von Herrn Michael Lepkowski aus Curland. Namentlich
die Schlussarbeiten der Aufstellung der Kohlensammlung als einem Ganzen,
durften nicht unterbrochen werden, um selbe doch in einem abgeschlossenen
Zustande zu hinterlassen.
Was während der Monate Mai, Juni und Juli an Ergebnissen der Aufnahmen
gewonnen wurde, wurde in den bezüglichen Berichten mitgetheilt. Es erübrigt
mir noch einer Anzahl von nachträglichen Berichten der Herren Geologen zu
gedenken, welche nach dieser Zeit zur Hand kamen, und nun die ganze Ueber-
sichts-Aufnahme des Kaiserreiches abschliessen.
Aus dieser Zeit ist es mir aber hier wohl gestaltet, zweier Ereignisse zu ge-
denken, wohl dazu geeignet, in der ferneren Entwickelung der k. k. geol. Reichs-
anstalt anregend zu wirken. Durch Allerhöchste Entschliessung vom 13. Juni
war der Director der k. k. geologischen Reichsanstalt zum wirklichen k. k. Hof-
rath ernannt worden. Ursprünglich in der Gründung der Anstalt am 13. Novem-
ber 1849 als k. k. Sectionsrath fest gestellt, folgte schon am 24. Juli 1839
Titel und Charakter, nun die volle Begründung des vollständigen Wesens dieser
neuen Stellung, befürwortet von Seiner Excellenz unserem wohlwollenden höch-
sten Leiter, Herrn k. k. Staatsministers Ritter v. Schmerling. Bin ich nun
gewiss auch persönlich zu dem innigsten treuesten Danke verpflichtet, so darf
ich wohl noch ein weiteres Verhältniss bezeichnen, dass gewiss von vielen
Seiten Theilnahme findet. Was mich persönlich höher stellte, das dürfen wir
wohl als eines der Zeichen allgemeiner Höherstellung, wachsender Achtung für
die Wissenschaft betrachten, und für die Männer der Wissenschaft, welche ihr
treu anhangen, ihr Streben der Erweiterung derselben weihen. Dasselbe sehen
wir in den Allergnädigsten Verleihungen am 11. Juni des Ritterkreuzes des
Oesterreichisch-Kaiserlichen Leopold-Ordens an den Präsidenten der Kaiserlichen
Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher, den leider nun dahin-
geschiedenen D. G. Kies er, so wie in dem Titel eines k. k. Hofrathes an die
Zierden unserer Wissenschaft, die grossen Männer Hyrtl und R okitansky
verliehen. Denn die Stellung der Männer der Wissenschaft in einem Lande, die
Achtung, welche man ihnen angedeihen lässt, ist der Maassstab der Achtung,
deren die Wissenschaft selbst in demselben sich erfreut. Wahrhaft geehrt ist
diese letztere dort nicht, wo wir die ersteren nur untergeordnete Stellungen ein-
nehmen sehen. Das Streben, die Wissenschaft höher als früher in unserem
268
Verhandlungen.
[8]
Oesterreich zu sehen, hat mich immer, seit meinem Eintritte, in den Staatsdienst
am 14. April 1840 begleitet, und ich darf wohl sagen, Vieles ist jetzt anders als
damals. Mancher Lichtpunkt ist gewonnen , aber auch mancher grosse wissen-
schaftliche Erfolg erzielt. Der Gedanke des grossen Kaiserreiches hebt uns hoch
in der Beurtheilung, während in engeren Grenzen befangener Provinzgeist sich
hergebrachter Fesseln nicht zu entledigen wagt. So dürfen wir noch fortwäh-
rend auf Fortschritt hoffen, nach dem Maassstabe, welchen auch die Männer
der Wissenschaft selbst in ihrer gegenseitigen Achtung bereit halten.
Welcher herrliche Erfolg war es nicht, als uns in den verschiedenen Ab-
theilungen unserer Einsendungen zur Londoner International-Ausstellung nicht
weniger als fünfMedaillen zuerkannt wurden, drei in der I. Classe: Berg-
werks-, Steinbruchs-, metallurgische und Mineralproducte , und zwei in der
29. Classe: Werke und Vorrichtungen für den Unterricht. Nur in den ursprüng-
lichen Bezeichnungen darf ich sie hier mit ihrer Begründung wiedergeben, wie
sie in der Wiener Zeitung von 13. und 24. Juli enthalten sind.
1. CI. 1. 2 (Nummer des Verzeichnisses). 15 (Ausstellungs-Nummer). Wil-
helm Haidinger, k. k. Hofrath und Director der k. k. geologischen
Reichsanstalt in Wien, als Gründer und Director der geologischen Auf-
nahmen mit ehrenvoller Erwähnung seiner Mitarbeiter.
2. 15.15. Die Mitglieder der k. k. geologischen Reichsanstalt
in Wien, für ihre werthvollen und sorgfältig gearbeiteten geologischen
Karten des österreichischen Kaiserstaates.
3. 28.15. K. k. Director der geologischen Reichsanstalt in
Wien, für die vollständige Sammlung und die statistischen Daten der
fossilen Brennstoffe im österreichischen Kaiserstaate.
4. CI. 29. 10.1155 a. K. k. geologische Reichsanstalt in Wien, für
ihre Karten und Publicationen.
5. 12. 15. Karl Ritter v. Hauer, Vorstand im Laboratorium der k. k. geolo-
gischen Reichsansfalt, für eine Sammlung künstlicher Krystalle.
Gerne stelle ich die Begründungen hier in ihrer ursprünglichen Ordnung
und Benennung hin, während in dem von dem niederösterreichischen Gewerbe-
verein herausgegebenen Separatheft zu den Verhandlungen und Mittheilungen die
alphabetische Folge gewählt ist und es bei Nr. 2 und 3 ganz gleich heisst die
k. k. geologische Reichsanstalt in Wien, wie bei Nr. S. Es ist dies
freilich gleichmässig, aber mir scheint gerade die ursprüngliche Fassung charak-
teristisch und ehrenvoll. Allerdings ist es die k. k. geologische Reichsanstalt,
welche als Institut durch die Kraft der Bewilligungen die Arbeit ermöglicht, aber
der Director und die Mitglieder sind es, welche dieselbe in’s Werk setzen, und
das hat man dort, in dem praktischen England, gerne hervorheben wollen. Und
gewiss wirkt diese Anerkennung viel anregender als die bei uns so vielfach
beliebte Vereinfachung nach Gleichförmigkeit.
Aus den Berichten über die Vorgänge des Sommers bleibt nur noch ein
Wort zu sagen von dem Schlüsse der Aufnahmen in Böhmen und in den südlichen
Gegenden des Kaiserreiches. Namentlich hatten noch Herr k. k. Bergrath Lipoid
Veranlassung höchst Anziehendes mitzutheilen. Sir Roderick I. Murchison
hatte seine Cur in Marienbad angetreten. Er beabsichtigte nach derselben zwei
geologische Ausflüge in Böhmen zu unternehmen, den einen in der Gegend von
Pilsen und südlich davon um die Lagerungsverhältnisse der Unterlage der siluri-
Ansprache des Direktors W, Haidinger.
209
m
scheu Schichten zu vergleichen, den andern in das itn Nordosten Böhmens vor-
liegende permische Gebiet. Es war dies für uns eine höchst wichtige und
erwünschte Veranlassung, einen Geologen von so hoher Geltung, der sein Leben
dieser Wissenschaft geweiht, dem Director der geologischen Landesaufnahmen
von Grossbritannien, doch einige Erleichterung für seine Zwecke zu ermöglichen,
aus den von unseren Herren Geologen aufgesammelten Erfahrungen. Gleich zu
allem Anfänge erklärte er, dass er die in der letzten Zeit mehrfach besprochenen
B arra n de’schen Colonien nicht zu besuchen beabsichtige. Er müsste mehr Zeit
auf eine vollständige Durcharbeitung des Gegenstandes verwenden, als er zur
Verfügung hatte, und ein Gewinn für die Wissenschaft liess sich aus der flüchti-
gen Besichtigung nicht erwarten. Aber von dem Wunsche friedlicher Betrachtung
von Fragen, über welche verschiedene Ansichten herrschen, ausgehend, hatte er
seine eigenen Wünsche dem Director der k. k. geologischen Reichsanstalt er-
öffnet, wenn auch von der Bemerkung begleitet, dass er die Stellung desselben
in dieser Frage wohl zu würdigen wisse. „Ich hoffe. Sie sehen aus dem wahren
Gesichtspunkte meinen Wunsch an, wo möglich alle aufgeregte Erörterung zu
vermeiden. Sind wir doch so sehr an freundschaftliche Erörterung über streitige
Punkte in unserer Wissenschaft gewohnt“ *). So schreibt dieser edle Gönner
und Freund in dem lebhaften Wunsche der Vermittelung. Für seine näheren
Zwecke konnten wir ihm eine Anzahl Sectionen unserer Specialkarten schicken,
und Herr k. k. Bergrath Lipoid selbst begleitete ihn, in Gesellschaft mit
unserem hochgeehrten Freunde Herrn Dr. Fritsch von Prag zu einigen, der
südwestlich in dem silurischen Gebiete gelegenen lehrreichen Durchschnitten,
namentlich bei Rokycan, Kischitz, Ginec, so wie auf dem Wege von Zdie nach
Prag, hier namentlich die vielen und mächtigen Schichtenstörungen bezeichnend,
welche die Silurformation und besonders die obere Kalkzone derselben zwischen
Beraun und Rewnitz erlitten haben. Diese Fahrt muss jeden Geologen über-
zeugen, dass die so vielfältig bisher vorausgesetzte Regelmässigkeit der Schich-
ten in der böhmischen Silurformation nicht vorhanden ist. „Diese Störungen,“
schreibt Lipoid, „sind auch Ursache, dass die Mächtigkeit der einzelnen
Schichtencomplexe bisher viel grösser angenommen wurde, als sie in der That
ist, und ich habe Herrn Murchison die Mächtigkeit der mir bekannten
Schichten aufgezeichnet, wie. ich sie aus mehrjährigen Erfahrungen kennen
lernte.“
Aus einigen Ausflügen in der Nähe von Prag, in Gesellschaft der Herren
Fritsch und Jahn erwähnt Lipoid noch der Auffindung der Rokycaner
Schichten (Barrande’s Etage d1) in der Sarka in nächster Nähe von Prag,
aufgelagert auf Komorauer Schichten und überlagert von Brda-Schichten, so wie
eines neugewonnenen sehr lehrreichen Durchschnittes, entlang der neuen im
Jahre 1861 eröffrieten Strasse von der Civil-Sch wimmschule zum Gasthofe am
Belvedere mit vielfachen Störungen und namentlich mit ausgezeichneten Faltun-
gen der silurischen Schichten.
Nach seiner nordöstlichen Excursion gab Sir R. Murchison, in einem
Schreiben aus Linz vom 16. September eine für uns so wichtige und anregende
Aeusserung, dass ich sie nicht nur meinem hochverehrten Freunde Herrn k. k.
Bergrath Ritter v. Hauer nach Karlsbad mittheilte, sondern sie auch gerne hier
wieder für unser Jahrbuch aufbewahre :
*) I hope you will quite understand my desire to have impeded if possible all angry
discussion. Amiable discussion on disputed points we are well accustomed to in our
Science.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
270
Verhandlungen.
[10]
„Mein Durchschnitt von Pardubitz nach Reichenberg war höchst belehrend^
und von einem trefflichen jungen Freunde, Dr. Fritsch begleitet, verwendete
ich mehrere Tage in genauen Untersuchungen. Die Excursion nach Radowens
gab ich auf, weil ich gerade auch dasselbe bei Pecka an der Bahnlinie fand.“
(Ich hatte einen Probedruck von J o k el y’s Mittheilung über diese Gegend an
Murchison gesandt.) „Dort, in Falgendorf und in Semil machte ich einen
längeren Anfenthalt, zwei Nächte an letzterem Orte, war in Liebstadtl bei Ihrem
Correspondenten“ (Pfarrer Mary ska) „und machte einen detaillirten Durch-
schnitt von den höchsten Schichten des Rothliegenden bis dahin, wo das unterste
Conglomerat auf den krystallinischen Schiefern ruht. Ihre Karte war mir sehr
nützlich und sie ist sehr genau.“ — Das Zeugniss eines M u r chison ist
gewiss höchst erfreulich und es bleibt nur eines zu bedauern , dass der arme
Jokely es nicht mehr erleben sollte.
„Und nun in Bezug auf die älteren Gesteine oder jene, welche in ungleich-
förmiger Lagerung unter den silurischen Schichten des Prager Beckens liegen.“
„Ich nehme keinen Anstand, nun wo ich von Marienbad bis Pilsen reiste, und
seitdem von Pilsen nach Fürth und Regensburg, zu sagen, dass ich alle sogenann-
ten krystallinischen Gesteine, auch die Urthonschiefer bei Mies, und in der Nach-
barschaft von Pilsen, so wie östlich von Prag gegen Pardubitz als metamorphische
unterste Schichten des Prager Beckens selbst betrachte. Sie haben auch das gleiche
NO. und SW. Streichen. Sehr verschieden in Structur und Richtung istder alteGneiss
von Fürth auf der neuen Regensburger Linie bei Passau und namentlich auf dem
linken Donauufer an dem letztem Orte mit seinem bestimmten NW. bis SO. Streichen.
Nachdem ich die älteren Gesteine von Grossbritannien durchgearbeitet und nach-
dem ich gezeigt, wie der ältere Gneiss der nordwestlichen Küste von Schottland
ein NW. bis SO. Streichen besitzt, und alle paläozoischen Gesteine unterteuft,
können Sie wohl denken, wie hoch meine Befriedigung sein musste, als ich diese
auffallende Übereinstimmung im Herzen von Deutschland beobachtete. Es fehlt
nur noch Eines, welches Ihre Geologen möglicher Weise entdecken werden,
ein Ort oder mehrere Orte in Böhmen, wo die nordöstlich streichenden Ablage-
rungen unmiltelbar auf den nordwestlich streichenden aufruhen. Ist dies gelun-
gen, so ist die Auflagerung auf dieses wahre Grundgebirge in gleicher Weise
in Deutschland, wie in Grossbritannien festgestellt.“
Gewiss ist diese Aufgabe eine höchst anziehende und wird uns billig bei
günstiger Veranlassung beschäftigen. Bekanntlich hatte Murchison seine An-
sichten in dem j Quart erly Journal of tlie Geological Society , für August 1860,
Seite 216, über den Laurentian oder ältesten Gneiss der Insel Lewis und des
nordwestlichsten Theiles von Schottland in der Grafschaft Sutherland im Zu-
sammenhänge erörtert, und auch eine neue Uebersichtskarte von Schottland auf
Tafel XII, Vol. 16 gegeben. Es ist dies ein für das Verständniss der Bildung
der Erdrinde sehr wichtiger Gegenstand und es liegen in den Specialaufnahmen so
viele einzelne Beobachtungen der Lagerungsverhältnisse vor, dass die Aufgaben
der Erhebungen sich sehr bald werden mit Schärfe angeben lassen.
Nur in wenigen Umrissen erwähne ich der Berichte der Mitglieder der II.
und III. Section unserer Uebersichtsaufnahme in den südlichen Theilen der Mon-
archie, da die Herren selbst nun alsbald ihre ausführlichen Darstellungen vor-
legen werden. Herr D. Stur berichtete über jenen Theil des Sluiner Grenz-
regiments, der östlich von der Strasse Karlstadt- Vojnic-Kerstinja-Rastel-Maljevac
gelegen, sich im Osten an seine eigene Aufnahme im 1. Banalregiment, westlich
an die Aufnahme des Herrn Dr. Stoliczka im Sluiner Regimente anschliesst,
mit Orientirungen von den höheren Zügen bis in die Ebenen , namentlich aus
Ansprache des Directors W. Haidinger.
271
tu]
den Gailthaler Sandsteinen und Conglomeraten und den Werfener Schiefern
bis in die weit verbreiteten Congeriengebilde. Herr Dr. Stoliczka berichtete
noch über die Aufnahmen aus der Küstengegend des Oguliner Regiments nörd-
lich von Zengg. Namentlich sind da bei Kriviput und bei Opiateno, östlich von
Ledenica die reichen Foraminiferenschichten der untern Kreide verbreitet.
Ganze Bänke von Korallen aus den Sippen Cladocora, Maeandrina , Trochos -
milia, aber so fest mit der Kalkmasse verbunden, dass man ihre Natur nur an
den Auswitterungsflächen erkennen kann. Auch über Bribir, den Fundort eines
seit dem Jahre 1847 von Herrn Kohlenwerksbesitzer Wessely an unser Museum
freundlichst mitgetheilten Mastodonzahnes, gibt Herr Dr. Stoliczka Nachricht.
Der Zahn selbst gehört in die Abtheilung Tetrcilophodon, und daher die Abla-
gerung in die jüngste Tertiärzeit, entsprechend den Bildungen des Arnothaies.
Herr k. k. Bergrath Foetterle gab einen umfassenden Bericht über den süd-
lichsten Tlieil des Ottocaner Regiments in den Compagnien Pazaristje, Perusic
und Bunie, so wie über das Liceaner Regiment und die dalmatinischen Inseln
Pago, Skerda, Maon, welche er in steter Begleitung des Herrn M. Lepkowski
durchforschte. Hier durch beide Regimenter das Velebitgebirge mit seinem
höchsten Punkten Satorina 5400, Velika Visosica Hl 18, SvetoBerdo 5565 Wiener
Fuss Höhe, östlich davon die Gospicer Hochebenen. Die ältesten Schichten, die
überhaupt Vorkommen, sind Conglomerate der Steinkohlenformation, Gailthaler
Schichten angehörend, dann Werfener Schiefer, Triaskalke, namentlich auch
Raibler Schichten deutlich entwickelt, westlich dem Meere entlang, ein schmälerer
Streifen, Östlich in breiteren Massen unterer und oberer Kreidekalk. Auf der
Insel Pago, langgestreckt zwischen Hippuritenkalk, eingemengte Eocengebilde,
Nummulitenkalk, Mergel und Sandstein.
Aus der III. Section, welcher er sich als freiwilliger Theilnehmer ange-
schlossen, kehrte Herr Dr. Zittel schon früher nach Wien zurück. Die Herren
k. k. Bergrath Ritter v. Hauer und Dr. Stäche gaben noch Berichte über die
der Seeküste näher liegende Hälfte des dalmatinischen Festlandes zwischen der
Linie Trau-Sign einerseits und der Narenta andererseits, und den diesem Küsten-
strich gegenüber liegenden Inseln.
Die Kreideformation weitaus vorwaltend, die reichsten Ablagerungen von
Asphalt, wie jene vom Yergoraz, vom Monte Mossor, und vom Port Mandoler
gehören der oberen Abtheilung der Kreideformation an; doch auch sonst manches
Anregende. An der Strasse von Neoric nach Kliake Werfenerschichten, darüber
Guttensteiner Kalke, beide mit einem solchen Reichthum an organischen Resten,
wie er bisher an wenigen Punkten der unteren Abtheilung der alpinen Trias beob-
achtet wurde. Nebst den gewöhnlicheren Formen wie Myacites Fassciensis, Nati-
cella costata traten namentlich bei Muc Inf. auch die selteneren dieser Etage
eigenthümlichen Cephalopoden (Cer. hinodosus) , ferner Turbo rectecostatus ,
dann noch mehrere andere erst näher zu untersuchende Gasteropoden undBival-
ven auf. Cosinaschichten auf Bua, Lesina und der Halbinsel Sabioneello.
Durch die gesteigerte Sommerhitze waren die letzten Ausflüge bereits sehr
beschwerlich. Aber es lag uns auch bereits Allen der Wunsch vor, bei der Ver-
sammlung in Karlsbad es an unserer Theilnahme nicht fehlen zu lassen, hatten
doch in einem früheren Abschnitte unserer Arbeiten, unsere Mitglieder Joke ly und
Ho ch st etter die Umgegenden aufgenommen, und letzterer ein treffliches Werk
über Karlsbad nebst Karte herausgegeben, dessen Widmung ich seinem freund-
lichen Wohlwollen verdanke. Unser hochverehrter Freund Herr Prof. A.E. Reuss
bereitete eine Arbeit über die Umgegend vor, bei welcher auch diese unsere
Karten theilweise benützt wurden. Uns selbst gelang es, nach den Aufnahmen
11*
272
Verhandlungen.
[12]
der Herren Lipoid, Wolf, Freiherr v. Andrian, Paul, die Special karte des
ganzen Königreiches Böhmen, in dem Maasse von 2000 Klaftern = 1 Zoll oder
1: 144.000 der Natur zu reduciren und in einer grossen Tafel zusammenzu-
stellen, zur entsprechenden Vorlage. Nebst den vier Obengenannten waren doch
noch aus unserer Mitte die Herren k. k. Bergräthe Franz Ritter v. Hauer und
Foetterle, so wie Herr Dr. Guido Stäche hei der Versammlung gegen-
wärtig, letzterer Secrefär der geologischen Section. So ging dann auch dort
Alles anregend und glücklich vorüber, unter dem freundlichen Walten der Herren
Geschäftsführer k. k. Landesmedicinalrath Dr. J. Lö sehn er von Prag und dem
um Karlsbad und seine Besucher so hochverdiente Arzte Hofrath Dr. Gallus Ritter
v. Hochberger. Wohl bin ich verpflichtet des Telegrammes dankend zu er-
wähnen, das mir aus der Sitzung der geologischen Section durch deren treff-
lichen Präsidenten Geheimen Bergrath Nöggerath am 22. September zukam:
„Die geologische Section begrüsst herzlich aus ihrer Sitzung die Herren Hofrath
.Haidinger und Oberberghauptmann v. Dechen als Zeichen ehrenvollster
Anerkennung ihrer verdienstvollen Arbeiten zur geognoslischen Kenntniss des
deutschen Bodens". Um 1 Uhr 7 Minuten in Karlsbad aufgegeben, in Wien t Uhr
45 Minuten angekommen, wurde die Rückantwort von Dörnbach bis wohin die
telegraphische Verbindung nicht reicht, bis um 8 Uhr 55 Minuten Ankunft ver-
zögert, doch konnte sie mein edler Freund Nöggerath doch noch an demsel-
ben Abend in der Festversammlung im sächsischen Saale, und dann in der
Sitzung am 23. vorlegen: „Mit innigstem Dankgefühle empfange ich den wohl-
wollenden Ausdruck freundlicher Gewogenheit der geologischen Section durch
ihren hochverdienten Präsidenten, hoehgehnben in der gemeinsamen Krinnerung
an unseren Freund und Meister v. Dechen, hochgehoben in dem Bewusstsein
des unaufhaltsamen reichen Fortschrittes in Kenntniss des deutschen Bodens,
in Kenntniss der ganzen uns zu Eigen gegebenen Erde durch das jüngere that-
kräftige Geschlecht“. Ein Telegramm erlaubt nur Weniges zu sagen. Aber ich
fühlte tief, dass es ein Ausdruck sei, von den aus allen Gauen Deuschlands ver-
sammelten Fachgenossen, der Befriedigung über den Fortschritt geologischer
Arbeiten befreundeter Forscher, in Oesterreich, in Preussen, hier durch
Oberberghauptmann von Dechen, dort durch meinen Namen bezeichnet. Aber
während H. v. Dechen selbst, in beiden Rücksichten, als wissenschaftlicher
Forscher und in seinem Einflüsse als Förderer der Arbeiten Anderer, an der
Spitze steht, muss es mir klar sein, dass unsere Arbeiten in der That mehr auf
die Kräfte meiner jüngeren Freunde und Arbeitsgenossen gegründet sind, und
für mich doch einsehr bescheidener Antheil der Vermittelung entfällt. Das wünschte
ich in meinem Danke auszudrücken, und dann doch auch das Gefühl gemeinsamen
Strebens der Männer der Wissenschaft, in allen Völkerstämmen, als Herren
unserer schönen Erde. Wahres wissenschaftliches Streben ist es, das uns vereinigt,
wozu uns die Sprache als Mittel gegeben ist. Möge jeder Volksstamm, jeder
Einzelne sich bestreben, in seinen Beiträgen sich seiner Brüder und Freunde
würdig zu erweisen. Gewiss haben wir uns bestrebt, in Bezug auf die Karlsbader
Versammlung, ebenso wie im Jahre 1856 in Wien, dieser Ansicht entsprechend
zu handeln.
Mit wahrer Befriedigung erfüllt uns die hohe Anerkennung, welche bei den
kenntnissvollen Fachgenossen die Arbeiteu unseres hochverehrten Freundes
des k. k. Hüttenchemikers Adolph Pater a in Joachimsthal gefunden haben, an
deren Fortschritten wir stets so innigen Antheil nahmen, der Anwendung wahrer
Wissenschaft in dieser wichtigen Abtheilung menschlicher Beschäftigungen. Aus
dem Berichte der Herren Prof. Dr. Böttger, Dr. Scheibler, Prof. Friedr.
Ansprache des Directors W. Haidinger.
273
[13]
Marian, in dem Tageblatte, S. 91, entnehmen wir, wie überhaupt das einstim-
mige Uriheil aller anwesenden Chemiker dahin lautete, dass der chemischen
Fabrik in Joachimsthal, was die wissenschaftlichen Einrichtungen und die exacte
Leitung derselben anbetrifft, schwerlich dürfte eine Rivalin zur Seite gestellt
werden können“. Ferner, dass das besuchte Etablissement in chemischer Bezie-
hung einen bewundernswerthen Höhenpunkt einnehme, in seiner Art einzig in
Europa dastehe, und hoffentlich für immer als eine bleibende Zierde deutscher
Industrie grünen und blühen werde“.
Ich halte es für meine Pflicht dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an diese
reiche Anerkennung auch in unserem Jahrbuche für immer aufbewahrt werde.
Ich darf hier nicht versäumen, allen den hochgeehrten Gönnern und Freun-
den meinen innigsten Dank, im Namen der k. k. geologischen Reichsanstalt und
in meinem eigenen darzubringen, welche unsere reisenden Geologen auf ihren
Unternehmungen wohlwollend förderten und unterstützten, in den mancherlei
Lagen ihrer Bedürfnisse, und die ich hier in chronologischer Weisung verzeichne:
Die Herren Dr. Rudolph Rustler, Chefarzt des k. k. 2. Feldjäger-Bataillons,
Joseph Remschmidt, Bergwerks- und Hotelbesitzer, Gideon Ritter v.
Zas tav n iko vic, k. k. Oberst und Commandant des k. k. 4. Sluiner Grenz-
Infanterie-Regiments in Karlstadt, k. k. Oberst und Commandant des k. k.
3. Grenz-Infanterie-Regiments Emanuel v. Knesevic in Ogulin, k. k.
Gouverneur FML. Freiherr v. Mamula, k. k. Schulrath Laukotzky, k. k.
Hafencapitän Tomsich, k. k. Bergcommisär Ivanich, k. k. Gubernialsecretär
a. D.N ashich, k. k. Appellationsrath Frederico de Paito ni, Secretär Bar hie ri,
sämmtlich in Zara, k. k. Lieutenant C. FriedrichDraugenz, Postencommandant in
Obrovazzo, Dr. Fortis, k. k. Prätor, Mirko vic, Serdar und Colonnencommandant
in Benkovac, Vincenz Co melli in Wien, Paul Schmidt in Ivanec, Director
Fr. Schaub, Ritter v. Hagenauer, Dr. Kandier, Custos Freyer, Rath
Giuseppe Paito ni in Triest, Inspector Ignaz Waagner in Samobor, Ernst
Gwinner, k. k. Marinelieutenant, Antonio Macale, Bergbaubesitzer in
Sebenico, Vincenz Galvani, Bergbaubesitzer undk. k. Marine-Officier inSiverich,
F. 0 b e r s t e i n e r, Bergverwalter in Siverich, Giuliano C e 1 o 1 1 a, k. k. Bezirksactuar
in Verlicca, Theodor Schiff, Vorstand des k. k. Telegraphenamtes in Sign, Fran-
cesco Lanza, unser langjähriger hochverehrter Gönner und Freund in Zara, k. k.
Major E. Petz und k. k. Hofgärtner Fr. Anto in e in Wien, Bergbaubesitzer
Anton Merkl in Swojanow, Steuermann Anton Lenaz in Klada, k. k. General-
major Freiherr Theodor v. Me dl, k. k. Oberstlieutenant und Regimentscomman-
dant Arsenius Prodanow, k. k. Telegraphenamtsleiter Georg Roh rau er, k. k.
Regimentsarzt Dr. Adalbert Keller, k. Oberstlieutenant Prokop Adler, sämmtlich
in Ottocac, Bergverwalter Karl Vogt in Topuszko, k. k. Oberst und Regiments-
commandant Joseph Mraovich, Director Czegka, k. k. Oberstlieutenant und
Regimentscommandant Emanuel Ritter v. Maravic, Director Alexander Sch ön-
buchner, Bergingenieur Karl Jes sl er, sämmtlich in den beiden Banalregi-
rnentern; Rudolph Graf Walderdorff, k. k. Hauptmann und Piatzcommandant
in Castei Lastua bei Cattaro, Georg Zu lieh, k. k. Kreiscommissär in Cattaro,
Daniel Petric, k. k. Oberstlieutenant und Piatzcommandant in Castelnuovo,
P. D. Do imi, Podestä, Alexander Fehr, k. k. Schiffsfähnrich in Lissa, Pietro
Bor eich, Pfarrer in Comisa, Lissa, Antonio Marino vich, k.k. Hafen- und Gesund-
heitsagent, Ferdinand Gerzabek, k, k. Oberlieutenant in Comisa, in Lesina die
Herren k. k. Hauptmann Rudolph Men de lein, Gutsbesitzer Gregorio Bucich,
DeputirterF. Balea, Gutsbesitzer GirolamoMachiedo aufGjelsa, FranzPlotzek
zu Wrischt bei Nemetzky in Mähren, k. k, Oberst und Regimentscommandant
274
Verhandlungen.
[14]
Adolph Bermann und k. k. Oberförster Raimund Richter in Gospic, k. k.
Hauptmann Stanislaus Dragancic, Edler v. Drachenfels in Podapac, k. k.
Lieutenant Mathias Zezic in Carlopago. Ueberall fanden die Geologen die zuvor-
kommendste Hilfe und Unterstützung von allen Freunden der Civilisation und des
Fortschrittes um so erfreulicher aber auch unerlässlicher in Gegenden , wo in
den südlicheren der von uns in diesem Jahre durchforschten die Mehrzahl der
mit dem Boden zunächst in Berührung stehenden Einwohnerschaft von der
Kenntniss und den Bedürfnissen der neueren Gesellschaft noch so sehr entfernt
ist. Um desto lebhafter ist unser Dank und unsere Anerkennung.
Auch auf die grossen Gesellschaften, die gerade an dem andern Endpunkte,
den Ergebnissen höchster Ausbildung der Staatsgesellschaftsverhältnisse stehen,
den Gesellschaften für Erleichterung des Verkehrs durch Eisenbahnen und Dampf-
schifffahrt muss ich einen Augenblick in dankbarer Anerkennung für die uns zu
Theil gewordene Erleichterungen verweilen, der k. k. a. pr. Kaiser Ferdinands-
Nordbahn, k. k. pr. österreichischen Staatseisenhahn, k. k. pr. Südbahn, welche
uns sämmtlich Freikarten erster Classe zur Verfügung stellten, der Dampf-
schifffahrts-Gesellschaft des k. k. priv. österreichischen Lloyd, von welcher wir
auf den adriatischen Linien Fahrplätze erster Classe für den Preis der dritten
erhielten. Dass bei den höchsten leitenden Behörden, dem k. k. Finanzministerium
und Kriegsministerium, so wie vor Allem in unserem eigenen wohlwollenden k. k.
Staatsministerium wir uns der kräftigsten Förderung, Unterstützung und Anregung
erfreuten, bildete eigentlich die Grundlage, auf welcher sich unsere Bestrebun-
gen und Erfolge aufbauten.
Mehrfach wurden, wie jedes Jahr, die Kräfte unseres Instituts für Beant-
wortung specieller Fragen auch von k. k. Behörden und Privaten benützt, nament-
lich mehren sich die Nachfragen nach dem Heizwerthe von Braun- und Steinkohlen.
Herr k. k. Hauptmann Karl Ritter v. Hauer hat die an der k. k. geologischen
Reichsanstalt bisher durchgeführten Arbeiten in einem eigenen Werke zusammen-
gestellt, bei Braumüller herausgegeben und demselben eine sehr wrerth volle
und lehrreiche Einleitung vorausgesetzt. Aber auch in einzelnen Excursionen war
die Gegenwart der Herren k. k. Berg rät he Lipoid und Foetterle, des Herrn
Wolf in geologischen Fragen erheischst worden.
In gewohnterWeise fanden unsere Berichterstattungs - Sitzungen statt,
unterbrochen nur durch die Erfordernisse der Ausstellung, zu welcher auch der
Sitzungssaal benützt wurde.
Mit wahrer Beruhigung konnten w ir die Fortschritte des Druckes unserer
wissenschaftlichen Werke alnvarten. Rascher konnten wir auch auf Vollendung
dringen, wo Dank der Vorsorge in der Leitung unserer Angelegenheit durch
unsern obersten Chef, k. k. Staatsminister Ritter v. Schmerling, wir jetzt in
klarer gegenseitiger Abrechnung mit der k. k. Hof- und Staatsdruckerei stehen.
Es wurde ein reiches Doppelheft der „fossilen Mollusken des Wiener Ter-
tiärbeckens“ von unserm hochverehrten Freunde Hörnes fertig, das 13. und
14. der ganzen Reihe, oder II. Band 3. und 4. Heft, zugleich IV. Bandes der
„Abhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt“. Es enthält auf 98 Seiten
Text und 20 Tafeln die zweischaligen Geschlechter: Venus, Dosinia, Gratelou-
pia, Cytherea , Circe, Pisidium , Isoccirdia , Pecchiolia, Cypricardia, Cardium ,
Chama. Freuen wir uns, dass nun, so viel wir hoffen dürfen, dem Schlüsse dieses
wichtigen Werkes, dessen Kosten nach Seiner k. k. Apostolischen Maje-
stät Allergnädigster Entsehliessung ausserhalb der Dotation der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt gedeckt werden, kein Hinderniss mehr im Wege steht.
Dann aber erst dürfen wir rufen: „Tantcie molis erat!“
Ansprache des Direotors W, Haidinger,
275
[IS]
Drei Hefte unseres Jahrbuches wurden ausgegeben. Aber um einigermaassen
die in der traurigen 1860ger Periode durch Druckeinstellung veranlassten Stö-
rungen und Schwierigkeiten wenigstens in der Form der Bände zu verhüllen,
blieb mir nichts übrig, als zwei Jahre in einen Band zusammenzufassen, für 1861
und 1862. So enthält nun das I. Heft blos Herrn k. k. Bergrath Lipold's Ab-
handlung über die B arr a n d e’schen Colonien, nebst den kleinen laufenden
Artikeln und die Verhandlungen des ganzen Jahres 1861; das II. Heft Abhand-
lungen von Freiherrn v. Rieht hofen, Kr ejei, Stur, nebst einer Protestation
Barrande’s und die Winter-Sitzungsberichte; das III. Heft Abhandlungen von
v. Zollikofer und Jokely, nebst den Sommer-Monatsberichten. Auch für das
IV. Heft, nun im Drucke, musste ich mich auf eine Abhandlung L ip o 1 d’s : „Über
das Steinkohlengebiet, NW. von Prag aus dem Jahre 1860 beschränken, nebst
den Sitzungsberichten. So sehr sind wir noch immer durch den Einfluss jenes
peinlichen Zeitabschnittes zurückgesetzt.
Die in dem Jahre 1861 aufgenommenen Kartensectionen waren nebst dem
II. Hefte des Jahrbuches für 1860 in der bisher befolgten Weise an Seine
k. k. Apostolisch e Majestät, unter Vertretung des Herrn k. k. Staatsmi-
nisters Ritter v. Schmerling in tiefster Ehrfurcht unterbreitet und huldreichst
entgegen genommen worden. Diesesmal die Sectionen der Detailaufnahmen in
Böhmen, Nr. IX Jicin und Hohenelbe und Nr. X Braunau und Nachod, Nr. XV
Neu-Bidschow und Königgrätz und Nr. XXI Chrudim; ferner von Übersichts-
Aufnahmen sechs Blätter der Administrativkarte von Ungarn, Nr. IX Steinam-
anger, Nr. X Ofen-Pest, Nr. XI Szolnok, Nr. XIII Gross-Kanischa, Nr. XIV Fünf-
kirchen, Nr. XV Szegedin und Arad. Ausserdem noch der Bericht über die Vor-
gänge im Februar in der k. k. geologischen Reichsanstalt aus unserer Sitzung am
18. März und ein Exemplar des oben erwähnten Berichtes in englischer Sprache :
„ The Imperial and Royal Geological Institute of the Austrian Empire. London
International Exhibition 1862.
Die Vertheilung der Druckschriften, Jahrbuch und Abhandlungen ging in
gewohnter Weise fort und stellt sich gegenwärtig wie folgt :
An Seine k. k. Apostolische Majestät und das Allerhöchste
Kaiserhaus
Behörden und Institute
Montanbehörden
Lehranstalten . . .
Wissenschaftliche und andere Gesellschaften
Redactionen I
Gönner und Geschenkgeber
An Seine k. k. Apostolische Majestät und das Allerhöchste
Kaiserhaus
Behörden und Institute
Montanbehörden
Lehranstalten .
Wissenschaftliche und andere Gesellschaften
Redactionen
Gönner und Geschenkgeber
Inland Ausland
22
—
45
10
148
8
198
54
61
198
3
10
6
18
483
298
19
. '
10
15
15
1
37
35
30
98
—
8
23
18
134 175
276
Verhandlungen.
fiöj
Im Ganzen also 781 Exemplare Jahrbuch und 309 Exemplare Abhandlungen
frei als Geschenke vertheilt; vielfach mit Aussicht auf werthvolleGegengeschenke,
die auch nicht zurückgeblieben und fortwährend unsere Bibliothek bereichern,
theils an Gesellschaftsschriften, theils an selbstständigen Werken.
Unsere Bibliothek, nach dem von dem Herrn Bibliotheks-Custos der
k. k. geologischen Reichsanstalt, Ritter Adolph Senoner sorgsam fortgeführte ii
Katologe enthält mit dem Abschlüsse für 3t. October:
Bücher . . 3.304 Nummern, 11.622 Bände und Hefte
Karten . , . 427 „ 1.299 Blätter.
Fortwährend bestreben wir uns auch, mit Erfolg den Austausch der Schriften
befreundeter Gesellschaften zu befördern, nach dem Vorbilde jenes grossen welt-
historischen Institutes zu Washington dem Smithsonian Institute. Auch mit diesen
Expeditionen ist Herr Senoner betraut.
Die Nachfragen nach geologisch-colorirten Karten mehrten sich ansehnlich
in dem verflossenen Jahre. Wir hatten nicht weniger als 234 Sectionen, theils
Special-, theils Generalkarten, theils Strassenkarten an die Herren Professor
A. E. Reuss (6) injPrag und J. Barrande (2), Professor v. Hochs tetter(l),
Artaria (9), Gazda (2), Henoch (3), Wettstein Rilter v. Westers-
heim (1) in Wien, Koller in Neulengbach (J), Nawoy zu Mako (4), Ruard
in Sava (6), Posepny in Borsa (8), Bernhard v. Cotta in Freiberg (3), an
den gegenwärtigen k. Finanzminister in Turin, den hochverdienten, uns längst
befreundeten Naturforscher Ritter Quintino Sella (103), an das k. k. Bergober-
amt zu Pfibram (3), an die königl. ungarische Akademie der Wissenschaften zu
Pesth (21), an die k. k. Berghauptmannschaft zu Komotau (10), an das königl.
preussische Oberbergamt zu Breslau (84) abgeliefert. Nebst diesen wurden noch
die 106 Sectionen füf die International-Ausstellung in London ausgefertigt, so
wie 10 Sectionen an Sir Roderick I. Murchison, als Fortsetzung der, für das
Museum of Practical Geology bestimmten, übergeben; zusammen also nicht
weniger als 480 Sectionen. Fortwährend erweitert sich auch unser Preiscourant,
von welchem der letzte Abschluss, im dritten Hefte des Jahrbuches für 1861 und
1862 die Zahl von 131 Sectionen umfasst, zu welchen nun noch im Verlaufe der
Herausgabe des vierten Heftes die in dem gegenwärtigen Jahre gewonnenen
Sectionen von Böhmen, der croatischen, Karlstädter und Banalgrenze und Dal-
matien kommen werden.
Auch wurden wieder sechs Sammlungen verschiedener Art vertheilt, so dass
die Summe sich bis jetzt auf 373 stellt.
Das Ordnen der Sammlungen wird nach Möglichkeit fortgesetzt. Ein wich-
tiges neues Glied war die Sammlung fossiler Brennstoffe, wie sie oben erwähnt
ist, durch Hernn k. k. Bergrath Foetterle aufgestellt. In den Localfloren
fossiler Pflanzenreste war Herr D. Stur wieder vorgeschritten, Herr Dr. Zittel
hatte eine Arbeit in den Gosau-Bivalven begonnen, neue Schränke zur Aufstel-
lung sind nun bereits in Arbeit, die uns für den künftigen Abschluss sehr ver-
sprechende Ergebnisse voraussehen lassen.
Von Herrn Grafen v. Marschall sind wir soeben im Begriffe, das Gesammt-
Inhaltsverzeichniss der ersten zehn Bände des Jahrbuches für den Schluss des
Jahres ebenfalls im Drucke abzuschliessen.
Wie in früheren Bänden enthalten die Hefte die Verzeichnisse der während
der Zeit eingegangenen Geschenke an Mineralien, Gebirgsarten, Petrefacten, an
Büchern und Karten und anderen Gegenständen. Ich darf wohl hier dasselbe der
Ansprache des Directors W. Haidinger.
277
[17]
Aufmerksamkeit der hochverehrten Herren empfehlen. Auch das gegenwärtige
Jahr hat uns viel des Werthvollen gebracht.
Eine der freundlichen Gaben ist die von der königlichen Friedrichs-Univer-
sität in Christiania uns zugesandte Neugold-Erinnerungs-Medaille auf die Jubel-
feier ihres fünfzigjährigen Bestehens, gefeiert am 2. September 1861, uns wohl-
wollendst zugestellt durch den königlich schwedischen ausserordentlichen Ge-
sandten und bevollmächtigten Minister, Herrn Ritter Friedrich Due.
Für zahlreiche werthvolle Geschenke sind wir wohlwollenden Gönnern
neuerdings verpflichtet: Herren Bauingenieur Biefel in Kremsier, Fortunat
Müller in Radmannsdorf, Freiherrn v. Merck in Hamburg, Prof. Dr. Braun in
Bayreuth, k. k. Hauptmann Reichhardt in Weisskirchen, Johann Florian
Kutsehker in Vils, Bergverwalter Heinrich Becker in Komorau, Alois Sei-
fert in Hohenelbe, Karl Baron Seiffertitz in Bregenz, Hüttenmeister Frist-
mantel in Bras bei Rokitzan, Franz Posepny in Koväcs, Franz v. Kubinyi in
Pesth, J. Nechay Ritter v. Felseis in Lemberg, J. Simettinger inMähriseh-
Trübau, Alexius Hän in Puszta Banhäza; der k. k. siebenbürgischenBergdirection in
Klausenburg. Unserer hochgeehrten Gönnerin Frau Josephine Kablik in Hohen-
elbe sind wir für mehrere Sendungen von Fischresten und Saurierfährten aus dem
Rothliegenden Böhmens innigst dankbar, so wie uns Frau Albertine Szöllösy
v. Nagy-Szö ilös in Oravitza in letzter Zeit durch Einsendungen von Asbest
aus einem neuen Anbruche erfreute. Näheres ist theils in unseren Berichten auf-
geführt, theils für die bevorstehende Reihe von Sitzungen vorbereitet. Werth-
volle Aufsammlungen wurden besorgt unter Vermittelung der Herren Sapetza in
Neutitschein und Tronegger in Raibl.
Durch die Gnade Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten
Herrn Erzherzoges Ferdinand Maximilian wird uns so eben unter Vermit-
telung der Marinekanzlei Seiner k. k. Apostolischen Majestät ein
Exemplar des nach der Modellirung des Herrn k. k. Hauptmannes (nun Major)
Ign. Cybulz in der k.k. Hof- und Staatsdruckerei trefflich ausgeführten galvano-
plastischen Reliefbildes, Kupfer und versilbert, der Insel St. Paul im Indischen
Ocean zugestellt. Wir dürfen dies wohl als ein ungemein werthvolles Zeichen
von Höchstdessen huldreicher Theilnahme betrachten, und unsern innigsten
Dank dafür darbringen, im besonderen Hinblicke auf den Umstand, dass es
Herrn Professor v. Hochstetter, damals noch ein Mitglied der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt, wesentlich auch in den Arbeiten zur Gewinnung der
Kenntniss von dieser merkwürdigen vulcanischen Insel mitzuwirken bescbieden
war, und uns dadurch um so werthvoller.
Auch der dritte und Schluss-Band der „Reise der österreichischen Fregatte
Novara um die Erde in den Jahren 1867, 1868, 1869, unter dem Befehle des
Commandanten B. v. Wüllerstorf-Urb ai r" erheischt mein Wort des innig-
sten Dankes an den grossmüthigen Geber, Sein e kaiserliche Hoheit den
durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Ferdinand Maximilian; den Bericht ver-
fasst von unserem hochverehrten Freunde Herrn Dr. Karl Ritter v. Scherz er.
Uns, die wir das Werk nun ebenfalls in Mehrzahl erhielten, liegen die Interessen
um so näher, als wir ihn stets vom Beginn bis zum Schluss mit der grössten Auf-
merksamkeit verfolgten. Die Unternehmung selbst, ein unvergängliches Denkmal
für den höchsten Gründer sowohl als für die tapfern und wohl vorbereiteten Theil-
nehmer an der Ausführung. Wir haben allen Grund zu hoffen, dass nun auch die
wissenschaftlichen Abtheilungen, nach den verschiedenen Zweigen, unabhängig
von einander, doch in gemeinschaftlicher Erscheinung, nach und nach in einer
kurzen Reihe von Jahren an das Licht treten werden. Mit der ersten Abtheilung
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
mm
278
Verhandlungen.
[18]
des „Nautisch-physikalischen Theiles“ nebst Karten, den wir so eben erhielten,
unter der Bearbeitung von Herrn Dr. Franz Schaub, Director der k.k. hydrogra-
phischen Anstalt in Triest, ist bereits der Anfang gemacht. Auch eine medicinische
Abtheilung ist erschienen, leider bald darauf von dem Hinscheiden des Verfassers
Dr. Eduard Schwarz, erst 30 Jahre alt, gefolgt. Aber selbst ein beklagens-
werther Zwischenfall dieser Art ist nur eine um so eindringlichere Mahnung, das
Werk selbst möglichst zu fördern.
Einen Augenblick mit dem Ausdrucke des Dankes darf ich auf der ganzen Reihe
der Philo sophical Transact ions der Royal Society in London seit dem Jahre 1850
verweilen, nebst den in neuerer Zeit veröffentlichten Proceedings. welche uns durch
Beschluss derselben in derletzten Zeit zugekommen sind. Höchst wichtig war das
uns so nahe berührende Geschenk von Seite des kön. bayerischen Staatsministe-
riums der Finanzen, der grossen Arbeit des kön. bayer. Bergmeisters C. W.
Gümbel: „Geognostische Beschreibung des bayerischen Alpengebirges u. s. w.“
das uns durch den kön. bayerischen Staatsminister und Gesandten Herrn Grafen
v. Bray-Stei nb u rg zukam. Über einen Theil des Werkes gab uns Herr k. k.
Bergrath Franz Ritter v. Hauer eine Uebersicbt in einer früheren Sitzung. Es
wird uns auch später noch mehrfach beschäftigen, so wie mehrere der mit der
letzten reichhaltigen Sendung dev Smithsonian Institution angekommenen Werke.
E i c h w a 1 d’s Lethaea rossica verdanken wir dem ausgezeichneten Verfasser.
Des Cloizeaux’ Manuel de Mineralogie, das Werk eines grossen Meisters,
namentlich in derjenigen Richtung mineralogischer Forschung, die ich selbst mit
Vorliebe gepflegt, auf welcher ich mich längst überflügelt sehe, gewiss im In-
nersten meines Gefühles hoch erfreut über die Ergebnisse, wenn es mir auch
nicht mehr beschieden ist, den Reihen der Vorderen mich anschliessen zu dürfen.
Gegenwart und Zukunft gehört der Jugend und Kraft.
Ein neuer Jahrgang liegt vor, des so werthvollen Montanhandbuches für
1863, das uns Herr k. k. Rechnungsrath J. B. Kraus, wie in früheren Jahren
freund liehst mitgetheilt.
Vieles muss ich die hochgeehrten Herren bitten, selbst noch besichtigen
zu wollen.
Eines nur was ich hier nicht übergehen darf, ist das wichtige Werk „der
Boden von Wien“ von unserem hochverehrten Freunde Herrn Professor E. S u e s s,
eine der schönsten Gaben für unsere Mitbürger der grossen Kaiserlichen Reichs-
Haupt- und Residenzstadt. Hier finden wir auf tiefe, sorgsam aufgesammelte
Kenntniss gegründet, die Bedingungen unserer gegenwärtigen und künftig
zu verbessernden Lebensbeziehungen für bürgerliche Wohlfahrt. Möchte es reich
beherzigt werden.
Manche anregende Besuche hatte uns der Sommer gebracht, in unserem
Gedenkbuche eingezeichnet, die hochgeehrten Gönner und Freunde Faller,
Breithaupt, Stübel, Madelung, Rene de la Faille, W. T. Blanford,
S. Loven, Tb. Kjerulf, A. Sjögren, J. Auerbach, E. H. Costa,
Bernhard v. Cotta, Ch. U. Shepard, R. P. Greg, zuletzt noch vor
wenigen Tagen Thomas Oldham von Calcutta, Director der geologischen Lan-
desaufnahme von Indien, der uns mit dem letzten Dampfer verliess. Bald folgt
ihm einer unserer eigenen jüngern Freunde, ein Mitglied der k. k. geologischen
Reichsanstalt, Herr Dr. F. Stoliczka, dem sich eine einladende Veranlassung
eröffnet, eine Reihe angestrengter aber erfolgreicher Jahre des paläontologischen
Studiums in jener grossen indischen Hauptstadt zu verwenden.
Für unsere geologischen Studien höchst wichtig zur Heranbildung jüngerer
Kräfte, erfolgten im Laufe dieses Jahres die Eröffnung von geologischen Vor-
Ansprache des Directors W. Haidinger.
279
[19]
trägen in unserem Sitzungssaale durch Herrn Lk. Universitätsprofessor Dr. K. F.
Peters, so wie die Ernennung unseres hochverehrten Freundes, Herrn Eduard
Suess, zum k. k. Professor der Geologie an der Wiener Universität.
Bei diesem regen Leben in unserem wissenschaftlichen Kreise, muss es mir
ein Gefühl wahrhaft erhebenden Genusses sein, zu sehen, wie der Reiz der Er-
leichterung wahrer wissenschaftlicher Arbeit, wie er in demk. k. Hof-Mineralien-
cabinete von dem hochverdienten Director desselben, Herrn Dr. M. Hörn es
geboten wird, wie man ihn in dem Anschlüsse an unsere eigenen praktischen
Arbeiten im Felde findet, auch von auswärts hochgebildete junge Forscher ver-
einigt, wie in diesem Augenblicke die Herren Dr. Ferdinand Zirkel von Bonn,
Dr. Albert Ma delun g von Gotha, Dr. Karl Zittel von Heidelberg, Michael
Lepkowski aus Kurland, von welchen die beiden letzteren unserer diesjährigen
Aufnahme sich angeschlossen hatten. Während sich nun für meine Person die
Beweglichkeit, die That, immer mehr nur in der Erinnerung darstellt, sehe ich
hier in der Hand jugendlicher Rüstigkeit und Kraft die Bewegung, den Erfolg, für
die Zukunft gesichert.
Erlauben Sie mir noch, meine Herren, ein Wort des Rückblickes auf unsere
Arbeiten, der Umschreibung unserer Aufgaben. Die Übersichtsaufnahmen sind mit
der diesjährigen für das Kaiserreich geschlossen, die Detailaufnahme für Böhmen.
Wir dürfen wohl, bei der eigenthiimlichen Theilnahme in der Art der Gewinnung
derselben in den ersteren für unsere Zwecke die Arbeiten des geognostisch-
montanistischen Vereines in Gratz und des Werner-Vereines in Brünn, für
Steiermark, Mähren und Schlesien mit einschliessen. Aufnahmen der letzteren
Art liegen uns noch viele vor. Für den Abschluss der ersteren ist nun eine
unerlässliche Aufgabe für uns die Gewinnung einer geologischen Ueb er-
sieh tskarte, in welcher alle Eigentümlichkeiten der einzelnen Kronländer
möglichst ihre Berücksichtigung finden, um ein ganzes, grosses Bild darzu-
stellen. Die Detailaufnahmen nehmen ihren Fortgang. Aber gleichzeitig mit
denselben erheischen die Studien in den Sammlungen mehr auf sie verwendete
Zeit, welche wir bisher möglichst den Übersichtsaufnahmen zuwandten, um in
diesen für das ganze Kaiserreich eine gleichförmige Basis zu gewinnen. Eine
andere Aufgabe besteht in einer mehr auf einzelne Gegenden, namentlich solcher
welche für die Volkswirtschaft durch das Vorkommen nutzbarer Producte wich-
tig sind, bezügliche Forschungen, so wie auf diejenigen, welche in wissenschaft-
licher Beziehung Ergebnisse in Aussicht stellen, für welche selbst unsere bishe-
rigen Detailaufnahmen nicht hinlänglich Zeit zur Verfügung stellten. In allen
diesen Richtungen werden wir uns fortzuschreiten bestreben, stets durch den,
nun unter günstigen Lagen fortwährend erleichterten Gang der Erscheinung
unserer Druckwerke unterstützt.
Wenn wir im verflossenen Jahre gerade am 19. November in treuer Unter-
thanenliebe und Ehrfurcht unserer Allergnädigsten Kaiserin gedachten
und den Segen des Allerhöchsten für Festigung Ihres Wohlbefindens unter dem
milden Himmel unserer schönen Lagunenstadt erflehten, so darf ich wohl heute
den Ausdruck gehobensten Gefühles bei der Rückkehr in unsere Mitte der, neu
in frischester Jugend, Kraft j und Genesung blühenden All er durchlauch-
tigsten Kaiserin in ehrfurchtsvollster Huldigung unserem Allergnädigsten
Kaiser und Herrn darbringen.
mm
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 4. November 1S62.
Herr k, k. Bergrath Franz Ritter v. Hauer führt den Vorsitz und eröffnet
die Sitzung mit dem Vortrage der Ansprache des Herrn Directors W. Haidin-
ger, welche auf den vorangehenden Blättern abgedruckt ist.
Im Aufträge Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn
Erzherzogs Ferdinand Maximilian waren, wie oben Seite 277 erwähnt,
durch das k. k. Marine-Ministerium der k. k. geologischen Reichsanstalt weitere
Ergebnisse und Publicationen der Novara-Expedition übermittelt worden: 1.. Erste
Abtheilung des nautisch-physikalischen Theiles, herausgegeben von der k. k.
hydrographischen Anstalt in Triest, mit 7 Karten. 2. Modell der Insel St. Paul
im indischen Ocean, ausgeführt von dem k. k. Major Herrn Ign. Cybulz und
galvanoplastisch vervielfältigt in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.
Herr Dr. F. v. Höchst etter begleitet diese Vorlagen mit erläuternden Be-
merkungen über die merkwürdige vulkanische Natur der Insel St. Paul , deren
Krater 5000 Fuss weit und 1000 Fuss tief ist, und deren Lavafelder zum Theil
nach so heiss sind, dass das durchsickernde und am inneren Kraterrand wieder
zu Tage tretende Wasser fast bis zur Siedhitze erwärmt wird.
Herr Dr. F. v. Höchst etter spricht ferner dem Herrn Hofrath Haidin-
ger seinen Dank aus für das werthvolle Geschenk einer 70 verschiedene Kohlen-
localitäten der österreichischen Monarchie repräsentirenden Kohlensammlung,
welche das Mineralien-Cabinet des k. k. polytechnischen Institutes der Liberalität
der k. k. geologischen Reichsanstalt verdanke,
Herr k. k. Bergrath Franz v. Hauer erinnerte an die Sitzung der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt am 16. April 1861 (Jahrbuch, XII. Bd., Verh. Seite 39),
in welcher er eine Anzeige des Inhaltes der ihm von dem hochverdienten Ver-
fasser Herrn k. bayer. Bergmeister C. W. G ü m b e 1 freundlichst übersendeten
ersten 82 Bogen der „Geognostischen Beschreibung des bayerischen Alpen-
gebirges und seines Vorlandes“ mitgetheilt hatte. Im Laufe des Sommers ist nun,
wie bereits Herr Director W. Haidinger in dem Monatsberichte vom 30. Juni
1862 (Verh. Seite 243) dankend mittheilte, das völlig vollendete Werk als
Geschenk der k. bayerischen Staatsregierung für unsere Anstalt eingelaufen, und
es erübrigt uns noch die Inhaltsanzeige für den Rest des Werkes nachzutragen. —
Seite 579 beginnt die Schilderung der:
VII. Eocengebilde. Sie sind in ihrer Verbreitung beinahe nur „auf den
äusseren (Nord-) Rand des Gebirges und auf jene muldenförmigen Querbuchten
beschränkt, die bereits für die Entstehung jüngerer Kreideschichten günstig,
auch nach einer theilweisen Ausfüllung durch letztere noch vertieft blieben“.
Sitzung am 4. November. Fr. v. Hauer.
281
0]
Bezüglich der Gliederung der Eocengebilde in den bayerischen und angren-
zenden Tiroler und Vorarlberger Alpen unterscheidet Gümbel vier verschie-
dene Stufen und zwar von unten nach oben.
1. Unterste Nummulitengruppe (Burgberger Schichten).
2. Untere Nummulitengruppe (Kressenberg -Schichten) entsprechend dem
Niveau des Parisien oder Pariser Grobkalkes.
3. Obere Nummulitengruppe (Reiter Schichten). Niveau des Sandes von
Beauchamp oder Bartonien.
4. Jüngere Nummulitengruppe (Häringer Schichten). Niveau des Gypses von
Montmartre oder Ligurien.
Die sämmtlichen Flyschgebilde der genannten Alpen werden als der Eocen-
formation angehörig betrachtet, und zwar erscheinen sie als ein Aequi valent der
Schichtengruppen 3 und 4 zusammengenommen. Als Beweis für die Richtigkeit
dieser Ansicht dient die Beobachtung, dass am Grünten sowohl als am Unters-
berg die Flyschschichten unmittelbar den Nummulitenschichten concordant auf-
gelagert sind; und zwar an ersterem Orte den älteren Kressenberg-Schichten,
am Letzteren den jüngeren Reiter Schichten; sie lassen sich nicht als ein beson-
deres Glied der ganzen Nummulitenformation auffassen, welches sich der oben
angeführten Schichtenreihe einordnen lässt, sondern ihre Bildung erfolgte in
der äusseren Zone im offenen Meere, während in kleinen Becken im Innern der
Alpen die höheren Etagen der petrefactenführenden Nummulitenformation abge-
lagert wurden. Ungeachtet der grossen Nähe der oberen Nummulitenschichten
und des Flysches glaubt also Herr Gümbel, dass „die Verschiedenartigkeit der
Bildungsbedingungen“ unter den angedeuteten Verhältnissen hinreichend sei, das
gleichzeitige Entstehen von petrographisoh so differenten Gesteinsmassen zu
erklären.
Ohne im Entferntesten der Richtigkeit der Annahme entgegentreten zu
wollen, dass der gesaminte Flysch der Westalpen nur den obern Theil der
Eocenformation vertrete, bemerkte Herr v. Flauer, wolle er doch anderseits
darauf aufmerksam machen, dass durch Herrn Gümbel’s Bemerkungen und
Erhebungen die Ansicht, dass ein grosser Theil der Wiener Sandsteine der Ost-
alpen der Kreideformation angehöre nicht widerlegt erscheine. Der Umstand,
dass man in den westlichen Alpen und auch im Innern der Ostalpen in der
Reihenfolge der Neocom- und anderen Kreidegebilde keine echten Flyschschich-
ten antreffe, könne folgerichtig eben so wenig einen Beweis gegen die gedachte
Ansicht abgeben, als das Fehlen von Flyschschichten in den inneren Eocenbecken
gegen die Zuweisung des bayerischen Flysches zur Eocenformation; hier wie
dort könne man auf den Gegensatz der Bildung im offenen Meere mit jener in den
Buchten hinweisen, und brauche nur anzunehmen, dass die Flyschbildung, die ja
auch in Bayern u. s. w. mehrere durch verschiedene Faunen charakterisirte For-
mationsstufen vertrete, in den Ostalpen und auch in den Karpathen, wo das
ganze Gebilde auch wirklich eine noch weit grössere Mächtigkeit erlangt, in einer
noch bedeutend früheren geologischen Epoche begonnen habe.
Von Petrefacten aus den Eocengebilden diagnosirt Herr Gümbel kurz die
folgenden, grösstentheils von ihm, theilweise auch von Herrn C. Mayer benann-
ten neuen Arten. Den Letzteren ist im Folgenden ein M. beigesetzt.
Aus den Kressenberg-Schichten: Hymenocyclus stella , nummuliticus ;
Escharina Mariana; Reteporidea versipunctata ; Vincidarict nummiditica ;
Nullipora nummulitica ; Lichenoporä multiph'cata, caryophyllea, pupa, fungi-
formis ; Defrancia biradiata; Cricopora divergens, favosa; Crisidina num-
mulitica, spar siporosa; Pustulipora botryoides , aspera , didyma; Truncatxda
282
Verhandlungen.
[3]
bifrons; Ceriopora subglobosa ; Iris nummulitica; Cladocora nummulitica,
subalpina; Steplianophyllia bifrons; Montlivaltia bifrons; Trochocyathus
verrucosus , multicostatus ; — Cidaris striatopunctata, canaliculata, subacilaris ,
cervicornis, biornata , undatocostata , crateriformis , sceptrum ; Pseudodiadema
macrocephalum ; Diadema nummuliticum ; — Argiope flabelliformis , longi-
rostris, nummulitica; Terebratula sinningensis , cyrtiaeformis , eudichotoma;
Crania minutula , Kr essenberg ensis ; — Ostrea pseudo vesicularis , Paueri;
Anomia Nysti; Plicatula parvula , Helli; Spondylus Muensteri , affinis , Helli;
Pecten int er co Status, Muensteri; Lima nummulitica ; Fm/s^//« internostriata ;
Modiola Kressenberg ensis ; Pinna leguminacea ; Area nummulitica; Cardium
Paueri; Crassatella Oenana; Pholadomya Muensteri; Teredo nummulitica ; —
Scalaria ornatissima ; Solarium quadrangulatum ; Trochus Muensteri; Pleu-
rotomaria puncticulosa ; — Serpula taeniaeformis.
Aus den Reiter Schichten: Pavolunites nummulitica ; Cricopora tubulosa;
Chaetetes undulatus ; Plerastraea volubilis; Ileliopora astraeoides , rugosa;
Astraea inaequalis ; Enallastraea crassicolumnaris ; Pr ionast raea subregularis ,
tenuilamellosa ; Stereopsammia D oetzkir ebner iana ; Monticularia granulata ,
inaequalis; Maeandrina vallcculosa; Pocillopora granulosa; Phyllocoenia
ovalis, striata; — Lima crassicostata ; Modiola Studeri; Pectunculus May er i;
Limopsis co stclla tu , obovata; Nucula bavarica M. ; Cardita amita M. ; Venus
Helvetica M. ; Solenomya Sandbergeri ; Solen elongatus; — Dentalium speciosum;
Turritella crispata; Strombus Escheri; Pseudolira Fischcrana M ; Ficula
Helvetica M.
Aus den Häringer Schichten, deren geologische Stellung in der Eocen- und
nicht in der Oligocenformation durch zahlreiche Petrefacten nachgewiesen wird:
Robulina excentrica ; Cristellaria triquetra, aspenda; Rotalina megomplialus ,
haering ensis ; Rulimina semistriata; Glandulina abbreviata ; Dentalina fusi-
formis ; — Pecten Hoernesi M. et G., Guembeli M. , Bronni M. et G. ; Lima
tirolensis M. et G., Guembeli M. ; Avicula monopteron ; Pinna imperialis M.
et G.; Crenella Deshayesiana M. et G. ; Area tirolensis M. et G. ; Pectunculus
glycimeroides M. et G. ; Trigonia Deshayesiana M. et G. ; Cardium tirolense
M. et G., Oenanum; Cyrena gregaria M. et G.; Lucina Heeri M. et G., rostra-
lis M. et G., Mittereri M. et G., Rollei M. et G. ; Tellina Piclileri M. et G. ;
Neaera bicarinata M. etG., scalarina M. et G-; Corbula astartea M. et G .
Leguminaria sinuata; Septaria BeyricHi M. et G. ; — Vcrmetus gracilis M.
et G. ; Melania elegans M. Chenopus haering e nsis ; — Pollicipes Renevieri
M. et G.
VIII. Aeltere oligocene Molasse und IX. neogene Molasse. Die
letzte nördliche Vorstufe der Alpen bricht mit den Nummulitenschichten und dem
Flysch plötzlich ab. Die grossartige Terrainverflächung, die sich im Norden
anschliesst, und die, wenn sie auch noch einzelne Höhenpunkte bis zu 3000 Fuss
aufzuweisen hat und Unterschiede in der Höhe zwischen Berg und Thal von
1200 — 1300 Fuss erkennen lässt, doch im Vergleich zum Hochgebirge gemein-
hin als Ebene bezeichnet wird, hat die Molassegebilde zu ihrer Unterlage.
Die Trennung der älteren oligocenen weiter im Süden am Gebirgsrande
gelegenen Molasse von der nördlich anschliessenden jüngeren neogenen Molasse,
ist vollkommen durchgefiihrt und durch zahlreiche Beobachtungen erläutert. Im
Westen bildet die erstere eine sehr breite Zone, die nach Osten schmäler wird,
und sich noch ehe der Teisenberg endet, ganz auskeilt, so dass hier die jüngere
Molasse unmittelbar an den Gebirgsrand herantritt. Jenseits der Salzach auf
österreichischem Gebiete fehlen daher die Oligocen-Scbichten.
w
Sitzung am 4. November. Fr. v. Hauer.
283
Die Oligocen-Molasse ist steil gehoben, doch „darf die horizontale oder ge-
neigte Lagerung nicht als sicheres Kriterium einer Scheidung der Tertiärschich-
ten am Nordrande der Alpen benützt werden, denn es wurden die jüngeren
Molasseschichten im Westen, in Schwaben wie in der Schweiz von Schichten-
störungen getroffen und in ihrer Lagerung verrückt, während im Osten im Isar-,
Inn- und Salzachgebiete, wie in Oesterreich seit ihrer Ablagerung keine Niveau-
veränderungen mehr eingetreten sind.44
Die oligocene Molasse, der die bekannten Pechkohlenflötze angehören, zer-
fällt in drei Hauptgruppen, und zwar von unten nach oben:
1. Aeltere Meeresmolasse.
2. Aeltere Süsswassermolasse.
3. Aeltere Brackwassermolasse.
Diese drei Gruppen sind auf den Karten ausgeschieden.
Von neuen Petrefacten, zu deren Bestimmung die Herren C. Mayer,
F. Sandberger und 0. Heer ebenfalls Beiträge lieferten, werden die nach-
folgenden kurz charakterisirt:
1. Aus der unteren Abtheilung der oligocenen Molasse, von den tiefsten
marinen Bildungen bis zu den Cyrenenschichten : Litharaea subalpina; Modiola
inter striata ; Pectunculus latiradiatus Sandb per latus; Cardium Heeri 31.,
Emmrichi, laticostatum , subalpinum , isaricum, tenuicostatum , helveticum M.,
Sandbergeri; Donax parallelus ; Siliqua bavarica M .; — Dentalium Mayeri;
Natica atylodes; Turritella qaadricanaliculata Sandb., diversicostata Sandb.;
Rissoa pachychilus ; Mur ex obtusicosta Sandb. ; Fusus subscalaroides, pleura-
gon; Pleurotoma ambly schisma Sandb.
2. Aus der oberen Abtheilung der oligocenen Molasse (Brackwasser-
molasse): Ficus Martiana Heer; Acerates Guembeli Heer ; — Escherina p eis-
senberg ensis ; — Mytilus aquitanicus M. ; Unio inftatus, inaequiradiatus, flexi -
costatus ; — Melania Mayeri; Paludina gravistria ; Melanopsis foliacea, acumi-
nata Sandb.; Cerithium plachostichum , Sandbergeri; Mur ex acuticostatus ;
Fusus bistr iatus; Buccinum Flurli.
Die neogeno Molasse zerfällt in drei Gruppen, und zwar von unten nach oben:
1. Jüngere gelbe Blätter-Molasse oder Schichten der Myrica salicina.
2. Obere Meeres-Molasse, Schichten der Cytherea albina.
3. Süsswasser-Molasse, Schichten der Helix Moguntiana.
IX. Diluvium. Das folgende Schema macht am Deutlichsten ersichtlich,
welche Gebilde Herr Gümbel dieser Formation zuzählt, und in welcher Weise
er sie gliedert.
n c
<D
%
® G
'S =*
O na
c*
Hangendes: Novärgebilde oder Alluvium.
In der Hochebene
In den Alpen
Erratische Blöcke
Hochfluthgeröll, Lehm, Thon
Löss, Diluviallehm
Tünchererde, Braunkohle
Diluvial-Conglomerat
Terrassen-Diluvium
(Nagelstein, Nagelfluhe)
Hochgebirgschotter
? Erratische Geschiebe
Liegendes: Tertiärgebilde.
284
Verhandlungen.
[S]
„Das sogenannte quartäre Gerolle und der Löss nehmen ein eigentüm-
liches Verbreitungsgebiet ein, dessen Grenze ausser aller Beziehung mit jener
der zunächst älteren tertiären Sedimente steht. Wir sehen es deutlich an dieser
abweichenden Ausbreitung und der geänderten Gesteinsbeschaffenheit, dass
mit der Bildung des Diluvialgerölles eine neue wichtige Zeitperiode begonnen
hat.“ — „Es wird zwar,“ fügt Herr Gümbel weiter hinzu, „die Ansicht, dass
unsere sogenannten Diluvialgebilde mit einigen der obersten sogenannten Ter-
tiäretagen — Piiocen und Pleistocen — gleichzeitig sind, wohl von wichtigen
Gründen unterstützt. Die Schwierigkeit aber eine reine Süsswassersee- und
FlussablagerungmitmarinenSedimenten alsgleichalterig zu erkennen, und andern-
theils der innerhalb unseres Gebietes so scharf hervortretende eigentümliche
Charakter dieser jüngeren Ablagerungen lassen es angemessen erscheinen, ihnen
einen besonderen Abschnitt zu widmen.“
X. Alluvium. Die Bildungen der Neuzeit werden unter 6 verschiedenen
Bubriken, und zwar 1. Verwitterungsgebilde, 2, Flussgebilde, 3. Quellabsätze,
4. Teich- und Sumpfgebilde (Torf), 5. Berg- und Felsenschlüpfe, 6. Schnee-
felder und Gletscher, geschildert und als Anhang eine Beihe von Bemerkungen
über Quellen beigefügt.
Der dritte und letzte Abschnitt des ganzen Buches, Seite 838 — 896, end-
lich bringt unter dem Titel „Geognostische Folgerungen“ Betrachtungen über
die Oberflächengestaltung des Landes, über den Aufbau der nordöstlichen Kalk-
alpen, über das Verhältniss der Gesteinsarten zum organischen Beiche endlich
eine Aufzählung aller nutzbaren Mineralstoffe, der Orte ihres Vorkommens und
ihrer Gewinnung.
Ein sehr vollständiges Orts- und Sachregister, Seite 897 — 948, erhöht
bedeutend die Bequemlichkeit der Benützung und 42 beigegebene Tafeln mit
Durchschnitten tragen nicht wenig dazu hei, den Text zu erläutern und die
geschilderten Verhältnisse anschaulicher zu machen.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid legte über das Terrain der silurischen
Grauwackenformation in Böhmen eine geologische Karte vor, welche, nach dem
von den englichen Geologen für die silurischen Schichten angewendeten Farben-
schema ausgeführt worden ist. Diese Ausführung der Karte wurde durch Sir
Roderick M u rch iso n veranlasst, mit welchem Herr Lipoid gleichzeitig mit
Herrn Dr. Anton Fritsch von Prag, von Pilsen aus mehrere Excursionen
vornahm. Die folgende Paralleltafel gibt die Aequivalente der silurischen Schich-
ten, nach den in England angenommenen Benennungen, den Bezeichnungen des
Herrn J. Barrande in seinem Systeme silurien du centre de la Boheme , und
der Schichtenfolge, wie sie in den Karten der k. k. geologischen Reichsanstalt
neuerlichst aufgeführt wird. Sie wurden bei den gemeinschaftlichen Ausflügen
der genannten Herren, so wie bei dem Studium der reichhaltigen Sammlungen
in Prag vielfältig besprochen.
In Böhmen;
Die Schichten von
Obersilurisch:
Hlubocep
Branik . .
Koneprus
Die Barr an de’schen
Etagen:
H . . . .
G
F
In England:
Passage-Beds.
Upper Ludlow.
Aymestry limestone.
Lower Ludlow .
[6]
Sitzung am 4. November. M. V. Lipoid. Dr. F. Stoliczka.
285
In Böhmen t In England:
Die Barr ande’schen
Die Schichten von: Etagen;
Kuhelbad E (Kalk) . . Wenlock-Limestone.
Litten E (Schiefer) Wenloch- Skale.
Unter silur isch :
Kossow .
Königshof
Zahofan d 4
Vinic ds
Brda dz
R°kycan I ^
Komorau
Krusnahora
d' .
Caradoc .
. Llandeilo .
( Stiperston.
\ Upper Lingida Flags.
’ /r * * *. \ C fjngula FlagS
Pribram (Grauwacke) ) u J
Pribram (Schiefer, mit den Kiesel-, Alaun- und
Aphanitschiefern) Cambrian System.
Herr Dr. Ferdinand Stoliczka gab eine Uebersicht der geologischen Ver-
hältnisse des Oguliner und Szluiner Piegimentes (Jahrb., IV. Heft, Seite 526),
und sprach am Schlüsse die folgenden Worte :
Meine Herren, es ist wohl das letzte Mal, dass mir die Gelegenheit geboten
ist, an dieser Stelle zu Ihnen zu sprechen. In kurzer Zeit trete ich meine Reise
nach Ostindien an, und scheide aus dem Verbände eines Institutes, an dem ich
zwar nicht eine lange aber wahrhaft glückliche Zeit verlebt habe. Es waren
allerdings nur zwei Jahre, aber diese gehören zu den lehrreichsten und ange-
nehmsten meines Lebens. Unvergesslich bleiben mir die vielseitigen Eindrücke
und Anregungen, die ich von unserem hochgeehrten Herrn Hofrath Haidinger,
Bergrath F. v. Hauer, Foetterle und so vielen anderen geehrten Freunden
empfing. Meine Abschiedsworte können daher eben nur Worte des innigsten
Dankes sein, den ich Ihnen, meine Herren, hier darbringe.
Aber ich kann, meine Herren, nicht von diesem Platze scheiden, ohne den
innigsten Gefühlen der Dankbarkeit Ausdruck zu geben, welche ich meinem
hochgeehrten Lehrerund Freunde Professor S uess schuldig bin. Er ist es, dessen
erste Schule ich genossen habe, der mich hier eingeführt und für die Arbeiten
der k. k. geologischen Reichsaustalt vorbereitet hatte. Gleichzeitig bringe ich
meinen wärmsten Dank dar unserem verehrten Direclor Dr. Hörnes, welcher
mich stets auf das Wirksamste unterstützt und meine Arbeiten immer durch all-
seitige Anregung gefördert hatte. Wenn auch fern in einem fremden Lande, wird
mir stets das Andenken an alle diese Herren unvergesslich sein.
Der Vorsitzende erwiederte mit der Bemerkung, dass die Zeit, welche Herr
Dr. Stoliczka als Mitglied der k. k. geologischen Reichsanstalt in unserem
Kreise verlebte, wenn auch kurz, doch reich gewesen sei an redlich geleisteter
Arbeit für unsere grossen Aufgaben; er hoffe zuversichtlich, auch in seiner neuen
Stellung, wohin ihn unsere besten Wünsche begleiten, werde Herr Dr. Stoliczka
uns freundschaftlich verbunden bleiben, im gemeinsamen Streben für den Fort-
schritt unserer schönen Wissenschaft.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
nn
Jahrbuch
12. Band.
Jahrg. 1661 u. 1862.
Heft IV.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reiehsanstalt.
Sitzung am 18. November 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter von Hauer im Vorsitz.
Herr k. k. Professor Eduard Suess sprach über die bedeutenden neuen
Acquisitionen an tertiären Säugethierresten von Pikermi in Griechenland, welche
das k. k. Hof- Mineraliencabinet im Laufe des letzten Jahres neuerdings gemacht
hat, und deutete daraufhin, wie diese Stücke nicht nur an und für sich eine grosse
Zierde jedes Museums sein müssten, sondern wie sie speciell für Wien darum von
so hohem Werthe seien, weil die von Jahr zu Jahr zunehmende Erkenntniss der
früheren Landfaunen von Oesterreich in den jüngeren Tertiärstufen eine immer
grössere Uebereinstimmung mit den griechischen Vorkommnissen hervortreten
lässt, und doch nur durch unmittelbare Vergleichung derselben zu feststehenden
Ergebnissen gelangt werden kann. Die Untersuchung der griechischen Einsen-
dungen zeigte nun folgendes :
Von den Affen ist Semnopithecus pentelicus Wagn. durch zwei Schädel
von männlichen Individuen, zwei Unterkiefer und eine Anzahl von Extremitäts-
knochen vertreten. Aus der Abtheilung der Raubthiere fand sich der Unter-
kiefer einer vielleicht neuen Katzenart von der Grösse des Leoparden, ein unterer
Eckzahn des furchtbaren Macliairodus leoninus , Schädelfragment und Unter-
kiefer von Thalassictis viverrina , und eben so ein Schädelfragment und ein Unter-
kiefer von Hyaena hipparionum vor. Viel zahlreicher sind, wie gewöhnlich,
die Ueberreste der Pflanzenfresser. Die Gattung Mastodon ist durch den
Stosszahn eines sehr jungen Thieres und durch einige riesige Extremitätsknochen,
die Nashörner durch den vollständigen Schädel eines sehr jungen, im Zahnwech-
sel begriffenen Individuums von Rhinoceros Sclileiermacheri , den vollständigen
Unterkiefer eines alten Individuums und durch eine grosse Anzahl verschiedener
Theile des Skeletes repräsentirt. Stis erymuntliius , die grosse auch in Baltavär
häufige Schweineart hat mehrere Kiefer- und Extremitätstheile geliefert. Vom
Helladotherium Duvernoyi, dem grossen dem Sivatlierium nahestehenden Huf-
thiere, das in Ungarn ebenfalls bereits nachgewiesen ist. fand sich ein Mittelfuss-
knochen vor; einige andere Extremitätsknochen mögen der von Wagner in
früheren Jahren nach einem im k. k. Hof-Mineraliencabinete befindlichen Kiefer-
stücke beschriebenen Giraffen- Art, der Camelopcirdalis attica , angehören. Von
den schlankeren, den Antilopen verwandten Thieren befanden sich bei der
Sendung zahlreiche Schädelstücke, Kiefer, Hornkerne, Hufe und sonstige Theile
des Skeletes, die den Gattungen Gazella , Antilope , Tragoceras und Palaeoryx
entsprechen, darunter namentlich ein ziemlich vollständiger Schädel der Antilope
Lindermayeri mit seinen spiral aufgerollten Hornkernen. Endlich kamen von dem
pferdeartigen Hipparion so viele Ueberreste mit, dass man von dem Baue des
Sitzung am 18. November. E. Suess. Fr. v. Hauer.
287
[2]
ganzen Thieres, namentlich von jenem der eigenthümlich gestalteten Extremitäten
sich ein genaues Bild zu machen im Stande ist.
Mit den früher aus Pikermi erhaltenen Resten, namentlich mit der Sendung
des Freiherrn v. Brenner-Felsach vereinigt, gibt diese neue Sammlung einen
vortrefflichen und sehr vollständigen Ueberblick der grossen Mannigfaltigkeit
dieser Fauna und lässt sie mehr und mehr ihre Uebereinstimmung mit der jetzigen
Thierwelt Afrika’s hervortreten. —
Herr Prof. Ed. Suess legte ferner eine Anzahl neuerdings im Wiener
Becken bekannt gewordene tertiäre Säugethierreste vor. Der auffallendste unter
denselben ist ein grosser Hauzahn eines schweinähnlichen Thieres, ähnlich und
der Grösse nach in der Mitte stehend zwischen jenen des Ebers und Hippopo-
tarmis. Dieser eigentümliche Zahn gelangte, als vom Leithagebirge stammend,
im Laufe des vergangenen Jahres aus einer alten Sammlung an das k. k. Hof-
Mineraliencabinet. Eine neuerliche Durchsicht der Fossilreste von Sansans im
Pariser Pflanzengarten liess seine Bedeutung erkennen , es ist einer der Hauzähne
des Listriodon splendens.
Herrn k. k. Kriegscommissär Letocha, welcher im Laufe der letzten Jahre
mit so viel Eifer und Glück zur Erkenntniss unserer erloschenen Säugethierfaunen
beigetragen hat, ist es neuerdings gelungen, eine Anzahl hoch interessanter Stücke
aufzufinden. Eines derselben ist ein ganz ähnlicher, nur etwas kleinerer Hauzahn,
vermutlich von demselben Thiere, aus dem brackischen Tegel von Nussdorf,
ein zweites der letzte Backenzahn des Unterkiefers von einer grossen Art von
Palaeomeryx. Beide Stücke deuten auf die öfter betonte Uebereinstimmung der
Landfauna der mittleren Stufe unserer Tertiärablagerungen mit jener der tief-
sten oder marinen Stufe und Verschiedenheit von jener der jüngsten oder Süss-
wasserstufe. Aus dieser letzteren, und zwar aus dem Congerientegel von Matz-
leinsdorf, legte Herr Suess zwei ebenfalls von Herrn Letocha aufgefundene
Reste einer Emys ähnlichen Schildkröte vor. —
Die Vollendung der geologischen Uebersichtsaufnahmen der gesammten
österreichischen Monarchie, welche durch die Arbeiten des diesjährigen Sommers
zum Abschluss gebracht wurden, legt nun zunächst die Aufgabe nahe, diese Auf-
nahmen, welche je nach den vorhandenen topographischen Grundlagen für die
einzelnen Länder auf Karten von verschiedenem Maassstabe eingetragen werden
mussten, in ein Gesammtbild zu vereinigen.
Als erste hierzu nöthige Vorarbeit legte Herr Bergrath Fr. v. Hauer ein
vergleichendes Schema vor, welches er entworfen hatte, um die auf den einzelnen
Kronlandskarten unterschiedenen Gebirgsarten und Formationsglieder in Parallele
zu stellen. In jenen Ländern, für welche bereits die geologischen Detailkarten
vorliegen, sind natürlich viel mehr Unterscheidungen durchgeführt, als in den
nur übersichtlich aufgenommenen ; ausserdem sind aber auch, entsprechend der
verschiedenen localen Ausbildung der Gebirgsarten selbst, die Eintheilungen und
Bezeichnungen der Formationsglieder in den einzelnen Karten sehr verschie-
den. Die Gesammtsumme der zur Unterscheidung angebrachten Farbentöne und
Bezeichnungen beträgt daher nicht weniger als 160, und zwar 116 für die
Schichtgebilde, 11 für die krystailinischen Schiefer und 33 für die eruptiven
und Massengesteine.
Aus der Zusammenstellung des vorgelegten Schema’s dagegen hat sich
ergeben, dass für die Uebersichtskarte der Gesammtmonarchie die gleichmässige
Unterscheidung von etwa 49 verschiedenen Gesteinsarten und Formationsgliedern
durchzuführen sein wird, und zwar 34 für die Schichtgebirge, 3 für die krystal-
linischen Schiefer und 10 für die Eruptiv- und Massengesteine.
nn *
288
Verhandlungen.
[3]
Herr v. Hauer bezeichnet übrigens seine Arbeit durchaus nicht als eine
definitiv abgeschlossene , der Hauptzweck der Vorlage bestehe vielmehr darin,
die sämmtlichen Mitglieder der k. k. geologischen Reichsansfalt mid Freunde der
Geologie zur Prüfung und Berichtigung etwaiger irriger Annahmen in dem
Schema und überhaupt zur Theilnahme und Mitwirkung bei der nunmehr in An-
griff zu nehmenden Zusammenstellung der Gehersichtskarte der Gesammtmonar-
chie einzuladen.
Herr Bergrath M. V. Lipoid berichtete über die Arbeiten der I. Section
in Böhmen im Sommer 1862. An den Arbeiten nahmen ausser ihm als Chefgeo-
logen die Herren Sectionsgeologeri Baron F. Andrian, H. Wolf und K. Paul
Antheil. Die Aufgabe der I. Section bestand in der geologischen Aufnahme des
östlichsten Theiles von Böhmen auf den Generalstabskarten Nr. X (Nachod),
Nr. XVI (Reichenau), Nr. XXII (Leitomischl), Nr. XXVII (Deutsch-Brod) und
Nr. XXV III (Bistrau), mit welchen Aufnahmen zugleich die geologische Karte
des ganzen Königreiches Böhmen zur Vollendung gebracht wurde. Die Arbeiten
im Felde begannen bereits Anfangs Mai, und waren derart vertheilt, dass Herr
Baron Andrian das Terrain des Blattes Nr. XXVII, Herr Paul die westlichen
und Herr Wolf die östlichen Theile der Blätter Nr. X, XVI und XXII bis zum
Parallelkreise von Leitomischl , und Herr Bergrath Lipoid das Terrain des
Blattes XXII südlich von Leitomischl und des Blattes Nr. XXVIII aufzunehmen
hatte. Mit halben August waren die Aufnahmen beendet, und es konnte die voll-
endete geologische Karte von Böhmen hei der Versammlung deutscher Natur-
forscher in Karlsbad vorgelegt werden.
Herr Bergrath Lipoid sprach nun weiters über die, in dem von ihm auf-
genommenen Terrain auftretenden, krystallinischen Gesteine südlich und westlich
von Policzka und Prosec, mit Ausschluss der in der Umgehung von Swojanow
vorkommenden krystallinischen Schiefer , deren Besprechung einer 'nächsten
Sitzung Vorbehalten wurde. Das vorherrschende Gestein dieses Terrains ist
Gneiss, der in zwei Hauptvarietälen vorkommt, in einer glimmerreichen, meist
feinflaserigen , leicht verwitterbaren, und in einer glimmerarmen, festen,
häufig körnig-granitischen. Bei der ersten Varietät herrscht brauner Glim-
mer und weisser Feldspath, bei der zweiten weisser Glimmer und rother
Feldspath vor. Diese beiden Gneissvarietäten sind nicht auf gesonderten
Gebieten vertlieilt, sondern wechsellagern mit einander in der Art, dass die
festen Gneisse in der Mächtigkeit von eii? paar Fuss bis zu 20 Klafter Zwisehen-
lagerungen in dem mürben Gneiss bilden. Durch Verwitterung der letzteren
gelangen die ersteren als Felswände zu Tage, zertrümmern und bedecken, nach-
dem die Kanten der Trümmer sich abrundeteri, als Blöcke weite Strecken des
Terrains, ähnlich den Granilblöcken in einem Granitgebirge. Diese zum Theile
granitischen Gneisse entsprechen den „rothen Gneissen“ des Erzgebirges, und
entbehren, wie im Erzgebirge, einer edlen Erzführung. Als untergeordnete Ein-
lagerungen in dem Gneisse erscheinen: Krystallin ische Kalksteine in der
Mächtigkeit von 10 — 12 Klaftern bei Trhonitz, Sedlitz und hei Rychnow, am
letzteren Orte mit Talk, Asbest und Malakolith; Glimmerschiefer an der
mährischen Grenze bei Ingrovitz, am Südwestgehänge des Landratberges und
zwischen Chlumetin und Cachnow; endlich A in phib ol schiefer in drei parallelen
Zügen. Den Amphibolschiefer begleiten Lager von Magneteisenstein und
Eisenglanz bei Ruda und bei Teleci, woselbst ein 2 — 3 Fuss mächtiges nach
NW. streichendes und mit 30 Grad nach NO. einfallendes Erzlager, das im
Streichen 1000 Klafter weit aufgeschürft ist, für den Eisenhochofen zu Kadau
in Mähren a bgehaut wird. Die Lagerungsverhältnisse des Gneisses und der ihm
Sitzung am 18. November. M. V. Lipoid. Fr. Foettterle.
289
[4]
zwischengelagerten Gesteine sind in dem Terrain zwischen Bistrau und Ruda bei
Wüst-Kamenitz aussergewöhnlich constant, — das Streichen desselben nämlich
von SO. nach NW., und das Einfallen nach NO. Westwärts von Ruda, in der
Umgebung von Krouna aber zeigen die Gneisse ein Streichen von SW. in NO.,
und das Verflachen derselben ist theils ein nordwestliches, theils ein südöstliches.
Das erstere Streichen entspricht dem Böhmerwald-, das letztere dem Erzgebirgs-
Systeme. Indessen bemerkte Herr Bergrath Lipoid, dass sich in dem petrogra-
phischen Charakter und in der Art der Zwischenlagerungen zwischen den Gneissen
bei Bistrau und bei Krouna durchaus kein Unterschied wahrnehmen lasse, und
dass desshalb in dieser Beziehung die Gneisse mit nordwestlichem und jenejnit
nordöstlichem Streichen nicht verschiedenen Altersstufen angehören können. —
Westlich von Krouna bis nach Skuc, so wie an dem Hügel westlich von Prosee
treten Urthon sch iefe r und Phyliite auf und bilden isolirte Schollen in dem
Gneissgebiete. Bei Richenburg gehen dieselben in Gr au wackens chief er über,
welche dort mit Sandsteinen die nördliche Begrenzung der krystallinischen
Schiefer bilden. Zwischen Prosec und Breitenthal bei Policzka ist das Terrain
von Graniten zusammengesetzt, die, obschon sie mehr den Gneissgraniten als
den gewöhnlichen Gebirgsgraniten ähnlich sind, besonders als Granitgebirge aus-
geschieden wurden, weil in dem Terrain kein Auftreten von Gneissen beobach-
tet wurde.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle berichtete für Herrn Karl v. Hauer,
der durch Unwohlsein verhindert war, über Einsendungen von Kohlen, welche
in letzterer Zeit zur Untersuchung an die k. k. geologische Reichsanstalt gelangt
sind. Sie rühren theils von neuen Schürfen, theils von Fundorten her, von wel-
chen noch keine Proben bisher ausgeführt wurden.
1. Kohlen von Briloff und Scoffle am Karst. Ueber das Vorkommen
dieser Ablagerung bat bereits früher Herr Bergrath Foetterle Mitteilungen
gemacht, aus denen hervorgeht, dass eine ergiebige Ausbeute hier nicht zu hoffen
ist. Nichtsdestoweniger wurden in neuerer Zeit grossartige und kostspielige
Untersuchungsbaue fortgesetzt, über deren Resultate Mittheilungen noch zu
erwarten stehen. Die Qualität der Kohle ist sehr vorzüglich. Bei einem Gehalte
von 5-3 Procent Asche ergab sie ein Aequivalent von 7-5 bis 8 Centner für eine
Klafter weichen Holzes.
2. Braunkohle von Lepoglava in Croatien, eine Fortsetzung des kürzlich
von Herrn Bergrath Lipoid beschriebenen Vorkommens bei Ivanec. Das Lager
dieser Kohle wurde erst im März dieses Jahres aufgeschlossen und Muster von
Herrn v. Bedekovich durch das k. k. Handelsministerium eingesendet. Die
Mächtigkeit des Flötzes, welches zu Tage ansteht, beträgt fünf Fuss und erhält
sich dem Streichen nach. Im Querschlage jedoch, welcher nach der 23 Grad
fallenden Kohle getrieben wurde, zeigt sich das Flötz nach drei Klaftern schon
sechs Fuss mächtig. Was die Qualität der Kohle anbelangt, so gleicht sie voll-
kommen jener dichten Braunkohle (Glanzkohle), die südlich von Ivanec vor-
kommt.
3. Braunkohle von Gross-Gorica in Croatien, von dem k. k. Obergespan
Herrn L. v. Vucotinovic eingesendet. Die Kohle enthält 4-4 Procent Asche,
ist aber sehr von Grubenfeuchtigkeit durchdrungen, daher sich 19 Centner als
Aequivalent einer Klafter weichen Holzes ergeben.
4. Braunkohle von Mariaschein im Aussig-Teplitzer Kohlenrevier. Sie
wurde in diesem Jahre auf dem Reservatfelde der Staats-Eisenbahn- Gesellschaft
in einer Teufe von 63 Klafter angefahren. Die Kohle gibt auffällig viel Theer.
290 Verhandlungen. SitzuDg am 18. November. Fr. Foettirle- [5]
Der Aschengehalt beträgt 2*3 Procent und als Aequivalent einer Klafter weichen
Holzes ergaben sich 11*5 bis 12 Centner.
5. Braunkohle, südlich von Mautern in Niederösterreich. Sie wurde in
diesem Jahre durch Herrn J. Springer erschürft. Es fanden sich zwei Flötze,
zusammen drei bis vier Fuss mächtig. Eine Grube wurde auf dem westlichen Ab-
hange der Anhöhe, welche sich am rechten Donauufer hinter Mautern erhebt,
angelegt. Die Kohle ist wohl eine Fortsetzung des Vorkommens bei Thallern und
enthält viel Schwefelkies. Der Aschengehalt beträgt 11*6 Procent und als Aequi-
valent einer Klafter weichen Holzes ergaben sich 10*2 Centner.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle machte eine Mittheilung über das Braun-
kohlenvorkommen von Zagyva und Salgö Tarjan im Neograder Comitate, das der
nahezu 100 Quadratmeilen grossen, Braunkohlen führenden Tertiärbucht angehört,
welchezwischen der Gran und der Hernad, nördlich von dem Schemnitzer Trachyt-
stocke, dem kryslallinischen Gebirge des Sohler Comitates und den secundären
Kalkmassen von Gömör und Torna begrenzt wird, während die Trachyte von
Waitzen, der Matra und das Bickgebirge sie im Süden von dem grossen ungari-
schen Tertiärhecken trennen. Aehnlich den geologischen Verhältnissen im böh-
mischen Mittelgebirge ist diese Bucht durch zahlreiche Basalt-Eruptionen durch-
setzt, welche in einer beinahe geradlinigen Richtung von Süd nach Nord von
Hatvan über Somos Ujfalu, Fülek bis gegen Rima Szombath das ganze Gebiet in
zwei fast gleiche Tlieile, ein westliches und ein östliches, theilen. Beinahe über-
all in diesem Gebiete tinden sich Braunkohlen, die jedoch an wenigen Punkten
noch aufgeschlossen sind und abgehaut werden. Die Szent Istväner Steinkohlen-
Bergbau- und Eisenbahn-Gesellschaft, welche Pesth über Hatvan durch das
Zagyvathal mit Losoncz durch eine Locomotivbahn zu verbinden beabsichtigt, hat
bei Pälfalva, Salgö Tarjan, Zagyva und Kazär ein Gebiet von 13.000 Joch
acquirirt, innerhalb welchem in etwa 372 Feldmassen ein Braunkohlenflötz von
einer Mächtigkeit zwischen 5 bis 7 und 8 Fuss sich nachweisen lässt, was bei
einer durchschnittlichen Mächtigkeit von nur 4 Fuss einem Kohlenquantum von
über 300 Millionen Centnern entspricht. Die Kohle, überall durch Stollenbau
leicht zugänglich, ist fest, glänzend im Bruche und von sehr guter Qualität.
Herr k. k. Bergrath Foetterle theilte ferner mit, dass die k. k. geologische
Reichsanstalt von dem hohen k. k. Staatsministerium in Folge einer Anzeige des
k. k. Statthalterei-Präsidiums in Lemberg und des Czortkower Kreisvorstehers
Herrn Ludwig Kilbe inZaleszczyki, Nachricht nebst einem Situationsplan erhalten
habe von dem Funde von zahlreichen Knochenresten von Mammuth, welche bei
Kasperowce in der Nähe von Zaleszczyki an der Berglehne zwischen dem Dniester
und Serethflusse und dem Tuppabache in einer Höhe von 450 Fuss über dem
Dniester unter einer Schotterdecke von 12 Fuss aufgedeckt wurden. Es ist nur
zu bedauern, dass von diesen Resten, welche, wie es nach der Beschreibung
wahrscheinlich ist, einem Individuum angehört haben, nichts erhalten werden
konnte, da sie au der Luft gänzlich zerfielen.
Jahrbuch
12. Band.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 2. December 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. Hauerim Vorsitz.
Herr Edmund v. Mojsisovics machte die folgende Mittheilung: „Der drin-
genden Aufforderung meines hochverehrten Lehrers und Freundes, Prof. Suess,
Folge leistend, gestatten Sie mir, meine Herren, aus den Erinnerungen meiner
letzten Sommerexcursionen einige auf die Stellung der Hierlatz-Schichten bezüg-
liche Daten Ihnen mitzutheilen. Es ist bekannt, dass die Frage nach dem Alter
der Hierlatz-Schichten controvers ist, indem Stoliczka, gestützt auf seine palä-
ontologischen Studien über die Gasteropoden und Acephalen, sie für mittleren,
Oppel dagegen, der die Brachiopoden studirte, auf diese und die Cephalopoden
sich berufend, sie für untern Lias erklärte. Stoliczka zeigte, dass 18 Arten
von Gasteropoden und Acephalen mit dem miltlern Lias der Normandie und 12 Arten
mit dem mittlern Lias Süd-Deutschlands ident seien.
Oppel bestimmte unter den Cephalopoden der Hierlatz-Schichten 10 Arten,
welche mit ausseralpinen ident, dem untern Lias angehören. Es sind dies sehr
charakteristische Arten. Die Brachiopoden gewährten Oppel wenig Anhalts-
punkte. Nur vier Arten Hessen sich mit ausseralpinen unterliassischen iden-
tificiren. Weiters bemerkt 0 pp el noch, dass kein einziger Brachiopode der
Hierlalz-Schichten dem mittleren Lias auschliesslich angehöre, und daher die-
jenigen Formen, welche ausser den Alpen für den mittlern Lias typisch sind,
in den Hierlatz-Schichten fehlen.
Die beiden genannten Forscher stützten sich rein auf paläontologische
Momente. Vielleicht können die stratigraphischen Beobachtungen, welche ich
machte, zur Lösung der Frage beitragen. Bei St. Wolfgang am Fusse des Schaf-
berges stehen Gosau-Schichten an, die hinlänglich bekannt und beschrieben sind.
Die Hauptmasse der Gebirgsgruppe des Schafberges besteht aus Hauptdolomit. Sie
besitzt ausser dem Schafberge von bedeutenderen Bergen noch den Leonsberg-
Zinken (Ziemitz) und formirt ein räumlich ziemlich ausgedehntes, zwischen den
genannten Bergen eingeschlossenes alpenhaftes Hügelland. Der Hauptdolomit bildet
auch das Fundament des Schafberges selbst. Er ist auf allen Seiten desselben bis zu
einer Seehöhe von ungefähr 4000 Fuss anzutreffen. Bei der Sehafbergalpe
(4350 Fuss) findet man Mergel und Rauch wacken der Kössener Schichten an-
stehend. In schlecht erhaltenen Exemplaren kommt hier die Avicula contortci vor.
Die Kössener Schichten lassen sich von der Schafbergalpe, nordwärts fortwandernd,
an der Westseite des Berges verfolgen. Von Schichtung ist hier keine Spur zu
erkennen, da das Materiale der Schichten aus zersetzten Mergeln und Bauch-
wacken besteht. Am Nordabhange des Berges zeigen sich die Kössener Schich-
ten sehr regelmässig geschichtet, die Avicula contorta häufig bergend und mit
kleinem Winkel gegen Nord sich verflächend. Die Kuppe des Berges wird von
Hierlatz-Schichten gebildet. Siefallen ziemlich steil gegen den Wolfgangsee, also
südlich. Die Schichten zeichnen sich durchgrossen Reichthum an Brachiopoden aus.
292
Verhandlungen.
[2]
Der Schafberg ist vielleicht der bekannteste Berg in den österreichischen
Alpen. Zahlreiche Ansichten von demselben finden sich, und besonders hat die
Nordseite wegen ihres steilen Abfalles und ihrer grotesken Formen die Maler
angezogen. Im Munde des Volkes wird die Nordseite Teufelsabbiss genannt. Ein
Blick auf ein solches Bild und noch mehr eine, wenn auch flüchtige Begehung
der Nordseite unseres Berges, lassen einen grossartigen Einsturz erkennen. Die
Wände des Berges sind senkrecht, theilweise überhängend. Drei kleine Seen
und zahlreiche umhergestreute Blöcke von Hierlatz-Schichten bestärken uns in
der gefassten Meinung.
Der mittlere dieser Seen, Mittersee genannt, verdient unsere besondere
Aufmerksamkeit. Zwischen ihm und der Wand des Schafberges finden wir
einen ziemlich mächtigen Absatz aus dunkelrothen Hierlatz-Bänken bestehend
und flach Nord fallend. Diese rothen Kalke liefern uns in den tiefsten Lagen zahl-
reiche Ammoniten, Orthoceren, Belemniten, mit wenigen Brachiopoden und Ace-
phalen vermischt, während in den höheren Lagen die Cephalopoden mehr und
mehr schwinden, um den Gasteropoden Platz zu machen.
Mein Aufenthalt an dieser interessanten Stelle war leider ein kurzer und
muss ich es mir daher für spätere Zeiten Vorbehalten, Ihnen, meine Herren,
bestimmte Details über die Fauna der einzelnen Lagen zu geben.
Es scheinen nach diesen flüchtigen Beobachtungen die Cephalopoden führen-
den Schichten den tiefsten Horizont der Hierlatz-Schichten zu bilden, während
die am Schafberge so mächtig entwickelten Kalke mit Brachiopoden ein höheres
Niveau einzunehmen scheinen. Eine Mitlelzone wäre in den Gasteropoden-
Schichten anzunehmen. Verglichen mit den Ansichten Stoliczka's und Oppel’s,
zeigt sich eine Uebereinstimmung mit Oppel, in so ferne er für die Cephalo-
poden ein unterliassisches , und mit Stoliczka, in so ferne er für die Gastero-
poden und Aceplralen ein mittelliassisches Alter beansprucht. Wenigstens wider-
spricht dies meinen stratigraphischen Beobachtungen nicht. Die Brachiopoden-
Schichten kämen aber im Widerspruche mit Oppel höher zu stehen, nämlich
über die Gasteropoden-Schichten.
Weit entfernt, mir in dieser schwierigen Frage einCrtheil anzumaassen, über-
lasse ich dasselbe gewiegten Forschern. Freuen würde es mich, wenn ich durch
diese kleine objective Mittheilung Anlass gegeben hätte, sorgfältige Aufsamm-
lungen von Petrefacten an den bezeichneten Punkten vornehmen zu lassen, und
wenn auch andere bald in der Lage wären, meine Beobachtungen zu bestätigen“.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid sprach über die Bleierz- und Zinkerz-
Lagerstätten von Baib el in Kärnthen. Ueber die geologische Beschaffenheit
der Umgebung von Raibel sind ältere Nachrichten von den Herren L. v. Buch,
A. Boue, Fr. Meiling, A. v. Morlot und J. Niederist vorhanden, und
durch die Aufnahmen der k. k. geologischen Reichsanstalt, insbesondere des Herrn
Bergrathes Fr. Foetterle wurde ausser Zweifel gestellt, dass die Raibler
Erzlager in den dolomitischen Kalksteinen der Hallstätter Schichten auftreten,
und zwar im Liegenden und in der Nähe der die letzteren überlagernden fossilien-
reichen bituminösen Kalkschiefer der Raibler Schichten, die das oberste Glied der
alpinen Trias bilden. Ueber die Erzlagerstätten von Raibel insbesondere gab Herr
Bergrath J. Nied er ist in „v. Leonhard’s und Bronn’s Jahrbuch, Jahr-
gang 1852, Seile 769, eine detaillirtere Beschreibung, vermöge welcher sich
bei denselben ein Bleierz- und ein Galmei-Zug unterscheiden lassen, und das ge-
sammte Erzvorkommen eine Combination von Lagern und Gängen darstellt. Herr
Bergrath Niederist betrachtet das ganze Erzvorkommen, — das ist sämmt-
liche durch taube Mittel unterbrochenen Lager und Gänge (von Osten nach
Sitzung am 2, December, M. V. Lipoid. D. Stur.
293
[3]
Westen: Luschari, Rauschenbach, Josephi, Struggl’sche, k. k. Lager, Johanni),
— als eine in Abend nicht geschlossene unregelmässige Linse, und findet die
Linsenform auch an den einzelnen Lagerstätten und selbst an deren Erzmitteln
ausgeprägt.
Herr Bergrath Lipoid erwähnte vorerst, dass das Erzvorkommen von
Raibel vollkommen mit den von ihm in Unterkärnthen vielfach beobachteten
Bleierz-Vorkommen übereinstimme. Auch in Raibel ist die ursprüngliche und
Haupt-Erzlagerstätte ein wahres Lager, das, bisweilen bis zu 10 Klafter mäch-
tig, den Gebirgsschichten conform im Allgemeinen von Ost in West streichet und
nach Süd einfällt. Die Gebirgsschichten nächst Raibel findet man nun von zahl-
reichen Klüften durchsetzt, welche in der Regel von Nord in Süd streichen und
mit grösstentheils steilen Winkeln bald in Ost, bald in West einfallen.
Viele dieser Klüfte enthalten eine Erzführung, und treten somit als Erz-
gänge auf, aber, wie Herr Niederist bemerkt, „alle Gänge erscheinen nur
dort und darum von Erzen begleitet, wo und weil sie die Hauptmasse der
Lager durchsetzen oder berühren*. Uebereinstimmend mit anderweitigen Beob-
achtungen des Herrn Bergrath Lipoid haben diese Erzgänge ihre Erzfüh-
rung dem darüber befindlichen Erzlager zu verdanken, durch dessen theilweise
Zerstörung den Klüften von oben, theils auf mechanischem, theils auf nassem
Wege Erze zugeführt wurden, womit auch die Beobachtung des Herrn Berg-
rathes Ni ederist übereinstimmt, dass die Erze auf Gangklüften sich indem
Liegend-Kalksteine verlieren, sich aber gegen das Hangende zu veredeln.
Die meisten der vorhandenen Gänge und Klüfte sind nun nach Herrn
Lipold’s Ueberzeugung bald grössere, bald kleine Gebirgsspalten, an welchen
Rutschungen und Verschiebungen der Gebirgsschichten stattgefunden haben, die
somit auch Verwerfungen der ursprünglichen Erzlagerstätte im Gefolge hatten.
Nach dieser Ansicht ist es erklärlich, warum nächst Raibl nach dem Strei-
chen gleichsam mehrere Hauptlager (von Westen in Osten k. k. Lager, Struggl’-
sches Lager, Josephi-Lager u. s. f.) in relativ verschiedenen Horizonten vor-
gefunden werden. Herr Bergrath Lipoid beleuchtete die praktische Wichtigkeit
dieser Ansicht für neue Aufschlussbaue und erörterte, wie wesentlich für diesel-
ben und für eine allfällige neue Ausrichtung des Hauptlagers eine genaue Erhe-
bung aller Klüfte und Gänge sei. Er sprach desshalb die Hoffnung aus, dass das
reiche k. k. Erzlager, das im Osten durch das Morgen-, im Westen durch das
Abendblatt — welche beide Verwerfungsklüfte seien, begrenzt wird, weiter im
Westen wieder werde angefahren werden können.
Herr Dion. Stur legt vorerst im Aufträge des Herrn k. k. Hofrathes und
Directors W. Hai ding er den Inhalt zweier Einsendungen von Versteinerungen
vor, die wir unserer hochverehrten Correspondentin, der Frau Josephine
Kablik, Apotheken-Besitzerin zu Hohenelbe in Böhmen, verdanken.
Frau Josephine Kablik, im Dienste der Wissenschaft bereits hochbetagt
(geb. 1787), insbesondere um die Botanik hochverdient, hat sich durch ihre
vieljährigen Bemühungen um die Kenntniss der Flora von Böhmen, speciell der
Flora des Riesengebirges einen wohlklingenden, in allen Ländern Europa’s wohl-
bekannten Namen erworben. Im achten Decennium ihres vielfach bewegten
Lebenslaufes wendet sie nun auch noch den geologisch-wichtigen Verhältnissen
ihrer Umgegend eine besondere Aufmerksamkeit zu, und verdient gewiss auch
in dieser Richtung die Hochachtung aller Freunde der Geologie.
Die eingesendeten und vorgelegten sämmtlichen Versteinerungen sind aus
dem bei Hohenelbe gelegenen Kalnäer Kupferbergwerke. Es sind Fische,
Thierfährten und Pflanzen.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
00
294
Verhandlungen.
[4]
Die Fische sind von Herrn Dr. Steindach n er freundlichst bestimmt
worden und zwar drei Stücke als Palaeoniscus Freieslebeni Agass., ein Stück
als Palaeoniscus Duvernoyi Agass., zwei Stücke als Palaeoniscus Wratisla-
wiensis Agass. und noch ein Prachtstück, welches Herr Stei n da ch ner für
eine neue Art von Palaeoniscus hält, die aber vielleicht mit Palaeoniscus
Blainvillei Agass. (Geinitz, Dyas Tab. IX, F. 3) identisch sein dürfte.
Die Thierfährten sind dieselben wie jene, die in einer früheren Sitzung
Herr Bergrath Li p ol d als von derselben hochverehrten Einsenderin erhalten,
vorgelegt hatte, und gehören dem Saurichnites salamandroides Gein. (1. c. p. 4
Tab. III) an.
Von Pflanzen liegen derselben Sendung bei: ein Fucoid, erinnernd an den
Zonarites digitatus Brong. (Gein. I. c. Tab. XXVI, F. 1, 2, 3) und drei Stücke
von Hymenophyllites semialatus Geiu. (Leitpflanzen des Rothliegenden und
des Zechsteines p. 10, Tab. 1, F. 4).
Endlich findet sich unter den Stücken auch noch ein Schieferthonstück aus
den jungtertiären Ablagerungen der Braunkohlenformation Böhmens, auf welchem
ein dem Ulmus Brauni Heer (Fl. tert. lielv. II. p. 59. t. LXXIX. f. 14) ange-
höriger Blattabdruck wohlerhalten zu bemerken ist.
Wir sind der hochverehrten Einsenderin für dieses werthvolle Geschenk
zu dem verbindlichsten Danke verpflichtet.
Ferner legt Herr Dion. Stur eine „Notiz über die sibirischen Schichten der
Gegend von Zaleszezyky in Galizien“ von Herrn Prof. Dr. Ferd. Börner vor,
deren Inhalt, abgedruckt im Neuen Jahrbuch von v. Leonhard und Bronn,
1862, III. Heft, p. 327 bis 330, so weit derselbe Galizien betrilTt, auch in den
Blättern des Jahrbuches der k. k. geologischen Reichsanstalt nicht fehlen darf.
Diese Notiz lautet wörtlich wie folgt:
„Durch die geologische Reichsanstalt in Wien erhielt ich unlängst eine von
Herrn Stur zusammengebrachte umfangreiche Sammlung von Fossilien aus der
Gegend von Zaleszezyky in Galizien zur Ansicht zugeschickt, welche
gestattete eine allgemeine Vorstellung von der Altersstellung der dortigen
wenig bekannten älteren Gesteine zu gewinnen. Die ganze Schichtenfolge,
welche an den Ufern des Dniester an zahlreichen Punkten aufgeschlossen ist,
besteht aus einem Wechsel von dunklen grünlichgrauen Schieferthonen, thoni-
gen Kalkstein- und röthlichen Sandstein-Schichten. Alle diese Schichten scheinen
reich an Versteinerungen zu sein und nach denselben nur einem einzigen
geologischen Niveau anzugehören, und eben so scheinen auch die verschiedenen
Fundorte, welche durch Versteinerungen in der Sendung vertreten waren,
nämlich ausser Zaleszezyky selbst noch Usczieczko, Skala, Winiatince, Kaspe-
rowee, unter sich übereinzustimmen. Neben mancherlei unentschiedenen For-
men tritt nun in dieser Fauna der silurische Charakter deutlich hervor. Als
entschieden silurische Typen sind namentlich eine der Beyrichia KlÖdeni nahe-
stehende Beyrichia-kvi und eine der Leperditia Baltica nach Grösse und
Form sehr ähnliche Leperditien - Art hervorzuheben. Ein freilich nur als
Steinkern erhaltenes Exemplar von Lucinaprisca von Skala gleicht ferner völlig
den auf Gottland gefundenen Steinkernen dieser Art. Auch einige häufig vor-
kommende Euomphalus- Arten haben ihre nächsten Verwandten unter silurischen
Species, darunter auch eine am Umfange der Umgänge nach Art des Euompha-
lus alatus geflügelte Art. Eine in grosser Zahl der Individuen gesellig vorkom-
mende Tentaculiten-kvX ist mit dem bei Dudley und auf der Insel Gottland
vorkomraenden Tentaculites ornatus identisch oder doch sehr nahe verwandt;
und eben so hat eine häufige Avicula- oder Pterinea- Art in der von Murchison
Sitzung am 2. December. D. Stur. K. Paul
295
[*]
als Leitmuschel seiner oberen Ludlow-Schichten betrachteten Avicula retroflexa
ihre nächste Verwandte. Weniger entscheidend für die Altersbestimmung zeigen
sich die Brachiopoden. Mehrere derselben scheinen neu und eigenthümlich zu
sein; andere erinnern an devonische Formen und haben mich in der That früher,
als mir nur eine beschränkte Zahl von Fossilien aus jener Gegend vorlag, ver-
leitet die Schichten von Zaleszczyky für devonische zu halten. Auch das
häufige Vorkommen von Schildern der merkwürdigen Gattung Pteraspis, und
zwar der mit Pteraspis Lloydi ( Cephalaspis Lloydi Ag.) nahe verwandten
Art, welche für Kn er (Ueber die beiden Arten Cephalaspis Lloydi und C. Lewesi
Ag. und einige diesen zunächst stehende Schaalen-Reste, in Haidinger’s
naturw. Abh. 1, 1847, p. 159 bis 168, F. 5) die Veranlassung zur Errichtung der
Sippe Pteraspis geworden ist, könnte leicht verführen die Schichten von Zalesz-
czyky der devonischen Gruppe zuzurechnen, da die englischen Arten dieser
Sippe dem Oldred angehören.“
Nachdem Herr Professor Römer in den nun folgenden Zeilen die Synonymie
von Palaeoteuthis Dunensis , Archaeoteuthis Dunensis und Pteraspis Dunensis
auseinandergesetzt, auch die generische Identität dieses rheinischen Fossils mit
der Pteraspis von Zaleszczyky angeführt, beschliesst er diese interessante
Notiz mit Folgendem:
„Was nun schliesslich die Altersbestimmung der Schichten von Zaleszczyky
anbetrifft, so gehören sie nach den mir daraus bekannt gewordenen Fossilien
jedenfalls in die obere Abtheilung der silurischen Gruppe und sind dem englischen
Wenlock-Kalke mit Einschluss der Ludlow-Schichten wesentlich gleich zu stellen.
Vergleicht man sie mit den gleich alten Schichten anderer Gegenden, so zeigen sie mit
keiner derselben eine nähereUebereinstimmung, sondern stehen sowohl inpaläonto-
logischer wie in petrographischer Reziehung sehr eigenthümlich da. Im Ganzen
zeigen sie aber doch immer noch mehr Uebereinstimmung mit den obersilu-
rischen Schichten der insei Gottland und Englands als mit den räumlich näher
liegenden von Böhmen. Vielleicht sind in den angrenzenden Theilen von Polen
und Russland silurische Gesteine entwickelt, denen sie sich näher anschliessen
und durch welche zugleich ein Uebergarig zu den silurischen Gesteinen des
Nordens vermittelt wird“.
Herr K. M. Paul legte die geologische Detailkarte seines diesjährigen Auf-
nahmsgebietes vor. Dasselbe umfasst den südwestlichen Theil des Königgrätzer,
und den nördlichen Theil des Chrudimer Kreises im östlichen Böhmen, oder den
zwischen den Städten Böhmisch-Trübau , Leutomischl, Hohenbruck, Opocno,
Reichenau und Senftenberg gelegenen Landstrich. In geologischer Beziehung ist
es der östlichste Theil des grossen böhmischen Kreidebeckens, welches sich aus
der Gegend von Saaz in östlicher Richtung über den Leitmeritzer, Bunzlauer,
Bidschower, Königgrätzer und Chrudimer Kreis erstreckt, durch das Elbethal
mit dem sächsischen Kreideterrain zusammenhängt, und südlich von Böhmisch-
Trübau auch mit dem mährischen Kreideterrain in Verbindung steht.
Der orographische Charakter des Terrains unterscheidet sich wenig von
demjenigen der übrigen erwähnten, dem Kreidebecken angehörigen Gegenden. Die
in ruhiger Weise abgelagerten und auch später nur wenig gestörten, daher
meistens fast horizontal gelagerten Kreideschichten bilden ausgedehnte Plateaux,
stellenweise durch weit sich forterstreckende Verwerfungsspalten in Terrassen
gesondert, und durch zahlreiche und zum Theil sehr tiefe Erosionsthäler von
einander getrennt. Mit grosser Gleichförmigkeit pflegen die meist steilen Ge-
hänge dieser Auswaschungsthäler felsig oder bewaldet zu sein , während die
Höhen der Plateaux die Basis einer sehr blühenden Bodencultur sind.
00
296
Verhandlungen.
[ß]
Einige Abwechslung wird in die Einförmigkeit der Terrains durch die
eruptiven Gneissgranite von Lititz, Pottenstein und Prorub gebracht, welche,
runde, bewaldete Kuppen bildend, der Gegend einen abweichenden landschaft-
lichen Charakter verleihen.
Wie sich nach dem Gesagten von selbst ergibt, sind es die verschiedenen
Glieder der Kreideformation, welche in der Zusammensetzung des Terrains vor-
herrschen. Ueber diese sollen in einer der nächsten Sitzungen einige Details
mitgetheilt werden. Bildungen, welche dem Ufer des Kreidebeckens angehören,
ragen nur an zwei Punkten in das Terrain, so am südlichen Uferrande bei Doly
(südlich von Luze) ein grauschwarzer, durch die Nähe von Basalt auffallend
stark gefritteter Grauwackensandstein, und am nördlichen Ufer eine kleine Par-
tie jener, der Urthonschieferzone angehörigen Gebilde, welche einen Ueber-
gang zwischen Thonschiefer und Chloritschiefer bilden, nicht selten Hornblende
führen, und unter dem Namen der grünen Schiefer bekannt sind. Die Grenze
dieser Schiefer läuft, so weit sie in das in Bede stehende Terrain fällt, durch
die Ortschaften Swyney, Rudney und Masty (östlich von Opocno), und ihre ge-
naue Kenntniss ist den Oekonomen dieser Gegend sehr wichtig, da die chemische
Zusammensetzung der Schiefer eine ganz andere agronomische Behandlungs-
weise des Bodens bedingt, als sie auf dem angrenzenden Kreideterrain üblich ist.
Ausser der Kreide ist es noch das Rothliegende, welches in dem Terrain in
grösserer Verbreitung auftritt. Es beginnt südlich von Lititz bei Böhni.-Rybna,
und zieht sich \or\ hier in einem etwa ‘/a Meile breiten Zuge in südöstlicher
Richtung über Zampach, Hnatritz, Liebenthal u. s. w. gegen die mährische Grenze.
Es sind fast durchgehends weiche Sandsteine mit rothem, thonigem Bindemittel,
meistens grobkörnig, stellenweise durch Aufnehmen grösserer Quarzgeschiebe
in Conglomerat übergehend.
Zwischen Wildenschwert und Brandeis, bei Kerhartitz, tritt das Rothlie-
gende im Thale des stillen Adlerflusses an einem isolirten Punkte noch einmal
auf, hier durch einen kleinen Granitblock emporgehoben. Bei Zainbach erscheint
es sehr kalkreich, bei ßöhmisch-Rybna als Arkose; im Allgemeinen gehört es
der mittleren Etage Jokely's an.
Besonderes Interesse verdienen die bereits erwähnten eruptiven Gneiss-
Granitmassen, welche das Lititzer Gebirge, die Proruber Berge bei Pottenstein,
und den erwähnten kleinen Stock zwischen Wildenschwert und Brandeis zusam-
mensetzen.
Sie bilden im Allgemeinen eine Mittelform zwischen Gneiss und Granit,
doch kommen eben sowohl wahre, feinkörnige Granite, als echte Gneisse vor,
und zwar herrschen im Centrum der Stöcke, besonders im Lititzer Gebirge die
granitartigen, an den Rändern die mehr schieferigen, gneissartigen Varietä-
ten vor, ohne dass sich jedoch zwischen denselben eine scharfe Grenze ziehen
Hesse. Im Granit finden sich zweierlei Feldspathe, Orthoklas und Oligo-
klas , stellenweise auch Hornblende. Bei Prorub enthält das hier mehr gneiss-
artige Gestein eine Einlagerung von weissem, gestreiftem, körnigem Kalk mit fast
mikroskopisch kleinen Granaten. Diese Gesteine haben die sonst so regelmässig
gelagerten Kreideschichten auffallend gestört, und stellenweise bis 40° aufge-
richtet , ein Beweis , dass ihre Eruptionszeit nach dem Schlüsse der Kreide-
periode zu suchen ist. Die Art der Schichtenstörung ist jedoch ebenfalls eine
eigentümliche. Die gestörten Kreideschichten fallen nämlich nicht nach allen
Seiten gleichmässig von dem krystallinischen Kerne ab, sondern es pflegt ein
solches regelmässiges Abfallen nur an der West- und Südwestseite der krystal-
linischen Stöcke staltzufinden, während an der Ostseite die jüngeren Kreide-
Sitzung am 2. December. K. M. Paul. H. Wolf.
297
[7]
schichten (die Quadermergel) oft ganz ungestört bis dicht an das krystallinische
Gestein reichen, ohne dass hier, wie an der Westseite, eine Zone der älteren
Kreideschichten (des Quadersandsteines) emporgehoben wäre. Die Störung tritt
somit nur in der Form einer Verwerfung auf. Eine solche lässt sich in der Richtung
von NNW. — SSO. von Polom bis gegen Böhmisch-Trübau, also etwa 3*/a Meile
lang verfolgen.
Die Beobachtungen an den Proruher Bergen mussten auf die Vermuthung
bringen, es dürfte wohl auch diese Verwerfung einen ähnlichen Grund haben,
und wirklich fand ich an dem Punkte, wo das tiefe Auswaschungsthal der stillen
Adler diese Verwerfungslinie schneidet (zwischen Wildenschwert und Brandeis),
den bereits erwähnten dritten kleinen Granitstock als Erklärungsgrund der
Schichtenstörung.
Dass der ganze erwähnte Zug des Rothliegenden mit der Erhebung dieser
Gneissgranite in Verbindung steht, wird durch die Umstände wahrscheinlich
gemacht, dass 1. sich das Rothliegende an den Lititzer Granitstock unmittelbar
anschliesst, dass 2. das Streichen des Rothliegenden genau dieselbe Richtung
hat, welche sämmtliche von den Gneissgraniten herrührende Störungen haben
(NNW. — SSO*), und welche daher diese selbst in der Tiefe einzuhalten schei-
nen, und dass 3. auffallender Weise auch beim Rothliegenden nur an der West-
seite ein regelmässiges Abfallen der Schichten und eine Quadersandsteinzone
bemerkbar ist, während im Osten des Zuges die Quadermergel ungestört an die
Schichten des Rothliegenden anstossen. Es ist daher wahrscheinlich, dass
dieser Zug des Rothliegenden nicht eine Insel im Kreidemeer darstellte, sondern
erst später, wahrscheinlich zugleich mit den Gneissgraniten emporgohoben wurde.
Basalt endlich findet sich bei Luze in zwei kleinen Kuppen, welche ganz
ohne Störung aus den Kreideschichten hervortreten; das südlichste und östlichste
Basaltvorkommen Böhmens.
Von Schichten, die jünger sind als die Kreide findet sich mit Ausnahme
der Diluvialgebilde nur noch bei Trübau eine kleine Tegelablagerung als Fort-
setzung des bekannten Triebitzer Vorkommens, eine aus Mähren hereinragende
kleine Bucht des Wiener Tertiärbeckens bezeichnend.
Herr H. Wolf legte eine Suite von Versteinerungen vor, welche durch Ver-
mittlung des Herrn Berg-Ingenieurs Mich. Simettinger als ein werthvolles Ge-
schenk des hochwürdigen Herrn Prof. Domas in Mährisch-Trübau einlangten.
Dieselben stammen von der Nordseite des Calvarienberges in Jaromieric bei
Gewitsch in Mähren, wo sie durch eine bedeutende Tegelabrutschung zu Tage
kamen.
Jaromieric, zwischen 180 und 200 Klafter über dem Meere in der von
Brünn aus über Czernahora, Borkowitz, Gewitsch, Mährisch-Trübau nachLands-
kron und Böhmisch-Trübau in Böhmen sich erstreckenden Bucht des Wiener
Beckens gelegen, ist schon seit längerer Zeit als Fundort, besonders von Fora-
miniferen durch Herrn Prof. Reu ss in Prag bekannt geworden. Ein Besuch
derselben Localität vor zwei Jahren durch Herrn Director Hörnes und Herrn
Wolf gab eine Ausbeute von 38 Arten Gasteropoden und 7 Arten Conchiferen.
Die jetzige Sendung aber vermehrt ausschliesslich der Foraminiferen die bekann-
ten Arten bis auf 160, worunter einige für das Wiener Becken neu, und zwar
120 Arten Gasteropoden, darunter die Genera Buccinum, Murex , Fusus, Caucel-
laria, Pleurotoma, mit einer grösseren Anzahl von Arten, Conchiferen nur 32 Arten,
worunter die Genera Cardita , Venus , Area am häufigsten vertreten; ferner von
Annulaten 3 und von Polyparien 7 Arten. Die ganze Ablagerung gehört dem
Horizonte von Baden an, obgleich auch brackische Formen, wie Bissoma
298 Verhandlungen. Sitzung am 2. December. fl. Wolf. Fr. Foetterle. [8]
und Bulla vorhanden sind, deren Vorkommen aber sich durch eine locale
Mischung des Meerwassers mit den Zuflüssen vom Lande her erklären lässt.
Den entschiedensten Beweis für die Analogie dieser Tegelablagerung mit
jener von Baden fand schon Herr Prof. Beuss in der grossen Anzahl von Fora-
miniferen, deren er 40 in unserem Jahrbuche 1854, Seite 659, aufzählt. Herr
F. Karrer, der nun eine noch grössere Anzahl besitzt, bestätigt auch im All-
gemeinen diese Ansicht von Reuss, nur bemerkt er, dass durch das Vorkommen
von Quinqueloculina Haidingeri Orb. und Quinquel. focda Reuss auch die
von Prof. Beuss vermissten Agathistegier nachgewiesen sind.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle legt die geologische Uebersichtskarte
des Gebietes des ersten k. k. Liccaner Grenzregimentes vor, welche er im ver-
gangenen Sommer in Begleitung des Herrn M. Lepkowski aus Kurland auf-
genommen hat. Dieses über 46 Quadratmeilen umfassende Land, das durch das
mauerartig sich erbebende steile Kalkgebirge des Yelebit von der Küste getrennt
wird, ist ein karstartiges Hochgebirgsland mit nur wenigen Hochebenen, und
erst an der östlichen Grenze lindet gegen die Unna eine tiefere Senkung des
Landes statt. Eine grosse Spaltung und Hebung der Gebirgsschichten hat am
östlichen Rande des Velebit in einer Erstreckung von nahe 20 Meilen das Zu-
tagetreten der ältesten Sedimentgebilde bewirkt. Als tiefste Bildung erscheinen
Sandsteine und Schiefer der Steinkohlenforinalion. Diesen folgen als unterstes
Glied der Trias die petrefactenreichen Werfener Schiefer, w elche auch in dem
Thale der Zermania, so wie an der türkischen Grenze im Tischkow atzthale und
bei Serb, ferner in der Ebene vou Korhavien und an mehreren einzelnen Punkten
verbreitet sind; im Tischkowatzthale und bei Serb führen sie ein bei 50 Klafter
mächtiges Gypslager. Sie werden von lichten splittrigen Esinokalken und Dolo-
miten überlagert, und diesen folgen dunkelgraue bis schwarze, regelmässig ge-
schichtete Kalke, welche den Raibler Schichten entsprechen.
Bei Unter-Lapaz, am westlichen Abhange der Wissociza, wurde das isolirte
Vorkommen von Jurakalk, überlagert vom Caprolinenkalk, aufgefunden. In dem
nördlichen Theile des Landes, und am westlichen Abfalle des Velebit hat der
Kreidekalk eine grosse Verbreitung, während Kalk, Sandstein und Mergelschiefer
der Eocenformation in geringer Ausdehnung nur am nördlichen Rande der Ebene
von Korbavien bei Bunic auftreten. Diese Ebene wird theilweise von feinem
Flugsand, theilweise von Schotter, die Hochebene vonGospic jedoch zum grössten
Theile von mit Lehm untermengtem, feinerem Quarzschotter bedeckt. Innerhalb
des Gebietes der Werfener Schiefer treten bei Unter-Pazarischtje, Ostaria, Divo-
sello, Grachaz und St. Peter porphyrartige Gebilde auf.
Herr Foetterle erwähnte schliesslich dankbar der bedeutenden Unter-
stützung, der er sich bei der Lösung seiner Aufgabe allseitig von den dortigen
k, k. Militärbehörden zu erfreuen hatte.
Herr k. k. Bergrath F. Foetterle legte am Schlüsse die der k. k. geolo-
gischen Reichsanstalt zugesendeten Abhandlungen und Annalen der k. Akademie
der Wissenschaften zu Lissabon vor, und lenkte die Aufmerksamkeit auf mehrere
in den ersteren erschienene höchst interessante Aufsätze von Herrn Carlos
Ribeiro, worunter der eine über die geologische und hydrologischeBeschaffen-
heit der Umgebung von Lissabon, mit Rücksicht auf die Wasserversorgung der
Stadt, als ein wahres Muster bezeichnet werden kann, wie derartige Fragen von
wissenschaftlicher Seite zu behandeln sind; einige andere Aufsätze behandeln
das Vorkommen von Steinkohlen in der Steinkohlenformation von S. Pedro da
Cova bei Gondomar, District Do Porto, im Oolith bei Cabo Mondego, District
von Leiria, und von anderen Mineralien in Portugal.
Jahrbuch
12. Band.
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Sitzung am 16. December 1862.
Herr k. k. Bergrath Franz Ritter v. H au er im Vorsitz.
Herr k. k. Bergrath M. V. Lipoid besprach ein von Herrn Pau-
li tsch entdecktes Eisensteinvorkommen nächst dem Markte Prassberg in Unter-
steiermark. Dasselbe befindet sich an dem „Dobrol“ benannten Gebirge, südlich
von Prassberg, welches, aus Kalksteinen der alpinen Trias zusammengesetzt, ein
karstähnliches Hochplateau mit zahlreichen Kesseln, Spalten und Vertiefungen
bildet. In diesen letzteren finden sich nun Eisensteine in bald grösseren, bald
geringeren Mengen vor, und zwar theils dichte, theils mulmige und ochrige, theils
breccienartige Braun- und Rotheisensteine. Eine Untersuchung des Terrains hat
Herrn Lipoid überzeugt, dass diese Eisensteinbildungen secundärer Natur sind,
nämlich Metamorphosen aus Schwefelkies. Letzterer kommt nämlich in einem
porphyrischen Gesteine, das die Kalksteine der Hallstätter Schichten unter-
teufend am Plateau zu Tag tritt, eingesprengt und auch in einer Schieferlage
unter demselben in grösseren Massen vor. Nur der Verwitterung dieser
Schwefelkiese verdanken die zum Theil schönen Braunerze ihre Entstehung,
denn nur in den Kesseln, die noch tiefer als die Ausbisse der Kieslagen sind, ist
die Anhäufung der Braunerze eine namhafte. Daraus ergibt sich, dass zwar die
Erze durch Tagbau leicht zu gewinnen sein, aber in die Teufe, nicht niedersetzen
werden. Herr Lipoid wiesauf eine ähnliche Erscheinung und muthmassliche
Bildungsart der Braun-, Roth- und Bohnerze am Plateau des Terglou-Gebirges
zu Rudne Pole in der Wochein in Krain hin.
Herr Bergrath Lipoid legte ferner eine Suite von Gesteinen aus Klein-
asien vor, welche der k. k. geologischen Reichsanstalt von dem k. k. General-
Probieramts- Director Herrn Max Li 11 von Lilien bach als Geschenk zuge-
mittelt wurden. Dieselben wurden von Herrn Alois Rochel, derzeit k. k.
Bergrath in Pribram , als er in den Jahren 1842 u. s. f. im Interesse der otto-
manischen Regierung Kleinasien bereiste, gesammelt. Herr Bergrath Rochel
hatte bereits im Jahre 1845 eine ähnliche Gesteinssuite dem k. k. montanisti-
schen Museum zum Geschenke gemacht. Die vorgelegte Suite, 88 Stücke,
besteht aus Gebirgsgesteinen , Erzen und Hüttenproducten von Kaban Maden,
Argana Maden und Gümesch Hanee, aus Kalksteinen von verschiedenen Punkten,
Trachyten von Trebisond und Diarbekir, aus Gyps von Siwas und Kurudschai,
Serpentin und Gabbro von Argana Maden und Numulitenkalk von Argana-Kloster.
Die Erze sind Blei-, Zink-, Kupfer- und Eisenerze. Nach einer freundlichen
Mittheilung des Herrn Bergraths Rochel kommen „die Kabaner silberhältigen
Bleierzlager zwischen Kalk und Schiefer, und die Gümesch Haneer Silber und
Gold haltenden Bleierze nesterweise in Kalk vor, während die Arganer Kupfererze
Verhandlungen.
300
[2]
einen gewaltigen Kiesstock bilden, dessen Grenzen noch nicht bestimmt
wurden."
Herr Ferdinand Freiherr v. Andrian theilte Detailbeobachtungen über das
Eisensteinvorkommen am Ko hl berge und am Kogel anger südöstlich von
Eisenerz in Steiermark mit. Es wurden die betreffenden Baue auf Wunsch
des Vertreters der gräfl. F e s teti c »'scheu Concursmasse, des Herrn Dr. S e h ö n-
pf 1 u g besucht.
Die längs des Trofajacher Thaies aufgeschlossenen Gesteine sind grüne,
kalkige Thonschiefer, welche der Grauwackenformation angehören, und ziemlich
regelmässig nach h. 3 — 4 streichen, und nach NW. verflachen. Sie enthalten
grössere und kleinere Einlagerungen von Kalkstein, welche in letzterem Falle den
Kalkthonschiefer bilden, ein Gestein, welches im genannten Thale an mehreren
Stellen als Baustein benützt wird; selbstständige Kalklager treten in bedeuten-
der Mächtigkeit in der Nähe der sogenannten „Hampelhuben“ auf.
Die erzführende Kalksteinmasse bildet das Hangende der ganzen Grau-
wackenformation und verhält sich der Lagerung nach ganz gleichartig mit den
Schiefern. Sie nimmt den nordwestlichen Theil des K o h I b e rgrückens ein
und wird an dem daranstossenden Zeberkogel unmittelbar von Verrucano und
Werfener Schiefern überlagert. Wir haben hier den letzten selbstständigen
Ausläufer der Eisenerz führenden Kalksteinzone von Eisenerz und man kann
schon aus diesem innigen geognostischen Zusammenhänge eine annähernd
gleiche bauwürdige Eigenschaft erwarten.
In diesem Sinne sprach sich Herr Bergrath Franz Ritter v. Hauer in einem
Berichtevom MonateMai 1857über das damals nur wenig aufgeschlossene Erzvor-
kommen am Kohlberge aus. (S. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt VIII S. 365.)
Seit jener Zeit hat man eine beträchtliche Anzahl von Tagröschen ange-
legt, welche alle eine ziemlich reiche Erzführung constatirt haben. Die geogno-
stischen Verhältnisse sind so ziemlich dieselben wie bei Eisenerz. Der weisse,
feinkörnige oft sehr charakteristisch roth geflammte Kalkstein ist fast an allen
Punkten mit Spatheisenstein imprägnirt und bildet die sogenannte Rohwand,
deren niedrigster Eisengehalt, nach der im Laboratorium der k. k. geologischen
Reichsanstalt vom Herrn Hauptmann Ritter Karl v. Hauer und dem Vortra-
genden vorgenommenen Analyse 14 — 17 Percent beträgt. Grössere Spatheisen-
steinlinsen sind in der ganzen Masse vertheilt, man findet da die meisten frischen
Bruchstücke davon, so wie die durch ihren hohen Erzgehalt so sehr geschätzten
Braun- und Blauerze. Dass auch grosse zusammenhängende Partien von letzteren
Vorkommen, beweist eine grosse „nächst der Lacken“ an der Grenze der Kalk-
steinzone angelegte Tagrösche, welche eine, mehrere Klafter betragende Erz-
mächtigkeit der reichsten Gattung zeigte; die absolute Menge des vorhandenen
abbauwürdigen Erzes lässt sich nicht angeben, da die vorhandenen Aufschlüsse
nicht auf eine regelmässige Erzeinlagerung, sondern das Vorkommen zerstreuter
Linsen von wechselnder Mächtigkeit deuten.
Die Anlage der Tagröschen ist derart geschehen, dass dieselben den gan-
zen Kohlbergrücken nebst den beiden Abhängen, so weit sie aus erzführen-
dem Kalk bestehen, ziemlich gleichförmig aufschliessen. Am nordöstlichen
Abhange, in der sogenannten Höll, sind mehrere Stollen über einander ange-
schlagen, welche bei einem bedeutenden Rohwandgehalte doch auch schöne
Partien von feinkörnigem Spatheisenstein aufgeschlossen haben. Diese letzteren
zeigen einen Gehalt von 30 Percent an metallischem Eisen.
Das Hangende der erzführenden Kalkzone bilden Conglomerate , rothe
Schiefer und Sandsteine. Dass dieselben insgesammt zu den „Werfener Schie-
Sitzung am 16. December. Freih. v. Andrian.
301
[3]
fern“ gezählt werden müssen, nicht zu den Grauwacken, wie noch in der vor-
trefflichen Beschreibung des Erzberges von Herrn v. Schouppe (Jahrbuch der
k. k. geol. Reichsanstalt 1834, S. 396 ff.) geschieht, geht aus einer verglei-
chenden Beobachtung der oberen mit den unteren Schichten, so wie aus dem
Vorkommen von Gyps deutlich hervor. Die groben Kalkconglomerate sind als
unregelmässig begrenzte Stöcke eingelagert; als Beispiel im Kleinen können die
sandsteinartigen Linsen der oberen Werfener Schiefer dienen. Sie bilden eine
Reihe von Kuppen, vom Zeberkogel angefangen längs des linken Trofajacher
Bachufers, während die vom Himmelskogel ausgehenden Bäche sämmtlich die
Werfener Schiefer als ihre Unterlage blosslegen. Das Streichen der Werfener
Schiefer ist concordant mit jenem der Grauwackenschiefer, die Fallrichtung
wechselt am Zeberkogel so wie am Himmelskogel zwischen Nord, Nordwest
und Nordost.
Obwohl die Erze der Grauwacken- und der Werfener Schiefer wahr-
scheinlich einer, nach der Ablagerung beider Gebilde stattgefundenen meta-
morphischen Action ihr Dasein verdanken, einer Action, welche vorzugsweise
an das Vorkommen von Kalk geknüpft scheint, da bei weitem die meisten der
fraglichen Erzzüge mit dieser Gebirgsart auf irgend eine Weise verknüpft
erscheinen, wie eine Durchsicht der Zusammenstellung der Herren v. Hauer
undFoetterle beweist, so scheint es doch gerathen, vorläufig die Vor-
kommen in beiden Gebilden zum Behufe einer leichteren Vergleichung der
verschiedenen Localitäten zu trennen, wie es Herr Bergrath Lipoid in seiner
Beschreibung der Eisenerzvorkommen im Kronlande Salzburg gethan hat (Jahr-
buch der k. k. geologischen Reichsanstalt 1854, S. 369).
Die Werfener Schiefer, welche den Himmelskogel zusammensetzen, sind
voll von kleinen Spatheisensteinschnüren, welche sich hie und da auch zu grösse-
ren Massen concentriren. Von der Sohle des Tragössthales bis zum sogenannten
Hieselegg ist eine Anzahl von 30 solchen Lagen, deren durchschnittliche Mäch-
tigkeit nicht über 4 Zoll beträgt, bekannt. Eine der bedeutenderen wird am
Kogela nger am östlichen Abhange des Himmelskogels abgebaut
Die Lagermasse besteht aus Quarz, mit Bruchstücken von kalkigem Schiefer,
welche als Erzführer gelten, aus einem armen Ankerit von 13 Percent Eisen-
gehalt, Kalkspath und Bitterspath. Die Masse ist von unregelmässigen Schnüren
und Knauern von Spatheisenstein durchzogen. Die Mächtigkeit beträgt 1 bis
2 Fuss, in den östlichen Stockwerken steigt sie auf 4 — 5 Fuss. Im Ganzen
überwiegt der Gehalt von Ankerit bedeutend den der anderen Bestandtheile.
Der Gehalt an Schwefelkies ist sehr gering.
Das Streichen des Lagers ist h. 5 — 17; das Fallen 30 — 45° in Nord. Es
ist durch drei Stollen und Ausbisse auf eine Teufe von 50 Klafter aufge-
schlossen.
Die dem Streichen nach zum Abbaue disponible Masse ist weniger bedeu-
tend, weil das Lager gegen Nordost von einer nach h. 8 streichenden Gypsein-
keilung abgeschnitten wird. Es sind ähnliche Verhältnisse, wie sie Herr
Kudernatsch im Jahrbuche der k. k. geologischen Reichsanstalt 1852,
1. Heft, S. 4 von Gollrad beschrieben hat. Zum Abbaue bleiben somit nach der
östlichen Richtung 15, nach Westen 20 Klafter.
Die Conglomerate scheinen sich in Bezug auf die Erzführung in gleicher
Weise zu verhalten. Am westlichen Abhange des Himmelskogels hat man
mittelst zweier Schürfe das Vorhandensein von Ankerit und Spatheisenstein
nachgewiesen, doch sind die Aufschlüsse noch zu gering, um sich über die Natur
des Vorkommens ein klares Bild entwerfen zu können.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen.
PP
302
Verh andlungt n.
W
Herr Karl v. Hauer legte Proben von Roth- und Grauspiessglanzerz (Anti-
monblende und Antimonglanz) vor, welche von Pinkafeld in Ungarn stammen, und
zur Untersuchung eingesendet wurden.
Die eingesendeten Stücke sind sehr reichhaltig, der Gehalt beträgt zwischen
30 und 60 Procent Antimon, da sie fast frei von begleitender Bergart waren. Die
Zusammensetzung ergab sich entsprechend den bekannten Formeln.
Sb. 03 . 2(Sb . S.;) Antimonblende, ein Oxysulfuret und SbS3 Antimon-
glanz, ein Sulfid.
Da beide Mineralien hier an demselben Fundorte Vorkommen, so ist wohl
das Oxysulfuret aus dem Sulfide durch Oxydation entstanden. Ja die Stücke von
Rothspiessglanzerz enthalten seihst noch Partien von unverändertem Grauspiess-
glanzerz. Über die Lagerungsverhältnisse wurde von dem Einsender indessen
nichts Weiteres mitgetheilt, was in dieser Richtung nähere Aufschlüsse gehen
könnte.
Herr v. Hauer berichtete ferner ober eine Reihe von Analysen der Eisen-
steine vom Kohlberg und Kogelanger in Steiermark, welche er gemeinschaftlich
mit Freiherrn von Andrian ausgeführt hatte.
Diese Eisensteine, welche Herr Freiherr von Andrian an Ort und Stelle
selbst gesammelt halte, und zwar in solcher Wahl, um ein möglichst getreues
Bild von dem höchst mannigfaltigen Gesammtvorkommen zu erhalten, wurden
nicht blos auf den Gehalt an Metall untersucht, sondern vollständig quantitativ
zerlegt. Da sie nämlich von Freischürfen her rühren, die nicht nur seit der vor
mehreren Jahren erfolgten Eröffnung aufrecht erhalten, sondern durch ununter-
brochen fortgesetzte Aufschlussbaue zum Zwecke einer wirklichen Production
vorbereitet wurden, so schien es wünschenswert, um eine vollständige Ueber-
zeugung über die Schmelzwürdigkeit und einen Fingerzeig über die Art, nach
welcher Gattirungen zu bewerkstelligen wären, zu erhalten, die Erze einer
genaueren Untersuchung zu unterziehen.
Aus den Analysen ergibt sich nun, dass die Erze theils Ankerite mit einem
Eisengehalte von 14 — 17 Procent, theils Spatheisensteine mit einem mittleren
Eisengehalte von 30 Procent, Brauneisensteine mit einem Gehalte von 40 und
endlich sogenannte Blauerze (reinere Brauneisensteine) mit einem Gehalte von
30 — 60 Procent Eisen seien. Diese Angaben beziehen sich auf ungeröstete Erze
und es ist hiermit die Frage der Schmelzwürdigkeit, in Anbetracht dessen, wie
beträchtlich sich der Gehalt noch durch Röstung erheben muss, hinlänglich ent-
schieden, wenn auch das Vorkommen ein solches ist, dass Ankerite und Spathei-
sensteine vorwalten. Die accessorischen Bestandtheile sind Kiselerde, Thon, Kalk
und Magnesia, welche letztem beiden natürlich in den Ankeriten vorwalten, in den
Spatheisensteinen noch 40 bis 30 Procent, in den Brauneisensteinen 14 bis 17 Pro-
cent betragen, in den Blauerzen aber nur mehr alsSpur vorhanden sind. Die Menge
Quarz und Thon ist in den Ankeriten und Spatheisensteinen zumeist nur sehr
geringe, sie beträgt nicht mehr als 0*6 bis 3 Procent. Speciell am Kogelanger
finden sich Spatheisensteine, deren Gehalt an in Säuren unlöslichen Bestandteilen
(Kieselerde, Thon) 11 bis 37 Procent beträgt. Aus diesen Daten ergibt sich,
dass bezüglich der Gattirung die Zusammensetzung der auf dieser Localität
befindlichen Erze schon gestattet, durch richtige Mischungsverhältnisse jene
passende Combinationen zu erhalten, welche für die Verschmelzung nöthig sind,
und dass daher bei der Beschickung eines Hochofens anderweitige Zuschläge
vollends entbehrlich wären.
Diese analystischen Resultate im Anschlüsse an die Detailerhebungen der
Lagerungsverhältnisse der Erze, welche Herr Freiherr von Andr i an mitgetheilt
Sitzung am 16. December. K. v. Hauer. H. Wolf.
303
[S]
hat, sind nunmehr geeignet einige wichtige Anhaltspunkte für die Gründung
einer Eisenindustrie an dieser Localität zu liefern, mindestens was die rein tech-
nische Seite anbelangt und dürften einer solchen künftigen Unternehmung einen
wesentlichen Nutzen bieten.
Herr Wolf gab eineUebersicht der geologischen Verhältnisse desChrudimer
und Königgrätzer Kreises in Böhmen. In der verlängerten Axe des Riesen-
gebirges erhebt sich im Südsüdosten zwischen Reinerz und Nachod ein gleicher
krystalliniseher Kern unter den Ablagerungen des Rothliegenden und der Kreide
wieder empor, bis zu 3300 Fuss im böhmischen Kamm, oder dem Adlergebirge.
Im Nordosten von Landskron erleidet diese Axe eine Drehung nach Mähren und
Schlesien hinüber, in ihr liegen die hohen Sudeten mit dem Spieglitzer Schnee-
berg 4482 Fuss. Es wird dadurch ein Theil des Glatzer Beckens, welches von
einer Reihe sedimentärer Gesteine erfüllt ist, umschlossen. Mehrere Unterbre-
chungen in dieser Axe vermitteln die Communication zwischen dem westlich und
östlich von diesem Gebirgskamme liegenden Tieflande, wie der Sattel bei
Reinerz und jener bei Mittelwalde.
Der krystallinische Kamm besteht vorwaltend aus rothem Gneiss, an den sich
Schieferzonen anlegen, bestehend aus Glimmer- und Hornblendeschiefer mit
Kalkeinlagerungen.
Eine äussere Zone bilden dann die Phyllite und wenig charakteristische
Gesteine von wahrhaft sedimentären Ursprung, die Herr Wolf nach G. Rose,
und Jokely vorläufig grüne Schiefer nennt.
Syenite durchbrechen diese Schieferzonen bei Giesshübl, Neu-Hradek
Solnitz, Reichenau und Gaabl.
Mit dem Durchbruch dieser Syenite war eine Niveauänderung innerhalb der
krystallinischen Schieferzonen verbunden, so dass die Gewässer des Rothlie-
genden einen schmalen Durchgang fanden, welcher von der Bucht bei Lewin
beginnend in südlicher Richtung gegen Schambach in Böhmen fortsetzt. In die-
ser Linie liegen noch einzelne Schollen eonglomeratischer Ablagerungen, wie
bei Giesshübl, Sattel, Rowney, Lukawetz und Reichenau, und man
kann nun bestimmt sagen, dass die Gewässer, in welchen sich die ausgedehnten
Ablagerungen des Rothliegenden bei Braunau, Schatzlar und Trautenau bil-
deten, mit den Gewässern, aus welchen sich das Rothliegende in Mähren abla-
gerte, in der vorerwähnten Linie in Verbindung standen.
Das Rothliegende, zu unterst aus Conglomeraten bestehend, umfasst in seinen
höheren Lagen feinkörnigere Sandsteine mit bunten Letten uud dunklen Schie-
fern, zwischen welchen zuweilen dünne Lamellen einer glänzenden muschelig
brechenden Schwarzkohle eingebettet sind.
Von Schambach angefangen ist das Rothliegende in einer ununterbrochenen
1000 — 2000 Klafter breiten Zone, längs einer Bruchlinie aufgedeckt die gegen
Südsüdost verläuft, an welcher stellenweise krystallinische Schiefer empor-
treten,wie bei Geyersberg und Böhmisch-Rothwasser; westlich dieser Aufbruchs-
linie liegt die ganze Rothliegendzone und in weiterer Entfernung auf dem Roth-
liegenden in normaler Lagerung die Sandsteine und Mergel der Kreideformation,
einen weit hin sichtbaren Gebirgsrand von 300 bis 600 Fuss relativen Höhen-
unterschied gegen das Rothliegende bildend.
Oestlich dieser Aufbruchslinie schliessen sich unmittelbar den krystallinischen
Schiefern nur Kreideglieder an, und zwar in stark geneigter Stellung, die manchmal
auch eine senkrechte ist, wie bei Geyersberg, Böhmisch-Rothwasser und Landskron.
Diese Aufbruchslinie, offenbar nach der Ablagerung der Kreide erfolgt,
bedingte zwei Senkungszonen, die ihr parallel verlaufen. Die westliche ist
304
Verhandlungen.
re]
erkennbar in der Linie, Lichwe, Wildenschwert, Böhmisch-Trübati, Abtsdorf,
Trübau. Die östliche, in der Linie Geyersberg, Böhmisch-Rothwasser, Lands-
kron, Mährisch-Trübau.
Diese Senkungszonen öffneten den miocenen Gewässern des Wiener Beckens
zwei Buchten nach Böhmen herein , in welchen der Tegel einerseits bei Wil-
denschwert und anderseits noch bei Böhmisch-Rothwasser zu finden ist. Die
Fundorte mariner Conchylien in diesem Tegel, in der westlichen Bucht, bei
Abtsdorf und Triebitz in der östlichen, bei Rudelsdorf und Landskron, sind
durch die Eisenbahnbauten von dem sie bedeckenden Diluvialschotter und Lehm
entblösst und bekannt geworden.
Herr Wolf wird die hier, nur in allgemeinen Umrissen skizzirten Verhält-
nisse in späteren specielleren V orträgen noch weiter erläutern.
Es werden die Exemplare jenes neuen Fundes von Pseudomorphosen von
Glimmer nach Cordierit vorgelegt, über welche Herr Director Haidinger in
der letzten Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ausführlichen
Bericht erstattet hatte. Der Fundort ist Greinburg im Mühlkreise von Oesterreich
ob der Enns. Sie waren von dem Steinmetz Joseph Blechinger von Ardacker
in die k. k. geologische Reichsanstalt gebracht worden. Sie haben bis zwei Zoll
Länge und einen Zoll im Durchmesser. Sie sind in Quarz eingewachsen, und
auf dieser Seite gut ausgebildet, auf der entgegengesetzten stossen sie. wie auf-
gewachsen an ein körniges Orthoklasgestein an. Die Form ist die gewöhnliche,
der zwölfseiligen Prismen mit Endfläche, ganz analog den Pinitcn. Im Innern
mehr die Structur des Chlorophyllits , die Glimmerblättchen sowohl auf den
Endflächen und parallel denselben und den Krystallschalen, als auch parallel
allen den Prismenflächen abgelagert , so dass wie eine scheinbare Spaltbarkeit
in diesen Richtungen entsteht. Keine Spur des ursprünglichen Cordierits mehr
übrig, überall die Härte 2*3 bis 3*0. Gewicht = 2*646. Die chemische Mischung
ist naeh Herrn Karl Ritter v. Hauer in 100 Theilen: Kieselerde 44*94, Thon-
erde 24*90, Eisenoxyd und etwas Manganoxydul 1318, Magnesia 2*64, Kali 8*94.
Natron 2*06, bei Glühverlust 2*74. Es verhalten sich RO:R2Os : Si03 = 1 :6:9,
und folgt die Formel: 2Ka0.3Si02 + 2AI203 . 3Si02, eine Verbindung von
Kalitrisilicat mit Thonerd e-Singulosilicat, während der ursprüngliche Cordierit
aus 2 Atomen Magnesia-Bisilicat und 1 Atom Thonerde-ßingulosilicat bestand.
Die Nähe des Vorkommens lässt uns wohl erwarten, dass zeitlich im nächsten
Frühjahre unternehmende Forscher jene Gegenden zum Ausgangspunkte näherer
Untersuchungen machen werden, welche gewiss manches anziehende Ergebniss
versprechen.
Herr Bergrath Fr. v. Hauer theilte den Inhalt einer Notiz: „Zur Geognosie
Tirol’s“ von Herrn Adolph Pichler in Innsbruck mit. (Jahrbuch dieses Heft,
Seite 331.)
Weiter gab derselbe Nachricht über Fossilreste aus dem Tegel von Olmütz.
Proben eines aus diesem Tegel geschlemmten Sandes hatte Herr Dr. Joh. Nep.
Woldrich, gegenwärtig in Salzburg, der mit der Zusammenstellung eines
Werkchens über die Stadt Olmütz beschäftigt ist, bei seinem letzten Besuche
in Wien zur näheren Untersuchung uns zurückgelassen. Seiner Mittheilung zu
Folge wurden bei der Grabung eines Brunnens in Olmütz auch grössere Muschel-
reste vorgefunden, von welchen er aber leider nichts mehr erhalten konnte. Der
Sand enthält nur ganz kleine, meist mikroskopische Objecte. Die Herren Dr. Moriz
Hörnes und Felix Karrer übernahmen freundlichst die Bestimmung, und zwar
erkannte Ersterer:
m
Sitzung am 16. December. Fr. v. Hauer.
305
Phasianella Eichwaldi Hörnes
Bulla utricula Brocch. . . .
Ervilia pusilla Phil. . . . ,
Venus multilamella Lam. . . .
Lucina exigua Eichw. . . .
Im Wiener Becken bekannt zu:
. . Steinabrunn und Baden.
• • n n
• . n
. . Gainfahren — „
. . Steinabrunn — ,,
Letzterer schreibt: „Der Sand zeigt von Bryozoen nur wenige Spuren,
etwas von Cidaritenstacheln und einige Nulliporen, nicht selten dagegen hübsche
Cypridinen. Foraminiferen kommen eben nicht sehr häufig vor, und ist ihre
Artenzahl auch eine beschränkte. Vorherrschend ist:
Im Wiener Becken bekannt zu:
. . Nussdorf.
. . „ Baden.
• • SS X
Sehr selten sind :
Asterigerina planorbis Orb>
Polystomella crispa Orb.
Rosalina viennensis Orb. .
Polystomella Fichteliana Orb Nussdorf.
Nonionina communis Orb „
Amphistegina Hauerina Orb „
Bulimina elongata Orb „
Triloculinu inflata Orb „
Die Lage, aus welcher der Sand stammt, gehört daher jedenfalls einem
höheren Niveau der marinen Neogenschichten des Wiener Beckens an, und
steht sicher der Amphisteginen-Zone sehr nahe.“
Mit Freude begrüssen wir die Nachricht von der erfolgten Bildung eines
neuen Mittelpunktes wissenschaftlicher Thätigkeit im Kaiserstaate. Der natur-
wissenschaftliche Verein für Steiermark, angeregt in einer in Gratz am 4. April
1. J. abgehaltenen Versammlung, begründet durch die mit Allerhöchster Ent-
schliessung vom 19. Juni erfolgte Genehmigung seiner Statuten, hat durch ein
vom 15. November datirtes Rundschreiben, welches durch Herrn Prof. v. Zepha-
rovich auch an Herrn Hofrath W. Haidinger übersendet wurde, den Beginn
seiner regelmässigen Thätigkeit angekündigt. Der Zweck des Vereines „das
Studium der Naturwissenschaft im Allgemeinen anzuregen und zu befördern,
insbesondere aber Steiermark naturwissenschaftlich zu durchforschen“ soll
zunächst durch monatliche Versammlungen, deren Sitzungsberichte in der
„Tagespost“ erscheinen werden, Förderung finden, ln der ersten dieser Ver-
sammlungen am 8. November wurden die Geschäftsleiter : ein Präsident J. Freih.
v. Fürstenwärther, zwei Vicepräsidenten die Herren J. Ritter v. Pittoni und
Dr. 0. Schmidt, ein Secretär Herr Dr. V. Ritter v. Zepharovich, ein
Rechnungsführer Herr G. Dorfmeister, und vier Directionsmitglieder die
Herren Dr. G. Bill, J. Ritter v. Helms, Dr. G. Göth und Dr. J. Knar gewählt.
Von dem regen Sinne der Bewohner des schönen von der Natur so reich begab-
ten Landes, dürfen wir zuversichtlich eine lebhafte Theilnahme für den neuen
Verein erwarten, der unter günstigen Auspicien ins Leben getreten, gewiss bald
eine ehrenvolle Stelle in der Reihe der älteren der Wissenschaft geweihten Ver-
bindungen in unserem Staate einnehmen wird.
Aber noch von einem andern wissenschaftlichen Unternehmen, welches,
wenn auch ausserhalb der Grenzen unseres Reiches ins Leben tretend, doch
306
Verhandlungen.
[S]
durch die Aehnlichkeit mit den Aufgaben, die wir selbst verfolgen sowohl als auch
durch die unmittelbare Nachbarschaft der Gegend, für welche dasselbe geschaffen
werden soll, unser Interesse im höchsten Grade anzuregen geeignet erscheint,
erhielten wir im Laufe der letzten Tage ausführliche Nachricht. Der gewesene
k. Finanzminister in Turin, Herr Quintino Sella sandte uns freundlichst Sepa-
ratabdrücke seines „Berichtes über die Art die geologische Karte des Koni grei-
ches Italien anzufertigen“ *)•
Seine Vorschläge, bis in die einzelnen Details ausgearbeitet, gehen darauf
hinaus, im Allgemeinen den in England und Oesterreich eingeschlagenen Plan der
geologischen Landesaufnahme, der entschiedene Vorzüge vor jenem besitze
den man in Frankreich annahm, zu befolgen. Vorerst soll eine Ueber^ichtskarte im
Maasse von 1 zu 600.000, auf w elcher die neueren Arbeiten über die Geologie
Italiens zusammenzustellen wären, angefertigt, weiter aber die Detailkarlen im
Maasse von 1 zu 60.000 durch zu diesem Zwecke anzustellende Geologen, die dem
k. Corps der Berg-Ingenieure anzureihen wären, aufgenommen w erden. Samm-
lungen, eine Bibliothek, ein chemisches Laboratorium u. s. w. sollen errichtet
und ein Repertorium herausgegeben werden. Für das erste Jahr wird ein
Kostenaufwand von 97.000 Lire veranschlagt, wobei keine Zahlung für ein
Locale einbegriffen ist, da der Anstalt vorläufig disponible Räume im Castello del
Valentino angewiesen werden könnten.
Zur Begründung dieser Vorschläge gibt Herr Sella eine kurze Schilderung
der geologischen Landesaufnahmen in Frankreich, England, Oesterreich, Belgien,
verschiedenen Staaten von Deutschland u. s. w. w ie er dieselben auf einer zu
diesem Zwecke unternommenen Rundreise kennen gelernt batte. Mit grosser
Befriedigung muss es uns erfüllen, wenn wir sehen, dass der hochverehrte Herr
Verfasser, unbeirrt von momentanen politischen Antipathien und der Parteileiden-
schaft des Tages in eine durchaus wohlwollende Besprechung der Leistungen
der k. k. geologischen Reichsanstalt eingebt, und auch die Bemerkungen, welche
er über ein verhältnissmässig zu rasches Vorgehen bei unseren Aufnahmen, und
die dadurch bedingte geringere Genauigkeit unserer Karten, namentlich im
Vergleiche mit den englischen beifügt, müssen wir als vollkommen objeetiv
gehalten, ja sogar im Wesentlichen als völlig richtig anerkennen. In der That
können unsere Specialkarten, was die Sorgfalt in der Ausführung der Details
betriff t, mit den englischen, deren Maassstab mehr als doppelt grösser ist, und zu
deren Aufnahme bei gleichem Flächenraum nach Herrn Sella's eigener Berech-
nung ein nabe 14mal grösserer Geldaufwand erfordert wird, nicht in gleiche
Reihe gestellt werden. Aber den Maassstab zu wählen lag überhaupt nicht in
unserer Hand, es konnten eben nur die vorhandenen Specialkarten des k. k.
Generalquartiermeisterstabes zu Grunde gelegt werden; überdies hatten wir,
während England schon vor dem Beginn seiner amtlichen Landesaufnahmen die
geologische Karte von Green ough besass, und die theoretischen Fragen über
die Eintheilung und Gliederung der im Lande vorkommenden Formationen im
Allgemeinen längst gelöst batte, nur aus beschränkten Gebieten halbwegs brauch-
bare Vorarbeiten, und sahen uns als erste Aufgabe die noch völlig ungelösten
Räthsel unserer Alpen gegenüber gestellt, deren Untersuchung mit eben so
grossen wissenschaftlichen , als rein physischen Schw ierigkeiten zu kämpfen
hatte. Ist es uns aber, wie Herr Sella selbst an einer anderen Stelle seines
!) Sul Modo di fare la Carta geologica del Regno d’ Italia. Relazione al Sign. Commen-
datore Cordova , Ministro di agrieoltura, Industria e commercio. Milano. Novembre 1862.
Sitzung am 4. November. Fr. v. Hauer.
307
[9]
Berichtes anerkennt *) gelungen, diese Schwierigkeiten grossentheils zu über-
winden, so dürfen wir wohl behaupten, dass dies eben nur durch eine, wenn
auch nicht bis in die letzten Details genaue, dafür aber raschere Fortführung
unserer Aufnahmen über grössere Landstriche möglich wurde, wobei gar oft
klare Lagerungsverhältnisse in einer Gegend den Schlüssel gaben zum Ver-
ständniss sehr verwickelter Erscheinungen in einer mitunter weit entfernten
andern Gegend.
Herr Q. Sella gibt die Bemerkungen, die wir eben berührten, nicht als
Ergebniss seiner eigenen Wahrnehmungen, sondern als das Urtheil anderer
Personen, die er um ihre Ansicht befragte. Den gleichen Vorgang beobachtete
er auch in den anderen von ihm bereisten Ländern. Bei keinem Volke lauteten
die Urtheile über die Leistungen der eigenen Landesgenossen günstiger als bei
den Engländern; gerne stimmen auch wir diesem Urtheile bei; stets werden wir
die Arbeiten des geologischen Aufnahmeamtes in England, als ein Vorbild
betrachten, dem mit allen Kräften nachzustreben unsere Aufgabe bleibt. Ein
Vorbild sollte uns aber auch dieses Land bleiben durch sein Nationalgefühl,
welches jeden Zweig nützlicher Thätigk eit mächtig fördert durch den berechtigten
Stolz, mit welchem es auf die heimischen Leistungen blickt und redlicher
Arbeit überall frei und freudig Theilnahme und Anerkennung spendet.
D Seite 5, wo es heisst: Mi si citavano le Alpi Orientalin pochi anni fa egualmente mal
conosciute come le alpi occidentali3 su cui si hanno ora cosi vive e fervide contestazioni :
non appena se ne feei un rilevamente dettagliato se ne pote quasi ovunque chiarire
benissime la struttura geologica.
yj
309
Personen-, Orts- und Sack-Register
des
12. Jahrganges des Jahrbuches der k. k. geologischen Reichsanstalt.
Von August Fr. Grafen Marschall.
Die Benennungen von Behörden, Anstalten, Aemtern und Vereinen finden sich im Personen-
Register. Den Namen minder bekannter Orte, Gegenden, Flüsse, Berge u. dgl. ist die
Benennung des Landes oder Bezirkes, in welchem sie liegen , in einer Klammer beigefügt. Ortsnamen,
die zugleich zur Bezeichnung von Formationen oder geologischen Gruppen dienen, z. B.
„Dachstein-Kalk“, „Werfener Schiefer“, „Wiener Sandstein“ und ähnliche, sind im S a ch -R e gi s t er zu
suchen. Da, wie in den Jahrgängen 8, 9, 10 u. 11, auch im Jahrgang 12 die „Verhandlungen“ ihre
eigene , von der des Textes gesonderte Seitenzahl führen , sind die darin vorkommenden Gegenstände
nach denen des Textes aufgeführt und von diesen durch den Vorgesetzten Buchstaben V gesondert.
I. Personen-ßegister«
Aichhorn (Prof.). Forcherit. F 65. Ambros (Th.). Geschenk an die k. k. geolo-
gische Reichsanstalt. F 22. Andrian (Frhr. F.). Aufnahmsreisen in Böhmen. V. 234, 239,
253. — Czaslauer und Chrudimer Kreis. F 127. — Eisensteine, Analysen. 533, 536,
F 302. — Eisenstein-Lager von Kohlberg und Kogelanger. F 300. — Gneiss-Gebiet des
Czaslauer und Chrudimer Kreises. F 177. — Granitisches Gebiet von Beneschau. F. 61.
— Kaurimer und Taborer Kreis. F. 5. Augsburger NaturforschenderVerein. Geschenk
an die k. k. geologische Reichsanstalt. F 9.
Barrande (J.). Silurische Colonien in Böhmen. 1, 5, 7 9, 40, 207, 208, F 148,
149, 207. Becher (H.)n Gänge des Giftberges. F 195. Beer. Bohrungen im böhmischen
Steinkohlengebirge. 446, 447, 461, 463. Berg- und Hüttenmänner (Versammlung der
österreichischen). F 96, 97. Biefel (J.). Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt.
F 3. Binkhorst van den Binkhorst (Jonkh. J. T.). Obere Kreide von Limburg. F 129.
Boucher de Perthes (J. A.) Diluviale Reste. F 160, 161. Geschenke an die k. k.
geologische Reiehsanstalt. F 103. Braun (Prof.). Fossile Pflanzen von Veitlahm. F 199.
Breithaupt (Prof. A.). Besuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. V. 260. — Gänge
des Giftberges. F 195. — Paradoxit. V. 86. Br eunner (Graf Aug.). Wiener Zoologischer
Garten. F. 237. Bronn (Prof. H. G.). Nekrolog. F 262, 263. — Preisschrift („Morpho-
logische Studien“ u. s. w.). V 45. — Theorie der Silurischen Colonien. 47. — Wollaston-
Medaille. F 38.
Clausthaler Ober-Bergamt. Risse der Bergbaue des Ober-Harzes. F. 66. Cotta
(Prof B. v.). Erz-Lagerstätten Europa’s. V 112. Cybulz (Major J.). Relief der Insel St.
Paul. V 277. Curioni. Eisen-Industrie der Lomhardie. F 47.
D a u b er. Nekrolog. F. 36. D au bre e (M. A.). Wollaston-Preis. F 38. Dechen(Ober-
Berghauptmann von). Gruss (telegraphischer) der Naturforscher - Versammlung zu Karls-
bad. F. 272. Delesse (A.). „Geologie souterraine de la ville de Paris.“ F. 86, 102. Des
Cloizeaux (Prof. A.). Handbuch der Mineralogie. F. 259. Dubocq (C.). Geognostische
Karte der Banaler Domäne. F 152. Domas (Prof.). Geschenk an die k. k. geologische
Reichsanstalt. F 297.
K. k. geologische Reichsanstalt. 12. Baud, 1861 und 1862. Verhandlungen.
qq
310
Personen-Regisfrr.
Engelshofen (Freiherr). Allerthiimer des Vitus-Berges. V. 103. Ettingshausen
(Prof. C. v.). „Die Blattskelette der Dicotyledonen“. V. 1 0i . Pflanzenreste bei Kulm-
bach. V. 199. — Reclamation gegen Professor Unger. V. 151.
Ferdinand Maximilian (Erzherzog, kais. Hoheit) Puhlication der Resultate der
Novara-Expedition. V. 100, 277, 280. Fichtner (,!.). Geschenk an die k. k. geologische
Reichsanstalt. Tr. 22. Finanz-Ministerium (k. k.). Geschenk an die k. k. geologische
Reichsanstalt. V. 240. Foetterle (Franz). Aufnahmsreise in der MilitSrgrfinze. 1'. 241,
242, 254, 298. Braunkohle von Zagyvn und Salgo Tsirjan. V. 290. — Braunkohlen-Ab-
lagerungen von Valdagno. V 154. — Croaiien zwischen Drau und Save. V. 123. — Fahlerze
des Avanza-Grabens. I'. 107. — Fossile Brennstoffe für die Londoner Ausstellung. 1. 109,
242, 266. — Lias (kohlenführender) im Banat. V. 214. — Mammuth in Galizien. V. 290.
— Mittheilungen und Vorlagen. V 22, 23, 53, 63, 108, 196, 298. — Stein- und Braun-
kohlen (Einsendungen von). V. 289. — Süsswasser-Petrefacle von Ulm V. 9. — Über-
sichtskarte (geologische) des Banats, der Illyrischen und Roinan-Banater Militärgrenze. V. 62.
Forcher(W.). Opal mit Schwefel-Arsen. V. 65, 66. Fritsch. Hauyinfels von Ditro. V. 65.
Fritsch (Dr. A.). Sammlung böhmischer Silur-Petrefacfe für die k. k. geologische Reichs-
anstalt. V. 128.
Geologische Reichsansta 1 1 (k. k.). Sr. k. k Ap. Majestät Besuch der k. k. geo-
logischen Reichsanstalt. V. 184,265. — Ausstellung der Sehul- und Unterriehts-Gcgunstfiude
für die Londoner Ausstellung. V- 183. — Besuch Sr. knis. Hoheit Erzherzog Rainer. V. 93,
266. — Besuche von Mitgliedern desAllerh. Kaiserhauses I’. 185,266. - Besuche von Frem-
den. V. 260. — Bibliothek. V. 99 — Dotation. V. 91. — Einsendungen für die Bibliothek
75, 306, 426, 539, V. 74, 80, 86, 103, 152, 223. 236. 237. 243, 24 4, 246, 250, 276. 278,
297, 298. für das Museum. 72, 225, 300, 425, 537, V. 74, 80, 86. 103, IIS. 128,
166,245,246,259,277.- Farben-Schema der Karten. V. 231. Geschenke. V. 3, 7. 8.
9, 10, 16, 18, 19, 22, 53, 63, 66, 80. 86, 103, 118, 131, 132, 133, 152. 223, 225, 236, 237,
243, 244, 245, 246, 259, 277, 278, 293, 297, 298. — Geschenk an das k k. polytechnische
Institut zu Wien V. 280. — Glückwünscbuugs-Sch reiben an Regierungsrath Zippe. V. I. —
Karten. V. 54, 98, 99, 219,231, 205,266,272,275, 276,287. — Laboratorium (Arbeiten
im chemischen). 67, 421, 533, V. 79, 85, 95. — Londoner Ausstellung 1862 301, 1.97
109, 184, 185, 186, 220, 231, 242. 243, 251. 264. 266, 268. Monatsberichte. V. 71, 75,
81, 233, 238, 251. — Murehison’s (Sir R. .1.) Excursionen im böhmischen Silur-Gebiete.
V. 268, 269, 270. — Novara-Expedition. V. 100,277. — PersonalverSnderungen V. 168,
169. — Porträt-Album. V. 103, 210. — Preis-Medaillen der Londoner Ausstellung. V. 268.
— Publieationen. V. 12, 72, 97. 98, 99, 119, 133, 219 220, 237, 274, 275. Räumlich-
keiten. V. 63, 91. - Reisen der Geologen. V. 93, 133,221,233.238. 252, 267, 271, 288.
— Sammlungen. V. 99, 100, 276. — Selbstständige Stellung. V. 63, 70, 71, 91, 148. —
Senoner’s „Übersicht der Sammlungen.“ L. 99. — Verhandlungen: am Schlüsse jedes Heftes
mit besonderer Seitenzahl. — Versammlung der österreichischen Berg- und Hüttenmänner.
V. 96, 97. Göppert (Prof.). Pflanzenreste. V. 69, 70. — Versteinerte Wälder im Roth-
liegenden von Böhmen. 392, 393. Goodwin-Austen (A. C.). Betheilung mit der
Wollaston-Medaille. V. 209. Gregory (R-). Naphtha-Quellen in Galizien. V. 196. Gümbel
(Bergmeister). Dachstein-Bivalve. V. 130. — Seaphites multinodosus. V. 3. — Werk über
die bayerischen Alpen. V. 39, 243, 280.
Haerdtl (Dr. Freiherr A.J. Werk über die Heilquellen des „Oesterreichischen Kaiser-
staates. V. 223. Haidinger (W.). Ansprachen bei Eröffnung der Sitzungs-Perioden 1861/62
und 1862/63. V. 89, 261. — Sr. k. k. Apostolischen Majestät Besuch der k. k. geologischen
Reichsanstalt. V. 184. — Audienz bei Seiner k. k. Apostolischen Majestät. V 71, 92. — Be-
merkungen über Barrande’s „Defense des Colonies.“ 207, 220, V. 148, 149, 207. — Bronn s
Nekrolog.!7. 262, 263. — Dauber’s Nekrolog. V. 63. — Prof. C. v. Ettingshausen’s „Reclama-
tion gegen Prof. Unger. V 151. — Forcherit. V. 65. — k. k. geologische Reichsanstalt,
Erneuerung des Mietvertrages. V. 63, 91. Gegenstände zur Londoner Ausstellung.
F. 184, 187, 188, 264, 266, 268. Karten. F. 54, 187, 189, 265, 266. Preis-
Medaillen der Londoner Ausstellung. F. 268. Publieationen. F. 12, 148, 219, 221.
Selbstständige Stellung. F. 63, 70, 71, 91. — Glimmer pseudomorph nach Cordie-
rit. V. 304. — Granit aus Vorarlberg. V 189. — Gruss (telegraphischer) der Natur-
forscher-Versammlung zu Karlsbad. F. 272. — Hauyinfels von Ditro. F. 64. — k. k. Hof-
rath (Ernennung zum wirklichen). F. 238, 267. — Hohenegger’s „Geognostische Karte der
Nord-Karpathen“ u. s. w\ V 131, 132. — Jokely’s Nekrolog. V. 261. — K. C. v. Leonhard’s
Nekrolog. F 167. — Londoner Ausstellung (Betheilung der k. k. geologischen Reichs-
anstalt an der). F. 184, 187, 188, 264, 266, 268. — (Ausstellung der Schul- und
Unterrichtsgegenstände für die). F. 183. — Londoner Ausstellungs-Medaille (Zuerkennung
der). V. 251, 268. — Montanistische Zeitschrift „Berggeist“. V 39. — Richter (Betheilung
des Cabinetsdieners mit dem silbernen Verdienstkreuz mit der Krone). F. 71, 72, 92.
Pfcrsonen-Register.
311
— Silurisehe Colonien in Böhmen. 2, 207, 220. — Professor Suess’ „der Boden der
Stadt Wien". V. 247. — Verein „zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse". V.
53. — v. Zcpharovich’s „Erläuterung zur Sammlung für das Studium der Eigenschafts-
lehre". V. 18. — Theobald v. Zollikofer’s Nekrolog. 1.264. Hartisch (C ). Kohlenbaue
von Buschtehrad-Kladno. 473. Hauer (Franz Ritter v.). Ammoniten aus dem Medolo.
V. 166. — Aufnahmsreise in Dalmatien. V. 240, 241, 257, 271. — Bausteine zur
Restauration des St. Stephans-Thurmes. V. 2, 3. — Bronn’s Preisschrift. V. 45. — Burzen-
länder Gebirg. V. 20. — v. Cotta’s Werk über die Erz-Lagerstätten Europa’». V. 112.
— Curioni’s „Sulla Industria del Ferro in Lombardia“. V. 47. — Fogarascher Gebirg. F.
1, 2. — „Geologische Uebersichts-Karte von Siebenbürgen". V 102. — Gümbel’s Werk
über die bayerischen Alpen. V. 39 , 280. — „Monographie der Dachstein-Bivalve“. V 130.
— Parallelisirung der Gebirgsarten und Formations-Glieder der Kronlandskarten. V 287.
— v. Pävai’s Mittheilungen über das nördl. Siebenbürgen. V. 194. — Phosphorit in Oester-
reich. V 190. — Prof. Pichler’s Schreiben über die Fauna der Hierlatz-Schichten. V. 130.
Notiz über den Haller Salzberg. V. 194, 195. — Posepny’s Karte des Mittellaufes der
Lapos. V. 192, 193. — v. Schwabenau’sche Petrefacten-Sammlung. V 67. — Trias des
Vertes-Gebirgs und des Bakonyer Waldes. V. 164. — - Woldfich’s Schrift über das Becken
von Eperies. V. 46. Hauer (Karl Ritter v.). Antimon-Erze von Pinkafeld. V 302. — Arbeiten
im Laboratorium der k. k. geologischen Reichsanstalt. 67, 421, 533. — Cokes der Wiener
Gas-Anstalt. V. 189. — Donau-Wasser, Analyse. V. 34. — Eisenquelle von Mauer bei Wien.
V. 56, 85. — Eisenerze aus Steiermark. Analyse. 536, V 302. — Fossile Brennstoffe von
West-Slavonien. V. 117. — Kohle von Beatenglücks-Grube, V. 139 — Kohlen - Eisenstein
aus dem Banat, Analyse. 533. — Krystallogenetische Studien. V. 49. — Maly’s Analyse eines
Harzes aus Neu-Seeland. V. 4. — Metalle (Verhalten einiger) in der Flamme des Schwefel-
wasserstoff-Gases. V. 115. — Preis-Medaille der Londoner Ausstellung. F. 268. — Samm-
lung künstlicher Krystalle. V. 10, 243, 251. — Sorby’s Abhandlung über die mikroskopische
Structur der Krystalle. V. 9. — Steinkohlen von Reschitza und Steierdorf. V 212.
(Einsendungen von). V 289. — „Untersuchungen über den Breunwerth der Braun-
und Steinkohlen u. s. w. der Oesteri eichischen Monarchie“. 423. — Wasser der Garser
Quelle und des Kamp’Flusses. V. 107. Haussmann (Freih,). Geologische Karte des unter-
irdischen Paris. F. 86, 102. Hawel (Franz). Wotwowitzer Steinkohlen-Bergbau. 438.
Herb ich (Franz). Hauyiufels von Ditro. F 64. Heer (Prof. O.). Betheilung mit dem
Wollaston-Preise. F. 209. Hin genau (Freih. 0.). Versammlung des Werner-Vereins. V. 189.
Höchstetter (Prof. F. v.) Ulrich’s Schreiben aus Victoria (Australien). V. 23. Hohen-
egger(L.). „Karte der Nord-Karpathen in Schlesien" u. s. w. V 131, 132. Hohmann
(0.). Kohlenbau von Turan. 501, 502. — Kreidegebilde des Schlaner Beckens. 514. Hörn es
(Dr. M.). „Die fossilen Mollusken des Tertiär-Beckens von Wien". 11. Band. (Bivalven.) V.
119,133, 274. Hof-Mi n er alien-Cabinet. Tertiäre Säugethiere von Pikermi. V. 286.
Hyrtl (Prof.). Ernennung zum k. k. Hofrath. F 259, 267.
Jäg e r (Dr. G ). Wiener Zoologischer Garten. 237. Jokely (Prof. J.). Nekrolog. V.
253, 254, 260, 261, 262. — Pflanzenreste im Basalt-Tuff von Alt-Warnsdorf 379. — Pro-
fessur zu Ofen. F. 169, 253. — Quader und Pläner des Bunzlauer Kreises. 367. — Riesen-
gebirg in Böhmen. 396, F 59. — Rothliegendes im Jiciner Kreise. 381, V. 29. — Stein-
kohlen-Ablagerungen, Rothliegendes und Kreide im Königgrätzer Kreis. V 169.
Kahlik (Frau Jos.). Geschenke an die k. k. geologische Reichsanstalt. V. 118, 225,
259, 293. Kies er (Präsident). Betheilung mit dem Oesterreiehisch - kaiserlichen Leopolds-
Orden. F. 259, 267. Kitz (A.). Kahlengehirg von Schlan. 496, Kleszczynski (Ed.).
Eruptive Gesteine und natürliche Cokes. V 19. Kofistka (Prof.). Höhenmessungen im
Prager Kreis. 519. Kotz (Freiinnen Ernestine und Louise). Geschenke an die k. k. geolo-
gische Reichsanstalt. V. 133, Kraus (J. B,). „Montan-Handbuch des Oesterreiehischen
Kaiserstaates." F. 22, 23. — „Sammlung montanistischer Gesetze und Verordnungen." V 152.
Krejci (J.). Geologie von Prag und Beraun. 223. — Sammlung böhmischer Silur-Petrefacte
für die k. k. geologische Reiehsanstalt. V. 128. — Silurisehe Colonien in Böhmen. 250, 251,
253, 254, 257, 258. Kutsehker (J. H.). Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt.
V. 125.
I^archer (Aut.). Steinkohlen-Bergbau von Kolec. 444, 447, 448, 449. Leinmüller
(Jos.). Geschenke an die k. k. geologische Reichsanstalt. V. 53. Lenaz (Ant.). Rettung der
Expedition der k. k. geologischen Reichsanstalt bei einem Seesturrn. U. 255. Leonhard
(K. C. v.). Nekrolog. V. 16?. Lepowski (M.). Aufnahmen in der Militärgrenze. V. 298.
L e t o c h a (A.). Geschenke an die k. k. geologische Reiehsanstalt. V. 63. — Palaeomeryx
und Schildkröte aus dem Nussdorfer Tegel. V 287. L i g e r (C. W.). Geschenk an die k. k.
geologische Reiehsanstalt. V. 246. Li 11 v. Lilienbaeh (Max). Geschenk an die k. k.
geologische Reichanstalt. V. 299. Lipoid (M V.) Aufnahmsreisen in Böhmen. 234, 238,
252, 288. — Banande’s silurisehe Colonien in Böhmen. 1, 4, 11, 30,64 — Basalte von
312
Pcrsonen-Register.
Pardubitz. V 155. — Braunkohlen- und Galmei-Bergbau von Ivanic. V. 135. — Eisenstein-
Lager von Prasberg. V. 299. — Eisenstein-Lager der silurischen Grauwacke in Böhmen.
F. 175, 224. — Eruptive Gesteine und natürliche Cokes. V 19. — Erz-Lagerstätten von
Raibl. F 292. — Gänge des Giftberges. F 195. — Gesteine aus Klein-Asien. F. 299. --
Grauwacke (silurische) in Böhmen. F 284. — Jokely’s Abhandlung über das Riesengebirg
in Böhmen. F 59. — — — über das Rothliegende in Böhmen. F. 29. — Karte (geolo-
gische) von Böhmen. F. 68. — Kreide im Prager und Bunzlauor Kreis. F. 48. — Mineralien
und Petrefacte, der k. k. geologischen Reiehsanstalt eingesendet. F. 118. — Olmütz und
Umgebung. F 19. — Parallelisirung der Silur-Schichten in Böhmen und England. F. 284,
285. — Pardubitz, Königgratz, Neu-Bidsow, Königsstadtl und Elbe-Teinitz. F. 105. —
Petrefacte von Hohenelbe und von Vils. F 225. — — aus Mähren. F. 3. — Rolhliegen-
des in Mittel-Böhmen. F 30. — Steinkohlen-Gebiet im nordwestlichen Theile des Prager
Kreises. 431. Lissaboner k. Akademie. Abhandlungen und Annalen. F. 298. Londoner
Geologische Gesellschaft. Preisvertheilungen und Jahreswahlen. F 38, 209. Lyell
(Sir Ch.). Theorie der silurischen Colonien. 50.
Maier (K.). Sammlungen von tertiären Petrefacten. F. 121. Maly fR.). Analyse
eines Harzes aus Neu-Seeland. F 4. Mar yska (Pfarrer). Geschenk an die k k. geolo-
gische Reichsanstalt. F 80. Maskelyne (N. St.). Meteoriten des Britischen Museums.
F 244. Merck (Freiherr). Kryolith. F. 86, 118. Mojsisovics (E. v.). Hierlatz-Schich-
ten. F. 291. M ü 1 1 e r (Dr. Ferd.). Liger’s Karte der Colonic Victoria (Australien). 1.246.
— Tertiär-Petrefacte aus Ballaraat (Australien). F. 80. M ü 11 n e r (L)r. F.). Petrefacte von
Radmannsdorf. F 118. Murchison (Sir R. J.). Theorie der silurischen Colonien. 53. —
Excursionen im Silur-Gebiete von Böhmen. F 268, 269, 270.
Na tu r fo rscli er - Versam m 1 u ng zu Karlsbad. F. 272. Naumann (Prof. K.)
„Handbuch der Geologie“, 2. Band, 2. Abtheilung. F. 259. Nechay v. F e I s e i s (J.). Ge-
schenk an die k. k. geologische Reichsanstalt. F. 246.
Oldh am (Th.) Abbildungen fossiler Pflanzen aus Ostindien. F. 80. — Geologische
Aufnahme von Ost-Indien. V. 244, 245.
Partsch (P.). Ammoniten im Dachschiefer. F. 46. Paul (K. M.). Aufnahmsreisen
in Böhmen. F. 234, 239, 253, 295. Rhätisehes, Jura und Lias des Bakonyer Waldes. F. 226.
— Verrucano und Werfend* Schiefer des Bakonyer Waldes. F. 205. — Pa vai (Dr. AI. v.).
Nördliches Siebenbürgen. F 194. Peters (Dr. K.). ßaranyer Comitat. F. 58. — „Geolo-
gische und mineralogische Studien aus dem südöstlichen Ungarn.“ F. 101. Pichler (Prof.).
Fauna der Hierlatz-Schichten in Tirol. F. 130. — Gcognosie Tirols (zur) 531 . — Haller
Salzberg. F 194. — Posepny (Franz). Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt.
F 226. — Karte des Mittellaufs der Lapos. F 192, 193. Polytechnische Institut
(Geschenk der k. k. geologischen Reichsanstalt an das Wiener k. k.). F. 280. Porlh (E.).
Kupfer-Lagerstätten von Rochlitz. 413. - Rothlicgendes im Jiciner Kreis. 381, 388, 391.
O u a g 1 i o. Hauyinfels von Ditro. F. 64.
Rainer (Erzherzog, kais. Hoheit). Besuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. F. 93
Reuss (Prof. A. E.). Rakonitzer Becken. 485, 491, 496, 504. — Kreidegehilde in Böhmen.
511, 514. Ribeiro (Don Carlos). Sendung nach Wien. V. 98. — Umgebung von Lissabon
(Geologie und Hydrographie der). F. 298. R i c hte r (Jos.). Betheilung mit dem silbenen
Verdienstkreuz mit der Krone. F. 71, 72, 92. Richthofen (Freih. Ferd.). Kalk-Alpen von
Vorarlberg und Nord-Tirol. 87. — Schreiben aus Calculta. F. 244, 245. Roche 1 (A.).
Gesteine aus Klein-Asien. F. 299. Römer (Prof Ferd.). Rotlier Marmor von Ki ritein. F. 69.
— Silurisches in Galizien. F. 294, 295. Roki tansky (Prof.). Ernennung zum k. k. Hof-
i ath. F 259 , 267.
S§apetza (Joseph). Chrysolith von Hotzendorf. F 74, 80. — Petrefacte für die k. k.
geologische Reichsanstalt. F 118. — Pseudomorphosen nach Aragonit. F 86. Schaum-
burg-Lippe (Prinz Wilhelm zu). Besuch der k. k. geologischen Reiehsanstalt. F 62.
— Geologische Begehungen. F 175. Schmerling (Seiner Exc. Ritter Anton von). Besuch
der k. k. geologischen Reichsanstalt. F 185, 266. Schmidt (C.). ßodenkarte von Mähren.
F 189, 190. Schmidt (J.). Kohlenbaue von Buschtehrad-Kladno. 473. Schott (Ferd.).
„Notizen über geognostisch-bergmännische Vorkommen im Krakauer Gebiet“ u.s.w. F. 85,86.
Schupansky (G). Kohlenbau von Rakonitz. 491, 504, 509. Schwabenau (Hofrath von).
Petrefacten -Sammlung. V. 67. Seifert (A.). Geschenk an die k. k. geologische Reichs-
anstalt. F 225. Sella (Q ). Programm der geologischen Aufnahme von Italien. F. 305,306.
S enarmont (G. de). Ableben. F. 260. Senoner (Ad.). Betheilung mit dem k. griechi-
schen Erlöser-Orden. F 99. — „Ueborsicht der Sammlungen der k. k. geologischen Reichs-
anstalt“. F 99. Seyffertitz (Freiherr K.). Granit aus einem erratischen Block. F. 189.
Seykotta (M. A.). Steinsalz -Production von Wieliczka. F 87. Siineftinger (M.).
Geschenk an die k, k. geologische Reichsanstalt. F 245, 246. — Petrefacte von Mährisch-
Trübau. F 297. Sorby (H. C.). Mikroskopische Struetur der Krystalle. V. 9. Spinelli
Orts-Register.
313
(J. B.). Ammoniten aus dem Medolo. V 166. S ta ats-Mi nisterium (k. k ). Werk über die
Wasserversorgung der Stadt Wien. V. 7. Stäche (Dr. G.). Aelteres Tertiäres im west-
lichen Siebenbürgen. V. 5, 6. — Aufnahmsreisen in Dalmatien. 235, 240, 241, 257, 271.
— Basalte des Bakonyer Waldes. V 145. — Eocenes des Bakonyer Inselgebirges. V. 210.
— Jüngeres Tertiäres des Bakonyer Waldes. V. 124. — Petrefacte aus dem Lapos-Gebiet.
V. 226. — Quellengebiet der kleinen Szamos. V. 31. Stamm (Dr. Ferd.). Phosphorit in
Oesterreich. V. 190 Steiermärkischer Naturwissenschaftlicher Verein zu Gratz.
V. 305. Stoliczka (Ferdinand). Aelteste menschliche Ueberreste. V. 160. — Aufnahms-
reisen in der Militärgrenze. V 235, 239, 210, 254, 256. — Geologische Aufnahme von Ost-
indien (Anstellung bei der). V. 285. — Jung-Tertiäres im südwesllichen Ungarn. V. 217.
— Krystallinische Schiefer im südwestlichen Ungarn. V. 114. — Oguliner und Szluiner
Regiments-Bezirke. 526, V 285. — Tertiäre Petrefacte der Süd-Alpen. V 16. Straßhey.
(General R.). Trias-Petrefacte aus Ost indien. V. 258. Stur (D). Aufnahmsreisen in
Croatien. V. 234, 240, 256. — Fossile Pflanzen. V. 140. — Karte der Umgebungen Wiens
(neue Ausgabe der Czjzek’schen). V. 102. — Landstrich zwischen Drave und Save. V. 115.
— Neogenes im westlichen Slavonien. 285. — Pflanzenresten der k. k. geolog. Reichsanstalt
(Ordnung djr Sammlungen von). V. 99, 100, 276. — Sibirisches in Galizien. V. 294. —
Südliches Siebenbürgen. V. 12, 13. — Tertiäres im südwestlichen Siebenbürgen. V. 59, 60.
— West-Slavonien. V. 200. Suess (Prof. E.). Boden von Wien (Werk über den). V. 217.
— Keltische Alterthümer in Nieder-Oesterreich. V. 163, 164. — Schreiben aus London.
V. 258. — Sibirische Colonien in Böhmen. 55, V. 153. — Tertiär-Säugethiere von Pikermi.
V. 286. — — des Wiener Beckens. V 287.
Xch^hatchef (P. v.). Vesuv im December 1861. V. 179. Trzeciecki. Naphtha-
Quellen in Galizien. V. 197. Turczma novicz (P.). Steinsalz mit Trüffelgeruch. V. 8.
Ulrich (G.). Schreiben aus Victoria (Australien). V 23. Unger (Prof. C. von
Ettingshausen’s Reclamation gegen Prof.). V. 151 Ussner (Al). Wiener Zoologischer
Garten. V. 237.
W e r n e r-Ver e i n. Jahresversammlung. V. 189, 190. Wiener k. k. Geographische
Gesellschaft. Uebertragrng der Sitzungen in das k. Akademie-Gebäude. V. 72, 92,
Wiener Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse.
Gründung. V. 55. Wilczek (Graf Job.). Wiener Zoologischer Garten. V. 237. Wlach
(J. C.). Bohrungen in den Steinkohlen-Schichten von Kolcc. 445. Woldfich (Dr. J. N.).
„Beiträge zum Studium des Beckens von Eperies“. V. 46. — Tegel-Petrefacte von Olmütz.
V. 304. Wolf (H.). Arader Gebii gsarten. V. 22. — Aufnahmsreisen in Böhmen. 234,
239, 253, 254, 303. — Brünn, Boskowitz und Olmütz. V. 19, 20, 21. — Chrudimer und
Königgrätzer Kreis. V. 303. — Durchschnitte des Untergrundes von Wien. V. 8. — Elisabeth-
Westbahn (Profil der). V. 223. — Goeppert und Römer (Miltheilungen der Prof.). V. 69.
— Köros-Thal. V. 14. — Mastodon (Reste von). V. 22. — Petrefacte von Mährisch-Trübau.
V. 297. — Tertiäres und Diluvium zwischen Olmütz und Brünn. V 51. — Vrdnik-Gebirg.
V. 158. — Warasdin-Kreutzer und St. Georger District, V. 215. — Warasdin-Teplitz und
Kalniker Gebirge. V 227.
SB enger (Prof. C. W.). Geschenk an die k. k. geologische Reichsanstalt. V. 10.
Zepharovich (Prof. V. v.). „Erläuterungen zur Sammlung für das Studium der Eigen-
schaftslehre“. V. 18. Zippe (Prof. F. X. M.). Glückwünschungs-Schreiben der k. k. Geolo-
gischen Reichsanstalt. V. 1. Zirkel (Dr. Ferd.). Massengesteine des Melcghegy. V. 121.
Zittel (Dr. K.). Aufnahmsreise in Dalmatien. V 240,241,271. Zollikofer (Th. v.).
Nekrolog; V. 264. — SüdöstJ. Ober-Steiermark. 311. — Tertiäres Becken von Gratz. V. 11.
II. Orts-Register.
Abbeville (Frankreich). Feuersteine (verarbeitete) im Diluvium. V. 160, 161.
Achen-Thal (Tirol). Geologischer Bau. 155, 156. Aflenz-Thal (Vorarlberg). Trias
und Lias. 92, 93. Algäu (bayerisches). Gebirgsbau. 125. Almejur-Tha! (Vorarlberg).
121. Alpen. Megalodus-Arten. V. 130. —(südliche). Eocene Petrefacte aus Basalt-Tuff.
V. 16, 17. — (Gümbel’s Werk über die bayerischen). V. 39, 243, 244, 280, 281. Alpcr-
sehon-Thal (Tirol). Profil der Trias. 117,118. Alsohagymäs (Siebenbürgen). Tert.
Petrefacte. V. 194. Al t- Warns d or f (Böhmen). Flora des Basalt-Tuffes. 379. Andels-
buch (Vorarlberg). Profil nach Tamüls. 176. Arader Comitat (Ungarn). Gebirgsarten.
V. 22. Arlberg (Tirol). Trios und Lias. 87,99, 100, 101. Arpad (Ung,). Cardien der
Congerien-Schichten. V. 121. Atzgersdorf bei Wien. Mastodon. V. 22. Au (Vorarlberg).
Jurassisches. 163. Auekland (Neu-Seeland). Harz aus der Braunkohle. V 4. Australien.
314 Orts-Register.
Goldfelder. V. 23, 24, 25. — Petrefacte. V 80. Avanza-Graben (Venet.). Fahlerze.
V. 107, 108.
Back-Creek (Neu-Holland). Goldgebiet. V. 24. Bakonver Wald (Ungarn).
Basalt. V. 145. — Eocenes. V. 210. — Geologischer Bau. V. 76, 77, 84, 124, 145, 164, 205,
210, 226. — Jura, Lias und Rhiitisches. V. 226 — Petrefacte. V. 67, 77. — Tertiäres.
V. 124, 210. — Trias. V, 164. — Verrucano und Werfener' Schiefer. V. 205. Balan
(Siebenbürgen). Hauyinfels. V. 64. Banat. Geologische Aufnahme. I’. 62. — Geologische
Karte der Staats-Eisenbahn- Domänen. V. 152. — Lias (kohlenführender). V. 214. Bara-
nyer Comitat (Ungarn). Geologische Beschaffenheit. V. 58. Baumgarten. Braunkohle,
Probe. 534i Bayreuth. Fossile Pflanzen. V. 143. 144. Beat e ns gluck- Grabe (Pr. Schle-
sien). Steinkohle. V. 139. Belec (Böhmen). Silurisehe Colouie. 24, 32, 35. Belvedere zu
Prag. Durchschnitt. 250. Beneschau (Böhmen). Grauilgebirg. U. 61. Benkovaz (Sla-
vonien). Neogener Tegel. 288. Be raun (Böhmen). Geologische Aufnahmen. 223. Berchtes-
gaden (Gebirg zwischen Seef-dd, den Alpen von Salzburg und). 144. Bernhards-
Thal (Tirol). Algäu-Schichten. 127. Berszaszka (Militärgrenze). Braun- und Steinkohlen,
Proben. 70, 71. Bes ko (Galizien). Naphtha-Quellen. U. 196 Bethlcn (Siebenbürgen). Reste
von Hirschen. V. 194. Betzeck (Vorarlberg). Durchschnitt. 182. Bezau (Vorarlberg). Profil
nach Andelsfluh und Tainüls. 176, 185. Bi rtu I tau (Pr. Schlesien). Kohlen, Probe. F. 534.
B i s tri t z a-G r a h e n (Steierm.) Profil. 333. Blacko (Simonien). Braun-Eisenstein. V. 117.
ßludenz (Vorarlberg). Trias und Lias. 87, 89, 90, 92, 93. B o c k b a c h - T h a I (Tirol).
Lias. 120. Böhmen. Araueariten im Rot Mietenden. V. 30. — Colonien in dei S lur-Forination.
1, 7, 11, 30, 53, 55, 64, 207, 208, 247, 250, 251. 253, 258. — Eisenstein-Lager in der
Silur-Grauwacke. V. 175. 176, 224. - Geologische Aufnahme V. 54, 68, 7 i, 73, 75, 76,
81, 93, 94, T05, 127, 219, 221, 234, 238, 239, 252, 253. V. 260. 288, 295. — Kreidegebilde.
511 — Riesengebirge. 396. — Silurisehe Gebilde 4, 60,223. V. 72, 73, 75, 128, 128,
129, 153, 175, 176, 224, 269, 270, 284. Grauwacke. V. 284. — Siiur-Peli e-
facte. V. 129. Böhmisch -Bio d. Rothliegeudes. V. 30. Bos ko w i tz (Geologie des Land-
strichs zwischen Olmutz, Bi unn und). V. 20, 21. Brandeisl (C »Innen). Bohrungen im
Steinkohlen-Gebirg. 448,451, 452. — Kohlenflötze. 450. Brauik bei Prag. Silurisehs.
276. Bras (Böhmen). Steinkohlen-Becken. V. 110. Brda-Gebirg hei Prag. Silurisches.
239. B re ge n z e r -A c h e (Vorarlberg). Durchbruch. 108, 109, 182. Breitensee hei Wien.
Fossile Pflanzen und Conchylien. V. 63. Brenten- Kopf (Tirol). Durchschnitt. 151 Bri-
1 o ff (Istrien). Braunkohle. V. 289. B rix I egg (Tirol). Hierlatz-Pelreläele. V. 130 Brodec
(Böhmen). Bohrungen im Steinkohlen-Gebirge. 447. Br o oder Gebirg (Slavonien).
AelteresNeogenes. 295, 296. Brünn. (Geologie der Gegend zwischen Boskowitz, Olmutz und)
V. 21, 22. — (Tertiäres und Diluvium zwischen Olmü z und). U. 49, 51. Brunnberg
(Böhmen). Ansicht. 402. B r u nnersdo r f (Böhmen). Steinkohle, Probe. 423. Bruska hei
Pi'ag. Silurisehe Colonie „Zippe“. 51, 55, 56, 59, 62, 64, 250, 251,253. ßunzlaiicr Kreis
(Böhmen). Quader und Pläner. 367, 373, 377. V. 48. Burzenland (Siebenbürgen).
Gebirgsbau. V. 20. Bustehrad (Böhmen). Steinkohkn-Formation. 446, 447, 454, 455,
465, 466, 467, 469.
Calcutt a. Schreiben des Freiherrn v. Riehthofen. V. 244, 245. C a m p b e 1 1 ’s G r e e k
V a 1 1 ey (Neu-Holland). Goldfeld. V 24. C an isfluh (Vorarlberg), Jurassische Gebilde. 163,
167, 175, 176, 177. Cer nositz (Böhmen). Silurisehe Colonie. 18, 19, 36, 39, 44. Cerwena
Hora (Böhmen). Felsit-Porphyr. 230. Chru dinier Kreis (Böhmen). Geologische Aufnahme
V 127, 295, 303. — Gneiss-Gebiet. V. 177. Gigei nik (Slavon). Süsswasser-Kalk. 298,
299. Cilli (Steierm.). Neogene Kohle. 340. — Porphyr. 354. — Sandstein des Leitha-Kalkes.
343. - — Tertiäres Becken. 318, 319, 320, 335. Clausthal. Grubemisse. V. 66. Cludinico
(Istrien). Triaskohle, Proben. 70. Croatien. Geologische Aufnahme. V. 79, 82, 94, 115,
123, 234. Csertest (Siebenbürgen). Goldstufen. V. 246. Czaslauer Kreis (Böhmen).
Geologische Aufnahme. V 127. — - Gneiss-Gehiet. V. 177, 178.
Daisy Hill (Neu Holland). Goldfeld. V. 24, 25. Dalaas (Vorarlberg). Profil. 96.
Dalmatien. Braunkohlen, Proben. 71. — Geologische Aufnahme. U. 221, 235, 241, 257, 271.
— Kreidegebilde. V 271. Daruvar (Slavonien). Trias. V. 202. Didamskopf (Vorarlberg).
Neocomes. 187. Ditro (Siebenbürgen). Hauyinfels. V. 64. D lug oszin (Galizien). Galmei-
Lagerstätten. V 85, 86. Dok es (Böhmen). Bohrungen im Steinkohlen-Gebirg. 463. Donati-
Berg (Steierm.). Profil. 314. Donau. Analyse des Wassers. V. 34. Dornbirn (Vorarlberg).
Granit in einem erratischen Block. V. 189. — Nunimulitische Gebilde. 199, 200. — Profil
gegen Gölzis. 181. Dr achen b urg (Steierm.). Profil- 333. Drau-Save-Gebirg (Steierm.).
Orographie. 313. Dfinow (Böhmen). Quader. 513. Dürrach-Thal (Tirol). Dolomit. 155.
Dvorec bei Prag. Silurisches. 249, 276.
JEggenburg (Nieder-Oesterreieh). Behauene Feuersteine. V. 163, 164. Eisenbrod
(Böhmen). Grünsteine des Riesengebirges. 407. Elbe-Teinitz (Böhmen). Krystallinisches
Gestein. V. 135. Elbin gen - Alp (Tirol). Trias und Lias 135. Eimen (Tirol). Jüngerer
Qrfs-Regisfer.
315
Lias. 140. E n gl and. Sibirische Sehichtenfolge mit der des centralen Böhmens parallelisirt.
F. 284. 285. Eperies (Ungarn). Tertiäres Becken. F 46. Euba (Königreich Sachsen).
Paradoxit. F 86. Europa. Eoeene Flora. F 149, 151, 152. — (B. v. Cotta’sWerk über die
Erz-Lagerstätten von). V 112,
Falgendorf (Böhmen). Melaphyr des Rothliegenden. 386. Feldkireh (Vorarlberg).
Kreidegebilde. 182. Fereskul (Galizien). Schwefelquelle. F 222, 223. Feuer stätter
Berg (Vorarlberg). Jurassisches. 164. — — Kreide. 186. Fogaras (Siebenbürgen).
Gebirgsbau. F 1, 2. Formarin (Vorarlberg). 96, 103. Freudenthal (Militärgrenze).
Chrom-Eisenstein. 421. Fuchsberg (Böhmen). Ansicht der Schneekoppe und des Brunn-
Berges. 402. Fünfkirchen (Ungarn). Geologie des Gebietes. F 58. Füred (Ungarn).
Myaciten-Schiefer. F. 206. Fulnek (Mähren). Gryphaea Cochlear. F 118. — Trichoma-
nites. F 70.
Galizien. Naphtha-Quellen, F, 196. — Sibirisches. F 294. — (östliches). Petrefacte
der Kalkgebilde am unteren Dniester. F. 69. Galzein-Thal (Tirol). Trias und Lias. 138.
Gars (Nieder-Oesterreich). Quellwasser. F. 107. Giess hü bei. (Böhmen). Syenit. F 303.
Giftberg (Böhmen). Eisenstein-Lager und Gänge. F 195. Gleinstetter (Steierm.). Glanz-
kohle, Probe. 69. Glei rsch -Thal (Tirol). Hallstätter-Kalk. 149. Glesenze (Vorarlberg).
Algäu-Schichten. 106. Graba ch (Vorarlberg). Trias und Lias. 99, 102, 119, 120. Gradac
(Slavonien). Krystallinisches Gestein. F 201. Gr a ts ch n i t z a - Gr a b e n (Steiermark).
Kalktuff. 353. Gratz. Tertiäres Becken. F. 11. 217. Gredistje (Slavonien). Braunkohlen-
Flötze. 292, 293. — Krystallinisches Gestein. F 201. — Nullipos en-Kalk 292. Greinburg
(Ober - Oesterreich). Glimmer, pseudomorph nach Cordierit. F 304. Gries au (Tirol).
Jüngerer Lias. 140. Grönland. Kryolith. F. 86, 118. Gross-Aupa (Böhmen). Kupfer-
Bergbau. 41 G, — Kupferkiese, Proben. 535. G ross -Göritz a (Croatien) Braunkohle.
F. 289. Gross-Kuh el bei Prag. Colonien, 211, 247, 257, 258. — Oberes Sibirisches. 278.
— Unteres Sibirisches. 257. Grub-Spitz (Vorarlberg). Trias und Lias. 103. Grünten
(Vorarlberg). Hebung der Kreideschichten. 191. Gurkfeld (Krain), Tertiäre Petrefacte.
F. 53. Gypsi-Tobl (Vorarlberg). Trias und Lias. 103, 105.
Hafner-Thal (Steiermark). Neogene Fauna. 343. Hall (Tirol). Geologischer
Bau des Salzberges. 147. — Pflanzenreste im Salzthon. F, 194, 195. Harrachsdorf
(Böhmen). Bleierze. 420. Harz (oberer). Grubenrisse. F 66. Haselberg (Nieder-
Oesterreich). Keltische Alterthümer. F. 164. Ha werna (Böhmen). Malakolith mit Kalk-
steinen. 408,417. H ei ligen kreu z (Steiermark). Neogenes Kohlenflötz. 346. Hideg-
küt (Ungarn) Werfener Schiefer. F. 206. Hinterau-Tha 1 (Tirol). Hallstätter Kalk.
149. Hiscow (Böhmen). Steinkohlen-Becken. 524. Hluboeep bei Prag. Silurische
Schichten. 32,272. H och-Fr eschen (Vorarlberg). Valenginien. 167,182. Hoch-Ifer
(Vorarlberg). Jura- und Valenginien-Gebilde. 167, 185, 187. Hoch-Krumbach (Vorarl-
berg). Trias und Lias. HO. Hoch-Nissel (Tirol). Durchschnitt. 151. Hochvogel
(Vorarlberg). Dolomit. 122. Höllen tobe] (Vorarlberg). Profil. 96. Hohenegg
(Steiermark). Profil. 325. Hobenelbe (Böhmen). Fährten eines Sauriers F. 118, 225,
294. — Geologie der Umgebung. F 76. — Granitit. 403. — Koprolithen. 535. — Petre-
facte. F 293,284. Hohenems (Vorarlberg). Nummuliten-Schichten. 199. — Profil
gegen die Hohe Kugel. 178. — Profil des Rhein-Thaies. 181. Hopfreben (Vorarlberg).
Störungs-Linie der Trias und des Lias. 115, Horn- Thal (Vorarlberg). Durchschnitt.
122, 123. Hostomnic bei Prag. Unteres Sibirisches, 239. Hotzendorf (Mähren).
Mineralien und Pseudomorphosen. V. 74. Housina-Berg bei Prag. Silurisches. 255.
Hronow (Böhmen). Steinkohlen-Ablagerungen. F. 169, 170. Hryniawa (Galizien).
Schwefel wasser. F 222, 223.
Jagma (Slavonien). Süsswasser-Kalk auf Lignit. 298. Jamnitza (Slavonien).
Mineralquelle. 534. Jaromiefic (Mähren). Tegel-Petrefacte. F 297. Jaworzno bei
Krakau. Steinkohlen-Formation. V 85, 86. Jenbach (Tirol). Hallstätter Kalk. 152.
Jerovec (Croatien). Braunkohlen-Flötze. F 138. Jeschkowitz (Steiermark). Grün-
stein. 359. Jessen ei (Böhmen). Braun-Eisenstein in diluvialem Lehm. 418. Jicin
(Böhmen). Geologie der Umgebung. F 76. Ji einer Kreis (Böhmen). Rothliegendes. 381.
Jilow (Böhmen). Melaphyr. 409. II 1 — Thal (Vorarlberg). Verwerfungs-Spalte des Trias
und des Lias. 92. Imst (Tirol). Südliche Grenze des Kalkgebirges. 135,136. Inns-
bruck. Trias und Lias. 144,147. Inn-Thal (Tirol). Trias und Lias. 135,136, 158.
Joachims t-hal (Böhmen). Chemische Aerarial-Fabrik. F. 272, 273. Johannesbad
(Böhmen). Warmquelle. 410. Iser-Fluss (Böhmen). Diluviale Lehme. 409. Italien
(Sella’s Bericht über die geologische Aufnahme von). F 306. Ivansica-Gebirg
(Croatien). Braunkohlen-Formation. F 136, 137. — Galmei-Bergbau. F 135. — Geologi-
scher Bau. F 82, 83, 135. — Lignit. F 216.
Ka is e r - B er g (Böhmen). Melaphyr des Rothliegenden. 386,387. Kai ser-Gebi rg
(Tirol). Hallstätter Kalk. 160. Kaiser-Thal (Tirol). Trias und Lias. 121. Kalna
310
Orts-Regisler.
(Böhmen). Saurier-Fährten. F 118, 225. Kalniker Gebirg (Croatien) Geologischer
Bau. V 229. Kamenitz (Böhmen). Braun-Eisenstein. 418. Kamensk y Verh (Böhmen).
Basalt. 517. Kamensko (Slavonien). Krystallinisches Gestein. F. 201. Kamp-Fluss
(Nieder-Oesterreich). Analyse des Wassers. V 107. Karbende I-Gebirg (Tirol). Hall-
stätter Kalk. 142. Kardo sr et (Ungarn). Adnetber und Jura-Schichten. V 228. Karlik
(Böhmen). Sibirische Colonie. 20,32,35,36,37,44. Karlsbad. Naturforscher-Versamm-
lung. V. 271, 272. Karlstadt (Militärgränze). Geologische Verhältnisse. 526. Karl-
stein (Böhmen). Oberes Silurisches. 256, 278, 279. Karpathen (nördliche) in Schlesien,
Mähren und Galizien, Hohenegger’s Karte. V 131, 132. Kaurzimer Kreis (Böhmen).
Geologische Karte. V. 5. Kiritein (Mähren). Rother Marmor. F. 69. Kis-Falud
(Ungarn). Granit. V. 122. Kladno (Böhmen). Quader. 515. — Steinkohlen-Bergbau. 474.
— Steinkohlen-Formation, 446, 460, 461, 462, 470. Kl ein- Asien. Gebirgsarlen. V. 299.
Klein-Aupa (Böhmen). Aufgelassener Bergbau. 416. — Malakolith mit Kalkstein. 408.
Klein-Borowitz (Böhmen). Stamm von Araucaria. 395. Klein-Kirchheim (Kfirnthen).
Katharina - Heilquelle. V. 79. Klcin-Prilep (Böhmen). Steinkoblen-Becken. F. 523.
Klein-Zell (Nieder-Oesterreich). Mineralwasser. 534. Kloster-Thal (Vorarlberg).
Trias und Lias. 92,93,97,98,99,101. Knappenboden (Tirol). Schichtenstörung der
Trias und des Lias. 124. Kogelanger (Steiermark). Eisenerze. 536. V. 300, 302.
Königgrä tzer Kreis (Böhmen). Kreidegebilde. 295. — Krystallinische Gesteine. V. 303.
Könnend (Ungarn). Neogener Schotter und Sand. V 84. Köröshegy (Ungarn). Hier-
latz-Schichten. F 228. Köros-Thal (Ungarn). Geologische BeschalTenheit. V. 14. Kohl-
berg (Steiermark). Eisenerze. 536. F. 300,302. Kolec (Böhmen). Steinkohlen-Formation.
444. 445, 446. Komorau (Böhmen). Gänge des Giftbergs. F. 195. Koneprus (Böhmen).
Oberes Silurisches. 30,281. Ko rno (Böhmen). Silurische Colonie. 27,32,35. — Unteres
Silurisches. 256. Koso r (Böhmen). Silurische Colonie. 18, 36, 39, 44. Koukolova Hora
bei Prag, Kalk des obern Sibirischen. 269, 270. Koväcs (Siebenbürgen). Eocenes.
V. 193, 226. Kozäkow (Böhmen). Basalt. 409. Kozinec (Böhmen). Stämme von Arauca-
rien. 393. Kra insch itza (Steiermark). Sclnvefclkies-Lager. 364. Krakau (geogno-
stisch-bergmännische Verhältnisse). F. 85, 86. Kralup (Böhmen). Steinkohlen-Snndstein.
437. Kronstadt (Siebenbürgen). Burzenländer Gebirg. F. 20. Kroucow (Böhmen).
Kohlenflötze im Rothliegenden. 509,510. — Quader. 515. Kü hj o c h -T ha I (Tirol).
Profil. 118. K ü nz I e - Spi tz (Vorarlberg). Dolomit. 107. K u fs te i ii (Tirol). Hallstätter
Kalk. 159. Kuheibad bei Prag. Bituminöser Kalkstein des obern Silurischen. 271,275.
— Plastischer Thon. 283. Kumreu tz (Steiermark). Neogene Fauna: 345. Kunetitzer
B erg (Böhmen). Basalt. F. 156. Kutjevo (Slavonien). Krystallinisches Gestein. V. 201.
Kutina (Slavonien). Paludinen-Kalk. 297. Kuty (Galizien). Schwefelquelle von Hryniawa.
F 222, 223.
I^aak (Steiermark). Gewundene Gailthaler Schiefer. 323. Laimser Joch (Tirol).
Kössener Schichten. 151. Lana-R u da (Böhmen). Steinkohlen-Formation. 480. Land eck
(Tirol). Trias. 116,119,135, 136. Lapos-Fluss (Siebenbürgen). Geognoslische Karte
des mittlern Laufes. F. 192, 193. Lasnitz-Graben (Steiermark). Porphyr-Brcccien. 356.
Lech-Thal (Tirol). Trias und Lias. 116, 119, 122, 125, 126, 135. — (Vorarlberg). Trias
und Lias. 103,104. L eilac h- S p itz (Tirol). Dolomit. 133. Leisherg (Steiermark).
Dolomit. 327. — Durchschnitt. 316. Lejskow- Berg bei Prag. Kalk des obern Silurischen .
269. Lepogl ava (Croatien). Braunkohle. V. 289. Lermoos (Tirol). Trias und Lias.
139, 140. Lewin-Oels (Böhmen). Meiaphyr des Rothliegenden. 387. Liccaner
Regiments-Bezirk (Militärgränze). Geologische Verhältnisse. V 298. Lichtenwald
(Steiermark). Profile. 326. Li eh wer da (Böhmen). Mineralquellen. 410. Limburg
(v. d. Binkhorst’s Werk über die Kreideschichten von). V 129. Lissa (Dalmatien). Wasser-
versorgung. F 257. Lititz (Böhmen). Granitgebirg. V 296. Litten (Böhmen). Silurische
Schichten. 31, 35, 37. L o b e c (Böhmen). Steinkohlen-Sandstein. 437. Lobko vic
(Böhmen). Kreidegebilde. 283. Lo mbar die (Curioni’s Werk über die Eisen-Industrie der).
V 47. London. Ausstellung von 1862. 301, V 97, 109, 183, 184, 185, 186, 220, 223,
231, 242, 243, 251, 265, 266, 268. — Meteoriten des Britischen Museums. V 244. Lubno
(Böhmen). Steinkohlen-Bergbau. 492,493, L ueta s e h-T h a 1 (Tirol). Trias und Lias. 140.
Madau-Thal (Tirol). Algäu-Schichten und Dolomit. 123, 137. Mähren. Mineralien.
V 80. — Petrefacte. F. 3, 4, 69, 70, 73, 74. — Pflanzen (fossile). V 69, 70. Mährisch-
Trübau. Graphit, Probe. V. 535. Maestricht. Petrefacte der obern Kreide. V. 129.
Maria-Dobie (Steierm.). Plutonischesf 357. Mariaschein (Böhmen). Braunkohlen.
V 289, 290. Maros-Thal (Ungarn). Gebirgsarten. V. 22. Martins wand (Tirol). Kalke
der Trias und des Lias. 145^ 146, 532. Ma schwitz (Böhmen). Rother Gneiss. 370. Mauer
bei Wien. Mineralquellen. 68, V. 56, 85. Mautern (Nieder-Oesterreich). Braunkohle
V. 290. Melbourne (Australien). Conchylien und Petrefacte. V. 80. — Geol. Karte. V 246.
Meleghegy (Ungarn). Granit. F. 111, 121,122. Mellen-Thal (Vorarlberg). Kreideschich-
Orts-Register.
317
ten. 185. Menchecourt (Frankreich). Petrefacte und keltische Alterthümer. F 161, 162.
Mic hei up (Böhmen). Exogyra Columba. Fi 118. Mil i tä r gr e n z e. Blei- und Eisen-Erze,
Proben. 71. — Geologische Aufnahme. F 54, 55, 79, 83, 94, 215, 221, 235, 240, 241, 242,
256. — Geologische Karten. F 62. Mir ö schau (Böhmen). Steinkohlen-Pflanzen. F 140.
M i s th a ufe n- B e r g (Vorarlberg). Dolomit. 105, 106. Mitter-See am Schaf-
berg (Ober - Oesterreich). Hierlatz-Schichten. F 292. Mnienau (Böhmen.) Littencr
Schichten. 30, 37, 266, 270. Mo Id au -Thal bei Prag. Silurisches. 248, 249, 259. Mon-
tavon (Vorarlberg). Trias und Lias. 90. M os 1 a v i n er G e bi r g (Slavonien) Congerien-
Schichten. 276, F 216. — Eruptives Gestein. F 216. — Krystallinisches Gestein.
Fi 215, 216. M o t o 1 (Böhmen). Silurische Coionie. 60, 64, 251,252,253. Mramor-Berg
(Böhmen). Kalkstein des obern Silurischen. 270. Müglitz (Mähren). Allophan. F. 245,
246. Murau (Steiermark). Roheisen, Analyse. 69, 70. Muttekopf (Tirol). Gosau-
Conglomerat. 138.
Wamlesser-Thal (Tirol). Dolomit und Kössener Schichten. 139,140. Nasse-
reith (Tirol). Dolomil. 137. — Trias und Lias. 140. Ne d wes (Böhmen). Oberes Roth-
liegendes. 383. Neu-Seeland. Fossiles Harz.- F 4. Neusohl (Ungarn). Mineralien und
Hüttenproducte. F. 10. Neutitschein (Mähren). Mineralien. F. 74, 80, 86. Niederndorf
(Tirol). Eocenes. 204. Nieder -Rochlitz (Böhmen). Kupfer-Bergbau. 413. — —
Phyllit. 401. Novska (Slavonien). Congerien-Tegel. 298. Nucic (Böhmen). Eisenerze
des Silurischen. F 225. Nussdorf bei Wien. Reste von Palaeomeryx und Cheloniern.
F 287.
©ber-Boskow (Böhmen). Grünsteine. 407. Ob er- Harz. Grubenrisse. F. 66.
O b e r - L ap u gy (Siebenbürgen). Tertiäres. F 59, 60. Ober -Rochlitz (Böhmen). Kupfer-
Bergbau. 413, 415. — Phyllit. 401. Öcs (Ungarn) Tegel mit Helix. F. 126. Oester-
reich (Kaiserthum). Kraus’s „Montan-Handbuch für 1861.“ F. 22, 23. — Parallelisirung der
Gebirgsarten und Formations-Glieder auf den Kronlands-Karten. F 287, 288. — Phosphor-
säurehältige Mineralstoffe. F 190. Ogriseg (Steiermark). Porphyr-Breccien. 356, 357.
Oguliner Regimentsbezirk (Militärgrenze). Geologische Verhältnisse. 526. Okucane
(Slavonien). Mariner Neogen- Mergel. 288. Olaszfalu (Ungarn). Brauner Jura. F 228.
Olimie (Steiermark). Eisenstein-Bergbau. 363. Olmütz (geologische Aufnahme der
Strecke zwischen Brünn, Boskowitz und). F 21, 22. — Tegel-Petrefacte. F. 394, 305. —
(Tertiäres und Diluvium zwischen Brünn und). F 51. Orlau (Mähren). Steinkohlen-Pflan-
zen. F 3. Orljava-Gebirg (Slavonien). Krystallinisches Gestein. F 115, 116, 200.
Neogenes. 291, 294, F 116. Trias. F 116, 201, 202. Orlitza - Gebirg
(Steiermark). Grünsteine. 359. — — Orographie. 317. — — Quer-Profil. 324. Osek
(Militärgr.). Congerien-Schichten. F 216, 217. Ost-Indien. Fossile Pflanzen. F 80.
— Geologische Aufnahme. F 244, 245, 285. — (Dr. Stoliczka’s Abreise nach). F 285.
Os trau (Mährisch-). Natürliche Cokes. F. 19. — Steinkohle. F 139. Ovar (Ungarn).
Braunkohle, Proben. 70.
Pakrac (Slavonien). Leitha-Kalk. 289. Pardubitz (Böhmen). Basalte. F 155,
156. Paris. -Unterirdische geolog. Karte. F 86, 102. — Wasserkarte. F. 102. Passek
(Böhmen). Quarzit - Schiefer. 407. Passeyer-Thal (Tirol). Trias und Lias. 124.
P e ck a (Böhmen). Versteinerte Stämme von Araucaria. 393, 394. PecsawaGura (Mähren).
Pseudomorphosen nach Analcim. F. 80. P e 1 e c h o w (Böhmen). Basalt. 409. Pertisau
(Tirol). Hallstätter Kalk und Dachstein - Dolomit. 152. Petneu (Tirol). Trias und
Lias. 117. P e tro w i tz (Böhmen). Bohrungen im Steinkohlen-Gebirg. 495. Petzei (Steier-
mark). Zinkblende der Gailthaler Schichten. 361. Pi kenn i (Griechenland). Tertiäre
Säugethier-Fauna. F 286. Platten-See (Ungarn). Basaltische Gebilde. F. 145. — —
Myaciten-Saridstein. F 206. Plumser Joch (Tirol). Dachstein-Dolomit. 153. Podle-
zin (Böhmen). Quader 515. Steinkohlen-Bergbau. 498, 499. Pölitz (Böhmen). Bucht der
Kreide in das Rolhliegende. F 173. Ponikla (Böhmen). Kalkstein mit Malakolith. 408.
— Graphit. 419. Po ruber Berge (Böhmen). Gneiss-Granit. F 296, 297. Pozeg
(Slavonien). Braunkohle. 286. — Conglomerat. 285, 286. — Leitha-Kalk. 286, 289, 294, 295.
— Tertiäre Kessel. F 83, 116. Pozegan er Gebirg (Slavonien). Geologischer Bau. 285,
286, 287, F 115, 116. Krystallinisches Gestein. F 200. Schiefer. F 203, 204.
— — Tuffe des Felsit-Porphyrs. F 116, 204. Prag. Alluvien. 284. — Diluvium. 283.
— Kreidegebilde. 282. — Silurische Schichten. 51, 52, 223, 239. Prager Kreis.
Basalt. 517. Diluvium. 517. Höhenmessungen. 519. Kreidegebilde. 511, 516,
F 48. Rothliegendes. 507. Steinkohlen-Becken (isclirte). 528. Steinkohlen-
Gebiet. 433, 435, 502, 503. Prassberg (Steiermark). Eisenstein-Lagerstätte. F 299.
Prazalans (Vorarlb.). Schutthalde. 91- Pf i ch owitz (Böhmen). Quarzit-Schiefer. 407.
P r z i w o s (Mähren). Natürliche Cokes. F 19. Pr o c o p i - T h a 1 bei Prag. Grünsteine. 273.
Silurische Schichten. 52, 271. Puszta Bany Hä za (Ung.). Eisenerze, Probe. 533.
Puszta Forma (Ungarn). Eocene Mulde im Esino-Dolomit. F 77.
K. Ic. geologische' Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandl sngea.
rr
318 Orts-Register.
Q u e e n to w n (Australien). Oolith-Pflanzen. F. 28. Quittein (Mähren). Allophan
V. 245, 246.
fikadmannsdorf (Krain). Gailthaler Pelrefacle. I. 118. Radotiu (Böhmen).
Siliirisehe Colonie. 16, 39, 44. Rndowenz (Böhmen). Steinkohlen-Ablagcrungen. F. 172,
174. Raihl (Kärnten). Blei- und Zinkerz-Lagerstätten. F. 292. — Zinkblende-Schliche,
Proben. 534. R aj h oti-Pass (Ost-Indien). Triassische Petrefacte. V. 258. Rajmahal-
Hüge] hei Calcutta. Fossile Pflanzen. F. 80. Rakonitz (Böhmen). Steinkohlon-Forma-
tion. 485. Rank weil (Vorarlberg). Kreidegcbilde. 183. Rann (Steiermark). Tertiäres
Becken. 321, 322, 352. R ap i tz (Böhmen). Quader. 515. — Steinkohlen-Flötze. 466, 467.
R e hhorn-G ebirg (Böhmen). Alter Bergbau auf Gold. 419. Reichenberg (Steier-
mark). Neogene Kohle. 350,351. — - Tertiäres Becken. 321,349,350. Reinerz (Böhmen).
Krystallinische Gesteine. V. 303. Repu sni ca -Thal (Slavonien). Paludinen-Kalk. 297.
Reschitza (Banat). Steinkohlen des Lias. F. 212. Reutte (Tirol). Trias und Lias. 13t),
131, 132, 133. Rhätikon. Flysch. 203. Rhein-Thal (Vorarlberg ’sche')- Durchschnitt
von Dornbirn bis Gölzis. 181. R i b n i c (Böhmen). Bergbau auf Kupfer. 415.416. Riesen-
Gebirg (böhmisches). Geologischer Bau. 396, F. 59. — Rothliegendes. F. 29. Riesen-
grund (Böhmen). Bergbau. 417. — Kalkstein. 408. — Porphyr. 409. Riss (Tirol). Trias
und Lias. 144, 149, 150. Rochlitz (Böhmen). Bergbau. 413, 415. — Malakolith -Kalk-
stein. 408. — Phyllit. 401. — Quarzit* Schiefer. 407. Rogoljc (Slavonien). Bryozoen-
Sand (neogener). 288. Rohitsch (Steiermark). Sauerquellen. 365, 366. Rokyean
(Böhmen). Sibirisches mit Sphärosiderif. F. 176. Ros e n a - G ebi r g (Stcierm.). Contact-
Gesteine. 357, 358. Eisenerze. 363, 364. — — Transversal-Durchschnilt. 318, 319.
R o th e n bru n n (Vorarlberg). Dolomit. 113. Rothe Wand (Tirol). Erdharzige Schichten
des Hallstätter Kalkes. 155. Roth wand (Vorarlberg). Adneth- und Dachstein-Kalk. 95,
105, 106. Rozdelow (Böhmen). Bohrungen im Steinkohlen - Gebirg. 462, 463, 465.
Rudenza-Gebirg (Steiermark). Eisensteine der Gailthaler Schichten. 362. — Orogra-
phie. 318,319. R u n gel in (Vorarlberg). Durchschnitt der Trias. 90.
Saladina-Kopf (Vorarlberg). Trias und Lias. 96. S ä I go Tarjan (Ungarn). Braun-
kohlen. F. 290. St. Egidi (Steiermark). Contaet-Gesteine. 357. St. Georgen (Sleierm.).
Profil des Vodrusch-Grabens. 356. St. Paul (Insel). Relief-Plan. F. 280. St. Peter
(Böhmen). Bergbaue. 420. — Kalkstein. 408. St. R o s a I i a (Steiermark). Porphyr-Breecien.
355. Sarka-Thal bei Prag. Thon-Eisenstein im Schalstein der azoischen Schiefer. 242,
243. Saserberg bei Bayreuth. Fossile Pflanzen. F. 143, 144. Schafberg (Ober-
Oesterreich). Geologischer Bau. F. 291, 292. — Seen. F. 292. Schafberg (Vorarlberg)
Trias und Lias. 97, 98. Schatzlar (Böhmen). Steinkohlen-Ablagcrungen. F. 76, 169, 170.
Schlan (Böhmen). Steinkohlen-Formation. 496,500. S c hl a n e r S a lz b e r g (Böhmen).
Basalt. 517, 518. — Quader. 514. Schlesien (k. k.). Bodenkarte. F. 189. 190. —
Hohenegger’s Karte der Nord-Karpathen. V. 131, 132. Schnan (Tirol). Trias- und Lias-
Schichtenfolge. 118. Schneekoppe. Ansicht vom Fuchsberg aus. 402. Schnepfau
(Vorarlberg). Kreidegebilde. 185. Schöpfendorf (Steiermark). Grossdorner Schichten.
331. S chrö e k en (Vorarlberg). Trias und Lias. 110, 112. Schruns (Vorarlberg). Trias
und Lias. 90. Schw adowitz (Böhmen). Steinkohlen, Proben. 68,69. — Steinkohlen-
Ablagerungen. F. 81, 82, 169, 171, 174. Schwarzenberg (Vorarlberg). Grenze des
Flysches und der Kreide. 182. Sch warzen thal (Böhmen). Alter Bergbau auf Gold. 419.
— Silbererze. 420. Sch warz-Kosteletz (Böhmen). Rothliegendes. F. 30. Schwatz
(Tirol). Trias und Lias. 150,151. S co ff le (Istrien). Braunkohlen. F. 289. Seefeld
(Tirol). Asphalt-Schiefer mit Fischresten. 142, 143. — Trias und Lias. 144. Seifen hach
(Böhmen). Meckschiefer. 401. S ei tzk 1 os t er (Steierm.). Querschnitt durch das Eocene. 339.
Senetz (Böhmen). Steinkohlen-Flötz. 491,494. Si bratsgfö 11 (Vorarlberg). Kreidegebiide.
185,186. Siebenbürgen. Braunkohle, Proben. 533.— Geologische Uebersichts-Karte. F. 102.
— (nordwestliches). Aelteres Tertiäres. F. 5, 6. — (südliches). Geologische Aufnahme.
V. 12, 13. Siegsdorf (Bayern). Seaphites der Gosau-Sehiehten. F. 3. Skalka in
Prag. Silurisches. 249. Skalka berg (Böhmen). Eisensteine des Silurischen. F. 177.
Sl anka men (Militärgrenze). Neogene Kalke. V. 160. S 1 attets c h e (Steiermark). Alter
Bergbau. 364,365. S l a vo ni e n (westliches). Eisensteine. F. 117. — Geologische Auf-
nahme. F. 115, 200. — Lignit. F. 117. — Neogenes. 285. Sl i vene c (Böhmen). Oberes
Silurisches. 273, 278. S m r c (Böhmen). Basalt. 409. Solstein-Gebirg (Tirol). Ideal -
Profil. 148. Somhegy (Ungarn). Rother Crinoiden-Kalk. V. 228. Sonn wend- Joch
(Tirol). Dolomit, Lias und Jura. 157. Speising bei Wien. Tertiär-Conchylien. F. 63.
Spindel mühle (Böhmen). Ansicht des Ziegenrückens und des Brennbergs. 402. Spojil
(Böhmen). Basalt. V. 156, 157. Spullers-See (Vorarlberg). Trias und Lias. 97,98.
-Stall er Alpe (Tirol). Durchschnitt. 151. Staner Jo ch" (Tirol). Trias und Alpenkalk.
531. Steierdorf (Banat). Kohlen-Eisenstein, Analyse. 533. — Steinkohlen des Lias.
F 212, 214. Steiermark (Ober-). Höhenmessungen. F 79. — (Unter-). Geologie
Orts-Register.
319
des südöstlichen Theiles. 311 . — (Naturwissenschaftlicher Verein für). V 305. Steinbrück
(Steiermark). Hydraulischer Kalk, Analyse. 535. Steinjöchel (Tirol). Trias-Durchschnitt.
137. Stög (Tirol). Dolomit. 126. — Trias und Lias. 119,121,125. Store (Steier-
mark). Porphyr-Breccie. 355. Stradonitz (Böhmen). Steinkohlen-Becken. 524. Stuben
(Vorarlberg). Trias und Lias. 100. Stubenbach (Vorarlberg). Störungen des Trias und
des Lias. 115. Studeny-Berg (Böhmen). Eisenerze im Sibirischen. V 177- Stupnaj
(Böhmen). Versteinerter Wald. 393. Sünser-See (Vorarlberg). Nummuliten-Schichten.
198. Suli gu li (Ungarn). Sauerquelle. 69,422, V. 85. Swarow (Böhmen). Komorauer
(silurische) Schichten. V 224. Swina (Böhmen). Steinkohlen-Becken. V 142, 143.
S z a m o s - Fl u ss e s in Siebenbürgen (Quellengebiet des kleinen). V. 31. Szluiner
Regiments-Bezirk (Militärgrenze). Geologische Beschaffenheit. 526.
T ab o r (Croatien). Porphyrische Breccien. 357. Taborer Kreis (Böhmen). Krystal-
linisehe Gesteiue. V. 5. Tamüls (Vorarlberg). Kreidegebilde. 176. Tapolcza (Ungarn).
Cerithien-Kalk. V. 125. Tarenz (Tirol). Trias-Durchschnitt. 137. Thannberg (Vorarl-
berg). Trias uud Lias. 110. Thann heim (Tirol). Trias und Lias. 130, 133. Tirol (nörd-
liches). Eocenes. 204. — Jurassisches und Kreide. 191, 196. — Trias und Lias. 115, 116.
Tirols („Zur Geognosie“). 531. Tobaj (Ungarn). Basalt. V. 218. T o b o 1 k a (Böhmen).
Oberes Silurisches. 281. Torre del Greco bei Neapel. Erhebung des Meeresgestades durch
den Ausbruch des Vesuvs. V. 182. Tot-Vaszony (Ungarn). Myaciten - Sandstein. V 206.
Treban (Böhmen). Silurische Colonie. 21,32, 33, 35, 36. Trennenberg (Steiermark).
Durchschnitt der eocenen Gebilde. 339. — Trachyte. 359. Trobenthal (Steiermark).
Neogene Kohle. 347. Truskawetz (Galizien). Gediegener Schwefel mit ßleiglanz. V 246.
Tsehern elitza (Steiermark). Porphyr und dessen Breccien. 355. Tugstein (Vorarlberg).
Kreide- und Nummuliten-Schichten. 179. Tyrn (Mähren). Sphenopteris sp. nova. V. 4.
UI m. Tertiäre Süsswas>er-Petrefacte. V. 9. Ungarn (südöstliches). Professor Peters’
„geologische und mineralogische Studien“. V. 101. — (südwestliches). Geologische Aufnahme.
V. 73, 76, 77, 78, 84, 94, 111. Geologische Uebersichts-Karte. Kill. Jüngeres
Tertiäres. V. 217. Urkut (Ungarn). Rother jurassischer Kalk. K 228.
Vadans (Vorarlberg). Verwerfungsspalte des Trias und des Lias. 92. Valdagno
(Venetien). Braunkohlen-Flölze. V 154, 155. Va 1 Tro m pi a (Lombardie). Ammoniten des
Medolo. V. 166. Veitlahm bei Bayreuth. Fossile Flora. V. 199. Ve len c z e r- G e b i r g
(Ungarn). Geologischer Bau. V. 121, 122. Velika (Slavonien) Halobien-Schiefer. V. 205.
VelkiVrh (Steiermark). Profil. 326. Vertes-Gebir g (Ungarn). Geologische Aufnahme.
K 76,77. Triassische Kalke. V 164. Vesuv. Ausbruch im December 1861. V. 179.
Victoria (Australien). Diamanten. V. 26, 27. — Edelsteine. V. 27. — Geologische Aufnahme.
V. 23, 26, 246, — Gold-Bezirke. V. 23, 24, 25. — Oolith-Pflanzen. V. 28. Vieh dorf (Oester-
reich). Braunkohle, Probe. 68. Vils (Tirol). Jurassischer Kalkstein. 193. — Petrefacte der
Amaltheen-Mergel und der Kössener Schichlen. V. 225. — Trias und Lias. 130, 131, 133.
Vitus-Berg (Nieder-Oesterreich). Celtische Alterthümer. V. 163. Vodru sch- Graben
(Steiermark). Profil. 356. Vomper-Thal (Tirol). Trias und Lias. 147, 148. Vorarlberg.
Flysch. 200. — Jurassisches. 160, 163. — Kreide. 160, 164, 174, 188. — Molasse. 204. —
Nummuliten-Schichten. 198. — Trias und Lias. 87. Vrb o vac (Slavonien). Hohle Geschiebe
im Leitha-Kalke. 290. Vrdnik- Gebirg (Militärgränze). Geologischer Bau. V. 158. Vucjak-
Thai (Slavonien). Schiefer mit Spuren von Gordius. V. 204, 205. Vucin (Slavonien). Leitha-
Kalk. 291, 292. — Traehyt. 291, 292, V. 116. Vy sehrad bei Prag. Azoische Silur-Schichten.
249. Vysoky-Ujesd (Böhmen). Azoische Silur-Zone. 235.
Wa cher-Gebirg (Steiermark). Eisensteine der obern Trias. 364. — Orographie.
315,319. — Quer-Profil. 316. Walser Kerle (Tirol). Dolomit und Trias. 126,129.
— Kössener Schichten. 127. Walser Thal (Vorarlberg). Trias und Lias. 105,106.
Wan neck (Tirol). Hallstätter Kalk. 141. Warasdin (Militärgrenze). Geologische Auf-
nahme des Gebietes. K 79, 83, 215. Warasdin-Teplitz. Geologie der Umgebung.
V 229. Warth (Vorarlberg). Trias und Lias. 110, 114. Weissenbach (Tirol). Trias und
Lias. 125,131,132. Weissenfluh (Vorarlberg). Kreidegebilde. 186,187. Welwarn
(Böhmen). Steinkohlen-Formation. 496,497. Westbahn (Kaiserin Elisabeth-). Geolo-
gisches Profil. V. 223. We tt erstei n - G e bi rg (Bayern). Kalk-Alpen. 142,144. Wid-
derstein (Vorarlberg). Dolomit der Trias. 107,109,110. Widum (Tirol). Trias und
Lias. 154. Wieliczka (Galizien). Steinsalz mit TrüfFelgeruch. V. 8. — Steinsalz-Produc-
tion seit 1772, V. 87. Wien. Berg- und Hüttenmännische Versammlung. V. 96. — Cokes
(Untersuchung der im Handel vorkommenden). V. 189. — Geologische Karte der Umgebung.
V. 102. — Kalksteine, Anal. 67. — Material zum Umbau des St. Stephans-Thurmes. V 2, 3.
— Wasserversorgung. K 7. — Zoologischer Garten. V. 237. — (Prof. Suess’s Werk über
den Boden der Stadt). V. 247. Wiener Becken. Analogie der Mollusken mit denen des
Tertiären der südlichen Alpen. V. 17, 18. — Wirbelthier-Reste. V. 285. — (Dr. Hörnes’s
Werk über die tertiären Zweischaler im). V. 119. W il d ens c h we rt (Böhmen). Gneiss-
320
Sach-Register.
Granit. V. 296. Wilki sehen (Böhmen). Kohlen, Probe. 67. Winaric (Böhmen).
Basalt. 517, 518. — Pläner. 376. Wi ndisc h-Landsberg (Steiermark). Eisensteine
von Olimie. 363. — Grossdorner Schichten. 331. 358. — Gränstein. 358. Winterstau-
den (Vorarlberg). Kleidegebilde. 185, 186. Wörgl (Tirol). Grenze der Trias. 160.
Wolesetz (Böhmen). Fossile Pflanzen. V. 31. Wolfsegg-Traunthal (Ober-Oester-
reich). Braunkohlen, Proben. 535. Wo 1 s a n bei Prag. Silurisches. 51,52. — Steinkohlen-
Schichten. 451. W o n o k 1 a s (Böhmen). Silurische Colonie. 20,36,39.44,219. Wolsch-
G e b i rg (Steiermark). Contact-Gesteine. 360,361. — Sauerquellen. 365,366. Wotwo-
wi tz (Böhmen). Höhenmessungen. V. 519. — Steinkohlen-Formafion. 437,438,440,443.
^Kagyva (Ungarn). Braunkohle. V. 290. Zalesczyky (Galizien). Mammuth.
V. 290. — Silur-Petrefacte. V. 294. Za vis (Böhmen). Azoische Silur-Schichten. 233.
Zbraslawitz (Böhmen). Gneissgebirg. V. 61. Zderetz (Böhmen). Melaphyr des Roth-
liegenden. 387. Zdice (Bölunen). Roth-Eisenstein im Sibirischen. V 224. Zebra k
(Böhmen). Komorauer Schichten. V. 224 — Sibirischer Quarzit. 244. Slcinkohlen-
Beeken. 524. Zehgrund-Bauden (Böhmen). Magnet - Eisenei z. 419. Zelezna
(Böhmen). Steinkohlcn-Becken. V. 524. Ziegenrücken-Berg (Böhmen). Ansicht. 402.
Zircz (Ungarn). Lias, Jura und Kreide. V. 67, 84. Zirl (Tirol). Baibier Schichten. 148.
Ziskaberg bei Prag. Untere (azoische) Silur-Schichten. 248. Zi t te r k I a p fe n (Vorarl-
berg). Dolomit des Trias. 107, 110. Zlaty kun (Böhmen). Silurisches. 281. Zsill-
Thal (Siebenbürgen). Geologischer Bau. V. 13. — Tertiäres. V. 60. Z ü rs s (Vorarlberg).
Trias und Lias. 99,100,101, 102. Zug-Spitz (Bayern). Geologischer Bau. 142. 143.
III. Sach- Register.
Acanthodes gracilis. 509. Acantho theu tis speciosa. U. 9. Acclima tisations-
G es e 11s chaf t zu Wien. V 237. Acer trilobatum. 379. Acerates Gucmbeli. V. 283.
Acida spis sp. 265. Acmaea mammillata. V. 45. Actaeonella gigantea. V. 7, 15.
Adiantit es Haidingeri. V. 143. Adnether (Lias-) Kalk des Bakonyer Waldes. V. 67, 227,
228, 229. — der bayerischen Alpen. V 42. — in gekrümmten Schichten. 95, 98, 104, 129.
— im nördl. Tirol. 120, 124, 127, 129. - in Vorarlberg. 95, 98, 101, 104, 127. A I e-
thopteris Brongniarti. V. 140 — nervosa. F. 143. A 1 gä u - S chi ch t e n im nördl.
Tirol. 12,129, 131. — in Vorarlberg. 93, 95, 98. 101, 104, 111, 112. — (gekrümmte).
95, 98, 129. Allophan auf Braun-Eisenstein. F. 245, 246. Alluvien der bayerischen
Alpen. V. 284. Al penkalk des croatischen Küstenlandes. U. 234. — (oberer) des Staner
Joches. 531. Ambrit. K 4, 5. Amethyst mit braunem Glaskopf. F. 80. Ammergauer
(Jura-) Schichten im nördl. Tirol. 131, 194. Ammoniten des Medolo. U. 166. — -Kalk
(rother) des Oxford. 194. Ammonites Achilles. V. 229. — acutangulus. F. 43. —
Alpino-liasicus. V 43. — Amaltheus. F 225. — Aon. F. 258. — asperrimus. 166. — Astie-
rianus. 195. — Ausseanus. F 258. — Berehtesgadensis. V. 40. — biflssus. F. 258. —
bifrons. F 46. — biplex. 163, 164, V. 229. — bullatus. F. 67. — elypeiformis. 165. —
convolutus. 164. — crassus. V. 168. — cryptoceras. 166. — Deverianus. F. 67. — dimor-
phus. F. 229. — Doetzkirchneri. V. 43. — Emmrichi. F. 43. — Erato. 528. — eueeras.
V. 43. — falcatus. F. 67. — fimbriatus. V. 168. — floridus. V 258. — Gaytani. V. 258. —
Gollevillensis. 173. — Grasianus. 195. — Haueri. V. 43. — Hermanni. V. 43. — hetero-
phyllus. V. 168. — Jamesoni. V. 228. — Infundibulum. 165. — Joannis Austriae. V 258. —
Kammerkahrensis. V. 43. — Koessenensis. V. 42. — Kudernatschi. V. 67, 229. — Lamberti.
164, V. 43. — Mantel li. V. 67. — margaritatus. V. 168, 225. — megastomus. V. 43. — Mille-
tianus. 173. — Mimatensis. V 168. — Partschi. V. 168. — parvulus. V. 40. — peramplus.
374, 514. — Pettos. V. 168. — Phillipsi. V 168. — planorboides. V. 42. — polyplocus. 538,
V. 3. — pseudoceras. V. 40. — pseudo-eryx. V. 40. — pseudo-planorbis. V. 40. — ptychoicus.
V. 67, 229. — radians. V. 168, 225. — Ragazzonii. V. 168. — Rhaeticus. V. 42. — Rhoto-
magensis. 514. — salinarius. V. 40. — Spinellii. V. 168. — stellaeformis. V. 43. — subfim-
briatus. 165. — subradiatus. V. 42. — Tatricus. V. 43, 168. — Taylori. V. 168. — tortili-
formis. F.42. — Trompianus. K168. — Zetes. V 168. — Zignodianus. 164, V. 229. — sp. 514.
A mp h ib ol- S ch ief er mit Magnet-Eisenerz. V. 288. Amphistegina Haueri. 291, 292,
295. — Haueriana. V. 305. — mammillaris. 292. A m pu 11 a r i a Vulcani. V 17. Anacho-
ropteris pulchra. V. 142. — rotundata. V. 142. Analcim in Basalt. V. 156. Anan-
chytes ovatus. 173, V 45, 157. A n ati na Rhaetica. F.42. Ancylo ceras dilatatum. 165.
— pulcherrimum. 165. — subsimplex. V. 45. — tenuistriatum. V. 45. A n n u 1 a r i a fer-
tilis. V 143. — longifolia. 382. — minuta. V. 142. Anodonta postera. V. 144. — sp. 297.
A n o m i a Nysti. V. 282. — sp. V. 182. An ormal- Ge s t eine in Unter-Steiermark. 353,
Sach-Register.
321
354. Anthophyllum dentato-lamellosum. F 40. Antilope brevicornis. F 217. —
Lindermayeri. F 286. Antimon (krystallisirtes). Fi 10. Erze im böhmischen Riesen*
gebirg. 413, 420. — — von Pinkafeld. V. 302. A p h a n i t (silurischer) in Mittel-Böhmen,
238. Aphlebia tenuiloba. F 142. Api o c r i n u s Alpinus. Fi 43. — annulatus. F 43. —
concentricus. V. 43. — elegans. Fi 43. — moniliformis. F 43. — plumosus. F. 43. Apor-
rha'is Pes pelecani. F 17. Ap ty ch en-K a lk in Vorarlberg. 165, 176. Schichten der
bayerischen Alpen. F 44. A pty c h u s Alpino-jurensis. F 43. — breviflexuosus. F 45. —
— decurrens. F 45. — Didayi. 143, 165, 166, 168, 176, 194, 195, Fi 44. — intermedius.
V. 43. — latecostatus. F 43. — latus. 195. — obliquus. F 45. — orbicularis. F 43. —
protensus. F. 43. — pumilus. F 43. — sparsilamellosus. F 43. — tenuis. F 45. — undatus.
F 45. Araucarien (Stamme von) im Rothliegenden. 392,394. Araucarites Agor-
dicus. F 31. — Cordai. 382. — cupreus. 393, F. 31. — Schrollianus. 382, 393, 395, F 30.
Area barbata. F 160. — canalifera. F 42. — carinifera. F 45. — Chiemensis. F 45.
— cylindracea. F 68. — globulosa. F 45. — nummulitica. F 282. — Piehleri. F 42. —
Rhaetica. V. 42. — Tirolensis. F 282. — undulata. 514. — sp. F 297. Archaeoteuthis
Dunensis. F 295. Ar et h usin a Konincki. 250. — sp. 265. A r g i o p e decoliata. 295. —
flabelliformis. F 282. — longirostris. F 282. — nummulitica. F 282. — pusilla. 295.
Arkose in Böhmen. 382, 389. — mit Araucariten-Stämmen. F 30. Arlberg (Trias-) Kalk.
90, 91, 98, 101, 104, 136. Arsen-Erze im böhmischen Riesengebirg. 413, 416, 417, 420
K i e s vom Riesengrund. 417. Asp i d o rhynch us sp. F 9. Asplenites alethopte-
roides. F 143. — angustissimus. F 143. — fastigiatus. F. 142. — Lindsayoides. F. 143.
— longifolius. F. 142, 143. — Radnicensis. F 142, 143. — similis. F 143. — Sternbergi.
F 142, 143. Asterigerina planorbis. F 305. Asterophyllites grandis. V. 141, 142,
— longifolius. F 141, 142. As t a r t e Rhaetica. F 42. — Calloviensis. F 43. Astraea
bifrons. F 45. — sp. F 124. A tractites Alpinus. F 43. Aufnahme (geologische) von
Italien. F 306. Ausstellung (Londoner). 301, 423, F 185, 186, 220, 231, 243, 251,
265,268. Avellana bistriata. F 45. — serrata. F 45. A v icuia contorta. 127, F 41,
144. — Escheri. 156. — intermedia. 156. — monopteros. F 282. — Portlocki. 156, F 225.
— retroflexa. F 295. — Venetiana. 527, F 206, 255. — sp. nova. F 48.
Bactrylli um Schmidti. 91. — striolatum. 127. Baculiten- Schichten auf
Pläner. 378, 514, V. 174. Baculites anceps. 514. — sp. 166. Baianus sp. F 124, 182.
Banksia sp. F 152. Basalt des Bakonyer Waldes. F 145, 147. — im böhmischen
Riesengebirge. 409. — in den Kreideschichten des Prager Kreises. 514, 516. — der Littener
Schichten. 265. — von Pardubitz. F 155. — am Platten-See. F 145. — im Quader des
nördlichen Böhmens. 377. — im Rothliegenden. 389, 390, F 29. — von Schlan. 518. — im
Steinkohlen-Gebiet des PragerKi eises. 517. Laven am Platten-See. F 147, 148. Tu ff
von Alt-Warnsdorf (Pflanzenreste im). 379. am Platten-See. F 147. im südwest-
lichen Ungarn. F 218. B au m s t amm (verkieselter). 345. Bausteine des St. Stephans-
Thurmes. F 2, 3. Belemnites bipartitus. 165, 166, 170. — dilatatus. 165,166, V. 20.
— latus. 165. — paxillosus. F 14. — semihastatus. 164. — subfusiformis. 170. Bel-
vedere- (neogener) Schotter. 287, F 217, 218. Betula sp. F 63. Beyrichia
Klödeni. F 294. Bergbau im böhmischen Riesengebirg. 410, 413,415,417,418,420,
F 59. — von Ober- und Nieder-Rochlitz. 413. — des obern Harzes. F 66. — von Ribnic.
414. Berggeist (Zeitschrift). F 39. Biflustra bipunctata. 295. Biloeulina
Lunula. 288. Blatt-Skelette der Dicotyledonen (C. v. Ettingshausen’s Werk über die).
F 101. Blei-Erze im böhmischen Riesengebirg. 413,416,417. — aus Klein-Asien.
F 299. — von Rai bl. F 292. — -Glanz mit gediegenem Schwefel. F 246. — in Unter-
Steiermark. 362, — (silberhaltiger), Proben. 71. Boden karte von Mähren und k. k.
Schlesien. F 189, 190. — Bohrungen im Steinkohlen-Gebirg des Prager Kreises. 438,
443, 444, 445, 446, 447, 448, 451, 452, 455, 458, 461, 462, 463, 480, 481, 482, 483, 489,
490, 493, 494, 495. Bos primigenius. F 161. — priscus. F 161. Braniker (untere
Silur-) Schichten. 52, 249, 276, 278, 281, F 284. Braun - Eisenstein von Blacko.
F 117. — der Gailthaler Schichten. 362. — metamorph aus Eisenkies. F 299. — ' in
neogenem Thon. 530. — von Prassberg. F 299. — Proben. 71, 533. — (manganreicher).
362. Braunkohlen aus Croatien. F 289. — von Ivanec und Jerovec. F 137, 138. —
von Mariaschein. F 289, 290. — von Mautern. F 290. — Proben. 68, 70, 71, 348, 423,
533, 534, 535. — in Slavonien. F 116, 117, 135, 137. — vonValdagoo. F 154, i 55. —
von Zagyva und Also-Tarjan. F 290. — -Flötz von Heiligenkreuz. 346. — — von Pozek.
286, F 117. — -Revier von Reichenburg. 350, 351. — — von Trobenthal. 347. —
-System (neogenes) von Unter-Steiermark. 340, 346, 356. Braunstein, Proben. 70,
535. Br d a - (unter- silurische) Schichten. 243, 248, F 285. B r ec ci e n (porphy rische)
im Rothliegenden. 388. — in Unter-Steiermark. 355, 356,357. Brennstoffe (fossile)
für die Londoner Ausstellung. 301,423. Bri quettes, Proben. 70, 71, 533. Bryozoen-
Schichten der bayerischen Alpen. F 44. — des Leitha-Kalkes. 295,341, 356. Bucci-
322
Sach-Register.
num Flurli. V. 283. — sp. F. 297. B u I i m i na elongala. V 305. — pupoides. 288. —
Pyrula. 288. — semislriala. V. 282. Bulla subalpina. F. 45. — utricula. V. 305. —
sp. V. 298. Bunt-Sandstein der bayerischen Alpen. V 40. Bythinia tentaeulata.
V 161, 162.
Calainites communis. 523. V 3, 140, 141, 142, 143. var. ramnsus. V. 141,
142. — Suckowi. F. 141, 142. varians. V 141, 142. — — tenuifolius. F. 142.
Transitionis. F 22. C a I a m o p hy 1 1 i a sp. F 17. C a 1 c a r i n a sp. F. 211. Callitrites
ßrongniarti. 290. Camelopardalis Altica. Ir. 286. C a n c e 1 1 a r i a sp. F. 297. C a p ro-
tin a ammonia. 171. F. 44. — gryphaeoides. 171. Ca pr ot i nen- (Kreide-) Ka 1 k in Vorarl-
berg. 170, 171, 179, 18 1, 182. 185. Schichten der bayerischen Alpen. F. 44, 45. Carcha-
r o d o n polygyrus. 341. — rectidens. 341. — subauriculatus. 341. Car dien des Wiener
Beckens. V. 120. C a r ö i n i a sublaevis. V. 42. Cardita Aniita. F. 282. — Austriaca.
V. 225. — crenata. 153, 532. — fibrosa. 252. — gibbosa. 252. — sp. F. 297. Cardin in
Alpinum. V. 42. — aperlum. 530, F. 120, 126, 216. 217, 218, 239 — Austriacum. 127, 156.
— Burdigalinum. F 120. — Carmintinuin. V 120. — conjungens. V. 120, 216. — Deshayesi.
341. — discrepans. F. 120. — echinatum. 341. — Emmriehi. F. 283. — granigerum F. 45.
-- gratiim. F 212, 226. — Haueri. 299. — Heeri. F 120, 283. — Helveticum. F 283. —
hians. F 120. — Hungaricum. 299. — haricum V. 283. — Kübecki V. 120. — latecostaium.
F. 120, 283. — obsoletuin. F 120, 218. — Oenannm. V. 282. — Paueri. V. 282. pUcatWD.
290, F 120. — Sandhergeri. ]T. 283. — sem'sulcatum. F 127. — subalpinum. F 283. —
tenuicostatum. F 283. -- Tirolense. F 282. — Vindobonense. 295, 343, V. 120, 125. —
sp. 299. Carpinus grandis. 379. — oblonga. 379. — sp. V. 63. Carpolites
costalus. F 142, 143. — Discus. V. 142. — Follieulus. r. 142. — lentiformis. F. 142, 143.
— microspermus. F 142. — Placenta F. 142. — pyrilormis. V. 142, 143. — sulcatus.
F 142. Carya Biliniea. 379. Caryophyllia granulata. F 42. Castanea
Kuhinyi. F 63, Casuarina Haidingeri. V. 151, 152. Caulerpites rugosus. F. 42.
Cellepora Coronopus. F. 194. — globularis. 291, 292, 295. Ce rat it es binodosus.
F. 84, 165, 271. — Cassianus. F 241. Ceriopora anomalopora. 295. — subglobosa.
F 282. Cerithien- (Neogen-) Kalk des Bakonyer Waldes. V. 124, 125. — -Sandstein
mit Resten von Mastodon. F. 22. Sc h i c h t e n in Slavonien. 287, 290, 294. Cerithiuin
calcaratum. F 17, 77, 212. — Castellinii. JT. 17. — Chiemcnse. V. 45. — combustnm. V. 17.
— Cornu copiae. K 6. — Diaboli. V. 226. — disjunctum. F 217. — giganteum. F 211.
— granuliferum. V 42. — lemniscatum. F. 212. — Luschitzianum. F. 157. — Maraschinii.
V. 17. — margaritaceum. 341, 342, lr. 6, 60. — multisulcatum. V 17. — pictum. 286,
287, 294, V. 125, 160, 217, 218. — plachostichum. V 283. - plicatum. 284, 341. - rubi-
ginosum. 286, 287, 289, 294, 344, V. 52, 160, 217. — Sandbergeri. V. 283. — trispinosum.
V. 42. — Zekelii. V. 45. — sp. 344. Cervus euryceros. V. 161, 162. — megaceros.
V 194. C h a b a sit in Australien. T. 27. Chaetetes undulatus. V”. 282. Cb a m a arietina.
V. 120. Cb am a e des Wiener Beckens. V. 119. Charasp. V. 6. Cheirurus insignis.
250. Ch e m n i t z i a azona. V. 42. — eximia. 152. — nodifera. lr. 40. — protensa. V. 42.
— pseudo-Vesta. V. 42. — Rosthorni. 149. — scalata. 134. — turritellaeformis. V. 42.
— sp. 149. Ckenopus Hiiringensis. V. 282. — Pes pelecani. V. 17. Chondrites
aequalis. 330, — alternans. V. 43. — brevis. V. 43. — longissimus. V. 45. — rnaculatus.
F. 42. — rectangularis. F. 45. — Rhaeticus. F. 42. — strictus. V. 43. — Targionii. 330.
— varians. V. 43. — vermicularis. F. 42. C h r o m- E i se n s t e i n von Freudenthal , Anal.
421. C hry s o 1 ith von Hotzendorf. F. 74. Cidaris basilica. F. 43. — biornata. V. 282.
— canaliculata. F 282. — cervicornis. F 282. — crateriformis. F. 282. — dorsata. V. 257.
— Klipsteini. F 41. — laeviuscula. F. 42. — pseudogerana. V. 42. — Rhaetica. F. 42.
— Sceptrum. V. 282. — striatopunctata. F. 282. — subaxillaris. F. 282. — undatocostata.
F 282. C i n n a m o m u m polymorphum. 379. C irce des Wiener Beckens. F 120. — exi-
mia. V. 120. Circophyllia Alpina. F. 42. Cladocora nummulitica. V 282. — sub-
alpina. F. 282. — sp. F271. Clymen ia sp. F. 21. Cly menien-Schichten in Mähren.
F. 69. Clypeaster grandifiorus. 290. Cokes, Proben. 67, F. 189. — (natürliche) durch
Einwirkung eruptiver Gesteine. V 19,20. Colonien in der böhmischen Silur-Formation.
1, 7, 10, 30, 40, 43, 55, 64, 207, 211, 247, 251, 253, 257, 258; V 149, 153, 206. —
(Barrande’s Theorie der). 40, 41, 207, 211. — (Petrefactenführung der böhm. Silur-). 9. 29,
32,41,45,46,54,57,63,252. Com pl anata-Bank. V. 211. C o n g e ri a Partschi. 345.
— spatulata. 530, V. 216, 218. — subglobosa. V 216, 256. — triangularis. F 126, 216,
239. — sp. 298, 299, 345. Congerien des Wiener Beckens. F. 121. — (Neogen-)
Schichten des Bakonyer Waldes. F. 127. — — mit Braun-Eisenstein. V 256. in
Croatien. 287, 296, 198. in Dalmatien. F. 239. der Militärgrenze. V. 216, 217.
in Unter-Steiermark. 340, 344, 352. Conglomerate des Basaltes am Platten-See.
F. 147. — des Leitha-Kalkes. 356. — des Pozeganer Gebirgs. 285. — des Rothliegenden.
381, F 29. — der Werfen er Schiefer. F. 300, 301. — (neogene) des Bakonyer Waldes.
Sach-Regisler.
323
V, 126. Conocl y pus conoideus. V. 84, 212. Co n oc rin us sp. 6. Co n tac t- Gest ei i« e
in Unter-Steiermark. 318, 323, 339, 333, 336, 337, 360, 361. Conularia grandis. V. 176.
Conus antediluvranus. F. 32. — Brocchii. 343. Corax sp. 341. Corbis granulato-
striata. V. 41. — lamellosa. V 68,211. — Mellingi. 332. Corbula astartea. V 282.
— carinatn. 344, V. 63, 160. — sp. 332. Cordai'tes borassifolius. 323, F. 142, 143.
Cordierit (Glimmer pseudomorph nach). V 304. Crania Kressenbergensis. V. 282.
— minutula. V. 282. Crassatella Oenana. F. 282. Crenella Deshayesiana. V. 282.
Cricopora divergens. V. 281. — favosa. V. 281. — tubulosa. V 282. Crioceras
ammonitiforme. V. 42. — annulatum. V 42. — debile. V. 42. — Duvaii. 163. — Bhaeticum.
V. 42. — Villersianum. 163. — sp. 193. Crisia Edwardsi. 288,295. C r i s i d i n a num-
mulitica. F. 281. — sparsi-porosa. V. 281. Cristellaria asperula. F. 282. — Cassis. 288.
— triquetra. F. 282. — sp. 288, C tenopty chius brevis. 309. Culm- (Steinkohlen-)
S ch i chten in Mähren. F. 19, 69. des Vrdnik-Gebirgs. V. 159. Cuninghamit.es
sphenolepis. F. 144. Cupressites Alpinus. F. 41. — liassinus. V. 144, 199. Cyathei'tes
Miltoni. V 141, 142, 143. — Oreopteridis. 382, F. 141, 142,143. — - — arboreseens. F. 141,
142. dentatus. F. 141, 142. — undulatus. V 141, 142, 143. Cy ath o p h y 1 1 u m
profundum. F. 42. — rhomboideum. V. 42. Cycloidei. 509. Cyelo p teris auriculata.
F. 142, 143, — orbicularis. V. 142, 143. Cyclostoma elegans. V 161. Cyphaspis
ßurmeisteri. 252. Cypraeasp. V. 63. Cy pri card i a Alpina. V. 42. — Transsylvanica.
V. 120. Cypris Faba. 345. — sp. V. 217. Cyrena Alpina.. V. 41. — gregaria. V. 282.
Cysto s ei ri te s Partschi. 287. Cytherea Bellemontana. V. 63. — elegans. V. 283. —
Rhaetiea. F. 42 — sp. 344. C y th ere ae des Wiener Beckens. V. 119, 120.
S> achschiefer im böhmischen Riesengebirg. 400. D a c h s te i n-B i v a 1 ve (Gümbel’s
Monographie der). F. 130. — (Lias-) -Dolomit in Nord-Tirol. 124, 129, 131, 133, 134,
136, 137, 148, 151. — — in Vorarlberg. 98, 101, 104. — -Kalk in Algäu-Schichien. 112.
des ßakonyer Waldes. V. 226. -in gekrümmten Schichten. 95. im nörd-
lichen Tirol. 127. (oberer) in Vorarlberg. 98,101. Dalmanites atavus. F7! 176.
— socialis. 245,250. Defrancia biradiata. V. 281. — deformis. 295. Demante der
Goldfelder von Victoria (Ausiralien). V 26, 27. Dental ina elegans. 288. — fusiformis.
V. 282. — inornata. 288. — pauperata. 288. Dentalium Mayeri V. 283. — medium.
V. 157. — multi-canalieulatum. V. 45. — quinquanguläre. F. 42. — speciosum. V. 282.
Desmodus sp. 509, D evoni sch es in Mähren. F. 21. Di adema nummuliticum. V 282.
Diastersp. F. 20. Di c o t y'l e d on e n (C. v. Ettingshausen’s Werk über die Blatt-Skelete
der). V 101. D i c ty o p teri s Brongniarti. F. 142, 143. D i I u v i a 1- L e h m im böhmischen
Riesengebirg. 409. — — in Unter-Steiermark. 352, 353. — — im westl. Slavonien. 296.
Schotter mit Naphtha geschwängert. 294, 295. im nördlichen Tirol. 205.
bei Prag. 283, 284. Terrassen an der Drave und Save. 299. bei Innsbruck. 145,
205. — — • zwischen Olmütz und Brünn. V 53. im Vorarlberger Rhein-Thal. 205.
Diluvium bei Abbeville. V. 160, 161. — der bayerischen Alpen. V. 283. — an der Iser.
374, 375, 409. — im mittlern Böhmen. 283, V. 106. — zwischen Olmütz und Brünn. V 52,
53. — im Steinkohlen-Gebiete des Prager Kreises. 517. — in Unter-Steiermark. 352, 353.
— (Blöcke von Silur-Kalk im). 284. Diorit (silurischer) in Mittel-Böhmen. 231, 233.
Diplodussp. 509. Dipl o stegium Brownianum. F. 143. D i p 1 oxyl o n elegans. V. 142.
D i s c i n a Suessi. F. 41. D isco hei ix Orbis. F. 130. D iscoi d ea Rotula. 173. Disco-
seris Rhaetiea. V. 42. D i sl oc a tio n e n der böhmischen Silur-Schichten. 1,17,18,27,
28, 32, 33, 37, 40, 61, 62,234, 348, 249,277, 278. Dolerit im Eocenen. 339, 366. Dolo-
mit zwischen Absam und der Martinswand. 532. — auf Algäu-Schichten. 113, 114. — des
Bakonyer Waldes. F. 166. — der bayerischen Alpen. V. 40, 41. — des Dachstein-Kalkes.
98, 101, 104, 124, 129, 332, 333, 334, V. 227. — an Flysch grenzend. 107. — durch Grün-
stein umgewandelt. 358. — des Kalniker Gebirgs. V. 230. — des Lias im nördlichen Tirol.
118. — der obern Trias. 360. — (Hallstätter). 316,324,325,326,327,350,358. —
(kiesiger) der Trias. 518. Domopora prolifera. 295. — stellata. 295. Donax parallella.
V 283. Do sinia orbicularis. F. 119. D o si n i ae des Wiener Beckens. V. 119. Dreis-
senasp. 286. Drift (goldführender) von Victoria (Australien). F. 24,25,26. Dryan-
droides hakeaefolia. 379.
Echinol a m p a s sphaeroidea. F. 68. — sp. V. 6, 84. E c h i n u s discoideus. V 68.
— sp. F. 194. Edelsteine der Goldfelder von Victoria (Australien). F. 27. Eisenerze
von Blacko. V. 117. — im böhmischen Riesengebirge. 418. — in Gailthaler Schichten. 342,
362, 363. — des Giftberges. F. 195. — im Hallstätter Kalk. 318. — von Kohlberg und Kogel-
anger. 536, V. 300. — in der Lombardie. F. 47, 48. — der obern Trias. 384. — von Prass-
berg. V. 299. — Proben. 422, 533, 536. — von Quittein. F. 245, 246. — in der silurischen
Grauwacke Böhmens. F. 175, 176, 195, 224. Eisen-Industrie der Lombardie (Curioni’s
Schrift über die). F. 47. Eisenquelle von Gars. V. 107. — von Mauer hei Wien. V. 56,
85. Elephas primigenius. 283, F. 161. Emys sp. V. 287. Enallastraea crassi-
324
Sach-Register.
columnaris F 282. Encrinus liliiformis. V 40. Eo eenes im Bakonyer Wald. F. 210,
211, 212. — der bayerischen Alpen. V 280, 281. — des Douati-Berges. 314. — im Lapo.s-
Thal.F 193. — im nördl.Tirol. 204. — im nordwesll. Siebenbürgen. V. 6. — inUnter-Stejermark.
334, 339, 346, 347, 336, 360, 361. — in Vorarlberg. 198. Eocen -Fauna der bayeri-
schen Alpen. F. 281, 282. Flora Europa’s (neu-holländischer Charakter der). F. 151.
— -Porphyrtuffe. 318, 338, 339, 356. Ephedrites Sotzkianus. F. 151, 152.
E q u u s fossilis. 517, F 162. Erdöl in Galizien. V. 196. Eruptiv-Gesteine im
Königgratzer und Chrudimor Kreis. F. 296. im Voslaviner Gobirg. F. 216. im
südwestt. Ungarn. F. 21 8. im westl. Slavonien. 291 293. (Vei cokung von Steinkohlen
durch). F 19. Ervilia Podolica. 294. — pusilia. 1'. 305. Erze aus Klein-Asien. F. 299.
E r z - L a g e r s t ä 1 1 e n im böhmischen Riesengebirge. 41 1, 414, 415, 419,420. F. 30, 59.
— — Europa’s (Professor von Cotla’s Werk über die). F. 112. von Raibl. F. 292.
in Unter-Steiermark. 361. Erzprob c n. 70, 71. Eschara bipunetata. 292. —
cervicornis. 295, F 194. — macroeheila. 295. — monilifera. 292. 295. — polystomella. 288,
295. — Reussi. 295. — undulata. 295. Escharina Mariana. F. 281. — Peissenbergensis.
F 283. Esino-Dolomitim Bakonyer Wald. F. 166. Kalk der bayerischen Alpen.
F. 40. Eugcniacrinus Alpinus. V 43. E u o m p h a 1 u s alatus. F. 292. — ferox.
F. 42. Exogyra Columba. 173. 286, 373. F. 118. — Couloni. 170, 179. — sp. 286.
Fabrik (chemische) zu Joachimsthal. F. 272, 273. Fährten von Sauriern. F. 118,
225, 294. Fahlerz im Avanza-Graben. F. 107, 108. Faltungen im Silur-Gebirg von
Mittel-Böhmen. 215, 216, 219. F a r b e n t a fe 1 der Karten der k. k. geologischen Reichs-
anstalt. F 231. Faunen des Oolithes in England. 48,49. der Silur- Colonien in Böhmen.
9, 29, 32, 41, 45, 46, 54, 57, 63, 250. — (silurische) von Böhmen. 9, 29, 41, 43, 45, 46, 54,
57,63,250. Fe I d s pa th - Ge s t ei n von Kis-Falud. F. 122. Felsit - Porphyr der azoi-
schen Schiefer im Mittel-Böhmen. 229, 233, 237. — — von Kis-Falud. F. 122. — — in
Unter-Steiermark. 318, 339, 353, 354. — im wcstiiehcnSlav< nien. F.204. Felsi t Schiefer
(eocene). 347. Fenestrella plebeja. F. 118. Feuersteine (bearbeitete) im Diluvium.
F 160, 161, 162, 163. Fi cula Helvetica. 1’. 282. Ficus Martiana. F. 283. Filisparsa
biloba. 288, 295. Fische des böhmischen Rothliegenden. F. 259, 294. Fisch -Schie fe r
(asphalthältige) im Hangenden der Rakonicer Kohlenflötze. 509, 510. von Seefeld.
143. F 1 a b e 1 1 a r i a Slernhergi. F. 1 43. Fl ecken me rgel der AlgSu- Schichten. 95. — des
Lias. 132,227. — im nördl.Tirol. 154. — in Vorarlberg. 120 Fleckenschiefer im
böhmischen Riesengebirg. 401 Fletcheria Simplex. F. 40. Flora des Basalt-Tufies von
Alt -Warnsdorf. 379. — des Lias von Bayreuth. F. 143, 144, 199. — der Steinkohlen von Bras,
Miröschau und Swina. F. 140, 142. Fl y sch im nördl. Tirol. 133. — am Rhatikon. 203,204.
— in Vorarlberg. 162, 181, 182, 198, 199,200,202. — (eoccner) der bayerischen Alpen.
Foraminifera (ntogene). 288, 295. F o r c h e r i t. F. 65. Formationsglieder
(Parallelisirung der) auf den Ivronlands-Karten der k. k. geolog. Reichsanstalt. F 287, 288.
Fucoi’den-Schiefer. 316. Fucus intricatus. 200,204. — Targionii. 204. Fusus
acutangulus. F 45. — polygonus. F. 17, 212. — pleurogon. F. 283. — subparallelus. F. 283.
Gra i 1 th al e r (Steinkohlen-) Schichten in der Mililärgrenze. 526. F. 240, 256. —
in Unter-Steiermark. 318, 323, 324. (umgewandelte). 318. — (gewun-
dene). 323. Galmei im Gebiet von Krakau. F. 85, 86. — -Lager vom Ivanczica-Berg.
F 135, 136. Gangbildungen im Eisenerz-Lager des Giflherges. F. 195. — (erzführende)
im böhmischen Riesengebirg. 419, 420. Gastrochaena ornata. F. 42. Gault der baye-
rischen Alpen. F. 44, 45. — in Vorarlberg. 171, 172, 179, 180, 181, 182, 185. G a z e 1 1 a
sp. F 286. Gebirgsarten aus Klein-Asien. F. 299. — aus dem südlichen Ungarn. F. 22.
— (Parallelisirung der) auf den Kronlands-Karten der k. k. geologischen Reichsanstalt.
F 287, 288. Geognosie (Prof. Naumann’s „Lehrbuch“ der) F. 259. G e r v i 1 1 i a iuflata.
127. — longa. F 42. — rectiversa. F. 42 Gervillien-Schichten der bayerischen
Alpen. F 41. Geschiebe (hohle) im Leitha-Kalke. 290. Glandulina laevigata. 288.
Glanzkohle, Proben. 69. Glaskopf mit Amethyst. 17 80. Glimmer, pseudomorph
nach Cordierit. F 304. Glimmer-Gneiss. F 177. Glimmer -Porphyr im Siluri-
schen. 247,248,255 Gl immerschiefer im böhmischen Riesengebirge. 399,414. — des
Fogarascher Gebirges. F 2. — im Lapos-Thal. F 193. — in Vorarlberg. 91, 101. Gl obi-
ge r i n a bulloides. 288, 289. — triloba. 288, 289. G 1 o b u 1 i n a gibba. 289. — tubercu-
lata. 289. Glossopteris sp. F. 80. G 1 y p h a e a Alpina. F. 43. Glyptostrobus
Europaeus. 379. Gneiss im mittleren Böhmen. F. 5, 61, 177. — bei Policzka. F. 288. —
(eruptiver) des böhmischen Riesengebirges. 400. — (grauer). F 127, 177, 239, 253. —
(rother). 370, F. 127, 178, 239, 253, 254. Granit (eruptiver). F 296. P h y 1 1 i t.
F 177, 178. G o 1 d im böhmischen Riesengebirg. 419. Goldfelder von Victoria (Austra-
lien). F 24, 25, 26. Goldstufen von Csertest. F. 246. Goniatites crenistria. F. 22.
Gordius carbonarius. F 204. Gosau-Conglomerat des Muttekopfes. 138, 195,
196. Gebilde im nördl. Tirol. 158^ 195, 196. S ch i chtq-n der bayerischen Alpen.
Sach-Register.
325
V. 44, 45. Scaphites multinodosus. V. 3. Granit von Beneschau. F. 61. — des
böhmischen Riesengebirges. 400, 401, 414. — im Czaslauer und Chrudimer Kreis. V. 127.
— im Gneiss des mittleren Böhmens. F 5. — im Innern eines erratischen Blockes. F. 189.
im Liegenden des mittel-böhmischen Silurischen. 226, 227. — des Meleghegy. V. 121. —
des Szamos-Gebietes. V. 33. — im westlichen Slavonien. V. 200. Granitit des böhmi-
schen Riesengebirges. 400. Graphit im böhmischen Riesengebirge. 419. — Proben. 69.
Graptolithen -Schiefer in Böhmen. 39, 45, 56, 252, 253, 263. — — der Littener
Schichten. 258,263,265. Graptolithus Bohemicus. 252. — Colonus. 252. — Folium.
F 23. — priodon. 252. — Roemeri. 252. Grateloupiae des Wiener Beckens. F. 119,
120. Grauwacke im Czaslauer und Chrudimer Kreis. F 128. — (Eisenerze der siluri-
schen) in Böhmen. F 175, 176, 224. — (mährisch-schlesische). V 21, 22. — (Petrefacte
der galizischen). F 294. — (Pribramer). 329. Grau wa ck e n - S c h i e fer der ßruska.
251. — der Hostomnicer Schichten. 241. — der Zahofaner Schichten. 245, 248. Gross-
dorner Schichten. 316,324,326, 330, 331,333, 350, 352, 358. Grubenrisse aus
dem Ober-Harz-. V. 66. Grünstein im böhmischen Riesengebirg. 407, 415. — in Dolomit.
358. — in Unter-Steiermark. 316, 358, 361. -- (silurischer) in Böhmen. 26. 27, 38, 45, 60,
238, 245, 246, 263, 264, 265, 273. Gryphaea Archiaeiana. 240. — Cochlear. 290, F 51,
52,118. Gurkfelder Schichten. 326, 329, 350. Guttenstei ner Kalk des Bakonyer
Waldes. F. 164. des Körös-Thales. V 14. im nördlichen Tirol. 151. in
UnterSteiermark. 324, 325, 326. der Zugspitze. 141. — Rauch wacke. 142. Gyps
der Trias in Vorarlberg. 105. Gyropteris crassa. F 142.
Häringer (Eocen-) Schichten. F 282. Haliotis sp. F. 130. Hallstätter Kalk
der bayerischen Alpen. V. 40. im nördlichen Tirol. 131, 134, 137. 142, 144, 147, 148,
151, 153, 159, 160, 531. in Unter-Steiermark. 318, 325, 326, 327, 339, 347, 356.
(erdharzige Schichten im). 153. — Dolomit. 325,326,327, 350,358. Halobia
Lommeli. 149, F 203, 257, 258. — rugosa. F 41. Halochoris Baruthina. F 199.
Hami t es sp. 168. Harz (fossiles) aus Neu-Seeland. F 4. Haupt-Dolomit (triassischer)
der bayerischen Alpen. F 41. Hebung der Kreideschichten am Grünten. 191. Hebungs-
Wellen in der Trias-Lias-Zone von Vorarlberg. 87, 88, 119, 114, 115, 122, 126, 190.
Heilquellen und Curorte des Oeslerr. Kaiserstaates (Dr. Freih. von Härdtl’s Werk über).
F 223. H e 1 i o p o r a astraeoides. F 282. — rugosa. F 282. Helix damnata. F 17.
— Moguntina. F 283. — nemoralis. F 126. — pulchella. F 161, 162. — ruderata. F. 85.
— vermiculata. V. 126. — sp. V. 16, 241. Helladotherium Duvernoyi. F 286.
He 1 mi nth o i d ea sp. 200. Heterostegina costata. 292. — cristata. 295. Hierlatz-
(Lias-) Kalk im nordl. Tirol. 131,135. — Schichten des Bakonyer Waldes. F 228.
— des Schaf herges. F 291. — des Sonnwend-Joches. V. 130. Hipparion gracile.
F 217. — sp. F 186. Hippotherium gracile. F 84. Hippurites Cornu vaceinum.
F 15, 44, 230. -- ellipticus. F 58. Toucasianus. F 15. Hluboceper (oberste Silur-)
Schichten. 52, 272. Höhenmessungen in Ober-Steiermark. F 79. — im Prager
Kreis. F 519. Höhlenbär. F 11, 16, 74. Holaster subglobosus. 173. — sub-
orbicularis. 173. Holocystis polyspathes. F 45. Hornera Hippolyta. 291, 292, 295.
Hostomnicer (untere Silur-) Schichten. 233, 241. Hütte n p ro d u cte aus Neusohl.
F 10. Huttonia spicata. F. 142, 143. Hyaena Hipparionum. F 286. Hymenocaris
vermicauda. F 23. Hymenocyclus nummuliticus. F 281. — Stella. F 281. Hymeno-
phyllites semialutus. F 294. Hypersthen-Fels im Moslaviner Gebirg. V 216.
«Janira aequicosta. F 80. Jaspis im Grünstein. 316, 358. Ichthyosaurus
tenuirostris. 156. Idmonaea foraminosa. 288, 292, 295. — Giebeli. 292. — pertusa.
295. — tenuisulca. 288,292,295. Illaenus Katzeri. F 162. Imbricaria sp. F 130.
Inoceramus Cripsi. 173, F 48. — Cuvieri. 173. — Falgeri. 127. — mytiloides. 373, 514,
F. 48. — problematicus. F 48. — sp. 514. Inzersdorfer (Neogen-) Schichten bei
Karlstadt. 530. — — — im südwestlichen Ungarn. F 217. Iris nummulitica. F 282.
Isoarca. V 131. Isocar di a Cor. F 120. — cretacea. F. 48. — perstriata. F 42.
— striata. F 131. — subtransversa. F 120. Isocardiae des Wiener Beckens. F 12\,.
Jura-Kalk von Au. 163. — — (brauner) in Siebenbürgen. F. 20. — -Schichten des
Bakonyer Waldes. F 226, 227, 228. — von Fünfkirchen. F 59. — — in der Militär-
gränze. 528. im nördlichen Tirol. 130, 131, 132, 191, 192, 196. in Vorarlberg.
161, 163. — - der Zugspitze. 142. (obere) der bayerischen Alpen. V. 43
Malk (hydraulischer). Analyse. F 535. — -Sandstein (neogener). 343. —
-Schiefer der Grossdorner Schichten. 331. -W- -Sphaeroide in dem Silurischen von
Böhmen. 39. Kalkstein. Analysen. 67,70. — bei Kufstein. 159,160. — (bituminöser)
der Kuheibader Schichten. 270, 271, 275. — (Biöcke von) im Diluvium bei Prag. 284.
— (dunkler) der Guttensteiner Schichten. 316, 325, 326. — (erzführender) mit Malakolith.
408, 412, 413, 414, 415. — (ober-silurischer) in Böhmen. 224. — (silurischer) in Böhmen.
57, 62, 224, 267, 268, 269, 270, 280. Kalktuff im obern Silurischen bei Prag. 284.
K. b. geologische Reichsanstalt. 12. Band, 1861 und 1862. Verhandlungen, SS
326
Sach-Register.
— in Unter-Steiermark. 353. Karte von Victoria (Australien). V 246. — (geologische)
von Böhmen. V 105. — (Hohenegger’s geologische) der Nord-Karpath<»n u. s. w. V 131,
132. Karten der k. k. geologischen Reichsanstalt. V 54, 68, 96, 97, 185, 186, 219. 265,
276. — (Farben-Schema der). F 231. Keuper der bayerischen Alpen. V. 40.
— -Kalk (oberer) der bayerischen Alpen. F 42. Kieselschiefer der azoischen Silur-
Schichten. 237. Klüfte im Sibirischen von Mittel-Böhmen. 234,281,282. Knochen-
fisch (heterocerker) aus dem Tertiären von Laak. F. 53. Knnllcn-Kalk (siluriseher).
268, 277, 278, 280. Kn o r r i a Sellonii. F. 141, 142. Königs hofer (Silur-) Schichten.
5, 6, 15, 23, 26, 27, 246, 248, 254 Kössener (Lias-) Schichten der bayerischen Alpen.
F 41, 42. im nördlichen Tirol. 120, 124, 127, 129, 131, 156. in Vorarl-
berg. 98, 101, 104, 1 13. Kohle n-E i s c n s t e i n, Analyse. 533. Komorauer (untere Silur-)
Schichten. 242, 243, 254, V. 176, 224, 225. Konepruser (untere Silur-) Schichten.
249, 267, 276, 278, 281. Koprolithen aus dem Rothliegenden. 53i. Kossovver (Silur-)
Schichten. 5, 6, 14, 15, 20, 22, 23, 25, 27. Kr e i d e-S chichten der bayerischen Alpen.
F 43, 44, 45. im Bunzlauer Kreis. 367. in Dalmatien. V. 239, 241, 255, 257, 271.
des Kitjera. F 15. des Königgrätzer Kreises. F 169, 172, 174, 295. 296.
des Körös-Thales. F 14. in Limburg. V. 129. — — in der Militärgränze. 529, V. 239,
240, 255, 271. im mittlern Böhmen. F. 48, 106, 169, 253. von Policzka. F. 238.
um Prag. 282. im Prager Kreis. F 437, 511, 515, 516. — — im nördlichen
Tirol. 142, 191, 192, 196. in Vorarlberg. 161, 164, 174, 179, 181, 182, 185, 188.
Kressenberger (Eocen-^ Schichten. F. 281. Krusnaliora (untere Silur-) Schich-
ten. 254, F 176. Kryolith aus Grönland. F. 86, 118. Krystalle (R. K. v. Hauer’s
Sammlung chemisch dargestellter). V 186, 268. — (Sorby’s Denkschrift über die mikro-
skopische Structur der). V. 9. Kr y statli n- G eslei n des böhmischen Riesengebirges.
F 59. im Chrudimer und Königgriitzer Kreis. V. 296, 303. — — des Fogarascher
Gebirgs. F 2. des Kaurzimer und Taborer Kreises. F 5. — — der Militargränze.
F 62, 83. — — im mittlern Böhmen. F. 61.105,127. — — des Moslaviner Gebirgs.
F 215, 216. des Orljavu-Gebirgs. F. 116, 200, 201. bei Policzka. F 252, 288.
des Reljezat-Gebirgs. F 12, 13. des Szamos-Gebiets. F 33. des Vrdnik-
Gebirgs. F 159. — -Schiefer im südwestlichen Ungarn. F. 114. Krysta llogen esis
(K. v. Hauer’s Studien über). F. 49. Kuhelb ad er (untere Silur-) Schichten. 7, 249,
255,276,278,280, 281. (bituminöser Kalk der). 270, 271, 275, 281 . Kupfer-
Erze des böhmischen Riesengebirges. 413, 420, 535.
Laganum sp. F 6. Lamna sp. 341. Lava des Vesuvs beim Ausbruch im Decem-
ber 1861. V. 179, 181. — (basaltische) am Platten-See. F. 147, 148. Leda discors. F. 45.
— Ehrlichi. V. 45. — fabaeformis. F 42. — percaudafa. F. 42. Lehm im westl. Slavonien.
296. L eith a -Co ng I o m e rat in Unter-Steiermark. 314,342. — -Kalk im Moslaviner
Gebirg. F 216. zwischen Olmütz und Brünn. V. 52. in Unter-Steiermark. 324,
326, 342, 346, 348, 351. im westlichen Slavonien. 285, 286, 289, 291, 292, 294, 295.
(hohle Geschiebe im). 290. — -Schichten in Unter-Steiermark. 318,347,350,
351, 352, 356. Leopolds-Ordens (Verleihung des Oesterreichischen kaiserlichen an den
Präsidenten Kieser. F 267. L e p e r d i ti a Baltica. V 294. L e p i d o d en d r o n aculeatum.
F 3, 141, 142, 143. — brevifolium. F. 143. — erassifolium. F 143. — crenatum. F 143.
— dichotomum. V 141, 142, 143. — Haidingeri. V. 141, 142, 143. — obovatum. F. 140,
143. — Sternbergi. F. 143. — undulatum. V. 141, 142. Lep idop hl o ios laricinum. V.
141. Lep i do ph y 1 1 u m binerve. F. 143. L epi d ostro bus variabilis. F. 141. Lepralia
sp. F. 194. Lep ra ri a monoceros. 295. — stenostoma. 295. Leptaena euglypha. 250,
252. - Rhaetica. V 42. Leptoxylum geminum. F. 143. Letten des Quaders. 372.
L et te n ko h 1 e n- Gr u pp e der bayerischen Alpen. F. 40. L i as im Bakonyer Wald. F 226,
227, 228. — der bayerischen Alpen. F 43. — Grenze gegen den Flysch. 107, 108. — im
nördlichen Tirol. 115, 116. — in Vorarlberg. 87, 114, 115. — (jüngerer). 114, 115, 125,
130, 140. — (kohlenführender) des Banats. F 214. Dolomit. 118,119. Flecken-
mergel. 132. K o h 1 e von Reschitza und Steierdorf. F. 212. Schi efer mit Fisch-
resten von Seefeld. 143. Lichas scaber. 252. Lichenopora caryophyllea. F. 281.
— fungiformis. F. 281. — multi-plicata. F. 281. — Pupa. F 281. Li gnit des Moslaviner
Gebirgs. F 216. — im westlichen Slavonien. F 117. — -System in Unter-Steiermark.
344. Lima Alpina. F 42. — asperula. F 42. — crassecostata. F. 282. — gigantea.
156. — millepunctata. F. 42. — minuta. F 42. — nummulitiea. F 282. — Nux. F 45.
— salinaria. F. 41. — spinosostriata. F. 42. — subglabra. F 41. — Tirolensis. F 282.
Limnaeus pereger. F 161. Limopsis costellata. F 282. — obovata. F. 282. Limu-
lus Walchi. F 9. Lingula Feistmanteli. 254, F 176. — sp. F 176. Listriodon
splendens. F. 287. Litharaea subalpina. F. 283. Lithochela problematica F 42.
Litten er (obere Silur-) Schichten. 6, 7, 11, 14, 17, 19, 20, 21, 23, 28, 29, 30, 31, 32,
34, 37, 38, 40, 61, 249, 255, 258, 359, 263, 265, 276, 278, 281. Löss auf Kreide im mittleren
Sach-Register.
327
Böhmen. V 106, 128. Lu ei na divaricata. F 63, 160. — exigua. F 305. — Heeri. F 282.
— Mittereri, F. 282. — ohlonga. F 41. — Oppeli. F 42. — prisca. F 294. — Rhaetiea.
F 42. — Rollei. F 282. — rostralis. F. 282. — subsquamulata. F. 45. — sp. 344.
Lutrar ia convexa. 344, 352. Lycop odites Bronni. 382. Ly o ns i a unioides. V. 58.
Machairodus leoninus. F. 286. Mactra Podolica. 294. — Sirena. F 226.
Maeandrina valleculosa. F 282. Mal a k ol i th - Ka 1 k stei n (erzführender). 408, 412,
413,414,415. Mammuth aus Galizien. F. 290. Mangan-Eisenstein. 362. Manon
varians. Fi 42. Marginulina subbullata. F 45. — sp. 288. Marmor (rother) von
Kiritein. F 69- Mastodon sp. F 22, 271, 286. Medolo (Ammoniten aus dem). F 166.
Meeresküste (Hebung der) bei Ausbruch des Vesuvs im December 1861. F 182. Meeres-
Molasse der bayerischen Alpen. F. 283. xMegaiodus Carinthiacus. F 131. — Colum-
bella. F 131. — gryphoides. F 42, 131. — lamellosus. F 131. — seutatus. F 131. — tri-
queter. 127, F 40, 67, 77, 111, 130, 131. — (Giimbel’s Monographie der Gattung). F 130.
Melania elegans. F 282. — Escheri. 293. — Mayeri. F 283. — Stygia. F 17. Melan-
opsis acicularis. 297, 298. — acuminata. F 283. — Aquensis. 345. — Bouei. V. 85,
126, 217. — buccinoidea. 297, 298. — costata. 297. — Dufouri. 297. — Esperi. 297, 298.
— foliacea. F 283. — Martiniana. F 16, 218. — pygmaea. 345, F 16, 217, 218. — sp.
F. 16,241. — -Schichten. 344,345. Melaphyr im böhmischen Riesengebirg. 409,
— der Insel Lissa. F 257. — des Rothliegenden. 385, 386, 387, 389, 392, F 29.
Membr anipora angulata. 295. — Rhaetiea. Fi 42. Mergel des Lias. 91. — (eocene)
des Bakonyer Waldes. F. 211, 212. — (mariner neogener). 288. — (tertiäre) in Unter-
Steiermark. 326, 343, 346. — -Kalk der Kreide iin Vrdnik-Gebirg. Fi 159, 160. Meta-
morphose von Eisenkies in Braun-Eisenstein. F. 299. — von Gesteinen. 318,357,258,
F 299. Meteoriten im Britischen Museum (Maskelyne’s Verzeichniss der). F 244.
Mi c r a s t er Cor anguinum. 173.373. Mi n er al ie n aus Grönland. F 118. — aus Neusohl.
F 10, — aus Neutitschein. F 74. Mineralogie (Des Cloizeaux’s Handbuch der). F 259.
Mi n er alquel 1 en im böhmischen Riesengebirg. 410. — von Gars. F 107. — von Hryniawa.
F 222, 223. — von Jamnica. 534. — von Kleinzell. 534. — von .Mauer bei Wien. 68, F 56,
85. — von Suliguli. 69,422, F 85. — in Unter-Steiermark. 365,366. Miocenes des
Körös-Thales. F 16. — im Lapos-Thal. F 193, 194. — zwischen Olmütz und Brünn, F 51.
— in Vorarlberg. 204. Mi tra Ebenus. F 51 . Mi fctel- Do lomit im nördlichen Tirol. 532.
Modiola interstriata. F 283. — Kressenbergensis. F 282. — marginata. 343. — Schaf-
häuteli. 156. — Studeri. F 282. — Volhynica. 343. Molasse der bayer. Alpen. F 282,
283. — in Unter-Steiermark. 344,345. — in Vorarlberg. 204. Monotis salinaria. 159.
Kalk. 159. Montan-Ha nd buch des Oesterr. Kaiserstaates (J. B. Kraus’ s). F 22, 23,
Monticularia granulata. F, 282. — inaequalis. F 282. Mo n 1 1 i val t i a bifrons. F. 282.
Morast-Erz, Probe. F 532. Murex acutecostatus. F 283. — obtusecostatus. F 283.
— sp. F 297. — sp. nova. F. 52. Muschelkalk der bayer. Alpen. F 40, 41. Muschel-
keuper der bayer. Alpen. F 41. Myacites drupaeformis. F 42. — • Fassaensis. 527, F 135,
206, 235, 240, 271. — Meriani. F 42. — Quenstedti. F. 42. Myophoria vulgaris. F 40.
— Whatleyae. F 166. Myrica salicina. F 283. Myriozoum geminiporum. 291,295.
— truncatum. 292. Mytilus Aquitanicus. F 283. — Escheri. F. 42. — Faujasi. 341.
— Haidingeri. 341. — impressus. F 41. — sp. 160, F 182, 241.
Naphtha-Quellen im Diluvial-Schotter. 294,295. — — in Galizien. F 196.
Schiefer. F 197. Nati ca Alpina. 156. — angulifera. F 60, 63. — atylodes. F 383.
— ecarinata. F 42. — mutabilis. V. 212. ■ — Rhaetiea. V. 42. — vulgaris. 514. — sp. 343.
Naticella costata. F 77, 206, 255, 271. Nautilus elegans. 373. — Haueri. F 42.
— impressus. F 43. — multisinuosus^ F 42. — sp. F 258. Neaera bicarinata. F 282.
— scalarina. F 282. Necrolog H. G. Bronn’s. F 262, 263. — K. F. H. Dauber’s. F 36.
— J. Jokely’s. F 261. — K. C. v. Leonhard’s. F 167. — J. Th. v. Zollikofer’s. F 264.
Neo com es im nördlichen Tirol. 159,196. — in Vorarlberg. 164,165,187. Neogenes
von Alsö-Hagymäs. F 194. — des Bakonyer Waldes. Vx 124. - im Egerer Becken. 380.
— bei Karlstadt. F 139. — in der Militärgrenze. F 256. — im südwestlichen Ungarn.
F 217. — in Unter-Steiermark. 335,339. -- im westlichen Slavonien. 285. Neogen-
Beek e n von Cilly. 346. von Rann. 352. von Reichenburg. 349, 350. M o 1 a s s e
der bayerischen Alpen. F 282, 283. Nerinea Buchi. F 15. Nerita conoidea. F 17, 68,
211. — Klipsteini. F 258. — sp. F 16. Ne r it i na Groteloupiana. 345. — transversalis.
297. — sp. 345. Neuropteris aeutifolia. F 141, 142. — flexuosa. F 142, 143. — gigantea.
F 143. — heterophylla. F 140. — Loshi. F 142, 143. — obovata. F 142. — rubescens.
F 141, 142. — tenuifolia. 382. Nierenthaler (Kreide-) Schichten. F 44. Niobe
lueinaeformis. F 118. Nodosaria elongata. F 45. Noeggerathia foliosa. F 142.
— speciosa. F 142. Nonionina bulloides. 288. — communis. F 305. — granosa. 289.
Nucleolites Neocomiensis. 166. Nu c ul a Bavarica. F 282. — jugata. F 42. — pecti-
nata. F. 514. — Reussi. F 45. — salinaria. F 41. — semilunaris. 376, 514. — striatula.
s§
328
Sach-Register.
514. Nulli pora annulata. 134, 142. — nummulitica. V. 281. — sp. F.194,226. Nulli-
p or e n -K al k in West-Slavonien. 291,294. Nu m m u I i n a complanata. V. 68. — Lucasana.
V. 68, 211. — perforata. F 6, 68, 210, 211. N u m m u 1 i t es distans. IT 212. — exponens.
V 212. — granulosus. F 212. — laevigafus. F 6. Leymeriei. V. 211. — Spira. F 212.
— striatus. F 211. Nu m m u 1 i te n - Sch i c h te n des Bakonyer Waldes. F 210, 211. — der
bayer. Alpen. F 281. — in Siebenbürgen. F 6, 194. — in Vorarlberg. 178, 179, 181, 198.
©ligocenes in Vorarlberg. 204. 0 I i g o c e n-M o 1 a s se der bayerischen Alpen.
F 282, 283. Olivin-Basalt bei Schlan. F 518. — -Gestein (basaltisches). F 80.
— — im Basalt-Tuff. F 218. Oolith der Trias in Galzein-Thale. 138. Oolithes
(Faunendes) in England. 48,49. Oolith-Kalk mit Cerithien im Basalt-Tuff. V. 218.
Structur des Caprotinen-Kalkes. 171. Opis lunulata. 528. Orbicula Alpina.
F 43. Orbitulina concava. F 44. — lenticularis. F 44. Orographie des llasalt-
Gebirges am Platten-See. F 145, 146. — des böhmischen Riesengehirges. 396. — des
Kalniker Gebirges. F 229. — der Militärgrenze. F 526, 527. — des Steinkohlen-Gebietes
des Prager Kreises. 431. — von Unter-Steiermark. 312, 313. — des Vrdnik-Gebirges. V 159.
— des westlichen Slavoniens. F 115. Orthis redux. 244. — sp. V. 176. Orthoceras
liasieum. F 43. — originale. 252. — pulchellum. V. 258. — sub mnulare. 552. — sp. 149,
F. 176. Ostrea anomioides. F 41. — callifera. V. 124, 230. — Coehlear. 343,344.
F 194. — Columba. F 48. — digitalina. 291, 292, F. 63. — fimbrioides. V. 226. —
Gingensis. F. 51. — glabrata. F. 41. — inflexestriata. F. 42. — intusradiata. F 45.
— lamellaris. F. 226. — lateralis. F. 48. — latissima. V. 212. — macroptera. 170, 181.
— Montis Caprilis. 532. — Naumanni. 376. — Paueri. V. 282. — pseudo-vesicularis. F. 282.
— Rhaetica. F. 42. — spinicosta. F 42. — fentaculala. F. 42. — vesicularis. 376, V 15.
Otodus appendiculatus. 514. Otozamites brevifolius. F. 199 0 x yr h i n a Alpina. V. 41.
Pachypteris. F 199. Palaeobatrac h u s Goldfussi. 379. Palaeomeryx sp.
F 287. Palaeoniscus Blain villei. F 294. — Duvernoyi. F 259, 294. — Freieslebeni.
F 259,294. — Vratislaviensis. 382. — sp. 509, F. 294. Palaeorvxsp. F 286. Palaeo-
t euth i s Dunensis. F 295. P al i ssy a Brauni. V. 144. 145, 199. P a 1 i s s y a-S a n d s t e i n
des untern Lias. F 145. Paludina eoncinna. 297, F. 85. — ecarinata. 297. — gravi-
stria. F 283. — naticoides. 297. — Sadleri. F 127,148,217. — Sadleriana. 296,297.
298, 299. — stagnalis. 345. — tentaeulata. 297, 298, 299. — Vukotinovici. 297, 298. — sp.
F 6. P al u d i n en - K a I k in westlichen Slavonien. 297,298.299. Panopaea Faujasi.
F 52, 124. — Rhaetica. F. 42. Paradoxit. F 86. Part nach- (Trias-) Mergel in
Vorarlberg. 90, 91, 101, 104, 120. Schichten der bayerischen Alpen. F. 40. im
nördlichen Tirol. 117,118,131,132,149, 151. — — der Zug-Spitze. 141. Partschia
Brongniarti. 380. Pavolunites nummulitica. F. 282. Pavotu bigera dimidiata. 295.
P ecc h i ol i a des Wiener Beckens. F 120. Pe c op t e r i s aequalis. F. 140. — Glockeriana.
F 142, 143. — Glockeriana, var. falciculata. F. 14», 142. — mucronata. F. 143. — pennae-
formis. F 142, 143. — Pluekeneli. F. 140. — Hadnicensis. F 142. — Silesiaca. F. 141,
142. — unita. F 141. — sp. F. 80. Pecten antistriatus. F118. — Bronni. F 282.
— filosus. 153. — Fuchsi. F 206. — Guembeli. F. 282. — Hörnesi. F 282. — indupli-
catus. F 42. — intercostatus. F 282. — laevistriatus. F. 41. — latissimus. 290,292,294,
343,352, F. 52, 226, 230. — limoides. F 41. — Malvinae. 343. — Münsteri. F 282.
— opercularis. 343, F 51. — perglaber. F 41. — pseudodiscites. F 42. — pusio. 343.
— quinquecostatus. 373. — radiifer. F 42. — Rhaeticus. F 42. — sarmentitius. 343,
352. — semipunetatus. F 42. — Solarium. F 124. — Solea. F. 226. — squamuliger.
F 42. — striatocostatus. F 42. — subreticulatus. TT 130. — trigeminatus. 514. — un-
dulatus. 376. — versinodis. F 42. — Verticillus. 528. — Vilsensis. F 43. — Vindunensis.
528. — sp. 343, F 124, 194. Pectunculus glycimeroides. F, 282. — lateradiatus.
F 283. — Mayeri. F 282. — perlatus. F 283. — polyodonfa. F 52, 63, 160. — sp.
F 124. Pentacrinus propinquus. 532. Perna Bouei. 153. — Rhaetica. F 42. — un-
dulata. F 42. Petrefacte des Bakonyer Waldes. F. 67. — der Hierlatz-Schichten. V
130. — von Hohenelbe. F. 294. — aus Mähren. F 3,69,70. — aus dem nördlichen Böhmen.
F 80. — von Radmannsdorf. F 118. — am ScoglioCatic in Dalmatien F 257. — von
Vils. F 225. — (diluviale) von Menchecourt. F 161, 162. — (jurassische) von Solenhofen.
F 9. — (Dir. Krejci’s Sammlung silurischer). F 128, 129. — (sibirische) von Zaleszczyky.
F 294. — (tertiäre) von Breitensee und Speising. F 63. von Jaromeric. F 297, 298.
von Koväcs. V. 226. von Nussdorf. F. 287. von Olmütz. F 304, 305.
von Pikermi. F 286. der südlichen Alpen. F 16, 17. des Wiener Beckens.
F 287. — — (Siisswasser-) von Ulm. F 9. — (triassische) aus Ost-Indien. F 258.
P e tri colin a sp. F 144. P eu ce Brauniana. F 144. — sp. 345. Pflanzenreste im
Basalt-Tuff. 379. — der böhmischen Steinkohlen-Becken. F 140. — aus Mähren. F 69,
70. — aus Ost-Indien. F 80. — im Rothliegenden. 382, 390, 392, 393, F 294. — der
Steinkohlen- Gebilde des Prager Kreises. 502. — des Tegels von Breitensee. F 63.
Sach-Register.
329
— (Rassische) von Bayreuth. F 143, 144. von Veitlahm. F 199. — (oolithische) in
Australien. F 28. Phasianella Eichwaldi. V. 305. Pholadomya Alpina. 344.
Münsteri. V. 282, Phosphorsäure (Vorkommen der) in Mineralstoffen des Oester-
reichischen Kaiserstaates. V. 190. Phylljt des böhmischen Riesengebirgs. 400, 401.
— im Czaslauer und Chrudimer Kreis. F. 127, 128. — des Vrdnik-Gebirgs. F 159. Phyl-
1 o c o e n i a ovalis. F 282, — striata. F 282. Piluharites Brauni. V 199 Pinnadecus-
sata. 514. — Doetzkirchneri. V. 41. — granulata. F 41. — imperialis. V 282. — legumi-
nacea. V 282. Pisidium amnicum. F 161, 162. — obliquum. V. 217. — priscum. F 120.
Placoparia Zippei. F 176. Pläner im Bunzlauer Kreise. 367, 373, 374,377. — im
Czaslauer und Chrudimer Kreis. F 128. — im Königgrätzcr Kreis. F 174. Mergel bei
Prag. 251,282. — — im Prager Kreis. 514. Plagiostoma incurvostriatum. V. 41.
P 1 an era Ungen. 379. Planorbis carinatus. F, 161, 162. — corneus. V. 126. — margi-
natus. F 161. - nitidus. F. 126. — sp. 290,293, V. 6, 16,226,241. Platten kalk der
Gurkfelder Schichten. 316, 326, 329, 330, 331, 332, 350. Pleisto eenes der bayerischen
Alpen. V 284. Pierast rae in a volubilis. V. 282. Plesioteuthis prisca. F 9. Pleu-
romya mactraeformis. V. 42. Pleurotoma amblysehisma. V. 283. — cataphracta. V. 18.
— subterebralis. F 18. — sp. F 297. Pleurotomaria Alpina. V. 42. — co rctata. V.
130. — puncticulosa. V. 282. — radiata. V. 257. — sp. 514. Plicatula Helli. V 282.
— parvula. F 282. PI u t o n- Ge s t ei n e in Unter-Steiermark. 359, 366. Pocillopora
granulosa. F 282. Pod^zamites. V. 199. Pollicipes Renevieri. V. 282. Polysto-
mella crispa. 289,295, V 217, 218, 308. — Fichteliana. 289, F 305. — subumbilicata.
F 217. Populus latior subtruncala. F 63. — mutabilis ovalis. V. 63. Porphyr der
azoischen Silurschichten. 229, 230. — im böhmischen Riesengebirg. 409. — des Pozeganer
Gebirges. F. 204. — des Rothiiegenden. 389, F. 172. — des untern Sibirischen. 242, 255.
— in Unter-Steiermark. 353, 354, 360, 361. B r e c c i e n. 355, 356, 357. Schlacken.
357. — -Tuff des Pozeganer Gebirges. F. 116, 117. (eocener). 318, 325, 338, 339.
Posidonia sp. F 204. Posidonomya Becheri. F 22. — Clarae. V. 135. Preis-
Vertheilung der Londoner Ausstellung von 1862. F 251, 268. — der Londoner geolo-
gischen Gesellschacht. F 38. Pribramer Grauwacke. 239. — (azoisch-silurische)
Schichten. 227, 230, 232, 233, 235, 248. Eisenerz-Lagerstätten. F 175. Priona-
straea subregularis. V. 282. — tenuilamellosa. V. 282. Productus aculeatus. F 118.
Protocardia Hillana. 514. Protogyn im böhmischen Riesengebirg. 400, 403, 405.
Psaronius. F 142, 143. Ps eud o di a de ma macrocephalum. V 282. Pseudoliva
Fischeriana. F 282. Pseudomorphosen von Glimmer nach Cordierit. F 304. — vom
körnigen Kalkstein nach Aragonit. V 74. — von Wacke nach Analcim. V. 80. Pteraspis
Lloydi. F 295. — Dunensis. F. 295. — sp. F 192. Pterinea sp. F 294. Pterophloios
Emmrichi. F 42. Pterop hy 1 1 u m sp. V. 80. Ptychoeeras sp. 166. Pupa Muscorum.
F 85, 126. Pustulopora anomala. 295. — aspersa. V. 281. — botryoides. F 281. —
didyma. V. 281. — pulchella. 295. Pygopterus sp. 509. Pygurus rostratus. 166.
Pyrgula sp. F 241. Pyrula Lainei. 341.
Quader de«* Bunzlauer Kreises. 367, 369, 373, 377. — im Czaslauer und Chrudimer
Kreis. F 128. — im Königgrätzer Kreis. V. 172, 173, 174. — (cenomaner). 368. —
-M e r g e 1 im Prager Kreis. 513,514,515,516. - -Sandstein bei Prag. 251, 282.
im Prager Kreis. 513, 514, 515, 516. Quartäres der bayerischen Alpen. V 284.
Quar z-B r e c c i e n des Verrucano. F 33. — -Sandstein der Kreide. F 15. Quarzit
des untern Silurischen. 243, 244, 252, 256, $84. — -Schiefer im böhmischen Riesen-
gebirg. 407. Quellen in Unter-Steiermark. 365. — im westlichen Slavonien. V. 118.
Quinqueloculina foeda. F 298. — Haidingeri. F 298.
Hadiolites Neocomiensis. F 67. — Paillettianus. F 15. Rai bl er (Trias-)
Schihten der bayerischen Alpen. F 41. im nördlichen Tirol. 129, 131,148,151,
159. in Unter-Steiermark. 332. in Vorarlberg. 98, 100, 101, 104, 136, 137.
Rauch wacke des Guttensteiner Kalkes. 148. — der Raibler Schichten. 100, 105,136,
137. Reiter (Eocen-) S chichten der bayerischen Alpen. V. 282. Ret epo ra eellulosa.
292,295. — Rubeschi. 295. Reteporoidea versi-punctata, F 281. Retzia trigonella.
F 40, 165. Rhabdotus verrucosus. F 143. Rhätische (Trias-) Schichten im
Bakonyer Wald. F 226. Rhinoeeros Schleiermacheri. 380, F. 286. — tichorhinus. 517,
F 3, 161. — sp. 283. Rhodocrinus armatus. F. 43. Rhynchonella controversa.
F 43. — dilatata. 528. — fisRcostata. 156. — Fraasi. F 228. — granulatostriata.
F 41. — lacunosa. V. 228. — octoplicata. 373. — plicatella. F 20. — polyptycha.
F 228. — retrocita. F. 258. — solitaria. F 43. — subrimosa. 156. — subtriplieata.
F 42. — Vilsensis. F 43. Rhyolith im westlichen Slavonien. 293. R h y ti d o p hl o i o s
tenius. F 142. Ris soa pachychilos. F 283. Risso inasp. F 297. Robuli na Austriaca.
288. — cultrata. 288, 295. — excentrica. F 282. — latemarginata. F 45. — sp. 288.
Roheisen, Anal. 67, 70. Rokyc an er (Silur-) Schichten. F 176. R onca- (Eocen-)
330
Sach-Register.
Schichten. F 226. Rosalina grosse-punctata. V. 45. — Viennensis. V. 2i7.
Rostellaria cornuta. F. 42. — corvina. F 77. — Reussi. F 157. — Pes carbonis. F. 17.
— sp. 344. Rossfelder (Kreide-) Schichten im nördlichen Tirol. 193, 195. — —
in Vorarlberg. 164,185. Rotalina Boueana. 288, 289, 295. — Akneriana. 289. —
Dutemplei. 295. — Eggeri. F 45. — Haeringensis. F 282. — megomphalos. F. 282. —
Partschiana. 289. — Soldanii. 289. Roth-Eisenstein der obern Trias. 364. Roth-
liegendes im böhmischen Riesengebirg. F 29, 82. — im Jiciner Kreis. 381. — im König-
grätzer Kreis. F 169,171, 174,296. — im mittlern Böhmen. F 239, 253. — im Prager
Kreis. 507, 513, 514, 516, F 30. Ruts chflä chen der Hallstätter Dolomite. 327.
Sacheria asplcnioides. F 143. Säugt hier e (fossile) von Pikermi. V. 286.
im Wiener Becken. F 287. S a g e na ria Wolfiana. 1*. 70. Salamandra laticeps.
379. Salenia petalifera. 173. Salieornia crassa. 288,292,295. — marginata. 288,
292, 295. Salzthon im nördlichen Tirol. 531. — (Pflanzenreste im Haller). F. 194,
195. St. Cassian-Petrefacte im südlichen Dalmatien. V. 257. aus Ost-Indien.
F 258. — -Schichten in Unter-Steiermark, 332. Sandstein des Kalniker Gebirgs.
F 229, 230. — (neogener) im Bakonyer Wald. F. 127. — (tertiärer) in Unter-Steiermark.
314,337,342,344. Sa ngu i n o I a r i a recta. F 41. Sapindus falcifolius. 379. Sa-
phire im Goldgebiet von Victoria (Australien). F. 27. Sauerquellen im böhmischen
Riesengebirg. 410. — von Suliguli. 69. — in Unter-Steiermark. 365, 366. Sauriehnites
salamandroides. F 118, 225, 294. Saxicavasp. F. 144. Scalar ia omatissima. F 282.
Sca ph ites constrictus. F 3. — falcifer. F 45. — multinodosus. F. 3. Schalstein im
untern Silurischen. 242. S c h i c h t e n s t ö r u n g en der Kreidegebilde. 176,185,188,189.
— krystallinischer Schiefer durch Syenit. F 303. — in der Militärgrenze. 530. — des Silu-
rischen in Mittel-Böhmen. 215, 219, 234, 248, 249, 250, 255, 275,278.280.281. - im
Tertiär-Becken von Gratz. F. 12. — der Trias und des Lias 115, 116. 118, 124, 129, 131,
148, 151. Schichtenstreckungen der alpinen Gesteine. 190. Schichtenwindungen
der Gailthaler S< hiefer. 323. S c h i e fe r des Kalniker Gebirgs. F 229, 230. — (azoiseh-
silurische) in Mittel-Böhmen. 225. — (bituminöse) mit Fischresten von Seefeld. 143.
— (eocene) in Unter-Steiermark. 314, 335, 339. — (ki ystallinische) im südwestlichen
Ungarn. F 114. Schizaster eurynotus. F. 68. — sp. V. 84. Schizodus elongatus.
F. 42. Schizonema sp. F 80. Sch izopteris Lactuca. F 142. Schleifsteinein
Unter-Steiermark. 337, 338. Schotter (diluvialer) mit Blöcken von sibirischem Kalk. 284.
auf Kreide im nördlichen Böhmen. I7. 106. im nördlichen Tirol. 205. um
Prag. 283, 284, 517. — (neogener) im Bakonyer Wald. F. 126, 127. S c h ra tte n- (Kreide-)
Kalk der bayerischen Alpen. V. 44, 45. — — in Vorarlberg. 170, 179, 181, 182, 185.
S ch w e fei (gediegener) mit Bleiglanz. V. 246. Schwefelkies in Braun-Eisenstein ver-
wandelt. F 299. — in eocenem Tuff. 364. S c h we f el - K o h 1 e n s t of f (Verhalten einiger
Metalle in der Flamme von). F 115. Schwefelquelle von Hainsko. 365. Scrupo-
cellari a elfptica. 288,295. Scyphia cylindrica. V. 43. S e e we r (Kreide-) S ch i c fi-
ten der bayerischen Alpen. F 44, 45. in Vorarlberg. 164, 173, 179, 181, 182, 185.
Semnopitheeus Pentelicus. F. "286. Septaria Beyrichi. V. 282. Serpentin in
Bronzit ubergehend. F .13. — des Vrdnik-Gebirgs. 1’. 160, — (schieferiger). F 114.
Serpula Alpina. F 43. — mammillata. F 45. — Rhaetiea. V. 43. — taeniaeformis. F. 282.
Sigillaria diploderma. F 142, 143. — elongata. F 140. — gracilis. F 3. — Knorri.
F. 3. — ornata. F. 142. — rhytidolepis. F 142, 143. — Sillimanni. F 142, 143. — tri—
gona. F 141, 142. Si I b er- B erg b a u im böhmischen Riesengebirg. 413. (alter) in
böhmischen Rothliegenden. 392. (aufgelassener von Slattetsehe. 364,365. Siliqua
Bavarica. F. 283. Silurisches in Böhmen. 4, 207, 223, 239, 260, F. 129, 153, 269, 270,
284. — in Galizien. V 294, 295. — in Victoria (Australien). F. 24. Silur-Faunen von
Böhmen. 9, 29, 41,43,45,46,54,57,63,250. — -Petrefacte aus Böhmen. V 128.
von Zaleszczyky. F 294. — -Schichten von Böhmen (Eisenerze der). V. 175, 176,
224. (Parallelisirung der) mit denen in England. F. 284, 285. S ip h o n a r i a sp. F.
130. Solarium quadrangulatum. F. 282. — stellatum. F. 45. Solen clavaeformis.
F. 45. — elongatus. V. 282. S o 1 e n o my a Sandbergeri. V. 282. Spatangen- (Kreide-)
Kalk in Vorarlberg. 164,169, 176,180,181,182,185. Spatangus retusus. 168,169,
170. — sp. F. 17. Spa th-Ei sen st ei n von Kogelanger und Kohlberg. F. 300, 301.
der Lombardie. V. 47, 48. S p h a er exo c h us mirus. 252. S p h a e r o coc c u s sp. V 182.
Sphaerodus Neocomiensis. F. 20. Sphaeroidina Austriaca. 288. Sphaerulites
undulatus. F. 48. Sphenodus Alpinus. F. 43. Sphenophyllum emarginatum. F. 143.
— Schlotheimi. F. 140, 142. 143. — — var. saxifragaefolium. F, 142, 143. Spheno-
pteris acutiloba. F. 141, 142, 143. — botryoides. F. 143. — debilis. F 143. — elegans.
F. 142, 143. — flavicans. V. 141. — fragilis. F. 141, 142. — Gutbieri. V. 143. — Hoening-
hausi. F. 141, 142. — irregularis. F. 143. — lanceolata. F. 143. — latifolia. F. 141, 142.
— linearis. F. 143. — meifolia. F 142, 143. — obtusiloba. F 141, 142, 143. — spinosa.
Sach-Register.
331
F 142,143. — tenuissima. F 143. — sp. F 4. S p i rif e r alpestris. F 40. — bisulcatus.
F 118. — glaber. F 118. — Münsteri. 156. — rostratus. F 58. — uncinatus. 127.
S piriferina Alpina, var. F. 228. — fragilis. F. 165, 241. — Mentzeli. F. 40, 165. — oxy-
colpos. 156. Spirigera lunata. F. 41. — nuciformis. F. 42. — Stromayeri. F 258.
Spondylus alfiuis. F. 282. — cancellatus. F. 45. — crassicosta. F 52. — crisiatus. F. 40.
— Helü. F 282. — rarispina. F. 68. — rugosus. F. 41. — squami-costatus. F. 42: Spon-
gites porosissimus. V. 42. Steinkohle durch eruptive Gesteine vercoket. F 19. — von
Mährisch-Ostrau. F 139. — (Rassische) von Fünfkirchen. F 58. von Reschitza und
Steierdorf. F 212, 214. Steinkohlen, Proben. 67, 68, 69, 71, 421, 422, F 139.
— -Baue von Bustehrad und Kladno. 473. — -Becken von Bustehrad-Kladno. 446.
— — von Lana-Buda. 480. — von ßakonic. 485. von Schlau. 496. von
Wotwowitz. 437. (vereinzelte) im Prager Kreis. 523. — -Flötze von Bustehrad.
454, 466. — -=• des Quaders. 513. — — des Rothliegenden. 514, F 169, 172, 174.
— -Flora von Miröschau und Bfas. F 140. von Swina. F 143. — -Formation
(fossile Reste der) im Prager Kreis. 502. — -Gebiet im nordwestlichen Theile des Prager
Kreises. 431, 433, 502. Mulde von Jaworzno. F 85, 86. — -Petrefacte von Rad-
mannsdorf. F 118. Revier von Schatzlar und Schwadowitz. F 169,172,174. — -Sand-
stein in Victoria (Australien). F 26. — (Gailthaler) -Schichten in Unter-Steiermark.
323. — -Vercokung zu Bustehrad. 479. Steinsalz-Production von Wieliczka.
F 87. Stereo psammia Doetzkirchneri. F 282. Stigmaria ficoides. 523, F 140,
141,142,143. — inaequalis. F 142. Succinea oblonga. F. 85, 126. Süsswasser-
Kalk des Bakonyer Waldes. F 125. — — (neogener). 297,298, F 125. — -Molasse
der bayerischen Alpen. F 283. — -Petrefacte von Ulm. F 9. — -Sandste in. 345,
Schichten im südwestlichen Ungarn. F 111. (kohlenführende). F 136. Sus
Erymanthius. F 286. Syenit im Chrudimer und Kön iggrätzer Kreis. F 303. — in Mähren.
F 20, 21. — in der Militärgrenze. F, 62. Syring odendron Pes capreoli. F 141,142.
Taeniodon Ewaldi. F 144. Taeniopteris Daintreei. F 28. — Nilssoniana.
F 28. — sp. F 80. Tapes gregaria. F 217. Taxodium dubium. 379. Taxodites
Münsterianus. F 199. Tegel (kohlenführender). F 131. — (neogener) des Bakonyer
Waldes. F 126. — — im westlichen Slavonien. 288, 297,298. — -Petrefacte von
Jaromieric. F 297, 298. — — von Olmütz. F 303, 304. T e 1 1 i n a concentrica. 514.
— Pichleri. F 282. — semi-striata. F 45. Tentaculites ornatus. F 294. Terebellum
convolutum. F 68,211. Terebra Vulcani. F 17. Terebratella pectunculoides.
F 164. Terebratula Algovica. F 45. — antiplecta. 194. — bifrons. F 43. —
bisuffarcinata. F 228. — brevis. F 42, 43. — concinna. 194. — cornuta. 156. — cyrtiae-
formis. F 282. — depressa. 170. — diphya. F 241. — discoidea. F 42. — dorsoplicata.
F 228. — Equicampestris. F 45. — eudichotoma. F 282. — globata. 164. — grandis.
F 194. — granulosa. F 226. — imbricataria. F 226. — lata. 170. — Marcousana. F 44.
— - Margarita. F 43. — mutabilis. F 228. — nimbata. F 228. — Pala. 194. — praeionga.
170. — pyriformis. 156. — reflexestriata. F 45. — reticularis. 250, 252. — selloides.
F 43. — semiglobosa. F 230. — Sinningensis. F 282. — sphaeroidalis. F 20. — striato-
punctata. F 40. — subcanaliculata. F 43. — substriata. F 228. — subtriangulata.
F 45. — Tamarindus. 170. — Tichaviensis. F 3. — Vilsensis. F 43. — sp. F 225.
T e r e d o nuinmulitica. F 282. Terrassen-Diluvium im nördlichen Tirol. 205.
— zwischen Olmütz und Brünn. F 52. — in Unter-Steiermark. 353. Tertiäres von
Alsohagymäs. F 194. — des Bakonyer Waldes. F 124, 211. — der bayerischen Alpen.
F 280, 281. — in Dalmatien. F 236, 239, 241. — von Jaromieric. F 297, 298. — von
Könnend. F 84, 85. — im Körös-Thal. F 16. — des Lapos-Gebietes. F 193, 194. — in
der Militärgränze. 529, 530, F 83, 216, 217, 256. — im nördlichen Tirol. 204. — zwischen
Olmütz und Brünn. F 51. — im Rhätikon. 198, 204. — im südwestlichen Siebenbürgen.
F 59, 60. — im südwestlichen Ungarn. F 111, 217. — in Unter-Steiermark. 314, 316, 318,
324, 325, 326, 334, 339, 356, 360. — in Vorarlberg. 198, 204. — im westlichen Slavonien.
285, F 116. — (älteres) im nordwestlichen Siebenbürgen. F 5, 6. Tertiär - Becken
von Cilli. 320, 346. — — von Eperies. F 46. von Gratz. F 11. von Pozek.
F 83. von Rann. 321, 352, F 53. von Reichenburg. 321, 349. von Wien.
V. 17, 18, 119. Petrefacte der südlichen Alpen. F 16, 17. Tetralophodon sp.
F 271. Textularia abbreviata. 289. — articulata. 288. — deperdita. 289. — laevigata.
289,295. — Mayeriana. 288,289. Thalassictis viverrina. F 286. Thamnastraea
Alpina. F 42. — Rhaetica. F 42. — splendens. F 40. Thiergarten zu Wien. F 237.
Thinnfeldia. F 199. Thon (blauer) des Quaders. 513, 515. — (rother) des
Neogenen. F 529, 530. Thon-Eisenstein im Neogenen. F 256. — des unteren
Silurischen. 242. Thonschiefer im nördl. Tirol. 118. — im westlichen Slavonien.
F 203, 204. — (azoi'seh-silurischer) von Pribram. 227, 233. Thonstein-Porphyr
des Orljava-Gebirgs. F 194. T h r a c i a ventricosa. 344. Topographie des böh-
332
Sach-Register.
mischen Riesengi birgs. 397. — von Unter-Steiermark. 312. Toxaster Brunneri. 160.
— Campichei. 166, F 44. — complanatus. F 44. — Saentisianus. 166. Trachyt bei
Cifly. 359. — in Geschieben. F 160. — des Kalniker Gebirgs. V 79. — des Lapos-
Gebietes. F 193. — des Meleghegy. Fi 110. — im mittleren Ungarn. V 122, 123.
des Szamos-Gebietes. F 32, 33, 34, 194. — im westlichen Slavonien. 291. F. 116.
Porphyr in Siebenbürgen. V 15,16. Trapp-Ergüsse im Silurisehen. 211,
213, 214. — -Gesteine der südlichen Alpen. F. 17. Tragoceras sp. F. 286.
Trias im Bakonyer Wald und Vertes-Gebirg. V. 164, 195. — der bayerischen Alpen.
F 40. — in Dalmat en. F 235, 236. — von Daruvar. F 202. — der .Militärgrenze. 527,
528, F 255. — im nördlichen Tirol. 115. — des Orljava-Gebirges. F. 202. — des Szamos-
Gebietes. V. 33. — in Unter-Steiermark. 316, 324, 325, 360. — in Vorarlberg. 87, 101,
104, 107. — (eisenführende). F. 299. — (Eisenerze des lombardischen). F. 47. — (Galmei-
Lager der). F. 129. — -Kohle. Proben. 70, 533. — -Lias-Zone (Grenze der)
gegen den Flysch. 107, 108. Trieb omanites Lipoldianus. F. 70. Trigonia
Deshayesiana. F. 282. Triloeulina intlata. F. 305. Trinucleus Goldfussi. 250,251.
— ornatus. 245. — Ileussi. F 176. Triton basalticus. 379. — opalinus. 379. Trocho-
cy athus mammillatus. F 45. — multicostatus. F. 282. — verrucosus. F. 282. Troehos-
m i 1 i a sp. F 17, 271. Trochotoma striata. F. 130. T r o c h u s Alpinus. F. 42.
cumulans. F 17. — Münsteri. F 282. — patulus. F. 63. — perstriatus. F. 42. — Podolicus.
F 217. — Pseudo-Doris. F. 42. — Turricula. F. 63. — sp. 156,343. Trümmer-
Gesteine in Unter-Steiermark. 331. Truncalula hifrons. F. 281. Truncatulna
lobatula. 288. Tuff (basaltischer) am Plalten-See. V. 147. — (Bruchstücke von Cerithien-
Kalk in basaltischem). F 218. — (eocener) in Unter-Steiermark. 325, 337, 338, 339, 356,
361. T u r b i n e I 1 a sp. F. 130. T u r b i n o I i a Bbaelica. F. 42. T u r b o Emmrichi.
F. 42. — graniger. F. 43. — recte-coslatus. F. 271. Turbonilla Werdenfelsensis.
F 42. Turmalin-Granit. F 177, 178. Turrililes Bergeri. F. 44. Turritella
Alpina. F 42. — Archimedis. F. 17, 18. — crispata. F. 282. — diverseeostata. F. 283.
— imbricataria. F 68. — quadri-canaliculata. F. 283. — striatissima. F. 42.
Ulmus ßrauni F 294. Unio flexecostatus. F. 283. — inaequeradiatus. F. 283.
— inflatus. F 203. — sp. 296,299,393. Urgonien. 171. Ursus spelaeus. F. 16, 74.
Ur-Thon schiefer im böhmischen Riesengebirg. 400, 416, F. 59. im Czaslauer und
Chrudimer Kreis. F 127, 128. — — von Prosec und Policzka. F. 289. des Vrdnik-
Gebirges. F 159. Uvigerina pygmaea. 289.
Vaginulina ßadensis. 288, 289. Valenginien (Kreide) in Vorarlberg. 164,
166. Valvata piscinalis. 297, F 217. Venus Helvetica. F 281. — incrassata. var.
Stiriaca. 341, 342. — multilamella. F. 119, 305. — ovalis. 376. — plana. F. 48. — sub-
donacina. F 41. — umbonaria. V. 63. — sp. 343, F. 125, 297. — -Arten des Wiener
Beckens. F 119. Vermetus gracilis. F 281. Verrucano im Bakonyer Wald und
im Vertes-Gebirg. F. 164, 205. — in Siebenbürgen. F 33. — in Vorarlberg. 91, 100, 131.
— (Eisenerze im lombardischen). F 47. Vertebraria sp. F 80. Verwerfungs-
Spalten in Trias und Lias von Vorarlberg. 109,115. Vilser (jurassischer) Kalk
im nördl. Tirol. 131,193. V i n c u 1 a r i a nurnmulitica. F 281. Virgloria- (Trias-)
Kalk im Bakonyer Wald und im Vertes-Gebirg. F. 165. — im nördlichen Tirol. 118, 131,
148, 151, 531, 532. — in Vorarlberg. 90, 91, 98, 99, 101. Volkmannia elongata. F. 242.
— gracilis. F 242. — polyslachya. 382. Vulsella interne-striata. F. 281.
W a c k e pseudomorph nach Analcim. F 80. — (basaltische) mit Saphiren und
Zirkonen. F 27. Wälder (fossile) im böhmischen Rothliegenden. 392,393. Wald-
h e i in i a mutabilis. F 228. — nimbata. F 228. Warmquelle von Johannisbad. 411.
Wasser in und um Wien (Commission über das). F 7. Wassers der Donau (Analyse
des). F 35. — des Kamp-Flusses (Analyse des). F 107. Wasserkarte von Paris.
F 86. Wasser-Versorgung der Insel Lissa. F 259. Werfen er (Bunt-Sandstein-)
Schichten im Bakonyer Wald und im Vertes-Gebirg. F 164, 205. — der bayerischen
Alpen. F 40. — in Dalmatien. F 241, 255. — bei Füred. F 206. — in der Militargrenze.
F 240, 256, 298, — des Solsteines. 148. — in Unter-Steiermark. 316, 324, 325. — (Eisen-
erze führende) von Kohlberg und Kogelanger. F 300, 301. — (umgewandelte). 318.
Werkzeuge und Waffen im Diluvium. F 161,163. — bei Eggenburg. F. 162,163.
— der keltischen und keltogallischen Periode. F 162, 163, 164. Widdringtonites
acutilobus. F 142. — sp, F 199. Wo 1 laston-M edaill e (Zuerkennung der). F 38.
Xenaeantbus Decheni. 382, 509. Xenophora cumulans. F 17, 18.
Ziahoraner (untere Silur-) Schichten. 60, 62, 245, 248, 249, 250, 253, 255,
276, 278, 281. Zamites gracilis. F 144, 199. Zeolith (neue Art von) aus derColonie
Victoria. F, 27. Zinkblende von Petze!. 361. — -Schliche, Probe. 534. Zink-
Erze des Ivanecer Gebirges. F 135. — — des Raibler Gebietes. F 292. Z i p p e a
disticha. F 141, 142. Zirkon von Victoria (Australien). F 27. Zouarites digitatus. F 294.
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